Andromache — Donner (1845), OCR review edition Euripides Johann Jakob Christian Donner OCR source collation, conservative repairs and citation alignment Editorial processing with Codex

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Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift von J. J. C. Donner. Volume 2. Heidelberg: C. F. Winter, 1845. Harvard supplied OCR, H12; running-text copy text. Independent BSB copy, page-coordinate OCR and facsimiles; used to check layout and notes.BSB digitization Source reviews and editorial inventory

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Andromache. Des Asiatenlandes Zier, o Theberstadt,[OCR note; compare the printed page.] Die Theberstadt ist Thebe in Kilikien, wo Eetion, der Vater Andromache's, herrschte. Compare printed p. 347OCR review edition. D. citations belong to Donner; u marks unresolved verse division. Sources, repairs and unattributed notesDonner’s metrical analyses and notes: page facsimiles Von wo mit goldner Gaben Schaz Andromache Vormals zur königlichen Burg des Priamos Gekommen, Hektorn anvermählt als fruchtbare . Gattinn, beneidenswirdig wohl in frührer Zeit, Doch nun der Frauen allerungluckseligste! Ich sah, wie Hektor, mein Gemahl, erschlagen ward Von Thetis' Heldensohne, wie von hohem Thurm Hinabgestürzt ward unser Sohn Astyanar, Als Argos' Sohne Troja's Flur eroberten; Und, eine Sclavinn, aus dem allerfreisten Stamm Vormals geachtet, kam ich selbst in Hellas' Aun, Des Inselfürsten Neoptolemos Kriegsgeschenk,[OCR note; compare the printed page.] Neoptolemos oder Pyrrhos war auf der Insel Skyros geboren, wo sein Großvater Lykomedes König war. Compare printed p. 347 Das ihm vom Raube Troja's ausgesondert ward. Und hier in Phthia's Fluren und Pharsalia's, Den nachbarlichen, wohn' ich, wo, von Menschen fern, Dem Schwarm entflohn, die Meeresgöttin Thetis einst Gewohnt mit Peleus: ihren Bund verewigend, Nennt Thetideion diesen Ort der Thessaler. Da weilt Achilleus' edler Sohn in diesem Haus, Und läßt den Peleus herrschen in Pharsalos' Land, Nicht nach dem Zepter trachtend, weil der Alte lebt. Und ich gebar in diesen Häusern einen Sohn, Gesellt Achilleus' Sohne, der mein Herrscher ist. Zuvor, wiewohl unglucklich, hat doch immer mich Gestarkt die Hoffnung, wenn der Sohn am Leben sei, Schuz einst und Schirm zu finden wider Ungemach. Doch nun der Herrscher sich vermählt Hermione, Die Tochter Sparta's, und verschmåht mein Sclavenbett, Werd' ich von ihr mit grauenvoller Schmach verfolgt. Denn durch geheime Zauber ihr Unfruchtbarkeit Bereitend, (sagt sie) raub' ich ihr des Mannes Herz; Im Hause herrschen woll' ich selbst an ihrer Statt, Gewaltsam sie vertreibend aus des Gatten Gunst, Ich, die von Anfang widerstrebend ihm gefolgt, Und nun ihn aufgab. Zeuge mir der große Zeus, Daß nur mit Widerwillen ich sein Bett getheilt! Doch nicht bered' ich diese, sie will meinen Tod; Menelaos beut der Tochter seine Hand dabei. Und eben darum ist er nun im Hause, kam Darum von Sparta. Ich in banger Angst entfloh Zu Thetis' Tempel in des Hauses Nähe hier, Und size harrend, ob er mir abwehrt den Tod. Der Stamm des Peleus und er selbst ehrt diesen Ort, Der Zeuge seines Chebunds mit Thetis war. Mein einzig Sohnchen aber sandt' ich ingeheim In andre Häuser, daß man ihn nicht mordete. Denn, der gezeugt ihn, ist mit seiner Hilfe mir Jezt nicht gewärtig, auch dem Sohne frommt er nicht: Er weilt im Delpherlande, dort dem Lorias Die Raserei zu büßen, daß er Rechenschaft Von ihm zu Pytho fordert um des Vaters Tod, Ob nicht, der alten Sünde Schuld abbittend, er Die Huld Apollons etwa sich erring' hinfort. Eine Dienerin kommt aus dem Hause des Neoptolemos. Die Dienerin. Gebieterin! Mit diesem Namen schen' ich nicht Dich noch zu nennen, weil ich so dich auch genannt In deinem Hause, da wir Troja's Flur bewohnt: Stets war ich dir und Hektor, deinem Gatten, hold, Und nun erschein' ich, Neues dir verkundigend; Wohl fürcht' ich, daß der Herren einer mich erspåht, Doch treibt mich Mitleid: Grauses droht Menelaos dir Mit seiner Tochter; sei davor auf deiner Hut. Andromache. O theure Nebensclavin! (Denn das bist du mir, Der frühern Herrin, welche nun unglücklich ist;) Was thun sie? Welche Hinterlist ersinnen sie, Und wollen mich ermorden, mich Verlorene? Die Dienerin. Sie trachten, deinen Knaben, Unglückselige, Zu morden, den du außerhalb des Hauses bargst. Andromache. Sie hat erfahren, daß ich meinen Sohn verbarg? Woher? Verloren bin ich, ach, ich Elende! Die Dienerin. Ich weiß es nicht: aus ihrem Munde hort' ich's selbst; Von Hause ging Menelaos, ihn zu suchen, fort. Andromache. So war' ich denn verloren! Kind, es werden dich Die beiden Geier morden, und noch immer weilt Im Delpherlande, der sich deinen Vater nennt. Die Dienerin. Ja, wäre der hier, stund' es nicht so schlimm um dich, Das glaub' ich sicher; ohne Freunde bist du jezt. Andromache. Kam nicht von Peleus Kunde, daß er kommen wird? Die Dienerin. Zu alt an Jahren ist er, um dir beizustehn. Andromache. Gesendet hab' ich wohl nach ihm, nicht Einmal nur. Die Dienerin. So meinst du wohl, ein Bote kummre sich um dich? Andromache. Wie sollt' er? Möchtest etwa du mir Bote sein? Die Dienerin. Was aber sag' ich, wenn ich lang von Hause war? Andromache. Viel magst du dir ersinnen; denn du bist ein Weib. Die Dienerin. Es ist gefährlich; sorglich wacht Hermione. Andromache. Sieh doch! Im Leid entziehst du deinen Freunden dich. Die Dienerin. Mitnichten! Nimmer klage dieser Schuld mich an! Ich gehe, (weil das Leben einer Sclavin doch Nicht viel bedeutet,) wenn mich auch ein Leiden trifft. (geht ab.) Andromache. wie wir allezeit So gehe! Doch wir wollen In Thränen leben, Klagelaut und Jammerton - Ausschrein zum Aether: denn es ist Erleichterung, Genuß den Frauen, die das Ungluck heimgesucht, Es auf den Lippen und im Mund zu führen stets. Ich muß um Vieles klagen, nicht um Eines nur, Um meinen todten Hektor, um die Vaterstadt, Mein hartes Schicksal, welches mich gebunden hält, Nachdem ich schmachbeladen sank in Sclaverei. Nie glucklich nennen sollst du mir den Sterblichen, Bevor du seinen lezten Tag gesehen, wie Er den vollendend, niederwallt ins Todtenreich. Unheil brachte dir Paris, o Ilios, keine Vermählung, Als er Helenen heim führt' in der Ehe Gemach. Darum erschien aus Hellas mit tausend Masten der Wüthrich Ares, eroberte dich, Troja, mit Feuer und Schwert,[OCR note; compare the printed page.] L. ὀξὺς Αρης. Compare printed p. 347 Raubte mir meinen Gemahl, der Verlorenen, welchen am Wagen Fesselnd, der Meergåttin Sohn um die Mauern geschleift. Ich ward aus den Gemächern gefuhrt zum Gestade des Meeres, Beugt' in der Dienstbarkeit traurige Bande das Haupt; Und viel Zahren entstromten die Wange mir, als ich im Staube Meinen Gemahl und die Stadt und die Gemåcher verließ. Unglückselige, weh! Was mußt' ich noch schauen die Sonne Ich, Hermione's Magd, die mich verfolgend bedrängt, Daß ich, flehend geschlungen die Hånd' um der Göttlichen Bild hier, Weine, der Quellslut gleich, welche dem Felsen entströmt? Der Chor tritt auf. Andromache. Erste Strophe. Chor. Die du so lange verweilest am Siz und im Tempel der Thetis, Und ihn nicht verlåssest! Eine Phthioterin zwar, doch kam ich zu dir, Asiatin, Ob ich etwa Rettung Für dich aus schwerem Leide finden mag, Das mit Hermione dich in dem feindlichen Hader verstrickte, Arme, die das Lager Bei dem Sohn des Achilleus Mit ihr, der Herrin, theilen muß. Erste Gegenstrophe. Kenne dein Loos, und das Leiden erwäge mir, das dich Du, die Tochter Troja's, betroffen! Kampsest mit deinen Gebietern den Kampf, mit den Språß- Fliehe weg vom Hause lingen Sparta's? Der Meergöttin, dem opferreichen! Was Frommt es dir, Arme, dich bang in entstellendem Gram zu verzehren, Weil dich drångt die Herrin? Es bezwingt die Gewalt dich. Was willst du dich, Machtlose, quålen? Zweite Strophe. Auf von dem strahlenden Siz der unsterblichen Tochter des Wisse, daß in fremdem Land Nereus! Sclavin du bist, in der feindlichen Stadt, Wo deiner Freunde keinen du. Schauest, ungluckseligste Der Frauen, ganz Verlorne! Zweite Gegenstrophe. Ilierin, du kamest zum Hause mir, schmerzlich bedauert; Doch wir schweigen, billig ja Fürchten wir meiner Gebieterin Groll, (Zwar deines Looses jammert uns,) Daß die Tochter Helena's, Wie wir dich lieben, sehe. Hermione. Andromache. Der Chor. (von ihren Dienerinnen umgeben.) Hermione. Den Glanz des goldnen Schmuckes, der mein Haupt umgibt, Und diese bunten Leibgewand', ich habe sie Nicht aus Achilleus' oder Peleus' Hause mir Als Erstlingsgaben einer Braut hiehergebracht; Nein, schon im Spartiatenland Lakonia Verehrte sie Menelaos, unser Vater, uns Mit großem Mahlschaz, daß ich wohl frei reden darf. Euch, Frauen, sag' ich dieses als Erwiederung: (sie wendet sich an Andromache) Doch du, die Sclavin, die des Krieges Speer gewann, Willst uns vertreiben, Herrin hier im Hause sein; Berückt von deinen Zaubern, haßt mein Gatte mich; Durch deine Kunst' unfruchtbar, schwindet mir der Leib: Denn stark in solchem Treiben ist in Asia Der Geist der Frauen; aber ich verwehre dir's, Und helfen soll dir dieses Haus der Thetis nichts, Und nichts Altar und Tempel; sterben mußt du mir. Wenn eine Gottheit, wenn ein Mensch dich retten will, Mußt du den alten Herrscherstolz ablegen, mußt - Demüthig niederfallen, mir an's Knie geschmiegt, Und meine Wohnung scheuern, und aus goldenen Gefässen sprengen mit der Hand Acheloos' Flut,[OCR note; compare the printed page.] Ucheloos, ein Fluß Aetoliens, steht häufig für jeden anderen Fluß oder Quell. Compare printed p. 347 Und, wo du weilst, erkennen; denn nicht Hektor ist, Noch Priamos, nicht Troas, sondern Hellas hier.