Heracles — Donner (1852), OCR review edition Euripides Johann Jakob Christian Donner OCR source collation, conservative repairs and citation alignment Editorial processing with Codex

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Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift von J. J. C. Donner. Volume 3. Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard supplied OCR, H3; running-text copy text. Independent BSB copy, page-coordinate OCR and facsimiles; used to check layout and notes.BSB digitization Source reviews and editorial inventory

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Amphitryon. Megara mit den Kindern des Herak- les am Altare Zeus' des Retters gelagert. Amphitryon. Wer kennt den Mann nicht, dessen Weib Zeus einst umarmt,OCR review edition. D. citations belong to Donner; u marks unresolved verse division. Sources, repairs and unattributed notesDonner’s metrical analyses and notes: page facsimiles Amphitryon aus Argos, der Alkios' Sohn, Des Sohns von Perseus, und Herakles' Vater ist, Mich, hier in Thebå wohnend, wo der Erde Schooß[OCR note; compare the printed page.] Amphitryon wohnte in Theba, wohin er von Argos hatte ziehen müssen, weil er den Bruder seines Vaters, Elektryon, getödtet hatte. Vgl. V. 16. Compare printed p. 249 Die Männersaat entsprossen, deren Wenige[OCR note; compare the printed page.] Die Männersaat sind die geharnischten Krieger, die aus den von Kadmos gesäten Drachenzähnen emporwuchsen, und die sich einander tödteten bis auf Fünf, welche für die Stammpäter der Thebäer galten, wie denn auch Kadmos mit ihnen die Stadt Theben erbaut haben soll. Compare printed p. 249 Der Gott der Schlachten übrig ließ, die Kadmos' Stadt Der Söhne Söhnen aufgebaut? Von ihnen stammt[OCR note; compare the printed page.] ξύν τεκνῶσι Ι. πυργᾶσι. Compare printed p. 249 Der Sohn Mendkens, Kreon, der dies Land beherrscht. Und Kreon ward der Vater dieser Megara, Der einst am Hochzeitseste bei der Flöten Ton Zujauchzten alle Kadmossohn', als Herakles, Der Stolze, sie in meine Wohnung heimgefuhrt. Mein Sohn verließ dann Thebe, das ich mir zum Siz Erkoren, ließ den Schwåher und die Gattin hier, Und wunscht' in Argos' Mauern, das Kyklopen einst Erbaut, zu wohnen, das ich floh, nachdem durch mich Elektryon gefallen. Doch um meine Noth Zu lindern und im Vaterreich zu wohnen, zollt[OCR note; compare the printed page.] Im Vaterreich, in Argos, dessen Eurystheus sich bemächtigt hatte. Da Herakles es zurückverlangte, versprach es ihm Eury = stheus, wenn er die berühmten zwölf Arbeiten vollbringe. Herakles vollbrachte sie; aber umsonst: denn das Schicksal und Here's Haß wider den Sohn einer Nebenbuhlerin stand seinem Glücke entgegen. Bothe. Compare printed p. 249 Er für die Rückkehr großen Lohn Mykene's Herrn,[OCR note; compare the printed page.] Mykene's Herrn, dem Eurystheus. Compare printed p. 249 Entwilderung der Erden, ob die Stacheln ihn Der Hera trieben oder sein Geschick ihn zwang. Durch alle Mühen hat er nun sich durchgekämpft, Bis auf die lezte: durch den Schlund von Tanaros[OCR note; compare the printed page.] Tänaros, ein Bergschlund in Lakonien, durch den man nach dem Volksglauben in die Unterwelt gelangte. Compare printed p. 249 Hinab zum Hades stieg er, um den Kerberos An's Licht zu führen, aber kommt nun nicht zurück. Es lebt in Kadmos' Volke schon ein altes Wort, Daß ehedem ein Lykos, Dirke's Gatte, hier Als Herr gewaltet in der sieben Thore Stadt, Eh Zethos und Amphion, beid' aus Zeus' Geschlecht, Die Lenker weißer Nosse, hier im Land geherrscht. Ein Sohn von ihm, der seines Vaters Namen trågt, (Kein Theber; aus Eubda kam er hergeschifft,) Ermordet Kreon und gewinnt durch Mord das Land, In das er einfiel, als in Aufruhr glomm die Stadt. Uns wird zum größten Leide, wenn nicht Alles trügt, Das Band der Heirat, welches uns an Kreon knupft. Denn, nun Herakles in der Erd' Abgründen weilt, Will hier des Landes neuer Fürst, will Lykos mir[OCR note; compare the printed page.] ξύν κλεινός Ι. καινός. Compare printed p. 249 Des Sohnes Söhne morden, wann er Megara Getodtet, um mit Morde Mord zu tilgen, und Auch mich getodtet (darf man mich unnüzen Greis Zu Männern zählen), daß die Söhne nicht dereinst Das Blut der Ahnherrn fodern, wann sie Männer sind. Ich aber (denn in diesem Hause ließ zur Hut, Zu seiner Kinder Pflege mich mein Sohn zurück, Als er in distrer Erde Nacht hinunterstieg), Ich size samt der Mutter, daß die Kinder nicht Den Tod erleiden, am Altar des Retters Zeus, Den als ein Denkmal schönen Siegs mein edler Sohn Erbaut, nachdem er obgeſiegt den Minyern.[OCR note; compare the printed page.] Den Minyern, Einwohnern der bootischen Stadt Orchomenos, an welche die Theber einen Tribut entrichten mußten, von dem Herakles sie durch seinen Sieg befreite. Compare printed p. 249 Entblößt von Allem, huten wir die Ståtte hier, Von Speise, Trank und Kleidern, auf den rauhen Grund Die Glieder lagernd: ausgeschlossen sizen wir Vom eignen Hause, sonder Rath und rettungslos. Denn manche Freunde, seh' ich, sind nicht acht und wahr, Die treugesinnten ohne Macht, uns beizustehn. In solcher Weise dient die Noth den Sterblichen: O moge niemals, wer mich auch nur halb geliebt, Sie kosten, sie, der Freundesproben sicherste! Megara. O Greis, der Theba's Heeresmacht mit hohem Ruhm Zum Kampfe führend, einst erstürmt die Tapherstadt:[OCR note; compare the printed page.] Die Taphier oder Teleboer, die in Akarnanien und den naheliegenden Inseln wohnten, wurden, weil sie Alkmene's Brüder getödtet hatten, von Amphitryon in Verbindung mit andern Fürsten angegriffen und besiegt. Compare printed p. 249 Nichts ist auf Erden sicher, was von Göttern kommt. Ich war vom Glück gesegnet, wie mein Vater einst, Der seiner Schaze wegen groß gepriesen ward: Ihm ward ein Thron, dem lange Speere gierig stets Nachtrachten, zielend auf das Haupt der Glucklichen; Ihm wurden Kinder, und er gab mich deinem Sohn, Verband in edlem Bunde mich dem Herakles. Und nun entflogen, ewig hin ist alles dies; Wir müssen sterben, ich und du, wie diese hier, Greis, Herakles' Kinder, die, der Henne gleich, Ich unter meine Flügel barg an treuer Brust. Sie kommen forschend, eines hier, das andre dort, Und sprechen: „Wo denn, Mutter, ist der Vater hin? Was thut er denn? Wann kommt er?" So in Kindeswahn Verlangen sie den Vater: ich zerstreue sie, Ich tröste sie mit Worten und verwundre mich, Wie_jedes hebt die Füße, wann die Pforte knarrt, Sich hinzuwerfen an des Vaters theures Knie. Nun, welche Hoffnung, welchen Pfad vermagst du, Greis,[OCR note; compare the printed page.] L. ἐλπίδ' ἢ πόρον. Compare printed p. 249 Zur Rettung auszumitteln? Denn wir seh'n auf dich. Des Landes Marken könnten wir wohl ingeheim Nicht überschreiten; (starker sind die Wachen dort, Als wir:) auf unsrer Freunde Schuz vermogen wir Nicht mehr zu zählen: sage denn, was dir bedunkt, Damit wir Zeit gewinnen, wir Unmächtigen, Und noch zu retten, wenn der Tod uns nahe steht. Amphitryon. O Tochter, traun, in solchen Fällen ist es schwer Zu rathen, wenn man's ohne Wahl leichthin versucht. Megara. Fehlt dir's an Leid noch? Liebst du so der Sonne Licht? Amphitryon. Das Leben freut mich, und die Hoffnung lieb' ich auch. Megara. Auch ich; doch, Alter, hoffe nichts Unmögliches. Amphitryon. Säumt nur das Ungluck, ist es schon Erleichterung. Megara. Die Zeit der Trauer ångstet mich, die mitten liegt. Amphitryon. Mein Kind, vielleicht noch möchten wir mit gutem Wind Entflieh'n der Trübsal, welche mich und dich bedrängt; Auch kommt dir wohl dein Gatte, mir mein Sohn zurück. Drum sei getrost und deinen Kindern stille du Der Thränen Quelle, tröste sie, berucke sie Mit Måhrchen trågend, ist es auch ein armer Trug! Denn wohl ermüdet endlich auch der Menschen Leid; Nicht immer athmet ungestum des Windes Hauch, Und wer im Gluck ist, ist es nicht auf immerdar; Denn Alles wechselt unter sich, Nichts bleibt bestehn. Der aber ist der Beste, der auf Hoffnungen Allzeit vertraut; verzagen mag der Schlechte nur. Der Chor. Zu dem hohen Gemache, Hin zum Lager des Greises nah'n wir Greise, Gelehnt an Stabes Stuke, klåglich wimmernden Wehlaut erhebend, gleich dem grauen Schwane: Wir, nur ein Schall, nur ein dåstres Wahngebilde Nachtgeborner Träume, Zwar zitternd, doch freundwillig, nah'n wir. Ihr vaterlosen Söhne, du, O Greis, und du, bedrängte Mutter, Die den Gatten seufzend ruft, Der im Haus der Schatten weilt! Lasset die Füße nicht, Laßt die schweren Glieder nicht ermatten, Dem Rosse gleich am Wagen, das die Felsenhöhn,[OCR note; compare the printed page.] L. mit Pflugk: ὥσε πρὸς πετραῖον λέπας κόπῳ δαμέντος ὣς ζυγηφόρε βάρος φέρειν τροχηλάτοιο πώλε. Compare printed p. 249 Gebeugt von Arbeit, schweren Schritt's hinanstrebt! Fass an die Hand, fasse mein Gewand, Wenn meines Fußes schwache Tritte wanken! Ein Greis, geleite du den Greisen, Dem einst in tapfrer Männer Kampf Junglingslanzen, als er Jungling war, Zur Seite standen, nicht zur Schmach Dir, gepries'nes Heimland! (die Kinder betrachtend) O seht, wie, des Vaters Blicken gleich, der Söhne Blick Strahlt in wilder Glut! Und auch im Ungluck welkte nicht der Kinder Reiz,[OCR note; compare the printed page.] Ε. τὸ δὲ διὰ κακοτυχὲς ἐ λ. ἐ. τ. δ. ἱ. διὰ δὲ τὸ κ. Compare printed p. 250 Nicht der Anmuth holdes Bild. Hellas, ha! Welche Kampfhelden, welche Verlierst du, raubt man diese dir! Doch hier erblick' ich Lykos ja, des Landes Herrn; Er schreitet eben nahe zum Palast heran. Lykos mit Gefolge. Amphitryon. Megara. Der Chor. Lykos. Herakles' Vater und Gemahl, euch fragt' ich gern, Wenn mir's vergönnt ist, und vergönnt ist mir's, soviel Ich will, zu fragen, weil ich euer König bin. Wie lange sucht ihr eure Zeit zu fristen noch? Wo seht ihr Hoffnung oder vor dem Tode Schuz? Wåhnt ihr, Herakles, der in Hades' Hause ruht, Der komme wieder, daß ihr so voll Ungebühr Anhebt die Trauerklage, wenn ihr sterben sollt - Du, der mit eitler Prahlerei ganz Hellas füllt, Daß Zeus, dein Weib umarmend, einen Gott gezeugt,[OCR note; compare the printed page.] Ε. ὡς σύγγαμός σοι παῖδα Ζεὺς τέκοι θεόν. Compare printed p. 250 Du, die des besten Mannes Weib zu sein sich rühmt? Was ist es denn, das Große, das dein Held vollbracht, Der eines Sumpfes Schlange wohl vernichtete,[OCR note; compare the printed page.] Eines Sumpfes Schlange, die hundertköpfige Hyder im See Lerna bei Argos. Compare printed p. 250 Wohl auch Nemeia's Lowen, den im Nez er fångt[OCR note; compare the printed page.] Nemeia, eine Waldgegend in Argolis, wo Herakles den Löwen erlegte. Compare printed p. 250 Und prahlt, mit Armes Schlingen hab' er ihn erdrückt? Darauf vertrauend hadert ihr? Deßwegen