Trojan Women — Donner (1852), OCR review edition Euripides Johann Jakob Christian Donner OCR source collation, conservative repairs and citation alignment Editorial processing with Codex

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Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift von J. J. C. Donner. Volume 3. Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard supplied OCR, H3; running-text copy text. Independent BSB copy, page-coordinate OCR and facsimiles; used to check layout and notes.BSB digitization Source reviews and editorial inventory

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Poseidon. Der Chor. Poseidon. Der Gott Poseidon komm' ich her aus salzigenOCR review edition. D. citations belong to Donner; u marks unresolved verse division. Sources, repairs and unattributed notesDonner’s metrical analyses and notes: page facsimiles Vegåermeeres Tiefen, wo den schönen Fuß Der Chor der Nereïden schwingt im Reigentanz. Denn seit Apollon und ich selbst um diese Stadt Der Troër hier die felsenfesten Thürme rings Nach rechtem Maß ausführten, schwand aus meiner Brust Niemals die Liebe, die mich zog zum Phrygerland, Das nun der Rauch umdustert, das von Argos' Heer Erobert sinkt in Trümmer; denn der Phokier Epeios vom Parnassos schus durch Pallas' Kunst[OCR note; compare the printed page.] Epeios, der Erbauer des troischen Rosses, war ein Sohn des Panopeus, der sich in Phokis niedergelassen hatte, wohin sich aus Böotien der Parnassos erstreckt. Compare printed p. 51 Ein Roß, von Waffen schwanger, sandt' in Priamos' Gethürmte Mauern die verderbenschwere Last. Drum nennen's spåtre Menschen einst das Lanzenroß, Nachdem es heimlich Lanzen trug in seinem Schooß. Die iden Haine triefen rings von Blut, und rings Die Göttertempel; an Altaresstufen Zeus', Des Hausbeschirmers, sank ermordet Priamos.[OCR note; compare the printed page.] Als Hausbeschirmer, als Schußgott des Hauses, wurde Zeus, wie Festus berichtet, innerhalb der Befriedigung einer jeden Wohnung verehrt (intra conseptum domus cujusque colebatur). Im inneren Hofe stand sein Altar, der von einer niedrigen Mauer umschlossen war. Compare printed p. 51 Viel Gold und Phrygerbeute wird dahingeführt Zu Hellas' dunkeln Schiffen, und auf guten Wind Am Steuer harren, daß sie froh im zehnten Jahr Gemahl und Kinder wiedersehn, die Danaer, Die gegen diese Troërstadt ihr Heer geführt. Doch ich, besiegt von Heren, Argos' Königin, Und Pallas, die verbunden diese Stadt zerstört, Verlasse Troja's stolze Gaun und meinen Herd, Denn wann ein Land zur grauenvollen Dede ward, Sinkt auch der Dienst der Götter, Niemand ehrt sie mehr. Vom Jammerschrei der Frauen, die an fremde Herrn Das Loos gekettet, hallt Skamandros' Feld zurück. Arkadern fielen diese, die Thessaliern, Und andre Theseus' Söhnen zu, den Herrn Athens. Die Troërfrauen, die das Loos nicht traf, verziehn In diesen Zelten, ausersehn den Edelsten Des Heers, mit ihnen Helena, die Sparterin, Zeus' Kind, mit Recht der Kriegesbeute zugezählt.[OCR note; compare the printed page.] Zeus' Kind. Die Urschrift folgt der anderen Sage, wonach Helena eine Tochter des Tyndareos war. Compare printed p. 51 Doch diese Jammervolle, wer sie sehen will, Die vor des Zeltes Thoren liegt, ist Hekabe, Die viele Thränen über viel Geliebte weint, Der auf Achillens Grabe (noch verschwieg man ihr's)[OCR note; compare the printed page.] ξ. οἰκτρὰ Ι. λάθρα. Compare printed p. 51 Die Tochter klåglich unterging, Polyrena. Auch Priamos, auch seine Söhne sind dahin; Und jene Jungfrau, die der Gott als Seherin Entließ, Kassandra, schåndet Atreus' Sohn und schleppt[OCR note; compare the printed page.] Atreus' Sohn, Agamemnon. Compare printed p. 51 Sie fort, den Gott nicht scheuend und die fromme Pflicht. So fahre wohl, mein Troja, Stadt, so glücklich einst, Ihr schönen Festen! Håtte dich Athene nicht, Zeus' Kind, vertilgt: du stånd'st in deinem Grunde noch! Athene. Poseidon. Der Chor. Athene. Darf ich des Vaters nächsten Unverwandten, dich, Den großen, unter Göttern hochgeehrten Gott, Anreden, nicht mehr eingedenk des alten Grolls? Poseidon. Du darfst; der Anverwandten hold Gespräch erfreut Nicht wenig ja die Herzen, hohe Königin. Athene. Der milde Sinn gefällt mir; doch ich kam, mit dir Zu reden, was gemeinsam dich und mich berührt.[OCR note; compare the printed page.] λόγες σοἱ ἐμαυτῇ τε κοινές, qui ad te et me ex aequo pertinent. Compare printed p. 51 Poseidon. Du meldest etwas Neues wohl von einem Gott, Zeus oder einem Andern aus der Götter Zahl? Athene. Nein; wegen Troja's kam ich, wo wir wandeln hier, Daß ich geselle meiner Macht die deinige. Poseidon. So hast du deinem alten Groll nunmehr entsagt, Und fühlst mit ihr Erbarmen, die der Brand verzehrt? Athene. Vorerst erkläre: willst du mit zu Nathe gehn Und mitvollenden, was zu thun mein Herz begehrt? Poseidon. Gewiß. Doch wissen möcht' ich auch, warum du kamst, Der Phryger wegen oder Hellas' Volk zulieb. Athene. Die Troër, die ich haßte, will ich jekt erfreun, Und bittre Heimkehr bringen auf Achaa's Heer. Poseidon. Warum von einer springst du so zur andern Art, Und liebst und hassest ohne Maß, auf wen du triffst?[OCR note; compare the printed page.] L. ὃν ἂν τύχης. Compare printed p. 51 Athene. Du weißt: verhöhnt ward unser Heiligthum und wir. Poseidon. Als Ajas deine Priesterin vom Tempel riß. Athene. Und nichts erlitt er, hörte nichts deßhalb vom Heer. Poseidon. Und doch zerstört es Ilion durch deine Macht. Athene. Drum will ich ihnen übelthun, mit dir vereint. Poseidon. Ich bin zu deinem Dienste; doch was wirst du thun? Athene. Heimkehr verhang' ich über sie verderbenschwer. Poseidon. Und wo? Zu Land hier oder auf des Meeres Flut? Athene. Sobald sie heimwårts sich gewandt von Ilion. Und Regen sendet Vater Zeus und nachtlichen Orkan und grausen Hagelschlag aus Aethershohn; Und mir verheißt er seinen Bliz, die Danaer Hinabzuschmettern und die Schiff' in wilder Glut. Du schaffe dann das Deine: wühl' Aegåerflut In Meereswirbeln zehenfach gethürmt empor, Und füll' Eubda's hohle Bucht mit Todten an, Daß Hellas' Söhne fürderhin mein Heiligthum Verehren lernen und der andern Götter Macht! Poseidon. So sei es! Langer Neden braucht die Gunst ja nicht. Aegåermeeres Fluten wühl' ich sturmend auf, Und Mykonos' Gestade, Delos' Felsenhöhn, Und Skyros, Lemnos, auch Kaphareus' Vorgebirg Umschwimmen viele Todten, die das Meer entſeelt. So wandle denn zum Olympos, und nachdem du dort Der Blize Strahlen aus des Vaters Hand empfingst, Verzeuch, bis Argos' scheidend Heer die Segel spannt. O thöricht, wer in Trummer Städt' und Tempel stürzt,[OCR note; compare the printed page.] Die Worte ναός τε, die sich in der Urschrift an die Worte τύμβος θ᾽ ἱ. τ. κ. ἐρημίᾳ δὲς anschließen, sind in der Uebersezung zu πόλεις gezogen. V. 95 ist wohl ἐκπορθῶν zu schreiben. Compare printed p. 51 Und Gråber, die der Todten heilige Ståtten sind, In Wüsten wandelt und zulezt selbst untergeht! (richtet sich vom Boden auf). Hekabe Unselige, auf! Von der Erde das Haupt Und den Nacken empor! Nicht Ilion ist[OCR note; compare the printed page.] Ε. δέρην τ'. Compare printed p. 51 Hier mehr, ich bin nicht Königin mehr. (Beide ab.) In die Wechsel des Schicksals füge dich still; Schiff' hin, wie der Gott, wie die Welle dich treibt, Und kehre den Bug nicht wider den Strom; Denn du fåhrst mit dem Steuer des Schicksals. Weh, weh! Was ist, das nicht zu beklagen mir ziemt, Der Heimat, Kind und Gemahl hinschwand? Ha, stolzes Geschick meiner Ahnen, in Staub[OCR note; compare the printed page.] Ε. συςελλόμενος. Compare printed p. 51 Hinstürzend, wie warst du so nichtig! Was verschweig' ich zuerst, was verschweig' ich nicht? Was bewein' ich zuerst? Ich Verlorne! Wie ruhn Mir Elenden gramvoll niedergestreckt Auf steinernes Lager die Glieder![OCR note; compare the printed page.] L. σεῤῥοῖς λέκτροισι ταθεῖσα. Compare printed p. 51 Wie schmerzt mir das Haupt und die Schlafe, wie schmerzt Mir die Seite! Wie wunsch' ich zu wenden den Leib, Und Rücken und Rückgrat, starrend und matt, Hierhin und dorthin wechselnd zu drehn, Ich, ewig zu Klag' und zu Thränen gestimmt![OCR note; compare the printed page.] L. ἐπιῶσ' αἰεὶ δακρύων ἐλέγες. Compare printed p. 51 Das ist ja dem Unglück wonniges Lied,[OCR note; compare the printed page.] Ε. μέσα δὲ χαὕτη. Compare printed p. 51 Sein Trauergeschick zu bejammern. Schnellsegelnde Schiffe von Hellas, Die zur heiligen Ilios rudernd Ueber das purpurne Meer durch Achaa's Sichere Porte vordem Bei traurigem Halle der Flöten, Mistinendem Klang der Schalmeien[OCR note; compare the printed page.] L. ἀφθόγγῳ. Compare printed p. 51 Hinwandelten, und der Aegypter Gewirk Ausspannten, geflochtene Segel,[OCR note; compare the printed page.] L. πλεκτάς. Compare printed p. 51 Ach, ach, in den Buchten von Troas Menelaos' Gemahl, das verhaßte Gezücht, Aussuchend, die Schmach auf Kastor gebracht Und schmähenden Ruf dem Eurotas, Die dich, der fünfzig Kinder gezeugt, O Priamos, mordet, und mich Unselige auch[OCR note; compare the printed page.] Ἑκάβην und vorher wohl auch Πρίαμον ist Glosse. Compare printed p. 51 Hinopferte solchem Verhängniß! Weh, weh! Wo weil ich Arme, An die Zelte von Atreus' Sohne gebannt?