IAM - Instant Airplane Maker
von Felix Dudek
Das Stinktier:
ein putziger Geselle, unbeholfen wirkend, doch
hinterlistig in seiner Art. Mit einer aus dem After
ausgeschiedenen übelriechenden Flüssigkeit hält
es sich Feinde auf Distanz – ein fast unmögliches
Unterfangen für andere Tiere also, die leichte
Beute zu machen glaubten. Ähnlich verhält es sich
mit den Flugzeugen des
Instant Airplane Maker (IAM) der legendären
Designergruppe Virtual Skunks (virtuelle
Stinktiere). Was hier abgeliefert wurde, wird es
Mitbewerbern für einige Zeit schwer machen, an den
neuen Qualitätsstandard heranzukommen. Schier
unglaubliche Details erwecken den Spaß am Flugzeug
neu – kein Grund derzeit also, auf eine andere
Flugzeugsammlung umzusteigen. Doch dazu später
mehr.
Die Virtual
Skunks sind fast so alt wie die Geschichte der
Flugsimulation am PC überhaupt. Damals noch mit dem
berühmt-berüchtigten FS4 erweiterten sie Schritt für
Schritt die Grenzen des Flugzeugdesigns. Die führenden
Köpfe sind gut bekannt und haben mit Sicherheit
eine Art Kultstatus in der FS-Welt, wenn es so etwas
überhaupt gibt. Leaming Wheeler war der Entwickler
des Flight Shop, mit dem unzählige Flugzeuge auf
der ganzen Welt für den FS konstruiert wurden und
immer noch werden. Vor einiger Zeit stellte er den
Nachfolger Aircraft Factory 99 vor, der –so wird
erwartet- einen weiteren Quantensprung im
Flugzeugdesign darstellen wird. Craig Mosher ist
Architekt und hat den Tower am Flughafen Toronto
entworfen und gebaut und zeichnet sich für die
gelungene visuelle Darstellung der IAM-Airplanes
verantwortlich. Und schließlich noch Mel Ott, jener
Northwest Airlines Kapitän, der die Boeing 747-400
als erster Pilot im regulären Liniendienst flog.
Man munkelt, daß auch er es war, der während einer
Überquerung des Atlantiks im Cockpit zusammen mit
seinem Copiloten einschlief und erst durch
verschiedenste Warnsignale kurz vor dem Sinkflug zum
Zielflughafen geweckt wurde. Für meine Begriffe gehört
dies eher in das Reich der Fabeln und soll wohl den
oben erwähnten- Kultcharakter noch intensivieren.
Nichtsdestotrotz unterstreicht der hier vorliegende
Instant Airplane Maker der Firma Simaviator/Abacus
die fast schon überragend zu nennenden Fähigkeiten
des Teams.
Der IAM besteht
im Grunde genommen aus zwei Produkten – eine
Sammlung von 18 Flugzeugen in unterschiedlichen
Bemalungen sowie einen Paintshop, mit dem diese nach
eigenem Gusto umgestaltet werden können. Dies
geschieht in drei Schritten: den Typ auswählen, die
Bemalung selektieren und schließlich das Flugzeug
produzieren. Doch der Kreativität sind gewisse
Grenzen gesetzt: auswählbar sind nämlich nur die
Bemalungsschablonen, die im IAM enthalten sind. Das
sind dann verschiedene Farbvariationen oder einfach
nur Dinos, Gitarren und Fußbälle. Ein Flugzeug
versehen mit dem eigenen Konterfei ist somit unmöglich.
Auch sonst kommen die selbsterstellten Paintings
nicht an die der Originale heran – zu aufgesetzt
wirkt beispielsweise der Schriftzug, zu ungenau
manche Farbschemen. Schöner wäre es gewesen, hätte
man hier die Möglichkeit gehabt, die Flugzeuge mit
den Liveries der großen Fluglinien zu verpassen.