soll Herakles' Stamm dem Tode nicht verfallen sein? Des Manns, der, nichtig, doch des Muthes Nuhm gewann, Im Kampf mit Thieren tapfer nur, in Anderm nicht, Der nie den Schild am linken Arme trug und nie Der Lanze kühn sich nahte, nein! den Bogen nur, Die feigste Waffe, führte, stets zur Flucht bereit! Denn Pfeil und Bogen zeigen nicht des Mannes Muth; Nein, kühn bestehn der Lanzen rasche Furch', im Kampf[OCR note; compare the printed page.] Der Lanzen Furche, Wunden. Compare printed p. 250 Ihr kühn entgegenblicken, das bewährt den Mann. Doch, so zu handeln, Alter, treibt nicht Grausamkeit,[OCR note; compare the printed page.] Grausamkeit, ἀναίδεια, wie αἰδώς Mitleid bezeichnet. Compare printed p. 250 Mich zwingt die Vorsicht; weiß ich doch, von meiner Hand Fiel Kreon, Vater Megara's, sein war der Thron. Nicht also wunsch' ich, wurden einst die Söhne groß, Mir selbst die Nacher meiner That heranzuziehn. Amphitryon. So viel an Zeus ist, schůze Zeus den eignen Sohn! Doch mir, Herakles, liegt es ob, durch Worte nur Des Mannes Thorheit darzuthun an deiner Statt; Denn daß man dich verlåstre, duld' ich nimmermehr. Zuerst das Frevelhafte, (Frevel ist es doch, Feigheit an dir zu rügen, großer Sohn des Zeus!) Mit aller Götter Zeugniß wend' ich's ab von dir. Den Bliz Kronions frag' ich und sein Viergespann,[OCR note; compare the printed page.] Wider die Söhne der Erde (die Giganten) kam Herakles im Donnerwagen des Zeus den Göttern zu Hülfe. Compare printed p. 250 Das ihn getragen, als er sein geflügeltes Geschoß der Erde Söhnen durch die Seiten trieb, Und Siegesjubel mit den Göttern feierte. Die trozig ungeschlachte Brut vierfüßiger Kentauren frage, feigſter Fürst, auf Pholoë,[OCR note; compare the printed page.] Pholoë, ein Wald in Thessalien, wo Herakles die Kentauren besiegte, als sie die Hochzeitseier seines Freundes Peirithoos gestört hatten. Compare printed p. 250 Wer ihnen dort als aller Helden bester gilt, Ob nicht Herakles, der nach dir den Schein nur log! Doch, fragst du Dirphys, deine Wieg' in Abas' Reich,[OCR note; compare the printed page.] Dirphys, ein Gebirg auf der Insel Euböa, die ehmals von den Abanten bewohnt war, welche von Abas, einem Sohne Poseidons, den Namen tragen. Deine Wiege. Lykos kam von Euböa. S. V. 32. Compare printed p. 250 Er wird dich schwerlich loben; denn wo hast du je Ein großes Werk vollendet, das dein Land bezeugt? Die klugste Kunde tadelst du, die Bogenkunst: Auf meine Reden höre nun und werde klug! Der Mann in schweren Waffen ist der Waffen Knecht, Und sind die Nebenmänner nicht gleich ihm beherzt, So stirbt er selbst durch seiner Nachbarn feigen Sinn. Zerbrach die Lanze, kann allein durch eigne Kraft Er nicht den Tod abwehren, wo die Waffe fehlt.[OCR note; compare the printed page.] ἀντέχων ἀλκὴν μόνον, da er nur seine Kraft, keine Waffe entgegenzusezen hat. Compare printed p. 250 Doch wer mit wohlgeubtem Arm den Bogen führt, Erkor das Beste, rettet vor dem Tode sich, Nachdem er tausend Pfeile warf auf Andere. Denn ferne stehend, wehrt er ab des Feindes Macht, Und trifft mit unsichtbarem Pfeil die Sehenden. Den eignen Körper gibt er nicht dem Gegner preis, Nein, wohlgesichert steht er; und das ist im Kampf Das Klugste ja, dem Feinde wehzuthun, und sich Zugleich zu wahren, nicht dem Zufall bloßgestellt. Nun, - diese Worte lauten wohl ganz anders, Herr, Als deine Reden über das, was uns entzweit. Doch sprich, warum du diese Kinder todten willst? Was thaten sie dir? Klug in Einem acht' ich dich, Daß vor der Helden Söhnen du, feigherzig selbst, Dich fürchtest: aber dieses ist doch hart für uns, Wenn deiner Feigheit wegen uns Tod treffen soll, Der dir von uns gebührte, die wir besser sind, Wenn Zeus gerechten Sinnes sich bewährt' an uns. Verlangst du nun in diesem Lande Herr zu sein, Laß uns aus Kadmos' Marken zieh'n als Flüchtlinge: Doch nicht Gewalt verube, daß du nicht Gewalt Erfahrest, wann sich umgewandt des Glückes Hauch. Weh! O Land des Kadmos! Denn zu dir auch wend' ich mich, Dir zuzurufen dieses vorwurfsvolle Wort: So schirmet ihr Herakles, so des Helden Stamm, Der, Einer, wider alle stritt, die Minyer, Und dem ihr's danket, daß ihr frei das Aug' erhebt? Auch Hellas lob' ich nimmer, will es schweigend nie Ertragen, daß sie meinem Sohn so schnide lohnt, Sie, die mit Feuer, Lanze, Schild den Kindern hier Beistehen mußte, dankbar, daß er Land und Meer Weithin gereinigt und die großen Müh'n vollbracht. Doch hier beschůzt euch, Kinder, nicht die Theberstadt, Nicht Hellas; mich, den schwachen Freund, sucht euer Blick, Den Freund, der Nichts ist, als der Zunge leerer Schall. Entflohen ist die Stärke, die mich einst erfullt; Vor Alter zittern meine Knie', hin schwand die Kraft. Doch, wår' ich jung noch, meiner Glieder Herr wie sonst,[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Doch, wär' ich Jüngling und des Körpers mächtig noch. Compare printed p. 250 Die Wehr ergriff' ich, fårbte dem sein blondes Haar (auf Lykos, deutend) Mit Blute, daß er über Atlas' Marken weit Hinaus vor meiner Lanze floh' in feiger Flucht! Der Chor. Seht da! Dem edlen Manne beut sich immer Stoff Zum Reden, ist er ungeübt in Worten auch. Lykos. Erhebe du dich wider uns mit stolzem Wort: Ich wende dafür gegen dich die schlimme That. (zu den Dienern) Auf, sendet ihr zu Parnassos', ihr in Helikon's Thalschluchten Männer, Kloze mir vom Eichenstamm Zu fållen; wurden diese dann zur Stadt geschafft, So håust am Opferherde rings das Holz empor, Und so versengt sie alle, so verbrennt sie mir, Damit sie wissen, daß in diesem Lande nicht Der todte Kreon, sondern ich jezt Herrscher sei! (zu dem Chor) Und ihr, o Greise, welche mir und meinem Sinn Entgegenstreben, bald beweint ihr nicht allein Herakles' Kinder, sondern euch und euer Haus, Wenn euch ein Leid getroffen; dann entsinnt ihr euch, Daß ihr die Sklaven meiner Macht geworden seid! Der Chor. Ihr Söhne dieser Erde, die der Schlachtengott, Des Drachen Kiefer leerend, hier einst ausgesåt, Auf, hebt die Ståbe, Stüzen eurer Hand, empor, Und fårbt mit Blute dieses Mann's ruchloses Haupt, Der, nicht aus Kadmos' Stamme, Theba's Junglingen[OCR note; compare the printed page.] die dem Lykos huldigen. Deswegen verbinde man dort ἄρχει mit τῶν νέων. Compare printed p. 250 Gebeut, der Feigling, hergeschifft aus fremdem Land! Doch straflos uns gebieten sollst du nimmermehr,[OCR note; compare the printed page.] Uns, den Greisen, im Gegensaz gegen die Jünglinge Thebä's Compare printed p. 250 Nicht haben, was mit vielen Mühen diese Hand Errungen! Dorthin hebe dich, woher du kamst, Und frevle: denn Herakles' Kinder tödtest du Niemals, so lang ich lebe! Nicht so tief verbirgt, Entfernt von seinen Kindern, ihn der Erde Schooß. Du brachtest diesem Lande ja den Untergang: Er, sein Erretter, årntet nicht verdienten Dank. Und muh' ich dann mich nuzlos, wenn ich meinem Freund Im Tode diene, wo der Freund am nothigsten? O wie verlangst du, meine Hand, nach Speer und Schwert! Doch deine Unmacht loschte dein Verlangen aus.[OCR note; compare the printed page.] 2. ἐν δ' ἀσθενείᾳ τὸν πόθον διώλεσας, i. e. imbecillitate tua fecisti, ut desiderium tuum inane sit, durch deine Unmacht, deine Schwäche machtest du dein Verlangen unnüz und nichtig. Compare printed p. 250 Ich wollte dir wohl wehren, der mich Knecht genannt, Und wohnt' in dieser Kadmosstadt mit hohem Ruhm, Wo du dich brustest! Weise denkt ja nicht die Stadt, Die krankt an Aufruhr und zerfällt durch båsen Rath: Sie hatte dich sonst nimmermehr zum Herrn bestellt. Megara. Dank euch, ihr Greise! Denn es ziemt den Freunden wohl, Gerecht zu zürnen, wenn in Noth die Freunde sind. Daß euch nur, wenn ihr unserthalb dem Herrscher grollt, Kein Uebel treffe! Doch vernimm, Amphitryon, Auch meine Meinung, ob sie dir am Orte scheint. Ich liebe diese Kinder: wie denn liebt' ich nicht, Was unter Schmerzen ich gebar? Und Sterben dunkt Auch mir ein Ungluck; aber wer, Nothwendigkeit, Dir widerstrebte, mein' ich, wår' ein blinder Thor. Weil unser Loos denn Sterben ist, so sterben wir, Nicht hingezehrt von Flammen, unsrer Feinde Spott, Was mir ein großres Uebel dünkt, als selbst der Tod! Denn vieles Edle schulden wir an unser Haus. Du hast im Krieg dir hohen Ruhmesglanz erkämpft: So wår' es unerträglich, stürbst du feigen Tod! Und mein erhabner Gatte hat genug gezeigt,[OCR note; compare the printed page.] Nach λαβόντας ist ein Fragezeichen zu sezen. Der Sinn ist: „Und ist es nicht durch Zeugnisse bestätigt, daß mein Gemahl das Leben seiner Kinder nicht um den Preis der Schande erkaufen will?" Compare printed p. 250 Daß er der Kinder Leben nicht erkaufen will Um schnoden Ruses Schande; fühlt der Edle doch Schmerz auch für seine Kinder, wenn sie Schande trifft; Ich aber darf des Gatten Vorbild nicht verschmahn. Doch nun erwåge deiner Hoffnung Grund mit uns. Du meinst, Herakles kehre noch an's Licht zuruck: Wann stieg ein Todter aus des Grabes Nacht herauf? -[OCR note; compare the printed page.] Anders : Wo kam ein Todter aus des Hades Nacht zurück? Compare printed p. 250 Doch wohl mit Worten stimmten wir den Lykos um? Unmåglich! Meiden müssen wir den rohen Feind, Uns fügen nur dem weisen, wohlgezogenen, Von dem dir leichter Gnade wird, vertrautest du. Ich dachte schon, wir sollten für die Kinder hier Um Land'sverweisung bitten; doch hart ist es auch, Das Leben retten für der Armuth Jammerloos. Denn eines Gastfreund's Auge zeigt dem flüchtigen Gastfreunde, sagt man, heitern Blick nur Einen Tag. So wag's mit uns zu sterben, was doch deiner harrt: Bei deinem Hochsinn rufen wir, o Greis, dich auf! Wer wider Götterschicksal auszudauern strebt,[OCR note; compare the printed page.] Hier ist nach der alten Lesart übersezt, von welcher abzuweichen ich keinen Grund finde. Compare printed p. 250 Wohl ist er muthig, doch sein Muth ist Thorenmuth; Denn was verhångt ist; wendet auch kein Gott zurück. Der Chor. Wenn råstig wäre dieser Arm, und Einer dich zu hohnen wagte, würd' ihm leicht ein Ziel gesezt. Jezt bin ich Nichts mehr: du bedenke selber nun, Wie du dem Ungluck wehren magst, Amphitryon. Amphitryon. Nicht Lebenslust, nicht Feigheit hålt vom Tode mich Zuruck; dem Sohn nur rettet' ich die Kinder gern. Doch scheint es, fruchtlos streb' ich nach Unmåglichen. Sieh, dieser Nacken bietet sich dem Schwerte dar: Durchstoße, morde, sturze mich vom Fels hinab! Nur Eine Gnade bitten wir, o Herr, von dir: Eh du die Kinder tödtest, todte mich und sie, (auf Megara deutend) Daß nicht im Todeskampfe wir (unseliger Anblick!) die Kinder schauen, die der Mutter und Des Vaters Vater rufen! Sonst, wie dir's gefällt, So thue! Nichts ja rettet uns vom Tode mehr. Megara. Zu