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IAM - Instant Airplane Maker

von Felix Dudek

Das Stinktier: ein putziger Geselle, unbeholfen wirkend, doch hinterlistig in seiner Art. Mit einer aus dem After ausgeschiedenen übelriechenden Flüssigkeit hält es sich Feinde auf Distanz – ein fast unmögliches Unterfangen für andere Tiere also, die leichte Beute zu machen glaubten. Ähnlich verhält es sich mit den Flugzeugen des  Instant Airplane Maker (IAM) der legendären Designergruppe Virtual Skunks (virtuelle Stinktiere). Was hier abgeliefert wurde, wird es Mitbewerbern für einige Zeit schwer machen, an den neuen Qualitätsstandard heranzukommen. Schier unglaubliche Details erwecken den Spaß am Flugzeug neu – kein Grund derzeit also, auf eine andere Flugzeugsammlung umzusteigen. Doch dazu später mehr.

iam1.jpg (20589 bytes)Die Virtual Skunks sind fast so alt wie die Geschichte der Flugsimulation am PC überhaupt. Damals noch mit dem berühmt-berüchtigten FS4 erweiterten sie Schritt für Schritt die Grenzen des Flugzeugdesigns. Die führenden Köpfe sind gut bekannt und haben mit Sicherheit eine Art Kultstatus in der FS-Welt, wenn es so etwas überhaupt gibt. Leaming Wheeler war der Entwickler des Flight Shop, mit dem unzählige Flugzeuge auf der ganzen Welt für den FS konstruiert wurden und immer noch werden. Vor einiger Zeit stellte er den Nachfolger Aircraft Factory 99 vor, der –so wird erwartet- einen weiteren Quantensprung im Flugzeugdesign darstellen wird. Craig Mosher ist Architekt und hat den Tower am Flughafen Toronto entworfen und gebaut und zeichnet sich für die gelungene visuelle Darstellung der IAM-Airplanes verantwortlich. Und schließlich noch Mel Ott, jener Northwest Airlines Kapitän, der die Boeing 747-400 als erster Pilot im regulären Liniendienst flog. Man munkelt, daß auch er es war, der während einer Überquerung des Atlantiks im Cockpit zusammen mit seinem Copiloten einschlief und erst durch verschiedenste Warnsignale kurz vor dem Sinkflug zum Zielflughafen geweckt wurde. Für meine Begriffe gehört dies eher in das Reich der Fabeln und soll wohl den oben erwähnten- Kultcharakter noch intensivieren. Nichtsdestotrotz unterstreicht der hier vorliegende Instant Airplane Maker der Firma Simaviator/Abacus die fast schon überragend zu nennenden Fähigkeiten des Teams.

iam2.jpg (28530 bytes)Der IAM besteht im Grunde genommen aus zwei Produkten – eine Sammlung von 18 Flugzeugen in unterschiedlichen Bemalungen sowie einen Paintshop, mit dem diese nach eigenem Gusto umgestaltet werden können. Dies geschieht in drei Schritten: den Typ auswählen, die Bemalung selektieren und schließlich das Flugzeug produzieren. Doch der Kreativität sind gewisse Grenzen gesetzt: auswählbar sind nämlich nur die Bemalungsschablonen, die im IAM enthalten sind. Das sind dann verschiedene Farbvariationen oder einfach nur Dinos, Gitarren und Fußbälle. Ein Flugzeug versehen mit dem eigenen Konterfei ist somit unmöglich. Auch sonst kommen die selbsterstellten Paintings nicht an die der Originale heran – zu aufgesetzt wirkt beispielsweise der Schriftzug, zu ungenau manche Farbschemen. Schöner wäre es gewesen, hätte man hier die Möglichkeit gehabt, die Flugzeuge mit den Liveries der großen Fluglinien zu verpassen. Denn aufgedruckte Dinos oder Gitarren sind in den ersten Minuten noch witzig, bald aber nur noch langweilig. Zeit also, sich den wahren Stars dieses Pakets zu widmen.

