Ion — Donner (1852), OCR review edition Euripides Johann Jakob Christian Donner OCR source collation, conservative repairs and citation alignment Editorial processing with Codex

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Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift von J. J. C. Donner. Volume 3. Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard supplied OCR, H3; running-text copy text. Independent BSB copy, page-coordinate OCR and facsimiles; used to check layout and notes.BSB digitization Source reviews and editorial inventory

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Hermes. Von Atlas, der auf eh'rnen Schultern aufgethurmt[OCR note; compare the printed page.] 885. L. ἵνα μ' ἐν λέχεσιν μέλεος μελέοις. Compare printed p. 133OCR review edition. D. citations belong to Donner; u marks unresolved verse division. Sources, repairs and unattributed notesDonner’s metrical analyses and notes: page facsimiles Den Himmel trågt, der Götter alten Siz, entsproß Aus einer Göttin Schooße Sie, die mich gebar,[OCR note; compare the printed page.] Die Mutter des Hermes hieß Maja. Sie war eine Tochter des Atlas und der Pleione, die von Okeanos und Tethys stammt. Compare printed p. 129 Den Hermes, der sich Diener nennt des höchsten Zeus. Ich kam zum Delpherlande, wo im Mittelraum[OCR note; compare the printed page.] Delphi war nach griechischem Glauben der Mittelpunkt der Erde. Compare printed p. 129 Der Erde thronend Phobos singt den Sterblichen, Allzeit enthullend Gegenwart und Künftiges. Es liegt in Hellas eine nicht ruhmlose Stadt,[OCR note; compare the printed page.] Die Stadt ist Athen, so genannt von ihrer Schuggöttin Athene oder Pallas. Compare printed p. 129 Benannt von Pallas, die mit goldner Lanze prangt; Dort zwang Apollon mit Gewalt Kreusen einst, Erechthens Kind, zur Liebe, wo die nördlichen Felshoh'n an Pallas' Hügel sich in Atthis' Land[OCR note; compare the printed page.] Atthis, der alte Name von Attika. Compare printed p. 129 Erheben; Makrå nennen sie die Herrn Athens. Doch unbemerkt dem Vater (so verhångt's der Gott) Trug sie des Leibes Burde. Da die Stunde kam, Gebar Erechtheus' Tochter einen Sohn daheim, Und bringt zur selben Höhle, wo der Gott sich ihr Gesellt, das Kindlein, sezt es wie zum Sterben aus In eines hohlen Körbchens wohlgewölbtem Rund, Und übt den Brauch der Ahnen und des Erdensohns,[OCR note; compare the printed page.] Des Erdensohnes, des Erichthonios. Die Erde vertrat Mutterstelle, da Pallas die Liebe des Hephästos nicht erwiederte. Dennoch sorgte die Göttin für das Kind: sie legte es in einen Kasten, übergab denselben der Pandrosos, der Tochter des Kekrops und der Agraulos, zur Verwahrung, und verbot ihr, den Kasten zu öffnen. Aber ihre Schwestern, von Neugier getrieben, öffneten ihn, und fanden das Kind von Schlangen umwunden, welche sie in die Akropolis warfen. Erichthonios, im Heiligthum Athene's auferzogen, wurde später König von Attika, und zu seinem Andenken erhielt sich bei den Athenern, besonders vornehmeren, der Gebrauch, den Kindern goldene Schlangenbilder um den Hals zu hängen. Zum Theil nach Bothe. Compare printed p. 129 Des Erichthonios. Diesen gab Zeus' Tochter einst, Nachdem sie schůzend ihm gesellt ein Schlangenpaar Als Lebenshuter, an Agraulos' Tochter hin, Um sein zu wahren; darum ist es noch Gebrauch Der Erechthiden, ihre Kinder aufzuziehn[OCR note; compare the printed page.] Der Erechthiden, der Athener, so genannt von ihrem Könige Erechtheus. L. Ἐρεχθείδαις ἔτι. Compare printed p. 129 Geschmuckt mit goldnen Schlangen. Auch wand ihren Schmuck Um's Kind die Jungfrau wie zum Tod und schied von ihm. Und bittend sprach mein Bruder Phobos so zu mir: Du Lieber, auf! zum erdentsprossnen Volk Athens,[OCR note; compare the printed page.] Die Athener hielten sich für Autochthonen, für Söhne der Erde selbst, auf welcher sie wandelten, d. h. sie glaubten, kein eingewandertes Volk, sondern Ureinwohner ihres Landes (aborigines) zu sein. Compare printed p. 129 Des stolzen, eile, kennst du doch der Göttin Stadt; Dort nimm das neugeborne Kind aus hohler Kluft Samt seinem Korb, in seine Windeln eingehullt, Und bring's zu meinem Sehersiz in Delphi's Stadt, Und leg' es hier vor meines Hauses Schwelle hin. Das Andre (mein ja, wiſſe das, ist dieses Kind,) Will ich bestellen. Meinem Bruder Lorias[OCR note; compare the printed page.] Lorias, Phöbos Apolon. Compare printed p. 129 Willfahrend, nahm ich jenen Weidenkorb und trug Ihn fort, und legt' am Boden dieses Heiligthums Den Knaben nieder, offnet' auch sogleich des Korbs Gewundnen Deckel, daß der Knabe sichtbar sei. Doch als die Sonne himmelan die Rosse trieb, Betritt Apollons Heiligthum die Priesterin, Und auf den zarten Knaben traf ihr heller Blick. Sie staunte, daß ein Delphermädchen sich erkühnt, In's Gotteshaus zu legen solch geheime Frucht. Ihn wegzuschaffen denkt sie schon vom heil'gen Ort; Doch mild Erbarmen überwand die Grausamkeit, Und Phobos wehrte, daß der Sohn verstoßen ward. Sie nahm den Säugling, zog ihn auf und ahnte nicht, Daß Phobos Vater, oder wer die Mutter sei, Und auch der Knabe selber weiß um Beides nicht. Ein Kind noch, schwärmt' er spielend um die nährenden[OCR note; compare the printed page.] um den nährenden Altar Apollons. Ex his enim alebatur, quæ Apollini offerebantur, muneribus et victimis. Brodæus. Compare printed p. 129 Altar' Apollons; als er drauf zum Manne ward, Bestellten Delphi's Bürger ihn, des Gottes Gold Zu huten und für Alles treuer Hort zu sein, Und heilig lebt' er allezeit im Gotteshaus. Kreusa, seine Mutter, ward dem Xuthos nun Vermählt; doch also knupfte sich der Ehe Band: Das Volk Athene's und Chalkodons Bürger, die[OCR note; compare the printed page.] Chalkodon hieß ein alter König Euböa's. Compare printed p. 129 Im Land Eubda's wohnen, faßt' ein Kriegessturm, Den mitbestehend und den Feind bewältigend Die Hand Kreusa's er gewann als Ehrenlohn, Obwohl ein Fremdling; denn er stammt von Aeolos, Zeus' Sohn, und ist Achåer. Lange schon vermählt, Sind kinderlos die Beiden. Darum kamen sie Hierher zu Phobos' Sehersiz, verlangend wohl Nach süßen Kindern. Phobos lenkt, so scheint es, selbst Also das Schicksal und vergaß des Sohnes nicht. Er wird dem Xuthos, wenn er dieses Haus betritt, Den eignen Knaben schenken, wird des Xuthos Sohn Ihn nennen, daß Kreusa, wenn in's Mutterhaus Er kommt, ihn anerkenn' und Phobos' Liebestrug Verborgen bleibe, während ihm sein Erbe wird. Und Ion, Gründer eines Reichs in Asia,[OCR note; compare the printed page.] Ion, Gründer eines Reichs in Asia, des nach ihm genannten Ioniens, wohin er eine attische Colonie führte. Compare printed p. 129 So will's Apollon, heißt er einst in Hellas' Volk. Doch nach den Lorbeergrotten wend' ich nun den Schritt, Zu sehen, wie sich låsen wird des Junglings Loos. Denn schon hervorgehn seh' ich dort des Phobos Sohn, Mit grünen Lorbeerreisern hier des Tempels Hof Zu saubern. Mit dem Namen, den er tragen wird, „Ion" begrüß ich von den Göttern ihn zuerst. (er geht in den Lorbeerhain.) (tritt aus dem Tempel.) Jon Sieh, mit dem strahlenden Wagen des Vierspanns Glänzt Helios über den Erdkreis schon, Und die Sterne, sie fliehn in die heilige Nacht Vor der himmlischen Glut. Unersteigliche Höhn des Parnassos, begrüßt Vom erwachenden Tag, glühn schwelgend in Licht, Das wonnig den Sterblichen leuchtet.[OCR note; compare the printed page.] L. ἡμερίδαν, wovon der Dativ βροτοῖσιν abhängt. „accipiunt currum Solis, mitem i. e. gratum atque utilem mortalibus." Die LU. πραεῖαν ist wohl die Erklärung von ἡμερίδαν. Compare printed p. 130 Und der sonnigen Myrrhe Geduft wallt auf Zu dem Tempelgesims; Und die Delpherin thront auf heiligem Stuhl,[OCR note; compare the printed page.] Die Delpherin, die weissagende Priesterin zu Delphi, die Pythia, die in den ältesten Zeiten, nach Plutarch, nur Einmal des Jahres in den Tempel geführt wurde, später Einmal in jedem Monat, an gewissen heiligen Tagen, und auch an solchen nur, wenn das Opferthier, bei'm Ausgießen des Weines auf sein Haupt, am ganzen Körper gezittert hatte. Der Tag, an dem unsere Handlung vorgeht, ist also ein besonders feierlicher. Auf heiligem Stuhl, auf dem Dreifuß, der über der mystischen Höhle stand, aus welcher die Orakel herausschollen. Bothe. Compare printed p. 130 Und singt hellenischem Volke den Spruch, Den stürmend Apollon ihr vorsang. Ihr Delphier, Diener Apollons, auf! Wallt zu den silbernen Wirbeln Kastalia's,[OCR note; compare the printed page.] Die Quelle Kastalia floß am Fuße des Parnassos durch Delphi. Compare printed p. 130 Und wann ihr im Thau der krystallenen Flut Euch badetet, eilt in den Tempel hinein; Und zu Lauten des Heils nur weihend den Mund, Laßt Heilsames nur die Verlangenden, die Rathfragen den Gott, Von gunstigen Lippen vernehmen! Doch ich will (damit muht' ich ja stets Als Knabe mich schon) mit dem Lorbeerzweig, Mit heiligem Reis an dem Tempel umher Rein kehren die Schwell' und mit tropfender Flut Anfeuchten den Grund und mit meinem Geschoß Wegscheuchen das Volk, das geflugelte, das, Ein verheerender Schwarm, Die geheiligten Gaben umflattert. Denn der Mutter beraubt und des Vaters beraubt, Dien' ich in Andacht Den ernährenden Hallen Apollons.[OCR note; compare the printed page.] Den ernährenden Hallen Apollons. S. zu V. 52. Compare printed p. 130 Strophe. Mein Diener, blühendes Reis, Komm, du Sprosse des schönsten Lorbeers, Der Phobos' heilige Flur Mir såubert am Tempel, Aus göttlichen Gårten gepfluckt, Wo des Bornes heiliger Thau, Der den ewigen Quell herauf Sendet zum Lichte, Tränkt der Myrte geweihtes Laub: Mit dir såubr' ich des Phobos Grund, Sobald sich der Sonn' eilender Fittig morgens hebt, Dien' ihm tåglich, dem Gotte. Påan, Paan, sei gluckselig, stets gluckselig,[OCR note; compare the printed page.] Päan, ein Beiname Apollons. Compare printed p. 130 Herrlicher Sohn der Leto! Gegenstrophe. Wie schön ist, Phobos, der Dienst, Den ich übe vor deinem Hause, Fromm ehrend den Sehersiz: Wie rühmlich die Mühe, Den Göttern die dienende Hand zu leihn, Die nicht sterblich, die ewig sind! In so loblichen Müh'n will ich Nimmer ermüden. Phobos ist mir Vater; denn hoch Preis' ich meinen Pfleger und Freund. Ihn, treu mir und hold, nenn' ich ja meinen Vater wohl, Phobos hier in dem Tempel. Påan, Påan, sei glückselig, stets glückselig, Herrlicher Sohn der Leto! Doch nun soll es ruhen, Mein Lorbeerreis, von der Arbeit: Aus goldenem Gefässe strom' ich noch den Erdquell, Der von Kastalia's strudelndem Born sich ergießt, Sprenge des Wassers Flut, sundlos und rein von Schuld. O mog' ich, so dir zu dienen, Niemals ablassen, o Phobos! Und lass ich es jemals, end' es zum Heil! Ha, sieh! Hier schwärmen sie schon und flattern hervor Aus dem Nest am Parnassos, die Vögel. Ich sag' euch, naht dem Gesims nicht, Streift nicht an den goldenen Tempel! Dich, Bote des Zeus, trifft unser Geschoß,[OCR note; compare the printed page.] Bote des Zeus, der Adler. Compare printed p. 130 Dich, der mit den Klauen die Kraft all' anderer Vögel besiegt! Dort schwimmt zum Altar noch ein andrer heran, Ein Schwan. He! Lenkst du den schimmernden Fuß Nicht anderswohin? Nicht schůzt dich deines Gesangs Einklang Mit der Cither Apolls vor meinem Geschoß! Auf, hebe den Flug, Und trage mir hin zu dem delischen Teich[OCR note; compare the printed page.] Der delische Teich, ein See auf der Insel Delos neben der Geburtstätte des Apollon, auf welchem heilige Schwäne gehalten wurden. Compare printed p. 130 (Dein Blut soll fließen, gehorchst du mir nicht!) Die melodischen Zaubergesånge! Wer rudert, o sieh! Dort wieder heran mit der Fittige Schlag? Wohl will er ein Strohnest unter dem Sims Für die Kinderchen baun? Dich soll Mein schwirrender Bogen verscheuchen! Du horst nicht? Wandre von hinnen und nist' am wirbelnden Strom des Alpheios[OCR note; compare the printed page.] Alpheios, ein Fluß bei Pisa und Olympia. Compare printed p. 130 Oder im isthmischen Hain, und verheere mir[OCR note; compare the printed page.] Der isthmische Hain, der Hain des Isthmos, der Landenge, auf welcher Korinthos lag. Compare printed p. 130 Nicht Weihegeschenk' und Hallen Apollons! Ich scheue mich wohl, euch zu tödten: Ihr thut ja die Stimmen der Götter den Sterblichen kund. Doch will ich im Dienst, den die Stadt mir gebot, Dem Apollon dienen, und stets Ihm huldigen, der mich ernähret. Der Chor, in zwei Halbchöre getheilt, betrachtet die bemalten Säulenwände der Tempelhalle. Erster Halbchor. Nicht in der göttlichen Stadt Athen nur Sind saulengetragene Hallen Der ewigen Götter und wird Phobos verehrt an den Wegen: Nein, bei Lorias auch, dem Sohn Leto's, leuchtet des Zwillingspaares Schönäugiges Antliz.