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Precision Pilot 
'Learn To Fly Like The Professionals...'
von The Associates

getestest von Tom Just

Der Titel ist sehr vielversprechend und verheißt einen professionellen Flug - bzw. Verfahrenstrainer. Sieht man einmal von den professionellen Produkten ab, ist der Markt in diesem Bereich nicht besonders dicht besetzt. Die großspurige Werbung auf der Rückseite der Verpackung, verfasst in deutsch und in englisch, vergisst nicht zu erwähnen, dass das Produkt unter der Mitwirkung eines 747-400 Piloten und eines CAA Prüfers zustande kam und einige Versionen dieser Software in einer Reihe von Flugschulen zum Einsatz kommen. Wenn man sich das Produkt einmal betrachtet hat, dann stellt man fest, das durchaus einige Versionen professionellen Einsatz finden, mit Sicherheit aber nicht diese mir vorliegende - doch dazu später mehr.

Betrachtet man die Verpackung und die Screenshots, dann ist das auf den ersten Blick nicht besonders aufregend. Bei einem Verfahrenstrainer muss es das auch nicht sein. Es geht hier nicht um eine besonders realistische Landschaftsdarstellung, sondern um Instrumentenflug in seiner pursten Form. Die Qualitäten sollten auf anderen Gebieten liegen. Eine ausgereifte ATC sowie "fliegen" nach den Luftfahrtregeln - und entsprechende Ahndung bei Verstoßen.

Mit großen Erwartungen öffne ich die Verpackung. Sofort fällt mir der übliche Werberamsch entgegen und eine Box, die wohl die CD enthält. Handbuch - Fehlanzeige. Nach einiger Suchzeit entdecke ich das "Handbuch" als CD-Inlay getarnt. Die Bedienungsanleitung mit Installationsanweisung und Einführung auf vier Seiten in zwei Sprachen - wow. Das nennt ich komprimierte Information. Wer in meinem Schreibstil ein wenig Sarkasmus entdeckt - richtig getippt.. Um es einmal so zu sagen: Es gibt bessere und schlechtere Programme, das ist auch gut so, aber ich habe etwas gegen eine zu großspurige Werbung, die eine Illusion vorgaukelt, die nicht gehalten wird.

Doch der Reihe nach. Ich sehe erst einmal nach, was sich so alles auf der CD befindet. Die CD ist mit etwas über 20 MB nicht gerade üppig gefüllt, immerhin sollen da ja auch die digitalen Aread Karten der benutzten Gebiete vorhanden sein. Es gibt ein Unterverzeichnis, in dem sich einige Bilder einer Canberra im Flug befinden. Die gut geschossenen Fotos sind wohl als Bildschirmhintergründe gedacht (was auch immer sie mit der Thematik zu tun haben) oder einfach um die CD zu füllen. Sie belegen rund die hälfte des belegten Platzes auf der CD.

Die Installation
Die Installation verlief reibungslos. Wie üblich muss dafür ein CD-Key eingegeben werden, der auf der CD-Box aufgeklebt ist und nicht umständlich gesucht werden muss.

Die ersten Schritte...
Ich starte das Programm. Es erfolgt ein Hinweis, dass das Programm nur für das Training konzipiert wurde und nicht für die Navigation unter realen Bedingungen eingesetzt werden darf. Zudem wird darauf hingewiesen, dass die dargestellten Instrumente nicht notwendigerweise so funktionieren wie die Originale. Nun ja...

Als Hintergrund der Benutzeroberfläche wird das Bild verwendet, welches auch schon das Cover der Verpackung ziert. Im Menü File kann der Benutzer unter anderem die zu verwendende Karte laden. Es gibt derer zwei Stück: Florida und England. Moment - stand da nicht etwas von USA, UK und Deutschland auf der Verpackung? Die USA beschränkt sich auf Florida und das noch nicht einmal vollständig sowie England. Auch hier fehlen Teile - oder gehört London inzwischen zu Frankreich. Entweder ich habe eine Demo - Version zugesendet bekommen, oder eine Mogelpackung in der Hand. Von Deutschland ist da nichts zu finden. Überhaupt wirkt das die gesamte Benutzeroberfläche wie auf die schnelle mit VB zusammengezimmert. Ich entscheide mich für Florida und öffne die "Procedures Library" und erhalte sofort eine Fehlermeldung, das die ausgewählte "Procedures Library" und das Fluggebiet nicht zusammen passen. Um mich kurz zu fassen: Es gelang mir mit keinem Versuch eine sogenannte "Procedures Library" zu laden, in keiner Kombination und so viele gibt es da bei zwei Fluggebieten nicht.

Tutorials
Den Benutzer erwartet in Tutorials eine Erläuterung der Navigationsinstrumente, der Funkfeuer und einiger weniger Flugmanöver. Hierbei sind die Beschreibungen meines Erachtens von geringer Qualität.