[OCR note; compare the printed page.] L. ἔφεδρος σκηναῖς. Compare printed p. 52 In die Knechtschaft werd' ich Ergraute geschleppt Von der Heimat weg, das geschorene Haupt[OCR note; compare the printed page.] L. ξυροήκει. Compare printed p. 52 In klåglich entstellender Trauer. Doch ihr, speerschwingender Troër Ungluckliche Frau'n, Ihr armen, verlassenen Braute,[OCR note; compare the printed page.] L. μέλεαι κέραι δύςνυμφοι. Vorher ἄλοχοι μέλεαι. Compare printed p. 52 Ilion raucht: laßt hallen die Klage! Wie die Mutter um flatternde Våglein bang Ihr Lied anhebt, will ich den Gesang Anstimmen, ein anderes Lied, Als welches ich einst, Auf der Könige Stab kühn stüzend die Hand, Und mit phrygischem Takt hellstimmig den Chor Anführend, erhob zu den Göttern. (tritt aus den Zelten). Der erste Halbchor Was jammerst du, Frau? Was klagst du so sehr? Was soll dein Wort? In den Zelten vernahm Ich das Jammergeschrei, das du trauernd erhebst, Und Schrecken durchbebt die Gemuther der Frau'n Von Troja, die dort in den Zelten umher Ihr Geschick lautweinend beklagen. Hekabe. Mein Kind, schon rührt sich des Nuderers Hand,[OCR note; compare the printed page.] L. ὦ τέκνον und δὴ f. ἤδη. Compare printed p. 52 Strebt schon zu den Schiffen Achaa's. Ich Elende, weh ! Der Halbchor. Was wollen sie doch? Wohl führen sie schon Mich Arme hinweg aus dem heimischen Land? Hekabe. Weiß nicht, doch ahn' ich das Ungluck. Der Halbchor. Unselige, weh! Bald hårt ihr den Ruf:[OCR note; compare the printed page.] L. μέλεαι μόχθων, ἐπακσόμεναι, quæ audituræ sitis has voces: mulieres trojanæ, prodite cet. Compare printed p. 52 „Aus den Zelten hervor, ihr troischen Fraun! Zu der Heimfahrt rüstet sich Hellas." Hekabe. Ha! Führet mir nun die Begeisterte nicht, Kassandra, heraus von den Zelten, Die Månade, die Schmach der Argeier; So fügtet ihr Leid zu dem Leide! Unglückliche Troja, dahin bist du! Unglückliche sind, die schieden von dir,[OCR note; compare the printed page.] L. οἱ σ' ἐκλείποντες. Compare printed p. 52 Die Lebendigen so wie die Todten! (eilt herbei). Der zweite Halbchor Weh, weh mir! Zitternd verließ ich das Zelt Agamemnons dort, zu vernehmen von dir, O Königin, ob der Achåer Beschluß Tod über mich Ungluckvolle verhångt, Ob die Schiffer sich schon an den Steuern umher Anschicken, die Ruder zu rühren. Hekabe. Auf, sammle, mein Kind, und erhebe den Geist;[OCR note; compare the printed page.] Ε. ὀρθρεύς σὰν ψυχάν. So las der Scholiast und erklärte: ἔπαιρε τὴν σαυτῆς ψυχήν. Dann ist nach ψυχὰν zu interpungiren und im folgenden Verse ἦλθες zu schreiben. Compare printed p. 52 Du kamst, durchschuttert von Schrecken. Der zweite Halbchor. War schon ein achaischer Herold hier? Wem ward ich Arme zur Sklavin bestimmt? Hekabe. Bald wird dir das Loos ihn bezeichnen. Der zweite Halbchor. Wer unter den Söhnen Achaa's, wer Von Phthiotis, wer von den Inseln entführt Mich Verlorene fern von der Heimat? Hekabe. Wem dien' ich årmste der Greisinnen, wo Auf Erden, der Drohne vergleichbar, Ein unglückseliges Todtengebild, Ein kraftlos wankender Schatte? Soll Hüterin ich am Palastthor sein, Ach, oder die Töchter des Mann's aufziehn, Ich, einst die Beherrscherin Troja's? Der Chor. Weh, wehe! Mit welchem Jammer beklagst Du dein und mein unſeliges Loos?[OCR note; compare the printed page.] Ε. τὰν σὰν καὶ ἐμὰν λίμαν ἐξαιάζεις. Compare printed p. 52 Am idäischen Webstuhl werd' ich hinfort Nicht wechselnd schnellen die Spule. Zum letztenmal seh' ich die Kinder umher,[OCR note; compare the printed page.] L. νέατον τεκέων σώματα λεύσσω, νέατον· μόχθες ἕξω κρείσσες. Compare printed p. 52 Und dulde dereinst noch hårtere Mühn, Sei's daß mein Lager ein Danaer theilt, (Fahr' hin die Nacht, fahr' hin, mein Loos!)[OCR note; compare the printed page.] L. νὺξ αὕτα. Compare printed p. 52 Sei's, daß an Peirena's heiligem Quell[OCR note; compare the printed page.] Peirene, eine Quelle bei Korinth. Compare printed p. 52 Ich elende Sclavin schopfe die Flut.[OCR note; compare the printed page.] ἔσομαι wegzulassen. Compare printed p. 52 O daß ich kame zum stolzen, Zum glucklichen Lande des Theseus, Nur nicht an Eurotas' wirbelnden Strom, In's verhaßte Gebiet, wo Helena weilt, Um dort Menelaos' Sclavin zu sein,[OCR note; compare the printed page.] Ε. δέλα. Compare printed p. 52 Der Ilions Vesten zerstörte! Des Peneios heilige, reizende Gaun,[OCR note; compare the printed page.] Der Peneios strömte durch das Thal Tempe, das am Fuße des Olympos in Thessalien lag. Compare printed p. 52 Auf denen die Höhn des Olympos ruhn, Sie schwellen von Reichthum, sagt mir der Ruf, Und von lieblich erblühender Fülle. In das göttliche Land dort wunsch' ich zu ziehn Zunächst nach Theseus' heiliger Flur. Der åtndische Grund des Hephastos auch,[OCR note; compare the printed page.] Der ätnäische Grund des Hephästos, Sicilien. Compare printed p. 52 Der über die See nach Phonike schaut, Er, Vater sikelischer Berghohn, prangt Von der Tugenden Kranze verherrlicht. Auch ruhmte man mir von den Auen,[OCR note; compare the printed page.] f. Die Auen dem jonischen Meere benachbart, bezeichnen Thurion, eine Pflanzstadt der Athener, zwischen den Flüssen Krathis und Sybaris. Von dem Krathis erzählte man, daß, wer sich in ihm bade, glänzend, wie mit Dele gesalbt, aus dem Wasser steige, und daß die Haare, von seinem Wasser gewaschen, nach und nach blonder werden. Compare printed p. 52 Dem jonischen Meere benachbart, Die Krathis, der schonhinflutende Strom, Der die Locken der Badenden blondfärbt, Wohl trånkt und mit heiligen Quellen ernährt, Und die streitbaren Männer beseligt. Doch sieh, dort naht von der Danaer Heer, Wohl Neues zu melden, ein Herold uns, Der mit eilendem Schritt vollendet den Pfad. Was bringt, was sagt er? Sclavinnen sind Wir schon in dem dorischen Lande.[OCR note; compare the printed page.] Das dorische Land, Griechenland. Compare printed p. 52 Talthybios. Hekabe. Der Chor. Talthybios. Du weißt, o Greisin, daß ich oft in Ilion Erschien ein Herold, ausgesandt von Argos' Heer. Schon fruher also kennst du mich Talthybios, Der nun zu dir mit neuer Botschaft kommt, o Frau. Hekabe. Davor, geliebte Frauen, bangt' uns lange schon. Talthybios. Ihr seid verloost, wenn dieses eure Sorge war. Hekabe. Ha! Zu welcher Stadt Thessalia's, zu welcher in Phthia ziehn wir[OCR note; compare the printed page.] Phthia, eine Landschaft Thessaliens. Compare printed p. 52 Oder in Kadmos' Land? Talthybios. Verschiednen Herrn, nicht Einem folgt ihr allzumal. Hekabe. Wem siel Jede zu? Welcher der ilischen Fraun Wartet ein gluckliches Loos? Talthybios. Ich weiß es; aber frage nur das Einzelne, Und nicht auf Einmal Alles. Hekabe. So sprich: wer empfing mein unglucklich Kind, Wem fiel Kassandra zu? Talthybios. Furst Agamemnon war es, der sie auserkor. Hekabe. Der Lakonerin, seiner Gemahlin, wohl Zur Sclavin? Weh, weh mir! Talthybios. Nein, daß sie nachtlich ihm gesellt als Gattin sei. Die Jungfrau, der Hekabe. Phobos, der Gott mit den goldenen Locken, Ein jungfraulich Leben beschied? Talthybios. Die Liebe traf ihn zu der Gottbegeisterten. Hekabe. Wirf die göttlichen Schlüssel, o Kind, hin, reiße vom Nacken dir[OCR note; compare the printed page.] Die Schlussel des Tempels, in dem sie Priesterin war. Compare printed p. 52 Der Kranze geheiligten Schmuck![OCR note; compare the printed page.] Die Kränze, die sie als Priesterin um den Hals trug. Compare printed p. 52 Talthybios. Ist's ihr kein Ruhm, in königlichem Lager ruh'n? Hekabe. Doch wie? Das ihr jungst von mir genommen habt, Mein Kind, wo ist es, wo? Talthybios. Du nennst Polyxenen, oder welche meinst du sonst? Hekabe. Sie. Wem theilte das Loos sie zu? Talthybios. Am Grab Achillens dient sie, so ward ihr's bestimmt.[OCR note; compare the printed page.] Sie dient - als Opfer. Compare printed p. 52 Hekabe. Weh mir! Dem Grabe denn gebar ich sie zum Dienst! Doch welches Gesek, welche Sitte, Freund, ist das im Hellenenland? Talthybios. Du preise deiner Tochter Glück: ihr geht es wohl. Hekabe. Wie meinst du dieses? Schaut sie noch der Sonne Licht? Talthybios. Ihr ward beschieden, frei zu sein von aller Noth. Doch welches Loos Hekabe. Ward der Gemahlin des erzumgürteten Hektor, der unglückseligen Andromache? Talthybios. Sie hat der Sohn Achillens sich zur Braut erwählt. Und wessen Magd Hekabe. Ward ich, die des dritten Fußes, des Stabes bedarf, ich Alte mit dem grauen Haupt? Talthybios. Du wardst Odysseus zugetheilt, dem Ithaker. Ha! Hekabe. Berschlage dir das geschorne Haupt, Und mit den Någeln zerfleische beide Wangen! Weh mir, weh! Dem verruchten, dem listigen Manne Warf mein Loos mich zu, Dem rechthassenden Scheusal, dem Gesezesseind, Der Alles dort und Alles hier[OCR note; compare the printed page.] L. ὃς πάντα τἀκεῖ κἀνθάδ' ἀντίπαλ᾽ αὖθις ἔσεισε. Compare printed p. 52 Feindlich mit doppelter Zunge Wieder aufregte, In Haß wandelnd, was zuvor freundlich war.[OCR note; compare the printed page.] Ohne πάντων. Compare printed p. 52 Beklagt mich, Troerfrauen: unselig fahr' ich hin; Hin bin ich Arme, die Dem ungluckseligsten Loose verfallen ist! Der Chor. Dein Schicksal, Herrin, weißt du; doch an welchen Mann Aus Hellas oder Achia bannt mich mein Geschick?[OCR note; compare the printed page.] Zur Zeit des trojischen Krieges bezeichnete der Name Achäer eigentlich diejenigen Griechen, welche Lakedämon bewohnten; Hel lenen aber hießen die Thessalier. Bothe. Compare printed p. 52 Talthybios. Auf! Schleunig führet aus dem Zelt Kassandra mir Hierher, o Diener, daß ich sie dem Könige Gleich überantwort' und sodann den Andern auch Die Frauen bringe, die das Loos für sie bestimmt.