Medea — Donner (1841), OCR review edition Euripides Johann Jakob Christian Donner OCR source collation, conservative repairs and citation alignment Editorial processing with Codex

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Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift von J. J. C. Donner. Volume 1. Heidelberg: C. F. Winter, 1841. Harvard supplied OCR, H12; running-text copy text. Independent BSB copy, page-coordinate OCR and facsimiles; used to check layout and notes.BSB digitization Source reviews and editorial inventory

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Die Amme. Daß dåstre Symplegaden durch das Argoschiff[OCR note; compare the printed page.] Die Symplegaden - zwei felsige Inseln des schwarzen Mecres an der Mündung des thrakischen Bosporos. Compare printed p. 283OCR review edition. D. citations belong to Donner; u marks unresolved verse division. Sources, repairs and unattributed notesDonner’s metrical analyses and notes: page facsimiles Niemals geflogen wäre nach dem Kolcherland, Daß auf den Waldhdhn Pelions die Fichte nie Gesunken wäre, noch der Arm der Helden sie Gerudert hatte, welche Pelias ausgesandt, Das goldne Vließ zu holen! Dann entsegelte Medeia, meine Herrinn, nie zu Jolkos' Stadt,[OCR note; compare the printed page.] Iolkos in Thessalien, die Vaterstadt Jasons, am Fuße des Berges Pelion. Compare printed p. 283 Um Jason wild in grånzenloser Lieb' entbrannt: Nie håtte Pelias' Tochter sie zum Vatermord[OCR note; compare the printed page.] S. Ovid's Verwandl. Buch 7. V. 297 ff. Compare printed p. 283 Beredet, wohnte nicht im Land Korinthos' hier Mit Mann und Kindern, bei den Bürgern zwar geliebt, Zu deren Lande sie gelangt als Flüchtige, Und treu dem Jason überall zur Seite stets; Denn dieses ist des Erdenlebens höchstes Gluck, Wenn mit dem Manne sich verträgt des Weibes Sinn. Doch nun ist Alles feindlich, auch das Theuerste: Denn meine Herrinn und die eignen Kinder hat Verrathen Jason, hat erwählt das Königsbett Der Tochter Kreons, der gebeut in diesem Land. Und sie, das unglückvolle, stolzverschmähte Weib, Medeia, ruft die Eide, ruft das hochste Pfand Der Treu, die Rechte, ruft die Macht der Götter laut Zu Zeugen, wie von Jason ihr vergolten sei. Dem Schmerze hingegeben, sonder Speise, liegt Sie da, verzehrt in Thränen sich den ganzen Tag, Seit sie von ihrem Manne sich verstoßen fühlt, Das Auge nicht erhebend, und vom Boden nie Den Blick verwendend: wie der Fels, wie wogende Meerflut, vernimmt sie Freundestrost und Mahnungen. Wohl Einmal auch den blendendweißen Hals gewandt, Beklagt sie still und heimlich ihren Vater, klagt Um Herd und Heimat, welche sie verrieth und floh, Dem Manne folgend, der sie nun schmachvoll entehrt. Erkannt an ihrem Leide hat die Dulderinn, Das Beste wåhle, wer die Heimat nicht verläßt. Die Kinder haßt sie, und ihr Anblick freut sie nicht. Sie brütet, fürcht' ich, über etwas Gråßlichem; Denn ihr Gemuth ist heftig, Unrecht wird es nicht Ertragen; ja, ich kenne sie, und fürchte sehr: Sie schleicht in's Haus her schweigend, wo ihr Lager steht, Durchbohrt mit scharfem Stahle sich die eigne Brust; Vielleicht auch daß sie Kreon und den Bräutigam Ermordet, und sich dann verstrickt in großres Leid: Denn heftig ist sie und den Siegeskranz erringt Nicht leichten Kampfes, wer mit ihr verfeindet ist. Doch sieh, vom Rennplaz kommen hier die Kinder schon Zuruck, die frohen ahnen nichts vom Ungemach Der Mutter; jugendlicher Sinn betrübt sich nicht. Der Hofmeister (mit den Kindern.) Was stehst du vor den Thoren, graue Dienerinn In meiner Herrinn Hause, was so einsam hier, In laute Klag' ergossen über unsre Noth? Wie wil allein denn, ohne dich, Medeia sein? Die Amme. Mein Alter, der die Kinder Jason's liebend führt, Dem wohlgesinnten Diener ist das Ungemach Des Herrn ein Ungluck, und ergreift ihm tief das Herz. Von meines Grames Uebermaaß bewältiget, Trieb mich die Sehnsucht, hier heraus zu gehen, und Das Loos Medeia's Erd' und Himmel kundzuthun. Der Hofmeister. So läßt von ihrem Jammer noch die Arme nicht? Die Amme. Wie fragst du? Noch nicht mitten ist, was kaum begann. Der Hofmeister. Die Thorinn! wenn man über Herrn so reden darf: So wäre dieses neue Leid ihr unbekannt? Die Amme. Was ist es, Alter? Sage mir's, verhehle Nichts. Der Hofmeister. Nichts ist es: ich bereue, was ich eben sprach. Die Amme. Der Nebensklavinn birg' es nicht, bei deinem Bart: Denn, wenn es sein muß, werd' ich treu verschwiegen sein. Der Hofmeister. Ich hörte Jemand sagen, unbemerkt von ihm, Am Drte, wo zum Würfelspiel die Greise sich Hinlagern, um Peirene's hochberühmten Born: -[OCR note; compare the printed page.] Peirene, ein Quell auf der Burg von Korinthos. Compare printed p. 283 „Es wolle Kreon, welcher herrscht in diesem Land, Die Kinder hier samt ihrer Mutter aus der Stadt Vertreiben." Ob die Rede wahr, ich weiß es nicht, Und wollte lieber, daß es dem nicht also sei. Die Amme. Und wird es Jason dulden, daß den Kindern so Begegnet werde, wenn er auch der Mutter zürnt? Der Hofmeister. Die alte Liebe wird verdrängt vom neuen Bund, Und nimmer ist er diesem Hause wohlgesinnt. Die Amme. So waren wir verloren, wenn sich neues Leid Gesellt dem alten, ehe dies erduldet ist. Der Hofmeister. Noch ist die Zeit nicht, das der Herrinn kundzuthun: Sei ruhig, und verschweige, was ich dir vertraut. Hört ihr's, o Kinder, wie gesinnt der Vater ist? Wohl mdg' er - nicht verderben; denn er ist mein Herr: Doch an den Liebsten zeigt er hier unedel sich. Wer thåte denn nicht also? Nun erkennst du doch, Daß Jeder mehr sich liebe, denn die Anderen, Der sonder Unrecht, um Gewinn auch Mancher wohl, Wenn Jason um die neue Braut die Kinder haßt. Die Amme. Nun wird es gut sein, Kinder, geht in's Haus hinein. Doch Du verbirg sie ferne vor der Menschen Blick, Und nicht der Mutter laß sie nahn, der trauernden. Schon sah ich's, unmuthgluhend traf ihr Auge sie, Als sånn' es Unheil; und ihr Zorn, ich weiß gewiß, Ruht nicht, bevor er Einen niederschmetterte. Doch nur die Feinde treff er, nicht der Freunde Haupt! Medeia (im Palaste). Ich leidendes, unglückseliges Weib! daß ich endigte! Weh mir, weh! Die Amme. Das ist's, wie ich sagte; der Mutter erregt Es, o Kinder, das Herz, es erregt ihr den Groll. Geht eilig in's Haus, ihr Lieben, hinein, Und naht euch unter das Aug' ihr nicht, Ja nahet ihr nicht, nein, haltet euch fern Von der grausamen Art, von der wilden Natur Des vermessenen Sinns! Geht, eilet hinein, so schleunig ihr könnt! Wohl seh' ich es klar: das Gewolke des Grams,[OCR note; compare the printed page.] ἀρχῆς ἐξαιρόμενον =ἀρχόμενον. Compare printed p. 283 Das kaum sich erhob, bald stürmt es empor[OCR note; compare the printed page.] 2. ἀνάξει (ν. ἀνάσσω, ἀναΐσσω) f. ἀνάψει. Compare printed p. 283 Mit größerer Wuth. Was wird ein Gemüth, Das, grimmig erbost, unversühnbar grout, Von Leiden gefoltert, beginnen? Ach, ach, ach, ach! Medeia (innen). Ich erlitt, ich erlitt unsägliches Leid, Der Bejammerung werth! Im Fluch fahr' hin, Des verstoßenen Weib's unselige Brut, Und das Haus und der Vater verderbe! Die Amme. Weh, wehe mir Unglückseligen, weh! Was haben die Sohn' an des Vaters Vergehn Antheil? Was hassest du sie? Wie schmerzt Mich das Unheil, das euch, Kinder, bedroht! Wild blåht sich der Könige Stolz, es versühnt Sich schwer ihr Zorn, die, selten beherrscht, Selbstherrisch walten nach eignem Gesez. Viel glücklicher lebt sich's in Gleichheit fort: Mir gönne das Schicksal, wenn auch nicht Im Glanz, doch sicher zu altern in Ruh. Des Genügsamen Nam' hebt siegreich sich Vor den höchsten empor, und das seligste Loo8 Ist bescheidner Genuß: nichts Gutes verschafft[OCR note; compare the printed page.] Σ. χρῆσθαί τε μικρῷ. Compare printed p. 283 In der Menschen Geschlecht unmäßiges Glück; Nein, großere Noth, wann über dem Haus Ein Gott zürnt, bringt es dem Hause.