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LAGO, eigentlich eher bekannt für Scenerien, veröffentlichte nun ein Addon für den FS98, welches schon bei der Vorankündigung großes Aufsehen erregte. Bei Mad Dog, direkt übersetzt etwa "Verrückter Hund", handelt es sich um Panels und Flugzeuge der McDonnell Douglas MD8X Serie. So ein Paket ist nichts vollständig neues, denn es gab so etwas bereits für die Airbus und Boeing Serien. Was aber macht nun das Besondere an genau diesem Addon aus? Die Komplexität dieses Paketes ist recht schwierig in wenigen Worten zusammenzustellen. Ich versuche einfach mit den nachfolgenden Beschreibungen einen Teil davon umzusetzen.

Nach dem Öffnen der Verpackung fällt sofort das recht umfangreiche Handbuch, das sogenannte "Panel Operations Manual" auf. Der Name ist eigentlich nicht ganz richtig, denn neben der Beschreibung zu jeder Panelfunktion befinden sich hierin auch die Installationshinweise des Addons, Flugverfahren und Betriebsgrenzen, sowie Navigationshinweise zu den vier Adventures, die ich weiter unten beschreibe. Das Ganze ist in italienisch, englisch und deutsch geschrieben. Des weiteren gibt es ein Test Flight Manual und eine separate englische Ausführung der Checklisten. Wenn man nun glaubt, sich in das Cockpit setzen zu können und einfach einmal zu starten und ein paar Runden zu drehen, täuscht man sich. Denn ohne zumindest einmal die wichtigsten Verfahren des Operation- oder Test Flight Manuals gelesen zu haben, geht erst mal gar nichts. Es sei denn, man ist z.B. MD87 Pilot.

Das Panel

Bei Mad Dog gibt es zwei davon. Das erste ist das Standard Panel und das zweite das Expert Panel. Bei der Installation der Flugzeuge kann zu jedem einzelnen Typ gewählt werden, welches Panel eingerichtet wird. Zwischen den einzelnen Modellen wird nicht unterschieden, d.h. eine MD-87 ist mit dem selben Panel ausgestattet wie eine MD-83, sofern für beide z.B. das Expert Panel installiert wurde. Da das Standard Panel auf nur wenige der speziellen neuen Funktionen zurückgreift, installierte ich für alle Modelle die Expertversion. Dabei wird aber totzdem das Werbemodell der AirLago (eine MD-82) mit beiden Panel eingerichtet. Während der Installationsprozedur wird man nach einem Callsign (Flugzeug-Registriernummer) gefragt. Ich gab hier die Nummer einer Aero Lloyd MD-83 an, die ich mir vor geraumer Zeit einmal vom Internet zog. Überaschenderweise befindet sich diese Nummer nun auf dem Panel. Nicht nur das, sie leuchtet nachts sogar.

Das Panel Bitmap ist ordentlich gemacht. Es besteht zwar auch aus gescannten Elementen, die aber nicht störend wirken. Einzig ein paar Schalter auf dem Overhead Panel sehen etwas plattgedrückt aus. Ich beurteile ein solches Bitmap auch immer unter dem Aspekt, ob z.B. die Position des Pilotenstuhls stimmt (in manchen Panels sitzt man recht unfein auf dem Schubhebel) und ob man den Eindruck des "drin seins" erhält. Beides stimmt hier.

Warum sollte nun, wie oben erwähnt, das Manual gelesen werden? Ganz einfach, weil man die Kiste sonst nicht gestartet bekommt. Das Verfahren ist, so schreibt LAGO, exakt an das Verfahren in der echten MD angelehnt, d.h. erst Batterie, dann Hilfsturbinen an. Hierbei müssen jeweils entsprechende Pumpen an- und abgeschaltet werden. Es ist die sicherlich interessanteste Umsetzung des Startverfahres, welche ich jemals in einem Flusi Panel gesehen habe. Dabei ist auch fast jeder Schalter mit Sounds unterlegt. Liegt nun kein Strom an, klicken die Seat Belts und No Smoking Schalter nur, während bei Strom erst der typische Pling Sound ertönt. Wie in der Realität, kann auch zwischen Hilfsturbine (APU) und Außenbordversorgung gewählt werden. Dabei unterscheiden sich die Verfahren etwas voneinander. Laut LAGO kann man eine echte MD starten, wenn man diese Prozeduren beherrscht. Vielleicht habe ich einmal die Gelegenheit, dies zu testen <g>

