Bacchae — Donner (1845), OCR review edition Euripides Johann Jakob Christian Donner OCR source collation, conservative repairs and citation alignment Editorial processing with Codex

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Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift von J. J. C. Donner. Volume 2. Heidelberg: C. F. Winter, 1845. Harvard supplied OCR, H12; running-text copy text. Independent BSB copy, page-coordinate OCR and facsimiles; used to check layout and notes.BSB digitization Source reviews and editorial inventory

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Dionysos. Ich kam in dieses Theberland, der Sohn des Zeus,OCR review edition. D. citations belong to Donner; u marks unresolved verse division. Sources, repairs and unattributed notesDonner’s metrical analyses and notes: page facsimiles Dionysos, den einst Kadmos' Tochter, Semele, Umflammt von heller Blize Glut, geboren hat. In Menschenbildung wandelt' ich die Gottgestalt, * Und wall' an Dirke's Bornen und Ismenos' Flut,[OCR note; compare the printed page.] Dirke und Ismenos, Quelle und Strom bei Thebä. Compare printed p. 191 Seh' hier das Grab der Mutter, die der Bliz entseelt, Zunächst der Wohnung, sehe des Hauses Trümmer hier, Wo rauchend noch des Götterfeuers Flamme lebt,[OCR note; compare the printed page.] L. τυφόμενα δίς πυρὸς ἔτι ζῶσαν φλόγα. Wörtlich: (die Trümmer des Hauses,) die von der noch lebenden Flamme des göttlichen Feuers rauchen. Compare printed p. 191 Ein ewig Denkmal, welche Rach' einst Here nahm. Ich lobe Kadmos, daß er dieses Land geweiht,[OCR note; compare the printed page.] Kadmos hatte das vom Blize zerschmetterte Haus, wo Semele starb, nicht wieder erbaut, sondern den Ort, wie heiliges Tempelgebiet, durch eine niedrige Mauer von der Stadt abgesondert. Both e. Compare printed p. 191 Zum Heiligthum der Tochter auserkor; ich selbst Verhüllt' es rings in der Rebe traubenreiches Laub. Der Lyder Fluren, reich an Gold, und Phrygia Verließ ich, kam zum sonnenhellen Persergaun, Den Mauern Baktra's, und dem sturmdurchwehten Land Der Meder, auch zu den Segensaun Arabia's, Dem ganzen Asien, das an salziger Woge liegt, Wo Hellas' Volk, zahlreichen Barbarn zugesellt, Zahlreich im Bann von schöngethürmten Städten wohnt: Und als ich unter Tänzen dort mein Fest geweiht, Als Gott vor allen Menschen mich verherrlichend, Gelangt' ich hier in diese Griechenstadt zuerst ; Zuerst in Hellas regt' ich auf der Theber Volk Zum Jubel, hållt' in Hirschesselle sie, und gab In ihre Hand des Thyrsos epheugrunen Stab. Denn meiner Mutter Schwestern, die's am wenigsten Geziemt', erklärten, Bacchos sei nicht Sohn des Zeus, Und Semele, von einem Menschensohn berückt, Walz' ihre Schmach dem höchsten Himmelsgotte zu, Durch List des Kadmos; drum erschlug sie Kronos' Sohn, (So prahlten jene,) weil sie log den Liebesbund. Zur Strafe schreckt' ich aus der Stadt in wilder Wuth Sie fort; auf Berghohn hausen nun die Rasenden; Und anzulegen zwang ich sie mein Festgeråth. Und alle Frauen aus der Kadmosstadt, so viel Volljährig waren, scheucht' ich aus den Häusern weg; Und zugesellt des Kadmos Töchtern, lagern sie Dachlos, in dunkler Tannen Grun, auf Felsenhöhn. Denn diese Stadt muß fühlen, widerstrebt sie gleich, Sie sei fir meinen Bacchosdienst noch ungeweiht, Und. kämpfen muß ich für die Mutter Semele, Der Welt als Gott mich zeigend, den sie Zeus gebar. Der König Kadmos übergab der Tochter Sohn, Pentheus, des Königs Ehrenamt und Herrschgewalt, Ihm, welcher Krieg führt wider mich, den Gott, und mich Ausschließt vom Opfer, im Gebet nie mein gedenkt. Drum will ich ihm und allem Thebervolke mich Als Gott bewähren. Und sobald ich Dieses wohl Vollendet, wend' ich meinen Schritt in andres Land, Auch da mich zeigend. Wenn die Theberstadt im Zorn Mit Waffenmacht die Bacchen auszutreiben sucht, Führ' ich zum Kampfe wider sie Månaden aus. Deßwegen nahm ich Erdenbildung an, und schuf - Aus einem Himmelsgotte mich zum Menschen um. Du, das den Tmolos, Lydia's Schuzwehr, verließ,[OCR note; compare the printed page.] Anders: Die ihr vom Tmolos, Lydia's Bergfeste, kamt. Compare printed p. 191 Mein Festgeleit', ihr Frauen, die vom Fremdlingsvolk Ich als Genossen meines Zugs hiehergeführt, Ergreift die Pauken, heimisch långst im Phrygerland, Die Rhea, der Götter Mutter, und ich selbst erfand, Und rings des Pentheus Königshaus umwandelt hier Mit hellem Schalle, daß es hört die Kadmosstadt! Ich eile hin zu den Höhen, wo die Bacchen sind, Den Höhn Kitharons, mische mich in ihre Reihn. Der Chor. Von dem asischen Land (ab.) Und von dir, heiliger Berg Tmolos, entschwang ich mich daher[OCR note; compare the printed page.] 66. Tetramet. jon. catalect. (jon. a meiore.) Heilig heißt der Imolos, weil nach einer Sage Bacchos auf diesem Berge geboren war. Compare printed p. 191 Zu der leichtfertigen Arbeit, zu dem anmuthigen Werk, Singe den Gott Bromios, jauchz' ihm laut. Wer weilt auf dem Pfad? Wer in den Wohnungen? Er entweiche,[OCR note; compare the printed page.] Tetramet. jon. brachycatalect. (jon. a minore.) Compare printed p. 191 Und zu Worten der Weihe heilige Jeder den Mund! Denn nach dem Brauch seier' ich ihn hoch im Gesang, den Bromios. Erste Strophe. Seliger, der, ein Götterfreund, In den Weihn der Unsterblichen heimisch, das Leben rein Der im Gebirg' umher bewahrt, Göttlichem Sühnefest aufjubelnd, die Seele heiligt, Und der Kybele, der erhabenen, sich, der Allmutter, geweiht hat, Und emporschwingend den Thyrsos, mit dem Epheu sich das Zu verherrlichen Dionysos! Haupt kränzt, Eilt hinauf ihr, Bacchen, hinauf, ihr, die des Gottes Sohn, den Gott Dionysos, von den Berghöhen der Phrygier in die weit- räumigen, volkwimmelnden Gassen von Hellas führten, den Gott, Erste Gegenstrophe. Welcher voreinst im Schmerzenskampf, In den Wehn qualvoller Geburt, vor Kronions fliegendem Sich von dem Busen der Strahl Zeugerin loswand, die Zeus' Donnergeschoß entseelte; Ungesäumt nahm der Kronid' ihn von der Ruhstatt der Entbundenen, Und verbarg ihn in der Hüfte, von den Goldspangen umschlossen, Vor der rachsüchtigen Hera. Doch sobald die Lebensgöttin reift den stiergehörnten Gott, Da gebar Zeus; und er wand ihm um die Stirn Schlangen, den Raub, Den die Manad' hascht und in wallende Locken jubelnd sich flicht.[OCR note; compare the printed page.] Die Månaden durchflochten sich mit gezähmten Schlangen das Haar. Compare printed p. 191 Zweite Strophe. Semele's Mutter, Thebå, grin' in des Epheus Kranze, Grune, grûn' in dem frischen, blühenden Bohnenlaube, Stürm' in des Bacchos Jubel in den Zweigen der Tann' und Eiche! Hüllt der fleckigen Hindin Fell um weißwolliges zartes Gewand, Den muthwilligen Stab heiligem Brauch heiligend; bald hebt sich das Land wirbelnd im Tanze,[OCR note; compare the printed page.] Die Bacchanten trugen Hohlstäbe und darin ihre Fackeln. Muthwillig pflegten sie die Vorübergehenden mit diesen Stäben zu schlagen. Compare printed p. 191 Wann Bromios die Reigen führt auf das Gebirg,[OCR note; compare the printed page.] Ε. Βρόμιος ὅταν ἄγῃ θιάσες. Compare printed p. 191 Auf das Gebirge, wohin schwärmender Frauen Schaar Von Webstuhl und Gewebe floh, wahnsinntrunken von Bacchos! Zweite Gegenstrophe. Du, der Kureten alter Siz, und o göttliche Grotte Kreta's, die den Kronion nährte, wo mir die Stierhaut Ründeten die Korybanten mit dem dreifach bebuschten Helme! Sußem phrygischen Flotenhauch mischten sie sturmischen Bacchosgesang, Legten auch in die Hand Rhea's, der Allzeugerin, was süß in das Lied hallt der Månaden. Die Satyren, die rasenden, erflehten sich's, Nahmen die Pauke von ihr, die zu dem Reigentanz Der dreijährigen Feier drohnt, der sich freut Dionysos, Schlußgesang. Wann er vom flüchtigen Tanz fröhlich herab die Berge In's Feld sich schwingt, von der heiligen Hülle des Hirsches umwunden, im Flug Fliehende Böcke verfolgt, sein blutiges Mahl, Strebend in phrygische Höhen und lydische, Den Chor anführend, der Wonnegott![OCR note; compare the printed page.] L. ὅδ' έξαρχος Βρόμιος, εὐοῖ. εὐοῖ ist in der Uebersezung nicht ausgedrückt. Compare printed p. 192 Wo das Gefilde von Milch und von Wein stromt, und von der Bienen Nektar strömt, und syrischen Weihrauch duftet;[OCR note; compare the printed page.] syrischen Weihrauch. Assyrien, welcher Name auch Syrien begriff, sandte die edelsten Gerüche, einheimische sowohl, als aus Arabien und Indien herkommende. Voß zu Tibull. 