[OCR note; compare the printed page.] Ich tilge das Komma nach δαίμων, und ziehe oἴκοις zu beiden Zeitwörtern (ὀργ. und ἀπέδωκ.). Compare printed p. 283 Chor (eilt herbei). Ich hörte die Stimm', ich vernahm das Geschrei Der verlassenen Kolchierinn. Sie hat noch nicht sich beruhigt? Greisinn! Am Thore vernahm ich ja jezt sprich, In des Hauses Tiefe Geschrei; Nimmer, o Alte, freu' ich mich Ueber des Hauses Noth, Die Amme. Dem feindliche Loose verhängt sind. Nicht mehr ist das Haus, hin all' sein Glück! Er freite die fürstliche Jungfrau sich, Und die Herrinn verzehrt in dem stillen Gemach Ihr Leben, mit freundlichem Zuspruch mag Der Gespielinnen keine sie trosten. Medeia (innen). Wch, führe durch's Haupt mir der himmlische Strahl! Was bråchte mir noch mein Leben Gewinn? Weh, weh mir! Endigen mocht' ich im Tod, Mein trauriges Leben verlassen! Strophe. Chor. (Zeus, Licht und o Erde!) Vernahmst du den Ruf,[OCR note; compare the printed page.] Die Worte: „Zeus, Licht und o Erde!" sind bloßer Ausrufund die folgenden nicht als Anrede an Zeus u. s. f. zu fassen. Compare printed p. 283 Mit welchem die Unglückselige laut Ihr Leiden beklagt? Welch heftiges Sehnen ziehet Dich hin zu dem Gatten, Thorinn, Beschleunigt des Lebens Ende? Erflehe du das nicht. Wenn sich dein Gemahl Anderer Lieb' ergeben; Nicht grolle du ihm darüber: Zeus wird dich an ihm noch råchen. Traure, jammre nicht Um den Geliebten allzusehr. Medeia (innen). Themis und Artemis, schaut, ihr Erhabenen, was ich erdulde! Mit gewaltigem Eidschwur fesselt' ich ihn, Den versluchten Gemahl. ha, såh' ich einmal mit dem Hause zugleich Ihn selbst und die Jungfrau schmählich vertilgt, Sie, die mich zuerst zu befeinden gewagt! Vater, o Heimat, denen ich schnid Absagte, nachdem ich den Bruder erschlug! Die Amme. Frau'n, hörtet ihr, was sie gesagt? Sie fleht Zu der råchenden Themis, zu Zeus, der streng Auf Eide der Sterblichen achtet. Niemals läßt meiner Gebieterinn Groll Durch måßige Rache sich sühnen. Gegenstrophe. Chor. kame sie, uns in das Auge zu sehn, daß sie vernåhm' aus unserem Mund Ein erheiterndes Wort! Es dämpfte den schweren Unmuth[OCR note; compare the printed page.] Anders: Ob etwa den schweren Unmuth Es dämpft' und die stolze Seele. Dann ist V. 177. statt des Ausruszeichens ein Komma zu sezen. Compare printed p. 283 Vielleicht und die stolze Seele. Stets will ich den Freunden eifrig Zu dienen bereit sein. Gehe denn, und her Führe sie aus dem Hause, Mit freundlichem Wort zur Eile[OCR note; compare the printed page.] φίλα nehme ich als neutr. plur. statt des adverb. φίλως, und lese σπεῦσαι (infin. aor.). Dieser Infinitivus ist von τάδ' αὔδα abhängig, und nach dem lezteren Worte ein Komma zu sezen. Compare printed p. 283 Mahnend, ehe sie drinnen Frevelt; denn mit Macht Hat sie ergriffen dieser Gram. Die Amme. Gehn will ich nach ihr: wohl fürcht' ich, mir folgt[OCR note; compare the printed page.] Anders: Ich gehe nach ihr. Compare printed p. 283 Die Gebieterinn nicht; Doch nehm' ich es dir zu Gefallen auf mich. Zwar stiert sie so wild mit der Löwinn Blick, Die Junge gebar, auf die Sklavinnen hin, Wenn eine sich naht und ein Wort vorbringt. Mit Recht wohl nenntest du mir das Geschlecht, Das früher gelebt, unweis und verkehrt: Sie haben Gesang bei frohlichem Mahi, Bei Tänzen und Hochzeitsesten erdacht, Und das Leben erfreut mit den Tonen der Lust; Doch Niemand hat noch den schrecklichen Gram Mit der Saiten, des Lieds vielstimmigem Klang Zu verbannen gelehrt: drum rafft das Geschick In verheerendem Tod die Geschlechter dahin. Wohl wår' es Gewinn, wenn jegliches Leid Uns heilte das Lied: doch wozu frommt Bei frohlichem Festmahl uns der Gesang? Denn die Herzen der Menschen vergnügen sich schon An der lockenden Fülle des Mahles. (cilt in's Haus.) Schlußgesang. Chor. Ich vernahm ein Geschrei, vielfachen Seufzerlaut: Helljammernd klagt sie an, verslucht Des Chebettes Verråther, den schndden; Die Schwergekränkte ruft zu Themis, Zeus' Tochter, die des Eides wahrt, Die sie zu Hellas' Ufern herübergeführt, Des unendlichen Meeres Thor hindurch,[OCR note; compare the printed page.] Des Meeres Thor - der thrakische Bosporos. Compare printed p. 283 Ueber nächtliche Wogen.[OCR note; compare the printed page.] Medeia floh mit Jason bei Nacht. Compare printed p. 283 Medeia. Ihr Frau'n Korinthos', ich verließ des Hauses Raum, Damit ihr mich nicht scheltet. Viele heißen stolz, Die Einen, die des Volkes Blicken sich entziehn, Die Andern, die stets außen sind; noch Andere Erwarben Schmach durch thatenlose Ruhe sich. In Menschenaugen wohnt ja nicht Gerechtigkeit, Wenn Einer, eh' er wohl erforscht des Mannes Sinn, Beim ersten Blick haßt, ohne daß ihm Leid geschah. Der Fremdling muß sich fügen nach des Landes Art: Auch keinen Bürger lob' ich, der aus blindem Wahn In eitlem Dünkel bitter auf die Bürger ist. Mich traf ein unerwartet Loos, das mein Gemuth Zum Tod verwundet: ich vergeh', ihr Freundinnen, Zu sterben wunsch' ich, mir entschwand des Lebens Reiz. Auf den ich all mein Hoffen warf, mein ganzes Glück, Mein Gatte, hat sich als den schlimmsten Mann bewährt. Von allem, was auf Erden Geist und Leben hat, Sind doch wir Fraun das Allerunglückseligste. Mit unermeßlicher Gabe müssen wir zuerst Den Mann erkaufen, müssen wir uns einen Herrn Annehmen; dies ist schlimmer noch, als jenes Leid: Dann ist das größte Wagniß, ob er bieder ist, Ob bose: denn unrühmlich ist es dem Weibe, sich Vom Gatten scheiden, und sie darf ihn nicht verschmähn. Und freit in neue Sitten und Geseze sie, Muß Eine, weiß sie's nicht von Haus, Prophetinn sein, Zu wissen, welchem Loose sie entgegengeht.[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Zu wissen, welchen Ehgemahl sie haben wird. Compare printed p. 283 Doch wenn wir dieses glucklich uns vollendeten, Der uns Verbundne froh mit uns am Joche trågt; Ist unser Loos zu beneiden: anders sei es Tod!' Wohl kann der Gatte, wenn daheim ihn Aerger quålt, Auswärts des Herzens Ueberdruß beschwichtigen, Bei Freunden oder Einem, der mit ihm erwuchs: Uns ist in Eine Seele nur der Blick vergonnt. Sie sagen wohl, wir lebten sicher vor Gefahr Zu Hause, während sie bestehn der Speere Kampf, Die Thoren: lieber wollt' ich ja dreimal in's Graun Der Schlacht mich werfen, als gebåren Einmal nur. Doch nur von mir gilt solche Rede, nicht von dir: Denn eine Heimat hast du hier, ein Vaterhaus, Genuß des Lebens, einen Kreis von Freundinnen; Ich bin verlassen, ohne Heimat, bin verhdhnt Vom Manne, der aus fremdem Lande mich geraubt; Nicht Mutter hab' ich, Brüder, Anverwandte nicht, Zu denen fliehend ich entronn' aus dieser Noth. Drum nur das Eine werde mir von euch gewährt: Ersinn' ich Hülfe, find' ich mir ein Mittel aus, Für dieses Leid den Gatten und den Vater, der Ihm gab die Tochter, und die Braut zu züchtigen; Dann schweigt! In Anderm ist das Weib voll zager Furcht, Zum Kampfe muthlos, und zu feig, ein Schwert zu schaun; Doch ward der Ehe heilig Recht in ihr gekränkt, Giert keine Seel' auf Erden mehr nach Menschenblut. Chor. Ich schweige: billig rächst du wohl am Gatten dich,[OCR note; compare the printed page.] Anders: Ich werd' es thun, Medeia: billig rächst du dich Am Gatten. Compare printed p. 283 Medeia; daß du jammerst, ist kein Wunder mir. Doch seh' ich dort auch Kreon, dieses Landes Herrn, Herschreiten, neue Schlusse wohl dir kundzuthun. Kreon. Dir, finsterblickende, die du deinem Gatten zürnst, Medeia, sag' ich gehe fort als Flüchtige Aus diesem Lande, nimm die beiden Kinder mit, Und säume nimmer: ich gebiete solches dir, Und werde nicht nach Hause wiederkehren mehr, Bevor ich euch aus meines Landes Gränzen trieb. Medeia. Weh, weh! So werd' ich hoffnungslos verloren sein! Die Feinde haben alle Segel aufgespannt, Kein leichter Ausweg beut sich uns aus dieser Noth. Doch muß ich fragen, druckt mich auch ein schweres Leid: Weshalb, o Kreon, treibst du mich aus diesem Land? Kreon. Ich fürchte, (was verhullt ich meine Worte noch?) Du schaffest meiner Tochter unheilbares Leid. Viel trifft zusammen, was mich stimmt zu dieser Furcht. Du bist in mancher Tücke wohlgewandt und schlau; Dich schmerzt es, daß dir dein Gemahl verloren ist: Auch sagten meine Boten mir, du drohest uns, Dem Vater und der Tochter und dem Bräutigam, Unheil. Ich will mich huten, eh' uns dieses trifft; Mir ist es besser, nun von dir gehaßt zu sein, Als schwer zu seufzen, wann ich mich erweichen ließ. Weh! Medeia. Nicht heut zuerst, o Kreon, dfters hat mich schon Berückt die Meinung und gebracht in große Noth. Nie streb' ein Vater, dem Verstand im Busen wohnt, Zu hoher Weisheit aufzuziehn der Kinder Geist; Denn außer daß ein Weiser, weil er Muse liebt, Tråg wird gescholten, trifft ihn auch der Bürger Haß. Und wenn du Kluges vorgebracht, was neu erscheint, Die Thoren nennen albern und nicht weise dich: Doch giltst du mehr als Andre, die sich Tüchtiges Zu wissen dünken, folgt der Neid des Volkes dir. Ich selber trage meinen Theil an diesem Loos. Denn weil ich klug bin, feinden mich die Einen an, Den Andern bin ich lästig und nur wenig klug.