[OCR note; compare the printed page.] Ε. καλλιβλέφαρον φῶς. Das Zwillingspaar, Apollon und Artemis. Compare printed p. 130 O sieh' hier, betrachte Die lerndische Schlange: Zeus' Sohn[OCR note; compare the printed page.] Des Zeus Sohn, Herakles. Compare printed p. 130 Tödtet sie mit goldener Sichel; hieher wende das Auge! Zweiter Halbchor. Ich seh's: ihm an der Seite schwingt dort Den lodernden Brand ein Andrer.[OCR note; compare the printed page.] Den lodernden Brand, um damit die Wunden, die er der Schlange beigebracht, auszubrennen. Bothe. Compare printed p. 130 Wohl ist's jener, von welchem wir Fabeln bei unsern Geweben, Sein Schildtråger Jolaos, der Mit Zeus' Sohn die gemeinsamen Kampf' ausharrt und vollendet. Erster Halbchor. Auch den hier betrachte: Auf fliegendem Rosse sizt er,[OCR note; compare the printed page.] Auf fliegendem Rosse, dem Pegasos. Der Reiter ist Bellerophon, das dreileibige Unthier die Chimära, vorn Löwe, hinten Drache, in der Mitte Ziege. Compare printed p. 130 Tilgt die feuerschnaubende Kraft Des dreileibigen Unthiers. Zweiter Halbchor. Ringshin send' ich die Blicke spåhend. Sieh dort an den steinernen Mauern Kampfgewühl der Giganten![OCR note; compare the printed page.] Gemeint ist der Kampf der Giganten gegen die olympischen Götter. Compare printed p. 130 Erster Halbchor. Wohl, ihr Geliebten, sehn wir es hier. Zweiter Halb chor. Siehst du's, wie sie den Gorgoschild Auf Enkelados schwingt?[OCR note; compare the printed page.] Enkelados, einer der Giganten: ebenso Mimas V. 208. Compare printed p. 130 Erster Halbchor. Ich seh's: Pallas, unsere Göttin! Zweiter Halbchor. Und nun den zwiefachflammenden, zermalmenden Bliz In des Zeus ferntreffenden Hånden? Erster Halbchor. Ich seh' ihn, wie sein Strahl Den feindlichen Mimas glühend verzehrt. Und einen andern Erdensohn streckt Bromios noch in den Tod hin[OCR note; compare the printed page.] Bromios, Bacchos. Compare printed p. 130 Mit harmlosem Stabe des Epheus. (zu Ion) Der Chor. Dich, der hier vor dem Tempel steht, Frag' ich: darf ich den heil'gen Raum Blanken Fußes betreten? Jon. Nimmer, ihr fremden Fraun! Doch hört' ich Der Chor. Wohl von dir eine Kunde, Freund? Jon. Nach welcher verlangt dich? Der Chor. Ob der Tempel Apollons auch Wirklich der Erde Nabel umschließt?[OCR note; compare the printed page.] Nach Strabo zeigte man im Tempel zu Delphi einen mit wollenen Binden umwundenen Nabel, an dem die beiden Adler abgebildet waren, die auf Geheiß des Zeus von Morgen und Abend ausfliegend bei Delphi zusammentrafen. Statt dieser Adler nennt Compare printed p. 130 Jon. In Binden gehüllt, und Gorgonen umher. Der Chor. Also meldet die Sage. Jon. Sobald ihr im Vorhof Opfer gebracht, Und von Phobos ein Wort zu vernehmen begehrt, Dann schreitet hinein; doch, schlachtetet ihr Kein Lamm, dann meidet den heiligen Raum. Der Chor. Nun weiß ich's, will den Brauch Des Gottes nicht misachten und an dem,[OCR note; compare the printed page.] Un dem, was außen ist, an den Bildern des Säulenganges. Compare printed p. 130 Was außen ist, mein Auge weiden. Jon. Seht, was gestattet ist, Alles mit Augen an. Der Chor. Mein Herrscher sendet mich, Des Gottes Hallen anzuschaun. Jon, Wie nennt sich das Haus denn, welchem ihr dient? Der Chor. Der Pallas Festen sind die nährenden Size meiner Herrscher. Doch hier steht sie, nach der du fragtest. (Kreusa tritt auf.) Kreusa. Ion. Der Chor. Jon. Du bist aus edlem Stamme, deinen Sinn bezeugt Mir die Gestalt hier, wer du immer seist, o Frau. Denn meistens mag, wer eines Menschen äußere Gestalt erblickt, erkennen, ob er edel ist. Wohlan! Doch du erschreckst mich; denn die Blicke senktest du, Und badest hell in Zahren schöner Wangen Glanz, Sowie du Phobos' heilig Haus vor Augen sahst. Wie hat dich solcher Kummer übermannt, o Frau? Wo jeder Andre, der des Gottes Haus erblickt, Frohlockte, wird das Auge dir von Thränen feucht. Kreusa, Ich finde, Fremdling, was du sagst, nicht ungereimt, Daß über meine Thränen du dich wundern magst. Als ich Apollons Tempel hier erblickte, ward Ein alt Gedächtniß wieder jung in meiner Brust: Zu Hause war mein Sinnen, und ich bin doch hier.[OCR note; compare the printed page.] L. ἔσχον. Compare printed p. 130 Wir armen Frauen! Götter, was erkuhnt ihr euch? Wie nun? Wohin uns wenden um Gerechtigkeit, Wenn uns das Unrecht niederdrückt der Mächtigen? Jon. Was soll er doch, dein råthselhafter Gram, o Frau? Kreusa. S' ist nichts: mein Bogen wurde schlaff, vom Weiteren[OCR note; compare the printed page.] Mein Bogen wurde schlaff, d. h. die Sache ist von meiner Seite abgethan, ich will daran nicht weiter denken und die begonnene Rede abbrechen. Compare printed p. 131 Schweig' ich, und du bekummre dich nicht mehr darum. Jon. Wer bist du? Woher kamst du? Wo dein Vaterland? Mit welchem Namen müssen wir dich nennen, Frau? Kreusa. Kreusa heiß ich, und Erechtheus zeugte mich, Die Stadt der Athender ist mein Vaterland. Jon. Du wohnst in einer ruhmgekrönten Stadt, du stammst Von edlen Våtern: wie verehr' ich dich, o Frau! Kreusa. So weit, o Fremdling, weiter nicht, reicht unser Glück. Jon. Ist's wahr, bei allen Göttern, was man sich erzählt - Kreusa. Wonach, o Fremdling, fragst du? Wissen möcht' ich es. Jon. Daß aus der Erde deines Vaters Ahn entsproß? Kreusa. Ja, Erichthonios: doch der Adel frommt mir nichts. Jon. Nahm ihn Athene wirklich auch vom Boden auf? Kreusa. In ihre Jungfraunarme, den sie nicht gebar. Jon. Und gab ihn, wie man auf gemaltem Bilde sieht - Kreusa. Den Töchtern Kekrops' ungesehn ihn aufzuziehn. Jon. Und diese listen, hort' ich noch, des Korbes Band. Kreusa. Deßhalb auch sterbend fårbten sie den Fels mit Blut. Wohl! Jon. Doch - ist es richtig, oder nur ein leer Gerücht - Kreusa. Was willst du wissen? Gerne gonn' ich dir die Zeit. Jon. Daß einst Erechtheus deine Schwestern opferte?[OCR note; compare the printed page.] Im Kriege der Athener mit Eumolpos, dem Thrakerkönige, erhielt Erechtheus einen Drakelspruch, daß er siegen würde, wenn er eine von seinen Töchtern (nach Euripides mehrere) der Persephone opferte. Er that es, nachdem seine Gattin Praxithea eingewilligt, und trug den Sieg davon. Bothe. Compare printed p. 131 Kreusa. Er gab entschlossen für das Land die Töchter hin. Jon. Nur du von deinen Schwestern kamst davon, und wie? Kreusa. Ich lag, ein neugebornes Kind, im Mutterarm. Jon. Barg deinen Vater wirklich dann ein Erdenschlund? Kreusa. Mit seines Dreizacks Schlagen tilgt Poseidon ihn.[OCR note; compare the printed page.] Poseidon raffte den Erechtheus in einem Erdbeben hin, weil er seinen Sohn Eumolpos in der Schlacht getödtet hatte. Compare printed p. 131 Jon. Und Makrå heißt die Ståtte, wo dein Vater starb? Kreusa. Was fragst du dies? Erinnerungen weckst du mir Jon. Sie liebt Apollon, Phobos' Bliz liebt diesen Ort.[OCR note; compare the printed page.] Phobos' Bliz liebt diesen Ort, d. i. Phöbos, der Gott mit dem Bogen, der nach dem Volksglauben blizte. „Diligit illum locum Pythius, fulgurantem gestans arcum, quem solet." Compare printed p. 131 Kreusa. Er liebt, er liebt ihn? Daß ich ihn doch nie gesehn![OCR note; compare the printed page.] Ε. τιμᾶ; τί τιμᾶ; μήποτ' ὠφελόν σφ' ἰδεῖν. Compare printed p. 131 Jon. Wie? Kannst du hassen, was dem Gott sein Liebstes ist? Kreusa. Nein; einen Frevel weiß ich, in der Kluft verübt. Jon. Doch welcher Athender, Frau, war dein Gemahl? Kreusa. Kein Bürger; Fremdling, kam er her aus fernem Land. Jon. Wer ist es? Edel muß er wohl geboren sein. Kreusa. Der Aeolide Xuthos, der Zeus' Enkel war. Jon. Wie ward der Fremdling dein Gemahl, der Bürgerin? Kreusa. Eubda lehnt sich nachbarlich an Attika Jon. Durch Wasserscheiden, sagen sie, von ihm getrennt. Kreusa. Im Bund mit Kekrops' Enkeln nahm er dieses Land. Jon. Ihr treuer Helfer, und erhielt dann deine Hand? Kreusa. Als Kriegesmitgift, als des Kampfes Ehrensold. Jon. Du kamst allein her, oder in des Gatten Hut? Kreusa. Mit ihm: Trophonios' Heiligthum, besucht er noch.[OCR note; compare the printed page.] Das Drakel des Trophonios war in einer Höhle bei Lebadeia in Böotien, zwischen dem Helikon und Chäroneia, nicht gar weit von Delphi. Compare printed p. 131 Jon. Nur um zu schauen? Oder wunscht er einen Spruch? Kreusa. Von ihm und Phobos will er Eins erkundigen. Jon. Um Kinder kommt ihr oder um des Feldes Frucht? Kreusa. Vereint in langer Ehe, sind wir kinderlos. Jo. So hast du nie geboren, warst nie Mutter, Frau? Apollon weiß um meine Kinderlosigkeit. Jon. Unsel'ge, sonst so glucklich, doch nicht glucklich hier! Kreusa. Wer bist du? Selig preis' ich sie, die dich gebar. Jon. Des Gottes Diener heiß' ich, Frau, und bin es auch. Kreusa. Geweiht von Delphern, oder irgendwo gekauft?[OCR note; compare the printed page.] Geweiht von Delphern, d. i. von den Bürgern Delphi's selbst dem Apollon geweiht. Compare printed p. 131 Jon. Nur Eines weiß ich, daß ich Phobos eigen bin. Kreusa. So muß ich dich bedauern, wie du mich, o Freund. Jon. Weil mir geheim blieb, welcher Aeltern Sohn ich sei. Kreusa. Du wohnst im Tempel, oder sonst in einem Haus? Ion. Des Gottes Haus ist meines, wo mich Schlaf befällt. Kreusa. Du kamst als Jungling oder schon als Kind hieher? Jon. Als Kind, behauptet Mancher, der's zu wissen meint. Kreusa. A Und hat dich eine Delpherin mit Milch genährt? Jon. Nie sah ich Frauenbruste; doch, die mich erzog, Kreusa. Wer war es, Armer? (Leidend fand ich andres Leid!) Jon. Die Seherin des Phobos gilt als Mutter mir. Kreusa. Von wem gepflegt denn wuchsest du zum Mann heran? Jon. Von Phobos' Herd, von Pilgern, die hiehergelangt. Kreusa, Unglucklich deine Mutter, wer sie immer war! Jon. Wohl gab der Fehltritt einer Frau das Leben mir. Kreusa. Doch hast du Mittel? Dein Gewand ist reich bestellt. Jon. Uns schmuckt des Gottes Habe, dem wir dienen hier. Kreusa. Nach deinen Veltern gingst du nie zu spåhen aus? Jon. Mir fehlt's an allen Spuren, sie zu finden, Frau. Weh! Kreusa. Was deine Mutter, duldet auch ein andres Weib. Jon. Wer? Theilt sie meinen Kummer, soll mir's Freude sein. Kreusa. Um ihretwillen kam ich eh' als mein Gemahl. Jon. Wonach verlangst du? Denn ich will dir helfen, Frau. Kreusa. Geheime Spruche wunsch' ich mir aus Phobos' Mund. Jon. Sprich immer; ich vermittle dann das Uebrige. Kreusa. So hore, was ich sage; doch Jon. ich schame mich. Dann wirst du Nichts ausrichten; denn tråg ist die Scham. Kreusa. Apollon, sagt die Freundin, hab' ihr beigewohnt. Jon. Dem Menschenweib Apollon? Frau, so rede nicht! Kreusa. Geheim dem Vater, schenkte sie ihm einen Sohn. Jon. Nicht so! Sie schämt sich dessen, was ein Mensch verbrach. Kreusa. Die Schmach, von der sie redet, widerfuhr ihr auch. Jon. Durch welche Handlung, wenn ein Gott sich ihr gesellt? Kreusa. Sie sezt' ihn aus, den Knaben, dem sie Mutter war. Jon. Wo weilt der Säugling? Athmet er im Sonnenlicht? Kreusa. Das weiß kein Mensch: dies eben frag' ich hier den Gott. Ion. Und, lebt er nicht mehr, wie ereilt' ihn sein Geschick? Kreusa. Ein Thier der Wildnis tödtet' ihn, so fürchtet sie. Jon. Auf welche Zeichen bauend hat sie das erkannt? Kreusa. Sie fand ihn nicht mehr, wo sie kaum ihn ausgesezt. Jon. Und war ein Tropfen Blutes auf dem Weg zu sehn? Kreusa. Sie laugnet's; oft zwar spåhte sie am Boden um. Jon. Wie lange Zeit her ist es, daß das Kind verschwand? Kreusa. Dir würd' es, wenn's noch lebte, gleich an Jahren sein. Jon. Der Gott war grausam gegen sie: das arme Weib! Kreusa. Und spåterhin gebar sie keinen andern Sohn. Jon. Wie, wenn ihn Phobos heimlich ſtahl und auferzog? Kreusa. War's recht, allein genießen, was gemeinsam ist? Jon. Wie stimmt (o Jammer!) dies Geschick zu meinem Loos! Kreusa. Auch dich verlangt nach deiner armen Mutter wohl. Jon. O wecke nicht mein Leiden, das entschlummert war! Kreusa. Ich schweige; du vollende, was ich dich gefragt. Jon. Du weißt, was mehr als Alles dir entgegen ist? Wo blühte Hoffnung jener Ungluckseligen? Enthüllt der Gott wohl, was er will, daß dunkel sei? Kreusa. Wenn sein Orakel allem Volk in Hellas tont. Son. Er schämt sich dieser Sache; dringe nicht in ihn. Sie gråmt sich über ihr Geschick, die solches litt. Jon. Wohl wirst du Niemand finden, der dir das enthullt. Der Gott, im eignen Hause solcher Schuld geziehn, Er würde jenem, welcher dir's verkündigte, Mit Recht ein Leid zufügen. Drum entferne dich: Nicht fragen darfst du, was dem Gott zuwider ist. Denn bis zu solchem Thorenwahn verirrten wir, Wenn wir die Götter zwången, was sie nicht gewollt, Uns aufzuschließen, sei es durch geschlachtete Lammopfer an Altaren, sei's im