[OCR note; compare the printed page.] ξ. χρυσός 1. Τρωάς. Compare printed p. 347 Doch, Arme, so weit führte dich dein Unverstand, Du freist den Sohn des Vaters, der den Gatten dir Gemordet, ohn' Errdthen, und des Mörders Sohn Gebierst du Kinder. Solches ist Barbarenbrauch: Der Vater freit die Tochter, und die Mutter freit Der Sohn und Brüder Schwestern, und es morden sich Die Liebsten; dieses Alles wehrt euch kein Gesez. Uns das zu bringen, hute dich; es ziemt ja nicht, Daß Einem Mann zwei Frauen unterthänig sind; Nein, gerne låßt an Eines Weibes Liebe sich Genügen, wer nicht wohnen will im Ungemach. Chor. Wohl ist ein rachbegierig Volk der Fraun Geschlecht, Und Nebenweibern, immerdar am feindlichsten. Weh! Andromache. Der Jugend Feuer bringt Gefahr den Sterblichen, Vornehmlich wenn sich Tugend ihm nicht zugefellt. Wohl bindet, furcht' ich, mein Geschick die Zunge mir, Obwohl ich manches Wahre dir erwiedern kann, Und siegt' ich, wurde Schaden mir zum Lohne nur; Denn bitter fühlt der Große, der voll Uebermuth Sich blåht, die bessern Worte vom Geringeren; Doch selber mich verrathen das sei ferne mir![OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Mich selbst verrathend will ich nicht erfunden sein. Compare printed p. 347 Sprich, Mädchen, welchem sichern Grund vertraut' ich denn Vertrieb ich dich aus deines achten Gatten Gunst? Weil etwa Sparta schwacher ist als Phrygien, Mein Gluck so glänzend, und du mich als Freie sichst? Wohl, weil ich stolz auf Jugend und auf Körperreiz, Auf meines Reichthums Größe stolz und Freundesmacht,[OCR note; compare the printed page.] L. πλύτα τε μεγέθει. Compare printed p. 347 An deiner Statt in deinem Hause schalten will? Wohl, daß ich Söhne, Sclaven zeug' an deiner Statt, Die Armen, die mir folgen, wie das Boot dem Schiff? Doch wird man dulden, daß die Söhn' Andromache's Einst über Phthia herrschen, wenn du nicht gebierst? Um Hektors willen freilich liebt mich Hellas' Volk, Und ich bin fremd ihm, und gebot in Troja nicht. Nicht meiner Zauber wegen haßt dein Gatte dich; Er haßt dich, weil du nicht mit ihm zu leben weißt. Auch dieses weckt die Liebe; nicht Schönheit, o Frau, Der Tugend Reize sind es, die den Gatten freun. Und fühlst du dich beleidigt, hoch erhebst du dann Lakedamon, achtest Skyros' Inselland für Nichts, Reich prahlst du vor nicht Reichen, und Menelaos gilt Mehr als Achilleus; darum haft dich dein Gemahl. Denn eine Frau muß, auch vermählt dem schlimmen Mann, Sich gern begnügen, hadre nicht im Uebermuth. Doch, wår' ein König dein Gemahl in Thrakia, Dem schneeumstürmten Lande, wo der Reihe nach Ein Mann mit vielen Ehefraun sein Lager theilt: Sprich, wird'st du diese todten? Also wålztest du Die Schmach der Unersättlichkeit auf alle Fraun! Wie schändlich! Zwar mehr, als die Männer, leiden wir An dem Gebrechen, aber klug verhehlen wir's. Mein theurer Hektor, gern ertrug ich dir zulieb Die Nebenfrauen, wann Kythera dich bethårt, Und ihren Kindern reicht' ich oft sogar die Brust, Damit ich niemals Bittres dir bereitete. So fesselt' ich durch Tugend meinen Gatten stets; Du aber duldest, immerdar von Furcht erfüllt, Auch nicht den Tropfen Himmelsthau an deinem Mann. O such' in Männerliebe, Frau, die Mutter nicht Zu übertreffen; denn der båsen Mütter Art Bu fliehen, ziemt den Kindern, die verständig sind. Chor. Wenn du's, o Herrin, über dich gewinnen kannst, Laß dich bereden, und versöhne dich mit ihr. Hermione. Was soll dein Kampf mit Worten, was dein stolzer Ton, Als wärest du die Weise, und die Thorin ich?[OCR note; compare the printed page.] Der Hiatus in diesem Verse wird durch die Pause gemildert. Compare printed p. 347 Andromache. Das bist du nach den Worten, die du eben sprachst. Hermione. Dein weiser Sinn, Weib, wohne nicht in meiner Brust! Andromache, So jung an Jahren, redest du das Schndde nur. Hermione. Du redest nicht, du thuſt es, wie du's kannst, an mir. Andromache. Nicht schweigend willst du tragen deiner Liebe Schmerz? Hermione. Wie? Sollte Das nicht allen Fraun das Höchste sein? Andromache. Nur Einer, die sich gnügen läßt, den andern nicht. Hermione. Barbarenbräuche kennt man nicht in meiner Stadt. Andromache. So dort, als hier, bringt Schande, was schmachwürdig ist. Hermione. Schlau bist du, schlau, Weib; dennoch ist dein Tod gewiß. Andromache. Das Bild der Thetis (siehst du?) blickt auf dich herab. Hermione. Sie haßt um ihres Sohnes Tod dein Vaterland. Andromache. Nicht ich, ihn mordet' Helena, die dich gebar. Hermione. Auch fürder also wühlst du fort in meinem Schmerz? Andromache. So schweig' ich denn und öffne nicht mehr meinen Mund. Hermione. Auf das, warum ich hier erschien, antworte mir. Andromache. Dir, sag' ich, fehlt der weise Sinn, der dir geziemt. Hermione. Verlässest du der Thetis keusches Heiligthum? Andromache. Nur, wenn du mich nicht todtest; anders nimmermehr! Hermione. Das ist beschlossen, und des Gatten wart' ich nicht. Andromache. Doch ich ergebe mich fürwahr nicht eher dir. Hermione. Mit Feuer wuth' ich gegen dich, nicht schon' ich dein, - Andromache. So senge nur; die Götter schauen diese That - Hermione. Noch acht' ich grauser Wunden Schmerz an deinem Leib. Andromache. Mit Blut entheilige den Altar; sie strafen dich! Hermione. Barbarenbrut du, trozig wilder Uebermuth, Du willst den Tod erdulden? Ich, ich bringe dich Sogleich mit deinem Willen fort von diesem Siz; Solch einen Köder hab' ich. Doch verschweig' ich noch Mein Mittel, offenbaren wird dir's bald die That. Siz' unbeweglich! Wenn dich auch geschmolznes Blei[OCR note; compare the printed page.] Die Baumeister des Alterthums pflegten die Steine der Gebäude durch eiserne Haken und geschmolzenes Blei zu verbinden. Compare printed p. 347 Ringsher umschlosse, trieb' ich dennoch dich hinweg, Bevor Achilleus' Sohn erscheint, auf den du baust. (geht ab.) Andromache, Auf diesen bau' ich. Schrecklich, daß die Sterblichen Ein Gott gelehrt hat, Waldgewürm zu båndigen: Was schlimmer ist, als Feuer, als der Schlange Brut, Ein böses Weib, zu zähmen, fand noch Keiner aus! Ein solches Uebel sind wir Fraun den Sterblichen. Erste Strophe. Chor. Große Bedrängnisse wahrlich erhoben sich, Als Zeus' und Maja's Sohn Nach den Waldthålern Ida's dort, Der Götterfrauen Dreigespann mit schonem Joch[OCR note; compare the printed page.] Die Götter frauen, Here, Pallas und Aphrodite, welche der Götterbote Hermes zu dem Schöfe des Paris führte. Compare printed p. 347 Daherlenkend, kam; Das Gespann, mit dem traurigen Zwist um die Schönheit Lenkt' hin zu des Hirten bewehrt, Gehöfe, hin zu dem einsamwallenden Junglinge, Zum Herd der öden Schäferwohnung. Erste Gegenstrophe. Und in die waldigen Thåler gelangten sie, Und wuschen dort im Strom Klarer Bergquellen ihre Glanzgestalt; zu Paris eilten sie darauf, entbrannt In wildhadernder Zwietracht; und mit Worten des Truges umſpann Kypris ihn, Die, lieblich zu hören, Umsturz der Freiheit, bittern Sturz, der Phrygerstadt, Der unglückvollen Troja, brachten. Zweite Strophe. Håtte doch über das Haupt sie geworfen das Unheil,[OCR note; compare the printed page.] über das Haupt werfen, ein Ausdruck von Dingen, die man als Unheil fortschleudert, um jede Spur von ihnen zu vertilgen. Compare printed p. 347 Sie, die den Paris gebar, Bevor er Ida's Fels zur Wohnung nahm, -Da, mit heiligen Lorbeerzweigen geschmückt, Kassandra rief: „Ermordet ihn, Die unnennbare Schmach für des Priamos Stadt!" Wem nahte sie nicht, welchem Haupt des Troërvolks Flehte sie nicht, dieses Kind zu tödten? Zweite Gegenstrophe. Ilions Frauen umschlangen die Bande der