[OCR note; compare the printed page.] Ε. τοῖς δ᾽ αὖ προσάντης εἰμὶ κοὐκ ἄγαν σοφή. Mit Beziehung auf V. 302. Compare printed p. 283 So fürchtest du denn auch von mir ein Ungeschick. Uns fürchte nicht, o Kreon, ich bin also nicht Geartet, daß ich gegen Herrscher sündigte. Was thatest du mir Bises? Du vermähltest ihm, Zu dem's dich zog, die Tochter: meinen Gatten, ja! Ihn hass ich; doch du, mein' ich, hast hier klug gethan, Und keinen Neid empfind' ich, wenn dir's wohlergeht. Vermåhlet euch, lebt glucklich; doch mich lasset hier Im Lande wohnen: wenn mir auch Unrecht geschah, Ich werde schweigen, unterthan dem Stärkeren. Kreon. Du sprichst in sanften Worten; doch bang ahnt es mir,[OCR note; compare the printed page.] ἔσω φρενῶν verbinde mit βουλεύης. - 341. ,,Denn" = also, nicht mit, Was“ zu verbinden. Compare printed p. 283 Du sinnst in deinem Herzen auf Verderben uns. Deßwegen trau' ich minder jezt als früher dir. Denn Frau'n und Männern, welche rasch zum Zorne sind, Ist leichter auszuweichen, als stillsinnenden. So fliehe schleunig, rede mir nicht weiter sonst; Denn unverrückt steht dieses, und kein Mittel gibt's Für dich, die Feindinn, unter uns zu weilen mehr. Medeia. Bei deinen Knieen, bei der neuvermählten Braut Kreon. Du sprichst vergebens: nie bereden wirst du mich. Medeia. Du triebſt mich fort, und achtest meine Bitten nicht? Kreon. Dich kann ich mehr nicht lieben, als mein eignes Haus. Medeia. traute Heimat, wie gedenk' ich deiner izt! Kreon. Sie ist nach meinen Kindern mir das Theuerste. Medeia. Weh, weh! Dem Menschen ist die Lieb' ein großer Fluch. Kreon. Fluch oder Segen, wie's das Schicksal wenden mag. Medeia. Erfahre du, Zeus, wer des Leids Urheber ist! Kreon. Entweiche, Thorinn, und erlöse mich der Qual. Medeia. Ich dulde Qualen und bedarf nicht andrer noch. Kreon. Bald treiben unsre Diener mit Gewalt dich fort. Medeia. Nicht also thu', o Kreon! Ich beschwore dich - Kreon. Du willst, o Weib, mir låstig werden, wie es scheint. Medeia. Ich werde fliehen: nicht um dieses bat ich dich. Kreon. Was stråubst du denn dich und verlåssest nicht das Land? Medeia. Den Einen Tag nur gönne mir zu bleiben noch, Um auszusinnen, welchen Weg ich fliehen soll, Wo meinen Kindern eine Bahn sich offne, weil Der Vater unbekümmert ist um ihr Geschick. Erbarm dich ihrer; denn du bist auch Vater ja Von Kindern: billig zeigst du våterlichen Sinn. Nicht meinetwegen sorg' ich, wenn ich flichen muß; Nur sie bewein' ich, daß der Unfall sie betraf. Kreon. Mir ward mitnichten ein tyrannisch harter Sinn; Ich ließ mich oft erbitten zum Verderben mir. Auch nun gewahr' ich wieder, daß ich fehle, Weib; Gleichwohl erlangst du dieses; doch ich sage dir: Wenn morgen Helios' Fackel deine Söhn' und dich Noch innerhalb der Gränzen dieses Landes sieht; So stirbst du: dieses sagt ich, sicher trifft es ein. Jezt, mußt du bleiben, bleibe noch den Einen Tag; Denn Nichts von dem vollbringst du, was mich angstiget.[OCR note; compare the printed page.] Anders: Denn nicht vollbringen wirst du, was mir Furcht erweckt. Compare printed p. 284 (ab.) Unglückliches Weib! Chor. Weh, daß dich das grause Verhängniß traf! Wo flichest du hin? Welch gastlicher Port, Welch Haus, welch Land wird, Leidende, dir Rettend sich aufthun? Wohl hat dich ein Gott, o Medeia, gestürzt Hülflos in die Wogen des Unheils. Medeia. Mir folgt das Ungluck überall: wer läugnet es? Doch wird es so nicht enden; glaubt das nimmermehr. Viel Kämpfe harren dieser Neuvermählten noch, Und ihrer Anverwandten kein geringer Schmerz. Du wahnst, ich hatte diesem Mann geschmeichelt je, Dhn' auf Gewinn zu denken noch auf Hinterlist? Nicht hatt' ich dann ihn angeredet, nicht berührt. Ihm hat die Thorheit aber ganz den Sinn berückt: Er konnte, wenn er mich hinaus zum Lande trieb, Mir meinen Plan vereiteln, und nun gönnt er mir Noch diesen Tag hier, wo ich meiner Feinde drei In Leichen wandle, Vater, Braut und Ehgemahl. Der Wege, sie zu todten, hab' ich viele; doch, Ihr Fraun, ich weiß nicht, welchen ich betreten soll. Leg' ich von unten Feuer an der Braut Palast? Wie? Oder bohr' ich ihr in's Herz den scharfen Stahl, Zum Hause still einschleichend, wo ihr Lager steht? Doch Eines ist mir schrecklich: wenn man mich ergreift, Nachdem ich, sinnend auf den Mord, eintrat in's Haus, So werd' ich sterbend ein Gespott der Feinde sein. Der grade Weg der beste, dessen bin ich auch Am meisten kundig: ich ermorde sie mit Gift. Wohl! Sie seien todt denn: welche Stadt empfängt mich dann? Wo beut ein Gastfreund sein Gebiet, sein Haus mir an Als sichre Zufluchtsstätte, schirmt mich Flüchtige? Nicht Einer thut es. Harr' ich denn noch kurze Zeit, Ob sichre Rettung irgend uns erscheinen wird, Und schreite dann zum Morde schlau und heimlich fort. Doch treibt mich hülflos hier zurück mein Ungemach, So greif ich nach dem Schwerte, muß ich sterben auch, Ich will sie tödten, wage kühn die kühnste That. Denn bei der Göttinn wahrlich, der ich huldige Vor allen, die ich mir erkor zur Helferinn, Der Hekate, die in meines Herdes Innerm wohnt,[OCR note; compare the printed page.] Anders: Der Hekate, die meines Heerdes Schrein bewohnt. Hekate, als Hausgöttinn, stand in einem Schrein am Heerde. Compare printed p. 284 Der Frevler keiner trübt das Herz durch Freude mir! In bittre Trauer wandl' ich euch der Ehe Bund, Die Anverwandtschaft, meine Flucht aus diesem Land. Wohlan! Von allen deinen Künsten spare Nichts, Berathe dich, Medeia, sinne Listen aus! Zum Vergsten schreite! Nun bedarf es hohen Muths. Dein Leiden, siehst du's? Nicht ein Spott vor Sisyphos' Geschlechte darfst du werden, vor dem neuen Bund, Du Kind des edeln Vaters und des Helios!. Du bist so vielerfahren: auch erschuf Natur Uns Frauen wohl in edlen Künsten ungeschickt, Doch klug in allem Bosen und erfinderisch. Strophe 1. Chor. Die Quellen der heiligen Ströme fließen rückwärts, Recht und Alles hat sich auf Erden verkehrt: Männer verüben Betrug, nicht mehr besteht Unter den Göttern die Treue. Umgewandelt hat sich der Ruf, und die Ehre kränzt mein Leben; Ehre wird der Fraun Geschlecht verherrlichen; Schmähend belastet der Ruf nicht mehr des Weibes Namen. Gegenstrophe 1. Nun werden die Musen mit ihren alten Liedern Stille sein von unserem treulosen Sinn. Phobos, der König der Lieder, hauchte nicht Göttliche Lyragesånge Unserm Geist' ein: anders erſcholle mein Lied, ihr Männer, schmachvoll Euch entgegen; wohl vermag die lange Zeit Vieles von unserem und der Männer Loos zu sagen. Strophe 2. Du kamst, hinwegschiffend vom Vaterhause, Rasend in Liebe das Herz, und die doppelten Meeresklippen[OCR note; compare the printed page.] Die doppelten Meeresklippen - die Symplegaden. S. zu V. 1. Compare printed p. 284 Durchmessend, und wohnest nun In Fremdlingesland, des dden Ehbettes Genossen missend, Unselige, wirst getrieben In schnode Verbannung. Gegenstrophe 2. Es schwand des Eid's heilige Scheu; die Scham ist Aus der erhabenen Hellas entflohn; in den Himmel flog sie. Kein våterlich Haus empfängt, Ungluckliche, dich, von Leiden Zu rasten; im Hause waltet, Machtvoller, als deine Liebe, Ein' andere Herrinn. Jason. Nicht heute hab' ich's erst erkannt, nein ofter schon: Ein unbezwingbar Uebel ist der wilde Zorn. Dir war verstattet, hier zu sein in Land und Haus, Ertrugst du fågsam, was gebot der Stärkere; Um eitler Worte willen mußt du ziehen nun. Zwar mich bekummern diese nicht; sag' immerhin, Dhn' aufzuhören, Jason sei der schlimmste Mann: Doch halte dich für glucklich, nur mit Bann und Acht Zu büßen, was du schmähtest auf die Könige. Stets abzuwehren trachtet ich der zürnenden Gebieter Ingrimm, wünschte, daß du bleibest hier; Doch låssest du von deiner Thorheit nicht, und sagst Vom König allzeit Uebles; drum verbannt er euch. Gleichwohl entzieh' ich nun auch nicht den Freunden mich, Und komme, Frau, für euer Wohlergehn besorgt, Damit du samt den Kindern nicht vermogenslos Und hülfsbedürftig fliehen mußt; (Verbannung führt Viel Boses mit sich;) denn verabscheust du mich auch, Doch nie vermocht' ich übel dir gesinnt zu sein. Medeia. Du feigster Aller, - denn ich kann dich nennen nur Mit diesem Namen, mit der Feigheit schwerstem Schimpf; - Du kamst zu uns her, kamest, du Verhaftester? Nicht Muth fürwahr ist dieses noch Großherzigkeit, Dem Freund in's Auge sehen, dem man Böses that; Nein, Unverschamtheit ist es, aller menschlichen Gebrechen großtes: dennoch hast du wohlgethan, Bu kommen; ich erleichtre mir durch Schmähungen Das Herz, und dich verdrießt es, der sie hören muß. Doch bei dem Ersten will ich auch beginnen erst. Ich habe dich gerettet, wie ja Jeder weiß, Der dir gesellt aus Hellas, Argo's Schiff bestieg, Als feuerathmender Stiere Joch zu lenken du Gesendet warest und zu streun die Todessaat. Den Drachen, der in vielgewundnen Ringen sich Umwindend, schlummerlos bewacht das goldne Vließ, Erschlug ich, und erhob das Licht des Heiles dir. Und meinen Vater und mein Haus verließ ich nun, Und kam nach Jolkos an den Hohn des Pelion Mit dir, von Liebe mehr beseelt als weisem Sinn, Und gab den leidenvollsten Tod dem Pelias Durch seine Tochter, und entris dich aller Furcht. Und das, der Männer schlimmster, das verdankst du mir, Und mich verriethst du, nahmest dir ein andres Weib, Nachdem du Kinder zeugtest: wirst du kinderlos, Ich könnte dir vergeben, daß du diese liebst. Hin ist des Eides Treue: traun, du glaubtest wohl, Die Götter, die sonst herrschten, herrschen nimmermehr, Und neue Sazung gelte bei den Menschen izt, Da dir bewußt ist, daß du mir die Treue brachst. Ach, diese Rechte, die du oft ergriffen hast, Ach, diese Kniee, wie vergebens hat er uns[OCR note; compare the printed page.] Der Genitiv τῶνδε γονάτων ist von φεῦ abhängig, und konnte, ungeachtet das leztere Wort in V. 499 mit dem Nominativ steht, hier nach der sonst auch üblichen Weise mit φεῦ um so eher verbunden werden, da ἐλαμβάνου mit dem Genitiv unmittelbar vorherging. Compare printed p. 284 Befleckt, der Frevler, und getäuscht die Hoffnungen! Wohlan! So wie zum Freunde, red' ich nun zu dir. Ein bessres Loos zwar hoff ich nimmermehr von euch; Doch frag' ich, weil du schlechter dann erscheinen wirst. Wohin mich wenden soll ich jezt? In des Vaters Haus, Zum Vaterlande, das ich dir verrieth und floh ? Zu Pelias' armen Tochtern? Schon empfingen die An ihrem Herd mich, deren Vater ich entseelt. Wohl ist es also: meines Hauses Freunde sind Mir gram, und