[OCR note; compare the printed page.] L. εἰληγμένας. Compare printed p. 52 Ha, seht! Was flammt dort innen Fackellicht empor? Die Fraun verbrennen (oder was beginnen sie?) Die Zelte, weil ihr Schicksal sie von Ilion Wegführt nach Argos? Wollen wohl sich selbst den Tod In der Flamme geben? Traun, ein freiheitstolzes Herz, Wie diese, fugt sich straubend nur in solches Leid. Flugs öffne weit die Pforten, daß, was ihnen frommt, Dem Heere schadet, nicht als meine Schuld erscheint! Hekabe. Sie sengen nicht, du irrtest; nur die Rasende, Kassandra, meine Tochter, kommt dahergeſturmt. Kassandra mit Fackeln in den Händen. Hekabe. Talthybios. Der Chor. Kassandra. Halt, gib Fackeln her; festlich erleuchten will[OCR note; compare the printed page.] L. ἄνεχε, πάρεχε φῶς φέρε etc. Compare printed p. 52 Ich dies Heiligthum! Hymen, Gott Hymendos, sieh, o sieh Den glücklichen Gemahl und mich Gluckliche, Die nun nach Argos freien soll! Hymen, Gott Hymendos! Weil du mit Thränen und mit Weheruf, O Mutter, um den hingeschiednen Vater klagst, Und klagst um's theure Vaterland : Zund' ich zum Hochzeitseste mir[OCR note; compare the printed page.] 2. ἐγὼ τόδ' ἐπί. Compare printed p. 52 Der Flamme Licht an, daß es hell schimmre, weithin leuchte, Hymen, Gott Hymendos, dir. Gib die Fackel, o Hekate,[OCR note; compare the printed page.] Ε. δίδε δ', ὦ Ἑκάτα. Compare printed p. 52 Wie's bei der Tochter Vermählung Die Sitte will! Schwing' in åtherischem Tanze den Fuß, (Evan, Ενό!)[OCR note; compare the printed page.] Ε. πάλλε πόδ' αἰθέριον χορόν. Compare printed p. 52 Als an dem glucklichsten Tag Meines Vaters; hebe den Tanz, (Er ist heilig,) heb' ihn an, Phobos, zu[OCR note; compare the printed page.] Für νυν 1. νιν. Compare printed p. 52 Deiner Priesterin Ehre[OCR note; compare the printed page.] L. θυηπόλῳ, das von ἄγε χορόν abhängig ist. Compare printed p. 53 In deinem lorbeervollen Haus! Hymen, Gott Hymendos! Auf, tanze, Mutter, hebe deinen Fuß;[OCR note; compare the printed page.] L. ἄναγε πόδα σόν. Compare printed p. 53 Hierhin und dorthin wende, schwinge, mir gesellt, Der Füße lieben holden Schritt! Lobpreiset ihn, den Hymendos, oh! Mit seligen Gesängen, Mit Festruf die Jungfrau![OCR note; compare the printed page.] L. ἰακχαῖς. Compare printed p. 53 Kommt, ihr phrygischen Madchen in Schönem Gewand, besingt mein Fest, Singt, den uns das Geschick gab, Den Bräutigam! Der Chor. Geliebte Fürstin, wehrst du nicht der Rasenden, Den leichten Schritt zu tragen in's Argeierheer? Hekabe. Dein Licht, Hephastos, leuchtet zwar an Hymens Tag; Doch traurig ist die Flamme, die du schwingest hier, Und großer Hoffnung distres Grab. O Tochter, weh! Ich dachte niemals, daß, von Argos' Speer und Schwert Umringt, du feiern würdest dein Vermählungsfest. Gib mir die Fackel, sie gebührt der rasenden Månade nicht; das Schicksal, Kind, hat deinen Sinn Nicht umgewandelt; wie du warst, so bliebest du. (Sie nimmt die Fackeln.) Hier, tragt hinein die Fackeln, und erwiedert ihr, O Troërfraun, mit Thränen ihren Brautgesang. Kassandra. O Mutter, schmucke dieses sieggekrönte Haupt, Und juble, daß ein König deine Tochter freit! Und nun geleit' uns; bin ich dir nicht schnell genug, So treibe mich gewaltsam: denn wenn Phobos lebt, Wird meine Hochzeitseier unheilbringender, Als Helena's, für Argos' stolzen König sein. Ihn mord' ich und vergeltend mord' ich sein Geschlecht,[OCR note; compare the printed page.] Ihn mord' ich, sagt Kassandra, indem Agamemnons Liebe zu ihr der Klytämnestra zum Vorwande diente, ihn zu tödten. Compare printed p. 53 Und råche so der Bruder, so des Vaters Tod. Doch - schweig' ich davon, singe nicht von jener Art, Die meinen Nacken treffen wird und Andre noch, Vom Muttermord nicht, welchen mein Ehbund gebiert, Nicht, wie des Atreus stolzes Haus zu Grunde geht. Nein, zeigen will ich, diese Stadt sei glucklicher,[OCR note; compare the printed page.] Ε. πόλιν δὲ δείξω. Compare printed p. 53 Als ihr Achder: (zwar begeistert mich der Gott; So lang indessen sag' ich ab der Seherkunst;) Denn Einer Liebe wegen, Einer Frau zulieb, Der Helena, verlort ihr viele Tausende; Der kluge Heerfürst aber gab für's Feindlichste Sein Liebstes, gab der Kinder Lust im Hause hin; Des Weibes wegen opfert' er's dem Bruder auf, Die gerne, nicht gezwungen, floh in Räubers Arm. Und als ihr nun gekommen auf Skamandros' Feld, So starbt ihr, nicht aus eures Landes Mark verjagt, Von eurer Heimat Thürmen. Wer im Kampfe fiel, Sah nicht sein Kind mehr, wurde nicht in's Leichentuch[OCR note; compare the printed page.] L. παῖδας. Compare printed p. 53 Vom Arm der Gattin eingehullt; in fremdem Land Ruht er. Zu Hause ging's indeß nicht besser zu. Hier starben Wittwen; Männer, kinderlos daheim, Erzogen Andrer Kinder, und der Erde weiht Des Blutes Opfer keine Hand an ihrem Grab. Ist eines Lobes würdig wohl ein solches Heer?[OCR note; compare the printed page.] L. ἢ τῦτ᾽ ἐπαίνε τὸ ςράτευμ' ἐπάξιον; Compare printed p. 53 Vom Argen schweig' ich besser, und o moge mir Die Muse niemals Sängerin der Schande sein! Den Troërn aber Ehre, die (der schonste Ruhm!) Für ihre Heimat fielen! Die das Schwert erschlug, Todt heimgetragen wurden sie von Freundeshand, Und fanden ihres Grabes Hüll' im Vaterland, Beschickt von Hånden, welchen das die Pflicht gebot. Doch jene Phryger, welche nicht der Kampf entseelt, Sie waren täglich bei Gemahl und Kind daheim, Der Lust sich freuend, welche kein Achåer fand. Nun hore noch von deines Hektor Jammerloos:[OCR note; compare the printed page.] Ε. τὰ δ' Ἕκτορός σοι λύπρ᾽, ἄκεσον, ὡς ἔχει. Man könnte auch er- Elären: Fortuna Hectoris tibi acerba, audi, ut se habeat. Hier: nach wäre zu übersehen: Bernimm von Hektor's Schicksal auch, das dich betrübt. Compare printed p. 53 Als erster Held geachtet fand er seinen Tod. Der Griechen Ankunft ist es, der du dieses dankst, Weil, kamen sie nicht, Hektors Nuhm im Dunkel blieb. Paris gewann Zeus' Tochter; ward ihm diese nicht, Ein Mädchen ohne Namen hått' er heimgefuhrt. Wohl ziemt es, wenn man weise denkt, den Krieg zu fliehn; Doch, kam es dahin, ist es kein ruhmloser Kranz Dem Vaterlande, wenn du stirbst des Helden Tod, Indeß ein feiger Untergang ihm Schande bringt. Deßhalb, o Mutter, jammre nicht um mein Geschick Und nicht um Troja; Jenen, die vor Allen mir Und dir verhaßt sind, bringt mein Hochzeitfest den Tod. Der Chor. So heiter lachend spottest du der eignen Noth, Weissagest, was sich spåter wohl als falsch erweist! Talthybios. Wenn nicht Apollon deinen Geist aufregt' in Wuth; Straflos geleiten wurd'st du meine scheidenden Heerführer nicht mit solchen Vorbedeutungen! Doch Hochgeehrtes, Kluges nach der Menschen Wahn, Um Nichts erhabner ist es als das Nichtigste. Ließ doch der Panhellenen großer Heeresfürst, Der Sohn des Atreus, sich herab, die Schwärmerin Zu frein vor Andern; wohl bin ich ein armer Mann, Doch diese hatt' ich nimmerdar zum Weib gewählt. Was du gesprochen, deren Sinn der Gott verrückt, Zum Hohn Achaa's und zum Preis der Phrygier, Dies mag der Wind entführen! Doch nun folge mir Zur Flotte hin, des Griechenfeldherrn schöne Braut! (zu Hekabe) Du, wenn dich wegzuführen wunscht Laërtes' Sohn, So folge: Sclavin wirst du dort der edlen Frau; Als solche råhmt sie Ieder, der nach Troja kam. Kassandra. Ha, welch gewalt'ger Sclave! Wozu nennt man doch Herolde sie, die Scheusal', aller Welt verhaßt, Die Frohner, Städten und Gewaltherrn unterthan? Wie? Meine Mutter, sagst du, soll nach Ithaka, In's Haus Odyssens? Doch wo bleibt dann Phobos' Wort, Das mir sein Spruch verkundet, daß die Mutter hier, Hier sterben soll? Das Andre wiederhol' ich nicht. Der Arme weiß nicht, welches Unheil ihn bedroht: Ihm wird dereinst noch mein Geschick und Troja's Noth Als Gold erscheinen; denn er kommt allein nach Haus, Bestand er zehen Jahre noch zu diesen hier, Da, wo des Felsen engen Pfad das Ungethum[OCR note; compare the printed page.] Die hier und in den folgenden Versen angedeuteten Gefahren, die Odysseus bestand, kennt wohl jeder Leser aus der Odyssee. Compare printed p. 53 Bewohnt, Charybdis, und der rohverschlingende - Kyklop, wo Kirke, Zauberin der Ever, haust, Wo grauser Schiffbruch seiner harrt im salz'gen Meer, Des Lotos Reiz, die heiligen Sonnenrinder auch, Aus deren Fleische Brüllen einst erschallen wird, Ein Schreck Laertes' Sohne. Sag' ich's kurzgefaßt: Zum Hades geht er lebend, und der Meeresflut Entronnen, trifft er tausendfaches Leid daheim. Doch wozu send' ich die Worte von Odysseus' Müh'n hin- (zu Talthybios) aus? Gehe, daß ich bald dem Gatten mich vermähl' in Hades' Haus! Ha, du Schlimmer, schlimm begraben wirst du Nachts, und nicht am Tag, Der du Großes auszurichten wahnst, o Fürst der Danaer! Meine Leich', in nackter Blåße hingeworfen, wird die Schlucht, Wo der Waldstrom rauscht, empfangen, und am Grab des Bräutigams Werden Raubthier' uns zerfleischen, uns, Apollons Priesterin! Ihr, o Kranze meines liebsten Gottes, Schmuck der Seherin, Fahret wohl! Vorbei die Feste, die zuvor mein Herz erfreut! Trauernd reiß' ich euch vom Haupte: keusch und rein noch, send' ich sie, Fortzuwehn in raschen Lüften, dir, Orakelkönig, zu! Wo verzieht das Schiff des Feldherrn? Wo betritt mein Fuß den Kahn? Sowie du, harr' ich des Windes, dessen Hauch mein Segel schwellt, Nun du mich, der drei Erinnen Eine, führst aus diesem Land. Lebe wohl, o Mutter! Weine nicht, geliebtes Vaterland! Ihr im Schooß der Erde, Brüder, du, der uns das Leben gab, Bald empfangt ihr mich! Ich steige siegbekrönt in's Schattenreich, Wann ich Atreus' Haus zerstörte, welches uns den Tod ge- Der Chor. bracht. (Sie wird abgeführt.) Ihr Hüterinnen Hekabe's, gewahrt ihr nicht Die greise Herrin, wie sie stumm zur Erde sinkt? Faßt ihr sie nicht, ihr Dirnen? Oder laßt ihr so Die Greisin stürzen? Hebt sie schnell vom Boden auf! (zu den Dienerinnen). Hekabe Laßt mich (ihr Mädchen liebet nicht, was mir gefällt,) Am Boden trauern!. Was ich leide, was ich litt, Und fürder noch soll leiden, ist des Trauerns werth. Ihr Götter! Zwar unnuke Helfer seid ihr uns; Doch ist es tröstlich, anzuslehn die Himmlischen, Wenn unser Einen heimgesucht das Mißgeschick. Erst will ich preisend melden, was mir Gutes ward; So weck' ich mir für's Leiden größres Mitgefühl. Mich, eines Königs Tochter, führt' ein König heim, Und ihm gebar ich hochberühmter Söhne viel, Nicht gleich dem Pöbel, nein, der Phryger Edelste, Wie keine Frau von Troja, kein Barbarenweib, Wie keine Griechin eines Sohns sich rühmen mag. Und diese sah ich hingestreckt von Argos' Speer, Und schnitt an ihrem Grabe mir die Locken ab. Und ihren Vater Priamos beweint' ich nicht Von Andern hörend, nein, mit diesen Augen sah Ich ihn gemordet bei dem Hausaltar des Zeus, Die Stadt erobert. Auch die Jungfraun, die ich einst Erzog zu stolzen Brauten edler Junglinge, Erzog ich Andern, und man hat sie mir geraubt. Und keine Hoffnung, daß sie je mich wiedersehn, Und ich, die Mutter, werde sie nie wiedersehn! Des Leides Gipfel aber ist: als greises Weib, Als eine Sclavin zieh' ich hin in fremdes Land.