Helen — Donner (1845), OCR review edition Euripides Johann Jakob Christian Donner OCR source collation, conservative repairs and citation alignment Editorial processing with Codex

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Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift von J. J. C. Donner. Volume 2. Heidelberg: C. F. Winter, 1845. Harvard supplied OCR, H12; running-text copy text. Independent BSB copy, page-coordinate OCR and facsimiles; used to check layout and notes.BSB digitization Source reviews and editorial inventory

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Helena. Das sind des Nil jungfraulich lautre Fluten hier,[OCR note; compare the printed page.] Jungfräulich lauter heißt der Nil, weil er mit keinem andern Flusse sich vermischt. Compare printed p. 297OCR review edition. D. citations belong to Donner; u marks unresolved verse division. Sources, repairs and unattributed notesDonner’s metrical analyses and notes: page facsimiles Der statt der Himmelstropfen, wann der helle Schnee Zerrann, Aegyptos' Ebnen und Gefilde trånkt. Proteus, so lang' er lebte, herrscht' in diesem Reich, Und wohnt' im Eiland Pharos, als Aegyptens Herr,[OCR note; compare the printed page.] Die Insel Pharos lag im Meere vor einer der Nilmündungen. Hier wohnten die ältesten Könige Aegyptens. Compare printed p. 297 Der einer Meeresnymphe sich, der Psamathe,[OCR note; compare the printed page.] Psamathe, die Tochter des Nereus, ward wider Willen die Gemahlin des Neginetenkönigs Neakos, verließ ihn aber bald. Compare printed p. 297 Vermählt, nachdem sie fliehend schied von Aeakos. Und sie gebar zwei Kinder ihm in diesem Haus, Theoklymenos, den Jüngling, (also nannt' er ihn, Der stets die Götter ehrte,) dann die reizende Jungfrau, der Mutter Wonne schon als kleines Kind, Und, als zur Ehe sie gereift in Jugendglanz, Theonoë geheißen; denn das Göttliche,[OCR note; compare the printed page.] Theonoë, d. i. die gotteskundige. Compare printed p. 297 Was ist und sein wird, Alles war ihr offenbar, Wie's ihr von Nereus, ihrem Ahn, verliehen ward. Mein Vaterland ist Sparta's hochberůhmte Stadt, Mein Vater König Lyndareus; wohl sagt man auch, Daß Zeus in meiner Mutter Schooß geflogen sei, Nachdem in eines Schwans Gestalt er sich gehüllt, Der scheu vor einem Adler floh, und also sie[OCR note; compare the printed page.] Zeus, in einen Schwan verwandelt, (so erzählt Hyginus) ließ sich von Aphroditen in Adlergestalt verfolgen, und flüchtete in den Schooß der Leda. Compare printed p. 297 Durch Trug zur Liebe bethörte, lügt die Sage nicht. Man nennt mich Helena; welches Leid ich duldete, Vernehmt. Zu Paris kamen drei Göttinnen einst In Grotten Ida's, kämpfend um der Schöne Preis, Die Zeusgeborne Pallas, Hera, Kypria; Er soll den Ausschlag geben, wer die schönste sei. Und meine Schönheit (wenn das Unheilbringende Schon ist) gelobte Kypris ihm zum Ehebund, Und siegte. Paris eilt' hinab von Joa's Höhn Nach Sparta, mich zu holen als verheißne Braut. Doch Hera, Groll im Busen, daß nicht sie gesiegt, Vereitelt' Alexandros' Ehebund mit mir,[OCR note; compare the printed page.] Alexandros, ein anderer Name des Paris. Compare printed p. 297 Nicht mich gewährend, sondern schuf aus Aetherluft Ein lebend Truggebilde, das mir ähnlich war. Nun wähnt in eitlem Wahne mich der Königssohn Zu besizen, die er nicht besizt. Doch andrer Rath Des Zeus' gesellt sich diesem Ungemache zu: Denn Krieg erregt' er Argos' Land und Phrygia's Bedrängtem Reiche, daß er allzuvielen Volks, Der Menschenmenge Mutter Erd' entledige, Und hohen Ruhm erringe Hellas' größtem Sohn.[OCR note; compare the printed page.] Hellas' größter Sohn, Achilleus. Compare printed p. 297 So ward im Phrygerkampfe denn zwar nicht ich selbst, Mein Name nur für Hellas ausgesekt als Preis. Doch mich entrückte Hermes durch der Lufte Raum, Verhüllt in eine Wolke, (Zeus war meinethalb Besorgt) in Proteus' königliches Haus hieher, Der ihm von allen Menschen schien der weiſeſte, Damit ich wahre keusch und rein des Gatten Bett. Und ich bin hier nun; aber mein unseliger Gemahl versammelt Argos' Heer, zieht ohne Rast, Mich heimzufodern, vor die Burgen Ilions. Viel Heldenseelen sanken an Skamandros' Flut[OCR note; compare the printed page.] Unders: Und viele Seelen sanken an Skamandros' Flut. Compare printed p. 297 Um meinetwillen; aber mir, die Alles litt, Mir fluchen Alle, daß ich meinen Gemahl verrieth, Und Hellas' Volke grausen Krieg bereitete. Warum noch leb' ich? Weil mir Hermes offenbart,[OCR note; compare the printed page.] Unders: Was leb' ich fürder? Hermes offenbarte mir. Compare printed p. 297 Damit ich keinem Andern mich gesell' als Weib, Mit meinem Gatten wurd' ich noch der Sparter Land Bewohnen, hor' er, daß ich nie nach Troja kam. So lange Proteus dieses Licht der Sonne sah, Umwarben keine Freier mich: doch seit die Nacht Der Erd' ihn hålt umfangen, strebt des Todten Sohn Nach meiner Hand. Ich, meinem alten Gatten treu, Sink' hier an Proteus' Hügel hin, und fleh' ihn an,[OCR note; compare the printed page.] Das Grabmal des Proteus befand sich zur Seite des königlichen Palastes. Compare printed p. 297 Mein Bett dem Gatten unentweiht zu bewahren, daß, Wenn auch in Hellas schmachbedeckt mein Name sei, Doch meinen Leib hier keine Schmach entheilige. Teukros tritt auf. Helena. Teukros. Wer hat in diesem wohlgeschirmten Haus die Macht? Denn Plutos' Hause darf es wohl zur Seite stehn[OCR note; compare the printed page.] Plutos, der Gott des Reichthums. Compare printed p. 297 Mit hohem Sims, mit königlicher Mauern Kranz. Ha! Ihr Götter, was erblick' ich? Dies verhaßteste Fraunbild, die Mörderin seh' ich, die mir gab den Tod Und Hellas' Volke. Strafen dich die Götter, daß Du so Helénen ähnelst! Tråt' auf fremdes Land Nicht unser Fuß, durch diesen wohlgezielten Stein Verdürbst du, bußtest, daß du gleichst der Tochter Zeus'. Helena. Was, wer du sein magst, Armer, flichst du so vor mir, Und hegst um ihren Frevelgeist Haß wider mich? Teukros. Ich fehlte, gab dem Grolle mehr als billig Raum : Verhaßt dem ganzen Hellas ist die Tochter Zeus'; Darum vergib mir, daß ich also sprach, o Frau. Helena. Wer bist du? Woher kamst du, Freund, in dieses Land? Teukros. Der Schwerbedrängten Einer, Frau, vom Hellasvolk. Helena. Kein Wunder also, daß du Helenen hassest, Herr. Doch sage mir: wer bist du, weſſen Sohn, woher? Teukros. Ich heiße Teukros, Telamon ist Vater mir, Und Salamis die Ståtte, die mich auferzog. Helena. Was trieb an dieses Ufer dich, in Neilos' Land? Teukros. Ein Flüchtling irr' ich aus dem Vaterreich verbannt. Helena. Dann bist du wohl unglucklich; doch wer trieb dich aus? Teukros. Telamon, der Vater. Welcher wår' ein beſſrer Freund?[OCR note; compare the printed page.] Anders: Mein Vater Telamon. Gab' es einen bessern Freund? Compare printed p. 297 Helena. Warum? Der Unfall ist gewiß beklagenswerth. Teukros. Des Bruders Ajas wegen, der bei Troja fiel. Helena. Wie sagst du? Doch von deinem Schwerte nicht entseelt? Teukros. In's eigne Schwert sich stürzend gab er sich den Tod. Helena. Wahnsinnig? Denn wo thåte das ein Besonnener? Teukros. Du hast Achilleus wohl gekannt, der Thetis Sohn? Helena. Er freite, wie wir hörten, einst um Helena. Teukros. Sein Tod erregt' im Volke Streit um seine Wehr. Helena. Wie mochte das dem Ajas unheilbringend sein? Teukros. Die Wehr empfing ein Andrer; drum entleibt' er sich. Helena. Du trauerst also wegen seines Misgeschicks? Teukros. Daß ich an seiner Seite nicht gefallen bin. Helena. So sahst du, Fremdling, Ilions berühmte Stadt? Teukros. Und fand, sie mitzerstörend, selbst den Untergang. Helena. So ward sie schon zertrummert, ward des Feuers Raub? Teukros. Daß auch die Spur der Mauern nicht mehr kennbar ist. Helena. Du brachtest, arme Helena, den Phrygern. Tod! Teukros. Und auch den Griechen! Schweres Unglück ist geschehn. Helena. Wie lange Zeit ist's, daß die Stadt erobert ward? Teukros. Fruchtreicher Jahreskreise sind es sieben fast. Helena. Wie lange Zeit dann laget ihr vor Ilion? Teukros. Viel Monde, die zehn Jahre durchgewandelt sind. Helena. Und wohl gefangen nahmt ihr auch die Sparterin? Teukros. Menelaos faßt' an den Locken und entführte sie. Helena. Du sahst sie selber, oder hast du's nur gehört? Teukros. Wie dich mit diesen Augen, also schaut' ich sie. Helena. Daß nur die Götter keinen Wahn euch zugesandt! Teukros. Von Anderm laß uns reden, sprich nicht mehr von ihr. Helena. So zweifellos, so sicher dunkt euch dieser Wahn?[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Auf andre Reden denke, nicht an jene mehr. Compare printed p. 297 Teukros. Mit eignen Augen sah ich's, und noch sieht's der Geist. Helena. Und ist Menelaos schon daheim mit Helena? Teukros. Am Strom Eurotas ist er nicht, in Argos nicht. Helena. Wort des Unglucks - jenen, die das Wort betrifft! Teukros. Er ist verschwunden, wie man sagt, mit Helena. Helena. Nicht alle Griechen schifften heim zu gleicher Zeit? Teukros. Wohl; doch nach allen Seiten warf der Sturm sie fort. Helena. Und welches Meeres Rücken trug die Schiffenden? Teukros. Sie fuhren eben mitten durch's Vegåermeer. Helena. Und ob er hier entronnen, weiß Niemand von euch? Teukros. Niemand; in Hellas gibt der Ruf für todt ihn aus. Helena. (Ich bin verloren!) Doch die Thestiade lebt? Teukros. Von Leda sprichst du? Diese fand auch schon den Tod. Helena. Wohl hat der Tochter båser Ruf ihr Tod gebracht? Teukros. Man sagt, in Schlingen schnurte sie den edlen Hals. Helena. Die Lyndariden, schaun sie noch der Sonne Licht? Teukros. Sie leben nicht und leben; denn zwei Sagen gehn. Helena. Und welches ist die wahre? (Weh ich Elende!) Teukros. Sie seien Götter, sagt man, und den Sternen gleich.[OCR note; compare the printed page.] Das Sternbild der Zwillinge soll das Gedächtniß der Dioskuren (des Kastor und Polydeukes) verewigen. Compare printed p. 297 Helena. Schon lauten diese Worte; doch das Andre nun? Teukros. Der Schwester wegen gaben sie sich selbst den Tod. Genug davon! Zwiefachen Jammer spare mir. Doch was zu diesem Königshaus mich gehen hieß, Die Gottprophetin möcht' ich sehn, Theonoën; So sei mir hilfreich, daß von ihr ein Seherspruch Mir werde, wie, mein Segel glucklich ausgespannt, Ich kommen mag zur meerumflossenen Kypros, wo Mich wohnen hieß Apollon und dem neuen Siz Vom alten Heimland Salamis den Namen leihn. Helena. Die Fahrt, o Freund, wird selbst es offenbaren; du[OCR note; compare the printed page.] Der Sinn ist: O Freund, die Fahrt selbst leitet dich dahin; indeß - Compare printed p. 297 Entfliehe diesen Ufern, eh des Landes Herr, Der Sohn des Proteus, dich gewahrt; fern ist er jezt, Mit treuen Hunden auf die Jagd des Wildes aus. Er mordet, welchen Fremdling er aus Hellas greift; Weßwegen, dieses strebe du nicht auszuspahn, Und ich verschweig' es; denn was hilfe dir es auch? Teukros. Frau, deine Reden lob' ich: daß die Götter dir Vergålten, was du Liebes uns erwiesen hast! Zwar gleich an Körper Helenen, doch bist du nicht Ihr gleich an Sinne, sondern ganz unähnlich ihr. Sie treffe schndd Verderben, und nie kehre sie Zum Strom Eurotas; aber du sei glucklich stets! (er geht ab.) Helena. Ich, in unendliche Qualen unendlicher Leiden versunken, Wie durchkampf' ich den Gram? Welch trauerndes, thränenerfülltes Klaglied sing' ich in Schmerz und Bekümmerniß? Erste Strophe. Ihr beschwingten jugendlichen Töchter Ge's, jungfrauliche Sirenen! Daß ihr meinem Schmerz mit Libya's Rohrfldten, mit Syringen nahtet, unversiegende Thränen zollend meinem Leide, Lied um Lied und Klag' um Klage; Daß Persephassa Trauersangeschdre, Zu meinem Grame stimmend, Sendet'! Ich sång', ihre Wonne, Lieder Um die Todten unter