Gnade füge Gnade, fleh' auch ich zu dir, Daß du, der Eine, beiden uns gefällig seist. Laß mich die Kinder schmücken mit dem Todtenschmuck, Das Haus erschließend, das man uns bis jezt verschloß, Daß dies doch ihnen werde, dies vom Vaterhaus! Lykos. Das wird geschehen: Diener, schließt die Pforten auf! - Hinein, und schmuckt euch! Kleiderschmuck misgönn' ich nicht. Und habt ihr euch mit eurem Todesschmuck umhüllt, Erschein' ich wieder, euch der Unterwelt zu weihn. (geht ab.) Megara. O Kinder, folgt der Mutter gramgebeugtem Schritt Zum våterlichen Dache, wo jezt andre Herrn Im Hause schalten; unser blieb der Name nur! Amphitryon. O Zeus, vergebens theiltest du mein Lager denn, Vergebens war des Sohnes Tempel unser Ruhm ![OCR note; compare the printed page.] Nach der ursprünglichen Lesart: μάτην δὲ παιδός του νεὼν ἐκλήζομεν. Wörtlich: umsonst priesen wir wahrlich den Tempel des Sohnes, d. i. den Tempel, den mein Sohn Herakles, dem Retter Zeus erbaut hatte, und den wir mit diesem rühmenden Namen schmuckten, der uns indes nicht rettete. Wäre die Stelle einer Xenderung bedürftig, so läse man wohl am besten: μάτην δὲ παιδὸς τὸν τεκόντ' ἐκλήζομεν· Umsonst als Vater meines Sohns begrüßt' ich dich. Dann wäre der vorangehende Vers der Uebersezung so zu lesen: O Zeus, umsonst denn theiltest du mein Lager einst. Compare printed p. 250 Compare printed p. 251 Du warst ein minder treuer Freund, als wir gehofft. Ich Mensch besieg' an Tugend dich, den großen Gott; Denn ich verrieth Herakles' edle Kinder nicht. Du wußtest einzuschleichen in der Frauen Gunst, Und brachst in Andrer Lager ungerufen ein; Zu retten aber weißt du nicht die Deinen, bist Ein geistigblinder oder nicht gerechter Gott! (sie gehen mit den Kindern in das Haus.) Erste Strophe. Der Chor. Phobos fållt in das fröhliche Lied mit Trauergesang ein, Weckt mit goldenem Kiele der Lieblichhallenden Laute Klang. Doch ich will Ihn, der in die Nacht der Erde, Der Schatten stieg, (soll ich den Sohn Kronions, Amphitryons Kind ihn nennen?) Seine Müh'n im Gesange kränzen Mit schallender Lieder Lob. Denn großherziger Thaten Preis Ist die Zierde der Todten. Erst erlöst' er Kronions Heiligen Hain von dem Löwen; Ihm umhüllte das blonde Haupt der furchtbare Rachen des feurigen Unthiers, deckt' ihm den Rücken. Erste Gegenstrophe. Auch der wilden Kentauren Volk, Das auf Bergen umherschweist, Traf er mit blutigem Bogen einst, Sandt' ihm Tod mit beschwingtem Geschoß. Peneios' schonwirbelnder Strom bezeugt es, Die weiten, fruchtleeren Gefilde sahen's, Und Pelions Felsenthåler, Auch des Homola nahe Grotten, Wo, mit Fichten den Arm bewehrt, Sie die Gauen Thessalia's Hoch auf Rossen bezwangen. Dann die Hindin mit goldnem Geweih Streckt' er hin, die gefleckte Räuberin des Gefildes, Die der Göttin von Denoë,[OCR note; compare the printed page.] ξύν κτείνας wird hier gelesen κτεῖν (d. ἱ. ἐκτεινε), ἃ (θηροφόνον θεὰν Οἰνοᾶτιν ἀγάλλει). Compare printed p. 251 Der Thiertodterin, Lust war. Zweite Strophe. Auch den Wagen bestieg er Und bezwang mit dem Baum die Rosse Diomedens, die zu der blutigen Kost an den mordenden Hinstürmten, ungehemmt vom Zaum, Krippen Sich an Menschenfleisch (o grauses Mahl!) zu laben. Dahin über Hebros' Silberflut Sezt' er und vollbrachte Das Werk, dienstbar dem Herrn Mykend's. Drauf an Pelions Höhn erschloß er dem Bergstrom ein Thor;[OCR note; compare the printed page.] Ε. κατά τε Πηλιάδ' ἀκτὰν ἀναύρῳ πόρε πύλας. Der Fluß Peneios, von Bergströmen angeschwellt, stand am Fuße undurchdringlicher Gebirge des Pelion in Ostthessalien. Herakles durchbrach sie, der Strom stürzte hindurch dem Meere zu, und die gesonderten Berge bildeten das zauberische Thal Tempe. Compare printed p. 251 Und der Fremdlinge Mörder, Kyknos, erlegt er in Amphanaia's Ungastlicher Wildniß. Zweite Gegenstrophe. Auch zu singenden Jungfrau'n In des Hesperos Fluren kam er, Um die goldene Frucht mit der Hand von den goldenen Erschlug den purpurschuppigen Blåttern zu pslücken, Drachen, der unnahbar sie bewacht' in weiten Kreisen. Der See tiefe Buchten drang er durch, Meeresstille schuf er, Die Bahn ebnend der Menschen Rudern. Mitten auch an des Himmels wölbenden Thron faßte sein Als er kam zu des Atlas Haus, und trug die gestirnten Size Der Götter mit Mannskraft. Dritte Strophe. Zur gaultummelnden Amazonenschaar Am vieldurchstromten Mastersee Arm, Zog hin der Held durch Eureinos' Brandung; (Und wen vom Land Hellas nicht Sammelt' er zum Freundesheer?) Der Aresjungfrau Gewand Trachtet er, dem goldnen, nach, Des Gürtels unheilvollem Raub. Des fremden Mädchens stolze Beut' empfing sofort Hellenenland, sie bewahrt Mykend. Auch den tausend köpsigen Hund, Den mordschnaubenden, Lerna's Hydra, tilgt' er mit Feuer, Taucht' in Gift die Pfeile, Die den Tod Erytheia's Hirten, Dem dreileibigen, sandten. Dritte Gegenstrophe. Noch viel anderer Kämpfe Siegesbahn Durchlief er, schiffte zum Hades dann, Dem schmerzenreichen, Ziel seiner Mühen, Und endet dort (Armer!) sein Leben, kam nicht mehr zurück. Von Freunden leer trauert das Haus; Auf dem Todespfade, wo Niemand zurückkehrt, harrt der Kahn Charon's der Heldensohne schon: o Sund', o Graul! Auf deinen Arm blickt dein Haus: du kommst nicht![OCR note; compare the printed page.] L. δώματ' ἐ παρόντος. Compare printed p. 251 Blüht' ich kraftig in Jugend noch, Schwånge den Speer in der Feldschlacht; Samt den Altersgenossen Schirmt' ich stark die Kinder: Aber nun verschwand mir der Lenz Der glückseligen Jugend. Doch ich sehe ja dort, in der Todten Gewand, Sich nahen Herakles' Kinder, des Manns, Der ehe so groß war; auch sein Weib, Das die Söhne wie Ross' an der Seite des Jochs Hinschleppt, und Alkmena's greisen Gemahl. Ich Verlorener, weh! Ich kann nicht mehr des erloschenen Blicks Vorbrechenden Thränen gebieten. Megara und Amphitryon kommen mit den Kindern aus dem Hause Wohlan! zurück. Der Chor. Megara. Wer ist der Priester, der die Kinder schlachtet? Wer Der Würger, der mein armes Leben morden soll? Bereitet sind die Opfer, in den Tod zu gehn. O Kinder, welch ein Trauerzug von Todten wir, Greis, Knaben, Mutter allzumal dahingeschleppt! O mein Verhängniß, meiner Söhn' unselig Loos, Die (weh!) zum leztenmale nun mein Auge sieht! Euch gab ich Leben, und dem Feind erzog ich euch, Zum Hohn, zum Spielwerk und geweiht dem Untergang. Weh! Wohl stürzt' ich tief vom schöngeträumten Gluck hinab, Das eures Vaters Rede mich einst hoffen ließ. Dir theilte, Sohn, der todte Vater Argos zu, Das Haus Eurysthens solltest du bewohnen einst, Im schönen Fruchtland herrschend, in Pelasgia. Des grimmen Thieres Hülle legt' er dir um's Haupt, Des Leu'n, womit gewaffnet er den Kampf bestand. Du solltest Herr im wagenreichen Thebe sein, Das Land besizen, welches ich als Erb' empfing, Wie du von meinem Vater dir's erbatst, o Kind.[OCR note; compare the printed page.] L. ὡς ἐξέπειθες τὸν κατασπείραντά με. Compare printed p. 251 In deine Rechte, Feindestroz zu wehren, gab Er seine Keule, Dådalos' trugvoll Geschenk.[OCR note; compare the printed page.] Ein trugvolles Geschenk nennt Megara die Keule, weil sie ihren Zweck, den Sohn zu schüzen und zu vertheidigen, nicht erfüllte, ihn gleichsam betrog und im Stiche ließ. 1 472. Ε. δυςήνῳ φέρειν, welcher Infinitiv von ἀντέδωκε B. 471 abhän gig ist. Statt des Bades, das nach dem Hochzeitmahle die Bräute nahmen, und das für vorbedeutend galt. 〃 485. 2. ἄλκαρ oder ἀλκή. Jakobs will diesen und den folgenden Vers so gelesen wissen: σκιὰ γὰρ ἐλθὼν ἱκανὸς ἂν γένοιο οὐ κακές ταράσσειν, οἱ τέκνα κτείνεσι σά. Hiernach wäre zu übersezen: Als Schatte kommend, wärst du stark, die Feiglinge, Die deiner Söhne Mörder sind, dem Staub zu weihn. Compare printed p. 251 Und dir verhieß er als Besiz Dechalia, Das sein Geschoß ferntreffend einst eroberte. So hob er euch drei Söhne hoch empor zu drei Gewaltigen Thronen, seines Muths sich stolz bewußt. Ich hatte froh im Geiste schon zu Brauten euch Die besten Jungfrau'n im Athenerland ersehn, Im Spartervolk, in Thebe, daß ihr glucklich wårt, Un sichern Lauen euer Schiff befestigend. Und nun - dahin ist Alles; umgewandelt ist Das Schicksal, das die Keren euch zu Brauten gibt; Mich Arme låßt es Thränen, statt des Bades weih'n! Und hier des Vaters Vater gibt das Ehrenmahl Dem Schattengotte, der Herakles' Schwåher ward! Ach! Wen von euch am ersten oder wen zulezt Druck' ich an diesen Busen? Wen küßt dieser Mund? Wen, wen umarm' ich? Wie, der gelben Biene gleich, Samml' ich die Klagen aller auf in Einen Laut, Vereine sie in Einem langen Thränenstrom? D Theurer, wenn man eine Stimm' aus Menschenbrust Vernimmt im Hades, ruf' ich dir, Herakles, zu: „Dein Vater stirbt, es sterben deine Söhn' und ich, Die deinetwegen alle Welt einst glucklich pries. Komm, rette! Wenn auch Schatte nur, erscheine mir! Auch nur erscheinend wirst du mir ein starker Schuz: Denn gegen dich sind deiner Söhne Mörder feig!" Amphitryon. Bereite du, Frau, was den Todesgittern ziemt:[OCR note; compare the printed page.] Nach der gewöhnlichen Erklärung würde die Uebersezung des Verses etwa so lauten: Erflehe du der Todesgötter Huld, o Frau. Compare printed p. 251 Ich aber hebe meine Hand zum Himmel auf, Und rufe dir, Zeus, willst du diese Kinder hier Beschůzen, eile, weil du bald nicht mehr vermagst! Doch oft ja rief ich schon zu dir: ich rief umsonst; Ein strenges Schicksal, wie mir scheint, will unsern Tod. Auf denn, o Greise! Flüchtig eilt das Leben hin; Drum weihet froh der Erde kurzen Traum der Lust, Von Tagesaufgang bis zur Nacht von Kummer frei! Auf unsre Wunsche nimmt die Zeit niemals Bedacht: Sie fliegt von hinnen, um das Ihre nur besorgt. Seht mich: vor Zeiten galt ich groß vor aller Welt, Und wirkte ruhmvoll; wie den Vogel himmelan, Entriß das Schicksal Alles mir an Einem Tag. Des Glückes Fülle, hoher Ruhm, wem wåren sie Je treu geblieben? Lebet wohl: denn euren Freund, Genossen, heute saht ihr ihn zum letztenmal! Ha! (Herakles tritt auf.) Megara. Erblick ich meinen Liebsten hier? Was sag' ich, Greis? Amphitryon. Mein Kind, ich weiß nicht; denn auch mir versagt das Wort. Megara. Er ist's, von dem wir hörten, daß er drunten sei, Wenn nicht ein Traumbild uns erscheint im Sonnenlicht! Was sag' ich? Welche Traume sieht mein wirrer Geist? Das ist, - es ist kein Andrer, als dein Sohn, o Greis! Hierher, o Kinder! Hånget euch an sein Gewand! Kommt, eilet, laßt ihn nimmer los! Denn, traun, er ist Euch kein geringrer Helfer, als der Retter Zeus! Herakles. D Dach, o Hallen meines Herdes, seid gegrüßt! Welch froher Anblick, nun ich kam zum Sonnenlicht! Ha! Was gibt es? Meine Kinder seh' ich am Palast, In Todtenschleier tragen sie das Haupt gehüllt; Und im Gewühl von Männern seh' ich mein Gemahl Und meinen Vater, der ein Ungemach beweint. Wohlan, ich trete nåher hin und frage sie. Sprecht, welches neue Mißgeschick traf dieses Haus?