[OCR note; compare the printed page.] L. δέλη γυνὴ γραῦς εἰς ξένην ἀφίξομαι. Compare printed p. 53 Und was der Greisin müdem Leib am schwersten fållt, Das legt man mir auf: ich, die Mutter Hektors, muß Der Schlüssel wahren als des Thores Hüterin, Muß Brod bereiten; auf der harten Erde ruht Mein runzelvoller Rucken, statt im Königsbett; Zerrissne Glieder håll' ich in zerrissene Gewande, die nicht ziemen einer Glücklichen. Ach! Um den Einen Liebesbund der Einen Frau Welch Leid bestand ich, welches werd' ich noch bestehn! Mein Kind, Kassandra, gottvertraute Seherin, Dein keusches Leben endet, ach, in welcher Noth! Und Arme, du, wo bist du, wo, Polyrena? Kein's meiner Kinder, weder Sohn noch Tochter, steht, Soviel' auch ihrer waren, mir, der Armen, bei. Was also richtet ihr mich auf? Was hoffet ihr? O führt den vormals zarten Fuß der Königin, Und nun der Sclavin, auf des Bodens harte Streu, Zum Felsenpfuhle, daß ich hingesunken dort, Verzehrt von Thränen sterbe! Preist doch nimmermehr Der Edlen einen selig, eh sein Ende kam! Hebe von Ilion mir, Muse, neuer Hymnen Trauervollen Gesang Strophe. Der Chor. Bei stromenden Thränen an! Denn jekt will ich um Troja laut Im Lied klagen, Wie dort das Gespann der Achåer, Das vierfüßige, mir Unseligen schuf Verderben, Da sie das himmelan strebende Roß,[OCR note; compare the printed page.] L. ἐράνια πρέποντα oder βλέποντα. Compare printed p. 53 Das waffenschwangre mit goldnem Zaum, Am Skåerthore ließen. Und auf dem Fels Troja's stand Droben das Volk, und rief herab: „Kommt, ihr, von euren Müh'n erlöst, Führt dieses heilig hehre Bild zu der ilischen Tochter des Zeus herauf!" Und welcher Jungling eilte nicht,[OCR note; compare the printed page.] L. νεανιῶν. Compare printed p. 53 Verließ das Haus nicht? Welcher Greis? Voll Sangeslust empfing man Ein trugvolles Unheil. Gegenstrophe. Phrygia's Söhne gesammt Stürmen hin zum Thore, Wollen der Danaer Trug, Das Fichtengebild vom Berg, Dardania's Unheil, ihr Zum Dank weihen,[OCR note; compare the printed page.] L. θεᾷ δώσων, χάριν ἄζυγος ἀμβροτοπώλε. Compare printed p. 53 Der unsterblichen züchtigen Jungfrau. Rings mit Schlingen von Lein Umwunden ward's, wie des Schiffes Bräunliches Boot, und zum marmornen Siz, Zum Tempel Athene's, unserer Stadt Verderben, zog man es aufwärts. Doch unter'm Werk, unter der Lust, Brach die dustere Nacht herein. Hell klang die Flöte Libya's Bei Phrygerweisen; im Tanze schwang In die Lüfte sich der Mädchen Fuß Zum Schalle froher Lieder: in Den Häusern sprüht der Fackeln Strahl Des Feuers dunklen Glanz aus, Bescheint müde Schläfer. Schlußgesang. Ich aber feiert' in meinem Haus Damals die Bergbewohnerin, Die Tochter Zeus', Artemis, Mit Reigentanz, die Jungfrau: Da tonte Mordgeschrei[OCR note; compare the printed page.] L. ἔδωκεν παρ᾽ ὕπνῳ. Compare printed p. 53 Die Stadt herauf zu Pergamos' Felssiz, und traute Kinder schmiegten sich erschreckt Mit scheuen Hånden an's Gewand der Mutter an. Der Feind stieg aus dem Hinterhalt, (Dein Werk, hohe Pallas!) Und Mord an Phrygeraltaren, Mord In Ruheståtten, wo die Junglinge zerstreut,[OCR note; compare the printed page.] καράτομος ἐρημία νεανιῶν, d. i. (nach Seidler) exitiosa, cædi obnoxia solitudo juvenum, qui non congregati, sed dispersi atque a suis deserti singuli in cubilibus opprimebantur. Compare printed p. 53 Von den Ihren verlassen, der Tod ereilt, Wand den Siegeskranz, o Hellas, Männerernährende, dir, Schus Gram Ilions Volke! (zu Hekabe) O Gebieterin, siehst du Andromachen hier, Die vorüber dir fährt auf fremdem Gespann? Und an wogender Brust, von der Mutter geschirmt, Folgt ihr Astyanar, Hektors Sohn. Hekabe. Wo trågt dich der Rücken des Wagens dahin,' Ungluckliches Weib? Du sizest bei Hektors eherner Wehr, Bei dem phrygischen Raub, von den Lanzen erjagt Aus Troja, womit des Achilleus Sohn[OCR note; compare the printed page.] Die Worte ἀπὸ Τροίας sind mit δοριθηράτοις zu verbinden, oder mit oἷσιν, wozu dann sour ergänzt werden muß. Compare printed p. 53 Sich die Tempel umkränzt in Phthiotis! Andromache steigt vom Wagen. Hekabe. Der Chor. Andromache. Dahin, fort führen mich Achia's Herrscher. Hekabe. Weh! Andromache. Warum jammerst du mit mir Hekabe. Weh, weh, weh! Andromache. Um meine Leiden, Hekabe. Ach! Zeus! Um mein bittres Loos? Kinder, einst waren wir! Andromache. Dahin schwand das Glück, dahin Troja! Hekabe. Dahin meiner Kinder edler Stamm! Weh, weh! Geschick! Andromache. Wehe mir um mein Hekabe. O trauriges Loos Der Stadt, die in Rauch zerstiebt! Andromache. komm, mein Gemahl Hekabe. Du rufst meinem Sohne, Welcher im Grab wohnt, Arme? Andromach e. Schůze deine Gattin! Auf du, der Achåer Verderben, Der Sohn' Erstgeborner, Mein und des Priamos einst, Bette mich in den Hades! Andromache. Wir, groß waren wir einst! Dies Leiden erdulden wir, Arme, Nun hinstürzte die Stadt; zu dem Jammer gesellt sich der Jammer, Feindlicher Götter Geschick, seit Paris entsloh dem Verhängniß, Der durch frevelnde Liebe die troische Feste zerstört hat. Blutige Leichname liegen am heiligen Tempel Athenes, Geiern zum Raube geweiht, und auf Ilion lastet die Knecht- Hekabe. schaft. Mein ungluckliches Land, ich beweine dich, muß dich verlassen, (Siehst du dein trauriges Ziel?) und das Haus hier, wo O Kinder, wůst ward die Stadt, Euere Mutter, von euch verlassen! ich gebar einst! Welch klåglicher Nuf, welch bittere Trauer! Thränen um Thränen, vergossen in unserem Hause, wie stromt ihr so bang! Nur Todte vergessen des Der Chor. Leidens. Wie sind die Thränen doch so süß dem Leidenden, Der Schmerz des Jammers und der Muse klagend Lied! Andromache. O Mutter du des Helden, der von Argos' Heer Erschlug so Viele, Hektors Mutter, siehst du das? Hekabe. Die Götter seh' ich, wie sie dort das Nichtige Hochstellen, hier vernichten, was erhaben schien. Andromache. Weg führt man mich und meinen Sohn: in Knechtschaft sinkt Der edle Stamm, der solche Schicksalswechsel litt. Hekabe. Ha, furchtbar ist das Schicksal! Eben ward auch mir Entführt Kassandra, mit Gewalt hinweggeschleppt. Andromache. Ein andrer Ajas, wie es scheint, ein zweiter ist Erschienen deinem Kind! Dich traf noch andres Leid. Hekabe. Ja, sonder Maß und Ende wühlt es fort an mir: Wetteifernd liegt mit Leide Leid in stetem Kampf. Andromache. Todt ist dein Kind, am Grab' Achillens hingewurgt, Dem todten Leichnam zum Geschenk, Polyrena. Hekabe. Ich Arme! Dieses war es, was Talthybios Mir jüngst in dunklem Rathsel klar verkündigte! Andromache. Ich sah sie selber, stieg vom Wagen hier herab, Barg ihren Leichnam in Gewand' und klagt' um sie. Hekabe. Weh, Tochter, daß du frevelhaft geopfert wardſt! Und wehe nochmals! Traurig war dein lektes Loos. Andromache. Ihr Sterben sei wie's wolle: doch ein schönres Glück Ward ihr, der so Gestorbnen, als mir Lebenden. Hekabe. D Tochter, Tod und Leben sind nicht Eins: der Tod Vernichtet; wo das Leben, ist die Hoffnung auch. Andromache. O Mutter, die den Tapfern mir gebar, vernimm[OCR note; compare the printed page.] Ich lese nach eigener Vermuthung κάρτιζον, und schreibe beide Verse so: ὦ μῆτερ, ὦ τεκᾶσα κάρτιςον, λόγων ἄκεσον οἷς σοι τέρψιν ἐμβαλῶ φρενί. Will man im ersten Verse λο'γον beibehalten, so lese man im folgenden ᾧ ft. οἷς. Compare printed p. 54 Ein Wort von mir, das deinem Herzen Trost gewährt. Ich acht' es gleich dem Tode, nicht geboren sein; Doch besser, als ein traurig Leben, ist der Tod. Denn keinen Schmerz empfindet, wer kein Leiden fühlt: Doch wer das Gluck gekostet und in Noth versinkt, Der sehnt sich stets und gråmt sich um's verlorne Gluck.[OCR note; compare the printed page.] ἀλᾶται τῆς πάροιθ' εὐπραξίας, aberrat a priori felicitate, er geht des früheren Glückes verlustig. Uber, bemerkt Matthia, addito ψυχὴν (in animo caret felicitate) inest simul significatio desiderii et ægritudinis. Diesen Sinn haben wir in der Uebersehung ausgedrückt. Compare printed p. 54 So liegt auch deine Tochter todt, als ob sie nie Das Licht gesehn, und weiß von ihren Leiden nichts. Doch ich, nach Ehre trachtend und des Ruhmes auch Die Füll' erringend, fehlte doch des Gluckes Ziel.