Amsterdam
von Hans Jörg Müller, MICE
getestet von Felix Dudek
Mit relativ wenig Tamtam wurde gegen Ende des letzten Jahres eine
Szenerie veröffentlicht, der bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde.
Zu Unrecht, denn Hans Jörg Müllers Nachbildung des Amsterdamer
Flughafens Schiphol darf sich in die ersten Reihen des Szeneriedesigns
einordnen.
Hans Jörg setzt dabei auf Altbewährtes. Bereits wie im
"Vorgänger", Flughafen Zürich, wurde auf die exakte
Nachbildung des kompletten Flughafengeländes geachtet. Die
langgestreckten Terminals haben ihren typischen grau-schwarzen Anstrich,
die Docking Bridges besitzen die unverwechselbaren Bullaugen. Sämtliche
Gebäude sind durchgehend neu texturiert, zwar nicht übermäßig
detailgenau, aber in jedem Falle mehr als ausreichend. Die
Verwaltungsgebäude zeigen die Farben der einheimischen
Fluggesellschaften, ebenso die Hangars. Alles ist sauber platziert, nur
manchmal trüben durchscheinende Gebäudeteile das Bild. Ansonsten wirkt
alles wie aus einem Guss, obere Mittelklasse oder untere Luxusklasse, ganz
wie man will.
Die umfangreiche Ausdehnung der Szenerie macht einen sehr guten
Eindruck; die monumentale Größe dieses Megaports wurde perfekt
eingefangen. Lupenrein auch die Nachbildung des "Info Overkills"
- Taxiway-Beschilderung und Signals sind aller 50 Meter an der
Tagesordnung.
Ein nettes Feature, aber noch nicht ganz so ausgereift, bieten
sogenannte Moving Bridges. Die Gates bewegen sich dabei während des
Rangierverfahrens und nach dem Stillstand des Flugzeuges am Standplatz hin
und her. Erst dachte ich, dass tatsächlich angedockt wird, aber nach
einer (ellenlangen) Wartezeit passierte dann doch nichts, das Flugzeug
blieb also "abgeklemmt".
Fast schon eine Selbstverständlichkeit und im gewissen Maße ein
Markenzeichen von Hans Jörg Müller ist die Einbindung einer opulenten
statischen Szenerie und die bisher unübertroffene Illuminierung bei
Nacht. Wie schon in Zürich wurde Wert auf eine der Realität
entsprechende Beleuchtung gelegt. Kein grelles Weiß-Grau, sondern warme
rot-orangene Töne prägen das Bild. Dieses Kunstlicht ist derart
spektakulär, dass ich Amsterdam fast nur noch in der Nacht anfliege, um
diesen Augenschmaus zu erleben. Wie zu erwarten sind natürlich auch alle
Gebäude und Flieger beleuchtet.
Beinahe schon für sich alleine rechtfertigt die ausgefeilte Statik den
Kauf dieser Szenerie. Endlich ist auch im Flugsimulator Amsterdam der
"Busy Airport", den er auch in der Wirklichkeit darstellt.
Unzählige Maschinen bevölkern die Gates und Vorfelder, die Dramatik
eines pulsierenden Giganten wurde hier hyperreal wiedergegeben.
Dominierend natürlich die KLM, aber auch Lufthansa und Sabena sind zu
finden. Wieder da sind auch die Gepäck- und Kateringfahrzeuge, die die
Maschinen umschwärmen. Ausgelassen wurde diesmal aber eine dynamische
Szenerie, die wohl ob des bis zum letzten Byte ausgereizten
Szeneriespeichers nur noch Probleme verursacht hätte.
Neuerdings erfolgt die Einbindung der 'Müllerischen' Szenerien über
eine komfortable Setup-Routine, das unhandliche "Herumwursteln"
entfällt also völlig. Die Zusammenarbeit mit Europe 1 (Pro) funktioniert
ohne Probleme, nur einige Stadtobjekte in Amsterdam werden wegen des schon
erwähnten Speicherproblems ausgeblendet. Ein Wort noch zur Performance:
die Unmengen an Details fordern natürlich ihren Tribut. Ab einem PII 350
MHZ läuft AMS einwandfrei, leider ist darunter nicht mehr viel zu machen.
Schaut man sich aber die präzise Umsetzung dieser Szenerie an, so
rechtfertigt das den Rechenaufwand. Aber nicht nur das, auch 55 Mark sind
in Anbetracht dieses Bonbons nicht allzu hoch.
Seit kurzem ist auch eine FS2000-Version erhältlich. Die Unterschiede
sind nur minimal, so dass hier nicht noch einmal extra darauf eingegangen
wird. Jedoch sackt die Framerate derart in den Keller, daß AMS im FS2000
quasi unfliegbar ist. Hans Jörg Müller geht auch auf Nummer Sicher,
indem er die Mindestkonfiguration (!!!!) auf einen PIII 550 MHZ hochsetzt.
Aber selbst da ist nur eine FPS-Zahl im einstelligen Bereich zu erwarten.
Schade, daß so eine hochwertige Szenerie dadurch unbrauchbar geworden
ist.
Nichtsdestotrotz zählt AMS zu den umfangreichsten Umsetzungen für den
FS98 und sollte eigentlich bei Fans der Megaairports auf keiner Platte
fehlen.
Felix Dudek
felix@simflight.de
08.Januar 2000