Trachiniae — Donner (1875), OCR review edition Sophocles Johann Jakob Christian Donner OCR cleanup, verse reconstruction, source collation and reference-card alignment; further proofreading required Editorial processing with Codex

Perseus Multitext, 2026. Review edition.

Sophokles. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift von J. J. C. Donner. Achte Auflage. Leipzig und Heidelberg: C. F. Winter, 1875.Independent 1875 scan 1875 eighth edition, Cornell OCR; copy text. 1889 eleventh edition, University of California OCR; corroborating later witness, not assumed identical. 1850 third newly revised edition, Illinois OCR in two volumes; earlier edition, kept separately.

The 1875 Cornell OCR is the copy text. Historical wording and spelling are retained. Wrapped endings, displaced replies and OCR labels are repaired where supported. The linked audit records repairs and corroborated token substitutions. Unresolved OCR remains in the transcription. The 1850 text is an earlier edition, not an interchangeable repair witness; its pagewise text is preserved in the review. The 1889 copy has many truncated beginnings. This is not a fully proofread edition.

Each l/@n belongs to Donner’s own citation scheme. Numbers are interpolated only where verse counts agree between printed anchors. Unresolved intervals receive explicit editorial suffixes (for example 620u1), not guessed printed numbers. Shared verses retain the same citation with I/F parts. corresp identifies the containing Storr reference card, not exact line-by-line equivalence. Reference-card boundaries were reviewed at speech, stanza and clause openings; nearest complete Donner verse boundaries are used. Further fine alignment remains possible.

Notes are attached only when their printed labels agree in both later OCR copies and resolve to a Donner citation. Note wording and extraction boundaries still require proofreading. Unattributed entries and complete appendix OCR are retained in the review inventory. Notes split across pages are joined, retaining their source-page list. Metrical notation is supplied as facsimiles, not speculative OCR.

Native Donner citations; suffix u explicitly identifies unresolved verse division.

Prepared and installed OCR review edition with source comparisons, note inventory, native citations, Storr cards and metrical facsimiles.
Volume 2, printed page 220; PDF page 591. Original PDF Volume 2, printed page 221; PDF page 592. Original PDF Volume 2, printed page 222; PDF page 593. Original PDF Volume 2, printed page 223; PDF page 594. Original PDF
Deianeira. Eine Dienerin. Deianeira. Wohl sagt ein Spruch der Menschen schon in alter Zeit,OCR review edition. D. numbers are Donner’s own citations; u suffixes mark unresolved verse division. Correspondence is to containing Storr passages. Source comparisons, repairs, numbering review and unattributed notes Kein irdisch Leben könne man, bevor es schloß, Erkennen, ob es glücklich, ob unselig sei: Ich aber weiß von meinem, eh' in Hades' Haus Ich wandre, daß es bitter ist und jammervoll. Schon, als in Deneus', meines Vaters, Haus ich war,[OCR transcription; compare the scan.] Deneus, der Vater des Tydeus und der Deianeira, war König in Aetolien. Dort lag die Stadt Pleuron am Flusse Euenos. Printed p. 224 Und noch zu Pleuron wohnte, litt ich herbe Qual Der Ehe wegen, wie noch kein Aetolerweib. Ein Strom, genannt Acheloos, war mein Freier, der[OCR transcription; compare the scan.] Stromgötter wurden theils ganz als Stiere dargestellt, theils in menschlicher Gestalt, aber mit Hörnern, theils in Stierleib mit Menschenhaupt. Der Drache (Schlange) entspricht den Windungen des Flusses. Thudichum. Printed p. 224 Um mich in drei Gestalten bei dem Vater warb: Leibhaft erschien er als ein Stier, dann wand er sich Als bunter Drache, kam darauf in Mannsgestalt Mit Stiereshaupte; von dem dichtbeschatteten Barthaare strömten Bäche lautern Quellentranks. So war der Freier, dessen ich gewärtig war, Und täglich sehnt' ich Arme mir den Tod herbei, Bevor ich solchem Manne mich als Braut gesellt. Doch endlich, spät erst, aber vielwillkommen mir, Erschien Alkmene's und des Zeus gepries'ner Sohn, Der mit dem Strome kühn bestand den Kampf der Schlacht, Und mich erlöste. Zwar des Kampfes Gang und Art Beschreib' ich nicht; wie könnt ich's auch? Wer ohne Furcht Dem grausen Schauspiel zugeseh'n, erzähle der's! Denn ich erschüttert saß ich da, voll banger Angst, Daß mir die Schönheit herben Gram bereite noch. Doch gab ein gutes Ende Zeus, der Kampfeshort, Wenn's anders gut war. Denn nachdem Herakles mich Zum Weib erkoren, nähr' ich Sorg' um Sorge ſtets, Um ihn mich härmend; zeugt ja doch die eine Nacht, Die andre Nacht, ihr folgend, treibt hinweg das Leid. Ich gab ihm Kinder, die der Vater irgendwann, So wie der Landmann, der ein fernes Feld bebaut, Nur bei der Aussaat und der Ernt' Einmal geseh'n. So war das Leben, welches mir den Gatten stets In's Haus und aus dem Hause trieb in fremdem Dienst.[OCR transcription; compare the scan.] Elektryon, Sohn des Perseus, überließ die Herrschaft von Mykene und Tiryns dem Gemahl seiner Tochter, seinem Bruderssohne Amphitryon. Da aber dieser seinen Schwiegervater aus Versehen tödtete, so benüzte Sthenelos, ein dritter Sohn des Perseus, diesen Vorwand, um Amphitryon aus dem Reiche zu vertreiben und es sich zuzueignen. Derselbe zog mit Alkmene zu Kreon nach Theben, wo Herakles erzeugt und geboren wurde. Diesem hatte Zeus die Herrschaft seines Großvaters zugedacht. Als daher die Stunde seiner Geburt kam, schwur er, von Hera überlistet, der Knabe aus diesem Stamme, der in der nächsten Nacht geboren werde, solle über sein ganzes Geschlecht herrschen, worauf Hera, als Entbindungsgöttin, die Geburt des Herakles zurückhielt, die des Eurystheus aber, des Sohnes von Sthenelos, beschleunigte. So mußte Jener Diesem gehorchen. Herakles, der in Theben aufwuchs, lernte das Bogenschießen von Eurytos, dem größten Schüzen nebst Herakles selber. Daher die Gastfreundschaft mit Eurytos, dessen Ende übrigens Homer anders berichtet. Herakles fehlte nie, weder mit der Lanze, noch mit dem Bogen, den er von Apollon erhalten hatte, wie die übrigen Waffen von andern Göttern. Seine Pfeile waren mit Federn, des dunkeln, feuerbraunen Adlers besezt. Uebrigens ist er bei Sophokles, nach der Schilderung der früheren Dichter, mit Panzer, Schild, Schwert und Lanze nebst dem Bogen bewaffnet zu denken, nicht bloß mit Löwenhaut und Keule, welche leztere jedoch V. 505 neben anderen Waffen genannt wird. Zuerst war er mit Kreons Tochter Megara vermählt, ermordete aber, von Hera wahnsinnig gemacht, seine Kinder, und wurde von Pythia zur Buße nach Tirynth gewiesen, um dort dem Eurystheus zu dienen, worauf ihm zulezt die Unsterblichkeit verheißen war. In dieser Zeit, wo er auch Deianeira ehlichte, nachdem er Megara dem Jolaos vermählt hatte, vollbrachte er, nebst vielen anderen, die von Eurystheus ihm auferlegten zwölf (oder zehn) Arbeiten, deren einige V. 1069 ff. erwähnt sind. Das Ende seiner Dienstbarkeit und seiner Mühen war unterdessen von dem Orakel zu Dodona noch auf 12 Jahre bestimmt worden. Diese Zeit war bis auf 15 Monate verstrichen, als er den Iphitos, Eurytos' Sohn, umbrachte. Als er jezt noch eine erniedrigendere Knechtschaft antreten mußte, war er veranlaßt, das Orakel, das sich über die Art seiner Erlösung unbestimmt ausgedrückt, und das er bei'm Empfange günstig für sich ausgelegt hatte (1148), jezt in schlimmem Sinne zu nehmen (160); wiewohl nur augenblicklich, in der traurigen Stimmung; denn da ihm noch früher geweissagt worden war, kein Lebender werde ihn tödten, sondern ein Bewohner des Hades, so hatte er, dem Anscheine nach, keinen Kampf und keinen Gegner zu fürchten. V. 151 wird zwar die Tafel mit seinem lezten Willen alt genannt; dies geht aber nur auf das schon vormals darauf geschriebene Orakel (1144); denn die Verfügungen in Bezug darauf waren nen. Daß es V. 76 heißt, über Euböa sei die Weissagung geschehen, also auch der Ort bestimmt, ist wohl nur als Schluß Deianeira's anzusehen, weil jezt die Zeit um ist. Die Veranlassung zu jenem Meuchelmord (38) ist im Stücke selbst (256 346) angegeben. Iphitos war, wie sein Vater und seine Brüder (260), ein großer Bogenschize, und Sophokles v. Donner. II. 8. Aufl. sein Bogen kam an Odysseus. Die Brüder hießen Deion, Klytios, Toxeus. Thudichum. Printed p. 224 Printed p. 225 Printed p. 226 Doch nun, nachdem er seiner Kämpfe Ziel errang, Durchwühlt die Sorge mein Gemüth am heftigsten. Denn seit den tapfern Iphitos sein Arm erschlug, Sind wir in Trachis, wohnen als Vertrieb'ne hier Bei'm alten Gastfreund; doch wohin Herakles sich[OCR transcription; compare the scan.] Der alte Gastfreund ist Keyx, König in Trachis, der sich auch noch nach dem Tode des Herakles gegen seine Kinder gastfreundlich bewies. Printed p. 226 Gewendet, Niemand weiß es; mir nur ließ der Held, Von hinnen ziehend, bittre Weh'n um sich zurück. Ia, fast gewiß erkenn' ich's, daß ein Leid ihn traf. Denn lange her schon ist es, fünfzehn Monde weilt Er außen, ohne daß von ihm mir Kunde kam. Ein schweres Leid ist's: also zeigt das Blatt mir an, Das er zurückließ, als er schied; daß dieses mir Kein Leiden bringe, fleh' ich oft die. Götter an. Die Dienerin. O Deianeira, Fürstin, oft gewahrt' ich schon, Wie du betrübt in thränenreiche Klagen dich Ergossest, daß Herakles ausgezogen sei. Doch heute, wenn's der Sklavin schlichtem Sinn geziemt, Dem freien Weib zu rathen, gönn' auch mir ein Wort. Du bist an soviel Söhnen reich: was sendest du[OCR transcription; compare the scan.] Herakles hatte außer Hyllos, dem ältesten Sohne, noch drei Söhne von Deianeira: Glenos, Ktesippos, Oneites (oder Hodites). 