Zähren ihr hinab in's Haus der Nacht. Der Chor tritt auf. Erste Gegenstrophe. Der Chor. Bei des Meeres blauer Welle saß ich, auf des Rasens Grün Die Purpurschleier sonnend rings im goldnen Strahl des Helios, Und ringsumher am schilsbewachsnen Strand. Klåglich rief es da, des Jammers Ton vernahm ich, herbe Klagen, Den Tonen gleich der Najade, die, verlassen,. Aufståhnt in bangen Lauten, Wenn der Liebling in die Berg' entflohen, Und im Schatten tiefer Schluchten über Pan's Untreue seufzt. Zweite Strophe. Helena, O Raub des Barbarschiffes, ihr, Jungfraun von Hellas' Flur! Ein Schiffer kam, kam aus dem Achderland, Bringt zu Thränen Thränen mir, meldet Troja's Untergang, Das zerstört von Feindesflamme ward um mich, die Mörderin, Ward um mich Unselige. Auch Leda gab sich selbst Im Schmerz über meine Schmach mit frevlem Strang den Tod; Mein Gemahl, umhergestürmt im Meere, fand des Lebens Ziel; Kastor und der andre Bruder, Doppelzier des Vaterlandes, Schwanden, schwanden, flohn die Bahn, bestampft von Rossen, flohn die Kampfbahn Am schilfreichen Strom Eurotas, ihre Junglingslust. Zweite Gegenstrophe. Der Chor. Welch thrånenwerthes Schicksal, weh, kam über dich, o Frau! Dir fiel ein unglückseliges Erdenloos, Als Kronion dich gezeugt, der, ein Schwan, durch helle Luft Schimmernd flog in Leda's Schooß. Welches Leid blieb fern Welches Unheil trugst du nicht? Die Mutter ging dahin; von dir? Auch Zeus' Zwillingsöhnen lächelt nicht des Glückes Stern; Dein Geburtsland siehst du nicht, und durch die Städte geht der Ruf, Edle Frau, du habest fremder Liebe dich dahingegeben; Dein Gemahl versank im Meere, Flut verschlang ihn; deine Heimkehr Beglückt nie dein Haus, nie Pallas' eh'rnen Tempel mehr. Schlußgesang. Helena. Welcher Mann aus Hellas, welcher Phryger war's, Der die Fichte fållte, die so thranenreich Für Troja ward, woraus der Priamide Sich das unheilvolle Schiff zimmert' und auf fremdem Kiel Segelt' hin zu meinem Herd, Zu der ungluckseligen Schönheit, Daß ich sein würde? Weh! Kypris, ja, die Schlaue, that's, die Mörderin, Brachte Tod den Danaërn, Tod den Priamiden. Wehe mir um mein Geschick! Here, Zeus' erhabene Gattin, auf dem goldnen Throne sizend, Sie sandte Maja's Sohn, den schnellfußigen, der mich, Als ich frische Rosenblätter las in meinem Schooße, Zu Pallas' ehernem Hause sie zu tragen, Durch heller Lüste Raum in dies segenlose Land entraffte, Daß er argen Zwist erregte Priamos' und Hellas' Volk. Und an Simois Gewässern hat Mein Name nichtig eiteln Ruhm erlangt. Chor. Du leidest hart, ich weiß es; doch wohl frommt es dir, Harmlos zu tragen, was die Noth des Lebens bringt. Helena. Geliebte Frauen, welches Loos umstrickte mich? Gebar zum Graun den Menschen nicht die Mutter mich? Denn keine Frau von Hellas, kein Barbarenweib Gebar ein Kind, das eine weiße Schal' umhullt, In der mich Leda, wie man sagt, dem Zeus gebar. Denn Grauen ist mein Leben, Graun mein Erdenloos, Durch Here's Groll und meines Leibes Wohlgestalt. O könnt' ich, wieder ausgelischt, Gemälden gleich, Anstatt der schönen håßlichere Gestalt empfahn, Und was die Gottheit Boses über mich verhångt, Vergåßen das die Danaër, und bewahrten sie Mein Gutes bloß im Sinne, wie mein Böses nun! Wen Gott in Einem Glücke nur, an dem er hing, Heimsuchte, schwer zwar, aber doch erträgt er es; Wir sehen uns in vieles Ungemach verstrickt. Vorerst verfolgt mich Tadellose böser Ruf; Und größer ist solch Uebel, als die Wirklichkeit, Muß Einer Uebles büßen, das er nicht beging. Dann führten Götter aus der Heimat mich hinweg Zu rohen Barbarhorden; und, von Freunden bloß, Ward ich zur Sklavin, freier Veltern freies Kind: Denn alle sind sie Sklaven hier, nur Einer nicht. Doch welcher Anker mich allein aufrecht erhielt, Mein Gatte, daß er komme mich zu retten einst, Er ist geschieden, athmet nicht im Lichte mehr. Die Mutter schied, und ihre Mörderin bin ich Genannt - mit Unrecht; aber mein ist doch die Schmach. Die meine Lust und meines Hauses Wonne war, Die Tochter altert gattenlos als Mädchen hin. Auch Kastor und Polydeukes, Sohne Zeus' genannt, Sie sind dahin. Ja, jedes Leiden kostet' ich, Und bin vor Menschenaugen todt, wenn lebend auch. Das Lezte droht noch: kehren wir in's Vaterland, So legt man uns in Bande, wähnend, Helena, Die Troërfürstin, komme mit Menelaos heim. Wenn mein Gemahl noch lebte, wir erkennten uns An jenen Zeichen, ihm und mir allein bekannt; Nun ist es anders, und er kehrt nicht mehr zurück. Was also leb' ich? Welches Loos erwart' ich noch? Erwåhl' ich, solches Ungemach zu fliehn, die Hand Des fremden Mannes, seze mich in seinem Haus An reiche Tafeln? Aber wenn das eigne Weib Den Gatten hast, ist auch das Leben ihr verhaßt. Zu sterben, ist das Beste. Doch wie sterb' ich schon? Wohl ist es Schmach, mit hochgewundnem Strange sich Den Tod zu geben, ziemt sogar bei Sklaven nicht; Durch's Schwert zu sterben, ist allein ehrvoll und schön, Mit Eines Pulses kurzem Schlag erscheint der Tod.[OCR note; compare the printed page.] Unders: Und Eines Pulses Dauer währt das Scheiden nur. Compare printed p. 298 In solcher Leiden tiefes Meer versanken wir. Wohl hat die Schonheit andern Fraun ein glucklich Loos Errungen; uns bereitet' eben sie den Tod. Chor. O Frau, der Fremdling, welcher kam, wer's immer sei, O glaube nicht, daß Alles wahr sei, was er sprach. Helena. Doch sagt er klar und deutlich, mein Gemahl sei todt. Chor. Viel, was die Menschen reden, ist auch lugenhaft. Helena. Und Vieles wahr auch; Wahres wird unschwer erkannt.[OCR note; compare the printed page.] Ε. καὶ τἄμπαλίν γε τῶνδ᾽· ἀληθείας σαφῆ. 3u ἀληθείας ergänze έπη aus dem vorhergehenden Verse. Compare printed p. 298 Chor. Anstatt zu hoffen, kehrst du dich dem Grame zu. Helena. Die Furcht umstrickt mich, treibt mich fort zum Schrecklichen.[OCR note; compare the printed page.] L. φόβος γὰρ εἰς τὰ δεινὰ π. μ. ἀ. Compare printed p. 298 Chor. Wie sind sie hier im Hause gegen dich gesinnt? Helena. Sie sind mir alle freundlich, nur mein Freier nicht. Chor. Nun, weißt du was? Verlasse dieses Todtenmal Helena. Was willst du sagen? Welche Mahnung gibst du mir? Chor. Zum Hause gehend, frage dort Theonoën, Der Nereïde Tochter, ihr ist Alles kund, Um deinen Gatten, ob er noch im Lichte weilt, Ob schon dahinging. Wenn du dieses wohl erforscht: Je nach der Schickung stimme dich zu Freud' und Schmerz. Denn eh du Jedes sicher weißt, was frommt es dir, Der Trauer nachzuhängen? Darum folge mir : Verlaß das Grab, und aus der Jungfrau Munde dort Wird Alles kund dir werden. Wenn das Wahre du Im Hause kannst erfragen, was verlangst du mehr? Auch ich, dir folgend, will hinein zum Hause gehn; Denn mitzuhören drångt es mich den Seherspruch: Hülfreich zu sein den Frauen ist ja Frauenpflicht. Helena. Ich folge, Freundin, deinem Rath. Gehet, geht in's Haus, vernehmet dort die Leidenskämpfe, Die mein Schicksal mir bestimmt! Chor. Du rufst der willig folgenden. Helena. O Tag des Unheils! Welches Wort, ich Elende, Welch unselig Wort vernehm' ich nun? Chor. Jammre nicht vorher, o Theure, bittern Grams Weiſſagerin! Helena. Weh! Was erduldete mein Gemahl? Sieht er noch des Tages Licht und Helios' Viergespann, Noch der Sterne Bahnen, oder hålt bei den Todten ihn In der Erde das Erdenloos? Chor. Deute stets zum Bessern Alles, was die Zukunft bringen Helena. Dir ruf' ich, dich beschwör' ich, mag. Du schilfumgrünter schöner Strom Eurotas, ob vom Tode Des Gatten mir die wahre Kunde scholl. Chor. Was sollen die thörichten Worte? Helena. Hoch in Todesschlingen schnur' ich meinen Hals, Oder stoße durch die Brust mir Den blutvollen Stahl, Treibe das eigene Schwert in die Kehle mir, kämpfend den Ich, der drei Göttinnen Opfer Blutkampf, Und des Uusel'gen, der Priamos' Heerden[OCR note; compare the printed page.] Des Unseligen, des Paris. Compare printed p. 298 Weidend auf Ida's Höhn die Flåte blies. Chor. Stürm' auf Andre solches Unheil; lebe du, von Gluck Helena. Unselige Stadt der Troër, umblüht! Durch Frevelthat sinkst du, Schweres littest du! Kypris schuf durch meine Gaben vieles Blut und viele Thränen, Daß du Gram zu Grame, Leid zu Leid empfingst! Mütter weinten um der Söhne Tod, Und die Jungfraun, Schwestern edler Todten, schoren sich Am phrygischen Strome Skamandros. das Haar Geschrei, Geschrei erhob Hellas, und klagte In lautem Jammer; An ihr Haupt die Hånde legend, fårbte sie mit blutigen Schlägen zarte Wangen roth. O glückselige Tochter Arkadia's, die du Kronions Lager vordem viersüßig bestiegst, o Kallisto, Wie weit glucklicher warst du, denn Leda, Daß in den zottigen Gliedern des Waldthiers Du mit dem grimmigen Blicke der Löwin Des Unglücks Bewußtsein verlorſt![OCR note; compare the printed page.] Der Vers ist ein unvollständiger bacchischer Trimeter. Compare printed p. 298 Glucklicher warest auch du, die Artemis[OCR note; compare the printed page.] Kos, die Tochter des Titanen Merops, welcher in der von seiner Tochter benannten Insel herrschte, ward, in eine Hirschkuh verwandelt, von der Artemis, die sie verachtet hatte, mit einem Pfeile getroffen, von Persephone aber lebendig in die Unterwelt entrückt. Bothe. Compare printed p. 298 Als goldhörnige Hindin der Schönheit wegen verstoßen, Merops' Kind vom Titanengeschlecht; mein Name vertilgte Pergamos, Dardanos' Burg, Und die verlorenen Sohn' Achaa's! (Sie entfernt sich mit dem Chore.) Menelaos tritt auf in dem Aufzuge eines Schiffbrüchigen. Menelaos. Du, der in Pisa's Fluren einst Denomaos -Im Wagenkampf besiegte, Sohn des Tantalos! O raffte damals, als zerstuckt den Göttern du Zum Mahle dientest, dich der Tod in der Götter Kreis, Bevor du meinen Vater Atreus einst erzeugt, Dem wir entsproßen aus dem Schooß Aërope's, Agamemnon und Menelaos, ein berühmtes Paar ! Die größte Kriegsmacht (ohne Prahlen sag' ich es) Geleitet' ich als Herrscher durch des Meeres Flut Zum Strande Troja's; nicht gezwungen durch Gewalt, Freiwillig folgten unserm Wort die Jünglinge. Und ihrer zählt man Viele, die gefallen sind; Biel' andre, die gerettet kaum dem Meer entflohn, Der Todten Namen tragen sie nach Haus zurück. Ich irr' umhergetrieben auf der blauen Flut Des Meeres, seit ich Ilions Burghöhn zerstört, Und heimzukommen drängt es mich in's Vaterland; Doch dieses Glückes würdigen mich die Götter nicht. An allen Deden Libya's, am wilden Strand Unholder Buchten schifft' ich hin; und kam ich nah Dem Vaterlande, rafft' ein Sturm mich wieder fort; Nie schwellte Wind mein Segel, daß ich heimgekehrt. Und nun, beraubt der Freunde, ward ich strandend hier An dieses Land geworfen, und gebrochen treibt Mein Schiff in vielen Trummern um den Felsenstrand. Vom schöngefügten Baue blieb der Kiel zurück, Auf dem ich kaum durch unverhofftes Glück entkam Mit Helena, die wir mitgeschleppt aus Ilion. Ich weiß des Landes Namen und des Volkes nicht; Zur Menge mich zu gesellen, trug ich immer Scheu, Um nicht zur Schau zu tragen meines Kleides Schmuz, Aus Scham mein Loos verbergend. Fållt ein hoher Mann, So druckt ihn ungewohntes Leid, drückt harter ihn, Als einen Andern, welcher långst unglucklich war. Wohl drängt die Noth mich; denn am Brod gebricht es mir, An Kleidern, mich zu bedecken: was naturlicher? Denn mich bekleidet, was die Wog' auswarf vom Schiff. Der frühern Kleider weicher Prunk, die köstlichen Gewande sind des Meeres Raub. In einer Schlucht Verbarg ich alles meines Leids Urheberin, Mein Weib, und komme, während mir der Freunde Schaar, Die mir geblieben, mein Gemahl bewachen muß. Ich irr' allein, umspåhend, ob ich irgendwo Für die Freunde dort erlange, was uns frommen mag. Da seh' ich dies von Zinnen ringsumkränzte Haus, Die stolzen Thore seh' ich eines Glucklichen, Und nahe mich. Aus einem reichen Hause darf Der Schiffer Etwas hoffen; Unbeguterte, Verlangten sie zu helfen, sie vermochten's nicht. (Er klopft an das Thor des Palastes.) Holla! Wer wacht an dieser Pforte, he! wer kommt heraus, Damit er drinnen meine Noth verkundige? Eine Greisin (innen). Wer ist am Thore? - Gehst du nicht vom Hause weg? Was willst du, långer stehend an des Hofes Thor, Dem Herrn beschwerlich fallen? Sterben mußt du, bist Der Griechen Einer, dem er keine Statt verginnt. Menelaos. O Greisin, lauter bose Worte sprichst du da. Du darfst es; ich gehorche; doch sprich gutiger. Die Greisin. Entweiche; mir trug unser Herr, o Fremdling, auf, Zu wachen, daß dem Hause kein Hellene naht. Menelaos. Ha, balle nicht die Fauste, brauche nicht Gewalt! Die Greisin. Du hörst auf meine Reden nicht; du trägst die Schuld. Menelaos. Geh' hin, verkünde deinem Herrn im Hause dort - Die Greisin. Du führest übel, ging' ich, das ihm kundzuthun.