Hippolytus — Donner (1841), OCR review edition Euripides Johann Jakob Christian Donner OCR source collation, conservative repairs and citation alignment Editorial processing with Codex

Perseus Multitext, 2026. Prepared review edition; detailed proofreading remains unfinished.

Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift von J. J. C. Donner. Volume 1. Heidelberg: C. F. Winter, 1841. Harvard supplied OCR, H12; running-text copy text. Independent BSB copy, page-coordinate OCR and facsimiles; used to check layout and notes.BSB digitization Source reviews and editorial inventory

Historical wording and spelling are retained. Original Harvard and BSB pagewise OCR and change inventories are linked from the source review. Agreement between OCR copies does not guarantee a correct reading. This edition is not fully proofread. Printed errata are preserved for review and have not been silently applied.

Each l/@n is a native Donner citation. Numeric interpolation is used only when reconstructed verse counts agree between printed anchors. Suffix u marks an unresolved verse division, not a printed number. Shared verse parts share one citation. corresp identifies the containing Murray reference card, not an exact equivalence of individual verses. Card openings have been reviewed against speech, stanza and clause boundaries.

Notes are attached only where an explicitly verified printed label resolves to a native citation. Alternative translations and Greek readings are retained in notes. Unattributed material is preserved in the linked inventory. Metrical notation is supplied as facsimiles.

Donner native verse citation; u marks unresolved division.

Prepared reviewed card mapping, source comparisons, native citations, checked note divisions and metrical facsimiles.
Original BSB page Original BSB page Original BSB page Original BSB page Original BSB page Original BSB page Original BSB page Original BSB page Original BSB page
Aphrodite. Auf Erden hochgefeiert und nicht namenlosOCR review edition. D. citations belong to Donner; u marks unresolved verse division. Sources, repairs and unattributed notesDonner’s metrical analyses and notes: page facsimiles Bin ich, die Göttinn Kypris, und in Himmelshohn; Und die von Pontos' Marken zum atlantischen[OCR note; compare the printed page.] Pontos, das schwarze Meer, bezeichnet die östliche Gränze, das atlantische Meer die westliche Gränze des bekannten Erdbodens. Compare printed p. 349 Weltmeere wohnen und das Licht der Sonne schaun, Von diesen ehr' ich alle, die mir huldigen, Und stürze, wer sich wider meine Macht erhebt. Denn also liegt es in der Art der Götter auch: Sie freun sich, hålt in Ehren sie der Sterbliche. Wie wahr ich hier gesprochen, zeig' ich alsogleich. Der Sohn des Theseus, einer Amazone Kind, Hippolytos, des frommen Pittheus Jünger einst, Von allen Bürgern im Trözenerlande hier Nennt er allein der Götterfrauen schlimmste mich, Verschmäht die Liebe, kostet nicht der Ehe Glück; Doch Phobos' Schwester, Artemis, die Tochter Zeus', Verehrt er als der Götterfrauen herrlichste,[OCR note; compare the printed page.] Wörtlicher: Verehrt er, achtet als die höchste Gattinn fie. Compare printed p. 349 Und stets der Jungfrau zugesellt im grünen Wald, Erlegt mit schnellen Hunden er des Landes Wild, Mit ihr vertrauter, als es ziemt dem Sterblichen. Darüber fühl' ich keinen Groll; was sout' ich auch? Doch båßen, was er wider mich gesündiget, Soll er an diesem Tage mir; Viel hab' ich langst Schon vorbereitet, drum bedarf's nicht vieler Müh'n. Denn als er einmal aus des Pittheus Hause ging, zu schaun die Weihen hehrer Gottgeheimnisse, In's Land Pandions; sah des Vaters edle Frau, Sah Phádra ihn, und (also war's von mir verhangt) Ihr Herz entbrannt' in ungestümer Liebesglut. Und eh sie ankam hier im Land Trdzenia; Dort auf der Pallas Felsen, der herniederschaut In diese Fluren, gründet sie den Tempel mir, Und denkt des fernen Lieben, nach Hippolytos Ihn nennend, wie er kunstig auch sich nennen soll. Seit aber Theseus aus Athens Gebiete schied, Den Fluch zu sühnen von der Pallassdhne Blut, Und samt der Gattinn diesem Land zusegelte, Und Bann im Ausland sich erkor auf Jahresfrist: Seit diesem Tage seufzend und gepeiniget Von Liebesstacheln, zehrt die Arme schweigend hin; Der Hausgenossen keiner weiß von ihrem Leid. Doch diese Liebe darf mir so nicht endigen: Theseus erfahr' es, Alles werd' ihm offenbar, Und unsern Widersacher soll sein Vater selbst Mit seinen Flüchen tödten, da der Meeresfürst Poseidon Theseus zugesagt als Ehrenlohn, Nicht unerhört drei Bitten an den Gott zu thun. Von edlem Stamm ist Phádra, dennoch falle sie! Denn nicht so sehr bekummert ihr Verderben mich, Daß meine Widersacher mir mit solchem Lohn Nicht büßen sollten, als er mir genügen mag. Doch eben, siehe, kommt ja dort Hippolytos, Der Sohn des Theseus, nach der Jagd vollbrachten Mühn, Herangeschritten; drum enteil' ich diesem Ort. In hellen Haufen folgt die Schaar der Diener ihm, Und preist die Göttinn Artemis in schallenden Gesängen; denn nicht weiß er, daß ihm offen stehn Des Todes Pforten, und die lezte Sonn' ihm scheint. Hippolytos (mit seinem Jagdgefolge). Ihr, folgt mir nach, folgt mit Gesange Preisend die Tochter des Zeus, Artemis, welche mit uns ist! Chor der Jäger. Heilige, Heilige, Herrlichste du Von Zeus' Geschlechte, Jungfrau, sei mir gegrüßt, gegrüßt, Leto's Kind und des Zeus, o du Schönste weit in der Mädchen Zahl, Die im großen Himmelsraum Droben wohnt in des Vaters Hallen, Im goldenen Haus Kronions! Hippolytos. Sei mir gegrüßt, o Schönste, schönste Du von Olympos Götterfrau'n, Artemis! Dir bring' ich, Herrinn, diesen frischgeflochtnen Kranz Zum Schmuck, gewunden auf der unentweihten Flur, Wo nie der Hirt die Heerden auf die Weide treibt, Noch nie das Eisen schaltet, und zur Lenzeszeit Die Biene' nur durch unentweihte Fluren schwärmt; Da wohnt die Unschuld, tränkt das Land mit Quellenthau. Nur wer der Lehre Nichts verdankt, nur wem Natur Zugleich für alle Werke weisen Sinn verlieh,[OCR note; compare the printed page.] 80. Nach δρέπεσθαι seze ich ein Komma, und verbinde es mit θέμις. τέτοις δρέπεσθαι θέμις, τοῖς κακοῖσι δ᾽ ἐ θέμις· εἴληχεν ist abhängig von ὅσοις, und nach homerischem Sprachgebrauch in intransitiver Bedeutung zu nehmen. Compare printed p. 349 Darf hier sich Kranze pflucken, doch der Bise nicht. So nimm, geliebte Königinn, aus frommer Hand Die Krone, die dein goldnes Haar umkränzen soll. Mir ward allein vor Allen diese Huld gewährt: Dir nahe wandl' ich, pflege stets Gespräch mit dir; Dein Auge nicht erblickend, hor' ich deinen Laut. An's Ziel geleite, wie ich ihn begann, den Lauf! (Er bekränzt eine Bildsäule der Artemis vor dem Palaste.) Herr, (Gebieter nennen darf man Gotter nur) Wohl wirst du mir gehorchen, rath' ich Gutes dir? Gewiß: für einen Thoren gålt' ich wahrlich sonst. Diener. Nun, weißt du, welche Sitte bei den Menschen gilt? Hippolytos. Ich weiß es nicht; doch über welche fragst du mich? Diener. Man haßt die Hoffart und den murrisch finstern Sinn. Hippolytos. Mit Recht; und welcher Stolze wird nicht lästig sein? Diener. Ist aber Anmuth etwa bei Leutseligkeit? Hippolytos. Sehr viel, und Vortheil bei geringer Mühe noch. Diener. Und glaubst du, daß bei Göttern auch das Gleiche gilt? Hippolytos. Wenn Göttersazung anders lenkt uns Sterbliche. Diener. Was huldigst du denn einem hohen Gotte nicht? Hippolytos. Welch einer Gottheit? Hüte dich vor bösem Wort. Diener. Die hier vor deinen Thoren steht, der Kypria. Hippolytos. Ein keuscher Jungling, grüß ich nur von ferne sie. Diener. Doch gilt sie hehr und heilig bei den Sterblichen. Hippolytos. Nicht jeden Gott, nicht jeden Menschen liebt man gleich. Diener. Du wårest glücklich, wohnt in dir der rechte Sinn. Hippolytos. Kein Gott gefällt mir, welcher Nachts gefeiert wird. Diener. Sohn, jede Gottheit ehre man, wie's ihr gebührt.[OCR note; compare the printed page.] τιμαὶ δαιμόνων find die den Göttern schuldigen Ehren, honores diis debiti. Nimmt man mit Matthiä τιμαῖς δαιμό- νων χρῆσθαι für τιμᾶν τὸς δαίμονας, so ist die Uebersezung: Sohn, allen Göttern muß man ehrend huldigen. Compare printed p. 349 Hippolytos. Geht, Waidgenossen, tretet ein zum Hause nun, Lezt euch am Mahle; lieblich, nach vollbrachter Jagd, Winkt uns die volle Tafel: auch die Rosse müßt Ihr wacker striegeln, daß ich, satt vom Mahle, sie An den Wagen schirr' und tüchtig tummle durch das Feld. (zu dem Diener:) Doch deiner Kypris wunsch' ich Heil und Segen viel. (ab mit dem Gefolge.) Diener. Ich aber, (nachthun muß man's nicht den Jünglingen,) So denkend, wie zu reden auch dem Sklaven ziemt, Verehre niederfallend, hohe Königinn, Dein Bild, o Kypris. Nimm es nicht ungnädig auf, Wenn Einer dir in allzuraschem Jugendmuth Thorheiten redet; thue nicht, als hortest du's: Denn weiser müssen Götter sein als Sterbliche. Strophe 1. Chor. An des Okeanos Strand Ist, heißt es, ein tropfelnder Fels, Der aus hangendem Gestein Quellwasser in Urnen ausströmt: Hier wusch in Stromes Thau Eine Gespielinn von mir Purpurgewande, die Sie auf dem hellsonnigen, warmen Rücken Des Felsen auslegte: von ihr vernahm ich[OCR note; compare the printed page.] L. εὐαλίε κάββαλεν· ἔνθεν ἁμῖν. Compare printed p. 349 Am ersten die Kunde, daß Phádra, Gegenstrophe 