Children of Heracles — Donner (1852), OCR review edition Euripides Johann Jakob Christian Donner OCR source collation, conservative repairs and citation alignment Editorial processing with Codex

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Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift von J. J. C. Donner. Volume 3. Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard supplied OCR, H3; running-text copy text. Independent BSB copy, page-coordinate OCR and facsimiles; used to check layout and notes.BSB digitization Source reviews and editorial inventory

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(Umher Tempel, wo man die Sohne des Herakles erblickt.) Jolaos. Schon lange fand ich dieses wahr in meinem Sinn :OCR review edition. D. citations belong to Donner; u marks unresolved verse division. Sources, repairs and unattributed notesDonner’s metrical analyses and notes: page facsimiles Für seine Nächsten schafft und wagt der edle Mann;[OCR note; compare the printed page.] Ὁ μὲν δίκαιος τοῖς πέλας πέφυκ᾽ ἀνήρ. Verbindet man ἀνήρ mit δίκαιος, so ist der Sinn des Verses so zu fassen: unusquisque vir bonus aliis, i. e. aliorum commodis, natus est. Man kann aber auch ἀνὴρ mit πέφυκε verbinden; dann müßte ἀνήρ, wie das römische vir, in der Bedeutung von vir fortis gefaßt werden, und zu übersezen wäre: vir fortis est aliis, i. e. alios juvat, vel cum suo periculo, er schafft und wagt für seine Nächsten. Compare printed p. 353 Doch wer das Herz auf eignen Vortheil nur gewandt, Ist Andern feindlich im Verkehr, unnüz dem Staat, Und sich allein ersprießlich. Wohl erfuhr ich das. Aus Mitgefühl, weil mir Verwandtschaft heilig war, Trug ich, der Eine, vieles Leid mit Herakles, Als er mit uns war, während ich behaglichfroh In Argos wohnen konnte; nun der Himmel ihn Aufnahm, bewahr' ich, Hülfe selbst bedurfend, hier Des Helden Kinder unter meinen Fittigen. Denn als ihr Vater dieser Erd' entschwunden war, Wollt' erst Eurystheus todten sein gesamtes Haus;[OCR note; compare the printed page.] Ueber Eurystheus s. meine Anmerkung zu den Trachinerinnen des Sophokles V. 1026. Compare printed p. 353 Doch ich entrann ihm und verlor mein Vaterland,[OCR note; compare the printed page.] L. ἀλλ' ἐξέδραν μιν. Compare printed p. 353 Mein Leben ward gerettet. Unståt floh'n wir dann Von einer Stadt zur andern ohne Wahl umher. Denn zu den andern Leiden sann der König auch Noch diese Schmach zu häufen auf Herakles' Haus: In welches Land wir fluchten, und er hört davon, Da fordern uns Herolde, da vertreibt er uns, Und droht mit Argos' Waffen, das, Freund oder Feind, Nicht klein zu achten, und zugleich mit eigner Macht. Und weil denn Alle sehen, wie machtlos und schwach Ich bin, wie klein die Kinder, die kein Vater schůzt; So fürchten sie den Stårkern und vertreiben uns. Ich Armer aber fliehe mit den fliehenden Heraklessöhnen, leide mit den Leidenden, Und will sie nicht verlassen, daß kein Sterblicher Mich schelte: „Seht die Kinder: nun ihr Vater schied, Beschůzt sie selbst Jolaos, ihr Verwandter, nicht!" So, ledig alles Schuzes im Hellenenland, Gelangten wir zur nahen Ebne Marathons, Und sizen hulfestehend an Altaren hier, Daß uns die Götter retten; denn dies Land bewohnt, Sagt man, der Theseussohne Paar, die durch das Loos[OCR note; compare the printed page.] Die Söhne des Theseus, der den Herakles auf seinen kriegerischen Zügen begleitete, sind Akamas und Demophoon. Compare printed p. 353 Es einst empfingen, stammend aus Pandion's Haus, Verwandt mit Diesen. Mso kam's, daß wir Athens Ruhmreiche Marken ausgesucht auf diesem Pfad. Zwei Greise führen schirmend an die Flüchtigen:[OCR note; compare the printed page.] Zwei Greise, Jolaos und Alkmene. Compare printed p. 353 Ich diese Knaben, deren Wohl mir Sorge macht; Des Sohnes zarte Tochter schirmt Alkmene selbst Mit treuen Armen, hat in diesen Tempel sie Gerettet: ungern lassen wir die schichternen Jungfrau'n im Volksgewühle steh'n am Opferherd.[OCR note; compare the printed page.] Ε. κἀπιβωμίες ἄγειν oder θακεῖν. Compare printed p. 353 Doch Hyllos samt den Brudern, die schon älter sind, Sucht eine Feste, wo wir uns ansiedelten, Wenn uns Gewalt aus dieses Landes Gau'n vertrieb. Kinder, hierher, Kinder! Kommt, fast mein Gewand! Dort seh' ich ihn, er schreitet wider uns heran, Des Königs Herold, der verfolgend uns bedrängt, Der uns aus allen Ländern bannt, die Flüchtigen! (Kopreus kommt näher.) Ha, stürbst du, Scheusal, sturbe, der dich hergesandt! So vieles Unheil hast du schon mit deinem Mund Der Kinder edlem Vater auch verkundiget! Kopreus. Wohl wahnst du hier an einen schönen Ruhesiz, Du Thor, in eine Freundesstadt gelangt zu sein? Doch wåre Jemand, welcher dich Unmåchtigen Zum Freunde sich erkore statt Mykene's Herrn?[OCR note; compare the printed page.] Mykene's Herrn, Eurystheus. Compare printed p. 353 Geh' hin! Warum dich also muh'n? Auf, hebe dich Nach Argos, wo du bußen wirst durch Steinigung! Jolaos. Mitnichten; Schuz ja bietet mir der Opferherd[OCR note; compare the printed page.] Daß unter dem θεός kein Anderer als Zeus gemeint ist, erhelt aus V. 70. Compare printed p. 353 Des Zeus und dieses freie Land, in das wir flohn. Kopreus. So willst du denn von Neuem diese Hand bemüůhn? Jolaos. Traun, nie gewaltsam führst du mich, noch diese fort. Kopreus. Du wirst's erfahren; schlimm geweissagt hast du dir. Jolaos. Das soll, so lang ich lebe, nimmerdar geschehn! Kopreus. Fort! Ich entführe diese, wenn du's auch verwehrst; Denn sie gehören, wo sie sind, dem König an.[OCR note; compare the printed page.] νομίζων ὑπέρ εἰσ' Εὐρυσθέως SC. εἶναι αὐτές, weil ich der Unsicht bin, daß sie, wo sie sind, des Eurystheus sind, dem Eurystheus angehören. Compare printed p. 353 Jolaos. Ihr, die von alten Zeiten her Athen bewohnt, O helft! Zu Zeus Agordos flehten wir, und seht![OCR note; compare the printed page.] Zeus heißt Agoräos, weil er auf der Agora einen Tempel hatte. Unter seinem Schuze standen hälflose Fremdlinge, weßwegen er auch Ζεὺς ξένιος und ἱκέσιος hieß. Compare printed p. 353 Gewalt geschieht uns, unsre Zweige sind entweiht,[OCR note; compare the printed page.] Schuzlose Fremdlinge trugen wollumwundene Delzweige in den Händen, und galten für unverlezlich. Compare printed p. 353 Die Stadt geschåndet, und der Götter Macht entehrt! (eilt herbei) Der Chor. Welch lauter Ruf erhob sich bei'm Altare dort? Ha! Welches Ungluck stellt er bald vor Augen uns? Jolaos. Sehet den schwachen Greis zur Erd' hingestreckt! Ich Unglücklicher! Wer warf dich so zu Boden, Unglückseliger? Der hier, o Fremdling! Deine Götter höhnend, schleppt Er uns gewaltsam vom Altar des Zeus hinweg. Der Chor. Aus welchem Lande kamest du zum Volk, o Greis, Der vier vereinten Städte?[OCR note; compare the printed page.] Ein Theil von Attika hieß Vierstadt (Tetrapolis), weil er aus vier Städten bestand, Marathon, Denoë, Probalinthos und Trikorythos. Compare printed p. 353 Zoget ihr von drüben her Mit Meeresrudern, von Eubda's Kuste?[OCR note; compare the printed page.] Euböa liegt der Küste von Attika gegenüber. Compare printed p. 353 Jolaos. O Freunde, nicht auf einer Insel leben wir; Nein, aus Mykend kamen wir in dein Gebiet. Der Chor. Mit welchem Namen, Greis, nannte dich Mykene's Volk? Jolaos. Ihr kennt den Waffenträger wohl des Herakles, Jolaos? Denn der Name blieb nicht ungenannt. Der Chor. Ich weiß, vernahm ihn ehe schon. Doch wessen sind, sage mir, Die Kleinen da, die du führst an deiner Hand? Jolaos. Das sind Herakles' Sohne: dich und deine Stadt Um Schuz, o Fremdling, anzuslehn, erschienen sie. Der Chor. Und was wollt ihr? Sag' es uns; oder wunscht ihr bei der Jolaos. Stadt Gehör? Nicht ausgeliefert werden, nicht gen Argos ziehn, Von deinen Tempeln mit Gewalt hinweggeschleppt. Kopreus. Doch nimmermehr genugt es also deinem Herrn, Der über dich gebietet, der dich findet hier. Der Chor. Bu scheuen ziemt sich, die der Götter Schuz erslehn, O Freund, und nicht Gewalt foll Sie vertreiben vom Göttersiz;[OCR note; compare the printed page.] Ε. ἀπολέγειν σφ᾽ ἕδη. ἀπολέγειν ist verbieten, verweigern. Compare printed p. 353 Dike, die hohe, duldet den Frevel nicht. Kopreus. So sende heim, die meines Königs Knechte sind, Und nimmermehr gebrauch' ich wider sie Gewalt. Der Chor. Ha, Schmach, Sunde war es, trieb' unsre Stadt flehende Wandrer aus! Kopreus. Doch ist es schon auch bösen Händeln fern zu sein, Und guten Rath zu hören, der das Bessre lehrt. Der Chor. So mußtest du's des Landes Herrscher sagen, eh Du solches wagtest, nicht gewaltsam vom Altar Fremdling' entfuhren, sondern scheun ein freies Volk. Kopreus. Und wer beherrscht denn dieses Land und diese Stadt? Der Chor. Des edlen Theseus hoher Sohn, Demophoon.