1, 4, 7. Compare printed p. 192 Wo Dionysos, der Im Hohlstabe des Kienes hochaufflammende Fackel schwingt, Zum Wettlauf, zu Tänzen die Schweifenden erregt, Und mit Jauchzen emporrust, Und das glänzende Haar in die Lüfte verstreut. Zugleich drohnt er laut in den Wonneruf: Auf, Bacchantinnen, eilt zu des goldentstromenden Tmolos[OCR note; compare the printed page.] L. ὦ ἴτε Βάκχαι nur einmal. Der Tmolos oder Tymolos heißt goldentströmend, weil auf diesem Berge der goldführende Paktolos entspringt. Compare printed p. 192 Feiert den Gott Dionysos Pracht! Bei dumpfhallender Pauken Klang, Erhebt den beseligenden, begeisternden Gott Fröhlich in Lauten und Weisen der Phrygier, Wann süßer Flåtenhauch heilig zum heiligen Jubel ertont, führend den Chor, der in's Gebirge wallt; Jauchzend sofort, wie das Füllen, gesellt zu der weidenden Mutter, Hebt den geflügelten Fuß und tanzt die Bacchantin. Teiresias; spåter Kadmos. Teiresias. Wer ist am Thore, daß er ruft im Königshaus Den Sohn Agenors, Kadmos, der die Sidonstadt Verließ, und diese Theberburg emporgethurmt? Geh' Einer, ihm zu melden, daß Teiresias Ihn suche; selber weiß er ja, weshalb ich kam, Und was ich Alter schon mit ihm, dem Greis, besprach: Den Thyrsosstab zu nehmen und der Hindin Fell, Mit vollem Epheulaube dicht umkränzt das Haupt. (aus dem Palaste vortretend) Kadmos. Mein Liebster! Ich erkannte deiner Stimme Laut, Des weisen Mannes weises Wort, im Hause hier. Ich komme fertig, angethan mit des Gottes Schmuck; Denn wohl geziemt uns, daß wir unsrer Tochter Sohn, Dionysos, der den Menschen groß ein Gott erschien, So viel an uns ist, als den Gott verherrlichen. Wo soll ich tanzen, wo den Fuß erheben, wo Die grauen Locken schutteln? Du, Teiresias, Grcis, führe mich, den Greisen; (dir ward Alles kund;) Denn nicht ermatt' ich, Tag und Nacht mit des Thyrsos Stab Den Grund zu schlagen. Gerne wohl vergess ich es, Daß ich ein Greis bin. Teiresias. Also geht es dir, wie mir; Auch ich verjungt, Herr, gürte mich zum Reigentanz. Kadmos. So fahren wir auf einem Wagen in's Gebirg? Teiresias. Da wird' in mindrer Weise ja der Gott geehrt. Kadmos. Ich Alter will denn, Alter, dein Geleiter sein.[OCR note; compare the printed page.] Unders: So führ' ich Alter, Alter, dich an meiner Hand. Compare printed p. 192 Teiresias. Der Gott geleitet mühlos uns an jenen Ort. Kadmos. Und führen wir allein dem Bacchos Reigen auf? Teiresias. Wir sind allein klug; Thoren sind die Anderen. Kadmos. Lang ist der Weg hin; fasse du nun meine Hand.[OCR note; compare the printed page.] 2. μακρὸν τὸ μέλλον, δ. ⅰ. μακρὰ ἡ συντελεῖσθαι μέλλεσα ὁδός. Compare printed p. 192 Teiresias. Da nimm und füge deine Hand in meine Hand. Kadmos. Niemals veracht' ich Götter, ich, ein Sterblicher. Teiresias. Mitnichten recht' ich wider sie, die Himmlischen. Was fromme Våter uns gelehrt, was unsre Zeit[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Was fromme Väter uns gelehrt, und was mit uns Herangewach se n. Compare printed p. 192 Vorlångst geheiligt, kein Vernunftwort stößt es um, Auch wenn's der höchste Menschengeist ausklügelte. Man sagt, vor meinem Alter trug' ich keine Scheu, Weil ich den Reigen tanzen will im Epheukranz. Doch nie gebot Dionysos, ob nur Junglinge Den Reigen führen sollen, ob nur Weltere; Nein, gleich von Allen wünscht er sich verehrt zu sehn, Und nur von Thoren will er nie verherrlicht sein. Kadmos. Weil dir des Tages Strahl erlosch, Teiresias, Will ich dir Herold dessen sein, was hier geschieht. Pentheus er schreitet eilig dort zum Hause her, Der Sohn Echions, dem ich Macht im Lande gab. Voll Schrecken kommt er; welches Neue bringt er wohl? Pentheus. Kadmos. Teiresias. Der Chor. Pentheus. Ich war von diesem Lande fern, und höre nun Die neuen Frevel, die geschehn in dieser Stadt: Daß unsre Fraun dem falschen Bacchosfeste nach Das Haus verließen, und die Waldgebirg' in Wuth Durchschwarmen und mit Reigen ihn, den neuen Gott Dionysos, (wer er immer sei) verherrlichen. Die vollen Trinkpokale stehn in der Mitte da; Und Eine hupft hier, Andre dort in odes Thal, Sich bergend, um mit Buhlern sich der Lust zu weihn; Sie heucheln, Bacchen wåren sie, Begeisterte, Doch Aphroditen ziehn sie vor dem Bacchios. So viel ich ihrer haschte, schlug der Diener Arm Sofort in Fesseln und bewahrt im Kerker sie. Doch, die geslohn sind, werd' ich bald im Gebirge fahn, Ino'n, Agave'n, die dem Echion mich gebar, Und dich, Aktions Zeugerin, Autonoë; Und wann ich sie mit Eisenfesseln band, sogleich Wird dies verruchte Bacchosspiel am Ende sein. Auch heißt es, daß ein Fremdling hier erschienen sei, Ein Zauberer, ein Beschwörer aus dem Lyderland, Mit blonden krausen Locken wohlgeschmückt das Haar, Mit schwarzer Augen dunklem Glanz, Aphrodite's Lust, Der immer, Tag' und Nächte lang, mit ihnen ist, Und diese frechen Bacchosweihn den Frauen preist. Ergreif ich diesen innerhalb des Hauses hier, So werd' ich bald sein Thyrsosstampfen endigen, Sein Lockenschutteln, trenn' ich ihm den Hals vom Rumpf. Und der behauptet, daß ein Gott Dionysos sei; Der prahlt, in seine Hüften hab' ihn Zeus gendht, Ihn, den des Blizes Flammen samt der Mutter doch Verzehrten, weil sie falsch gerühmt den Götterbund! War solches nicht des grauenvollen Stranges werth, Den Hohn zu wagen, wer der Fremdling immer sei? Doch sieh, das andre Wunder! Sieh den Seher dort, Teiresias, in des Hirsches buntgeflecktem Fell, Und meiner Mutter Vater hier (wie lächerlich!) Verzückt den Hohlstab schwingend! Wie beschämt es mich, Mein Vater, euer Alter so verrückt zu sehn! Wirfst du den Epheu nicht hinweg? Läßt deine Hand, O meiner Mutter Vater, nicht den Thyrsosstab? Du, Greis, verführtest ihn dazu; wohl möchtest du[OCR note; compare the printed page.] 2. τόνδ' ἂν θέλοις, und im folgenden Verse εἰςφέρειν. V. 216 1. σκόπει und φέρε. Compare printed p. 192 Den neuen Gott einführen bei den Sterblichen; Nach Vögeln spåhe, nimm der Flammenzeichen Lohn![OCR note; compare the printed page.] Man weissagte vornehmlich aus dem Fluge der Vögel und dem Brennen der Opferflammen. Compare printed p. 192 Wenn dein ergrautes Alter dich nicht rettete; Du såßest unter den Bacchen angefesselt wohl, Ruchlose Fest' einführend; denn ein weiser Dienst Der Götter ist es nimmermehr, behaupten wir, Wo Fraun bei'm Mahle sich erfreun der Traubenlust. Chor. Der Frömmigkeit Gottheiten scheust du nicht, o Freund, Scheust nicht den Kadmos, der die Männersaat gestreut? Ein Sohn Echions, schåndest du den eignen Stamm? Teiresias. Wann schönen Stoff zu reden fand ein weiser Mann, Dann ist es ihm nichts Schweres, wohlberedt zu sein. Dir ist der Mund geläufig, wie dem Klugen, wohl; Doch wohnt in deinen Neden nicht der kluge Sinn. Ein kühn verwegner König, der zu reden weiß,[OCR note; compare the printed page.] L. θρασύς θ' ὁ δυνατὸς καὶ λέγειν οἷός τ' ἀνὴρ κακὸν πολίταις γίγνεται. Compare printed p. 192 Bringt seinem Volk Verderben, wenn der Geist ihm fehlt. Doch dieser Gott, der neue, welchen du verhöhnst, Ich kann es nicht beschreiben, wie groß seine Macht In Hellas sein wird. Zweierlei verehrt der Mensch Vor Allem, Kind: Demeter (diese Göttin ist Die Mutter Erde; nenne sie, wie dir's gefällt, Mit welchem beider Namen du sie nennen willst; Sie nåhrt mit trocknen Gaben auf die Sterblichen;) Und diesen Bacchos, der mit ihr zum Kampfe kam: Der süßen Traube nassen Trank erfand er, gab Den Menschen, was die jammervollen Sterblichen Erlöst vom Harme, wann sie voll des Weines sind, Und was den Schlaf, Vergessen ihrer täglichen Mühsale, bringt und einzig allen Kummer heilt. Er wird gespendet Göttern auch, der Gottessohn, Daß so durch ihn den Menschen alles Gute kommt. Und ihn verlachst du, daß ihn Zeus in die Hüfte sich Genåht! Ich zeige, wie sich das ganz wohl verhält. Als ihn Kronion aus der Wetterflamm' entrafft, Und in den Olympos eingeführt das junge Kind; Da wollt' ihn Hera werfen aus des Himmels Höhn; Doch Zeus, als Gott, ersann dagegen diese List. Er riß ein Theil des Aethers, der das Erdenrund Umsäuselt, ab, und schus es in Dionysos um, Des Gottes Bild ihm leihend, gab's an Here dann Zum Unterpfande, daß sie nicht mehr hadere. Weil Bacchos Heren also war zum Pfand geliehn, So kam die Sage später auf, man dichtete,[OCR note; compare the printed page.] Unders: So kam die Sage später bei den Menschen auf. Compare printed p. 192 Ihn habe Zeus in seiner Hüfte großgenährt. Auch Seher ist Dionysos; denn die Bacchoswuth, Der trunkne Wahnsinn trågt in sich die Seherkunst. Denn wessen Glieder ganz erfüllt des Gottes Geist, Den macht er rasen, daß er spricht das Kunstige. Er eignet' auch von Ares einen Theil sich zu ; Denn wann ein Heer in Waffen kampfgerüstet steht, Schreckt Furcht es auseinander, eh's die Lanze hob: Auch dieses ist ein Rasen, das Dionysos schafft. Ihn wirst du noch auf Delpherfelsen auch dereinst Im Fackelglanze springen sehn, wann frohen Schwungs Parnassos' Doppelhdhen trifft sein Thyrsosstab, Ihn groß in Hellas. Drum, o Pentheus, folge mir: O prahle nicht, der Menschen Höchstes sei die Macht, Noch, wenn du das wåhnst, aber dich dein Wahn betrügt, Erachte dich für weise. Nimm den Gott in's Land, Bring' Opferspenden, jauchze laut, und kränze dich. Dionysos wird die Frauen niemals nothigen Zu Raserein der Kypris; nein, in ihrer Brust Wohnt weiser Sinn für alle Dinge jederzeit. Das, Sohn, bedenke; denn in Bacchos' Dienste selbst Entartet nicht ein zachtig weiser Frauensinn. Du weißt, es freut dich, wann sie stehn an deinem Thor Zahlreich, und Pentheus' Namen hoch die Stadt erhebt: Auch jenen, mein' ich, freut es, wenn man ihn verehrt. Ich denn und Kadmos, den du hohnst, wir wollen uns Das Haupt mit Epheu kränzen und zum Tanze ziehn, Ein Paar in grauen Haaren; dennoch tanzen wir, Und ich bekämpfe nicht den Gott, durch dich verführt. Dein Rasen ist höchst traurig; kein Heilmittel kann Dich retten, noch wird ohne das dein Geist gesund.