1. Matt von verzehrendem Schmerz, Im stillen Gemach sich daheim Hårm', in leuchtendes Gewand Ihr goldenes Haar verhüllend. Heut schon den dritten Tag, Wie mir verkündiget ward, Hålt sie der Erde Frucht Vom reinen Leib ferne, vom Göttermunde; In stummem Gram will sie des Todesgottes Unseligem Ziele zusteuern. Strophe 2. Du bist trunken von Wahnsinn, Weib, Ob dir Pan, ob Hekate dir, Oder hohe Kureten, Ob Kybele dir ihn sandte. Du leidest; denn an, der Jägerinn Diktynna sündigtest du, Hast ihr die geheiligten Kuchen versagt. Sie geht ja Seeen hindurch und Durch's Festland über des Meers Sturmischwogende Salzflut hin. Gegenstrophe 2. Hat den edlen Gemahl vielleicht, Der Erechtheus' Sohne beherrscht, Eine heimlich in deinem Ehlager bethört zur Wollust? Kam wohl ein Schiffer gesegelt Von Kreta's heimischem Strand Zu dem gastlichsten Port, der geliebtesten Bucht, Dir Botschaft bringend, o Fürstinn, Daß Kummer über ein Leid Dich an's Lager gefesselt hålt? Schlußgesang. Es liebt der Fraun misgelauntem Sinne Rathlose Noth sich beizugesellen, Wann Weh'n der Geburt mit Wahnsinn Durch unsågliche Qual sie bedrohn. Auch mir durchsturmte das Herz solch feindlicher Hauch: Da rief ich zur Artemis auf, Der Gebärenden Schuze, der bogenkundigen. Und vielersehnt erscheint sie mir Allzeit mit andern Göttern. Doch siehe, die Greisinn, die sie erzog, Führt aus dem Palast vor das Thor sie heraus: Das Gewölk um die Brau'n wird düsterer stets. Es verlangt mein Herz, zu erspahn, was es ist, Was die Königinn kränkt, Daß ihr sich die Farbe verwandelt. Die Amme. Weh, Menschengeschick und der Krankheit Noth! Was soll ich dir thun, was nicht dir thun? Hier strahlt dir der Tag, ist heiter die Luft; Auch brachte man aus dem Palaste bereits Dein Ruhbett dir: Denn hierher gehn, war immer dein Wort. Bald eilst du wieder zurück in's Gemach; Schnell ånderst du dich, es erfreut dich Nichts; Was da ist, gnüget dir nie, mehr lockt Das Entfernte dich an. (für sich.) Krank sein ist besser, als Wärterinn sein; Denn jenes ist einfach, diesem gesellt Sich Gram für die Seel' und Mühe dem Leió. Nur Arbeit ist ja der Sterblichen Loos, Nie rastet man aus von der Drangsal. Was mehr werth als dies Leben ist, hülle Umgebende Nacht in finstres Gewölk. Wohl hången wir nur so thoricht an ihm, Weil hier auf Erden es glänzt, und nie Von dem anderen Leben uns Kenntniß ward, Noch Kunde von dem, was die Erde verbirgt: Denn nichtige Fabel berückt uns. Phädra. richtet mich auf, o stuzt mir das Haupt, Freundinnen; gelöst ist den Gliedern das Band. Ihr, faßt mir die Hand, schönarmige Fraun. Schwer lastet das Stirnband mir um das Haupt; Weg nimm es, und streu' auf die Schultern das Haar! Am me. Sei muthig, o Kind, und wirf dich nicht So verdrießlich umher: Viel leichter erträgt sich die Krankheit doch Mit ruhigem Sinn und wackrem Gemuth; Noth ist ja der Menschen Verhängniß. Phadra. Weh, weh! Ach, könnt' ich schopfen den lauteren Trank Der erfrischenden Flut aus lebendem Quell! Ach, konnt' ich, von Schwarzpappeln umschattet, Auf blumiger Wiese gelagert ruhn![OCR note; compare the printed page.] Anders: Auf blumiger Wiese gestreckt ausruhn. Compare printed p. 349 Was redest du da? Amme. So dürfen dir nicht vor anderem Volk Wahnsinnige Reden entfallen, o Kind! Phädra. Führt auf das Gebirg mich! Last in den Wald, Zu den Tannen mich gehn, wo Hunde das Wild Mordgierig erspåhn, Und die fleckigen Hirsch' anfallen im Lauf! Wie gern, ach! hezt' ich die Doggen heran, Und am bräunlichen Haupthaar wurf ich vorbei Den thessalischen Speer und hielt' in der Spand Mein spizes Geschoß! Amme. Was quålt Sehnsucht nach Solchem dein Herz? Was kummern, o Kind, Jagdübungen dich? Was lechzest du doch nach den Wassern des Borns? Ein Abhang ist an den Zinnen der Burg; Da thaut dir ein Quell unversieglichen Trank. Phädra. Artemis, die du den salzigen See Und die Bahnen beschirmst, von Rossen gestampft, Ach, daß ich mich fånd' auf deinem Gebiet, und bezähmte mit Macht das henetische Roß![OCR note; compare the printed page.] Anders: Und bändigte dort das henetische Roß. Compare printed p. 349 Amme. Wie schwaztest du wieder so sinnlos da? Nun trieb dich die Sehnsucht auf das Gebirg, Zu erjagen das Wild, nun sehnest, du dich, Zu besteigen das Roß auf trockenem Sand. Ein großer Prophet nur mag es erspåhn, Kind, was für ein Gott dir die Sinne beruckt, In verwirrenden Taumel gerissen. Phädra. Ich Elende, weh! Was hab' ich gethan? Wohin mich verirrt von der Bahn der Vernunft? Ich raste; mich traf der Unsterblichen Fluch. Unselige, weh! Amme, verhülle mir doch wieder das Haupt! Ich errothe vor dem, was ich eben gesagt. verbirg mich: es thaun mir die Zähren im Blick, Und schamvoll wend' ich das Aug' abwärts. Das Bewußtsein wiedergewinnen, es schmerzt; Wahnsinn ist traurig; am glücklichsten ist, Wer hinstirbt ohne Besinnung. Amme. Ich verhülle dich: wann deckt aber der Tod Mein morsches Gebein? (bei Seite.) Viel hat mich das Leben, das lange, gelehrt. Nur måßige Freundschaft schließe, den Bund, Der Herz mit Herzen im Leben verknupft;[OCR note; compare the printed page.] Anders: Der ein menschliches Herz mit dem andern verknüpft. Compare printed p. 349 Nie dring' er in's innerste Mark des Gemüths. Leicht lösbar sei der Gemüther Verein, Und lasse sie schlaff machen und anziehn. Wenn Ein Herz trauert um zwei, die Last Ist drückend fürwahr, wie nun auch ich Mich ångste für sie. Viel Sorg' in der Welt, viel Streben und Mühn Trugt häufiger, sagt man, als es erfreut, Und bestürmt der Gesundheit blühende Kraft. Drum lob' ich den Spruch: „Maaß halten und Ziel!" Das Zuviel taugt nicht; Und Gleiches behaupten die Weisen. Chor. greise Frau, der Phadra treue Warterinn, Wohl sehen wir der Fürstinn jammervolles Loos; Doch dunkel blieb uns, welcher Art ihr Leiden ist. Von dir erfahren mochten wir's und hörten's gern. Amme. Ich fragte, doch vergeblich; denn sie sagt es nicht. Chor. Auch, wie das Leid begonnen, blieb dir unbekannt? Amme. Nicht besser weiß ich's; alles dies verschweigt sie mir. Chor. Wie abgemagert und erschlafft ihr Körper ist! Amme. Kein Wunder; denn schon fastet sie den dritten Tag. Chor. Durch Götterschickung? Oder sucht sie so den Tod? Amme. Den Tod; sie fastet, bis ihr Lebensende naht. Chor. Wie seltsam, wenn sich ihr Gemahl damit begnügt! Amme. Sie birgt das Leid ihm, und erklärt, ihr fehle Nichts. Chor. Und Nichts bemerkt er, wenn er ihr in's Auge sieht? Amme. Zufällig ging er eben aus dem Lande fort. Chor. Und ließest du kein Mittel unversucht an ihr, Ihr Leiden und des Geistes Irrwahn auszuspahn? Amme. Begonnen hab' ich Alles, und bewirkte Nichts. Doch wahrlich jezt auch lass ich nicht im Eifer nach, Daß gegenwärtig du mir auch bezeugen magst, Wie treu besorgt ich bei der Herrinn Leide bin. Auf, liebes Kind! Die frühern Reden wollen wir Vergessen beide: werde du gelassener, Die düstern Brau'n entwölkend und den finstern Sinn. Ich aber, legt' ich deine Worte schlimm dir aus, Ich widerruf es, wende mich zum bessern Wort. Und wenn's ein heimlich Uebel ist, an dem du krankst, Sind hier die Fraun mit ihrer Hülfe dir bereit: Doch willst du Männern anvertraun dein Ungemach, So rede, daß man einem Arzt es nennen kann. Nun? Schweigst du? Weshalb? Schweigen mußt du nicht, o Kind;[OCR note; compare the printed page.] 2. ἔ σε χρή. Compare printed p. 349 Nein, wenn ich etwas Uebles sprach, so tadle mich, Und hab' ich wohl geredet, folge meinem Wort. Sprich Etwas: hierher blicke! - Weh mir Elenden! Umsonst, o Frauen, qual' ich ab und mühe mich, Wir sind so weit als früher; denn sie wich zuvor Nicht meinen Worten, und gehorcht auch jezo nicht. So wisse nun, (und magst du wilder, als das Meer, Darüber toben,) wenn du stirbst, verräthst du dein Geschlecht, entziehst ihm seinen Theil am Vaterreich. Ja, bei der reisigen Amazonenköniginn, Die deinen Kindern einen Herrn geboren hat In einem Bastard edlen Sinns, - du kennst ihn wohl, Phädra. Weh, wehe! Amme. Rührt das dein Gemüth? Phädra. Du tödtest mich, o Amme; bei den Himmlischen! Ich bitte, fortan schweige mir von diesem Mann. Amme. Siehst du? Du denkst vernunftig, dennoch willst du nicht Dein Leben retten und den Kindern nüzlich sein. Phädra. Die Kinder lieb' ich; mich bestürmt ein andres Leid. Amme. O Tochter, deine Hände sind von Blute rein. Phädra. Rein sind die Hande; Flecken hat nur mein Gemuth. Amme. Hat über dich ein Widersacher Fluch gebracht? Phädra. Ein Freund verderbt unwillig mich Unwillige. Amme. Hat etwa Theseus wider dich gesündiget? Phädra. Daß ich an ihm nur nicht erschien' als Frevlerinn! Amme. Was ist das Arge, welches dich zum Tode treibt? Phädra. laß mich fehlen; fehl' ich doch nicht gegen dich. Amme. Freiwillig niemals; weich' ich, ist es deine Schuld. Phädra. Was thust du? Mir am Arme hångend, zwingst du mich? Amme. Und auch von deinen Knieen lass ich nimmermehr. Phädra. Elende, weh dir, solltest du es hören, weh! Amme. Welch größres Weh' erführ' ich, als dir ferne sein? Phädra. Du wirst vergehen; aber mir bringt Ruhm die That. Amme Und doch verhehlst du Solches mir, der Flehenden? Phädra. Aus böser Quelle geht hervor das Edle mir. Amme So wird es ehrenvoller sein, erklärst du dich. Phädra. Entweiche, bei den Göttern, und laß meine Hand! Amme. Nie, weil du mir verweigerst, was du schuldig bist. Phädra. Gewähren werd' ich's; denn