[OCR note; compare the printed page.] Ukamas und Demophoon (Demophon) scheinen nicht ihr väterliches Reich getheilt, sondern abwechselnd das Ganze beherrscht zu haben; daher der Chor jezt nur den Demophoon nennt, und doch bald darauf beide Brüder auftreten. Bothe. Compare printed p. 354 Kopreus. Mit diesem also kämpfen wir wohl diesen Kampf Am besten; alles Andre sonst ist leer Geschwaz. Der Chor. Da kommt er eben selbst heran mit raschem Schritt, Dein Wort zu hören, samt dem Bruder Akamas. Demophoon und Akamas. Die Vorigen, (zu dem Chor.) Demophoon Nachdem ihr Hochbetagten uns, den Jüngeren, Zuvorgekommen, eilend hier an Zeus' Altar: Sprecht, welcher Zufall diese Schaar versammelte. Der Chor. Herakles' Kinder sizen hier und flehn um Schuz, Zeus' Opferherd bekränzend, wie du siehst, o Fürst,[OCR note; compare the printed page.] Die Schuzflehenden legten ihre Delzweige auf dem Altare nieder. Compare printed p. 354 Mit ihres Vaters treuem Freund Joleos.[OCR note; compare the printed page.] Joleos (viersylbig), eine andere Form des Namens Iolaos, wie Menelaos und Meneleos. Compare printed p. 354 Demophoon. Wozu bedurfte solcher Fall des Weherufs? Der Chor. Gewaltsam wollte Dieser sie vom Opferherd Entfuhren, tobte, warf den Greis zur Erde hin, Daß mir im Auge Thränen weckt das Mitgefühl. Demophoon. Wohl hat er, Hellas' Sitte treu, Gewand und Tracht; Das Andre, was er frevelt', ist Barbarenbrauch. (zu Kopreus.) Dir denn gebührt es, (zögre nicht,) mir kundzuthun, Aus welches Landes Marken du hieher gelangt. Kopreus. Von Argos bin ich; dieses willst du wissen ja: Weßhalb ich herkam und von wem, erklär' ich jezt. Mykene's Fürst, Eurystheus, sendet mich hieher, Ihm die zu bringen; Vieles, was das Recht gebeut, Hab' ich zu sagen und zugleich zu thun, o Freund. Denn, selbst Argeier, führ' ich nur Argeier heim, Hier diese, die aus meinem Vaterland entflohn, Wo strenge Sazung über sie den Tod erkannt. Recht ist es aber, daß wir selbst, als freies Volk, Selbständig üben unser Recht durch unsre Hand. Sie kamen schon zu manches andern Volkes Herd; Wir aber hielten unverrückt am gleichen Wort, Und Keiner wagte sein Geschick herbeizuziehn. Doch floh'n sie hierher, weil sie Thorheit wohl an dir[OCR note; compare the printed page.] Ε. ἀλλ' ἢ τιν' εἰς οὲ με ἐν Compare printed p. 354 Gewahrten, oder wollten sie's im schweren Leid Erproben, ob du deinen Schuz, ob nicht, gewährst. Denn du, verstandlos, werdest dich, so wähnen sie, Von allem Volk in Hellas, wo sie hingelangt, Allein erbarmen ihrer schlimmberathnen Noth. Wohlan, erwäge! Wenn du sie aufnimmst in's Land, Und wenn du mir sie låssest: was ist dein Gewinn? Von uns erringst du diesen Dank zum Lohne dir: Du fågst zu deinem Reiche noch das machtige Kriegsheer von Argos und Eurystheus' ganze Macht. Doch wenn, gehorsam ihrem Wort und Klageruf, Du dich erweichen låssest; muß das Schwert den Kampf Entscheiden: denn das hoffe nicht, daß ohne Stahl Von unserm Volke dieser Streit geschlichtet wird. Was sagst du dann wohl? Welches Land ward dir geraubt, Daß Krieg mit Tiryns, daß du Krieg mit Argos willst?[OCR note; compare the printed page.] L. λῆς πόλεμον. Unders: Daß dich nach Krieg mit Tiryns, Urgos' Stadt, verlangt. In Tiryns war Herakles erzogen worden; daher er bei den Alten oft der Tirynthier heißt. Compare printed p. 354 Wer sind die Bundsgenossen, die du schirmst? Wofür Begråbst du deine Todten? Wohl wird böser Ruf Vor deinem Volk dich schånden, wenn um einen Greis, Der, so zu sagen, schon im Grabe wohnt ein Nichts, Und um die Knaben du versinkst in solchen Schlamm. Das Beste, Hoffnung, bluhe dir, erklärst du wohl. Was ist die Hoffnung gegen dein errungnes Gluck? Schön werden diese, reiften sie zu Jünglingen,[OCR note; compare the printed page.] Ε. καλῶς. Compare printed p. 354 Bewehrt mit Argos kämpfen, wenn dies deinen Muth Erhebt, und mittlerweile geht viel Zeit dahin, In der ihr unterginget. Darum folge mir! Nichts opfern sollst du, laß allein das Meine mich Von hinnen führen, und erwirb Mykene dir. Nicht wähle dir die Schlechten, was ihr gerne thut, Wo du der Bessern Liebe dir gewinnen kannst. Der Chor. Wer mag ein Urtheil fållen, wer das Rechte sehn, Bevor er sorgsam angehört der Beiden Wort? Jolaos. O Fürst, in deinem Lande will's die Sitte so: Zu reden, wie zu hören, ist mir freigestellt, Niemand verstößt mich ungehört, wie sonst geschah. Doch uns und diesen bindet nichts Gemeinsames;[OCR note; compare the printed page.] Anders: Doch zwischen uns und diesem ist kein Band, o Herr. Compare printed p. 354 Denn keinen Theil mehr haben wir an Argos' Land, Das uns verurtheilt, Haus und Heimat flohen wir: Wie könnte der nun fuglich als Mykener uns Nach Hause fordern, die er ausgetrieben hat?[OCR note; compare the printed page.] L. ὃς ἀπήλασεν χθονός. Compare printed p. 354 Fremdlinge sind wir. Oder dunkt es euch gerecht, Daß Hellas' Marken fliehe, wer aus Argos floh? Drum fliehn wir auch aus eurem Lande nicht; ihr treibt[OCR note; compare the printed page.] Ε. & γάρ. Compare printed p. 354 Aus Furcht vor Argos nicht Herakles' Kinder aus. Ist doch Athen kein Trachis, kein achaisches[OCR note; compare the printed page.] Von Trachis, einer thessalischen Stadt, kam Jolaos jezt mit den Söhnen des Herakles: denn Keyr, welcher dort herrschte, obgleich des vergötterten Helden Freund, hatte die Drohungen des Eurystheus gefürchtet, und die Flüchtlinge nach Attika gesandt. Bothe. Compare printed p. 354 Stadtlein, aus dem du diese wider Fug und Recht Vertriebst, die flehend am Altar Gelagerten, Nur Argos' Land erhebend, wie du's jezt erhebst. Denn thust du solches, und erfüllt Athen dein Wort:[OCR note; compare the printed page.] Ε. κρανῶσι, das als Futur sich an das Futur sem anschließt. Compare printed p. 354 Erkenn' ich nicht mehr in Athen die freie Stadt. Indeß - ich kenne seiner Bürger Sinn und Art: Sie stürben lieber; denn die Scheu vor schnöder That[OCR note; compare the printed page.] Für βάρος Ι. πάρος. Compare printed p. 354 Gilt edlen Männern höher als das Leben selbst. Genug von Atthis' Volke: denn zu großes Lob Ist auch gehässig, und ich selbst erinnre mich, Oft war mir's låstig, wenn man mich zu sehr erhob. Doch daß es dir gezieme, die zu retten, will Ich dir erklären, da du Herr im Lande bist. Pittheus war Pelops' Sprößling, Pittheus' Tochter war Aethra; von Aethra's Schooße ging dein Vater aus, Theseus. Vernimm nun, welches Stammes Diese sind. Ein Sohn, Alkmene's und des Zeus war Herakles, Alkmene Pelops' Enkelin. Dein Vater und Herakles also stammen ab von Einem Ahn. So bist du diesen blutsverwandt, o Demophon. Doch nicht Verwandtschaft, Andres noch gebietet dir, Den Kindern, Herr, zu vergelten. Denn ich, wisse, zog Einst aus mit Theseus als Herakles' Waffenknecht, Dem Gürtel nach, der manches Leben mordete;[OCR note; compare the printed page.] Dem Gürtel nach, dem Gürtel der Amazone Hippolyte, welchen Admete, des Eurystheus Tochter, zu besizen wunschte. (Αδμήτη, ἡ Εὐρυσθέως θυγάτης, ἐπεθύμησε τὸν Ἱππολύτης κτήσασθαι ζως ῆρα.) Herakles zog mit seinem Freunde Theseus aus, und erbeutete ihn nach schwerem Kampfe. Compare printed p. 354 Und aus des Hades Klüften führt' ihr Vater einst[OCR note; compare the printed page.] Eine der berühmtesten Thaten des Herakles war die Befreiung des Theseus aus der Unterwelt. Compare printed p. 354 An's Licht den Theseus; das bezeugt ganz Hellas uns. Für solche Wohlthat fordern sie zum Danke sich, Daß du sie nicht auslieferst, nicht gewaltsam sie Von deinen Göttern reißend aus dem Lande treibst. Denn dir vor Allem bringt es Schmach, Unheil der Stadt:[OCR note; compare the printed page.] Ε. σοὶ γὰρ τόδ' αἰσχρὸν χωρὶς, ἐν πόλει κακόν· nam tibi soli hoc turpe fuerit, civitati malum. Compare printed p. 354 Schuzfleh'nde, Flüchtling', Unverwandte (wehe mir! O blick auf sie, Herr!) mit Gewalt davongeschleppt! Nein, nimm die Zweige! Bei den Hånden fleh' ich dir, Bei diesem Kinne: laß Herakles' Kinder nicht Schmachvoll verstoßen, die du nahmst in deine Hut! Sei ihnen Anverwandter, sei der Armen Freund, Ihr Vater, Bruder, und ihr Herr! Denn alles dies Ist besser, als Argeiern unterthan zu sein. Der Chor. Ihr Leid vernehmend, fühlen wir Mitleid, o Fürst.