[OCR note; compare the printed page.] 2. τοῖςδε δώμασιν ohne γύναι. Compare printed p. 251 Amphitryon. O liebster Mann, o Licht in deines Vaters Nacht! Du bist gerettet, kommst für uns zu rechter Zeit. Herakles. Was meinst du? Vater, welchen Aufruhr treff' ich hier? Megara. Wir sind verloren! Du vergib, Greis, wenn ich dir Das Wort vorausnahm, welches dir an ihn geziemt. Wir Frauen sind ja weicher als der Mann gestimmt, Und meinen Kindern drohte Tod, ich war dahin. Herakles. Apollon! Wie beginnst du deine Reden mir! Megara. Todt sind die Brüder und mein alter Vater todt. Herakles. Wie? Was begann er? Welcher Speer hat ihn entseelt? Megara. Lykos, des Landes neuer Fürst, ermordet' ihn. Herakles. In offner Feldschlacht? Oder tobt' Aufruhr im Land? Megara. Ausruhr erschloß ihm Kadmos' siebenthorig Reich. Herakles. Doch, Frau, warum denn faßte Furcht den Greis und dich? Megara. Dem Vater, mir und unsern Sohnen droht er Tod. Herakles. Was sagst du? Wie? Verwaiste Kinder fürchtet er? -[OCR note; compare the printed page.] 2. τί φής; τί; ταρβῶν ὀ. ἐ. τ. Compare printed p. 251 Megara. Sie möchten Nache nehmen einst um Kreons Tod. Herakles. Doch was bedeutet dieser Schmuck, der Todten ziemt? Megara. Die Todeskleider sind es, die wir angelegt. Herakles. Ihr sollt gewaltsam sterben? Ich Unseliger! Megara. Kein Freund beschůzt uns, und man sagte dich für todt. Herakles. Wie kam es denn, daß solcher Kleinmuth euch befiel? Megara. Mykene's Herrscher that es uns durch Boten kund. Herakles. Warum verließt ihr dieses Haus und meinen Herd?[OCR note; compare the printed page.] Dieses Haus und meinen Herd, Tempel und Altar des Retters Zeus. Compare printed p. 251 Megara. Gewalt vertrieb den Vater aus der Lagerstatt - Herakles. Durch Schmach den Greis zu krånken, trug er keine Scheu? Megara. Von dieser Göttin, der Gewalt, wohnt fern die Scheu. Herakles. So hatten wir, von Hause ferne, keinen Freund? Megara. Wo håtte denn auch Freunde, wen das Gluck verließ? Herakles. Der Minyerschlachten, die ich schlug, vergaßen sie?[OCR note; compare the printed page.] Der Minyerschlachten. Vgl. zu V. 50. Compare printed p. 251 Megara. Freundlos, ich wiederhol' es, ist das Misgeschick. Herakles. O reißt die Todesschleier flugs vom Haupt herab, Und hebt das Auge wiederum empor zum Licht, Das freundlich wechselnd leuchtet nach der Todesnacht! Ich aber eile (nun bedarf es meines Arms) Vorerst von hinnen, sturz' in Staub die Wohnungen Des neuen Herrschers, werse dann den Hunden vor Des Frevlers abgehau'nes Haupt; und wen ich schlecht Vom Thebervolk erfunden, dem ich Gutes that, Mit dieser sieggekrönten Wehr vertilg' ich ihn. Mit rasch beschwingten Pfeilen todt' ich Andere, Und füll' Ismenos' Fluten rings mit Leichen an, Und Dirke's klare Welle fårbt sich blutigroth! Wem soll ich eher Retter sein, als meinem Weib, Dem Greis, den Kindern? Fahret wohl, ihr Kampfesmuh'n! Unnůz ja wart ihr alle mehr, als dieser Kampf! Ich muß für meine Söhne, sowie sie für mich,[OCR note; compare the printed page.] Unders: Ich muß für sie mich opfern, wie die Söhn' um mich Sich opfern sollten. Compare printed p. 251 Im Kampfe sterben; oder wie beschönt' ich es, Daß ich mit Leu'n und Hydern mich im Kampfe maß, In den Eurystheus mich gesandt, und nicht den Tod Von meinen Kindern wehrte? Nicht mehr Herakles,[OCR note; compare the printed page.] L. ἐκπονῆσαι. Compare printed p. 251 Der sieggekrönte, hieß ich dann, wie früherhin. Der Chor. Wohl ist es billig, daß sein Kind der Vater schirmt, Der Sohn die grauen Weltern, sein Gemahl der Mann. Amphitryon. Dir steht es zu, den Freunden Freund zu sein, o Sohn, Den Feind zu hassen; aber eile nicht zu sehr. Herakles. Worin, o Vater, eil' ich mehr als billig hier? Amphitryon. Gar Viele, arm an Gütern, die dem Ruse nach Für Reiche gelten, sind dem Lykos zugethan, Bereiten Aufruhr und der Stadt den Untergang, Um Andrer Gut zu rauben; denn ihr Gut daheim Verschlang der Aufwand und zerstob der Mußiggang. Du wardst gesehen, als du kamst in diese Stadt;[OCR note; compare the printed page.] Zwei Verse der Urschrift wurden in drei ausgedehnt. Sie lauteten ursprünglich in der Uebersezung so: Man sah dich, als du kamst zur Stadt; drum siehe zu, Daß nicht du wider Hoffen fäust im Feindesschwarm. Oder: Daß nicht dich unerwartet stürzt der Feinde Schwarm. Compare printed p. 251 Compare printed p. 252 Drum sei behutsam, daß du nicht der Feinde Schwarm Aufregst, und wider Hoffen dich Verderben trifft. Herakles. Mir gilt es gleichviel, ob die ganze Stadt mich sah. Doch einen Vogel schaut' ich jungst am schlimmen Ort, Und schloß, ein Unglück habe wohl euch heimgesucht; So kam ich denn vorsichtig ingeheim in's Land. Amphitryon. Zum Glück erschienst du; nun begrüße deinen Herd, Und laß das våterliche Haus dein Auge schaun. Bald kommt er selbst, der König, der dir Sohn' und Weib Fortschleppen, morden, und zugleich mich schlachten will. Indeß du dort weilst, fugt sich Alles wohl für dich, Und Sicherheit gewinnst du; doch verseze nicht Die Stadt in Aufruhr, eh du dieses wohl vollbracht. Herakles. So thu' ich; denn du sprachest recht: ich geh' hinein. Spåt heimgekehrt aus sonnenloser Gründe Nacht, Von Hades' Reich und Kore's, will ich allererst Die Götter grüßen, die des Hauses Hüter sind. Amphitryon. So kamst du wirklich in des Hades Haus, o Kind? Herakles. Und führte sein dreiköpfig Ungethum an's Licht. Amphitryon. Im Kampf es zwingend, oder als Kora's Geschenk? Herakles. Im Kampf: die heil'gen Weihen sah ich Glucklicher.[OCR note; compare the printed page.] Die Alten melden einstimmig, daß Herakles, bevor er in die Unter = welt hinabgestiegen, sich in die Mysterien zu Eleusis habe einweis hen lassen. Doch nicht diese meint hier Euripides, sondern die Mysterien, die nach dem Volksglauben Eingeweihte in der Unterwelt feierten. Zu diesen aber wurden wohl nur solche zugelassen, die vorher die heiligen Weihen zu Eleusis empfangen hatten. Compare printed p. 252 Amphitryon. Und ist im Königshause schon das Ungethum? Herakles. Der Hain Demeters nahm es auf in Hermion.[OCR note; compare the printed page.] Hermion oder Hermione, eine Stadt auf der südöstlichen Küste von Argolis mit einem Tempel Demeters, in dessen Nähe ein Erdschlund war, durch welchen Herakles den Kerberos sollte heraufgebracht haben. Compare printed p. 252 Amphitryon. Weiß Argos' König, daß du kamst an's Licht herauf?[OCR note; compare the printed page.] Argos' König, Eurystheus. Compare printed p. 252 Herakles. Nein; eher wollt' ich wissen, wie's euch hier ergeht. Amphitryon. Doch was verzogst du solche Zeit in Hades' Haus? Herakles. Theseus zurückzuführen, såumt' ich, Vater, dort. Amphitryon. Und wo verweilt er? Ging er heim in's Vaterreich ? Herakles. Nach Atthis, freudig, daß er Hades' Land entflohn. Doch auf, o Kinder! Folgt dem Vater nach in's Haus. - Ihr geht zu großrer Freude, traun, hinein, als ihr Herausgegangen. Also seid getrostes Muths, Und badet euer Auge nicht in Thränen mehr! Du, theure Gattin, sammle dich und fasse Muth, Hör' auf zu zagen! Lasset ab von meinem Kleid: Denn Flügel hab' ich keine, will euch nicht entfliehn! Ha! Sie weichen nicht, nein, klammern um so fester sich An mein Gewand. So nahe war euch die Gefahr? Ich will sie führen, will sie mir, gleichwie das Schiff Die Boote, nachziehn; denn um meine Kinder mag Ich gern mich müh'n! Hier sind sich alle Menschen gleich. Denn seine Kinder liebt der Hochgeborne, liebt Der Namenlose. Dieser lebt in Fülle, der Ist arm; doch Kindesliebe wohnt in jeder Brust. (Sie gehen mit den Kindern in das Haus.) Erste Strophe. Der Chor. Jugend erfreut, fesselt mich süß; aber das Alter lastet Ueber dem Haupt drückender stets als die Felsen Aetna's, Und in Dunkel hült es mir das Licht der Augen. Niemals werde mir Asia's Thron, Asia's Schaze mir eigen, Noch sei voll Goldes die Wohnung, Ist hiefür Jugend der Preis, Dies herrlichste Gut für den Reichthum, Dies herrlichste Gut in der Noth! Doch das traurige, tödtende Alter hass' ich: hinab in's Meer Stürz' es! Nie zu der Sterblichen Häusern, noch zu den Städten nah'n Sollt' es, sondern in Aethershohn Stets auf Schwingen dahinfliehn! Erste Gegenstrophe. Wåret ihr klug, Götter, und wågt Menschengeschick mit Weisheit; Schenktet ihr wohl doppelte Jugend, ein helles Merkmal Des Verdienstes, dem, welchen es schmuckt; vom Hades Kehrt' er wieder zum Sonnenlicht, Die neuen Bahnen zu wandeln; Unedeln aber verlieh't ihr Ein einfach Lebensgeschick. So würden die Bisen am ehsten Und die wackeren Männer erkannt, Wie durch nachtlich Gewölke den Schiffern blinkt der Gestirne Zahl. Doch kein göttliches Zeichen grånzt Nun die Guten und Bösen ab; Ewig wechselnd und wogend ringt Nur nach Schäzen das Leben. Zweite Strophe. Nie lass ich ab, Chariten, euch Beizugesellen den Musen Zum holdesten, schönsten Verein. Mig' ich niemals ohne Gesang Leben, ewig umblüht von Kränzen! Auch ein grauer Sånger preist noch Der Gesangsgöttinnen Mutter; vom siegsfrohen Herakles Tönen unsere Lieder Noch, wo Bromios' Gabe stromt, Wo die Saiten der Lyra hell Schallen und Libyerflöten. Nie will ich die Musen fliehn, Die den Reigen mich lehrten. Zweite Gegenstrophe. Den Lobgesang, delische Fraun, Stimmt ihr an, um die Pforten[OCR note; compare the printed page.] Um die Pforten - des apollonischen Tempels. Compare printed p. 252 Zu lieblichen Tänzen gesellt, Feiernd Leto's herrlichen Sohn; Auch ich stimme vor deinem Hause, Wie der Schwan, ein greiser Sånger Mit dem weißlockigen Bart, den Gesang an, o Herakles: Du bist unserer Lieder Schöner Stoff; den Ruhm der Geburt[OCR note; compare the printed page.] 2. τᾶς δ' εὐγενίας κλέος ὑπερβάλλων ἀρεταῖς. Compare printed p. 252 Ueberstrahlend, gabst du nach Müh'n Dies jezt sturmlose Leben[OCR note; compare the printed page.] 2. τόδ' ἄκυμον βιότε. Compare printed p. 252 Den Sterblichen, båndigtest Alle Schrecken der Thierwelt. Lykos mit Gefolge. Amphitryon. Der Chor. Lykos. Du kommst gelegen aus dem Haus, Amphitryon: Denn lange Zeit schon ist es, daß ihr drinnen euch Mit Trauerschleiern und dem Schmuck der Todten schmuckt. Doch auf! den Kindern und dem Weib des Herakles Gebeut hervorzutreten aus dem Hause hier, Und sterbt sodann freiwillig, weil ihr so verspracht. Amphitryon. Du drångst, o Herr, verfolgst mich Ungluckseligen, Und spottest meiner, nun dahin die Meinen sind. Mit Maß zu eilen ziemte hier dem König auch. Doch weil den Tod zu leiden uns dein Wort gebeut, So muß ich folgen, muß vollziehn, was dir gefällt. Lykos. Wo weilt das Weib nur, wo Herakles' Söhne, Greis? Amphitryon. Soviel ich aussen merke, kniet sie, mein' ich wohl - Lykos. Was? Deine Meinung, kannst du sie bewahren auch?