[OCR note; compare the printed page.] Unders: Schlimm führst du, wollt' ich deine Wort' ihm melden gehn. Compare printed p. 298 Menelaos. Schiffbruchig komm' ich, ein Fremdling, unter Götterhut. Die Greisin. Nach einem andern Hause geh', in dieses nicht. Menelaos. Nein, nein; ich tret' in dieses: du willfahre mir. Die Greisin. Du wirst mir låstig; bald vertreibt Gewalt dich hier. Weh! Menelaos. Mein ruhmbedecktes Kriegerheer, wo bist du, wo? Die Greisin. Dort warst du wohl gefeiert; hier, Freund, bist du's nicht. Menelaos. O Schicksal, welch unwurdig namenlose Schmach! Die Greisin. Was schwimmt dein Aug' in Thränen? Was bejammerst du? Menelaos. Ich wein' um mein vergangnes, mein verlornes Gluck. Die Greisin. So magst du gehn und deinen Freunden Thränen weihn. Menelaos. Wie heißt das Land hier? Wessen ist das Königshaus? Die Greisin. Proteus bewohnt es, und Aegyptos heißt das Land. Menelaos. Aegyptos? Wohin schifft' ich Unglückseliger![OCR note; compare the printed page.] Unders: Aegyptos? Ich Elender, wohin segelt' ich? Compare printed p. 298 Die Greisin. Warum verachtest, schiltst du so des Niles Volk? Menelaos. Nicht dieses schalt ich; mein Geschick beklag' ich nur. Die Greisin. Unglucklich sind so Viele; nicht du bist's allein. Menelaos. Nun, ist er hier im Hause, den du König nennst? Die Greisin. Das ist sein Grabmal; und der Sohn gebeut im Land. Menelaos. Wo weilt er? Auswärts oder im Palaste hier? Die Greisin. Nicht innen; Hellas zürnt er als sein grimmster Feind. Menelaos. Um welche Schuld, daß ich für diese büßen muß? Die Greisin. Das Kind Kronions, Helena, weilt in diesem Haus. Menelaos. Wie meinst du? Was entfiel dir? Nochmal sage mir's. Die Greisin. Die Tyndaride, die vordem zu Sparta war. Menelaos. Woher erschien sie? Wie geschah's, wie kam es so? Die Greisin. Von Lakedamons Lande kam sie hergeschifft. Menelaos. Wann? - (bei Seite) Hat sie Jemand aus der Kluft viel- Die Greisin. leicht entführt? Bevor Achaa's Heeresmacht gen Troja zog. Doch weich' hinweg vom Palaste; denn dort waltet ein Geschick, das unserm Königshaus Unruhe bringt. Du kamst in ungelegner Zeit; wenn unser Herr Dich trifft, empfångst du sichern Tod als Gastgeschenk. Denn Hellas' Volke will ich wohl, und sagte dir Die bittern Worte nur aus Furcht vor meinem Herrn. (Sie geht in den Palast zurücď.) Menelaos. Was sag' ich nun? Was red' ich? Denn zum alten Leid Hat, wie wir hören, neues Leid sich hier gesellt, Wenn anders ich aus Troja mein gefangnes Weib Hiehergeleitet und im Felsenhaus verbarg, Und nun ein andres, das denselben Namen trågt, Wie mein Gemahl, in diesem Königshause wohnt. Die Greisin sagte, daß sie sei die Tochter Zeus'. Doch führt vielleicht am Nilgestade hier ein Mann Den Namen Zeus? Denn Einer ist der Himmlische. Wo gibt es auch ein Sparta noch, als dort allein Am Strom Eurotas mit dem schilfumkränzten Bord? Nur Einer, weiß ich, wird genannt Tyndareos. Und ist ein Land, das Lakedåmons Namen trågt Und Ilions? Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Denn Manche, scheint es, haben wohl in manchem Land Dieselben Namen, diese Stadt und jene Stadt, Dies Weib und jenes; also das befremdet nicht. Auch was die Sclavin mir gedroht, erschreckt mich nicht; Denn Keiner ist so grausam, daß er Speise mir, Sobald er meinen Namen hört, verweigerte. Das Feuer Troja's ist beruhmt; ich, der's entflammt, Menelaos, bin in allen Landen wohlbekannt. Erwart' ich dieses Hauses Herrn! Das bietet mir Zwiefache Hoffnung. Wenn der Mann so grausam ist, Flieh' ich zu des Schiffes Trümmern und verberge mich; Doch wenn er milde sich beweist, erfleh' ich mir, Was uns in diesem Ungemach ersprießlich ist. Das ist von meinem Misgeschick das Aeußerste, Daß ich, ein König, andern Herrn um Unterhalt, Um Speise flehn muß; aber so gebeut die Noth. Kein Spruch von mir auch ist es, nein, der Weisen Wort : Nichts sei so stark, so machtig, als die strenge Noth. (Er geht auf die Seite.) Der Chor (zurückkommend). Mein Ohr vernahm, was die weissagende Jungfrau dort in der Herrscher Haus offenbart : Daß Menelaos noch nicht im düsteren Erebos Wall', im Schooße der Erde, Sondern in der wogenden See stürmend umher, Noch immer der Heimat Porte nicht erreicht, Und auf irrender Lebensbahn, ungluckselig, der Freunde Allen Gestaden der Welt beraubt, Sich im Meerschiff nåhere, seitdem er Troja verlassen. Helena (tritt aus dem Palaste). Der Chor. Helena. Zum Fuß des Grabmals wieder komm' ich hier zurück; Trostreiche Botschaft hårt' ich von Theonoë, Die klar von Allem Kunde hat; sie sagte mir, Noch wandle lebend mein Gemahl im Sonnenlicht, Und werde, tausend Meerespfad' hindurch verſtürmt Hierhin und dorthin, wohlgeubt auf irrer Fahrt Heimkehren, wann er seiner Leiden Ziel erreicht. Von Einem schwieg sie, ob's ihm auch wohlgeh' hinfort, Und deutlich das zu fragen, trug ich selber Scheu, Voll Freude, weil sie seine Rettung mir verhieß. Doch nahe, sprach sie, weil er hier im Lande wo, Entslohn dem Schiffbruch, im Geleit von Wenigen. Wann wirst du kommen? Wie verlangt mein Herz nach dir! (Menelaos nähert sich ihr.) Ha! Wer ist der Mann hier? Werd' ich durch geheime List Vielleicht von Proteus' übermuthigem Sohn berückt? Ich will mich, rasch, wie Rosse, wie Bacchantinnen, Zum Grabeshügel schwingen. Wild von Angesicht Ist dieser Fremdling, welcher mich zu greifen strebt. (eilt fort.) Menelaos. Du, die mit starken Schritten ungestumer Hast Hineilt zum Rand des Grabes und den brennenden Geweihten Broden, bleibe! Was entfliehest du?[OCR note; compare the printed page.] Geweihte Brode oder Kuchen wurden auf dem Grabe berühmter, oder besonders theurer, Todten verbrannt. Compare printed p. 298 Sprachloses Staunen, Schrecken weckt dein Bild in uns. (zu dem Chore.) Helena. Man thut Gewalt uns, dieser Mann hålt uns, o Fraun, Zurück vom Grabmal, faßt mich an, und will dem Herrn Mich übergeben, dessen Hand ich stets geflohn. Menelaos. Kein Räuber bin ich, stehe nicht den Båsen bei. Helena. Doch deckt der Glieder Blåße dir ein schmuzig Kleid. Menelaos. Der Furcht vergessen, hemme, Frau, den schnellen Fuß. Helena. Ich bleibe, nun ich angelangt an diesem Ort. Menelaos. Wer bist du? Welches Angesicht erblick ich hier? Helena. Wer bist denn du? Dasselbe fragen muß auch ich. Menelaos. Nie sah ich eine Fraungestalt, ihr ähnlicher! Helena. Ihr Götter! Freund' erkennen ist auch Götterglück. Menelaos. Du stammst aus Hellas, oder bist du heimisch hier? Helena. Aus Hellas; aber nenne mir auch dein Geschlecht. Menelaos. Nie sah ich Eine, Helenen so gleich, wie du. Helena. Du gleichst so ganz Menelaos: mir verfagt das Wort. Menelaos. Du hast erkannt der Männer unglückseligsten. Helena. Du kehrst so spåt in deiner Gattin Arm zurück![OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Du, der so spät in seiner Gattin Arme kehrt! Compare printed p. 298 Menelaos. Welch einer Gattin? Rühre nicht an mein Gewand. Helena. Die dir mein Vater anvermählt, Tyndareos. Menelaos. Lichtgottin, send' uns holde Bilder, Hekate! Helena. Kein Nachtgebild der Wegegöttin siehst du hier. Menelaos. Doch zweier Frauen Gatte bin ich Einer nicht. Helena. Welch andre Gattin hast du dir denn angetraut? Menelaos. Sie birgt die Felskluft, und von Troja bring' ich sie. Helena. Kein andres Ehweib hast du, Freund, als mich allein. Menelaos. Bin ich bei Sinnen, oder ist mein Auge krank? Helena. So glaubst du, mich erblickend, nicht dein Weib zu sehn? Menelaos. Gleich ist das Aussehn; doch die Meine bist du nicht.[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: die Wahrheit beraubt mich (deiner). Nach Matthiä's Erklärung: Gleich ist das Aussehn; doch es läßt mich ungewiß. Compare printed p. 298 Helena. Was fehlte? Sieh nur! Bist du doch der klugste Mann. Menelaos. Du bist ihr ähnlich; nimmermehr bestreit' ich das. Helena. Wer anders kann dich lehren, als dein eigner Blick? Menelaos. Dies macht mich stuzen, daß ich hab' ein andres Weib. Helena. Nach Troas kam ich nicht; es war ein Schattenbild. Menelaos. Und wer erschafft Gestalten, die lebendig sind?[OCR note; compare the printed page.] Unders: Und wer gestaltet einen Leib, der Leben hat? Compare printed p. 298 Helena. Der Aether, der ein gotterschaffnes Weib dir gab. Menelaos. Von welchem Gotte? Denn du sagst Unglaubliches.[OCR note; compare the printed page.] Unders: Blendwerk der Hera rettet' uns aus Paris' Hand. Compare printed p. 298 Helena. Daß Paris uns nicht raube, schus es Here's List. Menelaos. Wie warst du hier denn und zugleich in Ilion? Helena. Die Namen sind an manchem Ort, die Körper nicht. Menelaos. Laß mich! Des Ungemaches trag' ich schon genug. Helena. Uns willst du lassen, und entführst das leere Bild? Menelaos. Und Heil dir, daß du Helenen so ähnlich bist! Helena. Ich Arme! Den ich wieder fand, mein Gatte flieht! Menelaos. Dem dort Erlittnen glaub' ich wohl, dir glaub' ich nicht. Helena. Weh mir! Wo lebt ein Weib auf Erden, ungluckseliger? Die Liebsten fliehn, verlassen mich; zu Hellas' Volk, In meine Heimat kehr' ich nimmermehr zurück. Ein Bote eilt herbei. Die Vorigen. Der Bote. Menelaos, lange suchend find' ich kaum dich hier; Ich irrte rings durch diese fremden Gaun, gesandt Von deinen Freunden, die du dort verlassen hast. Menelaos. Was ist geschehen? Raubten euch Barbaren aus? Der Bote. Ein Wunder, dessen Größe nie das Wort erreicht.[OCR note; compare the printed page.] Anders: Ein Wunder, groß, das keine Sprache nennen mag. Wörtlicher: Ein Wunder, größer durch die That, als durch das Wort. Compare printed p. 298 Menelaos. Sprich! Etwas Neues bringst du, deiner Eile nach. Der Bote. Umsonst ertrugst du tausendfaches Misgeschick. Menelaos. Um alte Leiden klagst du: was begab sich sonst? Der Bote. Hinaus, in Aethershdhen unsichtbar entrückt, Schwand deine Gattin, und der Himmel birgt sie nun, Nachdem sie jene Grotte, wo wir sie bewahrt, Verlassen, also sprechend: „Armes Phrygervolk Und Volk Achaa's, meinethalb, durch Here's Trug, Starbt ihr im Feld des Skamandros, wähnend, Helenen Besize Troja's Paris, der sie nicht besaß. Ich, nun ich so lang harrte, wie vom Schicksal mir Vorherbestimmt war, kehre nun zum Himmel heim, Zu meinem Vater. Böser Ruf hat Tyndareus' Schuldloses Kind getroffen, die doch Nichts verbrach." (Er erblickt Helenen, die vom Grabmale her sich nähert.) O Heil dir, Leda's Tochter! Also warst du hier? Und ich verkunde, daß du dich zu Sternenhöhn Erhoben, ganz unwissend, daß dir Fittige Verliehen sind! Uns sollst du fortan nimmermehr Verspotten, daß du deinem Herrn vor Ilion Und seinen Freunden Müh'n umsonst bereitetest![OCR note; compare the printed page.] Ε. μάτην. Compare printed p. 298 Menelaos. Dies war es also! Was sie sagt, ist wahr und stimmt Zu dieses Mannes Worten. Långst ersehnter Tag, Der dich, Geliebte, wiederbringt in meinen Arm! Helena. O liebster du der Männer, lang, Menelaos, war Die Zeit der Trennung, spåt erschien der Wonne Tag. Glucklich, o Fraun, bin ich, daß ich den Gatten fand; Ich schlinge meinen liebenden Arm um ihn Nach langen Grames Nacht. Menelaos. Und ich um dich! So Vieles ist indeß geschehn, Weiß nicht, wovon ich nun zuerst anheben soll. Helena. In Freude beb' ich, Wonneschauer strauben Des Hauptes Haar auf, und die Zahre stromt mir; Um dich, Trauter, wind' ich meinen Arm, um dich, Daß ich genieße der Lust! Menelaos. Ich schelte nicht mein Loos: (o süßer Anblick!) Ich fand sie wieder, Zeus' Kind und Leda's, Welche der Brüder Paar vordem, das auf strahlenden Rossen prangt, Ehrte, beim Glanz der Fackeln ehrte! Doch aus meinem Haus entführten Götter dich. Helena. Ein anderes, ein seligeres Geschick hat ein Gott uns bereitet; Und, gewandelt in Heil, Führt dich in meinen Arm das Unheil zurück, Spåt; doch måge nur mein Glück dauernd sein! Menelaos. Ja, mdg' es dauern! Also fleh' auch ich mit dir; Denn wir bestanden beide ja des Leides viel. Helena, O Fraun, was ich litt, klag' ich, beseufz' ich nun Nicht mehr; wieder hab' ich ihn, meinen Gemahl, Den ich ersehnt, ersehnt; nach viel Jahren kam, Kam er von Troja zurück. Menelaos, Du hast mich, und ich habe dich! Nach langen Reihn Durchkampfter Sonnen ahn' ich kaum der Göttin Trug, Und meine Thränen wandeln sich in Freude.