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Fly! Airliner Series 757
von Precicion Manuals Development Group

getestet von H.-P. Franzen

Als simFlight.de mir vorschlug die Boeing 757 in der Version von Precision Manuals zu testen, bin ich auch deswegen sehr gern auf den Vorschlag eingegangen, weil ich, zusammen mit der Boeing 767, dieses Muster beruflich fliege und sich mittlerweile etwas über 4000 Flugstunden bei mir angesammelt haben. Außerdem war ich besonders neugierig, denn dieses Flugzeug ist ja das meines Wissens erste Schwergewicht das in FLY! geflogen werden kann.

Wenn ich irgendwelche technischen Daten, die von PM genannt werden, kommentiere, so habe ich sie mit Boeing´s 757-2G5 (-200) Flughandbuch verglichen. 

Erste Eindrücke und ein Außencheck
Da es einige Zeit dauern sollte, bis ich das Produkt in Händen halten konnte, (PM´s B-757 ist nur als download zu erhalten, und nur wenn man 25 US-Dollar per Kreditkarte online überweist!) studierte ich schon mal die vielen Screenshots von Instrumentenbrettern und Außenansichten des Flugzeugs, das in den Lackierungen von US Airways und United Airlines "geliefert" wird. Immer mehr verbreiteten sich übers Internet, eines vielversprechender als das andere - allerdings weckten diese schönen Bilder auch recht hohe Erwartungen, und so entdeckte ich schon nach kurzer Zeit einige Unstimmigkeiten. Aber dazu etwas später.

Das erste zuerst: Das Download ist 16 MB groß gepackt (entpackt 48 MB) und läßt sich absolut problemlos installieren! Alles gehört in den FLY!/Aircraft Ordner, nichts muss (etwa aufgeteilt oder getrennt und dann) auf verschiedene Ordner verteilt werden. Und außerdem: Diese B-757 kann deinstalliert werden ohne daß dadurch die Original FLY!-Flugzeuge unbrauchbar werden. Einige von Euch erinnern sich vielleicht an jene traurige Zeiten mit dem FS 98, als eine entsprechende Deinstallation ein schönes Durcheinander hinterließ.

ATT00121.jpg (42555 bytes)Nach der Installation kann man dann Platz nehmen (Links bitte. Jawohl, auf dem Kapitänssitz natürlich!) und genießt die gleiche Rundumsicht im Cockpit wie schon von den anderen FLY!-Flugzeugen her gewöhnt. Diesmal natürlich im strahlend neuen Boeing Cockpit, aber genauso horizontal und vertikal scrollbar wie die kleineren. Alle Panels, ein Decken- und ein Hauptinstrumentenpanel sowie eine vordere (mit u.a. den Schubhebeln, Gashebel gibt es nicht weil die Boeing keine Vergaser hat ;-) ) und eine hintere (mit diversen Funkgeräten) Mittelkonsole, sind vorhanden. Darüber hinaus sind auch die Ansichten der Seitenfenster mit ihren Öffnungsmechanismen (einschließlich eines Kopfhörerkabels genau da, wo ich meines immer befestige!) genau abgebildet und wenn man sich ganz nach rückwärts wendet sieht man sogar die Cockpittür! Die bräunliche Farbe der Panels, die Farbe der Instrumente selbst und die verschiedensten Beschriftungen und Aufkleber sind tatsächlich sehr wirklichkeitsnah nachempfunden. Zu der Farbgebung hat Boeing seinerzeit eingehende Studien betrieben um alles möglichst augenfreundlich zu gestalten - schließlich kann die 757 als Mittelstreckenflugzeug auch schon etwa acht Stunden in der Luft bleiben. Siehe Bild 1.

Dieser erste Eindruck ist schon sehr zufriedenstellend! Aber schließlich sollen all diese schönen Instrumente ja auch funktionieren und obendrein ist es Zeit, die Kaffeemaschinen anzuheizen. Ich persönlich bin überhaupt kein Freund hoher g-Belastungen oder anderer Abenteuer in einem Flugzeug, ich trinke meinen Kaffee am liebsten aus meinem Becher und wische ihn gar nicht gern vom Boden auf! Mit anderen Worten: wir brauchen jetzt etwas mehr Elektrizität an Bord. Ich folge einfach der normalen Cockpit Preparation Checklist wie ich sie auswendig kenne, (von einer Fluggesellschaft zur anderen gibt es da sicher Unterschiede) und drücke den unter einer Schutzklappe liegenden Batterieschalter ein. Das bringt schon mal etwas mehr Licht ins Cockpit, die wichtigsten Instrumente funktionieren, Warnlampen leuchten auf und die Feuerwarnsysteme der Triebwerke und der APU (Auxiliary Power Unit, Hilfsturbine) sind damit betriebsbereit. Unmittelbar neben dem Batterieschalter ist die Warnleuchte für das Entladen der Batterie angebracht, sie leuchtet jetzt auf, schließlich wäre die Batterie ja irgendwann einmal leer. 

