A-319
A-320, A-321, 2'nd Generation
by Peter Krüsi/Flight & Cockpit
getestet von Olaf Claassen
Es hat viel Aufruhr um diese Software gegeben. Enttäuschte
User riefen innerhalb einer Newsgroup zum Boykott auf, ein verbaler
Schlagabtausch zwischen Hersteller und Käufer landete vom Ton her
streckenweise unter der Gürtellinie. Eine ganze Menge Rauch entstand,
der letztendlich niemandem etwas genutzt hat. Fehler in der Diskussion
wurden von beiden Seiten begangen. Konstruktive Verbesserungsvorschläge
fehlten streckenweise gänzlich.
Im Zuge dieser ganzen wirklich unangenehmen
Vorgeschichte, bin ich mit einem etwas schalem Beigeschmack an den Test
des A3xx Panels von Peter Krüsi herangegangen. Ich habe mir dieses Add
On sehr genau angesehen und kann inzwischen recht gut nachvollziehen,
worum es in dieser ganzen Diskussion eigentlich gegangen ist.
Vorweg sei gleich gesagt, daß A3xx nicht für den
kommenden Airbus Super Jumbo steht, sondern um die A319/A320/A321
Modelle von Airbus Industries. Diese Flugzeuge werden als A320 Serie
bezeichnet.
Was hat es nun mit diesem Programm auf sich? Schon
gemerkt?? Ich rede immer von Programm, nicht von Add On, oder
Enhancement, obwohl diese Bezeichnung sicherlich auch passen würde,
letztendlich ist dieses Panel aber ein eigenständiges Programm, das den
Microsoft Flugsimulator im Prinzip nur als Plattform nutzt.
Genauer betrachtet sieht das Ganze
so aus:
Nach einer (ellenlangen) Installation sind die
kompletten A319/20/21 Flotten der Lufthansa, Swissair, Edelweiss und
Austrian Airlines auf der Festplatte, dazu eine umfangreiche englische
Beschreibung als .pdf File, sowie natürlich das Herzstück, - das A320
Cockpit.
Ein Wort zur Beschreibung: Die .pdf Hilfe ist sehr
ausführlich, es ist mir aber absolut unverständlich, das diesem äußerst
komplexen Programm kein gedrucktes Manual beigefügt wurde. Gerade beim
Lernen der Bedienungs- und Vorgehensweise bevorzuge ich grundsätzlich
ein gedrucktes Handbuch, wo ich nachschlagen kann, und eine schrittweise
Vorgehensweise zum Lernerfolg führt. Statt dessen heißt es erst einmal
„Drucken" und das nicht zu knapp! In Zeiten wo eine
Druckerpatrone an die 50 Mark kostet, kann das ganz schön teuer werden.
Ich hatte auch kein Handbuch, also mußte ich
schweren Herzens das komplette Manual printen. Ich reite sehr lange auf
diesem Thema herum, da es wirklich ärgerlich und schon fast nicht
entschuldbar ist, kein Handbuch vorzufinden.
Was mir auch ein wenig auf den „Keks" ging:
Das Manual wurde komplett in Englisch verfaßt. Nun kann man natürlich
sagen, das Englisch beim Fliegen Amtssprache ist, ich bin auch der
englischen Sprache mächtig, trotzdem kann ich mir aber vorstellen, daß
es viele Simmer gibt, die nicht das Glück hatten, diese Sprache zu
erlernen. Besonders bei älteren „Semestern" ist dies häufig der
Fall. Da das A3xx Panel aus deutschsprachigen Landen kommt, wäre es
eigentlich eine Selbstverständlichkeit gewesen, die Beschreibung auch
in der Landessprache anzubieten. Zeit genug war da, Beschwerden lagen
vor, geschehen ist bis jetzt noch nichts!
Trotzdem muß man auch fairerweise anmerken, daß
Flight&Cockpit auf eine Vielzahl von Wünschen eingegangen ist, u.a.
die Einrichtung einer Homepage, sowie auch ein Technik Upgrade des
Programms, das kostenlos heruntergeladen werden kann.
Ein gut gemachtes Feature dieses Enhancements ist der
Test-Modus. Zum Testen des Panels muß der FS98 nicht gestartet werden.
Man kann im Test Modus schon einige Funktionen, ohne den
„Ernstfall" üben. Besonders bei der Bedienung des Flight
Management Computers ist der Testmodus besonders hilfreich.
Zum Panel selbst:
Nach der Installation stand ich, zugegebenermaßern
auch da, wie ein „Ochse vorm Berg".
Der Simmer liegt vollkommen falsch, wenn er denkt, daß
das Panel genauso im Simulator eingebunden ist, wie es im Normalfall
gegeben ist. A3xx bedient sich voll der FS6ipc.dll, mittels dieser .dll
werden die notwendigen Daten aus dem FS98 gezogen und natürlich auch
wieder zurückgegeben.