[OCR note; compare the printed page.] ξ. νοσεῖς Ι. νοοῖς. Compare printed p. 192 Chor. O Greis, du schåndest Phobos durch dein Reden nicht, Bist weise, daß du Bacchos ehrst, den großen Gott. Kadmos. Mein Kind, vortrefflich mahnte dich Teiresias. Wohn' uns vereinigt, innerhalb der Sazungen; Jezt bist du fern' uns; weise, denkst du thöricht nur. Denn wäre Bacchos, wie du sagst, auch nicht ein Gott, Doch werd' er so mit schoner Lüge dir genannt, Als Sohn der Semele, daß sie, Gottgebårerin Gcheißen, unsern ganzen Stamm verherrliche. Du kennst Aktions jammervollen Untergang, Den rohverschlingende Hunde, die er großgenährt, Auf Waldeshihn zerfleischten, weil er größer einst, Als Artemis, in Jägerkünsten sich gerühmt. So mogest du nicht büßen! Komm, ich kränze dir Das Haupt mit Epheu; feire du mit uns den Gott. Pentheus. Nicht rühr' an mich hier; gehe hin zum Bacchosfest, Doch hänge mir nicht deiner Thorheit Makel an! Den aber, der dich solchen Unverstand gelehrt, Will ich bestrafen. Einer geh' und saume nicht, Und kam er dorthin, wo der Mann die Vögel fragt, So stoß' er Alles auf den Grund mit Hebeln aus, Und stirze nieder Alles und zerschmettere ! Die Seherbinden streut hinaus in Sturm und Wind! Denn also thuend, schaff ich ihm das größte Leid. Ihr, durch die Stadt hingehend, spåht den Fremdling aus, Den weiberhaften, der die Fraun in den neuen Wahn Einführt und unsrer Ehen keusches Glück entweiht! Und wenn ihr ihn gefangen, führt gefesselt ihn Hierher, damit ihn treffe Tod durch Steinigung; So wird er bittre Bacchossest' in Thebe sehn! (eilt ab.) Teiresias. O Thor, du weißt nicht, welche Worte dir entflohn! Du rasest; auch schon früher war dein Geist verwirrt. Wir wollen gehn, o Kadmos, und um Gnade flehn Für diesen, glüht er heftig auch in schwerem Zorn, Und unsre Bürger, daß der Gott kein Arges uns Bereite. Mir denn folge du mit dem Thyrsosstab, Und halte mich in der Höhe wohl, ich stüze dich. Denn schmählich ist es, wenn ein Paar von Greisen fållt: Doch - gehe; Bacchos dienen wir, dem Sohn des Zeus! O moge Pentheus deinem Haus, o Kadmos, nicht Verderben bringen! Nicht als Seher ſprech' ich so, Die That belehrt mich; denn der Thor spricht Thorichtes. Erste Strophe. (sie gehen ab.) Chor. Unentweiht heilige Macht, Frömmigkeit, welche die Erd' Auf Goldschwingen durchfliegt, horst du den Pentheus, horst Du den unheiligen Hohn, den er dem Bromios beut, Semele's Sohn, welcher am kranzreichen Gelag Fröhlich voran unter dem Chor Himmlischer strahlt, der sie gelehrt, Sich in Reihntanzen zu freun und der froh hallenden Flot', Und die Trübsal zu beschwichtigen, wenn die luftathmende Traube An dem Mahl Götter erquickt, und der Pokal bei dem Gelag Männer im Epheukranz in den Schlummer einwiegt? Erste Gegenstrophe. Wo die Gier ohne Gesez waltet, die Zung' ungezähmt, Harrt am Ziele das Leid; Tage des Weisen, die Voll Ruh' harmlos entfliehn, stehn unerschuttert im Sturm, Schirmen das Haus. Denn des Olympos Götter, fern, Wohnend in Lichthohen der Luft, schauen das Thun Sterblicher doch. Nicht Weisheit ist die Weisheit, die das Unsterbliche denkt.[OCR note; compare the printed page.] Ε. τὸ τὰ μὴ θνητὰ φρονῶν. Compare printed p. 192 Unverweilt fluchtet die Zeit. Wer das Erhabene sich zum Ziel sezt, Er genießt nicht, was die Erd' ihm beut. So thun Rasende nur, (Meinen wir,) so nur Thoren, von Wahn geblendet. Zweite Strophe. Daß ich kame nach Kypros, dem Inselland' Aphrodita's, Wo die Schaar der Eroten wohnt, Menschenherzen bezaubernd, Und nach Paphos, dem regenlosen,[OCR note; compare the printed page.] L. ἄνομβρον. Compare printed p. 192 Das des mächtigen Flusses hundertarmige Ströme trinkt,[OCR note; compare the printed page.] Des mächtigen Flusses, des Sestrachos, der Paphos umströmte. Compare printed p. 192 Oder wo der pierische Siz der Musen in heiliger Schönheit ragt, der Olympos! Dahin leite mich, Bromios, der die bacchischen Chore führt! Da sind Chariten, Liebe da, Da dürfen frei die Bacchen Feste feiern. Zweite Gegenstrophe. Unser Gott, des Kroniden Sohn, freut sich festlicher Mahle, Liebt den segenverleihenden, månnernährenden Frieden. Bacchos spendet des Weines Wonne, Jeden Gram zu vergessen, gleich dem Armen und Reichen aus, Haßt ihn, welcher nicht sorgt, in Luft helle Tag', und die süße Nacht Ohne Harm zu verleben. Weis ist, welcher das Herz von den Ueberweisen sich ferne Doch der Pobel, behaupt' ich frei, hålt; Das Schlechtre wählt er immer und vollbringt es. Dionysos, gebunden von Sclaven des Pentheus herbeigeführt. Pentheus. Der Chor. Pentheus, wir thaten diesen Fang, nach welchem du Uns ausgesendet, waren nicht umsonst bemüht. Dies Wild, es war uns freundlich, und entzog sich uns Nicht durch die Flucht; die Hände bot es willig dar, Nicht furchtsam; auch die rothe Wang' erblaßte nicht; Nein, lachend rief es: „Bindet nur und führt mich fort," Und blieb und machte selber mein Geschäft mir leicht. Und ich, beschämt, erwiedert': „Ungern thun wir das, O Fremdling; Pentheus trug mir's auf, er sendet mich." Noch Eins: die Bacchen, die du griffst und fesseltest, Im öffentlichen Kerker dort in Bande schlugst, Sind nach den Hohn entsprungen, und ergehn sich frei Mit Tanz, und rufen Bromios an, den neuen Gott. Von selber hat sich ihrer Füße Band gelöst, Die Pfortenriegel wichen ohne Menschenhand. Gar viele Wunder bringt er uns in unsre Stadt, Der Mann, o König; ordne du das Andre nun. Pentheus. Ergreift ihn bei den Händen: so gebunden, ist Er nicht so hurtig, daß er uns entfliehen kann. Nun, Freund, du bist nicht håßlich, dein Gesicht gefällt Den Frauen, die zu verlocken du nach Thebå kamst. Dein Haar, vom Ringkampf unverwirrt und langgelockt, Um deine Wangen wallt es, schmachtender Liebe voll. Auch bist du wohl mit weißgeleckter Haut versehn; Denn nicht in Sonnenstrahlen, nein, im Schattengrün Verfolgst du Kypris' holde Spur mit deinem Reiz.[OCR note; compare the printed page.] Unders: Jagst du mit deinen Reizen Aphroditen nach. Compare printed p. 192 Vor allen Dingen sage mir, woher du stammst. Dionysos. Nicht hoher Worte braucht es; leicht ist das gesagt. Vom blumenreichen Tmolos hast du wohl gehört? Pentheus. Gewiß; vom Berg, der Sardes' Mauern rings beherrscht. Dionysos. Dorther entstamm' ich; Lydien ist mein Vaterland. Pentheus. Von wannen führst du diese Fest' in Hellas ein? Dionysos. Der Sohn des Zeus, Dionysos, hat uns eingeweiht. Pentheus. Ist dort ein Zeus, der neue Götter uns erzeugt? Dionysos. Nein; der in Liebe Semele'n sich hier verband. Pentheus. Empfingst du träumend oder wachend sein Gebot? Dionysos. Er sah mich, ich ihn, und er gab mir seine Weihn. Pentheus. Und diese Weihen, welchen Sinn denn haben sie? Dionysos. Nicht wissen darf's ein ungeweihter Erdensohn. Pentheus. Doch welchen Nuzen bringen sie dem Feiernden? Dionysos. Nicht hören darfst du's; doch des Wissens ist es werth. Pentheus. Geschickt verlarost du dieses, wo ich's horen will. Dionysos. Den Frevler fliehn, ihn hassen Bacchos' Orgien. Pentheus. So sahst du deutlich, wie der Gott gestaltet war? Dionysos. So wie der Gott selbst wollte; nicht, daß ich's gebot.[OCR note; compare the printed page.] Sinn: ea mihi forma deus adparuit, qua ipse se voluit conspici; neque enim ego, qualem indueret, praecepi. Compare printed p. 192 Pentheus. Auch dies umschlichst du gar gewandt, und sagtest Nichts.[OCR note; compare the printed page.] Man könnte die Worte: κἐδὲν λέγων auch faſſen für: καίπερ ἐδὲν λέγων; dann wäre zu übersezen: Auch dies umschlichst du gar gewandt; doch sagt es Nichts. Compare printed p. 192 Dionysos. Unweise scheint, wer Unerfahrnen weise spricht. Pentheus. Du kamst zuerst hieher mit deinem neuen Gott? Dionysos. Die Feste feiern alle Nichthellenen schon. Pentheus. Wohl sind sie weit unweiser, als Achda's Volk. Dionysos. Hier sind sie weiser, freilich sonst ungleich an Art. Pentheus. Und diese Weihen feierst du, Nachts oder Tags? Dionysos. Bei Nacht die meisten; heilig ist die Dunkelheit. Pentheus. Für Frauen ist sie trugerisch und voll Gefahr. Dionysos. Wohl auch am hellen Tage sinnt man Frevel aus. Pentheus. Du sollst es büßen, daß du frech Trugschlusse webſt. Dionysos. Und du die Thorheit, daß du kühn den Gott verhöhnft. Pentheus. Wie dreist, in Worten wie geübt der Bacchos ist![OCR note; compare the printed page.] ὁ Βάκχος non est Διόνυσος, sed masculinum a feminino Βάκχη nemo enim eum Bacchum esse suspicatur. Elmsl. Compare printed p. 192 Dionysos. Was muß ich leiden? Welches Arge thust du mir? Pentheus. Die weichen Locken schneid' ich dir vor Allem ab. Dionysos. Die Locken sind geweiht; dem Gotte pfleg' ich sie. Pentheus. Dann übergib mir, den du trägst, den Thyrsosstab. Dionysos. Selbst nimm ihn mir; als Bromios' Gabe trag' ich ihn. Pentheus. Im Kerker drinnen schlagen wir in Bande dich. Dionysos. Befreien wird mich Bacchos selbst, sobald ich will. Pentheus. Sobald du seinen Namen rufst in der Bacchen Chor. Dionysos. Auch nun mir nahe, sieht er, was ich leiden muß. Pentheus. Und wo verweilt er? Denn mein Auge sieht ihn nicht. Dionysos. Bei mir; doch du Gottloser kannst nicht schaun den Gott. Pentheus. Ergreift ihn! Er verachtet mich und Thebe's Volk. (zu den Sclaven). Dionysos Nein, sag' ich! Ihr Unweisen, faßt mich Weisen nicht! Pentheus. Ich sage: faßt ihn! Denn ich bin der Stårkere. Dionysos. Nicht weißt du, Stolzer, was du thuſt, noch wer du bist. Pentheus. Pentheus, Echions und Agave's Sohn, bin ich. Dionysos. Als Sohn des Unheils kundet schon dein Name dich.