SCC
- Schiratti Control Center
Exklusiver Vorab-Bericht des
FSFD-Magazins Ausgabe 1/2000
Schweizer Messer - Das Schiratti Control Center 99
Mit dem Schiratti Control Center 99 stellt die HSP GmbH aus Willich ihr
erstes Produkt vor. Wie bereits beim Vorgänger, dem Schiratti Commander
für den FS 5.1, handelt es sich um ein Werkzeug für verschiedene
Aufgaben im Zusammenhang mit dem Microsoft Flight Simulator 98 bzw. 2000
sowie dem Microsoft Combat Flight Simulator 1.0.
Das
Paket ist zum Preis von 55 US-Dollar, also ca. 110 DM ausschließlich als
Download aus dem Internet verfügbar. Das Schiratti Control Center 99 ist
komplett in englischer Sprache gehalten und verfügt über eine
Online-Dokumentation in Form einer Windows-Hilfedatei. Leider bietet diese
nur ein Stichwortverzeichnis und keine eigentliche Bedienungsanleitung,
die bei einem Produkt der gehobenen Preiskategorie aber enthalten sein müsste.
Eine deutsche Version des Schiratti Control Center 99 wird Anfang 2000
verfügbar sein.
Das Schiratti Control Center 99 verfügt über vier verschiedene Modi:
eine Kartenansicht, einen Szenerieeditor, einen Flugplaner und einen
Radarmodus.
Die
Kartenansicht liefert alle Informationen, die man sich zu einem
Flughafen oder einem Szeneriegebiet wünschen kann. Selbst die Höhe von
Hindernissen kann auf Wunsch angezeigt werden. Je nachdem, wie die Karte
eingesetzt werden soll, kann der Benutzer alle möglichen Arten von
Informationen ein- bzw. ausblenden. Reicht für die
Langstrecken-Navigation die Darstellung von VORs, NDBs und Intersections
völlig aus, so ist es für das Rollen zur Parkposition notwendig, eine
detaillierte Karte des Flughafens anzuzeigen.
Die
vorliegende Version 1.02 des Schiratti Control Center 99 ist leider noch
nicht in der Lage, die komprimierten Szeneriedateien des FS 2000 zu
öffnen und deren Inhalt korrekt anzuzeigen. Diese Schwierigkeit läßt
sich allerdings umgehen, indem man mit dem Programm BGLZIP von Microsoft (Website)
die entsprechenden Dateien entpackt. Dadurch benötigt der FS 2000
allerdings mehr Platz auf der Festplatte.
Der
Szenerieeditor ist die Hauptfunktion des Schiratti Control Center 99.
Kein Wunder, bereits der Urvater des Programms - der Schiratti Commander -
war in erster Linie zum Erstellen von Szenerien gedacht. Im Gegensatz zu
allen anderen am Markt verfügbaren Programmen erlaubt das Schiratti
Control Center 99 die Anzeige von bereits vorhandenen Szenerien mit frei
einstellbarer Zoomstufe. Damit lassen sich zusätzliche Szenerieelemente,
z. B. statische Flugzeuge hervorragend positionieren. So können sich auch
Anfänger im Bereich Szeneriedesign ohne größere Schwierigkeiten schnell
und einfach Ihre Szenerie erstellen. Als Referenz zur Erstellung komplett
neuer Szenerien kann eine Bitmap-Grafik, z. B. ein Satellitenfoto als
Hintergrund verwendet werden, womit es möglich ist, jedes Objekt exakt am
richtigen Ort zu platzieren.
Mit all seinen Funktionen und der bequemen Bedienung bietet das
Schiratti Control Center 99 das wohl unbestreitbar beste Werkzeug zur
Szenerieerstellung, dass im Moment am Markt zu haben ist.
Über
den eigentlichen Szenerieeditor hinaus bietet das Schiratti Control Center
99 einen Editor für 3D-Objekte, der wie alle 3D-Editoren etwas
Übung erfordert, bis man ihn in den Griff bekommt. Dies ist allerdings
eher ein grundsätzliches Problem als eines, das speziell auf dieses
Programm zutrifft. Ein ganz besonderer Leckerbissen ist ein Tool zur
Erstellung von Objektbibliotheken. Nimmt man den FS 2000 als Grundlage, so
sind die meisten Gebäude dort als Objekte im Verzeichnis SceneDB
gespeichert. Nach dem Entpacken der darin enthaltenen Dateien, kann
mittels des Bibliotheksassistenten eine Bibliothek aller Objekte erstellen
und diese später im Szenerieeditor wiederum frei positionieren. Es ist
also kein Problem, die Queen Elizabeth im Hamburger Hafen vor Anker gehen
zu lassen.
Der
Radarmodus bietet die Möglichkeit, neben dem eigenen, auch Flugzeuge
anderer Piloten, z. B. beim Fliegen im Netzwerk, anzuzeigen. Neben der
eigentlichen Position werden Flughöhe, -richtung und -geschwindigkeit
sowie die Transpondereinstellung angezeigt. Durch eine Auswahlliste in der
Werkzeugleiste ist es möglich, die Darstellung direkt über ein
bestimmtes Flugzeug zu zentrieren.
