Orestes — Donner (1841), OCR review edition Euripides Johann Jakob Christian Donner OCR source collation, conservative repairs and citation alignment Editorial processing with Codex

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Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift von J. J. C. Donner. Volume 1. Heidelberg: C. F. Winter, 1841. Harvard supplied OCR, H12; running-text copy text. Independent BSB copy, page-coordinate OCR and facsimiles; used to check layout and notes.BSB digitization Source reviews and editorial inventory

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Elektra. Rein Uebel ist so schrecklich, das die Sprache nennt,OCR review edition. D. citations belong to Donner; u marks unresolved verse division. Sources, repairs and unattributed notesDonner’s metrical analyses and notes: page facsimiles Kein Schicksal oder gottverhängtes Ungemach, Das nicht mit seiner Bårde last' auf Sterblichen. Denn auch der Glückliche, (nicht verhohn' ich sein Geschick,)[OCR note; compare the printed page.] f. Anders: Der Hochbeglückte (nicht verhöhn' ich sein Geschick), Der Sohn Kronions, wie sie sagen, Tantalos. Compare printed p. 223 Von Zeus Entsproßne, wie sie sagen, - Tantalos, Schwebt hoch in Lüften, vor dem Fels in steter Furcht, Der über seinem Haupte ragt, und büßet so, Weil, wie sie sagen, er, ein Mensch, gewürdiget, Der Götter Mahl zu theilen, mit der Zunge sich Ruchlos vermessen, aller Schwächen schmählichste.[OCR note; compare the printed page.] Anders: Vermaß, von allen Schwächen, traun, die schmählichste. Compare printed p. 223 Er zeugt den Pelops, und von ihm stammt' Atreus ab, Dem Klotho Zwist in seinen Lebensfaden spann, So daß er wider Thyestes, seinen Bruder, Krieg Erhob. Wozu berichten Unaussprechliches? Er mordet' ihm die Kinder, lud zum Mahl ihn dann. Von Atreus (Andres meld' ich nicht, was mitten liegt,) Sprof Agamemnon, hochberühmt, wofern er's war, Und Menelaos aus dem Schooß Aërope's. Der eine, Menelaos, freit um Helena, Die gottverhaste; mit dem Fluch der Danaër, Der Klytåmnestra, wird vermählt der andre Fürst. Von ihm und jener stammen wir drei Mädchen ab, Chrysothemis, Iphigeneia, ich Elektra, dann Ein Sohn, Orestes; und gebar die Frevlerinn, Die ihren Gatten mit dem Wirrgeweb' umstrickt, T. Und so gemordet: nicht der Jungfrau ziemt's, den Grund Zu sagen; hell' ein Andrer euch dies Dunkel auf! Was soll ich Phobos zeihn der Ungerechtigkeit? Doch hieß er meinem Bruder sie, die ihn gebar, Ermorden, was nicht überall für rühmlich gilt. Gleichwohl, dem Gott willfahrend, übt' er diese That; Ich hatte Theil am Morde, wie's ein Weib vermag, Und fördernd bot uns Pylades die Hand dabei.[OCR note; compare the printed page.] 2. ξυγκατήρτισται. Compare printed p. 223 Seit dieser Zeit krankt, abgezehrt von wilder Pein, Mein armer Bruder; auf das Lager hingestreckt Liegt er; mit Wahnsinn quälend, schreckt der Mutter Blut Ihn auf; ich nenne zitternd nur die Gottinnen, Die Eumeniden, die mit Furcht ihn angstigen. Der sechste Tag ist heute, seit des Feuers Glut Der hingemordeten Mutter Leib gereinigt hat. Seit dieser Zeit berührt er keine Speise, gonnt Kein Bad den Gliedern; eingehüllt in sein Gewand, Vergießt er Thränen, wann die Krankheit ihn verließ, Bei vollen Sinnen; bald vom Lager springt er weg In schnellem Laufe, wie vom Joch ein Füllen springt. Doch Argos hat beschlossen, nicht das Feuer uns, Den Muttermordern, noch ein Dach zu gönnen, noch Ein Wort des Grußes; und bestimmt ist dieser Tag, Daß Argos Bürger über uns abstimmen, ob Wir fallen sollen durch den Tod der Steinigung, Ob uns den Nacken scharfer Stahl durchbohren soll. Doch eine Hoffnung haben wir zu leben noch: Denn Menelaos kam in's Land von Troja heim; Er füllt den Hafen Nauplia's mit Rudern an, C Und landet am Gestade, lang' umhergeirrt, Seit Troja stürzte; nächtlich hat er Helena[OCR note; compare the printed page.] ff. Die ursprüngliche, der Vortfolge sich genauer anschmiegende Uebersezung: - nächtlich hat er Helena, Den Quell so vieles Jammers, daß kein Bürger sie Bei Tage kommen sehe, dem vor Ilion Die Söhne fielen, und sofort sie steinige, Voran in unser Haus gesandt; hier weilt sie nun, - wird durch die vielen incisa etwas ungelenk, Compare printed p. 223 Voran in unser Haus gesandt, daß Keiner sie Bei Tage kommen sehe, dem vor Ilion Die Söhne fielen, und sofort sie steinige:[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: und zum Steinwurf schreite dann. Compare printed p. 223 Nun birgt das unheilvolle Weib hier innen sich, Und weint um ihre Schwester und des Hauses Leid. Doch blieb in ihrem Jammer ihr ein süßer Trost:[OCR note; compare the printed page.] Anders: Doch blieb in ihrem Jammer ihr ein Trost zurück. Compare printed p. 223 Die Tochter, welche Menelas (er brachte sie Von Sparta) hier ließ, als er zog nach Ilion,دية Und meiner Mutter übergab, Hermione; An ihr sich freuend, denkt sie ihres Harmes nicht. Nach allen Wegen spåh' ich nun, wann Menelas Sich etwa zeige; denn das Andre bietet uns Nur schwache Stüzen, rettet uns nicht dieser Mann. Wo wäre Rettung, wenn die Noth ein Haus betraf! Helena. Du, welche Klytamnestra von Agamemnon einst Empfing, Elektra, unvermählt so lange schon, Wie wardst du Muttermorderinn, Unselige, Was übt' Orestes solche That, dein Bruder, aus? Wohl nicht verunreint werd' ich durch ein Wort mit euch, Indem ich diese Sunde wälz' auf Phobos' Haupt.[OCR note; compare the printed page.] Anders: Ich wälze dieser Sünde Schuld auf Phöbos' Haupt. Compare printed p. 223 Doch muß ich Kiytämnestra, muß der Schwester Loos Beweinen, die ich nimmer sah seit jener Zeit, Daß ich, gewiß durch eines Gottes Zorn berückt, Nach Troja fuhr: verlassen klag' ich mein Geschick. Elektra. Was soll ich dir verkünden, was du siehest hier, Das Ungemach, das Agamemnons Sohn betraf? Ich size schlaflos bei dem Todten, Helena; Todt ist der Arme, leise weht sein Athem nur. Wohl klag' ich ihn nicht wegen seiner Leiden an: Doch du, Begluckte, dein Gemahl, der Gluckliche, Ihr treffet hier uns tief versenkt in schweren Gram. Helena. Wie lange liegt er auf der Lagerståtte hier? Elektra. Seitdem er blutig ausgeübt den Muttermord. Helena. Unsel'ger Sohn! Unselige, die der Sohn erschlug! Elektra. Schwer beugt das Ungluck; Kraft und Muth versagte mir. Helena. Bei Zeus, o Jungfrau, willst du mir zu Dienste sein?[OCR note; compare the printed page.] Anders: Bei Zeus, o Jungfrau, thust du wohl mir einen Dienst? Compare printed p. 223 Elektra. So weit die Sorg' um meinen Bruder mir's vergónnt. Helena. Du solltest mir zum Grabe meiner Schwester gehn. Elektra. Zu meiner Mutter Grabe soll ich gehn? Warum? Helena. Mein Todtenopfer, meine Locken ihr zu weihn. Elektra. Zum Grab der Freunde dürftest du nicht selber gehn? Helena. Vor Argos Volke mich zu zeigen, trag' ich Scheu. Elektra. Spåt wirst du weise, die so schmachvoll einst entfloh! Helena. Wahr sprichst du; freundlich aber war die Rede nicht. Elektra. Und welche Scheu denn hast du vor Mykene's Volk? Helena. Der Todten Våter fürcht' ich, die bei Troja ruhn. Elektra. Mit Recht: in Argos schilt dich laut ein jeder Mund. Helena. Gewähre mir's denn, und der Furcht erlose mich. Elektra. Nicht anzuschaun vermocht ich meiner Mutter Grab. Helena. Doch schmählich ist es, wenn die Magd es bringen soll. Elektra. Was schickst du deine Tochter nicht, Hermione'n? Helena. Im Volke sich zu zeigen, ziemt Jungfrauen nicht. Elektra. Der hingeschiednen Pflegerinn vergilt sie so. Helena. Du sprachest wohl, mein Mädchen, und ich folge dir. Kind, aus dem Hause komm hervor, Hermione! (Hermione tritt aus dem Palaste.) Dies Todtenopfer nimm zur Hand und dieses Haar, Und auf der Klytamnestra Grab, gelangst du hin, Geuß Milch, gemischt mit Honig, geuß des Weines Schaum, Und stehend auf der Hügels Hohn, sprich dieses Wort: „Dies Opfer weiht dir deine Schwester Helena; Sie fürchtet deinem Grabe selbst zu nahn, und scheut Das Volk von Argos." Heiße sie mit holdem Sinn Mir, dir, und meinem Ehgemahl gewärtig sein, Und diesen zwei Unseligen, die der Gott verdarb. Auch alle Gaben, wie man sie den Todten weiht, Die ich der Schwester schuldig bin, verheiße noch. Nun gehe, Tochter, eile mir, und brachtest du Dem Grab das Opfer, denke schnell der Wiederkehr. Elektra. Schönheit, o welch ein Uebel bist du Sterblichen, Und welches Heil für jene, die dein würdig sind! Sie schnitt der Haare Spizen ab, und (sieh!) bewahrt Doch ihre Schönheit, ist das Weib noch, das sie war. hasten dich die Götter, wie du mich verdarbst Und Diesen und ganz Hellas! Ich Unselige! Hier nahn, in meinem Schmerze mitzujammern, sich Die Lieben wieder: wohl erwecken diese mir Den Ruh'nden aus dem Schlummer, und in Thränen schwimmt Mein Auge, muß ich sehen, wie der Bruder rast. Ihr lieben, guten Frauen, kommt mit leisem Tritt Heran, mit Schweigen, kein Geräusch erhebe sich! Denn theuer ist mir eure Freundschaft; aber mir Geschah' ein Leides, würde der vom Schlaf erweckt. Strophe. 1. Chor. Schweigend, schweigend sezet auf den zarten Tritt Eurer Sohle, kein Geräusch erhebe sich! Elektra. Hieher tretet, fern bleibt von dem Lager mir! Chor. Sieh, ich gehorche dir. Elektra. Ach, ach, wie flüsternder Flåtenton Schmächtigem Rohr' enthaucht, redet, Geliebte, mir! Chor. Siehe, mit leisem Laut tret' ich zum Haus heran. Elektra. Ja, so tretet her! Leise nur tretet an, (hortet ihr?) leise nur, Und gebt Rechenschaft, was euch hergeführt! Denn nach geraumer Zeit schlummert' er endlich ein. Gegenstrophe 1. Chor. Wie denn ist es ihm? Geliebte, sag' es mir. Elektra. Welch Geschick erwähn' ich, welches Ungemach? Noch, noch athmet er, noch schwach stohnt er auf. Chor. Wie? Was ? Armer Mann! Elektra. Er stirbt, ach, wenn du vom Schlummer ihn Aufschreckst, der des Schlafs süßeste Wonnen schmeckt. Chor. Weh um den Frevel dir, welchen der Gott verhängt! Dunselig Loos! Elektra. Frevel, ja, Frevel war's, daß, Gott Phobos, du, Sizend auf Themis' Thron, zum Unseligsten, Zum Mord meiner Mutter auffodertest! Strophe 2. Chor. Er regt (siehst du nicht?) in dem Gewand den Leib. Elektra. Unsel'ge, ja, dein Rufen Hat ihn aus dem Schlaf aufgeschreckt. Chor. Ich war im Wahn, er schlummre. Elektra. Willst du nicht von uns, vom Hause Zurückwenden deinen Fuß, Meidend Geräusch und Lärm? Chor. Er schläft: sieh! Elektra. Ich sehe. Strophe. 