Vogelflug. Denn was wir troz den Göttern mit Gewalt erstrebt, Das ist ein Schein, ein wesenloses Gut, o Frau; Nur was sie willig geben, ist ein Segen uns. Der Chor. So vielen Menschen ward verhångt so viele Noth, Nur nach der Art verschieden; doch ein dauernd Glück, Das triffst du wohl im Menschenleben nimmermehr! Kreusa. O Phobos, unrecht handelst du, so dort als hier,[OCR note; compare the printed page.] Dort, in Makrä. Compare printed p. 131 An jener Fernen, deren Wort ich hier vertrat. Du rettest nicht den Deinen, den du retten sollst, Und gibst, ein Seher, seiner Mutter nicht Bescheid, Daß ihm ein Grabmal würde, wenn er starb, und wenn Er lebt, der Mutter Augen einst ihn wiedersåh'n. Nun - muß ich's gehen lassen, wenn des Gottes Mund Sich weigert mir zu sagen, was ich wissen will. Doch, Freund, ich sehe meinen edeln Gatten hier, Den Xuthos, nahe, welcher aus Trophonios' Erdkluft zurückkehrt; schweige gegen ihn davon, Was wir verhandelt, daß die Schmach nicht haft' an mir, Als schwazt' ich Heimlichkeiten aus, und unser Wort Nicht also, wie wir's sprachen, ausgebreitet wird. Denn Männern gegenüber ist der Frauen Stand Beklagenswerth: auch gute werden mitgehaßt Im Schwarm der bösen: so betrübt ist unser Loos. Xuthos. Kreusa. Ion. Der Chor. Xutho's. Empfange meiner Huldigungen Erstlinge Zuerst Apollon: Heil ihm! Heil auch dir, Gemahl! Dich hat mein spates Kommen wohl mit Angst erfüllt? Nein: doch du kamest, da die Sorg' an mich heran Sich drången wollte. Welchen Spruch verkündet uns Trophonios? Werden Kinder unserm Bund entblůhn? Xuthos. Er wollt' Apollons hohem Götterspruche nicht Vorgreifen; Eines sprach er nur: nicht kinderlos Big' ich und du von Phobos' Sehersize heim. Kreusa. Apollons hehre Mutter, laß zur guten Zeit Uns angelangt sein, wende du zum Besseren Das Opfer, das wir deinem Sohn vordem gebracht![OCR note; compare the printed page.] Den Doppelsinn in diesen Worten bestimmt Hermann so: „den Xuthos scheint Kreusa zu bitten, daß Apollo das jezige Opfer gnädiger aufnehmen möge, als die früher ihm dargebrachten: für sich selbst aber wünscht sie, daß ihr früherer unglücklicher Verkehr mit dem Gotte jezt in besseres Glück umschlagen, und sie den ihr entrissenen Sohn finden möge." Compare printed p. 131 Xuthos. Das wird geschehn! Doch wer verkündet Phobos' Spruch? Jon. Wir walten außen, Andre stehn dem Innern vor, Die nächst am Dreifuß sizen, aus der Delpherstadt Die Besten, Fremdling, die des Looses Wurf erkor. Xuthos. Schön! Was wir wissen wollten, weiß ich Alles nun. Ich will hineingehn. Wurde doch das Opferthier, So hor' ich, heut für alle Pilger insgemein Geschlachtet vor dem Tempel, und empfangen will Auch ich an diesem Segenstag des Gottes Spruch. Du tritt zum Altar, nimm die Lorbeerzweige, Frau, Und rufe laut die Götter, daß ein frohes Wort, Den Sohn verheißend, mich beglückt in Phobos' Haus! (Er geht in den Tempel.) Kreusa. Es wird, es wird geschehen! Wollte Lorias Nun endlich einmal sühnen, was er ehedem 425/Verschuldet, zwar nicht völlig würd' er unser Freund; Doch was er båte, nåhm' ich; denn er ist ein Gott. (Sie geht ab.) Jon. Was will die Fremde, daß sie stets in råthselhaft Verdeckten Låsterworten auf Apollon schmåht? Ist's Liebe wohl zu jener, die sie hier vertritt?[OCR note; compare the printed page.] die sie hier vertritt, indem sie um ihretwillen das Orakel fragt. Compare printed p. 131 Ist's ein Geheimniß, welches sie verschweigen muß? Doch was bekummr' ich um Erechtheus' Tochter mich, Die nichts mit mir gemein hat? Auf, mit goldenen Gefassen will ich ungesäumt zum Becken hin,[OCR note; compare the printed page.] Ohne sich weiter um Kreusa zu kümmern, will Ion an sein gewohntes Geschäft gehen und den Tempel mit Wasser besprengen. Compare printed p. 131 Um Thau zu sprengen! Tadeln muß ich Phobos wohl: Was fållt ihm ein? Jungfrauen freit er mit Gewalt, Und låßt sie ziehn, zeugt heimlich Kinder und verläßt. Sie sterbend. Thu' nicht also! Wurde dir die Macht, Ueb' auch die Tugend! Strafen ja die Götter auch, Wenn ein's der Menschenkinder schlimm geartet ist. Wie wär' es billig, daß ihr uns Geseze gebt, Und selbst gesezlos gleiches Fehls euch schuldig macht? Wenn ihr (geschehn wird's nimmermehr, ich sag' es nur,) Für jeden Nothzwang bustet einst den Sterblichen, Du, wie Poseidon oder Zeus, des Himmels Herr: Die Sunde büßend, leertet ihr die Tempel aus. Denn Frevel ist es, daß ihr mehr den Låsten fröhnt Als überleget. Nimmermehr geziemt es sich, Bu schelten, wenn wir Båses, das die Götter thun, Nachahmen; scheltet jene, die es uns gelehrt! Strophe. Der Chor. zu dir, die der Geburten Qual Noch nie durchkampfte, zu dir Fleh' ich, meiner Athene, Die der Titan Prometheus einst[OCR note; compare the printed page.] „Metis, eine der Töchter des Oceanus, war Jupiters erste Gemahlin, die nicht wenig dazu beitrug, daß ihr Gemahl zur Regierung der Welt gelangte: denn sie brachte dem alten Saturnus ein Brechmittel bei, welches ihn nöthigte, seine mit_Rhea erzeugten Söhne, die er verschluckt hatte, wieder von sich zu geben, da diese sich dann mit Jupiter vereinigten, um den Vater vom Throne zu stoßen. Nach einiger Zeit wurde Metis schwanger, und Jupiter, der sich bei den Parcen nach dem Erfolge erkundigte, erfuhr von ihnen, daß er durch den Sohn, den sie ihm gebären sollte, seinen Thron verlieren würde. Diesem Erfolge zuvorzukommen, wußte er sich nicht anders zu helfen, als daß er seine Gemahlin, auf gut Saturnisch, mit Haut und Haar verschluckte. Wie den Göttern Alles möglich ist, so fand er auf die eine oder andere Art ein Mittel, den Sohn, mit welchem Metis schwanger ging, in eine Tochter zu verwandeln, und sie in seinem Hirnschädel vollends auszubrüten, bis endlich zu gehöriger Zeit, mit Hülfe der Art Vulkans (oder, nach Anderen, des Prometheus) Minerva zum Vorschein kam." Wieland zum Lucian. Compare printed p. 131 Compare printed p. 132 Aus Zeus' erhabenem Haupt Entbunden, o göttliche Nika:[OCR note; compare the printed page.] Nike, d. i. Siegesgöttin, ein Beiname Athene's. -, 459 f. Phöbos' heiliges Land, die dem Gotte heilige Stadt Delphi. S. zu V. 5. Vergl. zu V. 218. Compare printed p. 132 Zu dem pythischen Hause Komm, von Olympos' goldenem Saal Zu den Pfaden entschwebend, Wo Phobos' heiliges Land, Der Erde mittelster Herd, An dem Altar, den Reigen umziehn, Orakel verkündet! Ja du, komm mit der Leto Kind,[OCR note; compare the printed page.] Der Leto Kind, Artemis. Sie und Apollon waren Zwillingskinder des Zeus und der Leto. Compare printed p. 132 Ihr zwei Göttinnen, zwei Jungfrau'n, Und ehrwürdige Schwestern des Apollon! Und ihr, o Mädchen, ersleht Des Erechtheus altem Geschlecht, Daß endlich in klaren Orakeln das Gluck Holdseliger Kinder ihm werde! Gegenstrophe. Denn das baut ja den Sterblichen Für überschwängliches Gluck Den nie wankenden Grund auf, Wenn im Glanze der Jugend ein Geschlecht, frischgrunend und stark, Aufblüht in den heimischen Hallen, Um der Våter ererbten Reichthum fortzupflanzen vom Ahn Auf andre Geschlechter. Denn das ist Schirm in der Noth Und Wonn' in den Tagen des Glücks, Ist im Kriege dem Heimatland Die rettende Schuzwehr. Mir gilt höher, als Reichthum, als Königlicher Gemåcher Prunk, 485/ Die sorgfältige Zucht edler Kinder. Doch ein kinderlos Leben hass' ich, Und tadele, wem es gefällt. O wår' ich bei måßigem Gut an ein Loos, Das Kinder begluckten, gekettet! Schlußgesang. Du geheiligte Ståtte Pan's[OCR note; compare the printed page.] Die geheiligte Stätte Pan's ist ein kleiner Tempel des Gottes unter der Akropolis. Compare printed p. 132 Und du nachbarlicher Fels In dem klüftigen Makrå,[OCR note; compare the printed page.] Ueber Makrä s. V. 11斤. Compare printed p. 132 Wo die drei Jungfrauen, Agraulos'[OCR note; compare the printed page.] Die drei Töchter der Agraulos und des Kekrops, Herse, Aglauros und Pandrosos, wurden in Athen göttlich verehrt und sezen, nach homerischer Vorstellung, die Beschäftigungen ihres Lebens auch nach dem Tode fort. Compare printed p. 132 Töchter, im Chortanz schwingen den Fuß Ueber grånende Bahnen am Tempel Athene's, wann zur wechselnden Weise der Feldschalmeien, o Pan, Du den Gesang in deinen Felsengrotten flotest, Wo dem Apollon eine Jungfrau den Sohn Gebar und den Vågeln zum Mahl und den Thieren zu blutigem Raub Dahingab, der bittern Liebe schmachvolle Frucht! Niemals hort' ich am Webestuhl, Noch in Gesprächen, es lachle das Glück Söhnen der Götter, dem Schooße von sterblichen Müttern entsprossen. Ion. Der Chor. Jon. Sagt, o Frauen, die vor dieses Hauses weihrauchduftenden Festaltaren Wache haltend und den Herrn erwartend stehn, Kam er schon vom heil'gen Dreifuß, vom Orakelsiz zurück, Xuthos, oder weilt er innen, forscht, wonach sein Herz Der Chor. verlangt? Noch im Tempel ist er, Fremdling, noch verließ er nicht das Haus. Doch als ob er eben kame, horen wir des Tempels Thor Knarren, und bereits herausgehn kannst du dort den Herrscher sehn. Xuthos. Ion. Der Chor. Xuthos. Gluck, mein Sohn! Denn dieser Anfang meiner Rede ziemt mir wohl. Jon. Glück für mich: du sei besonnen, und wir fahren beide wohl. Xuthos. Deine Hand gib mir zu küssen, deinen Leib laß mich umfahn. Jon. Bist du, Freund, bei Sinnen, oder schlug mit Wahnsinn dich Xuthos. ein Gott? Bin ich sinnlos, wenn ich lieben will das Liebste, das ich fand? Jon. Weg, damit du, mich berührend, nicht zerreißest Phobos' Xuthos. Kranz! Ueb' ich hier doch nicht Gewaltraub; denn ich fand mein Jon. Liebstes ja. Weichst du nicht, bis mein Geschoß sich tief in deine Lungen Xuthos. bohrt? Was entfliehst du mir? Erkenne du dein Liebstes auch in mir![OCR note; compare the printed page.] L. γνώρισον. Compare printed p. 132 Jon. Thoren, wahnsinntrunkne Fremde, klug zu machen lieb' ich Xuthos. nicht. Morde, brenne! Vaters Mörder wirst du, gibst du mir den Jon. Tod. Aber wie wär'st du mir Vater? Lachen macht mich dieses Xuthos. Wort. Und warum? Der Lauf der Rede wird dir kundthun, wer Jon. Du behauptest denn -? Xuthos. ich sei. Dein Vater bin ich, und du bist mein Sohn. Jon. Wer verbürgt das? Xuthos. Der dich aufzog als den Meinen - Lorias. Son. Du bezeugst es dir allein. Des Gottes Sprůche lehrten mich's. Jon. Dich beruckte wohl ein Räthsel. Xuthos. Hått' ich denn nicht recht gehört? Jon. Und das Wort des Phobos lautet -? Wann begegnend? Xuthos. „Daß der mir Begegnende" - „Wann heraus ich tråt' aus diesem Gotteshaus" - Jon. Welch ein Loos erfahren wurde? Xuthos. ,,Xuthos' Sohn, des Königs, sei." Jon. Leiblich, oder als Geschenk nur? Als Geschenk, und leiblich auch. Mir zuerst also begegnen deine Schritte? Und woher kam solche Fugung? Keinem sonst. Mir so råthselhaft, wie dir. Gut! Doch welche Mutter hat mich dir geschenkt? Xuthos. Ich weiß es nicht. Jon. Sagte dir's nicht Phobos? Xuthos. Froh des Sohnes, fragt' ich dieses nicht. Jon. War' ich denn ein Sohn der Erde? Xuthos. Kinder zeugt niemals das Land. Wie nun bin ich dein? Ich weiß nicht, baue nur auf Phobos' Wort. Jon. Auf, von Anderm laß uns reden! Xuthos. Besser wird das sein, o Kind. Jon. Liebtest du schon andre Mädchen - Xuthos. In bethörter Jugend wohl. Ehe du das Kind Erechthens freitest? Seitdem nimmermehr. Jon. Also zeugtest du mich damals? Xuthos. Mit der Zeit stimmt's überein. Jon. Aber dann wie kam ich hierher? Xuthos. Das zu deuten weiß ich nicht. Jon. Auf so langem Pfade wandernd? Dieses irrt auch meinen Sinn. Kamst du schon zum Felsen Pytho's?