[OCR note; compare the printed page.] L. ἐμὰ δὲ δάκρυα χαρμονά. Compare printed p. 299 Helena. Was sag' ich? Wer auf Erden håtte das gedacht? Ich drück unverhofft dich an mein Herz. Menelaos. Ich dich, und wähnte, daß du nach der Idderburg Entslohn seist, in Troja's unsel'ge Stadt. Bei allen Göttern, wie entschwandst du meinem Haus? Ach, ach! Zu bitterem Beginne Helena. Kehrst du zurück, bitterem Gerucht spåhst du nach. Menelaos. Sprich: hören muß ich's. Alles kommt aus Götterhand. Helena, Verabscheut, verhaßt ist mir, was ich verkunden soll! Menelaos. Sprich dennoch; gerne hört man von durchkämpftem Leid. Helena. Nicht zu dem Lager des Troërjünglinges Flog ich im Schiffe dahin, Flog nicht, verlangend nach frevelnder Liebeslust. Menelaos. Doch welches Schicksal, welcher Gott entrückte dich? Helena. Des Zeus Sohn entführt' uns an des Neilos Ufer. Menelaos. Von wem gesandt? O seltsam wunderbares Wort! Helena. Ich weine, Thränen nezen mir das Auge: Des Zeus Gattin brachte mir den Untergang. Menelaos. Here? Warum verhängte sie Leid über uns?[OCR note; compare the printed page.] 2. τί νῷν χρήζεσα προσθεῖναι κακῶν; Compare printed p. 299 Helena. Wehe, mein Unglück, ihr Båder und Quellen, wo Göttinnen sich geschmuckt, Woher Paris' urtheilender Spruch erscholl! Menelaos. Auf diesen Spruch erschuf dir Here dieses Leid?[OCR note; compare the printed page.] Ε. τόδ' εἰς κρίσιν σοι τήνδ' ἔθηχ' Ἥρα κακόν; Compare printed p. 299 Helena. Mich dem Paris zu rauben[OCR note; compare the printed page.] 2. Πάριν ὡς ἀφέλοιτο. Compare printed p. 299 Menelaos. Wie? Rede! Helena. Dem Kypria mich gelobt -[OCR note; compare the printed page.] 2. Κύπρις ᾧ μ' ἐπένευσεν. Compare printed p. 299 Menelaos. Arme! Helena. (Ja wohl Arme!) Entrückt sie mich in Neilos' Land. Menelaos. Und gab für dich dann, wie du sagst, ein Schattenbild. Helena. Und nun, ach! das Ungluck, das Ungluck daheim - O meine Mutter! Wehe mir! Menelaos. Was meinst du da? Helena. Dahin die Mutter! Weil ich dir die Treue brach, Wand sie die Todesschlinge, gab sich selbst den Tod. Menelaos. Weh! Doch die Tochter, lebt sie noch, Hermione? Helena. Sie beklagt unvermählt, o Freund, kinderlos, Voll Scham den Unglücksbund. Menelaos. Du, der von Grund aus unser Haus zerstört, auch du Gingst unter dafür, Alexandros, und tausend Danaer, prangend in Erz! Helena. Und mich warf ein Gott, mich Unselige, Verabscheute, fern hinaus, fern der Stadt, ferne von dir, Weil ich entflohn dem Haus, dem ich doch nicht entfloh Zu schmachvollem Bund! Chor. Ist auch in Zukunft euer Loos ein gluckliches, So gnügt es, gutzumachen, was euch früher traf. (näher tretend) Der Bote. Menelaos, gönnt auch mir ein Theil an eurer Lust, Die wohl ich ahnen, aber nicht verstehen kann. Menelaos. Ja, nimm auch du an unsern Reden Theil, o Greis. Der Bote. Verschuldet sie nicht unsre Mühn vor Ilion? Menelaos. Nicht sie; die Götter hatten uns mit Trug beruckt: Mein Arm umschloß ein jammervolles Wolkenbild. Wie sagst du? Der Bote. Um Wolken also kämpften wir umsonst uns ab? Menelaos. So fügt' es Hera, so der drei Göttinnen Streit. Der Bote. Lebt diese wahrhaft? Ist sie wirklich dein Gemahl?[OCR note; compare the printed page.] L. ἡ δ' ἔο᾽ ἀληθῶς; ἔςιν ἥδε σὴ δάμαρ; Compare printed p. 299 Menelaos. Gewiß: vertraue meinem Wort und glaube mir's. (zu Helena sich wendend) Der Bote. O Kind, ein Wesen, unerforscht und råthselhaft, Ist doch die Gottheit! Wandeln und Verändern ist Ihr Ziel nach allen Seiten. Dieser ringt in Noth, Der, einst im Glucke, schwindet hin in schnddem Tod, Kennt nicht in wandellosem Glück Beständigkeit. Auch du bestandest Ungemach und dein Gemahl, Du durch des Ruses Tücken, er im Kriegesdrang. Sich eifrig måhend, fand er Nichts, und jezo fand, Von selbst errang er ungesucht das höchste Glück. So hast du nicht den Vater, hast Zeus' Sohne nicht[OCR note; compare the printed page.] Unders : Du hast den grauen Vater, hast Zeus' Söhne nicht. Hier ist in der Uebersezung γέροντα, aber nicht ἄρα ausgedrückt. Compare printed p. 299 Entehrt, und nicht verbrochen, was dein Ruf erzählt. Ja, nun erneun wir wieder deinen Brautgesang, Erinnern uns der Fackeln, die dem Viergespann Der Ross' ich vortrug hupfend, als im Wagen du Als Braut mit ihm aus hochbeglucktem Hause zogst. Schlecht ist ja, wen nicht kummert seines Herrn Geschick, Wer nicht im Leid mittrauert, nicht mit ihm sich freut. Mir sei's beschieden, ward ich auch ein Sclave nur, Den edelmüthigen Dienern beigezählt zu sein, Und wurde mir der freie Name nicht, so sei Doch frei die Seele! Besser dies, als wenn ich zwei Gebrechen hatt', ich Einer, wenn ich, bosgesinnt, Dem Laster fröhnte, Knecht genannt der Anderen. Menelaos. Wohlan, o Greis! Viel Mühen hast du, neben mir Im Kampfe stehend, ausgeduldet mir zulieb; Und jezo nimm auch deinen Theil an meinem Glück. Geh hin und melde, was du sahst, den Freunden, die Zurickgeblieben, melde, was mit uns geschah, Und heiß' am Strand sie bleiben, daß sie meinen Kampf Abwarten dort, der, wie wir ahnen, unser harrt, Und spåhen, wie wir unverlezt aus diesem Land Heimsegeln, daß wir, frohvereint zu gleichem Gluck, Dem wilden Volk entfliehen, wenn's uns möglich ist. Der Bote. So sei's, o König! Aber, traun, Weissagungen Sind eitel alle, seh' ich, und der Lügen voll. Nichts also magst du lernen aus der Flamme Glut, Nichts aus der Vogel Gauten. Thorheit ist es, nur zu wähnen, Vögel schafften Rath den Sterblichen. Nie sagte Kalchas, oder riefs dem Heere zu: „Für eine Wolke sterben seh' ich Hellas' Volk." Nie wahrlich! Fruchtlos ward die Troërstadt zerstört. Du sagst: er schwieg wohl, weil der Gott es ihm gebot. Was fragt ihr dann die Seher? Fleht die Götter an Um Heil und opfert, doch die Kunst der Seher laßt! Denn diese ward als eitler Köder nur erdacht, Und durch der Flamme Zeichen ward kein Träger reich: Der beste Scher ist der Geist, ist kluger Sinn. Chor. Was dieser Greis vom Sehervolke sprach, es trifft Auch meine Meinung. Wer die Götter sich gewann Zu Freunden, hat die beste Seherkunst daheim. Helena. Wohl denn! Bis hierher steht es Alles wohl mit uns. Doch wie du flohst aus Troas; dies, Unseliger, Zu wissen, frommt uns wenig zwar; doch gerne mag Der Freund vernehmen, welche Noth der Freund erfuhr. Menelaos. Viel fragst du mich in Einem Wort, auf Einen Weg. Was nennt' ich dir die Fahren auf dem Aegåermeer, Am Strand Eubda's Nauplios' trugvollen Brand,[OCR note; compare the printed page.] S. zu V. 1077. Compare printed p. 299 Die Städte Kreta's, die wir sahn, und Libya's, Die Warten Perseus'? Nicht ersättigt würdest du[OCR note; compare the printed page.] Die Warten des Perseus, ein Ort in Aegypten, wo Perseus die Medusa erschlug. Compare printed p. 299 Von meinen Reden, und erzählend trauert' ich, Wie leidend ich mich hårmte; doppelt fuhlt' ich Schmerz. Helena. Erwiedert hast du schoner, als ich dich gefragt. Doch Eins für Alles sage mir, wie lange Zeit Ihr auf des Meeres Rücken triebt umhergestürmt. Menelaos. Zehn Jahreskreise brachten wir vor Troja zu; Dann sieben andre Jahre noch durchlebten wir. Helena. Du sprichst von einer langen Zeit, Unglücklicher! Von dort gerettet, kamst du hier zu deinem Tod. Menelaos. Wie sagst du? Wehe! Wie du mich vernichtest, Frau! Helena. Ermorden wird dich jener, dem dies Haus gehört. Menelaos. Was that ich denn, das dieser Strafe würdig war? Helena. Du kommst ihm unerwartet; denn er wirbt um mich. Menelaos. So hat ein Andrer mein Gemahl zu frein gewagt? Helena. Und Schmach auf mich zu laden, wenn ich's duldete. Menelaos. Ein mächtiger Bürger, oder gar des Landes Fürst? Helena. Der Sohn des Proteus, der in diesem Reich gebeut. Menelaos. Das ist das Räthsel also, das die Sclavin sprach ! Helena. An welchem Thor des fremden Hauses trafst du sie? Menelaos. An diesem, wo sie, gleich dem Bettler, mich vertrieb.[OCR note; compare the printed page.] Unders: Hier, wo sie gleich dem Bettler mich von dannen trieb. Compare printed p. 299 Helena. Du batst um eine Gabe? Weh' ich Elende! Menelaos. Das war die Sache; dieses Wort gebraucht' ich nicht. Helena. So weißt du wohl auch, welche Heirat mich bedroht? Menelaos. Wohl; aber ob du sie geslohn, das weiß ich nicht. Helena. So wisse, daß ich lautre Liebe dir bewahrt. Menelaos. Wer bürgt mir hiefur? Sprichst du wahr, welch süßer Trost! Helena. Du siehst am Grabmal meinen unglücksel'gen Siz? Menelaos. Rohrkissen seh' ich; wie bedarfst du dieser nur? Helena. Da flehn wir, uns zu retten aus des Fremdlings Hand. Menelaos. Gebrach ein Altar? Oder ist's hier also Brauch? (auf das Grabmal deutend) Helena. Wie Tempel hoher Götter, gab uns dieses Schuz. Menelaos. Heimwårts mit dir zu schiffen, ist mir denn verwehrt? Helena. Dein harrt der Mordstahl eher, Freund, als mein Besiz. Menelaos. So war' ich aller Menschen unglückseligster. Helena. Bedenke dich nicht långer; flieh' aus diesem Land. Menelaos. Ich dich verlassen? Troja stürzt' ich dir zulieb. Helena. Doch besser, als wenn mein Besiz dich tödtete. Menelaos. Unmännlich ja, nicht würdig Troja's wäre das. Helena. Du tödtest nicht den König; denn das willst du wohl.