FLY Review Teil 1
getestet vom Matthias Lieberecht
Kaum ein anderes Flugsimulations-Programm hat bereits
vor seinem Erscheinen so viel Aufsehen erregt wie FLY. Als
das Programm dann im Handel erhältlich war, gab es
heftige Kritiken in verschiedenen Foren. Zum Teil war hier
schon fast von betrügerischer Manipulation der Previews
die Rede. Wenn man vereinzelten Postings glauben schenken
darf, wurde das Programm bereits am nächsten Tag wieder
deinstalliert und zu Dumpingpreisen verkauft. Was ist denn
nun dran an dieser Kritik? Hat uns Terminal Reality
wirklich etwas versprochen, was nicht gehalten werden
kann, oder bietet das Programm doch mehr?
Das komplette Paket beinhaltet zwei Handbücher und
drei CD's. Die Handbücher sind ausschließlich in
Landessprache, also bei uns in Deutsch gehalten. Dabei
widmet sich das Erste ausschließlich der Installation des
Programms und einer kleinen Kurzanleitung, während das
Zweite, ein fast 300 Seiten starker Wälzer, das
vollständige Programm erklärt. Der größte Teil dieses
Handbuches nimmt dabei die Flugschule ein. Neben ein paar
Worten zur Grundlage des Fliegens, werden hier die
Flugzeuge genau vorgestellt. Alle Kapitel sind dabei mit
Grafiken und Screenshots versehen und man kann sagen, daß
sich Terminal Reality bei der Erstellung der Dokumentation
sehr viel Mühe gegeben hat. Dass dies nicht
selbstverständlich ist, sehen wir ja an verschiedenen
anderen Flugsimulatoren. Anflugkarten zu den detaillierten
Zusatzszenerien sucht man aber vergeblich. Schade, denn
sonst wäre die Dokumentation perfekt gewesen.
Auf der ersten CD befindet sich das Programm ohne Zusatzszenerien
und Landkarten. Diese sind auf CD 2 und 3 zu finden.
Installation des Programms
Man kann bei FLY zwischen minimaler, standard und benutzerdefinierter
Installation wählen. Wobei man bedenken muss, dass das
Programm bei vollständiger Installation 1,6 GB (in Worten
Gigabyte!!!) benötigt. Wenn einem das zuviel ist, sollte
man ausschließlich die erforderlichen Programmdateien
installieren und Szenerien oder Karten von der CD laden.
Dies funktioniert bei beiden problemlos.
Kompatibilitätsprobleme
Von verschiedenen Seiten hörte ich, dass FLY nicht mit
allen Grafikkarten problemlos zusammenarbeitet. Dies
bezieht sich auch auf die im Handbuch angegebenen Karten.
Dies äußert sich z.B. durch eine schwarze Sonne. Der von
ihr erzeugte, sogenannte Flare-Effekt bleibt hier auch
aus. Bei mir traf dies zum Glück nicht zu. Ich verwende
eine 3dfx Voodoo3 Karte, die problemlos von FLY erkannt
wird und recht ordentlich mit dem Programm funktioniert.
Dabei wird auch die Sonne samt Flare-Effekt korrekt
dargestellt.
FLY ist ein offenes System
FLY ist ein Flugsimulator mit einem sogenannten
"offenen System". Dies bedeutet, dass
nachträglich Flugzeuge, Szenerien, Sounds und Panels
eingebunden werden können. In dieser Hinsicht gleicht FLY
dem Flugsimulator von Microsoft. Editorprogramme hierfür
wurden bereits im Web zur Verfügung gestellt. Leider
gestaltet sich dies nicht so einfach, wie beim FS98 und es
ist schon etwas Übung erforderlich, um die ersten Modelle
oder Szenerien zu erstellen. Betrachtet man aber hier die
bereits zum Download zur Verfügung stehenden Flugzeuge
(leider noch ohne Panels), sieht man, dass sich der
Aufwand lohnt.