91 f. „Denn auch dem, welcher später kommt als er sollte, bringt die Kunde vom Wohlergehen eines Anderen Gewinn, d. h. du kommst auch jezt noch recht, erfährst du, daß es dem Vater gut geht, da gute Nachricht nie zu spät kommt." Printed p. 226 Nicht ihrer Einen, auszuspäh'n des Mannes Spur? Zumal dem Hyllos ziemte das, vertrau'n wir ihm, Daß ihn um seines Vaters Wohl die Sorge treibt. Da kommt er eben leichten Schritt's zum Haus heran, Daß, wenn dir meine Rede nicht unzeitig dünkt, Du seinen Beistand nüzen kannst und meinen Rath. Hyllos. Die Vorigen. Deianeira. Sohn, Geliebter, aus dem Mund Unedler auch Fällt oft ein Rath zum Guten; so sprach dieses Weib, Zwar eine Magd nur, doch ein hochgesinntes Wort. Hyllos. Was, Mutter? Laß mich's hören, wenn ich's hören darf. Deianeira. Daß du's versäumst, zu forschen, wo dein Vater weilt, Der schon so lang entfernte, bringt Unehre dir. Hyllos. Nun, wenn ich Sagen trauen darf, so weiß ich es. Deianeira. Und wo des Landes, hörst du, daß er weilt, o Kind? Hyllos. Im abgewichnen Sommer fröhnt' er lange Zeit Als Diener, sagt man, einem Weib in Lydia. Deianeira. Nun, wenn er das vermochte, kann er Alles thun! Hyllos. Doch ward er dieses Joches frei, wie ich vernahm. Deianeira. Wo soll er jezt sein, lebt er oder starb er gar? Hylos. Er rückte, heißt es, vor die Burg des Eurytos Im Land Euböa's, oder schickt hiezu sich an. Deianeira. Und weißt du nicht, Sohn, daß er zuverlässige Orakel über dieses Land mir hinterließ? Hyllos. Und welche, Mutter? Denn ich weiß von diesen Nichts. Deianeira. Entweder harre seiner dort der Tage Ziel, So hieß es, oder wenn er sieg' in diesem Kampf, Verfließ' in lautern Wonnen ihm des Lebens Rest. Nun also seine Wage schwankt, so gehe, Kind, Ihm beizustehen, da wir selbst gerettet sind, Wenn er sich rettet, oder untergeh'n mit ihm. Hylos. Ich gehe, Mutter; wäre mir der Götterspruch Bekannt gewesen, wär' ich wohl schon lange dort. Doch ließ für unsern Vater sein gewohntes Glück Nichts uns befürchten, noch zu sehr in Sorgen sein. Jezt, weil ich das vernommen, unterlass' ich Nichts, Bis ich davon die ganze Wahrheit ausgeforscht. Deianeira. So gehe, Theurer! Wenn man auch in später Zeit Vernimmt von einem Glücke, bringt es noch Gewinn. (Hyllos ab. Der Chor der Jungfrauen aus der Stadt tritt auf, und ordnet sich vor dem Palaste.) Deianeira. Der Chor. Erste Strophe. Der Chor. Denn helle Nacht, wenn sie vom Aether entweicht,[OCR transcription; compare the scan.] Die Nacht ist die Mutter des Tages. So sagt Klytämnestra bei Aeschylos (Agamemnon V. 246): Zu froher Botschaft steige, nach dem alten Spruch, Der helle Morgen aus dem Mutterschooß der Nacht! Printed p. 226Donner’s metrical appendix: all 4 page facsimiles Gebiert und wiegt in Schlummer, dem flammenden Gott Helios, Helios ruf' ich,[OCR transcription; compare the scan.] Helios, der Sonnengott, wird angerufen als der Gott, „der Alles siehet", also auch über Alles Auskunft zu geben weiß. Printed p. 226 Daß er uns verkünde, wo mir, wo mir verweile der Sohn Alkmene's! Herrscher, leuchtend in strahlender Glut, Ob auf des Meeres Wogen er, ob durch die zwei Festländer irrt,[OCR transcription; compare the scan.] Die zwei Festländer sind Europa und Asia. Die Alten theilten die Erde in zwei Hälften ein, wobei Afrika zu Asien gerechnet wurde. Printed p. 226 Sprich: Alles schaut dein göttlich Auge! Erste Gegenstrophe. Denn lange schon seh' ich in sehnendem Gram Der Deianeira, die er im Kampf sich erstritt, Gleich dem geängsteten Vogel, Nimmer ruh'n des Auges Sehnsucht, welchem die Thräne versiegt. Stets denkt sie angstvoll, ach! des entfernten Gemahls, Und härmt sich, daß sie sonder ihn im öden Lager schmachten muß, Ein jammervolles Loos erharrend. Zweite Strophe. Wie man in Weiten der See, wann Boreas oder der Süd stürmt, Wogen sich drängend an Wogen, Kommend und gehend erblickt: So treibt den Sohn Thebe's umher Des Lebens vielfältige Noth, Und wächst empor, kretischen Meers Wallungen gleich; doch läßt ihn nie Straucheln ein Gott und hält ihn stets Ferne vom Haus des Todes. Zweite Gegenstrophe. Darum sez' ich ein freundlich Tadelndes Wort dir entgegen, Sage dir, besserer Tage Hoffnungen darfst du mir nicht Verschmäh'n. Das Glück ohne den Schmerz Wandt' auch der allherrschende Sohn Des Kronos nie Sterblichen zu. Freuden und Leid, wie über uns Ewig am Himmel Arktos kreist,[OCR transcription; compare the scan.] Arktos (der große Bär, das Sternbild der von Zeus geliebten, von Hera in eine Bärin verwandelten Kallisto, Tochter des arkadischen Königs Lykaon), kreist ewig am Himmel, weil er für die nördliche Erdhälfte nicht untergeht. Printed p. 226 Kreisen sie über Allen. Schlußgesang. Denn dauernd bleibt nicht der Nacht Glanz auf Erden, nicht das Unglück, Nicht der Reichthum; schnell entschwindet Jenem Haus und zieht in dies Genießen und Entbehren. So mußt auch du dies allezeit, o Königin, In Hoffnung festhalten: sahst du je, daß Zeus also rathlos ließ die Seinen? Deianeira. Du kamst hieher, vermuth' ich, weil dir Kunde ward Von meiner Drangsal: aber wie's mein Herz verzehrt, Das mögst du niemals fühlen; noch erfuhrst du's nicht. Denn also weidet frisch und froh die Jugend sich Aus eignen Fluren; nicht des Sonnengottes Glut, Kein Regen, keines Sturmes Hauch erschüttert sie; Nein, mühelos in Wonnen lebt sie stolz dahin, Bis endlich Eine, statt der Jungfrau Weib genannt, Von nächtlich banger Sorgenlast ihr Theil empfängt, Und um die Kinder und den Mann sich ängsten muß. Und diese mag dann, blickend auf das eigne Loos, Erkennen, welches Ungemach mich niederdrückt. Ich weinte wohl schon über manches Mißgeschick; Doch eines, dem kein früh'res gleicht, verkünd' ich jezt. Denn als zu dieser lezten Fahrt der Herrscher sich Erhob vom Hause, Herakles, da ließ er mir Ein altes Täflein hier zurück mit schriftlichen Geboten, die er früherhin, so oft er auch Auszog zum Kampfe, nimmerdar mir offenbart; Denn wie zu Thaten zog er, nicht zum Sterben, aus. Doch jezt, als wär' er schon dahin, bestimmt' er, was Mein Wittwengut sein solle, sagte, welches Theil Des Vaterreiches jedem Kind er ausgesezt: Zugleich erklärt er, wann er nach drei Monden Zeit Und eines Jahrs Umlaufe nicht zurückgekehrt, So sei zu sterben ihm verhängt in dieser Frist; Doch, überschreit' er dieser Zeit bestimmtes Ziel, Dann fließe fortan ohne Harm sein Leben hin. So würden, sprach er, alle Müh'n des Herakles Dereinst ihr Ende finden nach der Götter Schluß, Wie's aus der Eiche greisem Stamm ihm ehedem[OCR transcription; compare the scan.] Dodona, das winterliche, in Epeiros, in heerdenreicher Gegend, hatte ein berühmtes Orakel des Zeus, das für das älteste in Griechenland galt. Es befand sich in einem Haine von Eichen, deren eine redete, durch Tauben, worunter Priesterinnen verstanden sein sollen. Doch war auch das Holz redend, daher der Baum zungenreich (stimmenreich). Es war in uralten Zeiten von zwei Tauben, welche Zeus gesendet, die eine dorthin geflogen und hatte zu weissagen angefangen, die andere hatte das Ammonische Orakel gestiftet. Zeus' Priester oder Hypopheten, d. h. Dolmetscher, welche die Orakel in Verse brachten, waren die Seller, ein rauhes Gebirgsleben führend, wie noch jezt dort die Arnauten, auf der Erde schlafend mit ungewaschenen Füßen; oder es deutet dieses auf Erdorakel und magnetische Träume. Thudichum. Printed p. 226 Printed p. 227 Im Hain Dodona's kundgethan der Tauben Paar. Des Spruches Wahrheit, wie er sich erfüllen muß, Wird jezt, in diesen Tagen, sich bestätigen. Darum, Geliebte, fahr' ich oft aus süßem Schlaf Empor, in Furcht erbebend, daß ich leben soll, Nachdem der Helden bester mir entrissen ward. Der Chor. Nicht also sprich jezt; schreitet doch, das Haupt bekränzt,[OCR transcription; compare the scan.] Es war im Alterthum Sitte, bei Ueberbringung einer frohen لله Kunde sich zu bekränzen. Printed p. 227 Zu froher Kunde, seh' ich, dort ein Mann heran. Ein Bote. Die Vorigen. Der Bote. Ich bin der erste Bote, der von deiner Angst Dich löst, o Deianeira; denn Alkmene's Sohn Er lebt, und kommt als Sieger, und vom Kampfe bringt Er unsers Landes Göttern hier die Erstlinge. Deianeira. Was sagst du, Greis, welch eine Kunde bringst du mir? Der Bote. Bald werd' in deinem Hause dein gefeierter Gemahl erscheinen im Geleit siegreicher Macht. Deianeira. Wer sagte dir's von Bürgern oder Fremdlingen? Der Bote. Sein Diener hat es auf der nahen Rinderau Erzählt, der Herold Lichas. Ich enteilte flugs, Sobald ich's hörte, daß ich als der Erste dir's Verkünd' und du mir spendest Lohn und zollest Dank. Deianeira. Was säumt er selbst denn außen, wenn er Gutes bringt? Der Bote. Viel Unbequemes legt sich dort in seinen Weg. Denn rings umsteht ihn alles Volk aus Melia,[OCR transcription; compare the scan.] Die Melier, ein thessalisches Volk, wohnten in der Nähe von Trachis; ihre Stadt bieß Melia. Printed p. 227 Und forscht und drängt ihn, und er kann nicht weiter geh'n. Denn Jeder will vernehmen, was sein Herz begehrt, Und Keiner läßt ihn, bis er hört nach Herzenslust. So säumt er gegen seinen Wunsch, von Wünschenden Umgeben; doch du siehst ihn bald von Angesicht. Deianeira. Zeus, der in Oeta's ungemähten Gauen thront,[OCR transcription; compare the scan.] Deta, der Gebirgszug zwischen Thessalien und Phokis, besonders seine höchste Höhe unfern Trachis und Thermopylä, welche dem Zeus geweiht war. Darauf eine Waldwiese, die nicht gemäht, oder ein Waldbezirk, der nicht gehauen werden durfte. Printed p. 227 So hast du doch uns Freude, wenn auch spät, gewährt! Nun, liebe Frauen, jauchzet, ihr im Hause dort, Und ihr im Vorhof: denn ein Licht, mir unverhofft, Geht uns aus dieser Kunde jezt heilbringend auf. Jubelnd ertöne der Gesang Der Chor. Mit lautem Hall in dem Palast Von jungen Bräuten; und vereint der Jünglinge Gesang feir' ihn, den waltenden Gott, Des Pfeils Herrscher, Phöbos, laut! Zu gleicher Zeit hebt den Päan, Hebt ihn, o Jungfrauen, an, Ruft Phöbos' Schwester, Artemis, Die, von der Fackel umflammt, Auf Ortygia's Höhen jagt,[OCR transcription; compare the scan.] Ortygia, eine Insel bei Delos, oder Delos selbst, auch eine solche bei Sicilien, die einen Stadttheil von Syrakus ausmachte, und der Artemis heilig war und so werth als Delos, daher bei Pindar Delos' Schwester. Der Ortsname ging auf Artemis selbst über. Diese Göttin wird hier insbesondere noch als Patronin der Umgegend des melischen Meerbusens überhaupt angerufen. Thudichum. Printed p. 227 Ruft die Nachbarnymphen![OCR transcription; compare the scan.] Die Nachbarnymphen sind die Oreaden der Trachis benachbarten Berge, die das Geleit der jagenden Artemis bilden. Printed p. 227 (Man vernimmt Gesang im Palaste. Der Chor fährt fort.) Hoch flieg' ich auf, verschmähe nicht Dich, Flöte, die mir süß das Herz im Busen zwingt.