[OCR note; compare the printed page.] Dein Name. Pentheus von dem griechischen Worte πένθος, welches Trauer, Traurigkeit, Unglück bezeichnet. Compare printed p. 192 Pentheus. Hinweg! Den Rosseskrippen nah', ihr Sclaven, legt Ihn gleich in Fesseln, daß er schaut die dunkle Nacht! Dort tanze! Diese Frauen, die du hergeführt, Des Frevels Helferinnen, sie verkaufen wir, ('an den Chor sich wendend) Oder an den Webstuhl fessl' ich euch als Sclavinnen, Nachdem ich euch von diesem Paukenlårm entwohnt. Dionysos. Ich gehe. Dulden muß ich nicht, was mein Geschick Mir nicht bestimmt hat. Aber, traun, für diese Schmach Wird Bromios dich strafen, den du låugnen willst. Denn uns mit Hohn belastend, fesselst du den Gott. (Er wird fortgeführt. Pentheus folgt.) Strophe. Chor. Acheloos' erhabenes Kind, Dirka, du holdlächelnde Jungfrau! Denn du nahmst einst in dein Flutbett Den Sohn Kronions auf, Da der Gott ihn aus der Glut, Der unsterblichen, raffend, In die Huft' ihn mit der Goldspange sich einschloß: ,,Dithyrambos, rief er auf, gehe hinein in diesen Mannleib! So dich, o Bacchios, nennend, stell' ich dem Volk Thebe's Und du, glückselige Dirka, dich dar." Du verstoßest mich von dir Mit den kranzgeschmückten Festreihn? Was verabscheust du, was fliehst du mich? O gewiß! einst, bei des Weingottes beseligenden Pokalen! Einst wird Bromios dir noch werth sein! Gegenstrophe. Er bewährt sein Erdengeschlecht, Pentheus bewährt seine Ihn der Erdspråkling Echion Gezeugt. Ein Ungethum Mit der Wuth funkelndem Blick, Kein sterbliches Wesen, Geburt, daß Ein Gigant, triefend von Blut, kämpft er mit Göttern. Und in Bande will er uns, Bromios' Dienerinnen, schlagen; Schon im Palaste bewahrt er, schloß in der Nacht Kerker Den Genossen unserer Festreihn. Siehst du's, o Sohn des Zeus, Dionysos, deine Priester ihn ein, In dem Kampf außersten Unheils? O herab komm vom Olymp, strahlender Gott, schwinge den Thyrsos, Und mit Macht hemme die Wuth des Mörders! Schlußgesang. An den wildhegenden Hohn Nysa's vielleicht schwingst du den Hohlstab In dem Tanz, jauchzender Gott, oder hinauf Korykos' Fels, In den baumreichen Gebirgsklüften des Olympos, wo vordem Lautengeton Orpheus erhob, und mit dem Lied Baume sich Und die Waldthiere sich nachzog. Pieria, seliges Land,[OCR note; compare the printed page.] 2. μάκαιρ' ὦ Πιερία. Compare printed p. 193 nachzog, Dich liebt Evios, naht schon mit den Chorreigen, und jubelt, Und hindurchschreitend die Stromsluten des Arios, Führt er im Tanz frohe Månaden Hin zum Lydias, der Sterblichen hohes Gluck Spendet, und hin zu dem Vater, dem Gotte, der (Hor' ich) das roſſenährende Land Tränkt mit schönem Gewässer. Dionysos (innen). Auf! Hört meine Stimm', o hort, Bacchen, hört! Wohlauf, Bacchen, auf! Chor. Wen, wen hor' ich da? Woher scholl der Ruf des Dionysos mir? Dionysos (innen). Auf, auf! Wieder ruft Semele's Sohn und Kronions. Erster Halbchor. Auf, auf! Göttlicher Herrscher, komm, Tritt in unsere Reigen ein, O Bromios, o Bromios! Zweiter Halbchor. Erschuttert bebt der Erde Grund, o Freundin; ha! bald wankt das Haus,[OCR note; compare the printed page.] Ε. πέδε χθονὸς ἐνόσει, πότνι', ὦ, ὦ, τάχα. Compare printed p. 193 Pentheus' Palast; er wankt, und sturzt, und stürzt in Staub und Trümmer hin! Erster Halbchor. Dionysos ist im Palaste; feiert ihn! Zweiter Halbchor. Wir feiern ihn; o! Sehet dort die steinernen Gebålke, seht, auf den Säulen; wie sie wanken rings! Bald hebt der Gott im Hause Siegsgeschrei. Dionysos. Zundet die blizende Fackel, die lodernde! Brennt, o verbrennt die Palåste des Pentheus! Erster Halbchor. Ha, ha! Siehst du nicht die Glut, schaust du nicht Die Flamm' um Semele's heiliges Grab, Die sie, getroffen vom Bliz, Einst von dem Donner des Zeus zurickließ? Nieder zur Erde die Glieder, die zitternden, Nieder zur Erd', o Månaden! Denn der Gott, zerstörend Alles, schreitet[OCR note; compare the printed page.] Die Wortfolge ist: ὁ ἄναξ τάδε μέλαθρα ἄνω κάτω τιθεὶς ἐἔπεισι. Wir statuiren hier trochäische Verse, und lassen Διόνυσος am Ende weg. Compare printed p. 193 Wider dieses Haus, der Sohn des Zeus. Dionysos tritt aus dem Palaste. Der Chor. Dionysos. Frauen ihr des fremden Landes, so betaubt von wilder Angst, Stürztet ihr zur Erde? Wohl habt ihr erkannt, so scheint es uns, Daß Lydos' Arm des Pentheus hohes Haus erschutterte. Aber auf! erhebt die Glieder, seid getrost und zittert nicht! Chor. Du, für uns ein Licht, entzückter Bacchosfeste schönster Glanz, Welche Wonn' uns, dich zu schauen hier im einsam dden Raum! Dionysos. Tiefgebeugt, voll Trauer wart ihr, als er uns hinfuhren ließ, Uns hinab in seiner Kerker distre Nacht zu stoßen sann. Chor. Und warum nicht? Wer beschirmt' uns, wenn ein Unfall dich betraf? Aber wie ward dir Befreiung aus des freveln Manns Gewalt? Dionysos. Selber war ich mein Erretter mühelos und ohne Leid. Chor. Hatte Pentheus nicht in Schlingen fesselnd dir die Hand gelegt? Dionysos. Eben darum höhnt' ich ihn nur; denn zu fesseln wähnt' er uns, Und berührt und griff mich niemals; eitle Hoffnung weidet' ihn. Einen Stier am Troge fand er, wo man uns einkerkerte; Diesem warf er um die Kniee Schlingen, um der Füße Huf, Schnaubte Wuth, an allen Gliedern trof der Schweiß herab von ihm, Und er biß in seine Lippen. Aber ich war nahe, saß Stille sinnend und betrachtend. Doch in dieser Zeit erschien Bacchos, und das Haus erzittert', und von seiner Mutter Grab Wallte Glut auf. Jener sieht es, wähnt, in Flammen sei das Haus, Sturmte hierhin, sturmte dorthin, herrschte Wasserflut herbei; Alle glühn im Werk, die Diener; doch die Mühe bleibt umsonst. Und er låßt von dieser Arbeit, weil er mich entflohen glaubt, Und entrafft im Flug das dunkle Schwert, und eilt in's Haus hinein. Nun erschuf Lydos (also schien mir's, und so sag' ich es) Eine Lichtgestalt im Vorhof; wider diese rennt der Thor Mit dem Schwert, und schlug den hellen Aether, als erschlug' er mich. Außerdem hat noch mit anderm Leid der Gott ihn heimgesucht: Denn er stürzt sein Haus in Trümmer, und zerschmettert liegt es ganz Durch den Gott, der meine bittern Bande sah. Der König sank Matt dahin, sein Schwert entfiel ihm; denn er wagt', ein Sterblicher, Wider einen Gott zu streiten. Ich, dem Hause still entflohn, Trete, Fraun, in eure Mitte, nicht des Pentheus achtend mehr. Wie mir ahnt, (im Hause drinnen hor' ich eben Tritte gehn) Wird er bald im Hofe sein. Was sagt er wohl, nun Dies geschehn? Denn ich werd' ihn leicht ertragen, wenn er auch zornschnaubend kommt; Ziemt es doch dem weisen Manne, ruhig und gesezt zu sein. Pentheus. Dionysos. Der Chor. Pentheus. Entsezlich, unerhört! Der Fremdling ist entslohn, Er, der in Fesseln eben noch gebunden lag. Ha! (erblickt den Dionysos) Dort ist der Mann! Was? Und du zeigst im Hofe dich An meinem Hause sonder Scheu, nachdem du flohst? Dionysos. Halt' ein, und hemme deinen Schritt, so schmer du grollft. Pentheus. Wie wardst du deiner Bande los und kamst heraus? Dionysos. „Er wird mich låsen," sagt ich dir, du hortest es. Pentheus, Wer das? Du bringst uns immer neue Dinge vor. Dionysos. Der Gott, der uns die traubenvolle Rebe pflanzt. Pentheus. Von Bacchos kam dir, meinst du wohl, dies hohe Glick. Verschließen heiß' ich alle Thürme ringsumher. Dionysos. Was? Uebersteigen Götter nicht die Mauern auch? Pentheus. Klug bist du, nur nicht, wo du Klugheit nöthig hast. Dionysos. Da, wo's am meisten nothig ist, da bin ich klug. Indeß vernimm vor Allem, was der Mann dir sagt, Der, Etwas dir zu melden, kam vom Berge dort; Ich werde bei dir bleiben, nicht von hinnen fliehn. Ein Bote. Dionysos. Pentheus. Der Chor. Bote. O König, der in diesem Theberland gebeut, Vom Berg Kithåron komm' ich, wo des weißen Schnees Glanzvolle Hügel nie der Strahl der Sonne schmolz. Pentheus. Und welches Ernste kamest du mir kundzuthun? Bote. Ich sah die rasenden Bacchen, die von dieser Stadt Mit nakter Ferse wuthentbrannt hinausgestürmt, Und komme, dir zu sagen und der Stadt, o Fürst, Welch Arges sie beginnen; mehr als Wunder sind's. Doch möcht' ich hören, ob ich frei, was dort geschah, Dir melden, oder meine Wort' abkürzen soll; Vor deinem raschen Sinne graut, o König, uns, Der allzu herrisch harten Art, dem jåhen Zorn. Pentheus. O sprich: bei mir, Freund, bist du ganz von Strafe frei; Denn feindlich grollen soll man nicht dem wackern Mann. Je grauenvollre Dinge du von den Bacchen sagst, Um so gerechter werd' ich Den der Strafe weihn, (auf Dionysos deutend) Der unsern Fraun die losen Kunste beigebracht. Bote. Die Rinderheerden trieb ich schon die kahlen Höhn Des Berges aufwärts, als der Sonnengott, das Land Erwärmend, uns mit seinem ersten Strahle grußt. Drei Schaaren Frauenchère ſicht mein Auge da; Den einen führt' Agave, deine Mutter, an, Ino den andern, einen führt' Autonoë. Gestreckt die Glieder, lagen all' im Schlafe noch, Zum Theil die Rucken lehnend an der Tanne Laub, Auf Eichenblättern andre dort harmlos das Haupt Geneigt am Boden, züchtig, nicht, wie du gesagt, Berauscht von Weinpokalen und der Flöte Ton, Und Buhlern nach in Waldeseinsamkeit gelockt. Nur deine Mutter jubelt' hell in der Bacchen Schwarm, Um aufzurütteln aus der Ruh die Schlummernden, Sobald gehörnter Stiere Laut ihr Ohr vernahm. Sie rafften sich aus tiefem Schlafe flugs empor, Und sprangen auf, (ein Wunderanblick edler Scheu) Mannbare