Über das Instructor Panel gibt es die Möglichkeit, Defekte bei
einzelnen Flugzeugen zu simulieren. Beispielsweise kann ein Triebwerk oder
der Autopilot außer Betrieb gesetzt werden. Um den Radarmodus im Netzwerk
einsetzen zu können, ist es momentan noch notwendig, dass jeder Pilot das
Schiratti Control Center 99 auf seinem Rechner installiert hat, angesichts
der Kosten eher eine wenig praktikable Lösung. Der Hersteller HSP GmbH
hat allerdings bereits angekündigt, die für die Piloten notwendige DLL
für einen geringen Betrag auch einzeln anzubieten, womit das Schiratti
Control Center 99 dank seiner FS 2000-Kompatibilität auch als Werkzeug
für den virtuellen Fluglotsen geeignet wäre.
Für das Jahr 2000 hat der Hersteller außerdem eine Light-Version des
Schiratti Control Center 99 angekündigt, die nur die Funktionen des
Karten- und des Radarmodus umfaßt. Der Preis für dieses Paket steht aber
noch nicht fest.
Die
Netzwerkfunktionen des Schiratti Control Center 99 arbeiten vollständig
über TCP/IP, womit es sowohl im lokalen Netzwerk als auch über das
Internet eingesetzt werden kann. Der Verbindungsaufbau vom Flight
Simulator zum Schiratti Control Center 99 erfolgt problemlos über die
Eingabe der IP-Adresse und des eigenen Rufzeichens. Leider gibt es keine
Möglichkeit zur direkten Textkommunikation zwischen den Schiratti Control
Center 99 und dem Piloten, so dass ein Einsatz nur zusammen mit Programmen
zur Sprachkommunikation, wie z. B. Roger Wilco oder BattleCom sinnvoll
ist.
in
weiteres Feature des Radarmodus ist die Möglichkeit, Wetterzonen zu
definieren. Dazu wird mit der Maus ein rechteckiger Bereich festgelegt,
für den sich alle Wetterparameter festlegen lassen. Somit ist es
möglich, einen Flug unter ständig wechselnenden Bedingungen zu machen.
Der
Flugplaner des Schiratti Control Center 99 stellt sich als ziemlich
gewöhnungsbedürftig heraus. Das Hinzufügen von Punkten zur einem
Flugplan ist unnötig kompliziert geraten. Statt einfach den unter der
Maus befindlichen Punkt zum Flugplan hinzuzufügen, muss man über ein
lokales Menü die Art auswählen. Daraufhin erscheint ein Dialogfenster
mit dem Namen und den Daten des Punktes, in das man die gewünschte
Flughöhe an diesem Punkt eingeben kann. Ein Problem ist, dass es nicht
möglich ist, ein ILS oder eine bestimmte Landebahn mit in den Flugplan
aufzunehmen.
Positiv am Routermodus ist, dass es einen Airway-Editor gibt, mit dem
sich reale Luftstraßen verwenden lassen und der auch zum Anlegen von SID-
und STAR-Routen geeignet ist. Auf diesem Wege lässt sich das Problem mit
ILS und Landebahnen umgehen, allerdings bringt das aufgrund der
notwendigen Vorarbeiten einen ziemlichen Aufwand mit sich. Auf der Website
des Herstellers steht eine Datei mit zahlreichen Luftstraßen zum
Herunterladen zur Verfügung, so dass dem Benutzer zumindest diese Arbeit
abgenommen wird.
Als Fazit bleibt also festzuhalten: In seiner Hauptfunktion als
Programm zum Szeneriedesign ist das Schiratti Control Center 99 absolute
Spitzenklasse und uneingeschränkt zu empfehlen. Jeder, der nur ungefähr weiß,
wozu eine BGL-Datei gut ist, wird auf Anhieb mit diesem Programm
klarkommen. Alle anderen Teile, sei es der Karten-, der Radar- oder der
Routermodus, sind Nebenprodukte des Szenerieeditors, auf deren
Funktionalität teilweise weniger Wert gelegt wurde. Der Radarmodus ist
durch seine Kompatibilität zum FS 2000 und durch die Tatsache, dass man
die fehlenden Kommunikationsmöglichkeiten leicht durch frei verfügbare
Programme zur Sprachübertragung ersetzen kann, immer noch für alle
Online-Flieger interessant.
Anders sieht das leider beim Routermodus aus. Letzterer wird in seinen
Funktionen von Freeware-Produkten - namentlich von Helge Schröder's
FSNavigator - in einem Maße übertroffen, daß es besser gewesen wäre,
diesen Teil aus dem Schiratti Control Center 99 heraus zu lassen. Aber wie
bereits gesagt, der Routermodus ist nur ein Nebenprodukt.
Die entgültige Entscheidung, ob das Schiratti Control Center 99 zu
empfehlen ist oder nicht, hängt sicherlich in erster Linie vom
Einsatzzweck ab. Jedem, der das Programm in erster Linie zum
Szeneriedesign verwenden möchte, ist es uneingeschränkt zu empfehlen.
Gleiches gilt für jeden, der sich mal als Controller beim Online-Fliegen
versuchen will. Wird ein Programm zu Flugplanung gesucht, sollte man eher
auf ein Freewareprodukt zurückgreifen. Besonders erfreulich ist die
Tatsache, dass laut Auskunft des Entwicklers zukünftige Updates, soweit
sie die Microsoft Programme FS 98, FS 2000 und Combat Flight Simulator 1.0
betreffen, kostenlos verfügbar sein werden.
FSFD
http://fsfd.de
13.Januar 2000
simflight.de dankt dem FSFD - Flugsimulationsforum Deutschland für die
freundliche Erlaubnis diesen Test vorab zu Veröffentlichen.