ich ehre deine Hand. Amme. So schweig' ich also; denn das Reden ist an dir. Phädra. Mutter, wie hast du geliebt, Unselige! Amme. Da sie den Stier liebt'? Oder, Kind, was meinst du da? Phädra. Auch du, o arme Schwester, Dionysos' Weib! Amme. Was hast du, Tochter? Auf Verwandte schmähest du? Phädra. Und ich, die Dritte, wie vergeh' ich Elende! Amme. Ich steh' erschüttert: wo hinaus will solches Wort? Phädra. Von dort und nicht von gestern her ist unsre Noth. Amme. Noch weiß ich um nichts besser, was ich horen will. Phädra. Ach, mochtest du mir sagen, was ich sagen muß! Amme. Kein Seher bin ich, der das Dunkle klar erkennt. Phädra. Was ist doch das, was unter Menschen Liebe heißt? Amme. Das Süßte, Tochter, und zugleich das Bitterste. Phädra. Von Beidem Eines hab' ich selbst an mir erprobt. Amme. Was sagst du, Tochter? Hangt dein Herz an einem Mann? Phädra. Wer ist er doch, der Amazonenfürstinn Sohn? Hippolytos? Du sagst es, nicht ich sagte das. Amme. Was muß ich hören, Tochter? Weh! Du todtest mich. Unduldbar ist es, ich ertrag' es lebend nicht, Ihr Fraun; verhaftes Sonnenlicht, verhafter Tag! Des Körpers Hülle werf ich ab, ich sterbe hin, Vom Leben scheidend; fahret wohl! Nicht mehr bin ich. Denn auch die Weisen lieben, widerstrebend zwar, Dennoch das Bose. Kypris war nicht Göttinn, nein, Ist etwas über jeden Gott Erhabnes, sie, Die Phádra, mich und dieses Haus vernichtet hat. Strophe. Chor. Hortest, ach! hortest du's, Wie das Unnennbare, Ihr unselig Leid die Königinn gestand? Der Tod treffe mich, bevor, Theure, du[OCR note; compare the printed page.] Σ. φίλα. Compare printed p. 349 Endest in Wahnsinn! Ach! I weh, wehe mir! Arme, daß du so dulden mußt! Ach, die Menschen nährt Angst und Noth! Verlorne, Boses zogest du hervor an's Licht! Welche Bedrängniß harrt nun ohn' Ende dein?[OCR note; compare the printed page.] Für χόνος Ι. πόνος. Compare printed p. 349 Ein graunvolles Leid bedroht dieses Haus. Nicht långer ist es dunkel, wo der Liebe Loos Endet: o wehe, Kreta's unglucklich Kind! Phädra. "Ihr Frauen aus Trozene, die das äußerste Vorland von Pelops' Inselreich bewohnen hier, In langer Zeit der Nächte sann, ich osters schon, Was doch der Menschen Leben so zerrüttet hat; Und nimmer glaub' ich, daß der Mensch das Schlimm're thut Aus angebornem Wesen; denn das Richtige Kennt Mancher; sondern also seh' ich dieses an. Das Gute haben wir erkannt und wissen es, Thun's aber nicht, aus lautrer Trägheit Einige, Und Viele, weil sie andre Lust dem Schönen stets Vorzieh'n. Der Lebensluste gibt es mancherlei, Als: langes Plaudern, Müßiggang (ein süßes Weh!) Und Scham, die eine guter Art, die andere, Ein Fluch der Häuser. Wüste man die rechte Zeit, So führten Einen Namen wohl die beiden nicht. Nachdem ich einmal dieses wohl erkannt im Geist, So durfte mir kein Zaubermittel mein Gemüth Berücken, daß ich abgeirrt vom rechten Pfad. Nun laß mich dir enthüllen meines Geistes Bahn. Als Liebe mich verwundet; überlegt' ich wohl, Wie ich sie trüg' am besten. So begann ich denn Seitdem zu schweigen, meine Qual verheimlichend. Denn auf die Zunge darf man nie vertrauen, die Gedanken andrer Menschen wohl zu tadeln weiß, Doch selbst die größten Uebel durch sich selbst empfängt. Zum zweiten trachtet' ich den Wahn mit wackrem Muth Zu tragen, überwindend ihn durch Máßigung. Und drittens, wie's auch also mir unmöglich war, Der Liebe Macht zu brechen, da schien Sterben mir Das Beste: Niemand schilt mich wohl um diese Wahl. Denn nicht verborgen bleibe, wenn ich Gutes that, Und ubt' ich Böses, seien viele Zeugen fern! Die That, der Krankheit herbe Schmach, ich kannte sie, Und über dieses wußt' ich wohl: ein Weib bin ich, Gehast von Allen. Schand' und Tod verderbe sie, Die, fremden Männern zugesellt, ihr Ehebett[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: ihr Bett zuerst begann zu schänden. Compare printed p. 349 Zuerst geschändet! Aus erlauchten Häusern brach Auch über andre Frauen dieser Fluch herein. Denn wann den Edeln wohlgefällt das Schändliche, - Bald wird's die Schlechten dunken, daß es edel sei. Auch jene hass ich, welche keusch in Worten thun, Und ingeheim mit schnodem Frevel sich vergehn. Wie mogen sie, Kythera, Meerbeherrscherinn! Doch ihren Ehgemahlen schau'n in's Angesicht, Nicht zittern vor der mitbewußten Dunkelheit, Den hohen Zimmerdecken, daß sie reden einst? Denn eben dieses todtet uns, ich möchte nie Als meines Mannes Ehrenschanderinn, o Fraun, Und meiner Sohn' erscheinen: mogen sie Athens Gepriesne Stadt in hohem Muthe blühend, frei Bewohnen, ihrer Mutter wegen hochberühmt! Denn nieder beugt es auch den kühnen Mann, sobald[OCR note; compare the printed page.] Anders: Denn nieder beugt es auch den unerschrocknen Mann, Der um der Mutter, um des Vaters Frevel weiß. Compare printed p. 349 Er um des Vaters, um der Mutter Frevel weiß. Dies Eine, sagt man, kommt des Lebens Preise gleich, Wenn dir gerechter, guter Sinn im Busen wohnt. Die Bosgesinnten offenbart die Zeit dereinst, Vorhaltend einen Spiegel, wie dem Magdelein; môg' ich unter ihnen nie gesehen sein! Chor. Ja, wohl geziemt sich überall die Mäßigung, Und edlen Ruhm verschafft sie bei den Sterblichen. Amme. Wohl hatte vorhin dein Geschick, o Königinn, Mir grause Schrecken unversehens aufgeregt; Nun seh' ich ein, ich irrte; bei den Menschen ist Ein zweites Ueberlegen oft das weisere. Nichts Unerhörtes hast du, nichts Unsägliches Erfahren; auf dich sturmt herein der Gottinn Zorn. Du liebest, (welches Wunder?) wie viel Sterbliche; und ob der Liebe gåbst du nun dein Leben hin? Fürwahr, es frommt nicht denen, die vormals geliebt, Und künftig lieben, wenn der Tod sie treffen soll. Unhemmbar ist Kythere, wenn sie mächtig stürmt; Sie, die mit leiser Hand berührt den Weichenden, Doch wen sie übermüthig und vermessen fand, Ergreift, und ihn, wie meinst du? schmachvoll niederbeugt. Sie wallt im Aether, Aphrodite wohnt im Schooß Der Meeresfluten, und von ihr sproß Alles auf. Sie ist es, welche Liebe såt, Verlangen weckt, Wovon wir Erdenwaller all' entsprossen sind. Die, welche Schriften aus der alten Zeit entrollt, Und selbst beständig zugesellt den Musen sind, Die wissen, daß Zeus ehemals um Semele Geworben, wissen, daß die schonerglänzende Eos zu Göttern einst entrafft den Kephalos Der Liebe wegen; aber doch bewohnen sie Den Himmel, fliehen vor den Göttern nicht hinweg, Und fügen, überwunden, sich in dieses Loos. Du willst dich strauben? Dein Erzeuger mußte dich Nach andrer Sazung oder unter anderen Gottheiten zeugen, wenn dir dies Gesez misfällt. Wie viel gescheite Männer sehn, was ihre Fraun Verbrachen, aber stellen sich, als sahn sie's nicht? Wie viele Våter, meinst du, stehn den Sohnen bei, Die Liebeswahn bethörte? Denn der weise Mann Verheimlicht Andern kluglich, was nicht edel ist. Nicht allzustreng doch bilde dir dein Leben aus: Láßt doch das Dach, das unsre Wohnung überwdlbt, Sich schwer zusammenfügen; und wie hofftest du Aus deinem tiefen Falle dich herauszuziehn? Ja, wenn du mehr des Guten als des Bösen hast, So bist du, traun, sehr glücklich, als ein sterblich Weib. Drum, liebe Tochter, banne doch den trüben Sinn, Den Uebermuth des Trozes; denn nichts Anderes, Troz ist es, will man stärker sein, als Götter sind. Bu lieben wage, (solches hat ein Gott gewollt,) Und wende klüglich, was dich quålt, zum Besseren. Bezauberungen, Schmeichelworte gibt es ja; Noch sindet sich ein Mittel wider solches Weh. Fürwahr, die Männer fånden spåt das Richtige, Wenn nicht ein Weib die Mittel auszusinnen weiß. Chor. Was diese redet, Phádra, mag ersprießlicher Bei diesem Unfall wirken; doch ich lobe dich. Zwar dieser Lobspruch lautet dir verhaßter wohl, Als ihre Reden, und zu hören schmerzlicher. Phädra. Das ist es, was begluckte Städt' und Wohnungen Der Menschen stürzt, die überschönen Worte sind's. Nicht reden muß man, was dem Ohr ergozlich klingt, Nein, bloß das Edle, das zu Ruhm uns führen mag. Amme. Was soll die hohe Rede? Nicht des Wörterprunks, Des Manns bedarfst du! Ohne Säumen muß ich spahn, Und sonder Umschweif, was dich kränkt, enthüll' ich ihm. Denn wenn in solchem Ungemach dein Leben jezt Nicht schwebte, wenn du nuchtern und besonnen wårst; Ich triebe wegen deiner Lust und Liebe dich Niemals bis hierher; aber nun gilt's großen Kampf, Um dich zu retten: dieses ist nicht tadelnswerth. Phädra. Nicht öffne mehr die Lippen, arge Schwäzerinn, Und laß so schnode Reden mich nicht hören mehr! Amme. Schndd, aber mehr werth, als die schonen, sind sie dir. Denn eine That ist besser, die dich retten kann, Als Namen sind, womit du prangend sterben willst. Phädra. Ich bitte dich, (klug sprichst du, doch ein schnides Wort) Nicht weiter geh, nicht sage, daß ich meinen Geist Der Liebe rühmlich unterwars; beschonigst du Die Schuld, so wird mich todten, was ich fliehen will. Amme. War das die Meinung, mußtest du nicht sundigen; So aber foly' uns: dieses ist mein zweiter Rath. Ich habe Zaubermittel zur Besanftigung Der Lieb' im Hause, (dieses fällt mir eben ein,) Die sonder Schmach und ohne Raserei die Qual Dir stillen werden, wenn du nicht feigherzig bist. Vom vielgeliebten Manne nur bedarf es hier Ein Wort, ein Zeichen, oder Etwas vom Gewand; Das nehm' ich, knups' aus zweien Einen Liebesbund. Phadra. Und ist ein Trank das Mittel, sind es Salben