[OCR transcription; compare the scan.] Dem Dienste des Bacchos kommt vorzugsweise die Flöte zu, die zur lautesten Freude aufregt. Printed p. 227 sehet, es erregt mir Den Geist der Epheu, der zum bacchischen Lusttaumel mich entrückt! (Gesang im Hause:) Lust, o Lust, Päan! Sieh, o sieh, geliebte Frau! Du kannst es schon mit Augen Wahrhaftig hier erblicken. (Lichas kommt mit einer Schaar gefangener Frauen, unter denen Jole.) Lichas. Die Vorigen. Deianeira. Ich seh' es, liebe Frauen, seh' ihn hier, den Zug, Und meines Auges treuer Wacht entging er nicht. Willkommen, Herold! ruf' ich, der nach langer Zeit Willkommen nahte, wenn du mir Willkomm'nes bringst. Lichas. Mit Heil erschein' ich, und des Heiles Gruß gebührt, Frau, dem Heldenwerke; denn dem tapfern Mann, Der wohl gestritten, lohnt mit Recht ein edles Wort. Deianeira. Du Liebster, laß mich, was zuerst ich will, zuerst Erfahren: werd' ich lebend schau'n den Herakles? Lichas. Ich habe lebend, glaube mir, in voller Kraft Und blühend ihn verlassen, nicht erkrankt und matt. Deianeira. Wo? War's in unserm Lande? War's im fremden? Sprich. Lichas. Am Strand Euböa's war es, wo er einen Hain[OCR transcription; compare the scan.] Kenäos heißt Zeus von dem Vorgebirge Kenäon auf Euböa. S. V. 741 ff. Herakles sondert aus dem eroberten Lande einen Bezirk aus, den er dem Zeus heiligt, und bestimmt die Einkünfte desselben zum Dienste der gestifteten Altäre. Printed p. 227 Dem Zeus Kenäos gründet und Fruchtopfer weiht. Deianeira. Gelübde lösend? Oder auf ein Seherwort? Lichas. Gelübde lösend, als sein Speer der Frauen Land Verheerend einnahm, die du hier vor Augen siehst. Deianeira. Ihr Götter, wer sind diese, wem entstammen sie? Wohl sind sie mitleidwürdig, täuscht ihr Loos mich nicht.[OCR transcription; compare the scan.] Wenn ihr Loos mich nicht täuscht", d. i. wenn sie anders " nicht durch ihr herbes Loos größere Theilnahme erwecken, als ste verdienen. Printed p. 227 Lichas. Sie hat Herakles, als er zwang Dechalia, Sich und den Göttern ausgewählt als Eigenthum. Deianeira. Vor dieser Stadt auch war es wohl, wo mein Gemahl Verweilt die unabsehlich endlos lange Zeit? Lichas. Mit nichten: meistens ward er fern in Lydia Gehalten, nicht als freier Mann, so sagt er selbst, Nein, als verkaufter Sklave. Doch darf keinen Groll Dies Wort, o Frau, dir wecken, weil Zeus solches that. Verhandelt einem fremden Weib, der Omphale, (Erzählt er selber,) fröhnt' er ihr ein volles Jahr; Und also nagte dieser Schimpf am Herzen ihm, Daß er sich selber einen Eid' auflegt' und schwur, Den Schnöden, der ihm dieses Leids Urheber sei, Als Knecht dereinst zu fesseln, ihn mit Kind und Weib. Nicht eitle Drohung war es; nein, sobald er sich Gesühnt, so führt' er vor die Burg des Eurytos Ein Heer von Söldnern; denn er sagte, der allein Von allen Menschen trage Schuld an diesem Leid; Der habe, wie Herakles ihn an seinem Herd Als alter Gastfreund heimgesucht, mit Worten oft, Und oft mit unheilvollem Sinn ihn aufgereizt; So prahlt' er, unentfliehbar sei wohl sein Geschoß, Doch steh' er seinen Söhnen nach im Bogenkampf; Er müsse, rief er, als der Knecht dem freien Mann Sich beugen. Dann bei'm Mahle warf er ihn hinaus, Den Weinberauschten. Drob ergrimmt' Herakles, und, Als Iphitos zu Tiryns' Hügel wiederum Hinkam, der Spur verirrter Stuten nachzuspäh'n, Da stürzt er diesen, der das Aug' hierher, den Sinn Dorthin gewandt, vom hochgethürmten Fels hinab. Ob dieser Unthat grollte Zeus, der Herrscher, ihm, Der Vater Aller, thronend auf Olympos' Höh'n, Verkauft' in ferne Länder ihn und trug es nicht, Daß er von allen Menschen ihn allein mit List Getödtet. Rächt' er offen sich, ihm hätte Zeus Vergeben, weil er Rache nahm mit vollem Recht. Denn frechen Hochmuth lieben auch die Götter nicht. Doch jene, die mit böser Zunge sich gebläht, Sie wohnen nun im Hades allzumal, die Stadt Versank in Knechtschaft; die du hier erblickst, die Frau'n, Die tief in Unheil stürzten aus des Glückes Höh'n, Sie nahen dir. Denu also hat es dein Gemahl Geboten; ich, sein treuer Diener, richt' es aus. Er selbst, sobald er für den Sieg der Opfer Dank, Die frommen Gaben dargebracht dem Vater Zeus, Wird hier erscheinen, zweifle nicht; dies lezte Wort Tönt unter vielen schönen wohl am süßesten. Der Chor. Nun lacht, o Fürstin, offenbar die Freude dir, Da diese hier sind und du hörst dies frohe Wort. Deianeira. Wie sollte nicht aus meines Herzens Fülle mich Die Kunde hier vom Glücke meines Gatten freu'n? Zur Freude zwingt mich's, darf ich ihn im Glücke seh'n. Doch immer muß der reiflich Ueberlegende Sich ängsten, Unglück treffe noch den Glücklichen. So faßte mich, ihr Lieben, bittres Schmerzgefühl, Die Frauen hier zu sehen, die durch fremdes Land, Beraubt der Heimat, irren arm und vaterlos, Und die vielleicht von freigebornen Männern einst Entstammt, und jezt der Sklaven schweres Loos besteh'n. O Zeus, des Leids Abwender, mög' ich nimmermehr So wider Einen meines Stamms dich wüthen seh'n! Doch, wenn du's thun willst, sei's in meinem Leben nie! So hat der Anblick dieser Frau'n mir Angst erweckt. (zu Jole) Wer bist du, Jungfrau? Sag' es, Unglückselige! Noch ledig? Oder Mutter? Zwar dein Aeußres zeigt Dich dessen ganz unkundig: doch von edlem Stamm? Aus welchem Hause, Lichas, ist die Fremde da? Wer ihre Mutter? Welcher Vater zeugte sie? Sprich; denn von allen fühl ich doch das innigste Mitleid mit dieser, die allein ihr Leiden fühlt. Lichas. Was weiß denn ich? Wie magst du mich auch fragen? Wohl Nicht aus dem lezten Hause dort entstammte sie. Deianeira. Vom Stamm der Herrscher? Vom Geschlecht des Eurytos? Lichas. Ich weiß es nicht, Frau, forscht' ihm auch nicht lange nach. Deianeira. Auch ihren Namen sagte kein Gefährte dir? Lichas. Mit nichten. Schweigend hab' ich mein Geschäft vollbracht. Deianeira. So sage mir's doch selber, Unglückselige: Auch dieses ist ein Uebel, daß Niemand dich kennt. Lichas. Wohl wird die Jungfrau, wie sie schon zuvor gethan, Auch nun den Mund nicht öffnen, sie, die nicht ein Wort, Kein lautes oder leises, uns noch hören ließ. Nein, fort und fort sich härmend um ihr schweres Loos, Vergießt die Arme Thränen, seit sie ihre Stadt, Die luft'gen Höh'n, verlassen. Wohl ist dies Geschick Für sie ein hartes; aber Nachsicht heischt es auch. Deianeira. Wohlan, so laßt sie: wandle sie in's Haus hinein, So, wie es ihr am liebsten! Nein, in solchem Leid Füg' ich zu ihrem Schmerze nicht noch neuen Schmerz; Schon ist's genug an diesem! Doch nun lasset uns In's Haus hineingeh'n alle, daß du eilst, wohin Dich's drängt, und ich anordne, was das Haus bedarf. (Lichas geht mit den Frauen in das Haus. Deianeira, im Begriff ihnen zu folgen, wird von dem Boten zurückgehalten.) Deianeira. Der Bote. Der Chor. (vertritt der Deianeira den Weg.) Der Bote. Erst harre noch hier außen eine Weile, daß Du hörst, von diesen ferne, wen du führst hinein, Und was du nicht vernahmest und doch wissen mußt. Denn über alles dieses bin ich wohl belehrt. Deianeira. Was ist's? Zu welchem Ende hemmst du meinen Schritt? Der Bote. Verweil' und höre: war es doch kein leeres Wort, Was ich zuvor sprach, und ich denk', auch dieses nicht. Deianeira. Und soll ich jene wiederum hieher zu dir Berufen? Oder sagst du mir's und diesen nur? Der Bote. Vor dir und diesen red' ich gern; doch jene laß. Deianeira. Schon sind sie fortgegangen: sprich das Deine nun. Der Bote. In Nichts von Allem, was er eben sprach, bekeunt Der Mann die Wahrheit, und entweder lügt er jezt Mit seiner Botschaft, oder war er früher falsch. Was sprichst du? Denn was du jezt Deianeira. Deutlich sage, wie du Jedes meinst; gesprochen, kann ich nicht verstehn. Der Bote. Aus jenes Mannes Munde selbst vernahm ich es In vieler Zeugen Gegenwart, daß Herakles Um dieser Jungfrau willen nur den Eurytos Und dessen stolze Veste zwang, daß Eros ihn Allein von allen Göttern lockt' in solchen Kampf, Nicht Lydien oder Omphale's mühvoller Dienst, Auch nicht der jähe Todessturz des Iphitos; Und nun verwirst er's und erklärt das Gegentheil. Nein, als Herakles nicht bewog den Eurytos, Die Tochter heimlich als Gemahl ihm anzutraun : Da bringt er eitle Klage vor um kleine Schuld, Und rückte wider ihre Stadt mit Heeresmacht, Wo, wie du hörtest, Eurytos den Thron besaß, Erschlug den König, ihren Vater, und zerstört Die Stadt. Und heute kehrt er, wie du siehst, zurück, In dieses Haus sie sendend, nicht mit Unbedacht, Noch als die Sklavin; das erwarte nicht, o Frau; Wie wär' es möglich, wenn ihn Liebesglut entflammt? Ich glaubte sorgsam Alles dir, o Königin, Kundthun zu müssen, was ich hört aus seinem Mund. Und dies vernahmen Viele noch zugleich mit mir Auf offnem Markt in Trachis; diese mögen ihn Wohl überführen. Sag' ich Unerfreuliches, Es thut mir wehe; doch die Wahrheit sprach ich aus. Deianeira. Was ist mit mir geschehen? Ich Unselige! Ha, welch Verderben nahm ich unter dieses Dach Unwissend auf? Grauen! Also namenlos War sie geboren, wie der Herold mir beschwor? Der Bote. Traun, wie des Mädchens Auge, glänzt auch ihr Geschlecht! Sie war entsprossen aus dem Blut des Eurytos, Und Iole hieß sie, deren Stamm mit keinem Laut Der Mann dir nannte; freilich forscht' er nicht