3. Chor. Heilige, heilige Nacht, Die du den Schlummer spendest vielduldenden Sterblichen, komm beschwingt in Agamemnon's Haus, Entschwebt Erebos' Abgründen! Denn in der Leiden Qual, in der Bekummerniß Vergehen, vergehen wir, ach! Elektra. Ihr machtet Geräusch: o wollt ihr Nicht von dem Lager entfernt Des Mundes Laut in tiefem Schweigen hemmend, Den Schlaf gönnen ihm, die harmlose Lust? Gegenstrophe 2. Chor. sprich: welch ein Ziel des Leids wartet sein? Elektra. Der Tod! was and'res sagt' ich? Denn nicht nach Speise verlangt er mehr. Chor. So kommt die Todesstunde? Elektra. Uns geopfert hat Apollon, Als er der Mutter Mord gebot, Welche den Vater schlug. Chor Gerecht war's, doch schon nicht. Gegenstrophe 3. Elektra. Mutter, du mordest und stirbst, Die du mich einst gebarst; Alle vertilgtest du, Vater und Kinder, die deinem Geblüt entstammt! Dahin gehen wir, gleich Schatten. Denn du wohnst im Grab', und mir schwindet nun Des Lebens größeres Theil In nächtlichen Thränen, schwindet Ståhnend und seufzend dahin. Sich, ohne Gatten, ohne Kinder, schlepp' ich Ein gramvolles Leben, ach! ewig fort. Chor. Elektra, Jungfrau, näher komm heran, und sieh, Daß nicht der Bruder unbemerkt hier sterbe dir; Denn nicht gefällt mir, daß er ganz entkräftet scheint. (erwachend.) Orestes. süßes Labsal, Schlummer, Trost dem Leidenden, Wie kamst du mir so freundlich: wohl bedurft ich dein! Du selig süß Vergessen alles Ungemachs, Den Gramgebeugten welch ein hold erwünschter Gott! Wie kam ich hierher aber? Und von wannen? Sprich! Denn sinnberaubt vergaß ich, was zuvor geschah. Elektra. Wie freute mich's, mein Lieber, daß du schlummertest! Verlangst du, daß ich deinen Leib aufrichten soll? Orestes. Ja, thue, thu' es, und den starrgewordnen Schmuz Des Schaumes wische mir von Mund und Augen ab. Elektra. Sieh da; o freundlich süßer Dienst! Ich weigr' es nicht, Mit Schwesterhånden, Bruder, wohl zu pflegen dein. Drestes. An meine Seiten stemme dich, das wilde Haar Streich' aus dem Antliz; denn ich kann nur düster sehn. Elektra. Unselig Haupt, von wirrer Locken Schmuz entstellt! Wie du verwilderst, ungesalbt so lange Zeit! Drestes. Leg' auf das Bett mich wieder: wenn von mir die Wuth Abließ, erschlaffen, kraftberaubt, die Glieder mir. Elektra. Wohl ist die Lagerståtte lieb dem Leidenden, Zwar schmerzlich, aber doch ein unentbehrlich Gut. Drestes. Nun richt' empor mich wieder, und wend' um den Leib: Schwer ist dem Kranken gnugen, der nicht Hülfe weiß. Elektra. Verlangst du nicht zur Erde nach so langer Zeit Den Fuß zu sezen? Stets erfreut Veränderung. Drestes. Ich will es; also wähnt gesund ein Kranker sich: Suß ist das Wähnen, wär' es auch ein irriges. Elektra. Nun höre mich, mein Bruder, vielgeliebtes Haupt, So lang die Straferinnys dich bei Sinnen läßt. Orestes. Was wirst du sagen? Ist es Glück, so habe Dank; Doch ist es Unglück, dessen hab' ich schon genug. Elektra. Menelaos, deines Vaters Bruder, kam zurück; Vor Anker liegen seine Schiff' in Nauplia. Drestes. Wie sagst du? Kam ein helles Licht in unsrer Noth, Des Vaters Bruder, hoch zu Dank verpflichtet ihm? Er kam, und Elektra. dies sei meines Worts Bestätigung! - Bringt aus den Mauern Ilions die Helena. Drestes. Allein gerettet, wår er mehr des Preises werth; Folgt ihm die Gattinn, kommt der Fluch mit ihm zurück. Elektra. Zu Schimpf und Schande zeugte sich Tyndareos Dies Paar der Tochter, schmachbedeckt in Hellas Volk. Drestes. Sei besser als die Schlechten, du vermagst es ja; Und rede nicht bloß dieses, sondern denk' es auch. Elektra. Verworren rollt dein Auge, Bruder, wehe mir! Kaum noch besonnen, fielst du schnell in Wuth zuruck. Orestes. Ich flehe, Mutter, reize doch nicht wider mich Die Schlangenjungfraun mit dem blutroth glüh'nden Blick! Sie sind es, ha, sie springen, nahe mir, empor. Elektra. Still harr' in deinem Lager, Unglückseliger; Denn Nichts erblickst du, was du klar zu sehen wähnst. Orestes. Phobos, morden wollen mich die Schrecklichen, Des Hades Priesterinnen mit dem Hundeblick! Elektra. Dich lass ich nimmer, schlinge meinen Arm um dich, Und wehre dir, den jammervollen Sprung zu thun. Orestes. Laß ab; du bist mir eine meiner Erinnyen, Ergreifst mich mitten, schleuderst mich zum Tartaros. Elektra. Wo soll ich Hulse suchen, ich Armselige, Nachdem wir aller Götter Haß verschuldeten? Drestes. gib Appollons Gabe mir, das hornene Geschoß, womit er mir gebot die Göttinnen Zu wehren, schreckten diese mich durch Raserei. Elektra. Kann einen Gott verwunden eine Menschenhand? Drestes. Wohl, wenn er nicht aus meinen Augen sich entfernt. Vernehmet ihr sie, sehet ihr des treffenden Geschosses raschbeschwingte Pfeil' auf euch gesandt? D, 0! Was zaudert ihr noch långer? Hebt mit Schwingen euch Zum Aether: klagt den Gottesspruch des Phobos an! Ha! Was irr' ich um? Mein Athem ringt sich schwer empor! Wo, wo verirrt' ich aufgejagt vom Lager mich? Nach Wogendrang erblick' ich wieder stilles Meer. Was weinst du, Schwester, birgst das Aug' in dein Gewand? Errothend zieh' ich dich hinab in meine Noth, Jungfrau, mit meinem Jammer dich belästigend. Um meine Leiden schwinde nicht in Gram dahin! Gebilligt hast du wohl die That; doch ich vergoß Das Blut der Mutter: nur den Phobos klag' ich an, Der, als er mich zum gråßlich Ungeheuren trieb, Mit Worten mich erfreute, doch mit Thaten nicht. Mein Vater, hått' ich Aug' in Aug' ihn selbst befragt, Ob ich die Mutter morden soll', er håtte, traun!. Die Hånde flehend ausgestreckt nach meinem Kinn, Nicht auf die Mutter meine Wehr zu zücken, weil Er doch ja nicht zum Lichte wiederkehre mehr, Und mir verhångt sei, dann zu dulden solche Qual. Und nun, geliebte Schwester, nun enthulle dich, Und stille deine Thränen, hat der Jammer uns Auch schwer getroffen. Wann du mich unmuthig siehst, So hemme du den heftig wild verworrnen Sinn, Und stärke mich und triste; wann du Klag' erhebst, Muß ich mit freundlich holdem Wort dir nahe sein: Denn diese Wechselhülfe ziemt den Freunden wohl. Nun geh' hinein zum Hause; dort, Ungluckliche, Dich lagernd, laß dein schlummerloses Auge ruhn, Mit Speisen labe, durch ein Bad erquicke dich. Denn wenn du mich verlåssest, oder, pflegend mein, Erkrankst, bin ich verloren; du ja bist allein Mein Schuz, die Andern, wie du siehst, entflohen mir. Elektra. Nicht also: mit dir leben, mit dir sterben, das Erwahl ich; Beides ist mir Eins: stirbst du dahin, Was soll ich Weib hier? Wie errett' ich mich, allein, Ich, ohne Bruder, Vater, Freund? Doch wenn du willst, So geh' ich: aber lege nur zur Ruhe dich, Und nicht ergib dich allzusehr den Schrecknissen, Die dich vom Lager scheuchen; harr' in deinem Bett. Denn krankt er auch nicht, aber dünkt sich krank zu sein, Quålt Angst und Elend überall den Sterblichen. (Elektra geht ab.) Strophe. Chor. Weh, weh, weh! Die ihr eilt hochbeschwingt, Furchtbare Göttinnen, Denen wir freudenlos Feste begehen, von Seufzern und Thränen schwer, Ihr schwarzfarbenen Erinnyen, die ihr euch In die Unendlichkeit schwingt, in des Aethers Höhn, Um Mord Rache, Rach' übend um Menschenblut, Zu euch fleh ich, ja, zu euch fleh' ich laut: Laßt Agamemnons Sohn, lasset vergessen ihn Des Wahnsinns, der wildtobenden Raserei! Weh um das Ungluck, weh, Wonach, Armer, dich lüstete, daß du Tod Verntetest, als du von Phobos' Dreifuß Den Ausspruch empfingst aus dem geweihten Mund, Am Siz, wo der Erd' heiliger Nabel ist![OCR note; compare the printed page.] Der Grieche dachte sich Delphi als den Mittelpunkt der Erde. Compare printed p. 223 Gegenstrophe. Wo (Zeus, ach!) Wohnt das Mitleiden? Welch Blutiger Kampf umdroht, Stürmt dich, o Armer, auf, welchem ein Rachegott, Der in das Haus einzog, Thränen zu Thränen häuft, deiner Gebarerinn Schnode vergossnes Blut, das dich zur Wuth entflammt? Ja, dein jammert uns, ja, dein jammert uns! Großer Besiz besteht dauernd im Leben nicht; Sondern erschütternd, wie Segel des fluchtigen Schiffes, versenkt ein Gott des Reichthumes Füll' In graunvolles Leid, Wie in der Meeresflut gierig verschlingend Grab. Denn welch andres Geschlecht auch soll ich Hinfort ehren, als das Haus Tantalos', Den Stamm, der aus göttlicher Vermählung sproß? Doch sieh, dort kommt ja der König daher, Menelaos, der Furst; er kündet sich an In dem üppigen Glanz Als einen der Sohn' aus Tantalos' Blut. Du, welcher die tausend Maste geführt In das asische Land,[OCR note; compare the printed page.] Das asische Land, Troas. Compare printed p. 223 Heil dir! Dir lächelt das Glück, da mit Gott Du vollendetest, was du gelobt hast! Menelaos. Königshaus, mit Wonne seh' ich bald dich an, Von Troja kommend, bald erseusz' ich wiederum; Denn nimmer noch erschaut ich einen andern Heerd Von grausenvollem Leide mehr, als dich, umringt. Von Agamemnons Loose ward mir Kunde, wie Ihn seine Gattin mordet', als ich Malea[OCR note; compare the printed page.] Malea, ein Vorgebirge in Lakonien. *) Ich halte es nicht für überflussig, zu bemerken, daß ich bei diesem Stucke nur die Ausgabe von Matthiå benuzen konnte, welchem ich auch in Bezug auf die Abtheilung der Verse meistens gefolgt bin. Compare printed p. 223 Mit meinem Schiff zulenkte: das verkündete Der Meerprophete, steigend aus der Woge, mir, Der Sohn des Nereus, Glaukos, ein wahrhafter Gott, Der, mir zur Seite, deutlich also sprach zu mir: 355,Menelaos, eine Leiche, liegt dein Bruder da; Sein leztes Bad bereitet' ihm des Weibes Trug." Und mir und meinen Schiffern füllt das Auge sich Mit Záhren. Als ich Nauplia's Gestad' erreicht, Da mir die Gattinn schon hieher vorausgeeilt, Und ich Drestes, Agamemnons Sohn, im Glück Und seine Mutter wohlgemuth in meinen Arm Zu schließen hoffte; da erzählt ein Fischer mir Der Tyndaride grausenhaft verruchten Mord. Und nun, o Jungfraun, saget mir, wo weilt der Sohn Des Agamemnon, der vermocht dies Gråßliche ? Er war ein Kind in Klytamnestra's Armen noch, Als ich, gen Troja ziehend, aus dem Hause schied, Und nicht erkennbar wär' er mir, erblickt' ich ihn. Drestes. Ich bin Drestes, edler Fürst, nach dem du fragst; Freiwillig geb' ich meine Leiden selbst dir an.[OCR note; compare the printed page.] Anders: Gern will ich meine Leiden dir verkündigen. Compare printed p. 224 Doch erst umfass ich deine Knie', und flehe dich Um Schuz in Worten, hebe keinen Zweig empor: Errette mich! Gelegen kamst du meiner Noth. Menelaos. Was seh' ich, Götter? Welchen abgeschiednen Geist? Drestes. Wohl, wohl: die Sonne seh' ich, aber lebe nicht. Menelaos. Wie hången deine Locken, wild, von Schmuz entstellt! Drestes. Nicht dieser Anblick, meine That nur martert mich. Menelaos. Du siehst so gråßlich mit der Augen trocknem Stern. Drestes. Der Körper schwand mir; nur der Unglücksname blieb. Menelaos. Nie wähnt' ich also dich zu sehn, so ganz entstellt. Orestes. Ich bin der Mörder, der die arme Mutter schlug. Menelaos. Ich hört' es: aber rede nicht von diesem Leid. Drestes. Wohl; doch unendlich Leiden schuf der Damon mir. Menelaos. Welch Leiden quålt dich? Welche Krankheit martert dich? Drestes. Ich bin bewußt mir, daß ich that das Gråßliche. Menelaos. Wie? - Deutlich, nicht undeutlich klingt des Weisen Wort. Drestes. Die Trauer ist es, die an meinem Leben zehrt - Menelaos. Wohl ist die Göttinn schrecklich, doch versühnbar auch. Drestes. Und Raserei, des Muttermordes Rächerinn. Menelaos. Doch wann, mit welchem Tage fing dein Rasen an? Drestes. Als ich der armen Mutter Grab aufrichtete. Menelaos. War's bei dem Scheiterhausen? War's im Hause hier? Drestes. Nachts, als ich ihren Aschenkrug bewachte, war's. Menelaos. War Einer nahe, beizustehn dem Rasenden? Drestes. Der mir die Mutter morden half, mein Pylades. Menelaos. Von welchen Schreckgestalten siechst du so dahin? Drestes. Drei schwarze Jungfraun wähnt' ich, gleich der Nacht, zu sehn.[OCR note; compare the printed page.] Anders: Ich wähnte drei Jungfrauen, gleich der Nacht, zu sehn. Compare printed p. 224 Menelaos. Ich kenne sie, doch ihren Namen nenn ich nicht. Drestes. Die grausen! Sie zu nennen scheust du wohlbedacht. Menelaos Sie strafen deinen Muttermord mit Raserei? Drestes. Wie treibt Verfolgung mich umher, mich Armen, weh! Menelaos. Nicht grausam ist es, wenn der Grausame leiden muß. Orestes. Ein Andrer hat verschuldet unser Ungemach Menelaos. Du meinst den Tod des Vaters? Thöricht wäre das. Drestes. Es ist Apollon; er gebot den Muttermord. Menelaos. Des Schönen und des Rechtes wohl vergaß er dann. Orestes. Wir dienen Göttern, wie gesinnt auch diese sein. Menelaos. Und doch beschirmt dich Phobos nicht in deiner Noth? Orestes. Er zaudert; aber solches ist der Götter Art. Menelaos. Wie lange Zeit her ist es, daß die Mutter starb? Orestes. Sechs Tage sind's; noch ist der Scheiterhaufen warm. Menelaos. Schnell ahnden deiner Mutter Blut die Gottinnen. Orestes. Nicht weise war ich, doch dem Freund ein wahrer Freund. Menelaos. Was frommt die Rache für den Mord des Vaters dir? Drestes. Noch nichts; und Zögern acht ich gleich Unthätigkeit. Menelaos. Wie sind die Bürger dir gesinnt nach solcher That ? Drestes. Mich hassen alle, keiner gönnt ein Wörtchen mir. Menelaos. Wardst du der Blutschuld nach dem Brauch entſundiget? Orestes. Wohin ich komme, schließen sich die Häuser mir. Menelaos. Und welche Bürger trachten auszustoßen dich? Orestes. Deax, des Vaters alter Feind von Troja her. Menelaos. Ich merk': es racht sich Palamedes' Mord an dir.