wohl? Amme. Ich weiß nicht: laß dich retten, Kind, und frage nicht. Phädra. Ich sorge nur, du werdest allzuweise mir. Amme. Furcht über Alles ångstet dich; was fürchtest du? Phädra. Daß du des Theseus Sohne das von mir entdeckst. Amme. Laß dies, o Tochter; Alles führ' ich wohl hinaus. Nur du, Kythera, meerentsproine Königinn, Sei mir zur Seite! Was ich sonst zu thun beschloß, Genüge mir, den Freunden innen kundzuthun. Strophe 1. (ab.) Chor. Gott Eros, der du den Augen süß Einträufelst Verlangen, holde Wonne Dem, den du bekriegst, in's Herz hinabstromst, Erscheine mir nie verderbend, niemals Des Maaßes vergessend! Nicht des Feuers und nicht Der Sterne Pfeil aus Himmelshohn Tobt gleich dem Pfeil' Aphrodita's, Den Eros aus der Hand, Der Spróßling des Zeus, schnellt. Gegenstrophe 1. Umsonst, umsonst an dem Alpheos, Und im pythischen Heiligthum Apollons, Häuft Hellas den Mord der Stieresopfer;[OCR note; compare the printed page.] 2. ἑλλὰς αἷ᾽ ἀέξαι. Compare printed p. 349 Der Menschen Gebieter Eros aber, Ihn, der zu Kythera's Süßem Wonnegemach Bewahrt die Schlüssel, ehrt man nicht, Ihn, der verwüstend in alles Ungluck die Menschen treibt, Sobald er herannaht. Strophe 2. Jene Dechalierinn, Die unkundig der Ehe Gelebt, ohne Bräutigam, ohne Gatten, Gab Kypris, daß sie, Bacchantinn der Höll',[OCR note; compare the printed page.] Man verbinde: βάκχαν ἄϊδος ἀπειρεσίαν δρομάδα, Baccham Orci infinitam ruentem sc. in perniciem. Compare printed p. 349 Ihn endlos mit Tod umstricke, Zu sterben in Qualm und Dampf, Und zu blutiger Hochzeit, Weg vom Vaterhause dem Sohn' Alkmena's. Unglückseliger Ehbund! Gegenstrophe 2. Theba's heilige Stadt, Und du Quelle der Dirka, - Ihr mögt Zeugen sein, wie Kythere herschleicht![OCR note; compare the printed page.] 2. ἁ Κύπρις οἷον ἕρπει. Compare printed p. 349 Sie hat, mit flammendem Donner bewehrt, Des göttlichen Bacchos Mutter Aus brautlicher Lust entrückt In des Todes Umarmung.[OCR note; compare the printed page.] 2. φονίῳ κατεκοίμα. (imperf.) Compare printed p. 349 Alles trifft ihr machtiger Hauch; der Biene Gleich, entschwirrt sie im Fluge. Phädra. Ihr Frauen, schweiget! Wehe, nun bin ich dahin! Chor. Was Grauses gibt's in deinem Hause, Königinn? Phädra. Verstummt; den Stimmen im Palaste horch' ich auf. Chor. Wir schweigen; aber traurig, Frau, beginnst du da. weh, wehe mir! Phädra. Dich in meinen Leiden Unglückselige! Chor. Was soll dieser Schrei? Was, Frau, rufst du da? sprich, welches Wort erschreckt also dich, Daß dir das Herz erbebt? Phädra. Ich bin verloren! Tretet an die Thore hier, Und håret, welch ein Lärmen im Palaste tobt. Chor. Du stehst nah dem Thor; der Laut, der von dort Erschallt, rührt dein Ohr. Sage mir, sage, welches Ungluck geschehn? Phädra. Der reisigen Amazone Sohn, Hippolytos,[OCR note; compare the printed page.] f. Anders: Laut schreit der Amazone Sohn, Hippolytos, Und bittre Schmachwort' häuft er auf die Dienerinn. Compare printed p. 350 Schmachworte haust er schreiend auf die Dienerinn. Chor. Geschrei hor' ich zwar; doch klar kann ich nicht Den Laut deuten, Frau. Dir scholl, scholl der Ruf durch des Palastes Thor. Phädra. Er schilt sie deutlich Kupplerinn, Verführerinn Zum Bösen, die des Königs Ehgemahl verrieth. Chor. Du bist, ach, verrathen! Weh, Ungemach! Wozu rath' ich nun? An's Licht, Freundinn, kam Verborgenes, dich stürzt - Weh, weh! Freundesverrätherei. Phädra. Ja, sie verdarb mich, da sie meine Qual enthullt, Und freundlich, doch nicht weise, sie zu heilen strebt. Chor. Was wirst du thun in dieser unheilbaren Noth? Phädra. Ich weiß nicht, ausser Eines: ungesäumter Tod[OCR note; compare the printed page.] Anders: Ich weiß nicht; Eins nur rettet: ungesäumter Tod. Compare printed p. 350 Entreißt allein dem gegenwärtigen Leide mich. Hippolytos. O Mutter Erde, Strahlenglanz des Helios, Welch unerhörtes Frevelwort vernahm mein Dhr! Amme Still, Jüngling, ehe dein Geschrei Jemand vernimmt! Hippolytos. Unmöglich ist es, schweigen, wenn man Gråuel hört. Amme. Bei deiner schönen Rechte, Sohn, beschwor' ich dich - Hippolytos. Hinweg die Hände, nicht berühre mein Gewand! Amme. Bei deinen Knieen, opfre mich dem Tode nicht! Hippolytos. Wie könnt' ich, wenn du, wie du sagst, nichts Arges sprachst? Amme. Sohn, was ich sagte, werde niemals offenbar! Hippolytos. Das Schöne macht sich schoner, thut man's Vielen kund. Amme. Mein Sohn, den Eidschwur achte nicht als Kleinigkeit. Hippolytos. Die Zunge schwur es, Nichts vom Eide weiß das Herz.[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Die Zunge schwur, doch unvereidet ist der Sinn. Compare printed p. 350 Amme. Was willst du machen? Deine Freund' ermorden, Kind? Hippolytos. Das bleibe fern! Kein Ungerechter ist mein Freund. Amme. Vergib! Zu fehlen, Jungling, ist der Menschen Art. Hippolytos. Was hast du, Zeus, die Frauen, deiner Sterblichen Trugvolles Unheil, an das Sonnenlicht gebrachte Denn wenn du wolltest ein Geschlecht von Menschen sån, So mußte dieses nicht vom Weib' entsprossen sein; Nein, Männer mußten, wann sie dir des Eisens Wucht, Erz oder Gold in deinen Tempeln dargebracht, Sich Kindersamen kaufen, nach des achten Werths Gerechter Schåzung jeder, und als Freie dann Im freien Hause wohnen ohne dies Geschlecht. Nun aber, voll Verlangen, dieses Ungemach In's Haus zu führen, opfern wir des Hauses Glück.[OCR note; compare the printed page.] 2. ἐκθύομεν. Compare printed p. 350 Doch welch ein Uebel Frauen sei'n, beweiset dies: Der Vater, der sie zeugt' und zog, entlast sie noch Mit einem Mahlschaz, um des Uebels los zu sein. Doch wer ein solches Fluchgewächs aufnahm in's Haus,[OCR note; compare the printed page.] 2. φυτόν. Compare printed p. 350 Frohlockt, das unheilvolle Bild mit köstlichem Geschmeid umhüllend, schmuckt es reich mit Kleidern aus, Der Jammervolle, der erschöpft des Hauses Schaz. Auch ist er durch die neue schöne Vetterschaft Gezwungen, daß er freudig hålt den bittern Bund. Doch ist die Frau gut, aber taugt der Schwåher nicht, So mildert er das Uebel durch das Gute nur. Am besten fähret, wessen Weib, ein träges Nichts, Unnüz in Einfalt brütend still im Hause sizt. Die Kluge hass' ich; nimmermehr dunk Eine sich In meinem Hause klüger, als dem Weibe ziemt. Denn ofter pflanzt die Liebesgottinn Hinterlist In diese Klugen; doch das unerfahrne Weib Låst keine Thorheit üben ihr beschränkter Geist. Auch keine Sklavinn sollt' hinein zum Weibe gehn; Mit stummen Thieren sollten sie zusammensein, Damit sie Niemand hätten anzureden mehr, Noch ihnen Jemand wiederum antwortete. Nun sinnen Boses drinnen aus die bosen Fraun, Und aus dem Hause tragen's dann die Sklavinnen. So kamst auch du mir, locktest mich, fluchvolles Weib, Daß ich des Vaters reines Bett entheilige. Mit Wasserfluten will ich das abwaschen mir, Die Dhren nezend. Wie vermocht ich schlecht zu sein, Der, solches auch nur hörend, nicht für rein sich hålt? Doch wisse, Weib: dich rettet meine Frömmigkeit. Denn band mich Ahnungslosen nicht der Götter Eid; Mich hielte Nichts, es meinem Vater kundzuthun. Nun geh' ich aus dem Hause, während außer Lands Theseus sich aufhält, aber halte rein den Mund. Doch mit dem Vater komm' ich heim und werde sehn, Wie ihr ihn anblickt, du und deine Königinn. Erkannt, gekostet hab' ich deinen frechen Sinn.[OCR note; compare the printed page.] Andere Erklärung, wo εἴσομαι als Futur. von εἶμι genommen wird: Ich gehe, weil ich deinen frechen Sinn erkannt. Compare printed p. 350 Tod über euch! Ich werde niemals satt, die Fraun Zu hassen, sag' auch Einer, daß ich eifre stets: Denn stets betreiben Boses wohl die Frauen auch. So lehre sie denn Einer weise Mäßigung, Wo nicht, vergonn' er, ewig sie zu schmähen, mir! Gegenstrophe. Amme. Bitter, unselig ist Der Frau'n Lebensloos! (ab.) welch Mittel, welche Kunst hab' ich noch, Nachdem dieser Knoten mir unldsbar blieb? Phädra. Mich fand meine Straf! O Erdkreis, o Licht! Wie entrinn' ich nun diesem Loos? Wie verberg' ich, Frau'n, diese Schmach? Der Götter wer wird retten? Welcher Sterbliche Erscheint helfend oder mitwirkend uns Bei der verruchten That? Das Leid, welches mir Herdrang zum Leben, nimmer ring' ich mich heraus. Dich aller Frauen unseligste! Chor. Es ist gescheh'n, ach! Deiner Alten Kunste sind Nicht wohl gerathen, Königinn; nun steht es schlimm. Phädra. Verderben deiner Freunde, ganz Verworfene! Wie thatest du mir? Samt der Wurzel tilge dich Mein Vater Zeus aus, treffe dich mit Blizesglut! Sagt' ich es dir nicht? Ahndet' ich nicht deinen Sinn? Ich hieß verschweigen, was mich jezt unglucklich macht; Du konntest das nicht; also darf ich ehrenvoll Nicht sterben, sondern neues Raths bedarf ich nun. Denn er, von Zornwuth heftig aufgeregt im Geist, Wird gegen uns dem Vater kundthun deine Schuld, Und füllt mit bitter schmah'ndem Wort die ganze Welt. Fluch über dich und Jeden, der, diensteifrig stets, Unedle Wohlthat unbegehrt dem Freund erzeigt! Amme. Wohl magst du schelten, Herrinn, was ich hier gefehlt; Denn was dir nagt am Herzen, lähmt des Geistes Kraft. Doch Etwas sagen kann auch ich, wenn dir's gefällt. Ich war dir Amme, bin dir hold, und deinem Schmerz Heilmittel suchend, fand ich, was ich wollte, nicht. Wenn mir es gluckte, hieß ich hochverständig wohl; Denn nach dem Ausgang sieht man uns als tüchtig an. Phädra. Kann dieses mir gefallen, ist es wohlgethan, Wenn die mit Worten hadert, die mir Wunden schlug? Amme. Wir dehnen unsre Reden; unklug handelt ich. Doch kannst du jezt auch noch gerettet werden, Kind. Phädra. Laß ab zu reden; auch zuvor ja riethest du Mir nicht das Gute, fingest Unheilvolles an. Aus meinen Augen gehe denn, und sorge nur Um Deines; meine Sachen ordn' ich selber wohl. (Die Amme geht ab.) Ihr aber, edle Tochter aus Trózenia, Gewähret dieses Eine mir, der Bittenden: Hüllt ein in Schweigen, was ihr hier vernommen habt! Chor. Bei Artemis, Zeus' hoher Tochter, schwören wir, Nie deiner Leiden eines an das Licht zu ziehn. Phadra. Wohl sprachst du; jezt nach Einem Ziele ringend nur, Entdeckt' ich einen lichten Pfad in diesem Leid, Daß meiner Sohne Leben ich verherrlichen, li Für mich Gewinn aus diesem Elend ziehen kann. Nie werd' ich Kreta's Fürstenhaus entwürdigen, Um Eines Lebens willen nie nach schändlichem Beginnen treten unter Theseus' Ungesicht. Chor. Und welches unheilbare Leid beschlossest du?