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DM19.95

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Flight Manager
von Josef Dirnberger

getestet von André Niedhöfer

Nun geht das leidige Thema Flugplaner im FS doch weiter. Eigentlich dachte man ja, dass es sich mit dem Erscheinen des FS 2000 erledigt hätte. Und tatsächlich findet der FS-Eigene Flightplanner vor allem bei den Simmern Anklang, die bei der Flugplanung einfache Mechanismen bedienen wollen. Ich gehörte auch dazu, bis ich den FlightManager von Josef Dirnberger in die Hände bekam. Wer wirklich die komplexen Situationen der Erstellung von Flugrouten so realistisch nachvollziehen möchte, wie möglich, der findet diesen Wunsch im FM erfüllt.

Der FlightManager brüstet sich gleich mit vier Funktionen in einer Software - also eine Art Überraschungsei. Dazu gehört die allgemeine Routenplanung mit allem drum und dran, die Darstellung von Flughäfen und Szenerien in Kartenform, eine Moving Map- und Tracking-Funktion sowie das Erstellen von individuellen SID's, STAR's, EnRoute's und Approach-Charts, wobei alle Luftstraßen berücksichtigt werden. Jede Funktion ist dabei gleichermaßen von FS 98, FS 2000 und dem Combat FS nutzbar. Das klingt doch alles ganz gut, oder? Ob der FM diese Aufgaben aber auch gut bewältigt, versuche ich im nachfolgenden Test zu klären.

Kommen wir als erstes zur Installation:

Nachdem man sich die Sharewaredatei (7,88 MB) und am besten auch gleich das Patch (720 kB) heruntergeladen hat, erfolgt wie immer die Installation. Diese ist schnell und einfach gestrickt. Für den FS 2000 wird dabei auf Wunsch gleich das notwendige "BGL compression/decompression Tool" installiert. Bevor man sich den FM installiert, sollte man darauf achten, dass alle Mindestsystemanforderungen erfüllt werden: Pentium 200, 32MB RAM, 20MB Speicherplatz. Vor allem einen schnellen Prozessor und Arbeitspeicher sollte man besitzen. Warum, das kläre ich später.

FM 2.jpg (78166 bytes)Nach dem Start des Programms sollte es eigentlich losgehen - nein, so einfach ist das nicht! Die erste Aktion, die man mit dem Programm ausführen sollte, ist das Aufrufen der Hilfe-Datei. Denn ohne ein Studium dieser Datei geht hier erst mal nichts. Doch alle Funktionen werden auch hier nicht erklärt. Selbst nach mehrmaligem Durchlesen sind wichtige Programminhalte noch nicht verständlich. Die Hilfedatei hätte viel ausführlicher sein sollen (nein, müssen!!), denn um wirklich alle Optionen bedienen zu können braucht man mindestens einen Tag!

Um dieses Programm und all seine Funktionen zu erläutern und etwas Hilfestellung zu geben, will ich einen Beispielflugplan von Berlin Tegel nach Wien-Schwechat erstellen. Dabei beziehe ich mich auf den FS 2000, wobei die Schritte im CFS und FS 98 nicht grundlegend anders sind. Menüpunkte, die sich nicht von selbst erklären, stelle ich fett/kursiv dar. Los geht´s:

FM 3.jpg (65505 bytes)Einbinden von Szenerien

Im Gegensatz zu manch anderen Flugplanern muss man beim FM die Szeneriedaten per Hand auswählen und zum Auslesen dem FM übergeben. Von vornherein ist bereits das Gebiet der San Francisco Bay und das Areal Mittelmeer/Südeuropa (Austria) eingefügt. Bevor man aber mit der Planung in anderen Arealen anfängt, muss es erst eingebunden werden. Dies geschieht in zwei Schritten:

  1. Szenerie-Areal kreieren (Scenery\Create Area):
    Dabei muß wie gesagt jede BGL-Datei markiert und in den FM eingefügt werden. Für meinen Flug nimmt man also die BGL aus dem Ordner Eastern\Eurnw\scenery (auf CD2) und FS2000\scenedb\cities\Berlin\scenery und bindet sie mit Add Directory ein (bei FS98 auf CD Boosters\Europe). Zusätzlich muss die FS2000\scenedb\afdfiles\ scenery\ eurnwafd.bgl eingefügt werden. Sie beinhaltet die Namen der Flughäfen.
  2. Nun muß diese BGL-Dateien vom FM ausgelesen werden, indem man das neu erschaffene Areal lade (Scenery\Load Area). Dabei können noch bestimmte Optionen eingestellt werden, z.B. die Mindestlänge der Runways, ab denen Flughäfen berücksichtigt werden.
    Und hier liegt auch die Begründung, warum man einen leistungsstarken PC braucht. Es wird jede BGL ausgelesen und daraus eine Karte mit Flüssen, Seen, Straßen, Flughäfen sowie allen Navigationseinrichtungen erstellt. Dies braucht je nach Leistung des PC und Größe des Gebietes natürlich seine Zeit. Ich habe einmal ganz Europa einlesen lassen, und mein PC hat dafür eine dreiviertel Stunde gebraucht. Wenn man also wirklich alle Szeneriedaten des FS einfügen will, muss ein erheblicher Zeitaufwand eingeplant werden. Vor allem bei der erheblichen Datenmenge des FS 2000 wird dies zur Geduldsprobe.
    Nach dem erfolgreichen Auslesen öffnet sich ein Fenster, in dem die Szeneriespezifikationen dargestellt wird. Gleichzeitig wird angeboten, die Daten in Form einer Datenbank anzulegen. Dies ist auf jeden Fall empfehlenswert, um nicht noch einmal die Ausleseprozedur starten zu müssen. Dadurch geht der Ladevorgang des Szenerieareals schneller.

FM 1.jpg (66082 bytes)Die Kartenfunktion

Wenn nun das Areal geladen wird, belohnt der FM aber die lange Wartezeit belohnt. Zoomt man zielgerichtet z.B. auf Berlin, so erkennt man alle Flüsse, Seen, Hauptverkehrsstraßen und die detaillierten Flughäfen. Hier liegt eindeutig die Stärke des FM. Alle relevanten Informationen des jeweiligen Kartenausschnittes lassen sich darstellen, ob Flughäfen, ILS-Schneisen, NDB, VOR, Marker, ISEC's und natürlich Luftstraßen des oberen und unteren Luftraums.

FM 4.jpg (61674 bytes) Für jede Einrichtung kann nochmals mit Hilfe eines Kontextmenüs, welches sich durch einen Rechtsklick auf die Station öffnet, ein Info-Fenster angezeigt werden, in dem z.B. GPS-Koordinaten, Frequenz, Höhe, Reichweite des Senders etc. dargestellt werden. Die Karte dient damit sowohl einem IFR- wie auch VFR-Flug.

Für das Erstellen von IFR-Flügen lassen sich die Details wie Flüsse und Seen auch ausblenden (View\Visuals), um die Darstellung auf die Navigationseinrichtungen zu konzentrieren. Natürlich lässt sich der Kartenausschnitt auch ausdrucken.
Kommen wir zurück zum Beispielflug. Um beide Flughäfen zur Verfügung zu haben, muss zusätzlich noch das bereits vorhandene Austria-Gebiet, geladen werden (Scenery\Add Area). Nun können die jeweiligen Karten erstellt werden.

Der Chart-Designer

Grundlegend lassen sich mit Hilfe des FM vier Kartentypen erstellen:

  1. SID (Standard Instrument Departure) = der instrumentengestützte Abflugsektor, der zu einer Luftstraße führt
  2. EnRoute = Liste von Wegpunkten von Start- zum Zielflughafen
  3. STAR (Standard Arrival) = führt von Luftstraße zu Anflugsektor
  4. Approach = Zielanflug (meist ILS-gestützt)

FM 5.jpg (91227 bytes)Für einen "echten" Flugplan sind alle vier Kartentypen Vorraussetzung. Das bedeutet, man muss erst die einzelnen Karten erstellen, die später die Basis für den kompletten Flugablauf liefern.
Als erstes muss die SID von Berlin-Tegel RWY 26L erstellt werden. Dazu klickt man auf File\New SID Chart. Es öffnet sich ein Fenster, in dem man zuerst den Flughafen auswählt - also Tegel. Da man von einer bestimmten Runway startet, wird das SID als Runway Specific definiert. Dazu müssen wir ein neues Leg erstellen, welches von RWY 26L zu einer Intersection führt. Also Add, als Departure RWY 26L und OK. Nun wird auf der Karte die vorläufige SID-Chart erstellt. Um den Weg zuzuweisen markiert man das SID auf der Karte und setzt ihn mit einer beliebigen Nav-Einrichtung gleich, in unserem Falle das NDB RW. Dabei wird per Rechtsklick auf das NDB das Kontextmenü geöffnet und die Schaltfläche Set Waypoint Position to Selection ausgewählt. Nun hat man das Runway Specific SID erstellt und speichert es mit Exit ab.