danach. Der Chor. Fluch treffe - nein, nicht alle Bösen treffe Fluch, Nur ihn, der heimlich Böses, sein unwürdig, übt! Deianeira. Was soll ich thun, ihr Frauen? Wie der Schauder mich Erfaßte bei den Worten, die der Bote sprach! Der Chor. Geh' hin, den Mann zu fragen; denn er wird's gewiß Ganz offen sagen, wenn du streng ihu prüfen willst. Deianeira. Ich gehe; denn verständig dünkt mir euer Rath Ich aber Der Bote. bleib' ich? Oder was gebeutst du mir? Deianeira. Ja, bleibe noch; denn ohne meiner Boten Ruf, Aus eignem Antrieb kommt er aus dem Hause hier. Lichas. Die Vorigen. Lichas. Was meld' ich, Herrin, komm' ich dort zu Herakles? Laß hören; fertig siehst du mich zur Wanderung. Deianeira. Mit solcher Eile stürmst du fort und kamst so spät, Stürmst fort, bevor du dein Gespräch erneut mit uns? Lichas. Nun, wenn du Weitres fragen willst, ich stehe hier. Deianeira. Und willst du treulich auch die Wahrheit mir gestehn? Lichas. Bei'm hohen Zeus, in Allem, was ich selber weiß. Deianeira. Wer ist die Frau denn also, die du hergebracht? Lichas. Vom Land Euböa; wessen Kind, ich weiß es nicht. Der Bote. Du, schaue hierher: weißt du wohl, mit wem du sprichst? Lichas. Und du, wofür denn bietest du die Frage mir? Der Bote. Gib, wenn du klug bist, kühn Bescheid auf dieses Wort. Lichas. Mit Deianeira, die des Deneus Tochter ist, Herakles' hoher Gattin, wenn mich anders nicht Mein Auge täuscht, mit meiner Herrin red' ich hier. Der Bote. Dies wollt' ich hören, dieses nur von dir. Du sagst, Daß diese deine Herrin sei. Lichas. Und das mit Recht. Der Bote. Wie also? Welcher Strafe glaubst du werth zu sein, Wenn deine Falschheit gegen sie zu Tage kommt? Lichas. Was wäre Falschheit? Welchen Trug ersinnst du da? Der Bote. Nicht ich, du selber bist es, traun, der dieses thut. Lichas. Ich gehe: längst war's thöricht, dir Gehör zu leihn. Der Bote. Nicht, eh du mir auf kurze Fragen Rede standſt! Lichas. Sprich, was dich lüstet, weil du doch nicht schweigen willst. Der Bote. Die Kriegsgefangne, die du hier in's Haus geführt, Die kennst du doch? Lichas. Mit nichten: doch was fragst du dies? Der Bote. Nun, gabst du diese, die du jezt nicht kennen willst, Nicht aus für Jole, für das Kind des Eurytos? Lichas. Vor welchen Menschen? Wer der Mann, wo kommt er her, Der dir's bezeugte, daß er das von mir gehört? Der Bote. Vor vielen Bürgern. Mitten dort auf offnem Markt Zu Trachin hört' es vieles Volk aus deinem Mund. Lichas. Wohl! Daß ich's vernommen, sagt' ich; doch auf Glauben nur, Und zuversichtlich reden, ist nicht einerlei. Der Bote. Auf Glauben? Wie das? Schwurst du nicht mit hohem Eid, Sie, die du bringest, sei die Braut des Herakles? Lichas. Was? Seine Braut? Um alle Götter, sage mir, Geliebte Fürstin, wer er ist, der Fremdling hier. Der Bote. Der, der von dir vernommen, daß Sehnsucht um sie Die ganze Stadt erstürmte, nicht die Lyderin Die Stadt vertilgte, sondern ihre Lieb' allein. Lichas. Der Mensch, o Fürstin, möge nur von hinnen gehn; Denn, traun, mit Thoren schwazen, ziemt dem Klugen nicht. Deianeira. Ich flehe dir bei'm Gotte, der auf waldigen Felshöh'n des Oeta donnert, nicht verhehle mir's. Denn keinem niedern Weibe sagst du solches Wort, Noch Einer, die nicht wüßte, daß im Leben nicht Denselben Menschen immerdar die Freude lacht. Wer nun dem Eros Widerstand zu bieten wagt, Faustkämpfern gleich, mit Händen, ist ein arger Thor. Denn er beherrscht auch Götter, wie es ihm gefällt, Und mich: warum nicht Andre, die mir gleichen, auch? So wär' ich wohl von Sinnen, wenn ich meinem Mann Groll hegte, daß ihn dieses Weh' ergriffen hat, Und dieser Jungfrau, welche Nichts verschuldete, Was sie verunehrt oder was mich kränken kanu. Nicht also thu' ich! Aber wenn dich jener so Die Lüge lehrte, lerntest du nichts Nühmliches: Und wenn du hier dein eigner Lehrer bist, so wirst Du schlecht erscheinen, wo du redlich heißen willst. Sprich denn die Wahrheit offen aus; dem Freien hängt Des Lügners Name schmählich als ein Flecken an. Und mir's zu hehlen, das gelingt dir nimmermehr; Denn Viele, denen du's vertraut, die sagen mir's. Und wenn dir bangt, so bangt dir ohne Grund, indem, Es nicht erfahren, mich allein betrüben kann. Doch Wissen, kann das schaden? Hat nicht Herakles, Der eine Mann, viel' andre Weiber schon gefreit? Und keine noch aus diesen hat ein böses Wort Noch Hohn von mir erduldet: ihr auch groll' ich nicht, Und mag er auch in heißer Liebe glüh'n um sie; Auf ihr ja ruht vor Allen mitleidvoll mein Blick, Weil ihr die Schönheit mordet', ach! des Lebens Glück, Und sie das Land der Väter nicht nach eigner Wahl In Noth und Knechtschaft stürzte. Doch das ziehe hin Mit guten Winden! Aber dir bedeut' ich: sei Unwahr für Andre, gegen mich stets ohne Falsch! Der Chor. Sie sprach die Wahrheit, folge denn; nie wirst du dann Die Herrin tadeln, und von mir erwirbst du Dank. Lichas. Geliebte Fürstin, weil ich denn erkannt, wie du, Voll edler Nachsicht, menschlich fühlst mit Menschensinn, So sag' ich Alles lauter dir und berge Nichts. Ia, wohl verhält sich's also, wie der Bote sagt. Von namenlosem Sehnen ward Herakles einst Nach ihr ergriffen, und um sie verwüstete Sein Speer ihr armes Vaterland Dechalia. Und das ich muß auch sagen, was ihm günstig ist Gebot er nicht zu bergen, noch verhehlt' er's je. Nein, ich, o Fürstin, fehlte, weil ich fürchtete, Durch solche Worte dein Gemüth zu kränken; ja, Ich fehlte, wenn dir anders dies ein Fehler dünkt. Und nun, nachdem ich Alles dir geoffenbart, So bitt' ich, ihm zuliebe, so wie dir zugleich: Sei dieser Jungfrau freundlich, und laß jedes Wort, Das du für sie gesprochen, ohne Wanken steh'n! Denn jenen, der sonst überall den Sieg gewann, Besiegte völlig seine Lieb' um dieses Weib. Deianeira. So treibt's im eignen Herzen mich, das will ich thun, Und nicht auf mich herziehen und erhöh'n die Noth, Fruchtlos mit Göttern kämpfend. Laßt in's Haus hinein Uns geh'n, damit du meine Botschaft überbringst, Und Gegengaben, welche wir ihm schuldig sind, Für ihn empfängst. Denn leer zu gehen ziemt dir nicht, Nachdem du hierher kamest mit so großem Zug. (ab in's Haus mit Lichas; der Bote geht in die Stadt zurück.) (allein) Strophe. Der Chor. Aphrodite's erhabene Siegesgewalt strahlt ewig neu. Schweigen will ich Von den Göttern, und wie sie berückt den Kroniden, sag' ich nicht,[OCR transcription; compare the scan.] Zeus heißt als der älteste der Brüder vorzugsweise der Sohn des Kronos (der Kronide), obgleich auch Poseidon und Hades Söhne des Kronos sind. Printed p. 227 Oder den nächtlichen Hades, Oder auch Poseidon, den Ländererschütt'rer. Hier um die Sterbliche freiend, Welche Bewerber erschienen zum Streit? Umhallt[OCR transcription; compare the scan.] Ich lese: ἀμφίγυοι κατέβαν πρὸ γάμων τίνες; Printed p. 227 Von Schlachtgetos', umwölkt von Staub, Traten sie vor zum Kampfe. Gegenstrophe. Acheloos, der Strom, in des Stieres Gestalt, vierfüßig und Hochgehörnt, war's, Von der Denier Stadt; und der Andere kam vom bacchischen[OCR transcription; compare the scan.] Der Denier Stadt, Deniä in Akarnanien am Ausflusse des Acheloos. Printed p. 228 Thebe daher, den gekrümmten Bogen, Wurfspeer' auch und die Keule bewegend, Zeus' Sohn. Beid', um die Jungfrau Glühend, betraten den Plan, und des bräutlichen Genusses Göttin saß im Kreis,[OCR transcription; compare the scan.] Des bräutlichen Genusses Göttin“, Aphrodite. " Printed p. 228 Waltend allein des Kampfes. Schlußgesang. Da scholl von der Faust, von Wurfpfeilen erklang Das Gedröhn, dumpf krachten die Hörner; Verschlungne Füße Rangen, es trafen die Stirn tödtliche Stöße; Seufzen erscholl von den Beiden. Doch voll Reizes und hold, Auf weitschauendem Hügel Saß sie, in Angst ihres Gatten harrend. Und sie schied von der Mutter eilig, Gleich der einsamen Stärke. Deianeira. Der Chor. Deianeira. Indeß der Fremdling an die kriegsgefangnen Frgu'n Im Haus, ihr Lieben, scheidend spricht sein leztes Wort, Indessen trat ich ingeheim zu euch heraus, Um euch zu melden, was ich schlau bereitete, Und laut vor euch zu klagen, was ich leiden muß. Denn keine Jungfrau, mein' ich mehr, ein Eheweib Nahm ich in's Haus mir, eine Last, dem Schiffer gleich,[OCR transcription; compare the scan.] Deianeira hat zum Lohn für ihre treue Liebe gegen Herakles eine ungehörige Zuthat in ihr Haus aufgenommen, dem Schiffer gleich, der zu seiner Ladung auch eine lästige Fracht in sein Schiff aufnimmt. : Printed p. 228 Die mir zur Schmach erworben mein treuliebend Herz. Und nun zu zweien harren wir in Einem Bett, Zu ruh'n in seinen Armen! Dies gab Herakles, Der uns der Edle, Treue stets geheißen war, Zum Lohne mir für seines Hauses lange Hut. Zwar Groll zu hegen wider ihn vermag ich nicht, Daß dieser Krankheit süßes Weh ihn oft befällt; Doch auch zu wohnen ihr vereint, den Einen Bund Mit ihr zu theilen, welche Frau vermöchte das? Ich sehe, wie die Jugend ihr fortblühend wächst, Und mir dahinwelkt; lüstern hascht das Auge sich Die Blume jener, und von mir entflieht es scheu. So muß ich fürchten, mein Gemahl wird Herakles Fortan geheißen und der Mann der jüngern Frau. Doch selbst erklärt' ich eben, Groll zu nähren ziemt Niemals dem klugen Weibe; drum verkünd' ich euch, Ihr Lieben, was mich lösen kann von diesem Leid. Vor langer Zeit schon wurde mir ein alt Geschenk Vom alten Unthier, das ein eh'rner Krug bewahrt, Das ich, ein zartes Mädchen noch, vom sterbenden Behaarten Nessos einst empfing aus seinem Blut. Er trug um Lohn die Wand'rer durch des strudelnden Euenos Tiefen auf dem Arm, kein förderndes[OCR transcription; compare the scan.] Euenos, ein Fluß in Aetolien. Vgl. zu V. 6. Printed p. 228 Schiffsruder schwingend, noch die Segel ausgespannt. So trug er mich auch, als des Vaters Machtgebot Mich einst als Gattin folgen hieß dem Herakles, Auf seinen Schultern, und in Stromes Mitte fällt Er mich mit frechen Händen an, hell schrie ich auf, Und ohne Säumen wandte sich Zeus' Sohn