[OCR note; compare the printed page.] Liest man φόνοr, (die leichtere Lesart, und darum zu verwerfen) so ist zu übersezen: Ich merk': er ahndet Palamedes' Mord an dir. Palamedes, den Agamemnon vor Troja hatte tödten lassen, war ein Bruder des Deax. Compare printed p. 224 Drestes. Ich bin daran nicht schuldig, ich Verlorener! Menelaos. Wer sinnt dir sonst Verderben? Freund' Aegisthens wohl? Drestes. Es höhnen die mich, denen nun gehorcht die Stadt. Menelaos. Vergönnt die Stadt nicht Agamemnons Scepter dir? Drestes. Wie sollte diese, die mir nicht zu leben gönnt? Menelaos. Was thun sie, wenn du's deutlich uns zu sagen weißt?[OCR note; compare the printed page.] Anders, (nach der Erklärung des Scholiasten): Was thun sie? Sage, was du mir zu sagen weißt. ८ 435. Anders: Von Allen; ich muß sterben: red' ich kurz davon! Compare printed p. 224 Drestes. Das Volk beschließt an diesem Tage wider uns. Menelaos. Tod, oder nicht Tod, oder Flucht aus dieser Stadt? Drestes. Den Tod von unsrer Bürger Hand durch Steinigung. Menelaos. Und doch entweichst du, fliehest nicht aus diesem Land? Orestes. Mit ehrnen Waffen bin ich rings umschlossen hier. Menelaos. Von einzlen Feinden oder durch Argeiermacht? Drestes. Von allem Volke droht mir Tod: hier hast du's kurz. Menelaos. Mit dir gedieh's zum Lezten, Unglückseliger! Drestes. Ich hoffe Rettung aus der Noth allein von dir: Und da du Schwerbedrängten nahst, ein Glücklicher, So gonne deinen Freunden Theil an deinem Gluck; Behalte nicht das Gute, das dir ward, allein, Und nimm dafür auch einen Theil der Mühen; was Mein Vater Dir that, danke, wem du's danken mußt. Wer nicht im Ungluck sich bewährt als Freund, er trågt Des Freundes Namen, durch die That verläugnend ihn. Chor. Sieh dort, mit Greisesschritten ringt er sich heran, Tyndareos, der Sparter, im geschornen Haar Und schwarzem Kleide trauernd um der Tochter Tod. Drestes. Ich bin verloren: hier ja kommt Tyndareos Herangeschritten, und ich scheu' am meisten ihm Vor's Angesicht zu kommen, weil ich Solches that. Er zog mich auf als Knaben, und bedeckte mir Den Mund mit seinen Küssen oft, Agamemnons Kind Auf seinen Armen tragend, und, wie Leda auch, Nicht minder als die Dioskuren liebt' er mich. Ich hab' - o meine Seele, schwerbedrängtes Herz! - Nicht schon es ihm vergolten: wo verberg' ich doch Mein Angesicht in's Dunkel? Welche Wolke soll Ich vor mich breiten und des Greises Aug' entfliehn? Tyndareos. Wo, wo erblick' ich meiner Tochter Ehgemahl, Menelaos? Als ich auf der Klytamnestra Grab Trankopfer ausgoß, hört ich, daß nach langer Zeit Er und die Gattinn glucklich kam vor Nauplia. Geleitet mich; denn ihm zur Rechten will ich stehn, Den Freund begrüßen, den ich lange nicht gesehn. Menelaos. Mein Alter, Heil dir, dessen Lager Zeus getheilt! Tyndareos. Menelaos, meiner Tochter Sohn, o, Heil auch dir! Ha! Wie Schade, daß uns nicht die Zukunft ward enthullt! Mit kranker Augen Blize trifft das Scheusal mich, Der muttermordende Drache vor dem Hause hier. Menelaos, sprichst du mit dem Gottvergessenen ? Menelaos. Gewiß; er ist mir eines theuren Vaters Kind. Tyndareos. Von diesem Vater skammte denn ein solcher Sohn? Menelaos. So ist es: ehrt ihn, wenn er unglückselig ist! Tyndareos. So lange bei Barbaren, wardst du selbst Barbar. Menelaos. Hellenisch ist es, wenn man stets Verwandte schåzt. Tyndareos. Auch, wenn man über das Gesez sich nicht erhebt. Menelaos. Nichts gilt dem Weisen höher als Naturgebot. Tyndareos. So hege du denn diesen Wahn, ich heg' ihn nicht. Menelaos. Nicht weise macht dich Alter; Born bethörte dich. Tyndareos. Weshalb um Weisheit haderst du bei diesem nur? Wenn All' erkennen, was geziemt und nicht geziemt; Wo war der Menschen einer unverständiger, Als dieser, der nicht achtet auf Gerechtigkeit, Noch auf die Sazung, der gehorcht das ganze Volk? Denn als Agamemnon ausgehaucht sein Leben, der Von meiner Tochter auf das Haupt getroffen fiel; - Verruchtes Werk! Nie loben werd' ich solche That: - Da mußt' er klagend über sie ein rechtliches Gericht um Mord verhängen, aus dem Hause sie Verstoßen, und ihm ward der Ruhm der Mäßigung; Am Rechte haltend, blieb er doch ein frommer Sohn. Nun hat die Schuld ihn, wie die Mutter, selbst umstrickt: Indem er schuldig nach dem Rechte sie erkannt, Ward Er, die Mutter todtend, um so schuldiger. Nur dieses Eine frag' ich, o Menelaos, dich: Wenn irgendwen die eigne Gattinn mordete, Und dessen Sohn die Mutter tödtet wiederum, Und wenn des Mörders Sprosse dann mit Morde Mord Vergalte; wo erreichte solche Wuth ihr Ziel? Die grauen Våter haben's wohl geordnet so: Wer einen Mord begangen, durst' im Volke nicht, Vor keines Menschen Angesicht erscheinen; ihn Reinigte Verbannung, nicht mit Mord vergalt man ihm. Denn stets verfallen blieb dem Tod der Eine sonst, Der seine Hand befleckte durch den lezten Mord. Ruchlose Weiber hass ich und am ersten sie, Sie, meine Tochter, die den Ehgemahl erschlug; Nie loben werd' ich deine Gattinn Helena, Niemals ein Wort ihr gonnen, noch dich preisen, daß Du für das schnode Weib hinaus gen Troja zogst: Doch schirmen werd' ich das Gesez nach bester Kraft, Und diese thierisch wilde Lust nach Menschenblut Bezähmen, welche Stadt und Land Verderben bringt. Doch welcher Geist war's, der dich trieb, Unseliger, Als deine Mutter dir die Brust entgegenbot, Und fleht'? Ich habe nicht gesehn das Gråßliche; Doch schmilzt in Gram mein altes Auge thránend hin. Eins aber ist, was meinen Worten Kraft verleiht: Dich haßt die Gottheit, und in Wuth und Schrecknissen Umirrend, büßest du die Schuld. Was soll ich hier Noch andre Zeugen hören, wo das Auge sieht? So merke dir, Menelaos: widerseze dich Den Göttern nicht, indem du diesem helfen willst; Laß ihn gesteinigt fallen durch der Bürger Hand; Wo nicht, betritt des Sparterlandes Gränze nie. Wohl wurde meiner Tochter ihr verdientes Loos; Doch Ungebühr war's, daß sie starb von seiner Hand. Ich war in allem Andern ein beglückter Mann; In meinen Töchtern ist das Glück zuwider mir. Chor. Glückselig, wer an seinen Kindern Freud' erlebt, Und nicht in bittres Ungemach durch sie versinkt!. Drestes. Bu dir zu reden, Alter, scheu' ich wahrlich, wo Ich sehe, daß ich dein Gemüth betrüben muß. Als Muttermårder bin ich wohl in Schuld verstrickt; Als meines Vaters Rächer drückt mich keine Schuld. Entferne dich denn, und beachte nicht, o Greis, Mein Wort: (besturzt zu reden macht dein Alter mich;) Dann red' ich; jezo fürcht' ich dein ergrautes Haar. Was sollt' ich thun? Zwei Gründe kämpften hier und dort: Mich hat gezeugt der Vater, mich gebar dein Kind, Ein Acker, der aus fremder Hand die Saat empfing; Denn ohne Vater rang sich noch kein Kind an's Licht. So mußt' ich wohl dem Manne, der mir Leben gab Mehr helfen, dacht' ich, als der Frau, die mich ernährt. - Und deine Tochter - Mutter sie zu nennen, wehrt Die Scham - verband in heimlich ungesezlichem Ehbund sich einem Andern. Ich beschimpfe mich,. Wofern ich sie beschimpfe; dennoch sag' ich es. Aegisthos war ihr ingeheim im Haus vermählt; Ermordet hab' ich diesen, und die Mutter dann Geopfert; frevelnd, rácht' ich doch des Vaters Tod. Nun rufst du drohend, Steinigung gebühre mir; Drum hore, wie ich Hellas ganzem Volk genügt. Vermessen schnode Weiber sich zu solchem Troz, Zu todten ihre Männer, und erflehn sie dann Der Kinder Mitleid durch die dargebotne Brust; So achten sie der Ehgemahle Mord für Nichts,. Vorwand' ersinnend, wie's beliebt. Und solchen Brauch Vertilgt die Graunthat, welcher du mich hohnend zeihst. Die Mutter haft ich und erwürgte sie mit Recht, Sie, die den Gatten, welcher fern von Hause war, In Waffen Hellas ganzes Volk befehligend, Verrathen und sein reines Bett entheiliget. Und als sie ihre Schuld erkannt, verhängte sie Sich nicht die Buße selber, nein, straflos zu sein, Mußt' ihr der Vater büßen, sie ermordet' ihn. Bei Zeus! - Des Gottes denk' ich bei nicht schönem Thun, Den Mord verfechtend; - aber wie vergolte mir Der Todte, lobt' ich schweigend, was die Mutter that? Er würde mich den Eumeniden hassend weihn; Denn stehen diese råchend nur der Mutter bei, Nicht ihm, dem ungleich schwerer noch beleidigten? Du, der die schndde Tochter sich gezeugt, o Greis, Bist mein Verderben; denn die Mutter mordet' ich, Weil mich des Vaters ihre Gräuelthat beraubt. Du weißt, Odysseus' Gattinn hat Telemachos Nicht hingemordet; denn sie hat nicht Mann auf Mann Gefreit, und rein im Hause bleibt ihr Ehebett. Du denkst Appollons, welcher thront im Mittelraum Der Erd' und wahre Spruche lehrt die Sterblichen, Dem wir in Allem folgen, was er sagen mag; Dem Gotte folgend, mordet ich, die mich gebar. Nun, diesen achtet schuldig und ermordet ihn; Er hat gesundigt, und nicht ich. Was sollt' ich thun? Genügt der Gott nicht, wälz' ich mein Vergehn auf ihn, Die Schuld zu tilgen? Und wohin entflohe man, Wenn nicht erlist vom Tode, der die That gebot? Drum sage nimmer, daß ich hier nicht wohlgethan; Wohl magst du sagen, daß es mir kein Segen wär." Ein selig Leben lebt der Mann, dem schon erblüht Das Glück der Ehe; wem es da nicht lächelte, Dem fiel daheim und draussen ein unselig Loos. Chor. Dem Glück der Männer stehen doch die Weiber stets Im Wege, daß es sich verkehrt in Ungemach. Tyndareos. Da du so trozig meinem Worte widerstrebst, So stolz entgegnest, daß es mir die Seele kränkt, Entflammst du mehr mich, auszugehn auf deinen Tod. Ich kam hieher, zu schmücken meiner Tochter Grab; Nun soll ein schönes Nebenwerk mir dieses sein. In's Volk von Argos geh' ich, das versammelt harrt, Es aufzuregen, willig, nicht unwillig, dich Und deine Schwester auf den Tod zu steinigen. Des Todes werther, als du selbst, ist diese mir, Die wider deine Mutter dich erbittert', und Feindsel'ge Reden stets in's Ohr dir flüsterte, Von Agamemnon Träume dir verkündigend, Den Bund Aegisthos' schmähend, - o daß haften ihn Die Todesgötter! - denn er war auch hier verhaft: - Bis sie das Haus in flammenloser Glut vertilgt.