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Die Regel, das kulkulable Gesez der Autigonä, verhält sich zu dem des Oedipus, wie
Sie ist eine der verschiedenen Successionen, in denen sich Vorstellung und Empfindung und Räsonnement, nach püetischer Logik, entwickelt, So wie nemlich immer die Philosophie nur ein P, ermögen der Seele behandelt, so dufs die Darstelluug dieses Einen Vermögens ein
Ganzes macht, und das blose Zusammenhängen der
Glieder dieses Einen P, ermögens Logik genaunt wird; so behandelt die Püesie die verschiedenen V, ermügen des Menschen, so dass die Darstellung dieser verschiedenen Vermögen ein Ganzes macht, und das Zusammenhäigen der selbstständigeren Theile der verschiedenen V ermögen der Ihyıhmus ‚ im hühern
Sinne, oder das kalkulable Gesez genannt werden kann.
Ist aber dieser Rhythmus der Vorstellungen so beschaffen, dass in der Rapidität der Begeisterung, die ersten mehr durch die folgenden hingerissen sind, so muss die Cäsur a) dann oder die gegenrhythmische
Unterbrechung von vorne liegen, so dass die erste Hälfte gleichsaın gegen die zweite geschüzt ist, und das Gleichgewicht, eben weil die zweite Ilälfte ursprünglich rapider ist und schwerer zu wiegen scheint, der entgegenwirkenden Cäsur wegen, mehr von hinten her b) sich gegen den Anfang c) neiget.
Ist der Rhythmus der Vorstellungen aber so beschaffen, dass die folgenden mehr gedrungen sind von den anfänglichen, so wird die Cäsur a) mehr gegen das Ende liegen, weil es das Ende ist, was gegen den Anfang gleichsam geschüzt werden mu/s, und des Gleichgewicht wird folglich mehr sich gegen das Ende b) neigen, weil die erste Hälfte c) sich läuger dehnt, das Gleichgewicht aber später vorkommt.
Der kühnste Moment eines Taglaufs oder Kunstwerks ist, wo der Geist der Zeit und Natur, das Himmlische, was den Menschen ergreift, und der Gegenstand, für welchen er sich interessirt, am wildesten gegeneinander stehen, weil der sinnliche Gegenstand nur eine Hülfte weit reicht, der Geist aber am mächtigsten erwacht, da wo die zweite Hälfte angehet. In diesem Momente mu/s der Mensch sich am meisten festhalten, deswegen steht er auch da am offensten in seinem Karakter.
Das tragischmüssige Zeitmatte, dessen Object dem
Herzen doch nicht eigentlich interessant ist, folgt dem reifsenden Zeitgeist am unmäfsigsten, und dieser erscheint dann wild, nicht, dass er die Menschen schonte, wie ein Geist am Tage, sondern er ist schonungslos, ls Geist der ewig lebenden ungeschriebenen Wildnifs und der Todtenwelt.
Das Liebeuswürdige, Verstündige im Unglück. Das
Träumerischnaive. Eigentliche Sprache des Sophokles, da Aeschylus und Enripides mehr das Leiden und den
statt: trittst du der Götter Ehre. Es war wohl nöthig, hier den heiligen Ausdruck zu ündern, da er in der
Mitte bedeutend ist, als Ernst und selbsstäudiges Wort, an dem sich alles übrige objectiviret und verklärt.
Wohl die Art, wie in der Mitte sich die Zeit wendet, ist nicht wohl veränderlich, so auch nicht wohl, wie ein Karakter der kategorischen Zeit kategorisch folget, und wie es vom griechischen zum hesperischen gehet, hingegen der heilige Nahmen, unter welchem das
Höchste gefühlt wird oder geschiehet. Die Rede bezieht sich auf den Schwur des Kreon,
Auf der Erde, unter Menschen, kann die Sonne, wie sie relativ plıysich wird, auch wirklich relativ im Moralischen werden.