Knechtschaft Nicht, nimmer nåhmest du, Frau, Den Siz im Hause meiner Herrscher ein;[OCR note; compare the printed page.] Den Siz am Altare, wo Andromache Schuz vor ihren Feinden suchte. Compare printed p. 347 Und es endeten Hellas' klägliche Mühn, Da seine Söhn' um Ilion Zehn Jahre hindurch umirrten im Kampf; Der Ehe Lager stånden nicht verådet, noch Klagte der Greis einsam seine Kinder. Menelaos führt den Sohn Andromache's, Molottos, herbei. Andromache. Der Chor. Menelaos. Frau, deinen Sohn ergriff ich, welchen ingeheim Vor meiner Tochter du verbargst im fremden Haus. Dich müsse retten, prahltest du, der Göttin Bild, Und diesen, Frau, die Leute, die verborgen ihn: Doch warst du minder listig, als Menelaos war. Und wenn du nicht verlassend diesen Tempel räumst, So wird der Knabe hingewürgt an deiner Statt. Drum überlege dieses, ob du sterben willst, Ob deines Frevels halben er verderben soll, Den du verübtest wider uns und unser Kind. Andromache. O Ruhm, o Ruhm, wie viele tausend Sterbliche, Die Nichts gewesen, hobest du zur Macht empor! Wohl preis ich jene glucklich, die sich wahren Ruhm Errungen; wer sich ihn erlog, hat seinen Ruhm Dahin; dem Glicke dankt er's, daß er weise scheint. Du nahmest einst mit einem auserlesenen Hellenenheere Troja, du Feigherziger, Der um ein Wort der großgewachsenen Tochter so Aufstürmt' im Unmuth, und mit mir unseligen Sclavin zu hadern sich erhob? Ich achte dich Nicht würdig Troja's oder Troja dein hinfort. Von aussen glänzt der Eitle, der sich weise dunkt; Nach innen ist er Allen gleich, nur daß vielleicht Reichthum vor Andern ihn beglückt, der viel vermag. Menelaos, auf! Vollenden laß uns dies Gespräch. Mich todte deine Tochter, sie verderbe mich: Der Schmach der Blutschuld wird sie dann nicht mehr entfliehn. Des Volkes Stimme zeichnet dich als schuldig auch An diesem Frevel, den du mitverüben halfst. Entrinn' ich aber selber noch dem Untergang, So mordet ihr den Knaben? Doch wie truge dann Der Vater wohl gleichmuthig seines Sohnes Tod? Fürwahr, so ganz unmånnlich nennt ihn Troja nicht. Nein, was die Pflicht ihn lehrte, was Peleus', des Ahns, Und seines Vaters würdig ist, das wird er thun: Er wird dein Kind verstoßen. Soll ein Andrer dann Sie frein, was sagst du? Daß sie einem schlimmen Mann Entflohen sei, die Wackre? Doch da logest du. Wer mag sie frein auch? Oder soll sie unvermählt In deinem Haus ergrauen? Ungluckvoller Mann, Erblickst du nicht der Leiden überstromend Meer? Wie viele Kebsfraun wunschtest du der Tochter nicht, Eh' als sie das erführe, was ich nun gesagt? Dem kleinen Uebel füge nicht ein großes bei, Und wenn ein unheilvolles Leid wir Frauen sind, So sei die Art der Männer nicht den Frauen gleich. Hab' ich mit Zaubereien dir dein Kind umstrickt, Wie sie behauptet, ihren Leib geschädiget; Dann gerne, nicht ungerne, noch den Weihaltar Umschlingend, unterwerf ich selbst der Buße mich Vor deinem Eidam, der mir kein geringres Leid Verhängen möge, weil er kinderlos verblieb. So lautet unsre Rede; doch von deinem Sinn Besorg' ich Eines: auch um einen Weiberzwist Zerstörtest du der Phryger unglucksel'ge Stadt. Chor. Du sprachest freier, als die Frau zu Männern spricht, Und deiner Seele Feuer überschritt das Maß. Menelaos. O Frau, gering ist dieses, und nicht würdig mein, Des Oberfeldherrn, wie du sagst, und Hellas' nicht? So wisse: was ein Jeder nöthig hat, erscheint Ihm größer, als der Phrygerstadt Eroberung. Ich werde meiner Tochter (denn ich acht' es groß, Des Manns beraubt zu werden,) treu zur Seite stehn. Denn Alles, was sie duldet, gilt der Frau gering; Doch wer ihr raubt den Gatten, raubt das Leben ihr. Wie jener meinen Sclaven frei gebieten darf,[OCR note; compare the printed page.] Jener, Neoptolemos. Compare printed p. 347 Gleich so gebeut den seinen mein Geschlecht und ich; Denn Freunde haben, wenn sie wahrhaft Freunde sind, Kein eignes Gut mehr, sondern nur gemeinsames. Wenn ich der Fernen harrte, nicht das Meinige Am besten fügte, wurd' ich tråg, nicht weise sein. So räume dieses Heiligthum der Göttlichen: Wenn du den Tod erduldest, stirbt der Knabe nicht; Doch weigerst du zu sterben, dann ermord' ich ihn: Von Beiden Einer fållt dem Tod als Opfer heim. Andromache. Du låssest eine bittre Wahl, ein bittres Loos Des Lebens mir; denn wåhl' ich, wird Unglück mein Theil, Und wahl ich nicht, so werd' ich ungluckselig sein. Du, der so Schweres mir verhångt um leichte Schuld, Was that ich? Weshalb würgst du mich? Welch eine Stadt Verrieth ich? Welchen deiner Sohn' ermordet' ich? Sprich, welches Haus verbrannt' ich? Nur gezwungen gab Ich deinem Eidam mich dahin: doch willst du mich, Nicht ihn, den Schuldigen, tödten, und des Anbeginns Gedenkst du nicht, und eilest diesem Ende zu? O meines Unglucks! Mein verlornes Vaterland, Wie Schweres duld' ich! Was gebåren mußt' ich auch, Was fugt' ich eine neue Last zu dieser Last? Doch was beklag' ich dieses, und bejammre nicht, Und denke nicht des Leides, das mich nun bedrängt? Ich, die den Leichnam Hektors um die Stadt geschleift, Graunvoll mit Feuer Ilion zerstören sah, Als eine Sclavin dann zu Hellas' Schiffen kam, Am Haar gerissen, als sie drauf zur Phthierstadt Gelangte, Hektors Mördern sich vermählen muß. Was lieb' ich noch das Leben? Worauf soll ich schaun? Auf diese Leiden oder auf vergangene? Ein Sohn, des Lebens Auge, war mir übrig noch; Ihn denken sie zu morden, das dünkt ihnen recht. Nicht sterben soll er, wahrlich, daß ich leben mag: Ihm blüht die Hoffnung, wenn er hier gerettet wird; Mir aber ist es Schande, sterb' ich nicht für ihn. Seht her, den Altar raum' ich! Nun in eurer Hand Bin ich; ermordet, bindet mich, erdrosselt mich! Sohn, deine Mutter geht hinab in Hades' Haus, Daß du nicht sterbest! Doch, entfliehst du diesem Loos, So denke deiner Mutter, wie sie litt und starb, Und deinem Vater, wenn du hångst an seinem Mund, Im Auge Thränen, und um ihn die Hånde schlingst, Meld' unsre Leiden! Kinder sind den Weltern stets Ihr Leben: tadelt dieses Wort, wer's nicht erfuhr, Er leidet minder, aber hat Ungluck im Glück. Chor. Ich hörte dich bedauernd; denn das Misgeschick Ruhrt alle Menschen, wenn es auch ein fremdes ist. Mit deiner Tochter håttest du die Frau, o Herr, Versöhnen sollen, sie befrein aus ihrer Noth. Menelaos. Ergreift mir diese, schlingt die Arme fest um sie, Ihr Diener; hören wird sie nichts Erfreuliches. (zu Andromache) Ich drohte, daß du räumest Thetis' Heiligthum, Den Tod des Knaben, und berückte dich damit, In meine Hand zu kommen, wo dein harrt der Tod. Und wisse: dir ward dieses Loos verhångt von uns; Doch über deines Sohnes Loos bestimmt mein Kind, Ob ihn sie morden oder nicht ermorden will. Nun geh' in dieses Haus hinein, damit du lernst Nicht mehr die Freien höhnen, du, das Sclavenweib! Andromache. Weh! Mit Trug beschlichen hast du mich; wir sind getäuscht. Menelaos. Verkünde dieses Allen; denn ich laugn' es nicht. Andromache. Das gilt am Strom Eurotas euch für recht und klug? Menelaos. Beleidigungen råcht man auch im Troërland. Andromache. Sind Götter Götter, walten sie nicht mehr gerecht? Menelaos. Ich will es tragen, strafen sie; du stirbst durch mich. Andromache. Auch dieses Kind hier unter meinen Fittigen?[OCR note; compare the printed page.] Unders: Auch dieses Kind hier raffst du fort aus meinem Arm? Compare printed p. 347 Menelaos. Ncin; meiner Tochter geb' ich's, wenn sie's todten will. Andromache. Weh mir! Warum bejammr' ich nun dich nicht, o Kind? Menelaos. Ein kühnes Hoffen also bleibt ihm übrig noch. Andromache. Ihr, alle Menschen hassend voll Erbitterung, Bewohner Sparta's, sinnend auf verschlagnen Rath, Der Lügen Meister, bose List anspinnende, Geschmeidig, unwahr, hinterhaltig, überall Versteckt! Mit Unrecht ehrt man euch in Hellas' Volk. Was wåret ihr nicht? Häufet ihr nicht Mord auf Mord, Jagt nicht nach schnddem Gewinne? Spricht die Zunge nicht Ein Andres, und ein Andres denkt stets euer Herz? Verderbet! Mir ist nicht der Tod so bitter, traun, Den du beschlossen. Mein Verderben war es auch,[OCR note; compare the printed page.] L. ὃς σοι δέδοκται. Compare printed p. 347 Als unterging der Phryger unglücksel'ge Stadt Und mein berühmter Gatte, dessen Speer dich oft Ins Schiff vom festen Lande trieb in feiger Flucht. Doch nun erscheinst du wider Frau'n ein furchtbarer Kriegsmann, und mordest: morde mich! Ich gönne dir Und deiner Tochter nimmermehr ein schmeichelnd Wort. Du bist im Sparterlande groß und angesehn, Ich war's in Troja. Wenn ich jest unglucklich bin, Nicht prahle deßhalb; Gleiches kann auch dir geschehn. Erste Strophe. Chor. Nimmer fürwahr lob' ich's, daß ein Mann der