[OCR note; compare the printed page.] 2. ὃ σπεύδεις ἴσως. Compare printed p. 299 Menelaos. So trifft das Eisen seinen Körper nicht? Helena. Du wirst's Erfahren; Weise wagen nichts Unmögliches. Menelaos. Still bot' ich also meinen Arm der Fessel dar? Helena. Du bist verlegen; hier bedarf es einer List. Menelaos. Des Tapfern Tod ist süßer, als des trågen Manns. Helena. Eins gibt mir Hoffnung, was allein uns retten kann. Menelaos. Gold oder Eisen, oder ist's der Rede Kunst? Helena. Wenn mein Gebieter, daß du.kamst, nicht inne wird. Menelaos. Wer wird es ihm verrathen? Niemand kennt mich ja. Helena. Er hat daheim die göttergleiche Helferin. Menelaos. Ein Orakel, das in seines Hauses Tiefen wohnt? Helena. Nein, seine Schwester; diese heißt Theonoë. Menelaos. Prophetisch klingt ihr Name: sprich, was kann sie thun? Helena. Dem Bruder dich entdecken; ihr ist Alles kund. Menelaos. So sterb' ich; denn verborgen bleiben kann ich nicht. Helena. Wenn wir durch unsre Bitten sie beredeten Menelaos. Zu welcher That? Welch eine Hoffnung zeigst du mir? Helena. Dem Bruder nicht zu sagen, daß du hier verweilst. Menelaos. Und wenn's gelånge, flohn wir dann zum Land hinaus? Helena. Vereint mit ihr, leicht; aber heimlich nimmermehr. Menelaos. Da siehe du zu; denn zum Weibe stimmt das Weib. Helena. Nicht unberührt von meinen Hånden bleibt ihr Knie. Menelaos. Wohl; aber wenn sie unserm Wort ihr Ohr verschließt? Helena. So stirbst du; mich, mich Arme freit er mit Gewalt. Menelaos. Verråtherin! Ein bloßer Vorwand ist der Zwang. Helena. Mit heiligem Eide schwor' ich dir bei deinem Haupt - Menelaos. Zu sterben, niemals eines Andern Weib zu sein? Helena. Durch Einen Mordstahl: neben dir ermord' ich mich. Menelaos. Auf dieses schlinge deine Recht' in meine Hand. Helena. Hier; starbest du mir, scheid' ich ab von diesem Licht. Menelaos. Auch ich entsag' ihm, wenn man dich von mir getrennt. Helena. Wie sterben aber, daß der Ruhm das Ende kront? Menelaos. Auf diesem Grabmal todt' ich dich, und mich sodann. Doch eh wir sterben, kampf ich einen großen Kampf Um deine Liebe. Wer da will, erscheine hier: Denn nicht entehren will ich meinen Troërruhm, Noch mich verhöhnt sehn, kehr' ich heim in Hellas' Volk, Ich, der die Thetis ihres Heldensohns beraubt, Gesehn den Ajas, als er stürzt' ins eigne Schwert, Und kinderlos den Nestor; und ich sollte nun[OCR note; compare the printed page.] L. τὸν Νηλέως τ' ἄπαιδα. Compare printed p. 299 Für meine Gattin in den Tod zu gehn mich scheun? Nein, nimmermehr! Wenn oben weise Götter sind, So decken sie dem Tapfern, den der Feind erschlug, Mit leichter Erde sein Gebein im Grabesschooß; Des Feigen Hügel drücken sie mit schwerem Staub. Chor. Ihr Götter, lasset Einmal doch des Tantalos Geschlechte glucklich werden und von Leiden frei! Helena. Weh, weh mir Armen! Denn das Elend ist mein Loos. Es ist um uns geschehen! Aus dem Hause tritt Theonoë, die Prophetin. Horch! Das Haus erdröhnt, Die Riegel klirren. Fliehe! Doch warum entfliehn? Abwesend und anwesend weiß die Seherin, Daß du gekommen. Ich Verlorne, wehe mir! Aus Troja kaum gerettet, aus dem Fremdlingsland, So fållst du hier in Fremdlingsschwerter wiederum! Theonoë tritt auf, begleitet von zwei Dienerinnen mit flammenden Pechfackeln. Die Vorigen. (zu der ersten Dienerin) Theonoë. Auf, schreite du mit hellen Fackeln mir voran, Den Kreis des Aethers heilige nach dem frommen Brauch, Damit des Himmels reiner Hauch uns rings umfångt! (zu der anderen) Du sühne mir mit hehrer Flamme Strahl den Pfad, Wenn ihn ein ungeweihter Fuß entheiligte, Und schuttle hier die Fackel, wo ich wandeln soll. Und thatet ihr den Göttern, was ich euch gebot, So tragt des Herdes Flamme gleich ins Haus zurück. (zu Helena) Nun, Helena, wie steht's um meinen Seherspruch? Dein Gatte kam, Menelaos; sichtbar steht er hier, Beraubt der Schiff und des Bildes, das dir ähnlich war. (zu Menelaos) Aus welchen Mühn entrannst du, weißt, Unseliger, Nicht, ob du heimkehrst, oder hier verweilen mußt! Denn Streit und Hader wird im Kreis der Himmlischen Vor Zeus um deinetwillen sein an diesem Tag. Zwar Hera, die dir argen Groll zuvor gehegt, Ist holdgesinnt nun, will dich heim zu Hellas' Volk Mit dieser retten, daß sie sehn, ein Truggeschenk Kythere's habe Paris, hab' ein Bild umarmt; Doch Kypris strebt zu vereiteln deine Wiederkehr, Den Tadel fürchtend, daß sie nur durch Helena Den Preis der Schöne sich erkauft mit feiler Huld. Es steht bei mir nun, ob ich, wie's Kythere will, Dem Bruder sage, daß du hier im Lande seist, Ob ich, gehorsam Here's Wort, dich retten soll, Dem Bruder dich verlaugnend, der mir anbefahl, Es ihm zu melden, wann du kämst in dieses Land. - Wer geht, es meinem Bruder anzukündigen, Daß dieser kam, damit ich selber sicher sei? Helena. Jungfrau, zu deinen Knieen fall' ich flehend hin, Und liege hier an dieser unheilvollen Statt Für mich und diesen, den ich endlich wiederfand, Und kaum gefunden in den Tod muß gehen sehn. O sage deinem Bruder nicht, daß mein Gemahl In meine treuen Arme hier zurückgekehrt: Nein, rette, rett' ihn, fleh' ich dir; verrathe nie Dein edles Herz an den Bruder, daß um solchen Preis Du schnöden Dank erkauftest, ungerechten Lohn. Die Götter hassen die Gewalt; was Jeder sich Erwerben kann, erwerb' er, aber raube nicht; Nein, alles ungerechte Gut verschmähe man. Gemeinsam ist der Himmel allen Sterblichen, Gemein die Erde; mehrt den Schaz in eurem Haus, Nicht Raub verübend, noch erpicht auf fremdes Gut! Mich gab in deines Vaters Hand, zum Segen mir Und auch zum Ungluck, Hermes, um dem Gatten mich Zu retten, der, mich auszulösen, hier erschien. Wie soll er todt mich losen? Wie erstattete Proteus dem Todten wiederum die Lebende? Drum hege vor dem Gotte, vor dem Vater Scheu: Denn würde Hermes und der Hingeschiedne wohl Zurückbehalten wollen, was des Andern ist? Mitnichten! Darum achte mehr den edlen Geist Des Vaters, als des Bruders thöricht eitlen Sinn. Bist du Prophetin, kennest du das Göttliche, Und trittst zu Boden, was gerecht der Vater fand, Dem ungerechten Bruder unterthan zu sein: Dann ist es Schmach, zu wissen alles Göttliche, Was ist und nicht ist, übst du nicht Gerechtigkeit. So lose mich vom Leide, das mir Armen droht, Und was das Schicksal nicht gewährt, vollende du! Denn Keiner lebt auf Erden, der nicht Helena Versluchte, die dem Gatten (so schilt Hellas mich) Entflohn, und Alexandros' goldnes Haus bewohnt. Doch, kehr' ich heim nach Hellas und in's Sparterland, Dann hören sie, dann sehn sie, daß durch Göttertrug Sie starben, daß ich unsre Freunde nicht verrieth, Und wieder tret' ich in die Reihn der edlen Fraun, Und meine Tochter statt' ich aus, die Keiner freit, Und meines Wanderns bittre Fahrt hier endigend, Genieß ich froh der Schäze, die mein Haus bewahrt. War' er gestorben, zehrt' ihn auf der Scheiter Glut, Den weit entfernten feiert' ich mit Thränen dann; Nun lebt er, ist gerettet, und man raubt mir ihn. Nicht also, Jungfrau! Wende dich zu meinem Flehn, Gewähre diese Liebe mir, und ahme nach Dem edlen Vater. Denn es ist der schönste Ruhm Des Kindes, das aus wackrer Aeltern Stamm erblüht, An edler Art dem edlen Vater gleich zu sein. Chor. Mitleid erwecken deine Reden mir, o Frau, Mitleid du selber; aber von Menelaos auch Zu hören wunsch' ich, was er für sein Leben sagt. Menelaos. Ich kann vor dir nicht niederfallen, nicht vor dir Mein Aug' in Thränen baden; denn ich schåndete, So feigen Sinnes, meinen Ruhm im Troerland. Wohl sagen sie, dem edlen Manne steh' es schon, Wenn ihm das Unglück Thränen aus dem Auge lockt; Doch wahl ich niemals diesen Ruhm, ist's anders Ruhm, Anstatt des Edelsinnes, der mich sonst erfüllt. Gefällt es dir, zu retten einen fremden Mann, Der, wie's gerecht war, sein Gemahl zu fordern kam, So gib sie, rett' uns beide; wenn dir's nicht gefällt, So war' ich heute nicht zuerst, nein, ofter schon Elend gewesen, du erschienst als hartes Weib. Was meiner werth ist, was ich recht und billig fand, Und was vor Allem dein Gemuth ergreifen wird, Am Grabe deines Vaters hier erklär' ich es. ,,Du, der in diesem Marmormale wohnt, o Greis, Gib, gib, ich fordre mein Gemahl von dir zurücď, Die Zeus hieher dir sandte, sie zu retten mir. Du gibst sie mir nicht wieder, denn du bist ja todt; Doch diese wird nicht wollen, daß der hohe Ruhm Des Vaters, den ich jekt aus Nacht zum Lichte rief, Geschåndet werde; steht es doch in ihrer Macht." O Schattenherrscher drunten, dich auch ruf' ich an, Du, der so viele Leichen einst um Helena Zum Lohn empfangen, die mein Schwert geopfert hat; O sende die nun wiederum an's Licht herauf, Ach, oder gebe diese mir mein Weib zurück, Noch edler, als ihr frommgesinnter Vater war! Doch wenn ihr meines Weibes mich berauben wollt, So laß von uns dir sagen, was sie dir verschwieg. Ich band, o Jungfrau, wisse das, durch Eide mich, Zuerst mit deinem Bruder in den Kampf zu gehn; Er oder ich muß sterben: schlicht ist dieses Wort. Doch stellt er nicht im Kampfe sich, Fuß wider Fuß, Und droht den Tod des Hungers uns am Grabe hier; So steht es fest, ich todte Helena, drücke dann Mir selbst in's Herz mein doppelschneidig Schwert hinein Auf dieses Grabmals Ricken, daß des Blutes Strom Hinab den Hügel fließe; beide liegen wir, Der Todte bei der Todten, auf dem glatten Stein, Dir ewigmarternde Reue, deinem Vater Schmach. Denn weder soll dein Mitgeborner diese frein, Noch sonst ein Andrer; sondern ich entführe sie, Vermag ich nicht nach Hause, doch in's Todtenreich. Ja! Strömt' ich, gleich den Frauen, mich in Thränen aus, Bedauernswürdig wär' ich mehr, als männlichstark. Todt' uns, gefällt dir's; keinen Niedern tödtest du: Doch lieber hår' auf meine Worte, daß du dich Gerecht erweisest, und die Gattin folge mir. Chor. Dir ziemt es, Jungfrau, hier den Richterspruch zu thun; Doch also richte, daß du Jedem wohlgefällst. Theonoë. Das Edle lieb' ich von Natur, und will es auch. Ich ehre mich, und möchte meines Vaters Ruhm Niemals beflecken, noch dem Bruder eine Gunst Gewähren, die mir kunstig Schmach bereitete. Ein großes, lautres Heiligthum des Rechtes ist In meiner Brust; mit diesem, das mir Nereus' Huld Geliehn, versuch' ich's, rette wohl, Menelaos, dich. Der Götterfrauen höchste will dein Wohlergehn, Mein Wille stimmt zum ihren: Aphrodite sei Mir gnådig, niemals schenkte sie mir ihre Gunst, Und trachten werd' ich, immerdar Jungfrau zu sein. Was du zu meinem Vater sprachst am Grabe hier, Dasselbe muß ich sagen. Unrecht thåten wir, Sie nicht zuruckzugeben; wenn er lebte, traun, Er gåbe dir die Gattin und dich ihr zurück. Denn solcher Frevel wird gericht im Todtenreich, Wie bei der Erde Menschen hier; zwar lebt er nicht, Der Geist der Todten, aber hat ein ewiges Gefühl, sobald er ewigem Aether sich vermählt. Um kurz es auszudrücken: ich verschweige stets, Um was ihr mich gebeten, und die Schwester wird Niemals in Thorheit Helferin dem Bruder sein. Ich übe Gutes, ob er's auch nicht glaubt, an ihm, Entfremd' ich ihn dem Frevel, daß er weise wird. Ihr selber mågt nun einen Ausweg euch erspåhn: Ich schweig' und ziehe mich zurück aus eurem Kreis. Doch bei den Göttern fanget an, und bittet sie, Kytheren, daß sie Wiederkehr ins Vaterland Dir gönne, Heren, daß sie fest im alten Sinn Verharre, dich zu retten, dich und Helena. Und du, geschiedner Vater, soviel ich vermag, Nie sollst du gottlos statt gerecht gescholten sein. (Sie geht in den Palast zurück.); Chor. Noch wurde Keiner glucklich, der Unrecht verübt; Gerechter Sache winkt allein des Heiles Stern. Helena. Gemahl, die Jungfrau that für uns das Ihrige: Doch nun gebührt uns, Red' um Rede tauschend, in Vereintem Rath den Weg der Rettung auszuspahn. Menelaos. So hore. Lange lebst du schon in diesem Haus, Des Königs Dienern zugesellt und wohlvertraut. Helena. Was willst du damit? Denn du weckst mir Hoffnungen, Du werdest Etwas wagen, was uns beiden frommt. Menelaos. Bewegtest du wohl Einen, dem ein Viergespann Zur Hut vertraut ist, einen Wagen uns zu leihn? Helena. Ich könnte das wohl; aber wie vermochten wir Zu fliehn, der Weg' unkundig im Barbarenland? Menelaos. Unmoglich! Doch wie, wenn ich, in dem Palast versteckt, Mit diesem doppelschneidigen Schwert ihn mordete? Helena. Das duldet seine Schwester nicht, noch wurde sie's Verschweigen, wenn man ihren Bruder todten will. Menelaos. Doch auch kein Schiff ist unser, das uns Fliehende Errette; das wir hatten, hat die Meeresflut. Helena. Vernimm denn, ob auch Weises sagt ein Frauenmund :[OCR note; compare the printed page.] Unders: Vernimm denn, ob auch eine Frau verständig spricht. Compare printed p. 299 Sprich, magst du wohl todt heißen, du, der Lebende? Menelaos. Ein boses Zeichen! Aber bringt es uns Gewinn, So will ich wohl todt heißen, ich, der Lebende. Helena. Die Locken scherend jammr' ich dann nach Frauenart; So mag ich Mitleid wecken bei dem falschen Mann. Menelaos. Wie sollte das ein Mittel uns