Magdlein, junge wie bejahrte Fraun. Und auf die Schultern streuen sie die Locken erst, Und gurten, wo der Bande Knoten sich gelöst, Die Haut des Hirsches, und das bunte Fell umschlingt Die Natter, die vertraulich ihre Wang' umleckt. Noch andre trugen wilder Wölfe Brut im Arm Und Rehe; diesen spenden sie die weiße Milch Aus vollen Brüsten, kaumgebornen Säuglingen Sich språd' entziehend. Ephen kränzt der Frauen Stirn, Und Eichenzweig' und bluthenreiches Bohnenlaub. Und Eine nahm den Thyrsos, schlug und traf den Fels, Daß hellen Thaues feuchter Born dem Stein entsprang. Die Andre stieß in grünes Erdenland den Stab, Und einen Weinquell sendet hier der Gott herauf. Doch, die verlangten nach dem Trank schneeweißer Milch, Sie theilten mit der Fingerspize nur den Grund, Und hatten Milch in Fulle; süßer Honig trof In Strömen aus des Thyrsos epheugrünem Stab, So daß du fromm anbetend, hått'st du das gesehn, Dem Gott gehuldigt håttest, den du jezo hohnst. Wir Rinderhirten traten nun die Schafer an, Vereint in Wechselreden auszuschutten uns, Welch arge Wunderdinge da vor uns geschahn. Und Einer, keck im Reden, der die Stadt gesehn, Begann vor Allen: „Ihr Bewohner heiliger Felshohn, o wollt ihr Agave, Pentheus' Mutter, nicht Mit uns dem Bacchosfeste dort entführen und Euch Dank vom Herrn verdienen?" Wohl schien dieser uns Zu reden, und wir lauschten, uns verbergend, rings Im Laub der Büsche. Wie des Festes Stunde kam, Da schwangen jene zur Feier ihren Thyrsosstab, Aus vollem Munde Bromios, den Sohn des Zeus, Den Bacchos rufend; und der Berg und das Wild umher Stimmt ein zum Jubel, Alles wogt' in raschem Lauf. Nun kommt Agave tanzend nah' heran zu mir; Ich sprang, um sie zu greifen, ungesäumt empor, Den Busch verlassend, wo wir uns vorher versteckt. Da rief sie laut:,,Ihr, meine fluchtigen Hund', heran! Uns jagen diese Männer nach; drum folget uns, Folgt uns, und waffnet euren Arm mit dem Thyrsosstab!" Wir aber flohn von dannen, und entgingen so Der Wuth der Bacchen. Diese warfen ohne Stahl Sich auf die Färsen, die das Gras abweideten; Und ihrer Eine sahen wir ein brüllendes Stierkalb, ein fettes, faſſen mit des Arms Gewalt; Andere zerfleischten Kuhe, schaarenweis erhascht; Und Schenkel sahn wir, sahn den zweigespaltnen Huf Empor und nieder werfen, und von Ast und Zweig Der Tannen trof zerrissner Glieder Blut herab. Die Stiere, die voll Uebermuthes kaum zuvor In's Horn gewithet, wurden auf den Grund gestreckt, Von tausend Jungfraunhånden überwältiget; Und schneller, als in Einem Wink der Augen, war[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Und schneller, als du das Augenlied zusammend rückst. Compare printed p. 193 Von Kadmos' Tochtern abgestreift der Thiere Fell.[OCR note; compare the printed page.] Die Worte: βασιλείαις κόραις verbinde mit διεφορῶντο. Compare printed p. 193 Sofort im Lauf emporgehoben, Vögeln gleich, Flohen sie zur Ebne, die sich unten streckt am Fluß Asopos, spendend Thebe's Volk fruchtreiche Saat; Und auf Erythra, Hysid, die Stadt' im Thal Am Fuß Kitharons, fielen sie, wie feindliche Heerhausen, Alles obenher und unterher Zerstörend, raubten manches Kind vom Hause weg, Und legten's auf die Schulter, wo kein schirmend Band Es hielt; und doch fiel keines auf den dunklen Grund. Kein Erz, kein Eisen, aber Feuer trugen sie Im Haare, das nicht ſengte. Nun griff zornentbrannt[OCR note; compare the printed page.] 2. ἔκαιεν. Compare printed p. 193 Das Volk zum Schwerte, so beraubt von der Bacchen Schaar, Und schrecklich anzuschauen war, was hier geschah: Das Blut der Theber stromte nicht dem scharfen Speer; Nein, jene warfen Thyrsosståb' aus ihrer Hand, Da gab es Wunden, Männer flohn in wilder Flucht Vor Frauen, nicht ohn' eines Gottes Wundermacht. Und wieder heim, woher sie kamen, kehrten sie, Bu jenen Quellen, die der Gott herausgesandt, Das Blut zu waschen; und der Drachen Zunge leckt[OCR note; compare the printed page.] Ε. δράκοντες. Compare printed p. 193 Das Wasser, das in Tropfen ihrer Wang' entströmt. Nimm diesen Gott denn, wer er sei, nimm, König, ihn In diese Stadt auf: denn er ist in Allem groß, Und auch in diesem, daß er, wie man uns gesagt, Die gramerheiternde Rebe gab den Sterblichen. Denn ist der Wein nicht mehr, so flieht die Liebe fort, Auch andre Wonnen gibt es nicht für Menschen mehr.[OCR note; compare the printed page.] Unders: Und alle andern Wonnen fliehn die Sterblichen. Compare printed p. 193 Chor. Ich furchte, frei zu reden, wie das Herz mich treibt, Vor dir, dem Herrscher; aber dennoch sei's gesagt: Dionysos, Herr, steht keinem andern Gotte nach. Pentheus. Schon flammt in unsrer Nähe hier, dem Feuer gleich, Die Wuth der Bacchen, Hellas' Volk' ein großer Hohn. Drum nicht gezögert! (zu dem Boten) An Elektra's Thore geh, Und heiß' hinausziehn alle Schildgewappneten, Und Alle, die sich tummeln auf dem schnellen Roß, Und die den Wursspeer schwingen und mit starker Hand Die Bogensehne spannen; denn wir gehn zu Feld, Der Bacchen Schaar zu bekämpfen. Unerhörte Schmach, Wenn wir von Frauen dulden, was wir dulden hier! (Bote ab.) Dionysos. Du folgst mir nicht, von meinen Worten ungerührt, Pentheus; indeß auch schwer gekränkt, erklär' ich dir: Du darfst dich nicht in Waffen wider einen Gott Erheben, nein, sei ruhig! Bromios duldet nicht, Daß du von seinen Jubelhdhn die Bacchen treibst. Pentheus. Laß ab zu mahnen; bist du doch der Bande los; Wohl willst du, daß ich wiederum dich fesseln soll? Dionysos. Ich bråcht' ihm Opfer, eh' ich wider den Stachelstock Ausschluge, zürnend einem Gott ein Sterblicher. Pentheus. Ich will ihm opfern, morse (sie verdienen es) Die Fraun zusammen in Kitharons Felsenschlucht. Dionysos. Ihr alle floht, und es wäre Schmach, wenn eherne Heerschilde vor der Månaden Thyrsosstabe fldhn. (für sich) Pentheus. Schwer fällt der Kampf mit diesem låstigen Fremdlinge, Der, leidend oder handelnd, nie die Zunge hemmt. Dionysos. Noch läßt sich alles dieses wohl vollenden, Freund. Pentheus. Wodurch? Ich soll wohl meiner Sclaven Sclave sein? Dionysos. Ich führe dir die Frauen ohne Wehr hieher. Pentheus. Weh! Da versuchst du wider mich schon eine List. Dionysos. Welch eine, wenn dich meine Kunst erretten will? Pentheus. Vereint bespracht ihr's, um stets in Bacchos' Dienst zu sein. Dionysos. Mit Bacchos, ja, besprach ich es, und ich weiß warum.[OCR note; compare the printed page.] 2. εἰς τι, propter aliquid. Compare printed p. 193 Pentheus. Bringt Wehr und Waffen mir heraus! Du ſchweige still. Dionysos. Du willst die Frauen auf den Berghohn ſizen sehn? Pentheus. Wohl mocht' ich das, und gåbe schweres Gold darum. Dionysos. Wie kommt es, daß du, das zu sehn, so lüstern bist? Pentheus. Schlimm ging' es ihnen, fånd' ich sie von Wein beschwert. Dionysos. So willst du doch gern sehen, was dir bitter ist? Pentheus. Gewiß, ich size schweigend unter dem Tannenbaum. Dionysos. Sie werden dich ausspåhn, auch wenn du heimlich kommst. Pentheus. Gescheh' es offen! Wohlgesprochen hast du dies. Dionysos. So will ich führen, du betrittst mit uns den Pfad. Pentheus. Thu's ohne Shumen; gerne gonn' ich dir die Zeit. Dionysos. So hûll' in Byssosmantel dir die Glieder ein. Pentheus. Was soll das? Wandl' ich aus dem Mann zum Weib mich um? Dionysos. Du wirst ermordet, wenn du dort als Mann erscheinst. Pentheus. Da sprichst du recht; ein alter Weiser bist du wohl. Dionysos. Dionysos war's, der uns in Alles eingeweiht. Pentheus. Wie nun vollend' ich, was du mir gerathen hast? Dionysos. Ich will dich dort verkleiden, komm in's Haus hinein. Pentheus. In welches Kleid? In ein Fraungewand? Ich schame mich. Dionysos. zu schaun die Bacchen, trågst du kein Verlangen mehr? Pentheus. Welch eine Tracht denn, meinst du, daß ich wählen soll? Dionysos. Herab vom Haupte walle frei das Lockenhaar. Pentheus. Dann welches andern Schmuckes Art bestimmst du mir? Dionysos. Ein langes Festkleid, um das Haupt ein Diadem. Pentheus. Und fügst du dem noch etwas Andres bei für mich? Dionysos. In die Hand den Thyrsos, und des Rehs gefleckte Haut. Pentheus. In Fraungewand mich hållen kann ich nimmermehr. Dionysos. Doch morden willst du, wider Fraun zum Kampfe gehn, Pentheus. Ganz recht; vor Alem muß ich hingehn, um zu spåhn. Dionysos. Wohl klüger, als wenn Boses du zum Bösen håusst. Pentheus. Und wie gelang' ich unbemerkt durch Kadmos' Stadt? Dionysos. Auf den Pfaden wandeln wir; ich führe dich, Pentheus. Mir Alles lieber, als der Bacchen Spott zu sein. Dionysos. Gehen wir in's Haus, zu berathen, was uns heilsam dunkt? Pentheus. Es sei! In Allem bin ich dir zu Dienst bereit. Ich geh' hinein: entweder komm' ich in Wehr gehüllt, Freund, oder ich befolge deinen Rath sofort. (geht in den Palast.) Dionysos. Der Mann, o Frauen, geht in's Nez, ein sichrer Fang, Zur Schaar der Bacchen; sterbend wird er büßen dort. Dionysos, nun vollende (denn du bist nicht fern) Dein Werk; er soll uns büßen! Erst verrucke du Durch leichten Wahnsinn sein Gemuth; denn, ist er sein Bewußt, so legt er's nimmer an, das Frauenkleid ; Doch, ist er sein nicht machtig, thut er's uns gewiß. Ein Spottgelichter soll er mir vor Thebe sein, Im Weiberanzug führ' ich ihn die Stadt hindurch, Nachdem er vorhin drohend uns so kühn getrozt! Doch nun enteil' ich; jenen Schmuck, mit dem er bald, Von Mutterhand