[OCR note; compare the printed page.] 2. μέλλεις δὲ δὴ τί δρᾶν. Compare printed p. 350 Phädra. Den Tod; doch wie, das überlegen will ich noch. Chor. Das wehrt, o Götter! Phädra. Rathe du zum Guten mir; Denn Aphroditen, welche mein Verderben ward, Werd' ich an diesem Tage durch mein Scheiden noch Erfreun, von herber Liebesqual bewältiget. Doch werd' ich einem Andern auch durch meinen Tod Unglück bereiten, daß er nicht auf meinen Fall Stolz niederschaue; sondern diese Qual mit mir Gemeinsam theilend, lernt er weise Mäßigung. Strophe 1. (ab.) Chor. Könnt' ich in Tiefen der Bergschluchten entfliehn, wo Mit des Vogels raschem Fittig Zu beflugelten Heerschaaren mich trug' ein Gott! Daß ich könnte zu Adria's Meeresflut mich erheben, Hin zum Strom des Eridanos, Wo von Helios' armen Tochtern,[OCR note; compare the printed page.] Die Töchter des Helios, die Schwestern des Phaëthon, die am Ufer des Eridanos die Gefallenen beweinend, in bernsteinträufelnde Pappelbäume verwandelt wurden. Compare printed p. 350 Die Phaethon's Ende betrauern, Hinab in die dunkle Brandung Sich ergießt bernsteinschimmernder Thränenglanz!. Gegenstrophe 1. Flog' ich zum Strande der hesperischen Jungfraun,- Wo die goldnen Aepfel glühen, Und des purpurnen Meers waltender Herrscher nicht Långer Schiffern die Bahn vergönnt, Der die heilige Mark schirmt,[OCR note; compare the printed page.] Anders: Der an heiliger Mark wohnt. Compare printed p. 350 Wo der Atlas den Himmel trågt, Und ambrosische Bäche wallen Bei'm brautlichen Lager des Zeus, wo Das göttliche Land des Segens Den Unsterblichen ohn' Ende das Gluck zustrimt! Strophe 2. Weißgeflügeltes kretisches Fahrzeug, welches das Meer hindurch, Durch wildtosende Brandung, Aus dem glucklichen Vaterhause Meine Herrinn führte Zu der schlimmsten Vermählungsfeier;[OCR note; compare the printed page.] „Unglück ließen sie beide Länder, Attika und Kreta, ahnen: Attika, weil sein Beherrscher Theseus, der Gemahl Phädra's, schon die Liebe Ariadne's, ihrer Schwester, so schlecht belohnt hatte; Kreta, weil hier Phädra's Mutter, Pasiphaë, so unglücklich liebte." Bothe. Compare printed p. 350 Ob sie von beiderlei Land, ob Von Kreta her mit bösen Zeichen Nach der hohen Stadt Athen flog, Als an Munychos' Gestade Sie das schöngeflochtne Tauwerk Banden und das feste Land betraten! Gegenstrophe 2. Von unheiliger Liebe, die Ihr einhaucht Aphrodite, brach Nun das kranke Gemüth ihr. Von der druckenden Last des Leidens Ueberwältigt, wird sie An die Decke des Brautgemaches Heften das schwebende Seil, und Es um den weißen Nacken schlingen. Bebend vor der grausen Göttinn, Wird sie schönen Ruhmes Preise Allem vorzieh'n, und die bittern Liebesqualen aus der Brust verbannen. Ein Diener (eilt aus dem Palaste). Weh, weh! Zu Hülf ihr alle, die dem Hause nahe sind! Theseus' Gemahlinn, unsre Frau erhenkte sich. Chor. Es ist gescheh'n, ach! unsre Königinn dahin! Sie schlang um ihren Nacken sich das Todesband. Diener. Ihr eilet nicht, holt nicht ein doppelschneidig Schwert, Und trennt von ihrem Halse gleich die Schlinge los? Erster Halbchor. Was thun wir, Frauen? Dringen wir in's Haus hinein, Sie loszumachen aus dem festgezognen Strang? Zweiter Halb chor. Wie? Sind im Haus nicht junge Dienerinnen schon? Gefährlich ist es, sich um Alzuvieles mühn. Ein Diener (im Palaste). Reckt aus die Todte, richtet auf das arme Weib! Das ist ein bittrer Liebesdienst für meinen Herrn. Chor. Dahin (wir hdren's) ist die Unglückselige; Bereits als eine Todte wird sie ausgestreckt. Theseus. Ihr Frauen, wißt ihr, welcher Lärm im Hause schaut ? Der Diener schwere Klage drang zum Dhre mir. Mich als Drakelbringer hålt nicht werth das Haus, Mir seine Pforten freudiggrüßend aufzuthun. Ist doch des Pittheus Alter nicht ein Leid geschehn? Zwar vorgeruckt ist seine Zeit; doch wird' es uns Noch immer schmerzen, wenn er schied' aus diesem Haus. Chor. Nicht nach des Greises Haupte zielt dir das Geschick, Theseus! Betrüben werden Junggestorbne dich. Theseus. Weh! Ward der Kinder Leben mir doch nicht geraubt? Chor. Sie leben, dir zum Schmerze, da die Mutter starb. Theseus. Wie sagst du? Meine Gattinn starb? Durch welches Loos? Chor. Die Todesschlinge wand sie selbst um ihren Hals. Theseus. Erstarrt in Trauer? Oder wie begab es sich? -Chor. Nur dieses weiß ich: eben kam auch ich daher Zum Hause, Theseus, und bejammre dein Geschick. Was kränzen Lorbeerzweige doch die Schlafe mir, Der, ach, zu boser Stunde kam von Delphis Haus? Die Pfortenriegel schließet mir, o Diener, auf, Und lost die Fugen, daß ich mein unselig Weib Erblicke, welches sterbend mich vernichtete! Chor. weh, wehe dir! Welch unerhdrtes Leid! Arme, du litt'st, du that'st So Schweres, daß dies ganze Haus in Trümmer stürzt! Was, ach! wagtest Du? Gewalt war es, was Dich in den Tod gerafft, ein unheilig Loos, Gewalt deiner Hand! Wer trübt', armes Weib, also das Leben dir? Theseus. Dweh, welches Loos! Das graunvollste Leid, Das ich erlitt, ist dies! Zürnendes Schicksal, weh, Wie schwer getroffen hast du mich und meinen Stamm Durch eines Rachegottes ungeahnten Fluch! Ein todåhnlich Leben, ha! zehrt mich auf; Ein Merr seh' ich Trostloser, ein Leidensmeer, Und aus den Wogen dieser Noth vermag ich nie Hersvorzutauchen noch hindurchzuringen mehr. Wehe, mit welchem Wort mein unseliges Geschick nennend, Weib, treff ich der Wahrheit Ziel? Denn wie ein Vogel aus der Hand entschwandest du Mit raschem Sprunge mir hinab in Hades' Haus. Auf mir lastet schwer aus uralter Zeit Ein götttliches Gericht, Durch Schuld Eines meiner Ahnherrn verwirkt. Chor. Dir nicht, o König, widerfuhr dies Leid allein; Mit vielen Andern klagest du das treue Weib. Theseus. Unter der Erde will ich, in der Erde Nacht, Bei dir will ich todt wohnen im dunkeln Haus, Nun deine Nähe mir entschwand, Holdseligste; Denn minder gabst du dir den Tod, als Anderen. Von wem hor' ich's doch, woher dies Geschick Dein Herz tödtend überschlich, armes Weib? Sagt Einer uns wohl, was geschehn ist, oder birgt Das Königshaus vergeblich meiner Knechte Schwarm ? weh, weh mir! Dein Beraubt, welches Leid muß ich im Hause sehn! Unsåglich, unerträglich! Hin ist unser Glück, Mein Haus verddet, meine Kinder sind verwaist! Chor. Du schiedst, du schiedst, aller Frauen liebste, Der Frau'n beste, so viele der Strahl Sieht des Sonnenbeherrschers, Und Nachts im Sternenglanz sieht Selene. In welch Leiden, ach, seh' ich dein Haus versenkt! Die Thrån' überströmt Nezend das Auge mir, denk ich an deinen Schmerz; Vor dem, der auf diesen folgt, zittr' ich långst. Ha, ha! Theseus. Was will die Tafel, hier von ihrer lieben Hand Herniederhängend? Neues mir verkündigen? Hat ihretwegen oder um die Kinder mir Die Arme bittend einen Wunsch an's Herz gelegt? Sei gutes Muthes! Nie betritt ein andres Weib Theseus' Palast und Lager, Ungluckselige! Doch sieh des goldnen Siegelringes Züge, den Die Todte trug, sie locken schmeichelnd mich heran. Wohlan, die Siegel los ich samt den Bändern auf, zu sehen, was mir dieses Täflein sagen will. Chor. Ach, ach! Im Wechsel führt ein neues Leid Ein Gott hier herauf! Auch mir fiel, nachdem dieses vollendet ward,[OCR note; compare the printed page.] ξ. ὧν 1. ἄν. Compare printed p. 350 Ein unselig todähnliches Lebensloos. Dahin ist es, ja! dem Tod fiel es heim, Das Haus meiner Fürsten; weh' über uns! Damon, ist es möglich, sturze nicht das Haus, Und mein Gebet erhdre! Denn, dem Seher gleich, Erblick ich schon Vorboten eines Ungemachs. Theseus. Weh, welches neue Leiden folgt dem alten Leid, Unnennbar, unerträglich! Ich Unseliger! Chor. Was ist es? Rede, gönnst du mir Antheil daran. Theseus. Es rust, es ruft Arges die Tafel! Wie entfliehn Der Last des Unglücks? Ich Verlorner bin dahin! Welches, welches Lied erblick' ich Unseliger,[OCR note; compare the printed page.] Σ. οἷον, οἷον εἶδον ἐν γραφαῖσιν μέλος. Compare printed p. 350 Tonend in dieser Schrift! Ach, ach, ein unheilbringend Wort verkündest du. Nicht in den Schranken des Mundes halt' ich mehr Zurück dieses unentwirrbar grause Leid: hor' es, Stadt![OCR note; compare the printed page.] 2. καθέξω δυσεκπέραντον ὀλοὸν κακόν. ὦ πόλις. Dochmiac. dijamb. dochmiac. Compare printed p. 350 Gewaltsam anzutasten wagt' Hippolytos Mein Lager, hat Kronions heiligen Blick verhöhnt. Nun, Vater Poseidaon, der drei Wunsche mir Vormals