Mittwoch, 30. April 1930 1930-04-30 Arthur Schnitzler Tagebuch 1879–1931 Arthur Schnitzler Peter Michael Braunwarth Data creation in LaTeX [for print edition] by Peter Michael Braunwarth Data transformation to XML by Matej Ďurčo Data collation, structural and semantic annotation by Peter Michael Braunwarth Data transformation to TEI by Peter Andorfer Index collation of mentioned places Ulrike Czeitschner Index corrections Martin Kirnbauer Index collation and corrections Martin Anton Müller Austrian Centre for Digital Humanities, Austrian Academy of Sciences
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Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Vienna 2017

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http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-1AC6-8
Tagebuch 1927-1930 978-3-7001-2120-6 Arthur Schnitzler Werner Welzig Obmann der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth Susanne Pertlik Reinhard Urbach Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 1997 1927-1930 331 509 Tagebuch 1879-1931 - Gesamtausgabe 978-3-7001-0395-0 Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig. Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach Band 1-10

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Wien Meissl & Schadn

30/4 Neulich Traum: In einem indifferenten Zimmer, zugleich dort eine indifferente Wärterin oder dgl.;― ich entblößter Oberkörper; gleichbedeutend mit Vorbereitung zu Hinrichtung;― die Thüre öffnet sich;― Helene (meine Schwägerin) tritt ein; ich: gut, dass du kommst, um 12 findet meine Hinrichtung statt. Dann fällt mir ein;― Todesstrafe ist ja abgeschafft;― es kann doch nicht eine vollzogen werden, die unter der Monarchie verhängt wurde;― warum flieh ich nicht; dann aber lebenslängliche Kerkerstrafe ― ?―

― Ferner ein Traum; dass ich mit Suz. (die sich aber zuweilen in C. P. verwandelt) im Vorraum eines Kino, sie verliere; finde;― dann erwartet sie mich (Wieden) unter dem Thor einer Schule u. s. w.

Traum von heute: In einem Spitalszimmer (?) kahl,― am Bette von Suz.; sie wird morgen hingerichtet ― ich bin verzweifelt; sie ruhig; der Priester, eine Art Landpfarrer, bäurisch kommt, ich sage ihm, ob er nicht noch warten könne ― erst vier Uhr früh;― er entfernt sich; Suz. sagt, ich hätte indess auf dem Gang hin und her gehen können;― man werde mir das Vorgehen wieder übel nehmen (Dtg.: Bernhardi ― das Spital irgendwie das Venezianer Spital ― Lili ―) ―; dann Kirche, was auch im Zusammenhang mit der Hinrichtung;― eher große Kapelle; der Altar, eher Podium erhöht; Priester im Ornat;― ihm gegenüber die Verurtheilte, nun O. ― schwarz gekleidet, wie auf einem Heiligenbild ― doch erinnert, ganz ins decente, der schwarze Faltenwurf an „Lola-lola, im blauen Engel ―“ ―; ganz rückwärts, dem Ausgang nahe stehe ich mit Suz., oder O. ― und ich frage mich, warum ich nicht ein Begnadigungsgesuch eingereicht ― Suz. sagt: noch Zeit ― ihre Ruhe irritirt mich; ich bin tief erregt, knieend;― streiche über ihre weißen Atlasaermel; ich entwerfe das Telegramm: Au président ― demande immédiatement (anfangs immer impitoyable (Dtg.: dass ich in der Übersetzung der derniers masques von Suz. das „à plaindre“ bemängelt und sie es durch „pitoyables“ ersetzt hatte)) ― pardon pour écrivaine S. Cl. ― condamnée à mort presque innocente ― ganz deutlich;― nun in einer Art Garten;― Suz. und Begleiterin, etwa eine „Mademoiselle“,― ein niedres Landhaus (etwa Ruf des Lebens, das ich neulich vornahm) ― ich weiss, man muss durch das Haus und durch unterirdische Gänge zur Post;― bin mit einem Herrn, schwarzer Vollbart, im Tunnel;― Suz. und Fräulein unerträglich langsam nach;― die Tunelle breit, hoch, gebogen;― uns entgegen Offiziere mit Damen;― es ist etwa ein Balkanstaat;― einige Offiziere, wie zum Hohn, oesterr. Cavallerieuniformen; einer trägt eine in der Hand ― wie ein Maskenkleid, Dragoneruniform;― ich wundre mich;― vorbei;― hier theilt sich der Gang;― ist verlegt, wie mit Eisenbalken, dort eine Stiege hinauf, dort hinunter ― wo ist das Amt,― ja: hier, am einen Ende, ein langer Tisch, dahinter ein paar Beamte;― ich frage den lächelnden Herrn mit schwarzem Vollbart, ob er nicht (wegen meiner schlechten Schrift) die Depesche schreiben wolle;― wo ist Suz.,― eilt sie noch immer nicht;― da kommt sie ganz als O., mit dem „Fräulein“ eine unterirdische Stiege herauf,― wie aus einer Toilette;― eigentlich als ginge sie das ganze nichts an;― wenn die Begnadigung erfolgt, denke ich, wird alles sein, wie ein böser Traum;― dann erwach ich wirklich;― zuerst noch unter dem Eindruck dass sie verurtheilt ist ― dann aufathmend, dass alles wirklich ein Traum.

Früh tel. mit O. Berlin ― U. a. wünschte sie, wegen des Bildkaufs (Neugebauer; angeblich besondre Chancen) Bürgschaft bei Direktor Feilchenfeld;― erklärte mich bereit, weniger aus Überzeugung als um ein Element der Unruhe auszuschalten.―

Dictirt „Heimkehr“.

Nach 12 Suz., die nahe, bei R.s eingeladen war.―

― Nm. nach wie vor Bangigkeit, Müdigkeit.―

Zu C. P.; wo die Baronesse Gisela Berger.―

Mit C. P. Kino „Nacht gehört uns“ (hatte es schon in Berlin gesehn;― interessirte mich diesmal mehr).

Mit C. P. Hotel Meissl.