Bericht
über den 2. Europäischen Flusiwettbewerb 30/31.Okt 1999
Eine Interstate - was ist das?
Mein Name ist Andreas Fuchs, ich war der Team-Leader des German FsFan
Dream Team(GFDT), das bei der Interstate in Brüssel teilgenommen hat.
Interstate? Hä? Was ist das? Interstates sind unsere Flusi-Treffen, wo
wir uns alle zusammen durch ein lokales Netzwerk verbinden und dann
gemeinsam fliegen. Es gibt dann noch Fluglotsen dabei, die uns auf Ihren
Bildschirmen sehen können und per CB-Funkgerät mit uns kommunizieren. Schließlich
laufen dann noch ein paar Judges durch die Gegend, die peinlich genau
jeden Fehler der Teams auf einem Kontrollzettel erfassen, es geht ja
immerhin um Punkte und schöne Preise...

Brüssel
Nun gut, die Interstate um die es in diesem Bericht geht, fand am
30./31.Oktober in Vilvoorde bei Brüssel statt. Mein Team, das GFDT,
bestand aus 7 Piloten, wobei einer von uns zum Judge erkoren wurde, da die
Organisatoren forderten, dass jedes Team einen Schiedsrichter stellen
muss. So blieben dann 6 Piloten übrig, die sich ins Abenteuer "2nd
European FS-Contest" stürzten!
Typisch für die belgischen Interstates ist, dass sie absolut
professionell aufgezogen und fast bis ins kleinste Detail geplant sind. So
gab es im Versammlungsraum 2 Beamer, die Übersichtskarten, Flugzeuge in
Aktion (über Multiplayer) und andere nette Sachen anzeigten. Die Stimmung
im Versammlungszimmer war teilweise ziemlich gespannt, da die Zuschauer
das Geschehen im Wettbewerbsraum (der ein Stockwerk tiefer lag)
mitverfolgen konnten. So wurde zum Beispiel immer auf die Außenansicht
des gerade startenden/landenden Teams geschaltet. War die Landung schön
gab es netten Applaus und falls mal etwas schiefging (=Crash) ging ein
Raunen durch den Raum, einfach eine tolle Stimmung!
Was die 10 teilnehmenden Teams (aus Frankreich, Holland, Italien, Deutschland
und Belgien) im Voraus nur wussten war, dass wir in Australien fliegen
würden und dass eine Beech Kingair 200 geflogen werden sollte. Weiterhin
sollten sich alle Teams ein Flugzeug der Jetklasse (Airliner) auswählen -
unser Team einigte sich auf eine sehr schöne und realistische B747SP in
den Farben der Air Alliance. Mit den Airliners sollte dann der ernste Teil
des Rennens, das Linienfliegen bestritten werden, doch dazu später...
Neueste Erkenntnis: Auch Piloten sind Chirurgen!
Geplant war am Samstag mit dem Fun-Part zu beginnen, bei dem die
Kingair zum Einsatz kommen sollte. Vorher gab es ein Briefing für alle
Teams in einem (leicht) überfüllten Versammlungsraum, in dem sich ca. 60
Piloten und noch ein paar Besucher drängelten...
Das Szenario: Ein tropischer Sturm war über eine Inselkette zwischen
der Nordspitze Australiens und Neu Guinea hinweggezogen und wir als die
Royal Flying Doctors hatten nun die Aufgabe die verletzten Menschen von
den Inseln zu holen. Dafür gab es dann auch der Entfernung entsprechende
Punktzahlen. Hört sich ja alles noch ganz banal an, aber dann konnten wir
unseren Augen nicht trauen: Auf ein Zeichen von Guido Naessens (der
Hauptorganisator und Sprecher) kamen zwei Ärzte mit ernster Miene herein,
wir lachten noch alle... Man eröffnete uns dann, dass die verletzten
Inselbewohner durch mit Wasser gefüllte Plastiktüten repräsentiert
werden. Kein Problem, denn die Leichtverletzten liefen nicht aus, aber die
als schwerverletzt definierten Personen hatten Löcher und saberten uns
langsam aber sicher den Flieger voll! Also musste dann immer einer der
Piloten (bzw. der dritte Mann im Cockpit, der Arzt) sich um diese
Plastiktüten kümmern, Löcher mit Tape stopfen (und jetzt bitte keine
dummen Kommentare über Klebeband, klar? Das war für die Insider,
hihi), sie schön zudecken, oder bei übermäßigem
"Blutverlust" per Infusion Blut nachfüllen. Als Höhepunkt
stellte sich dann die Operation im Fluge dar! Man musste den Patienten per
Spritze betäuben, einen Schnitt mit einem echten (und verdammt scharfen)
Skalpell machen und mit einer Pinzette ein Gummiband aus dem Inneren
entfernen. Chefarzt Dennis Guse machte dies souverän, assistiert von
OP-Helfer Gerhard (der mit der Taschenlampe) und mir, dem Piloten. Zum
Glück gab es ja noch den Copiloten, danke Christoph!
