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Flight Simulator 2000 Professional EditionFS2000 Review Teil 1
von Felix Dudek

Es ist vollbracht! Der Großmeister aller Flugsimulationen steht im neuesten Gewand - früher als erwartet - in den Geschäften. Mit kleinen Videos, Sounddateien und immer neuen Screenshots lies Microsoft im Vorfeld den Simmern das Wasser im Munde derart zusammenlaufen, daß Eifrige sich den FS2000 gleich in den USA bestellten oder sogar bereit waren, 500 Mark an denjenigen zu bezahlen, der ihm das Meisterstück persönlich vorbeibrachte. Solch eine Euphorie gab es nicht mal bei FLY!, dem bisher schärfsten Konkurrenten, obwohl Terminal Reality eine Werbekampagne ohnegleichen gefahren ist. Nun scheint es, daß das Geld wohl umsonst geflossen ist, denn im Gegensatz zu TR's Gegenstück bricht der FS2000 schon jetzt alle Rekorde.
fs2k1.jpg (55832 bytes)Monate vorher war der FS2K Gesprächsstoff in zahlreichen Newsgroups, um frühe Betas oder gar Alphas scharrten sich die Leute bis zum Gehtnichtmehr wie sonst nur in der Ex-DDR bedauernswerte Ossis um Bananen (E.N: der Author ist selber ein 'Ossi' und weiß worüber er schreibt...). Die wenigen Exemplare, die in die Händlerregale strömten, gingen weg wie warme Semmeln, zahlreiche Versandhändler führten den FS2000 schon am ersten Tag nicht mehr und mussten auf Nachlieferungen warten. Ein Hype ohnegleichen - berechtigt? Wir bei simflight.de wollen dieser Sache nach- und dem FS2000 auf den Grund gehen. Grundlage unserer Betrachtung bildet dabei die Professional-Version, die mit zusätzlichen Fluggebieten und Flugzeugen aufwarten kann.
Da der "Neue" ein echter Brocken ist, teilen wir das Review in mehrere Teile. Den Anfang macht eine Beleuchtung der technischen Aspekte und der beliebte "First Look", gefolgt von Flugzeugen über Szenerien, um letztendlich um das Handling zu kreisen. Eine große Aufgabe also, die aber -das hat man schon im Vorfeld gesehen- Spaß macht. Spaß auch deshalb, weil klar erkennbar ist, daß die Redmonder den FS nun fast bis zur perfekten Reife getrieben haben. Den Spruch, der FS2000 sei mehr Evolution denn eine Revolution, kann man getrost an den Nagel hängen. Aber wer eine kritische Betrachtung des Millenium-Simulators sucht, wird bei diesem Test gelangweilt sein. Es folgt ein Lobgesang auf den besten Simulator des Jahrhunderts! Na denn, Take Off!