gemordet, fährt in Hades' Haus, Empfange Pentheus! Wohl erkennt er dann zulezt, Wer Bacchos sei, des Kroniden Sohn, der Sterblichen Furchtbarste Gottheit und zugleich die mildeste. Strophe. (ab.) Chor. Werd' ich in nachtlichem Reigentanz einst heben den weißen Fuß, aufjubelnd und frei den Hals hoch in thauige Lufte werfend, Dem Reh gleich, das in der Auen grüner Lust sich spielend ergeht, Wann es schüchtern entfloh, geschreckt, Ueber schöngeflochtene Nez' außerhalb des Geheges, Und der rufende Jäger zu raschem Laufe die Doggen treibt? Bitternd, scheu, mit dem Flug des Sturmwinds, eilt fliegend es hin zu dem Gefild' am Strom, Freut sich, daß es nirgend Menschen sieht, Freut sich des dunkellaubigen Haines. Was ist Weisheit des Menschen, was Ist ein schönerer Götterlohn, Als halten über das Haupt Des Feindes die stärkere Hand? Lieb ist ewig das Schine. Gegenstrophe. Spåt kommt Göttergewalt heran, doch sicher erscheint sie Zulezt, züchtigt der Menschen Stolz, wenn sie thörichtem - Wahne fröhnen, Und nicht die Götter verehren, voll wahnsinnigen Uebermuths. Klúglich lauern die Göttlichen Lange Zeit im Verborgnen, und haschen endlich den Frevler. Denn nie strebe der Menschengeist über Sitt' und Gesez empor! Denn leicht ist ja der Glaube, daß Gewalt habe das Göttliche, Gewalt das Recht, Das im langen Alter unsrer Welt Ewig bestand, und das die Natur schuf. Was ist Weisheit des Menschen, was Ist ein schönerer Götterlohn, Als halten über das Haupt Des Feindes die stärkere Hand? Lieb ist ewig das Schone. Schlußgesang. Heil ihm, welcher, des Meeres Wogen Glucklich entflohn, im Hafen einlief! Heil auch ihm, der über Drangsal Sich erhob! An Glück und Herrschaft Gehn die Einen anders vor den Andern. Aber tausend Hoffnungen Laben tausend Andre noch; Und im Segen enden diese Für die Sterblichen, jene verschwinden. Doch wem jeglichen Tag das Glück lacht, ihn preisen wir selig. Dionysos. Pentheus. Der Chor. Dionysos. Dich, der zu schaun verlangte, was nicht ziemt zu schaun, Nach unerspürbar'n Dingen spürt, ich rufe dich, Pentheus: verlasse dieses Haus, erscheine mir, Umhüllt der Bacchen Festgewand, der rasenden, Um deine Mutter auszuspahn und Bacchos' Zug. (Pentheus tritt in Frauenkleidern aus dem Palaste.) Du gleichst an Bildung Einer wohl aus Kadmos' Stamm. Pentheus. Ich sehe zwiefach, dünkt es mir, der Sonne Licht, Und Thebe doppelt und der sieben Thore Stadt. Voranzuschreiten scheinst du mir in Stiergestalt, Und deinem Haupte wuchsen, traun, zwei Hörner an. Du bist ein Thier wahrhaftig? Ja, du bist verstiert. Dionysos. Der Gott, zuvor nicht gnädig, er geleitet uns Voll Freundeshuld. Nun siehst du, was du sehen mußt. Pentheus. Wem seh' ich ähnlich? Schein' ich nicht der Ino gleich, Nicht gleich Agaven, meiner Mutter, dazustehn? Dionysos. Zu sehen wåhn' ich diese selbst, erblick' ich dich. Doch aus der Lage rückte dir die Locke da, Die wir am Stirnband unten dir befestigten. Pentheus. Hinauf, hinunter schuttelt' ich im Hause sie, Bacchantisch taumelnd; aus der Lage kam sie so. Dionysos. So will denn ich, Herr, dem die Sorg' obliegt für dich, Sie wieder zierlich ordnen; richt' empor das Haupt. *Pentheus. Wohl; schmucke du mich; dir vertraun wir unbedingt. Schlaff hångt der Gürtel, nicht gerade fållt der Saum Des faltenvollen Kleides auf den Fuß herab. Pentheus. Auch mir bedunkt es also, hier am rechten Fuß; Dort reicht zum Knochel ordentlich das Kleid hinab. Dionysos. Wohl dunk' ich dir der erste deiner Freunde, wann Du wider Hoffen weise siehst der Bacchen Schaar? Pentheus. Und nehm' ich, Freund, in die Rechte meinen Thyrsosstab, Den Fraun zu gleichen, oder hier in die linke Hand? Dionysos. In die Rechte nimm ihn, und zugleich mit dem rechten Fuß Erheb' ihn. Herrlich, daß du so den Sinn gewandt! Pentheus. War' ich Kitharons Thåler samt den Bacchen selbst Auf meinen Schultern wegzutragen wohl geschickt? Dionysos. Du könntest, wenn du wolltest. Krank, verblendet war Dein alter Sinn; jezt ist er, wie's für dich geziemt. Pentheus. Sind Hebel nöthig, oder reiß' ich selbst den Berg[OCR note; compare the printed page.] Anders: Sind Hebel nöthig, oder reiß' ich mit eigner Kraft Auf meinen Schultern, auf dem Arm, den Berg empor? Compare printed p. 193 Auf meinen Schultern oder auf dem Arm empor? Dionysos. Entweihe du der Nymphen heilige Ståtten nicht, Und nicht die Grotten, wo die Flöte Pan's ertont. Pentheus. Ganz wohl gesprochen! Nicht gewaltsam muß man Fraun Besiegen; unter Tannengrün verberg' ich mich.[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Besiegen; unter Tannen berg' ich meinen Leib. Compare printed p. 193 Dionysos. Du wirst dich bergen, wie du dich verbergen mußt, Wenn du den Månaden als ein liſtiger Spåher nahst. Pentheus. Sie sollen, denk' ich, Vögeln gleich im Waldgestrauch, In süßen Liebesnezen bald gefangen sein. Dionysos. Das auszuspåhen also machst du dich hinaus? Vielleicht - du fångst sie, wenn sie dich nicht fahn zuvor. Pentheus. Geleite mitten durch die Stadt der Theber mich! Ich bin von ihnen allein der Mann, der dieses wagt. Dionysos. Du mühst allein dich, du allein, um diese Stadt; Drum harren Kampfe deiner, die dein würdig sind. So folge; dir zum Heile führ' ich selber dich. Von dort entfuhrt dich ein Andrer. Pentheus. Meine Mutter wohl? Dionysos. Vor alles Volkes Augen. Pentheus. Dahin kommt's mit mir. Dionysos. Sie trågt dich heim. Pentheus. Mich tragen? Weichlich schiltst du mich. Dionysos. Im Mutterarme. Pentheus. Zwingst du mich, so zart zu thun? Dionysos. In solcher Art wohl. Pentheus. Ich beginn' ein würdig Werk.' Dionysos. Du bist ein großer, großer Mann, und Großes harrt Auf dich, und Ruhm gewinnst du, der zum Himmel reicht. (Pentheus ab.) Streck' aus die Hand, Agave, samt den Schwestern, den Jungfraun des Kadmos! Diesen Jungling führ' ich euch Zum großen Kampfe: Sieger werd' ich sein, mit mir Siegt Bromios. Das Andre zeigt die Sache selbst. (ab.) Strophe. Chor. Hinauf, schnelle Hunde der Wuth, auf zum Berg,[OCR note; compare the printed page.] Die Hunde ter Wuth sind die Erinnyen, die auch von anderen Dichtern so genannt werden. Compare printed p. 193 Wo sich im Tanze Kadmos' Jungfraun ergehn! Hinauf, stachelt sie Wider den Wahnsinntrunkenen, der Bacchos' Fest Auszuspåhn, im Fraungewand hinauszog! Zuerst wird die Mutter ihn von dem glatten Fels Oder vom Baume schaun, Wenn er umherspåht; dann ruft sie den Frauen zu: ,,Welcher Kadmeier kommt hier in so raschem Lauf, Spåhend, zum Berg, zum Berg? Sagt, o Bacchantinnen, Wer war seine Mutter? Nicht von Frauenblut Stammt er; ihn gebar Eine Löwin, oder ist er Libyscher Gorgonen Geschlecht." Erschein', o Recht, erscheine, schwertbewehrtes Recht! Ermord' ihn, durchstoß' ihm die Kehle, dem Gottlos, gesezlos, rechtlos frevelnden, Echions erdentsproßnem Sohn, Gegenstrophe. Der, voll arger Lust, in gesezlosem Grimm, Auszog wider deine Weihn, Bacchios, Und sie, die dich gebar, Im Geist wuthentbrannt, in wahntrunkner Gier, Um den unbezwungnen Gott zu zwingen! Wo stillweiser Sinn der Sterblichen ohne Wank Sich zu dem Göttlichen Gewandt, fließt das Leben hin sonder Harm. Jagen nach Weisheit, ist höchste der Wonnen mir; Aber von Allem, traun, fördert am meisten dies Das Glück deines Lebens, wenn du Tag und Nacht Dich dem Heil'gen weihst, Und die Götter ehrst, verbannend, Was sich emport wider das Recht. Erschein', o Recht, erscheine, schwertbewehrtes Recht! Ermord' ihn, durchstoß' ihm die Kehle, dem Gottlos, gesezlos, rechtlos frevelnden, Echions erdentsproßnem Sohn! Schlußgesang. Als Stier erschein' uns, oder als Drache, mit viel Köpfen zu schaun, als Leu, der in Glut feurig strahlt! Auf, Bacchos, wirf dem Spåher des Bacchenchors Mit lachender Miene Die Schling' um, sobald er die todbringende Månadenheerd' überfällt! Ein Bote. Der Chor. Der Bote. O Haus, in Hellas glucklich einst, das grundete Der Greis von Sidon, der das erdgeborene[OCR note; compare the printed page.] Der Greis von Sidon, Kadmos. Compare printed p. 193 Geschlecht des Drachen ausgesåt in Theberland, Wie jammert dein mich! Zwar bin ich ein Sclave; doch Der Herren Leid ist wackern Sclaven eignes Leid. Chor. Was gibt es? Bringst du Neues von den Bacchantinnen? Der Bote. Pentheus, Echions Sprößling, fand den Untergang. Chor. O Konig Bromios, du bist ein großer Gott! Der Bote. Wie sagst du? Was entfuhr dir da? Du freuest dich[OCR note; compare the printed page.] L. ἦ 'πὶ τοῖς ἐμοῖς. Compare printed p. 193 Des Misgeschicks, das meine Herren traf, o Frau? Chor. Sicg, Sieg jauchzen wir Fremden in fremdem Laut; Denn nun zittern wir vor keiner Fessel mehr. Der Bote. Dunkt euch der Theber Volk so feig? Chor. Dionysos, Dionysos, nicht der Theber Volk, Ist unser Herr. Der Bote. Du fehlst verzeihlich; aber bei vollendetem Unglucke sich zu freuen, ist nicht schon, o Fraun. Chor. Sage mir, melde, welchen Tod starb der Mann, Der ruchlose, der nur Ruchloses sann? Der Bote. Nachdem wir dieses Theberlandes Wohnungen Verlassend, über Asopos' Flut hinausgewallt; Nun auf Kitharons hohen Fels gelangten wir, Pentheus und ich (ich folgte meinem Herrn) und dann Der Fremdling, der zu den Festen uns geleitete. Zuerst ein grünbewachsnes Thal erblickten wir, Den Tritt der Füße bergend, und der Zunge Laut In Schweigen hullend, daß wir såhen ungesehn. Durchstromt