Anzeigen: sales@simflight.de


DM19.95

simFlight.de > Test

Hangsim
von Wilco Publishing

getestet von André Niedhöfer

"Der Vogel ist eine Konstruktion, die auf der Grundlage mathematischer Gesetze arbeitet. Es liegt in der Macht des Menschen, eine Konstruktion zu entwerfen, die diese Eigenschaften besitzt." Diese Aussage von da Vinci wurde mit der Entwicklung der Ultraleichtfluggeräte bewahrheitet. Und diesen Satz nahm sich Wilco zu Herzen, um eine neue Art Flugsimulation zu entwickeln. Hangsim ist der erste Flusi, der sich ausschließlich mit dem Fliegen von Drachen, Gleitschirmen, Segelflugzeugen etc. beschäftigt. Ich habe mir diese Sache mal genauer angeschaut.

Hat einem der Postbote das Paket vorbeigebracht und die hübsch gestaltete Verpackung erst einmal aufgerissen, so findet man neben der Programm-CD ein Handbuch und natürlich den obligatorischen Werbeprospekt von Ubisoft, dem deutschen Vertreiber der Wilco-Produkte. Ich habe die deutsche Version getestet, soll heißen deutsches Handbuch aber englisches Programm. Wann oder ob überhaupt eine komplett deutschsprachige Programmversion herauskommt, dazu macht Wilco Publishing keine Angaben. Also CD rausgenommen und Laufwerk damit gefüttert. Daraufhin öffnet sich das Installationsfenster.

1.jpg (87585 bytes)Installation
Die Installation des Programms ist unkompliziert und einfach gestrickt. Dabei muss der CD-Key eingegeben werden, der sich auf der CD-Hülle befindet. Das Kopieren der Dateien auf Festplatte dauert aber etwas lange (190MB). Dafür wird aber nachher beim Programmstart keine CD mehr benötigt und das lästige CD-Wechseln entfällt.

Handbuch
Das Handbuch bietet alle wichtigen Informationen zum Programm und dies in einem recht großen Umfang. Alle Flugoptionen werden erklärt und an Abbildungen wurde auch nicht gespart. Weiterhin wurde an die Wetterkunde und Einführung in die Flugdynamik der Gleiter gedacht, die ebenfalls sehr umfangreich ist und auch den unerfahrenen Piloten einen Einblick in die windgestützte Fliegerei gibt. Dafür ein großes Lob an Wilco.

2.jpg (84490 bytes)Fluggeräte
Der Pilot hat insgesamt sieben Fluggeräte zur Auswahl. Dazu gehören drei Drachen (einer ist motorisiert), zwei Gleitschirme (einer mit Rucksackmotor), ein Segelflugzeug sowie ein motorisierter Ultraleichflieger. Alle sind sehr detailliert dargestellt. Zum Beispiel erkennt man den Details der Motoren oder die Feinstruktur der bespannten Flügelflächen. Da haben sich die Programmierer wirklich Mühe gegeben

Ebenso haben alle Flieger Piloten an Bord. Diese sehen zuweilen etwas komisch aus, eher nach Lego-Technic-Figuren (aber das ist ja eher nebensächlich), sind aber zum Teil - beim Drachenflieger und Paraglider - animiert. Dies aber auch nicht vollständig, denn sie bewegen ihren Körper nur, wenn das Fluggerät steigen oder sinken soll. Beim Start rennen die Piloten, um genug Geschwindigkeit zu bekommen. Die dabei auftretenden Bewegungsabläufe sind sehr gut animiert.

Was mir an den Fliegern fehlt, sind eindeutig die animierten Steuerflächen und Propellerblätter. Ich persönlich finde es ziemlich frustrierend, wenn sich z.B. der Pilot des Paragliders den Steuerbefehlen entsprechen bewegt, die Ruder des Seglers sich aber nicht einmal rühren. Das gleiche trifft auf die Propeller der motorisierten Versionen zu. Ich verstehe es nicht ganz, wie man soviel wert auf Detailtreue legt, dann aber die Animierung der wichtigsten Flugprozesse nicht umsetzt.