Frauen zwei Und zweier Mütter Söhne nährt, Der Häuser Zwist, und feindlich herbe Trauer. Eine Liebe sei dem Mann genug, Mit andern Frauen pfleg' er nicht Gemeinschaft. Erste Gegenstrophe. Trågt sich ja doch auch im Staate zweier Herrscher Joch Nicht leichter, als des Einen Herrn; Da häuft sich Last auf Last und Bürgeraufruhr. Zwischen zwei Gesangesmeistern liebt Die Muse Zwist und Eifersucht zu spinnen. Zweite Strophe. Und wann des Sturmes wilder Hauch die Schiffer faßt, Da theilt sich ihr Sinn, wie das Steuer zu wenden sei; Es schafft der Weisen Menge Nichts, mehr richtet aus[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Und weiser Männer große Meng' ist schwächer, als - Compare printed p. 348 Ein selbstherrschender schwacherer Geist, Der ungetheilt in den Häusern und im Staat gebeut, Wenn das Heil soll gefunden werden. Zweite Gegenstrophe. Das zeigt die Tochter Sparta's hier, Menelaos' Kind: Wie mit Feuer, verfolgt sie das andre Gemahl, erschlägt In wilder Zwietracht Ilions unſelige Tochter, und mordet der Armen den Sohn. Gottlos, gesezlos ist der Mord, ist hassenswerth; Dich ereilt, Herrin, noch die Reue. Doch seh' ich ja schon hier vor dem Palast Das verbundene Paar, Das ein trauriger Spruch zu dem Tode verdammt. Unglückliches Weib! Unseliger Sohn, Du gehst um Andromache's Lieb' in den Tod, Hast, ledig von Schuld, Nichts wider die Fürsten verbrochen. Andromache (gefesselt). Molottos. Menelaos. Der Chor. Andromache. Seht, - mit Stricken die blutigen Hånd' umwunden, hinuntergehn Muß ich unter die Erde Molottos. Mutter, Mutter, in deinem Arm wall' auch ich zu den Schatten. Andromache. Feindesopfer, ihr Herrscher des Phthierlandes! Molottos. O Vater, komm Deinen Lieben ein Retter! Andromache. Du wirst ruhen an meiner Brust, theurer Sohn, an der Bei der Todten im Grabe todt! Molottos. Mutter Brust, Weh! Was soll ich Verlorner, was du, unselige Mutter? Menelaos. In die Erde hinab! Denn ihr kamet hicher Aus feindlicher Burg, und ein doppeltes Leid Rafft euch in den Tod: dich tödtet mein Spruch, Und den Knaben erschlägt Hermione dir, Mein Kind. Denn ein gråßlicher Wahnsinn ist's, Zu verschonen den Feind und des Feindes Geschlecht, Wenn ich todten ihn kann Und das Haus von Bekümmerniß lösen. Andromache. Hektor, Hektor, des Priamos Sohn, o könnte mich deine Hand, Deine Lanze mich retten! Molottos. Ach! Wo find' ich ein Klagelied, abzuwenden mein Schicksal? Andromache. Flehe, Kind, und umschlinge das Knie des Herrschers! Molottos. Laß mich leben, o Lieber! lieber Herr, Andromache. Thränen nezen das Auge mir, fließen stromend, wie sonnenlos Rinnt die Quelle vom glatten Fels. Molottos. Weh! Wo wird mir in dieser Noth Rettung tröstend er= Menelaos. ſcheinen? Was umschlingst du mein Knie, was flehst du mich an, Mich, taub, wie der Fels, wie die Woge des Meers? Wohl bin ich den Meinen ein Schuz; zu dir Zieht Liebe mich nicht: denn ich habe so viel Vom Leben verschwendet, bis Troja's Burg Ich erobert und sie, die Mutter du nennst; Ihr dankst du das Loos, Das dich zu den Schatten hinabruft. Chor. Den greisen Peleus seh' ich jezt in der Nähe dort Hieher den alterschweren Tritt beschleunigen. Peleus. Menelaos. Andromache. Molottos. Der Chor. Peleus. Euch frag' ich, Fraun, und diesen, der mit Morde droht: Was deutet dieses? Wie, warum krankt unser Haus? Was thut ihr, Tod verhängend ohn' Urtheil und Recht? Halt' ein, und eile wider Recht, Menelaos, nicht! (zu seinem Führer) Du führe mich geschwinder; hier gilt keine Rast, So scheint mir, nein, ich wunsche, daß sich neuverjungt, Wenn je, der Jugend alte Kraft heut regt' in mir. Erst lenk' ich, sowie guter Wind die Segel schwellt, Hierher die Schritte: sage mir, mit welchem Recht (er deutet auf die Sclaven, welche Andromachen führen) Die Hånde fesselnd, führen diese dich hinweg Und deinen Knaben? Wie das Schaf mit seinem Lamm, So stirbst du, weil wir ferne sind und Pyrrhos fern. Andromache. Greis, diese Männer führen mich und meinen Sohn Also zum Tode, wie du siehst. Was sag' ich dir? Nicht Eines Nothrufs Eile scholl von mir zu dir, Nein, tausend Boten hab' ich ausgesandt um dich. Den Zwist im Haus mit dieses Mannes Tochter hast Du wohl vernommen, und warum ich sterben muß. Und nun von Thetis' Altare, die den edlen Sohn Dir einst gebar, der Hohen, die du fromm verehrst, Entsuhren, schleppen sie mich fort, und gonnen mir Kein Recht und keinen Richter, und erwarten nicht Des Fernen Rückkehr; meines Sohns Verlassenheit Und meine kennend, wollen sie mich Elende Und dieses Kind ermorden, das doch Nichts verbrach. Darum beschwör' ich bei den Göttern dich, o Greis, Zu deinen Knie'n hinsinkend: (denn dein theures Kinn Mit meiner Hand zu berühren, ist mir nicht vergonnt) O rette mich! Versagst du dieses mir, so muß Ich sterben, mir zum Leide, Greis, und euch zur Schmach. Peleus. Die Fesseln låset, oder trifft euch Ungemach, Und laßt des Weibes Hånde frei, gebiet' ich euch. Menelaos. Und ich verbiet' es, wahrlich kein Geringerer, Als du, und dieses Weibes Herr mit großerm Recht. Peleus. Wie? Kamst du her, in meinem Hause Herr zu sein? Genügte dir das Zepter über Sparta nicht? Menelaos. Ich führte sie gefangen aus dem Troërland. Peleus. Als Ehrenlohn empfing sie meines Sohnes Sohn. Menelaos. Sein ist das Meine, denk' ich, und das Seine mein. Peleus. Zum Rechten, nicht zum Bösen, nicht zu Gewalt und Mord. Menelaos. Nie führst du diese mir hinweg aus meinem Arm.[OCR note; compare the printed page.] Unders: Aus meinen Armen führst du die niemals hinweg. Compare printed p. 348 Peleus. Dann fårbt das Haupt dir blutigroth mein Zepter hier. Menelaos. Damit du klug wirst, rühr' an mich, komm nahe nur! Peleus. Du Feigſter, feiger Aeltern Sohn, du warst ein Mann? Gleichwie zu Männern, also spricht man wohl zu dir? Der seine Gattin rauben ließ vom Phrygier, Und unverschlossen, unbewacht sein Haus verließ,[OCR note; compare the printed page.] L. ἄκλῃς', ἄφρερα δώμαθ' ἑςίας λιπών. Compare printed p. 348 Als ob am Herde drinnen walt' ein zuchtig Weib, Sie, aller Frauen schlimmste? Ja, wollt' eines auch, Ein Spartermädchen könnte nicht enthaltsam sein, Sie, die das Haus verlassen, und mit Junglingen, Nachlässig offen ihr Gewand, die Hüften nackt, Im Lauf und Ringerkünsten, unerträglich- mir, Vereint sich üben. Kann es nun ein Wunder sein, Wenn ihr, o Sparter, keine keuschen Frau'n erzieht? So sollte Helena fragen, die aus deinem Haus Nach einem andern Lande mit dem Junglinge Im Wonnetaumel, deine Lieb' aufopfernd, zog. Und dieser Frau zuliebe hast aus Hellas du Ein solches Kriegsheer ausgeführt nach Ilion. Du mußtest sie verwünschen, nicht den Speer um sie, Die schlecht ersundne, rühren, nein, sie lassen dort, Und Lohn noch geben, um sie niemals mehr zu sehn. Doch nimmer hast du deinen Sinn hierauf gestellt, Nein, gabst der tapfern Seelen viel dem Tode preis, Hast alte Mütter kinderlos daheim gemacht, Und grauen Våtern edle Söhn' hinweggeraubt. Von diesen Einer, seh' ich Unglückseliger In dir, Achilleus' Mörder, einen Rachegeist. Du kamst allein aus Troja nichtverwundet heim, Und schöne Schild' in schönen Hüllen brachtest du, Die gleichen, dorthin, und von dort hieher zurück. Ich sang dem Pyrrhos immer vor, niemals mit dir Den Bund zu schließen, und des schnöden Weibes Kind Nicht heimzuführen; denn die Neuvermählte bringt Der Mutter Schmach mit. Freier, darauf achtet mir, Und wählt die Tochter einer edlen Mutter euch! Dann, - welchen Frevel übtest du am Bruder aus, Triebst ihn zu seiner Tochter Mord in blindem Wahn? So bangte dir's um einer schnöden Frau Besiz. In Troja - denn ich folg' auch dorthin dir - erschlugst Du nicht die Gattin, die man gab in deine Macht; Nein, ihre Brust erblickend, warfst du hin das Schwert, Empfingest Kusse, kostest um die Verråtherin, Der Kypris Sclave, wie zuvor, Feigherziger! Und nun in meiner Kinder Haus, die ferne sind, Dringst du, zerstörst du, mordest du dies arme Weib Und ihren Knaben schmählich hin, der Thränen dir Und deinem Kind im Hause noch entlocken wird, Und wår' er Bastard auch im dritten Glied. Es blüht Die durre Saat oft schoner, als ein fettes Land, Und mancher Bastard übertrifft den achten Sohn. Drum nimm dein Kind und gehe! Besser ist's, man wählt Den wackern Armen vor dem reichen Bosewicht Zum Schwåher sich und Freunde. Du warst immer Nichts! Chor. Die Zung' erregt oft argen Zwist den Sterblichen Aus kleinem Anlaß; aber sorgsam hütet sich Der Weise, daß mit Freunden ihn kein Bank entzweit. Menelaos. Wie mag man Greise rühmen, daß sie weise sind, Wie Jene, die selbst Argos einst für klug erklärt, Wenn du, des hohen Vaters Sohn, Peleus genannt,[OCR