und schoß Den Flügelpfeil ab: rauschend fuhr er durch die Brust In seine Lungen. Im Verscheiden sprach darauf Das Ungethüm: des greisen Deneus Tochter du, Noch großen Vortheil hast du, wenn du mir gehorchst, Durch meine Fahrt hier, daß ich dich als lezte trug. Denn wenn von meiner Wunde du verdicktes Blut[OCR transcription; compare the scan.] Deianeira soll das um die Spize des eisernen Pfeiles geronnene Blut des Nessos an sich nehmen, von der Stelle, wo er in die schwarze Galle der von Herakles erlegten lernäischen Hydra getaucht war. Printed p. 228 Auffängst an jener Stelle, wo der Pfeil mich traf, Den gallichtschwarz des Lerna Drachenblut getränkt: So wird es dir für deines Gatten Herz, o Frau, Ein Zauber werden, daß er nie ein andres Weib Fortan getreuer lieben wird an deiner Statt. Hieran gedacht' ich, (denn im Haus, o Freundinnen, War's wohlverschlossen aufbewahrt seit Nessos' Tod,) Und nezte dieses Unterkleid und ordnete, Was er geboten. Und vollbracht ist Alles schon. Wohl möcht' ich arger Künste nicht erfahren sein, Noch je sie lernen; wer sie wagt, ist mir verhaßt: Doch, kann ich diese Dirne durch Bezauberung, Durch Liebesbann bei'm Gatten überwältigen, Dann ist das Werk vollendet, wenn's euch etwa nicht Ein eitles Werk scheint; anders lass' ich ab davon. Der Chor. Wohl, wenn Vertrauen irgend ist bei dieser That, Scheint uns der Plan nicht übel, den du ausgedacht. Deianeira. Ich habe wohl Vertrauen; doch es gründet sich Auf bloßen Glauben, kein Versuch erprobt' es noch. Der Chor. So mußt du handeln, weil du, wenn auch glaubend, dir Doch keine Kenntniß unversucht gewinnen kannst. Deianeira. Wir werden's bald erfahren; denn ich sehe schon Ihn vor dem Hausthor; ungesäumt erscheint er hier. Nur mein Geheimniß berget wohl; Schmachvolles auch, Verübtest du's im Dunkel, bringt dir keine Schmach. Lichas. Die Vorigen. Lichas. Was soll ich thun? Kind des Deneus, sage mir's: Denn schon verspätet säumen wir die lange Zeit. Deianeira. Dir das zu sagen, säumt auch ich schon lange hier, Index du sprachst im Hause mit den fremden Frau'n: Du sollst, o Lichas, dieses feingewobne Kleid Dem Manne bringen als Geschenk von meiner Hand. Doch ihm es reichend, sage, daß kein Sterblicher Eh' als er selber sich damit umhüllen soll,[OCR transcription; compare the scan.] Niemand soll vor Herakles das Kleid anlegen, noch soll es der Sonne oder dem Feuer ausgesezt werden, weil es im ersteren Falle seinen Zauber an einem Dritten üben, im anderen unwirksam werden würde, wie Nessos ihr bedeutet hat V. 675. Printed p. 228 Und daß es weder schauen soll der Sonne Strahl, Noch heil'ger Altar, noch des Herdes Feuerglanz, Bevor er selbst es offen, öffentlich geseh'n, Am Tag der Stieresopfer frei den Göttern zeigt. Denn so gelobt' ich: säh' ich oder hört' ich einst, Er sei nach Haus gerettet, woll' ich nach Gebühr Mit dem Gewand ihn schmücken, und den Göttern ihn Als Opferpriester zeigen neu im neuen Kleid. Davon ein Zeichen bringst du, das er leicht erkennt, Sobald er dieses Siegels Ning in's Auge faßt. Nun geh' und erstens halte mir die Regel fest, Als Bote nicht zu fröhnen eitler Neubegier; Dann sorge, daß sich seine Gunst und meine Gunst Zum Doppeldanke gegen dich vereinige. Lichas. Ja, wenn ich anders meine Kunst in Hermes' Hut[OCR transcription; compare the scan.] Hermes ist Bote der Götter und Beschüzer der Herolde. Printed p. 228 Wohl übe, werd' ich keinen Fehl an dir begehn: Ich überbringe, wie es ist, ihm dies Gefäß, Und füge treu die Worte, die du sprachst, hinzu. Deianeira. Nun magst du hingeh'n: ist es dir doch wohlbekannt, Wie dort die Sachen alle steh'n in unserm Haus. Lichas. Ich weiß und werde sagen, daß es glücklich steht. Deianeira. Auch weißt du denn du sahst es ja - wie liebevoll Von mir die fremde Dirne jüngst empfangen ward. Lichas. Daß frohes Staunen meine Brust durchschütterte. Deianeira. Was kannst du sonst noch sagen? Bangt mir doch, du wirst Von meiner Sehnsucht früher ihm verkündigen, Bevor dir kund ist, ob auch er nach mir sich sehnt. (Lichas und Deianeira nach verschiedenen Seiten ab. Der Chor bleibt allein zurück.) Erste Strophe. Der Chor. Ihr, die ihr die felsumragten, Heißen Bäder, nah dem Port,[OCR transcription; compare the scan.] Der berühmte Paß Thermopylä hat seinen Namen von den dortigen heißen Quellen und einer alten Befestigung mit einem Thore. Der steile Auslauf des Deta bildet mit dem Meere den Engpaß. Die Enge ist an beiden Enden nur einen Fahrweg breit. Innerhalb derselben, nördlich von Thermopylä, bei Anthele, waren die Size der Amphiktyonen, sowie die Tempel des Amphiktyon und der Demeter Amphiktyonis. Jene sind der V. 627 genannte pylische Rath. Thudichum. Printed p. 228 Und Deta's Hügel umwohnet, ihr, inmitten Melischer Bucht, auch ihr Am Strande der Göttin mit goldnem Pfeil.[OCR transcription; compare the scan.] Die Jungfrau mit goldener Wehr ist Artemis, die Jagdgöttin mit den goldenen Pfeilen, welcher die ganze Küste von Thessalien herab heilig war. Printed p. 228 Wo Hellas' pylischer Rath Vom Ruhme weit genannt wird! Erste Gegenstrophe. Süßhallende Flöten kehren[OCR transcription; compare the scan.] Die Flöte, ein Tonwerkzeug des Krieges, wird jezt, nachdem der Friede zurückgekehrt, der milden Lyra gleich sich vernehmen lassen, wie diese bei den heiteren Festen der Götter ertönt. Printed p. 228 Bald zurück an euren Strand, Kein feindliches Jauchzen erhebend, nein, der Lyra Göttlichen Feierklang. Denn Zeus' und Alkmene's erhab'ner Sohu Eilt her, mit jeglichem Preis Des Muths gekrönt, zur Heimat: Zweite Strophe. Er, dessen wir volle zwölf Monden,[OCR transcription; compare the scan.] Herakles war nach V. 44 fünfzehn Monate, wofür hier in runder Zahl zwölf genannt sind, von Trachis abwesend, meist auf dem Meere, weil er nach Lydien verkauft war. Printed p. 228 Da er ferne vom Haus im Meer umhertrieb, Sehnsüchtig harrten, ohne Kunde. Aber sein geliebtes Weib, die Arme, (Armes Herz, von Gram verzehrt!) Sie schwand in ewigem Jammer hin. Doch jezt nahm, kaum noch in Wuth, Ares nahm den traurigen Tag von ihr.[OCR transcription; compare the scan.] Ares, der Kriegesgott, hat das Ungemach von Deianeira genommen, indem er den Kampf gegen Dechalia entzündet und zu einem glücklichen Ende geführt hat. Printed p. 229 Zweite Gegenstrophe. Er erschein', er erscheine! Nie raste In der Eile des Laufes ihm das Fahrzeug, Bis unsre Stadt er glücklich erreiche, Vom Altar der Insel heim sich wendend, Wo er, heißt es, Opfer bringt. Von dort erschein' er diesen Tag, Von Peitho's Salbe getränkt,[OCR transcription; compare the scan.] Peitho's Salbe, das Zaubermittel; Peitho, die Göttin der Ueberredung, nach Sappho Tochter Aphrodite's. Printed p. 229 Deren Zauber das Ungeheuer pries! Deianeira. Der Chor. Deianeira. Ihr Frauen, ach, wie bangt mir, daß ich über Maß Hinausgeschweist in Allem, was ich eben that! Der Chor. Was ist es, Deneus' Tochter, Deianeira? Sprich! Deianeira. Ich weiß nicht, aber fürchte, bald erweist es sich: In schöner Hoffnung schuf ich mir ein großes Leid. Der Chor. Doch wohl mit deiner Gabe nicht an Herakles? Deianeira. Das eben: Keinem rath' ich mehr, vertrauensvoll Ein Werk zu wagen, dessen Frucht im Dunkel ruht. Der Chor. So sage, kannst du's sagen, was dir Furcht erweckt. Deianeira. Ein Wunder ist geschehen, das, erzähl' ich es, Wohl eurem Ohr unglaublich klingen wird, o Frau'n. Des wolligen Lammes Silbervließ, mit dem ich erst Das Kleid bestrichen, welches ihn umhüllen soll, Das ist verschwunden, nicht verzehrt von irgendwas Im Hause; durch sich selber aufgezehrt, entschwand's, Und stob hinweg vom Steine. Daß du ganz erkennst,[OCR transcription; compare the scan.] Die Flocke, das Büschelchen Wolle, womit Deianeira das Gift an das Kleid gestrichen, stob von dem Steine, dem steinernen Fußboden, hinweg, auf welchen sie dieselbe an eine von der Sonne beschienene Stelle geworfen hatte; sie fand die Flocke durch sich selber aufgezehrt", d. h. in Asche verwandelt und zerbröckelt. Printed p. 229 Wie dieses zugegangen, hol' ich weiter aus. Was jenes Ungeheuer, als der bittre Pfeil Ihm schmerzlich wühlt' im Busen, mir bedeutete, Der Worte keins vergaß ich, nein, bewahrte sie, Wie Schrift auf eh'rner Tafel, die niemals erlischt. Mir war geboten, (und ich that nach diesem Wort,) Den Liebeszauber tief im Haus zu bergen, stets Vom Feuer fern, vom heißen Lichtstrahl unberührt, Bis daß ich eben salbend ihn verwendete. Und also that ich. Aber als die Stunde kam, Bestrich ich heimlich im Gemach daheim mit Flaum, Den ich vom Lamm der eignen Wollenheerde nahm, Und legte wohlgefaltet, fern vom Sonnenstrahl, In's hohle Kästchen das Gewand, wie ihr's geseh'n. Doch wiederkommend seh' ich, was die Sprache nicht Zu schildern weiß, was keines Menschen Geist erklärt. Ich warf des Lammes Flocke so von ungefähr, Als ich das Kleid bestrichen, auf den Boden hin[OCR transcription; compare the scan.] L. ἐς μέσην χθόνα und 687 κατέψηκται φλογί. Printed p. 229 In Sonnenstrahlen. Als sie warm geworden hier, Zerfloß sie ganz unkennbar und zerstob im Strahl, Gestaltet so wie Spähne, die du wohl erblickst, Nachdem der Säge scharfer Zahn das Holz durchfeilt. So lag sie da zerfallen. Doch vom Boden, wo Sie lag, da zischte Blasenschaum dicksprudelnd auf, Wie wenn von Bacchos' Rebenstock der fette Trank[OCR transcription; compare the scan.] Der Sinn ist: wie wenn man gährenden Most von blauen Trauben verschüttet. ὀπώρα, der Herbst, ist der Traubenertrag, wie im Deutschen, so bei Anakreon und anderer Orten, und bei Sophokles selbst; fett heißt auch bei uns der Most; Bläue nimmt er während des Gährens an; blauröthlich aber mußte der Schaum des vergifteten Blutes sein. Thudichum. Printed p. 229 Des blauen Herbstes auf den Grund geschüttet wird. Nun weiß ich nicht, ich Arme, was ich denken soll; Denn Grauenvolles, seh' ich, ist durch mich gescheh'n. Warum, wofür denn sollte sterbend auch