Einen dicken Punkt bekommt Hangsim für die bestechende Flugdynamik. So reagieren die Fluggeräte genau auf die bestehenden Wetterverhältnisse und auf das jeweilige Relief (z.B. am Hang und im Tal), kein Wunder, wurden sie doch laut Pressetext von einer Vielzahl echter Gleiterpiloten getestet. Positiv fiel mir zum Beispiel auf, das sich der motorisierte Paraglider nach der Beschleunigungsphase erst einmal einpendeln muss.

4.jpg (89930 bytes) Apropos Beschleunigung: Meiner Meinung nach beschleunigen die motorisierten Varianten viel zu stark für ihren Motor. Weiterhin finde ich es schade, das keine Beschädigungsstruktur hinzugefügt wurde. Zwar wird ab einer gewissen g-Kraft die Anzeige eingeblendet, der Gleiter wäre auseinandergebrochen und stürzt ab, was auch in der Realität durchaus passieren kann, doch unten am Boden sieht man keinerlei Schäden. Ebenso versinkt der Gleiter öfters im Szenerieboden (vielleicht bestehen sie ja auch aus Matsch?!)

Letztendlich kann man sagen, dass die Fluggeräte erfreulich detailliert daherkommen, mit bestechender Flugdynamik. Doch Punkte wurden durch fehlende Animationen und Umsetzungsfehler vergeben.

3.jpg (98553 bytes)Cockpits und Instrumente
Hangsim bietet ein virtuelles Cockpit an, welches aber mehr auf den Rundumblick ausgelegt ist, und nicht unbedingt als fein detailliertes Instrumentenachbildung gedacht ist. Diese funktionieren im Cockpit sowieso nicht. Für das Ablesen der Fluginformationen müssen daher einheitliche Instrumente (Variometer, Höhenmesser, Geschwindigkeitsanzeige und Drehzahlmesser) eingeblendet werden. Auch an ein GPS-System wurde gedacht, welches auch für die Anzeige der Waypoints eingesetzt wird. Zusätzlich lassen sich alle Informationen durch ein Head-Up-Display (HUD) abrufen, was aber eher unrealistisch ist.

5.jpg (128224 bytes)Szenerien
Über die Darstellung der Umgebung lässt sich streiten. Einerseits sind sie wahnsinnig schön anzuschauen. Andererseits werden sie aufgrund ihrer geringen Fläche schnell langweilig. Insgesamt stehen sieben relativ kleine Areale zur Auswahl, die aufgrund ihrer meteorologischen und geographischen Besonderheiten jeden Aspekt des windgestützten Fliegens bedienen. 'Mountain' repräsentiert dabei die Bergregion von Chamonix, in 'Gorges' sind die Schluchten von Verdon umgesetzt und 'Valley' bildet die Vulkanregion um Puys (alle Frankreich) ab. Weiterhin setzt Metro das Gebiet Orange County östlich von LA um. 'Ridge', 'Beach' und 'City' bilden ein größeres Fluggebiet und beinhalten den Küstenstreifen von Torrey Pine, Del Mar und einen Teil der Stadt San Diego in Kalifornien. Insgesamt ist die Größe der gesamten Gebiete vergleichbar mit dem, welches in Flight Unlimited II abgeflogen werden kann.

6.jpg (92362 bytes) Besonders aus etwas größerer Flughöhe offenbart sich die hervorragende Qualität der photorealen Gebiete. Dies ist auch kein Wunder, denn es wurden Satellitenaufnahmen genommen, die dann überarbeitet wurden (32bit). So kommt auch die extreme Auflösung von bis zu 3 Metern pro Pixel zustande.

7.jpg (107224 bytes) Es sind jedoch kaum Gebäude wahrzunehmen, und wenn, dann sind sie nicht besonders schön texturiert. Den einzigen Lichtblick bietet da die angedeutete Skyline von San Diego. Auch die Bäume und Palmen sehen aus wie einfache Pappaufsteller. Durch das Fehlen dieser Gebäude- und Landschaftsstrukturen, die ja auch für den Gleiter einen Reiz ausüben (ich denke da z.B. an das Drachenfliegen durch enge Häuserschluchten), wird die Fliegerei mit Hangsim früher oder später langweilig. Es gibt einfach nichts zu entdecken außer hier und da ein paar Bauwerke. Wie gesagt sind sie zudem viel zu klein, als das stundenlanges Umherschwirren mit dem Gleiter aufregend wäre. Gelangt man an das Ende einer solchen Szenerie bietet sich ein grauenhafter Anblick, denn es ist Szenerieblock an Szenerieblock gereiht (siehe Bild). Diese Aussicht hatten ja vielleicht auch die alten Seefahrer, als sie an den Rand der Welt gelangten, und Wilco wollte dieses Feeling auch dem Simmer gönnen :-).