von Wassern, lag das Thal in der Felsen Schooß, Von Fichten überschattet, wo die Bacchen sich Gelagert, hingegeben anmuthvollem Werk. Denn jene kränzten wiederum mit laubigem Epheu den Thyrsos, dem sein Schmuck entfallen war; Und diese, gleich den Füllen, die dem bunten Joch Entronnen, sangen Bacchos' Lob im Wechsellied. Pentheus, der ungluckvolle, sah die Frauen nicht, Und redet' also: Fremdling, wo wir stehen hier, Vermag mein Auge nicht zu sehn der Frauen Chor;[OCR note; compare the printed page.] L. ἐκ ἐξικνῶμαι Μαινάδων, ὄσσοις ὅσον. Compare printed p. 193 Zum Hügel steig' ich auf der Tann' erhabnes Haupt,[OCR note; compare the printed page.] L. ὄχθον δ' ἐπεμβὰς ἐς ἐλάτην. Compare printed p. 193 Dort ungehindert anzusehn der Bacchen Graul. Da ward ein Wunder meinem Blick: der fremde Mann Nahm einer Tanne himmelan erhdhten Zweig, Und nieder bog er, bog er ihn zum schwarzen Grund, Und krummt' ihn, wie der Bogen, wie des Rades Rund, Gedreht vom Drechseleisen, sanft umschwingt den Lauf. So bog der Fremdling mit der Hand des Berges Ast Zur Erd' hinab, vollbringend, was kein Mensch vermag. Er sezte Pentheus auf der Tanne Zweig sofort, Und ließ allmåhlig aus der Hand den hohen Stamm Nach oben schweben, daß er ihn nicht schnell' hinab. Aufrecht zum hohen Aether stieg der Tannenbaum, Und trug den Herrn auf seinem Rucken hoch empor. Ihn sah man eher, als er selbst die Bacchen sah; Denn ohne Shumen macht' ihn kund sein hoher Siz. Den Fremdling aber konnten wir hinfort nicht sehn; Doch eine Stimme rief herab aus Aethershohn (Dionysos war es, ahn' ich recht): „Wir bringen ihn, Der euch und mich, Jungfrauen, der mein heilig Fest Zu Spott herabgewürdigt; auf, und strafet ihn!" Uud also sprach er, und zugleich auf Himmelshohn Uud Erde schwang des Feuers heiligen Strahl der Gott. Stumm schwieg der Aether, schweigend hielt das Wiesenthal Die Blätter, nirgend hortest du des Wildes Laut. Doch klar vernahmen jene nicht des Gottes Ruf; Sie standen horchend, hin und her den Blick gewandt. Und er ermahnte wieder; als den hellen Ruf Von Bacchios die Tochter Kadmos' wohl erkannt, Auf sprangen sie mit eilend angestrengtem Lauf, In schneller Füße raschem Schwung Waldtauben gleich, (Agave, Pentheus' Mutter, und der Schwestern Paar, Und alle Bacchen,) hupften Waldesstrom' hindurch Und Felsen, wahnsinntrunken durch des Gottes Hauch; Und als sie Pentheus auf der Tanne sizen sahn, Da schwangen sie Feldsteine wider ihn mit Macht,[OCR note; compare the printed page.] Ε. κραταιβόλες. Compare printed p. 193 Den Fels erklimmend, der sich gegenüber thurmt, Und Tannenåste trafen ihn aus ihrer Hand; Noch andre sandten durch die Luft den Thyrsosstab, Zum Siz des Pentheus zielend; doch verfehlten sie: Auf hohem Baum, von ihrem Eifer unerreicht, Saß hoch der Arme, sonder Hüls und ohne Rath. Zulezt der Eichen Neste, wie mit Blizeskraft, Zusammenbrechend, hoben sie dem Tannenbaum, Als wie mit Hebeln ohne Stahl, die Wurzeln aus. Doch weil der Arbeit Ende nicht gelingen will, Beginnt Agave:,, Stellet euch im Kreis umher, Und faßt den Stamm, Månaden, daß wir dieses Thier, Das auf den Baum stieg, fangen, und des Gottes Weihn Er nicht verrathe!" Tausend Hånd' ergriffen da Und aus dem Grunde rissen sie den Tannenbaum. Im Gipfel oben saß er, und vom Gipfel fiel Pentheus zur Erde nieder mit unendlichem Wehruf: er fühlte, daß sein Ungluck nahe sei. Da war's die Mutter, die den Opfermord begann, Und auf den Sohn sich sturzte. Doch er riß vom Haar Die Binde, daß erkennend ihn die Mutter nicht, Die grause, morde; dann die Wang' anruhrend, spricht Er dieses: „Ich bin's, Mutter, bin Pentheus, dein Sohn, Welchen in Echions Hause du geboren hast. Erbarme dich mein, o Mutter, ach! ermorde doch Um seiner Sunde willen nicht den eignen Sohn!" Agave, schaumend, rollte wild das Aug' umher, Und dachte nicht mehr, was zu denken ihr geziemt, Und ward von Bacchos fortgerafft, und hörte nicht. Mit ihren Hånden faßte sie den linken Arm, Stemmt' auf des Unheilvollen Leib mit Macht den Fuß, Und riß ihm ab die Schulter, nicht durch eigne Kraft; Der Gott verlieh dem Frauenarme die Gewalt. Die Glieder ihm zerreißend, schafft' am andern Theil Ino; mit allen Bacchen war Autonoë Am Werk geschäftig; alle schrien in Einem Laut; Pentheus, so lang er athmet, stöhnt in dumpsfem Ton, Die Bacchen jauchzen. Diese da trug einen Arm, Die samt den Schuhen einen Fuß. Zerrissen ward Die ganze Seit' ihm; jede warf der anderen, Blutvoll die Hand, wie Bålle, Pentheus' Glieder zu. Vereinzelt liegt der Leichnam, theils auf starrenden Felshöhn, ein Theil in dichtbelaubtem Waldgebüsch, Nicht leicht zu finden; aber sein unselig Haupt Ergriff die Mutter mit der Hand, und steckt es hoch Auf ihren Thyrsos, trågt es, wie des Löwen Haupt, Des berggebornen, mitten durch Kitharons Höhn, Zuruck die Schwestern lassend in der Månaden Reihn. Sie zieht, sich brüstend auf den unheilvollen Fang, In dieser Mauern Räume, ruft den Bacchos an, Den Jagdgenossen, welcher siegverleihend ihr Bei diesem Raub half, der zum Lohn ihr Thränen bringt. Ich aber will vor diesem Ungemache mich Entfernen, eh' Agave sich dem Hause naht. Besonnen Tugend üben und die Götter scheun, Ist unter allen Gutern, die der Mensch besizt, Das schönste, mein' ich, und der Weisheit höchster Ruhm. Chor. Hebt den Tanz an, feiert Bacchos, Jubelt um Pentheus' Rachgeschick, (ab.) Der aus des Drachen Zähnen entsproß, der sich Hüllt' in Frauengewand, und den Hohlstab zu gewiſſem Tode, Den weinlaubigen, nahm, Vom Stier, dem Gott, in seinen Untergang geführt.[OCR note; compare the printed page.] Vom Stier, dem Dionysos, den Pentheus im Wahnsinn für einen Stier hielt. Vgl. V. 819. Compare printed p. 193 Kadmos' bacchischer Chor, Der Siegeswonne hohes Lied vollendetet Ihr in Thränen, in Leid! Schön ist der Kampf, die Hand, in Blut Triefend, zu legen an des eignen Sohnes Haupt! Doch dort erblick ich, zum Palast her schreitet sie, Agave, Pentheus' Mutter, mit verdüstertem Augstern: empfangt des Freudengottes Feierzug! Agave tritt auf. Der Chor. Agave. Asische Bacchen, hårt! Chor. Was, ach! rufst du mir? Agave. Vom Berge bringen wir den jüngsterlegten Stier nach Haus, Den gluckbekrönten Raub. Ich sehe: sei willkommen, Festgenossin! Heil! Ihn fing ich ohne Schlingen, den, den jungen Löwen, wie du siehst. Chor. Wo in der Eindde? Agave. Kitharons Höhn - Chor. Kitharons? Agave. Gaben ihm den Tod. Chor. Wer traf zuerst ihn? Agave. Mein ist der Ehre Verdienst: Selige Agave nennt mich der Chore Gesang. Chor. Wer nach dir? Agave. Des Kadmos - Chor. Des Kadmos? Agave. Des Kadmos Tochter trafen nach mir, Nach mir dieses Wild. Chor. Glucklich durch diesen Fang! Agave. Nimm denn am Mahle Theil. Chor. Theil ich Arme? Wie? Agave. Der junge Stier hat jungst Sein Kinn, von weichem Haar umwallt, Geborgen unter'm Helm. Chor. Gleich eines Waldthiers Mähne sehn die Locken aus. Agave. Ein kluger Jäger, Bacchos, trieb auf dieses Wild die Må- naden los. Chor. Ein Jagdkundiger! Agave. Du lobft mich? Chor. Wie? Dich loben? Agave. Doch bald loben mich Die Theber, Pentheus spendet der Mutter sein Lob, Die diesen Raub, den lowengebornen, erhascht, Den muthigen muthig. Chor. Du freust dich? Agave. Ich freue mich, daß dieses Werk Vollbracht ward von uns, groß in des Ruhmes Glanz. Chor. So zeige deinen Bürgern auch, Unselige, Den Siegesraub, mit dem du prangend heimgekehrt. Agave. O kommt heran, ihr, die des Theberlandes Burg, Die schöngethürmte, bewohnen, daß ihr seht den Raub, Den wir, des Kadmos Töchter, auf den Höhn erlegt, Nicht krumme Bogen spannend, wie Thessalier, Noch Neze werfend, sondern ihn bewältigend Mit weißer Arme Fingern: nun rühmt euch hinfort, Und schafft von Lanzenschmieden euch umsonst die Wehr! Mit diesem Arme fingen wir das Ungethum, Zerstuckten seine Glieder ihm mit dieser Hand. Wo weilt der alte Vater mir? Er komme her! Pentheus, mein Sohn, wo weilt er? Auf! Er steige flugs An schöngefügter Leiter zu dem Palast hinauf, Damit er an die Triglyphen dieses Löwenhaupt Festnagle, das ich jagend uns erbeutete. Kadmos mit Dienern, welche die Leiche des Pentheus tragen. Agave. Kadmos. Folgt uns, o Diener, tragt die unheilvolle Last, Den Leichnam Pentheus', traget ihn vor dieses Haus, Den ich, in endlos langem Spahn mich peinigend, Hier bringe; dort in Kitharons Thålern fand ich ihn, Zerfleischt, (der Glieder keines lag am gleichen Ort,) Schwer auszuspåhn im dichtverwachsenen Waldgebüsch. Kund wurde mir der Tochter unerhörte That Da schon zu Theba's Mauern ich vom Bacchenfest[OCR note; compare the printed page.] Ε. Βακχῶν πάρα. Compare printed p. 193 Zurückgekehrt war mit dem Greis Teiresias; Und wieder wandt' ich zum Berge mich, und bringe nun Den Enkel, den die Månaden uns ermordeten. Auch Ino sah ich, sah zugleich Autonoën, Die dich, Aktion, Aristdos' Sohn, gebar, Sah wuthergriffen beide noch im Eichenhain. Agave, sagt' ein Bürger uns, eilt' ohne Rast Hierher im Bacchostaumel, und er sagte wahr: Ich seh' Agaven, seh' ihr unglückselig Bild. Agave. Dich hoch zu rühmen, Vater, ist dir wohl vergdnnt, Daß unter allen du gezeugt die tapfersten Jungfraun: die Schwestern mein' ich, doch vor allen mich, Die, Spindel lassend und Geweb', an Größeres Sich wagte, Waldthier' einzusahn mit dieser Hand. Ich trag' in meinen Armen, wie du siehest, hier Des Muthes frischerrungnen Lohn, der aufgehängt An deinem Hause prange. Du, mein Vater, nimm Ihn hin, und rufe, freudigstolz auf meine Jagd, Zum Mahl die Freunde; denn du bist gluckselig ja, Glückselig, daß wir solche That hinausgeführt. Kadmos. O Jammer, unermeßlich und nicht anzusehn, Der Mord, von unheilvollen Hånden ausgeführt! Schon ist das Opfer, welches du den Göttern bringst, Daß du zum Mahle Theba's Volk herrufst und mich! Weh über deine Leiden, weh auch über mich! Uns gab gerecht wohl, aber ohne Maß, der Gott, Der uns verwandte Bromios, den Untergang! Agave. Wie murrisch doch der Menschen Alter ist, wie kalt Und düsterblickend! Kame nur, der Mutter gleich, Mein Sohn mit reicher Beute mir vom Jagen heim, Indem er, Theba's Söhnen zugesellt, nach Wild Zum Kampfe zoge! Doch er weiß mit Göttern nur zu kämpfen. Vater, ich und du, wir müssen ihn Ermahnen, nicht verkehrter Weisheit sich zu freun. Wo weilt er? Ruft ihn Keiner vor mein Angesicht Hierher, um mich zu sehen, mich, die Gluckliche?