andre, welchen ich verpflichtet war, Verrieth ich dir zuliebe, daß sie Feinde sind. Für solche Wohlthat hast du mich vor vielen Fraun Beglückt in Hellas: einen wunderwürdigen Und treuen Gatten hab' ich Unglückselige, Wenn ich vertrieben aus dem Lande fliehen muß, Freundlos, verlassen mit verlassnen Kindern, ha! Ein feiner Ruhm dem neuvermählten Bräutigam, Ich, die dich rettet', und die Sohn' im Bettlerkleid! Warum verliehst du, großer Zeus, uns sichere Merkmale, daß uns falsches Gold nicht täuschen kann, Und drücktest kein Kennzeichen auf dem Menschenleib, An dem man unterscheiden mag den schlechten Mann? Chor. Ein schwerversühnbar ungestümer Zorn entbrennt, Sobald mit Freunden Freunde sich verfeindeten. Jason. Kein schlechter Redner muß ich sein, bedünkt es mir, Nein, wie des Schiffes vielgewandter Steuermann, Mit hochgespanntem Segel wohlbedacht, o Weib, Entfliehn vor deiner frechen Zung' Unbändigkeit. Zu prahlend rühmst du deine Gunst, erfahre denn: Ich meine, Kypris war allein von Göttern und Von Menschen meine Retterinn auf meiner Fahrt. Dir ward ein Geist voll Schårse; doch gehässig klingt Dir meine Rede, sag' ich, daß dich Eros nur Mit unentfliehbarn Pfeilen, mich zu retten, zwang. Doch allzustreng erortern mag ich dieses nicht: In welcher Art du halfest, immer war es gut. Nun aber hast du Großres, als du mir gewährt, Von mir empfangen, wie ich dir beweisen will. Vorerst in Hellas wohnst du, statt in traurigen Barbarenländern, lerntest Recht und Sitte hier, Nicht hoher achten, als Gesez, die rohe Kraft: Auch kennen all' in Hellas dich als weise Frau, Und Ruhm gewannst du; wohntest du am fernsten Saum Der Erde, würde nie von dir die Rede sein. Ich wunschte nimmer Goldesglanz im Hause mir, Noch mocht' ich Orpheus übertreffen im Gesang, Wenn nicht der Ruhm auch mein Geschick verherrlichte. So viel erwiedr' ich über meine Thaten dir; Denn du begannest diesen Kampf der Worte ja. Doch weil du meine Königsbraut mir vorgerückt; So werd' ich zeigen, erstens, daß ich weise that, Dann, daß ich zuchtig, daß ich dir wohlwollend mich Erwies und meinen Kindern: hdre ruhig nur. Nachdem ich hierher wandernd kam aus Jolkos' Land, Vielfach in hoffnungsloses Ungemach verstrickt: Welch größres ungeahntes Glück erlangt ich wohl, Als eines Königs Kind zu frein, ich Flüchtiger? Nicht dir entfremdet, wie du mich beschuldigest, Auch nicht von Sehnsucht um die neue Braut entflammt, Nech lústern, viele Kinder mir zu zeugen noch; Denn die ich habe, sind genug, ich liebe sie: Nein, was das Großte, daß wir wohl in Ehren hier Und ohne Mangel lebten; denn ich wußte wohl, Daß jeder Freund dem armen aus dem Wege geht: Die Sohne wollt' ich würdig meines Stamms erziehn, Und Brüder deinen Kindern zugesellen, gleich Die beiden pflegen, und den Stamm vereinigend, Des Glückes froh sein. Was bedarfst du Kinder noch? Ich aber möchte durch die Ungeborenen Den schon Gebornen nüzen; mein' ich's also schlimm? Du sagtest das nicht, grolltest du nicht meiner Braut. Doch also seid ihr Frauen: wenn der Ehe Bund Durch Nichts getrübt wird, fühlt ihr euch vollkommen wohl; Wenn dann ein Unfall euer Gluck zu stören droht, Gilt euch das Beste, Schönste, für das Feindlichste. Nachkommen schaffen sollten sich auf anderm Weg Die Menschen, nicht mehr sollte sein der Fraun Geschlecht; So tråfe niemals Ungemach die Sterblichen. Chor. Wohl hast du, Jason, deine Reden schon geschmückt; Doch mir (und red' ich deinem Sinn entgegen auch) Erscheint es Unrecht, daß du dein Gemahl verriethst. Medeia. In Vielem bin ich andern Sinns, als Viele sonst. So scheint der hochsten Strafe werth ein Frevler mir, Der sich in schöne Reden fein zu hüllen weiß. Unrecht zu schmücken rühmt er sich mit der Worte Kunst, Und wagt zu tauschen; wahre Weisheit ist ihm fremd. So sei auch du nicht gegen mich in Worten glatt Und schlau: ein einzig Wörtchen schlägt zu Boden dich. Du mußtest, wenn du redlich warst, eingehn den Bund, Nachdem du mich beredet, nicht geheim vor mir. Jason. • Du håttest mir bei dieser Sache schon gedient, Entdeckt' ich dir die Ehe, du, die nun sogar Den witden Groll des Herzens nicht bezwingen mag! Medeia. Nicht das bewog dich; nur mit mir, der Fremden, schien Die Ehe bis zum Alter dir nicht ehrenvoll. Jason. Dies darfst du glauben: nicht aus Lieb' erkor ich mir Die Königstochter, die sich nun die Meine nennt; Nein, wie ich vorhin schon gesagt, ich wollte nur Dich retten, wünschte königliche Brüder, einst Des Hauses Stüze, meinen Kindern zugesellt. Medeia. Kein glücklich Leben werde mir, das traurig ist, Noch hoher Reichthum, welcher mir am Herzen nagt! Jason. Du thåtest klüger, nähmst du deinen Wunsch zurück. Schmerzvoll erscheinen möge nie das Gute dir, Noch achte dich unglucklich, wenn du glucklich bist! Medeia. Hohn' immer; blieb doch eine Zufluchtstätte dir: Doch ich, verlassen muß ich fliehn aus diesem Land. Jason. Du selbst erkorst dies; klage keinen Andern an! Medeia. Was that ich? Freit' ich etwa, war dir ungetreu? Jason. Nuchlose Fluche fluchtest du dem Königshaus. Medeia. Und deinem Stamm auch hab' ich Unheil angewünscht. Jason. Hierüber hadr' ich nun mit dir nicht weiter mehr. Doch wenn du für die Söhn' und dich auf deine Flucht Aus meinen Schäzen irgendwas empfangen willst; So rede: willig spend' ich euch mit voller Hand, An manchen Gastfreund Zeichen auch, dir wohlzuthun. Verschmähst du dies auch, eine Thorinn bist du dann; Doch bessern Lohn gewinnst du, hört dein Zurnen auf. Medeia. Nicht deiner Gastfreund' Einer darf mir Hülfe leihn, Auch nehm' ich niemals Etwas an: o gib mir Nichts; Nie frommen kann des schlechten Mannes Gabe mir. Jason. So ruf ich denn die Götter mir zu Zeugen, daß Ich Alles thun will, was den Kindern frommt und dir; Doch du verschmähst das Gute, stoßest trozigkalt Von dir die Freunde; desto schlimmer büßest du. (ab.) Medeia. Geh' hin! Die Sehnsucht nach der neuen Braut verzehrt Dein Innres, wenn du lange vor dem Hause säumst: Ja, nimm sie; denn du feierst (Götter, macht es wahr!) Wohl so die Hochzeit, daß du sie verwünschen wirst. Strophe 1. Chor. Wenn Liebe sich über das Ziel verirrte, hat sie Männern nie Würde verliehen und Ruhm; doch wenn sie bescheiden genug hat, Ist sie reizvoll, wie der Unsterblichen keine.[OCR note; compare the printed page.] Wörtlicher: Ist der andern Göttinnen keine so reizvoll. Compare printed p. 284 Sende niemals, Königinn, wider mich vom goldnen Bogen Deinen sichern Pfeil, getaucht in Sehnsucht! Gegenstrophe 1. Mich schmucke bescheidener Sinn, der Götter schönste Gabe, ſtets! Mige zu feindlichem Groll, unersättlichem Zwiste doch niemals Mein Gemüth die machtige Kypris entflammen Andrer Frauen wegen; und friedliche Liebe pflegend, schlichte Sie mit weisem Sinn der Ehen Zwiespalt! Strophe 2. Heimisches Land, väterlich Haus, Nie mog' ich von euch verbannt sein, Um Hülfeberaubt und rathlos Durch die Welt zu irren, Schmachtend in kläglicher Noth! In den Tod, in den Tod zu gehen wünscht' ich, Ehe dieses Loos sich an mir erfüllt: Denn der Heimat beraubt zu sein, Nenn' ich der Uebel größtes. Gegenstrophe 2. Sahn wir es doch, hörten es nicht Aus Anderer Mund erzählen: Kein Land ja, der Freunde keiner, Fühlt' um dich Erbarmen, Die das Unsågliche litt. Tod treffe den Frevler, der die Freunde Nicht verehrt, des reinen Gemüthes Thor Willig offnend dem Leide! Nie Werd' ich des Mannes Freund sein. Aegeus. Medeia, Heil dir! Wohl vermag der Freund dem Freund Mit einem schönern Gruße nicht zu huldigen. Medeia. Auch dir, Pandions edler Sohn, des Weisen, Heil! Von wannen, Aegeus, kommst du her in dieses Land? Aegeus. Von Phobos' altem, gottbetrautem Sehersiz. Medeia. Was führte nach der Erde heiligem Nabel dich? Aegeus. Ich forschte, wie mir mög' erblühn der Kinder Saat. Medeia. Gitter! War dein Leben bisher kinderlos? Aegeus. Wohl bin ich ohne Kinder durch ein herbes Loos.