[OCR note; compare the printed page.] Der Fels Pytho's, Parnassos, an dessen Fuße der Tempel Apollons in Delphi stand. Bacchos' Fackelfest, die Orgien des Bacchos, die Nachts bei Fackelglanz gefeiert wurden. Compare printed p. 132 Xuthos. Ja, zu Bacchos' Fackelfest. Jon. Welcher Freund hat dich bewirthet? Xuthos. Der mit Delphermädchen mich - Jon. Eingeführt zu Bacchos' Neigen, meinst du? Xuthos. Im Månadenschwarm. Jon. Nuchtern oder voll des Weines? Xuthos. Durch des Bacchos Lust beruckt. Jon. Also da ward ich gezeugt, Herr? Xuthos. Dein Geschick fand dich, o Kind. Jon. Wie gelangt' ich denn zum Tempel? Xuthos. Ausgesezt vom Mädchen wohl. Jon. Nun entfloh ich doch der Knechtschaft! Nimm den Vater an, o Kind. Ja, dem Gott mistrau'n geziemt sich nimmermehr! Xuthos. Und was sollt' ich Andres wunschen - Da denkst du recht. Nun erkennst du's, wie du mußt. Jon. Als der Sohn zu sein von Zeus' Sohn?. Xuthos. Das bestimmt dir dein Geschick. Jon. Dich umarm' ich denn, o Vater? Xuthos. Wenn du Delphi's Gott vertraust. Jon. Heil dir, Vater, Heil dir! Freudig nehm' ich an den holden Gruß. Heil dem Tag, der heut herausstieg! Xuthos. Selig hat er mich gemacht. Jon. Theure Mutter, werd' ich einst auch sehen deine Huldgestalt? Jezt verlang' ich mehr denn vormals, wer du seist auch, dich zu schaun. Doch du starbst wohl, und vergebens suchen wir dein An- Der Chor. gesicht. Das Glück des Königshauses ist auch unser Gluck: Doch wunschten wir durch Kinder unsre Herrin auch Beglückt zu wissen und Erechtheus' edles Haus. Xuthos. Sohn, daß ich dich gefunden, hat ein guter Gott Zu meinem Heil vollendet, hat dich mir vereint, Und du auch fandest ungehofft das Theuerste. Doch was du billig wunschest, ist auch unser Wunsch, Daß du die Mutter wiedersinden mog'st, o Sohn, Und ich entdecke, welches Weib dich mir gebar. Wohl wird sich's finden, stellen wir's der Zeit anheim. Verlaß des Gottes Boden, wo du Fremdling warst,[OCR note; compare the printed page.] des Gottes Boden, das dem Phöbos heilige Gebiet Delphi's. Compare printed p. 133 Und, gleichgesinnt dem Vater, eile nach Athen, Wo dein der stolze Herrscherstab des Vaters harrt Und großer Reichthum. Wenn dir Eins von Zwei'n gebricht;[OCR note; compare the printed page.] Eins von Zweien, die Mutter. Compare printed p. 133 Nie wirst du doch unedel, wirst nicht arm genannt, Nein, edel wirst du heißen und an Schazen reich. Du schweigst? Warum zur Erde schlagst du deinen Blick, Geråthst in Sorgen und erweckst dem Vater Furcht, Aus Fröhlichkeit in Trauer plözlich umgestimmt? Jon. Nicht Einen Anblick bieten uns die Dinge dar, Ob wir entfernt sind oder aus der Nähe sehn. Ich segne freudig mein Geschick, das mich in dir Den Vater heute finden ließ; doch höre mein Bedenken! Eingeboren, sagt man, ist Athen,[OCR note; compare the printed page.] ὧν γιγνώσκω πέρι, worüber ich Bedenken habe. Compare printed p. 133 Das stolze, kein von außen eingewandert Volk. Mich tråfe zwiesach Schande, drångt' ich hier mich ein, Als Sohn des fremden Vaters und Bastard zugleich. Mit diesem Hohn belastet, wird man mich ein Nichts, Aus Nichts geboren, schelten, wenn ich machtlos bin; Und wenn ich, strebend in den ersten Nang der Stadt, Etwas zu gelten wunsche, wird der Niedrige Mir grollen; denn der Ueberlegne wird gehaßt: Die Wackern aber, die, begabt mit Fähigkeit, Still sind und niemals um Gewalt im Staat sich muhn, Sie werden meiner spotten, daß ich Thörichter In dieser unruhvollen Stadt nicht rasten kann. Die Redner, herrschend in der Stadt, sie werden mich Mit Volksbeschlussen, stieg ich auf in Wurd' und Amt, Noch mehr umlagern: also, Vater, geht es ja: Denn die den Staat beherrschen und am Nuder stehn, Sind gegen Nebenbuhler stets am feindlichsten. Und dring' ich dann, ein Fremdling, ein in's fremde Haus, Zum kinderlosen Weibe, das bisher mit dir Getheilt ihr Unglück, aber nun getäuscht, allein Für sich das Schicksal tragen wird voll Bitterkeit: Wie mag ich hoffen, daß sie nicht mit Recht mich haßt, Wenn ich an deiner Seite nun dasteh', und sie, Die Kinderlose, deine Lust mit Schmerz erblickt, Du dann, mich hassend, dich zu deinem Weibe neigst, Mich liebend, deines Hauses Gluck und Ruhe störst? - | Wie manche Morde, Morde durch entseelend Gift, | Ersannen Frauen zu der Männer Untergang! Und außerdem beklag' ich deine Gattin, daß Sie kinderlos hinaltert; edler Våter Kind, Verdient sie nicht die Schande, kinderlos zu sein. Die Königsherrschaft aber, die man fålschlich preist, Ist wohl von außen lockend, doch im Inneren Voll Qualen. Wer mag selig, wer kann glucklich sein, Der bange spåhend, ob Gewalt im Finstern schleicht, Sein Leben hinschleppt? Lieber will ich stillbeglückt, Ein Mann im Volke, leben, als ein König sein, Der sich die böse Rotte gern zu Freunden wählt, Und vor dem Tode zagend, stets die Guten haßt. Du sagst vielleicht: dies Alles überwiegt das Gold, Suß ist der Reichthum! Doch den Tadel lieb' ich nicht, Das Gold in Hånden hutend, noch der Sorgen Qual. Ich lob' ein harmlos Leben mir im Mittelstand. Noch höre, Vater, welches Glück ich hier genoß. Der Erde Schönstes wurde mir, der Muße Gluck, Und Ueberlauses wenig: auch kein Böser trieb Mich aus dem Weg; und unerträglich ist es ja, Den Plaz zu räumen, weggedrängt von Schlechteren. Und bei Gebeten, bei Gespräch von Göttlichem[OCR note; compare the printed page.] ἢ λόγοισι Sc. θεῶν. Weiter wird dann gelesen: ἢ βροτῶν ὑπηρετων χαίρεσιν, ἐ γοώμενος. λόγοι θεῶν ſind sermones de diis. Compare printed p. 133 Bedient' ich frohe Menschen, selbst von Kummer frei. Die einen Pilger zogen ab, die kamen an, So daß ich neu den neuen stets willkommen war. Und was, auch wider Willen, Wunsch der Menschen ist: Gesez und Neigung ließen vor dem Gotte mich Gerecht erfunden werden. Ueberleg' ich dies, So denk' ich, Vater, besser sei es hier als dort. Laß mich mir selber leben; ist's doch gleiche Lust, (Sich freun des Großen und vergnugt bei Kleinem sein. Der Chor. Schon sprachst du, wenn durch deine Worte denen Gluck Bereitet wird, die meinem Herzen theuer sind. Xuthos. Laß ab von diesen Reden, lerne glucklich sein : Denn wo ich dich gefunden, will ich opfern, Sohn, Mit dir gemeinsam ſizend am gemeinen Mahl, Und dein Geburtsfest feiern, das ich nie beging. Als einen Hausfreund führ' ich nur für jezt dich ein, Dich dort am Mahl zu laben, auch nach Attika Nur, um das Land zu sehen, nicht als meinen Sohn. Denn meine Frau betrüben will ich nimmermehr, Die kinderlose, wenn ich selbst im Glücke bin. Zulezt bestimm' ich mein Gemahl, die gute Zeit Benizend, daß sie meinen Thron dich erben låßt. Doch Jon sei dein Name, weil's das Gluck gefügt,[OCR note; compare the printed page.] Jon, Ἴων, Ἰών, δ. i. der Kommende. Compare printed p. 133 Daß du mir, als ich Phobos' Haus verließ, zuerst Entgegentratest. Auf, der Freunde vollen Kreis Versammle noch zum frohen Opfermahl und sprich Das Wort des Abschieds, weil du jezt aus Delphen ziehst! (zu dem Chore) Euch, Dienerinnen, euch befehl' ich Schweigen an; Denn wenn ihr meinem Weibe schwazt, trifft euch der Tod. Jon. So geh' ich; aber Eines fehlt zu meinem Gluck. Denn, Vater, find' ich jene nicht, die mich gebar, Was ist mir dann das Leben? Wenn ich wunschen darf, Sei meine Mutter Bürgerin aus Attika, Daß ich als meiner Mutter Sohn frei reden mag. Denn dringt zu Bürgern achten Stamms ein Fremder ein, So mag er Bürger heißen, doch verstummt sein Mund Als eines Knechtes, frei zu reden wagt er nicht. Strophe. Der Chor. Thränen erblicken wir und was herber Gram Anstimmt in Seufzer ausbrechend, wann[OCR note; compare the printed page.] 2. ἀλάςες σεναγμῶν εἰσβολάς. Compare printed p. 133 Unsre Gebieterin vernimmt, daß ein Sohn Ihrem Gemahl erblüht, Indeß sie selbst sich kinderlos, verlassen sieht. O Sohn Leto's, Gott der Seher, (Beide ab.) Welch einen Spruch sangest du? Woher stammt der Jungling, der im Heiligthum Bei dir großgenährt wurde, von welchem Weib? Denn mich bethårt kein Seherspruch: ein Trug lauert hier! Ich zittre voll Angst, wie dies Geschick enden wird. Denn, traun, Seltsames sagte mir der Seltsame.[OCR note; compare the printed page.] L. ἄτοπος ἄτοπα γὰρ παραδίδωσί μοι. Compare printed p. 133 Dem Knaben lacht ein trügend Gluck; Er ward aus fremdem Blut gezeugt. Wer dachte hier nicht gleich mit uns? Gegenstrophe. Freundinnen, soll ich's nicht meiner Gebieterin Mit Donnerlaut in's Ohr rufen von Ihrem Gemahle, der ihr einst Alles war, Und dessen Hoffnungen Sie theilte? Er ward glucklich, sie vergeht im Leid, Ein Raub schon des grauen Alters : Doch ihn, den Unseligen,[OCR note; compare the printed page.] L. πόσις δ' ἀτίετος φίλων, maritus vero inhonoratus, despectus est ab amicis Creusæ. * 695. ἐκ ἴα σεν τύχας, non æquavit fortunas suas et uxoris, wie es V. 803 heißt, ἐκ ἔςεργεν αὐτῇ ὅμοιος εἶναι τῆς τύχης τ᾽ ἴσον φέρειν. Compare printed p. 133 Ehren wir Freunde nicht, ihn, der von fern' in's Haus Kommend zu Glanz und Macht, sein Loos von ihrem schied. Tod über ihn, der meine Herrin ſchnod' hinterging! O laßt es ihm nie gedeihn, Wenn er im Feuer euch, Himmlische Machte, hellflammende Kuchen weiht! Die Herrschaft lieb' ich nicht, in der[OCR note; compare the printed page.] Zum Behuf der Uebersezung lese ich: τὸ δ' ἐμὸν εἴσεται τυραννίδος μὲν ἐ φίλον, ᾗ (sc. τυραννίδι) δὴ πέλας cet. me vero (Xuthus) experietur non amicam tyrannidi, cui imminens cum patre epulatur filius. Die deutschen Verse wurden denen in der entsprechenden Strophe gleich gebildet. Compare printed p. 133 Am Mahle sich der neue Sohn, Gesellt dem neuen Vater, labt: Schlußgesang. Da, wo Parnassos' Berghaupt empor Mit Felsklippen zu dem himmlischen Size ſteigt, Wo Bacchios, flammende Fackeln schwingend umher, In raschem Tanz mit nachtlichschwarmenden Bacchinnen hupft. Komme der Knabe doch nimmer in meine Stadt, Nein, in der Blüthe noch welke sein junger Tag! Denn Ursache zu seufzen fånd' unsre Stadt, Drångten sich Fremdlinge ein. Uns genügt, der vordem Führer war, Erechtheus, der Fürst. Kreusa. Ein Greis. Der Chor. Kreusa. Du, der Erechtheus auferzog, der Vater mir Vordem gewesen, als er noch im Lichte war, O Greis, zu Phobos' Sehersiz erhebe dich, Um dich mit uns zu freuen, wenn er seinen Spruch, Der Kindersegen hoffen läßt, mir kundgethan. Suß ist es ja, mit seinen Freunden glucklich sein: Doch, kam ein Leiden über uns, (was ferne sei!) Dann ist es suß, in treuen Mannes Auge sehn. Ich ehre dich, wie meinen Vater du geehrt, Obwohl ich deine Herrin bin, an Vaters Statt. Der Greis. Du hegst, o Tochter, edeln Sinn, der würdigen Vorfahren würdig, schåndest nicht den alten Stamm Der edlen Våter, die der Erd' entsprossen sind. Zeuch, zeuch zum Tempel mich empor und leite mich; Steil sind die Seherhöhen, traun: drum werde du Arzt meines Alters, stize mir den schwachen Fuß. Kreusa. So folge mir und seze prüfend deinen Schritt. Schau her! Der Greis. Wohl sind die Füße langsam, doch der Geist behend. Kreusa. Stemm' auf dem krummen Pfade dich an deinen Stab. Der Greis. Blind ist auch dieser; denn des Alters Blick ist kurz. Kreusa. Wohl hast du Recht; indessen nimm es nicht so schwer. Der Greis. Ungerne nur; doch über Schwäche sieg' ich nicht. (Sie sind an der Vorhalle des Tempels angelangt.) Kreusa. Ihr Frauen, wacker bei Gewirk und Webestuhl Für mich geschäftig, welcher Spruch ward unserm Herrn Des Wunsches wegen, welcher uns hierhergeführt? Sagt an; denn, wißt ihr Gutes uns, verschwendet ihr Die Freudenbotschaft nicht an undankbare Herrn. O Schicksal! Ein solcher Eingang deutet nicht auf großes Gluck. O Unselige! Der Chor. Bringt uns der Spruch, der unserm König ward, ein Leid? Wohlan! Was thun wir, wo der Tod uns nahe droht? Kreusa. Wozu das Lied? Weßwegen, Frauen, fürchtet ihr? Der Chor. Sprech oder schweig' ich? Oder was beginnen wir? Kreusa. Sprich: denn ein Unglück weißt du wohl, das mich betraf. Der Chor. So sei's gesagt, und tråse zwiesach mich der Tod! Dir ist, o Herrin, nie vergonnt, ein Kind im Arm zu wiegen, nie zu legen ein's an deine Brust. Kreusa. O daß ich stürbe! Der Greis. Tochter! Kreusa. Ich Ungluckliche! Weh, weh! Ungemach mein Loos! Todeslast, Freundinnen, drückt mich schwer. Wir sind verloren! Der Greis. Theures Kind! Kreusa. Weh, wehe, weh! Bis in die tiefsten Tiefen zuckt dieser Schmerz, durchwühlt meine Brust. O seufze noch nicht - Aber der Jammer ist da! Der Greis. Bevor wir hörten - Kreusa. Welcherlei Kunden für mich? Der Greis. Ob, Gleiches duldend, unser Herr das Ungemach Mitleidet, oder du allein unglucklich bist. Der Chor. Ihm hat, o Greis, Apollon einen Sohn geschenkt, Und er allein ist ohne sie des Glückes froh. Kreusa. Noch dies Leid zu dem ersten nennend, füllst Du mir des Unglucks Maß. Der Greis. Und muß der Knabe, den du nennst, von einem Weib Erst noch geboren werden, oder lebt er schon? Der Chor. Ihm schenkt Apollon einen Sohn, der schon das Ziel Erreicht des Junglingsalters; ich war selbst dabei. Wie meinst du? Kreusa. Unsåglich, unerhört ja klingt, Was du mir sagst, o Frau. Der Greis. Auch mir; doch wie sich dieser Gottesspruch erfullt, Und wer der Jungling, - dieses sag' uns deutlicher. Der Chor. Wem, aus dem Tempel eilend, dein Gemahl zuerst Entgegenkomme, den zum Sohn gab ihm der Gott. Wehe, weh mir! Kreusa. Also mein Loos ist ein Leben, kinderlos: in Einsamkeit Wohn' ich im verwaisten Hause ! Der Greis. Wen meinte Phobos' Seherspruch? Wem kam der Mann Des armen Weibs entgegen? Wie, wo sah er ihn? Der Chor. Du denkst, o theure Furstin, wohl des Junglings noch, Der hier den Tempel kehrte? Das ist Xuthos' Sohn. Kreusa. O flog' ich auf durch wolkige Luft, Fern' über Hellas' Erde hinaus, Auf zu den Sternen der Nacht, Weil ich solchen Schmerz erdulde![OCR note; compare the printed page.] οἷον ἄλγος, i, e. ὅτι τοῖον ἄλγος ἔπαθον. Compare printed p. 133 Der Greis. Mit welchem Namen nannte denn der Vater ihn, • Vernahmst du's, oder hat er