note; compare the printed page.] Der Vater des Peleus war Ueakos, ein Sohn des Zeus. Compare printed p. 348 Und mir verschwägert, redest, was dir Schande bringt, Und Schmach auf uns ausschuttest um dies fremde Weib, Das über Neilos' Flut hinaus und Phasis' Strom Du treiben solltest, rufend mich zu gleicher That, Sie, die dem Land entsprossen, wo von Hellas' Volk So viele Todte durch den Speer gefallen sind, Und die die Schuld an deines Sohnes Morde theilt? Denn Paris, der Achilles, deinen Sohn, erschlug, War Hektors Bruder, und sie. selbst war Hektors Weib. Und du verweilest unter Einem Dach mit ihr, Und neben ihr an Einem Tische sizest du, Und sie gebiert dir bittre Feind' in deinem Haus. Um dieses abzuwenden, Greis, von dir und mir, Will ich sie tödten, reiße sie aus deinem Arm. Doch sprich (denn Red' und Gegenrede ziemt sich wohl): Wenn meine Tochter nicht gebiert, und ihrem Schooß Entsprossen Kinder, wirst du die zu Herrschern hier Im Phthierland erheben, soll der fremde Stamm In Hellas herrschen? Und ich wäre thoricht, wenn Ich Ungerechtes hasse, du wårst weise nur? Auch das bedenke: håttest du dein Kind vermählt Mit einem Bürger, und ihr würd' ein solches Loos; Ertrugst du's schweigend? Nimmer! Und nun schmähst du so Der Fremden wegen Freunde, die dir nahe stehn? Ein Gleiches kann doch, wie der Mann, die Gattin, die Der Mann beleidigt, und der Mann hat gleiches Recht, Der eine Gattin ohne Zucht im Hause nährt. Und dieser hat in seinen Hånden große Macht, Sie kann allein auf Aeltern und auf Freunde baun. So. schůz' ich also billig auch die Meinen wohl. Du bist ein Greis, und mehr Vergnügen machst du mir, Erwahnst du meinen Kriegeszug, als wenn du schweigst. Nicht willig duldet' Helena, der Götter Schluß Verhångt' es; dies hat Hellas' Völkern viel gefrommt. Denn sie, der Waffen und des Kriegs unkundig sonst, Errangen Ruhm in Schlachten: ist Erfahrung doch In allen Dingen Lehrerin der Sterblichen. Wenn ich die Gattin wiedersand und mich enthielt, Die Hand an sie zu legen, hab' ich wohlgethan : O daß auch du den Phokos nicht ermordetest![OCR note; compare the printed page.] Phokos ward von seinen Brüdern, Peleus und Telamon, ermordet, weil er es ihnen in ritterlichen Uebungen zuvorthat, worauf Neakos beide aus ihrem Vaterlande Aegina vertrieb. Compare printed p. 348 So warn' ich dich wohlmeinend, nicht von Zorn entbrannt; Doch wenn du grollend rasest, ist dein frecher Mund Gewaltig, mehr frommt aber mir gelaſſner Sinn. Chor. Nun lasset endlich (weit das Beste wäre dies) Von eiteln Reden; fehlet nicht ihr zwei zugleich. Weh! Peleus. Welch üble Sitte waltet doch in Hellas' Volk! Wenn Kriegesheere Siegstropha'n errichteten, So nennt man solches nicht ein Werk der Kämpfenden; Des Heeres Führer trägt allein den Ruhm davon, Der, unter Tausend Einer nur, die Lanze schwang, Und mehr nicht that, als Einer, doch mehr Ruhm gewinnt. Des Volkes Häupter, die sich hoch in Würden blåhn, Thun stolzer, als die Menge, sind sie nichtig auch; Doch tausendmal gescheidter sind die Niedern oft, Wenn's nicht an Kühnheit ihnen und am Willen fehlt. So sizest du dich blåhend, so dein Bruder auch, Ob eurem Zug nach Troas, ob den Thaten dort, Wo Müh'n und Leiden Andrer euch verherrlichten. Nun will ich dir beweisen, daß nie größrer Haß Mich wider Alexandros, Troja's Sohn, beseelt, Entweichst du nicht aus diesen Hallen ungesäumt Mit deiner Tochter, die hinaus vor dieses Haus[OCR note; compare the printed page.] 2. δι' οἴκων τῶν δ' ἐπιοπάσας κόμης. Compare printed p. 348 Mein Enkel noch am Lockenhaare schleifen wird, Die, weil sie keine Kinder hat, nicht dulden will, Daß Andre Mütter werden, da sie nicht gebiert. Weil Mutterfreuden ihr versagt' ein herbes Loos, Geziemt es sich, daß keine Kinder uns erblühn? Hinweg von dieser, Sclaven, daß ich sehen mag, Ob Einer ihre Hände mir zu lösen wehrt.[OCR note; compare the printed page.] Anders : Ob, sie zu lösen, Einer mich verhindern wird. Compare printed p. 348 (zu Andromache) Erhebe dich, damit ich, wenn auch zitternd, Frau, Der dichtverschlungnen Bande dich entledige! (zu einem der Sclaven) So hast du ihr die Hände, böser Mensch, verlezt? War's denn ein Stier, ein Lowe, den du mit Stricken bandst? Du fürchtest, daß sie wohl ein Schwert ergreife, dir Zu wehren? Komm an meine Seiten hier, o Kind, Hilf ihre Fesseln lösen! Ich erzieh' in dir Zu Phthia diesen einen großen Feind. Fürwahr! Fehlt' euch, o Sparter, Kriegesruhm und Schlachtenkampf, In allem Andern übertråst ihr Keinen sonst. Chor. Ein zügelloses Wesen ist der Alten Art, Und schwer zu zähmen, weil sie schnell zum Zorne sind. Menelaos. In raschem Unmuth treibt es dich zu Schmähungen; Ich aber dring' in Phthia nicht gewaltsam ein, Um Böses zuzufügen, noch zu dulden auch. Und jezo (denn ich habe nicht viel Muße) will Ich heim mich wenden. Nahe liegt uns eine Stadt, Nicht fern von Sparta, die, vordem verbindet uns, Jezt uns befeindet; über sie mit Heeresmacht Mich stürzen will ich, mache sie mir unterthan. Ich komme, wann ich Alles dort nach meinem Sinn Vollendet, wieder; Aug' in Auge red' ich dann Zu meinem Eidam, und vernehm' auch ihn sofort. Und wenn er Diese zuchtigt, und sich måßig zeigt[OCR note; compare the printed page.] Diese, Andromache. Compare printed p. 348 Fortan, so wird ihm Gleiches auch von uns gewährt. Doch, ist er zornig, trifft er auch als zornig uns, Und was er uns thut, werden wir ihm wieder thun. Was du zu mir geredet, leicht ertrag' ich es; Denn einem leeren Schatten gleich, so schwazest du, Nichts Andres sonst vermögend, als zu reden nur. (er geht ab.) Peleus. Kind, führe mich, an meine Seite tretend hier, Und du, Bedrängte; denn entrückt dem wilden Sturm, Gelangtet ihr in einen heitern stillen Port. Andromache. Gluck geben dir die Götter und den Deinen, Greis, Daß du mein Kind gerettet und mich armes Weib! Doch siehe, daß uns diese nicht auf einsamem Pfad überfallend mich entführen mit Gewalt; Sie sehen, du bist alterschwach, kraftlos bin ich, Und dieses Kind unmündig. Das bedenke, daß Uns, nun gerettet, nicht hernach der Feind berückt. Peleus. Was bringst du da für feige Weiberreden mir? Wer wird an euch Hand legen? Geh! Verderben soll, Wer's wagt! Mit Götterhülf und meinen Reisigen Und vielem Fußvolk herrschen wir im Phthierland; Noch steh' ich aufrecht, bin so schwach nicht, wie du meinst. Auf solchen Mann ja wår' ein Blick von mir genug, 3u baun ein Siegsmal ihm zum Hohn, so alt ich bin. Denn viele Jungling' übertrifft ein Alter auch, Der muthig ist; was hilft dem Feigen Körperkraft? (sie gehen.) Strophe. Chor. Nicht leben möcht' ich, oder aus edlem Geschlecht Entsprossen sein, aus reichem begütertem Haus! Wenn ein boses Schicksal den Edlen getroffen,[OCR note; compare the printed page.] L. εἴ τι γὰρ πάσχοι τις ἀμήχανον, ἀλκᾶς. Compare printed p. 348 Ist ihm die Hülfe nicht fern; Und welche der Ruf als erlauchte Namen preiſt, Ehr' ist ihnen und Ruhm: nie tilgt die gewaltige Zeit Des wackern Mannes Spuren; im Tode sogar Leuchtet seine Tugend. Gegenstrophe. Wohl ist es edler, ruhmlose Siege verschmahn, Als kühn das Recht umstürzen mit Haß und Gewalt. Zwar ist dies anfangs für die Sterblichen lockend, Aber es welkt mit der Zeit, Und Schmach und Entwürdigung wälzt es auf das Haus. Dieses Leben, ich lob' es, dieses erkor ich mir auch, Das keine rechtlos waltende Macht in der Stadt Duldet und im Hause. Schlußgesang. Alter aus Aeakos' Stamm, Einst (ich glaub' es) zogst du, vereint den Lapithen, aus zum[OCR note; compare the printed page.] Bei dem Hochzeitseste des Lapithenköniges Peirithoos, zu welchem mit andern thessalischen Fürsten auch Peleus kam, mishandelten die Kentauren in der Trunkenheit die Braut Hippodamia, und entzündeten den Krieg, der mit der Vertreibung der Kentauren vom Pelion sich endigte. Compare printed p. 348 Kampfe Mit dem gepriesenen Speer der Kentauren; Ueber das stürmische Meer Der Symplegaden führte dich das Argoschiff Auf jener gefeierten Fahrt; Und als Kronions hoher Sohn[OCR note; compare the printed page.] Auf der Argonautenfahrt befreite Herakles die Tochter des trojischen Königs Laomedon, Hesione, von einem Meerungeheuer, dessen Raub sie werden sollte, und der König verhieß ihm dafür seine schnellen Nosse. Als Laomedon sein Wort brach, zerstörte Herakles mit Telamon und Peleus Troja. Compare printed p. 348 Die Stadt des Ilos ehedem mit Mord umfing, Kamest du, mit jenem den Ruhm theilend, Greis, nach Europa. Die Amme Hermione's. Der Chor. Die Amme. O theure Frauen, wie doch häuft das Leiden sich, Mit neuem Leide wechselnd, uns an diesem Tag! Denn unsre Herrin im Palast, Hermione, Von ihrem Vater verlassen, und in tiefem Schmerz Die Schuld erkennend, daß sie wollt' Andromachen Und ihren Sohn ermorden, wählt nun selbst den Tod, Den Gatten fürchtend, daß er sie für solche Schuld Schmachvoll vertreib' aus diesem Hause, ja vielleicht Sie tödte, da sie todten wollt' Unschuldige. Kaum hemmen Diener, die man ihr zur Hut gesezt, Sie, die den Strang um ihren Nacken schlingen will, Und reißen mühsam aus der Rechten ihr das Schwert. So schwer bekümmert, fühlt sie nun, daß ihre That Nicht schon gewesen. Aber ich ermattete, Der Fürstin wehrend, sich den Tod zu geben, Fraun.