[OCR note; compare the printed page.] Anders: Wohl gönnte keine Kinder mir ein herbes Loos. Compare printed p. 284 Medeia. Ward ein Gemahl dir, oder lebst du unvermählt? Aegeus. Nicht ungebunden bin ich durch der Ehe Joch. Medeia. Was sagte Phobos in Betreff der Kinder dir? Aegeus. Ein Räthsel, dunkler, als ein Mensch es fassen kann. Medeia. Und darf ich wissen, was der Gott dir offenbart? Aegeus. Gewiß: ergründen kann es nur ein weiser Sinn. Medeia. Was also sagt er? Rede, wenn ich's horen darf. Aegeus. Des Schlauches Ende losen soll' ich nicht, bevor Medeia. Du was gethan hast oder kamst in welches Land? Aegeus. Bevor ich wieder angelangt am Vaterherd. Medeia. Wonach verlangend schiffst du nun in dieses Land? Aegeus. Pittheus gebietet dort im Land Trdzenia's. Medeia. Der frommste Sohn des Pelops ist er, sagen sie Aegeus. Ihm will ich Phobos' Seherspruch verkündigen. Medeia. Ein weiser Mann, mit solchen Dingen wohlbekannt. Aegeus. Von allen Kriegsgenossen mir der theuerste. Medeia. So lebe glucklich, was du wunschest, werde dir! Aegeus. Was zehrt' an deinem Körper, trübt dein Auge so? Medeia. Von allen, Vegeus, ist der schlimmste mein Gemahl. Aegeus. Wie sagst du? Deutlich nenne mir, was dich betrübt. Medeia. Mich kränkt der Gatte, welchem ich kein Leides that. Aegeus. Durch welche Handlung? Sage mir es deutlicher. Medeia. Daheim gebietet neben uns ein andres Weib. Aegeus. Er hatte wirklich diese Frevelthat gewagt? Medeia. Gewiß; und mich verschmäht er, die er einst geliebt. Aegeus. Um andre Frauen brennend? Oder haft er dich? Medeia. Unmäßig liebt er; Freunden ist er ungetreu. Aegeus. So sterb' er, ist er, wie du sagst, der schlechte Mann. Medeia. Nach einer königlichen Braut gelüstet ihn. Aegeus. Wer gab die Tochter ihm dahin? Sprich Alles aus. Medeia. Kreon, der König über dies Korintherland. Aegeus. Dann ist es wohl verzeihlich, daß du trauerst, Weib. Medeia. Ich bin verloren; und zudem vertreibt man mich. Aegeus. Wer das? Du nennst ein andres neues Ungemach. Medeia. Kreon vertreibt mich aus dem Land als Flüchtige. Aegeus. Und duldet Jason dieses? Auch das lob' ich nicht. Medeia. Den Worten nach nicht, doch im Herzen wünscht er es. Darum beschwör' ich flehend dich bei diesem Kinn, Bei deinen Knieen fleh' ich schuzberaubte dir: Erbarm', erbarme dich der Unglückseligen, Und laß mich nicht verlassen ausgestoßen sein; Nein, nimm in's Land an deines Hauses Herd mich auf! So werde dir die Liebe durch der Götter Huld Fruchtbar an Kindern, du beglückt im Tode noch! Noch weißt du gar nicht, welchen Fund du hier gethan: Ich schaffe, daß dir eine Kindersaat hinfort Erblühe; solche Zauber sind mir wohlbekannt. Aegeus. Um vieler Gründe willen werd' ich diese Gunst Dir gern erzeigen, erstlich, Weib, aus Götterfurcht, Sodann der Kinder wegen, die du mir versprichst. Denn wahrlich hierauf richt' ich all mein Sinnen nur.[OCR note; compare the printed page.] Nach der Erklärung des Scholiasten: εἰς τὸ παῖδας ποιῆσαι πάνυ ἐσπούδακα καὶ πρόθυμός εἰμι. Compare printed p. 284 Doch also steht es: wenn du kommst in mein Gebiet, So werd' ich gastlich euch empfahn, wie billig ist. So viel indessen sag' ich dir vorher, o Frau: Nicht führen will ich dich hinweg aus diesem Land; Doch wenn du selber meines Hauses Raum betrittst, So bleibst du sicher, Keinem geb' ich euch dahin. Nur ziehe selber aus Korinthos' Lande fort; Denn auch vor Fremden mocht' ich ohne Tadel stehn. Medeia. So sei es! Doch erlangt' ich dafür Sicherheit Von dir, so hatt' ich Alles, was ich haben muß. Aegeus. Vertraust du mir nicht? Oder was besorgst du noch? Medeia. Dir trau' ich; aber Pelias' Tochter hassen mich Und Kreon. Bände dich der Eid, so wehrtest du Wohl diesen, führten sie mich fort aus deinem Land; Und wie du mir gelobtest und den Göttern schwurst,[OCR note; compare the printed page.] L. ἐνώμοτος. Compare printed p. 284 So bliebst du Freund mir, ließest nicht durch Feindeswort Dich überreden. Ich bin schwach und ohne Macht,[OCR note; compare the printed page.] 2. οὐκ ἂν πίθοιο. Compare printed p. 284 Doch Jene måchtig und von königlichem Stamm. Aegeus. In deiner Rede zeigst du viel Vorsicht, o Frau; Doch wenn es also dir gefällt, ich weigr' es nicht. Denn meine Sachen stehen so gesicherter, Hab' ich vor deinen Feinden die Ausrede nur, Und auch die deinen: sage, was ich schworen soll.[OCR note; compare the printed page.] Anders: Sprich, bei wem ich schwören soll. Compare printed p. 284 Medeia. Beim Grund der Erd' und meinem Ahnherrn Helios Und aller Himmelsgåtter Macht beschwöre mir Aegeus. Was auszurichten, oder was zu lassen? Sprich! Medeia. Nie wollst du selbst mich treiben aus Athene's Land, Noch, wenn mich einer meiner Feind' entführen will, Hierin, so lang du lebest, ihm zu Willen sein. Aegeus. Bei Gda schwör' ich, bei dem Strahl des Helios Und allen Göttern, nachzuleben deinem Wort. Medera. Genug: und brichst du diesen Eid, was büßest du? Die Strafe, die dem Gottverachter widerfährt. Medeia. Zieh' hin in Freuden! Wohlbestellt ist Alles nun: Ich eil' in deine Stadt sogleich, vollbracht' ich erst, Was ich beschlossen, und erreicht' ich, was ich will. Chor. So leite dich Maja's herrschender Sohn Nach Haus; froh migst du vollenden das Werk, Auf das du bedacht in die Heimat eilst! Ich bab', Aegeus, Als wackeren Mann dich erfunden. (Aegeus ab.) Medeia. Zeus, und Dike, Tochter Zeus', und Helios! Nun werd' ich über meine Feind', ihr theuren Fraun, Ruhmvollen Sieg erringen, ich betrat die Bahn; Nun büßen, hoff' ich, meine Widersacher mir. Denn als ein sichrer Port erschien uns dieser Mann Für unsre Plane, da die Noth am großten war; An seinem Ufer knups ich fest des Steuers Tau, Wenn ich zu Pallas' hoher Stadt und Burg gelangt. Und nun eroffn' ich alle meine Plane dir; Doch nicht zu horen hoffe, was dich freuen wird. Zu Jason send' ich eine meiner Sklavinnen, Und bitte, vor mein Angesicht zu kommen, ihn; Mit sanften Worten korn' ich ihn, erscheint er dann, Auch mir gefalle dieses wohl; ich rühme laut Die Königsehe, die er schloß und uns verrieth, Und nenn' es heilsam Alles und wohlausgedacht. Dann für die Sohne bitt' ich, daß sie bleiben hier, Nicht, sie zurückzulassen auf dem feindlichen Gebiete, meiner Widersacher Spott zu sein;[OCR note; compare the printed page.] Anders: Gebiete, daß sie ein Gespött der Feinde sein. Compare printed p. 284 Die Königstochter råum' ich weg durch meine List. Denn mit Geschenken send' ich ihr die Kinder zu, Daß hier zu weilen ihnen noch gestattet sei; Wenn sie den Schmuck nimmt, und darein die Glieder hüllt, So wird sie gråßlich enden und wer sie berührt; In solche Gifte tauch' ich ein das Brautgeschenk. Doch dieser Rede werde hier ein Ziel gesezt. Ach aber, welche That ich dann vollbringen muß, Schaudr' ich zu sagen: meine Kinder werd' ich selbst Ermorden; Niemand rettet sie von Todesnoth. Und wann ich Jasons ganzes Haus verwüstete, Entrinn' ich aus Korinthos, fliehe vor dem Blut Der theuren Kinder, wenn ich that das Gråßlichste. Denn nicht erträglich ist der Hohn der Feinde mir. Was frommt das Leben? Fahr' es hin! Kein Vaterland, Kein Haus mir offen, keine Rettung aus der Noth! Ich fehlte damals, als ich meiner Ahnen Haus Verlassen, überredet durch des Mannes Wort Aus Hellas, der mit Götterhüls uns büßen wird. Denn lebend schaut er nie hinfort die Söhne, die Ich ihm geboren, auch die Neuvermählte soll Ihm keine Kinder schenken, da die Schlimme schlimm, So will's das Schicksal, sterben muß von meinem Gift. wähne Niemand, daß ich schwach und seige sei Und ruheliebend; immer war ich andrer Art, Furchtbar den Feinden und den Freunden wohlgesinnt; Denn solcher Menschen Leben krönt der höchste Ruhm. Chor. Nachdem du deine Plane mir geoffenbart, So wunsch' ich dir zu nüzen, und der Sterblichen Gesez verehrend, mahn' ich ab von dieser That. Medeia. Nicht anders ist es: aber dir vergeb' ich, daß Du so gesprochen; denn du leidest nicht, wie ich. Chor. Du willst es wagen, dein Geschlecht zu morden, Weib? Medeia. So krank' ich meinen Gatten auf das bitterste. Chor. Doch wirst du selbst der Frauen ungluckseligste. Medeia. Es sei! Zu viel ist Alles, was ihr weiter sprecht. (Zur Amme.) Wohlauf, und gehe, rufe mir den Jason her; Denn dich gebrauch' ich überall, wo's Treue gilt. Doch Nichts verrathe, was von mir beschlossen ward, Wenn du ein Weib bist und der Herrinn zugethan. Strophe 1. Chor. Erechtheus' Sohne, begluckt von Alters her, Ihr, die Kinder seliger Götter, im Land, Dem heilig unverwüstbaren, wo ihr am Born Herrlicher Weisheit trankt, und stets in dem heitersten Licht Des Aethers sanft hinwandeltet, wo die geweihten Neun Pieriden, die Musen, wie sie sagen, Einst Harmonia trug im Schooße: Gegenstrophe 1. Wo Kypria von des Kephissos reizender Welle schopft', (erzählt man,) und über das Land Hinwehen ließ mildathmenden, säuselnden Hauch Leiseverfliegender Lüfte, dann in die Locken sich stets Einwand die lieblichduftenden Rosengewinde, Und die Gespielen der Weisheit sandt', Eroten Mannichfaltiger Tugend Helfer! Strophe 2. Wie wird dich ein gastliches Land, Oder der heiligen[OCR note; compare the printed page.] Der heiligen Ströme Stadt ist Athen, am Kephissos und Ilissos gelegen. Compare printed p. 284 Ströme Stadt empfangen, Die Mörderinn deiner Kinder, Unheilige, dich? Mit Andern Erwäge der Söhne Mord, Die schreckliche That erwåge! Ach, alle bei deinen Knieen Beschworen wir alle dich: Nicht morde die Kinder! Gegenstrophe 2. Wie wirst du mit trozigem Muth[OCR note; compare the printed page.] Ich lese ex conjectura: πόθεν δὲ θράσος φρενὸς ἢ Χειρὶ τέκνων κάτα Καρδίᾳ θ᾽ ὁπλίζει; Compare printed p. 284 Gegen die Söhne dir Hand und Herz bewaffnen, Zum gråßlichen Morde schreitend? Wie magst du die Kinder ansehn, Und hemmen die Thran', und nicht Ablassen vom Mord? Du kannst nicht,[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Du kannst nicht, Wenn flehend vor dir die Knaben Hinsinken, in Blut die Hand Cintauchen mit Gleichmuth. Compare printed p. 284 Wenn flehend vor dir die Knaben Hinsinken, das Blutige Gleichmuthig vollenden! Jason. Gerufen komm' ich: wenn du mir auch feindlich grollst, Gewähr' ich dennoch diesen Wunsch, und mochte gern Erfahren, was du Neues, Frau, von mir begehrst. Medeia. Ich bitte, Jason: was ich vorhin sprach zu dir, Vergib mir; billig ist es, daß du meinen Zorn Ertrågst, nachdem wir uns gethan des Lieben viel. Ich