das Thier Wohlwollen mir erweisen, die ihm Tod gebracht? Nein, nein! Vertilgen wollt' es seinen Mörder nur, Und mich betrog es: allzuspät gewinn' ich jezt Davon die Kunde, wo sie nicht mehr frommen kann. Denn ich allein ja, wenn ein Wahn mich nicht berückt, Ich werd' allein ihn tödten, ich Unselige. Ich weiß, dem Gotte Cheiron auch schlug dies Geschoß[OCR transcription; compare the scan.] Cheiron wurde von Herakles, als die Kentauren sich in seine Grotte auf dem Pelion geflüchtet hatten, unvorsäzlich mit einem Pfeile in's Knie getroffen, und konnte, wiewohl selbst ein großer Arzt, nicht geheilt werden, noch auch sterben, bis Zeus ihm gestattete, für den Prometheus in die Unterwelt zu gehen. Printed p. 229 Die Todeswunde, jedes Wild, das dieser Pfeil Berührte, findet seinen Tod: wie sollte nun Das schwarze Blutgift, das in Nessos' Wunde trof, Nicht auch Herakles tödten? Sicher, dünkt es mir. Doch fest bin ich entschlossen: trifft den Gatten Tod, Sterb' ich zugleich getroffen durch denselben Schlag. Denn niedern Rufs zu leben, trägt die Freie nicht, Die groß es achtet, nicht von niedrer Art zu sein. Der Chor. Wohl unvermeidlich wohnt die Furcht bei schwerer That; Doch richt' Erwartung vor der That Erfolge nicht. Deianeira. Es wohnt in ungerechten Unternehmungen Auch nicht Erwartung, die Vertrau'n und Muth gewährt. Der Chor. Wohl aber straft den ohne Vorsaz Fehlenden Gelindes Zürnen; also ziemt es dir von ihm. Deianeira. Nicht also sagt wohl Einer, den die Noth bedrängt; So sprechen die nur, welche Nichts daheim betrübt. Der Chor. Dir ziemte wohl zu hemmen jedes weitre Wort, Wenn du dem eignen Sohne Nichts verrathen willst; Der jüngst den Vater suchen ging, er ist zurück. Hyllos. Die Vorigen. Hyllos. Mutter, Eines wünscht' ich wohl aus Dreien mir: O daß du todt wärst, oder daß ein Anderer Dich Mutter nennte, oder daß dir bessern Sinn Eingäb' ein Gott, als diesen, der dich jezt beseelt! Deianeira. Was that ich, Sohn, das solches Hasses würdig war? Hyllos. So wisse, deinen Gatten, der mein Vater hieß, Ihu hast du hingemordet heut an diesem Tag. Deianeira. Weh! Welches Wort kam über deine Lippen, Sohn? Hyllos. Das nimmer ungeschehen wird; denn wer vermag Das ungescheh'n zu machen, was vollendet ist? Deianeira. Wie sagst du? Welchem Menschen sprichst du's nach, o Kind, Ich hätte solch unselig grause That verübt? Hyllos. Ich sah's mit eignen Augen an, das schwere Leid Des Vaters, nicht aus fremdem Munde hört' ich es. Deianeira. Wo kamst du deinem Vater nah' und warst um ihn? Hylos. Ziemt dir's zu wissen, Alles denn sei dir gesagt.[OCR transcription; compare the scan.] Wenn dir's zu wissen ziemt", si te scire fas est, da Deianeira dessen eigentlich unwürdig war. Printed p. 229 Als er, zerstörend Eurytos' ruhmvolle Stadt, Mit Siegstrophä'n und stolzer Beute weiter 30g; Jezt auf Euböa's meerumspültem Vorgebirg (Kenäon heißt es) heiligt er dem Vater Zeus Altäre samt des Haines dichtbelaubtem Raum, Wo ich zuerst ihn wiedersah, sehnsüchtig froh. Und als er eben rüsten will der Opfer viel, Trifft unser Herold Lichas ein von unserm Haus, Und bringt dem Vater dein Geschenk, das Todeskleid. Mit diesem, so wie du's befahlst, umhüllt er sich, Und schlachtet zwölf erles'ne Farren ohne Fehl, Den schönsten Schmuck der Beute; doch im Ganzen führt Er hundert Opferthiere dar aus allem Vieh. Anfänglich heitern Sinnes, war der Arme wohl Des Schmucks, des Festgewandes froh und betete: Doch als die Flamme blutigroth vom hehren Mahl Und aus der Fichte fettem Stamm aufloderte, Trof heller Schweiß ihm durch die Haut, und fest umschlang Das Kleid ihm alle Glieder, wie von Künstlerhand Den Seiten angelöthet; sein Gebein durchdrang Die wilde Zuckung folternd; dann, wie mörderisch Feindsel'ger Schlangen grimmes Gift, verzehrt' es ihn. Da rief er tobend nach dem Unglückseligen, Dem Lichas, der nicht schuldig war an deiner That, Mit welchen argen Künsten er dies Kleid gebracht. Der weiß um Nichts, der Arme, sagt, von dir allein Sei diese Gabe, wie er sie von dir empfing. Und jener, als er solches hört und wilder Schmerz Ihm durch das Eingeweide wühlt in reger Qual, Faßt ihn am Beine, wo das Fußgelenke schließt, Und schleudert ihn zum meerumspülten Felsen hin. Und aus dem Haupthaar sprüzte weißes Hirn, ihm barst Der Schädel mitten, und zugleich raun dichtes Blut. Doch lauten Ruf des Jammers hob das ganze Volk, Als hier der Eine raste, todt der Andre lag, Und Keiner wagte wider ihn heranzugehn. Denn nun zur Erde stürzt er, raffte dann sich auf, Laut schreiend, heulend; Fels an Fels erdröhnte rings, Der Lokrer Waldgebirge samt Euböa's Höh'n. Doch als der Arme sich erschöpft, indem er oft Umher sich warf am Boden, oft aufjammernd schrie, Und Schmach gerufen über dein unseliges Ehlager, arme Mutter, wie sein Leben ihm Der Bund mit Deneus' edlem Haus verwüstete; Da hob aus Qualm und Dampfe, der ihn rings umwogt, Der Held des Auges wirren Blick, sah weinend mich Dasteh'n im Volksgewühle, blickt mich an und ruft: O komm heran, Sohn, fliehe nicht vor meinem Leid, Auch wenn du sterben müßtest mit mir Sterbenden! Nein, hebe mich von hinnen, birg am liebsten mich In Deden, wo kein Menschenauge mich erspäht! Ja, fühlst du Mitleid, führe mich aus diesem Land Im schnellsten Schiffe, daß ich hier nicht sterben muß! Nachdem er das geboten, hob ich ihn sofort In einen Nachen; doch er stöhnt' in Zuckungen, Wir konnten kaum hier landen, und ihr werdet gleich Ihn schauen lebend oder kaum verblichen erst. Dies, Mutter, dies ersannest, also thatest du An meinem Vater: strafe dich Erinnys denn, Die Nache Dike's! Ist es recht, ersleh' ich das; Recht aber ist es, weil du kühn verhöhnt das Recht, Und ihn, der Männer besten, der auf Erden war, Gemordet, wie wohl keinen mehr dein Aug' erblickt! (Deianeira geht ab.) Der Chor. Was gehst du schweigend? Weißt du nicht, indem du schweigst, Bekennst du dem dich schuldig, der dich schuldig fand? Hylos. laßt sie geh'n! Ein frischer Fahrwind trage sie Aus meinen Augen fern' hinweg, die Fliehende ! Was soll sie grundlos mit des Mutternamens Glanz Sich brüsten, wenn sie keine Pflicht der Mutter übt? Nein, mag sie geh'n in Freuden, und die Wonne, die Sie meinem Vater gönnte, werd' ihr selbst zu Theil! (ab in das Haus.) (allein.) Erste Strophe. Der Chor. Wie bald, o Jungfrau'n - seht ihr es? wie sich so Erfüllen die Gottesorakel bald Aus dem Mund der alten Weisheit, Welche verhießen, sobald der zwölfte Sommer ihm Schwand in der Monde Geleit, erreiche seiner Müh'n Ende der Sohn des Zeus! Und solches schreitet Unverrückt dem Ziele zu. Nimmer ja bedrängt, nimmer, Den Geschiedenen, der sein Auge schloß, Arbeit und Drangsal. Erste Gegenstrophe. Denn wenn die unabwendbare trügliche Kunst Mit tödtendem Hauche des Neffos, Mit dem Gift ihm tränkt die Glieder, Welches erzeugte der Tod, die Drachenbrut gebar: Wie könnt' er andere Sonnen noch als diese schau'n, Von der Gewalt umstrickt der grausen Hydra? Und zugleich in tiefer Brust Brennen ihm des Schwarzlocki- gen betrüglichen Worte, Stacheln gleich,[OCR transcription; compare the scan.] Die betrüglichen Worte des Nessos vergelten den Mord, indem er durch die von ihm arglistig angerathene Anwendung des Giftes seinen Tod rächt. Printed p. 229 Den Mord vergeltend. Zweite Strophe. Sie ahnte den Trug nicht, Die Bedrängte, sie sah nur das Iammergeschick von dem neuen Bund Ihr Haus rastlos bedroh'n; Des tückevollen Rathes Sinn Verstand sie nicht, den Quell grausen Verhängnisses. Wohl jammert sie kläglich nun, Wohl feuchtet die Wang' ihr zart Frischquellender Thränen Thau. Da kommt das Geschick, das des Betrugs gräßliche Schuld offen an's Licht fördert. Zweite Gegenstrophe. Hell strömt mir die Zähre: Es ergoß sich (o Götter!) ein Uebel, wie nie von dem Feinde selbst Kronions hohen Sohn Ein Loos zu seiner Qual umfing. Weh, düstrer Speer, voran herrschend im Kampfgewühl, Der dort so behend die Braut Siegreich von Dechalia's Hochragender Burg entführt! Wohl helfend erschien Kypria dir, welche der Lieb' heimlichen Bund knüpfte. Der Chor. Bald darauf die Amme. Der erste Halbchor. Hat mich ein Wahn betrogen, oder hör' ich nicht Ein Jammern, das sich eben jezt im Haus erhebt? Was sag' ich? Der zweite Halbchor. Wohl hallt es nicht undeutlich, herzzerreißend tönt Wehklage drinnen; neue Noth gebiert das Haus. siehe, Der erste Halbchor. Wie dort die Greisin kummervoll mit düstern Brau'n Auf uns herankommt, irgendwas uns kundzuthun! Die Amme. Die Gabe, Kinder, zugesandt dem Herakles, Welch großes Unheil hat sie nun auf uns gebracht! Der Chor. Welch neuen Unfall, greise Frau, verkündest du? Die Amme. Den lezten aller Pfade ging die Königin, Herakles' Gattin, mit bewegungslosem Fuß. Der Chor. Doch nicht den Pfad des Todes? Die Amme. Alles hörtest du. Der Chor. Todt ist die Arme? Die Amme. Hör' es denn zum andernmal! Der Chor. Elend verlorene! Wie sie starb, o sage mir's. Die Amme. Durch grause, kühn verwegne That. Der Chor. In welchen Tod, Frau, stürzte sie? Die Amme. Sie hat sich selbst getödtet. Der Chor. War es Raserei, Wahnsinn Die Amme. Entrafft hat sie die Wuth Der bösen Waffe Der Chor. Wie erdachte sie Noch zu dem Tode den Tod, Und vollbracht' es allein? Die Amme. Mit des grauenvollen Stahles Schärfe. Der Chor. Und sahst du diesen Frevel an, Unselige? Die Amme. Ich sah es, freilich, weil ich ihr ganz nahe stand. Der Chor. Wer that's? Wie? Erzähle! Die Amme. Sie selbst mit eignen Händen hat die That gethan. Der Chor. Was sagst du? Die Amme. Die Wahrheit. Der Chor. Wohl gebar, wohl gebar Diese jüngsterkorne Braut Einen schweren Fluch dem Hause. Die Amme. Gewiß; und größer, wenn du gegenwärtig dort Die That gesehen, wäre dein Bedauern noch. Der Chor. Und das zu thun, hat eine Frauenhand vermocht? Die Amme. Entsezlich! Höre, daß du selbst es mir bezeugst. Sobald die Herrin, einsam heimgekehrt in's Haus, Den Sohn im Hofe breiten sah ein Lagerbett, Bevor er seinem Vater