Nächster Schritt: Stand-by power selector auf AUTO. Jetzt speist die Batterie noch einige Stromkreise mehr und jetzt ist es angebracht die APU zu starten damit ihr Generator die elektrische Versorgung übernehmen kann. Diese sog. APU ist eine "kleine" Gasturbine von immerhin rund 1200 PS, die Druckluft für u. a. die Klimaanlagen und die Triebwerksstarter liefert und außerdem einen Generator treibt, der genauso leistungsfähig ist wie diejenigen, die von den Triebwerken direkt angetrieben werden. Ein solcher Generator allein kann im Flugzeug zumindesten die wichtigsten elektrischen Verbraucher versorgen. Ich drehe also den APU start selector ganz nach rechts in die Stellung START und jetzt müßte er eigentlich von selbst wieder auf die Mittelstellung ON zurückspringen - tut er aber nicht. Zu dieser Zeit wußte ich noch nicht wie detailliert PMDG die einzelnen Flugzeugsysteme simuliert, aber dieses Detail ist schlicht und ergreifend falsch! Niemand würde den Anlasserknopf oder den Zündschlüssel z.B. seiner Cessna in der START-Position festhalten nachdem der Motor angesprungen ist, oder? Mittlerweile habe ich in PMDG´s Handbuch gelesen, daß diese spezielle Einzelheit und einige weitere Unstimmigkeiten auf bestimmte Begrenzungen des FLY!-Programms zurückzuführen sind. FLY! ist zwar ein sehr ausgezeichneter Simulator, allerdings hauptsächlich für Flugzeuge der Allgemeinen Luftfahrt, sodaß PMDG hier nicht immer auf schon vorhandene Schaltungen in FLY! zurückgreifen kann. Nun ja, ich bin jetzt gewarnt und halte mich von nun an lieber an die Checklisten von Precision Manuals und weniger an die von Boeing.

ATT00100.jpg (19709 bytes)Jedenfalls heizt sich jetzt meine geliebte Kaffeemaschine auf und so kann ich in der Zwischenzeit gut einen Außencheck durchführen. Ohne Kaffee gibt es im Cockpit sowieso nichts zu versäumen ;-)
Nachdem ich mich bei meinem ersten Kennenlernen dieser B-757 etwas lange im Cockpit aufgehalten hatte, hatte ich trotzdem vergessen, zuerst einmal die Parkbremse (soetwas wie eine Hand- oder besser Feststellbremse) zu setzen. Normalerweise liegen große, unübersehbare hölzerne oder stählerne Bremsklötze vor und hinter den Rädern, denn eine rein hydraulisch betätigte Bremse kann z.B. über Nacht auch mal an Druck nachlassen. Es wäre zu schade, sollte sich das Flugzeug langsam aber unsicher von selbst auf den Weg machen und sich womöglich noch die neue Lackierung verkratzen! Sicherheitshalber schaue ich noch auf den Vorratsanzeiger für den Bremsdruck, ich finde ihn über und etwas links vom Fahrtanzeiger des Copiloten - allerdings ohne Anzeigenadel. Tja, hoffentlich hält die Bremse trotzdem! Außerdem nehme ich mir noch einen Gehörschutz mit. Sollte draußen ein Flugzeug an mir vorbei rollen könnte es zu laut werden. Außerdem läuft die APU jetzt und Precision Manuals liefert sie mit einer sehr authentischen Geräuschuntermalung!
Bei jedem Außencheck ist das Fahrwerk mit seinen Rädern und dem Einziehmechanismus von besonderem Interesse. PMDG hat die Räder sehr schön detaillierten und silberfarbenen Felgen versehen, wie auf Bild 2 gut zu sehen ist. Auch jetzt, wo das Fahrwerk ausgefahren ist, sind alle Fahrwerkstüren korrekterweise geschlossen. Nur die kleineren Türen am Bugfahrwerk stehen offen, sie sind mit dem Federbein rein mechanisch verbunden. Alle anderen sind hydraulisch betätigt und nur solange geöffnet wie das Fahrwerk nicht vollständig ein- oder ausgefahren ist. Später, im Flug, kann man sich ansehen wie dieser Vorgang sehr naturgetreu nachgebildet wird. Besonders gut gefällt mir, daß die beiden Hauptfahrwerke sich nicht ganz genau zeitgleich bewegen und daß alle Bewegungen vorbildgerecht langsam ablaufen. Da jedes Hauptfahrwerk zwei Achsen hat, muß die Anlenkung beim landen und abheben des Flugzeugs etwas kippen können. PMDG hat diesen Vorgang ebenfalls nachgebildet und außerdem erkennt man sogar, daß die Federbeine ein- und ausfedern. Was das Fahrwerk angeht würde ich mir in einer zukünftigen Version nur wenige Verbesserungen wünschen: Die Fahrwerksbeine könnten mit Streben an der Flugzeugstruktur befestigt sein und nicht so einfach wie bisher "eingesteckt" sein, siehe Bild 4. Noch ein kleines Detail: Am Bugfahrwerk sollten sich die größeren Klappen öffnen und schließen wie am Hauptfahrwerk; zur Zeit sind sie gar nicht dargestellt. So sieht es zumindest besser aus als die B-777 aus dem FS 2000, die bei ausgefahrenem Fahrwerk die großen Bugfahrwerkstüren weit offenstehen läßt.