[OCR note; compare the printed page.] 2. τί χρῆμα; δόξης τῆς δ' ἐ. τ. Compare printed p. 252 Amphitryon. Auf heiligen Altarstufen dort und fleht um Schuz. Lykos. Unnüz, um Rettung anzuflehn die Himmlischen! Amphitryon. Und auch den todten Gatten ruft sie ganz umsonst. Lykos. Nun, dieser kam nicht, kehrt auch wohl niemals zurück. Amphitryon. Nein, wenn ihn nicht noch eine Gottheit auferweckt. Lykos. Geh' hin zum Weibe, führe sie vom Hause her! Amphitryon. Vollbråcht' ich dieses, hatt' ich Theil an deinem Mord. Lykos. So will ich selbst denn, wenn du hier ein Grausen fühlst, Sie samt den Kindern (weiß doch ich von keiner Angst) Herausgeleiten! Diener, folgt hieher mir nach, Damit wir fröhlich Ruhe sehn von diesen Muh'n! (er geht in das Haus.) Amphitryon. So geh: du gehst in dein Geschick! Das Andre wird[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Geh denn: du gehst, wohin du mußt! Compare printed p. 252 Ein Andrer fügen. Sei gefaßt, für böses Thun Auch Boses hinzunehmen! - (zu dem Chor) Ganz gelegen kommt Er hin, o Greise; sicher wird der Schwerter Nez Umschlingen ihn, der Andre hinzumorden denkt, Der Bösewicht! Ich gehe, sehen muß ich ihn Todt niederstürzen: Wonne ja gewährt der Tod[OCR note; compare the printed page.] Anders: Wonne bringt des Feindes Tod, Der sterbend abbust, was er gegen uns verbrach. 〃 724. Ε. πάλιν ἔμολεν, ἃ πάρος ἔποτε διὰ φρενός ἤλπισ᾽ ἂν παθεῖν, γᾶς ἄναξ. ἤλπισ᾽ für ἤλπισα, wozu der redende Halbchor Subjekt ist; γᾶς avaš ist Herakles. Der erste Vers ist ein überzähliger dochmischer Dimeter, der zweite besteht aus einem Amphimacer und einem einfachen Dochmius. Im Deutschen ist auch der zweite Vers ein dochmischer Dimeter. Compare printed p. 252 Des Feindes, der mir sterbend bust für schlimme That! (er geht ab.) Erster Halbchor. Das Leid wendet sich: der einst groß war, lenkt Sterbend sein Leben nun in Hades' Haus hinab. O Recht, Heil dir, Heil, Und dir, Götterloos, wiedervergeltendes! Zweiter Halbchor. Dort bist du endlich, wo du sterbend bußen wirst, Du, der du Besſſre quåltest, als du selber bist! Erster Halbchor. Wonnevoll strömt mein Aug' in Freudenthrinen aus: Er kam wiederum, - o Gluck, nie zuvor Geahnt! kam zurück, unseres Landes Fürst. Zweiter Halbchor. Nun aber laß uns, Alter, auch nach innen spåhn, Ob Einer duldet, was wir gern ihn dulden såhn. Lykos (innen). O weh, weh mir! Erster Halbchor. Horch! Das Lied, meinem Ohr so süß tonend, wird Im Haus angestimmt: nicht fern weilt der Tod! Er schreit, der Mord Beginnt, stöhnend fållt vom Mordstahl der Fürst. Lykos (innen). O Kadmos' weites Land, mich mordet Hinterlist! Zweiter Halbchor. Du warest auch ein Mörder: dir wird, dulde nur! Vergolten, büßen mußt du nun für schlimme That. Erster Halbchor. Wo befleckt ungerecht ein Sterblicher hinfort Die Seligen des Himmels, erhebt wider sie das sinnlose Daß der Götter Macht nichts vermoge? Zweiter Halbchor. Wort, Ihr Greise, nicht mehr ist der gottvergeßne Mann! Das Haus verstummte. Wendet euch zu Reigentanz! Denn wohl ergeht's den Theuren, wie mein Herz verlangt. Erste Strophe. Der Chor. Gesang, Gesang, Tanz und Gelage feiert Die heilige Stadt der Theber. Der Thränen Gram schwindet in Lust, Das Misgeschick endet in Glück, Und gebiert Gesänge. Es schwand der neue König, und der alte herrscht, Von düstern Seeen Acherons zurückgekehrt: Die Freude kam wider unser Hoffen. Erste Gegenstrophe. Ein Gott, ein Gott hört des Gerechten Bitte, Und merkt auf das Wort des Bösen. Das Gold, das Gluck lenkt das Gemuth Der Menschen irr, daß es zu Stolz, Zu Gewalt sich wendet. Gleichmuthig mag ja Keiner schau'n in's Kunftige, Der Hohn dem Recht geboten und der Sünde fröhnt: Ihm bricht des Glucks schwarzumwölkter Wagen. Zweite Strophe. Auf, Ismenos, bekränze dich! Gassen der siebenthorigen Stadt, Eilt, ihr schmucken, zum Festreih'n! Auch du, schonslutende Dirka, Und o Tochter Asopos' ihr,[OCR note; compare the printed page.] Der Fluß Asopos, der auf dem Kitharon entsprang, floß Theben und Platåa vorbei, und stürzte sich zwischen Dropus und dem Borgebirge Kynosura in's Meer. Der Töchter des Flußgottes Asopos waren zwanzig, unberühmter als seine Söhne Ismenos und Pelagon. Bothe. η 765. L. νύμφαις, was mit συναοιδοί zu verbinden ist. Compare printed p. 252 Eilet hervor, steigt aus dem Strome Des Vaters, und feiert Im Lied, den Nymphen gesellt, Den Siegeskampf des Herakles! Pytho's waldiger Fels und du, Helikonischer Musen Siz, preiset hoch, Preist in fröhlich hallendem Laut[OCR note; compare the printed page.] Für ἥξετ' 1. κλήζετ' oder αὔξετ'. Compare printed p. 252 Der Theber Stadt, die Mauern, Wo die Saat der Männer entsproß,[OCR note; compare the printed page.] S. zu V. 5. Compare printed p. 252 Die Schaar mit den ehernen Schilden, Die Söhnen der Söhne das Land gab, Ein Licht den Kadmeiern! Zweite Gegenstrophe. Ihr verbrüderten Ståtten, wo Ruht' ein Sterblich geborener Und Zeus, der in das Lager Der perseïschen Nymphe kam![OCR note; compare the printed page.] Der perseischen Nymphe, der Alkmene, der Enkelin des Perseus. Compare printed p. 252 Denn dein alter Verein mit ihr,[OCR note; compare the printed page.] L. ὡς πιςόν μοι. Compare printed p. 252 (Was ich, o Zeus, nimmer gedacht) Nun ward er mir glaublich, Und glänzend zeigte die Zeit Den Heldenmuth des Herakles, Der aus der Erde Kammern hervor, Aus Plutons nächtlichem Haus heimgekehrt! Du bist uns ein edlerer Fürst, Als dieser feige König. So ward jezt deutlich erkannt[OCR note; compare the printed page.] 2. ᾧ νῦν ἐςορᾶν ἐφάνη. – ἐσορᾶν ἐφάνη, wie ὁρᾶν ἐφαίνετο 3. 978. Compare printed p. 253 Im Kampfe blizender Schwerter,[OCR note; compare the printed page.] ἐς ἅμιλλαν = ἐν ἁμίλλῃ. Compare printed p. 253 Ob noch es gefalle den Göttern, Das Recht zu behüten. Iris und Lyssa erscheinen über dem Hause. Ha, ha! Befällt der alte Schreckenskampf von neuem uns? Welch Bild, o Greise, seh' ich ob dem Hause dort? Zur Flucht, zur Flucht Erhebt die matten Glieder, ungesäumt entweicht! O König Paan, O wende du doch dieses Ungemach von uns! Iris. Seid unverzagt, o Greise, daß ihr Lyssa hier, Der Nacht Geschlecht, und mich, die Götterbotin, seht, Iris; der Stadt ja bringen wir kein Ungemach: Nur wider Eines Mannes Haus ziehn wir heran, Den einst Alkmene, sagen sie, dem Zeus gebar, Denn eh' er noch die bittern Kampfe durchgekämpft, Half ihm das Schicksal, Vater Zeus gestattete Nicht mir noch Heren, Uebles ihm jemals zu thun. Doch nun er ausrang, was Eurystheus ihm gebot, Will Here, daß er neuen Mord verübe, will, Er soll die Söhne morden, und ich will's mit ihr. So waffne dich mit unerbittlich hartem Sinn, O gattenlose Tochter du der schwarzen Nacht, Erreg' in diesem Manne kindermordenden Wahnsinn und Nasereien und der Füße Sprung, Verwirre, treib' ihn, schling' um ihn das Todesfeil, Daß, wenn er mordend auf die Bahn des Acheron Der holden Kinder schönen Kranz geschleudert hat, Er lerne, welchen schweren Born ihm Hera zürnt, Und meinen auch erkenne! Traun, die Götter sind Ein Nichts, und groß die Menschen, büßt Herakles nicht. Lyssa. Aus edler Veltern edlem Blut bin ich gezeugt, Der Nacht erhabne Tochter und des Uranos; Doch dieses Amt hier neiden mir die Freunde nicht, Und straf' ich liebe Menschen, ist mir's keine Lust. Drum will ich Heren, will ich dich, bevor ihr fehlt, Ermahnen, wenn ihr anders meinem Wort gehorcht. Nicht unberühmt auf Erden noch bei Göttern ist Der Mann, zu dessen Hause du mich senden willst. Bahnlose Wüsten, wildes Meer beruhigend, Stellt er allein der Götter Ehre wieder her, Die kühn von Frevlerhånden angetastet ward. Deshalb ersinnt ihm, rath' ich euch, kein großes Leid.[OCR note; compare the printed page.] L. ὡς' und βελεῦσαι. Compare printed p. 253 Iris. Tadle du nicht, was von Here, was von mir beschlossen ward. Lyssa. Auf den besten Pfad geleit' ich, führe dich vom båsen ab. Iris. Nicht, um Mäßigung zu zeigen, sendet Hera dich hieher. Lyssa. Zeuge mir die Sonn', ich thue, was ich niemals thun gewollt! Aber dir und Hera folgen heißt mich strenger Pflicht Gebot, Und im Flug euch nachzusturzen, wie der Hund dem Jäger folgt: Geh' ich denn! So brüllt des Meeres Woge nicht, so furcht bar bebt Nicht die Erde, nicht so graunvoll zuckt des Blizes Schmerzenshauch, Als ich, gleich Wettrennern, stürme nach der Brust des Herakles. Ja, sein Haus will ich zertrummern, auf die Kinder sturz' ich es, Wenn ich sie zuvor gemordet; er, der Söhne Mörder, soll Nicht des Mordes sich bewußt sein, bis ihn meine Wuth verlåßt! (Herakles erscheint an der Pforte des Hauses.) Siehe da! Schon auf den Stufen steht er, schittelt wild das Haupt, Dreht und rollt in dumpsem Schweigen grasser Augensterne Blick, Schnaubt und ſtöhnt seltsam, dem Stier gleich, der zum Angriff withend sturmt, Brüllt mit Macht, und ruft des Hades distre Nachtgottinnen auf. Grausern Tanz will ich dir lehren bald, mit Schreck bezaubr' ich dich! - Eile zum Olympos, Iris, hebe flugs den edlen Fuß! Ich, indeß dring' ungesehen ein zum Haus des Herakles! (Iris und Lyssa verschwinden.) Der Chor. Weh, seufze: deine Blume wird gebrochen, O Stadt, der Sohn des Zeus! Dein Wohlthäter, ungluckliche Hellas, fällt;[OCR note; compare the printed page.] L. μέλεος Ἑλλὰς, ὦ, τὸν εὐεργέταν. Compare printed p. 253 Von Wuth umgesturmt, tanzt er den Tanz Lyssa's, Den Tanz, dem kein Spiel tont! Die Bringerin der Schmerzen eilt' im Flug dahin, Stachelt die Ross' an ihrem Wagen, Ihn zu verderben, Die Gorgone der Nacht mit dem Schlangengezisch, Mit dem funkelnden Aug' und den hundert Häuptern, Lyssa. Ha, schnell stürzt ein Gott den Glucklichen hinab; Ha, schnell wird der Sohn sterben von Vaters Hand! Ich Unglucklicher! Weh, Zeus, deinen Sohn, den bald kinderlosen,[OCR note; compare the printed page.] L. ἰὼ Ζεῦ, τὸ σὸν γένος ἄγονον αὐτίκα λυσσάδες ὠμοβρῶτες ἀ- ποινόδικοι δίκαι κακοῖσιν ἐκπατάξεσιν. Compare printed p. 253 Wird ein rächendes Strafgericht, Treibend zu Wuth, zu Mord, mit schwerem Leide heimsuchen. Unselig Haus! Schon hebt ein Tanz an ohne der Pauken Geton, Nicht von dem bacchischen Thyrsos bewillkommt, (Unglücksgeschlecht!) Bu blutigen Thaten, nicht dionysischen Trankspenden, wo das Blut der Traube stromt. Zur Flucht, o Kinder, eilt hinaus! Ein Lied des Mords, Des Mordes tont euch hier entgegen! Nach seinen Kindern jagt er; nicht umsonst Wird Lyssa die Hallen durchrasen! Weh, weh, das Leid! Wie beklag' ich, ach, den greisen Vater Und die Mutter der Söhne, die[OCR note; compare the printed page.] 2. ᾧ μάταν τέκει γεννᾶται. Compare printed p. 253 Umsonst