wollt' entgegengeh'n: Da floh sie, sich zu bergen, wo Niemand sie sah, Und warf sich nieder am Altar, und schluchzte laut, Sie sei verwaist nun, weinte, welch Geräthe sie Berühren mochte, dessen sie sich sonst bedient; Dann durch die Wohnung überall umhergestürmt, Vergoß die Arme Thränen, wann ein liebes Bild Von Hausgenossen ihrem Blick entgegentrat, Und klagt ihr eignes Schicksal an und jammert, daß Ihr Haus in Zukunft erbenlos verblühen soll. Drauf als verstummt ihr Iammer, seh' ich sie sofort Hinein sich stürzen in's Gemach des Herakles. Und ich, in Dunkel eingehüllt, stand unbemerkt Und lauschte, sah dann, wie die Herrin Teppiche Dort auf Herakles' Lagerstatt ausbreitend warf. Und als sie das vollendet, sprang sie selbst hinauf, Und ließ sich nieder mitten auf dem Ruhebett, Und ruft, in heiße Thränenström' ergossen, aus: mein geliebtes Lager, o mein Brautgemach, Nun lebet wohl auf ewig, denn nie nehmt ihr mich Hinfort in diesen Räumen auf in seinem Arm! So rief die Herrin, löste dann mit rascher Hand Ihr Leibgewand, wo goldgetriebne Spangen es Zuschlossen vorn am Busen, und entkleidete Die ganze linke Seite samt des Armes Bug. Und ich, so schnell ich konnte, rannt' in jähem Lauf, Und that dem Sohne dieses ihr Beginnen kund. Indeß wir dorthin und zurück in Eile geh'n, Da seh'n wir, wie der doppelschneidig scharfe Stahl Schon bis in Herz und Leber ihr die Brust durchbohrt. Der Sohn gewahrt's und jammert; er erkannte wohl, Daß er im Zorn hervorgerufen solche That, Zu spät belehrt von seinen Dienern, daß sie nur Nach Nessos' Rathe willenlos das Werk verübt. Und nun verstummte nimmermehr der Klageruf Des armen Sohnes, der um sie laut jammerte, Den Mund an ihre Lippen schloß, und festgeschmiegt Die Seit' an ihre Seite, viel aufseufzend rief, Er habe fälschlich böse Schuld auf sie gewälzt, Und weinte, daß sein Leben nun zwiefach verwaist Hinschwinden werde, vaterlos und mutterlos. So steht es dort im Hause. Drum wenn Einer sich Im Geiste zwei, ja mehre Tage noch verheißt, Den nenn' ich albern; dem gehört das Morgen nicht, Der nicht das Heute glücklich schon zurückgelegt. (ab in das Haus.) (allein.) Erste Strophe. Der Chor. Bejammr' ich erst Herakles' Loos, Und dann der Herrin leztes Leid? Weh, wo beginn' ich Unsel'ge? Erste Gegenstrophe. Das Eine seh' ich im Hause dort, Des Andern harr' ich in banger Furcht: Morgen und Heute droht schreckend. Zweite Strophe. Wenn eilende Lüfte doch Mit hellem Hauch vom Herde sich erhüben, Hinweg von dieser Stätte mich zu tragen, daß Nicht das Entsezen mich sofort Entseelt, wenn ich einsam duldend Schaue Zeus' gewaltigen Sohn! Denn, ach! in unnennbar bitterer Qual, So sagen sie, naht er dem Hause, Unerhörter Anblick! Zweite Gegenstrophe. Nicht fern, in der Nähe scholl Mein Klageton, wie heller Nachtigallen; Denn fremder Menschen Tritte hör' ich dort. Wohin Tragen sie ihn? Um ihren Freund Voll zärtlicher Sorg', erheben Sie geräuschlos stillen Schritt. Weh! Sprachlos tragen sie dort ihn her! Wie? Soll ich für todt ihn achten, Oder deckt ihn Schlummer? Herakles wird, von Männern aus dem Volke begleitet, schlafend auf einer Bahre dahergetragen. Hyllos (tritt aus dem Hause). Ein Greis (der Führer des Zuges, der die Bahre niederſezt). Weh, Vater, um dich! Unseliger ich! Weh, weh Hyllos. mir um dich! Was beginn' ich? Was sinn' ich? weh mir! Der Greis. Halt' ein, mein Sohn! Nicht rege mir auf In dem grimmigen Mann den verzehrenden Schmerz! Er schlummert und lebt; drum hemme den Laut! Hylos. Wie sagtest du, Alter? Er lebt noch? Der Greis. Nicht weck' ihn auf, den Schlummer umfängt! Nicht reize mir, Kind, nicht rege mir auf Das gewaltige, wild umschweifende Weh! Doch es lastet auf mir Hyllos. Mit unendlicher Schwere die Trauer. Ach, Zeus! (erwachend) Herakles. Wo kam ich hin? Bei welchem Geschlecht Der Geborenen lieg' ich, gefoltert von nie, Nie rastender Qual? Ich Leidender, weh! Schon faßt sie mich wieder, die Arge! (zu Hyllos) Der Greis. Nun siehest du wohl, wie gerathen es war, Dich stumm zu verbergen und nicht von dem Haupt, Von der Wimper ihm nicht zu verscheuchen den Schlaf? Ich vermag mich nicht, Hylos. Dies Leid anschauend, zu fassen. Herakles. Ihr Altäre des Zeus auf Kenäons Höh'n, Welch traurigen Dank, ach! habt ihr an mir Für die herrlichen Opfer gewonnen! Welch bittere Schmach, Zeus, legst du mir auf! Daß nie solch Grau'n mein Auge geseh'n, Ha, nimmer geseh'n wahnsinniger Wuth Unvertilgbar wuchernde Blüte! Wer spräche den Spruch, wo wäre der Arzt Mit der fertigen Hand, der ohne des Zeus Allmacht dies Unheil zaubert' in Schlaf? Nie werd' ich das Wunder erblicken! (er wird aufgehoben.) Ah! Ah! Lasset mich, lasset mich ruhen, den Leidenden! Sa, ruh'n laßt mich zum leztenmal! Wie rührst du mich an? Wo legst du mich hin? Tod bringst du mir, Tod! Das entschlafene Leiden erweckst du. Wieder erfaßt es mich, ach! Schon kommt's! Von wannen in Hellas Seid ihr Undankbarsten im Volk hellenischer Männer, Die ich gerettet im Meer, und reinigend alle Gehölze, Mich mühselig verzehrt? Und jezt will Keiner erbarmend Nah'n mit Feuer und Lanze, die gräßliche Qual zu ver- (Ah! Ah!) kürzen, Nah'n, um das Haupt mir vom Rumpfe zu trennen, und Mich befrein von des Lebens Leid? Der Greis. Sohn des gewaltigen Manns, dies Werk zu bestehen, gebricht es Mir an rüstiger Kraft: du fass' ihn! Schärfer erspäht auch Hülfe dein Aug' als ich es vermag. Hylos. Schon halt' ich den Vater; Doch die verzehrenden Qualen, ich kann sie weder mit eigner Kraft noch Anderer Hülfe bewältigen. Solches verhängt Zeus. Wo, Sohn, bist du, wo? Herakles. Fasse mich, fasse mich hier, und erleichtre mich! weh, Götter, weh! (Sie sezen ihn auf.) Schon wieder auf mich stürmt her, stürmt her In vertilgender Wuth Der unnahbare grauenvolle Schmerz. Wieder, o göttliche Pallas, verzehrt mich's! Fühle mit deinem Vater Erbarmen, o Sohn, zeuch aus den untadlichen Mordstahl, Stoße mir ihn in die Brust, und heile den Schmerz, den die Mutter Frevelnd im Zorn mir entflammt! Ha, säh' ich sie niedergeschmettert Also hier, wie mich sie vernichtete! Lieblicher Hades, Wiege mich, Bruder des Zeus, Wiege mich ein in den Schlaf, und vertilge mich Armen in raschem Tod! Der Chor. Mit Schaudern hör' ich, welche Qual, o Freundinnen, Den König (welchen Helden, ach!) grimmvoll bestürmt. Herakles. Ha, vieles Leid und heißes, schon im Worte schwer, Rang ich mit Arm und Nacken muthig duldend aus! Und dennoch hat Zeus' Gattin niemals solche Qual Mir aufgebürdet noch Eurystheus' bittrer Haß,[OCR transcription; compare the scan.] Ueber Eurystheus s. zu V. 35. - 1036. Die Giganten waren Söhne der Erde (der Gäa), empfangen aus den Blutstropfen des Uranos, welchen sein Sohn Kronos der Scham beraubt hatte. Als sie den Olympos zu stürmen versuchten, wurden sie von Zeus, nachdem die zum Beistande gerufenen Götter nach Aegypten entflohen waren, mit Hülfe des Herakles besiegt. Printed p. 229 Printed p. 230 Wie nun des Deneus Tochter, die voll arger List Um meine Schultern dieses Nez mir schlingend warf, Das ihr Erinnen woben, mir zu sichrem Tod. Denn festgeschmiegt an meine Seiten, zehrt es mir Das lezte Fleisch ab, schlürst die Lungen aus und dringt In ihre tiefsten Adern ein; schon trank es mir Das frische Blut weg; ganz dahin, vernichtet schwand Mein Leib, in diese Fesseln unsichtbar verstrickt. Kein Kampf im Felde, noch der erdentstiegenen Giganten Heerzug, noch der Ungeheuer Wuth, Kein Mann in Hellas, kein Barbar, kein andres Land, Zu dem ich säubernd wallte, hat mir das gethan. Ein Weib, ein schwaches Wesen, nicht von Mannesart, Hat jezt allein mich ohne Schwert hinweggerafft. Mein Sohn, beweise du dich als mein ächter Sohn, Und laß der Mutter Namen dir nicht theurer sein! Mit deinen Händen schleppe sie vom Hause, gib In meine Hand die Mutter, daß ich sehen mag, Ob mehr dich jammre mein Geschick, als ihre Schmach, Ihr Bild zu schauen, das mit Recht geschändet wird. Auf, wage muthig und erbarm', o Sohn, dich mein, Der Vielen weckt Erbarmen, der, dem Mädchen gleich, Ausschluchzt in Thränen. Nimmer kann ein Sterblicher Behaupten, daß er also je mich thun gesehn : Nein, ohne Seufzen trug ich stets mein Mißgeschick. Ein solcher Held einst, steh' ich nun als weibisch da. Sezt tritt heran an deines Vaters Seite, Kind, Und sich, von welchem Schicksal ich so bittres Leid Erdulde; denn ich zeig' es ohne Hülle dir. (er enthüllt sich.) Schaut her, betrachtet alle mein unselig Bild, Seht an mich Armen, wie bejammernswerth ich bin! Ach, ach! Wehe mir! O, o! Des Schmerzes Zucken, eben glüht es wieder auf, Durchtobt die Seiten; ungemartert läßt sie mich Nicht mehr, so scheint's, die zehrend grauenvolle Qual. O Fürst Hades, nimm mich auf! Strahl des Zeus, erschlage mich! Schwing' her, o König, schleudre dein Geschoß herab, Den Bliz, o Vater! Wieder wühlt es ungestüm, In vollen Gluten tobt es! Händ', ihr Hände, weh, O Brust, o Rücken! Ihr geliebten Arme hier, Seid ihr dieselben, die des Hirtenvolkes Grau'n Vormals, den Löwen, der gehaust bei Nemea, Die Brut, unnahbar, ungesellig wilder Art, Mit starker Kraft vertilgten, Lerna's Hyder auch, Der Ungehener Zwitterheer von Mann und Roß, Das stolze, zuchtvergess'ne, frech gewaltige, Und Erymanthos' Eber, auch der Schattenwelt Dreiköpfigen Hund, den unbezwingbar'n Kerberos, Echidne's Sohn, der grausen, auch den Drachen, der Die goldnen Aepfel hütet' an der Erde Saum? Und andrer Mühen kostet' ich noch tausende, Und Keiner trug von meinem Arm den Sieg davon. Nun starren, wie zerrissen, Haut und Glieder mir, Ein ungeseh'nes Wehe zehrt mich Armen aus, Mich, der ein Sohn der besten Mutter heißt, ein Sohn Des Zeus genannt wird, welcher bei den Sternen thront. Doch sollt ihr dieses wissen: bin ich auch ein Nichts, Und trägt mein Fuß mich nimmer, dennoch will ich sie, Die das gethan, bezwingen. Ja, sie komme nur, Auf daß sie lerne, Jedermann es kundzuthun, Die Bösen straf' ich lebend und im Tode