
Virgin Islands von Chris Wilkes
getested von Felix Dudek
Nun
ist sie endlich da: die derzeit beste Umsetzung einer
karibischen Inselgruppe. Chris Wilkes hat mit der
Darstellung der britischen und amerikanischen
Jungferninseln eine perfekte Arbeit abgeliefert. Bereits
in der Freeware-Version konnte man die außergewöhnlich
schöne Landschaftsdarstellung bewundern, die sich jetzt
wie ein roter Faden durch die ganze Inselwelt zieht. Es
ist einfach unglaublich, mit welcher Verliebtheit alles
umgesetzt wurde, und man kann sehen, auf welchem
unbestreitbar hohem Level sich Chris Wilkes diesmal
bewegt. Doch vor dem Genuß dieses Paradieses haben die Götter
erst einmal den Schweiß gesetzt. Satte 18 MB hat man
herunterzuladen: ein Aufwand, den viele in Deutschland ob
der hohen Telefonkosten noch scheuen. Für alle, die sich
fragen, ob denn das sein muß, hat Chris Wilkes auch
gleich eine Antwort parat: Ja! Denn die Auflösung von
knapp 6 Metern pro Pixel, die handgezeichneten Texturen
und das sogenannte "Mesh-Terrain" fordern ihren
Tribut. Jedoch bietet simflight.com auch an, sich die
Daten bequem auf einer CD unterbringen zu lassen. So spart
man die Telefonkosten und auch die Mühe, die es macht,
einen oftmals unterbrochenen Download wieder fortzusetzen.
Die
Flughäfen
Wie bereits erwähnt, wird der amerikanische sowie der
britische Teil der Virgins abgedeckt - dazu kommen noch
zahlreiche versprengte Inselchen zwischen den Hauptinseln,
die jedoch keine Start -und Landemöglichkeiten bieten.
Verfügbar sind auch noch einige Basen für
Wasserflugzeuge sowie rudimentäre Landeplätze für
Helikopter. Insgesamt fünf Flugplätze dürfen angeflogen
werden, darunter auch der bereits aus dem Preview bekannte
internationale Flughafen von St. Croix, Henry E. Rolsen.
Hier wurde jedoch nur an der Feinabstimmung der
Dynamischen Szenerie gearbeitet, alles andere blieb so wie
in der Freeware-Version. Aber das ist auch nicht weiter
schlimm, denn toppen kann man diese fast schon filigran zu
nennende Reproduktion kaum noch. Menschen warten vor dem
Terminal auf ihren Abflug, eine Cessna dreht einsam ihre
Runden und auf dem Vorfeld wartet ein Gepäckwagen
wahrscheinlich auf seinen nächsten Auftrag. Auch die Gebäude
wurden bemerkenswert umgesetzt. Zerbrochene
Fensterscheiben "schmücken" einige alte
Hangars. Warnschilder warnen vor dem Gebrauch von offenem
Feuer in der Nähe von Benzintanks und Werbeschilder
preisen die Vorteile eines Kraftstoffes. Jeder weiß
sofort was ich meine, wenn ich sage, daß die Qualität
der Terminals, Flugzeughallen, des gesamten Flughafengeländes
überhaupt, ohne Zweifel an die Qualität der German
Airports heranreicht. Hier wurden keine Megaairports mit
mehreren tausend Flugbewegungen pro Tag eingebunden,
sondern kleine, verträumte Flughäfen.
Und
gerade diese machen den Reiz an dieser Szenerie aus.
Kleine Terminals und wenige Parkpositionen zeigen schon,
daß hier kaum großer Flugverkehr herrscht. Ein wenig
lebhafter geht es auf dem internationalen Flughafen von
St. Thomas zu. Hier befindet sich gerade eine Saab 340 der
American Eagle im Final, während eine Cessna zum Rundflug
startet. Ein Paketauto von FedEx dreht seine Runden und fährt
auch außerhalb des Flughafens seine Route ab. Gepäckwagen
warten auch hier auf "Kundschaft" und Passagiere
auf ihren Flug. Und das setzt sich überall fort: mit viel
Aufwand in Szene gesetzte Airport-Szenarien. Ich benutze
gerne den Vergleich zu einer Modelleisenbahn, aber wenn er
mehr passt als alles andere, dann hier. Die Bestrebungen,
alles so perfekt wie irgend möglich zu machen, verstärken
das Gefühl, mittendrin statt nur dabei zu sein,
unheimlich. Besonders zu empfehlen ist meiner Meinung nach
ein Approach auf Runway 25 von Beef Island International.