iam3.jpg (18905 bytes)Insgesamt drei Flugzeugtypen werden geboten: die betagte Douglas DC9, die Airbus A320-Familie sowie die Boeing 747-400. Facettenreich auch das Angebot an Fluglinien: All Nipon Airways ist ebenso dabei wie Finnair und United. Schön, daß ebenfalls an die Simmer im europäischen Raum mit einer Alitalia und Finnair DC9, einer A320 der Lufthansa sowie einer A321 der Austrian Airlines gedacht wurde. Heutzutage nicht immer selbstverständlich vor allem bei amerikanischen Firmen, die den Markt in Europa oft sträflich vernachlässigen. Beim Anschauen der Flugzeuge zeigt sich, mit welcher Detailversessenheit die Jungs bei den Virtual Skunks gearbeitet haben müssen. Sämtliche Luftfahrzeuge besitzen transparente Cockpits, die man meines Wissens nach noch nirgends finden konnte, filigran gearbeitete Triebwerke mit täuschend echt aussehenden Triebwerksschaufeln, Reifen, die ihrer (reellen) Masse gerecht werden, abgerundete Oberflächen, animierte Landeklappen und Fahrwerke und perfekte Paintings der einzelnen Fluglinien. Unschöne Glue-Effekte oder durchscheinende Bauteile sind ein Fremdwort für diese Sammlung.

iam4.jpg (52198 bytes)Alles wirkt wie bei einer Modelleisenbahn, wo ja auch versucht wird, das wirkliche Leben nahezu perfekt auf die Platte zu bannen. Selbst der Spitzname von Mel Ott, „Tarmack“,  prangt am Cockpit der 747.  Besonders gefallen hat mir auch das etwas „unsaubere“ Aussehen der Flugzeuge. Viele wirken immer wie neu aus der Fabrik, anders hier:  die DC9 zum Beispiel hat diesen typischen schwarzen Kerosinauslaß am Heck. Auch die Flugeigenschaften können sich sehen lassen. So wirkt der Jumbo schön behäbig und träge, die A320 liegt gut in der Hand.

iam5.jpg (23039 bytes)Naturgemäß ist bei soviel Licht auch ein wenig Schatten. So sind die Flugzeuge bei Nacht nicht iluminiert, haben aber Landescheinwerfer. Das Cockpit der A320 ist nur zweckmäßig, aber mehr auch nicht. Hier findet man jedoch im Internet geeignetere Instrumentenbretter, die das schon perfekte Aussehen der Flugzeuge auch nach innen tragen. Zudem gibt es nur das Staubsaugergeräusch der Microsoftschen 737, aber auch hier gilt: wer sucht, der findet.

iam6.jpg (16019 bytes)Leider findet man im spärlichen Handbuch keinerlei Informationen zu den einzelnen Flugzeugen – gerade für Anfänger wäre das vielleicht nicht schlecht.

Nichtsdestotrotz bin ich vom IAM begeistert. Wie die Flugzeuge hier eingebunden wurden, ist fast schon die Spitze des Eisberges und wird in der nächsten Zeit sicher nicht mehr zu toppen sein. Den etwas unglücklich geratenen Paintshop betrachte ich als nette Beigabe, denn anders als auf der Produktpackung suggeriert, sind die Flugzeuge nämlich die Kronjuwelen.

iam7.jpg (16745 bytes)Der IAM wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht das Letzte sein, was wir von den Virtual Skunks hören. Schon jetzt kann man sich auf die nächsten Werke freuen, die noch in der Schublade schlummern.

Simaviator wirbt für den IAM mit dem Spruch: „Wir haben die besten Flugzeuge der Welt“. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Felix Dudek
Mai 15.1999

PRO

CONTRA

  • perfekte Flugzeuge
  • phantastische Paintings
  • gute Flugdynamik
  • dürres Handbuch
  • fehlende Beleuchtung der Flugzeuge
  • Paintshop nur nette Beigabe

INFORMATION

 

HERAUSGEBER: SIMAVIATOR
PREIS: DM69.95
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