8.jpg (136907 bytes) Sicherlich bieten die Szenerien was fürs Auge (wenn man im auch im Gebiet bleibt), doch irgendwann wird es wirklich langweilig., sich ständig in begrenzten Arealen aufzuhalten. Da helfen auch die anderen Flugmodi nicht.

Eine weitere Besonderheit ist die dynamische Szenerie. Das heißt, man kann acht weitere Fluggeräte in die Szenerie einfügen, die dann computergeneriert fliegen. Man hat dabei verschieden Möglichkeiten. So kann man den Mitflieger so einstellen, dass er einfach nur Kreise oder geradeaus fliegt, oder das er z.B. Thermiken und Hangwinde findet. Hat man so zum Beispiel letztere Einstellung ausgewählt, kann man den Computerpiloten folgen, und so erlernen, wo diese speziellen Winde zu finden sind. Die künstliche Intelligenz ist dabei sehr gut umgesetzt.

10.jpg (89214 bytes)Wetter
Und auch hier haben die Programmierer von Hangsim hart gearbeitet, und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Als Hangsimmer hat man die Möglichkeit, nahezu alle Wetterverhältnisse zu erstellen (außer Regen und Schnee, aber da fliegt man als UL-Pilot ja sowieso nicht). So lässt sich Windstärke, Windrichtung, Wolkendichte und deren Ober- und Untergrenze einstellen. Weiterhin kann man die Häufigkeit der Aufwinde, deren Höhe sowie Stärke auswählen. Somit hat man fast unbegrenzten Spielraum bei der Auswahl des Wetterbedingungen. Diese Einstellungen werden natürlich im Programm selber exakt wiedergegeben. So sind z.B. Hangwinde auch an Hängen zu finden, und die Aufwinde befinden sich zumeist unter Wolken. Leider sehen die Wolken an sich nicht so gut aus. Man kann auch nicht aus mehreren Wolkentypen auswählen. Die Darstellung der Sonne ist gelungen, man hat auch den Anschein einer Blendung, wenn man ihr entgegenfliegt. Zusätzlich spiegelt sie sich in größeren Gebäuden. 

9.jpg (80440 bytes) Ein besonderes Schmankerl haben die Anfänger zur Auswahl. Es lassen sich Thermiken als sich drehende Säulen darstellen, die man schon vom weitem erkennt. Auch so kann man lernen, wo Aufwinde zu finden sind.

 

Die vier Flugmodi
Der Hangsimmer hat insgesamt vier Flugmodi zur Auswahl. Diese sind je nach Schwierigkeitsgrad nochmals unterteilt. Zum einen gibt es den 'Freeflight' als ganz normales Dahingleiten in den Szenerien. Es können alle Gleiter und Szenerien ausgewählt werden. Auch das Wetter kann selbst eingestellt werden.

Als zweites gibt es 'Challenge'. Dabei werden dem Piloten bestimmte Situationen geboten, in denen er je nach Schwierigkeitsstufe mehr oder weniger schwierige Bedingungen vorfindet. In diesem Flugmodus sind auch die fünf Lernflüge versteckt. Ich meine, man hätte ruhig eine eigene Option mit diesen Übungsflügen realisieren können. Auch hätte man mehr dieser Lernflüge programmieren müssen, da dabei nur das Fliegen mit dem Drachen berücksichtigt wurde .