ATT00106.jpg (20999 bytes)Ein sehr vorsichtiger Mensch würde sich vom korrekten funktionieren aller Steuerungsorgane nicht nur anhand des kleinen Ruderanzeigers von FLY! überzeugen, sondern er würde seinen Copiloten das Steuerhorn in alle Richtungen und bis zu den Anschlägen hin bewegen lassen und selbst von außen die sich bewegenden Steuerflächen beobachten - bei diesem neuen Flugzeug sicher keine schlechte Idee! Obendrein ist dies kein schwieriges Unterfangen, wir brauchen dazu noch nicht einmal den Co zu bemühen. Aber bitte den Joystick nicht in die Ecken knallen und damit die hydraulischen Servos brutal bis an ihre Anschläge fahren! Wo wir gerade von Hydraulik sprechen: Bei PMDG´s Boeing 757 braucht man noch nicht einmal eines ihrer drei Hydrauliksysteme einzuschalten um die Hauptsteuerungen zu betätigen, das ist nur für die Landeklappen nötig, siehe Bild 5. Leider ist das sehr unrealistisch denn die B-757 besitzt eine rein hydraulisch betätigte Steuerung, eine manuelle Notbetätigung ist nicht mehr, wie z.B. an der älteren B-727, vorgesehen.

Zwei weitere unrealistische Einzelheiten fallen am Landeklappen / Vorflügelsystem auf: es läßt sich immer dann betätigen, wenn nur schon irgendein Hydrauliksystem eingeschaltet ist, obwohl eigentlich das linke System dafür vorgesehen ist und das rechte als Reservesystem dient. Außerdem fahren die Vorflügel proportional zu den Landeklappen immer ein Stück weit mit. Tatsächlich gibt es für die Vorflügel nur drei Positionen: ganz eingefahren, Startstellung und Landestellung, das heißt wenn die Landeklappen in die Position 1 gefahren werden, fahren die Vorflügel in die Startstellung, und erst wenn der Hebel für die Landeklappen weiter auf Position 25 gestellt wird fahren die Vorflügel in die Landestellung. Möglicherweise kann dies in einer zukünftigen Version dieses Add-ons realisiert werden, alle sich bewegenden Teile sind ja schon vorhanden!

ATT00112.jpg (8865 bytes)Weil ich bei meinem Außencheck immer noch hinter dem Flügel stehe kann ich jetzt noch die Spoiler, sechs Stück pro Seite, kontrollieren. Sie sind auf der Oberseite der Flügel, unmittelbar vor den Landeklappen angeordnet, siehe Bild 6. Am Boden werden sie ausgefahren um mehr Luftwiderstand nach der Landung oder bei einem Startabbruch zu erzeugen. Außerdem vernichten sie dabei noch Auftrieb, sodaß mehr Gewicht auf den Rädern lastet und diese dadurch stärker abgebremst werden können. So, da sind sie also. Nicht alle zwölf Spoiler sind separat dargestellt, sondern nur ihre jeweiligen In- und Außenbordgruppen, die auch korrekterweise zueinander gewinkelt stehen, so daß sie sich fast parallel zu den Flügelhinterkanten aufstellen. Mit dieser kleinen Ungenauigkeit kann ich persönlich aber ganz gut leben.

ATT00097.jpg (19772 bytes)Nun geht´s weiter zum Höhen- und Seitenleitwerk. Das Seiten- und die Höhenruder schlagen zur richtigen Seite hin aus, allerdings erscheint mir der Seitenruderausschlag etwas zu gering, siehe Bild 7. Wenn man gleichzeitig die Bugräder im Auge behält erkennt man, daß sich diese mit dem Seitenruder mitbewegen, d.h. die Bugradsteuerung ist ebenfalls nachgebildet.

Jetzt bleibt noch die letzte, aber nicht unwichtigste Steuerfläche zu prüfen, nämlich die verstellbare Höhenflosse. Diese ist fast ausschließlich an Großflugzeugen anzutreffen und vielleicht unter Piloten der Allgemeinen Luftfahrt nicht sehr bekannt. Es gibt aber auch Ausnahmen, z.B. die Cessna Cardinal (C-177). Hier ist die Höhenflosse einteilig und beweglich, ein separates Höhenruder ist gar nicht vorhanden. An unserer B-757 sind jedenfalls Höhenruder und Höhenflosse getrennt und auch getrennt voneinander zu steuern. Dabei ist die Flosse trimmbar, das Höhenruder nicht! In diesem Punkt ist PMDG´s B-757 wieder etwas vereinfacht, denn hierbei ist die Höhenflosse nicht verstellbar gestaltet. Ein Güterzug voll Asche auf mein Haupt wenn ich in diesem Punkt etwas pingelig bin, aber die Steuerung ist andererseits auch das wichtigste Flugzeugsystem! Noch einmal: vielleicht gibt es in einiger Zukunft auch hier eine Verbesserung.

An dieser Stelle würde ich meinen Eindruck vom äußeren Erscheinungsbild der PMDG-757 so zusammenfassen: Es gibt viele bewegliche Teile, zumindest alle wichtigen sind vorhanden. Die allgemeinen Proportionen stimmen und das schlanke Design von Rumpf und Flügel gefällt mir ganz besonders gut! Die erwähnten Unstimmigkeiten basieren z.T. auf den mehrfach vorhandenen Systemen des Vorbilds, die mit der ihnen innewohnenden Logik von PMDG nicht nachbildet wurden, und z.T. auf Einschränkungen von FLY! an denen aber auch schon gearbeitet wird.

