Donnerstag, 9. August 1928 1928-08-09 Arthur Schnitzler Tagebuch 1879–1931 Arthur Schnitzler Peter Michael Braunwarth Data creation in LaTeX [for print edition] by Peter Michael Braunwarth Data transformation to XML by Matej Ďurčo Data collation, structural and semantic annotation by Peter Michael Braunwarth Data transformation to TEI by Peter Andorfer Index collation of mentioned places Ulrike Czeitschner Index corrections Martin Kirnbauer Index collation and corrections Martin Anton Müller Austrian Centre for Digital Humanities, Austrian Academy of Sciences
Sonnenfelsgasse 19 1010 Vienna
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Vienna 2017

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http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-1851-E
Tagebuch 1927-1930 978-3-7001-2120-6 Arthur Schnitzler Werner Welzig Obmann der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth Susanne Pertlik Reinhard Urbach Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 1997 1927-1930 179 509 Tagebuch 1879-1931 - Gesamtausgabe 978-3-7001-0395-0 Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig. Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach Band 1-10

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Wien Peter Jordan Straße

9/8 Träumte von Lili. Sie sollte ein amerik. Duell haben ― mit irgend wem nach einem Streit beim Kartenspiel. Sie ist irgendwie da, blass, unreal, traurig und stumm ― sieht am ehesten einer in ein schwarzes Kleid gewickelten Mumie gleich, säulenhaft, schief, im Raum, der keine Charakteristika hat … Ich und Olga zittern um sie;― ich sage ihr: Wenn du dich erschießt, wird dein Gegner zum Tod verurtheilt. Bin aber überzeugt, sie zurückhalten zu können, habe Angst, dass bei ihrem Ehrgefühl doch ihr Entschluss nicht auf die Dauer verhindert werden kann ― und denke, dass man sie nicht immer bewachen kann.―

― Heinis 26. Geburtstag.― ― Trübe Feier.

Tel. O. wegen Aenderung Reisepläne; sie wollte gleich mit uns allen; nach München resp. Hohenschwangau;― und dann erst Venedig;― was schon wegen Arnoldos Urlaub unmöglich. Da ich ihr das erkläre ― ist sie sofort ungehalten;― wie Arnoldo und Heini dann zu ihr in die Pension gehn, fügt sie sich natürlich ohne weitres.―

Dictirt Tgb. Lili weiter.―

― O. den ganzen Tag abweisend,― wie nur sie es, auch unter solchen Umständen sein kann … Die Unveränderlichkeit ihres Wesens;― der tiefe Mangel an Einsicht;― die Unfähigkeit eine andre Meinung auch nur zu ertragen als die eigne,― die Gabe, ringsherum eine Atmosphäre des Schuldigfühlens zu verbreiten, hat etwas erschütterndes. Dora kam gegen Abend, ich sprach eine Weile allein mit ihr: O. ist tief verbittert ― dass ich nicht einfach ohne jede Rücksicht auf C. P. alles weiter verfüge. Wie sie mir in jenem ersten Gespräch sagte. „Sie soll sich umbringen.“ ― Was natürlich so nicht gemeint ist und doch ihre innerste Stimmung wiedergibt … „Mich nicht belasten …“ darauf allein käme es an.― Wie wohl thäte ― wenn jetzt etwas wohl thun kann ― continuirliche Güte, Verstehn, wirkliches Verstehn ― nicht nur von sich selbst aus …― Ich begleite Dora zum Auto;― heute Abend fahren sie alle an den Karersee.―

― Julius, dieser brüderlichste aller Brüder kam gegen Abend, wir sprachen alle lang auf der Terrasse.―

― Heini Arnoldo und ich begleiten O. in die Peter Jordanstraße.