Nach dem Programmstart
Nach dem Starten des Programms zeigt sich der
Eröffnungsbildschirm. Von hier aus kann entweder ein
neuer Flug generiert, oder ein vorhandener ausgewählt
werden. Um bei diesem Bericht nicht gleich mit der Tür
ins Haus zu fallen, greife ich erst einmal auf bestehende
Flüge zurück. FLY bietet hier Standardseitig 24 Flüge
zur Auswahl, wobei alle enthaltenen Flugzeuge
berücksichtigt werden. Neben diesem Auswahlmenü zeigt
ein angeknicktes Polaroidfoto einen Scrennshot der
Situation. Wer näheres über den Flug erfahren möchte,
kann mit "Scenerydetails" ein paar
Kurzinformationen abrufen.
Durch Druck auf den "Fly" Button soll
normalerweise der gewählte Flug gestartet werden. Es
kommt aber auch häufiger vor, dass man vor einem
schwarzen Bildschirm sitzt und die Meldung
"unbefugter Zugriff" genießen kann. Na ja,
wenigstens arbeitet die Menüleiste noch und man kann den
gesamten Vorgang wiederholen. Dummerweise lässt sich
gerade im Moment, wie ich diesen Bericht schreibe, nicht
eine einzige Situation starten. Auch bei wiederholtem
Auswählen derselben, kommt stets "unbefugter
Zugriff". Das wirft natürlich nicht gerade ein gutes
Licht auf das Programm.
Nach einem erneuten Programmstart funktioniert es endlich
und man sitzt im gewählten Flugzeug und bestreitet die
entsprechende Situation.
Beim ersten Programmstart wird man nun erst einmal
beginnen, FLY auf sich zuzuschneiden. Hierzu bietet das
Programm eine beachtliche Auswahl an
Konfigurationsmöglichkeiten. Fast alle dieser
Einstellungen können im Menü "Optionen"
ausgewählt werden. Nebenbei gesagt, sind die Menüs
selbstverständlich auch in der jeweiligen Landessprache,
also deutsch. Der Menüpunkt "Grafik" bietet
neben den Einstellungen der Grafikkarte und der Auflösung
Szenerydarstellungsdetaills, wie z.B. Szenerykomplexität,
Nachtlicht und Schattendarstellungen. Dabei können meist
mehrere Empfindlichkeitsstufen ausgewählt werden, wobei
sich eine intensivere Darstellung natürlich auch auf die
Wiedergabegeschwindigkeit auswirkt. Sehr schön finde ich,
daß die Entfernung der Bodensicht bis zu 20 Meilen frei
wählbar ist.
Weitere Einstellmöglichkeiten sind für den Ton, die
Joystickempfindlichkeiten und Tastaturbelegungen.
Hierüber lassen sich auch die Tasten des Joysticks
definieren.
Wirklichkeitsgrade, wie z.B. genaue Bodenhaftung (hierauf
gehe ich im nächsten Teil noch genauer ein), dynamische Szenerie,
Kollisionen und andere, lassen sich im Menü
Realitätsgrad bestimmen. Hier gilt natürlich, je mehr
angekreuzt ist desto realer wird die Fliegerei mit FLY.
Szenerie Qualität
Fünf detaillierte Szenerien werden mitgeliefert. Dazu
gehören San Francisco, Dallas, New York, Los Angeles und
Chicago. Eine detaillierte Szenerie von einer
europäischen Region fehlt leider. Neben diesen genauer
dargestellten Gebieten umfasst FLY weltweit ca. 9500
Flugplätze. Die Qualität der Szeneriegebiete ist reine
Geschmacksache. Man könnte die genauen Gebiete etwa mit
der Standardszenerie des MS Flugsimulators vergleichen.
Die Flughafengebäude sind von ihrer Form her dem Original
zwar nachgebildet, besitzen aber weder Fluggastbrücken,
noch Stopsigns. Eben wie bei MS. Sehr schön geworden sind
die Bodentunebenheiten und Gebirge. Eine Vegetation habe
ich in keiner der detaillierten Szeneriegebiete gesehen,
was aber nicht bedeuten muss, dass es keine gibt.