[OCR note; compare the printed page.] Ich verbinde πλεῖσον mit εὐδοξίας, welches lektere dem Sinne nach auch zu τοξεύσασα gehört. Compare printed p. 54 Denn was der tugendhaften Frau zu üben ziemt, Dem lebt' ich immer redlich nach in Hektors Haus. Für's Erste, - mag der Flecken einer Schuld am Ruf Des Weibes haften oder nicht, schon dies erweckt Ihr båsen Leumund, wenn sie nicht zu Hause bleibt. Drum, solch Gelist verschmåhend, blieb ich still daheim; In meine Wohnung ließ ich nie das lockende Geschwaz verschmikter Frauen ein, der gute Geist Von Hause war mein Lehrer, ich war mir genug. Der Zunge Schweigen und des Auges sanften Blick Bewahrt' ich stets dem Gatten, wußte, wo der Sieg Ihm über mich gebührte, wo mir über ihn. Und solcher Sitten Kunde drang in Argos' Heer, Und wurde mein Verderben: denn nachdem sie mich Gefangen, wählte Pyrrhos mich zur Gattin aus; So muß ich Sclavin in des Mörders Hause sein ! Und wenn ich Hektors theures Haupt vergesse, wenn Mein Herz dem neuen Gätten sich in Liebe weiht, Schein' ich dem Todten ungetreu; doch, fahr' ich fort, Ihn treu zu lieben, werd' ich meinem Herrn verhaßt. Wohl hårt man sagen, Eine Nacht besanftige Den Groll des Weibes, welchen sie dem Mann gehegt. Doch wir verabscheu'n Eine, die, des ersten Manns Beraubt, in neuem Ehebund den andern liebt. Denn auch das Füllen, welches du vom Füllen trennst, Mit dem es aufwuchs, zieht das Joch nicht leichtes Muths: Doch ward dem Thier nicht Sprache, nicht Verstand verliehn, Und niedrer ist sein Wesen, als der Menschen Art. Du, mein geliebter Hektor, warst mir stets genug, Groß durch Verstand, durch Ahnen, Reichthum, Tapferkeit: Und rein empfangen hast du mich vom Vaterhaus, Und dich empfing als Ersten mein jungfräulich Bett. Und jezt ereilte dich der Tod, ich segle fort Nach Hellas, kriegsgefangen, in der Sclaven Joch. (zu Hekabe) Erscheint dir nun nicht minder schlimm, als mein Geschick, Das Ende deiner Tochter, die du so beklagst? Denn auch die Hoffnung, die den Menschen nie verläßt, Ist mir verloren; nimmer tauscht der Glaube mich An frohe Tage: lieblich zwar ist selbst der Wahn. Der Chor. Dein Leiden gleicht dem unsern; deine Klag', o Frau, Stellt uns vor Augen, welche Noth auch uns umfångt. Hekabe. Ich selbst bestieg zwar nimmermehr ein Meeresschiff; Doch sah ich's wohl in Bildern und vernahm davon. Wenn måßig nur die Schiffer überfällt ein Sturm, Da, sich zu retten, rennen sie voll Eifer um: Der schafft am Steuer, dieser läuft den Segeln zu, Der schöpft des Grundes Wasser aus. Doch wenn die See Obsiegt in grausem Ungestum, so weichen sie Dem Schicksal, überlassen sich der Wogen Lauf. So geht's auch mir: von vielem Ungemach bedrängt, Verstumm' ich, issne nicht den Mund und klage nicht; Denn mich besiegt der Götter unheilvoller Sturm. Doch, theure Tochter, weine jezt um Hektors Loos Nicht långer; denn ihm nüzen deine Thränen nichts:[OCR note; compare the printed page.] L. ἐ γὰρ δάκρυά νιν σώσει τὰ σά. Compare printed p. 54 Nein, halte den in Ehren, der dir nun gebeut, Und deines Wesens holden Neiz mißgonn' ihm nicht. So wirst du deine Lieben all' erfreun, o Kind, Und kannst den Knaben, meines Sohnes Sohn, erziehn Zum größten Heil der Troer, daß die Söhne, die Von dir dereinst entsprossen, Troja wiederum Aufbauen und ein neues Ilion ersteht. Indeß aus einem Worte folgt ein andres ja Welch einen Diener seh' ich dort von Argos' Heer Sich nåhern, neue Schlusse wohl uns kundzuthun? Talthybios. Hekabe. Andromache. Der Chor. Talthybios. Weib des besten Helden einst im Phrygervolk, Nicht hasse mich: denn wider Willen meld' ich nur Den Schluß der Pelopiden und der Danaer.[OCR note; compare the printed page.] Der Pelopiden, des Agamemnon und des Menelaos, deren Vater Atreus ein Sohn des Pelops war. 〃 725, τοιαῦτα νικήσειε τῶν αὑτῷ πέρι! τοιαῦτα ist Nominativ des Subjektes. „Möge solches durchgesezt werden auch in Betreff seiner eigenen Kinder!" Compare printed p. 54 Andromache. Was ist es? Weßhalb hebst du mir so traurig an? Talthybios. Man hat beschlossen, deinen Sohn - Wie sag' ich's nur? Andromache. Wohl, daß er uns nicht folgen soll zum gleichen Herrn? Talthybios. Niemals gebietet über ihn ein Danaer. Andromache. So läßt man hier ihn, einen Nest vom Phrygervolk? Talthybios. Wie dir das Bise sagen? Weh! Ich weiß es nicht. Andromache. Die Scheu ist löblich: bråchtest du das Gute nur! Talthybios. Vernimm das Grause: deinen Sohn ermorden sie. Andromache. Weh! Grauser, als mein Ehebund, ist dieses Leid! Talthybios. Der Sohn Laertens sezt' es durch in Argos' Nath Andromache. Weh, wehe! Kein gemeines Leid erdulden wir. Talthybios. „Nicht leben," sprach er, darf des besten Vaters Sohn" - Andromache. Verdamme seine Kinder auch ein solcher Spruch! Talthybios. „Von Thürmen Troja's werd' er denn hinabgestürzt!"[OCR note; compare the printed page.] Ε. δεῖν σφε. Compare printed p. 54 Doch also thu nun, und du zeigst dich weiser auch: Nicht halte fest am Sohne, nein, duld' aus mit Muth, Und wähne nicht dich machtig, wo du machtlos bist; Denn Hülfe hast du nirgends; auch erwäge dies: Hin Troja, hin ist Hektor, du bist Sclavin hier, Und wir vermögen wahrlich doch mit Einer Frau Zu kämpfen. Darum gehe nicht auf Hader aus,[OCR note; compare the printed page.] Die Infinitive ἐρᾶν und dρᾶν sind nicht durch ein ausgelassenes δεῖ oder χρή zu erklären, sondern abhängig von βέλομαι V. 735. Es ist deßwegen nach δρᾶν V. 734 nicht ein Punkt, sondern ein Komma zu sehen. Compare printed p. 54 Und nichts beginne, was dir Haß und Schande bringt; Auch möcht' ich rathen, sluche nicht auf Hellas' Volk: Denn sagst du Etwas, das den Zorn des Heeres weckt, So wird der Knabe nicht bestattet, nicht beklagt. Doch, trågst du schweigend und gelassen dein Geschick, So bleibt des Sohnes Leiche nicht grablos zuruck, Und Hellas' Sohne werden dir gewogner sein. Andromache. O Liebster, o mein über Alles theurer Sohn, Dich würgt der Feind, die Mutter låssest du zurück! Und deines Vaters hoher Nuhm bringt dir den Tod, Der Ruhm des Helden, der den Andern Heil gebracht! Des Vaters edle Tugend war kein Segen dir. O jammervoller Chebund, o bråutlich Fest, Wodurch ich einst in Hektors Heldensiz gelangt, Nicht dich zum Opfer Hellas' Volk zu zeugen, Sohn, Nein, als den Herrn der saatenreichen Asia! Du weinst, o Sohnchen? Ahnest du dein Misgeschick? Was hältst du, Kind, mich, hangst dich fest an mein Gewand, Und schmiegst in meine Flugel dich, dem Hühnchen gleich? Nicht kommen mehr wird Hektor, kehrt mit stolzem Speer[OCR note; compare the printed page.] Wörtlicher : Nicht Hektor kommt mehr, der den stolzen Speer ergreift, Und, dich errettend, aus dem Grabe wiederkehrt. Compare printed p. 54 Nicht mehr, dich rettend, aus der Erde Schooß zurück, Auch nicht des Vaters Freunde, nicht der Phryger Macht: Hinab von Thurmhöhn stürzest du den grausen, Sprung Hauptlings, und hauchest unbeweint das Leben aus! O du, des Mutterarmes zarte, liebe Last! O süßer Hauch der Lippen! Also hat umsonst In Windeln diese Mutterbrust dich aufgenåhrt, Ich müht' umsonst mich, zehrte mich in Sorgen ab! Zum leztenmale wirf an's Herz der Mutter dich, Umfange, die dich geboren! Schlinge deinen Arm Um meinen Nacken, füge Mund an Mund, o Kind! Ihr, roher Qual Erfinder, schnide Danaer, Was mordet ihr den Knaben, der kein Uebles that? Nie, Tyndaride, warest du Zeus' Tochter, nie; Von vielen Våtern stammtest du, behaupt' ich kuhn: Zuerst von einem bösen Geist, vom Neide dann, Tod, Mord und anderm Fluche, den die Erde nåhrt. Ja, nimmermehr behaupt' ich, daß Zeus dich gezeugt, Um die so mancher Phryger und Hellene starb. Tod über dich! Mit deiner Augen holdem Licht Hast du der Phryger stolze Gaun schmachvoll zerstört. Fuhrt, schleppt, hinunter stårzt ihn, wenn's euch so gefällt! Verschlingt sein Fleisch! Denn Götterschicksal brachte mir Den Untergang, und meinen Liebling kann ich nicht Vom Tode retten! Hüllt mich ein, und werst in's Schiff Mich Jammervolle! Denn ein brautlich schönes Fest zu feiern geh' ich Arme, die den Sohn verlor! (Sie wird hinweggeführt.) Der Chor. Unselige Troja, du verlorst viel Tausende Der Einen Frau fluchvollem Ehebund zulieb! (zu Astyanax) Talthybios. Auf, Sohn, laß ab von dem holden Gespräch Mit der trauernden Mutter, und steige mit uns Zu der heimischen Burg Thurmzinnen empor, Wo der Danaer Schluß dir zu sterben verhångt! (zu den Dienern) Da nehmt ihn! - Solchen Beschluß darf nur Ankünden ein Mann, der, mitleidlos Und ohne Gefühl, nicht unseres Sinns,[OCR note; compare the printed page.] L. καὶ ἀναιδείᾳ τῆς ἡμετέρας γνώμης μᾶλλον φίλος ἐςίν. Der Dativ ἀναιδείᾳ ist abhängig von μᾶλλον φίλος, so wie τῆς ἡμετέρας γνώμης f. ἢ ἡ ἡμετέρα γνώμη. Wörtlich: qui impudentiæ magis amicus est, quam noster animus, i. e. quam nos. Compare printed p. 54 Schamloser Vermessenheit huldigt! (geht ab mit Astyanar.) Hekabe. Ach Kind, ach Sohn des verlorenen Sohns, Dein werden wir ruchlos beide beraubt, Deine Mutter und ich! Was soll ich dir thun, Ungluckliches Kind? Dies will ich dir weihn, Will schlagen das Haupt und zerschlagen die Brust: Dies kann ich allein. Weh, weh um die Stadt, Und weh mir um dich! Was fehlte mir noch, Was wäre zurück, daß in vollestem Maß Auf mich sturmt' alles Verderben? Erste Strophe. Der Chor. Des bienenernährenden Landes Salamis König, o Telamon, der Des umfluteten Eilands Ufer bewohnt, Das an die heiligen Hügel sich lehnt, wo des schimmernden Delbaums Veltester Zweig einst auf das Gebot Athene's Sproste, der himmlische Kranz und der Schmuck des gesegneten Landes: Du kamst, du kamst, werbend um Ruhm,[OCR note; compare the printed page.] Herakles, der Sohn Alkmene's, landete mit den übrigen Argonauten an der Küste von Troas, und befreite Hesionen, Tochter des trojischen Königs Laomedon, die, zur Sühne für ihr Vaterland, von einem Meerungeheuer sollte verschlungen werden. Laomedon hatte ihm dafür seine Rosse versprochen, die über die Saat hinliefen, ohne sie zu beugen; allein da der Held aus Kolchis zurückkam, weigerte sich der König, sein Wort zu halten. Erzürnt über diese Treulosigkeit, kehrte Herakles in der Folge mit auserlesenen Jünglingen zurück, zerstörte Troja, tödtete den Laomedon, und gab dessen Tochter Hesione seinem tapfersten Kriegsgefährten, Telamon, zur Gemahlin. Bothe. Compare printed p. 55 Mit Akmena's Sohn, dem bogenbewehrten, kamst, Ilion, Ilion, unsere Stadt, zu zerstören, heran In der früheren Zeit Erste Gegenstrophe. Mit Hellas' erlesenster Blüthe Zog er daher, ob den Rossen erzurnt : An des Simois breithinstromender Flut Band er das Schiff, das die Meere durchwallt, mit den Tauen des Spiegels, Nahm aus der Barke die treffende Wehr, die Troja's Könige sendet den Tod, und die thurmenden Mauern Apollons