Ach ja, ich vergaß zu erwähnen, dass der Patient bei der Ankunft nur
dann als lebendig gewertet wurde falls:
1. die Wassertemperatur 34°C oder mehr betrug,
2. eine Luftblase von mindestens 5 cm Durchmesser vorhanden war (also noch
genügend Luft "geatmet" wurde) und
3. der Patient nicht zuviel Blut verloren hatte. Das Minimumgewicht war ¾
des Ausgangsgewichts. Hatte man dem Patienten zuviel Blut gegeben dann war
er auch tot, kann ja mal passieren...
Natürlich musste man dann ja auch noch auf den ziemlich kurzen Grasbahnen
auf den Inseln landen und starten können, aber wir hatten Glück und
kassierten keinen Crash. Taktisch klug steuerten wir die zwei am weitesten
entfernten Inseln an und räumten kräftig Punkte ab, was uns (unerwarteterweise)
auf den ersten Platz in diesem Teil des Rennens katapultierte!!!
Nach 4 Stunden voller Fun, stressigen Operationen und Landungen bis ans
Ende der Woche ("Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag,...."
<g>) hatten wir es geschafft und schon gab es das Briefing für den
zweiten Teil des Rennens.
Slots und andere Verspätungen
Im zweiten Teil war unsere Aufgabe die 747 möglichst professionell von
Adelaide aus die australische Ostküste Entlangzufliegen. Zwischenstops
wurden in Melbourne, Sydney und Brisbane gemacht.
Es hieß also Checklisten zu folgen, korrekt am Funk zu reden und
natürlich gut zu fliegen. Zur Navigation benutzten alle Teams das FMS von
SquawkBox und geflogen wurde fast Ausschließlich per Autopilot (eben wie
im richtigen Leben). Leider lief dieser Teil ein wenig schleppend an, da
10 Maschinen der Reihe nach die Triebwerke anlassen, zur Startbahn rollen
und schließlich starten sollten. So kam es, dass die letzten Teams erst
nach ca. 45 Minuten Wartezeit loslegen durften, was doch sehr frustrierend
war. Dies ist ein Punkt, der in Zukunft verbessert werden muss. Die ATC
war allgemein auf diesem Event nicht so toll, die Leute konnten teilweise
nur ungenügend Englisch, wodurch sich die Kommunikation sehr schwierig
darstellte (wir bekamen einmal die Startfreigabe mit dem folgenden Spruch:
"Dream Team triple seven, clear for xxx-departure, climb FL100".
Das ist natürlich keine korrekte Startfreigabe und trotz mehrfachem
Nachfragen konnten wir das nicht lösen).
Lustig war, dass es sogar einen richtigen Push-Back gab. Man musste
für Push-Back fragen und wurde dann per Netzwerk angeschoben. Beim Rollen
konnte man dank Multiplayer (und korrekt installierter Flieger) die
anderen Flugzeuge sehen und gut reagieren, falls mal jemand zur falschen
Startbahnseite gerollt ist (hallo Holger! <g>). Nun, einmal in der
Luft lief dann alles ganz gut - bis wir wieder landen sollten: Durch eine
falsch eingestellte Grafikkarte war leider keine Landebahnbefeuerung
sichtbar, was bei Nacht ungesund ist. Die Folge war, dass unser Commander
zwar auf der Bahn landete, aber leider gelang in der Dunkelheit das
Abschätzen der Höhe nicht so gut (oder warst Du so sehr von "MissApproach"
abgelenkt, Dennis?<g>) und wir crashten wegen einer zu hohen
Sinkrate. Die nächsten Flüge verliefen dann recht ruhig, auch wenn es
immer wieder zu langen Wartezeiten am Boden kam, die bei einigen Leuten zu
Frustration und Ermüdung führten - wie im echten Leben! So endete denn
der Samstag gegen 1 Uhr nachts, es sollte dann am Sonntag gegen 9 Uhr
morgens weitergehen.
Was nur am Rande auffiel, aber für die Detailliebe der Belgier spricht
waren Bildschirme, auf denen die geplanten Abflug- und Ankunftszeiten der
Flieger angezeigt wurden, inklusive der Verspätungen - so wie die großen
Anzeigen im echten Flughafen!
10:30 Uhr im Gewitter über Sydney - doch die Frisur hält
Ein weiteres Highlight war dann ein plötzlich im Flug auftauchendes
(sehr realistisch, naja) Gewitter, aus dem richtige Blitze zuckten, wobei
sogar die Cockpits innen aufleuchteten (es war Nacht und die
Panel-Innenbeleuchtung war kurz vorher ausgefallen)! Donnergrollen
untermalte das Ganze noch passend und schon fingen die Turbulenzen an.