verheißen, strecke nun mit Einem uns Den Sohn zu Boden: diesem Tag entrinn' er nicht, Wofern du mir wahrhafte Wünsche zugesagt! Chor. Herr, bei den Göttern, widerrufe dies Gebet! Bald siehst du deinen Irrthum ein; o folge mir. Theseus. Mitnichten; auch von diesem Lande treib' ich ihn, Und unter zwei Geschicken trifft ihn eines noch: Entweder wird Poseidon ihn in Hades' Haus Als Todten senden, ehrend, was er mir vordem Verheißen, oder trauert er sein Leben hin, Auf fremder Erd' umirrend, ausgestoßen hier. Chor. Da naht er selbst in rechter Stunde dir, dein Sohn Hippolytos: laß ab von unheilvollem Zorn, König, und berathe besser dein Geschlecht. Hippolytos. Dein Jammern horend, bin ich rasch hierhergeeilt, Mein Vater; doch die Sache kenn' ich nicht, um die Du seufzest, und vernehmen micht' ich's wohl von dir. Ha, was geschah doch? Deine Gattinn seh' ich todt, Mein Vater; höchsten Staunens ist das würdig wohl; Sie, die ich eben hier verließ, die dieses Licht Der Sonne sah vor einer kurzen Weile noch. Was widerfuhr ihr? Wie ereilte sie der Tod? Von dir, o Vater, will ich das erkundigen. Du schweigst? Das Schweigen taugt im Ungemache nichts; Das Herz der Menschen, Alles auszuspåhn entbrannt, Wird über Neugier auch ertappt bei Traurigem. Nein, vor den Freunden, oder mehr als Freunden noch Dein Misgeschick zu bergen, ziemt dir, Vater, nicht. Theseus. Ihr Menschen, die vielfacher Irrwahn blendete, Was müht ihr euch um tausend Kunste lehrend ab, Ersinnt so Manches und erfindet Allerlei, Und wisset nie das Eine, noch erjagtet ihr's, Weisheit zu lehren Einem, dem Verstand gebricht? Hippolytos. Wohl ist ein großer Meister, wer so machtig ist, Die Unverständigen zum Verstand zu nöthigen. Doch grübelst du, mein Vater, nicht zu rechter Zeit; Die Zunge, fürcht' ich, überschritt im Schmerz das Maaß. Theseus. Ach, gåb' es unter Menschen doch ein sicheres Merkmal der Freundschaft, durchzuschaun der Herzen Grund, Den wahren Freund zu scheiden von dem falschen Mann! Und håtte doch zwei Stimmen jeder Sterbliche, Den wahren Ton, und einen, der nicht lauter klingt; So würde stets der bosgesinnte überführt Vom wahren, und wir blieben vor Betrug bewahrt. Hippolytos. Hat dir ein Freund denn wider mich Verläumdungen In's Ohr geflüstert, leiden wir ohn' unsre Schuld?[OCR note; compare the printed page.] Anders: muß ich leiden ohne Schuld? Compare printed p. 350 Betroffen steh' ich; deine Wort' erschrecken mich, Die, wie verstandlos, sich verirrt vom rechten Pfad. Theseus. Weh, dieser Geist der Menschen, wohin schreitet er? Wo findet Frechheit und Verwegenheit ihr Ziel? Wenn diese mit der Menschen Lebensalter wächst, Und wenn der Spåtre jederzeit in arger List Besiegt den Frühern: fügten doch zur Erde dann Ein andres Land die Götter, das in seinem Schooß Den Frevler aufnimmt und den ungerechten Mann! D blickt einmal auf Diesen, der, von mir gezeugt, Mein Ehebett geschåndet, und der schwersten Schuld Von dieser Todten offenbar geziehen wird!. So zeige nun, nachdem die Blutschuld dich befleckt, Dem Vater gegenüber hier dein Angesicht. Du lebst mit Göttern, als ein auserwählter Mann?: Du bist ein Reiner, unentweiht vom, Sündendienst?^^ Nie rührt mich deine Prahlerei, des Unverstan In argem Wahn die Gåtter anzuschuldigen. So rühme dich denn immerhin, und prunke stolz Mit Pflanzennahrung, diene Bacchos, huldige Dem Meister Orpheus und der grauen Bücher Dunst: Du bist entlarvt. Ich mahne Jedermann, zu fliehn Vor Solchen, die dir gleichen; denn sie sinnen nur Auf Schnides, jagen diesem nach mit frommem Wort. Gestorben ist sie: wahnst du, dieses rette dich? Das überführt dich eben, du Nichtswürdiger! Denn welcher Eidschwur, welches Wort spricht machtiger, Als diese Todte, daß du schuldbefleckt erscheinst? „Sie haßte mich," erklärst du, „wie Bastarde ja Von achten Söhnen immer angefeindet sind." Du meinst, mit ihrem Leben trieb sie schlechten Tausch, Wenn sie das Liebste deiner Feindschaft opferte.[OCR note; compare the printed page.] Das Liebste, ihr Leben. Compare printed p. 350 Auch wahnst du, Thorheit wohne nicht in Mannesbrust, Szi bloß den Weibern eigen; ich weiß Junglinge, Die keinesweges sichrer als die Frauen sind, Wann Kypris ihren jugendlichen Sinn erregt; Doch ihnen frommt die angeborne Männlichkeit. Indeß warum bekamps ich deine Worte so, Da dieser Leichnam wider dich so sichtbar zeugt? Entweich, ein Flüchtling, ungesäumt aus diesem Land, Und nicht Athene's gotterbaute Stadt betritt, Noch eines Landes Gränzen, die mein Speer regirt. Denn wenn ich, solches duldend, unterliege dir; Dann wird der isthmische Sinis nie mir zeugen, daß Ich ihn getödtet, und ich rühmte mich umsonst; Noch werden Skeiron's meerumwogte Klippen mir Bekennen, daß ich Frevler züchtige. Cho r. Ich schwanke zweifelnd, ob ich einen Sterblichen Gluckselig preise; denn das Höchste stürzt hinab. Hippolytos. Mich, Vater, schreckt dein zornig aufgeregter Sinn; Indeß die Sache, die so schöne Worte hat, 975 Nicht schon erscheint sie, wenn man sie genauer prüft. Vor allem. Volk zu reden bin ich ungeschickt, Vor Altersfreunden könnt' ich's wohl und Wenigen. Und Grande hat auch dieses: die vor Weisen nicht Zu reden wissen, hört die Menge lieber an. Doch zwingt es mich, nun Dieses über mich erging, Die Zunge freizulassen. Davon denn zuerst, Womit Verderbensinnend du mich erst beschlichst, Als könnt' ich Nichts erwiedern! Siehst du dieses Licht Und diesen Erdkreis? Hier verweilt kein Mann, wie ich, Der tadelloser wäre, läugnest du es auch. Denn vor den Gottern weiß ich erstens mich zu scheun, Und liebe Jeden, der das Unrecht nicht versucht, Vielmehr errothet, Boses anzumuthen mir, Und schnode Gegendienste nie dem Schlechten thut. Niemals verspott' ich, Vater, die mir Freunde sind, Derselbe bin ich, ob sie fern', ob nahe sein, Bin frei des Einen, wo du mich zu fangen wahnst: Denn keusch bewahrt' ich meinen Leib bis diesen Tag; Bom Hörensagen kenn' ich nur der Liebe Werk, Und aus Gemälden; aber selbst auch diese nur Zu sehn, verlangte nimmer mein jungfräulich Herz. Doch wenn du nicht auf meine Tugend bauen magst, So mußt du zeigen, wie ich so verdorben ward. Glänzt ihres Leibes Wohlgestalt denn herrlicher, Ais aller Frauen? Oder hofft' ich durch den Raub Der reichen Mitgift deines Hauses Herr zu sein? Da wär' ich eitel thricht, ja von Sinnen, traun. Doch wahnst du, Herrschen sei so sus? Dem weisen Mann Mitnichten, wenn nicht unbeschränkte Herrschermacht Den Menschen, welchen sie gefiel, den Sinn verkehrt. Ich möchte wohl in Hellas Kampferspielen gern Der erste Sieger heißen, doch im Staate nur Als Zweiter, stets mit edeln Freunden glücklich sein. Denn also wirkt man freker, und die Sicherheit Verleiht dem Leben höhern Reiz, als Herrschgewalt. Noch Eines hore; denn mein Andres weißt du schon. Erschien' als Zeuge mir ein Mann von meiner Art, Und stånde sie noch lebend gegenüber mir; So tráfst du forschend auf der That die Schuldigen. Bei Zeus, des Eides Racher, bei der Erde Grund, Betheur' ich jezo, daß ich nie dein Bett berührt, Es nie gewollt auch, noch daran jemals gedacht. Ja, mog' ich ruhmlos, ohne Namen, untergehn, Und weder Meer noch Erde mein entschlummertes Gebein empfangen, wenn ich also frevelte! Doch was befürchtend diese sich den Tod erwählt, Nicht weiß ich's; weiter ziemt ja nicht zu sagen mir. So weise, dennoch fand sie nicht das weise Maaß; Mir, der's gefunden, ward dafür kein schöner Lohn. Chor. Du hast die Schuld genügend abgewandt, du schworst Der Götter Eide, kein geringes Unterpfand. Theseus. Ist dieser nicht ein Gaukler, nicht ein Zauberer? Er hofft mit Sanftmuth meinen Sinn zu bändigen, Nachdem er seinen Vater frech entwürdigt hat! Hippolytos. Mein Vater, dieses wundert mich gar sehr an dir: Denn wårest du mein Sprößling und dein Vater ich; Ich hätte dich getodtet, nicht durch Bann gestraft, Wofern du wagtest, anzurühren mein Gemahl. Theseus. Wie würdig sprachst du deiner! Doch nicht sollst du mir So sterben, wie du dies Gesez dir selbst bestimmt: Denn Bösewichtern ist erwünscht ein schneller Tod. Nein, aus dem Heimatlande fern, ein Flüchtiger Auf Fremdlingserde, trauerst du dein Leben hin; Das ist dem gottvergefnen Mann der rechte Lohn. Hippolytos. おしい 1040 Weh, was beginnst du? Willst du nicht die lehrende Zeit über uns erwarten, sondern treibst mich aus? Ja, über Meer' und über Atlas' fernsten Strand, Vermocht' ich solches: also bist du mir verhaßt.