Mit den anderen Karten wird ähnlich verfahren.
Bei der EnRoute Chart wird der Start- und Zielflughafen ausgewählt (Berlin-Tegel und Vienna-Schwechat) und es erfolgt die grobe Darstellung der Wegroute. Jetzt muss man wieder per Hand den ersten und letzten Wegpunkt festlegen. Dazu nutzt man am besten Intersections, die den Eintritt in die Luftstraßen markieren (ich habe die ISEC's ATVEL und STO ausgewählt). Der Weg über die Luftstraßen wird vom FM nun mit einem Klick auf Build Route erstellt (dabei die Intersection STO markieren). Natürlich können die einzelnen Wegpunkte verschoben, gelöscht oder neu eingefügt werden. Ansonsten nimmt der FM immer die kürzeste Verbindung als Grundlage des Flugplans. Diese EnRoute Chart wird ebenfalls abgespeichert.

Als nächsten Schritt erstellt man die STAR Chart. Sie führt dabei vom EnRoute zu einen Punkt, von wo der Anflug ausgeführt werden kann. Die einzelnen Wegpunkte können wiederum so editiert werden, um das STAR an die eben erstellte EnRoute anzupassen. In meinem Falle ist der STAR der Weg von STO zum Sollenau VOR.

Als letztes wird der Approach erstellt, der den Weg vom STAR-Ausgang bis zum Touch-Down zeichnet. Dabei wird unterschieden in Initial und Final Approach. Der Initial leitet das Flugzeug vom Ausgang des STAR bis zum Final Approach Fix, der wiederum direkt zum Touch-Down führt. In meinem Beispiel habe ich den Approach für RWY 34 erstellt. Der Initial führt von Sollenau VOR bis zum Final Approach Fix (FAF). An allen Punkten kann mit Hilfe der Schaltfläche Proc eine Warteschleife oder eine Verfahrenskurve eingefügt werden, wobei der Kurs selber bestimmt werden kann. Ebenfalls individuell einstellbar ist der Intercept Course, mit dem der Übergang von Initial zu Final Approach als Kurve geflogen wird. Diese Optionen werden später auch im Flugplan berücksichtigt.

FM 6.jpg (57233 bytes)Der Flugplan

Sind alle Karten erstellt, folgt die Verschmelzung dieser Informationen zum eigentlichen Flugplan (File\New Flightplan). Dabei müssen erst alle Karten ausgewählt werden, und als Grundlage in den Flugplan eingefügt werden. Die zuvor abgespeicherten Karten sind nach Flughafen und Kartentyp in einer Datenbank verfügbar. Die Navigation innerhalb der erstellten Karten ist somit schnell und einfach zu bewältigen. Hat man alle notwendigen Karten ausgewählt und die maximale Flughöhe eingegeben, kann man den Flugplan generieren und gleichzeitig in das jeweilige Format des FS konvertieren.

FM 7.jpg (56500 bytes) Beim FS 2000 liegt dann der Flugplan als PLN-Datei im Ordner FS2000\Pilots vor, der vom internen Flugplaner geladen werden kann. Zusätzlich lässt sich der Flugplan in das EFIS98- sowie ProFlight-Format umwandeln.
Bei der Erstellung des Flugplans gibt es noch eine Besonderheit. Man kann zum Beispiel nur die EnRoute-Chart laden und den restlichen Flugverlauf vom FM generieren lassen. Mit der Option selected by ATC übernimmt der FM die Flugplanung und geht dabei auf relevante Informationen, wie z.B. Wetter und Flughöhe, ein. Diese Informationen können direkt in den Flugplaner durch die Option Weather eingegeben werden. Die Wetteroption beinhaltet die Wolken- und Sichtverhältnisse, Windstärke und -richtung, Temperatur, Druckverhältnisse sowie Böenwahrscheinlichkeit und -stärke. Diese Informationen können für jede Phase des Fluges (Departure, EnRoute, Arrival) sowie jede Höhenlage erstellt werden. Die Wetterbedingungen bestimmen dann die Flugroute. So wird zum Beispiel bei Wind aus Richtung 250 die Startbahn 26L vom FM zugewiesen.