[OCR note; compare the printed page.] Eigentlich: donec igne non Vulcanio domum incendit. Etwa so zu übersczen: Bis sie das Haus in flammenlose Glut gesezt. Oder: Bis unser Haus die flammenlose Glut ergriff. Compare printed p. 224 Dir, o Menelaos, sag' ich dies, und werd' es thun. Wenn meine Verwandtschaft, wenn mein Haß dir etwas gilt; Zum Troz den Göttern, wehre nicht von ihm den Tod, Laß ihn gesteinigt fallen durch der Bürger Hand; Wo nicht, betritt des Sparterlandes Gränze nie. Bedenke, daß ich's dir gesagt, und wähle nicht, Verstoßend edle Freunde, dir die schlimmeren. Nun führt, o Diener, uns hinweg von diesem Haus! (ab.) Orestes. So gehe, daß sich meine Red' izt ungestört An diesen wende, deinem Unmuth fern', o Greis! Menelaos, weshalb gehst du sinnend hin und her, Zu doppler Sorge Doppelpfad den Blick gewandt? Menelaos. Sei ruhig; eben sinn' ich nach, in mich gekehrt, Und schwanke zweifelnd, welchen Weg ich wählen soll. Drestes. Der Ueberlegung mache noch kein Ende jezt; Mein Wort vernimm erst, und sodann berathe dich. Menelaos, Du sprachest richtig; rede denn! Das Schweigen ist Gerathner oft als Reden, oft auch umgekehrt. Orestes. Nun will ich reden: besser sind weitläufige Als kurze Worte, klingen nicht so råthselhaft. Gewähre Nichts vom Deinen, o Menelaos, mir; Was dir von meinem Vater ward, das gib zurück. Nicht Schaze mein' ich: rettest du mein Leben mir, Das höchste meiner Guter, acht' ich's Scházen gleich. Beging ich Unrecht? Unser Unglück fodert selbst Von dir ein Unrecht: auch ein Unrecht war es ja, Daß Agamemnon mit dem Heer nach Troja zog, Nicht weil er selber sich verfehlt, nein, fremde Schuld Bu tilgen, deines Weibes ungerechtes Thun. Dies Eine gib vergeltend um das Andre mir. Wie's Freunden ziemt für Freunde, hat mein Vater sich Für dich dahingegeben, traun, in heißem Kampf, Daß deine Gattinn wiederkehr' in deinen Arm. Bezahle mir denn, was du dort empfangen hast; Als Retter uns zur Seite, dulde du für uns Nur Einen Tag, nicht voller zehen Jahre Frist. In Aulis trank die Erde meiner Schwester Blut; Nicht Gleiches will ich: todte nicht Hermionen. Wohl magst du, während mich verfolgt mein Ungemach, Im Glücke leben; gerne gönn' ich dir das Gluck. Dem armen Vater schenke nur mein Leben und Das meiner Schwester, die dahinwelkt unvermählt: Denn wenn ich sterbe, steht verwaist des Vaters Haus. Du sagst: es ist unmöglich!" Sei's! Doch Freunden steht Es wohl, den Freunden beizustehn im Ungemach. Denn wann die Gottheit Gluck verleiht, was soll der Freund ? Der Gott genügt allein ja, wenn er helfen will. Du liebst die Gattinn, wähnen All' in Hellas Volk; Um schmeichelnd dich zu gewinnen, sag' ich dieses nicht: - Um ihretwillen rette mich! - Weh, wehe mir! Wohin gerath' ich? Muß ich denn unglucklich sein? -[OCR note; compare the printed page.] Anders: Wohin gerath' ich? Wie verfolgt mich mein Geschick? Compare printed p. 224 Denn für des ganzen Hauses Wohl erfleh' ich das. Bruder meines Vaters, denk', er höre dies, Der Todte, der im Grabe wohnt, des Todten Geist Schweb' über dir, und rede, was ich rede nun. Dies sagt ich unter Seufzern, unter Thränen dir In meinem Ungluck, flehe dir, zu retten mich; Und nicht allein ich, alle wir ersehnen dies. Chor. Auch ich, ein Weib nur, flehe dich, o König, an, Den Hülfsbedürftigen beizustehn; du kannst es ja. Menelaos. Ich trag', Orestes, wahrlich Scheu vor deinem Haupt, Und dulden will ich deine Noth mit dir vereint. Denn also muß man blutsverwandter Freunde Leid Gemeinsam tragen, wenn die Kraft ein Gott verleiht, Die Feinde todtend, wenn es gilt, und sterbend auch. daß die Gotter mir die Kraft verliehen nur! Denn ganz entblößt von Streitgenossen komm' ich her,[OCR note; compare the printed page.] Nach der Erklärung Matthiä's: Ein Führer, ohne Streitgenossen, komm' ich her. Compare printed p. 224 In tausend Müh'n umirrend, mit der kleinen Macht Der Kriegsgefährten, welche mir noch übrig blieb. So möchten wir denn Argos Heer in offnem Kampf Nicht überwinden; aber daß ein mildes Wort Den Sieg verschaffen könne, das vertrau' ich fest. Wie möchte Jemand Großes mit geringer Kraft Besiegen? Unklug wär' es, das zu wollen nur. Denn wann das Volk aufbrausend schäumt in wildem Zorn, Nicht leicht zu dämpfen ist es, gleich entflammter Glut; Doch wenn du ruhig vor dem unmuthschnaubenden Schmiegsam zurücktrittst, und die gute Zeit gewahrst; Mag wohl die Wuth verhauchen, und, hat's ausgetobt, So wirst du leicht es lenken, wie es dir gefällt. Ihm wohnt das Mitleid, ihm der Zorn im Busen auch; Wer wohl die Zeit abwartet, wählt das Beste sich. Nun geh' ich, Argos' Bürger und Tyndareos Für dich zu stimmen, ihren Groll zu måßigen. Ein Schiff, an dem du mit Gewalt die Segel spannst, Sinkt unter; nimm die Segel bei, so hålt es Stand. Die Götter hassen ungemessnen Uebermuth, Der Bürger hast ihn; wisse denn, nicht eitler Troz, Der Macht geboten, nur die Klugheit rettet dich. Ich möchte, wie du wahnst vielleicht, nicht durch Gewalt Dich retten; nicht leicht ist es ja, mit Einem Speer Die Leiden überwinden, die dich rings umdrohn. Mit sanften Worten hab' ich Argos Volke noch Niemals geschmeichelt; aber nun gebeut die Noth, Die weise Männer dem Geschick sich fügen lehrt. (ab.) Drestes. du, in Nichts erfahren, als der Frau zulieb In's Feld zu ziehen, feig, dem Freunde beizustehn, - Du fliehst mich abgewendet? Was du, Vater, thatst, Hin ist es; freundlos wurdest du durch deine Noth! Ich bin verrathen, keine Hoffnung, keine mehr, Wohin ich fliehen, wie dem Tod entrinnen soll: Die lezte Zuflucht ruhte mir auf diesem Mann. Doch hier erblick' ich Pylades, den theuersten Der Menschen, der von Phokis her im Laufe naht: O süßer Anblick! Holder ist, als stilles Meer Nach Sturm den Schiffern, ein in Noth getreuer Freund. Pylades. Schneller, als es mir geziemte, komm' ich eilend durch die Stadt; Denn ich hört', und sah's mit Augen, wie sich Argos Volk berieth Ueber dich und deine Schwester, euch zu tödten ungesäumt. Was geschah? Wie geht es, meiner Spielgenossen theuerster, Meiner Freund' und Anverwandten? Alles dies ja bist du mir. Drestes. Alles hin! In kurzem Worte leg' ich dir mein Leiden dar. Pylades. Dann bin ich mit dir verloren: Freunde theilen gleiches Loos. Drestes. Menelaos hat sich mir und meiner Schwester schlimm gezeigt. Pylades. Ganz naturlich, daß des båsen Weibes Mann ein böser wird. Drestes. Gleich als wär' er nicht gekommen, hat er kommend mir genůzt. Pylades. Also ist der Mann in Wahrheit angelangt in Argos hier? Drestes. Endlich; aber bald erfand man ihn den Freunden ungetreu. Pylades. Hat er auch die bose Gattinn auf den Schiffen mitgebracht? Orestes. Er nicht brachte sie, den Gatten führte sie hieher zurück. Pylades. Wo verweilt sie, die so Vielen Tod gebracht, das Eine Weib? Orestes. Dort in meinem Hause, wenn ich dieses mein noch nennen darf. Pylades. Und zu deines Vaters Bruder Drestes. welche Worte sprachest du? Mich und meine Schwester sollt' er durch das Volk nicht tödten sehn. Pylades. Was (o Götter!) sagt er hierauf? Das zu wissen wunscht' ich doch. Orestes. Scheu entschlupft' er, wie's den Freunden stets die falschen Freunde thun. Pylades. Welchen Vorwand aber nahm er? Weiß ich das, genugt es mir. Orestes. Auch der Vater, der die edlen Tochter zeugte, kam hieher. Pylades. Tyndareus? Er grollt vielleicht auch um den Tod der Tochter dir. Drestes. Freilich: dessen Anverwandtschaft zog er meinem Vater vor. Pylades. Er erschien, und wagte nicht dir beizustehn in deiner Noth? Drestes. Nicht zum Speereskampf erschaffen, ist er stark bei Frauen nur. Pylades. So bedrängt dich schweres Unheil, unentfliehbar droht der Tod? Orestes. Ueber uns des Mordes halber stimmen Argos' Bürger ab. Pylades. Welches Urtheil wird gesprochen? Rede; denn ich schweb' in Furcht. Drestes. Leben oder Tod: das Große faßt in sich das kleine Wort. Pylades. Fliehe denn, das Haus verlassend, fliehe mit der Schwester fort! Drestes. Siehst du nicht? Von Wachen sind wir überall umschlossen hier. Pylades. Wohl erblickt' ich alle Straßen durch gewaffnet Volk gesperrt. Drestes. Rings umlagert werd' ich, wie von Feindesschaaren eine Stadt. Pylades. Frage mich nun, was ich leide: denn verloren bin auch ich. Drestes. Du? Durch wen? Zu meinem Leide kommt hinzu dies neue Leid. Pylades. Strophios, mein Vater, trieb mich zurnend aus dem Hause fort. Drestes. Hatt' er selbst Etwas zu klagen? Klagte wider dich das Volk? Pylades. Daß ich dir beim Mord geholfen, nennt er gottlos, frevelhaft. Orestes. Armer, meine Leiden, scheint es, bringen Gram auch über dich. Pylades. Nicht gesinnt, wie Menelaos, sind wir: tragen muß ich das.[OCR note; compare the printed page.] Anders: Was verhängt ist, muß man tragen; dem Menelaos gleich' ich nicht. Compare printed p. 224 Drestes. Sorgst du nicht, daß Argos Bürger dich ermorden, so wie mich? Pylades. Argos kann uns nicht bestrafen; richten darf uns Phokis nur. Orestes. Schrecklich ist die Menge, wann sie bosgesinnte Führer hat. Pylades. hat sie gute sich erlesen, dann beschließt sie Gutes stets. Drestes. Gut: so müssen wir berathen. Pylades. Welches Unumgängliche? Orestes. Wenn ich Argos Burgern sage'- Pylades. Daß gerecht sei deine That? Drestes. Weil ich meinen Vater råchte - Pylades. Wird man unsanft dich empfahn. Drestes. Soll ich denn mich scheu verkriechend sterben? Pylades. Traun, das wäre feig. Orestes. Was beginn' ich? Pylades. Keine. Hast du Hoffnung dich zu retten, wenn du bleibst? Darfst du deiner Leiden Ende hoffen, wenn du gehst? Drestes. Wenn es sein soll, sei es. Pylades. Also besser gehen, als verziehn! Drestes. Geh' ich denn? Pylades. Und must du sterben: also stirbst du rühmlicher. Drestes. Auch gerecht ist meine Sache. Pylades. Daß man's glaube, flehe nur. Drestes. Wohl! Der Feigheit Hohn entflich' ich also. Mehr, als wenn du bleibst. Mein erbarmen wird sich Mancher - Großes wirkt dein edler Stamm. Orestes. Und des Vaters Tod betrauern. Pylades. Wohlbekannt ist alles dies. Drestes. Geh' ich denn! Feig ist es, sterben ohne Ruhm. Sollen wir es nicht der Schwester sagen? Ein schönes Wort! Pylades. Bei den Göttern, nein! Drestes. Thränen würde sie vergießen. Pylades. Uns ein schlimmes Zeichen nur. Orestes. Besser ist es drum, zu schweigen. Pylades. Und an Zeit gewinnst du so. Orestes. Kummer macht mir nur das Eine Welches Neue meinst du da? Daß mich Götterwuth ergreife. Pylades. Gern bin ich dein Pfleger dann. Orestes. Låstig ist es, Kranke pflegen. Pylades. Nimmer bist du lästig mir. Drestes. Hute dich vor meinem Wahnsinn! Orestes. Diese Furcht sei ferne mir! Und du willst dich nicht bedenken? Pylades. Traurig, wollten Freunde das. Drestes. Geh denn, Stab auf meinem Wege. Wonnevoller, süßer Dienst! Und zu meines Vaters Grabmal führe mich. Orestes. Seinen Geist ansleh'n um Rettung. Pylades. Was willst du hier? Wohl geziemt dir's, das zu thun. Orestes. Daß ich nur der Mutter Grab nicht sehe! Pylades. Feindlich war sie dir. Aber eile, daß dich hier nicht überfällt der Bürger Spruch; Deine Seiten, matt von Krankheit, lehn' an meine Seiten an: Denn ich werde sonder Scheu dich, unbekummert um das Volk, Mitten durch die Stadt geleiten. Wie bewährt' ich Freundessinn, War' ich bei so schwerem Leide nicht bereit dir beizustehn? Orestes. Dieses nenn' ich Freunde haben, nicht allein Verwandte nur: Denn der Mann, obwohl ein Fremder, der zusammenstimmt mit uns, Mehr, wie tausend Anverwandte, gilt dem Freunde sein Besiz. Strophe. (Beide ab.) Chor. Hohes Gluck und mannlicher Muth, Die so stolz in Hellas Gebiet Prangten und an Simoïs Flut, Wandten Atreus' Sohnen sich um in Unheil, (So wollt' ein uraltes Geschick des Hauses einst!) Seit um den goldnen Widder im Stamme Tantalos' Streit sich erhob, Seit dem graunvoll blutigen Mahl, Edler Söhne gråßlichem Mord: Und jezo rastet die Schuld im Hause Der beiden Atriden nimmer, Blut tauschend mit Blute. Gegenstrophe. Schon ja, schon war's nicht, in das Herz Treuer Weltern mordend das Schwert Einzutauchen, und es, von Blut Schwarzgefärbt, zu zeigen dem Strahl der Sonne. Zwiefache Gottlosigkeit ist die bose That,[OCR note; compare the printed page.] 2. ποικίλη = οὐχ ἁπλῆ. (Schol.) Compare printed p. 224 Thörichter Männer grause Verirrung. Zitternd in todtlicher Angst, Rief die Tyndaride: du wagst Schndden Frevel, daß du, o Kind, Die Mutter mordest: o daß du, Sohn, nicht, Werth haltend die Gunst des Vaters, Schmach drntest auf ewig! Schlußgesang. Welches Weh' ist, welcherlei Noth,[OCR note; compare the printed page.] ff. Ich theile so ab: Τίς νόσος, τίνα δάκρυ ἢ τίς ἔλεος μείζων κατὰ γᾶν, ἢ ματροκτόνον αἷμα χειρὶ θέσθαι; Compare printed p. 224 Welche Thrån' auf Erden so groß, Als der eigenen Mutter Blut vergießen? Solche That hat er geubt, Und stürmt nun rasend umher, Der Erinnyen Raub wegen des Mords, Und ihm rollt sein Auge so wild, Agamemnons herrlichem Sohn. Elender, ha! welcher die Mutter, Die aus golddurchwirktem