schweigend Nichts bestimmt? Der Chor. Er nennt ihn Ion, weil er ihm entgegenkam. Wer ist des Junglings Mutter? Das vernahm ich nicht. Doch ging (damit du wissest, was ich weiß, o Greis,) Kreusens Gatte heimlich fort in heiliges Gezelt, des Jünglings Ehrentag durch Opfer und Gastmahl zu feiern, das er gibt dem neuen Sohn. Der Greis. Wir sind verrathen (deine Noth ist meine ja) Durch deinen Gatten, Fürstin, werden plangemåß Von ihm verhohnt und aus Erechtheus' Königshaus Verstoßen. Und ich sage das, nicht weil ich ihm Feind bin, ich sag' es, weil ich mehr dich lieb' als ihn, Der, dir vermählt, ein Fremder, sich in diese Stadt Eindringend, Haus und alle Habe nahm von dir, Und dann mit einem andern Weib ein Kind erzielt, Geheim erzielt hat: wie geheim, erklär' ich dir. Sobald er fand, du seiest unfruchtbar, gefiel's Ihm nicht, dein Loos zu theilen und dir gleich zu sein: Nein, eine Sclavin freit er ingeheim und zeugt Den Sohn und gibt ihn außer Landes aufzuziehn An einen Delpher; unerkannt zu bleiben, wuchs Er dann, ein Gottgeweihter, auf in Phobos' Haus. Und als der Jungling aufgeblüht: da lockte dich Als Kinderlose dein Gemahl hieherzugehn. So war's der Gott nicht, welcher log, dein Gatte war's, Der, långst den Sohn erziehend, solchen Trug ersann: Wenn du's entdecktest, wälzt er auf den Gott die Schuld, Und blieb's verborgen, wollt' er ihm im Lauf der Zeit,[OCR note; compare the printed page.] Mit Hermann: λαθων δὲ, κατὰ τὸν χρόνον, ἀμύνεσθαι θέλων, τυραννίδ᾽ αὐτῷ περιβαλεῖν ἔμελλε γῆς, i. e. si res in occulto maneret, decursu temporis, ut sibi præsidium pararet, regnum ei erat conciliaturus. Compare printed p. 133 Sich selbst zu schůzen, übergeben Thron und Land. Den neuen Namen hat er långst für ihn geprägt: Er nennt ihn Jon, weil er ihm entgegenkam! Weh! Wie sind mir doch die Frevler allezeit verhaßt, Die Schelmerei'n aussinnen, und mit Kånken dann Sie schmucken! Lieber wåhl' ich mir den schlichten Mann Zum Freund, den biedern, als den schlauern Bosewicht. Von diesem allem duldest du das Aergste noch: Ein Sklavenkind, verachtet, ohne Mutter, führt Er dir in's Haus als Herrscher! Einfach wäre doch Das Uebel, ließ er einer edeln Mutter Kind, Wenn du's, die kinderlose Frau, gestattetest, Einziehn im Hause: oder fiel dir dieses schwer, Was freit' er keine vom Geschlecht des Aeolos? Deswegen ziemt dir's, eine Frauenthat zu thun: Du mußt ein Schwert ergreifen, mußt durch eine List, Durch einen Gifttrank dein Gemahl und seinen Sohn Dem Tode weihen, eh' er dir von ihnen kommt. Versäumst du dieses, opferst du dein Leben auf. Denn treffen unter Einem Dach zwei Feinde sich, So muß von beiden Einer wohl zu Grunde gehn. Ich meines Theiles bin bereit dir beizustehn, Den Sohn zu morden im Gemach, wo Xuthos ihm Das Mahl bestellt, und meinen Nåhrern so den Dank Bezahlen d sterb' ich oder leb' im Sonnenlicht. Denn was den Sklaven Schande bringt, ist einzig nur Der Name; sonst in Allem ist ein Sklave ja Nicht schlechter als die Freien, wenn er wacker ist. Der Chor. Auch ich, o Herrin, will mit dir dies Leid bestehn, Und sterben oder lebend mich des Nuhmes freun. Kreusa. Wie kann ich's, o Seele, verschweigen? Wie soll ich, die heimliche Buhlschaft Ausdeckend, der Scham mich entaußern? Was hålt mich fortan hemmend zurück? Wofür denn kamps ich der Tugend Kampf? Ward nicht der Gemahl zum Verråther an mir? Man raubt mir die Heimat, raubt mir das Kind, Und die Hoffnung entschwand, die zum herrlichen Ziel Ich zu lenken gewunscht und nicht es vermocht, Da den Bund mit dem Gott, Da die Schmerzensgeburt ich verhehlte. Doch wahrlich, bei Zeus' sternfunkelndem Siz, Bei der Göttin daheim auf den Felsen Athens,[OCR note; compare the printed page.] Die Göttin, Pallas Athene auf der Burg. Compare printed p. 133 Bei dem heiligen Strand des tritonischen Sees[OCR note; compare the printed page.] Bei dem See Triton in Libyen war Athene geboren. Compare printed p. 133 Mit der wogenden Flut, Nicht långer verberg' ich's, wålze die Last Von der Seele mir ab und erleichtre die Brust. Heiß strömt mir von Zahren das Aug', und der Geist, Er trauert, umstrickt von der Sterblichen Trug Und der Götter Verrath: ich entlarve sie nun, Die undankbar Am beschworenen Bunde gefrevelt! Du, der die melodischen Stimmen mit Macht[OCR note; compare the printed page.] Ungeredet wird Apollon, dessen Laute sieben Saiten hatte und daher siebentönig heißt. Compare printed p. 133 Aus siebentoniger Laute lockt, Die des Feldes unbeseeltem Horn[OCR note; compare the printed page.] Des Feldes unbeseeltes Horn, entweder das Horn der Schildkröte, über welches die Saiten der Laute, als über einen Schallboden, gespannt waren, oder überhaupt der Schallboden der Laute, welcher von Horn war. Compare printed p. 133 Süßhallende Musengesång' einhaucht, Dich klagen wir an, Sohn Leto's, Bei dem Licht, das heute heraufstieg! Du kamst mir, vom Golde der Locken Strahlend das Haupt, als in den Busen Des Gewandes ich Safranblumen mir einst, Goldglänzende, brach, mich zu schmucken. Und die Lilienhand mir umfassend, zogst Du mich zu dem Lager des Felsengemachs; Laut rief ich: o Mutter, o Mutter! Ja, ein verlockender Gott, Bogst du mich ohne Scheu Hin, wo dir Kypris winkte. Ich Arme gebar dir den Knaben, Den, bang vor der zürnenden Mutter, Ich warf in dein bergendes Lager, Wo du Schåndlicher mich unseliges Weib Mit schändlichen Banden umstricktest. Und nun, ach! ist er geschwunden, Von den Vågeln entrafft zur Speise, - Mein Sohn und der deine dahin! Doch du singst deine Påane Zu dem Klange der Cither! Ach, Leto's Sohn, dir ruf' ich, Der Schicksalskunden enthullt auf goldenem Stuhl, Und im mittelsten Size des Erdballs thront, — In das Ohr dir will ich es rufen: Weh, treuloser Buhle, dir, Der meinem Gemahle den Jungling In das Haus führt, ihm, der keinerlei Huld dir erwiesen: Mein Sohn und dein Sohn schwand unbekannt, Hin schwand er, von Vågeln des Waldes geraubt, Von den hållenden Windeln der Mutter hinweg. Ha! Dich haßt Delos, die Zweige des Lorbeers hassen, es haßt Dich der Palmbaum, prangend in zartem Laub, Wo Leto dich einst, den unsterblichen Sohn, Umarmt von Kronion, geboren. Der Chor. Ach, welch ein Abgrund thut sich auf von Ungemach, Das Thrånen wohl aus jedem Auge locken muß! Der Greis. Wir können, Tochter, wahrlich uns nicht sättigen An deinem Anblick: denn verwirrt ist unser Sinn. Kaum ſchöpf' ich sinnend jene Flut der Leiden aus, Fast mich am Steuer diese, die dein Wort erregt, Mit dem du dich, vom alten Ungemach hinweg, In andrer Leiden neue Bahn geworfen hast. Wie sagst du? Weshalb klagtest du den Phobos an? Und welch ein Kind gebarst du? Wohin legtest du's, Dem Wild zu süßem Raube? Wiederhol' es mir.[OCR note; compare the printed page.] Ε. φίλον θοίναμ'. Compare printed p. 133 Kreusa. Ich schame mich, mein Alter; doch erzähl' ich es.[OCR note; compare the printed page.] L. αἰσχύνομαι μὲν, ὦ γέρον. Compare printed p. 133 Der Greis. Auch nehm' ich edel am Geschick der Freunde Theil. Kreusa. So hore. Dir ist auf dem Kekropsfelsen wohl[OCR note; compare the printed page.] Der Kekropssels, auf welchem die Burg von Athen stand, die Kekrops erbaut hatte. Compare printed p. 134 Nordwårts bekannt die Höhle, die sich Makrå nennt? Der Greis. Gewiß, wo Pan's Kapellen und Altare stehn. Kreusa. Hier war es, Greis, hier kampft' ich einen schweren Kampf. Der Greis. Und welchen? Deine Rede preßt mir Zahren aus. Kreusa. Ich schloß mit Phobos straubend hier den Leidensbund. Der Greis. D Tochter, also war es dies, was mir geahnt? Kreusa. Was meinst du? Wenn du Wahres sagst, will ich's gestehn. Der Greis. Als ingeheim du seufztest um verborgnes Weh? Kreusa. Dies war es: offen nenn' ich nun das Uebel dir. Der Greis. Und wie verbargst du's, daß der Gott dir beigewohnt? Kreusa. Ich ward - erschrick nicht bei dem Wort! Greis. ward Mutter, Wo? Wer entband dich? Oder rangst du ganz allein? Kreusa. Allein im Felsen, wo der Gott sich mir gesellt. Der Greis. Wo weilt der Sohn? So bist du nicht mehr kinderlos. Kreusa. Todt ist er, Alter, wilden Thieren ausgesezt. Der Greis. Todt? Ihn beschůzte Phobos nicht, der grausame? Kreusa. Er schůzt ihn nicht; in Hades' Hause wächst er auf. Der Greis. Wer hat den Knaben ausgesezt? Doch nicht du selbst? Kreusa. Ich selbst; im Dunkel hullt' ich ihn in Schleier ein. Der Greis. Und wußte Niemand, was du deinem Sohn gethan? Kreusa. Mein Mißgeschick und meine Heimlichkeit allein. Der Greis. Dein Kind im Felsen lassen - wie vermochtest du's? Kreusa. Wie? Manche Jammerlaute stieß ich aus, o Greis. Der Greis. Unselig Wagniß! Doch der Gott ist schuldiger! Kreusa. Hått'st du das Kind die Hånde strecken sehn nach mir! Der Greis. Die Brust verlangend oder nach dem Mutterarm Kreusa. Zurück an den Ort, wo's von mir kein Leid erfuhr! Der Greis. In welcher Meinung seztest du den Knaben aus? Kreusa. Ich dachte, Phobos rette wohl den eignen Sohn. Weh ! Der Greis. Wie stürmt auf deines Hauses Gluck der Leiden Sturm! Kreusa. Warum verhållst du weinend dir das Haupt, o Greis? Der Greis. Dich, Kind, und deinen Vater so in Leid zu sehn! Kreusa. Das ist der Menschen Leben; Nichts bleibt, wie es war. Der Greis. O Tochter, jammern wollen wir nicht långer mehr. Kreusa, Was denn beginnen? Rathlos ist das Mißgeschick. Der Greis. An deines Leid's Urheber råche dich, dem Gott. Kreusa. Und wie bezwang' ich Menschenkind den Stärkeren? Der Greis. Bund' an den hohen Sehersiz des Lorias! Kreusa. Ich fürchte mich; und Leiden hab' ich schon genug. Der Greis. So wage, was dir möglich: todte deinen Mann! Kreusa. Der alten Liebe denk' ich, als er edel war. Der Greis. Dann doch den Jungling, der sich wider dich erhob! Wie? Kreusa. Wenn's nur möglich ware! Denn ich wollte gern. Der Greis. Nimm deine Diener, rüste sie mit Schwertern aus. Kreusa. Ich will es wagen; aber wo geschieht die That? Der Greis. In den heil'gen Zelten, wo sein Mahl die Freunde labt. Kreusa. Ein Mord vor Aller Augen! Auch sind Sclaven schwach. Der Greis. Feig bist du: weh mir! Sinne du denn selbst auf Nath! Kreusa. Auch weiß ich schlaue Mittel dir und wirksame. Der Greis. Für beide biet' ich meine Hand zur Hülfe dir. Kreusa. Vernimm! Der Erdensöhne Schlacht ist dir bekannt?[OCR note; compare the printed page.] Die Söhne der Erde, die Giganten, thürmten Berg auf Berg, um den Himmel zu erstürmen, wurden aber von den Göttern überwunden. : Compare printed p. 134 Der Greis. Zu der sie Phlegra wider Zeus vereinigt sah.[OCR note; compare the printed page.] Phlegra, eine Stadt in Thracien. Compare printed p. 134 Kreusa. Dort war's, wo Gia Gorgo schuf, das Ungethum. Der Greis. Als Bundsgenossin ihrer Sohn' im Götterkampf? Kreusa. Gewiß; und Pallas, Tochter Zeus', erlegte sie. Der Greis. In welcher grausen Ungestalt erschien sie denn? Kreusa. Mit Ningeln einer Schlange war die Brust bewehrt. Der Greis. Das ist ja wohl die Sage, die wir långst gehört -? Kreusa. Die Haut des Ungethumes deck' Athene's Brust.[OCR note; compare the printed page.] Pallas überzog mit der Gorgonenhaut ihren Schild, und befestigte, zum Schrecken der Giganten, das ſchlangenumwundene Haupt des Ungeheuers darauf. Bothe. Compare printed p. 134 Der Greis. Das Kriegsgewand der Pallas, das man Aegis nennt? Kreusa. Der Name ward ihm, als sie kam zur Götterschlacht. Der Greis. Wie sollte dies denn deinem Feind verderblich sein? Kreusa. Den Erichthonios kennst du, Greis? Du solltest wohl! Der Greis. Den ersten eurer Ahnen, den die Erd' erschuf? Kreusa. Ihm gab Tritonis, als er kaum geboren war[OCR note; compare the printed page.] Tritonis, Pallas. S. zu V. 857. Compare printed p. 134 Der Greis. Was gab sie? Zaubernd bringst du nur das Wort hervor. Kreusa. Zwei Tropfen Blutes, die der Gorgo Leib entstromt. Der Greis. Wie wirken diese beiden auf der Menschen Art? Kreusa. Tod bringt der eine, Kranke heilt der andere. Der Greis. Worin verborgen hing sie's um des Knaben Leib? Kreusa. In goldnem Band; er gab sie meinem Vater dann. Der Greis. Nach seinem Tode wurden sie dein Eigenthum? Kreusa. Gewiß; und hier am Handgelenke trag' ich sie. Der Greis. Der Göttin Doppelgabe nun, was ist's mit ihr? Kreusa. Der Tropfe Bluts, der aus der hohlen Ader floß -[OCR note; compare the printed page.] Die hohle Ader ist die große Ader, die sich auf der rechten Seite des Brustpanzers befindet; die kleinere, aorta, ist auf der linken Seite. Aristoteles histor. anim. 3, 3, δύο φλέβες εἰσὶν ἐν τῷ θώρακι· καὶ ἡ μὲν μείζων ἐν τοῖς δεξιοῖς μᾶλλον, ἡ δὲ ἐλάττων ἐν τοῖς ἀριςεροῖς, ἣν καλῶσί τινες ἀορτήν. Compare printed p. 134 Der Greis. Sprich, wie gebraucht man diesen? Was ist seine Kraft? Kreusa. Krankheiten bannt er und erhöht den Lebensgeist. Der Greis. Was wirkt der andre Tropfen, Kind, von dem du sprichst? Kreusa. Tod bringt er; denn von Schlangen Gorgo's ist sein Gift. Der Greis. Du trågst ihn wohl gesondert, nicht in Eins gemischt? Kreusa. Gesondert; Gutes mengt sich ja mit Bösem nicht. Der Greis. Lieb Kind, so hast du Alles, was dir nothig ist. Kreusa. Durch diesen stirbt der Jungling; du gibst ihm den Tod. Der Greis. Wo, wie vollend' ich's? Du gebeutst, mein ist die That. Kreusa. In Pallas' Stadt, sobald er unser Haus betrat. Der Greis. Nicht wohl gesprochen! Deinen Tadel geb' ich heim. Kreusa. Wiefern? Dir ahnt wohl, was auch mir zu Sinne kommt? Der Greis. Auch wenn du's nicht wårst, hießest du die Mörderin. Kreusa. Necht! Heißt es doch, Stiefmutter sei'n den Kindern feind Der Greis. Drum todt' ihn hier, und laugnen kannst du dann den Mord. Kreusa. 