Die ATC-Option lässt sich für jede Flugphase einschalten. Es ist also dem Piloten überlassen, welche Karten er selber erstellt, und welche Routen er vom ATC zugewiesen bekommen haben will.
Weiterhin kann man mit dem Flugplaner Flugzeugspezifikationen (Schaltfläche Airplane) editieren und bestimmte Berechnungen abhängig von der Höhe (z.B. Geschwindigkeit) mit Hilfe des Kalkulators tätigen.

FM 8.jpg (66317 bytes)Moving Map

Eine weitere Funktion des FM besteht in der Möglichkeit, die Flugroute und Position des im FS ausgewählten Flugzeugs darzustellen. Ich konnte darin jedoch keinen Sinn feststellen. Der FlightManager ist schließlich ein autarkes Programm, welches nicht in den FS eingebunden ist. Die Flugzeugbewegung während des Fliegens ist dadurch nicht nachvollziehbar, denn der FS setzt ja eine Pause, wird ein anderes Programmfenster geöffnet.

Interessant jedoch ist die Möglichkeit, die bereits geflogene Route darzustellen. Vor allem bei der Auswertung von VFR-Flüge ist dies vorteilhaft. Jedoch sollte jeder, der im Besitz des FS 2000 ist, lieber auf die interne Moving Map-Funktion zurückzugreifen, auch wenn diese ressourcenfressend ist.

Es gibt noch einige Zusatzfunktionen im FlightManager, die sich jedoch selbst erklären (z.B. das Verschieben des Flugzeugs oder das Messen von Entfernungen).

Fazit

Abschließend kann man sagen, dass der FlightManager ein ausgereiftes Programm zum Erstellen von Flugplänen ist. Jedoch setzt er ein hohes Grad an Vorwissen voraus und ist so vor allem für Gelegenheitsflieger nur bedingt empfehlenswert. Die Komplexität des Programms erlaubt es auch nicht, "mal eben schnell" einen Flugplan zu erstellen. Vielmehr wird man schon von Anfang an gefordert, die komplexen Mechanismen zu verstehen. Dies ist aber nicht unbedingt vorteilhaft, fällt der Einstieg in die Bedienung des FM dadurch um so schwerer. Die eher karg ausgestattete Hilfedatei gibt dabei nicht viel Hilfestellung. Man hätte zum Beispiel lieber eine vollständige Flugplanung zeigen können, um die Bedienung dieses Programms zu erläutern, wie ich es hier in Ansätzen getan habe. Sicher, es gibt eine Support-Seite im Internet, aber wegen jeder Frage möchte ich nicht ins Netz gehen.

Nichtsdestotrotz, hat man die Eingewöhnung in die Bedienung erst mal hinter sich, eröffnet sich eine vollständig neue Welt für den professionellen und semi-professionellen Simmer, schließlich erlauben die vielen Optionen eine völlig neue Art der Flugplanung. Vielmehr wird hier die genaue Planung des Fluges vorausgesetzt.

Natürlich ist auch der Preis von $37,45 (ca. 75 DM) Ermessenssache. Schließlich gibt es auch billigere oder gar kostenlose Flightplanner, die ihrem Anspruch auch gerecht werden können. Für denjenigen, der sich ein genaueres Bild machen will, lohnt sich der Download der im Umfang begrenzten Sharewaredatei in jedem Fall.

Ich persönlich möchte den FM nicht mehr aus meiner FS-Utility-Sammlung missen, ermöglicht er mir doch Flugplanung auf höchsten Niveau. Der FlightManager ist letztendlich ein nützliches Programm für ambitionierte FS-Piloten, die höchstmöglichen Realismus auch schon bei der Flugplanung haben wollen.

André Niedhöfer
andre@simflight.de 
18.Dezember.1999

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