4/8 Traum: H. K. bei mir (andre Wohnung als meine) ― plötzlich ist irgend
wer da, oder nah, Heini,― ich wundre mich, nicht angenehm berührt,―
H. K. nun ganz angekleidet, sitzt am Clavier, singt (ich höre es eigentlich
nicht), begleitet sich; auch Lili ist da;― Thüren stehn offen,― Leute;―
ich sehe etwa im 4. Zimmer, fern in der Thür O., im Profil ― wie sie gibt
eine Gesellschaft ― ohne mich gefragt zu haben? ― vorher schon fragt ich
Lili, ob Mutter heut Abend zu mir käme? Lili sagt nein,― immer mehr Leute,
schattenhaft, einige deutlich,― etwa die alte Jenny Mayer (die ich neulich
Bahnhof Payerbach gesehn) ― in einem Cabinet ist Garda Kaufmann ― wie,
schon in Gesellschaft, obwohl ihr Mann erst kürzlich gestorben? ― sie ist
grau, irgendwie bräutlich gekleidet, mit einer Art Myrthenkranz, kommt auf
mich zu, streckt mir die Hand entgegen, sagt irgend etwas, ist ein wenig
unheimlich ― ich durchschreite, um H. K. zu suchen, andre Zimmer, überall
Leute (schattenhaft) im letzten Zimmer richten zwei Dienstmädchen
unbekümmert Ehebetten her (vorher schon, in einem andern Zimmer liegt
Lili, etwas indecent überquer, in einem braunen Kleid, auf einem Sofa,
kugelt sich vor Lachen „du weißt nicht, warum ich lache“) ― ― ich
beschließe das Haus zu verlassen, H. K. wird wohl unten auf mich warten;―
eine Dame (welche) soll singen und hat Angst; vorher noch während H. K.
singt, sitzt Gisa hinter ihr, mit altmodischem Hut wie auf der Photogr. in
meinem Zimmer;― ich sagte zu H. K.: Sie machen Sensation, Fräulein ― in
ein andres Vorzimmer; dort hängen Mäntel; einen befrackten Diener frage
ich: Wo hängt mein Überzieher, ― ich bin nemlich der Hausherr;― er hat ein
Tablett in der Hand und nickt verständnisvoll, in einem Seitengang des
Vorzimmers stehen zwei Herren, bekannte, einer, kleiner mit einem
Schnurrbart, der seitlich blau ist;― macht eine scherzhafte Bemerkung über
mein Fortgehn, ich sage: ich liebe so große Gesellschaften nicht,― ich kann
weggehn, auch wenn sie in meinem Hause stattfinden;― in der Thür, wie ich
fortgehe, erscheinen neue Gäste, zwei Damen, eine etwa Frau Lewinsky, das
Stiegenhaus ist fremd ― ja, der andre Ausgang, hinab, sehr geräumig,― ich
finde das Thor nicht, bin in einer Art Postamt, ohne Menschen, irre weiter,
wieder derselbe Raum, aber nun eine Art eleganter Schankraum, weiße
Kellner, einer nimmt eine Flasche Champagner, steckt sie einem andern in
den Mund, wie um ihn zur Besinnung zu bringen,― ich suche weiter, gerathe
wieder in einen Saal, wo Gesellschaft;― vorher aber liege ich im Bett, weiss
dass ich träume u. zw. im Fieber, es gelingt mir nicht aufzuwachen;― in dem
neuen Raum ist eine Art Ausgang, ein Fenster, nein ein Balkon ― gegenüber
eine riesige byzantinische Kuppel,― zu meiner Rettung nehm ich eine
Champagnerflasche, will sie hinabschleudern, um Lärm zu erzeugen,― sie
fällt in irgend einen gepolsterten Raum, all das ist künstlich ― zwei oder
drei ältliche junge Damen in Ballkleid stehen nun im Fenster; ich sage
ihnen: Sie existiren nicht, ich träume Sie nur ― ; sie machen so sonderbare
Gesichter, so dass ich zu zweifeln beginne, dann sage ich ihnen: Sie spielen
ausgezeichnet, aber Sie existiren doch nicht; ich schreie es geradezu, um
meine eignen Zweifel zu besiegen und wache endlich von meinen Schreien
auf. (Die Flucht des Helden in Melvilles Taipi spielte in den Traum hinein.)
Vm. Miss Willoughby (London), mit Empfehlung von Bn. Franckenstein
(einst „Bubi“ genannt) Gesandter in England (Felician Wergenthin) ― wegen
Aufführung eines meiner Stücke im Rahmen der Intern. Theatre Society.―
Dictirt aphoristisches, Briefe.―
Gegen Abend (nach Gewitter) zu C. P., ihr Mscrpt. meines Romans gebracht,
Kino (die leichte Isabell), mit ihr im silb. Brunnen genachtm.