[OCR note; compare the printed page.] Ε. τῶνδε συμφοράς. Compare printed p. 354 Daß wider Ungluck machtlos sei der hohe Stand, Erkenn' ich jezt am klarsten; sie, die Sprößlinge Des edlen Vaters, dulden unverdientes Leid. Demophoon. Drei Grunde zwingen, mahnen mich gebieterisch, Nicht auszustoßen, Alter, deine Fremdlinge. Vor Allem zwingt mich Zeus, an dessen Herde du Mit dieser jungen Freunde Schaar dich lagertest, Sodann Verwandtschaft und die Pflicht aus alter Zeit, Des Vaters wegen wohlzuthun den Kindern hier, was der Mensch am meisten fliehen muß - Und Schmach. die Denn wenn ich dulde, daß ein Fremdling mit Gewalt Beraubt den Altar, schein' ich nicht im freien Land Zu wohnen, sondern Argos' Herrn aus feiger Furcht Schuzsleh'nde preiszugeben: Schmach, des Stranges werth! O wårest du beglückter diesem Land genaht! Doch, Alter, nun auch furchte nicht, daß Einer dich Und diese Knaben mit Gewalt von hier entführt. (zu Kopreus:) Du geh nach Argos und verkund' es deinem Herrn; Und hat er irgend Klage wider sie, so wird Sein Recht ihm werden; aber nie entführst du sie! Kopreus. Nicht, wenn's gerecht ist und mein Wort durch Grunde siegt? Demophoon. Schuzsleh'nde rauben mit Gewalt, recht wäre das? Kopreus. So wåre mir's nur Schande, doch dir schadet's nicht. Demophoon. Wohl, wenn ich dulde, daß du sie von hinnen schleppst. • Kopreus. Du treibe sie vom Lande; dann entführ' ich sie. Wie thöricht, daß du weiser als den Gott dich wahnst! Kopreus. Hierher, so scheint es, müssen wohl die Bösen fliehn. Demophoon. Schuzwehr, gemeinsam Allen, ist der Götter Siz. Kopreus. Nicht also dunken wird es wohl Mykene's Volk. Demophoon. Ich wäre denn in diesem Lande nicht der Herr? Kopreus. Nur kränke nicht Mykene, wenn du weise bist. Demophoon. Euch kränkt es, wenn ich Gotter nicht entheilige? Kopreus. Ich will nicht, daß du kriegen sollst mit Argos' Land. Demophoon. So denk' ich selbst auch; aber diese laſs ich nicht. Kopreus. Doch führ' ich sie von dannen, die mein eigen sind. Demophoon. Wohl schwerlich also kehrst du mir nach Argos heim. Kopreus. Versuchen will ich's, und sofort erfahr' ich es. (er springt auf die Knaben zu.) (vertritt ihm den Weg) Demophoon. Du sollst mir heulen, und sogleich, berührst du sie! Der Chor. Herr, einen Herold schlage nicht, bei den Göttern nicht! Demophoon. Auch, wenn der Herold Mäßigung nicht lernen will? (zu dem Herold) Du geh! - Und du berühre diesen nicht, o Kopreus. Fürst! Ich gehe: schwach ist Eines Mannes Arm im Kampf. Doch wieder komm' ich und mit mir im Erzgewand Der Streiter viel' aus Argos; zehen Tausende, Bewehrt mit Schilden, harren mein, Eurystheus auch, Der selbst das Heer befehligt; auf Alkathoos'[OCR note; compare the printed page.] Un den Gränzen des Alkathoos, d. i. an den Gränzen von Megaris, worüber Alkathoos, ein Sohn des Pelops, nicht lange vorher König gewesen war. Compare printed p. 354 Granzmarken stehend wartet er, was ihr beschließt. Doch deinen Troz vernehmend, kommt er ungestum Dir und den Bürgern, diesem Land und seiner Frucht; Nuzlos ja war' es, daß wir soviel Jünglinge In Argos hätten, wenn wir euch nicht zuchtigten. Demophoon. Verdirb! Vor deinem Argos heg' ich keine Furcht. Von hinnen sollst du diese nicht gewaltsam mir Zu meiner Schmach entführen! Argos' Volke ja Nicht unterthänig, sondern frei ist meine Stadt. (Kopreus geht ab.) Der Chor. Sei wachsam, die Zeit mahnt, eh sich das Heer An die Marken heran wålzt: mächtigen Kampf Liebt Argos ja, Doch heute gewiß noch mehr denn zuvor. Denn zweimal soviel, als wirklich geschah, Austhurmen, ist ewig der Herold' Art. Was, meinst du, sagt er dem Könige wohl? Daß er Arges erlitt und nahe bereits An dem Abgrund schwebte des Todes! Jolaos. Ein schön'res Erbtheil gibt es doch für Kinder nicht, Als edler, wackrer Våter Blut entsprossen sein, Und frei'n um edle Frauen. Wer, von Lust bethört, Mit schlechten sich verbindet, solchen lob' ich nicht, Daß er der Lust zuliebe Schmach den Kindern bringt. Denn båses Schicksal wehrt dir ab der edle Stand, Mehr als der Stand Unedler. Wir auch fanden ja Im lezten Unglück Freunde, Blutsverwandte hier In diesen Männern, die allein in Hellas' weit Bewohntem Land Herakles' Söhnen Schuz gewährt. Reicht ihnen, Kinder, eure Hand, o reicht sie dar, (Und ihr den Kindern:) tretet nåher hier heran. Ja, Kinder, ja, die Freunde haben wir erprobt! Drum, wann ihr einst in eure Heimat wiederkehrt, Und eures Vaters Ehr' und Haus zurückerlangt, Denkt immer, daß es eure Freund' und Netter sind, Und hebet niemals wider sie den Feindesspeer, An Dies gedenkend, sondern schizt als theuerste Von allen Städten ihre Stadt! Denn ehren müßt Ihr sie, die solchem Reiche, die Mykene's Volk Feindschaft zu bieten unserthalb sich nicht gescheut,[OCR note; compare the printed page.] L. ἡμῶν ὑπηλλάξαντο. Compare printed p. 355 Uns armen Heimatlosen hold; sie haben uns Nicht ausgeliefert, nicht verjagt aus ihrem Land. Ich werde lebend, edler Freund, und sterb' ich einst, Auch todt vor Theseus deine That mit hohem Lob Verkunden; freuen wird er sich, erzähl' ich ihm, Wie du Herakles' Kinder wohl aufnahmst und sie Beschůztest. Edel, schirmest du der Våter Ruhm Im Lande Hellas, und, gezeugt von Trefflichen, Bist du mitnichten schlechter, als dein Vater war, Wie wenig Andre; denn du triffst bei Vielen wohl Nur Einen, der nicht schlimmer als sein Vater ist. Der Chor. Stets, wie vor Zeiten, will Athen Unglucklichen Im Bund mit gutem Rechte treu zur Seite stehn. Drum hat es tausend Mühen für die Freunde schon Durchkampft, und heute, seh' ich, naht der neue Kampf. (zu Jolaos) Demophoon. Du sprachest wohl; auch diese werden also, Greis, Sich zeigen, hoff' ich: rühmen wird man solche Huld. Ich aber rufe zu vereintem Rath das Volk, Und ruste, daß ich Argos' Heer mit großer Kraft Empfange. Spåher send' ich ihm vor Allem zu, Damit es unversehens uns nicht überfällt; (Denn Alles eilt in Argos rasch zur Hülfe her:) Die Seher rufend opfr' ich dann. Du geh' ins Haus Mit diesen Knaben und verlaß des Zeus Altar. Denn Andre werden, ob auch ich dir ferne bin, Um dich besorgt sein. Gehe denn in's Haus, o Greis. Jolaos. Vom Opferherde weich' ich nicht; hier sizen wir Schuzfleh'nden, harrend, bis Athen es wohl vollführt. Doch wenn du rühmlich obgeſiegt in diesem Kampf, Dann gehn wir ein zum Hause. Herr, nicht schlechtere Gottheiten schirmen kämpfend uns, als Argos' Volk; Denn über ihm wacht Here, Zeus' Gemahl, und uns Schirmt Pallas. Doch zum Heile, mein' ich, frommt es auch, Wenn bessre Götter neben uns im Kampfe stehn; Denn überwinden wahrlich låßt sich Pallas nicht. (Demophoon geht ab.) Strophe. Der Chor. Prahltest du stolz, achten dich doch Andere drum nicht höher, Fremdling, kommend_von Argos![OCR note; compare the printed page.] Der von Argos kommende Fremdling ist Kopreus. Compare printed p. 355 Mit vermessenem Wort wirst du fürwahr Mich nimmer schrecken. Das sei ferne dem großen Lande, Der reizenden Flur Athena's! Du rasest und Sthenelos'[OCR note; compare the printed page.] Sthenelos' Sohn, Eurystheus. 