Eine starke Böe erfasste uns und bescherte uns eine extreme Fluglage: Der
Flieger drehte um ca. 80° auf die Seite, die Nase fiel auf ungefähr
-15° Pitch! Unglücklicherweise reagierte unser Pilot ein wenig zu stark
und bei der hohen Geschwindigkeit bekamen wir einen Crash aufgrund einer
Überlastung der Flugzeugzelle. Ich will jetzt nicht meckern, aber wir
alle wissen nur zu gut, dass im FS98 der "crash due to overstress"
nicht so realistisch ist, aber begraben wir das Thema, Crash ist Crash.
Leider durften wir dann nicht mehr weiterfliegen, sondern mussten uns auf
den nächsten Flugplatz beamen und auf die anderen Teams warten. Auch die
Punkte waren natürlich futsch, schade!
Im letzten Flug des Rennens ging es dann ans Eingemachte:
Triebwerksausfall! Aber da wir 'ne 747 flogen juckte uns das nicht
besonders, der taktische Vorteil dieses Flugzeugs... Ich sah da andere
Teams, die doch ziemlich rumruderten und doch erfolgreich am Boden ankamen
- so wie wir. Commander Matthias kam beim ersten Landeversuch am
Ausweichflughafen ein wenig tief rein und musste durchstarten, aber beim
zweiten Mal klappte es perfekt, wie die Profis setzten wir auf der
Bahnmittellinie auf und kamen rechtzeitig zum stehen. Wegen des
ausgefallenen Triebwerks konnten wir den Umkehrschub nicht benutzen, sonst
wären hätten wir nicht mehr lenken können und die ziemlich kurze Bahn
provozierte doch einige Schweißperlen auf der Stirn des Commanders - und
beim Rest des Teams! <vbg>
And
the winner is...
Die große Überraschung gab es dann bei der Schlussbesprechung und
Siegerehrung. Wir alle hatten ein gutes Gefühl beim ersten Teil des
Rennens gehabt, waren uns doch sogar ziemlich sicher, dass wir bei den
fliegenden Wassertüten vorne mitmischen würden. Doch dieses gute Gefühl
war nach den Airlineflügen der Frustration gewichen, denn wir hatten so
oft Punkte verloren. Doch als dann unser Teamname als Sieger des ersten
Teils genannt wurde war die Stimmung im Nu wieder auf dem Maximum!!! Wow!
Damit hatte nun keiner gerechnet! Als Preis bekamen wir Gutscheine für
FS2000Pro, LAGOs MadDog, Italy98, The Triangle, GermanAirports 3, sowie
Jeppesen SimCharts unserer Wahl. Natürlich bekam jeder von uns auch eine
schöne Siegerurkunde! So gab es dann doch noch ein Happy-End für unser
Team 7!
Wir wollen hier nicht die anderen vergebenen Preise vergessen.
Der zweite Teil des Rennens wurde von einem der italienischen Teams, den
VirtuAlitalia, gewonnen, weiterhin gab es Preise für das Team mit:
- der besten Radiokommunikation
- dem besten Cockpit Management
Last but not least bekam JEDES teilnehmende Team eine Ladung Software in
die Hand gedrückt, damit niemand mit leeren Händen heimgehen brauchte.
Ja, und wann geht es weiter?
Es gibt noch kein definitives Datum, aber so sicher wie das Jahr 2000
kommt, so sicher wird es auch eine nächste Interstate in Belgien geben!
Und das noch im ersten Drittel des Jahres 2000! Ich kann nur empfehlen
auch mal vorbeizukommen und sich das wenigstens anzuschauen.
Abgesehen von diesen Mega-Interstates der Belgier gibt es auch von Zeit zu
Zeit kleinere lokalere FS-Meetings, die dann etwas einfacher sind, wo es
zwar keine tollen Preise gibt, aber dafür trotzdem jede Menge Spaß.
Endlich mal die Leute aus dem Internet persönlich treffen, neue Programme
sehen und, und, und....
Im Moment bin ich selber dabei einen kleinen Event in Basel bei der
Crossair auf die Beine zu stellen. Möglicher Termin ist irgendwann im
Januar/Februar, denn es gibt noch viel zu organisieren.
Stay tuned to simflight.DE....
Abschließend möchte ich noch den Leuten Danken, die all dies möglich
gemacht haben!!! Guido Naessens, Jan Cuypers, Claude Hanssens, René
Henrard, Ernest Buttiens, Johan Hooyberghs, Marc Van de Voorde, Wilfried
Dengler, Frans Dechaene und allen anderen, die mitorganisiert haben!!!
Thank you all very much in the name of my team!!! It was again an
unforgetable weekend for everybody, keep up the good work!!!
Danke für´s lesen! Mehr Fotos und die genauen Punktzahlen gibt es auf
der Homepage der Belgier zu sehen, folgt einfach diesem LINK.
Happy Landings wünscht Euch
Andreas 'Flying Fox' Fuchs
fuchs@rol3.com
13.November 1999