& Hippolytos. Nicht Eidesschwur, noch Treue, noch der Seher Wort Erforschend, ungerichtet wirfst du mich hinaus? Theseus. Die Tafel hier, die keine Seherzeichen hat, Beugt augenscheinlich gegen dich: um Vögel, die Ob meinem Haupte flattern, bin ich unbesorgt. Hippolytos. Warum, o Götter, los ich meine Zunge nicht, Von euch vernichtet, denen fromm ich huldige? Nein, nein; ich überzeugte, den ich sollte, nie, Und bråche nuzlos meinen euch geschwornen Eid. Theseus. Dein heilig ernstes Wesen, ach, es tödtet mich! Du zögerst, ráumst nicht unverweilt der Våter Land? Hippolytos. Wo soll ich hinsliehn? Welches Freundes gastlich Haus Betret' ich Armer, wegen solcher Schuld verbannt ? Theseus. Dorthin entweiche, wo man Frauenschänder hegt, Wo Schandgenossen freudig aufgenommen sind!". Weh! Hyppolytos. Das bohrt in's Herz ein, nahe stehn die Thränen mir, Daß bos ich scheine, daß du mich für böse håltst! Das Seufzen und Bedenken stand damals dir an, Als du des Vaters Gattinn frech zu hohnen kamst. Hippolytos. Daß du, o Wohnung, einen Laut mir sendetest, Und zeugen könntest, ob ich also mich verging! Theseus. Du fliehst zu stummen Zeugen? Auch nicht redend, klagt Die That dich augenscheinlich als Verbrecher an. Hippolytos. O könnt ich selbst mir gegenüberstehn und schaun) Welch bittre Zähren mir entlockt mein tribes Loos! Theseus. Dich selbst zu ehren, wärest du viel mehr bemüht, Als gegen Aeltern fromm zu sein, wie dir's geziemt. Hippolytos. Djammervolle Mutter! Bittrer Schmerzen Kind! Daß nie ein Bastard unter meinen Freunden sei! Theseus. Schleppt Ihr hinweg ihn, Sklaven! Habt ihr nicht gehört, Daß ich vorlängst ihn nach der Fremde wandern hieß? Hippolytos. Nur heulend legt von diesen Einer Hand an mich: Du treibe selbst mich aus dem Land, gelüstet dich's. Theseus. Das werd' ich, wenn du meinen Worten nicht gehorchst; Denn kein Erbarmen fühlt mein Herz bei deiner Flucht. Hippolytos. So scheint es fest beschlossen? Ich Unseliger! Das weiß ich, aber auszusprechen weiß ich's nicht. Tochter Leto's, liebste mir der Göttinnen, Hausfreundinn, Waidgenossinn, also muß ich fliehn Athen, das hohe! Lebet mir denn wohl, o Stadt Und Land Erechtheus'! Erde du Trdzenia's, Wie viele Wonnen bietest du den Junglingen! Leb' wohl! Ich sehe, grüße dich zum leztenmal. Ihr, meiner Heimat traute Spielgenossen, kommt, Gönnt euer Wort mir, und geleitet mich hinaus: Ihr werdet niemals einen tugendhaftern Mann, Als mich, erblicken, glaubt es auch mein Vater nicht. Strophe 1. (ab.) Chor. Wahrlich, das Walten der Götter, betracht' ich es sinnend, entfernt mir Der Sorgen Trauer; Db Sinn sich verbirgt in der Ahnung, Zweifel' ich, wenn ich auf Leiden und Thun der Geborenen schaue. Alles ja wandelt sich und kreiset stets, Und es wechselt das menschliche Leben, Das ewig irrsalvolle. Gegenstrophe 1. Môge mir Flehenden dies das Geschick von den Göttern Ein Loos mit Segen, gewahren: Und ein Herz, unerschuttert von Kummer; Nicht ein erhabener Ruhm, noch niedriger, werde zu Theil mir! Mig' ich, bescheidenes Verlangen stets Mit dem morgenden Tage vertauschend, Ein glücklich Leben führen! Strophe 2. Nimmer von Gram ist lauter mein Herz; Unerwartetes schau' ich. Denn ihn, den glanzreichsten Stern Der hellenischen Stadt der Athene, Sahen wir, sahn wir hinweg in des Fremdlings Gebiet von Vaterszorn verjagt. Sandiges Meeresgestad' in der Nähe, Und du Gebirgswald, wo er mit Flüchtigen Doggen das Wild, der erhab'nen Diktynna folgend, wurgte!. Gegenstrophe 2. Nimmer besteigt er hinsort das Gespann der henetischen Rosse, Auf weiter Rennbahn am See Mit den růstigen Beltern sich tummelnd. Bei der Gitarre verstummen die Musen, Sonst immer wach, im Vaterhaus; Und die Altäre der Tochter von Leto Stehn unbekränzt in tiefem Laub. Deine Verbannung endet der Jungfraun. Wetteifer um dein Lager. Schlußgesang. Ich aber will weinend hinfort Dein getrübtes Leben, Armer, beklagen; jammervolle Mutter, du gebarest ihn umsonst: Weh, den Göttern zurn' ich! Ihr Huldgottinnen brautlichen Glücks, Was treibet ihr aus der Heimat Den Armen, Unschuldvollen aus, Ferne vom Vaterhause? Dort seh' ich einen Sklaven von Hippolytos; Zum Hause kommt er eilend her mit trübem Blick. Bote. Wohin, o Frauen, geh' ich, um des Landes Herrn, Theseus, zu treffen? Ist es euch bekannt, so thut Es mir zu wissen; weilt er wohl im Hause da? Chor. Aus seiner Wohnung schreitet er hier eben selbst. Bote. : Ich bringe, Theseus, Kunden, werth der Trauer, dir Und deinen Bürgern, die Athene's hohe Stadt Bewohnen und die Marken vom Trozenerland. Theseus. Was ist es? Hat ein neues Ungemach vielleicht Die beiden nachbarlichen Städte heimgesucht? Bote. Nicht mehr (mit Einmal sag' ich's) ist Hippolytos; Doch hångt an dünnem Faden noch des Lebens Licht. Theseus. Durch wen? Er hat wohl Einen sich zum Feind gemacht, Dem er die Gattinn, wie dem Vater, schåndete? Bote. Des eignen Wagens Råder gaben ihm den Tod, Und deines Mundes Fluche, die zum Vater du, Dem Meeresgott, ausriesest über deinen Sohn. Theseus. Ihr Götter und Poseidon, wahrhaft bist du nun Mein Vater, da du meine Fluchgebet' erhört! Wie ging er unter? Sage! Wie vernichtete Der Rache Keul' ihn, der so schmachvoll mich entehrt? Bote. Wir standen nah dem wildumwogten Meeresstrand; Der Rosse Mähnen kämmten wir mit Striegeln aus, Und weinten; denn ein Bote kam, verkündigend, Daß nicht in diesem Lande mehr Hippolytos Verweilen dürfe, jammervoll verbannt von dir. Nun kam er selber, uns dasselbe Thränenlied Zum Meergestade bringend, und ihm drängte sich Ein dichter Schwarm zahlloser Altersfreunde nach. Doch endlich hemmt er seine Klagen und begann: „Was wein' ich? Folgen muß ich meines Vaters Wort. Die jochgewohnten Rosse schirrt dem Wagen an, Ihr Diener; nicht mehr ist ja dies mein Vaterland." Und ohne Shumen eilte nun ein jeder Mann, Und schneller standen, als es Einer sagen mag, Vor unserm Herrn die angeschirrten Rosse da. Nachdem er sich geschwungen auf den Vordersiz, Ergriff er flugs die Zugel vorn' am Wagenknopf, Erhob die Hände zu den Göttern erst, und rief: „Zeus, nimmer mog' ich leben, wenn ich frevelte; Und fühle noch mein Vater, daß er mich entehrt, Ich möge sterben oder schaun der Sonne Licht!" Und drauf die Geißel fassend, schwang er sie, zumal Die Rosse treibend; aber wir, die Diener, nah Dem Wagen und den Zugeln, folgten unserm Herrn, Gradaus nach Argos und nach Epidauria. Und als wir nun an einen öden Ort gelangt, Erhebt ein Strand sich, über dieses Land hinaus, Gerade zum Saronermeere hingestreckt. Da scholl ein Ton, gleich unterirdischem Donnerhall Von Zeus, gewaltig, schauderhaft zu hören, her: Die Rosse streckten Haupt und Dhr zum Himmel auf, Und stuzten; jugendliche Furcht kam über uns, Woher das Tosen schalle: doch zum rauschenden Meerstrande blickend, sahn wir eine Woger sich. Hochauf zum Himmel thårmen, daß der Klippenhang Des Skeiron unserm Auge sich sofort entzog; Sie barg den Isthmos. und den Fels Asklepios'. Dann schwoll sie hoher, sprudelt' auf mit mächtigem Getose schaumend auf der rings emporten See, Und stieg zum Ufer, wo das Viergespann erschien. Und mit des Meers dreifachgeschwollner Woge warf Es einen Stier, ein wildes Ungethum, an's Land, Von dessen Brüllen rings erfüllt der ganze Strand Erschrecklich widerhallte: doch uns Schauenden Schien dieser Anblick grauser, als das Aug' erträgt. Ein wilder Schrecken fiel die Ross' urplozlich an, Und mein Gebieter, wohlvertraut mit ihrer Art Bei langer Uebung, zog die Zügel an mit Macht, Und zerrte, wie das Ruder wohl ein Steuermann, Sie an den Riemen, seinen Leib rückwärts gebeugt. Doch knirschend beißen sie in's feuergehärtete Gebiß, und stürmen weiter, nicht des Lenkers Hand, Noch Zügel, noch den wohlgefügten Wagen. mehr Beachtend. Aber wenn er dann in's ebne Feld, Das Ruder lenkend, seinen Lauf hinxichtete; Stand, ihn zurückzuscheuchen, schon vor Augen ihm Der Stier, und jagt' in wilde Furcht sein Viergespann. Doch stürmte dieses wuthentbrannt den Klippen zu, So naht' er schweigend, folgte stets am Wagen nach, So lange, bis er diesen stürzt und niederwarf, Des Rades Rundung schmetternd auf ein Felsenstück. Nun war Verwirrung überall: es sprangen hoch Die Räderbuchsen und die Achsenpflock' empor. Doch Er, in seine Zugel sich verwickelnd, ach! Er wird an unldsbarer Fessel fortgeschleift; Das theure Haupt vom Felsen jammervoll zerschellt, Zermalmt die Glieder, ruft er aus in wildem Ton: „Ihr Ross', an meinen Krippen ausgenährt, o steht, Verderbt mich nicht! O grausenvoller Vaterfluch! Wer kommt und will des besten Mannes Retter sein?" Zwar wollten unser Viele, doch nicht rasch genug Gehn unsre Schritte. Jener stürzt, ich weiß nicht wie, Vom Bande schöngeschnittner Riemen abgelöst: Wohl kurze Zeit nur athmet er im Lichte noch. Entschwunden sind die Renner und das Ungethum, Der Stier, am felsenvollen Strand, nicht weiß ich, wo. Ich bin, o Fürst, ein Sklave deines Hauses nur; Doch überreden wird man mich das nimmermehr, Von deinem Sohn zu glauben, daß er bose sei; Ich glaub' es nicht, und hängten alle Frauen sich, Und füllte Jemand alle Fichten Ida's an Mit Klageschreiben; denn ich kenn' als edel ihn. Chor. Weh, weh! Vollendet hat sich neues Ungemach, Und keine Rettung gibt es aus Geschick und Noth. Theseus. Aus Haß des Mannes, welchen dieses Leid betraf, Erfreut' ich dieser Reden mich: doch scheu' ich nun Die Götter und den Jüngling, weil mein Sohn er ist; Drum freut das Leid mich weder, noch betrübt es mich. Bote Wie denn? Ihn bringen, oder was thun sollen wir Dem Armen, daß wir deinem Sinn gefällig sei'n? Bedenk's, und folge meinem Rath, so wirst du nicht Grausam verfahren wider dein unselig Kind. : Theseus. So bringt ihn hierher, daß ich ihn in's Angesicht Des Frevels überführe, den er låugnete, Durch Worte so, wie durch der Götter Strafgericht. Chor. Du-lenkst der Götter unbeugsamen Sinn und der Menschen, o Kypris, samt - Dem Buntgeflügelten, der dich mit rasch : eilender Schwing' umkreist. Er fliegt über die Erde, fliegt hoch über Tosende Salzflut hin. Den sånstigt Eros, dessen entflammtes Gemüth Er anfiel, von goldblizender Schwing' umglanzt; Er lockt des Berges Geschlecht, Was die See, was die Erde nährt, Auf welche des Helios Blick flammend