ATT00115.jpg (19845 bytes)Cockpit Vorbereitung. Oder sollten wir zuerst das Handbuch lesen?
Man kann beides versuchen aber ich glaube letztlich wird doch jeder das Handbuch zu Rate ziehen müssen! Auch wenn man jeden Schritt auswendig kennt ist es viel professioneller die zugehörige Checkliste durchzugehen, zumindest wenn eine Prozedur beendet ist und man mit der nächsten beginnen will. Zum Glück ist das Handbuch sehr klar gegliedert und alle wichtigen Gebiete sind abgedeckt, einschließlich der Leistungen im Start, Reiseflug und bei der Landung, Betriebsgrenzen, Flugtechniken, Prozeduren und einer Cockpit-/Systemübersicht. Außerdem listet PMDG ganz zu Anfang die Systeme auf, die nur soweit nachgebildet wurden wie FLY! es eben zulässt. Hauptsächlich sind dies: elektronisches Fluginstrumentensystem (Darstellung der Fluginstrumente auf Bildschirmen), Flugmanagement-Computer, APU / elektr. Notstromversorgung, Autopilot, Triebwerksdruck-Anzeige (EPR).

Ich werde hier nicht auf Flugleistungsdaten der B-757 eingehen, man findet alles, was man zur Flugvorbereitung braucht, im Handbuch. Sonst müsste ich noch Tabellen für Schub, Landeklappenstellungen, Geschwindigkeiten usw. kopieren und einen Kurs über allgemeine Flugplanung abhalten. Aber es braucht sich auch niemand vor diesem ganzen Kram zu ängstigen, alles ist verständlich und übersichtlich dargestellt. Und wenn man die Klappen auf 5 setzt, das Flugzeug an den Beginn einer ca. 3 Kilometer langen Bahn aufstellt und schließlich noch die N1-Drehzahl auf 90% bringt hat man schon alles um in die Luft zu kommen! 

"Easy going on a Boeing!" sagte mir mal ein kluger Mensch und so ist es auch. Aber ich denke daß jeder, der möglichst realistisch ein Flugzeug in die Luft und wieder an den Boden bringen will, das Handbuch lesen wird. Um es noch einmal zu sagen: das Handbuch ist informativ aber nicht überladen und es sind auch nur Englisch-Grundkenntnisse erforderlich; den einen oder anderen Fachausdruck schnappt man ja sowieso in diesem Forum auf, oder? An dieser Stelle vielleicht ein kleiner Exkurs in Sicherheitsphilosophie, die hinter den ganzen Zahlentabellen steckt; besonders was den sicheren Start eines Airliners angeht:

Verkehrsflugzeuge haben nicht etwa deswegen mindestens zwei Motoren weil ein einziger nicht stark genug wäre, sondern um ab einer gewissen Geschwindigkeit einen begonnenen Start auch mit einem plötzlich ausfallenden Triebwerk noch sicher weiter durchführen zu können und im Steig- oder Reiseflug mit einem stehengebliebenen Motor nicht aus dem Himmel zu fallen! Da man einen Triebwerksausfall beim Start am allerwenigsten gebrauchen kann (schließlich könnte man dabei den kostbaren Kaffee verschütten!), möchte ich auf das Kapitel "Takeoff-Procedures" hinweisen, in dem auch ein Startabbruch und die Bedeutung der sog. V1-Geschwindigkeit erklärt wird. Schließlich sind das die Momente für die Piloten an Bord sind und nicht, wie viele Menschen wohl denken, um stundenlang dem Autopiloten bei der Arbeit zuzusehen. Auch deswegen ein wenig mehr Information dazu von meiner Seite:
Wenn ein zweimotoriges Flugzeug ein Triebwerk 4 Knoten (ca. 1 sec) vor Erreichen der Geschwindigkeit V 1 verliert und der Kapitän sich für das Fortsetzen des Starts entschließt, wird das Flugzeug das Ende der Startbahn in einer Höhe von gerade mal 7 Metern überfliegen. Sollte dieser Kapitän andererseits den Start 4 Knoten (ca. 1 sec) nach Erreichen von V 1 abbrechen, so wird dieses Flugzeug über das Ende der Startbahn mit etwa 70 Knoten (immerhin mehr als 120 km/h !) hinausdonnern, sogar, wenn man bestes Bremsverhalten voraussetzt. Wenn man bedenkt, daß die meisten Verkehrsflugzeuge im Bereich der V 1 Geschwindigkeit etwa 70 bis 90 Meter pro Sekunde zurücklegen, kann man sich leicht vorstellen, daß die Startgeschwindigkeiten genau berechnet werden müssen und ein Startabbruch höchst präzise durchgeführt werden muß!