〃 369 f. L. λέγω σ', εἰ πόλιν ἥξεις, ἐχ ὕτως ἃ δοκεῖς κυρήσειν. Compare printed p. 355 Sohn, der waltet in Argos! Gegenstrophe. Mann, in die Stadt kamst du, die nie Schwacher erschien als Argos, Willst, ein Fremdling, gewaltsam Schuzflehende, die, fluchtig, Athens Hut sich vertraut, vom Altar Reißen, beugst dich dem Herrscher nicht, Und kein anderes Recht erkennst du! Wo ziemte sich das, beherrscht Wahnsinn nicht die Gemüther? Schlußgesang. Ich verlange nach Frieden nur; Doch du, thörichter Herrscher, wirst, Wenn du kameſt an unsre Stadt, Nicht so leicht, was du wahnst, erlangen. Du schaltest ja nicht allein Mit ehernem Schild und Lanze. Erschuttere denn mit dem Speere,[OCR note; compare the printed page.] 2. ἀλλ', ὦ πολέμων ἐραςά. Compare printed p. 355 Kriegslustiger, nicht die Stadt mir, Die gerne mit Dank dir lohnte;[OCR note; compare the printed page.] Ε. τὰν εὐχαρίτως ἔχεσαν. Compare printed p. 355 Nein, zähme den Ingrimm! Demophoon. Jolaos. Der Chor. Jolaos. Was nahst du mir mit traurigernstem Blick, o Sohn? Du willst vom Feinde Neues uns verkündigen? Verzieht er, oder ist er da? Was hortest du? Denn daß ein Herold luge, furcht' ich nimmermehr. Mykene's Herrscher, der vordem so glucklich war,[OCR note; compare the printed page.] L. εὐτυχὴς τὰ πρόσθεν ὤν. Compare printed p. 355 Kommt, sicher weiß ich's, kommt heran in schwerem Zorn, Sich auf Athen zu stürzen. Aber Zeus bestraft Den allzufrechen Uebermuth der Sterblichen. Demophoon. Das Heer Mykene's und Eurystheus naht, der Fürst. Ich sah mit eignen Augen ihn: muß doch ein Mann, Der hoher Feldherrnkunde sich vor Andern rühmt, Die Feinde nicht durch eines Boten Auge sehn. In dieses Landes Fluren hat er seine Schaar Noch nicht gefuhrt; auf hohem Hügel lagert er, Und spåht und überlegt sich, so vermuth' ich wohl, Auf welchem Weg er ohne Kampf mit seinem Heer[OCR note; compare the printed page.] L. ποίᾳ προσάξει ςρατόπεδόν τ' ἄνευ δορός. Compare printed p. 355 Andringen, wo sich sezen mig' an sichern Ort. Was meines Amtes, ordnet' ich schon Alles ап. In Waffen sind die Bürger, Opferthiere stehn Bereit den Göttern, welchen sie zu schlachten sind; Die Seher weihen unsre Stadt durch Reinigung, Was Flucht den Feinden, und dem Volk Heil bringen wird. Die Spruchpropheten alle schon versammelt' ich, Und forschte wie nach offnen, so verborgenen Drakelworten alter Zeit, des Landes Heil. Und gar verschieden lauten die sonst überall; Doch als die Meinung aller tritt das Eine vor: Der Schattengottin soll ich (so gebieten sie) Ein Mädchen, edlen Vaters Kind, zum Opfer weihn. Ich hege nun zwar, wie du siehst, liebreichen Sinn Für euch; indeß die eigne Tochter mord' ich nicht, Noch zwing' ich andre Bürger, unfreiwillig das Zu thun: mit freiem Willen rast doch keiner so, Daß er die Kinder tödten wird, sein Theuerstes.[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Daß er die theuren Kinder aus den Händen gibt, nämlich zum Tode. Compare printed p. 355 Auch siehst du jezt wohl überall Versammlungen,[OCR note; compare the printed page.] Für πικρὰς 1. πυκνάς. Compare printed p. 355 Und Manche nennen's billig, daß ich Fremdlingen, Die Schuz erbitten, helse; doch schilt Mancher auch Auf meine Thorheit. Schirm' ich nun die Flüchtigen,[OCR note; compare the printed page.] Ε. εἰ δὲ δὴ δράσω τόδε. Compare printed p. 355 Bereitet sich im eignen Lande schon der Krieg. Da siehe du nun und ersinne Rath zugleich, Daß ihr gerettet werdet und dies Freundesland, Und ich daheim vor bösem Leumund sicher sei. Denn nicht als Herrscher walt' ich nach Barbarenbrauch; Nein, üb' ich selbst das Rechte, wird das Rechte mir. Der Chor. So wehrt ein Gott denn unsrer Stadt ihr frommes Werk, Die Fremden beizustehen stets so willig war? Jolaos. Kinder, Schiffern gleichen wir, die, wann sie kaum Des Sturmes wildemporter Wuth entronnen sind, Dem Lande nahe treiben; doch vom User stößt Sie Windestosen wiederum in's Meer zurück. So müssen wir auch wiederum von hinnen fliehn, Die schon am Ufer waren als Gerettete. Warum, o Hoffnung, schmeichelst du mir erst und willst Nicht deine Gunst vollenden, Unglückselige? Verzeihen muß man's Diesem wohl, wenn seinem Volk Er nicht die Töchter morden will: auch eurer Stadt Wohlwollen lob' ich; ordnen mir ein solches Loos Die Götter, traun, ist euer Dank euch nicht dahin. Für euch, o Kinder, weiß ich nur nicht Hülfe mehr. Wohin uns wenden? Welcher Gott ward nicht bekränzt?[OCR note; compare the printed page.] Man bekränzte die Bildsäulen der Götter, die man um Hülfe anrief. Compare printed p. 355 Zu welcher Ståtte flohen wir auf Erden nicht? Wir, Kinder, werden untergehn; uns stoßt man aus.[OCR note; compare the printed page.] Uns stößt man aus. Eigentlich: nos dedemur hosti, wir wers den (unserem Feinde) ausgeliefert werden. Compare printed p. 355 Zwar mich bekummert's nimmer, wenn ich sterben muß, Falls etwa meine Feinde nicht mein Tod erfreut. Nur euch bewein' ich, Kinder, euch bejammer' ich, Des Vaters greise Mutter, wie beklag' ich sie! Alkmena, weh dir, daß du lebst die lange Zeit! Und wehe mir auch, der so viel fruchtlos gekämpft! So mußten wir denn, mußten, ach! in Feindes Hand Schmachvoll verstrickt, in Schande klåglich endigen ! Doch thue mir noch Eines: denn nicht völlig schwand Mein Hoffen, Rettung könne noch für diese blühn. Mich übergib an Argos statt der Kinder, Herr, Und stürze dich in keinen Kampf, ich rette sie: Mein Leben lieben darf ich nicht; es fahre hin! Auch trachtet Argos' König wohl vor Allen mich, Herakles' treuen Waffenknecht, der Schmach zu weihn; Denn thöricht ist er. Lieber wünscht ein Weiser sich Feindschaft mit Weisen, als mit thöricht rohem Sinn; Denn auch das Ungluck achtet er voll edler Scheu.[OCR note; compare the printed page.] L. πολλῆς γὰρ αἰδῶς κἀτυχής τις ἂν τίχοι SC. παρὰ τε σοφέ. Compare printed p. 355 Der Chor. Mein Alter, wålze keine Schuld auf diese Stadt. Vielleicht ersprießlich, aber doch ein arger Schimpf Wår's uns, begingen wir Verrath an Fremdlingen. Demophoon. Du sprachest edel, aber willst Unmögliches. Nicht dein begehrend führt der Fürst sein Volk hieher: Was kann's dem König frommen, stirbt ein alter Mann? Nein, diese Kinder will er nur getödtet sehn. Denn furchtbar ihren Feinden sind aufsprossende Sohn' edler Våter, deren Schmach sie råchen einst. Und dieses muß er alles wohl beherzigen. Doch, weißt du sonst uns einen Nath, der besser ist, Eil' ihn zu melden; bin doch ich rathlos, nachdem Der Spruch mir kundgeworden, und von Furcht erfüllt. (Demophoon geht ab.) Makaria (kommt aus dem Tempel.) Iolaos. Der Chor. Makaria. Daß ich heraustrat, scheltet nicht Verwegenheit, O Freunde; dieses bitt' ich mir vor Allem aus. Denn eine Frau ziert Schweigen, ziert Bescheidenheit Am schönsten, und im Hause harrend still zu sein. Nur weil ich deine Klagen hört', erschien ich hier, Jolaos, nicht als Sprecherin für mein Geschlecht. Wohl wår' ich dazu tüchtig; denn schwer kummert mich Das Loos der Brüder, und um meinetwillen selbst Verlangt es mich zu hören, ob zur alten Noth Ein neues Leid gekommen, das dein Herz betrübt. Jolaos. O Kind, am meisten darf ich nicht erst heute dich Mit Recht vor Allen loben aus Herakles' Stamm. Uns schien von neuem euer Haus emporzubluhn, Und wieder sinkt's in rettungslose Noth zurück. Denn Spruchpropheten deuten, (sagt der König uns) Nicht Stier noch Kalb, nein, eine Jungfrau müsse man Zum Opfer bringen, die von edlem Vater sei, Soll unser Leben, soll die Stadt nicht untergehn. Da sind wir nun voll Sorge; denn sein eignes Kind Erklärt er nicht zu tödten, noch ein andres auch, Und sagt zu mir, nicht offen, doch er meint es wohl, Wenn keinen Ausweg wir erspåh'n in dieser Noth,[OCR note; compare the printed page.] Ε. μῆχος oder μῆχαρ έξευρήσομεν. Compare printed p. 355 So müssen wir nach einem andern Lande ziehn, Und selbst erretten will er dann sein Vaterland. Makaria. In dieser Weise könnten wir gerettet sein? Jolaos. In dieser; denn im Andern sind wir glucklich ja. Makaria. So zittre nicht vor Argos' Feindeslanze mehr. Denn ich bin selber, ehe man's gebeut, o Greis, Bereit zu sterben, biete mich als Opfer dar. Wie mögen wir's beschinen, wenn todbringender Gefahr sich unsertwegen unterzieht die Stadt, Wir aber, bürdend unsre Müh'n auf Andere, Da wir sie retten könnten, uns dem Tod' entziehn? Nicht also! Denn das wäre doch des Lachens werth, Wenn wir die Götter jammernd hier anfleh'n um Schuz, Und als des Helden Kinder, der uns Vater war, Muthlos erscheinen! Ziemte das für Edle wohl? Wohl schoner, mein' ich, wann die Stadt (nie komme das!) Erobert wird, ich fall' in Feindes Hand, und dann Erduld' ich, edlen Vaters Kind, das Schrecklichste, Und steige dennoch in des Todes Haus hinab! Doch, irrt' ich auch, von diesem Lande fern, umher, Wie soll ich nicht erråthen, wenn dann Einer sagt: „Was kamt ihr hierher mit dem Zweig als Flehende, Ihr, voll der Lust am Leben? Weicht aus diesem Land! Denn Feiggesinnten werden wir nie Schuz verleihn." Doch hoff' ich auch nicht, daß ich fortan glucklich sei, Wenn diese todt sind und ich selbst gerettet bin. Denn Mancher schon, dies hoffend, gab die Freunde preis. Wer wird ein hülflos Mädchen sich