schaut, Und Menschen: Kypris, du allein, Mit der Königinn hoher Macht gebietest du diesen allen. Artemis. Des gefeierten Vaters, des Aegeus, Sohn! Du höre mein Wort! Ich Artemis rufe dir, Leto's Kind. Wie mag dich, o Theseus, dieses erfreun? Unheilig erschlugst du den eigenen Sohn, Von dem Lügengeschwäz des Gemahles bethrt; Doch sichtbar erwuchs dir Schmach hieraus. Was birgst du dich nicht in der Erd' Abgrund Mit errothendem Blick? Was hebst du dich nicht in des Vogels Gestalt In die Lust, und entruckst dem Verderben den Fuß? Denn dir ist unter Gerechten hinfort Kein Theil an dem Leben beschieden. .i Vernimm, o Theseus, wie's geschah mit deinem Leid: Wohl mag es nicht mehr frommen; doch dich quil' ich ſo. Ich bin gekommen, deines Sohns gerechten Sinn Dir darzulegen, daß er sterb' in hohem Ruhm, Und deines Weibes Raserei (benenne du's Hochsinn) zu zeigen: sie, erreicht von Kypris Pfeil, Der größten Feindinn Aller, die Jungfräulichkeit[OCR note; compare the printed page.] Anders: Der Feindinn unser aller, die Jungfräulichkeit. - 1357. Nach συγγόνων seze ein Ausruszeichen; der Genitiv ist von ἀρὰ abhängig. Compare printed p. 350 Als ihre Lust erkoren, liebte deinen Sohn. Bemüht, die Liebe durch Vernunft zu bändigen, Verdarb sie, nicht freiwillig, durch der Amme Trug, Die deinem Sohn ihr Leiden nach geschwornem Eid Enthullte. Dieser, wie's gerecht war, folgte nicht *. Den Worten, und auch wieder, als du schmähtest ihn, Ward er, ein Frommer, seinem Schwur nicht ungetreu. Doch sie, befürchtend, angeklagt zu werden, schrieb Die lügenhaften Zeilen dir, schuf deinem Sohn Durch Trug Verderben; dennoch hat sie dich berückt. Weh mir! Mein Wort, o Theseus, quilt dich; aber harre still, Vernimm das Weitere, daß du mehr noch seufzen magst. Du weißt es, drei Versprechen gab dein Vater dir: Von diesen nahmst, du eines weg, Verruchtester, Statt einen Feind zu treffen, trafst du deinen Sohn.' Der Meeresgott, dein Vater, gab wohlmeinend dir, So viel er mußte, weil er dir es angelobt; Doch du bezeigtest dich an mir und jenem schlecht, Da du Beweise weder, noch der Seher Spruch Erwartet, auch nicht prüftest, oder längre Zeit Erwogest, sondern rascherals es ziemte dir, Den Sohn dem Fluche weihtest, und ihn mordetest. Theseus. Ach, stürb' ich, Göttinn! Artemis. Du vergingst dich schwer; indeß Noch kann Verzeihung werden auch für dieses dir. Denn Aphrodite wollte, daß es so geschah, Die Rache kühlend. Dies Gesez herrscht unter uns: Der Götter keiner will des andern Neigungen Entgegenstreben; immer treten wir zurück. Denn, glaube sicher, wenn ich Zeus nicht fürchtete, Ich hätte niemals mich gestürzt in solche Schmach, Ihn, der von allen Menschen mir der liebste war, Dem Tode preiszugeben. Doch Unkunde spricht Von allem bösen Willen dein Vergehen los; Und jeden Vorwurf, daß sie deinen Sinn berückt, Hat deine Gattinn abgewandt durch ihren Tod. Wohl brach am herbsten dieses Leid auf dich herein 3 Doch macht es mir auch Kummer: denn der Frommen Tod Ist nicht der Götter Wonne; nein, die Bösen nur Und ihre Kinder und ihr Haus vertilgen wir. Chor. Hier naht ja der Unglückselige schon, An der blüh'nden Gestalt Und dem bräunlichen Haupt scheuselig entstellt. Weh, Jammer und Noth! Welch doppeltes Leid Hat über dem Haus, Von den Göttern gesandt, sich entladen! Ach, ach! Hippolytos. Ich Armer, ich ward von dem grausamen Fluch, Mein grausamer Vater, vernichtet von dir! Nun bin ich verloren: o weh mir, weh! Wildtobende Qual durchsturmt mir das Haupt, Und im kranken Gehirn hupst zuckend der Schmerz. Halt! Ruhe vergönnt dem entkräfteten Leib! Ach, ach! Scheuseliges Rossegespann, das einst Ich selbst aufzog, Du vernichtetest mich, Tod brachtest du mir! Bei den Himmlischen, weh! rührt sanft mit der Hand, Ihr Diener, mir an den verwundeten Leib! Wer hat sich mir rechts an die Seite gestellt? Lind' hebt mich empor, nicht ungleich zieht Mich, den Verworfenen, mich, den Versluchten Durch des. Vaters Versehn! - Beus, siehest du das? Der lauter und fromm zu den Göttern sich hielt, Der Allen an Weisheit strebte voran, Ich wall' in den Hades sichtbar hinab, Aus dem Leben entrafft; Und fruchtlos muht' ich um Frömmigkeit mich, Und übte sie gegen die Menschen.rodaj Ach, ach! d Und nun faßt wieder der Schmerz mich, der Schmerz. last mich Elenden,. Und komme mir, Tod, mein rettender Arzt! Ja, tödtet mich Unglückseligen auch! Ich verlange nach zwiefachschneidendem Speer, Zu durchbohren die Brust, Und das Leben in Schlaf zu versenken im Tod. trauriger Fluch, den der Vater gethan, Und blutbefleckter Ahnen Fluch! Der uralten Stammvåter Schuld Bögert nicht mehr, über die Schranken bricht sie, Und stürmt auf mich, warum auf mich, der keines Frevels schuldig ward? Weh, was sag' ich? Wie Soll ich doch mein Leben erldsen J٠٠ Von diesem grausam bittern Schmerz? Daß mich in Ruh' einwiegte, mich Unseligen, Die nachtlich schwarze Macht des Schattenherrschers! Artemis. In welches Ungluck, Armer, wurdest du verstrickt! Vernichtet hat dich deines Herzens edler Sinn. Ha! Hippolytos. Götterhauch des Duftes! Unter Schmerzen auch Erkannt' ich deine Nähe, fühl erleichtert mich. Wohl weilt die Göttinn Artemis in diesem Raum. Artemis. Sie ist es, Armer, deine liebste Göttinn ist's. Hippolytos. Herrinn, siehst du, wie's mit mir Bedrängten geht? Artemis. Ich seh' es; doch der Göttinn ziemt die Thrane nicht.[OCR note; compare the printed page.] Wörtlicher: Ich seh' es; aber weinen darf das Auge nicht. Compare printed p. 350 Hippolytos. Dein Jagdgenoß, dein treuer Diener ist dahin. Artemis. Dahin; jedoch du scheidest, vielgeliebt von mir. Hippolytos. Dein Rosselenker, deiner Gottesbilder Schuz. Artemis. Die schlaue Kypris hat es ausgesonnen so. Hippolytos. Weh mir! Die Göttinn kenn' ich, die mich mordete. Artemis. Die Ehre mir misginnend, zurnt sie, Keuscher, dir. Hippolytos. Mir ahnt: die Eine bracht' uns drei'n den Untergang. Artemis. Dem Vater, dir, und einer Dritten, seinem Weib. Hippolytos. So klag' ich denn auch über meines Vaters Leid. Artemis. Durch dieser Göttinn Rånke ward sein Sinn berückt. Hippolytos. Ach armer Vater, daß du dieses Leid erfuhrst! Theseus. Ich bin dahin, Kind! Nimmer reizt das Leben mich. Hippolytos. Ob deines Irrthums seuss' ich mehr um dich als mich. Theseus. konnt' ich todt an deiner Stelle sein, o Kind! Hippolytos. Ha, Bittres gab dein Vater Poseidaon dir! Theseus. war' es nie gekommen über meinen Mund! Hippolytos. Wie? Mich gemordet hatt'st du doch; so zurntest du. Theseus. Die Götter hatten also mir den Sinn berückt. Hippolytos. Ddaß den Göttern fluchen könnt' ein Sterblicher! .81 Artemis. Laß dieses! Auch im dunkeln Erdenschooße nicht Hat ungericht die eifersuchtig grollende Kythere schmetternd sich gestürzt auf deinen Leib Dem lautern Herzen, deiner Frömmigkeit zum Lohn. Denn einen Andern, der von allen Männern ihr Der liebste sein mag, werd' ich ihr mit meiner Hand, Mit diesen_sichern Pfeilgeschossen züchtigen. Doch dich, o Armer, werd' ich für dein traurig Loos Mit höchsten Ehren im Gebiet Trozenia's Verklären; denn die Braute weih'n ihr Lockenhaar Dir vor dem Hochzeitseste lange Zeit hindurch, Und Thränen großer Trauer sind dein Lohn dereinst.[OCR note; compare the printed page.] Anders: Und große Thränentrauer wird zum Lohne dir. L. καρπεμένῳ. Compare printed p. 350 Stets wird der Jungfrau hochbegeistert Lied von dir Erschallen, niemals namenlos vergessen sein. Die Liebe Phådra's, welche dein, Verderben ward. Du nimm in deinen Armen auf den Sohn, o Kind Des alten Aegeus, und umfange liebend ihn; Du gabst ihm unbewußt den Tod, und sündigen Muß, wenn's die Gottheit also fügt, der Sterbliche. Und dich ermahn' ich, hasse deinen Vater nicht; Du weißt die Schickung, die dich sturzt, Hippolytos: Und lebe wohl mir; keinen Todten darf ich seh'n, Durch Todesrocheln nicht das Aug' entheiligen, Und diesem Uebel nahe schon gewahr' ich dich. Hippolytos Dr.Segensjungfrau, lebe wohl auch du, und geh, Und lose sanft den langen trauten Seelenbund. Die Schuld des Vaters tilg' ich, weil du's also willst; Denn auch zuvor gehorcht' ich deinen Worten, stets. 0411 Weh, schon umwallet Dunkelheit das Auge mire Fasse mich, o Vater, und erhebe meinen Leib.fff Theseus. Weh, wehe, Kind! Was thust du mir Unglücklichen? Hippolytos. Ich bin verloren, sehe schon der Todten Thor. Theseus. Du låssest meine Seele so befleckt zuruck? Hippolytos. Nein, nein; ich spreche dich ja frei von diesem Mord. Theseus. Wie sagst du? Schuldlos sprichst du mich des Blutvergehns? Hippolytos. Ich schwör' es bei der bogenstolzen Artemis. Theseus. Wie edel, Theurer, zeigst du deinem Vater dich! Hippolytos. Nun lebe wohl, o Vater, vielmals lebe wohl! Theseus. : weh mir! Welche Frömmigkeit, welch edles Herz! Solch achte Kinder wünsche dir durch Götterhuld! Theseus. Verlaß mich jekt nicht, harre muthig aus, o Kinb! Hippolytos. Ich hielt, o Vater, muthig aus und sterbe nun: Geschwind verhulle meine Gesicht in's Todtentuch! (er stirbt.) Theseus. Ihr Thürm' Athens und Pallas hochberûhmte Burg, Entrissen wird euch - welch ein Mann! Ich Elender! Noch oft gedenken, Kypris, werd' ich deiner That. Chor. Auf die Bürger herein brach, keinem geahnt, Das gemeinsame Leid. Nun stromen so heiß viel Thränen des Grams; Denn schmerzlicher tont weithin das Gerücht, Das treffliche Menschen betrauert.