zu retten sein? Doch deine schlichte Rede birgt wohl eine List. Helena. Du kamst im Meer um, geb' ich vor, und bitte dann Den König, daß er dir vergånn' ein leeres Grab. Menelaos. Mag er's vergönnen; aber wie dann ohne Schiff Entslichen, wenn das leere Scheingrab mich verbirgt? Helena. Ich fodr' ein Fahrzeug, welches dir den Todtenschmuck Zu deinem Grab im Meeresschooße tragen soll. Menelaos. Ganz wohl gesprochen! Doch der Plan frommt uns zu Nichts, Wenn er im Lande dir befiehlt ein Grab zu weihn. Helena. So sag' ich, daß in Hellas nicht die Sitte sei, Mit Staub zu decken, die der Meeresschooß verschlang. Menelaos. Auch schon ersonnen! Und ich schiffe dann mit dir, Und führ' im selben Schiffe mit den Todtenschmuck. Helena. Du mußt vor Allem nahe sein und deiner Fahrt Genossen, die der Meeresnoth entronnen sind. Menelaos. Doch wenn am Schiff der Anker aufgewunden ist,[OCR note; compare the printed page.] Ε. καὶ μὴν, ἐάνπερ ναῦν ἐπ᾽ ἀγκύρας λάβω, δ. ἱ. ἀγκύρας ἐπὶ ναῦν λάβω. Compare printed p. 299 So wird mit naktem Schwerte Mann zu Mann sich reihn. Helena. Das Alles mußt du lenken. Wenn nur guter Wind Uns schwellt die Segel, und das Schiff im Flug entführt! Menelaos. Wohlan! Die Götter enden nun mein Ungemach. Doch, fragt er, wer gab Kunde dir von meinem Tod? Helena. Du selbst. Allein, sprich, seiest du dem Tod entflohn Im Schiff mit Atreus' Sohne, habst ihn sterben sehn. Menelaos. Auch diese Lumpenhulle, die mich kaum verhüllt, Wird zeugen, daß ich erst entrann der Meeresnoth. Helena. Du missest gern izt, was du dort ungern verlorst, Und jenes Ungluck wird vielleicht ein Segen dir. Menelaos. Soll ich in's Haus mit dir hineingehn, oder hier Am Grabe ruhig harren, bis du wiederkehrst? Helena. Hier bleibe: hebt er wider dich die droh'nde Hand, So wird das Grab dich schůzen und dein gutes Schwert. Ich geh' ins Haus ein, schneide mir die Locken ab, Und statt des weißen wåhl' ich mir ein schwarzes Kleid, Und Någel fårben blutigroth die Wange mir.[OCR note; compare the printed page.] Wörtlicher: Und lege blutige Nägel an die Wange mir. Compare printed p. 299 Ein großer Kampf harrt unser, und die Wage schwankt: Entweder muß ich, wenn er meinen Plan entdeckt, Hinsterben, oder kehr' ich heim und rette dich. Erhabne Göttin, die du ruhst im Arm des Zeus, O Hera, los aus Leide zwei Ungluckliche! So flehen wir, zu Himmelshöhen unsern Arm Emporgehoben, wo du wohnst in Sternenglanz. Du, die der Schöne Preis errang durch meine Hand, Dione's Tochter, Kypris, nicht verderbe mich! Genug des Leides schusst du mir, als nicht den Leib, Nur meinen Namen, du dahin den Phrygern gabst. O laß mich sterben, wenn du mich ermorden willst, Daheim! Warum doch wirst du nie vom Ungemach Ersättigt, die du Liebestrug und Täuschungen Und Zauber windest, der mit Blut die Häuser füllt? Du warst im Andern, übtest du nur Mäßigung, Der Menschen holdeste Göttin: gern bekenn' ich das. (Sie geht in den Palast.) Erste Strophe. Chor. Dich, unter dichtbelaubter Umschattung des Baums, In liedervoller Grotte bang klagend, will ich rufen,[OCR note; compare the printed page.] Wörtlicher: In liedervollen Wohnungen sizend. Compare printed p. 299 Gesangeskundiger, dich, melodischer Vogel, Komm, Nachtigall, schwimmend in Thränen! Komm, wirbl' aus falber Kehle die seufzenden Lieder hervor, In meine Trauer stimmend, Und besinge mir Helena's, Der ilischen Frauen Leid, Schweres Jammergeschick, das einst Argos' Lanzen bereitet, Die das Feld erfüllt, erfüllt, als im fremden Schiff[OCR note; compare the printed page.] L. ὃς ἐμολεν. ὃς bez. auf πόνος; aber die Uebersezung wählte eine andere Wendung. Compare printed p. 299 Er durch Unglücksmeer dem Stamm Ilions die Braut Zufuhrte von Sparta, die Er geraubt, Alexandros, der Unheilssohn, Durch Kypris' Huld geleitet. Erste Gegenstrophe. Und viel Achder starben, von Lanzen durchbohrt, Von Steineswurf getroffen, unsel'gen Jammertodes, Und ihre Gattinnen schoren trauernd die Haare; Um den Bräutigam klagten die Braute.[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: domus jacent sine sponsis. Compare printed p. 299 Viel' auch entseelt', auf einsamem Schiff am umfluteten[OCR note; compare the printed page.] Nauplios, König in Euböa, lockte, um die Ermordung seines Sohnes Palamedes, der wahrscheinlich durch die Ränke des Odysseus ges fallen war, zu rächen, die von Troja zurückkehrenden Hellenen durch trügerische Wachfeuer an das Vorgebirge Kaphareus (oder Kaphereus), wo viele Schiffbruch litten. Er soll selbst in einem Boote an den Ufern seiner Insel und einer benachbarten, Wegä, hingeschifft sein, um die Hellenen irre zu führen. Compare printed p. 299 Eubda's helle Fackeln Anzundend, ein Mann, der sie Zu Kaphareus Felsen trieb, Strand Und an Aegå's stürmischen Höhn Trüglich Feuer entflammte, Auf den Unglücksbergen dort, als der Heereszug, Durch des Windes Hauch verstürmt fern vom Vaterland, Kein Wundergebild, nein, Zwist Für Achda, die Wolk', auf den Schiffen gefuhrt, Der Hera heilig Luftbild. Zweite Strophe. Was Gott, was nicht Gott sei, was Mittelnatur, Welch Sterblicher gründet es aus, Der die fernsten Gränzen durchspåht, daß er schaue der Götter Thun, Welches sich hierhin, dorthin, dann auf feindliche Bahn Durch ungeahnte Loose schlingt? Du warst des Zeus Tochter, o Helena, du; Ein Vogel, zeugt' am Busen Leda's Dein Vater dich einst: Und doch nennt der Ruf in Hellas' Volke dich „Gottlos, Verruchte, Frevlerin, Verråtherin." Unsicher dünkt mir Menschenwiz; Der Götter Wort nur fand ich wahrhaft. Zweite Gegenstrophe. Unsinnige, die nach dem Ruhme des Krieges verlangt! Ihr seid mit der Scharfe des Speers Menschenzwist in thörichtem Sinn muthig beizulegen bemüht; Sollen ihn Kämpfe des Bluts entscheiden, gewinne der Streit In der Menschen Städten nie sein Ziel. Vom Speer umdrängt stürzte die Priamosburg;[OCR note; compare the printed page.] aἳ bez. auf λόγχαι. ξ. έλιπον Ι. ἔριπον. Compare printed p. 299 Doch deinen Zwist, o Helena, Håtte geschlichtet ein Wort. Und jezt ruhn sie selbst unten in Hades' Haus; Die Mauern faßte Feuer, wie Blizstrahl von Zeus, Und håuste Leiden ohne Zahl Auf Leiden Troja's armem Volke. Menelaos. Helena. Der Chor. (nähert sich dem Grabmale) Theoklymenos. Grab meines Vaters, Heil! Am Eingang hier begrub Ich dich, o Proteus, meinen Gruß zu bringen dir. In allen Zeiten, geh' ich aus und ein im Haus, Mein Vater, spricht Theoklymenos, dein Sohn, zu dir. (zu den Dienern) Bringt ihr des Wildes Neze, bringt die Hunde nun, Ihr Diener, mir in's königliche Haus zurück. (sie gehen.) Ich habe vormals dfter schon mich selbst geschmåht; Denn nie mit Todesstrafe lohnt' ich Bösen noch. Und nun vernahm ich, daß ein Mensch aus Hellas uns Im Land erschienen und die Wächterschaar getäuscht; Kundschaften will er, oder heimlich Helena Entführen. Er muß sterben, wenn man ihn ergreift. Ha! Da, scheint es, find' ich Alles schon in's Werk gesezt; Den Siz am Grabe hat die Tyndaride leer "Gelassen, ist aus meinem Lande fortgeschifft. Hollah! Die Pforten öffnet, lost die Rosse von Den Krippen, Diener, und die Wagen führt heraus, Daß uns die Frau nicht heimlich aus dem Lande flicht, Um die wir werben, wollten wir die Muhe scheun. Doch halt! Die Frau, nach welcher unsre Schritte spåhn, Dort ist sie, seh' ich, im Palast, und nicht entflohn. (Bu Helena, die aus dem Palaste tritt.) Du da, warum doch tauschtest du das weiße Kleid Mit schwarzen Trauergewanden, was beraubtest du Dein edles Haupt mit dem Eisen seines Lockenschmucks? Was stromen heiße Zähren dir die Wang' herab? Du weinst? Verstimmt ein nachtlich Traumgebilde dich Zu Seufzern, oder drang zu dir vom Hause her Ein böses Wort, daß Trauer deinen Geist verzehrt? Helena. O Herr! (mit diesem Namen red' ich nun dich an) Verloren, all mein Gluck dahin, nichts mehr bin ich! Theoklymenos. Welch Ungemach umsing dich? Was geschah mit dir? Helena. Menelaos - weh, wie sag' ich's? - mein Gemahl ist todt. Theoklymenos. Frau, deine Botschaft freut mich nicht! - (für sich) Welch Gluck für mich! - Woher erfuhrst du's? Sagte dir's Theonoë? Helena. Sie sagt' es, und ein Andrer, der ihn sterben sah. Theoklymenos. Kam Einer, der's auch meldet' als unzweifelhaft? Helena. Gewiß. Er komme, wie mich selbst nach ihm verlangt! Theoklymenos. Wer ist er? Wo? Genau're Kunde wunscht' ich mir. Helena. Der dort am Fuß des Grabes hingekauert sizt. Theoklymenos. Apollon! Welch ein schmuzig Kleid entstellt den Mann! Weh! Helena. Auch meinen Gatten, fürcht' ich, hullt ein solch Gewand. Theoklymenos. Wer ist er, und von wannen kam er hergeschifft? Helena. Der Achder Einer, meines Gatten Schiffsgenoß. Theoklymenos. Und welches Todes, sagt er, daß Menelaos starb? Helena. Des jammervollsten, in des Meeres nasser Flut. Theoklymenos. Wo trieb er um auf fremder unwirthbarer See? Helena. An Libya's portlosen Klippen scheitert' er. Theoklymenos. Und dieser kam nicht um, und war im gleichen Schiff? Helena. Oft haben Edle mindres Gluck, als Niedere. Theoklymenos. Wo ließ der Mann die Trümmer seines Schiffs zurück? Helena. Wo Frevler sterben sollten, doch Menelaos nicht![OCR note; compare the printed page.] L. ὅπε κακός γ᾽ ὄλοιτο, Compare printed p. 299 Theoklymenos. Er ist dahin: sei's! Aber wie kam dieser her? Helena. Ihn nahm ein Schiff auf, sagt er, das vorüberfuhr. Theoklymenos. Wo weilt das Unheil, das für dich nach Troja zog? Helena. Du meinst das Wolkenbild? Zum Aether schwand's hinauf. Theoklymenos, Priamos und Troas, welch ein Nichts gab euch den Tod! Helena. Am Loos der Priamiden ward auch mir mein Theil. Theoklymenos, Begrub er oder ließ er ihn grablos zurück? Helena. Grablos. Ich Ungluckvolle, welch ein bittres Loos! Theoklymenos, Drum schnittest du des blonden Haares Locken ab? Helena. Lieb ist ja, wer es Einmal war, dort unten auch, Theoklymenos, So wird mit Recht ein solches Ungemach beweint? Helena. Du trügest wohl gleichgultig deiner Schwester Tod? Theoklymenos. Mitnichten. Aber bleibst du stets am Grabe hier? Helena. Was krånkst du mich, und lassest nicht den Todten ruhn? Theoklymenos. Treu bist du deinem Gatten und mich fliehst du ja. Helena. Nicht långer; jezo denk' an mein Vermählungsfest. Theoklymenos. Spåt kamst du damit; aber dennoch lob' ich es. Helena. Nun hore: was vergangen, soll vergessen sein.