noch! Der Chor. Unselig Hellas! Welche Trauer seh' ich dein Noch warten, wenn dir dieser Held entrissen wird! Hyllos. Mein Vater, nun du Gegenrede mir vergönnst, So höre, wenn auch leidend, mich mit Schweigen an. Nur was ich billig fordern darf, erbitt' ich mir. Gib mir dich hin und höre, nicht so sehr ergrimmt, Als deine Qual dich stachelt; sonst erkennst du nicht,[OCR transcription; compare the scan.] Sonst erkennst du nicht, woran du vergeblich deine Lust zu haben strebst, und worin du ohne Grund Schmerz findest. Jenes geht auf die beabsichtigte Rache an Deianeira (1086 f.), dieses auf den Wahn, Deianeira habe wissentlich dem Herakles den Untergang bereitet." Printed p. 230 Wonach dich grundlos lüstet, was grundlos dich schmerzt. Herakles. Sprich, was du willst, dann schweige; denn in meinem Leid Versteh' ich längst von Allem, was du schwazest, Nichts. Hyllos. Von meiner Mutter komm' ich dir zu sagen, wie's Ihr geht, und was sie willenlos verschuldete. Herakles. Du ganz Verworfner! Nennst du gar die Mutter noch, Die Mörderin des Vaters, daß ich's hören muß? Hyllos. Sie traf ein Schicksal, daß zu schweigen nicht geziemt. Herakles. Wohl ziemt es nicht zu schweigen nach so schwerer Schuld. Hyllos. Du redest anders, wenn du hörst, was heut geschah. Herakles. Sprich; aber siehe, daß du nicht mit Schmach bestehst. Hyllos. Wohl: eben starb sie, liegt entseelt durch blut'gen Mord. Herakles. Von wem? Ein Unheilswunder offenbarst du mir! Hylos. Sie starb von eignen Händen, nicht durch fremde Hand. Herakles. Weh mir! Bevor sie nach Gebühr mein Arm erschlug? Hyllos. Vernimmst du Alles, wendet sich dein Groll vielleicht. Herakles. Seltsam beginnt die Rede; sprich, wie meinst du das! Vernimm es kurz: das Gute wollend, fehlte sie. Den Vater mordend, that sie gut, o Bösewicht? Hyllos. Sie wähnte dich zu ketten durch ein Liebesnez, Die junge Braut erblickend, und verfehlt ihr Ziel. Herakles. Und wer zu Trachis war der große Zauberer? Hyllos. Das Ungeheuer Nessos einst bethörte sie, Durch solchen Bann zu fachen deine Liebesglut. Herakles. Weh, weh, ich Unglücksel'ger! Nun bin ich dahin! Ich bin verloren, mir erlosch des Lebens Licht! Ach, ach! Ich weiß nun, welches Loos mich heimgesucht. Geh, trauter Sohn, (denn keinen Vater hast du mehr,) Geh, rufe deine Brüder all' und Schwestern mir, Auch rufe mir Alkmenen, die vergeblich, ach![OCR transcription; compare the scan.] Alkmene war dem Zeus vergeblich vermählt", da Zeus den mit ihr erzeugten Sohn Herakles nicht so verderben könnte. Printed p. 230 Dem Zeus vermählt war, daß ich euch den Götterspruch Von meinem Ende, den ich weiß, verkündige. Hylos. Doch hier verweilt die Mutter nicht; sie zog hinweg, Um dort zu wohnen, nach der Meeresstadt Tirynth. Ein Theil der Kinder nahm sie mit und zieht sie groß; Die andern sind in Kadmos' alter Stadt daheim. Wir, die wir hier sind, wollen, was du, Vater, uns Gebietest, dir gehorchen und zu Dienste sein. Herakles. So höre du denn Alles. Dir erschien die Zeit, Zu zeigen, welch' ein Mann du bist, ob würdig mein. Mir war vorlängst von meinem Vater offenbart, Durch keinen stürb' ich, der im Licht der Sonne lebt, Mich morde nur ein Todter, der im Hades wohnt. Nun hat das Unthier Nessos, (wie des Gottes Spruch Kundthat,) der Todte, mich vertilgt, den Lebenden. Doch ich verkünd' euch jüngre Göttersprüche noch, Die gleich den ältern lauten, sie bestätigend, Die dort im Haine, wo der Sell' auf Bergen wohnt[OCR transcription; compare the scan.] Sellen hießen die alten Bewohner der Umgegend von Dodona, aus welchen die Priester des Heiligthums genommen wurden. Vgl. Jl. 16, 233 f. Printed p. 230 Und auf der Erde lagert, ich mir niederschrieb, Wie's aus des Vaters stimmenreicher Eiche scholl. Der Baum verhieß mir, alle Noth, die mich bedrängt, Ein Ziel gewinnen werde sie zu dieser Frist, Die jezt erschienen; und ich hoffte Wonn' und Glück. Doch war damit nichts Andres als mein Tod gemeint; Denn, die der Tod hinraffte, rührt kein Leiden mehr. Nun, da sich alles dieses klar erfüllt, o Kind, So werde du des Vaters treuer Kampfgenoß, Und harre nicht, bis meine Stimme zürnend mahnt; Nein, gib mir nach, hilf willig, und erwähle dir Die schönste Tugend: sei dem Vater unterthan! Hylos. Mir bangt, o Vater, daß du mir mit solchem Wort Entgegentratest; doch befolg' ich dein Gebot. Herakles. So reiche mir vor Allem deine Rechte dar. Hylos. Wozu begehrst du solch ein Unterpfand von mir? Herakles. Du willst damit noch säumen, folgst mir nicht sogleich? Hyllos. Hier hast du meine Rechte, sich, unweigerlich. Herakles. Bei'm Haupte meines Vaters Zeus beschwöre nun Hylos. Wie soll ich schwören? Sagst du mir dies nicht zugleich? Herakles. Das Werk mir auszurichten, das mein Wort gebeut. Hyllos. Wohlan, ich schwör' es; höre Zeus auf meinen Eid! Herakles. Und schwürst du Meineid, rufe Fluch auf dich herab. Hyllos. Mich trifft er nicht; doch - lüg' ich, sei dies Haupt verflucht! Herakles. Du kennst des Oeta höchste Höh'n, den Siz des Zeus? Hyllos. Wohl; oft ja stand ich droben schon als Opferer. Herakles. Auf diese Höhen trage jezt mit eigner Hand Und auserles'ner Freunde Schaar des Vaters Leib; Hier hauet viele Stämme tiefgewurzelter Waldeichen, schneidet aus zugleich viel starkes Holz Vom wilden Delbaum, und darauf legt meinen Leib; Sofort der sicht'nen Fackel Glut ergreift und dann Verbrennt ihn; nicht des Grames Zähre darf ihm nah'n: Nein, ohne Seufzer, ohne Thränen richt' es aus, Bist du des Vaters ächter Sohn; sonst harr' ich dein Auch noch in Hades' Hause stets mit schwerem Fluch. Hyllos. Was sagtest du, mein Vater? Weh! Was thust du mir? Herakles. Was ausgeführt muß werden; oder heiße du Sohn eines andern Vaters, nicht der meine mehr! Hyllos. Und aber weh mir! Was, o Vater forderst du? Dein Mörder soll ich, soll an dir ein Frevler sein? Herakles. Nicht also! Nein, in meinem Leide sollst du mir Der Arzt, allein mir Retter sein aus meiner Dual. Hyllos. Wie kann ich dir denn Retter sein, verbrenn' ich dich? Herakles. Nun, macht dir dieses bange, thu das Andre nur. Hyllos. Dich dort hinauf zu tragen, das verweigr' ich nicht. Herakles. Auch nicht, den Scheiterhausen mir emporzubau'n? Hyllos. Wo nicht mit eignen Händen ich ihn fassen muß. Das Andre thu' ich, und ermüden soll mich's nicht. Herakles. Genügen wird auch dieses; doch zur großen Gunst Erweise mir noch einen kleinen Liebesdienst. Hylos. Und wär' es auch der größte, gern gewähr' ich ihn. Herakles. Du kennst die Jungfrau, kennst das Kind des Eurytos? Hyllos. Von Jole sprichst du, wie ich wohl vermuthen darf? Herakles. Sie meint' ich. Eines leg' ich nun dir auf, o Kind! Nach meinem Tode, wenn du fromm zu sein gedenkst, Und treu dem Eide, welchen du dem Vater schwurst, Nimm sie zum Weibe, sei gehorsam meinem Wort! Kein andrer Mann auf Erden nehm' an deiner Statt Jemals die Jungfrau, die an meiner Seite lag; Nein, nimm sie selbst als deine Gattin auf, o Sohn! Gehorche! Wahrlich, wenn du Großes mir gewährst Und Kleines weigerst, dann zerrinnt der erste Dank. Weh mir! Hyllos. Den Kranken reizen, dünkt mir schlimm; doch bei Vernunft[OCR transcription; compare the scan.] Σ. τὸ μὲν νοσοῦντα θυμοῦσθαι, κακόν. τὸ δ ὧδε δρῶν φρονοῦντα, τίς ποτ᾽ ἂν φέροι; Printed p. 230 Zu thun nach seinem Willen, wer ertrüge das? Herakles. Nichts, was ich sage, willst du thun, erklärst du mir? Hyllos. Wer möchte sie, die meiner Mutter Tod allein, Die ganz allein verschuldet, daß dich solches traf, Wer solch ein Weib sich wählen, wenn kein böser Geist Ihn quält? Vater, besser ist auch mir der Tod, Als daß ich lebe, zugesellt dem schlimmsten Feind. Herakles. Der Knabe will mir, scheint es, auch im Tode nicht Mein Recht gewähren. Aber, traun, der Götter Fluch Wird deiner warten, trozest du des Vaters Wort. Hyllos. Bald zeigst du, scheint es, (wehe mir!) wie krank du bist. Herakles. Du weckst ja selbst mein Leiden, das entschlummert_war. Hyllos. Weh! Zweifel, vielfach, treiben mich rathlos umher! Herakles. Weil, auf den Vater hören, dir unwürdig scheint. Hyllos. So soll ich üben, Vater, was ein Frevel ist? Herakles. Kein Frevel ist es, wenn du mir das Herz erfreust. Hylos. Du heißest alles Ernstes denn mich also thun? Herakles. Gewiß! Zu Zeugen rus' ich deß die Götter an. Hyllos. Wohlan, so thu' ich's, weigr' es nicht: als deines mag Dies Werk den Göttern gelten! Denn ich werde nie Als schlecht erscheinen, Vater, folgt' ich deinem Wort. Herakles. Ganz schön geendigt! Füge nun in Eile noch Die Gunst hinzu, Kind: auf die Scheiter lege mich, Bevor die Zuckung oder Wuth mich neu befällt! Wohlan, erhebt euch, zögert nicht! Traun, dieses löst Allein von meinem Leide mich, des Todes Ziel. Hyllos. Doch nichts verhindert, daß wir thun nach deinem Wunsch, Da du's gebeutst, o Vater, und uns nöthigest. Herakles. Auf, eh du die Krankheit wieder erweckst,[OCR transcription; compare the scan.] Nimmt man ἀνακινῆσαι intransitiv, so ist zu übersezen: Auf, che die Krankheit wieder erwacht. Printed p. 230 Leg' an, mein fest ausharrendes Herz, Dir den eisernen Zaum, der Steine vereint, Und verhalte den Schrei, um mit freudigem Sinn[OCR transcription; compare the scan.] L. ὡς ἐπίχαρτον τελέουσ᾽ ἀεκούσιον ἔργον. τελέουσα f. τελέσουσα. Printed p. 230 Das gefürchtete Werk zu vollenden! Hyllos. Nun hebt ihn, Gefährten, und was ich zu thun Mich bereite, vergebt mir nachsichtvoll: Wohl haben in dem, was eben geschieht, Ganz nachsichtlos sich die Götter gezeigt, Sie, die ihn erzeugt, die, Väter genannt, Solch herbes Geschick voll Gleichmuth sehn. In das Künftige dringt kein sterblicher Blick; Was nun sich begibt, bringt Jammer auf uns, Bringt Schmach auf sie, Und vor Allen wie schwer umfängt es den Mann, Der dieses Unsägliche duldet! (Herakles wird weggetragen.) Der Chor. Auch ihr, Jungfrau'n, bleibt nicht an dem Haus, Wo den neuen gewaltigen Tod ihr geseh'n, Vielfältiges Weh, unerhörtes Geschick! Und dies war alles des Zeus Werk!