Gewand Ihm entgegenstreckte die Brust, Ohn' Erbarmen mordete, Also zu rächen die Schmach des Vaters! Elektra. Hat, übermannt von gottverhängter Raserei, Ihr Fraun, Orestes sich entfernt von diesem Haus? Chor. Mit nichten: eben geht er weg in Argos Volk, Selbst auszusechten dort den Kampf, der richten wiro, Ob euer Loos sei Leben, ob ihr sterben sollt? Elektra. Weh, was begann er? Wer beredet' ihn dazu? Chor. Pylades: und bald wohl meldet uns der Bote hier, Was dort mit deinem Bruder sich begeben hat. Bote. Elektra, hehres Mädchen, unglückselige Tochter Agamemnons, der dem Heer gebot, vernimm Das Wort des Unglucks, das ich dir zu melden kam. Elektra. Wir sind verloren, wehe, weh! Dein Wort bezeugt's: Denn sicher kommst du, Boses anzukündigen. Bote. Beschlossen hat es Argos Volk an diesem Tag, Daß sterben soll dein Bruder und, Unsel'ge, du. Elektra. So war die Furcht gegründet, die ich hegend, ach! Mich långst in Klagen um die Zukunft abgehårmt! Doch welche Sazung, welches Wort in Argos war's, Das uns verurtheilt und gestimmt für unsern Tod? Sprich, Alter, ist es mir verhängt, durch Steinigung Den Tod zu leiden oder durch den scharfen Stahl? Denn gleiches Unglück trag' ich, das der Bruder trägt. Bote. Gerade kam ich durch das Thor vom Felde heim, Verlangend, auszukunden, was dein Schicksal sei Und deines Bruders: denn ich hing mit Liebe stets An eurem Vater; dieses Haus ernährte mich, Der dürftig, aber edel, gern den Freunden dient. Da seh' ich Haufen Volkes nach dem Hügel ziehn, Wo, sagt man, erstmals Danaos, dem zürnenden Aegyptos büßend, Argos Heer sich sammeln hieß. Die Menge schauend, fragt' ich Einen aus der Stadt:[OCR note; compare the printed page.] f. Beide Verse endigen mit demselben Worte (Stadt). Wer daran Anstoß nehmen sollte, bedenke, daß Euripides ebenso Compare printed p. 224 Was gibt's in Argos? Ward die Danaïdenstadt: Durch eine Botschaft aufgeschreckt, daß Feinde nah'n? Doch der versezte: siehst du nicht Drestes hier Ganz nahe wandeln? Dieser geht zum Todeskampf. Nun seh' ich unvermuthet - hått ich's nie gesehn! - Vereint Drestes schreiten mit dem Pylades; Er, matt von Krankheit, senkte trüb den düstern Blick; Der Andre trauert um den Freund, dem Bruder gleich, Und führte liebend an der Hand den Leidenden. :. Als Argos Menge vollgedrängt im Kreise war, Trat auf ein Herold und begann: Wer unter euch. Verlangt zu reden, ob Drestes sterben soll, Der Muttermorder? Drauf erstand Talthybios, Der deinem Vater Ilion zerstören half. Er redet doppelsinnig; denn er frohnte stets Den Machtbegabten; deinen Vater pries er hoch, Doch deinen Bruder lobt' er nicht, sein böses Wort In gutes hüllend; denn er hab' in seiner That' Ein schlimmes Vorbild aufgestellt: und immerfort . Vegisthos' Freunden wandt' er zu den frohen Blick.: Das ist ja dieser Menschen Art: den Glücklichen:. Umschwärmen stets Herolde; wer die Macht besizt, Wen hohe Würden schmücken, der ist ihnen werth. Nach ihm erhob der Herrscher Diomedes sich. Er stimmte wider deinen und des Bruders Tod; Wenn euch Verbannung strafe, sei das Volk gesühnt.[OCR note; compare the printed page.] εὐσεβεῖν = καθαροὺς εἶναι. Schol. Compare printed p. 224 Beifallend riefen Biele laut, er rede wohl; Die Andern schalten. Und nach ihm erstand ein Mann Von zügelloser Zunge, stark durch kühnen Troz, Gezwungen nur Argeier, nicht aus Argos selbst; Auf lauten Beifall pocht' er und auf thörichten Freimuth, beslissen, Schmach zu häufen auf das Volk. Wenn einer, süß in Worten und im Herzen schlecht, Beschwazt die Menge, bringt es große Noth der Stadt: Doch wer verständig immer sinnt auf guten Rath; Wenn nicht sogleich auch, frommt er doch in spåt'rer Zeit Dem Volke. Darauf achte wohl ein Herrschender: In gleichem Falle lebt ja, wer ein hohes Amt Empfing, und jener, dem die Kraft des Wortes ward. Der rieth, Drestes auf den Tod zu steinigen Und dich: er sprach, wie Einer, der auf euren Mord Es abgesehen, aufgestellt von Tyndareus. Ein Andrer, nun auftretend, sprach entgegen ihm, Nicht lieblich zwar im Aeußern, doch ein edler Mann; Die Stadt besucht er selten und des Marktes Rund, Sein Feld bestellend, (was allein das Land erhält,) Doch auch erfahren, wann er will, im Redekampf; Unsträflich lauter wandelt' er sein Lebenlang. Er rieth, Drestes, Agamemnons Heldensohn, Zu kränzen, der den Vater råcht' aus eignem Trieb, Ermordend jenes schnode, gottvergessne Weib, Das jedem Manne sich den Arm zu waffnen wehrt, Und aus der Heimat auszuziehn in fernen Krieg, Wenn, die zu Hause blieben, ihm des Hauses Hut, Sein Weib, verführen, ihm entweihn der Ehe Bett. Und edle Männer fanden gut, was 'er gesagt, Und Keiner sprach mehr. Nun begann dein Bruder selbst Vortretend: „Die ihr Inachos' Gebiet bewohnt, Ehmals Pelasger, Danaïden drauf genannt, Nicht minder als den Vater hab' ich euch beschůzt, Als ich die Mutter todtet': ist der Gatten Mord Den Fraun gestattet, mochtet ihr dem Tode nicht Entrinnen, oder Knechte sein von euren Fraun, Und dessen, was euch ziemte, thun das Gegentheil.[OCR note; compare the printed page.] 926. (Ausgabe von Matthia) mit χρεών endigt. Das Gleiche sindet sich V. 1121 f., wie denn überhaupt Wiederhelungen desselben Wortes nach kurzen Zwischenräumen bei Guripides nichts weniger als selten sind. Compare printed p. 224 Nun ist das Weib, das meines Vaters Bett verrieth, Gefallen. Wenn ihr aber mich ermorden wollt, Ist alles Recht hin, Keiner mag dem Tod' entfliehn, Da nie hinfort an solcher Frechheit Mangel ist." Wohl schien er wahr zu reden; doch vermocht' er Nichts, Und jener Schnode siegte, der im Volke sprach, Für deines Bruders stimmend und für deinen Tod. Kaum mocht Drestes, daß man ihn nicht steinige,[OCR note; compare the printed page.] 2. πετρούμενος. Compare printed p. 224 Das Volk bereden; er verhieß, durch eigne Hand Sein Leben noch an diesem Tag zu endigen Mit dir. In Thränen schwimmend führt ihn Pylades Jezt aus dem Rath der Bürger, und die Freundesschaar Folgt weinend und bedauernd; bald erscheint es dir, Das bittre Schauspiel, ein bejammernswerthes Bild. So leg' ein Schwert denn oder einen Strang zurecht; Du mußt vom Lichte scheiden: dein erhabner Stamm Hat nicht gefrommt dir, noch der Gott in Pytho's Haus, Der auf dem Dreifuß waltet; er vernichtet' euch. Chor. Wie senkst du, Jungfrau, dein bewölktes Angesicht Zur Erde, stehest ohne Laut, Unselige, Bald auszustromen deinen Gram in wildem Schmerz! Strophe. Elektra. Weh, laute Klagen heb' ich, mein Pelasgerland, Die weißen Någel leg' ich an die Wange mir, Blutig sie zu schånden, Mein Haupt zerschlag' ich; Königinn der Todtenwelt, Dir gebührt, Schone, dieser Zou! Mit mir stimm' an das Lied, Kyklopenstadt, Vom Haupt die Locken trennend, und beseufze des[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Ein Messer sezend an das Haupt, bejammre des. Compare printed p. 224 Hauses Unglück. Die Klage tont den Sterbenden, Tint den Sprossen jener, die[OCR note; compare the printed page.] Die Wortfolge im Griechischen ist: ὑπὲρ τῶν θανουμένων (παίδων) ὄντων (τῶν) ποτὲ στρατηλατῶν (τῆς) Ἑλλάδος. Compare printed p. 224 Einst Hellas Heer angeführt im Kampfe. Gegenstrophe. Geschwunden ist, geschwunden, hin der ganze Stamm Der Kinder Pelops', und der Ruhm, der einst umstrahlt Dieses Haus des Glückes: Der Götter Neid ergriff es und das feindliche Todesurtheil in Argos Stadt. weh, weh, thrånenreich mühvoll Geschlecht Der Tagessöhne, sehet, wie naht unverhofft Uns das Schicksal! Stets andres Leid um andres schickt Wechselnd uns die lange Zeit; Stets ungewiß wankt der Menschen Leben. Schlußgesang. könnt' ich zu dem Felsen hin,[OCR note; compare the printed page.] S. V. 6. Compare printed p. 224 Der zwischen Erd' und Himmel gleichschwebend hångt in der Mitten, Zur Scholle, die sich von des Olympos Höhn Un goldnen Ketten wirbelnd hinschwingt, Es ihm wehklagend zuzurufen, Dem grauen Vater Tantalos, Der sie gezeugt hat, meines Geschlechts Ahnherrn gezeugt, Die gesehn das Unheil, Seitdem Pelops den schnellen Wagen Und seiner Rosse Viergespann Mit des Fluges Eile hinab zum Meergestade Trieb, und Myrtilos In der Wogen Brandung schleudert', An Geråstos Bucht längs der wilden See weißumschaumtem Strand Hastig die Bahn durchstürmend. Drum nahte meinem Hause sich Jener unheilvolle Fluch, Da bei des rossenåhrenden Atreus Heerden sich Das Wunderlamm mit goldnem Vließ An's Licht rang, das Unheil, vom Sohn Maja's im Zorne gesandt: Drob entbrannte Zwist, und Phobos Lenkte mit dem beschwingten Wagen um, morgenwärts Wandt er zurück den Abendlauf am Himmel[OCR note; compare the printed page.] L. κέλευθον οὐρανοῦ προσαρμόσασα. Trimet. jamb. catalect. - 1059. Anders: Laß uns gemeinsam bei dem Grab des Vaters ruhn. Compare printed p. 224 Zu der dåmmernden Eos, Und auf andere Bahnen entrückte das Siebengestirn, die Plejaden, Kronion; Er låsset im Haus Mord wechseln um Mord, Und das ruchtbare Mahl des Thyestes Und Aërope's Trug Wechseln mit anderem Trug in dem ehlichen Bund. Doch das äußerste Leid in der vielfachen Noth Des Geschlechtes betraf Mich und meinen Vater. Chor. Sieh da: dort kommt dein Bruder heran, Zum Tode verdammt durch des Volkes Beschluß; Auch Pylades naht, der getreueste Freund Voll Brüderlichkeit, Der sorglich den Schritt des Ermatteten lenkt, Ihn liebendes Sinnes geleitet. Elektra. Weh mir! Ich seufze, daß ich vor dem Grabe dich, So nah dem Holzstoß, Bruder, dich erblicken muß. Und aber weh mir! Heute sieht mein Auge dich Zum leztenmale; ganz vergehn die Sinne mir. Drestes. Nicht stille fügst du dich dem Schluß, die weibliche Wehklage hemmend? Schmerzlich zwar ist unser Loos; Doch dies Geschick zu tragen, zwingt uns strenge Noth. Elektra. Wie sollt' ich schweigen? Dieses Licht des Gottes hier Bu schauen, ist uns Armen nicht verginnt hinfort. Orestes. Nicht tödte du mich! Schon genug von Volkeshand Bin ich gemordet: denke nicht des nahen Leids. Elektra. Mich jammert deine Jugend und dein früher Tod, Bruder: leben solltest du, und bist dahin! Drestes. Nicht, bei den Göttern, treibe mich zu feiger That, Die Thrane weckend durch des Leids Erinnerung. Elektra. Wir gehn zum Tode: Seufzer weckt das Leiden stets, Und jammernd läßt sein Leben nur der Sterbliche. Drestes. Für uns entscheidet dieser Tag: es gilt, den Strang zu schlingen oder unser Schwert zu schärfen, izt. Elektra. So todte du mich, daß ein Mann von Argos nicht Mich mordet, Bruder, und Agamemnons Tochter höhnt. Drestes. Mir ist der Mutter Blut genug; ich werde dich Nicht todten; falle, wie du willst, durch eigne Hand. Elektra. Es sei! Den Dienst versagen wird dein Schwert mir nicht: Doch schlingen möcht' ich meine Hand' um deinen Hals. Drestes. Sei froh der eitlen Freude, wenn dir's Freude macht, Den Arm um die zu schlingen, die zum Tode gehn. Elektra. Du Liebster, der den Namen seiner Schwester trägt, Den süßen, heißgeliebten, ganz Ein Sinn mit ihr! Orestes. Wohl wirst du mich erweichen; gern erwiedern will Ich deine Liebe: was auch scheu' ich Armer noch? Schwesterbusen, Traute, die mein Arm umschlingt! Für holde Kinder, für das Glück der Ehe blieb Uns Armen dieser Sprache Trost allein gegönnt. Elektra. O daß mit dir doch, wenn es gilt, Ein Eisen mich Ermordet', Ein Grab uns empfing' aus Cedernholz! Drestes. Das wär' am schonsten; doch du siehst, es fehlen uns Die Freunde, daß sie uns im Grab vereinigten. Elektra. Sprach jener Feige, der den Vater uns verrieth, Menelaos, gar Nichts, abzuwehren deinen Tod ? Drestes. Er wandt' auf mich kein Auge; nein, er scheute sich, Den Freund zu retten, hoffend auf den neuen Thron. Doch auf, damit wir sterben, wie's am würdigsten Für Agamemnons Kinder ist, mit hohem Sinn! Bewähren will ich meines Adels Glanz der Stadt, Ich stoß' in meine Brust den Stahl; du, Schwester, mußt Dich fertig machen, meiner That es gleich zu thun. Freund, ordne Jedes an für uns bei diesem Tod, Für unsre Leichen sorge wohl, sind wir dahin, Vereint bestatte bei dem Grab des Vaters uns, Und lebe wohl! Ich schreite, wie du siehst, zur That. Pylades. Halt ein! Vor Allem muß ich Eins dir tadeln, wenn Du wähntest, daß ich leben wolle, wenn du stirbst. Orestes. Warum mit mir zu sterben, Freund, gebührte dir? Pylades. Du fragst? D Freund, wie kann ich leben ohne dich? Drestes. Du schlugest deine Mutter nicht, wie ich gethan.