In der Tat möchte ich PMDG´s Handbuch nur in einem einzigen Punkt kritisieren. Man wird gewarnt die Triebwerke beim Start nicht in den Überdrehzahlbereich zu treiben, der bei 100,1% beginnt. Aber Startschub in Meereshöhe wird niemals diese hohe Drehzahl benötigen, eher werden die Drücke im Inneren der Motoren zu hoch. Sieht man sich die Tabelle "Thrust settings N 1" auf Seite 1-6 an, findet man auch keine N 1 Drehzahl über 92,7% und das sogar für eine Höhe des Startflughafens von 8000 Fuß. Setzt man zum Start die N 1 Drehzahl auf nicht mehr als 90%, so liegt man in den meisten Fällen "im grünen Bereich". Obendrein ist dies eine gute Daumenregel, sollte mal die EPR (Triebwerksdruck) Anzeige ausfallen, sobald sie denn von PMDG nachgebaut wird. Nochmal, ganz allgemein gesprochen, dieses Handbuch ist es wirklich wert gelesen zu werden!

Zurück zur Vorbereitung des Cockpits: Ein heißer Kaffee erwartet mich und jetzt sollte das Flugzeug weiter vorbereitet werden, insbesondere sollten an einem Wintertag wie diesem die Klimaanlagen anfangen zu arbeiten; sie können nämlich nicht nur kühlen, sondern auch heizen! Aber jetzt Schritt für Schritt genau nach PMDG´s Cockpit Preparation Checklist. Meistens sieht es so aus, als arbeite auch irgendein Flugzeugsystem hinter den Schaltern, aber leider sieht es nur so aus. Während der Cockpit Vorbereitung allein fallen mir schon ca. dreißig Unstimmigkeiten auf; die meisten sind nur Kleinigkeiten, die einen sicheren Betrieb des Flugzeugs nicht berühren, aber manche Dinge sind auch ganz einfach falsch nachgebildet. Wenn man sich z. B. im Panel für die Kabinendruckregelung die Anzeige für das Regelventil ansieht (dieses Ventil ist eigentlich nur eine Klappe im hinteren Teil des Rumpfes, etwa so groß wie ein Kabinenfenster, durch deren Verstellung die aus der Kabine herausströmende Luftmenge geregelt wird), fällt folgendes auf: Dieses sogenannte Outflow-Valve wird normalerweise abwechselnd von zwei automatischen Reglern gesteuert. Sollten tatsächlich beide versagen, gibt es noch eine manuelle Verstellmöglichkeit indem man die Automatik ausschaltet und die Handbetriebs-Möglichkeit wählt. Nur dann wird der Schalter "Manual" wirksam! Nicht so bei PMDG. Diese manuelle Regelbarkeit ist hier immer aktiv. Damit nicht genug, diese Regelung öffnet das Ventil wenn es eigentlich schließen sollte und umgekehrt. Ich bin sicher, diese Regelung kann leicht umgebaut werden. Ein anderes Deteil in einem ganz anderen Bereich ist, daß der dritte Künstliche Horizont (der, der nicht in einem Bildschirm dargestellt wird), gar kein Flugzeugsymbol besitzt. Wie kann man so die Fluglage ablesen? Da muß man sich mit groben Schätzungen zufrieden geben, ausgerechnet wenn man dieses Instrument am nötigsten braucht und schon Stress genug hat. Noch ein letztes Beispiel: die blinkende Hauptwarnleuchte (Master Caution/Warning). Diese Leuchte ist eine Taste mit zwei getrennt aufleuchtenden Schriftfeldern, der orangefarbenen Caution und der roten Warning Anzeige. Wenn eines dieser Lichter aufleuchtet, leuchtet es ständig und nicht blinkend und erlischt erst, wenn man auf den Schalter drückt. Jedenfalls erlischt das orangefarbene Caution-Licht, sollte das rote Warnlicht aktiviert worden sein, so wird damit nur das akustische Warnsignal (z.B. die Glocke der Feuerwarnung) abgeschaltet. Das rote Warnlicht bleibt solange an, wie der Grund für diese Warnung noch existiert! Ich sehe ja ein, dass die FLY!-Flugzeuge keine hochkomplizierten Systeme bieten, aber ein paar Lichter und ein Schalter, der das Gegenteil von dem bewirkt was er bewirken sollte, brauchen doch keine funktionierenden Systeme hinter den Kulissen. Warum sind diese Dinge nicht von Anfang an korrekt dargestellt? Ich bin kein Programmierer und lasse mich hier gern korrigieren.

