Mittwoch, 8. Juni 1927 1927-06-08 Arthur Schnitzler Tagebuch 1879–1931 Arthur Schnitzler Peter Michael Braunwarth Data creation in LaTeX [for print edition] by Peter Michael Braunwarth Data transformation to XML by Matej Ďurčo Data collation, structural and semantic annotation by Peter Michael Braunwarth Data transformation to TEI by Peter Andorfer Index collation of mentioned places Ulrike Czeitschner Index corrections Martin Kirnbauer Index collation and corrections Martin Anton Müller Austrian Centre for Digital Humanities, Austrian Academy of Sciences
Sonnenfelsgasse 19 1010 Vienna
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Vienna 2017

The Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0) License applies to this text.

The CC BY 4.0 License also applies to this TEI XML file.

http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-16A5-1
Tagebuch 1927-1930 978-3-7001-2120-6 Arthur Schnitzler Werner Welzig Obmann der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth Susanne Pertlik Reinhard Urbach Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 1997 1927-1930 053 509 Tagebuch 1879-1931 - Gesamtausgabe 978-3-7001-0395-0 Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig. Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach Band 1-10

Annotation according to TEI/P5.

All end-of-line hyphenation has been removed: any remaining hyphenation occurred within the line

personal names, place names, dates

Wien

8/6 Träume gegen Morgen: In der Burg (Schönbrunn?) beim Kaiser Franz Josef (in dunkelm Sacco ― Trauer?), großer Saal,― auch andre Leute? wenige … Zeige dem Kaiser eine ill. Ztg., wo mit andern Bildern auf gleicher Seite, ineinander eins, das einen offnen Balkon zeigt, auf dem der Kaiser mit Kronpr. Rudolf als Knaben. Kaiser will Vervielfältigung des Bilds;― ich schlage vor, zu vergrößern; (wir gehen in dem Saal immer herum),― ich entferne mich, um den Wunsch des Kaisers weiterzugeben,― will einem (bestimmten?) Journalisten schreiben ― oder ihn sprechen, entwerfe innerlich einen Brief in dem zu oft „Majestät“ vorkommt ― ich (wir ― aber wer?) ― in einer Art Landauer die Reichsstraße ― etwa bei Inzersdorf ― mir vis à vis H. K., aber unhübsch, die Häßlichkeit des Kinns fällt mir auf (― V. L.s Verletzung!) ― es sind an der Straße zwei kleine Sternwarten,― ich lobe besonders die eine, die eben sichtbar wird ― ein schlanker Thurm, oben glänzende Metallkuppel, aber zugleich eine offne Plattform, kreisrund, mit weiss gedecktem Tisch, an dem jemand, der Astronom, schreibend, sitzt. (Er kann allein sein, oben essen und zugleich arbeiten.) ― H. K. nicht mehr im Wagen, ich blicke nach rückwärts, rufe,― sie, die eben in eine Seitenstraße eingebogen, guckt wieder, sichtlich erfreut um die Ecke. Schleppt irgend einen pers. Teppich nach ― oder steht der mit dem Wagen in Zusammenhang? (Die Geschenke für Lili ― V. L. auch wollte ihr einen Teppich kaufen.) An einem Haus rotirt in mäßiger Höhe eine Art Doppelschwert wie Windmühlflügel hin und her, ich denke ― wie unvorsichtig! das könnte ja Autofahrern den Hals abschneiden oder die Augen zerstören (Deutung liegt allzu nahe);― ich bin in einer Eisenbahn;― ein Controlor (in Civil), zur Antwort (auf was?) erwähnt er etwa … nun jetzt, wo wieder der Krieg bevorsteht (anders!) ― es entsetzt mich so, dass mir übel wird (ähnliche Empfindung wie bei der Todesnachricht, als R. L. sie mir überbrachte) ― weiss dass die andern das furchtbare nicht verstehn, empfinde geradezu die kommende Vernichtung durch Gas etc. (Gespräch neulich, als Alma, Friedell da waren etc.);― ein (mein?) steifer Hut, immerwährend verbuckelt, durch draufsitzen oder dgl. ― (der schwarze steife Hut, den Franzi gestern seinem Vater und mir zeigte) ―

Vm. weiße Rosen zu L.’s,― ins Zimmer von V. Während ihr Begräbnis stattfand, sass ich eine Weile mit ihm, ihrer Mutter (die aus einem hebr. Gebetbuch betete) und Franzi;― dann lange ganz allein, in ihrem Zimmer; sah ihre Bücher durch, die auf der Etagère waren (die ich ihr zum Einzug geschenkt).― (Am Samstag war auch das Telefon,― ihr neues privates gekommen!) ― Später kamen die Verwandten, auch Ruth vom Friedhof.― Ihr Bruder Ferry war in Sollenau gewesen, gestern,― sie holen ― es waren lauter furchtbare Verletzungen, auch Gehirn ― so dass sie gewiss im Augenblick todt war.― Er sah auch die Unglückstelle, zeichnete mir einen Plan ― klar, dass das Unglück nur geschah, weil Dr. L. einem Wagen vorfuhr. Von dem Meilenstein, an den er zuerst fuhr, bis zu dem Baum an dem der Wagen zerschellte waren noch 31 Meter!,― er hatte offenbar ganz den Kopf verloren.― Man darf nicht dran denken.―

― Nm. arbeitete ich an aphoristischem ―

Traf H. K., die vom Prater (Donau) kam, beim Tegetthoff Monument ― brachte sie einfach nach Hause, so angenehm mir ihre Gegenwart war. Der Donau scheint sie schon sehr müde.