[OCR note; compare the printed page.] Anders: Gemordet hast du deine Mutter nicht, wie ich. - 1066. Wörtlich: Gib deinem Vater dich zurück, stirb nicht mit mir. - 1083. Σ. κατήνεσας. Compare printed p. 224 Pylades. Mit dir vereinigt: Gleiches muß ich dulden auch. Drestes. Zu deinem Vater kehre heim, stirb nicht mit mir: Du hast noch eine Vaterstadt, ich keine mehr, Ein Vaterhaus noch, und des Reichthums großen Port. Zwar nicht erhältst du dieser Unglucksel'gen Hand, Die, deine Freundschaft ehrend, ich dir zugesagt: Zum Kinderzeugen suche dir ein andres Weib; Nicht mein Verwandter wirst du mehr, noch deiner ich. So lebe wohl in der Freude, trautes Bruderherz: Wir können dieses nimmer, doch du kannst es noch; Denn uns Gestorbnen lächelt nicht die Freude mehr. Pylades. Was meine Worte wollten, hast du nicht erkannt. Fruchtbares Erdreich moge nie, noch helle Luft, Mein Blut empfangen, wenn ich je verrathe dich, Dich je verlasse, mich errettend aus der Noth! Ich habe mitgemordet, ja, ich låugn' es nicht, Und Alles rieth ich, was du jezt abbüßen mußt, Und sterben muß ich denn mit dir und dieser auch. Sie, deren Hand du mir gelobt, ich achte sie Als meine Gattinn. Wie beschont' ich meine That, Nach Delphis kommend auf die Burg von Phokis, wenn Ich euer Freund war, eh die Noth euch heimgesucht, Und jezt in deinem Leide dich verläugnete?[OCR note; compare the printed page.] Wörtlicher: Und jezt im Unglück euer Freund nicht wäre mehr. - 1091. Anders: Geliebter, möcht' ich solches sehn und sterben dann! Compare printed p. 224 Ha, nimmer! Euer Schicksal ist das meinige. Nun, da wir sterben sollen, laß uns noch zuvor Berathen, wie Menelaos mit unglucklich wird. Drestes. Geliebter, könnt' ich sterben, wenn ich Das gesehn! Pylades. So folg' und halte noch zurück den Todesstok! Orestes. Ich warte, wenn ich an dem Feind mich råchen kann. Pylades. Sei stille: denn den Weibern trau' ich wenig nur. Drestes. Nicht fürchte diese; denn sie sind uns wohlgesinnt. Pylades. Wir tödten Helena; bitter kränkt Menelaos sich. Drestes. Wie? Wenn es angeht, bin ich wohl bereit dazu. Pylades. Wir morden sie! Sie birgt in deinem Hause sich. Orestes. Ich weiß, und Allem drückt sie dort ihr Siegel auf. Pylades. Doch fürder nicht mehr, wenn sich Hades ihr vermählt. Drestes. Und wie? Barbaren hålt sie ja für ihren Dienst. Pylades. Und welche? Keinen fürcht' ich aus dem Phrygervolk. Orestes. Mit Salbenduft und Spiegeln sind sie wohl vertraut.[OCR note; compare the printed page.] ἐπιστάτας = ἐπιστήμονας. Compare printed p. 225 Pylades. So bringt sie Troja's Ueppigkeit mit sich hieher? Drestes. Ja, nur ein kleines Huttchen dünkt ihr unser Land. Pylades. Nichts ist ein Sklave gegen Freigeborene. Orestes. Zweimal zu sterben fürcht' ich nicht, vollbracht' ich das. Pylades. Ich wahrlich auch nicht, wenn ich nur dich rachen kann. Orestes. Sprich, wie's geschehn soll, und vollend' es, wie du sagst. Pylades. Als ob wir sterben sollten, gehn wir ein in's Haus. Drestes. Wohl fass ich dieses, aber nicht das Weitere. Pylades. Wir kommen jammernd, sagen ihr von unserm Leid. Drestes. Damit sie weine, hocherfreut im Innersten. Pylades. Das wird auch uns noch werden; sie frohlocke nur! Drestes. Dann aber, wie vollenden wir den blut'gen Kampf? Pylades. Verborgen tragen wir das Schwert im Kleide hier. Drestes. Wie wird vor ihrer Diener Schaar der Mord volbracht?[OCR note; compare the printed page.] L. τίς ὄλεθρος. Compare printed p. 225 Pylades. Wir sperren alle, diesen dort, hier jenen ein. Drestes. Und fallen muß ein Jeder, der nicht stille ſchweigt. Pylades. Die Sache selbst wird lehren, was wir ferner thun. Drestes. Wir morden Helena: was du meinst, errath' ich schon. Pylades. Wohl; aber hore: was ich rath', ist ehrenvoll. Unrühmlich war es, zückten wir den scharfen Stahl, Ein Weib zu morden, welches frei von Tadel ist; Nun aber soll sie büßen für das ganze Volk Von Hellas, dem sie Våter, dem sie Sohn' erschlug, Wo mancher Jungfrau sie geraubt den Bräutigam. Da wird man jubeln, und den Göttern Opferglut Anzünden, Heil in Fülle dir erslehn und mir, Daß dieser Schniden Blut von uns vergossen ward. Nicht Muttermårder nennt man dich, erschlägst du sie; Statt dieses Namens würde dir ein schönerer, Du hießest Mörder Helena's, der Mörderinn. Menelaos darf nicht, nimmer darf er glucklich sein, Und deine Schwester sterben und dein Vater und Du und die Mutter; - still von ihr! was nenn' ich fie? Noch darf er dein Haus haben, dem Agamemnons Speer Sein Weib erkämpfte. Leben mog' ich nimmermehr, Entbloß' ich wider diese nicht mein dunkles Schwert! Doch können wir nicht Helena dem Tode weihn, Laß uns entflammen dieses Haus und sterben dann! Gelingt von Beidem Eines nur, wird uns der Ruhm, Doch schon gestorben oder schon befreit zu sein. Chor. Des Hasses aller Frauen ist sie wahrlich werth, Die Tyndaride, die geschåndet ihr Geschlecht! Drestes. Nichts auf der Welt ist edler, als ein treuer Freund, Nicht Reichthum oder Herrschermacht, und thiricht ist's, Die Gunst der Menge vorzuziehn dem edlen Freund. Du bist es, der Aegisthos' Strafe mir ersann, Du standest bei Gefahren treu zur Seite mir; Nun hilsst du wieder mir den Feind demüthigen, Und weichest nicht. Doch dich zu loben lass ich ab, Weil auch das allzugroße Lob belästiget. Nun mir's verhångt ist, auszuhauchen meinen Geist, So will ich fallen, meine Feinde züchtigend, Daß auch verderben, die dem Tode mich geweiht, Und jammern, die mir solches Loos bereiteten. Ich bin der Sohn Agamemnons, der erkoren ward Zu Hellas Herrscher; kein Gewaltherr war er, doch Besaß er eines Gottes Kraft. Ihn werd' ich nicht Entehren, sterbend als ein Sklav', ich lasse frei Mein Leben, wann Menelaos mir zuvor gebüßt. Wir wären glücklich, wenn wir Eins erreichten, wenn Uns unerwartet Rettung kam', und wir den Mord Vollbråchten und nicht stürben: dieses wunsch' ich noch. Und herzerfreuend ist es, wenn, was unsre Brust[OCR note; compare the printed page.] Die Wortfolge des Griechischen gibt Matthia an: ἡδὺ γάρ ἐστι καὶ διὰ στόμα πτηνοῖσι μύθοις ἀδαπάνως τέρψαι φρένα ἐκείνῳ, ὃ βούλομαι. Der Sinn: ὃ βούλομαι γὰρ, τοῦτο καὶ διὰ στόμα ἔχεῖν ἡδύ ἐστιν. Compare printed p. 225 Erfüllt, in raschbeschwingtem Wort vom Munde flieht. Elektra. Mich dünkt, o Bruder, diese That, sie werde dir Und diesem Rettung bringen und zum dritten mir. Drestes. Mit Göttermunde sprichst du: doch wie kame das? Ich weiß, die Weisheit, Schwester, wohnt in deiner Brust. Elektra. So hdre: du auch merke hierauf, Pylades.[OCR note; compare the printed page.] Anders: So höre; du auch wende hierauf deinen Sinn. Compare printed p. 225 Drestes. Sprich: denn das Gute, nur gehofft, bringt Freude schon. Elektra. Du kennst die Tochter Helena's? Du kennst sie, ja. Drestes. Die meine Mutter einst erzog, Hermione? Elektra. Zum Grabe Klytamnestra's ging sie eben fort. Orestes. Was will sie thun dort? Welche Hoffnung zeigst du mir? Elektra. Der Opfer Spend' ausgießen auf der Mutter Grab. Orestes. Wie meinst du das? Wie soll es Rettung mir verleihn? Elektra. Sie nehmt zum Unterpfande, wann sie wiederkommt. Drestes. Was können wir gewinnen, folg' ich diesem Rath ? Elektra. Wenn nach dem Falle Helena's Menelaos dich, Mich oder diesen (denn wir drei sind Eins) bedroht; So sage, todten werdest du Hermionen; Halt' auf der Jungfrau Nacken dann dein Schwert gezückt. Verheißt er dich zu retten, um der Tochter Tod Zu wehren, wann er Helena im Blute sieht; So gib die Jungfrau wiederum in seine Hand. Doch wenn er, seiner Zorneswuth nicht Meister mehr, Dich droht zu todten, morde du das Mädchen auch. Er wird, vermuth' ich, zürnt er Anfangs heftig auch, Bald seinen Sinn erweichen: denn nicht unverzagt, Noch kühnes Muthes ist er. Nur dies Mittel, uns Bu retten, weiß ich. Alles habt ihr nun gehört. Orestes. Du, die erhabnen Mannessinn im Busen trägt, Und mit der Schönheit Glanze strahlt vor allen Fraun, Wohl bist du mehr zu leben, als zu sterben, werth! Und solche Gattinn sollst du nun verlieren, Freund, Die dir das Leben schmücken sollt' in schonem Bund! Pylades. D, würde das mir, käme sie zu Phokis Stadt, Mit Brautgesangesfeier froh verherrlichet! Drestes. Wann kommt Hermione wieder heim? Dies sage mir, So wie du Alles wohl erklärt, wenn anders uns Des gottvergessnen Vaters Kind zu fahn gelingt. Elektra. Dem Hause muß sie, dünkt es mir, schon nahe sein; Denn wohl zusammen trifft damit die lange Zeit. Drestes. Gut! Harre du denn vor des Hauses Schwelle hier, Elektra, Schwester, bis die Jungfrau wiederkehrt, Und achte wohl, ob Einer, eh der Mord geschehn, Sei's unsers Vaters Bruder, sei's ein Freund von ihm, Zum Haus dahereilt: gib sofort ein Zeichen uns, Der Thore Flügel schlagend, oder ruf' in's Haus. Uns laß hineingehn, und gefaßt zum lezten Kampf Die Arme waffnen mit dem Schwert, mein Pylades; Denn mir vereinigt streitest du doch diesen Streit. Vater, wohnend in dem Haus der düstern Nacht, Dein Sohn Drestes fodert dich, hulfreich zu nahn Den Hülfsbedürftigen: denn ich leide deinethalb Unschuldig; weil ich recht gethan, verrieth er mich, Dein Bruder, und ich gehe nun, sein schnodes Weib Zu morden: sei du Helfer uns bei dieser That![OCR note; compare the printed page.] Anders: stehe du dabei zur Seite mir.- Compare printed p. 225 Elektra. Ja, komm, o Vater, wenn du deiner Kinder Ruf, Die deinetwegen sterben, hörst im Erdenschooß! Pylades. Verwandter meines Vaters, Agamemnon, mein Gebet vernimm auch, und errette dein Geschlecht! Orestes. Die Mutter schlug ich - Pylades. Und das Schwert ergriff auch ich. Elektra. Und ich benahm euch alle Furcht, ermuntert euch. Orestes. Dich, Vater, råchend! Elektra. Und auch ich gedachte dein! Pylades. Dies haben sie verbrochen: hor' und rette sie! Orestes. zum Opfer spend' ich Thränen dir. Pylades. Und Klagen ich. haltet ein, zum Werke schreiten wir hinaus! Denn wenn Gebete dringen in der Erde Grund, So hört er. Du Zeus, hoher Ahn, und Dike du, Schafft unsrer That Gelingen, mir und ihm und ihr! Der Freunde Kampf ist Einer, Eins ist unser Recht: Entweder Leben oder Tod ist Aller Loos. (Orestes und Pylades ab.) Strophe. 1. Elektra. Mykenische Freundinnen, Ihr Edelsten im Pelasgersiz, Argos' und Land! Chor. Herrscherinn, welches Wort riefest du? Noch gebührt, Herrinn genannt zu sein, dir in der Ahnen Stadt. Elektra. Ihr Einen hier, stellt euch an diese Wagenbahn,[OCR note; compare the printed page.] Wagenbahn, Fahrweg, Landstraße. Compare printed p. 225 Und Ihr bewahret jenen Weg, zu des Hauses Hut! Strophe. 2. Chor. Warum gebeutst du mir dies Geschäft? Sag', o Geliebte, mir. Elektra. Weil ich befürchte, daß Einer an's Haus heran Zum Morde, dem blutigen, schleiche, neues Leid Häufe zum alten Leid. Erster Halbchor. Wir wollen eilen, kommt heran! Hier diesen Pfad, Dem Sonnenaufgang zugewandt, bewachen wir. Zweiter Halbchor. Und wir den andern, weicher schaut zum Niedergang. Strophe. 