Wie wird das A3xx Panel gestartet?
Zuerst muß der FS98 gestartet werden, ist dies
geschehen wird der gewünschte Abflughafen, sowie alle anderen
Einstellungen wie Wetter, Tageszeit etc. in gewohnter Weise vorgenommen.
Selbstredend, das eine Flugzeug der A320 Serie ausgewählt wurde. Nun
kommt der ungewohnte Part des Ganzen. Das FS98 Panel wird nun
deaktiviert, so daß nun die Sicht ohne Cockpit angezeigt wird.
Erst jetzt wird das A3xx Panel gestartet. Das Cockpit legt sich nun über
die Anwendung Microsoft Flugsimulator und das ist sicherlich auch ein
Punkt, den viele Anwender stört. Es sind zwei Anwendungen, die
gleichzeitig laufen, miteinander kommunizieren und dementsprechend großen
„Performance-Hunger" haben.
Besitzer eines P166-P200 sind eindeutig im Nachteil,
die Cockpitinstrumente laufen zwar, allerdings machen die Anzeigen oft
große Sprünge, besonders auffällig beim HSI. Dies ist ein deutliches
Zeichen dafür, daß der Rechner „untermotorisiert" ist.
Wie gesagt....ich bin in der glücklichen Lage,
Besitzer eines Pentium III, 500 MHZ zu sein, auf dieser Konfiguration
gab es keinerlei Probleme, sämtliche Instrumente liefen butterweich, daß
Zusammenspiel FS und A3xx klappte hervorragend.
Weiter im Text:
Panel installieren und losfliegen ist nicht.....!
Wie bereits eingangs erwähnt habe, heißt es
zuallererst die Doku wälzen, es sei denn, man hat bereits durch andere
komplexe Programme (Efis98, ProFlight98) Erfahrung sammeln können, was
die Bedienung eines FMC betrifft. Die Bedienung des Flight Management
Computers muß man beherrschen, um Spaß an dieser Software zu haben.
Dieser Teil eines Cockpits wurde sehr realistisch eingebunden und bis
ins Detail dem echten Vorbild nachempfunden.
Das Erlernen des CDU´s kann man zum großen Teil via
Testmodus durchführen.
Innerhalb dieses Flight Management Systems werden
auch die Flugpläne eingegeben, eine detaillierte Beschreibung dieser
Zentralen Dateneinheit würde den Rahmen dieses Artikels sprengen,
insofern beschränke ich mich nur auf die nötigsten Hinweise. Viele von
Euch kennen ja bereits durch andere Add On´s die Eigenschaften eines
FMC´s.
Was ist denn nun eigentlich das
Besondere an diesem Panel?
Zum einen die klarsten, und saubersten Gauges die ich
je gesehen habe. Die wirklich präzis gestaltete Instrumentierung dieses
Panels, macht den Instrumentenflug zu einem Genuß. Der zweite ganz
wichtige Punkt:
Es ist die bisher beste realisierte Umsetzung eines
A320 Panels für den Flugsimulator.
Die Bereiche des A3xx Cockpits wurden so realistisch
wie möglich umgesetzt. Zum realen Vorbild gibt es kaum Unterschiede,
was die Front des Cockpits betrifft. Klar muß man gegebene Einschränkungen
in Kauf nehmen, aber die Installation dieses Programms, macht den FS98,
tja ich möchte mal sagen zum Verfahrenstrainer. Weiteres Feature sind
stufenlos verstellbare Drehschalter (Altitude, Heading, Speed, etc.),
wie sie auch in der Realität vorhanden sind.
Ein langegehegter Wunsch von vielen Simmern wurde
auch mit der Veröffentlichung dieses Cockpits erfüllt. Das A3xx verfügt
über ein eigenes, voll funktionsfähiges und autarkes Moving Map.
Herausragend und bisher ungeschlagen sind allerdings
die großen Displays. Microsoft und andere Hersteller haben
offensichtlich nie sonderlich großen Wert auf eine klare Darstellung
der Instrumente gelegt, anders beim A3xx Panel von Flight und Cockpit.
Das Hauptproblem dieses Enhancements ist allerdings
das Umdenken. Der FS98 wird im Prinzip nur als Sockel genutzt.
Umschalten in die Außenansicht per Vollbildmodus funktioniert nicht so
bequem, wie bei den anderen gewohnten Panel.
Auch bei mir hat es sehr, sehr lange gedauert, bis
ich mich an diese Verfahrensweise gewöhnt hatte. In der Realität ist
es ja auch nicht möglich, mal eben in die Außenansicht zu springen. (Äh
doch....es ist möglich, aber nur einmal!)
Nach der „Umgewöhnungsphase" macht es aber
großen Spaß, diese Software zu handeln.