Abb 1.: Beschreibung des HSI, nur absolute Grundlagen, keine Beschreibung wie das Instrument eigentlich funktioniert

So wird z.B. im Bereich Drift erklärt, das man einen Computer zu der Berechnung der Drift verwenden kann und es wird anhand eines kurzen Beispiel deren Berechnung aufgezeigt. Das der eine oder andere aber nicht wissen könnte, was man unter Drift versteht und wie sie Zustande kommt bzw. welche Auswirkungen sie hat - eine Erklärung gibt es nicht.

Bei der Erläuterung der Approach Plates werden anhand der Karte von Jacksonville/Florida die einzelnen Bereiche einer Approach Plate erläutert, keine Erläuterung der Symbole, was den einen oder anderen Einsteiger bestimmt interessieren dürfte. Auch hier eine eher oberflächliche schnellgestrickte Beschreibung.

Ergänzt wird das Tutorial von ein paar Übungen bzw. Demonstrationen über deren Nährwert man sich streiten kann. Man kann den Computer dabei beobachten, wie er z.B. einen 45° Turn bewältigt und wie sich die Instrumente (zwei immerhin) verändern.

Excercises
Unter dem Menüpunkt Excercises kann der Benutzer das erworbene Wissen trainieren und einige Übungsflüge durchführen. Die Benutzung ist äußert gewöhnungsbedürftig, schult jedoch das Verständnis für die Instrumente. Da sich die Karte nicht wie gewohnt mitdreht, ist ein eindenken und ein genaues interpretieren können der Instrumente wichtig. Das ist auch der Grund für die Verwendung eines Verfahrenstrainers. Navigieren ohne den Blick nach draußen und ohne rotierende Karte. Die Übungen fordern einen Anfänger, sollten aber von einem fortgeschrittenen ohne Probleme bewältigt werden können.


Abb 2.: Start in Fort Lauderdale

Practice
Die obige Abbildung zeigt die Darstellung beim Start in Fort Lauderdale. Das Doppelkreuz ist das eigene Flugzeug. Keine ATC und man ist sowieso alleine in der Luft. Praktisch ist, das man den Flug aufzeichnen kann und man wie in einem Videofilm hin und herspulen kann. Die beiden Instrumente rechts dienen der Navigation. Man kann die Werte aber nicht an den dargestellten ?Knöpfen? verstellen, sondern muss die Pfeile darunter verwenden. Hier hat man sich zuwenig Mühe gegeben.

In Practice kann der Benutzer komplette Flüge durchführen. Er kann die Flüge selbst Planen. Die Daten wie Fluggeschwindigkeit, Kurs, usw. werden einfach über Eingabefelder eingestellt. Man muss nicht ?Gas geben und die Gurke auf Kurs halten?. Hat man jedoch zwei oder drei ?Flüge? durchgeführt, dann kann man sagen, ?aha, so ist das also? – mehr aber auch nicht.

Fazit
Um es einmal mit den Worten meiner Meinung zu sagen: Viel heiße Luft um nichts. Das Produkt wirkt laienhaft zusammengeschustert und auf die schnelle in die Welt gesetzt. Um es mit anderen Worten zu sagen: Der pure Einsteiger in den Bereich der Instrumentennavigation ist mit einem echten Flugsimulator und/oder einem guten Buch besser bedient. Er lernt dort mehr über die Grundlagen der Navigation als in diesem Produkt. Für denjenigen, der weiterreichende Informationen über die IFR-Praxis sammeln möchte, bietet das Produkt kein Wissen, das er nicht schon hat. Das Produkt kann einen echten Verfahrenstrainer, wie es sie auch für den PC (z.B. Jeppessen FS200) gibt, nicht ersetzten.

Das Produkt wird als fortgeschrittener Navigations- und Anflugtrainer angepriesen. Es besitzt keine ATC, Begriffe und Abkürzungen wie SID oder STAR fehlen in Erklärung und Implementation völlig. Precision Simulator ist an FluSi Freaks genauso gerichtet wie an 'Real Pilots'. Und immer wieder der Hinweis, dass das Produkt nur zu Übungszwecken eingesetzt werden darf – keine Sorge, niemand wird auf eine andere Idee kommen.

Stichwort Kartenmaterial: Ja, es sind ein paar Karten dabei, ist aber für meine Begriffe nicht der Rede wert.

Tom Just
02.Februar 2000

PRO

CONTRA

  • Das "fliegen" wird auf das Nötigste reduziert; der Anwender muss sich nicht mit dem erlernen komplizierter Start- und Landevorgängen aufhalten
  • Einfache Steuerung des Flugzeuges: Hoch/Runter, Links/Rechts, Schneller/Langsamer
  • Schult das korrekte Interpretieren der Instrumente ohne den geliebten Blick nach draußen und ohne Moving-Map.
  • Zu einfache, wenig in Detail gehende Erläuterungen
  • Demonstrationen und Übungen mit wenig Lerneffekt
  • Zu wenig vielfältig, wenige Fluggebiete
  • SID und STAR fehlen in Theorie und Praxis
  • ATC sowie fremder Luftverkehr fehlen völlig
  • Wirkt "lieblos" zusammengeschustert
  • Im anbetracht der Funktionalität viel zu hoher Preis
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