[OCR note; compare the printed page.] Unders: Hierher, damit er sehe mich, die Glückliche? Compare printed p. 193 Kadmos. Weh! Wann ihr einst erkanntet, was ihr freveltet, Wird eure Trauer schmerzlich sein. Doch, bleibt ihr stets Dieselben, die ihr jezo seid, so seid ihr zwar[OCR note; compare the printed page.] Unders: Im gleichen Zustand, so wie nun, so seid ihr zwar. Compare printed p. 193 Nicht glucklich, aber wahnet nicht elend zu sein. Agave. Was wåre nicht schon oder was betrubend hier? Kadmos. Zuerst erhebe deinen Blick in des Aethers Höhn. Agave. Sieh doch! Warum gebeutst du mir, ihn anzusehn? Kadmos. Erscheint er dir verändert, oder wie vorher? Agave. Er dünkt mir heller, als zuvor, und leuchtender. Kadmos. Und jener Wahnsinn, wohnt er noch in deiner Brust?[OCR note; compare the printed page.] Ε. τὸ δὲ πτοηθὲν τόδ' ἔτι σῇ ψυχῇ πάρα; Compare printed p. 193 Agave. Nicht weiß ich, was du sagen willst; wohl werd ich mein Bewußt, und umgewandelt ist der alte Sinn. Kadmos. Du horst vielleicht nun, und erwiederst deutlicher?[OCR note; compare the printed page.] Σ. σαφῶς. Compare printed p. 193 Agave. Vergessen hab' ich, Vater, was ich sprach zuvor. Kadmos. In welches Haus als Neuvermählte kamest du? Agave. Dem Schlangensohn Echion, heißt es, gabst du mich. Kadmos. Und welchen Sohn gebarst du deinem Gemahl daheim? Agave. Pentheus entblühte meinem Schooß, sein achter Sohn. Kadmos. Nun - wessen Antliz trågst du denn in deinem Arm? Agave. Des Löwen, wie die Jägerinnen mir gesagt. Kadmos. Betracht' es recht; leicht ist des Schauens Muhe ja.[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: das Schauen ist ja leichte Mühe. Compare printed p. 193 Agave. Ha, was erblick ich? welchen Preis trågt meine Hand? Kadmos. Beschau' es offen, und erkenn' es deutlicher. Agave. Den größten Jammer seh' ich Unglückselige. Kadmos. Nun, scheint es dir noch einem Löwen gleich zu sehn? Agave. Das Haupt des Pentheus ist es! Ich Unselige! Kadmos. Das schon bejammert worden, ehe du's erkannt. Agave. Doch wer erschlug ihn? Wie gelangt' er in meine Hand? Kadmos. Unselige Wahrheit, wie zur Unzeit kamest du! Agave. Sprich; vor der Zukunft zittert mir's in meiner Brust. Kadmos. Du warst's und deine Schwestern, die ihn mordeten. Agave. Wo starb er? War's im Hause, war es anderswo? Kadmos. Dort, wo von seiner Hunde Wuth Aktion fiel. Agave. Der Arme, weshalb ging er auf Kitharons Höhn? Kadmos. Den Gott und deine Bacchosweihn verhdhnt' er dort. Agave. Wir aber, wie gelangten wir an jenen Ort? Kadmos. Ihr rastet, Bacchos sezt' in Wuth die ganze Stadt. Agave. Uns gab den Tod Dionysos! Nun erkenn' ich es. Kadmos. Den ihr verhöhntet, weil ihr ihn als Gott verkannt.[OCR note; compare the printed page.] L. ὑμῖν ὑβρισθείς. Compare printed p. 193 Agave. Wo liegt, o Vater, meines Sohns geliebter Leib? Er ist an seinen Gliedern ganz und unentstellt? Kadmos. Nach langem Umſpåhn bringen wir kaum Dieses heim. (auf den zerfleischten Leichnam zeigend.) Agave. Doch meine Thorheit, was betraf sie meinen Sohn? Kadmos. Euch ward er ähnlich, ehrte nicht des Gottes Macht; Darum verstrickte Bacchos all' in Einen Fall, Euch selbst und Pentheus, diesem Haus den Untergang Und mir zu bringen, dem kein Sohn geboren ward, Und der den Språßling deiner Lieb', Unselige, Schmachvoll in unheilvollem Tod hinsterben sieht! Zu dir, o Kind, aus meiner Tochter Schooß gezeugt, Blickt' unser Stamm auf, du beschirmtest mir das Haus, Und warst dem Volk ehrwürdig; Niemand wagte, mich, Den Greis, zu höhnen, scheuend dein geliebtes Haupt; Er håtte würdige Strafe dir dafür gebüßt. Nun wird man aus dem Palaste mich ehrlos hinaus, Den großen Kadmos, treiben, der den Theberstamm Gesät und schöner Aernten Lohn geårntet hat. O liebster aller Menschen! (Zwar du bist dahin, Doch meinen Liebsten wirst du beigezählt, o Kind :)[OCR note; compare the printed page.] Ε. τέκνον. Compare printed p. 193 Nicht mehr, mein Kinn berührend, wirst du mich hinfort Umarmen und der Mutter Vater nennen, Kind, Und fragen: „Wer beleidigt, wer entehrt dich, Greis? Wer kränkt, o Vater, dein Gemüth, betrübte dich? Sprich, daß ich ihn bestrafe, der dir Leides that." Ja, nun bin ich unglucklich, bist elend du selbst, Beklagenswerth die Mutter und der Schwestern Paar. Ist Einer, der die Götter übermuthig hohnt, Er blick auf Pentheus' Untergang und glaub' an Gott. Chor. Uns jammert dein, o Kadmos; doch dein Tochtersohn, Er bußt, gerecht wohl, aber dir schmerzhaft, o Greis. Dionysos erscheint in Göttergestalt. Kadmos. Agave. Dionysos. Du siehst, o Vater, wie ich umgewandelt bin! Du wirst zum Drachen werden; auch Harmonia, Die Tochter Ares', dir vermählt, dem Sterblichen, Nimmt andre Bildung, nimmt Gestalt der Schlangen an. Du ziehst, gesellt ihr, wie des Zeus Orakel spricht,[OCR note; compare the printed page.] Es war alte Volkssage in Griechenland, daß Kadmos auf einem mit Stieren bespannten Wagen nach Illyrien am adriatischen Meer geflohen sei, und bort die Stadt Buthoë erbaut habe. Des Feldzuges nach Griechenland erwähnt auch Herodot. Bothe. Compare printed p. 193 Compare printed p. 194 Mit Stiergespann' aus, herrschest über Fremdlinge, Und wirst mit unzählbarem Heer der Städte viel Zerstoren; aber wann sie Delphi's Heiligthum Verwüstet, ist unglucklich ihre Wiederkehr. Ares befreit dich, er befreit Harmonia, Und führt in Seliger Wonneland dein Leben ein. Dies sag' ich euch, ich, keines Menschen Sohn, ein Gott, Der Sohn des Zeus, Dionysos. Wenn ihr weisem Sinn Gehuldigt håttet, (ihr wolltet nicht,) so wåret ihr Nun glucklich, håttet ihn zum Freund, den Gottessohn. Agave. Dionysos, Herr, wir flehen; Unrecht thaten wir. Dionysos. Spåt kennt ihr uns, und spåter, als es nöthig war. Agave. Ich hab's erkannt, Herr; doch du züchtigst uns zu hart.[OCR note; compare the printed page.] L. ἔγνωκα μὲν ταῦτ᾽. Compare printed p. 194 Dionysos. Mit Recht; ihr hattet einen Gott in mir gehöhnt. Agave. Im Zorne seien Götter nicht den Menschen gleich! Dionysos. Långst hatte Zeus, mein Vater, Dieses mir gewährt. Agave. Ach, Greis! Ein unheilvoller Bann ist uns verhångt! Dionysos. Was also säumt ihr, wo die strenge Noth gebeut? Kadmos. O Kind, in grauenvolles Leid versanken wir, Du selbst, o Jammerwerthe, samt der Schwestern Paar, Und ich, der Arme, muß hinaus zu Fremdlingen, Ein Greis, entwandern, und dazu, so will es Zeus, Nach Hellas führen ein gemischtes Fremdlingsheer. Die Tochter Ares', mein Gemahl Harmonia, In eines Drachen Graungestalt, geleit' ich, selbst Ein Drache, Hellas' Gråbern und Altären zu, Den Weg dem Feinde weisend! Nie des Leides soll Ein Ziel mir Armen werden, nie, den Acheron Der Unterwelt beschiffend, soll ich ruhig sein. Agave. O Vater, ich entfliehe, ward ich dein beraubt. Kadmos. Was, arme Tochter, schlingst du deinen Arm um mich, Wie seinen alten Vater kost der graue Schwan? Agave. Wohin mich wenden, stoßt mich aus mein Vaterland?[OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Wohin soll ich mich wenden, ausgestoßen aus dem Ba­ terland? Compare printed p. 194 Kadmos. Weiß nicht; ein schwacher Helfer ist der Vater, Kind. Agave. Leb' wohl, mein Haus! Und der Ahnherrn Stadt, Leb wohl! Ich entflieh' in dem Unglück dir Aus dem trauten Gemach. Kadmos. So suche, mein Kind, Aristaos' Gebiet.[OCR note; compare the printed page.] Uristäos' Gebiet, Arkadien. Compare printed p. 194 Agave. Stets klag' ich um dich, mein Vater. Kadmos. Und ich Um dich, und beweine die Schwestern, o Kind. Agave. Graunvoll, graunvoll hat über dein Haus Dies schmåhliche Loos Dionysos, der Gott, Rach' übend verhångt. Kadmos. Ihr habt auch an ihm Graunvolles verübt, Und in Thebå ward sein Name verhöhnt. Agave. Heil, Heil dir, o Vater! Kadmos. Auch dir, mein Kind, Ungluckliche, Heil; schwer findest du's wohl. Agave. O geleitet mich hin zu den Schwestern; sie sei'n Die Genossinnen mir auf der traurigen Flucht! Und o fånd' ich ein Land, Wo nie der verruchte Kitharon mich, Noch ich den Kitharon erblickte, wo nie Des Epheustabes gedacht wird! Er Mag andern Bacchen umkrånzen! Chor. Vielfache Gestalt hat der Götter Geschick; Gar Vieles verhängt unerwartet ihr Rath, Und was du gewähnt, vollendet sich nicht; Zum Unmöglichen findet die Bahn ein Gott. So endete dieses Begegniß.