zum Weib ersehn? Wer wird sich Kinder wunschen, die mein Schooß gebar? Drum will ich lieber frühen Tod als unverdient Dies Loos erdulden. Einer Andern auch geziemt Das besser, die nicht hohen Stammes ist wie ich. O führt mich hin, wo sterben möge dieser Leib! Bekränzt mich, weiht zum Opfer mich, wenn's euch gefällt; Und dann besiegt die Feinde: denn dies Leben gibt Sich ohne Strauben willig hin; laut sag' ich es: Für meine Brüder leid' ich und für mich den Tod. Ich liebe nicht das Leben und so fand ich ja Der Wege schonsten, ruhmlich aus der Welt zu gehn. Der Chor. Was soll ich sagen, dieser Jungfrau großes Wort Vernehmend, die für ihre Brüder sterben will? Wer auf der Erde sprache wohl erhabener, Als diese, wo wagt' Einer solch ruhmvolle That? Jolaos. Von keinem Andern wurdest du gezeugt, o Kind, Nein, bist Herakles' Tochter, bist ein achter Sproß Des göttlich hohen Geistes; und ich schame mich Nicht deiner Worte, dein Geschick bejammr' ich nur. Doch wie's dem Rechte mehr genügt, vernimm von mir. Wir rufen deine Schwestern all' hierher, o Kind: Die, so das Loos trifft, sterbe dann für ihr Geschlecht; Daß du dahinstirbst ohne Loos, ist ungerecht. Makaria. Nicht sterben möcht' ich, wie's das Loos zufällig fügt; Damit gewonn' ich keinen Dank. Nicht also sprich! Nein, wenn ihr mich annehmet, wenn ihr meinen Muth Nicht wollt verschmåhen, geb' ich für die Brüder wohl Freiwillig dar mein Leben, doch gezwungen nicht. Ach! Jolaos. Dies Wort, es ist noch edler, als dein erstes war. Auch dieses klang hochst edel; aber du besiegst Durch Muth den Muth und durch ein wackres Wort das Wort. Doch nicht gebiet' ich, Tochter, noch verwehr' ich dir, Zu sterben; deinen Brüdern bringst du sterbend Heil. Makaria. Mit weiser Rede mahnst du mich. Durch mich Entweihung; laß mich Befurchte nicht frei den Tod bestehn. Und folge, Greis; in deinem Arme drångt es mich Zu sterben; sorgsam hulle mich in Schleier ein: Denn grausen Tod zu leiden geh' ich nun dahin, War anders der mein Vater, den ich Vater hieß. Jolaos. Ich kann bei deinem Tode nicht zugegen sein. Makaria. So bitte doch nur Diesen, daß in Frauenarm, Und nicht in eines Mannes Arm, mein Geist verhaucht. Demophoon. Das wird, o Jungfrau, wird geschehn, Ungluckliche; Auch mir ja wår' es Schande, nicht zu schmucken dich Für Vieles, für den hohen Muth, der dich beseelt, Und deinen Rechtsinn; denn die großgesinnteste Von allen Frauen hat in dir mein Aug' erkannt. Doch, drångt es dich, den Brüdern und dem Greise noch Etwas zu sagen: geh' und sprich dein leztes Wort! Makaria. O lebe wohl, Greis, lebe wohl, und lehre mir So sein, wie du, die Brüder, klug in Allem sein, Gleich dir: es braucht ja weiter nicht; denn das genügt. Doch strebend, sie zu retten, suche nicht den Tod. Die Deinen sind wir; deine Hånd' ernährten uns. Auch mich ja siehst du, welche für der Brüder Heil Ihr brautlich Leben opfernd sich dem Tode weiht. Und ihr, o Brüder, die mich hier vereint umstehn, O lebet glucklich, und es fall' euch Alles zu, Weßhalb mein Herz in blutigem Tode brechen wird! Und ehrt den Greis, des Vaters greise Mutter ehrt, Alkmenen, die im Heiligthume drinnen weilt, Und diese Gastfreund'. Endet eure Noth dereinst, Und haben gute Götter euch Heimkehr gegönnt; Denkt, wie ihr eure Netterin bestatten mußt! Aus's schönste wohl geziemt es: denn ich såumte nicht, Wo's euer Wohl galt, sondern starb für mein Geschlecht. Das ist ein unschäzbarer Lohn für Kinder mir, Für meine Jugend, wenn Gefühl in Todten ist. Doch möge dies nur schwinden! Denn wenn drunten auch Gram unser wartet, die zu Tod geboren sind: Wohin, wohin uns wenden? Für das mächtigste Heilmittel aller Uebel gilt ja doch der Tod. Jolaos. Du, die vor allen Frauen durch erhabnen Sinn So schön hervorstrahlt, wisse, wirst vor allen auch Verehrt von uns im Leben und im Tode sein. Nun lebe wohl, Kind; - scheu' ich doch die Göttliche,[OCR note; compare the printed page.] Jolaos sagt zu Makaria: lebe wohl, χαῖρε, d. i. freue dich, weil er die Göttin, der Makaria zum Opfer fallen soll, durch ein unglückliches Wort zu verlezen fürchtet. Bei Opfern und andern heiligen Handlungen vermied man sorgfältig alle Worte von übler Vorbedeutung, die Furcht oder Bedauern oder Unzufriedenheit mit dem Beschlusse der Gottheit ausdrückten, die das Opfer gefordert hatte. Compare printed p. 355 Kein Wort des Unheils krånke sie aus meinem Mund, Der du zum Opfer fallen sollst, Persephonen! (Makaria geht ab.) Wir sind dahin, o Kinder; unsre Glieder låst Der Gram. O faßt mich, lasset dort auf jenen Siz Mich nieder, Kinder, hullt mich ein in dies Gewand. Denn solche Schickung freut mich nicht; wohl Trauer nur War unser Leben, wurde nicht der Spruch erfüllt; Denn größres Leid kam: doch ein Ungluck ist auch dies. Strophe. Der Chor. Ohne die Himmlischen acht' ich der Sterblichen Keinen für glucklich, keinen für elend. Nimmer auch wandelt in Glück und in Seligkeit Ewig dasselbe Geschlecht; Ein Schicksal Folgt auf das andre, Hebt auf die Höhen des Lebens den Niedrigen,[OCR note; compare the printed page.] L. ἐφ᾽ ὑψηλῶν. Compare printed p. 355 Stürzt den Geweihten des Glückes in Irrsal.[OCR note; compare the printed page.] Ε. τὸν δ' εὐδαίμονα τεύχει ἀλάταν. Compare printed p. 355 Keiner entfloh dem Geschick; kein Weiser vermag ihm zu wehren; Wer es bekämpft, hat ewig vergebliche Mühe. Gegenstrophe. Du denn ertrage mit Muth die Verhangnisse, Hårme dich nicht unmåßig in Gram ab. Denn ein gepriesenes Loos hat Makaria Sterbend für Brüder und Land sich erkoren: Strahlendes Ruhmes Lebt sie hinfort in der Menschen Erinnerung. Tugend ja wandelt in Mühen den Pfad hin. Würdig des edlen Geschlechtes die That und würdig des Vaters! Ehrst du den Tod der Gerechten, ich ehr' ihn, wie du. Ein Diener. Iolaos. Der Chor. Später Alkmene. Der Diener. Heil euch, o Kinder! Sagt, wohin Jolaos sich Und eure Ahnfrau wegbegab vom Opferherd. Jolaos. Da bin ich, frommt dir etwas meine Gegenwart. Der Diener. Was liegst du hier am Boden, Gram im dustern Blick? Jolaos. Mich traf ein häuslich Leiden, das mich angstigte. Der Diener. Erhebe dich jezt wieder, richt' empor das Haupt. Jolaos. Ich bin ein Greis, und meiner Glieder Kraft entschwand. Der Diener. Doch komm' ich große Freude dir verkundigend. Jolaos. Wer bist du? Früher traf ich dich, wo war es doch? Der Diener. Ich bin des Hyllos Diener: nicht mehr kennst du mich? Jolaos. So kommst du, Lieber, aus der Noth ein Retter uns? Der Diener. Gewiß; und glucklich bist du ja schon jezt, o Greis.[OCR note; compare the printed page.] Glücklich bist du ja schon jezt, wegen der Kunde, die ich dir bringe. Compare printed p. 355 (ruft) Jolaos. Des edlen Sohnes Mutter, hör', Alkmene, mich: O komm heraus doch und vernimm dies Freudenwort. Schon lang dich hårmend, ob Herakles' Kinder auch Heimkehren würden, hast du dich in Schmerz verzehrt. (tritt aus dem Tempel.) Alkmene. Weßhalb erfüllst du mit Geschrei dies ganze Haus,[OCR note; compare the printed page.] 2. ἀϋτῆς. Compare printed p. 355 Jolaos? Uebt von neuem hier ein argischer Herold Gewaltthat gegen dich? Unmachtig wohl Ist meine Kraft; doch dieses sollst du wissen, Freund: Niemals, so lang ich lebe, führst du diese fort, Nie, oder will ich fürder nicht geachtet sein Des. Helden Mutter! Wenn du Hand an diese legst: Mit zweien Alten sollst du schlecht den Kampf bestehn. Jolaos. Getrost, o Greisin; zittre nicht! Kein argischer Herold erschien mit feindlichbosen Worten hier. Alkmene. Wozu der Ruf denn, welcher Furcht verkundete? Jolaos. Dir galt er, daß du nahe kåmst vor's Heiligthum. Alkmene. Ich wußte das nicht; aber wer ist dieser Mann?[OCR note; compare the printed page.] L. ἐκ ἦσμεν. Compare printed p. 355 Jolaos. Es komme deines Sohnes Sohn, verkundet er. Alkmene. O Heil auch dir, Freund, über der Verkündigung! Doch wenn er dieses Land betrat, was bleibt er fern,[OCR note; compare the printed page.] Eine doppelte Frage, die so zu erklären ist: τἱ ἄπεςι καὶ πὲ νῦν ἄπεςι; Compare printed p. 355 Wo weilt er jezt noch? Welcher Unfall hielt ihn ab, Daß nicht, mit dir erschienen, er mein Herz erfreut? Der Diener. Er stellt das Heer auf, das ihm folgt, und ordnet es. (will gehen.) Alkmene. An solcher Rede haben wir nicht weiter Theil. Jolaos. Doch; aber hier zu fragen, ziemt allein für uns. Der Diener. Was also willst du wissen, das mein Herr begann? Jolaos. Wie viele Bundsgenossen er dahergefuhrt? Der Diener. Viel! Andre Zahlen kann ich dir nicht nennen, Greis. Jolaos. Die Fürsten, hoff' ich, wissen das im Heer Athens. Der Diener. Ia wohl! Der linke Flügel ist schon aufgestellt. Jolaos. So steht das Heer gerustet, schon zum Kampf, bereit? Der Diener. Schon sind die Opfer vor die Schlachtordnung geführt.