Was ist sonst noch alles neu? Ich glaube, aufzuzählen was nicht neu ist geht schneller. Sehr gut umgesetzt wurde z.B. auch der Schubregelrechner (TRC), der zusammen mit der Flugführungskontrolltafel (FGP) eine Einheit bildet. Er kann für Take-Off, Climb, Go Around, maximale Dauerleistung und Reiseflug eingesetzt werden und regelt dabei genau den erforderlichen Schub, sofern dieser am FGP und TO/GA aktiviert wird. Die FGP ist in ihrer Bedienung sehr komplex. Ich arbeite nun seit vier Tagen intensiv mit dem Panel und habe immer noch nicht alle Funktionen im Griff. Vergleichen könnte man die FGP z.B. mit einem Autopiloten, der etliche Zusatzfunktionen bietet. Betrachtet man die reinen AP Funktionen, so ist z.B. der Turbulenzmodus, der bei Turbulenzen zugeschaltet werden kann und EPR Lim (ist zusammen mit dem TRC z.B. für die gesetzte Turbinenenleistung zuständig) vollständig neu. Ein Autoland wird übrigens auch unterstützt. Der Flugmodusanzeiger zeigt die jeweils gewählten Modi an. Auch hier ist die Vielfalt der angezeigten Information immens und man benötigt am Anfang ebenso das Handbuch um nachschlagen zu können, was welche Anzeige bedeutet.

Eine besondere Zugabe ist die Bordsprechanlage. Es handelt sich hierbei um ein Gauge, daß die Fracht- und Passagierzuladung simuliert. Klickt man auf den Button "New Trip" bekommt man eine Zufallsanzahl an Passagieren. Über den Befehl "Boarding" steigen diese ein und es läßt sich ablesen, wieviele dieser Passagiere bereits eingestiegen sind und wie weit die Frachtzuladung ist. Genauso beim Aussteigen. Allerdings sollte man hier nicht den gleichen Fehler wie ich machen und seine Passagiere hinausjagen, wenn "Fasten Seat Belts" noch an ist. Dann steigt nämlich keiner aus <g> An Warnmeldungen gibt es einige. Neben den zwischenzeitlich schon üblichen GPWS, Overspeed und Stall, gibt es akustische Warnmeldungen für GS, Landing Gear, Flaps (wenn Geschwindigkeit zu hoch) und etliche andere.

Sehr schön finde ich auch die Möglichkeit, die Speedbugs für Take-Off und Landung unterschiedlich zu setzen. Der jeweilige Modus wird ebenfalls mit Leuchten angezeigt. Gibt es auch Nachteile bei dem Panel? Nein, einen Nachteil eigentlich nicht. Dennoch sollte man erwähnen, daß die Gauges nachts nicht beleuchtet sind. Da dies auch das ADI betrifft, ist ein Flug mit abgeschalteter Panelbeleuchtung also nicht möglich. Mit diesen Aufzählungen an neuen Funktionen bin ich noch lange nicht am Ende. Aber hier alles zu erwähnen würde sicherlich den Rahmen dieses Reviews sprengen, und somit wende ich mich jetzt einmal den Flugzeugen zu.

Die Flugzeuge

Das komplette Paket beinhaltet folgende Modelle:

MD-82 Lago Werbemodell (wird immer installiert) MD-82 Alitalia MD-82 Crossair MD-83 Aero Lloyd MD-83 AOM MD-83 Edelweiss MD-87 SAS (neue Farbgebung) MD-87 SAS (alte Farbgebung) MD-87 Spanair MD-88 Aviaco

Bei der Installation kann man auswählen, welche Flugzeuge mit welchem Panel installiert werden.

Alle Flugzeugmodelle sind durchweg hervorragend bemalt und mit vielen Details ausgestattet. Grobe Ecken gibt es keine und die Reifen haben nicht den ekeligen Papierquerschnitt. Die Passagierfenster sind nachts beleuchtet. Leider ist kein Modell mit Moving Parts ausgestattet. Wäre dies der Fall gewesen, gäbe es am optischen Bild der Flugzeuge nichts auszusetzen. Sehr schön umgesetzt wurde auch das virtuelle Cockpit. Es unterstützt vollständig eine 360° Drehung. Die Flugeigenschaften sind gut.