Der dritte Flugmodus nennt sich 'Competition'. Dies ist der Wettbewerbsmodus, das heißt man muss eine bestimmte Strecke, die durch Wegpunkte gekennzeichnet ist, abfliegen. Dabei muss man berücksichtigen, dass es nicht unbedingt darauf ankommt, als erster am Zielpunkt anzukommen. Es werden nämlich Punkte auch auf die größte Flughöhe, die zurückgelegten Flugkilometer, durchschnittliche Landegeschwindigkeit etc. gegeben. Das bedeutet, das man selbst wenn man nur Vierter geworden ist, trotzdem die höchste Punktzahl erreichen kann. Diese wird dann im eigenen Logbuch gespeichert.

Der vierte Flugmodus heißt 'Fun'. Wie der Name schon sagt geht es hierbei nicht unbedingt um das präzise Fliegen, sondern der Spaß steht im Vordergrund. Dabei müssen die gegnerischen Piloten mit Raketen (!) abgeschossen werden. Ziel ist zum Beispiel, eine bestimmte Strecke als erster abzufliegen. Um zu gewinnen sollten dabei bestmöglich alle Gegner abgeschossen werden. Es macht sicherlich erst einmal Spaß, mit Raketen von einem Gleitschirm aus andere abzuschießen, aber nach ca. fünf Minuten fragt man sich echt, ob dieser Modus hätte sein müssen. Es wird echt langweilig, weil nichts großes passiert. Man sieht nichts explodieren, die Waffen sind immer gleich und die Munition ist auch noch unbegrenzt vorhanden. Die künstliche Intelligenz ist in dem Fall schlecht, denn ich wurde bei keinem einzigen meiner Fun-Flights angegriffen. Vielmehr hatte ich alle Gegner binnen weniger Minuten wenn nicht sogar Sekunden ausgeschaltet.

Insgesamt muss man sagen, das alle vorgegebenen Flüge sehr einfach nachzufliegen waren, vielleicht zu einfach. Die Aufgaben an sich sind nicht schwierig, auch wenn man noch Anfänger in diesem Metier ist. Der Nachteil daran ist, dass der Spielspass nach einer Weile auf der Strecke bleibt.

Erstellung von Szenerien und Fluggeräten
Besonders hervorgehoben werden muss, dass Wilco an eine einfache Möglichkeit zur Erweiterung von Hangsim mit eigenen Szenerien oder Fliegern gedacht hat. Die Szenerien sind einfache Satellitenphotos, die mit Hilfe von zwei Zusatzprogrammen (kostenlos auf www.hangsim.com) in Szeneriedateien umgewandelt werden können. Die Fluggeräte bestehen aus 3D-Dateien die mit 3D-Studio erstellt und mit dem SDK DeveloperKit von Microsoft konvertiert wurde. So gibt es schon jetzt drei ansehnliche Zusatzszenerien und zwei neue Paraglider im Internet:
(http://space.tin.it/sport/snpmpv/hangsim/index.html).

11.jpg (115148 bytes)Fazit:
Wilco hat mit Hangsim einen Flugsimulator geschaffen, der ein völlig anderes Gebiet der Fliegerei bedient als die üblichen Programme. Erstmals sind alle Aspekte des Fliegens mit den Naturgewalten umgesetzt, und dies in beeindruckender Qualität. Abzüge gibt es für die unbefriedigende grafische Gestaltung der Fluggeräte sowie für die mageren und kleinen Szenerien. Der Spielspaß bleibt wie gesagt irgendwann auf der Strecke. Dort hätte man sehr viel schwierigere Aufgaben erstellen müssen, um auch den Profi das Fliegen schwer zu machen. Nur gut, dass die Programmierer die Schaffung von Add-Ons sehr einfach gestaltet haben.

Hangsim ist auf jeden Fall etwas für virtuelle Piloten, die dieses Fluggenre näher kennenlernen möchten, und schon immer den Wind herausfordern wollten. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist dabei noch ausreichend. Mir jedenfalls hat es schon Spaß gemacht, Hangsim zu benutzen. Wer einen Einblick in das Programm haben will, sollte sich die Demo (allerdings satte 12MB!) auf jeden Fall anschauen. Sie ist ebenfalls auf der offiziellen Website erhältlich.

André Niedhöfer
haupt-niedhoefer@t-online.de
11.Januar 2000

INFORMATION

DATEIEN

 

FS's Yahoo...

Copyright © Miguel Blaufuks 1997-2000. All rights reserved.
Read our privacy guidelines.

Online Media Kit