[OCR note; compare the printed page.] Unders: Indeß ich meiner Fürstin Tod abwehrt', o Fraun. Compare printed p. 348 So wandelt ihr denn jezt hinein in dieses Haus, Und rettet sie vom Tode; neuen Freunden ja Gehorcht man lieber, als dem långstbekannten Freund. Chor. Fürwahr, im Hause horen wir die Diener schrein Der Dinge wegen, welche du zu melden kamst. Wohl will die Arme zeigen, wie betrübt sie sei Ob ihres Frevels; aus dem Hause sturzt sie dort, Der Diener Hånde fliehend, weil sie sterben will. Die Vorigen. Hermione. Hermione. O weh, weh mir! Ich zerraufe mein Haar, mit den Någeln Berfleisch' ich die Wang' und den Busen mir. Die Amme. Kind, was beginnst du? Schånden willst du deinen Leib? Ach, ach! Hermione. In den Aether entwalle mir, frei von den Locken, Mein zartgewobener Schleier! Die Amme. Verhülle, Kind, den Busen, gürte dein Gewand! Hermione. Warum soll ich in's Gewand die Brust hüllen? Was ich dem Gatten gethan, liegt offen am Tag, Verbirgt sich nicht. Die Amme. Du drohtest Tod dem Nebenweibe: schmerzt dich das? Hermione. Ich seufz' über die verruchte Frevelthat, Die ich verubt, ich Versluchte, verslucht vom Geschlecht Der Sterblichen. Die Amme. Vergeben wird dir diese Sunde dein Gemahl. Hermione. Was raubtest du mir aus den Hånden das Schwert? O gib, Theure, gib's zurück, daß ich es an Die Brust seze! Was wehrtest du mir den Strang? Die Amme. Doch, ließ ich frei dich rasen, daß du dir den Tod - Hermione. Weh, mein Geschick! Wo saumt des Blizes Flamme? Wo schweb' ich auf zu Felsen, In das Meer hinab, in der Gebirge Wald, Daß ich in Hades' Haus hinabwall' im Tod? Die Amme. Warum dich also qualen? Alle Menschen trifft, Bald oder spåt, ein gottverhängtes Ungemach. Hermione. Du hast, Vater, hast, ach! mich verlassen, wie[OCR note; compare the printed page.] L. ἔλιπες, ἔλιπες, ὦ πάτερ, ἐπακτίαν μονάδ' ἔρημον ἦσαν ἐνάλε κώπας. 3 ὀλεῖ, ὀλεῖ με· τᾷδ᾽ ἐκέτ᾽ ἐνοικήσω νυμφιδίῳ σέγᾳ. Compare printed p. 348 Am Meerstrand ein Schiff, einsam und ruderlos. Ich muß sterben, muß, - werde nicht wohnen mehr Hier in dem Brautgemach. An welch Götterbild wend' ich flehend mich? Fall' ich zu Füßen ihr, Sclavin dem Sclavenweib? Konnt' ich entfliehn aus dem phthiotischen Lande,[OCR note; compare the printed page.] ξ. εἴθ' εἴην 1. ἀρθείην. Compare printed p. 348 Wie der Vogel mit blauem Gefieder, Wie das tannene Fahrzeug, welches, die erste Barke,[OCR note; compare the printed page.] das tannene Fahrzeug, das Schiff Urgo. Compare printed p. 348 Durch die Kyanen fuhr![OCR note; compare the printed page.] Die Kyanen, die kyanischen Inseln, auch Symplegaden genannt, zwei felsige Inseln des schwarzen Meeres an der Mündung des thrakischen Bosporos. Compare printed p. 348 Die Amme. Das Uebermaß des Zornes lobt' ich nicht, o Kind, Womit du fehltest wider sie, die Troërin, Noch lob' ich jezo deine gar zu große Furcht. Verstoßen wird dich dein Gemahl deßwegen nicht, Weil ihn des fremden Weibes schnodes Wort berückt. Denn nicht gefangen führt' er dich aus Troja fort; Als eines edlen Mannes Kind errang er dich Mit großer Mitgift aus der hochbeglückten Stadt. Verlassen wird dein Vater, wie du fürchtest, Kind, Dich nicht, noch dulden, daß man dich vom Hause treibt. So geh' hinein denn, laß vor dieser Hause dich Nicht långer blicken, daß es dir nicht Schande bringt, Vor unsrer Wohnung so gesehn zu werden, Kind. Chor. Ein Mann aus fremdem Lande, fremd von Angesicht, Kommt hier mit eilend raschem Schritt auf uns heran. Orestes. Die Vorigen. Orestes. Ihr fremden Frauen, hat Achilleus' edler Sohn Hier seine Wohnung und die königliche Burg? Chor. Du sagst es; doch wer bist du, daß du dieses fragst? Orestes. Des Agamemnon und der Klytamnestra Sohn, Genannt Orestes. Nach des Zeus dodonischem Orakel wandr' ich. Weil ich nun gen Phthia kam, So mocht' ich gerne nach dem mir verwandten Weib Mich hier erkunden, ob sie leb' und glucklich sei, Hermione von Sparta; denn obwohl sie fern Von unserm Land wohnt, ist sie doch geliebt von uns. Hermione. Sohn Agamemnons, der im Sturm den Schiffenden Ein Port erschien, bei diesen Knieen fleh' ich dir: Erbarme du dich unser, deren Loos du siehst, Der Schwerbedrängten! Deine Knie' umschlingen wir Mit unsern Hånden, welche flehn, Delzweigen gleich. Ha! Orestes. Was ist das? Irr' ich oder sehn wir wirklich hier Menelaos' Tochter, die gebeut in diesem Haus? Hermione. Sie, die allein die Lyndaride Helena Daheim gebar dem Vater: Nichts sei dir verhehlt. Orestes. O Retter Phobos, send' Erlosung aus der Noth! Was ist es? Qualen Götter oder Menschen dich? Hermione. Ich hab' es selbst verschuldet, mein Gemahl zum Theil, Zum Theil ein Gott auch: rettungslos sind wir dahin. Orestes. Wie mag die Gattin, welche noch kein Kind gebar, Ein Leiden treffen, wenn es nicht vom Gatten kommt? Hermione. Hier eben leid' ich: klug entlockst du mir das Wort. Orestes. Liebt eine Andre dein Gemahl an deiner Statt? Hermione. Die Kriegsgefangne, Hektors Weib, Andromache. Orestes. Schlimm, was du sagtest, wenn ein Mann zwei Frauen Hermione, liebt! Wohl ist es also; mich zu rächen sucht' ich nun. Orestes. Du hast ihr Trug bereitet nach der Frauen Art? Hermione. Sie wollt' ich morden und den Bastard, ihren Sohn! Orestes. Und sind sie todt nun, oder was befreite sie? Hermione. Peleus, der hochbejahrte, der die Niedern ehrt. Orestes, Nahm Einer sonst an diesem Morde Theil mit dir? Hermione. Mein Vater, der zu dieser That von Sparta kam.[OCR note; compare the printed page.] Anders: Mein Vater, welchen eben dies nach Phthia trieb. Compare printed p. 348 Orestes. Und wurde der dann durch des Greises Hand besiegt? Hermione. Durch Scham; und mich verließ er hålflos, und entwich. Orestes. Du führtest, merk' ich, ob der That des Gatten Zorn. Hermione. Gewiß; und billig straft er mich. Was sag' ich ihm? Drum fleh' ich dir, Zeus rufend, unsers Stammes Gott:[OCR note; compare the printed page.] Von Tantalos, einem Sohne des Zeus, stammten Orestes und Hers mione, Sonach war Zeus der Schuzgott der verwandten Häuser. Compare printed p. 348 Weit, weit hinweg aus diesem Lande führe mich, Zum Vaterhause führe; denn die Hallen hier, So scheint es, haben Stimmen und vertreiben mich, Mich hassen Phthia's Bürger; und wenn mein Gemahl Vorher von Phobos' Sehersiz nach Hause kehrt, So mordet er mich schmåhlich, oder müssen wir Der Buhle dienen, welcher ich vordem gebot. Wie, mochte Jemand fragen, hast du so gefehlt?[OCR note; compare the printed page.] L. πῶς ἐν ἂν εἴποι τις τάδ' ἐξημάρτανες; Compare printed p. 348 Zutritt von bösen Weibern war mein Untergang, Die, solche Reden führend, mich erbitterten : „Du willst das schndde kriegsgefangne Weib im Haus, Die Sclavin dulden, die mit dir das Lager theilt? Bei Hera, nicht in meiner Wohnung sollte sie Die Sonne schauen und in meinem Lager ruhn!" Und ich, vernehmend immer dies Seirenenwort Der klugen, vielgewandten, schlau geschwäzigen, Ich ward von Thorheit aufgeblåht. „Was sollt' ich streng Den Gatten hüten? Hatt' ich doch das Nöthige, Der Schůze viel, gebot in meinem Hause ja, Und achte Sohne konnt' ich ihm gebåren, sie Halbsclaven meiner Kinder und Bastarde nur." Ja, nimmer, nimmer (denn nicht Einmat sag' ich es) Lasse der Verständige, der ein Weib geehlicht hat,[OCR note; compare the printed page.] Der Vers hat in der ersten Stelle den Dactylus, in der dritten den Unapäst. Compare printed p. 349 Zu seiner Gattin andre Fraun in's Haus herein: Denn diese leiten immer nur zum Bösen an. Die Eine, jagend nach Gewinn, verführt die Frau; Die Andre möchte, daß sie, gleich ihr, sundigte; Viel treibt der Wahnwiz. Also muß der Männer Glück Im Hause schwinden. Drum verwahrt hiegegen euch Mit Schlössern und mit Riegeln wohl des Hauses Thor: Denn keinen Segen schaffen euch die fremden Fraun Mit Schwazen und Besuchen, nein, viel Ungemach. Chor. Zu heftig schmähst du, Königin, auf dein Geschlecht. Zwar ist es dir verzeihlich; dennoch sollten Fraun Der Frauen Schwächen allezeit beschönigen. Orestes. Ein weiser Mann war's, der gelehrt die Sterblichen, Die Reden anzuhören, die der Andre spricht. Ich wußte wohl um dieses Hauses Wirrnisse, Um deinen Hader, der dich trennt von Hektors Weib, Und harrte darum lauschend, ob du bliebest hier, Ob, etwa fürchtend dieses kriegsgefangne Weib, Du lieber fliehen wolltest aus des Gatten Haus. Nun kam ich, deine Briefe nicht erwartend, selbst, Dich, wenn du sprächst vom Fliehen, wie du jezo thust, Aus diesem Haus zu führen. Du warst mein vordem,[OCR note; compare the printed page.] L. πέμψων. Compare printed p. 349 Und wohnst bei diesem Manne durch Menelaos? Schuld, Der, eh' er eindrang in die Marken Ilions, Dich mir zum Weib gegeben, dann dem Pyrrhos dich Verheißen, wenn er Troas' Burg erobere. Nachdem Achilleus' Sohn hieher zurückgekehrt, Vergab ich deinem Vater; doch ihn fleht' ich an, Mir deine Hand zu lassen, und erdffnet' ihm, Welch Leiden mich verfolge, daß ich eine Braut Von Freunden wohl erlangte, doch von Fremden nicht, Verbannt vom Vaterherde, wie ich's jezo sei." Da höhnt' er trozig, warf den Muttermord mir vor, Die Götterfrauen mit dem blutroth glüh'nden Blick.