Hat man sich an das A3xx gewöhnt und nutzt danach
gleichartige Cockpits von anderen Herstellern, ärgert man sich wieder
über die miserablen Gauges.
Gewarnt sein aber die Leute, die „mal eben einen
Flug" mit dem (sogenannten) Krüsi Panel absolvieren wollen. Hier
kann Unverständnis und Frust entstehen und das hat auch mein vollstes
Verständnis. Auch ich wollte mal eben das „Ding" probefliegen
und einen Test schreiben. Das ist aber gänzlich danebengegangen, da ich
erst die „virtuelle" Schulbank drücken mußte.
Ungeduld (die auch bei mir immer vorherrscht) ist bei
diesem Programm völlig fehl am Platze. Ich kann mir auch gut
vorstellen, daß einige vermeintlich gute Simmer wieder auf den Boden
der Tatsachen zurückgeholt werden, wenn es heißt, diese Software zu
bedienen. Hier wird nur ein klitzekleiner Hauch davon vermittelt, was es
heißt Flugzeugführer eines Jet-Airliners zu sein.
Zum Schluß möchte ich noch einmal auf die beigefügten
Flugzeuge eingehen. Die Texturierung der Flugzeuge wurde solide
vorgenommen. Es fehlen zwar einige Details, so zum Beispiel das Star
Alliance Logo und der Taufname des Lufthansa Airbus, trotzdem sind diese
Flieger ordentlich bemalt.
Wesentlich auffälliger ist allerdings die wirklich
gute Flugdynamik. In diesem Part können die beigefügten Aircrafts ohne
weiteres mit den IAM Flugzeugen von Abacus mithalten. Streckenweise
finde ich die Dynamik der Krüsi Flugzeuge sogar deutlich gelungener.
Das träge Flugverhalten eines Großraumjets wurde sehr real
eingebunden.
Bei einem professionellen Panel ist dies sicherlich
eine Grundvoraussetzung, ich möchte trotzdem aber darauf hinweisen.
Das A3xx Panel von Flight & Cockpit kann man
eigentlich schon gar nicht mehr in die Kategorie Spielesoftware drücken,
im Gegenteil, der Simmer wird hier gefordert und hat ein
vollproffessionelles Tool zu bedienen, das seine ganze Aufmerksamkeit
erfordert.
Hat man die nötige Rechnerausstattung, sowie die nötige
Geduld und Muße sich in diese komplexe Anwendung
„hineinzufuchsen", dann hat man die Möglichkeit via A3xx Cockpit
den Simulator aus einer wesentlich realistischeren Persepektive zu
sehen.
Ich hatte bereits die verbesserte, sprich upgedatete
Version des A3xx Panels vorliegen und kann daher auch nicht beurteilen,
wieviel Bugs in der 1.0er Version waren. Außer eines fehlenden
Handbuchs konnte ich jedoch keine gravierenden Mängel feststellen. Ich
möchte auch noch einmal darauf hinweisen, das ich das Glück habe, über
einen leistungstarken Rechner zu verfügen. Ich kann nicht beurteilen,
bei welcher Leistungsmarke eine problemlose Nutzung möglich ist. In
einer Newsgroup war allerdings zu lesen, daß es bereits bei einem PII
233 Mhz Schwierigkeiten mit der flüssigen Darstellung der Gauges gab.
Die Frage ist natürlich wie die restliche und nicht gerade unwichtige
Rechnerkonfiguration aussah.
Dieses Add On ist definitiv etwas für Profis, für
die „Hardcore Simmer" die es nie realistisch genug bekommen können.
Der Kundenkreis von Flight & Cockpit zeigt auch, daß ein großer
Teil der Klientel aus Pilotenkreisen kommt.. Die zweite Gruppe User sind
PC-Piloten, die zumindest im groben Umfang wissen möchten, wie ein
Cockpit funktioniert.
Dem weniger technikinteressiertem
„Sonntagsflieger" sei aber vom Kauf abgeraten. Hier könnte Frust
und Ärger entstehen, dazu noch ein englisches Manual im .doc und .pdf
Format, fehlendes Handbuch......schon hat man ´ne dicke Halsschlagader!
Simmer die schon mal in einem „echten"
Simulator gesessen haben, dürften keine Probleme mit der Bedienung
haben.
Ein allerletztes Wort zum Preis:
$47.99 Dollar sind eine Menge Geld, betrachtet man
aber den offensichtlich immensen Programmieraufwand und das abschließende
Ergebnis, halte ich die knapp $48 für gerechtfertigt. Die ultrarealen
Anzeigen, sowie das hervorragend gemachte FMS sollten eigentlich Beweis
und Entschädigung genug dafür sein, daß das Krüsi Panel sein Geld
wert ist.
Das Rating von 90% hätte noch etwas höher ausfallen
können, wenn ein gedrucktes............GENAU!

Olaf Claassen
08. Juni 1999
www.simflight.de/takeoff