[OCR note; compare the printed page.] Ehe das Treffen begann, wurde vor der Schlachtordnung geopfert. L. τάξεων εὐχ ἑκὰς oder τάξεων πέλας, Compare printed p. 355 Jolaos. Wie weit entfernt ist aber Argos' Kriegesheer? Der Diener. Nicht ferne mehr; man kann den Feldherrn deutlich sehn. Jolaos. Was thut er? Sicher ordnet er der Feinde Reih'n. Der Diener. Ich meinte so; denn seine Stimme hårt' ich nicht. Doch nun enteil' ich, möchte nicht, daß ohne mich Mein Herr mit unsrer Feinde Heer zusammentrifft. Jolaos. Ich gehe mit dir: scheint es doch, wir denken gleich; Hülfreich den Freunden beizustehn, ist Beider Wunsch. Der Diener. Mitnichten, Alter, ziemte dir ein thöricht Wort. Jolaos. Auch nicht, in tapfern Freundeskampf nicht mitzuziehn. Der Diener. Du bist der Starke, der du warst, nicht mehr, o Freund. Jolaos. Was? Einen Schild durchbohren könnte nicht auch ich? Der Diener. Du könntest; vorher aber fielst du selber wohl. Jolaos. Der Feinde keiner hat den Muth, mich anzusehn. Der Diener. Nie kann der Blick verwunden, wenn der Arm erlahmt. Jolaos. Doch steh' ich jezt noch einer nicht geringern Zahl. Der Diener. Ein klein Gewicht nur legtest du den Freunden zu. Jolaos. D laß mich doch vollenden, was ich wohlbedacht! Der Diener. Du kannst es nicht vollenden; wollen magst du's wohl. Jolaos. Nicht langer bleib' ich; rede dann, was dir gefällt. Der Diener. Doch wie erschienst du waffenlos Bewaffneten? Jolaos. Kriegswehr, im Kampf' erbeutet, ist im Tempel hier: Die nehm' ich; lebend heimgekehrt, erstatt' ich sie; Denn sterb' ich, nimmer fordert sie der Gott zurück.[OCR note; compare the printed page.] Anders: Von einem Todten fordert sie kein Gott zurück. Compare printed p. 355 Nun geh' hinein, nimm eines Kriegers Waffenschmuck Vom Pflock herab, und bring' ihn ohne Shumen mir. Denn so das Haus zu huten, wåre Schmach: indeß Die Andern kämpften, blieben wir aus Furcht daheim! (Der Diener geht ab.) (zu Jolaos) Der Chor. Noch brechen die Jahre das Herz dir nicht; Frisch gluht es in Jugend; der Leib nur schwand. Was ringst du vergeblich um das, was dir Leid bringt und unserer Stadt kein Heil? Im Gefühle der Unmacht, zeige der Greis Sich lenksam, erſtreb' Unmögliches nicht! Nie mag es geschehn, Daß wieder ihm blühte die Jugend. Alkmene. Was willst du, deiner Sinne nicht mehr machtig, hier Allein mit meinen Kindern mich verlassen, Greis? Jolaos. Dem Manne ziemt Kampf; dir gebührt die Sorg' um sie. Alkmene. Wie aber, wenn du stürbest, wer beschirmte mich? Jolaos. Des Sohnes Söhne schůzen dich, die lebenden. Alkmene. Doch wenn sie (ferne bleibe das!) der Tod ereilt? (auf den Chor deutend) Jolaos. Nie (zittre nicht!) verlassen diese Freunde dich. Alkmene. So viel Vertraun wohl hab' ich; andres hab' ich Nichts. Jolaos. Auch Zeus erbarmt sich deiner Muh'n, ich weiß gewiß. Ach! Alkmene. Ich will des Gottes Namen zwar nicht låstern; doch, Ob er gerecht ist gegen mich, das weiß er selbst. (bringt die Waffen) Der Diener. Der Waffen Rüstung siehst du schon vollständig hier; Nun birg darin die Glieder ohne Zögern, Herr. Denn nahe droht der Kampf, und mehr als Alles haßt Ares die Säumer. Fürchtest du der Waffen Last, So gehe jezo waffenlos, und lege dann Im Heer den Schmuck an; unterdessen trag' ich ihn. Jolaos. Wohl råthst du. Komm denn, halte mir die Wehr bereit, Und trage sie; in meine Rechte gib den Speer, Und links den Arm mir stüzend, lenke meinen Schritt. Der Diener. Den Krieger führen soll ich denn, dem Kinde gleich? Jolaos. Des guten Zeichens wegen muß man sicher gehn.[OCR note; compare the printed page.] Des guten Zeichens wegen. Man hielt es für ein unglückliches Vorzeichen, wenn man mit dem Fuße anstieß. 1 726. Ε. δοκῶν, und beziehe dies Particip auf βραδύνεις. Compare printed p. 356 Der Diener. O daß du so nur könntest, wie dein Wunsch es ist! Jolaos. Fort, eile! Traurig ginge mir's, blieb' ich zurück. Der Diener. Du zauderst, (und nicht ich,) indeß du thätig scheinst. Jolaos. So siehst du nicht, wie dieser Fuß fortstrebt? Der Diener. Du scheinst Mehr wohl zu eilen, seh' ich, als du wirklich eilst. Jolaos. Das wirst du nicht mehr sagen, wann du dort mich siehst - Der Diener. Was willst du dort? Ich wunsche, daß es dir gelingt. Jolaos. Den Schild durchbohren Einem aus der Feinde Zahl. Der Diener. Ja, wenn wir einst hinkommen; das bezweifl' ich nur. Jolaos. Mein Arm, o daß du, wie wir einst in Jugendkraft Dich stark erfanden, als du dort mit Herakles[OCR note; compare the printed page.] Herakles überzog wegen der Ermordung des Deonos den Sparterkönig Hippokoon mit Krieg, überwand ihn, zerstörte Sparta, und sezte den vertriebenen Tyndareos wieder auf den väterlichen Thron. Compare printed p. 356 Sparta zerstörtest, heute mir verbindet wårst, So, daß ich Argos' König jagt' in wilde Flucht, Ihn, der zu seig ist, einem Speer zu widerstehn! Wohl ward mit Unrecht dieses auch dem Glucklichen: Er gilt für muthvoll und beherzt; wir wähnen ja, In allen Kunsten Meister sei des Glückes Sohn. Erste Strophe. Der Chor. Erd' und nachtlicher Stern, Selene, Und, leuchtend den Sterblichen, Ihr, Helios' lichte (Sie gehen ab.) Strahlen, o bringt mir die Kunde,[OCR note; compare the printed page.] L. ἀγγελίαν μοι ἐνέγκατ᾽. Compare printed p. 356 Und hell jauchzt in den Himmel auf, Zu Zeus' Thron und am Hause der Blaudugigen Pallas![OCR note; compare the printed page.] γλαυκᾷ τ' ἐν ᾿Αθάνα, et ad cæsiam Minervam, i. e. ad ædem cæsiæ Minervæ. Compare printed p. 356 Denn ich will um das Land der Heimat, Will kämpfen um meinen Herd, Weil ich Flehende aufnahm, Kämpfen tödtlichen Kampf mit grauem Stahle. Erste Gegenstrophe. Furchtbar, daß ein so glucklich Volk, wie Myken', in der Lanzen Sturm So groß, wider mein Land zürnt, Haß in der feindlichen Seele; Doch Schmach war' es, verriethen wir, O Stadt, flehende Fremdlinge, Weil's Argos gebietet![OCR note; compare the printed page.] 2. κελεύσμασιν "Αργες. Compare printed p. 356 Zeus kämpft neben mir, was verzagt' ich? Zeus schuldet mir billig Dank; Niemals werden die Götter Meines Landes vor Menschenmacht erliegen.[OCR note; compare the printed page.] L. ἐποτε θνατῶν ησσονες πρυτάνεις ἐμοὶ φανῦνται. πρυτάνεις έμο sind die Schuzgötter von Attika. Compare printed p. 356 Zweite Strophe. Auf, Ehrwürdige! Stadt und Land hier[OCR note; compare the printed page.] Die Ehrwürdige ist Pallas, die Schuzgöttin Athens. Compare printed p. 356 Sind dein, unsere Mutter bist du, Bist Herrin und Hüterin; So treib' ihn aus, der von Argos' Lande Frevelndes Sinnes ein kampfristiges Heer daherführt; Unsere Tugend verdient es nicht, des Heimlandes beraubt zu werden. Zweite Gegenstrophe. Doch dich feiern die Ehren reicher Opfer Alzeit, nimmer vergißt man deiner[OCR note; compare the printed page.] Jeden Monat wurden in Athen für das Wohl der Stadt Opfer gebracht, besonders der Pallas. Compare printed p. 356 In der schwindenden Monde Lauf; Chorlied und Tempelgesang erhebt dich, Und auf den luftigen Höhn schallen die ganze Nacht durch[OCR note; compare the printed page.] Auf den luftigen Höhn, auf der athenischen Burg im Tempel der Pallas. Compare printed p. 356 Jubelnde Tin', und im Wechseltritte schwingt wilder Tanz die Jungfraun. Ein Diener. Alkmene. Der Chor. Der Diener. Herrin, zu hören bring' ich dir ein kurzes Wort; Mir, den du siehest, tont's im Ohr auf's lieblichste. Wir sind der Feinde Sieger, aufgerichtet stehn Siegsmale schon mit deiner Feinde ganzer Wehr. Alkmene. Mein Lieber, dich hat dieser Tag hiehergeführt, Freiheit zu nehmen als den Lohn für solches Wort. Doch Eines Kummers hast du mich noch nicht erlöst: Mir bangt, ob sie noch leben, die mir theuer sind.[OCR note; compare the printed page.] die mir theuer sind. Wörtlich: die ich lebend will. Compare printed p. 356 Der Diener. Sie leben, hochgefeiert in des Heeres Mund. Alkmene. Und auch der Greis Jolaos weilt im Lichte noch?