Wobei International stark übertrieben ist. Die
Abfertigungshalle ist nicht größer als ein Handballfeld
und auch das Vorfeld bietet kaum Platz für ein Flugzeug
größer als eine ATR. Der Anflug geht vorbei an Bergen
und kleinen Inselchen, darunter gleitet das türkisfarbene
Wasser vorbei und linker Seite sind die Segelboote zu
sehen, die in einer Bucht ankern. Einfach herrlich. Man
sieht, daß gerade beim "Kleinkram" Chris Wilkes
ungeheuer dazugelernt hat, denn LAGO's "The Triangle",
an dem auch er beteiligt war, "glänzte" noch
durch leere und verlassene Airports, das besonders bei den
Großen ein unangenehmes Gefühl erzeugte.
Die
Landschaft
Bereits im Preview hatte ich es ja schon gesagt: so muß
die Karibik aussehen. Klares Wasser, verträumte Buchten,
meterlange Sandstrände, Sandbänke, Riffe: auch hier hat
Chris Wilkes alles getan, um das Gefühl perfekt zu
machen, auf einer kleinen Insel in der Karibik zu sitzen.
Bergstraßen schlängeln sich durch die oftmals sehr hügelige
Landschaft, kleine Uferpromenaden laden zum (virtuellen)
Strandbummel ein und das Landschaftsgrün hat genau dieses
Karibik-typische feuchtwarme Aussehen und nicht ein
mitteleuropäisches Dunkelgrün. Die Höhenzüge wirken
allesamt sehr plastisch, gerade aus großen Höhen. Kleine
Seen und Plantagen lockern die Landschaft auf und es gibt
auch öfters so etwas wie eine Stadt. Jedenfalls nur als
Textur. Denn Gebäude fehlen völlig - weder gibt es
Wahrzeichen noch andere markante Bauwerke. Lediglich in
den Häfen steht der eine oder andere Öltank und ein
Lagerhaus. Apropos Häfen: überall sieht man Fischerboote
und Nußschalen, die wunderschön in eine der vielen
Buchten ankern.
Positiv
fällt auf......
.....die schon beschriebene Versessenheit bei den
Details und die tolle Umsetzung des tropischen Feelings.
Auch die Framerate hält sich mit 23 fps im grünen
Bereich, was bei diesem Höchstmaß an Realität kaum zu
glauben ist. Was jedoch besonders ins Auge sticht, ist der
unglaublich niedrige Preis. 15 Dollar sind wahrlich nicht
die Welt. Da hat man bei der Konkurrenz schon schlimmeres
zu teuren Preisen gesehen. Eine komplette Inselgruppe (im
FS natürlich) für " ´nen Appel und n` Ei"
darf man sich nicht entgehen lassen. Was ich im (nicht
erschienenen) ersten Test noch bemängelte, war die
fehlende Dokumentation. Eine schwache Readme wurde
mitgeliefert, die Tips zum Betrieb und zur Installation
der Szenerie aufführte. Frequenzen von VORs, NDBs oder
ILS fehlten völlig. Das war besonders schade, weil sich
das Gebiet von LAGO's "The Triangle" nicht weit
von den Virgins befand und somit schöne Inselflüge möglich
waren. Aber Chris Wilkes hat auf diesen Kritikpunkt
reagiert und bringt in der neuesten Version eine ausführliche
HTML-Doku mit, die auch einiges über die Entstehung und
Geschichte der Virgins verrät. Mit dem Ausmerzen dieses
Kritikpunktes gibt es an den Jungferninseln nichts mehr zu
bemängeln.
Resümee
Ich habe lange darüber nachgedacht, ob meine Euphorie
nicht doch etwas zu übertrieben ist. Aber ich kann mit
ruhigem Gewissen behaupten: sie ist es nicht. Chris Wilkes
hat sich mit seinen Virgins eindeutig in die Topriege der
Designer geschossen. Diese Szenerie ist auch für uns
Deutsche, die manchmal kaum über den Tellerrand
hinausschauen, fast schon ein unbedingtes Muß. Sagen wir
es so: die Virgins sind ein perfekter Mix aus der
Perfektion von German Airports und dem phantastischen
Landschaftsbild der Tahiti-Szenerie von WILCO. Die Liste
von Designern, die sich mit ihren Arbeiten im FS alle Ehre
machen, ist sehr kurz. Schön, daß wir nun auch Chris
Wilkes dazu zählen dürfen.
Felix Dudek
Juni 11. 1999