Nun denn, dies ist ja kein Maschinisten-Lehrgang heute, wir wollen schließlich fliegen! Den frischen Kaffee haben wir bekommen, warum sollten wir uns über Kleinigkeiten ärgern? Jeder spricht vom Fluglärm, wir machen ihn jetzt! Die Freigabe zum Anlassen der Triebwerke haben wir erhalten und der Startmechaniker draußen am Flugzeug meldet daß die Umgebung der Motoren frei ist. Die Before Start Checkliste, bitte! Klimaanlagen aus (damit bleibt genug Druckluft für die Anlasser der Triebwerke übrig), Kraftstoffpumpen ein, Zusammenstoß-Warnlicht ein. Before Start Checkliste komplett! Anlassen des rechten Triebwerks: Start Selector des rechten Triebwerks auf GROUND, N2 beginnt hochzudrehen (diese Triebwerkswelle ist mit dem Getriebe verbunden von dem Hydraulikpumpe, Schmierölpumpe, Generator und weitere Aggregate angetrieben werden und außerdem der Anlasser jetzt über das Getriebe seinerseits den Hochdruckteil des Triebwerks in Drehung versetzt), der Öldruck baut sich auf und auch N1 beginnt zu steigen. Bei 25% N2 Fuel Control Switch (Kraftstoff-Absperrventil) in die Stellung RUN setzen. Nach ein paar Sekunden zündet das Kraftstoff-Luft-Gemisch in der Brennkammer, was man an der ansteigenden EGT (Triebwerks-Abgastemperatur) erkennen kann. Jetzt kann der Motor aus eigener Kraft und noch mit weiterer Anlasserunterstützung bis zu seiner Leerlaufdrehzahl hochdrehen. Bei 50% N2 springt der Start Selector automatisch wieder in die AUTO Position und man hört das sogar an einem leisen Klick. Ab jetzt dreht das Triebwerk völlig aus eigener Kraft bis auf etwa 60% N2. Diese Startprozedur ist ganz nett nachempfunden, allerdings ist die AUTO Position des Start Selectors die Normalposition. Das hat nichts mit dem Anlasser zu tun, sondern mit dem ebenfalls mit diesem Schalter verbundenen Zündsystem. Dies ist für die Simulation sicher nicht sehr wichtig, aber wenn schon ein Schalter mit diversen Stellungen im PMDG B-757 Panel vorhanden ist, warum dann nicht mit der tatsächlichen Grundposition? Siehe Kabinendruckregelung. Außerdem kann die N1 Drehzahl während des Anlassens nicht auf 25% ansteigen wie die N2, die vom Anlasser angetrieben wird; N1, die Niederdruckwelle, dreht sich nur im von der N2 erzeugten Luftstrom mit (windmilling). Diese Verhältnisse exakt zu simulieren ist natürlich schon sehr schwierig, denn hinter allen Triebwerksparametern steckt ja eine Menge Physik.

Wir rollen zum Start
Wir hatten zwei normale Anlassvorgänge und während die Bodencrew das Flugzeug zum Rollen vorbereitet ist im Cockpit die Checkliste After Start fällig. Kein großer Auftrag: APU Start Selector in OFF (leider unmöglich in dieser B-757), Klimaanlagen wieder einschalten, Isolierventil schließen. In Wirklichkeit öffnen und schließen sich die Ventile für APU- und Triebwerksdruckluft automatisch, genau wie es zum Anlassen der Triebwerke nötig ist, ebenso schalten sich die Generatoren der Triebwerke automatisch auf und der Generator der APU entsprechend aus. PMDG hat diese automatische Schaltfolge nicht modelliert, also schalte ich von Hand, das geht natürlich auch wenn man will.
Der Startmechaniker zeigt draußen einen erhobenen Daumen: alles klar und gute Reise! Jetzt kommt die Rollfreigabe über Funk, nicht besonders kompliziert heute, es ist wenig Verkehr auf den Rollwegen.
Zum Losrollen braucht die B-757 etwas mehr Schub als Leerlaufschub, das ist ganz normal. Solange wir noch langsam rollen bremse ich leicht um die Bremsfunktion zu testen - das Flugzeug nickt sogar leicht als das Bugfederbein einfedert. Wir entfernen uns allmählich von den Gebäuden und anderem Bodenverkehr, jetzt können die Klappen auf Stufe 5 gesetzt werden. Schon in den ersten Kurven empfinde ich die Bugradsteuerung als sehr angenehm handzuhaben, sie arbeitet zwar sehr direkt aber nicht nervös; das ist auch für die Passagiere sehr angenehm. Während des Rollens muß man die Triebwerke immer etwas auf erhöhter Drehzahl halten, mit Leerlaufschub bleibt das Flugzeug ziemlich schnell wieder stehen. Entweder schleift eine unserer Bremsen - oder PMDG hat uns einen etwas zu hohen Rollwiderstand eingebaut.

Die Klappen sind jetzt bis 5 gefahren, TAXI-OUT Checkliste, bitte, und nochmal einen Blick auf die Startgeschwindigkeiten werfen. PMDG liefert eine nützliche Tabelle mit den zum Startgewicht gehörenden Geschwindigkeiten. Diese Tabelle findet man auf der Mittelkonsole, vor den Schubhebeln. Mit einem Mausklick ändert man das Flugzeuggewicht solange, bis es mit dem des aircraft loading Menüs aus der anfänglichen Simulatoreinstellung übereinstimmt und schon erhält man die korrekten Geschwindigkeiten angezeigt.

ATT00118.jpg (13705 bytes)Tower gibt uns die Freigabe uns zum Takeoff auf die Schwelle der Startbahn zu stellen. Die weißen Blitzlichter werden jetzt eingeschaltet und die Takeoff Checkliste wird abgearbeitet. 