Wie sind denn nun die anderen Gebiete aufgebaut? Über
das Menü "Sicht" und "Verzeichnis"
bekommt man eine Liste, aus der der gewünschte Flugplatz
ausgewählt werden kann. Die Bedienung erscheint einem
anfangs etwas umständlich, mit der Zeit gewöhnt man sich
aber daran. Hat man den gewünschten Flughafen gefunden,
bewegt man sich mit "Gehe zu Flughafen" zu
demselben. Der erste europäische Flughafen den ich
auswählte war Frankfurt/Main, in der Hoffnung, hier ein
paar Gebäude zu sehen. Leider wurde ich unsanft auf dem
Gras abgesetzt und bekam nicht einmal eine Startbahn zu
Gesicht. Weit und breit kein Frankfurter Flughafen. Also
nächster Platz - Stuttgart. Wieder selbes Ergebnis. Werde
unsanft auf dem Gras abgestellt. Bei Paris Charles de
Gaulles kommt es noch schlimmer. Hier stürzt mein
Flugzeug aus mehreren Fuß Höhe ab und ladet auf den
Tragflächen. Auf diese Art ist es also nicht möglich,
den Flughafen zu wechseln. Nun versuche ich es mit dem
Flugplaner. Hier trage ich als Startflughaften Stuttgart
und als Landeflughafen Frankfurt ein. Dieses Mal
funktioniert es und ich stehe auf der gewählten
Startbahn. Was ich zu Gesicht bekomme erschreckt aber.
Nicht nur, dass der bekannte "Weidacher Hügel"
fehlt (die Gegend ist absolut flach!), es fehlen auch alle
Flughafengebäude. Ich finde nicht einmal den
Kontrollturm. In Frankfurt und anderen europäischen
Metropolen sieht es genauso aus. Und das beschränkt sich
nicht nur auf Europa.
Wäre das nun das Ende vom Lied, bestünde der Grund das
Programm sofort von der Festplatte zu verbannen. Aber wie
ich oben bereits erwähnte, ist FLY ein offenes System.
Verschiedene Previews im Internet zeigen, dass es durchaus
machbar ist für FLY eine gute Szenerie zu erstellen und
es wird auch nicht mehr lange dauern, bis diese Dateien
zum Download bereitstehen. Gerade das macht den Reiz eines
offenen Systems aus.
Wind und Wetter
Wenn ich mich richtig erinnern kann, waren auch die
Wolken von FLY Grund vieler Diskussionen. Es stimmt schon,
wenn man ein Preview mit einer Auflösung von 1024x768
macht und dieses Bild auf 640x480 verkleinert, wirken die
Wolken wesentlich schöner und dichter. Dennoch muss ich
sagen, daß die Wolken auch in ihrem jetzigen Zustand zur
Zeit noch von keinem anderen Flugsimulator besser
dargestellt werden.
Wie wird denn nun das Wetter generiert? Neben der
Möglichkeit Metar Daten zu laden, kann das Wetter auch
manuell erstellt werden. Die Aufmachung dieses Fensters
ist, wie bei fast allen FLY Fenstern, sehr schön gemacht
und man findet sich schnell zurecht. Man kann Sicht,
Temperatur, Druck, Windrichtung und Windstärke frei
definieren. Daneben lassen sich drei Wolkenschichten
einstellen. Jede dieser Schichten kann aus unterschiedlich
dichten Wolken bestehen, wobei sich die Wolkenuntergrenze
frei bestimmen läßt. Leider ist es nicht möglich
bestimmte Wolken, wie z.B. Cumulus, auszuwählen. Schade,
denn das hätte den Wert der sonst sehr schönen Wolken
noch einmal erhöht.
Ein weiterer Bonus für FLY ist die Möglichkeit, Regen
oder Schnee darzustellen. Dabei wird Regen natürlich auch
mit dem typischen Tropfensound unterstützt. Die
Intensität des Niederschlages läßt sich in drei Stufen
von mäßig bis stark einstellen. Ich bin innerhalb dieser
Testphase schon fast süchtig nach dem Fliegen im Regen
geworden. Es macht einfach Spaß. Leider bleibt der Schnee
genauso wenig liegen, wie der Regen Pfützen erzeugt.
Vielleicht gibt es hierzu mal ein Update.
Im nächsten Teil dieses Berichts werde ich mich
gezielt mit den Flugzeugen und den Weight and Balance
Einstellungen befassen. Dabei versuche ich zu ermitteln,
wie realitätsnah die FLY Flieger denn nun wirklich sind
und wie sich unterschiedliche Beladungen und
Wetterbedingungen auf den Flug auswirken.
Matthias Liebrecht
Lieberecht@cw-net.de
08.Oktober 1999