[OCR note; compare the printed page.] Die Götterfrauen, die Erinnyen. Compare printed p. 349 Und ich, durch meines Hauses Loos entmuthiget, Empfand, empfand Schmerz, aber trug das Misgeschick,[OCR note; compare the printed page.] L. ξυμφορὰς δ' ἠνεσχόμην. Compare printed p. 349 Und schied mit schwerem Herzen, deiner Hand beraubt. Doch weil sich nun dein Schicksal umgewandelt hat, Und du bei diesem Ungemach nicht Hülfe weißt, Führ' ich hinweg in deines Vaters Arme dich. Denn måchtig ist Verwandtschaft und hilfreicher Nichts In båsen Tagen, als ein Freund aus gleichem Stamm. Hermione. Für unsre Hochzeit sorgen wird mein Vater schon, Und mir geziemt hierüber kein entscheidend Wort. Doch ohne Shumen führe mich hinweg von hier, Daß mein Gemahl nicht früher hieher komm' in's Haus, Noch bei der Kunde, daß ich Pyrrhos' Wohnungen Verlassen, Peleus uns verfolg' auf schnellem Roß. Orestes. Gewalt des Greises fürchte nicht, noch schrecke dich Der Sohn Achilleus', weil er also mich gehöhnt.[OCR note; compare the printed page.] L. ὅσ᾽ εἰς ἔμ᾽ ὕβρισεν. ὅσα=ὅτι τόσα. Compare printed p. 349 Denn solch ein Listgewebe schlauen Truges ward Mit unentwirrbar'n morderischen Banden ihm Von meiner Hand bereitet; noch verschweig' ich es; Doch wenn's gethan ist, wissen wird es Delphi's Fels. Der Muttermårder (wenn an ihren Eiden noch Die Freunde halten, die in Pytho's Lande sind) Lehrt ihn, kein Weib zu freien, welches mir gebührt. Zu seinem Unheil fodert er des Vaters Blut Von Delphi's Herrscher, Phobos, und die Reue wird Ihm nimmer frommen, wenn er nun dem Gotte büßt. Durch diesen selbst und unser Zeugniß wider ihn Verdirbt er, kennen soll er mich als seinen Feind. Das Loos der Menschensöhne, die verhaßt ihr sind, Verkehrt die Gottheit, duldet nicht des Stolzes Wahn. (Sie gehen ab.) Erste Strophe. Chor. O Phobos, der du Ilions herrliche Burg einst aufgethurmt,[OCR note; compare the printed page.] Phöbos und Poseidon hatten dem Laomedon die Mauern Troja's erbaut. Compare printed p. 349 Du Meeresbeherrscher, mit blauen Rossen fahrend Durch die salzige Flut! Was gabt ihr das Kunstwerk eurer schaffenden Hånde voll Schmach Ares, dem Lenker der Schlachten, dahin, ließt ohne Hülse Die Burg Troja's ihm zum Raube? Erste Gegenstrophe. Ihr schirrtet zahlreich Wagen und Ross an dem Strand des Simoïs, Und erregtet die blutigen Männerkämpfe, denen Nie lohnte der Kranz: Zu den Schatten des Hades wallten Troas' Gebieter hinab; Auf den Altåren von Ilion strahlt nicht mehr die Flamme, Vom Weihrauch der Opfer duftend. Zweite Strophe. Der Sohn des Atreus fiel von der Hand des Gemahls; Und selber büßte sie mit dem Tode den Mord Durch die Hand der Kinder. Ein Gott, ein Gott, sein orakelkundend Wort[OCR note; compare the printed page.] Ein Gott, Apollon, welcher dem Orestes den Muttermord gebot. Compare printed p. 349 Suchte sie heim und Er, Welcher kam von Argos, Agamemnons Erzeugter, der Nach des Gottes Geheiß, ach! die Mutter mordete.[OCR note; compare the printed page.] L. ἀδύτων ἐπιβὰς ἐκτανεν, ματρὸς φονεύς. Vorher: νιν f. νῦν, Compare printed p. 349 O Herrscher, Gott Phobos, wie glaub' ich das? Zweite Gegenstrophe. Es klagten viele Frau'n im versammelten Volk Von Hellas ihrer Kinder unseligen Tod, Flohn die Heimat, kamen Zu andern Ehgatten. Nicht allein auf dich Stürmte das herbe Leid Oder auf die Freunde: Ganz Hellas erlag, erlag; Die gesegneten Gaun Troja's auch durchſchmetterte Der Donnerstrahl, streut' umher Blut und Tod. Peleus. Der Chor. Peleus. Ihr Frauen Phthia's, gebt auf meine Frage mir Bescheid: ein ungewisses Wort vernahmen wir, Menelaos' Tochter habe sich aus diesem Haus Entfernt. Ich komme, weil ich gern' erkundete, Ob dieses wahr sei; denn das Wohl abwesender Verwandten muß bekummern, die zu Hause sind. Chor. Peleus, du hårtest richtig; uns geziemt es nicht, Das Leid zu bergen, welches uns betroffen hat: Aus diesem Hause fluchtig ward die Königin. Peleus. Von welcher Furcht ergriffen? Dies auch sage mir. Chor. Den Gatten fürchtend, daß er aus dem Hause sie Verstoße. Peleus. Weil sie seinem Kind den Tod gedroht? Chor. Gewiß, und fürchtend jenes kriegsgefangne Weib. Peleus. Mit ihrem Vater oder wem entfloh die Frau? Chor. Sie. hat der Sohn Agamemnons aus dem Land entführt. Peleus. Welch eine Hoffnung nåhrend? Will er selbst sie frein? Chor. Und deines Sohnes Sohne Tod bereiten auch. Peleus. Verborgen, oder Aug' in Aug' in offnem Kampf? Chor. In Phobos' Heiligthume bei den Delphiern. Peleus. Weh, wehe! Das ist schrecklich! Will nicht Einer mir Flugs ohne Shumen zum Altar in Pytho gehn, Und dort den Freunden melden, was sich hier begab, Bevor Achilleus' Språßling stirbt von Feindeshand? Ein Bote. Peleus. Der Chor. Der Bote. O welch ein Unheil komm' ich Unglückseliger Dir, Greis, zu melden und den Freunden unsers Herrn! Peleus. Ha, meines Herzens Ahnung, das erwartend bangt! Der Bote. Nicht mehr (vernimm's!) ist deines Sohnes Sohn, o Greis Peleus; so viele Schwerterstöße trafen ihn Von Delphiern und dem Mykendefremdlinge.[OCR note; compare the printed page.] Der Mykenäerfremdling ist Orestes. Compare printed p. 349 Chor. Weh, was beginnst du? Sturze nicht zur Erde, Greis! Erhebe dich! Peleus. Verloren bin ich, bin dahin! Die Stimme schwindet, und der Glieder Kraft entweicht. Der Bote. Vernimm, wofern du deine Freunde råchen willst, Die Dinge, die geschehen, und erhebe dich. Peleus. O Schicksal, ach! An meines Alters lektem Ziel, Wie hast du mich umfangen, mich Unseligen! Wie starb des einzigen Sohnes einziger Sohn mir hin? Verkúnd' es; horen will ich, was ich nie gesollt. Der Bote. Nachdem in Phobos' hehrem Siz wir angelangt, Da weihten wir drei klare Sonnenlaufe froh Dem Schauen, unsrer Augen Blick ersättigend. Und schon verdächtig war es, daß in Haufen sich Das Volk zusammenstellte, das beim Gotte wohnt. Der Sohn des Agamemnon schritt hindurch die Stadt, Und raunte feindlichbittre Wort' in jedes Ohr: „Erblickt ihr ihn, der durch des Gottes Heiligthum, Das golderfüllte, durch der Männer Schaze geht? Zum zweitenmale kommt er, wie zuvor er schon Hierher gekommen, auszutilgen Phobos' Haus!" Und nun erhob sich durch die Stadt ein böser Ruf: Zur Rathsversammlung einten flugs die Häupter sich; Auch stellten, die des Gottes Schaz verwalteten, Im såulumringten Heiligthum Schuzwachen aus. Doch wir empfingen Schafe, die Parnassos' Laub Ernährt, (von diesen Dingen war uns Nichts bekannt) Und gingen dann mit Freunden und den pythischen Orakeldeutern nach Apollons Opferherd. Und Einer sagte: „Was, o Jungling, sollen wir Vom Gotte dir erbitten? Weßhalb kamest du?