[OCR note; compare the printed page.] L. ὁ μὲν γέρων ὧν ἐςιν Ἰόλεως ἔτι; Compare printed p. 356 Der Diener. Er lebt, nachdem er Großes that durch Götterhuld.[OCR note; compare the printed page.] Anders: Er lebt, und Großes that er durch der Götter Huld. Compare printed p. 356 Alkmene. Was ist's? Er übte kämpfend wohl ein schönes Werk? Der Diener. Zum Jungling wurde wiederum des Greises Arm. Alkmene. Du redest Wunderbares; doch den glücklichen Kampf unsrer Lieben melde mir zuerst, o Freund. Der Diener. Ein Wort aus meinem Munde thut dir Alles kund. Nachdem von beiden Seiten sich auf weitem Feld Bewehrte Kriegsmacht ausgedehnt, Stirn gegen Stirn: Schwang Hyllos flugs vom Viergespanne sich herab, Trat zwischen beide Heere dann im Mittelraum, Und sprach: „o Feldherr, der du kommst aus Argolis, Warum noch långer diesem Land verderblich sein?[OCR note; compare the printed page.] 2. τί τήνδε γαῖαν εκ ἐάσομεν; Compare printed p. 356 Und auch Mykend schadet's nicht, beraubtest du Es Eines Mannes. Also komm mit mir allein[OCR note; compare the printed page.] ἀνδρὸς, δ. ἱ. ἀνδρὸς ἑνός. Compare printed p. 356 Allein zum Kampfe! Fall' ich dann, so nimm mit dir Herakles' Kinder; todt' ich dich, dann gonne du Des Vaters Haus und Ehren mir als Eigenthum." Die Krieger lobten's; alle Noth zu wehren, sei Das Wort ein wohlgesprochnes, voll Hochherzigkeit. Doch jener Andre scheute nicht der Hörer Schaar, Noch seiner Feigheit schämt er sich, der Heeresfürst, Schritt nicht beherzt zu tapferm Lanzenkampf heran, Nein! wich, der Feigling. Und ein Solcher, kam er doch, Knechtschaft zu bringen Herakles' gepries'nem Stamm. Nun kehrte Hyllos wiederum in's Heer zurück. Die Seher aber, da sie sah'n, es werde nie Der Völker Streit durch einen Zweikampf beigelegt, Vollziehn das Opfer, zögern nicht, und unverweilt Strömt heilgewährend aus der Menschenkehle Blut.[OCR note; compare the printed page.] Blut, das Blut Makaria's. Compare printed p. 356 Nun stiegen Die zu Wagen, Andre deckten sich Mit ihrer Schilde Seiten. Doch der Fürst Athens Gebot dem Kriegerheere, wie's dem Tapfern ziemt: „Mitbürger, diesem Lande, das euch großgenährt, Das euch geboren, mußt ihr heut beistehn im Kampf!" Und so beschwor auch Jener seine Kämpferschaar, Nicht seig zu schånden Argos' und Mykene's Ruhm. Doch als mit hellem Klange nun Tyrrhenia's[OCR note; compare the printed page.] Tyrrhenia's Drommete. Die Trompete soll eine Erfindung der Tyrrhener sein. Athenäus sagt: Τυῤῥηνῶν δ' ἐςὶν εὕρημα κέρατα τε καὶ σάλπιγγες. Compare printed p. 356 Drommete rief zum Streite, der ringsum entglomm: Wie, meinst du, drohnten rasselnd Schild' an Schilde da, Wie scholl Gestihn und Seufzen, scholl Wehruf zugleich? Zuerst in ungestumem Drang durchbrach das Heer Von Argos unsre Reihen; dann wich uns der Feind. Drauf aber harrten Alle, Fuß an Fuß gedrängt, Mann wider Mann sich stemmend, aus im schweren Kampf. Viel Streiter sanken. Und von beiden Seiten rief's:[OCR note; compare the printed page.] L. ἦν δὲ δύο κελεύσματα oder ἦν δὲ τὸ κελεύσματε, auf welch leztere Lesart die Vulgata τῦ κελεύσματος zu führen scheint. Compare printed p. 356 „Ihr, die ihr Argos' Felder, die ihr Attika Besåt, o wehret Schande doch von unsrer Stadt!" Doch kaum mit allem Wagen und nicht mühelos Ward Argos' Kriegsmacht in die Flucht gewandt von uns. Da sah, wie Hyllos aus den Reih'n vorbrach, der Greis Jolaos, streckt ihm seine Rechte zu, und fleht, Ihm einen Plaz zu gönnen auf dem Wagensiz. Er faßt die Zugel mit der Hand und lenkt darauf Des Königs Rossen zu. Bis hieher sah ich's selbst Mit an; das Weitre wurde mir von Andern kund.[OCR note; compare the printed page.] L. κλύων λέγοιμ' ἂν ἄλλων. Compare printed p. 356 Sobald er in Pallene Pallas' Heiligthum[OCR note; compare the printed page.] Pallene, Stadt und Gegend in Attika, wo Pallas einen Tempel hatte. Compare printed p. 356 Vorübereilte und Eurystheus' Wagen sah; Da rief er Zeus und Hebe'n, ihn nur Einen Tag Zum Jungling umzuschaffen, daß er züchtige Den Feind. Ein Wunder kannst du jezt vernehmen, Frau. Zwei Sterne, die sich auf der Rosse Joch herab Gesenkt, verhållten sein Gespann in schwarz Gewölk. Dein Sohn und Hebe war es, wie die Weiseren Behaupten. Er, aus duster schwarzer Nacht hervor,[OCR note; compare the printed page.] L. ὄρφνης ἐκ δυσαιθρία. Compare printed p. 356 Wies hell der Arme jugendlich erneuten Glanz. Da fing an Skeirons Felsenhohn das Viergespann[OCR note; compare the printed page.] Skeiron, ein Berg zwischen Megara und Korinthos, auf der Gränze Attika's. Compare printed p. 356 Des Königs Held Jolaos, band die Hände dann Ihm selbst, und führt als schonste Kriegesbeute nun Den Heeresfürsten euch daher, den ehedem So hochbegluckten; aber jezt ruft sein Geschick Der Erde Söhnen allen laut die Lehre zu, Den nicht zu preisen, ehe man ihn sterben sah, Der glucklich scheine: denn das Glück währt Einen Tag. Der Chor. Zeus, Siegverleiher, heute ward es mir verginnt, Einmal den Tag zu schauen frei von grauser Furcht. Alkmene. Zeus, endlich, spåt zwar, sahest du mein Leiden an; Doch weiß ich Dank dir dessen, was du schon vollbracht. Und wenn ich vorher nicht geglaubt, daß unser Sohn Bei Göttern wohne, nun erkannt' ich's zweifellos. O Kinder, nun doch seid ihr, nun von Mühen frei, Und frei von Jenem, der mir schlimm verderben soll, Mykene's Herrscher, sollt in eures Vaters Stadt Einziehn, des Landes Erbe schaun und Opfer weihn Den Vatergöttern, denen ihr fernabgewandt In kläglich unståt irrer Fahrt die Welt durchzogt! Doch was für weise Plane hegt Jolaos denn, Daß er des Königs schonte, nicht ihn tödtete? Dies sage; denn nicht weise dunkt es uns, den Feind, Nachdem man ihn ergriffen, nicht zu züchtigen. Der Diener. Er dachte dein: mit eignen Augen solltest du[OCR note; compare the printed page.] τὸ σὸν προτιμῶν, tui rationem habens. Compare printed p. 356 Ihn machtlos sehn und deiner Herrschaft unterthan.[OCR note; compare the printed page.] 2. ἀκρατῶντα, δ. ἱ. ἀκρατῆ ὄντα. Compare printed p. 356 Doch nicht mit Willen folgt er uns, ich unterwarf Gewaltsam ihn dem Schicksal; denn er wollte nicht Dein Auge schauend seiner Straf entgegengehn. Nun lebe wohl, o Greisin, und gedenke mir, Was du zuvor sprachst, als ich hier mein Wort begann:[OCR note; compare the printed page.] Vgl. die Worte Alkmene's V. 779 f. Compare printed p. 356 Gib mir die Freiheit; muß in solchen Dingen doch Der Mund der Edeln ohne Trug und Lüge sein. Erste Strophe. Der Chor. Chortanze sind mir Wonne, wenn die Flöte Lautjubelnd tont am Mahle:[OCR note; compare the printed page.] L. λωτε χάρις ἐνὶ δαιτί. Compare printed p. 356 Und Huld lachle mir Aphrodita! Doch suß auch ist es, die Freunde Glucklich zu sehn, die früher Deckte die Nacht des Unglucks. Vieles ja gebiert Mora, die Alles vollendet,[OCR note; compare the printed page.] Möra, die Göttin des Schicksals. Compare printed p. 356 Und Aeon, des Kronos Sohn.[OCR note; compare the printed page.] Xeon, der Gott der Zeit und des Lebens. Compare printed p. 356 Erste Gegenstrophe. Du wallst, o meine Stadt, auf rechtem Pfade, (Der Ruhm entschwinde dir niemals!) Ehrst die Götter. Dem Wahnsinn nahe Stürmt hin, wer solches bestritte. Alles ja, was wir sahen, Zeugte dafür: mit lautem Rufe warnt ein Gott, Welcher den Stolz der Verruchten Demüthigt zu jeder Zeit. Zweite Strophe. Unter den Göttern droben wandelt Im Himmel dein Sohn, o Greisin : Er flieht das Gerucht, als sei er[OCR note; compare the printed page.] Er flieht das Gerücht, d. h. Unwahres meldet von ihm das Gerücht, wenn es behauptet, daß u. s. w. Compare printed p. 357 Aus furchtbarer Feuersglut[OCR note; compare the printed page.] Herakles hatte sich selbst einen Scheiterhausen errichtet, und endete sein Leben in den Flammen. Compare printed p. 357 Zum Hades hinabgestiegen, Und theilt in der goldnen Halle Das reizende Lager Heba's. Wohl, Hymendos, hast du Zwei Kinder des Zeus verherrlicht.[OCR note; compare the printed page.] Zwei Kinder des Zeus, Herakles und Hebe. Compare printed p. 357 Zweite Gegenstrophe. Vieler Geschick beruhrt sich vielfach: Athene beschirmt' Herakles,[OCR note; compare the printed page.] Ueber Athene als diejenige Gottheit, die dem Herakles fast in allen seinen Abenteuern zur Seite stand, vgl. Homer Il. 8, 362. Odyss. 