2luch kost' ich so viel früher dann der Nache Lust. Der Greis. Und täuschest deinen Gatten, wo er tauschen will. Kreusa. Nun gilt's zu handeln: nimm Athene's Goldgefås Aus meiner Hand hier, dies Gebild' uralter Kunst, Geh' hin, wo Xuthos ingeheim Stieropfer bringt, Und wenn das Mahl vollendet und der Opferwein Den Göttern ausgegossen wird, so nimm das Gift Aus deinem Mantel, gieß' es in des Junglings Trank, Doch ihm allein, nicht Allen, gib den Becher dar, Ihm, der als Herr in meinem Hause schalten will. Und drang's ihm durch die Kehle, dann gelangt er nie Zur stolzen Stadt Athene's, nein, bleibt hier und stirbt. Der Greis. Du wende denn in deiner Wirthe Haus den Schritt; Ich will vollenden, was du mir geboten hast. (Kreusa geht.) Auf, alter Fuß, ein Jungling werde durch die That, Auch wenn es dir das Alter nicht vergonnen will! Vereint der Herrin, schreit heran auf ihren Feind, Hilf ihn vom Hause treiben, hilf ihn morden ihr! Auf Frömmigkeit zu halten, ziemt dem Glucklichen; Doch, will ein Mann den Widersachern wehethun, Dann, Alles aufzubieten, wehrt ihm kein Gesez. Erste Strophe. (er geht.) Der Chor. Göttin, am Dreiweg waltend, o Kind Demeter's, Die du den Pfaden der Nacht gebietest Und den Pfaden des Tag's, o lenke die Fülle der todbringenden Becher zum Ziele, wohin sie meine Hohe Gebieterin sendet, - des Bluts Tropfen vom Nacken der erdgebornen Gorgo, - Zu dem, der kühn nach dem Thron Der Erechthiden begehrt! Daß doch ein andrer Sproß andern Stamms Nimmer die Stadt beherrsche, Als ein Sohn aus Erechtheus' edlem Blut! Erste Gegenstrophe. Aber misgluckte der Mord, mislang der Herrin Streben, entschwand ihr die Zeit der Nache, Floh die Hoffnung, worauf sie baute: so stoßt sie das Schwert Sich in die Brust, sie schlingt um den Hals die Schlinge: Schmerzen durch Schmerzen endigend, steigt Sie zu Gestalten hinab, die dem Leben fremd sind. Denn nie vermochte sie's ja, Mit der Augen leuchtendem Glanz Lebend zu sehen, daß Andre, daß Fremdling' im Haus gebåten, Sie, die Tochter aus edler Ahnherrn Blut! Zweite Strophe. Ihn mußt' ich scheun, welchen das Lied feiert, den Gott,[OCR note; compare the printed page.] Der Gott ist der in den eleusinischen Geheimnissen mit Demeter und Persephone gemeinschaftlich verehrte Bacchos. Compare printed p. 134 Wenn an den Bornen der schönen Reigen[OCR note; compare the printed page.] Bei dem Brunnen der schönen Reigen (φρέαρ καλέμενον Καλλίχορον) wurden von den Frauen Reigen aufgeführt und Lieder zu Ehren des Bacchos gesungen. Compare printed p. 134 Den Fackelglanz in hehrer Nacht[OCR note; compare the printed page.] Die Festfeier beging man Nachts unter Fackelschein. Fremdlinge waren davon ausgeschlossen. Compare printed p. 134 Der Fremdling wach mitschauen durfte,[OCR note; compare the printed page.] Der Fremdling ist Ion nach der Meinung des Chors. Compare printed p. 134 Wo Reigen des Zeus gestirnter Aether tanzt, Selene Froh zu Reigen sich gürtet Und die fünfzig Tochter des Nereus Und die Nymphen im Meere Und im endloswogenden Strudel Der Strome, verherrlichend dich, Jungfrau, strahlend in goldnem Kranz,[OCR note; compare the printed page.] Die Jungfrau, Persephone. Compare printed p. 134 Und die heilige Mutter:[OCR note; compare the printed page.] Die heilige Mutter, Demeter. η 1079. Ε. δείκνυσι γὰρ ὅδε Διὸς ὁὐκ παίδων. Compare printed p. 134 Hier hofft er den Thron zu gewinnen, Eindringend in fremdes Erbe, Phobos' flüchtiger Diener. Zweite Gegenstrophe. Nun sehet, ihr, die, den Gesang schåndend, in wild Låsternden Liedern von unsrer Treue, Von unerlaubter heimlicher, Ruchloser Frauenliebe singen: Viel heiliger sind wir, treuer, Als die falschen Männer. Widerrufend ertone Ein Schmachlied über gebrochne Treue, strafend die Männer! Denn undankbare Gesinnung Zeigt hier der Enkel des Zeus: Nicht gemeinsamer Kinder Glück Erzielt er im Hause Mit der Herrin; anderer Buhlschaft Zuwendend der Liebe Freuden, Zeugt der Falsche den Bastard. Ein Diener. Der Chor. Der Diener. Ihr lieben Frau'n, wo treff' ich unsre Königin,[OCR note; compare the printed page.] L. φίλαι γυναῖκες. Compare printed p. 134 Erechthens Tochter? Ueberall die ganze Stadt Durchirrend sucht' ich ihre Spur und fand sie nicht. Der Chor. Was gibt es, mein Genosse? Welcher Eifer hat Die Füße dir beflügelt? Was verkundest du? Der Diener. Man spåht nach uns; des Landes Oberhaupter sind Ihr auf den Fersen, drohen Tod durch Steinigung. Der Chor. Was sagst du? Weh mir! Also hat man's wohl entdeckt, Daß wir dem Jungling heimlich Mord bereiteten? Der Diener. Gewiß; und nicht am lezten trifft die Strafe dich.[OCR note; compare the printed page.] L. μεθέξεις δ᾽ ἐκ ἐν ὑςάτοις κακῶ. Compare printed p. 134 Der Chor. Wie kam zu Tage, was geheim gesponnen ward? Der Diener. Wohl fand das Unrecht schwacher als. das Recht der Gott, Und nicht entweihen will er sich durch solche That. Der Chor. Wie ging es? Knieend flehen wir: verkund' es uns! Denn wenn wir's wissen, wird der Tod uns süßer sein, Sei's daß wir sterben oder schau'n der Sonne Licht. Der Diener. Nachdem Kreusa's Gatte sich von Phobos' Haus Entfernt und seinen neuen Sohn zum Mahl geführt, Zum Opfer, das er Göttern froh bereitete: Ging Xuthos dahin, wo der bacchische Feuerglanz. Des Gottes zuckt, um Dionysos' Doppelfels[OCR note; compare the printed page.] Dionysos' Doppelfels, die zwei dem Dionysos (Bacchos) und Apollon heiligen Gipfel des Parnassos. Compare printed p. 134 Mit Blut zu nezen, weil er wiedersand den Sohn, Und sprach zu diesem: „Bleibe du und laß ein Belt Erhöh'n, ein großes, durch die Kunst der Zimmerer. Ich opfre nun den Zeugungsgåttern; såum' ich dir[OCR note; compare the printed page.] Die Zeugungsgötter', die Götter der Geburt, Zeus, Here, und wohl auch Bacchos, dem wenigstens an Geburtsfesten immer Opfer gebracht wurden. Compare printed p. 134 zu lang, den Freunden werde doch das Mahl bestellt!" Er nimmt die Kinder und enteilt; der Jungling låßt Des Zeltes Umkreis ohne Wand in edlem Maß Auf Pfeilern hoch aufrichten, doch der Sonnenglut[OCR note; compare the printed page.] L. φλόγας, das abhängig ist von φυλάξας Β. 1114. Im lezteren Verse sind die Worte ὔτε πρὸς μέσας βολὰς βίον (V. 1115) zu verbinden mit ἱδρύετο Β. 1113. B. 1115 ist für ἀκτῖνας zu lesen ἀκτῖνος, das zu βολάς gehört. V. 1116 seze nach πλέθρο ein Komma, und verbinde es mit μέτρημ' ἐχέσας (so lese man für ἔχεσαν) V. 1117, welches auf περιβολάς Β. 1112 sich bezieht. V. 1117 lese man noch τἐν μέσῳ τε. Compare printed p. 134 Vorsichtig wehrend, so des Mittags heißem Strahl, Wie jenem, wo der Sonne sinkend Leben flieht. Er maß ein Viereck winkelrecht, von hundert Fuß Auf allen Seiten, und der Mittelraum umschloß, Wie Kenner sagen, im Geviert zehntausend Fuß, Weil Jon alles Delphervolk zum Mahle lud. Dann nimmt er heil'ge Weberei'n aus Phobos' Schaz,[OCR note; compare the printed page.] Aus Phöbos' Schaz im Tempel zu Delphi. Compare printed p. 134 Und überdeckt (o wunderbare Schau!) das Zelt. Erst auf die Decke breitet er den Flügel aus Des Teppichs, eine Gabe, die Herakles einst, Zeus' Sohn, vom Amazonenraub dem Gott geweiht. Darauf mit Farben eingewebt war dieses Bild: Uranos, die Sterne sammelnd aus des Aethers Kreis. Zur lezten Bahn trieb sein Gespann der Sonnengott, Und zog des Abendsternes lichten Glanz sich nach. Die Nacht in schwarzem Schleier schwang ihr Zweigespann An leichtem Bande: hinter ihr der Sterne Chor;[OCR note; compare the printed page.] Die Nacht fährt mit einem Doppelgespann, das keine Zugseile hat und nur durch ein leichtes Band mit der Deichsel verbunden ist. Compare printed p. 135 Die Pleias wallte mitten durch den Aether hin,[OCR note; compare the printed page.] Die Pleias, das Siebengestirn: die Einzahl statt der Mehrzahl. Compare printed p. 135 Und, schwertgegürtet, Orion, und über ihm[OCR note; compare the printed page.] Orion hier mit kurzer Mittelsylbe, wie in der Urschrift. Der Orion wird mit einem gezückten Schwerte abgebildet. Compare printed p. 135 Die Bårin, die den goldnen Schweif zum Pole kehrt.[OCR note; compare the printed page.] Ε. χρυσήρη γκ ἐρατα bezüglich. Compare printed p. 135 Selene's volle Scheibe schwang sich hoch empor, Die Monde theilend, auch die Hyas, Schiffenden Der Stürme sichres Zeichen, dann die leuchtende Eos, die Sterne scheuchend. An den Wänden hing Er andre Webereien auf: barbarische Meerschiffe, wohlberudert, mit hellenischen Im Kampfe, Iåger hoch zu Roß, halbthierische Kentauren, ungezähmter Leu'n und Hirsche Fang. Zulezt am Eingang windet sich, den Töchtern nah, Kekrops in Schlangenkreisen, eines Attikers[OCR note; compare the printed page.] Kekrops war auf dem Bilde mit Schlangenringeln dargestellt denn er war halb Mensch, halb Schlange (συμφυὲς εἶχε σῶμα ἀνδρὸς καὶ δράκοντος, wie Apollodor sagt 3, 13). Compare printed p. 135 Geschenk. In Saales Mitte ließ er goldene Mischkrüge stellen. Nun erhob sich auf den Zeh'n Und lud ein Herold alles Volk der Delpher ein, Zum Mahl zu kommen. Wie der Saal sich angefullt: Da, schmucke Kranz' im Haare, labten sie das Herz Un reicher Tafel. Als die Lust gesättigt war, Da tritt der Alte mitten auf des Zeltes Plan, Und regt im Kreis der Gåste viel Gelächter auf Durch sein geschäftig Wesen; denn Handwasser gießt Er aus den Urnen und entflammt der Myrrhe Schweiß, Den Saal durchrauchernd, und besorgt der Schenken Amt Bei goldnen Bechern, das er selbst sich ausgelegt. Drauf als die Flåten klangen und der Rundpokal[OCR note; compare the printed page.] Als die Flöten klangen, am Ende des Gastmahles. Compare printed p. 135 Umging, begann der Alte: „schaffet ungesäumt Hinweg die kleinen Becher und die großen bringt: So zieht die Freude rascher ein in jede Brust!" Da mühten sich die Knechte, brachten silberne Und goldne Becher, und den schönsten nimmt der Greis, Damit er wohlgefällig sei dem neuen Herrn, Und reicht den vollen Weinpokal, in welchen er Schnellwirkend Gift geworfen, das, den neuen Sohn Damit zu todten, sagt man, ihm die Herrin gab. Das wußte Niemand. Als der neugefundne Sohn Trankopfer spenden wollte mit den Anderen: Da scholl aus eines Dieners Mund ein arges Wort. Er, der bei wackern Sehern groß im Tempel ward, Nahm dies als Ungluckzeichen, ließ den Becher sich Mit neuem Weine fullen, und den ersten Trunk Der Erde weihend, heißt er all' ein Gleiches thun.[OCR note; compare the printed page.] Bei dem Trankopfer ward der Wein, bevor man selbst trank, auf den Tisch oder in die Flamme des Altares gesprengt. Wenn Ion die Spende der Erde weiht, d. h. sie auf die Erde gießt, so deutet er damit an, daß er sie ungültig machen wolle. Compare printed p. 135 Nun herrschte Schweigen, und mit Wasser füllten wir - Geweihte Becher und mit Trank von Biblos' Höhn.