Cleared for Takeoff!
Alle Roll- und Landescheinwerfer werden eingeschaltet, Startschub wird gesetzt, die Stoppuhr in Gang gesetzt und jetzt geht es los, möglichst genau entlang der Startbahn-Mittellinie. V1 und Vr sind schnell erreicht und mit leichtem aber anhaltendem Zug am Stick hebt die Boeing die Nase. Mit etwa 10 Grad Neigung hebt sie sich aus der Federung und beginnt zu fliegen, den vorgeschriebenen Steigwinkel erreicht sie dann bei knapp 20 Grad, wobei dann die Geschwindigkeit auch relativ stabil bleibt. Muß man jetzt viel nachsteuern, stimmte die Trimmung für den Start nicht. Das Fahrwerk kann eingezogen werden sobald die Höhenmessernadel anfängt zu klettern. Die PMDG B-757 fliegt sehr eigenstabil, auch das Einziehen des Fahrwerks macht keine Stickeingaben nötig um den Flieger im korrekten Steigflug zu halten. In 1500 Fuß über Grund wird der Schub der Triebwerke verringert auf Steigleistung und die Nase wird auf etwa 10 Grad Neigung heruntergesteuert. Durch den nachlassenden Schub will sie ganz von selbst dorthin. Die Steigrate sollte sich auf etwa 1000 ft/min einpendeln und die Fahrt allmählich ansteigen sodaß die Klappen auf Stufe 1 und etwas später ganz eingefahren werden können. Immer noch fliegt das gute Stück stur wie ein Panzer, nichts kann es aus der Ruhe bringen. Allerdings habe ich den starken Eindruck, daß die Motoren recht schwach sind! Bei dem gegebenen Startgewicht sollte unsere B-757 deutlich besser steigen. Absichtlich fliege ich jetzt mit 280 Knoten, der Geschwindigkeit für bestes Steigen, und erhalte nicht mehr als 1500 ft/min, und das bei Vollgas, was natürlich völlig unrealistisch ist! Hat jemand zusätzliche Fracht eingeladen? Sind alle Fahrwerke, Landeklappen und Spoiler eingezogen? Ein schneller Blick auf die Anzeigen bestätigt daß alles normal ist.

ATT00103.jpg (14678 bytes)Eine ausgedehnte Platzrunde
Mittlerweile steigen wir durch Flugfläche 200 und ich möchte mal sehen, wie schnell wir an Höhe verlieren wenn man die Motorleistung auf Leerlauf zurücknimmt. Ganz grob geschätzt sollte sich eine Sinkrate von 1000 bis 2000 ft/min einstellen, wenn man die Fluggeschwindigkeit versucht konstant zu halten, was nicht sehr schwer ist wenn man die Nase auf etwa 1 bis 2 Grad unter den Horizont sinken läßt. Heute leider ist das nicht der Fall, unsere Fahrt baut kontinuierlich immer weiter ab! Sollte das Flugzeug schwerer sein als geplant war, was man ja wegen der geringen Steigleistung vermuten könnte, so sollte jetzt dieses hohe Gewicht eine konstante Fluggeschwindigkeit im Sinkflug erst recht ermöglichen, was aber definitiv nicht der Fall ist. Mittels mehrerer Flüge mit unterschiedlichen Gewichten könnte man dies genauer untersuchen, aber dieser Test soll uns ja nur einen ersten Eindruck verschaffen.

Ich brauche dringend noch eine Tasse Kaffee und schalte den Autopiloten auf um unsere Höhe auf 7000 ft zu halten. Das funktioniert tatsächlich sehr ordentlich, allerdings wundere ich mich, warum nur der mittlere der drei Auitopiloten funktioniert. Wie auch immer, dieser einzelne Autopilot macht seinen Job gut und ich versuche ein paar Kurven ohne den frischen Kaffee zu verschütten. Die normale Schräglage für größere Richtungsänderungen beträgt 25 Grad, ansonsten weniger. Läßt man den Steuerknüppel bei dieser Schräglage wieder los, so rollt unsere Boeing sehr bestimmt wieder zurück in die Waagerechte bis sie wieder geradeaus fliegt. Das ebenfalls aus Schräglagen von 45 Grad und das ist doch sehr unrealistisch, auch wenn man dadurch den Eindruck erhält das Flugzeug verhalte sich sehr sicher. Ganz sicher ist eine B-757 kein Jäger, aber sie ist doch viel agiler und wendiger als in dieser Simulation. Sogar im Steigflug in großer Höhe kann man die zulässige Höchstgeschwindigkeit in der Wirklichkeit erreichen und eventuell überschreiten, bei PMDG ist in niedriger Höhe mehr als 320 Knoten nicht zu schaffen.