fs2k2.jpg (46783 bytes)Die neue Bescheidenheit

Kaum ein anderer Simulator hat im Vorfeld zu wahren Begeisterungsstürmen hinreißen lassen. Die aufgebohrte Detaildarstellung ließ frohlocken - doch gleichzeitig war klar, daß das seinen Preis hat: schnelle Prozessoren, wenn möglich noch eine Top-Grafikkarte.
Beta-Tester waren geschockt vom Hardware-Monster, selbst auf PIII 550 gelang es nicht annähernd, hohe zweistellige FPS zusammenzubekommen. Doch der Zorn war schnell verflogen, wußte oder glaubte man, daß Betas nicht umsonst so heißen und bei ihnen in den wenigsten Fällen bezüglich der Framerate geschraubt wird. Umso größer die Ernüchterung beim fertigen Produkt. Besitzer, die mit ihrem Powerpferd im FS98 Frames über 70 erreichten, müssen im FS2000 radikal umdenken. Auf einem typischen "Durchschnittsrechner", also PII 350 mit 64 MB Ram dürfen keine großen Sprünge zu erwarten sein, maximal 10-13 FPS ist das höchste der Gefühle. Deshalb der Rat: unter einem PII 350 sollte man noch nicht einmal an den FS2000 denken!!!! So bitter das auch ist, aber auf diesen Stufen ist kein fliegen mehr möglich. Das Abschalten einiger Details halte ich in diesen Situationen für sinnlos, denn dann kann man gleich wieder zum FS98 zurückkehren. Daß einige User mit einem PII 333 30-50 Frames erreichen sollen, ist glatter Unfug, noch nicht einmal der Athlon schafft diese Hürde. Was wird also benötigt? Unsere Tests zeigen, daß dem Prozessor und der Grafikkarte sicherlich die Hauptlast zufällt, dennoch sollte man erst einmal an eine Erweiterung des Hauptspeichers denken. Eine Größe von 128 MB ist fast schon Standard, wer es luxuriös haben will, greift zu 256 Megabyte. Sicherlich sind die Preise etwas gestiegen, aber auch zukünftige Programme werden es mit schnelleren Abläufen danken. Das zeigt auch der FS2000: bei 64 MB kommt es selbst auf einem 600 MHZ getakteten Pentium III Prozessor zu massiven Performance-Einbrüchen. Mit 128 MB sieht die Sache schon besser aus, ab 256 wird es richtig flüssig, ohne nervige Aussetzer.
Eine gute Grafikkarte ist in den meisten Rechnern Standard, jedoch zeigen Tests mit einer TNT2-Karte die besten Ergebnisse; dabei ist es gleich, ob nun der "normale" TNT2-Chip oder TNT2-Ultra verwendet wird, der Unterschied betrug maximal 3 FPS. Gut gefahren, bzw. geflogen sind wir mit der Maxi Gamer Xentor 32 von Guillemot und der Viper 770 von Diamond, beide mit 32 MB Ram. Bei Karten von Elsa soll es zu einigen Problemen gekommen sein, die sich bis heute nicht lösen ließen.
fs2k6.jpg (76396 bytes)Und der Prozessor? Ab einem PIII450/500/550 inklusive vorangegangenen Komponenten blüht der FS2K so richtig auf. Mit einiger Feinarbeit und Detailtuning fliegt es sich auf einem PIII 500 konstant mit 20-25 FPS. Übrigens bieten die genannten Prozessoren zur Zeit das beste Preis-/Leistungsverhältnis, ein 600er ist noch zu teuer. Auch auf den Athlon gebe ich zur Zeit wenig: mag sein, daß es sich bei ihm um den perfekten Prozessor für Spielfreaks handelt, aber die Vergangenheit hat gezeigt, daß AMD Intel noch nicht einmal Ansatzweise gefährlich werden konnte. Hier heißt es erst einmal abwarten.
Aber Moment mal! Hat Microsoft da nicht etwas anderes gesagt? Pentium 166-Prozessor und 32 MB Ram? Das ist nicht nur schamlos untertrieben, das ist frech und Verhöhnung derer, die diese Konfiguration ihr Eigen nennen. Spaßeshalber haben wir uns die Installation auf einem Notebook mit eben diesen Spezifikationen angetan. Die Festplatte gab während des Installationsvorganges derart hübsche Geräusche von sich, daß man sich den Besuch der nächsten Love Parade sparen kann. Und danach? Wer seinen Nachbarn oder Bekannten einmal eine etwas andere Diashow bieten will, sollte beherzt zugreifen.

fs2k4.jpg (40726 bytes)Raindrops keep falling on my head....