[OCR note; compare the printed page.] Die Becher heißen geweiht wegen der Spenden, die sie enthal ten. Biblos, eine Stadt in Thracien, war durch ihren Wein berühmt. Compare printed p. 135 Indeß wir solches thaten, flog ein Taubenschwarm Zum Belt heran: denn ungefährdet wohnen sie Am Haus Apollons. Als sie nun den Wein gesprengt: Da tauchten jene voller Gier die Schnabel ein,[OCR note; compare the printed page.] 2. εἰς αὐτό. Compare printed p. 135 Und schlurften ihn den federreichen Hals hinab. Nicht schlecht bekam den andern dieser Gottestrank;[OCR note; compare the printed page.] Der Gottestrank, der zu Ehren des Gottes bei der Spende ausgegossene Wein. Compare printed p. 135 Nur Eine, die am Size, wo der neue Sohn Gesprengt, vom Tranke nippte, schittelt sich sofort Am Flugelleibe, ſchwirrt umher wie toll, und achzt Und stöhnt in dumpfen Lauten; voll Entsezen sieht Der Eingeladnen ganze Schaar des Vogels Qual. Er zappelt fort, senkt schlaff die Purpurfuße dann, Und stirbt. Der gottgeschenkte Sohn streckt über Tisch Den bloßen Arm aus seinem Oberkleide vor, Lautrufend: „Wer auf Erden wollte meinen Tod? Sprich, Alter: du ja thatest so geschäftig hier, Und deine Hand hat diesen Becher mir gereicht!" Schnell faßt er seinen greisen Arm und forscht ihn aus, Ihn darzustellen als ertappt auf solcher That. Und überführt, bekennt er nothgedrungen kaum Kreusens Unthat und des Tranks Geheimnisse. Da stürmt der Jungling, den Apollons Spruch enthullt, Mit seinen Tischgenossen unverweilt hinaus, Und tritt vor Pytho's Häupter hin, und spricht das Wort: „O Erde, heil'ge, sterben sollten wir durch Gift,[OCR note; compare the printed page.] Ε. φαρμάκοις ἐθνήσκομεν. Compare printed p. 135 Das uns Erechtheus' Tochter bot, ein fremdes Weib!" Die Fürsten Delphi's sezten dann einhellig fest, Daß meine Herrin sterben soll vom Fels gestürzt, Weil sie den Heil'gen todten, Mord in Phobos' Haus Verüben wollte. Nach der Unheilvollen, die Den Todespfad hereilte, spåht die ganze Stadt. Sie, die zu Phobos' Hause kam, nach einem Sohn Verlangend, büßt ihr Leben sammt der Hoffnung ein.[OCR note; compare the printed page.] samt der Hoffnung, den Sohn zu finden. Compare printed p. 135 Der Chor. Keine Schuzwehr wider den Tod Blieb mir, keine mir Armen! Nun kam Alles zu Tage, nun, Durch todbringenden Trank bacchischer Trauben, dem[OCR note; compare the printed page.] Durch den Trank, welcher der Taube den Tod brachte. Compare printed p. 135 Sich die Tropfen vermählt, gråßlicher Schlange Gift! Ja, dies Opfer der Höllen ist, Meinem Leben ein Leid, enthult: Tod der Steinigung bringt es meiner Herrin! Welche beschwingte Flucht entführt Mich in der Erde düstersten Schooß, Daß ich fliehe das schmachvolle Geschick, Das mich bedroht? Soll ich dem schnellsten Huse des Vierspanns oder des Schiff's Eilendem Kiel mich vertrauen? Wie verbergen wir uns, wenn ein gnådiger Gott Nicht selbst uns entrafft? Was wartet auf dich Herzkrankendes noch, Ungluckliche Herrin? Sollen nicht wir, Die den Andern ein Leid zu bereiten gedacht, Nun selbst es erdulden, wie's recht ist? Kreusa stürzt herbei. Der Chor. Kreusa. Dienerinnen, mich verfolgt man, blut'gem Tode mich zu weihn: Delphi's Ausspruch hat gerichtet, gibt mich grausem Morde Der Chor. preis! Alles Leid, das dich umfangen, kenn' ich, Ungluckselige! Kreusa. Doch wohin fliehn? Kaum entzog ich aus dem Hause meinen Fuß Vor dem Tode, floh verstohlen vor der Feinde Wuth hieher. Der Chor. Und wohin sonst, als zum Altar? Kreusa. Aber was frommt dieser mir? Der Chor. Fleh'nde darf man nicht ermorden. Kreusa. Das Gesek gibt mir den Tod. Der Chor. Wenn ihr Arm dich greift. Kreusa. Und eben stürzen sie, bewehrt mit Stahl, Hier heran, die grimmen Feinde. Der Chor. Seze dich zum heil'gen Herd! Trifft dich Tod auch hier, so legst du denen, die dich mordeten, Blut'ge Schuld mit schwerer Sühn' auf: tragen mußt du dein Geschick! Ion eilt mit Bewaffneten herbei, Kreusa, Der Chor. Jon. O Stiergestalt des Kephissos, dem dies Weib entsproß, Welch eine Natter zeugtest du, welch Drachenbild,[OCR note; compare the printed page.] beziehen sich auf Abenteuer des Herakles. Compare printed p. 135 Das aus den Augen Mordesflammen språht, in ihr, Die, keinen Frevel scheuend, selbst der Gorgo nicht Nachsteht, mit deren Gifte sie mich morden will! Ergreift sie, daß ihr ungeschornes Lockenhaar Parnassos' Fels zerrause, wann in jåhem Sturz Sie dort die Klipp' hinabgeschleudert werden wird! Wohl schirmten gute Götter mich, bevor zur Stadt Athen ich kam, in solcher Mutter Hånde fiel. Denn hier an deinen Helfern konnt' ich deinen Sinn Ermessen, welch ein feindlich Unheil du mir warst. In deinem Hause håttest du mich flugs umfaßt, Und ohne Säumen fortgesandt in Hades' Haus. Doch nicht Apollons Opferherd noch Tempel foll Dich retten. Mitleid hoffst du? Mir gebührt es mehr Und meiner Mutter; ob ihr Leib auch ferne sei, Doch immer gegenwärtig ist ihr Name mir. O seht die Schnode, welchen Trug aus Truge sie Geflochten! Scheu zu Phobos' Altar flüchtet sie, Als müßte sie nicht bußen, was sie frevelte. Kreusa. Mich hier zu todten wehr' ich dir in meinem und Des Gottes Namen, dessen Herd wir zugeflohn. Jon. Was hast du, Weib, mit Phobos, er mit dir gemein? Kreusa. Dem Gotte weih' ich meinen Leib zum Eigenthum. Jon. Und wolltest ihn vergiften, der des Gottes ist? Kreusa. Nicht mehr Apollons, deines Vaters warst du ja. Jon. Sein war ich, weil ich seinen Vatersinn erprobt. Kreusa. So warst du's damals; jezt bin ich's und du nicht mehr. Jon. Du warest schuldvoll, mich befleckte keine Schuld. Kreusa. Ich wollte dich nur todten, meines Hauses Feind.[OCR note; compare the printed page.] L. ἐκτεινά ο᾽ ὄντα. Compare printed p. 135 Jon. Doch nicht mit Waffen drang ich ein in dein Gebiet. Kreusa, Noch mehr, den Flammen gabst du preis Erechthens Haus. Jon. Mit welchen Fackeln oder welcher Feuersglut? Kreusa. Gewaltsam nehmen wolltest du das Meine mir. Jon. Nein, nur das Land des Vaters, mein ererbtes Gut. Kreusa, Wie hatten Veols Söhne Theil an Pallas' Stadt? Jon. Mit Waffen, nicht mit Worten, hat er sie geschirmt. Kreusa. Ein Helfer ist ja nimmermehr des Landes Herr. Jon. Furcht vor der Zukunft also trieb zum Morde dich? Kreusa. Um nicht zu sterben, fiele dir das Meine zu.[OCR note; compare the printed page.] 2. εἰ σύ μοι μέλλων τύχοις. 34 μέλλων ergänze aus V. 1273 οἰκεῖν τὰ ἐμά. Compare printed p. 135 Jon. Du grollst, die Kinderlose, daß mich Xuthos fand. Kreusa. Du willst den Kinderlosen denn ihr Gut entziehn? Jon. Kein Theil an meines Vaters Gut gebührte mir? Kreusa. An Schild und Speer nur; dieses ist dein ganzer Schak. Jon. Verlaß den Altar und den gottgeweihten Siz! Kreusa. Gebiete deiner Mutter, wo sie vor dir steht! Jon. Du solltest mir nicht büßen, meine Mörderin? Kreusa. Nur wenn du mich in diesem Tempel morden willst. Jon. Wie? Sturb'st_du freudig auf des Gottes Kranzen hin?[OCR note; compare the printed page.] Die Altäre waren mit Kränzen geschmückt. Compare printed p. 135 Kreusa. Ich krånke derer Einen, die mich erst gekränkt. Jon. Schlimm, daß ein Gott den Menschen nicht, wie's billig ist, Und nicht in weisheitvollem Sinn Geseze gab! Denn nicht am Altar sizen sollt' ein Bosewicht, Nein, fortgewiesen werden; eine Frevlerhand Darf Götter nicht berühren! Nur der Fromme, der Unrecht erfahren, sollte flieh'n in's Heiligthum, Und nicht der Bose, wie der Gute, gleiches Recht An gleicher Ståtte nehmen aus der Götter Hand. Pythia tritt aus dem Tempel. Ion. Kreusa. Der Chor. Pythia. Halt ein, o Sohn! Den gottbetrauten Seherstuhl Verlassend, überschreit' ich diese Schranken hier, Apolls Prophetin, die des Stuhles alten Brauch Zu wahren, ausersehen ward aus Delphi's Frau'n. Jon. Heil, Theure! Mutter, wenn du mich auch nicht gebarst! Pythia. So mag ich heißen: mir gefällt der Name wohl. Jon. Vernahmst du, wie mir diese Tod bereitete? Pythia. Gewiß; indeß auch deine Rache geht zu weit. Jon. Ich dürfte den nicht todten, der mich todten will?, Pythia. Stets sind die Frau'n den Kindern erster Ehe gram. Jon. Stiefmuttern wir auch, thaten sie uns Böses an. Pythia. Nicht also! Nun vom Tempel du nach Hause ziehst - Jon. Was soll ich da beginnen, was gebeutst du mir? Pythia. Komm rein zur Stadt mit guten Vorbedeutungen.[OCR note; compare the printed page.] Rein, ohne Blutschuld. Compare printed p. 135 Jon. Rein ist ja Jeder, dessen Hand den Feind erschlug. Pythia. Thu's nicht, und höre, was ich weiter sagen will. Jon. Sprich! Wohlgemeint ist Alles, was du reden magst. Pythia. Du siehest dieses Körbchen hier in meinem Arm? Jon. Ein altes, das mit Båndern rings umwunden ist. Pythia. Ich fand in ihm als neugebornes Kind dich einst. Jon. Wie sagst du? Diese Kunde klingt mir wunderſam. Pythia. Verschwiegen hab' ich's immer; nun enthull' ich es. Jon. Warum verbargst du's, da du schon so lang mich fandst? Pythia. Zu seinem Diener wollte dich Apollon hier. Jon. Und jezo nicht mehr? Doch woraus erkenn' ich das? Pythia. Den Vater zeigend, läßt er dich von hinnen ziehn. Jon. Bewahrtest du's freiwillig oder auf Befehl? Pythia. Mein Gott Apollon prägte tief in's Herz mir ein Jon. Und was zu thun? Vollende deine Reden, Frau! Pythia. Bewahren müss' ich solchen Fund bis diesen Tag. Jon. Und welchen Vortheil, welchen Nachtheil bringt er mir? Pythia. Hier sind die Windeln eingehullt, worin du lagst. Jon. Du nennst mir Zeichen, auszuspahn der Mutter Spur. Pythia. Weil's nun die Gottheit also fügt und früher nicht. Jon. Heil diesem Tag, der sel'ge Wunder mir enthullt! Pythia. So nimm es denn, spåh' eifrig deiner Mutter nach, Und durch Europa wandre rings und Asia, Und forsche selber. Ich erzog dich, liebes Kind, Dem Gott zulieb und übergebe nun an dich, Was Phobos wollte, daß ich's ungeheißen fand Und wahrte. Seines Wollens Grund errath' ich nicht. Indessen war es auf der Welt Niemanden kund, Daß wir es hatten, oder wo's verborgen war. Nun lebe wohl! Gleich einer Mutter lieb' ich dich. Beginne sie zu suchen, wo du suchen mußt: Erst forsche nach, ob eine Jungfrau Delphens dich Geboren und an diesem Tempel ausgesezt, Dann, ob ein Weib in Hellas. Alles weißt du jezt Von uns und Phobos, der das Schicksal so gelenkt. (Sie zieht sich in den Tempel zurück.) Jon. Ach! Heiß aus meinen Augen stromt die Zahre mir, Gedenk' ich dessen, wie die Mutter mich, die Frucht Verborgner Liebe, heimlich ausgesezt, verkauft, Und nicht die Brust mir reichte, daß ich namenlos Ein dienstbar Leben führte hier im Gotteshaus! Des Gottes Nath ist heilsam, nur das Schicksal spielt Grausam mit uns; denn während ich im Mutterarm Mich wiegend schwelgen sollte, mich des Lebens freun, War mir der Mutter süße Lieb' und Pflege fern. Unglucklich auch die Mutter, daß sie gleiches Leid Erlitt: des Sohnes durfte sie sich nicht erfreun! Plun nehm' ich dieses Körbchen, will's dem Gotte weihn, Um nie zu finden, was ich nicht gern finden mag. Denn bin ich einer Sclavin Sohn: viel besser dann, Die Mutter schweigend lassen, als sie wiedersehn! O Phobos, deinem Tempel will ich dieses weihn. Doch was beginn' ich? Kampf' ich nicht des Gottes Huld Entgegen, der die Mutterspuren mir bewahrt? Geoffnet muß es werden: sei's muthvoll gewagt! Denn meinem Schicksal mag ich doch niemals entfliehn.[OCR note; compare the printed page.] L. ὑπερβαίην ποτ' ἄν. Compare printed p. 135 Ihr heil'gen Kranze, was verbergt ihr euch vor mir, Ihr Bånder, die bewahrten, was mein Liebstes ist? Sich da den Umkreis dieses schongeflochtnen Korbs: Ein Götterschicksal, daß er nicht gealtert ist! Kein Kost bedeckt die Flechten, da doch lange Zeit Entschwunden, seit das Körbchen diesen Schaz bewahrt! Kreusa. Welch unverhofft Gebilde tritt vor meinen Blick? Jon. Du schweige! Långst schon wußtest du so Vieles mir.[OCR note; compare the printed page.] L. σίγα σύ· πολλά etc. Compare printed p. 135 Kreusa. Nicht länger darf ich schweigen: mahne du mich nicht! Ich sehe ja das Körbchen, Sohn, in welchem ich Dich, einen zarten Säugling noch, einst ausgesezt In Kekrops' Höhle, Makrd's felsbedeckter Kluft. Ich eile vom Altare, mußt' ich sterben auch. (zu den Dienern) Jon. (Sie springt herab.) Ergreift sie! Rasend, wie von Gotterwuth, entsprang Sie dort des Altars Bildern: auf, und fesselt sie! Kreusa. Ihr mögt mich endlich morden; denn dies Körbchen, dich, Und was es einschließt, halt' ich fest und lass es nie![OCR note; compare the printed page.] Ε. τῶν τ' ἔσω κεκρυμμένων. Compare printed p. 135 Jon. Welch Unerhörtes? Auch zu greifen droht sie mich! Kreusa. Nicht also! Nur den Lieben fand die Liebende. Jon. Ich, den du heimlich morden willst, dein Lieber ich? Kreusa. Mein Sohn! Der Mutter ist ja dies ihr liebstes Gut. Jon. Laß ab mit Rånkespinnen! Leicht entlary' ich dich. Kreusa. Danach verlangt mich eben, dahin ziel' ich, Sohn. Ion. Ist dieser Korb leer, oder birgt er irgendwas? Kreusa. Er birgt die Windeln, drin ich einst dich ausgesezt. Jon. Und kannst du sie benennen, eh du sie gesehn? Kreusa. Ich will den Tod erdulden, wenn ich's nicht vermag. Jon. Sprich! Staunen weckt mir deine Zuversicht, o Frau. Kreusa. Seht dies Gewebe, das ich einst als Mädchen wob. Jon. Was ist es? Denn Jungfrauen weben Mancherlei. Kreusa. Noch unvollkommen, nur ein rohes Probestück. Jon. Du könntest mich hier tauschen: sprich, was stellt es vor? Kreusa. Im Mittel seiner Fåden prangt der Gorgo Bild. Jon. Zeus! Welch ein Schicksal jagt verfolgend uns umher? Kreusa. Umsäumt mit Schlangen, wie man wohl die Aegis malt. Sieh da!, Jon. Geweb' und Bånder, wie ich's fand, so nimm es hier! Kreusa, Du meines Webstuhls Jugendwerk aus alter Zeit! Jon. Ist mehr darin noch? Oder trafst du dieses nur? Kreusa. Zwei alte Drachen mit Gebiß von lautrem Gold.