|
VIP
CLASSIC AIRLINERS
getested von Felix Dudek
Was waren das noch für Zeiten: vorne links hob eine Bac 1-11 mit ohrenbetäubendem
Donnern in Richtung Mittelmeer ab, auf dem Tarmac kam ächzend eine Douglas
DC-4 in der Frachtversion zum stehen. Fluggäste beobachteten mit ehrfürchtigem
Gesicht die eleganten Formen der De Havilland Comet, wenig später rollte eine
Lockheed Electra mit Fracht aus Alaska aus. Spotter und Luftfahrtenthusiasten
konnten mit ihren Kameras bis fast vor das Flugzeug gehen, übereifrige Wachmänner
oder verschärfte Sicherheitsmaßnahmen waren so gut wie unbekannt.
Damals erforderte das fliegen eines Flugzeuges noch echte Manneskraft, denn
wie einige Piloten in ihren Maschinen mit olympischen Ehrgeiz die Trimmräder
bearbeiteten, bleibt unvergessen. An automatische Flugdurchführung und FMC
dachte noch nicht einmal der kühnste Optimist - ja, damals waren die
Maschinen noch Novitäten, nach denen man sich schon mal den Hals verrenkte,
um sie zu sehen. Leider hat wie alles im Leben auch die ältere Luftfahrt ein
Ende, und so sind nur noch selten einige Flugzeuge im aktiven Einsatz zu
finden. Wer Glück hatte, diese Zeit mitzuerleben, wird sicherlich wehmütig
daran zurückdenken.
Gerade für diese Nostalgiker oder solche, die es werden möchten, scheint
die VIP Group ein Herz zu haben. Mit ihrer neuen Kollektion Classic Airliners
(CA) räumen die Mannen um Kenneth Kerr ein weiteres Mal den Markt für
kommerzielle Flugzeugsammlungen ab. Nach den ersten drei Titeln, (Classic
Wings Volume One und Two sowie als eine Art "Best of", die Ultimate
Classic Wings) die größtenteils Flugzeuge aus der Moderne enthielten, beschränkt
man sich diesmal auf die Zeit der frühen Vierziger bis hin zu den Siebzigern.
Enthaltene Kostbarkeiten wie Comet, Caravelle oder Bac 1-11 dürften in den
Ohren der Fachleute lieblich nachklingen. Aber auch das alte Arbeitspferd DC-3
und ihre Nachfolgerin, die DC-4, kommen in keinster Weise zu kurz.
Präsentiert werden diese Klassiker in einer schönen silbergrauen Box
nebst einem Handbuch, dessen proper gestylter Einband glatt aus einer Art dèco
Werbeagentur stammen könnte; der blumige Schreibstil macht die Lektüre der
oftmals trockenen Fakten zu einem kleinen Vergnügen.
Gefallen kann auch die VIP - typische Installation: mit wenigen Mausklicks wähle
und installiere ich nur die Flugzeuge, die mir auch wirklich gefallen bzw. ich
fliegen möchte, Platz und oft auch Nerven werden dadurch geschont.
Geboten werden folgende Typen:
· BAC 1-11
· Boeing 707 und 720
· Boeing 727
· Boeing 737-200
· De Havilland Comet
· Douglas DC-3 und C-47
· Douglas DC-4 und C-54
· Douglas DC-8
· Hawker Siddeley Trident
· Lockheed L-188 Electra
· Sud Aviation Caravelle
· Vickers VC-10
· Vickers Viscount
in insgesamt rund 200 Airline-Liveries - das ist ganz schön viel für
ziemlich wenig Geld. Wenigstens in diesem Punkt ist sich VIP treu geblieben.
Leider hat sich aber gezeigt, daß einige Vorschußlorbeeren, die CA erhielt,
zumindest teilweise vorschnell vergeben wurden. Denn Classic Airliners bietet
nicht viel Neues, und man darf sich fragen, ob VIP den Titel "Königin
der Lüfte" noch lange tragen sollte. Denn Adel verpflichtet.
Stattdessen werden Untertanen und Hofvolk mit altbekanntem abgespeist. So
sind vor allem die DC-3 und die Lockheed L-188 auf allen früheren
VIP-Sammlungen zu finden gewesen, auch die Vickers Viscount wurde schon einmal
präsentiert. Verbesserungen an diesen Maschinen muß man schon mit der Lupe
suchen, einzig und allein die L-188 wurde einer kleineren Schönheitskur
unterzogen.
Reichlich mager zeigen sich die VC-10 und Comet, die für meine Begriffe
etwas zu schlichte Paintings bieten und die Sorgfalt vermissen lassen, mit der
VIP an frühere Arbeiten ging. Teilweise sind die Schriftzüge verwischt und
falsch angebracht, oft ist die Registrierung einfach unter dem Leitwerk
verschwunden. Des weiteren scheint die Royal Air Force - Bemalung der VC-10
nicht ganz fehlerfrei zu sein, zumindest bezweifelten einige britische Simmer
ihre Korrektheit. Comet und Vickers VC-10 lassen sich somit ohne weiteres als
"Schnellschüsse" erkennen und scheinen mehr eine Alibi-Funktion zu
besitzen, um die Lücken zu füllen.
Einen besonderen Augenschmaus bietet die Caravelle. Mit photorealistischen
Texturen und nachgezeichneten Verstrebungen zeigt sie sich in einem
eindrucksvollen Bild, ein klares und sauberes Finish vollendet diese außergewöhnlich
schöne Maschine.