ging in meinem Herzen mit mir selbst zu Rath, Ich habe mich gescholten: was, Unsinnige, Ergrimm' ich, ras' ich, wo man mir das Gute råth? Warum befeind' ich dieses Landes Könige Und meinen Gatten, der an uns das Beste thut? Die Fürstentochter freit er, meinen Sohnen zeugt Er Brüder: und ich sollte nicht vom Zorne ruhn? Was groll' ich, da die Gitter mir das Glück verleihn? Und hab' ich keine Kinder, ist mir unbekannt, Daß wir vertrieben, daß wir ohne Freunde sind? So dacht' ich und erkannte, daß unüberlegt Mein Thun gewesen, daß ich thoricht euch gegrout. Nun lob' ich's, acht' es kluggethan, daß Solche du Uns als Verwandte zugesellt: ich Thorichte, Ich hätte sollen deines Plans Genossinn sein, Ihn fördern helfen und an deinem Lager stehn,[OCR note; compare the printed page.] Weniger wörtlich, aber wohl entsprechender: Ihn fördern helfen und die Braut zuführen dir. Compare printed p. 284 Mich freuen sollen, selbst zu schmücken deine Braut. Wir sind nun einmal, wie wir sind, ich schelte nicht - Sind Weiber: also mußt du nicht den Bösen es Gleichthun; vergilt nicht thricht Thun mit thorichtem. Ich gebe nach, bekenne, daß ich's schlimm gemacht Damals; indessen überlegt' ich's besser nun. Kinder, Kinder, kommt zu mir, verlaßt das Haus, kommt, umarmt ihn, küsset ihn, und redet an Mit mir den Vater, und vergessen sei zugleich Die alte Feindschaft; auch die Mutter ist versohnt, Und Friede waltet zwischen uns, der Groll verschwand. Ergreift des Vaters rechte Hand! - Weh, wehe mir, Gedenk ich dessen, was ich tief verbergen muß! meine Kinder, werdet ihr die liebe Hand Noch lange so mir reichen? - Ich Unselige, Mein Auge schmerzt von Weinen, ich bin voller Furcht! Mit eurem Vater ausgesöhnt nach langer Zeit, Benezt' ich zarte Wangen mit der Thränen Flut. Chor. Hell brachen mir auch Zahren aus dem Auge vor: Und komme nur nicht großres Leid, als jezt, auf euch! Jason. Dies lob' ich, Weib, und daß du grolltest, tadl' ich nicht. Denn billig zürnt dem Gatten wohl der Fraun Geschlecht, Der heimlich einer Andern sich in Lieb' ergab. Nun hat dein Herz sich umgewandt zum Besseren, Und endlich einmal hast du dir den würdigern Entschluß erkoren: also thut ein kluges Weib. Doch eures Wohls, o Sdhne, war der Vater schon Durch Götterhuld voll zarter Sorgfalt eingedenk; Denn ihr, ich hoff' es, werdet im Korintherland Mit euren Brüdern noch dereinst die Ersten sein. • So wachset frohlich: alles Andre schafft für euch Der Vater, schaffen Götter, die uns gnädig sind. micht' ich glucklich euch an's Ziel der Männlichkeit Gelangen, einst als unsrer Feinde Sieger sehn! - (Zu Medeia.) Was nezt die Thrane wiederum das Auge dir? Die blasse Wange wendest du von mir zurück, Und nimmst die Worte, die ich sprach, nicht freudig auf. Medeia. Nichts ist es: ich gedachte nur der Kinder hier. Jason. Um diese trag' ich Sorge schon; sei gutes Muths. Medeia. Ich bin es, und mistraue deinen Worten nicht: Schwach sind die Frauen und zu Thränen stets geneigt. Jason. Warum beseufzest, Arme, du die Kinder? Medeia Ich Gebar sie. Als du wünschtest, daß sie wohlgedeihn; Da dacht' ich jammernd, ob es auch geschehen wird. Doch weißt du nun, weshalb ich hierher dich beschied, Zum Theil, das Andre thu' ich noch zu wissen dir. Da mir des Landes König fortzuziehn gebeut, Und das für mich das Beste, wohl erkenn' ich es, Damit ich dir nicht oder ihm im Wege sei, Denn bleibend schien' ich immer eures Hauses Feind: So scheid' ich als Verbannte zwar aus diesem Reich; Doch daß die Kinder mög' erziehen deine Hand, So bitte Kreon, sie im Land zu lassen hier. Jason Dazu bered' ich schwerlich ihn; doch sei's versucht! Medeia. So sende doch nur deine Braut zum Vater hin, Ihn anzuflehen, daß er sie im Lande läßt. Jason. Es sei: und sie zu überreden glaub' ich wohl, Wenn sie gesinnt ist, wie die andern Frauen sind.[OCR note; compare the printed page.] Anders: Wenn sie ein Weib ist, wie die andern Weiber sind. Compare printed p. 284 Medeia. Bei diesem Werke will auch ich dir Hülfe leihn: Ich will Geschenk' ihr senden, die nun, glaube mir's, Von allen auf der Erde weit die schönsten sind, Ein feines Festkleid, einen goldgewobnen Kranz Ihr durch die Kinder senden. Hole denn sofort Der Dienerinnen eine mir den Schmuck hieher! Glückselig wird sie, tausendfach, nicht Einmal nur, Die dich zum Ehgemahl' erhält, den besten Mann, Die nun den Schmuck errungen, den einst Helios, Des Vaters Vater, seinen Enkelkindern gibt! Nehmt hier die Hochzeitgaben, Sohn', in eure Hand, Und bringt der königlichen Braut, der glücklichen, Sie dar: empfangen wird sie nichts Verächtliches. Jason. Warum, o Thorinn, schenkst du das aus deiner Hand? Du meinst, an Golde mangl' es wohl im Königshaus, An Festgewändern? Schenke Nichts, behalt' es dir. Denn wenn die Jungfrau ihrer Lieb' uns würdig hålt, So zieht sie uns, das weiß ich, allen Scházen vor. Medeia. Nicht also! Gaben, heißt es, freun die Götter auch, Und tausend Reden übertrifft an Macht das Gold. Ihr lacht des Glückes Fülle, sie erhsht ein Gott, Die junge Braut herrscht; aber mit dem Leben selbst, Nicht bloß mit Golde, kauft' ich ab der Söhne Bann. Doch nun, o Kinder, geht hinein in's reiche Haus; Die neue Frau des Vaters, meine Königinn, Fleht an, erbittet, daß man euch hier bleiben läßt, Und reicht den Schmuck ihr: dieses thut am meisten Noth, Daß sie mit eignen Hånden unsre Gab' empfångt. Geht ohne Shumen; bringt erwünschte, gluckliche[OCR note; compare the printed page.] Man lese: Geht ohne Säumen; nach bestelltem Werke bringt Erwünschte Kunde dessen, was die Mutter hofft. Compare printed p. 284 Botschaft von Allem, was sie hofft, der Mutter heim! (Jason ab mit den Kindern.) Strophe 1. Chor. Nun hoff' ich die Sohne nicht lebend mehr zu schaun, Nimmermehr! Sie gehen bereits in den Tod hin. Einen Kranz, goldfunkelnd, empfångt die Vermählte, Ihren Fluch empfängt die Arme, Und in das blonde Geflecht Der Locken heftet sie des Todes Schmuck mit eignen Hånden. Gegenstrophe 1. Wohl wird sie der göttliche Glanz anlocken, sich Mit dem Festkleid und mit dem Kranze zu schmücken: Ja, sie schmuckt im Hades sich bald zu dem Brautfest. Fallen wird sie, ach! in solches Nez, und des Todes Geschick Entrafft die Arme; diesem Fluche Wird sie nicht entrinnen. Strophe 2. Unglücklicher, armer Verlobter, Unsers Königs Eidam, Du verhångst Verderben Unwissentlich über die Sohn', und bringst Der Braut unseligen Tod! Wie wenig, ach, kennst du deine Leiden! Gegenstrophe 2. Dein Trauergeschick, o Medeia, Klag' ich, arme Mutter, Die du dich bereitest, zu ermorden die Söhn' um das bråutliche Bett, In welchem der frevelnde Mann Der Andern beiwohnt und dich verstoßen! Der Hofmeister (mit den Kindern). Vom Banne sind, o Herrinn, deine Söhn' erldst, Und froh empfing die königliche Braut von uns Die Gaben: Friede haben nun die Kinder dort. Ach! Hofmeister. Was stehst du niedergeschlagen, da du glucklich bist? Weh, weh! Zu meiner Botschaft stimmen solche Laute nicht. Medeia. Und aber weh mir! Hofmeister. Meldet' ich ein Ungemach? Ich hoffte, Frohes kundzuthun, und tauschte mich ? Medeia. Du meldest, was du melden mußt; dich schelt' ich nicht. Hofmeister. Was senkst du denn die Blicke, brichst in Thränen aus? Medeia. Nothwendig, Alter, muß ich das; denn Solches hat Ein Gott und mein verkehrter Sinn mir zugetheilt. Hofmeister. Getrost! Zu deinen Kindern kehrst du heim dereinst. Medeia. Und Andre fördr' ich früher heim, ich Elende. Hofmeister. Du wardst von deinen Kindern nicht allein getrennt: Was ihm verhångt ist, trage leicht der Sterbliche! Medeia. Das will ich: aber gehe nun in's Haus hinein, Und gib den Knaben, was du täglich geben mußt. Ihr habt, o Kinder, Kinder, Haus und Vaterstadt, Worin ihr wohnen werdet, mich Ungluckliche Verlassend, curer Mutter allezeit beraubt: Ich muß verbannt auswandern fern' in fremdes Land, Bevor ich froh ward eurer, und euch glucklich sah, Bevor ich Hochzeitlager und die junge Braut Euch schmuckt', und Hochzeitsackeln euch anzündete. Weh, daß ich also starrgesinnt und trozig war! Umsonst, o Kinder, hab' ich großgezogen euch, Umsonst geduldet, mich in Mühen abgehårmt, Und bei Geburten grauenhafte Qual gefühlt. Wohl trug ich Jammervolle mich mit Hoffnungen Vielfach, im Alter würdet ihr mich pflegen einst, Mich wohl bestatten, wenn ich abgeschieden bin: Beneidenswerthes Menschenloos! Nun ist sie hin, Die süße Sorgfalt; euer werd' ich nun beraubt, Und leb' ein qualvoll Leben, mir zur Trauer nur. Entrückt in andre Lebensbahnen, werdet ihr Die Mutter nie mit euren Augen wiedersehn. Ach, ach! Warum, o Kinder, blickt ihr so mich an? Was lächelt ihr mit eurem lezten Lächeln_mir? Weh, was beginn ich? Herz und Muth entschwinden mir, Seit ich, o Fraun, der Kinder klares Auge sah. Nein, nein, ich kann nicht! Fahre wohl, mein voriger Entschluß! Die Kinder führ' ich aus dem Lande weg. Was soll ich, ihren Vater durch ihr Leidensloos Betrübend, zwiefach herbes Leid bereiten mir? Nein, nimmermehr! Fahrt hin, Entschlusse, fahret hin! Was aber thu' ich? Soll man mich verlachen, daß Ich meine Widersacher ungestraft entließ? Es muß gewagt sein! Ueber mich