Donnerstag, 26. April 1928 1928-04-26 Arthur Schnitzler Tagebuch 1879–1931 Arthur Schnitzler Peter Michael Braunwarth Data creation in LaTeX [for print edition] by Peter Michael Braunwarth Data transformation to XML by Matej Ďurčo Data collation, structural and semantic annotation by Peter Michael Braunwarth Data transformation to TEI by Peter Andorfer Index collation of mentioned places Ulrike Czeitschner Index corrections Martin Kirnbauer Index collation and corrections Martin Anton Müller Austrian Centre for Digital Humanities, Austrian Academy of Sciences
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Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Vienna 2017

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http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-17E8-5
Tagebuch 1927-1930 978-3-7001-2120-6 Arthur Schnitzler Werner Welzig Obmann der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth Susanne Pertlik Reinhard Urbach Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 1997 1927-1930 149 509 Tagebuch 1879-1931 - Gesamtausgabe 978-3-7001-0395-0 Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig. Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach Band 1-10

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Rhodos

26/4 (St. d’I.) Traum.― Mit Julius (oder Heini) auf einen Dampfer im Hafen, etwa „Stella“ (niemand sichtbar außer uns), ganz eng, in einen Winkel; wollen baden, schwimmen; lieber zuerst über das Schiff daneben (beide eigentlich armselige Dampfer), aber wir kommen nicht drüber, passiren einen hügeligen Park, um ins freie Meer zu kommen, gerathen in eine Art Feuerwehrfest, können uns den engen Pfad nicht durchdrängen, zurück, dann einen steinigen Weg, die nackten Füße schmerzen, über eine Art ganz kurze Brücke, einen Parkweg, es ist Triest, vor, hinter uns, Leute, ich Schwimmanzug, Bademantel und Überzieher, Heini (Julius) ist wohl da, aber irrelevant,― ein kleiner Herr mit Cylinder?,― ein Mädchenpensionat, ganz wenige, eine ein Buch in der Hand, ich neugierig, sehe: „Laube“ auf dem Einband, dränge mich ein wenig an sie;― weiter, enger gewölbter Gang, nur einer hinter dem andern Platz, was altes, doch eigentlich ist es Neubau, weitet sich, Vorhalle zu Kirche, der Diener indignirt schließt die Flügeltüren,― hinter denen viele Menschen gedrängt, Gottesdienst, Feier, Einweihung,― ich bleibe (wie andre) heraussen, rechts daneben Sakristei, Lili ist darin (in ihrem schwarzen einfachen Kleid), eine (unsichtbare) Dame zeigt ihr was, u. zw. ― einen gestickten Kirchenstoff, der ein Emblem, etwas religiöses vorstellt; ich möchte nicht, dass Lili länger in der Sakristei bleibt; wende mich, in der Vorhalle, an einen Herrn von früher, er möge mir Lili herausschicken;― der Herr ist aber ein andrer,― dunkle Lakaien- und Kirchendienertracht; Mantel, schwarzer Schnurrbart, er sagt „ja es ist wirklich schon zu viel“, ich finde seine Aussprache jüdisch, nun ja es gibt Christen, die jüdeln, denke ich,― er nimmt den Mantel ab, versorgt ihn umständlich in einem Fach unter einem gläsernen (Heiligen?)Schrein, (aufwärts gerichtete sarkophagartige) ― reibt sich die Hände (wie es ähnlich Sampò macht) ― und verschwindet in die Sakristei.―

Ankunft Rhodos. Mit L. und A. Land. Burg der Johannisritter, in den Straßen;― Wagen (Auto); Fahrt längs des Meers, Höhe und zurück. Entzückende Insel, wohlgehalten, seit ital. Herrschaft.― Hotel,― besonders schön, besichtigen Zimmer, trinken Americano in der Halle. Aufs Schiff zurück ― Abfahrt 3 Uhr.― Meerfahrt.

Lese Paléologue und Dreiser weiter.― Das Diner (immer zu früh) ― dann Deck herum; im Rauchzimmer (Krum Oberstl.; sympathischer altoest. Offizier (es ist heut von Ltnt. Gustl u. dgl. die Rede)). ― Lili, Arnoldo tanzen, ein gut aussehendes Paar; Lili von einer wirklich vollendeten Anmut.―

An Wien denk ich ― von der Bequemlichkeit des Hauses abgesehen, ohne besondre Freude und kaum mit Sehnsucht.