3. Elektra. Wendet die Augen nun spåhend umher, von hier Dorthin, und dann spåht wieder nach jenem Bezirk. Chor. Wie du gebotst, thun wir. Gegenstrophe 1. Elektra. Nun sendet die Blick' hinaus, Nach allen Seiten frei das Haupt umgewandt! Erster Halbchor. Seh' ich am Wege nicht Einen? Es ist ein Mann, Dünkt mich, vom Lande, der deinem Palaste naht. Elektra. Wir sind verloren, wenn der Mann die dunkle Spur Der Stahlberwehrten alsobald dem Feind verråth. Gegenstrophe 2. Zweiter Halbchor. Sei ruhig, Liebe; der Pfad ist leer, Wie du es nicht geglaubt. Elektra. Haltet ihr Andern mir immer noch treue Wacht? Gebt fröhliche, sichere Kunden, ob es dort Still an dem Vorhof ist. Erster Halbchor. Hier ist es ruhig: aber schaue du dich um; Uns naht sich Niemand aus der Danaïdenstadt. Zweiter Halbchor. So steht es hier auch; kein Geräusch vernehmen wir. Gegenstrophe 3. Elektra. Auf, an die Thore nun lausch' ich das Ohr gewandt! Was zögert ihr das Opfer zu schlachten in Ruh, Ihr im Palast? Hort ihr? - Sie hören nicht. Weh, weh mir Unglückseligen! Hat wohl die Schonheit ihre Schwerter abgestumpft? Vielleicht eilt ein Mann. aus der Argeier Stadt Helfend in voller Wehr zu dem Palaste her. Nun gilt es nicht zu feiern: seht euch besser um, Ihr schauend hierher, ihr den Blick dorthin gewandt! Chor. Rings umschauend, wandl' ich Hierhin und dorthin. Helena (innen). Weh mir! Pelasgisches Argos, schnide komm' ich um! Elektra. Hört ihr's? Die Männer heben schon zum Mord die Hand: Es war die Stimme Helena's, vermuth' ich recht. Chor. Ewig erhabene Macht des Olympiers, Eile zu Hülfe, du Starker, meinen Freunden! Helena (innen). Gemahl, ich sterbe; du erscheinst und rettest nicht! Elektra. Macht Schwerter mit doppelter Schneide fertig, und Tödtet, erschlaget, erwürget, vernichtet sie, Welche den Vater verließ, Und den Gemahl verließ, und der Hellenen so Viele gemordet, die Am Stromgestade verbluteten, Wo Thränen um Thränen, erregt von den eisernen Geschossen, Fielen, an des Skamandros wilden Strudeln! Chor. Seid stille, stille! Denn Geräusch vernahmen wir Von Einem, der den Weg betrat zu diesem Haus. Elektra. Geliebte Frauen, hier erscheint Hermione Im Augenblick des Mordes: nun schweigt alle still! So fållt sie wohl in ausgespannter Neke Garn; Schön wird der Fang sein, wenn er anders uns gelingt. Steht heitres Auges, wie zuvor, verrathet nicht Durch eure Farbe, was sich hier begeben hat; In Trauer hüllen werd' auch ich den düstern Blick, Als ob ich gar nicht wußte, was geschehen ist. - Jungfrau, du kommst, nachdem du Klytamnestra's Grab Bekränzt, die Opferspenden ausgegossen hast? Hermione. Versöhnung bringend, kehr' ich heim: doch bange Furcht[OCR note; compare the printed page.] Folgende Uebersezung schließt sich etwas genauer an die Worte der Urschrift: Versöhnung bringend, komm' ich; aber eine Furcht Hat mich befallen, wissen möcht' ich, welch Geschrei Ich hier im Hause hörte, da ich ferne war. Compare printed p. 225 Ist über mich gekommen, weil ich Wehgeschrei Im Hause hier vernommen, als ich ferne war. Elektra. Wie? Wohl geschieht uns, was der Seufzer würdig ist. Hermione. Sprich gute Worte: was begab sich Neues hier? Elektra. Mir und Drestes hat die Stadt den Tod verhängt. Hermione. Nicht sterben dürft ihr, meine Blutsverwandten, nein! Elektra. Es ist beschlossen; unterthan sind wir der Noth.[OCR note; compare the printed page.] Anders: Fest steht es, und wir schmiegen uns in's Joch der Noth. Compare printed p. 225 Hermione. Das ist es, deshalb scholl im Haus der Weheruf? Elektra. Der Helena zu Füßen, fleht und jammert er -[OCR note; compare the printed page.] Anders: Umschlingend Helena's Kniee, fleht und jammert er. Compare printed p. 225 Hermione. Wer? Denn ich weiß nicht, wen du meinst, erklärst du's nicht. Elektra. Mein armer Bruder, daß er nicht umkomm' und ich. Hermione. Dann ist es billig, daß das Haus Wehklag' erhebt. Elektra. Worüber sonst auch scholle mehr des Jammers Ruf? Nun komm, vereinige mit dem Flehn der Freunde dich, Der hochbeglückten Mutter Knie' umschlinge, daß Menelaos harmlos unsern Tod nicht sehen mag! O du, in meiner Mutter Armen großgenährt, Schenk' uns Erbarmen, und erlds aus dieser Noth! Hierher, zum Kampfe! Schreiten will ich dir voran: In dir allein ruht unser einzig leztes Heil. Hermione. Sieh, sonder Rast enteil' ich nach dem Hause: seid Gerettet, so viel ich vermag! (ab in's Haus.) Elektra. Ergreifet ihr, Ihr stahlbewehrten Freund' im Haus, die Beute nicht? Hermione (innen), Weh, welche Männer seh' ich da? Orestes (innen). Still, sag' ich dir: Denn uns erscheinst du, nicht dir selbst, als Retterinn. Elektra. Ergreift, ergreift sie; aber ruht, auf ihren Hals Die Schwerter zückend! Wissen soll Menelaos dies: Auf Männer, nicht auf feige Phryger, traf er hier, Und was der Feige dulden muß, erduldet er. Auf, auf, geliebte Fraun! Hebet Geräusch, Geräusch, Erhebt lauten Lärm Vor den Gemächern, daß nicht der vollbrachte Mord Mit grausen Vengsten Argos Volk erfülle, daß Es helfend eile zum Palast der Könige, Eh' ich gewiß und wahrhaftig die Helena Im Haus, roth von Blut, entseelt, liegen sah, Oder von der Diener einem uns die Kunde ward: Denn Eines weiß ich, was geschehn, und Andres nicht. (ab in's Haus.) Chor. Gerecht hat der Götter Rach' Helena heimgesucht, Sie, die ganz Hellas in Thränen, versenkte Um den Verderblichen, den Hirten vom Ida, der Das Volk Hellas' hinlockte nach Ilion. Doch horch! Die Riegel drohnen laut am Königshaus; Drum stille: denn der Phryger einer stürzt heraus, Von dem wir horen wollen, wie's im Hause steht. Der Phryger. Urgos Schwertern entrann ich, entrann dem Tode; Leichtes Flugs eilt' ich in Phrygerschuh'n, Hindurch die Hallen mit den Cederzinnen, Mit der Dorersäulen Schmuck, Flüchtig fort, (o Erde!) Fort in blindem Laufe. Wohin soll ich fliehn, wohin, Frauen? Weh! Flieg' ich zum Aether auf, oder zu dem Meere, das Rings der Gott Okeanos, Wie Arm', um die Erde schlingt? Chor. Was ist es, Mann vom Ida, Diener Helena's? Der Phryger. Ilion, Ilion, weh mir, weh! Phrygerstadt mit fettem Boden, du! Heiliger Idaberg, wie, Unseliger! Wie beklagt in Trauerweisen, Mit Barbarenton mein Lied Dich, dem Helena's Auge Verderben schuf, Der Unholdinn, die der Schwan Leda's Schooß Entlockt! Ilions gottlichen Mauern ward Sie zur Erinnys, ach! D Jammerloos, o Jammerloos! Arme Dardania, wo Ganymedes die Rosse getummelt, der Liebling Zeus'! Chor. Meld' uns ein Jedes deutlich, was sich dort begab; Denn nicht entråthseln kann ich mir der Reden Sinn. Der Phryger. Kläglichen, kläglichen Ruf über dem Mord Stimmen wir Barbaren an (weh!) In fremden Lauten Asia's, Wann Königesblut sich der Erde vermählt, Versprizt vom eisernen Todesschwert. In dem Palast' erschien (um dir es Alles kundzuthun) Das Löwenpaar von Hellas, jene Zwei. Und des Einem Vater hieß der Heergebieter" einst; Und der Andere, der, wie Odysseus, still Auf Tücke nur sann, war Strophios' Sohn, - Treueigen dem Freund, und zu Wagnissen kühn, Ein blutiger Drach', und kundig des Kriegs. Er fahr' hin, dieser still bedächtig Verruchte Mann! Diese traten ein zum Siz des Weibes, Das der Bogenschůze Paris einst entführte, Sezten sich, des Auges Glanz benezt mit Thränen, Demüthig ihr zur Seite, hier der Eine, dort Der Andre, Jeder wohlbewehrt. Und beide schlangen, schlangen nun Schuzslehend die Hand' um der Helena Knie. Und es rannten, es rannten in eilendem Lauf Phrygische Diener fort; Der Eine sprach zum Anderen, von Furcht aufgeschreckt: „Ha, Verrath lauert hier!" Manche wohl glaubten's nicht; Andern schien's, wie die Brut mordete das Mutterherz, Lege sie des Tyndareus Tochter Fallstricke nun. Chor. Wo warst du da? Lang vielleicht aus Furcht entflohn?[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Wo warest du da? Oder flohst du längst aus Furcht? Compare printed p. 225 Der Phryger. Ich ließ nach phrygischem, phrygischem Brauch An der Helena, Helena Locken, An die Wang' ihr kühlende Luft hinwehn Mit rundem gefiedertem Fächer, Nach Barbarensitte. Drehend an dem Rocken den Lein, Ließ ihr zarter Finger Gleiten zur Erde das Gespinnst; Von dem phrygischen Raub ein Todtengeschenk Für das Grabmal war sie zu weben bedacht, Ein purpurnes Gewand, o Klytamnestra, dir. Darauf sprach Orestes zu der Jungfrau von Sparta: Stehe jezt auf vom Siz, Tochter Zeus', sez' hieher Deinen Fuß, wandle zu des Ahnherrn, des Pelops, altgefeiertem Herde, daß Du dort meine Reden hörst. Er führt, er führt sie; und sie folgt, Nicht ahnend, was da kommen soll. Doch Andres übte sein Gesell, Der bose Phokier. „Nicht weichen wollt ihr, Phryger? Seid ihr ewig tråg?" Und Andre sperrt' er ein im Hausesraum Anderwärts, in Rossesställe Diesen, Jenen auf den Säulengang, die Einen hierhin, Andre dort; Und so trennt' er sie von der Gebieterinn. Chor. Und was geschah nach diesem, welches Ungemach ? Der Phryger. Idäische, mächtige Mutter, Allmächtige Göttinn, weh! blutige That, o gesezlos Leid, Das ich gesehn, gesehn Hier im Königshause! Aus den Purpurkleidern nahmen sie sofort Verborgne Schwerter in die Hand, Dort und hier und dort Umschauend, ob vielleicht Lauscher nahe sei'n. Wie des Berges Eber, dann Dem Weibe sich entgegenstellend, Riefen sie: du mußt, du mußt Sterben; dein verruchter Gatte mordet dich, Der des Bruders Sohn verrieth, Daß er in Argos sterben muß. Laut heulte sie auf, schrie: weh mir, weh! Traf mit weißem Arme sich den Busen, Und traf das Haupt mit unseligem Schlag. Und in flüchtigem Lauf enteilte sie, die goldene Sandal' am Fuß. Doch Orestes faßte mit der Hand die Locken, Vertrat den Weg der Sparterinn, Und auf die linke Schulter bog er ihr den Hals, Wollt' ihr in die Kehle stoßen Den dunkeln Morderstahl. Chor. Wo waret ihr im Hause, Phryger, beizustehn?[OCR note; compare the printed page.] ξüν ποῦ δῆτ ἀμύνειν schrieb der Dichter wohl: ποῦ δ᾽ ἦτ᾿ ἀμύνειν; wo waret ihr zu helfen? Compare printed p. 225 Der Phryger. Wir stürzten bei dem Schrei mit Hebeln ein[OCR note; compare the printed page.] 2. ἰαχᾷ. Compare printed p. 225 Des Hauses Thor' und Pfosten, wo wir lang geweilt, Und rannten lärmend durch das Haus, von hier, von dort, Der Steine, Wurfspieß' Andere, Und der in Hånden haltend ein gezücktes Schwert. Doch uns entgegen Trat Pylades, ungebeugt, wie Hektor, Wie Ajas mit dreifachem Busch des Helmes, Den einst an Priamos' Thoren ich gesehn, gesehn; Unsre Schwerterspizen trafen sich. Da, da ward es offenbar, Wie phrygisches Volk in den Kämpfen des Ares[OCR note; compare the printed page.] Der Vers ist auch in der Urschrift ein überzähliger anapästischer Dimeter; denn in Φρύγες wird die lezte Sylbe durch die Hebung verlängt, und die Anfangssylbe von "Αρης (Κ. Αρεος) wird auch von Euripides bald als Länge, bald als Kürze gebraucht. Compare printed p. 225 Unmächtiger ist, als Hellas' Speer. Der flüchtete, der lag wundenbedeckt, Der todt, der fleht', als wäre sein Flehn Schuz wider den Tod. Wir floh'n in dunkle Nacht hinein; Viel Todte sanken; Andre wankten; Mancher lag. Aber in's Haus daher eilte Hermione, Zum Mord, der die Arme hinstrecken soll, Welche sie einst gebar. Und rennend, gleichwie Bacchen ohne Thyrsos Junges Wild der Berge greifen, Ergriffen sie das Mädchen, eilten dann zurück, Die Tochter Zeus' zu morden. Doch die war aus dem Palast Entschwunden durch des Hauses Räume, ( Zeus und Erd' und Licht und Nacht!) Sei's durch Zaubermittel, Oder Kunst der Mager, oder Götterraub. Was nun geschehn, ich weiß nicht; Denn flüchtend stahl ich aus dem Hause mich hinweg. Ja, herb' ist, herbe das Leid, Das Fürst Menelaos erfuhr, Der nun aus Troja umsonst Seine Gattinn heimgeführt. Chor. Dsiehe! Neues folgt bereits auf Neues nun: Denn aus dem Hause seh' ich schwerbetroffen dort Orestes schreiten, in der Hand sein dunkles Schwert. Drestes. Wo der Mann, der aus dem Hause meinem Schwert entronnen ist? Der Phryger. König, hier zu deinen Füßen fleh' ich nach Barbarenbrauch. Drestes. Nicht in Troja thust du dieses, sondern im Urgeierland. Der Phryger. .Ueberall ist Leben süßer, als der Tod, dem weisen Mann. Orestes. Riefst du nicht mit lauter Stimm' um Hülfe den Menelaos her? Der Phryger. Dir bin ich bereit zu helfen; du ja bist es würdiger. Drestes. Also starb die Tyndaride doch mit Recht von meiner Hand? Der Phryger. Mit dem vollsten Recht, und hatte sie den Tod dreifach gefühlt.