[OCR note; compare the printed page.] Unders: Nun höre: folg' uns und vergiß das Frühere. Compare printed p. 299 Theoklymenos. Was wirst du bieten? Gunst um Gunst sei dir gewährt. Helena. Laß einen Bund uns schließen, sei mir wieder hold. Theoklymenos. Nicht länger groll' ich: mag der Wind den Groll verwehn![OCR note; compare the printed page.] Unders: Nicht länger groll' ich: mag der Groll in die Lüfte fliehn! Compare printed p. 299 Helena. Bei deinen Knieen, weil du mir so freundlich bist - Theoklymenos. Wonach verlangend, wirsst du dich zu meinen Knien? Helena. Dem todten Gatten möcht' ich, Herr, ein Grab erbaun. Theoklymenos. Dem Fernen? Oder willst du's einem Schatten weihn? Helena. Hellenenbrauch ist, wer in Meeresfluten stirbt, - Theoklymenos. Was thun sie? Pelops' Sohne sind der Dinge kund. Helena. In leeren Trauergewanden wohl begråbt man ihn. Theoklymenos. Bestatt' ihn, bau' im Lande, wo du willst, ein Grab. Helena. Nicht so begråbt man Schiffer, die das Meer verschlang. Theoklymenos. Wie denn? Die Brauch' in Hellas' Volke kenn' ich nicht. Helena. Man wirft in Meeresfluten, was den Todten ziemt. Theoklymenos. Was soll ich dir denn geben für den todten Freund? Helena. Weiß nicht; ich bin unkundig, weil ich glucklich war. (zu Menelaos) Theoklymenos. Du hast, o Fremdling, frohe Kunden uns gebracht. Menelaos. Mir sind sie das nicht, auch dem Hingeschiednen nicht. Theoklymenos. Sprich, wie begrabt ihr Todte, die das Meer verschlang? Menelaos. Wie Jedem seiner Habe Maß beschieden ist. Theoklymenos. Von Schåzen nenne, was du willst; ihr geb' ich es. Menelaos. Blut wird zuerst den Todesgåttern dargebracht. Theoklymenos. Von welchem Thiere? Sage mir's, ich folge dir. Menelaos. Du selbst entscheide! Was du geben magst, genügt. Theoklymenos. Roß oder Stier zu geben, ist Barbarenbrauch. Menelaos. Gib (was du geben mögest) nur Untadliches. Theoklymenos. Bei reichen Heerden fehlt es uns an solchem nicht. Menelaos. Sodann ein Ruhbett bringt man, wohlumhüllt und leer. Theoklymenos. Es sei! Doch was zu bringen heischt die Sitte sonst? Menelaos. Die Wehr von Erze; denn der Speer war seine Lust. Theoklymenos. Werth ist der Pelopssöhne, was ich geben will. Menelaos. Dann noch, so viel an schönen Blumen trågt die Flur. Theoklymenos. Wie werft ihr alles dieses in die Flut hinab? Menelaos. Ein hurtig Fahrzeug sei zur Hand mit Ruderern. Theoklymenos. Und welche Weite hålt das Schiff vom Strande fern? Menelaos. Man sieht vom festen Lande kaum der Ruder Schlag. Theoklymenos. Doch wie? Warum hat Hellas diesen Brauch erwählt? Menelaos. Daß nicht die Leichen, uns zur Schmach, auswirst die Flut. Theoklymenos. Ein rasches Schiff Phonike's ist für euch bereit. Menelaos. Das wäre schön und für Menelaos ganz erwunscht. Theoklymenos. Doch könntest du nicht ohne sie das Alles thun? Menelaos. Das ist der Mütter, Kinder oder Fraun Geschäft. Theoklymenos. Du meinst, den Mann zu bestatten, sei des Weibes Pflicht? Menelaos. Ein Frommer raubt den Todten ihre Rechte nicht. Theoklymenos. So sei's! Auch uns frommt's, haben wir ein fromm Gemahl. Ich geh' ins Haus nun, hole dir des Todten Schmuck, Und sende nicht mit leeren Hånden dich hinweg, Nachdem du dieser dientest. Weil du günstige Botschaft gebracht, empfangst du får den nakten Leib Gewand' und Speise, daß du wohl ins Vaterland Heimkehrst; du bist ja, seh' ich, Freund, recht arm bestellt. (3u Helena) Und du, Bedrängte, quåle mit Unmöglichem Doch nicht dich selber; ihn ereilte sein Geschick, Und nicht ins Leben kehren kann der Todte mehr. Menelaos. Das, Frau, gebietet deine Pflicht, den lebenden Gemahl zu lieben; immer laß den Todten ruhn: Wie dein Geschick fiel, ist's für dich am besten so. Doch wenn ich glucklich heimgekehrt, so sez' ich dort Wohl deinem bösen Ruf ein Ziel, bewahrst du dich Als Frau dem Gatten, wie du dich bewähren mußt. Helena. Das wird geschehen; nimmermehr soll mein Gemahl Mich schelten; du bist nahe, wirst es selber sehn. Doch, Armer, gehe nun hinein, und bade dich, Und nimm dir andre Kleider um. Ich werde, dir Dankbar zu sein, nicht saumen; du wirst williger Dem theuern Mann Menelaos, was der Brauch verlangt, Ausrichten, wann wir erst gewährt, was dir gebührt. (Sie gehen alle in den Palast.) Erste Strophe. Chor. Die bergliebende Göttermutter Sturmt' einst auf waldigen Höhn Dahin mit flüchtigem Fuß, Durch hinwallender Strome Lauf, Durch lautdonnernde Meeresflut, Nach der Hehren verlangend, die Der Nachtgott entführt. Der Bacchosklappern eherner Ton scholl hell in Berg' und[OCR note; compare the printed page.] ἀνεβόα verb. mit τὰν ἁρπασθεῖσαν κ. χ. ἐ. π. 〃 1256. L. θηρῶν ὅττ᾽ ἦν ζυγίες κ. τ. λ. 〃 1275. Ε. πηγάς τ' ἀμπαύει δροσεράς πένθει παιδὸς ἀλάςωρ. Compare printed p. 299 Wälder hin, und rief Nachdem sie der Löwen Gespann' in die Joche geschirrt, Ihr, die der Schattenherrscher entrückt Aus der Jungfraun kreisendem Chor. Und es folgt auf den Schwingen des Sturms Artemis, mit Pfeilen bewehrt, Pallas mit Speer und Gorgoschild. Doch vom Himmel schauend, verhångt' andre Loose die Gottheit. Erste Gegenstrophe. Und als, múde der langen Irrfahrt, Die Mutter hemmte den Lauf, (Sie spåht vergeblich dem Trug, Der die Tochter ihr raubte, nach;) Schwang sie sich zu den schneeigen Warten von Ida's Nymphen empor, Und warf trauernd sich Auf felsigen eisumstarrten Grund. Nun grünt auf Erden keine Saat, Die Gefilde befruchtet kein Pflug, es verkummert der Menschen Geschlecht; Kein schonlaubender Zweig erblüht, Keine Speise den Heerden mehr. Und die Nahrung der Stådte versiegt; Opfer sieht kein Götteraltar, keine Kuchen verzehrt die Glut; Nirgend fließt ein thauender Quell: denn sie trauert und zürnt fort. Zweite Strophe. Also storte sie Mahl' und Lust Den Göttern und Menschen; da stillt Zeus Deo's furchtbaren Grimm: „Kommt herbei," sprach er, herbei, hehre Huldgöttinnen, eilt! Um die Jungfrau hat uns Deo gegrollt; o verscheuchet den Gram Ihr durch Tone der Freud'; im Chor stimmt, o Musen, Und nehmt lautdrohnendes Erz, Hymnen ihr an! Nehmt rindshåutene Pauken zur Hand!" Da lacht unter den Göttern Aphrodita, der Göttinnen schönste, zuerst, Nimmt in die Hånde dann die tieftinende Flote, Und freut sich des Klanges. Zweite Gegenstrophe. Der nie sollte für dich erglühn, Ihn hast du zur Liebe bethårt; doch zürnt wohl Kybele dir, Weil du sie, Tochter, nicht ehrst, nicht mit Brandopfern versöhnst. Denn wahrlich, gewaltige Macht hat der Hindinnen fleckig Gewand, Auch des Epheus laubiger Kranz, der um heilige Ståbe sich schlingt, Und das Erz, das, hallend, im Kreis Mächtig geschwungen erschuttert die Luft, auch der erhabenen Göttin Nachtfest und der Jubelnden flatterndes Haar. Wenn deines Auges Glanz das ihre verdunkelt, Schmuckt nur die Gestalt dich. Helena. Theoklymenos. Menelaos. Der Chor. (aus dem Palaste kommend, zu dem Chor) Helena. Im Haus, geliebte Frauen, ist es uns geglückt:[OCR note; compare the printed page.] Unders: Im Hause steht es wohl mit uns, o Freundinnen. Compare printed p. 300 Die Tochter Proteus' fördert uns in unserm Plan. Gefragt um meinen Gatten, ob er weile hier, Entdeckt sie nichts dem Bruder, nein, sagt mir zulieb, Er sei gestorben, schaue nicht die Sonne mehr. Zum Besten griff in guter Stunde mein Gemahl: Er nimmt die Rustung, die hinab er senken soll In Meeresfluten, wirst den Arm in des Schildes Ring, Und legt sie selbst an, seine Rechte faßt den Speer, Als woll' er ehren, mir gesellt, des Todten Grab. Wohl passend hat er sich zum Streit die Wehr umhullt, Um über tausend Fremde so durch eigne Kraft Zu siegen, wann wir in das Schiff getreten sind. Auch andre Kleider bracht' ich statt der schmuzigen, Und schmuckt' ihn aus, und gönnte seinem Leib ein Bad, Nach langer Frist ihn labend durch des Stromes Thau. (Theoklymenos mit Gefolge tritt aus dem Palaste.) Doch - aus dem Hause schreitet ja der König dort, Dem, also wähnt er, meine Hand schon sicher ist. (zu dem Chore) So muß ich schweigen. Aber dir, wofern du schweigst Mit holdem Sinn, verheiß' ich, wenn's uns möglich ist, Auch dich zu retten, wann wir selbst gerettet sind. (zu den Dienern) Theoklymenos. Geht nun, geordnet, wie der Fremdling euch gebot, Und tragt, o Diener, an das Meer den Todtenschmuck. (zu Helena) Du, Frau, wofern dir unsre Rede nicht missållt, Folg' uns, und bleibe; denn du wirst anwesend dort Den Gatten mehr nicht ehren, als abwesend hier. Denn dort, ich furchte, wandelt dich ein Sehnen an, Hinab in Meeresfluten dich zu stürzen, wenn Der alten Liebe Wonnen dich durchschauerten: Denn übermäßig klagst du ja dem Fernen nach. Helena. Mein edler Herr und Gatte, mir gebeut die Pflicht, Den ersten Gatten, der mir eng verbunden war, Zu ehren; weil ich ihn geliebt, so wunscht' ich auch Mit ihm zu sterben; aber was ist's ihm Gewinn, Wenn mich der Tod dem Todten zugesellt? So laß Mich selber gehn und dem Todten Grabesehren weihn. Und geben dir die Götter, was mein Herz verlangt, Und diesem Fremdling, weil er mir's vollbringen hilft! Du wirst an mir die Gattin, wie du sie verdienst, Im Hause haben; denn du thatst Menelaos wohl Und mir; zu großem Heile wird uns das gedeihn. Doch wer das Schiff uns gebe, das die Gaben trågt, Befiehl, damit dein Liebeswerk vollendet sei. (zu Einem aus dem Gefolge) Theoklymenos. Du geh', und diesen gib ein fünfzigrudriges Sidonerfahrzeug samt der Schaar der Ruderer. Helena. Wird der im Schiff gebieten, der das Grab bestellt? Theoklymenos. Ja wohl; gehorchen müssen meine Schiffer ihm. Helena. Befiehl's noch Einmal, daß sie deutlich dich verstehn. Theoklymenos. Noch Einmal, und auch dreimal, wenn es dir gefällt. Helena. Heil dir, und mir auch! Glucke, was ich froh begann! Theoklymenos. Nicht allzusehr doch hårme dich in Thränen ab! Helena. Noch dieser Tag beweist dir meine Dankbarkeit. Theoklymenos. Ein eitles Nichts die Todten, bringen Mühe nur. Helena. Ich habe hier und unten, die mir theuer sind.[OCR note; compare the printed page.] Ε. ὧν ἐγωγ᾽ ἐρῶ. Compare printed p. 300 Theoklymenos. Kein schlimmrer Gatte werd' ich als Menelaos sein. Helena. Du bist untadlich; nur der Ausgang kümmert mich. Theoklymenos. In deiner Hand liegt dieser, schenkst du Liebe mir. Helena. Nicht heute lern' ich lieben, die mich lieben, Herr. Theoklymenos. Verlangst du, daß ich selbst die Fahrt geleiten soll? Helena. Mitnichten; sei nicht deiner Knechte Knecht, o Fürst. Theoklymenos. So sei es! Zwar mich kummern Hellas' Brauche nicht. Denn unentweiht ist unser Haus; Menelaos hat Nicht hier verhaucht sein Leben. Geh' ein Diener nun, Und heiße meinen Satrapen Brautgeschenke mir In meine Wohnung senden; und im ganzen Land Erschalle seligfroher Sang, der Helena's Brautfest und meines jubelnd hochverherrliche. Du gehe, Fremdling, schiff hinaus in tiefes Meer, Und bringe Dies dem Manne, der ihr Gatte war; Zurück zur Wohnung eile dann mit meiner Braut, Damit du heimkehrst, wann du mein Vermählungsfest Mit mir gefeiert, oder hier im Glücke wohnst. (geht ab.) Menelaos. O Zeus, du heißest Vater und ein weiser Gott; O blick auf uns hernieder, los aus diesem Leid, Und hilf des Schicksals lezten schweren Gang bestehn! Wenn uns die Spize deiner Hand auch nur berührt, Erreichen wir das Ende, wo wir hingestrebt. Genug der Kämpfe haben wir bisher gekämpft. Bezeugt mir, Götter, ihr vernahmt viel Leid von mir Und Gram; ich soll nicht immer ungluckselig sein; Nein, last mich aufrecht wandeln! Dieses Eine nur Gewährt mir huldreich, und ich bin fortan beglückt. (ab mit Helena und den Ruderern.) Erste Strophe. Chor. Phoniker, auf, Sidons Kind![OCR note; compare the printed page.] Der Chor redet das Schiff an, welches Helena in die Heimat tragen soll. Compare printed p. 300 Auf, schnelles Seeruder, der Wogen Vater, Freundlich den Schiffenden! Chorführer schöntanzender Delphine, wann von den Winden Nicht erregt, schweigt das Meer, Und Pontos' helläugiges Kind, die Meerstille, den Ruf hebt: „Spannt die Segel, und gebt sie preis schwellenden Lüften auf hoher See, Nehmt die tannenen Ruder zur Hand, und geleitet Helena mir Zum gastfreundlichen Port, zum Haus des Perseus!"