Denn aufgedruckte Dinos oder Gitarren sind in den
ersten Minuten noch witzig, bald aber nur noch
langweilig. Zeit also, sich den wahren Stars dieses
Pakets zu widmen.
Insgesamt drei
Flugzeugtypen werden geboten: die betagte Douglas
DC9, die Airbus A320-Familie sowie die Boeing
747-400. Facettenreich auch das Angebot an
Fluglinien: All Nipon Airways ist ebenso dabei wie
Finnair und United. Schön, daß ebenfalls an die
Simmer im europäischen Raum mit einer Alitalia und
Finnair DC9, einer A320 der Lufthansa sowie einer
A321 der Austrian Airlines gedacht wurde. Heutzutage
nicht immer selbstverständlich vor allem bei
amerikanischen Firmen, die den Markt in Europa oft
sträflich vernachlässigen. Beim Anschauen der
Flugzeuge zeigt sich, mit welcher
Detailversessenheit die Jungs bei den Virtual Skunks
gearbeitet haben müssen. Sämtliche Luftfahrzeuge
besitzen transparente Cockpits, die man meines
Wissens nach noch nirgends finden konnte, filigran
gearbeitete Triebwerke mit täuschend echt
aussehenden Triebwerksschaufeln, Reifen, die ihrer
(reellen) Masse gerecht werden, abgerundete Oberflächen,
animierte Landeklappen und Fahrwerke und perfekte
Paintings der einzelnen Fluglinien. Unschöne
Glue-Effekte oder durchscheinende Bauteile sind ein
Fremdwort für diese Sammlung.
Alles wirkt wie
bei einer Modelleisenbahn, wo ja auch versucht wird,
das wirkliche Leben nahezu perfekt auf die Platte zu
bannen. Selbst der Spitzname von Mel Ott, „Tarmack“,
prangt am Cockpit der 747.
Besonders gefallen hat mir auch das etwas
„unsaubere“ Aussehen der Flugzeuge. Viele wirken
immer wie neu aus der Fabrik, anders hier:
die DC9 zum Beispiel hat diesen typischen
schwarzen Kerosinauslaß am Heck. Auch die
Flugeigenschaften können sich sehen lassen. So
wirkt der Jumbo schön behäbig und träge, die A320
liegt gut in der Hand.
Naturgemäß
ist bei soviel Licht auch ein wenig Schatten. So
sind die Flugzeuge bei Nacht nicht iluminiert, haben
aber Landescheinwerfer. Das Cockpit der A320 ist nur
zweckmäßig, aber mehr auch nicht. Hier findet man
jedoch im Internet geeignetere Instrumentenbretter,
die das schon perfekte Aussehen der Flugzeuge auch
nach innen tragen. Zudem gibt es nur das
Staubsaugergeräusch der Microsoftschen 737, aber
auch hier gilt: wer sucht, der findet.
Leider findet
man im spärlichen Handbuch keinerlei Informationen
zu den einzelnen Flugzeugen – gerade für Anfänger
wäre das vielleicht nicht schlecht.
Nichtsdestotrotz
bin ich vom IAM begeistert. Wie die Flugzeuge hier
eingebunden wurden, ist fast schon die Spitze des
Eisberges und wird in der nächsten Zeit sicher
nicht mehr zu toppen sein. Den etwas unglücklich
geratenen Paintshop betrachte ich als nette Beigabe,
denn anders als auf der Produktpackung suggeriert,
sind die Flugzeuge nämlich die Kronjuwelen.
Der IAM wird
aller Wahrscheinlichkeit nach nicht das Letzte sein,
was wir von den Virtual Skunks hören. Schon jetzt
kann man sich auf die nächsten Werke freuen, die
noch in der Schublade schlummern.
Simaviator
wirbt für den IAM mit dem Spruch: „Wir haben die
besten Flugzeuge der Welt“. Dem ist nichts mehr
hinzuzufügen.
Felix Dudek
Mai 15.1999