Mit rothem Gluthauche des Feuers verheerend, begrub er Troja's Land in Leid, Und in dem doppelten Sturm warf zweimal die Dardanosstadt Sein blutiger Speer in den Staub hin. Zweite Strophe. So füllst du denn, der du sanft Bei goldenen Bechern umhergehst, Troischer Könige Sohn, füllst die Pokale des Zeus[OCR note; compare the printed page.] Troïscher Könige Sohn, Ganymedes, Sohn des trojischen Königes Tros und Bruder des Ilos und Assarakos. Wegen seiner Schönheit ließ ihn Zeus durch seinen Adler von dem Berge Ida, wo er die Herden weidete, in den Himmel holen, und machte ihn zu seinem Mundschenken. Compare printed p. 55 (O schönster Dienst!) umsonst mit Nektar. Die dich geboren, die Stadt, lodert in Flammen auf, Und die Gestade des Meeres umher[OCR note; compare the printed page.] L. ἠνόνες δ' ἅλιαι ἰαχᾶο, οἷον οἰωνὸς τεκέων ὑπερ βοᾷ. Compare printed p. 55 Jammern laut, wie der Vogel um der Kinder Tod, Dort um Ehegatten, hier Um verlorne Söhne, dort um greise Mütter. Hin sind dir die thauigen Båder, Hin auf den Bahnen der Lauf: Doch du weidest in Wonnen dein Jugendlich Angesicht an Zeus' hohem Thron, Reizend und still, und des Priamos Fluren erlagen Argos' tapfrer Lanze! Zweite Gegenstrophe. O Liebe, Lieb', einst erschienst Du, waltend in himmlischer Götter Busen, in Dardanos' Haus: machtig erhobest du da Die Zinnen Troja's, knupftest zwischen Göttern und Menschen den Bund! Deines Verrathes, o Zeus, Will ich nimmer gedenken; doch auch[OCR note; compare the printed page.] 2. τὸ δὲ τᾶς. Compare printed p. 55 Der weißbeschwingten Eos Licht, den Menschen hold,[OCR note; compare the printed page.] Eos, die Göttin der Morgenröthe, liebte den Tithonos, den Sohn des Laomedon, und entführte ihn nach Aethiopien, wo sie von ihm den Emathion und den Memnon gebar. Compare printed p. 55 Blickte nieder auf das Land, Auf die Veste Pergamos, Verderben sinnend,[OCR note; compare the printed page.] Φέγγος ὀλοὸν εἶδε γαῖαν, i. e. ὀλόοφρον εἶδεν ἐς γαῖαν. Seidler. Compare printed p. 55 Obwohl sie den Jungling aus Troja's Flur zum Gemahl sich erwählt, Den einst der Sterne strahlendes, Goldenes Viergespann himmelempor entführt, Glanzende Hoffnung dem Land! Doch die Liebe der Götter War dahin für Troja! Menelaos mit Kriegern und Sclaven. Hekabe. Der Chor. Menelaos. O Sonne dieses Tages, goldenstrahlende, Wo mir vergånnt wird, meine Gattin Helena Bu fahen: ich bin jener Vielgequålte, bin Menelaos, diese Männer sind von Argos' Heer. Ich kam gen Troja, nicht des Weibes wegen, wie Sie wähnen, sondern um den Mann zu züchtigen, Der sie, den Freund berückend, meinem Haus entführt. Doch dieser hat mit Götterhulfe schon gebust, Er samt dem Lande, das vor Hellas' Speer erlag. Nun komm' ich, die von Sparta (denn ich nenne sie Ungerne Gattin, die vordem die Meine war,) Hinwegzuführen. Hier im Zelte wurde sie Den Troërfrau'n als Kriegsgefangne beigezählt. Denn die sie mir erſtritten, übergaben sie Mir nun zu tödten, oder, woll' ich dieses nicht, Sie wieder heimzuführen in's Argeierland. Doch mir gefiel es, nicht in Troja's Gauen ihr Den Tod zu geben, sondern sie heimwårts im Schiff Zu führen, daß zur Sühne dort die Danaer Sie todten, deren Freunde hier gefallen sind. Nun auf, o Diener, gehet ihr in's Belt hinein, Und bringt sie her, die blutbefleckte Mörderin, Geschleppt am Haare! Wenn die Wind' uns gunstig wehn, Soll sie mit uns heimziehen in's Hellenenland. Hekabe. O du, der Erden Stuze, der auf Erden thront, Zeus, wer du seist auch, Hoher, Unerforschlicher, Ob Geist des Menschen, ob Naturnothwendigkeit, Ich flehe dich an: denn du lenkst, auf stiller Bahn Hinwandelnd, alles Menschenloos zum rechten Ziel. Menelaos. Was gibt es, daß du wiederum die Götter rufst? Hekabe. Ich lob' es, König, gibst du deinem Weib den Tod, Doch, siehst du sie, so fliehe; Sehnen faßte dich. Sie fesselt Månneraugen, stürzt die Stadt' in Staub, Entflammt die Häuser: solcher Zauber wohnt in ihr. Ich, du und Jeder kennt ihn, der's mit uns erfuhr. Helena wird von den Dienern herbeigeführt. Die Vorigen, Helena. Ein solches Vorspiel wahrlich muß mit Schrecken mich Erfüllen, o Menelaos; durch der Diener Hand Werd' ich gewaltsam hergeschleppt aus diesem Zelt! Indessen ahnt mir, daß du mich wohl hassen mußt; Doch will ich fragen, welches Urtheil Argos' Heer Und du, mein König, über dieses Haupt verhångt. Menelaos. Nicht ängstlich ward berathen; mir, an welchem du Gefrevelt, gab dich alles Volk zum Tode hin. Helena. Mir ist ein Wort doch wider solchen Spruch erlaubt? Ich sterbe, wenn ich sterbe, nicht gerechten Tod. Menelaos. Nicht um zu streiten, dich zu tödten bin ich hier. Hekabe. Vernimm sie, daß sie solcher Gunst im Tode nicht Entbehre, König, und die Gegenrede laß Mich ihr erwiedern. Was sie that im Troërland, Das weißt du nicht. Doch meiner Worte voll Gewicht, Es trifft sie todtend, daß sie nimmermehr entrinnt. Menelaos. Ich mag die Frist ihr schenken. Wenn sie reden will, Ist ihr's vergönnt. Doch wegen deiner Worte nur Gewähr' ich dieses, wiſſe ſie's, nicht ihr zulieb. Helena. Wohl wirst du, dünkt dir unser Wort gut oder schlecht, Mir nicht erwiedern, weil du mich für feindlich håltst. Doch will ich Allem, was du mir im Geist vielleicht[OCR note; compare the printed page.] διὰ λόγων ἰέναι ist, wie es auch Bothe genommen hat, im Geiste erwägen, bei sich zu Rathe gehen." Compare printed p. 55 Vorrückst, sofort entgegnen, daß die Klagen sich, Die meinen und die deinen, gegenüberstehn.[OCR note; compare the printed page.] Für τοῖς σοῖοιν ist zu lesen λόγοισι, und die ganze Stelle so zu fassen: „Ich will demjenigen, was du, wie ich glaube, mir im Herzen vorrücken wirst, mit Worten begegnen, indem ich meine und deine Klagen einander gegenüberstelle." Compare printed p. 55 Zuerst gebar uns Hekabe der Uebel Quell, Gebar den Paris; dann vernichtet' Ilion Und mich der Alte, daß er Alexandros nicht,[OCR note; compare the printed page.] Der Alte, Priamos. Compare printed p. 55 Der Fackel unheilvolles Bild, als Kind erschlug.[OCR note; compare the printed page.] Als Hekabe mit Alexandros (oder Paris) schwanger ging, träumte ihr, sie gebäre eine Fackel, die Troja verzehre. Compare printed p. 55 Nun höre weiter, wie das Andre sich verhält. Er sollte Richter zwischen drei Göttinnen sein. Und ihm gelobt Athene, daß er Argos' Land Als Phrygerfeldherr seinem Volk erobern soll; Europa's Marken, Asia's Herrschaft verhieß Des Zeus Gemahlin, gebe Paris ihr den Preis; Doch Kypris, hoch von meinem Reiz entzückt, versprach Mich ihm zu geben, wichen ihr die Göttinnen An Schönheit. Nun erwäge, was hiernachst geschah. Kythere siegt, und (also frommte Hellas' Volk Mein neuer Ehbund!) ihr erlagt den Phrygern nicht, Besiegt im Lanzenkampfe, tragt kein fremdes Joch. Was aber euch Heil brachte, war mein Fluch: ich ward Verkauft der Schönheit wegen und erdulde Schmach, Wo meinem Haupte billig wohl ein Kranz gebührt. Noch nicht berührt' ich, sagst du wohl, das Nähere, Warum ich heimlich deinem Haus entflohen bin. Es kam (mit ihm kam eine Göttin, groß an Macht) Mein böser Damon, ob ihr Alexandros ihn Mit Namen, oder Paris auch ihn nennen wollt: Und den, o Schnider, ließest du in deinem Haus, Und zogst im Schiff aus Sparta fern' in's Kreterland! Wohlan! Nicht dich befragen will ich nun, ich frage mich: Wo waren meine Sinne, daß ich deinem Haus Entfloh, dem Fremdling folgte, Land und Haus verrieth? Schilt auf die Göttin, über Zeus erhebe dich, Der, Herr der andern Götter, doch der Sclave ward Von dieser Göttin: werde denn auch mir verziehn! Doch - scheinbar zeihen könntest du mich Einer Schuld: Als Alexandros zu den Schatten schied, und mich Kein Gott in neuer Ehe band, so mußt' ich wohl Das Haus verlassen und zu Hellas' Schiffen fliehn. Dies wollt' ich auch vollfuhren: das bezeugen mir Die Spåher dort auf Mauern, hier auf Thurmeshöhn, Die manchesmal mich trafen, wann ich ingeheim Am Strick von hoher Zinne mich hinunterließ. Doch raubte mich der neue Gatte hier und ward, Troz allen Phrygern, mein Gemahl, Deiphobos. Wie sturb' ich nun, mein Gatte, noch gerecht durch dich, Ich, welche dieser mit Gewalt zum Weibe nahm, Und der die Schönheit statt der Siegeskränze nur Mit bittrer Knechtschaft lohnte? Willst du großer sein Als Götter, dies zu wollen nur ist Thorenwahn. Der Chor. Hilf deinen Kindern, Fürstin, hilf dem Vaterland, Ihr glattes Wort vernichte! Denn wohl redet sie Geschickt und ist voll Tucke; das ist wahrlich schlimm. Hekabe. Zuerst den Götterfrauen bin ich Helferin, Und will erweisen, daß sie nicht geziemend sprach. Ich glaube nicht, daß Here, daß Zeus' göttliche Jungfrau zu Thorheit also sich entwürdigten, Daß Here Argos, Pallas ihr Athen verkauft, Um Phrygern, um Barbaren unterthan zu sein. Scherz war es, daß sie, kämpfend um der Schöne Preis, Zum Ida gingen! Denn warum erfüllte wohl Solch eitles Sehnen, schon zu sein, der Here Brust? Daß ihr ein beſſrer Gatte wurd' als Kronos' Sohn? Auch suchte Pallas einen Gott zum Manne wohl, Sie, die von ihrem Vater Zeus Jungfraulichkeit Erbat und Hymens Freuden flieht? O mache doch Die Götter nicht zu Thoren, und beschönige Nicht dein Verbrechen: du beligst die Weisen nicht![OCR note; compare the printed page.] L. μὴ ἐ πείσης σοφές. Compare printed p. 55 Du sagtest weiter, Kypris sei (wie lächerlich!) Mit einem Sohn gekommen in Menelaos' Haus. Sie konnte, wenn sie ruhig im Olympos blieb, Dich samt Amyklå führen nach der Troërstadt![OCR note; compare the printed page.] Amyklä, Stadt in Lakonien, wo Helena mit ihrem Vater Tyndareos wohnte. Compare printed p. 55 Mein Paris glänzte Göttern gleich an Wohlgestalt; - Dein Sinn, der ihn erblickte, ward zur Kypria. Ihn sahst du goldenstrahlend in barbarischen Gewanden prunken, und in Wuth entbranntest