Alle Modelle weisen ein gutes Handling auf, mit dem sich auch ohne AP und ILS Frequenz sehr gut landen läßt. Bei eingeschaltetem Autopiloten hält sich die Höhe gut und die Flugzeuge beginnen nicht zu flattern. Auch der automatische Schub wird sehr gut umgesetzt. Der Anstellwinkel hingegen erscheint mir etwas zu hoch. Er ist bei Reiseflughöhe und Reisegeschwindigkeit aber immer noch innerhalb der vom ADI vorgegebenen Toleranz und bietet somit problemlos die Möglichkeit des Instrumentenfluges mit Instrumentenscan. Unterhalb 10000 ft. bei 250 Knoten zeigt mir die Nase aber etwas zu weit in den Himmel. Ein weiteres Problem der Flugzeuge ist die Trimmung. Gemäß Handbuch soll sie zentriert auf 0 sein. Behält man diese Einstellung bei, bekommt man das Flugzeug erst bei 230 Knoten und 15° Klappen gerade mal so von der Runway (wenn die 9000 ft. Runway dann nicht schon zu Ende ist). Nach mehreren Versuchen stellte ich fest, daß die Trimmung auf jeden Fall mindestens 3 Striche über der Zentrierung stehen sollte. Erst dann klappt es mit den vorgegebenen Geschwindigkeiten. Die Autoland Funktion, die wohl unterstützt wird, konnte ich leider nicht testen, da keine der Runways die ich anflog (auch nicht die der Adventures) ein Autoland unterstützte. Dies wird aber stets vom FMA angezeigt. Zu den Flugzeugen werden komplett neue Sounds installiert, d.h. es wird nicht auf die Standardsounds der 737-400 zurückgegriffen. Die Sounds sind recht gut und decken alle Bereiche ab. Selbst ein Gear-Wind Sound wird unterstützt. Im Handbuch befinden sich nicht allzuviele Angaben über die MD. Aufgrund der vielen Hinweise und Warnanzeigen, sowie akustische Warner im Panel ist dies aber auch nicht erforderlich. Ein paar interessante Hinweise finden sich aber. Wußtet ihr z.B., daß die MD nur sehr leicht und bei Turbulenzen oder Seitenwind gar nicht abgefangen wird?

Die Adventures

Mit Mad Dog werden vier vollständige Adventures ausgeliefert. Die Route geht von Rom nach Paris, Paris nach London, London nach Hamburg und dann wieder zurück nach Rom. Als besondere Zugabe werden hier Teile der Italy 98 Scenery installiert, die für das Adventure notwendig sind. Die Adventures können mit allen Flugzeugen der Mad Dog Reihe geflogen werden. Ruft man eines der Adventures auf, wird man auf dem jeweiligen Flughafen plaziert. Allerdings nie da, wo man eigentlich stehen sollte. Aber hierfür gibt es ja die Schnellverstellung. Fast alle Anweisungen der Adv. sind akustisch. Sie begleiten einen von Start bis Landung, wobei immer Vektoranflüge durchgeführt werden. Warum ich aber immer die einzige Runway des Flughafens ohne ILS zugewiesen bekam, obwohl dies im Handbuch nahegelegt wird, ist mir schleierhaft. Macht aber nichts, da sich, wie oben bereits erwähnt, die Flugzeuge auch manuell gut landen lassen. Lediglich beim letzten Adventure von Hamburg nach Rom ärgerte ich mich etwas, als ich nach 300 Nm. immer noch Flughöhe 3000 ft. zugewiesen bekam. Vor den Alpen widersetzte ich mich aber diesem Befehl, da ich sonst diesen Bericht vermutlich nicht mehr hätte schreiben können.

Was gibt's sonst noch Neues?

Unbedingt erwähnen sollte man die Active Scenery von LAGO, die, wenn gewünscht, automatisch installiert wird. Besitzer von LAGO Triangle kennen dies vermutlich schon. Mad Dog bietet hiermit z.B. weiteren Flugverkehr an, d.h. man ist nicht mehr alleine in der Luft. Wählt man "dicht" aus trifft man alle paar Minuten eine vorbeifliegende MD. Dabei wird immer angezeigt, wo sie sich befindet, z.B. "Flugverkehr in Ihrer 12 Uhr Position". Eine andere schöne Sache ist das Zurückdrücken der Maschine. Dabei erscheint die Wartungscrew mit dem Chefmechaniker Mat und drückt einen realitätsnahe zurück. Dabei kann Entfernung und anschließende Richtung vorgewählt werden. Erst wenn Mat die endgültige Erlaubnis erteilt, dürfen die Triebwerke gestartet werden.

Kann man nun Mad Dog empfehlen? Ja, man kann, denn hier ist Lago ein wahrer Geniestreich gelungen. Es handelt sich bei diesem Paket nicht um eine einfache Kollektion von Flugzeugen mit entsprechenden Paneln, sondern um wirklich etwas Neues. Die neuen Funktionen des Panels sind umwerfend und richtungsweisend zugleich. Ich glaube, daß LAGO hier einen neuen Maßstab angesetzt hat, der vielen anderen Anbietern zu knabbern gibt. Eigentlich bleibt nur noch zu wünschen, daß sich LAGO nicht auf den Lorbeeren ausruht, sondern neue, vergleichbare Pakete für andere Flugzeugtypen anbietet.

Matthias Lieberecht
Lieberecht@cw-net.de
10.August 1999

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PRO

CONTRA

  • Realistischer Triebwerksstart

  • Sehr viele vollständig neue Panelfunktionen

  • Optische und akustische Warnmeldungen

  • Bordsprechanlage

  • Active Scenery

  • Sehr schöne Flugzeugmodelle

  • Neue Sounds

  • Trimmung der Flugzeuge
  • Anstellwinkel der Flugzeuge
  • Keine Nachtbeleuchtung der Gauges
  • Keine Moving Parts

INFORMATION

HERAUSGEBER: LAGO
PREIS:DM99.95
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