Söhne geboren! O siehe, sich! Vom Sturm erschuttert bebt das Haus, ein stürzt das Dach. Ha, was beginnst du, Sohn des Zeus? Zerstörung, Zerstörung der Hölle bringst du, Wie dem Enkelados Pallas einst[OCR note; compare the printed page.] Im Gigantenkriege warf Pallas die Insel Sicilien auf Enkelados, und stürzte ihn so nieder. Bothe. L. τάραγμα doppelt ohne μελάθρῳ. Compare printed p. 253 Gesandt, auf dieses Haus. Ein Bote kommt aus dem Hause. Der Chor. Der Bote, Ihr altergrauen Häupter! Der Chor. Was soll mir dieser Ruf von dir? Der Bote. Da drinnen ist es grauenvoll. Der Chor. Keines Sehers bedarf ich mehr! Der Bote. Beklagt Beklagenswerthes: grauser, grauser Mord! Grauses verübte Vaters Hand! Der Chor. Niemand verübte Grauseres, als was uns geschah. Der Bote. Todt sind die Kinder! Der Chor. Wehe! Wie kam von Vaters Hand so graunvoller Tod Ueber die Kinder? Sprich! Wie brach solches Leid[OCR note; compare the printed page.] λέγε in doppelter Fügung, zuerst mit dem Saze: τίνα τρόπον -- - τάδε, und dann mit dem Accusativ τλήμονας τύχας. Compare printed p. 253 Durch göttliches Geschick auf dies Haus herein? - O meld' uns der Kinder unglucklich Loos! Der Bote. Bereitet waren Opfer schon vor Zeus' Altar, Das Haus zu sühnen, weil Herakles Thebe's Herrn Erschlagen und geworfen aus des Hauses Thor. Dort stand der Kinder schöner Chor und Megara, Dort auch der Vater; um den Altar war bereits Der Korb getragen, und in Andacht schwiegen wir. Und als Herakles mit der Hand die Fackel nun Ergriffen, sie zu tauchen in die heil'ge Flut: So stand er stille. Wie der Vater zögerte, Da blickten auf die Kinder. Doch er war nicht mehr Er selbst; in Wahnsinn rollte wild sein Aug' umher, Und, blutigrothe Blicke weit hinausgesandt,[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Und weit der Augen rothe Wurzeln vorgedrängt. Compare printed p. 253 Beträufelt' er das schonumlockte Kinn mit Schaum. In grasser Wuth auflachend rief er dann das Wort: „Was opfr' ich, Vater, eh' Eurystheus blutete, Ein sühnend Opfer, und warum zwiefach mich muh'n, Nun ich mit Einmal Alles wohl vollenden kann? Nein, wenn ich meines Drångers Haupt hiehergebracht, Entsündig' ich von diesem Blute meine Hand. Gießt aus das Opfer, werft die Korb' aus eurer Hand! Wer gibt mir Pfeil und Bogen, wer des Armes Wehr?[OCR note; compare the printed page.] Des Armes Wehr, die Keule. Compare printed p. 253 Gen Argos eil' ich. Hebel, Hacken nehmt zur Hand, Daß wir die Mauern, die Kyklopenhand' erbaut, Mit Meißel einst und rothem Richtscheit wohlgefügt, Zusammenschmettern auf den Grund mit krummem Stahl!" Dann schritt er nach den Rossen, (also gab er vor, Man sah sie nicht,) bestieg des Wagens hohen Siz, Und trieb, als führte seine Hand den Stachelstock. Doch Furcht zugleich und Lachen kam die Diener an, Und Mancher sagte, hingewandt zum Anderen: „Rast unser König oder treibt er Scherz mit uns?" Herakles aber schritt im Haus hinab, hinauf, Und stürzte mitten in den Saal und kam zur Stadt Des Nisos, sagt er, war er gleich in seinem Haus.[OCR note; compare the printed page.] Die Stadt des Nisos, Megara. Compare printed p. 253 Dann legt er sich zu Boden, wie er ist, und läßt[OCR note; compare the printed page.] L. ὡς ἔχει. Compare printed p. 253 Ein Mahl bereiten; doch er weilt nur kurze Frist, Und zieht im Geist nach Isthmos' wald'gen Ebenen. Und dort des Kleiderzwanges sich entledigend, Ringt er mit - Niemand, und verkundet frohen Sieg, Sein eigner Herold, rufend: „hort!" wo nirgend sich Ein Hörer findet. Dann bedroht' er Argos' Herrn Graunvoll, und war in Argos, wie er wähnt. Sofort Ergriff der Vater seine Heldenhand und sprach: „Mein Sohn, was ist dir? Welche Art von Wanderung Ist das? Zu Wahnsinn hat der Mord dich wohl berückt, Den eben du begangen?" Doch Herakles wähnt, Es sei Eurystheus' Vater, der, von Furcht bewegt, Mit heißem Flehen seine Hand umfasse, stoßt Ihn weg, und rustet Köcher, Bogen, Pfeil, und legt Auf seine Sohn' an, um Eurystheus' Söhne, wie Er wähnt, zu tödten. Sie, von Schreck betaubt, entflohn Hierhin und dorthin: dieser birgt im Kleide sich Der armen Mutter, in der Säule Schatten der; Der duckt am Opferherde sich, dem Vogel gleich. Die Mutter schrie: „Was thust du, Vater? Mordest du Die Kinder?" Laut auch schrie der Greis, die Knechte schrie'n. Er aber treibt den Knaben um die Säule rings, Und stellt sich ihm entgegen, und mit scharfem Pfeil[OCR note; compare the printed page.] 2. τόξευμα δεινόν, ποδὸς ἐναντίον ςαθείς. Compare printed p. 253 Durchbohrt er ihm die Leber, der, rückwärts gestürzt, Sein Leben aushaucht und die Marmorsäulen nezt. In hellem Tone jauchzt er auf und prahlte laut : „Ein Sohn Eurysthens stürzte da von meiner Hand, Und büßte seines Vaters Haß mit seinem Blut." Dann auf den andern richtet er den Bogen, der Am Fuß des Altars kauernd, sich verborgen wähnt. Doch der, zuvor ihm kommend, stürzt zu Füßen ihm, Und streckt die Hånde flehend auf zu Kinn und Hals, Und ruft: „o liebster Vater, nicht ermorde mich! Dein bin ich; dein Kind würgst du, nicht Eurysthens Sohn."[OCR note; compare the printed page.] 2. σός εἰμι· σὸν παῖδ', ἐ τὸν Εὐρυσθέως, ὀλεῖς. Compare printed p. 253 Er rollt des Auges wilden Blick der Gorgo gleich, Als ihm der Sohn den grausen Bogenschuß verrennt, Und hebt die Keule, Schmiden gleich, ihm über's Haupt, Senkt auf des Knaben blonde Stirn das Holz herab, Und brach den Schadel. Also starb der zweite Sohn, Und nach den zwei'n zum dritten Opfer schreitet er. Doch ihm zuvor eilt und in's Haus entrafft den Sohn Die schwerbedrängte Mutter und verschließt das Thor. Und er, als war' er wirklich vor Mykene's Stadt, Stoßt, haut und hebt die Thüren, bricht die Pfosten aus, Und streckt mit Einem Pfeile Weib und Sohn dahin. Hierauf, den Greis zu morden, eilt er flugs zurück: Da trat ein Bild, wie Pallas anzuschau'n, an ihn Heran, die Lanze schwingend, unterm Helm das Haupt,[OCR note; compare the printed page.] Ε. ὑπόλοφος κάρα. Compare printed p. 253 Und warf ein Felsstuck auf die Brust des Herakles, Das seine Mordwuth hemmte, daß ihn Schlaf befiel. Er sank zur Erde nieder, mit dem Rücken schlug Er an die Säule, welche, bei des Hauses Sturz Entzweigeborsten, auf dem Marmorfuße lag. Wir aber wandten aus der Flucht den Fuß zurück; Vereint dem Greise, banden wir mit starkem Seil Ihn an die Säule, daß er nicht noch neue Schuld Zur alten füge, wann der Schlaf von ihm geslohn. So schlummert nun der Arme nicht beglückten Schlaf, Der Sohn' und Weib gemordet. O gewiß, es ist Der Menschen keiner auf der Welt unseliger. Der Chor. Der Mord, welchen einst Argolis' Fels gesehn,[OCR note; compare the printed page.] ξύν πάτρα 1. πέτρα. Compare printed p. 253 Der berühmteste war er in Hellas, der größte,[OCR note; compare the printed page.] Ε. ποτέ μὲν περισαμότατος καὶ ἄριςος. Compare printed p. 253 Der Mord, den Danaos' Tochter verübt.[OCR note; compare the printed page.] Die Töchter des Danaos, die, bis auf eine, ihre Brautigame in der Hochzeitnacht ermordeten. Compare printed p. 253 Doch, was diesen Mord verdunkelte, der Mord,[OCR note; compare the printed page.] L. mit Bothe: τὰ δὲ (i. e. ἃ δὲ) παρέδραμε τὰ τότε κακὰ τάλανι διογενεῖ κόρῳ μονοτέκνο Πρόκνης, φόνον ἔχω λέξαι θυόμενον Μέσαις. Compare printed p. 253 Durch den Prokne's armer einziger Sohn erlag, das königliche Kind, Für euch, Musen, sag' ich, ward er vollbracht.[OCR note; compare the printed page.] Anspielung auf einen uns unbekannten Mythus. Vielleicht rührte das Schicksal, das die beiden Schwestern (Prokne und Philomele) traf, von dem Zorne der Musen her, den sie durch Uebermuth gereizt hatten, so daß Itys, der Sohn Prokne's, den zürnenden Göttinnen als Opfer gefallen wäre. Compare printed p. 253 Du, Zeus' hoher Sohn, du trafst dreier Söhne Haupt,[OCR note; compare the printed page.] Ε. ὦ διός. Compare printed p. 253 Die du gezeugt, in wilden Wahnsinnes Wuth. Um wen von diesen klag' ich, Um wen stimm' ich an Todtengesang oder ein Lied, Dem Nachtgott geweiht? (Die Thüren öffnen sich; man erblickt den Herakles zwischen den Leichen sizend und schlafend.) O seht des gethürmten Palastes Riegel, sie wanken geborsten: weh! O seht vor dem Vater die Kinder, Kläglich vom Elenden hingestreckt, Der nach dem Mord in grauenvollem Schlummer ruht! O seht hier die Bande, der verschlungenen Stricke Fesseln um Herakles' Glieder hier, Rings befestigt an des Saales marmornen Säulen! Dort aber, gleich dem Vogel, der in bangem Schmerz Der zarten Kinder Weh beklagt, dort naht der Greis, Mit mattem Schritte bittern Gang beschleunigend. Amphitryon. Der Chor. Amphitryon. Thebische Greise, wollt ihr nicht schweigend, schweigend Ihn sein Misgeschick, nun er in Schlummer sank, Vergessen lassen? Der Chor. O Greis, dich beklag' ich und die Kinder und Das siegreiche Haupt, ach! und die Zahre fließt. Amphitryon. Geht weiter fort von hinnen, kein Geräusch, ihr Alten, kein Geschrei! Weckt aus der Ruhe nicht den süß schlummernden ![OCR note; compare the printed page.] Ε. μὴ τὸν εὐδιάοντ᾽ εὐνᾶς ἐγείρετε. Compare printed p. 253 Weh! Welch schrecklicher Mord! Ha, ihr werdet mich todten! Erschreckt starrt er auf. Ihr Alten, lasset leiser das Klagelied ertönen, Daß nicht, aus dem Schlummer geweckt, er die Bande zerreißt, Und die Stadt und den Vater vertilgt und das Haus in den Grund stürzt! Der Chor. Ich kann nicht, ich kann nicht. Amphitryon. Still! Ob er athmet wohl...? Mein Ohr neig' ich hin. Er schläft. Ja, schläft unseligen Schlaf, Er, der seinem Weibe den Tod gab, und den[OCR note; compare the printed page.] Im Deutschen ein dochmischer Dimeter, dessen erster Dochmius überzählig ist. Compare printed p. 253 Kindern den Tod gab, sendend den rauschenden Pfeil. Beklage nun - Ich klage. Das Loos der Kinder Weh mir! Der Chor. Und deines Sohnes. Amphitryon. Ach, Ach! Der Chor. Ach, Alter! Stille, stille! Amphitryon. Er wendet sich eben wieder, vom Schlummer erwacht. Auf! In's Haus will ich schnell, will mich verbergen gehen. Der Chor. Getrost! Deines Sohn's Augen umhullt noch Nacht. O sehet, sehet! Amphitryon. Dem Lichte der Sonne nocht' ich in dem Leide wohl Entfliehen; indes, tödtet er mich, den Vater, Fügt er zum Leide das Leid, und muß Den Erinnyen auch noch bußen die Blutschuld.