du. Denn Argos, wo du weiltest, bot dir Wenigesв; Von Sparta scheidend, hofftest du, die Phrygerstadt, Von Golde stromend, werde dir im Uebermaß Genusse spenden, weil des Gatten Haus dir nicht Genugte, schwelgend deine Lust zu såttigen. Wohlan! Du sagst, gewaltsam håtte dich mein Sohn entführt. Wer hörte das in Sparta? Welchen Jammerruf Erhobst du, da doch Kastor, da sein Bruder doch Noch lebte, noch nicht zugesellt den Sternen war? Drauf als du kamst gen Troas und auf deiner Spur Die Danaiden, und der Speere Kampf begann: Da priesest du Menelaos, wenn ein Sieg von ihm Verkündet wurde, daß mein Sohn sich angstigte, Nun seiner Liebe solch gewalt'ger Feind erstand. Doch wenn die Troër siegten, war Menelaos nichts. Nur auf das Gluck hinschauend, allezeit bemüht, Nur ihm zu folgen, folgtest du der Tugend nicht. Dann ließest du dich ingeheim, behauptest du, Am Strick den Thurm hinunter, bliebst mit Strauben nur. Wo sah man aber Seile dich befestigen, Wo Schwerter scharfen, was ein tugendhaftes Weib Thun mußte, die sich nach dem frühern Gatten sehnt? Und doch ermahnt' ich wiederholt und dringend dich: „Zieh' hin, o Tochter: meine Söhne freien dann Um andre Frauen; heimlich send' ich dich hinaus Zum Heer Achaa's; ende du den blut'gen Kampf Troja's mit Hellas!" Aber du verschmähtest dies. Denn Paris' Haus behagte deinem Uebermuth, Du wolltest angebetet von Barbaren sein. Dies war dir etwas Großes; drum erschienest du Stets ausgeschmuckt, und sahst mit deinem Gatten doch Denselben Aether! O der Abscheuwürdigen! Dir ziemte nur geschoren, in zerrissnem Kleid, Von Kålte zitternd, tiefgebeugt einherzugehn, Bescheidne Tugend übend statt Schamlosigkeit, Nachdem du früher also dich versündiget! Damit du weißt, Menelaos, wo ich enden will: Zu Hellas' Ruhme todte sie und ehre so Dich selbst; den andern Frauen, Herr, gib das Gesez, Daß Jede sterben müsse, die den Mann verrieth! Der Chor. Wie's deiner Ahnen würdig ist und deines Stamms, Straf', Herr, die Gattin, wende Hellas' Tadel ab, Du seiest weibisch, zeige dich den Feinden stark! Menelaos. Wie's meine Meinung immer war, so sagst auch du, Daß diese hier freiwillig meinem Haus entfloh Zu fremder Buhlschaft: Kypris ward zum Scheine nur Hereingezogen. Büße denn durch Steinigung, Vergilt Achaa's lange Muh'n durch kurzen Tod, Damit du wissest, daß man uns nicht so beschimpft! Helena. Bei deinen Knieen, - rechne mir der Götter Schuld Nicht an und laß mich leben, ja, verzeihe mir! Hekabe. Verrathe nicht die Kriegsgenossen, die sie dir Erschlug: für sie, für ihre Kinder fleh' ich, Herr. Menelaos. Laß ab, o Greisin: mich bekummert diese nicht! Euch, Diener, sag' ich, schaffet sie zum Steuer fort Des Schiffes, das sie tragen soll in Argos' Land! Hekabe. Sie gehe nicht an Eines Schiffes Bord mit dir! Menelaos. Wie so? Du meinst, sie ware schwerer als zuvor? Hekabe. Wahrhaft ja liebt nicht, wessen Herz nicht immer liebt. Menelaos. Damit mein Sinn vergesse, was er einst geliebt, Geschehe, was du wunschest: nicht dasselbe Schiff[OCR note; compare the printed page.] Ich lese ἐςαι γ' ἃ βέλει, und schließe diese Worte an das Vorangehende. Compare printed p. 55 Soll sie mit uns besteigen; wohl ermahnst du mich. Nach Argos kommend, wird die Schlimme schlimmen Tod Erleiden, wie sie's wurdig ist, und alle Fraun Bescheidne Sitte lehren: leicht ist dieses nicht; Doch wird das Ende dieser Frau den Thorensinn Der andern schrecken, wåren sie auch schlimmer noch! (geht ab mit Helena und dem Gefolge.) Erste Strophe. Der Chor. Also gabst du den Tempel in Troja, die duftenden Opferherde, Den Achdern, o Zeus, hin, Samt der heiligen Fladen Glut Und hochwallendem Nauch der Myrrhe, Auch Pergamos' Burghöhn Und Ida's Waldthale, grün von Epheu, die Der Schnee Skamanders kalt durchstromt, Und Ida's Haupt, welches zuerst Helios trifft,[OCR note; compare the printed page.] f. Der Ida heißt Gottes wohnsiz vornehmlich deßhalb, weil Zeus auf ihm zu verweilen pflegt. Nach Pomponius Mela schien sein Gipfel beinahe schon von Mitternacht an Strahlen zu werfen, die sich, je näher das Licht der Sonne kam, nach und nach in Einen Lichtglanz vereinigten. Compare printed p. 55 Diesen vom Himmel umschimmerten Gotteswohnsiz! Erste Gegenstrophe. Hin, hin sind dir die Opfer, der Chore fröhlicher Ruf im Dunkel, Nachtfeste der Götter;[OCR note; compare the printed page.] Nachtfeste der Götter, nächtliche Feste mit Chortänzen und Gesang. Compare printed p. 55 Hin ist goldener Bilder Glanz, Hin die zwölfmal erneuten heiligen Mondsfeiern der Phryger.[OCR note; compare the printed page.] Die heiligen Mondsfeiern, Feste des Neumondes, die am crsten Tage des Monats gefeiert wurden. Bothe. Compare printed p. 56 Mich kummert's schwer, ob du dessen denkst, o Herr, Umwandelnd deiner Himmel Siz In Aethershöhn, als die Stadt unterging, Die des umlodernden Feuers Gewalt verzehrte. Zweite Strophe. Theuerster, du, mein Gemahl, Schweifst ungebadet, grablos,[OCR note; compare the printed page.] ἄνυδρος, δ. ἱ. ἐ λελεμένος, ungebadet, ungewaschen. Man wusch die Todten, bevor sie bestattet wurden. Compare printed p. 56 Umher am Strand des Kokytos; mich entführt das Schiff Ueber das Meer auf Schwingen des Ruders Zur roßprangenden Flur, wo die steinernen Kyklopenmauern himmelan sich heben.[OCR note; compare the printed page.] S. zu Iphigeneia in Aulis V. 149. Compare printed p. 56 Der Kinder Schaar am Thore weint Und stöhnt in bittrer Seelenangst,[OCR note; compare the printed page.] δάκρυσι κατάορα ςένει. κατήορος, κατάορος, wie das römische suspensus, in der Bedeutung von dem durch Furcht unsicher gemachten Zustande der Seele, deren Gleichgewicht gestört ist. Compare printed p. 56 Und ruft und ruft: Mutter, weh mir! Allein führt mich Argos' Heer, Allein, fern' hinweg aus deinem Blick, Führt mich im blaulichen Meerschiffe zur heiligen Flur Salamis' oder zur Burg, ragend am Doppelgestad'[OCR note; compare the printed page.] Ephyre's Doppelgestade. Korinthos, das an zwei Meeren liegt (daher bimaris Corinthus bei Horaz), hieß in alten Zeiten Ephyre. Compare printed p. 56 Ephyre's, wo sich das Thor Erschließt von Pelops' Reiche.[OCR note; compare the printed page.] Das Reich des Pelops, der Peloponnes, wohin der Weg über die Landenge führt, auf welcher Korinthos liegt. Compare printed p. 56 Zweite Gegenstrophe. Wenn das unselige Boot Mitten die See durchschneidet, Dann schmettre nieder in die Bark' ein heiliger Strahl im Aegåermeere von Zeus her,[OCR note; compare the printed page.] πῦρ δίπαλτον, δ. ἱ. διΐπαλτον, ὑπὸ Διὸς παλλόμενον, ein Feuerstrahl von Zeus her. Compare printed p. 56 Weil es von Ilion mich lautweinende, Vom Vaterland, als Sclavin führt nach Hellas, Und goldne Spiegel, Wonnelust Der Mädchen, trågt für Helena, Die Tochter Zeus'! Daß er niemals Zur Flur Sparta's komme, nie Zum uralten Herd, der Ahnen Siz, Oder in Pitane's Stadt, oder, o Pallas, in dein[OCR note; compare the printed page.] Pitane, Stadt in Lakonien am Eurotas. Compare printed p. 56 Ehernes Haus, der Mann, der durch das schåndliche Weib Trauer dem Simois bringt Und Schmach der großen Hellas! Weh, weh! Leid wechselt um Leid in dem Unglucksland, Stets neu, stets neu. Seht, ilische Fraun, Ach, seht des Astyanar Leichnam dort, Den im grausamen Sturz von den Thürmen hinab Hellenische Männer gemordet! Talthybios mit Dienern, die den Leichnam des Astyanax tragen. Hekabe. Der Chor. Talthybios. Ein einzig Schiff von allen ist, o Hekabe, Zurückgeblieben, das des Pyrrhos übrige Kriegsbeute nach Phthiotis' Küste tragen soll. Er selber, Pyrrhos, schiffte fort, nachdem man ihm Verkündet Peleus' grauses Leid, daß ihn der Sohn Des Pelias, Akastos, aus dem Lande trieb: Weshalb (denn långres Weilen schuf ihm keine Lust)[OCR note; compare the printed page.] L. & χάριν μονῆς ἔχων. Compare printed p. 56 Er eilig fortzog und mit ihm Andromache, Die, da sie schied vom Lande, mir der Thränen viel Entlockt, um Troja weinend und des Gatten Grab Anredend. Auch erslehte sie die Gunst von euch, Den Todten hier zu bestatten, der sein Leben ließ Hinabgestürzt vom Thurme, deines Sohnes Sohn, Und diesen Schild aus Erze, der das Schrecken war Von Hellas, den sein Vater einst zur Seite trug, Daß nicht zu Peleus' Herde, nicht zum Brautgemach, Wo seine Mutter wohnen wird, Andromache, Der Schild gelange, den zu seh'n ihr schmerzlich sei. Nun, statt des Cedersarges, statt des Marmormals, Begrabt in ihm den Knaben, und mit deinem Arm Verhülle seinen Leichnam in Gewande, Frau, und kranz' ihn, wie dein Schicksal dir es jekt vergonnt, Da sie geschieden und des Herrn Eilfertigkeit Ihr nicht gestattet, ihren Sohn in's Grab zu thun. Wenn du geschmuckt den Leichnam, häufen wir um ihn Die Erd', erhdhen eine Lanz' auf seinem Grab.