[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: und hätte sie gehabt drei Nacken auch. Compare printed p. 225 Drestes. Mir zuliebe sprichst du, Feiger, nicht im Herzen denkst du so. Der Phryger. Hat das Weib nicht Hellas, hat sie nicht gestürzt die Phryger auch? Drestes. Schwöre, daß du nicht zu Gunst mir redest; anders mord' ich dich. Der Phryger. Bei dem Geist in mir beschwor' ich's; heilig halt' ich diesen Schwur. Drestes. Schreckte so das Eisen alle Phryger auch bei Ilion? Der Phryger. Halte fern dein Schwert: so nahe blizt es fürchterlichen Mord. Orestes. Fürchtest du, zum Stein zu werden, als erschiene Gorgo dir? Der Phryger. Vor dem Tode nur erbeb' ich; Gorgo's Haupt, ich kenn' es nicht. Drestes. Graut dir Sklaven vor dem Tode, der dich lost aus allem Leid? Der Phryger. Jeder Mensch, ob auch ein Sklave, labt sich an des Lichtes Glanz. Drestes. Wohl gesprochen! Deine Klugheit rettet dich: nun geh' in's Haus. Der Phryger. Tödtest du mich also nicht, Herr? Drestes. Du bist frei. D, schönes Wort! Orestes. Doch bedenk' ich's wohl noch anders. Drestes. Dieses war ein böses Wort. Thöricht, wenn du meinst, ich rsthe meinen Dolch in deinem Blut; Denn du bist nicht Weib geboren, noch gehörst den Mannern an. Daß du kein Geschrei erhebest, trat ich aus dem Hause vor; Denn sobald sie Lärm vernehmen, regen Argos Bürger sich. Mit Menelaos uns zu messen, fürchten wir uns nimmermehr; Komm' er denn, mit blonden Locken um die Schultern brüst er sich! Aber führt er Argos Sohne wider dieses Haus heran, Seiner Gattinn Mord zu rächen, will er nicht erretten mich, Noch die Schwester, noch den Freund, der diese That vollbracht mit mir; Wird er Tochter und Gemahlinn beide hier als Leichen schaun. Chor. weh, Schicksal, weh! Wieder in anderen, Anderen furchtbaren, Gefahrvollen Kampf versinkt Atreus' Haus. Erster Halbch o r. Was thun wir? Sollen wir's der Stadt verkündigen, Freundinnen, oder schweigen? Zweiter Halbchor. Dies ist sicherer. Erster Halbchor. Sieh an dem Hause, sieh, der Rauch, der empor Wirbelnd zum Aether wallt, kündet es ihnen an. Zweiter Halb chor. Sie zünden Fackeln, um der Tantaliden Haus In Glut zu sezen, ruhen nicht vom Morde mehr. Erster Halbchor. Ein Ziel sezt, ein Ziel, der Gott Sterblichen, wie er will. Groß war die Gewalt: durch råchende Geister, Durch das vergossne Blut, vertilgt sank dies Haus, Weil einst Myrtilos entstürzte dem Wagensiz.[OCR note; compare the printed page.] S. meine Anmerkung zu Sophokles Elektra V. 487 ff. Compare printed p. 225 Chor. Aber auch den Menelaos seh' ich dort dem Hause nah'n, Rasches Schrittes: wohl das Ungluck hört' er, das sich nun begab. Baudert ihr, legt ihr die Riegel nicht des Thores Flügeln an, Ihr im Hause, Kinder Atreus'? Furchtbar ist ein Gluck: licher Für des Unglücks Sohn', Orestes, wie du jezt unglucklich bist. Menelaos. Ich komme, horend von der kühn verwegnen That Des Lowenpaares: Männer nenn' ich diese nicht. Wohl hab' ich nun vernommen, daß mein Ehgemahl Nicht ward gemordet, sondern unsichtbar verschwand: Ein eitel leer Gerede, das, betäubt von Furcht, Mir Einer meldet'. Aber das ist eine List Des Muttermorders, lächerlich ersonnen, traun! Das Haus geoffnet! Diener, schlagt die Pforten ein, Gebiet' ich, daß wir meine Tochter wenigstens Erretten aus der blutbefleckten Männer Hand, Und mein verloren, jammervoll gemordet Weib Empfangen, welcher zugesellt im Tode nun Das Paar der Mörder fallen muß von meiner Hand. (erscheint auf der Höhe des Palastes.) Drestes. Du, daß du nicht an diese Pforten rührst die Hand, Menelaos, der du dich erhebst in stolzem Troz![OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Menelaos mein' ich, übermüthiger Prahler, dich. Compare printed p. 225 Mit dieser Zinne schmettr' ich sonst das Haupt dir ein, Zerbrechend edler Meister Werk, dies alte Dach. Wohl fugen Schloß und Riegel, die dich hemmen schon In deinem Eifer, daß du nicht eindringst in's Haus. Menelaos. Ha, was ist das? Dort seh' ich heller Flammen Schein, Und auf des Hauses Hohe Die gewaffnet stehn, Und einen Dolch, auf meiner Tochter Hals gezückt! Drestes. Was willst du? Fragen oder mich anhdren jezt? Menelaos. Von Beiden Keines: doch - dich horen muß ich wohl. Drestes. Dein Kind ermorden will ich, wenn du's wissen willst. Menelaos. So fügst du Mord zu Morde, Mörder Helena's? Drestes. Ja, hått ich diese! Sie entführten Götter mir.[OCR note; compare the printed page.] Anders: O hätt' ich diese! Raubte sie mir nicht ein Gott! Oder: Hätt' ein Gott sie nicht entführt! = - 1575, Anders: Gib meine Gattinn zur Bestattung mir heraus. Compare printed p. 225 Menelaos. Du laugnest, Morder? Sagst mir das zum Hohne noch? Drestes. Ein kummerliches Laugnen! pått' ich's doch vermocht - Menelaos. Was auszuführen? Bange Furcht erregst du mir. Drestes. Zu senden Hellas' Plagegeist in Hades' Nacht! Menelaos. Gib mir die Todte, daß ich ihr aufschütt' ein Grab. Orestes. Das bitte die Götter; doch dein Kind ermord' ich dir. Menelaos. Der Muttermårder fügt zum Mord noch andern Mord? Drestes. Den Vater råch' ich, welchen du zum Tod verriethst. Menelaos. War dir an deiner Mutter Blute nicht genug? Orestes. Ruchlose Frau'n zu tödten werd' ich nimmer matt. Menelaos. Du nimmst an diesem Morde Theil, o Pylades? Orestes. Ia sagt er schweigend; unser Wort genüge dir. Menelaos. Doch nicht zur Freude, wenn du nicht auf Flügeln fliehst. Orestes. Nicht fliehn, in Feuer sezen wir die Wohnungen. Menelaos. Mit Glut verheeren wolltest du dein Vaterhaus? Drestes. Daß du's nicht habest; auf den Flammen mord' ich die! Menelaos. Ermorde sie, du Morder; büßen wirst du mir's. So sei es! Ach, ach! Nimmer üb' ein solches Werk! Drestes. So schweig', und trage, was mit Recht dir widerfährt. Du dürftest leben? In welchem ? Orestes. Und der Herr im Lande sein. Hier in Argos, im Pelasgerland. Menelaos, Weihwasser schopfte deine Hand? Menelaos. Was wehrte mir's? Du bråchtest Opfer vor der Schlacht? Drestes. Das ziemte dir? Menelaos. Ich habe reine Hände. Orestes. Doch kein reines Herz. Wer würde dich begrüßen? Wer den Vater liebt. Menelaos. Und wer die Mutter achtet? Drestes. Ist ein Glücklicher. Menelaos. Nicht also du. Drestes. Die bösen hab' ich nie geliebt. Menelaos. Wend' ab den Dolch von meinem Kind! Orestes. Das logest du. Menelaos. Ermorden also willst du sie? Drestes. Nun logst du nicht. Menelaos. Weh, was beginn' ich? Drestes. Argos Bürger stimme mir Menelaos. Zu welcher That? Orestes. Uns nicht zu todten, bitte sie. Menelaos. Ihr mordet meine Tochter sonst? Drestes. Ich würde das. Menelaos. Unsel'ge Helena - Drestes. Bin ich nicht unselig auch? Menelaos. Als Opfer führt' ich dir sie heim - Drestes. War's also nur! Menelaos. Mühsal' erduldend ohne Zahl. Drestes. Doch nicht für mich. Menelaos. Ich litt so Schweres. Drestes. Ohne Nuzen warst du mir. Menelaos. Du singst mich. Drestes. Nein, durch eigne Bosheit fingst du dich. Doch auf, Elektra, sez' in Glut die Giebel dort, Und du, von allen Freunden mir der treueste, Zund' an die Mauerzinnen hier, mein Pylades! Menelaos. rossendhrendes Argos, Volk der Danaër, Eilt ihr gewaffnet nicht heran zur Hülfe mir? Der, um zu leben, thut Gewalt an eurer Stadt, Nachdem er seiner Mutter Blut schmachvoll vergoß! Apollon. Menelaos, hemme deinen zornentbrannten Muth, (Ich Sohn der Leto, Phobos, nah' und rufe dir,) Auch du, Orestes, der den Stahl auf diese zückt, Damit du horest, was ich euch zu melden kam. Die Du, dem Gatten grollend, erst in schwerem Zorn Ermorden wolltest und verfehltest, Helena, Sie ist es, die ihr droben seht im Aetherraum, Gerettet, und nicht hingestreckt von deinem Arm. Ich habe sie gerettet und (denn also hat Mir Vater Zeus geboten) deinem Schwert' entrückt. Denn ewig muß sie leben als die Tochter Zeus', Und Kastor und Polydeukes hoch im Aetherraum Zur Seite sizen, Schuz und Schirm den Schiffenden. Du führ' ein andres Mädchen heim in dein Gemach! Um ihrer Schönheit willen hat der Götter Rath zu Hader Hellas ausgereizt und Phrygia, Und Mord gesendet, um die Welt vom Uebermuth Der Menschenmengen ohne Zahl zu reinigen. Dies sag' ich wegen Helena's. Du, weiche nun, Sprößling Agamemnons, aus den Gränzen dieser Stadt, Und wohn' ein Jahr durch auf den Hohn Parrhasia's. Dereinst, im Namen deine Flucht verewigend,[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Oppidum autem nomine a fuga tua ducto appellabitur apud Azanes et Arcades, ita ut Oresteum vocent. Azaner und Arkadier nennt zu deiner Flucht Andenken Oresteion eine Stadt dereinst. Compare printed p. 225 Heißt Dresteion eine Stadt Arkadia's. Von dort gelangst du nach der Athender Stadt; Da mußt du Rede stehen für der Mutter Mord Den Eumeniden: Richter sind die Götter dir; Auf Ares' Hügel werden sie gerechten Spruch Dir sprechen, daß du deiner Straf entlassen wirst. Doch diese, die dein Stahl bedroht, Hermione, Ist als Gemahlinn dir bestimmt, und der sie heim zu führen wähnt, Neoptolemos, erhält sie nie. Denn durch ein Schwert der Delpher ist ihm Tod verhängt, Wann er des Vaters Mord an mir zu rächen kommt.[OCR note; compare the printed page.] des Vaters, Achilleus. Compare printed p. 225 Die Schwester gib dem Freunde, dem du sie gelobt,[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: wie du's einst gelobt. Compare printed p. 225 Zum Weibe: seiner wartet noch ein glucklich Loos. Du laß Dresten König sein in Argos Stadt, Menelaos; geh und herrsch' im Spartiatenland, Der Gattinn Morgengabe, die, zahlloses Leid Dir immerdar bereitend, dich hieher geführt. Zu seinen Gunsten stimm' ich nun der Bürger Sinn; Ich war's ja, welcher ihm gebot den Muttermord. Drestes. Loxias, Prophete, kein trugvoller Spruch, Ein lautrer, achter also kam aus deinem Mund. Mich hatte Furcht ergriffen, böser Geister Ruf Hått ich vernommen und gewähnt, ich höre dich. Nun wird es wohl sich enden; ich gehorche dir.[OCR note; compare the printed page.] τελεῖται, das sog. attische Futurum, τελέσεται, τελέεται, τε- λεῖται. Fut. med. für Fut. passiv. τελεσθήσεται. Compare printed p. 225 Sieh denn, ich lasse, todte nicht Hermionen, Und will sie freien, wenn der Vater sie mir gibt. Menelaos. Zeus' Tochter, Helena, sei gegrüßt; ich preise dich, Die du der Götter selig Haus zum Siz erkorst! Doch dir, Drestes, geb' ich auf des Phobos Wort Die Tochter; du bist edel, nimm der Edeln Kind, Froh dieses Glückes, wie ich selbst, der dir sie gab! Apollon. Geht nun, ein Jeder auf dem vorgeschriebnen Pfad, Und last den Hader. Menelaos. Uns gebührt, zu folgen dir. Orestes. Auch uns: mit allem Leide bin ich ausgesöhnt, Menelaos, und mit deinem Spruche, Loxias. Apollon. So zieht nun eueres Weges, und ehrt Eirenen, die holdeste Göttinn! Ich Will Helena führen zu Zeus' Wohnsiz; Am leuchtenden Sternpol schweb' ich empor, Wo, Hebe'n, Herakles' Weibe, gesellt, An Hera's Seite, sie fortan thront Als Gottheit, stets durch Opfer geehrt, Mit dem Zwillingsgestirn, mit den Söhnen des Zeus Durch's Meer die Piloten geleitend. Chor. Hochheilige Nike, nimm allzeit Mein Leben in Hut, Und laß nicht ab, es zu kränzen!