[OCR note; compare the printed page.] πρὸς Ἐριννύσι θ' αἷμα σύγγονον ἔξει, i. e. προσέξει τε αἷμα σύγ- γονον Ἐριννύσιν, et insuper debebit Furiis pœnas cædis cognatæ. Bothe. Compare printed p. 253 Der Chor. Da war's für dich zu sterben Zeit, als du den Mord Der Brüder deines Weibes råchend heim[OCR note; compare the printed page.] S. zu V. 61. L. ἔμολες ἐκπράξας. Compare printed p. 253 Zogest, nachdem du zerstört das meerumwogte Taphos. Amphitryon. Entflieht, entflieht, o Greise, flieht vom Hause weg! Entweicht vor dem wuthenden Manne, Der aus dem Schlummer erwacht ! Denn bald häuft er euch auf Mord andern Mord,[OCR note; compare the printed page.] 2. τάχα δέ, um den Dochmius herzustellen. de aber steht f. γάρ, wie so häufig, auch in der Prosa. Compare printed p. 253 Bedroht Kadmos' Stadt in Wahnsinnes Wuth. Der Chor. Was hast du deinem Sohne so maßlos gegrollt, In solches Meer von Leiden ihn versenkt, o Zeus? (Amphitryon und der Chor verbergen sich im Hintergrunde.) Ha! (erwachend). Herakles Ich athme noch und sehe, was ich sehen soll, Erd', Himmel und des Sonnengottes Pfeile dort. Doch faßte mich's, wie Meeressturm: in gråßlichen Wahnsinn des Geistes fiel ich: aus den Lungen ringt Mein glúh'nder Odem langsam nun, nun schnell empor. O sieh! Warum mit Stricken, wie das Schiff im Port, Ist meine jugendliche Brust, mein starker Arm Gefesselt an der Marmorsäule Trümmer hier?[OCR note; compare the printed page.] Ε. πρόσειμι θραυσῷ λ. τυκίσματι; Compare printed p. 254 Der Flügelpfeil, der Bogen liegt am Grund verstreut, Der sonst an meinen Armen hing, mein Kampfgenoß, Und der mich stets bewahrte, wie ich ihn bewahrt. Wohl, scheint es, wohn' ich nahe hier dem Todtenreich,[OCR note; compare the printed page.] Ε. ἢ μὴν νεκροῖσι γείτονας θάκες ἔχω, ἤπε κατῆλθον αὖθις εἰς "Αιδε πάλιν, Εὐρυσθέως δίαυλον ἐντολαῖς μολών. Compare printed p. 254 Ach, oder kam ich wiederum in Hades' Haus, Wohin Eurystheus mir zurückzugehn gebot. Doch nicht den Felsen seh' ich hier des Sisyphos Noch Pluton oder Persephassa's Herrscherstab. Ich bin betaubt: wo bin ich, kenne nicht den Ort? Ho! Wer von meinen Freunden weilt fern oder nah, Der mich entreißt dem Zweifel, mein Vergessen heilt? Denn alles sonst Gewohnte ward mir unbekannt. (der, wie der Chor, wieder hervorgetreten). Amphitryon Ihr Greise, soll ich meinem Leid entgegengehn? Der Chor. Ich gehe mit dir, bleibe dir im Leiden treu.[OCR note; compare the printed page.] Ε. μή προδές σὰς συμφοράς. Compare printed p. 254 Herakles. Was weinst du, Vater, was verhållst du dein Gesicht, Und wendest fern von deinem theuren Sohn dich ab? Amphitryon. Mein Kind! Denn auch unglucklich bist du dennoch mein. Herakles. Und welches Herbe duld' ich, das dir Thränen weckt? Amphitryon. Was auch ein Gott beweinte, widerführ' es ihm. Herakles. Ein prunkend Wort: doch welches Ungluck ist geschehn? Amphitryon. Du siehst es selber, wenn du jest dein machtig bist. Herakles. Sprich: klagst du neuer Frevelthat mein Leben an? Amphitryon. Ich werde sprechen, wenn die Mordwuth dich verließ. Herakles. Wuth hatte mich befallen? Nicht entsinn' ich mich. Amphitryon. Noch jezt erwåg' ich, ob du ganz bei Sinnen bist.[OCR note; compare the printed page.] Ich verbinde ἤδη mit σκοπώ. Die Wortfolge ist: καὶ ἤδη σκοπῶ σε, εἰ β. εὖ φρονεῖς. Hier die bekannte Fügung, wo das Subjekt des regierten Sazes (das in φρονεῖς enthaltene ov) Objekt des regierenden ist (σκοπῶ σε). Compare printed p. 254 Herakles. Argwohnisch sprachst du wiederum ein Rathselwort.[OCR note; compare the printed page.] Dieser Vers und V. 1085 wurden nach dem Vorschlage von Iakobs anders gestellt, als in den Ausgaben. Compare printed p. 254 Amphitryon. Was thu' ich, Greise? Los' ich ihm der Fesseln Band? Herakles. Auch jenen nenne, der mich band: ich schame mich. Amphitryon. So viel vom Leid erfährst du: laß das Andre ruhn! Herakles. So gnugt das Schweigen, um zu wissen, was ich will?[OCR note; compare the printed page.] Ε. ἀρκεῖ σιωπὴ γὰρ μαθεῖν ὁ βέλομαι; Compare printed p. 254 Amphitryon. Zeus! Siehst du hier, was uns von Hera's Throne kam? Herakles. Ward uns von ihr denn zugesandt ein feindlich Loos? Amphitryon. Sohn, laß die Göttin; sorge nur um deine Noth. Herakles. Ich bin verloren! Welches Ungluck nennst du mir? Amphitryon. D siehe! Schau die Leichen deiner Kinder hier! Herakles. Weh! Welchen Anblick seh' ich Unglückseliger? Amphitryon. Graunvollen Krieg, Sohn, führst du wider dein Geschlecht. Herakles. Was sprichst du mir von Kriegen? Wer entseelte sie? Amphitryon. Du, deine Waffen und der Gott, der dies verhängt. Herakles. Wie? Was begann ich? Vater, Unheil meldest du! Amphitryon. Du rastest! Unheil thu' ich kund, wie du's erfragst. Herakles. Und auch an meinem Weibe ward zum Mörder ich? Amphitryon. Dies Alles ward von Einer, deiner Hand vollbracht. Herakles. Weh, weh! Des Jammers distre Wolk' umlagert mich. Amphitryon. Deßhalb, o Sohn, beklag' ich jammernd dein Geschick. Herakles. War's meine Wuth auch, die das Haus zertrümmerte?[OCR note; compare the printed page.] 2. ἢ γάρ συνήραξ' οἶκον ἐκβάκχευμ' ἐμόν; Compare printed p. 254 Amphitryon. Nur Eines weiß ich, daß du ganz unglucklich bist. Herakles. Wo faßte mich das Wuthen? Wo verdarb es mich? Amphitryon. Als dich das Opfer am Altar entsündigte. Herakles. Weh mir! Warum denn schon' ich meines Lebens noch, Nachdem ich meine Liebsten, meine Söhn' erschlug, Und sturze nicht von steilem Felsen mich hinab? Warum mit scharfgezücktem Stahl durchbohr' ich nicht Dies Herz, um so zu rächen meiner Kinder Blut? Warum verderb' ich diesen Leib in Flammen nicht, Vom Leben tilgend alle Schmach, die meiner harrt? ..: Doch hier erscheint, der meine Todesgedanken hemmt, Theseus, mein Anverwandter und mein treuer Freund. Er wird mich sehen, und des Kindermordes Graul Wird ihm vor Augen treten, meinem Theuersten. Weh! Was beginnen? Wie, wohin vor meinem Leid Entfliehn? Auf Schwingen oder in der Erde Nacht? Auf! In's Gewand verhüllen will ich dieses Haupt;[OCR note; compare the printed page.] L. φέρ' ἀλλὰ κρατὶ περιβάλω σκότος πέπλοις. Compare printed p. 254 Denn Scham erfüllt mich, daß ich solche That verübt; Das Frevlerauge wend' ich nicht dem Reinen zu,[OCR note; compare the printed page.] Für αἷμα 1. ὄμμα. Inquinari credebant veteres, quoscunque adspexisset tantum homo magno aliquo scelere implicatus. Matthiæ. Compare printed p. 254 Will nicht den Unbefleckten zieh'n in meinen Tod! Theseus mit Gefolge. Amphitryon. Herakles. Theseus. Ich kam mit Andern, welche bei Asopos' Flut In Wehr gerüstet harren, Söhnen Attika's, Der Waffen Beistand deinem Sohn zu bringen, Greis. Denn nach der Erechtheiden Stadt erscholl der Ruf,[OCR note; compare the printed page.] Der Erechtheiden Stadt, Athen. Compare printed p. 254 Es habe Lykos dieses Landes Thron geraubt, Und sich erhoben wider euch zu Krieg und Schlacht. Dankvoll vergeltend, was Herakles mir gethan, Der mich erlåst vom Hades, kam ich, wenn, o Greis, Ihr meinen Arm und meine Streitmacht nothig habt. Doch ach, warum bedecken Leichen hier den Grund? Bin ich betrogen, kam zu spåt, dem neuen Leid Nicht mehr zu wehren? Wer erschlug die Kinder hier? Und wessen Weib war, welche dort mein Aug' erblickt? Zum Lanzenkampfe zieh'n ja Kinder nicht hinaus: Nein, wohl ein andres großes Leid entdeck' ich hier. Amphitryon. Der du den Hügel, den slreichen, bewohnst, o Fürst! Theseus. Was rufst du mir und hebst so klåglich an, o Greis? Amphitryon. Ein unselig Loos sandten die Götter uns. Theseus. Wer sind die Knaben, über die dein Auge weint? Amphitryon. Erzeugt, ach, erzeugt hat sie mein armer Sohn, Und dann legt' er kühn an sie die Mörderhand. Theseus. Sprich gute Worte! Amphitryon. Was du verlangst, ich that' es so gern. Theseus. Du meldest Grauses! Amphitryon. Alle dahin sind wir, im Fluge dahin! Theseus. Was? Wie geschah's? Amphitryon. In des Wahnsinns Zuckungen tobt' er umher Von der hundertköpfigen Hydra Gift. Theseus. Das ist der Hera Werk! Doch wer sizt dort unter den Leichen, o Greis? Amphitryon. Mein, mein Sohn ist das, der vielbuldende, der Zu dem Gigantenkampf, Göttern verbündet, einst, Den Schild am Arm, zog in's Phlegråerfeld. Weh, weh! Theseus. Wo lebt ein Andrer, welcher gleich unglucklich ist? Amphitryon. Keinen Sterblichen findest du, Der so vielfach litt, der so vielfach irrend umherzog. Theseus. Warum in Schleiern birgt er sein unselig Haupt? Amphitryon. Dein Auge scheut er, des Freundes Und des Verwandten, das Blut auch, Das den gemordeten Kindern entströmt. Theseus. Ich kam ja mitzutrauern, Greis; enthull' ihn denn! Amphitryon. Auf, mein Sohn, nimm vom Auge dein Gewand, Und wirf es hin, zeige der Sonne den Blick! Denn es kämpft mit dem Schmerze die Pflicht: so siege Ich werse mich flehend hin, die Pflicht! Und fasse dir Kinn und das Knie und die Hånde, Sohn, Und die grauen Zahren entstromen mir. Wohlan, Sohn, båndige Den grimmen Löwensinn: er reißt Zu mordathmender, unheiliger Wuth dich fort, Und Leid willst du neu zu Leid fügen, Kind! Theseus. Wohlauf! O du, der hier in banger Trauer sizt, Dich rus ich, zeige deinen Blick den Freunden nun! So schwarze Wolkenhulle hat ja keine Nacht,[OCR note; compare the printed page.] Ε. ἐδείς σκότος. Compare printed p. 254 Daß deines Jammers Höhe sie verbergen mag. Warum, die Hand vorstreckend, zeigst du mir den Mord? Wohl, daß mich deine Rede nicht entheilige? Unglück mit dir zu dulden, Freund, mich kummert's nicht. Denn ich war einst auch glucklich; denk' an jene Zeit, Als du vom Hades an das Licht uns rettetest. Wie schmählich, wenn der Freunde Dankbarkeit erlischt, Und wenn man wohl am Glucke mitgenießen will, Doch nicht im Ungluck mit dem Freund zu Schiffe gehn! Erhebe dich, enthülle dein unselig Haupt, Blick auf zu mir! Der hochgesinnte Sterbliche Trågt ohne Widerstreben, was ein Gott verhängt. (er zieht ihm die Hülle vom Gesicht.) Herakles. Du sahst, o Theseus, meiner Kinder Todeskampf? Theseus, Mein Ohr vernahm's, dem Auge zeigst du hier das Leid. Herakles. Was hast du Phobos' Lichte dann mein Haupt enthüllt? Theseus. Was? Du verunreinst Götter nicht, ein Sterblicher. Herakles. Fleuch, Armer, mein unreines, fluchbeladnes Haupt! Theseus. Nie wird des Freundes Nähe ja dem Freund zum Fluch. Herakles. Schön! Daß ich Gutes dir gethan, es reut mich nicht. Theseus. Mir ward von dir einst Gutes, drum bedaur' ich dich. Herakles. Der Söhne Mörder, bin ich wohl bedauernswerth. Theseus. Ich klag' um dich, daß deines Glückes Stern erlosch. Herakles. Und fand'st du jemals einen Unglückseligern? Theseus. Bis an des Himmels Sterne reicht dein Mißgeschick. Herakles. Drum bin ich wohlbereitet, in den Tod zu gehn. Theseus. Du wahnst, die Gottheit kummern deine Drohungen? Herakles. Uns trozt der Himmel, und dem Himmel trozen wir. Theseus. Still, daß du nicht, großsprechend, größ'res Leid erfährst! Herakles. Voll Leides bin ich, habe Raum für keines mehr. Theseus. Was aber willst du? Zornentbrannt wo sturmst du hin? Herakles. Todt wandl' ich in der Erde Schooß, woher ich kam. Theseus. Du sprachest eben, wie's gemeinen Menschen ziemt. Herakles. Leicht magst du tadeln; stehst