[OCR note; compare the printed page.] L. ἐπαμπισχόντες ἀρῶμεν δόρυ. Compare printed p. 56 Vollende du nun eilig, was geboten ist! Von Einer Mühe hab' ich euch bereits erlöst: Denn als ich hier Skamandros' Fluten überschritt, So badet' ich den Todten, wusch die Wunden rein. Nun will ich eilen, ihm ein Grab aufschutten gehn, Daß meine Müh' und deine sich vereinigend Zum Strand der Heimat ohne Rast das Schiff entführt. (geht ab.) Hekabe. Legt hin zur Erde meines Sohns gewölbten Schild! Anblick der Trauer, der mein Auge nicht erfreut! Ihr, groß und stolz in Waffen, doch an Geiste klein, Warum, Achder, übtet ihr den grausen Mord An diesem Knaben? Daß er Ilion dereinst Vom Fall' erhebe, sorgtet ihr? Nichts wart ihr denn, Als wir erlagen, da für uns zahllose Macht, Da noch mein Hektor glücklich rang im Lanzenkampf? Nun, da die Stadt erobert, unser Volk vertilgt, War solches Kind euch furchtbar? Nimmer lob' ich es, Wenn Furcht die Mannerherzen ohne Grund beschleicht. Du Lieber, welch ein Jammertod kam über dich! Starbst du für deiner Ahnen Land ein Jungling einst, Vermählt, begabt mit gåttergleicher Herrschgewalt: Du wårst begluckt gewesen, wenn das glucklich macht. Nun sahst du dieses, hast's im Geist erkannt, o Kind, Nicht wissend, daß du 's sahest, hast der Guter nicht Genossen, die dir Hektors Haus in Fülle bot. Unglucklich Haupt, wie klåglich, ach, zerfleischten dich Die Vatermauern, die der Gott emporgethurmt![OCR note; compare the printed page.] Der Gott, Apollon. Compare printed p. 56 Die Mutter pflegte dieses Haar so sorgsam einst, Und küßte diese Locken -: aus zerschmetterten Gebeinen (Graus'res nenn' ich nicht) grinst hier der Mord! Ihr, Hånde, tragt des Vaters holdes Ebenbild: Doch nun wie hångt ihr also schlaff und aufgelöst! O Mund, du goldner, der so viel verhieß, du bist Dahin! Du logest, als du sprachst, in mein Gewand Dich schmiegend: „Mutter, viele Locken will ich dir An deinem Grabe weihen, und der Freunde Schwarm Hinführend, ruf ich holder Namen Laut dir zu.” Nicht du begråbst mich; ich, die Greisin, kinderlos, Beraubt der Heimat, lege dich, den Sohn, in's Grab. Weh mir! Die vielen Küsse, meine Sorg' um dich, Dein süß Versprechen ist dahin! Was schreibt dir wohl[OCR note; compare the printed page.] L. κόμποι τ' ἐκεῖνοι. Vgl. V. 1162. ὦ πολλὰ κόμπες ἐκβαλόν φίλον σόμα. Compare printed p. 56 Ein Sånger einst auf deinen Grabeshugel, Kind? „Dem Knaben hier gab Argos' Kriegesheer den Tod Aus Furcht." O Inschrift arger Schmach für Hellas' Volk! - Sohn, wird dir auch kein Vatererbe sonst, empfångst[OCR note; compare the printed page.] Für ἀλλ᾽ ὦ 1. ἄλλων, das mit πατρῴων zu verbinden ist. Compare printed p. 56 Du doch den Erzschild, der dich bald als Sarg umschließt. D. du, der Hektors schönen Arm vordem geschirmt, Weh, deines besten Huters bist du nun beraubt! Am Ringe haftet deiner Hand geliebte Spur,[OCR note; compare the printed page.] Um Ringe, eigentlich an dem Riemen, welcher durch den Ring des Schildes gezogen war, um diesen daran fester zu halten. Bothe. Compare printed p. 56 Am schöngewölbten Rande klebt hier noch der Schweiß, Der oft von deiner Stirne trof in heißer Noth, Mein Hektor, wenn du kämpfend an die Wang' ihn hieltst![OCR note; compare the printed page.] L. ἔςαζες, Ἕκτορ. Compare printed p. 56 Auf, bringt dem armen Leichnam seinen Schmuck daher, Wie wir's vermögen! Prachtig ihn zu schmucken, gönnt Uns nicht das Schicksal: was ich hab', empfangst du hier! Ein blinder Thor ist, wer beständig wähnt sein Gluck, Und freudig hinlebt. Denn das Gluck nach seiner Art Springt, wie der Wahnsinntrunkne, bald hierhin und bald Dorthin, und immer glucklich war Derselbe nie.[OCR note; compare the printed page.] L. κὐδείς ἁὐτὸς ηὐτύχει ποτέ. Compare printed p. 56 Der Chor. Sieh dort, in Hånden bringen dir vom Phrygerraub Die Fraun das Beste, was den Todten schmücken soll. (indem sie den Leichnam schmückt). Hekabe Nicht, weil du Freunden obgeſiegt im Wagenkampf Und Bogenschießen, Brauchen, die der Phryger ehrt, Nicht, weil du jagtest bis zum Uebermaß, o Kind,[OCR note; compare the printed page.] L. θηρώμενον, das zu σε gehört V. 1191. Nach τιμῶσιν ist zu interpungiren. Compare printed p. 56 Neicht dir des Vaters Mutter Schmuck aus jenem Schaz, Der ehe dein war, den die Gottverhaßte nun, Den Helena dir raubte, die dein Leben auch Gemordet und dem ganzen Hause Tod gebracht! Du trafst, Der Chor. Du trafst, ach, mein Herz, o du, der mit Macht Dereinst herrschen sollt' in meiner Våter Stadt! Hekabe. Das dich am Brautsest schmucken sollte, wann du dich[OCR note; compare the printed page.] Anders: Womit ich dich an deinem Brautfest schmückte, wann Du dich vermählt der ersten Tochter Asia's. Compare printed p. 56 Dereinst vermählt der ersten Tochter Asia's, Mit schönem Phrygerkleide schmuck' ich jezo dich. Auch du, der stolze Vater einst unzähliger Siegsmale, Hektors theurer Schild, nimm deinen Kranz! Nie wirst du sterben, stirbst du mit dem Todten auch.[OCR note; compare the printed page.] L. θανεῖ γὰρ ἔ, θανᾶσα σὺν νεκρῷ. So interpungirte wohl auch der Scholiast, wenn er Hekabe's Worte so deutet: καίτοι συνθαπ- τομένη τῷ νεκρῷ ἐκ ἀποθανεῖ ποτε. Compare printed p. 56 Denn hoher Ehren bist du werth, viel werther als Die Wehr des schlauen Bosewichts aus Ithaka. Der Chor. Weh! In banger Trauer empfångt dich, O Kind, der Erde Schooß. Wehklage, Mutter Hekabe. Weh, weh! Der Chor. Wehklag' um den Todten! Hekabe. Weh! Der Chor. Und weh über dein unnennbares Leid! Hekabe. Ich hülle Tücher heilend um die Wunden dir, Dein Arzt, ich Arme, freilich nur dem Namen nach;[OCR note; compare the printed page.] Wörtlicher : Dein Arzt, doch mehr dem Namen als der Sache nach. Freilich mußte bei dieser Uebersezung das Wort τλήμων aufgegeben werden. Compare printed p. 56 Die andern heilt der Vater dir im Todtenreich. Der Chor. O schlage, schlage dir das Haupt Mit dem Wechselschlag der Hånde! Weh mir! Hekabe. O liebe, theure Frauen - Der Chor. Hekabe, sage mir: was soll dieser Ruf? Hekabe. Die Götter wollten also Nichts als meine Noth, Und unsre Troja haßten sie wie keine Stadt: Wir brachten fruchtlos Opfer. Doch, hatt' uns ein Gott Nicht aus den Höhen in den Tod hinabgestürzt, Wir lebten ruhmlos, kein Gesang verherrlicht' uns, Durch den im Mund der Enkel unser Name lebt. Geht, übergebt den Todten seinem düstern Grab; Denn Todtenkränze hat er ja, wie's ihm gebührt. Und wenig kümmert's, mein' ich, die dort unten sind, Ob einem hier ein reiches Todtenopfer wird; Das ist nur eitler Uebermuth der Lebenden. (Talthybios und die Diener gehen mit dem Leichnam ab.) Ach, ach! Der Chor. Weh' Ihr, die so glänzende Hoffnungen einst An dich, an das Leben des Sohnes geknipft! Hoch pries man dich einst; denn du warest erblüht Aus edlem Geschlecht: Nun raffte dich grausamer Tod hin. Ha! (Man erblickt in der Ferne Krieger mit Fackeln.) Hekabe. Wen sehen wir dort auf Ilions Höhn? Wer schwingt in den flammenden Hånden den Brand? Wohl will noch ein weiteres Jammergeschick Auf unsere Stadt sich entladen. Talthybios kommt zurück. Hekabe. Der Chor. Talthybios. Euch ruf ich, Führer, die befehligt sind, die Stadt In Flammen auszutilgen, laßt die Brande nun Nicht mehr in euren Hånden ruhn, legt Feuer an, Daß, sind die Mauern Ilions in Staub gestürzt, Wir froh zur Heimat segeln aus dem Troërland! Doch ihr, (denn zwei Gebote ruft das Eine Wort!)[OCR note; compare the printed page.] L. ἵν' ἁὐτὸς λόγος ἔχῃ μοίρας δύο, ut idem sermo duplicem vicem sustineat. Seidler. Compare printed p. 57 Geht, Troërjungfraun, wenn Achaa's Heeresfürst Den hellen Schall der Kriegsdrommete ſchmettern läßt, Zu Hellas' Schiffen, abzuziehn aus diesem Land; Und du, die Greisin, aller Frau'n unſeligste, Folg' uns: sie kommen, die Odysseus hergesandt, Als dessen Sclavin dich das Loos aus Troja führt. Hekabe. Ich Arme! Dieses also war das Neußerste, Der Gipfel alles meines Leids: der Våter Land Muß ich verlassen, meine Stadt verzehrt die Glut! Auf, greiser Fuß, beslúgle mühsam deinen Schritt, Damit ich scheidend grüße mein unglucklich Land! O Stadt, so hohes Muthes einst im Phrygervolk, A Bald ist, o Troja, deines Namens Glanz dahin! Du loderst auf in Flammen, uns entführen sie Als Sclaven! Götter! Doch warum zu Göttern flehn? Sie hörten ja schon lange nicht auf meinen Ruf. Auf! In's Feuer stürzen will ich mich: mein schönster Ruhm Ist, in der Flamme sterben, die mein Land verzehrt! (Sie will der Flamme zurennen: Zalthybios vertritt ihr den Weg.) Talthybios. Du rasest über deinem Leid, Ungluckliche! - Auf, faßt sie, schonet ihrer nicht! Aus unsrer Hand Empfang' Odysseus sie sofort als sein Geschenk! Weh, weh! Hekabe. O Herr, Kronos' Sohn, Vater des Phrygervolks, Zeus, siehst du, welch unwurdig Loos Wir Enkel deines Dardanos erdulden? Der Chor. Er sieht es; doch die Stadt, ehe so groß, Ging unter, heimatlos; nicht mehr ist Troja. Hekabe. Wie flammt Ilos' Burg![OCR note; compare the printed page.] L. λέλαμπ' Ἴλιος. Compare printed p. 57 Hoch in Feuer glühend lodern Stadt und Thürme Pergamos', Lodern die Zinnen der Mauern. Wie Rauch mit den Schwingen der Lüfte,[OCR note; compare the printed page.] L. ἐρανίᾳ, das mit πτέρυγι zu verbinden ist. Compare printed p. 57 So, vom Speer getroffen, sinkt die Stadt in's Nichts hin. Und zermalmend durchwogt die Palåste der Brand[OCR note; compare the printed page.] ξ. μαλερά 1. μαλερῷ. Compare printed p. 57 Und die Feindeslanze. O Land, meiner Kinder Nahrerin! Wehe! Kinder, hört, vernehmt der Mutter Stimme! Der Chor. Mit Schmerzenston russt du deinen Todten zu, Und greise Glieder senkst du matt zur Erde, Und schlägst den Boden mit beiden Hånden. Wie du, sez' auch ich mein Knie zur Erde, Rufe meinen armen Gatten, Die im Grabe wohnen. Hekabe. Man fåhrt, man schleppt uns Der Chor. Wehe, weh jammerst du! Hekabe. Zum Sclavenhaus, von meinem Heimatlande fern! Weh! Priamos, du, der dahinsank Ohne Grab und ohne Freund, Von meinem Leide weißt du Nichts! Denn schwarzer Tod umhüllt dein Auge, Heil'ger, den Unheil'ge frech gemordet! Ha, meiner Götter Tempel, du, geliebte Stadt Weh! Der Chor. Hemmt die verwüstende Glut, hemmt der Lanze Spizen! Hekabe. Bald stürzt ihr, ach, namenlos auf's theure Land! Der Chor. Der Staub, der gleich Nauches Schwingen zum Aether fliegt, Låßt uns die Häuser nicht mehr erkennen. Des Landes Glanz sinkt in's Nichts hin; Andres schwindet Andern; nicht mehr ist das unglückvolle Hekabe. Troja! Vernehmt ihr, hårt ihr, wie die Burg einsturzend kracht? Der Chor. Erschuttert bebt, erschuttert sinkt in Staub die Stadt. Hekabe. Weh! Zitternde, zitternde Glieder, Tragt meinen Fuß hinweg, Geht dahin zum traurigen Tag der Knechtschaft! Talthybios. Und doch Ach, ungluckselige Stadt! Wendet euren Schritt zu Hellas' Schiffen!