Zur klaren Gewinnerseite kann sich außerdem die DC-4 zählen. Schöner und
eleganter wurde diese alte Dame bisher noch nicht umgesetzt. Perfekt
angeordnete Texturen und schöne Details kennzeichnen diesen betagten
Oldtimer. Insbesondere die VIP-Sonderbemalung samt ihren Metallic-Effekten ist
gelungen.
Alle weiteren Maschinen aus CA bieten die gewohnte VIP-Qualität, weder
gibt es phänomenal Neues noch abgrundtief Schlechtes zu entdecken. Die
Flugdynamik ist durchgehend ausbalanciert, aber nicht perfekt, etwas leicht
und zu gutmütig wirken gerade ältere Jets. Allerdings treten die Vorzüge
von Classic Airliners, insbesondere bei den Flugzeugen und Panels, mehr und
mehr in den Hintergrund. In Zeiten, da Moving Parts und hochdetaillierte
Flugzeuge a la Instant Airplane Maker die Regionen beherrschen, wird es für
VIP immer schwerer werden, sich auf dem heiß umkämpften Markt zu behaupten.
Auch wenn sich ein Download im Internet der hier vorgestellten Flugzeuge
inklusive Panels ob der Kosten und Menge kaum lohnen würde, zeigen die
Schnitzer Comet und VC-10 deutlich, daß VIP es eilig hatte, diesmal wieder in
den Markt einzusteigen. Die Zukunft wird zeigen, ob solch ein Verhalten bei
den Kunden noch ankommt. Übrigens wurde das schon seit Anfang an bestehende
Manko der fehlenden nächtlichen Beleuchtung bis zum heutigen Zeitpunkt nicht
eliminiert.
Doch weiter im Text. Weder Fisch noch Fleisch: dieser Spruch passt
vollkommen auf die Panels der CA. Bis auf Ausnahmen sind diese zweckmäßig
und dürften für erste Gehversuche genügen, aber doch fehlt ihnen der
gewisse Kick, der sie zu etwas besonderem machen könnte. Einige Gauges lassen
sich selbst in hohen Auflösungen beschwerlich entziffern und auch sonst habe
ich das Gefühl, daß hier schnellstmöglich versucht wurde, noch ein paar
Panels in Hau-Ruck-Manier zu veröffentlichen. Andererseits ist das Cockpit
der DC-4 richtig hübsch und vermittelt zumindest teilweise das Gefühl, in
einer Maschine von vor 50 Jahren zu sitzen. Ein Fehltritt ist die annähernde
Gleichheit der 7x7-Panels. Hier hat Kerr im Prinzip für die 727 und 737 die
Grundlage der 707 genommen, obwohl sich die drei Cockpits in Wirklichkeit
extrem unterscheiden, was man in jedem Luftfahrtmagazin beobachten kann. Zusätzlich
erscheint mir das Autpopilotenpanel der 737 etwas ungenau, denn dieses bot
noch in der realen 200er Version, die in CA enthalten ist, die
unverwechselbaren gummierten großen drehbaren Buttons. Hier haben die
Designer mit einem System ähnlich der 737-400 wohl in die falsche Richtung
entwickelt.
Enttäuschung ebenfalls beim partiell nicht vorhandenen Sound. Deutlich
wird das gerade für die Jets, die, mit Ausnahme der gut gelungenen Geräuschkulisse
der DC-8, nur das monotone Summen des MS-Staubsaugers absondern dürfen.
Unverständlich, da frühere Collections durchgehend neue Sounds boten. Schließlich
bringen gute Geräusche fast die halbe Miete und sollten daher keineswegs
fehlen. Glücklicherweise besitzen die Props, insbesondere DC-4 und DC-3,
satte Sounds, absolut bullig und authentisch klingt auch die L-188 Electra,
die mit ihren vier großen Allison-Propellermotoren in der Realität extrem übermotorisiert
ist.
Resümierend bleibt ein etwas enttäuschter Rückblick. VIP hat es meiner
Meinung nach nicht verstanden, das viele ungenutzte Potential, das in den
Classic Airliners steckt, auszubeuten. Gerade die fehlenden Sounds und die
teilweise überaus simplen Panels machen Sorgen. Nicht eingebundene Moving
Parts sind vielleicht vorerst kein Beinbruch, aber in späteren Entwicklungen
sollte VIP diese schon bringen. Vielleicht würde die Fokussierung auf weniger
Maschinen und dafür genauere und schönere Einbindung den zukünftigen
Projekten etwas besser tun. Es wird zu überlegen sein, ob die nächsten
Produkte von VIP das Geld wert sind, wenn sich nicht ein spür -und sichtbarer
Qualitätsschub bemerkbar macht.
Felix Dudek
FelixDudek@aol.com
12. August 1999
|
PROS:
|
CONS:
|
|
viel Flugzeug für 70 Mark
schöne Propellermaschinen
gute Prop-Sounds
angenehme Flugeigenschaften
teilweise gute Paintings
nettes Handbuch
prima Verpackung
|
aber ebenso teilweise schlechte Paintings
Comet und VC-10 für VIP unwürdig
keine nächtliche Beleuchtung
Panels oftmals simpel
wenig neue Sounds
keine Moving Parts
|
|
INFORMATION
|
TEST SYSTEM
|
|
HERAUSGEBER: SIMAVIATOR
PREIS: DM69.95
HIER BESTELLEN
|
AMD K6/2 300 MHz, 96 MB RAM, ELSA ERAZOR 2 (16 MB, Riva TNT),
Windows 95 + Direct X 6
|
|









|