Feigherzige, Den weichen Worten Raum zu leihn in meiner Brust! Geht, Kinder, geht in's Haus hinein! Wem's nicht geziemt, Dem Opfer anzuwohnen, der entferne sich: Nicht durch ein feig Erbarmen schand' ich meine Hand. Ach, ach! Nein, nein, o Seele, denke dies Verwegne nicht! Dlaß die Kinder, schone sie, Unselige! Mit dir im Banne lebend, sind sie Wonne dir. Nein, bei den Rachegeistern dort in Hades' Nacht! Nie soll's geschehen, daß ich meine Kinder selbst - Hingåbe, meiner Widersacher Spott zu sein! Das ist beschlossen, das besteht unwandelbar. Auf ihrem Haupte ruht der Kranz, die Fürstenbraut Stirbt schon in meinem Kleide, sicher weiß ich das. So geh' ich nun den jammervollsten Weg dahin, Und diese send' ich einen jammervollern noch. Ich will die Söhn' anreden. Reicht, o Kinder, reicht Der Mutter eure Rechte, sie zu küssen, dar. liebe Hände, lieber Mund, liebreizende Gestalt, o meiner Kinder edles Angesicht! Ja, werdet glucklich, aber dort! Der Erde Glück Nahm euch der Vater. Lieblich hold Umfangen, ach, Du süßer Hauch des Athems, weicher. Wangen Roth! Geht, geht, o Kinder; nimmermehr vermag ich es, Euch anzublicken, ich erliege meinem Leid. Wohl fühl ich, welchen Grauel ich vollbringen will; Doch über mein Erbarmen siegt des Zornes Wuth, Die stets die größten Leiden bringt den Sterblichen. (ab mit den Kindern in den Palast.) Chor. In die Tiefen der Weisheit hab' ich mich oft Schon sinnend vertieft, und kecker gekämpft, zu durchforschen die Wahrheit, als es geziemt Dem Geschlechte der Fraun: denn Sinn und Geist Ward uns auch verliehn, und die Muse besucht, Lehrt Weisheit uns, - nicht jegliche zwar; Denn wenige der Art fåndest du wohl In der Menge heraus: Wir lieben die Künste der Musen. So sag' ich es denn: ein Sterblicher, der Unkundig der Eh' hinlebt und nie Nachkommen erzeugt, ist glucklicher, als, Der Kinder erzielt. Wer keine gezeugt, lebt, sicher und frei Von mancherlei Mühn, sein Leben dahin; Er erfuhr niemals, ob, Vater zu sein, Uns Freud', ob Kummer bereite. Wem aber im Haus ein holdes Geschlecht Von Kindern erbluht, den seh' ich verzehrt Von Bekümmerniß all sein Leben hindurch. Erst muß er sorgen, sie gut zu erziehn, Und woher er schaffe des Lebens Bedarf; Dann weiß er niemals, ob er sich auch Für wackere, nicht Für entartete Kinder geängstigt. Doch Eins noch nenn' ich von Allem zulezt, Für die Sterblichen all' ein hartes Geschick. Zu genügendem Wohlstand kam er empor, Untadelich blühn, vollkräftig erstarkt, Ihm die Söhne heran: zeigt nun sich ein Gott Feindselig, wie hier, dann raffet der Tod In des Hades Nacht ihm die Kinder hinab. Was frommt's nun, daß zu dem übrigen Leid Auch dies noch, diesen entsezlichsten Schmerz Um der Kinder Verlust, Uns Sterblichen fügen die Götter? Medeia. Schon lang des Ausgangs harr' ich hier, geliebte Fraun, Und blicke nach dem Hause, wie's dort enden wird. Doch nun gewahr' ich einen dort sich nähern uns Der Diener Jasons; sein erregter Athem zeigt, Er wird ein neues Uebel uns verkündigen. Bote. Du, die so schwere, grausenvolle That verübt, Medeia, fliehe, fliehe, nicht ein schwimmendes Fahrzeug verschmåhend, noch der Råder raschen Flug! Medeia. Was ist geschehen, daß du mahnst zu solcher Flucht? Bote. Todt ist die königliche Braut, auch Kreon starb, Ihr Vater; deine Zauberei'n entseelten sie. Medeia. Das schönste Wort war dieses: dafür wirst du mir Wohlthäter fortan, wirst du stets mein Freund genannt. Bote. Wie sagst du? Denkst du richtig, Weib, und rasest nicht? Geschåndet ist das königliche Haus, und das Vernimmst du freudvoll, nicht mit Graun erfüllt es dich? Medeia. Ich könnte wohl auf deine Worte dir, o Freund, Etwas erwiedern; aber eile nicht so schnell: Erzähle, wie sie starben; doppelt wirst du mich Erfreuen, wenn sie schmählich umgekommen sind. Bote. Als mit dem Vater deiner Söhne Paar erschien, Und in der Braut Gemächern eingetreten war; Da freuten wir uns, die betrübt dein Ungemach, Wir Sklaven: vielfach raunten wir uns gleich in's Ohr, Du mit dem Gatten hast entsagt dem alten Zwist. Der küßt die Hände, jener küßt das blonde Haupt Der Knaben; und ich folge selbst ihm freudenvoll Mit deinen Kindern nach der Fraun Gemächern hin. Die Herrinn, die wir ehren jezt an deiner Statt, Ließ, eh sie deiner Söhne Paar ansichtig ward, Auf Jason freudig liebevoll ihr Auge ruhn; Doch nun verhüllte sie sofort ihr Angesicht, Die weißen Wangen wandte sie voll Scheu zurück, Als deine Söhn' eintraten: aber dein Gemahl, Bemüht, der Jungfrau Zurnen abzuwehren, sprach Die Worte: „feindlich hasse nicht die Freunde mehr, Laß ab zu grollen, wende mir dein Auge zu, Und achte die für Freunde, die dein Gatte liebt: Nimm ihre Gaben, flehe, daß dein Vater, mir Zuliebe, meinen Kindern hier den Bann erläßt." Da sie den Schmuck erblickte, hielt sie nimmer sich, Versprach dem Gatten Alles, und bevor er noch Mit deinen Kindern weit entfernt vom Hause war, Nahm sie das bunte Festgewand und legt' es an, Und auf die Locken sezte sie den goldnen Kranz, Trat vor den blanken Spiegel dann, und ordnete Das Haar, und lächelt' heiter an ihr todtes Bild. Vom Throne drauf erstand sie und durchwandelte Die Halle, leicht hinschreitend mit dem weißen Fuß, Und überfroh der Gaben, oft und manchesmal Das Auge weidend an der hohen Wohlgestalt. Nun aber war ein kläglich Schauspiel anzusehn. Denn schnell die Farbe wechselnd, taumelt sie zurück, An allen Gliedern bebend, und gelangte kaum Zum Throne wankend, eh sie ganz zu Boden sank. Und eine graue Dienerinn (sie glaubte wohl, Pan's oder andrer Götter Zorn walt über ihr,) Erhob ein lautes Beten, bis sie weißen Schaum Um ihre Lippen, und den graf verdrehten Blick Der Augen, und die Wangen sah blutlos und bleich. Da stöhnt sie bittre Klagen aus statt eifriger Gebete: gleich lief Eine nach des Vaters Haus, Die Andre nach dem neuvermählten Eheherrn, Das Leid der Braut zu melden; und von eilenden Fußtritten drohnte ringsumher das ganze Haus. Nun hatt' ein rascher Läufer wohl das Ziel erreicht, Der auf der weitgestreckten Bahn die Füße hebt: Da fuhr die Jammervolle, die lautlos und starr Mit zugeschlossnen Augen lag, wildstihnend auf; Denn doppelt zog Verderben wider sie heran. Der goldne Kranz um ihre Schlafe, (wunderbar!) Er stromte Glut von allverzehrendem Feuer aus; Das feine Kleid, das deine Kinder ihr verehrt, Schmiegt' an der Armen weißes Fleisch sich zehrend an. Sie flieht, vom Thron' aufspringend, durch die Flamm' erfaßt, Und schuttelt hierhin, schuttelt dorthin Haupt und Haar, Den Kranz hinwegzuschleudern; doch fest hafteten Des Goldes Fesseln, und es flammt', indessen sie Die Locken schuttelt, zweimal noch so stark die Glut. Sie stürzt, erliegend ihrem Leid, zur Erde hin, Unkenntlich Allen, nur erkannt vom Vater noch; Denn weder sah man ihrer Augen Lage, noch Ihr edles Antliz, und das Blut entsprudelte Der Scheitel und vermischte mit dem Feuer sich; Wie Fichtenthrånen, troff das Fleisch, vom Körper sich Ablåsend, durch des Giftes unsichtbare Wuth; Ein klåglich Schauspiel! Anzurühren scheun wir uns Die Todte; denn vorsichtig macht' uns ihr Geschick. Dem armen Vater ahnte Nichts von solchem Leid; Zum Hause kommt er eilend, sinkt zur Todten hin, Und stöhnt in bittern Klagen, und umschlingt und küst Den Leichnam, also sprechend: „unglückselig Kind! Ha, welche Gottheit hat so schmachvoll dich entseelt, Wer dich dem Greise, der am Rand des Grabes steht, Geraubt? D Tochter, wehe, stürb' auch ich mit dir!" Als er zu klagen und zu jammern aufgehört, Emporzurichten strebt' er da den greisen Leib; Doch, wie der Epheu an des Lorbers Zweigen, hing Er fest am Kleide: nun begann ein grauser Kampf. Sein Knie herauszuziehen müht der Alte sich, Sie zog es rückwärts; rang er dann gewaltiger, So riß er zerrend sich das Fleisch vom Körper ab. Zulezt erlosch das Leben und der Geist entfloh[OCR note; compare the printed page.] 2. ἀπέσβη. Compare printed p. 284 Dem Armen; nicht mehr siegt er über sein Geschick. Nun liegen sie, die Tochter und der Vater, todt Beisammen: thränenwürdig ist ein solches Loos8. Zu rathen, was dir frommen mag, enthalt ich mich; Denn selbst erkennst du, wie du deiner Straf entrinnst. Doch nicht zuerst heut acht' ich alles Menschliche Für einen Schatten, und erkläre sonder Scheu: Die klug sich dunken und mit Rednereien viel Sich wissen, seh' ich als die größten Thoren an. Denn auf der Welt lebt Keiner, der glückselig ist; Und stromte Reichthum dir in Fülle zu, du magst Vor Andern glücklich, aber nie glückselig sein. Chor. Die Götter scheinen vieles Leid an diesem Tag Auf Jasons Haupt zu häufen, und mit vollem Recht. Tochter Kreons, Arme, wie beklagen wir Dein Jammerschicksal, die hinab zum Thore wallt Des Schattenlandes, weil sie Jasons Gattinn ward! Medeia. Geliebte, fest ist mein Entschluß, aus diesem Land zu fliehn, sobald ich meine Sohn' ermordete. Und nicht in Trägheit zaudernd geb' ich sie dahin Zum Mord von einer anderen, von des Feindes Hand. Es gilt, sie müssen sterben; und, muß dieses sein, Will ich sie selbst ermorden, ich, die sie gebar! Wohlauf, o Seele, waffne dich! Was säumen wir, Die That zu thun, die grause, die nothwendig