“. Doch Pyrrhos sprach: „Wir kommen, um die fruh're Schuld Dem Phobos abzubůßen; denn ich forderte Ihn einst um meines Vaters Tod zur Rechenschaft." Nun kam's zu Tage, was Orestes' boses Wort Vermochte, daß mein König unwahr rede, daß Er Schnides sinne. Pyrrhos geht in's Heiligthum Hinein des Tempels, vor dem Götterspruche noch Zu flehn dem Phobos, und entflammt der Opfer Glut; Doch nahe stand ihm eine Schaar Gewaffneter,[OCR note; compare the printed page.] ξ. ἆρ' Ι. ἄγχ'. ;,1066. In der Nähe des heiligen Dreifußes stand ein Lorbeerbaum. Compare printed p. 349 Verhüllt vom Lorbeer; ihrer Einer war der Sohn Des Agamemnon, der die Tücken all' ersann. Und er, gesehn von Allen, fleht' Apollon an; Doch sie, mit scharfem Stahl bewehrt, verwundeten Achilles' Sohn, den waffenlosen, unvermerkt. Da weicht er rückwärts, (denn zum Tode war er nicht Verwundet,) und entzieht sich, und entrafft sofort Das Wehrgeräthe, das am Pflock der Säule hing, Trat dann zum Altar, fürchterlich im Waffenschmuck, Und ruft die Söhne Delphi's, also fragend, an: „Was wollt ihr mich ermorden, der auf frommem Pfad Gekommen? Was verbrach ich, daß ich sterben soll?" Doch Keiner unter Tausend, die ihm nahe sind, Erwiedert' Etwas; Steine warf die ganze Schaar. Von dichtem Hagel ringsumher getroffen, hielt Er seine Wehr vor, und vermied die Würfe wohl, Hierhin und dorthin mit der Hand den Schild gestreckt. Doch Nichts vermocht' er; denn Geschoss und Pfeile viel Auch Opferspieße, Lanzen, doppelschneidige Wurfspeere fielen ihm zumal vor die Füße hin. Nun hatt'st du grausen Waffentanz gesehen, wie Dein Sohn die Pfeil' abwehrte. Doch da jene nicht Zu athmen ihm vergönnten, rings umdrångend ihn, Verließ er flugs den opserfrohen Weihaltar, Und sprang den schnellen Troërsprung, und schritt auf sie[OCR note; compare the printed page.] Vielleicht eine Anspielung auf den Sprung des Achilleus aus dem Schiffe an's Land, der das Meer am Gestade auffluten machte, und wovon eine Ufergegend bei Troja Achilles ſprung genannt wurde. Compare printed p. 349 Zum Kampfe selbst an; aber gleich Waldtauben, die Den Habicht sahen, wandten sie zur Flucht sich um. Und Viele sanken dort und hier, verwundet die, Von Andern Andre am engen Ausgang hingestreckt. Und aus dem heiligen Hause scholl ein grauser Schrei, Und klang vom Felsen wieder; doch voll heitern Muths, In hellen Waffen blizend, stand der König da, Bis aus des Heiligthumes Mitt' hervor ein Mann Laut rief in Schauertönen, und zu neuem Kampf Die Männerschaar aufregte. Da, von scharfem Stahl Durchbohrt die Seiten, fållt Achilleus' edler Sohn Durch einen Delpher, welcher ihn ermordete Mit vielen Andern. Als er hin zur Erde sank, Wer schwang das Schwert nicht, hob den Stein nicht über ihm, Dort schlagend, hier zerschmetternd? Ueberall zerfleischt Von grausenvollen Wunden wird der schöne Leib. Ihn, der, gemordet, nahe bei'm Altare lag, Warf aus dem weihrauchduftenden Heiligthum die Schaar. Doch unsre Hånd' ergriffen ohne Säumen ihn, Und bringen dir den Todten, daß du klagst um ihn, Und ihn beweinst, Herr, und mit Grabesehren schmuckst. So that der Gott, der Andern Weisheitskunde lehrt, Und alle Menschen richtet mit Gerechtigkeit, Dem Sohn Achilleus', welcher büßt um alte Schuld, Und noch, nach böser Menschen Art, erinnert' er Sich alter Zwiste. Wie denn sollt' er weise sein? Chor. Dort naht der Gebieter dem Hause sich schon; Sie trugen ihn heim aus dem delphischen Land. Unglucklicher Mann, unglucklich, o Greis, Auch du! Des Achilleus Språßling empfängst Im Hause du nicht so wie du gewunscht, Und im Leide versankst[OCR note; compare the printed page.] Ε. αὐτός τε κακοῖς˙ εἰς ἓν μοίρας συνέκυρσας. Compare printed p. 349 Du selbst in das gleiche Geschick, Herr. Peleus. Was für ein Leiden erblick ich Verlorener Hier, und empfang' es in meinem Palaste! Weh', 'o thessalische Stadt, ich verzweifele; Nicht mehr blieb das Geschlecht und die Kinder mir, Nimmer im Hause! Schmerzliches Loos! Auf welchen Befreundeten Wend' ich das Auge hinfort und erfreue mich? Lieblicher Mund, und o Kinn, und ihr Hånde! Håtte der Gott dich gemordet vor Ilion An des Simoïs Gestade! Chor. Dann war sein Name hochgeehrt im Tode noch, O Greis, und also wårest du gluckseliger! Peleus. Ehbund, Ehbund, der du das Haus hier, Der du die Stadt mir vernichtetest! Ach, ach! Håtte doch nicht das Geschlecht der Hermione, Dieses dem Haus und den Kindern verderbliche, Deiner Gemahlin Geschlecht, Tod und Verderben, o Sohn, dir bereitet; Hått' es der Blizstrahl eher getddtet! Håttest du nimmer das Blut des erschlagenen Göttlichen Vaters von Phobos gefodert, Du, der Sterbliche, vom Gotte! Chor. Ich stimm' um meines Herrschers Fall Die Klag' an, wie's geziemt um Todte. Peleus. Ich muß, ich unglückvoller Greis! Ein nie aufhorend Leid beweinen. Chor. Geschick der Gottheit ist es, Gott verhångte dies. Peleus. Du ließest, Theurer, mich allein im Hause,[OCR note; compare the printed page.] ὦ φίλος, ἐλειπες ἐν δόμῳ μ' ἔρημον. Compare printed p. 349 Mich kinderlosen Greis zurück. Chor. Vor deinen Kindern ziemte dir zu sterben, Greis. Peleus. Wie? Berraus' ich nicht mein Haar? Soll ich die Hände nicht an's Haupt Mit blutigem Schlage legen? Weh, o Vaterstadt! Mir nahm ein Gott beide Söhne, Phobos. Chor. Du Sohn des Unglücks, der du Leid erfuhrst und sahst, O Greis, wie wirst du fürder leben? Peleus. Der Mühen Ziel nicht schauend, einsam, kinderlos, Mein Leid ausharren bis zum Tode. Chor. Umsonst beglückten Götter dich im Ehebund. Peleus. Entslogen ist, entschwunden all das Meine,[OCR note; compare the printed page.] L. ἀμπτάμενα φυῦδα τἀμὰ πάντα κεῖται. Compare printed p. 349 Und ehe stand mein Sinn so hoch. Chor. Du wandelst einsam durch das einsam stille Haus. Peleus. Meine Heimat ist dahin:[OCR note; compare the printed page.] L. ἐκέτ' ἐςί μοι πόλις. “ 1167. Ε. σκῆπτρα τάδ' ἐῤῥέτω 'πὶ γᾶν. Compare printed p. 349 Fahre zur Erde dieser Stab! Und du in nachtlicher Grotte, Nereus' Tochter, wirst Mich Armen todt niederſtürzen sehen. Chor. Was wogt in der Luft? Welch Gottergebild, Ihr Jungfraun, seh' ich? O schaut, blickt auf! Wohl ist es ein Gott, der, heitere Luft Durchschwimmend, herab auf Phthiotis schwebt, Zu dem roſſenährenden Lande. Thetis erscheint. Peleus. Der Chor. Thetis. Peleus, der Ehe wegen, die dich mir verband, Kommt Thetis hier, verlassend Nereus' Wohnungen. Vor Allem mahn' ich, angste dich nicht allzusehr Des Mißgeschickes halber, das dich heimgesucht. Auch ich ja sollte Kinder, nicht zur Trauer mir, Gebåren, und den Renner, den ich dir gebar, Verlor ich, Pyrrhos' Vater, Hellas' ersten Sohn. Warum ich kam, erklär' ich, du vernimm mein Wort. Den hier, Achilleus' todten Sohn, beerdige, Die Leiche führend zum Altar, dem pythischen, Zur Schmach den Delphern, daß sein Grab Verkünder sei Des freveln Mordes, den Orestes' Hand verübt. Andromache'n, der kriegsgefangnen Troërin, Ist ihre Wohnung im Molosserland bestimmt, Nachdem sie liebend sich vereint mit Helenos,[OCR note; compare the printed page.] Nach Helenos, einem Sohne des Priamos, der König im Molofferlande ward, herrschte Molottos, Andromache's Sohn, daselbst. Compare printed p. 349 Samt diesem Kinde, das allein aus Neakos' Geschlecht zuruckblieb, und von dem die Könige Abstammen, die, sich folgend, über Molossia Im Glücke herrschen sollen; denn nicht untergehn Darf hier auf Erden, Alter, dein und mein Geschlecht Und Troja's; denn auch Troja's Loose kummern ja Die Götter, ob es Pallas gleich in Staub gestürzt. Dich aber, daß du meiner Liebe Gunst erkennst, Will ich, entsprossen einem Gott, und Göttin selbst, Der Erde Mühn entrücken, und zum Gotte dich[OCR note; compare the printed page.] Anders: Zum Gotte machen, daß du niemals alterst, und Unsterblich fortlebst, allem Erdenleid entrückt. Compare printed p. 349 Erheben, daß du ewig jung, unsterblich seist. Du wohnst in Nereus' Hause dann mit mir vereint, Ein Gott der Göttin zugesellt für alle Zeit; Und wenn du dorther aus dem Meer den trocknen Fuß[OCR note; compare the printed page.] den trocknen Fuß: ein Zeichen der Göttlichkeit. Compare printed p. 349 Erhebst: Achilleus, unsern Sohn, erblickst du dann, Den Theuren, der auf schonem Insellande wohnt, Auf Leuke's User innerhalb Eureinos' 'Flut. So gehe denn zur gotterbauten Delpherstadt Mit dieser Leiche; wenn du sie bestattet hast, So wandle nach der alten Klippe Sepias, Und harr' in tiefer Grotte, bis vom Meeresgrund Ich komme mit der fünfzig Nereïden Chor, Der dich geleitet; denn du mußt das göttliche Verhängniß tragen, weil es Zeus also gefällt. Laß ab zu trauern um die Hingeschiedenen; Denn allen Menschen wurde dies Geschick von Gott Bestimmt: entrichten müssen sie des Todes Schuld. (Sie verschwindet.) Peleus. Erhabne, Heil dir, mein geliebtes edles Weib, Du Tochter Nereus'! Was du mir zu thun befiehlst, Ist würdig dein, und deiner Kinder würdig auch. 3u trauern, Göttin, lass ich ab auf dein Geheiß,[OCR note; compare the printed page.] Unders: Dem Gram gebiet' ich, Herrscherin, auf dein Geheiß. BAYERISCHE STAATS- BIBLIOTHEK MUENCHEN Compare printed p. 349 Und wann ich ihn bestattet, geh' ich Pelions Felsthal zu grüßen, wo ich, Schöne, dich ergriff. Aus edlem Hause wähle denn der weise Mann Ein Weib, an Edle geb' er seine Tochter aus; Nach einem Weibe niedrer Art gelust' ihn nicht, Auch wenn sie reiche Morgengab' in's Haus ihm bringt: Denn Glück verleihen nimmerdar die Götter ihm. Chor. Vielfache Gestalt hat der Götter Geschick; Gar Vieles verhångt unerwartet ihr Rath, Und was du gewähnt, vollendet sich nicht: Zum Unmöglichen findet die Bahn ein Gott. So endete dieses Begegniß.