[OCR note; compare the printed page.] Mykenä war von Perseus erbaut. Compare printed p. 300 Erste Gegenstrophe. Leukippos' Jungfrauen erblickst[OCR note; compare the printed page.] Den vergötterten Töchtern des Leukippos, Ilaeira und Phöbe, war-in Lakedämon ein Tempel geweiht. Compare printed p. 300 Du wohl am hinrauschenden Strom, vor Pallas' Ehernem Hause, wann Du spåt die Chorreigen besuchst, oder am Fest Hyakinthos'[OCR note; compare the printed page.] Der spartische Jüngling Hyakinthos, ein Sohn des Umyklas, Liebling Apollons, wurde von diesem beim Spiel mit der metallenen Wurfscheibe getödtet. Zu seinem Andenken stiftete Apollon in Lakedämon ein Fest. Compare printed p. 300 Bei der Nacht Jubelschall, Den Phobos einst, als er im Kampf zum Ziel schnellte die Scheibe, Todtet'; (und dem Lakonerland hieß ein rinderopferndes Fest Fromm begehen der Sohn des Zeus:) du wirst schaun das verlassene Kind, Dem die Hochzeitsackel noch nicht geleuchtet. Zweite Strophe. O schwebten wir hoch in den Luften, beschwingt, wie der schwärmende Zug, Libyscher Vögel Geschlecht, Die, dem regnichten Herbst entflohn, weithin ziehn, und des åltesten Lockpfeife folgen, des Führers, der zu den fruchtbaren Aun, Quellenlosem Gefild' herab schwebt in fröhlichem Jubel. O langhalsige Vogel, ihr, eilender Wolken Laufe gesellt, Mitten zu den Plejaden fliegt, schwebt um Orions nachtliche Bahn; Am Strom Eurotas den Flug hemmend, meldet die Kunde dort: Menelaos, der Dardanos' Burg stürzte, kehrt in die Heimat. Zweite Gegenstrophe. Kommt ihr auch in Rossen und Wagen durch himmlische Söhne des Tyndaros, kommt, Lüfte daher, Die ihr unter hellen Gestirns Kreisen wohnt in Olympos' Höhn; O kommt als Helena's Retter über die brandende See, Ueber düsterer Meeresflut wildrauschende Wogen, Und hellwehenden Windeshauch sendet von Zeus den Schiffern herab; Wehrt die Schmach von der Schwester ab, daß sie dem fremden Mann sich gesellt! So bitter büßt sie den Streit dort auf Ida's Triften, obwohl[OCR note; compare the printed page.] L. ποιναθεῖο᾽ ἐκτήσατο, γᾶν ἐκ ἐλθῦσά ποτ' Ἰλία Φοιβείες ἐπὶ πύργες. Die Thürme des Phöbos. Phöbos hatte mit Poseidon die Mauern Troja's erbaut. Compare printed p. 300 Sie Troja's Burg nimmer gesehn, nicht die Thürme des Theoklymenos tritt aus dem Palaste. Ein Bote. Der Bote. Gelegen, König, treffen wir im Hause dich;[OCR note; compare the printed page.] L. ἄναξ, τὰ κάλλις᾽ ἐν δόμοις ο' εὑρήκαμεν. Compare printed p. 300 Denn neues Unheil hörst du gleich aus meinem Mund. Theoklymenos. Was gibt es? Der Bote. Wirb um eines andern Weibes Hand; Denn aus dem Lande fortgeslohn ist Helena. Theoklymenos. Auf Flügeln schwebend, oder mit der Füße Kraft? Der Bote. Menelaos hat sie deinem Land im Schiff entführt, Der selbst hieherkam, seinen Tod verkündigend. Theoklymenos. Verwünschte Botschaft! Aber welches Schiff enttrug Ihn diesem Lande? Denn du sagft Unglaubliches. Der Bote. Das du dem Fremdling gabest; deine Ruderer Mitnehmend, ist er fortgeschifft: hier hast du's kurz. Theoklymenos. Wie das? Ich will es wissen; denn ich glaube nicht, Daß Eine Hand so vieles Schiffervolk, mit dem Du hingesendet warest, überwältigte. Der Bote. Nachdem Kronions Tochter dieses Königshaus Verlassen, und zum Meeresufer ward geführt; Schlau sezt sie da die zarten Füße, klagt' um ihn, Den nicht Gestorbnen, welcher ihr zur Seite ging. Und als wir drauf zu deinem Schiffzeughaus gelangt, Da zogen wir ein Sidonerschiff, zur ersten Fahrt Mit fünfzig Ruderbänken wohlversehn, heraus. Arbeit auf Arbeit folgte nun; der nimmt den Mast, Der Andre fügt die Ruder und erprobt den Schwung Im Wasser; weiße Segel bringt ein Anderer,[OCR note; compare the printed page.] Ε. ταρσόν τ' ἐπείρα. Compare printed p. 300 Und läßt das Steuerruder in sein Joch hinab. Bei dieser Arbeit kamen denn zum Meeresstrand Menelaos' Schiffsgenossen, die den Augenblick Wahrnahmen, vom zerrißnen Kleide kaum umhüllt, Zwar wohlgestaltet, aber kläglich anzuschaun. Der Sohn des Atreus sah sie kaum, so heuchelt er Trugvolles Mitleid, und beginnt, an sie gewandt: „Ihr Jammervollen, wie, woher, aus welchem Schiff Achaa's kommt ihr, wie zertrummert' euer Kiel? Wollt ihr mit uns bestatten Atreus' todten Sohn, Dem diese, Tyndars Tochter, baut ein Ehrengrab?" Und sie vergossen Thränen mit verstelltem Schmerz, Das Schiff besteigend und für Atreus' Sohn den Schmuck Der Todten tragend. Uns erweckte dies Verdacht, Und Einer sprach zum Andern, daß die fremde Schaar Im Schiff so zahlreich wåre; doch wir schwiegen still, Treu deinen Worten; dein Gebot, daß dieser uns Im Schiff befehle, schuf Verwirrung überall. Und Alles war nun mühelos an Bord gebracht Und wohlgeordnet; nur der Stier noch straubte sich, Aufrecht hinabzugehen nach dem Schiffsverdeck; Er brüllte laut auf, rollt das Aug' im Kreis umher, Und krümmt den Rücken, und zur Seit' umblickend wehrt Er uns, ihn anzurühren; da rief Helena's Gemahl: „Ihr Freunde, die zerstört die Troërstadt, Auf, raffet ihr nicht nach Hellenenart ihn auf, Den Stier, und tragt auf jugendlichen Schultern ihn[OCR note; compare the printed page.] Den willigen Stier hielt man an den Hörnern gefaßt, den widerstrebenden trug man auf den Schultern zum Altare. Compare printed p. 300 Zum Bug des Schiffes? Dieser Stahl, zugleich gezückt, Wird dann dem Todten schlachtend ihn zum Opfer weihn." Auf diese Mahnung griffen sie sofort den Stier, Und trugen ohne Säumen ihn zum Schiffsverdeck; Menelaos aber streichelt Stirn und Nacken ihm, Den wohlumſtrickten, daß er gern im Schiffe blieb. Nun, als im Fahrzeug Alles aufgenommen war, Betrat die Leiter Helena mit schönem Fuß, Und sezte mitten auf die Ruderbänke sich, Und neben sie Menelaos, den man todt gesagt. Die Andern saßen, diese rechts und jene links, Mann neben Mann, die Schwerter in des Gewandes Schooß Verborgen haltend, und von Lärm erdröhnte rings Das Meer, sobald des Rudermeisters Stimm' erscholl.[OCR note; compare the printed page.] Der Rudermeister sang vor, die Ruderknechte fielen mit Gesang ein, und schlugen nach dem Takte die Ruder. Compare printed p. 300 Doch als wir weder allzufern, noch nahe mehr Am Lande waren, fragte so der Steuermann : „Verlangst du weiter, oder ist es also recht, O Fremdling? Denn des Schiffes Hut ist dir vertraut." Der rief:,,genug mir!" zückte mit der Hand den Stahl, Und schritt zum Bug des Schiffes, und ergriff den Stier, Und keines Todten gedenkend, stieß er ihm das Schwert Die Kehl' hinab, und flehte: „Meerbewohnender Seegott Poseidon, keusche Nereïden ihr, Aus diesem Lande rettet mich nach Nauplia Mit meiner Gattin!" Und des Opferthieres Blut Sprang, heilverkundend seiner Fahrt, in die Wellen hin. Und Einer sprach so: „Diese Schifffahrt ist Betrug. Zuruckgesegelt! Also ziemt's. Gebiete du,[OCR note; compare the printed page.] Ε. πάλιν πλέωμεν· ἄξιον. Compare printed p. 300 Und wende du das Steuer!" Atreus' Sohn, nachdem Der Stier entseelt gesunken, rief den Freunden zu: 1495,Was säumt ihr langer, Blüthe vom Hellenenland, Die Fremden hinzuschlachten und vom Schiff hinab Ins Meer zu sturzen?" Doch der Rudermeister rief Ein ganz verschiedenlautend Wort den Deinen zu: „Ergreift von euch nicht endlich Einer Stang' und Brett, Berschellt die Bänke, reißt vom Pflock das Ruder ab, Und fårbt den wilden Feinden blutigroth das Haupt?" Da stürmten all' auf, unsre Leute wohlbewehrt Mit Ruderstangen, Schwerter schwang die fremde Schaar; Die Barke schwamm im Blute. Laut vom Spiegel her Rief Helena: „Wo blieb er, euer Troërruhm? Zeigt ihn der fremden Horde!" Heiß erglüht der Kampf, Die stürzten, Andre hoben sich, die sahst du todt Am Boden liegen. Atreus' Sohn, bewaffnet, spåht, Wo seine Kampfgenossen Noth erduldeten; Dorthin, den Stahl in hoher Rechten, eilt er dann, Und aus dem Schiffe stürzt er uns, und leerte rings Von deinem Volk die Ruder, schritt zum Steuer hin, Und rief: „nach Hellas zugewandt des Schiffes Lauf!" Man stellt den Mastbaum, gute Wind' erhoben sich; So stießen sie vom User. Ich entrann dem Tod, Und ließ am Ankertaue mich in's Meer hinab. Und schon ermatten wollt' ich; da bot Einer mir Ein Seil, und zog mich aufwärts, und ich stieg an's Land, Dir dieses kundzumachen. Traun, den Sterblichen Ist weises Mißtraun allezeit das Heilsamste. Chor. Ich ahnte niemals, König, daß Menelaos dich Und uns beruckte, wie er hier uns hinterging. Theoklymenos. Wehe mir! Wie ward ich Armer, wie beruckt durch Frauenlist! Hin, entflohn ist meine Hoffnung! Wäre noch das Schiff zu fahn, Wenn ich ihm nacheilte; wahrlich, keine Mühe wollt' ich scheun. Aber nun soll uns die Schwester büßen, die Verrath geübt, Die, des Atreus Sohn im Hause schauend, uns es nicht entdeckt! Keinen Mann mehr soll sie fortan täuschen durch ihr Seher- Chor. wort! (er will fort.) (vertritt ihm den Weg.) Håre doch! Wo willst du hin, Herr? Wen zu tödten eilst du fort? Theoklymenos. Wo Gerechtigkeit mich fordert: weichet aus dem Wege denn! Chor. Nein, ich lasse dein Gewand nicht; sinnst du doch auf Frevel nur. Theoklymenos. Wollet ihr dem Herrn gebieten, Sclaven ihr? Chor. Ich mein' es gut. Theoklymenos. Nicht mit mir, wofern du mich nicht låssest, 一 Chor Nimmer lass ich dich. Theoklymenos. Daß ich sie, die schlimmste Schwester, todte Chor. Sie, die frommste Frau! Theoklymenos. Die mich schndd verrathen - Chor. Rechtthun ist Verrath, der Ehre bringt. Theoklymenos. Die mein Weib hingab dem Fremdling - Chor. Dem sie mehr, als dir, gebührt. Theoklymenos. Wem gebührt das Meine? Chor. Jenem, der sie nahm aus Vaters Hand. Theoklymenos. Aber mir gab sie das Schicksal. Chor. Und das Schicksal nahm sie dir. Theoklymenos. Dir geziemt hier nicht zu schlichten. Chor. Rath' ich doch das Bessre dir. Theoklymenos. So bin ich nicht Herr, bin Sclave. Chor. Herr genug, um Recht zu thun. Theoklymenos, Dich verlangt zu sterben? Chor. Morde; doch die Schwester mordest du Nimmermehr mit unserm Willen; morde mich! Für seinen Herrn Sterben ist dem edlen Diener, traun, der ehrenvollste Tod. Die Dioskuren erscheinen. Die Vorigen. Einer der Dioskuren. Laß ab vom Zorne, der mit Unrecht dich erfüllt, Theoklymenos, dieses Landes Herr! Wir rufen dich, Wir Söhne Leda's und des Zeus, der Helena Ruhmvolle Bruder, welche floh aus deinem Haus. Du zürnst der Ehe wegen, die das Schicksal dir Misgönnt; kein Unrecht übt' an dir Theonoë, Die Schwester, Nereus' Enkelin, die Göttermacht Und eures Vaters fromm Gebot in Ehren hielt. Denn immer bis zu dieser Stunde sollte sie In deinem Hause wohnen, (also war's bestimmt) Doch, nun die Mauern Ilions zertrümmert sind, Und Helena den Göttern ihren Namen lieh, Nicht mehr: sie muß den alten Ehebund erneun, Nach Hause kehren und vereint dem Gatten sein. Drum zuck' auf deine Schwester nicht das dunkle Schwert, Und glaube: sie that weise, daß sie dieses that. Långst håtten wir auch unsre Schwester schon befreit, Da Zeus der Götter seligem Chor uns beigesellt; Doch unser Arm war schwacher, als des Geschickes Macht, Und als die Götter, welchen dies also gefiel. Dir sag' ich dies; doch meine Schwester schiffe heim Mit ihrem Gatten! Guter Wind weht eurer Fahrt; Wir, deine Brüder, retten euch wohl über Meer Auf Rossen jagend, und geleiten euch nach Haus. Doch wann sich deiner Tage Lauf zum Ende neigt, Dann wirst du Göttin heißen, und mit den Söhnen Zeus' An Opfern Antheil haben, und von Sterblichen Mit uns Geschenk' empfangen; denn Zeus will es so. Wohin dich Maja's hoher Sohn zuerst entrickt, Vom Strand Eurotas', deinem Haus in Sparta weg, Dich raubend, daß nicht Paris dein Verführer sei, Dies Inselland, dies feste, das an Akte sich[OCR note; compare the printed page.] Die befestigte Insel Kranae, an der Küste von Attika (Akte), dem Vorgebirge Sunion gegenüber. Compare printed p. 300 Hinstreckt, wird einst auf Erden Helena genannt, Weil dich es aufnahm, als dich Maja's Sohn entführt. Menelaos, der so vielfach umgeirrt, empfångt Im Seligeneiland seinen Siz durch Götterhuld;[OCR note; compare the printed page.] Die Eilande der Seligen dachte man sich fern im westlichen Okeanos an den Gränzen der Erde. Compare printed p. 300 Denn edlen Männern grollen nicht die Himmlischen, Unedler wartet immer mehr des Lebens Noth. Theoklymenos. O Söhne Leda's und des Zeus, ich lasse nun Den alten Groll um eure Schwester Helena, Und meiner Schwester geb' ich nimmermehr den Tod. Heim kehre jene, wenn's den Göttern so gefällt; Und wißt, die beste Schwester und die weiseste Ward euch, aus Eines Vaters Blut seid ihr gezeugt. Heil euch um diesen Edelsinn der Helena, Der nicht in vieler Frauen Brust lebendig ist! Chor. Vielfache Gestalt hat der Götter Geschick; Gar Vieles verhängt unerwartet ihr Rath, Und was du gewähnt, vollendet sich nicht; Zum Unmöglichen findet die Bahn ein Gott. So endete dieses Begegniß.