Wohl der höchte Zug an der Antigondi: Der erhabene Spott, so fern heiliger Wahnsinn höchste menschliche Erscheinung, und hier mehr Seele als Sprache ist, übertrifft alle ihre übrigen Aeufserungen; und es ist auch nöthig, so im Superlative von der Schönheit zu sprechen, weil die Haltung unter anderem auch auf dem Superlative von menschlichem Geist und heroischer Virtuosität beruhk
Es ist em grosser Behelf der geheimarbeitenden Seele, dass sie auf dem höchsten Bewufstseyn dem Bewufstseyn ausweicht, und ehe sie wirklich der gewgenwärtige Gott ergreift, mit kühnem oft sogar blasphemischem Worte diesem begegnet, und so die heilige lebende Möglichkeit des Geistes erhält.
In hohem Bewuftseyn vergleicht sie sich dann immer mit Gegenständen, die kein Bewuf/stseyn haben, aber in ihrem Schicksal des Bewuf/stseyns Form annehmen.
$o einer ist ein wüst gewordenes Land, das in ursprünglicher üppiger Fruchtbarkeit die Hirkungen des Sonnenlichts zu sehr verstärket, und darum dürre wird. Schiksaal der Phrygischen Niobe; wie überall Schiksaal der unschuldigen Natur, die überall in ihrer Firtuosität in eben dem Grade ins Allzuorganische gehet, wie der
statt: verwaltete dem Zevs das goldenströmende Werden. Um es unserer Vorstellungsart mehr zu nähern.
Im Bestimmteren oder Unbestimmteren muss wohl Zevs gesagt werden. Im Ernstelieber: Water der Zeit oder: Water der Erde, weil sein Karakter ist, der ewigen Tendenz entgegen, das Streben aus dieser
Welt in die andre zu kehren zu einem Streben aus einer andern Weltin diese. Fir müssen die Mythe nemlich überall beweisbarer darstellen. Das goldenstrümende Werden bedeutet wohl die Stralen des
Lichts, die auch dem Zevs gehören, in sofern die Zeit, die bezeichnet wird, durch solche Stralen berechenbarer ist. Das ist sie aber immer, wenn die Zeit im Leiden gezählt wird, weil dann das Gemüth vielmehr dem Wandel der Zeit mitfühlend folget, und so den einfachen
Stundengang begreift, nicht aber der Kerstand von
Gegenwart auf die Zukunft schliefst.
Weil aber dieses vesteste Bleiben vor der wandeluden Zeit diess heroische Eremitenleben das höchste Bewufstseyn wirklich ist, motivirt sich dadurch der folgende
Nemlich dieser enthält, als Gegensaz gegen das Allzuinnige dieser vorhergegangenen Stelle, die höchste Unpartheilichkeit der zwei entgegengesezten Karaktere, aus welchen die verschiedenen Personen des Dramas handeln.
Einmal das, was den Antitheos karakterisirt, wo einer, in Gottes Sinne, wie gegen Gott sich verhält, und den Geist des Hüöchsten gesezlos erkennt. Dann die
fromme Furcht vor dem Schiksaal, hiemit das Ehren
Gottes, als eines gesezten. Diefs ist der Geist der beiden unpartheüsch gegen einander gestellten Gegensäzze im Chore. Im ersten Sinne mehr Antigonä handelnd.
Im zweiten Kreon. Beede, in sofern sie entgegengesezt sind, nicht wie Nationelles und Antinationelles, hiemit Gebildetes, wie Ajax und Ulyss, auch nicht, wie
Oedipus gegen die griechischen Landleute, und die antique Originalnatur, als Freigeist gegen getreue Einfalt, sondern gleich gegen einander abgewogen und nur der Zeit nach verschieden, so dass das eine vorzüglich darum werlieret, weil es anfängt, das andere gewinnet, weil es nachfolgt. Insofern passet der sonderbare Chor , von dem hier eben die Rede ist,
Die tragische Darstellung beruhet, wie in den Aumerkungen zum Oedipus angedeutet ist, darauf, dufs der unmittelbare Gott, ganz Eines mit dem Menschen (denn der Gott eines Apostels ist mittelbarer , ist höchster Werstand in höchstem Geiste) dass die unendliche Begeisterung unendlich, das heifst in Gegensüzzen, im Bewufstseyn, welches das Bewufstseyn aufhebt, heilig sich scheidend, sich fa/st, und der Gott, in der Gestalt des Todes, gegenwärlig ist.