Nach den überwundenen technischen Hürden ist es an der Zeit, dem FS2000 ein paar Momente zu schenken. Bereits beim Auspacken wird bestätigt, was die massive Box bereits ahnen ließ - ein Schwergewicht mit viel Format. Endlich gibt es wieder ein ordentliches Handbuch, das problemlos als Bettlektüre dienen kann, denn der lockere Schreibstil von Fluglehrer Rod Machado macht Appetit auf mehr. Allerdings hätten die Infos zu den einzelnen Flugzeugen etwas intensiver ausfallen können, aber das ist Geschmackssache.
Nun ist mein Mund so wässrig, daß ich es nicht mehr aushalte. Ich muß wieder nach Hause, zurück, zurück in die Cessna, zurück nach Meigs. Und endlich bin ich da. Meine Augen richten sich sofort auf die wuchtige Skyline von Chicago. Massive Wolkenkratzer ragen in den Himmel, die Anzahl ist vervielfacht worden. Die Häuser, das gesamte Stadtgebiet überhaupt wirken plastischer, zum Greifen nahe. Sämtliche Gebäudetexturen wirken runder, irgendwie satter. Hier muß man nicht viel Phantasie aufbringen, um sich eine Großstadt vorzustellen, sie ist bereits präsent!! Auch Meigs Field erstrahlt im neuen Glanz, der Platz wirkt insgesamt lebendiger und endlich sind auch die Bodentexturen dem realen Pendant mit seinem satten Grün angeglichen. In nächtlicher Umgebung zeigt sich Chicago gleich doppelt so gut. Die Häuser strahlen um die Wette, endlich ist die unrealistische weiße Beleuchtung einer Symbiose aus roten, gelben und weißen Lichtern gewichen. Auf gleicher Ebene bewegen sich die Grundtexturen: derart schön illuminiert wurde noch keine Stadt. Besonderer Clou: nach Sonnenuntergang bewegen sich kleine Lichtpunkte, die Autos repräsentieren sollen, auf den Straßen und machen den Eindruck perfekt: dort unten herrscht Leben. Grandios!
Doch genug vom Sightseeing, ich möchte endlich das viel gerühmte Wettersystem ausprobieren. Kurzerhand bastle ich mir eine dicke Wolkendecke mit schönem Platzregen. Und siehe da: Sekunden später hat sich der Himmel zu einem düsteren Grau-Schwarz verzogen, Regen prasselt auf das Dach, läuft die Frontscheibe runter und Blitze zucken vom Himmel. Schade nur, daß selbst in der höchsten Einstellung der Regen etwas an Intensität vermissen läßt, ein kräftiger Schauer sieht meines Erachtens anders aus. Doch egal, Fakt ist, daß sich Mitbewerber von diesem Wettersystem eine Scheibe abschneiden können - besser sahen Wolken und Unwetter nirgends aus.
Vollends erwischt hat es mich dann bei Sonnenauf- und Sonnenuntergängen. Bei Tagesanbruch erhebt sich die Sonne, umhüllt von Nebelschwaden, in den blassgelben Himmel und schickt die ersten Strahlen zur Erde. Die Wolken erscheinen noch dunkel am Firmament, doch gegen Mittag hat man den schönsten Sommerhimmel. Der Sonnenuntergang taucht den Himmel in ein rötliches Licht, langsam verschwindet der Feuerball hinter dem Horizont und beleuchtet noch schwach die Umgebung. Ich könnte Luftsprünge machen, so zieht mich dieses Schauspiel in den Bann. Ich darf gar nicht daran denken, wie die Grand Canyon Szenerie von Wilco, wenn sie kompatibel gemacht wird, und die Sonnenschauspiele harmonieren werden. Da kann man Nerven aus Stahl haben - in diesen Augenblicken werden sie schmelzen.

fs2k5.jpg (45319 bytes)Der letzte Blick

Wie sieht es mit den Flughäfen aus? Sind die grandiosen Texturen und Naturschauspiele nur Blendwerk? Mitnichten. Es gibt keine häßlichen FS5-Klötzer mehr, sämtliche Terminals und Airport-Gebäude erstrahlen im neuen Glanz. Viel Wert wurde auf ein möglichst exaktes Grundlayout gelegt. Wenn auch nicht die Terminals im Aussehen der Wirklichkeit entsprechen - man weiß zumindest, wo man sich befindet. Ich wähle für einen ersten Check meine ehemalige Zwischenheimat Lagos in Nigeria. Es gibt keinen Grund zu meckern: Lagos ist auch als solches zu erkennen. Selbst das neue Terminal wurde eingefügt. Phantastisch. Eigentlich fehlen nur noch Docking Bridges, um das Glück perfekt zu machen. Ich ziehe weiter nach Osten, nach Ägypten. Auch hier ist der Airport von Kairo klar zu identifizieren, keine Verwechslungsgefahr mit der Scheune von Hinterhumpelhausen mehr. Viel wichtiger aber ist, daß Deutschland nun fast komplett abgedeckt ist. Vorbei die Zeiten, als Augsburg und Oberpfaffenhofen im FS noch zu den Weltstädten gezählt werden mussten. Hamburg, Paderborn, Leipzig, Kiel, Egelsbach, alles da. Grundszenerien wie Europe 1 oder auch EU2 und 3 für die Nachbarländer sind nicht mehr notwendig. Es zeigt sich, gerade im Bereich der Szenerien, daß der FS2000 mehr als eine kosmetische Nachbehandlung darstellt. Im Grunde genommen kann man von einem komplett überarbeiteten Programm sprechen, das seinen Preis wert ist. Die Jungs und Mädchen aus Redmond haben sich nicht auf ihren Lorbeeren ausgeruht sondern kontinuierlich weiterentwickelt. Das betrifft nicht nur Szenerien, sondern auch Flugzeuge, das schon erwähnte Wetter, Navigation und weitere Dinge. Wir werden uns diesen in den nächsten Ausgaben widmen und dem FS2K weiter auf den Grund gehen.

Felix Dukek
FelixDudek@aol.com 
11.November 1999

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