11, 626. Compare printed p. 357 Den Vater der Kinder, sagt man, Und die Kinder befreit' aus Noth Die Stadt und das Volk Athene's. Sie wehrte dem Stolzen, der Mehr sich selbst, als dem Rechte, fröhnte. Mir sei ewig des Stolzes Unersättliches Streben ferne! Ein Bote. Alkmene. Eurystheus. Der Chor. Der Bote. Du siehst es, Herrin, aber dennoch sei's gesagt: Den Herrn Mykend's bringen dir die Freunde hier, Ein seltsam Schauspiel, ungeahnt ihm selber auch. Denn nie zu kommen wähnt' er stolz in deine Hand, Als er von Argos mit gewaltiger Heeresmacht Auszog, nach Hih'rem trachtend als des Rechtes Ziel,[OCR note; compare the printed page.] Ε. μείζω τῆς δίκης φρονῶν, πόλιν πέρσων Αθήνης. Compare printed p. 357 Athene's Stadt zu nehmen. Doch gewandelt hat Ein Gott das Schicksal und verkehrt in's Gegentheil. Der Held Jolaos im Verein mit Hyllos nun Erhöht dem Siegverleiher Zeus ein Siegesbild;[OCR note; compare the printed page.] Ε. ίςασαν. Compare printed p. 357 Doch diesen, Herrin, senden sie durch mich dir zu, Sie wollen dich erfreuen; ist's doch höchste Lust, Den Feind im Ungluck sehen, der einst glucklich war. (zu Eurystheus) Alkmene. Du kommst, o Scheusal? Traf dich endlich Dike's Macht? Nun denn, vor. Allem wende mir hieher das Haupt, Und wag' es, deinen Feinden in's Gesicht zu sehn! Denn, selbst beherrscht nun, herrschest du nicht mehr hinfort. Der also bist du, (denn ich will es wissen,) der Auf meinen Sohn, der jezo dort ist, wo er ist, Vielfache Schmach zu hausen sich erkühnt, o Schalk? Mit welchem Hohne hast du nicht ihn heimgesucht, Du, der zum Hades lebend ihn hinabgesandt, Der ihn gezwungen, daß er Leu'n und Hydern dir Vertilgte? Vieles Ueble, was du sonst ersannst, Verschweig' ich; denn die Rede würde mir zu lang. Und dieses nur zu wagen war dir nicht genug; Nein, aus dem ganzen Hellas triebst du mich und sie, Die hülfeflehend am Altar gelagert sind, Uns hochergraut in Jahren, sie noch jugendlich. Doch trafst du jezt auf Männer, fand'st ein freies Volk, Die nicht dich scheuten. Dir gebührt ein schlimmer Tod, Und Alles wirst du bußen; denn nicht Einmal nur Ziemt dir zu sterben, der soviel Unheil verübt. Der Bote. Dem Mann den Tod zu geben, ist dir nicht erlaubt. Alkmene. Vergeblich also ward er mein Gefangener. Doch daß er sterbe, welch Gesez verbote das? Der Bote. Den Fürsten dieses Landes ist es nicht genehm. Alkmene. Was? Feinde todten, halten sie für ungerecht? Der Bote. Ja, Feinde, die man lebend in der Schlacht ergriff. Alkmene. Und den Geboten unterwarf mein Enkel sich? Der Bote. Er sollte wohl mißachten, was hier Rechtens ist? Alkmene. Der sollte nicht mehr leben, nicht die Sonne schaun. Der Bote. Unrecht geschah ihm, daß man ihn nicht gleich erschlug. Alkmene. So war's hinfort unziemlich ihn zu zuchtigen? Der Bote. Nicht auf der Welt lebt Einer, der ihn tödten mag. Alkmene. Ich will es wagen; denn auch ich bin Eine wohl.[OCR note; compare the printed page.] L. ἔγωγε· καὶ γάρ φημι κἄμ᾽ εἶναί τινα. Compare printed p. 357 Der Bote. Viel Tadel wird dir's bringen, wenn du solches thust. Alkmene. Das Volk Athens - ich lieb' es: wer bestritte mir's? Doch diesen, nun er kommen ist in meine Hand, - Auf Erden lebt mir Keiner, der ihn mir entreißt! So moge, wer nur immer will, verwegen mich Und höherstrebend schelten, als der Frau geziemt: Doch glaube mir vollenden werd' ich diese That. Der Chor. Mit schwerem Hasse grollst du diesem Mann, o Frau, Mit wohlverdientem Zorne: das erkenn' ich wohl. Eurystheus. Frau, sei versichert, daß ich dir nicht schmeicheln will; Auch sag' ich etwas Andres, mich zu retten, nicht, Weßhalb man irgend feigen Sinns mich zeihen mag. Ich habe nicht freiwillig diesen Streit gesucht; (Wir beide, wust' ich, stammen ja von Einem Ahn,[OCR note; compare the printed page.] L. ἤδη δὲ σοἱ μὲν ἀ. γ. Wir beide, wußt' ich, stammen ja von Einem Ahn, dem Perseus. Des Perseus Söhne waren Sthenelos, der Vater des Eurystheus, und Elektryon, der Vater der Alkmene. 〃 985. ξύν συνθακῶν könnte man auch συντακών lesen; dann wäre zu übersezen: Und sann in Nächten viel umher und härmte mich. Compare printed p. 357 Und deinem Sohne Herakles bin ich verwandt:) Doch, mocht' ich wollen oder nicht, durch einen Gott, Durch Hera wurde dieser Haß in mir entflammt. Nun, als ich Feindschaft wider ihn mir auferlegt, Und daß ich kämpfe diesen Kampf, als Pflicht erkannt, So ward ich vieler schweren Müh'n Urheber ihm, Und saß in Nächten sinnend viel ohn' Unterlaß, Damit ich, meine Gegner überwältigend Und todtend, fortan sicher lebt' und ohne Furcht. Ich wußte, Keiner aus der Zahl der Menge, nein, Ein Mann in Wahrheit war dein Sohn; denn ob er auch Mich haste, preisen werd' ich doch den tapfern Mann. Nachdem er hingeschieden, mußt' ich nicht sofort, Gehaßt von Diesen und der Feindschaft eingedenk Von ihrem Vater, jeden Stein aufregen, nicht Austreibung, Mord versuchen, nicht die schlimmste List? Denn, that ich also, sichert' ich das Meine mir. Und du, beschied dir mein Geschick ein böser Gott, Hått'st du des feindlichen Löwen haßerfüllten Stamm Nicht auch mit Uebeln heimgesucht, und ruhig ihn In Urgos wohnen lassen? Niemand glaubt dir das! Nun, da sie dort im Kampfe nicht mich tödteten, Als ich es wünschte, war' ich nach Hellenenbrauch Nicht rein für meinen Mörder, sturb' ich jezt durch ihn. Und frei entließ mich diese Stadt, fromm achtet sie Weit mehr die Götter als die Feindschaft wider mich. Dies meine Red' auf deine! Doch nun magst du mich Den Feigling nennen oder auch den tapfern Mann. So fielen meine Loose. Zwar ich wunsche nicht Zu sterben; aber mußt' ich auch, mir graute nicht. Der Chor. Ein Kleines rathen will ich dir, Alkmene: laß Den Mann von hinnen, weil es so der Stadt gefällt. Alkmene. Wie, wenn der Mann stirbt und ich doch ihr folgsam bin? Der Chor. Das Beste wär' es; aber wie mag dies geschehn? Alkmene. Leicht. Wann ich ihn getodtet, liefr' ich ihn sofort Als todt den Freunden, die zurück ihn fordern, aus:[OCR note; compare the printed page.] τοῖς μετελθῶσιν φίλων, δ. i. τῶν φίλων ἐκείνοις, οἱ μετελθόντες ἀπαιτῶσι τὸν νεκρόν. Compare printed p. 357 Denn seinen Leichnam gönn' ich gern dem Erdenschooß; Er aber büßt mir sterbend, was er frevelte. Eurystheus. Gib mir den Tod; um Gnade fleh' ich nicht! Indeß Der Stadt zum Danke, weil sie mich freiließ, und mich Zu morden scheute, meld' ich Phobos' alten Spruch, Der über Hoffen ihr dereinst ein Segen wird. Ihr werdet mich bestatten, wo das Schicksal will, Vor eurer Göttin Tempel in Pallene dort. Und dir gewogen und der Stadt ein rettender Insasse, werd' ich drunten ruh'n im Erdenschooß, Herakles' Enkeln aber stets der schlimmste Feind, Sobald sie kommen über euch mit starker Macht,[OCR note; compare the printed page.] Sobald sie kommen über euch mit starker Macht. Dies thaten die Enkel (Nachkommen) des Herakles, die Könige Sparta's, namentlich im peloponnesischen Kriege. Compare printed p. 357 Der Liebesthat vergessend. Solche Fremdlinge Habt ihr behütet. Aber wie vernahm ich das, Und folgte, hierher kommend, nicht des Gottes Spruch?[OCR note; compare the printed page.] L. ἠδέμην. Compare printed p. 357 Weit höher galt mir Hera, denn ein Seherwort,[OCR note; compare the printed page.] 2. νομίζων, δ. ἱ. ὅτι ἐνόμιζον. Compare printed p. 357 Sie macht mich nicht zum Lügner. (zu Alkmene.) Doch du spende mir Kein Todtenopfer, neze nicht mein Grab mit Blut. Denn schlimme Heimkehr werden sie dafür von uns Empfangen; (zu dem Chore) zwiefach årntet ihr Gewinn von mir: Euch helf ich, diesen bring' ich Leid durch meinen Tod. (zu den Athenern) Alkmene. Was also saumt ihr, wenn das Schicksal eurer Stadt Und euren Enkelsohnen Heil gewähren will, Dem Mann den Tod zu geben, nun ihr Das gehört? Er zeigt ja selbst euch einen Pfad, den sichersten. Feind war er lebend, aber frommt durch seinen Tod. Führt ihn hinweg, ihr Knechte; gebt den Hunden ihn, Sobald ihr ihn getödtet; denn nicht hoffe du, Mich wieder auszutreiben aus der Våter Land. Der Chor. Das loben auch wir. Eilt, Diener, an's Werk: Mein Arm soll nicht Durch Mord die Gebieter entweihen![OCR note; compare the printed page.] Die Gebieter sind die Könige Ukamas und Demophoon. Diese wären entweiht worden, wenn athenische Bürger, aus welchen der Chor bestand, den Mord selbst ausgeführt hätten. Compare printed p. 357