ist? Ergreif ein Schwert, du meine jammervolle Hand, Ergreif es, eile nach des Lebens düsterm Ziel, Sei nicht verzagt, und denke nicht, wie theuer dir Die Kinder waren, daß du sie gebarst. Vergiß[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Vergiß Nur dieses kurzen Tages Frist die Kinder, und Dann weine. Compare printed p. 284 Nur dieses Tages Dauer, daß du Mutter bist; Dann weine! Todtest du sie gleich, doch waren sie Dir theuer; doch du bist ein unglückselig Weib! (ab in den Palast.) Strophe. Chor. Dweh, Erd' und allleuchtender Strahl des Helios, du! D seht, seht sie an, Das unselig grause Weib, ehe sie Die blutvolle Hand hebt zu der Söhne Mord! Sie sprossen ja von deinem goldnen Stamm; Ein Gråul war' es, wenn göttliches Geschlecht Fiele von Menschenhand. Darum, o heilig Licht, hemme sie, wehre sie, Treibe vom Haus die blutige Erinnys fort, Das Graun, das von Rachgeistern getrieben wird! Gegenstrophe. Umsonst littst du um die Kinder Schmerz, Umsonst also gebarst du den geliebten Stamm, Die' du der Symplegaden ungastlichem, Blaulichem Felsenpaar über das Meer entschifft! Warum, Arme, hat so schwerer Zorn Dein Herz übermannt, was tauschest du Feindlichen Mord um Mord? Denn das verwandte Blut, welches zur Erde floß, Drückt auf die Menschen schwer, sucht mit entsprechenden Qualen den Mörder heim, die ihm ein Gott verhängt. Der eine Sohn Weh, was beginn' ich? Wie entfliehn der Mutter Hand? Der andere Sohn Ich weiß es nicht, mein Bruder; sterben müssen wir. Chor. Horst du der Kinder Weheruf, horst du ihn? Dunholde Mutter, unselig Weib! Eil' ich in's Haus hinein? Den Mord wehren will Ich von den Kindern dort. Die beiden Sohne (innen). Ja, bei den Gottern, helfet! Wohl bedurfen wir's; Denn nah' umstricken uns des Schwertes Neze schon. Chor. Du bist Eisen, bist ein Fels, Elende, Daß du der Kinder Saat, die du gebarst, Also mit eignen Hånden hinmorden kannst! Nur Ein Weib der alten Welt, Eines nur, Hat an geliebte Kinder selbst Hand gelegt, Ino, von Götterwuth entflammt, als Here sie Aus ihrer Heimath fern' hinaus in die Irre trieb. In's Meer stürzt die Arme, die frevelhaft Die Sohn' hingewürgt, Den Fuß hinübersezend über des Meeres Strand, Und geht zu Grunde sterbend mit der Söhne Paar Wie mag Traurigeres noch sich begeben? D Du qualvolle Fraunliebe, du, Wie viel hast du schon der Welt Leid gebracht! Jason (eilt herbei.). Ihr Frauen, die ihr nahe diesem Hause steht, Verwelt in seinen Hallen noch Medeia, die[OCR note; compare the printed page.] Anders: Weilt noch in diesen Hallen, die den Gräul verübt, Medeia, oder wandte sie zur Flucht sich schon? Compare printed p. 284 Verübt den Frevel, oder ist sie schon entflohn? Sie muß im Erdenschooße tief sich bergen, muß Mit Flügeln sich erheben, traun? in Aethershöhn, Wenn sie dem königlichen Haus nicht büßen will. Sie, die des Landes Herrscherstamm ermordete, Hofft ungestraft aus diesem Hause fortzuflichn? Doch nicht um sie ja sorg' ich, um die Kinder nur; Die sie gekränkt hat, werden ihr vergelten noch. Zu retten meiner Söhne Leben, kam ich her, Daß nicht der Anverwandten Groll sie zürnend trifft, Und ihrer Mutter grausen Mord an ihnen racht. Chor. In welches Leid du hingerathen, weiß ich nicht; Sonst, armer Jason, sprächst du diese Worte nie. Jason. Was ist's? Beschlossen hat sie wohl auch meinen Tod? Chor. Die Hand der Mutter hat entseelt die Sohne dir. -[OCR note; compare the printed page.] Wörtlicher: Die Söhne starben durch die Hand der Mutter dir. Compare printed p. 284 Jason. Was sagst du? Wehe! Du vernichtest mich, o Frau. Chor. Ja, wisse, deine Kinder sind nicht mehr, o Fürst. Jason. Wo ward der Mord vollendet, innen oder hier? Chor. Thu' auf die Pforten, und du siehst der Söhne Blut! Jason. Lost ungesäumt die Riegel, macht die Fugen los, Ihr Sklaven, daß ich sehen mag das doppelte Unheil, die Todten, und den Mord bestraf an ihr. (erscheint mit den Leichen auf einem Drachenwagen in der Luft.) Medeia. Was rührst du, stürmst mit Hebeln diese Pforten auf, Nach Leichen spurend und nach mir, der Mörderinn? Laß ab von dieser Muhe: wenn du mein bedarfst, Sprich, was du wunschest; mich berühren wirst du nie. Mir gibt der Vater meines Vaters, Helios, Solch einen Wagen, der mich schirmt vor Feindeshand.: Jason. Du feindlich Scheusal, du, verhaßt den Himmlischen Und mir und allen Menschen, die das Todeserz, Die Mutter, frevelnd bohrt' in eigner Söhne Brust, Der Kinder mich beraubte, mich vernichtete, Und noch, nachdem sie Das verübt, der gråßlichsten Unthat sich unterfangen, Sonn' und Erde schaut: Stirb! Jezo werd' ich weise, damals ward ich's nicht, Als aus der Heimat, aus Barbarenländern ich Dich Fluch nach Hellas führte, dich Verrätherinn Des Vaters und des Landes, das dich auferzog. Als bösen Damon sandten dich die Götter mir, Dich, die den Bruder erst erschlug im Vaterhaus, Und Argo drauf, das schöngeschnabelte Schiff, bestieg.[OCR note; compare the printed page.] Anders: Und dann der Argo schöngebautes Schiff bestieg. Compare printed p. 284 In solcher Art begannst du, dann vermähltest du Dich mir, gebarst mir Kinder, und ermordetest Die Kinder, grollend um den neuen Ehebund. Kein Weib in Hellas håtte dies jemals gewagt; Und doch vor diesen wurdest du gewürdiget, Mein Weib zu werden, die du mein Verderben wardst, Du, eine Löwinn, nicht ein Weib, von wild'rer Art, Als Skylla tief im Meeresfels Tyrrhenia's. Doch dich ja könnt' ich nicht mit tausendfachem Hohn Verwunden; also herrscht in dir schamloser Troz. Verdirb, du Scheusal, das die eignen Sohn' erschlug! Mir ziemt es nur zu jammern über mein Geschick; Ich werde mich der neuen Ehe nicht erfreun, Ich kann die Sohne, die ich zeugt und auferzog, Nicht lebend mehr anreden: sie sind mir dahin. Medeia. Entgegen deinen Worten könnt ich lange wohl Die Rede dehnen, zeugte mir nicht Vater Zeus, Was du von mir erhalten, was du mir gethan. Du durftest nicht, nachdem du meinen Bund entehrt, Ein wonnig Leben führen und hohnlachen mir; Nicht ungestraft aus diesem Lande durfte mich Die Fürstinn treiben oder der sie dir vermählt. Nun nenne, wenn es dir gefällt, mich Lowinn nur Und Skylla, wohnend im Gekluft Tyrrhenia's;[OCR note; compare the printed page.] L. σπέος ξ. πέδον. Compare printed p. 284 Getroffen hab' ich nach Gebühr dein falsches Herz. Jason. Auch du ja trauerst, hast an meinem Leide Theil. Medeia. Gewiß, es list den Kummer, lachst du meiner nicht. Jason. Kinder, daß euch Mutter ward die Frevlerinn! Medeia. Sohne, daß ihr untergingt durch Vatersschuld! Jason. Doch meine Hand nicht war es, die sie mordete. Medeia. Dein neuer Ehbund aber und dein Uebermuth. Jason. Und war es, sie zu tödten, auch die Ehe werth? Medeia. Dem Weibe, meinst du, dünke das geringe Schmach ? Jason. Der weisen Frau wohl; aber dir ist Alles schlimm. Medeia. Sie leben nicht mehr; dieses macht dir bittern Schmerz. Jason. Sie leben, weh! sind råchend über deinem Haupt. Medeia. Die Götter wissen, wer des Leids Urheber war. Jason. Sie wissen wohl auch deinen abscheuwerthen Sinn. Medeia. Ich hasse dich; dein bittres Wort ist mir verhaßt. Jason. Und mir das deine; leicht ja wird das Scheiden sein. Medeia. Wie? Was beginn' ich? Scheiden ist auch mir erwunscht. Jason. Die Todten laß mich klagen und beerdigen. Medeia. Mit nichten: ich bestatte sie mit dieser Hand Im Hain der Hera, welche hier die Burg bewohnt, Daß nicht der Widersacher einer sie beschimpft, Ihr Grab verwüstend: hier im Land des Sisyphos Gedenk ich Opferweihen und ein hohes Fest Fortan zu stiften, Sühne für den grausen Mord. Nun aber eil' ich nach der Erechtheiden Land, Und wohne bei Pandions edlem Sohne dort. Du stirbst, ein Boser, bose, wie du wohl verdient, Anschauend unsrer Ehe jammervolles Ziel. Jason. Dich todte der Kinder Erinnys, dich, Und das blutige Recht! Medeia. Wo hört dich ein Damon oder ein Gott, Meineidiger, der Gastfreunde berückt? Jason. Weh', Frevlerinn, weh, Kindsmorderinn, dir! Medeia. Geh' hin in das Haus und bestatte dein Weib. Jason. Ich gehe, der beiden, der Kinder beraubt. Medeia. Noch jammerst du nicht: harre des Alters. Jason. theuerste Sohne! Medeia. Der Mutter, nicht dir. Jason. Und du mordest sie doch? Medeia. Dich kränkt ich damit. Jason. Ich Unglückseliger sehne mich, ach! An den Mund der Geliebten zu fügen den Mund. Medeia. Nun sprichst du sie an, nun kosest du sie, Und verstießest sie einst! Jason. Dvergonne mir, ach! Zu berühren die Wang' und den lieblichen Mund. Medeia. Niemals! In die Lüfte verscholl dein Wort. Jason. Zeus, hortest du, wie man mich ausstößt, ha! Was dulden ich muß von der Löwinn hier, Die frevelnd die eigenen Kinder erschlug? Doch was ich kann und so laut ich vermag, So jammer' ich laut zu den Göttern empor, Und rufe sie auf als Zeugen, wie Du Mir gemordet die. Sohn' und die Todten sodann Zu berühren verwehrst und zu bergen im Grab! Ach, zeugt' ich sie niemals! Såh' ich sie nie Von der eigenen Mutter erschlagen! Chor. Viel ordnet und schafft im Olympos Zeus, Auch Vieles verhängt unerwartet sein Rath, Und was du gehofft, vollendet sich nicht: Zum Unmoglichen findet die Bahn ein Gott. So endete dieses Begegniß.