ATT00109.jpg (13778 bytes)Jetzt ist es an der Zeit zurückzufliegen um einen Landeanflug mit einem Durchstartmanöver zu probieren. Wir brauchen uns nicht sonderlich zu beeilen, auch wenn der Kraftstoffverbrau deutlich höher ist als erwartet. Ich mache einen langen Anflug und bin schon 20 Meilen vor der Landebahn auf dem ILS, mit ausgefahrenem Fahrwerk und den Landeklappen auf 30. Die große Eigenstabilität des Flugzeugs macht mir die Arbeit leicht und dieser Anflug wird einer meiner ruhigsten. Auffällig ist auch hier, dass man relativ viel Schub braucht um mit etwa 140 Knoten auf dem Gleitpfad zur Landung hereinzuschweben. Wieviel Kraftreserve mag unser Flieger denn bei einem ausgefallenen Triebwerk noch haben? Nach dem Aufsetzen mit anschließendem Durchstarten geht es mit Vollgas zurück auf 10000 ft. Hier angekommen hält der Autopilot wieder die Höhe und bei (für diesen Test) weiter auf Startschub laufenden Triebwerken schalte ich einfach die Kraftstoffzufuhr für das linke Triebwerk ab! In Wirklichkeit würde dies eine äußerst starke Gierbewegung hervorrufen, die nur mit vollem Seitenruderausschlag auszugleichen wäre - und höchstwahrscheinlich meinen Kaffee aus dem Becher befördern würde. Aber diese PMDG 757 fliegt unbeirrbar weiter, es ist nur etwas Seitenruder nötig und wenn man den rechten Flügel etwa 5 Grad hängen läßt, ist sogar überhaupt kein Seitenruderausschlag nötig um geradeaus zu fliegen. Auch die Kugel unter dem ADI bleibt wie festgenagelt in der Mitte liegen, volle Ausschläge mit dem Seitenruder beeindrucken weder das Flugzeug noch die Kugel allzu sehr.

Auch der schönste Flug geht mal zu Ende
Dieser kurze Testflug ist natürlich nicht perfekt und allumfassend, aber er zeigt doch, dass dieses Modell einer Boeing 757 eben nur ein Modell ist und jeder muss für sich selbst entscheiden, wie genau es detailliert sein sollte und für welchen Zweck es verwendbar sein sollte. Wer diesen Desktop-Simulator nicht als Prozedur-Trainer verwenden will, sondern nur einfach mal ein Großflugzeug ausprobieren möchte, kommt ganz sicher voll auf seine Kosten denn dieses Flugzeug zu fliegen macht einfach Spaß! Die Cockpitpanels sind ganz ordentlich gemacht, alle wichtigen Instrumente, Schalter und Lichter sind an der richtigen Stelle vorhanden. Sollte sich hinter einem bestimmten Schalter gar kein System befinden, sondern nur eine Anzeige ein- und ausgeschaltet werden, so wird dies die Fliegbarkeit nicht beeinträchtigen. Auch gefallen mir die Außenansichten, egal ob am Boden oder in der Luft, gut und es gibt zwei unterschiedliche Lackierungen, mehr davon sind schon fast fertig. Darüber hinaus sind am Flugzeug viele bewegliche Teile vorhanden und last not least erhalten wir FLY!-Piloten mit diesem Airliner Zugriff auf eine neue Welt.

Wenn man bedenkt, wie sehr das FLY! Programm an sich die Nachbildung eines Flugzeugs mit komplexen Systemen und einer völlig anderen Dynamik als Flugzeuge der Allgemeinen Luftfahrt sie aufweisen, erschwert und in Teilbereichen wohl auch unmöglich macht, so muß man anerkennen, daß PMDG ein wirklich schwieriges Projekt in Angriff genommen hat. Außerdem wird zwar jeder mit individuell unterschiedliche Erwartungen an einen Simulator dieser Art herangehen, aber ich persönlich glaube nicht, daß sich jemand aus unserem Kreis von FLY!-Piloten ernsthaft z. B. ein Antiblockiersystem wünscht, das auf den Ausfall eines bestimmten Hydrauliksystems mit unterschiedlichen Bremswirkungen reagiert. Sogar in der realen B-757 konfigurieren sich bestimmte Systeme automatisch und sogar ohne Anzeige im Cockpit. Wie genau muß eigentlich alles simuliert werden?

Ein wesentlicher Bestandteil des sicheren Betriebs von Verkehrsflugzeugen ist ein gutes Flughandbuch. Das von PMDG ist mit einem Umfang von über 110 Seiten und einer klaren Gliederung schon vorbildlich. Ich selbst gehöre zu der bekanntlich großen Gruppe von Menschen die möglichst ohne Bedienungsanleitungen auskommen wollen, aber PMDG´s Handbuch ist tatsächlich nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam.

Zum guten Schluss
PMDG weiß sehr wohl dass es noch einiges an ihrer B-757 zu verbessern gibt und an diesen Verbesserungen wird mit Hochdruck gearbeitet. Darüber hinaus hat sich dem Vernehmen nach eine fruchtbare Zusammenarbeit mit TRI entwickelt von der beide Produkte nur profitieren können. Mittlerweile steht das erste Patch/Update für die B-757 kurz vor der Veröffentlichung. Es soll Verbesserungen in der Logik der Triebwerks- und APU-Starts und etwa ein Dutzend kleinere Änderungen enthalten. Sogar bei der Gestaltung des Handbuchs hat man daran gedacht, daß man in Zukunft Revisionen wird einarbeiten müssen, jeder registrierte Benutzer dieses Add-ons wird die Revisionen ohne Aufpreis erhalten.

Ganz sicher wird die FLY!-Fangemeinde selbst mit Ideen, Hinweisen und konstruktiver Kritik diese Boeing 757 zu einem lebendigen Projekt machen.

(C) by H.-P. Franzen
rp12260@online-club.de 
22 Januar 2000

INFORMATION

  • Herausgeber: Precision Manuals Development Group

  • HOMEPAGE
  • PREIS: US$24.95

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