[OCR note; compare the printed page.] Ε. δράκοντες (ἀρχαῖόν τι) πάγχρυσοι γένυν. Compare printed p. 135 Jon. Pallas' Geschenk, womit sie Kinder schmücken heißt? Kreusa. Dem Brauch gemåß des alten Erichthonios. Jon. Was soll er, wozu (sage) dient der goldne Schmuck? Kreusa. Den Hals der Neugebornen soll er zieren, Kind. Jon. Hier sind sie; wissen mocht' ich nun das Dritte noch.[OCR note; compare the printed page.] Hier sind sie, die Drachen V. 1405. Compare printed p. 135 Kreusa. -Mit einem Kranz vom ersten Delbaum schmuckt' ich dich, Den Pallas ihrem Felsen einst entsprießen ließ. Der, ist er hier noch, låsset nie sein frisches Laub, Und grunt als Schoßling eines Baums, der nie verwelkt.[OCR note; compare the printed page.] Gewisse Pflanzen, sagt Theophrast (Pflanzengeschichte 4, 14.), sowohl wilde als andere, sollen sehr lange dauern, wie auch die Mythologen erzählen, z. B. von dem Delbaume zu Athen. Compare printed p. 135 Jon. O Mutter, freudig schau' ich dich, Geliebteste, Und sink' an deine Wange dir, der Freudigen. Kreusa. Sohn, Licht, der Mutter holder als der Sonne Licht, (Der Gott vergibt mir's!) in den Armen halt' ich dich,[OCR note; compare the printed page.] Der Gott der Sonne, Helios. Compare printed p. 136 Den unverhofft Gesundenen, den ich im Haus Persephone's wähnt', in der Erd' Abgrund, bei den Schatten! Jon. Ia wohl, du liebe traute Mutter, traum' ich mir Bald todt in deinen Armen, bald nichttodt zu sein. Kreusa. O du weithin frei wallendes Himmelslicht! Ha, welch hellen Laut ton' ich, jubl' ich? Woher ward mir die nimmergehoffte Seligkeit, woher mir diese Lust? Jon. Ich hatte mir doch Alles eher möglich noch Gedacht als dieses, daß ich dein, o Mutter, sei. Kreusa. Von Furcht beb' ich noch Jon. Als ob du mich nicht hattest? Kreusa. Denn die Hoffnungen Schwanden mir långst dahin! (zur Pythia hineinrufend) Woher, Frau, woher nahmest du meinen Sohn, Nahmst ihn in deinen Arm?[OCR note; compare the printed page.] Σ. πόθεν ἔλαβες ἐμὸν βρέφος ἐπ᾿ ἀγκάλας; Compare printed p. 136 Durch welch eine Hand kam er in Phobos' Haus? Jon. Durch Götterfügung! Mågen wir fortan im Glück Uns freun des Lebens, wie's zuvor unglucklich war! Kreusa. Kind, nicht thrånenlos wurdest du geboren, Mit Jammern deiner Mutter Arm entrissen! Doch jezt athm' ich, Sohn, wieder an deinem Mund, Athme die Seligkeit unnennbarer Lust! Jon. Mein Glück verkundend, preisest du dein Loos zugleich. Kreusa. Nun bin ich nicht mehr ohne Sohn und Erben: Auf festem Grunde ruht das Haus, das Land hat seinen Herrscher. Verjungt ist Erechtheus, Und das Erdengeschlecht sieht nimmer hinfort Nacht und Tod; nein, empor blickt es zu der Sonne Glanz. Jon. O Mutter, auch mein Vater soll zugegen sein[OCR note; compare the printed page.] Mein Vater, Xuthos. Compare printed p. 136 Und dies Entzücken theilen, das ich euch erschuf. Kreusa. Was, Kind, sagst du da? -1450 Wessen, wessen bin ich überführt! Jon. Wie meinst du das? Kreusa. Du bist aus anderm, anderm Stamm. Jon. Weh! Wohl bin ich verbotner Liebe Frucht von dir? Kreusa. Nicht von der Fackeln Licht oder von Reigentanz[OCR note; compare the printed page.] In Griechenland wurde die Braut Abends unter Fackelschein, mit Gesang und Reigen, dem Bräutigam zugeführt. Compare printed p. 136 Wurde der Bund geweiht, der dir das Leben gab. Jon. Ach, ach! Woher, o Mutter, stamm' ich Niedriger? Kreusa. Gorgo's Mörderin zeuge mir[OCR note; compare the printed page.] Gorgo's Mörderin, Pallas Athene. Compare printed p. 136 Jon. Was willst du sagen? Kreusa. Die an dem heimischen Fels Auf olivenumkränzten Höh'n waltet, - Jon. Mir råthselhaft und dunkel, was du sagst.[OCR note; compare the printed page.] L. λέγεις ἄδηλα κὲ σαφῆ τάδε. Compare printed p. 136 Daß Leto's Sohn am Nachtigallfels - Was soll's mit Phobos? Kreusa. Mich zu der heimlichen Liebe bethört. Jon. Sprich: denn du sagst mir Gutes, Heilverkündendes. Kreusa. Ich gebar in dem zehnten Mondskreise Dem Apollon dich in verheimlichter Qual. Jon. O süße, holde Kunde, wenn du Wahres sprichst! Kreusa. Den Jungfrauenschleier von der Mutter Hand Hült' ich dir um, meiner irrenden Spule Werk. Ich reichte nicht die Milch und nicht die Brust dir, Der Mutter Nahrung, noch ein Bad mit Hånden: In verlassener oder Felsgrotte, Der Raubvögel blutig Mahl, wardst du hinaus Geworfen in Todesnacht. Jon. O Mutter, Grauses thatest du! Kreusa. Von Furcht Umstrickt, gab ich dein Leben, o Sohn, dahin und ließ Ungern dich sterben. Jon. Und ich wollte dich Frevlerisch ermorden! Kreusa. Weh, weh! Grauenvoll war damals mein Loos,[OCR note; compare the printed page.] L. ἰ, ἰώ· δειναὶ μὲν αἱ τότε τύχαι, δείλαια δὲ καὶ τάδ'· ἑλισσόμεσθ' ἐκεῖθεν. Compare printed p. 136 Und fürchterlich nun auch! Verstürmt von Glück zum Ungluck, Wanken wir irrend umher, und Wiederum lächelt das Gluck: (Denn wechselnd ist der Lüfte Hauch ;) Treu bleib' es! Wir litten zuvor ja genug;[OCR note; compare the printed page.] μενέτω bezieht sich allerdings auf πνεύματα V. 1483. Aber diese πνεύματα ſind τὰ νῦν ὄντα πνεύματα, die jezt wehenden Lüfte. Diese d. h. das Gluck, meint Kreusa, sollen treu bleiben, solen beständig sein. In der Uebersezung sind die Worte: „treu bleibe es!" auf das Glück V. 1482 zu beziehen. Compare printed p. 136 Nun weht uns gunstiger Wind nach Leiden, o Sohn! Der Chor. Es moge keinem kein Geschick auf Erden je Unglaublich dünken, wenn er sieht, was hier geschah! Jon. O die du tausend Menschen schon umwandeltest, Ihr Loos in Ungluck, wieder dann in Glück verkehrst, O Tyche, wie hat unsers Lebens Wage doch[OCR note; compare the printed page.] Tyche, die Göttin des Schicksals. Compare printed p. 136 Zu Muttermord und eignem schnodem Tod geschwankt! Weh! So kann man dies denn alles sehn an Einem Tag, So lang der Sonne strahlend Licht am Himmel flammt! Ich fand, o Mutter, einen theuern Fund in dir, Fand mein Geschlecht in jeder Weise tadellos. Das Andre will ich alles dir allein vertraun. Tritt nåher: flüustern will ich dir mein Wort in's Ohr, Und was geschehn ist, hull' ich ein in Dunkelheit. (leise :) Bedenke, Mutter, fehltest du, wie manchesmal Jungfrau'n in unerlaubter Liebe sich vergehn, Daß du die Schuld nicht wälzest auf des Gottes Haupt, Und nicht, indem du meine Schmach zu wehren suchst, Mich Phobos' Sohn nennst, wenn er nicht mein Vater ist! Kreusa. Nein, bei der Siegerin Pallas, die zu Wagen einst,[OCR note; compare the printed page.] Die Siegerin, (eigentlich der Sieg, Nike,) ein Beiname der Pallas. Compare printed p. 136 Dem Zeus zur Seite, wider Erdgeborne stritt:[OCR note; compare the printed page.] Die Erdgebornen, die Giganten. Compare printed p. 136 Mein Sohn, zum Vater hast du keinen Sterblichen, Nein, ihn, den König Phobos, der dich auferzog. Jon. Wie gab er aber seinen Sohn an Andre hin, Behauptet, Xuthos habe mich als Sohn gezeugt? Kreusa. Dies sagt der Gott nicht; nur verschenken will er dich, Den eignen Sprößling, wie der Freund wohl auch dem Freund Den eignen Sohn zum Erben seines Hauses gibt. Jon. Ob wahr der Gott ist, oder ob er. Falsches uns Verkündet, billig ångstet das, o Mutter, mich. Kreusa. Mein Sohn, vernimm denn, was mir jekt zu Sinne kommt. In eines edlen Hauses Hut, dir wohlzuthun, Versezt dich Phobos. Hießest du des Gottes Sohn, So würde nie des Hauses volles Erbe dir, Und nie des Vaters Name. Barg ich selber nicht Den Bund mit Phobos, sann geheim auf deinen Tod? Wohlmeinend gibt er einem andern Vater dich. Jon. Ich kann bei dieser Sache nicht so ruhig sein, Nein, frage hier in seinem Hause selbst den Gott, Ob eines Menschen oder ob sein Sohn ich sei. Ha! (Pallas Athene erscheint über dem Giebel des Tempels auf einem Wagen.) Was schwebt am weihrauchduftigen Tempel auf und zeigt Der Götter Antliz, welches hell wie Sonnen glänzt? O Mutter, laß uns fliehen, daß wir Himmlisches Nicht schauen, wenn's uns anzuschaun verboten ist! Athene. Fleuch nicht! Es ist ja keine Feindin, die du fliehst, Nein, hier, wie dort in Atthis, eure Gönnerin.[OCR note; compare the printed page.] Utthis, der alte Name von Attika. Compare printed p. 136 Den Namen tragend deiner Stadt, erschien ich hier, Pallas, von Phobos hergeeilt in raschem Lauf, Der selbst vor euer Auge sich zu treten scheut, Damit ihr ihn nicht tadelnd an Vergangnes mahnt, Und mich gesendet, um das Wort euch kundzuthun, Daß dieses Weib dem Vater Phobos dich gebar, Und er dich jenem schenkte, der dich nicht gezeugt, Nur daß ein hohes Fürstenhaus dein Erbe sei. Doch als die Sache völlig kund und offen war: Besorgt, du müssest sterben durch der Mutter List Und sie von deinen Hånden, schritt er rettend ein. Der Fürst Apollon wollte, dies verheimlichend, Erst in Athen enthullen, daß sie Deine sei Und du von ihr entsprossen und aus Phobos' Blut, Doch um die Sache, der zulieb' ich mein Gespann Anschirrt', und Phobos' Gotteswort zu enden, hort! Nimm diesen Jungling, kehre heim zum Land Athens, Kreusa, sez' ihn auf den Thron der Könige; Denn weil der Jungling aus Erechtheus' Blut entsproß, So herrscht er billig über mein geliebtes Land. Ganz Hellas wird ihn feiern; denn das Doppelpaar Der Söhne, das aus Einer Wurzel stammt, von ihm, Wird dieses Landes Stammen einst den Namen leih'n Und seinem Volke, welches wohnt um meinen Fels. Der erste Stamm ist Geleon's; an diesen reih'n[OCR note; compare the printed page.] Nach Herodotos (5, 66) bestand das athenische Volk ursprünglich aus vier Stämmen, die nach Ions vier Söhnen, Geleon, Negikoreus, Urgades und Hoples - Geleonten, Negikorer, Argaden und Hopleten hießen. Die Hopleten (ὅπλητες, ὁπλίται) waren Kriegsleute, die Urgaden Handwerker (ἐργάδεις, ἐργάται), die Negikorer (wohl von aus, Euripides leitet den Namen von der Aegis der Athene ab) Hirten. Die Berufsart der Geleonten ist ungewiß. Compare printed p. 136 Hopleten sich, Argaden, Vegikorer an, Genannt von meiner Aegis. Die von diesen dann Geboren werden, wohnen, wann die Zeit erschien, Dereinst in Inselstädten der Kykladen und An Meergestaden, und verleihen meinem Land Die Macht; sie werden auf den zwei Festlanden, die Sich gegenüberliegen, ihr Gefilde baun, In Asien und Europa, dann von dir, o Sohn, Sich Joner nennend, leben in des Ruhmes Glanz. Kreusa, dir und Xuthos werden Söhne noch Erbluhen: Doros; er verherrlicht einst den Staat Der Dorer: Pelops' Insel wählt der andre sich, Achaos, der bei Nhion auf dem Meeresstrand[OCR note; compare the printed page.] Uchaos entfloh wegen eines Mordes nach Lakonien, und ließ sich bei dem Vorgebirge Rhion nieder: daher in der Folgezeit dieser Strich Landes nach ihm Achaja hieß. Bothe. Compare printed p. 136 Als Herrscher waltet, und das Volk, nach ihm genannt, Wird hoch sich rühmen, daß es seinen Namen trågt. Schon hat Apollon Alles so vollendet: er Entband dich schmerzlos, und die Deinen wußten's nicht. Dann als du den geboren und in Windeln ihn Gelegt, befahl er Hermes, auf den Arm sofort Das Kind zu raffen und hieher zu tragen, wo Er seiner wartet und es nicht verschmachten ließ. Doch nun verschweige, daß du seine Mutter bist, Damit sich Xuthos freuen mag des süßen Wahns, Und du mit deinem Glucke froh heimziehst, o Frau ! ![OCR note; compare the printed page.] Für εἴης Ι. ἴης. Compare printed p. 136 Lebt wohl! Nachdem ihr euch erholt aus diesen Muh'n, Verheiß' ich euch ein hochbeglucktes Erdenloos. Ion. Tochter Zeus', des großen, Pallas! Voll Vertrau'n empfingen wir, Was du sagst, und gerne glaub' ich, daß Apollon mich gezeugt, Diese mich geboren, was ich schon zuvor für möglich hielt. Kreusa. Höre mich nun! Phobos lob' ich, den ich früher nicht gelobt, Weil er mir den Sohn zurückgab, dessen er vorher vergaß. Schon erscheinen mir die Pforten, schon des Gottes Sehersiz, Der mir sonst unhold erschienen. Freudig leg' ich nun die Hand In des Thores Ning, begrůße frohes Muths die Pforten Athene. hier. Liblich, daß du Phobos preisest, andres Sinns als ehedem: Langsam schreitet Götterrathschluß, doch zulezt machtvoll daher. Kreusa. Zieh'n wir nun, mein Sohn, nach Hause! Athene. Ziehet ihr, ich folge nach! Jon. Unser werth ist die Gefährtin. Kreusa. Und die Freundin unsrer Stadt. Athene. Seze dich auf alte Thronen! Jon. Ehrend ist mir der Besiz. Der Chor. Zeus' und Leto's Sohn, Apollon, Heil dir! Wessen Haus die Noth Wild umhersturmt, auf die Götter bau' nicht! er und verzage Denn zulezt erringt der Edle stets den wohlverdienten[OCR note; compare the printed page.] Die wörtlichere Uebersezung, die freilich höchst prosaisch klingt, ist diese: Doch der Böse kann nach seinem Wesen nie glückselig sein. Compare printed p. 136 Lohn; Doch dem Bösewicht (wie war' er's wurdig auch?) lacht nie das Gluck.