du doch dem Leide fern. Theseus. Das spricht Herakles, der soviel erduldete? Herakles. Doch nie so Schweres! Ist doch auch im Leiden Maß. Theseus. Der seinen Menschen wohlgethan, ihr großer Freund? Herakles. Bu nichts ja frommen diese mir, und Hera siegt. Theseus. Nie duldet Hellas, daß du stirbst aus Unbedacht. Herakles. So hore, daß ich wider deine Mahnungen Mit Gründen kämpfe! Zeigen will ich dir sofort, Mir war das Leben weder jezt noch früher hold. Zuerst entsproß ich diesem Mann: er mordete Der Mutter greisen Vater, und, mit Blut befleckt, Vermählt' er sich Alkmenen, welche mich gebar. Ward so des Hauses erster Grund nicht wohl gelegt, So trifft die Nachgebornen auch nothwendig Fluch. Zeus, wer er sein mag, dieser Zeus, erzeugt' in mir Ein Kind, gehaßt von Hera; doch du zurne nicht: Dich acht' ich meinen Vater, nicht den Zeus, o Greis. Am Mutterbusen lag ich noch, da sandte mir Des Zeus Gemahlin grauenvolle Schlangen zu In meine Wiege, mir zu Tod und Untergang. Doch spåter, als ich aufgebluht in Jugendkraft, Was soll ich sagen, welche Müh'n ich da bestand? Welch grimme Löwen, welches Graun dreileibiger Typhonen und Giganten und vierfüßiger Kentauren überwältigt' ich im Kampfe nicht! Die Hydra, die mit hundert Häuptern ewig neu Aufwuchs, erschlug ich, andrer Müh'n zahllose Schaar Durchkampft' ich ruhmvoll, stieg in's Todtenreich hinab, Den Hund mit treifach offnem Schlund an Hades' Thor An's Licht zu führen, wie's Eurystheus mir gebot. Zulezt vollbracht' ich diese That: ich mordete Die Söhne, daß des Leides Maaß voll sei daheim. Nun will mein Unglück, daß ich nicht mehr wohnen darf In meiner lieben Theberstadt; doch, blieb ich auch, In welchen Tempel tråt' ich, welchen Freundeskreis? Anreden darf mich Keiner ja in meinem Leid. Soll ich nach Argos? Aber wie? Ich bin verbannt. Wohlan, so wend' ich einer andern Stadt mich zu! Dort treffen scheele Blicke mich als wohlbekannt, Und schmåhend faßt der Zungen bittrer Stachel mich:[OCR note; compare the printed page.] Ε. κληδονέμενοι. Compare printed p. 254 „Das ist ja Zeus' Sohn, der die Kinder einst erschlug Und seine Gattin! Heb' er sich aus diesem Land!" Wohl ist dem Manne, den man einst als glucklich pries, Der Wechsel bitter: wem es immer übel geht, Der fühlt den Schmerz nicht; denn die Noth wuchs auf mit ihm. Zu solchem Unheil, ahn' ich, kommt es noch mit mir: Die Erde ruft mir wehrend: „nicht beruhre mich!" Mir wehrt das Meer, der Ströme Quellen wehren mir, Will ich hinuber, und dem angefesselten Irion werd' ich gleichen, den umschwingt das Rad. Wohl ist das Beste, sieht mich kein Hellene mehr,[OCR note; compare the printed page.] L. ναὶ ταῦτ᾽ ἄριςα. Compare printed p. 254 Wo mir in guten Tagen einst das Gluck gelacht. Was soll ich fortan leben? Was gewonne mir Ein thatenloses Leben, das den Fluch verwirkt? Zeus' stolze Gattin hupse denn lautjubelnd auf,[OCR note; compare the printed page.] Ε. χορευέτω δή. Compare printed p. 254 Mit goldner Sohle stampfe sie des Himmels Saal:[OCR note; compare the printed page.] 2. κρόσσ' Ὄλυμπον Ζηνὸς ἀρβύλῃ ποδός. Dieser Lesart kommt folgende Uebersezung wörtlich näher: Mit ihrer Sohle stampfe sie des Zeus Olymp. Compare printed p. 254 Sie hat ja nun errungen, was sie stets gewollt, Den ersten Mann von Hellas in den Staub gestürzt, In Grund hinab geschmettert! Wer verehrte noch Solch eine Göttin, die des Kronos hohem Sohn Um eines Weibes Liebe grollt, und Griechenlands Wohlthåter mordet, welche Nichts verschuldeten? Theseus. Des Zeus Gemahlin ist es, und kein andrer Gott, Die solchen Kampf gesendet: wohl erkennst du das! Doch unverlezt vom Schicksal ist kein Sterblicher, Der Götter keiner, lugen uns die Sånger nicht. Vereinten sich in unerlaubtem Liebesbund Nicht einst die Götter? Schlugen sie um Herrschermacht Den Vater nicht in Bande? Dennoch wohnen sie In Himmelshöhen, ihrer Schuld sich kuhn bewußt. Und nun was sagst du, wenn nur du, der Sterbliche, Unmåßig grollst dem Schicksal, und die Götter nicht? Ermahnen will ich lieber als elend dich sehn.[OCR note; compare the printed page.] Ε. παραινέσαιμ᾽ ἂν μᾶλλον ἢ πάσχοις κακῶς. Dieser Vers ist in den Ausgaben vor B. 1275 gestellt. Compare printed p. 254 So räume Theba, weil der Brauch es also will, Und folge mir zu Pallas' hochgepries'ner Stadt. Dort wasch' ich deine Hände rein von Sundenschuld, Und geb' ein Haus und meines Schazes Hälfte dir. Und was die Stadt mir, als ich Knossos' Stier erschlug,[OCR note; compare the printed page.] Minos, König der Kreter, überwand die Athener, die seinen Sohn Androgeos ermordet hatten, und zwang sie, ihm alle neun Jahre, oder nach Anderen jährlich, sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen (nach Euripides vierzehn Jünglinge) zu senden, die er dem Ungeheuer Minotaurus im Labyrinth zu Knossos, der ältesten Hauptstadt von Kreta, zu verschlingen gab. Theseus befreite endlich seine Baterstadt von diesem schmählichen Tribute. Bothe. Compare printed p. 254 Und ihr die zweimal sieben Sohn' errettete, Geschenkt, es sei dein eigen: überall im Land Sind mir Gefilde zugetheilt: die nennt hinfort Nach deinem Namen alle Welt, so lang du lebst. Nach deinem Tode, wann du gingst in Hades' Haus, Da wird mit Opfern und erhabnem Marmorgrab Die ganze Stadt Athene's dich verherrlichen. Denn herrlich schmuckt von Hellas' Volke sie der Kranz Des Ruhmes, daß sie wohlgethan dem tapfern Mann. Ich aber will für meine Rettung also dir Den Dank bezahlen; jezo thun dir Freunde noth. Wenn Götter hold sind, dann bedarf's der Freunde nicht; Allein genugt ja, wenn er helfen will, der Gott. Herakles. Ha, weh mir! Fremd klingt alles dies für meine Noth. Ich glaube nicht, daß Götter unerlaubter Lust Sich freuten, noch daß Gotterhand je Fesseln trug, Noch daß Gebieter einer war des anderen: Nie glaubt' ich Etwas dieser Art, noch glaub' ich's je. Denn Nichts bedarf doch, ist er wahrhaft Gott, ein Gott: Das Alles sind armsel'ge Dichtermåhrchen nur. Indeß besorg' ich, wenn ich auch im Leide bin, Für feig zu gelten, scheid' ich ab vom Sonnenlicht. Denn wer dem Ungluck nicht beherzt entgegentritt, Der mag auch eines Mannes Wehr nicht widerstehn. Ich will dem Tode trozen, eil' in deine Stadt, Und weiß für deine Gaben dir unendlich Dank. Wohl hab' ich Leiden ohne Zahl schon durchgekämpft, Und keines floh ich, keines auch hat Zahren mir Entlockt, ich glaubte nimmermehr zu solcher Schmach, Daß Thränen mir entstromten, je mich aufbewahrt ! Nun muß ich, scheint es, unterthan dem Schicksal sein. Wohlan! Du siehst, o Vater, daß ich fliehen muß, Siehst, daß ich selbst der Mörder meiner Söhne ward: Gib sie dem Grabe, schmucke wohl die Leichname, Und ehre sie mit Thränen, (mir verwehrt's der Brauch!) Und leg' an ihrer Mutter Brust und Arme sie, O süßer Bund voll Schmerzen, den ich unbewußt Zerriß, ich Armer! Wenn du sie im Grabe bargst, Dann wohn' in diesen Mauern, wenn unglucklich auch, Doch zwinge dich und theile muthig mein Geschick. O Kinder, der euch zeugte, der euch Leben gab, Der gab den Tod euch, ihr genoßt des Glückes nicht, Das ich in schweren Kämpfen euch måhvoll gewann, Euch Ruhm erstritt, des Vatererbes schönstes Theil! Und, Arme, dich auch mordet' ich, vergalt dir nicht, Daß du die Gattenliebe mir so treu bewahrt, So lang in unsers Hauses Hut mir ausgeharrt! Weh, meine Gattin, meine Söhn', und wehe mir! Wie ganz unselig ward ich, muß mich trennen nun Von Weib und Kindern! O du schmerzlich suße Lust Der Küsse! Schmerzlich süßer Bund mit meiner Wehr! Behalt' ich euch, ihr Waffen, oder lass ich euch, Die, meine Seiten schlagend, stets mir rufen: „Weib Und Sohn' erschlugest du mit uns, und trågest uns, Die Kindermorder!" Und ich wollt' in meinem Arm Euch tragen? Wie beschönt' ich's? Doch getrennt von euch, Mit welchen ich in Hellas Großes ausgeführt, Soll ich in Schande sterben durch des Feindes Hand? Bleibt denn, behalten muß ich euch zu meiner Qual! In Einem, Theseus, hilf mir noch: geleite mich Nach Argos, (dorthin tragen wir den Kerberos,) Daß mich verlass'nen Vater nicht mein Gram verzehrt. Land des Kadmos, alles Volk der Theber, auf! Scheert eure Locken, trauert mit, wallt hin zum Grab Der Kinder, alle jammert in vereintem Schmerz Um mich und diese Todten: denn Verderben traf Uns all' in Einem schweren Schlag durch Here's Zorn. Theseus. Erhebe dich: der Thränen, Armer, sind genug! Herakles. O Freund, ich kann nicht; meine Glieder sind erstarrt. Theseus. Auch starker Männer Nacken beugt das Misgeschick. Herakles. O wurd' ich hier zum Felsen, den kein Leid berührt! Theseus. Laß ab und gib dem dienstbereiten Freund die Hand! Herakles. Daß ich mit Blut nur nicht beflecke dein Gewand! Theseus. Befleck' es immer, ohne Scheu: ich wehr' es nicht! Herakles. Beraubt der Söhne, sind' ich meinen Sohn in dir. Theseus. Schling' um den Nacken mir die Hand, ich führe dich. Herakles. Ein Freundespaar! Den Einen aber beugt das Leid. O Greis, zum Freund gewinnen muß man solchen Mann. Amphitryon. Viel edle Söhne zeugt das Land, das ihn gebar. Herakles. Theseus, o laß mich Einmal noch die Kinder sehn! Theseus. Wohl, Freund, ein Zauber, der das Herz dir leichter macht? Herakles. Ich wunsch' es; gern umarmt' ich auch den Vater noch. Amphitryon. Komm, Lieber! Was du wunschest, ist auch mir erwunscht. Theseus. So bist du deiner Thaten nicht mehr eingedenk? Herakles. Keins meiner Leiden war so groß, als diese sind. Theseus. Sieht Einer dich so weibisch, lobt er's wahrlich nicht. Herakles. Dir gelt' ich schwach wohl? Früher schien's nicht also dir.[OCR note; compare the printed page.] Ε. ζῶ σοὶ ταπεινός; ἀλλὰ πρόσθεν ἐ δοκῶ. Compare printed p. 254 Theseus. Gar sehr! Der große Hérakles, wo kam er hin?[OCR note; compare the printed page.] L. ἄγαν γ'· ὁ κλεινὸς Ἡρακλῆς πὲ κεῖνος ἦν ; Compare printed p. 254 Herakles. Was warest du denn, als dich drunten Leid umfing? Theseus. An Muthe war ich schwacher als der schwächste Mann. Herakles. Wie magst du denn noch sagen, daß mich Leid gebeugt? Theseus. Komm! Herakles. Lebe wohl, mein Vater! Amphitryon. Und auch du, mein Sohn! Herakles. Begrabe du die Söhne, wie ich schon gesagt. Amphitryon. Doch wer bestattet mich, o Kind? Herakles. Ich. Amphitryon. Wann erscheinst du? Herakles. Wenn du sie bestattet hast. Amphitryon, Und wie? Herakles. Von Theben hol' ich dich zu Pallas' Stadt. Doch birg in's Grab die Kinder, wenn's auch bitter schmerzt. Ich, der sein Haus vernichtet durch schmachvolle That, Ich folge Theseus, wie am Schlepptau folgt der Kahn. Wer lieber Reichthum oder Macht gewinnen, will,. Als edler Freunde treuen Schuz, der denkt verkehrt. Der Chor. Lieftrauernd und leidvoll gehen wir hin, Von dem måchtigsten Freunde verlassen.