Deswegen, wie schon in den Anmerkungen zum
Oedipus berührt ist, die dialogische Form, und der Chor im Gegensazze mit dieser, deswegen die geführliche
Form, in den Auftritten, die, nach griechischerer Art, nothwendig factisch in dem Sinne ausgehet, dass das
Wort mittelbarer factisch wird, indem es den sinnlicheren Körper ergreift s nach unserer Zeit und
Vorstellungsart, unmittelbarer, indem es den geistigeren Körper ergreift. Das griechischtragische
Wort ist tödtlichfactisch, weil der Leib, den es ergreifet, wirklich tüdtet. Für uns, da wir unter dem eigentlicheren Zeys stehen, der nicht nur zwischen dieser Erde und der wilden FFelt der Todien inne
Und sa ist wohl das Lödtlichfactische, der wirklicheMord aus Worten,mehr als eigenthümlich griechische und einer vaterländischeren Kunstform subordinirte Kunst form zu betrachten. Eine vaterländische mag, wie wohl beweislich ist, mehr tödtendfactisches, als tödt-
So beruhet griechischer oder hesperischer die tragische
Darstellung auf gewaltsamerem oder unaufhaltsamerem
Dialog und Chören, haltend oder deutend für den Dialog, die dem unendlichen Streite die Richtung oder die Kraft geben, als leidende Organe des göttlichringenden
Körpers, die nicht wohl fehlen können, weil auch in tragischunendlicher Gestalt der Gott dem Körper sich nicht absolut unmittelbar mittheilen kaun, sondern verständlich gefa/st, oder lebendig zugeeignet werden mu/s; vorzüglich aber bestehet die tragische Darstellung in dem factischen Worte, das, mehr Zusammenhang, als ausgesprochen, schiksaalsweise, vom Anfang bis zu Ende gehet; in der Art des Hergangs, in der Gruppirung der Personen gegeneinander, und in der Vernunftform, die sich in der furchtbaren Muse einer tragischen Zeit bildet, und so wie sie in Gegensäzzen sich darstellte, in ihrer wilden Entstehung , nachher , in humaner Zeit, als feste aus göttlichem Schiksaal geborene Meinung gilt.
Die Art des Hergangs in der Antigonä ist die bei einem Aufruhr, wo es, so fern es vaterländische Sache ist, darauf ankommt, dass jedes, als von unendlicher
Umkehr ergriffen, und erschüttert, in unendlicher Form sich fühlt, in der es erschüttert ist. Denn vaterländische Umkehr ist die Umkehr aller Vorstellungsarten und Formen. Eine günzliche Umkehr in diesen ist aber, so wie überhaupt günzliche Umkehr, ohne allen Halt, dem Menschen, als erkennenden Wesen unerlaubt. Und in vaterländischer Umkehr , wo die ganze Gestalt der
Dinge sich ündert, und die Natur und Nothwendigkeit, die immer bleibt, zu einer andern Gestalt sich neiget, sie gehe in PPildnifs über oder in neue Gestalt, in einer solchen Feränderung ist alles blos Nothwendige, pertheüsch für die Veränderung, deswegen kann, in
Möglichkeit solcher Veränderung, auch der Neutrale, nicht nur, der gegen die vaterländische Form ergriffon ist, von einer Geistesgewalt der Zeit; gezwungen werden, patriotisch, gegenwärtig zu seyn, in unendlicher Form, der religiösen, politischen und moralischen seines Vaterlands. (
Ist ein solches Phänomen tragisch, so gehet es durch Reaction, und das unförmliche entzündet sich an allzuförmlichem. Das Karakteristische dabeiist deswegen das, dass die in solchem Schiksaal begriffenen Personen, nicht wie im ÖOedipus, in Ideengestalt, als streitend um die Wahrheit, stehen, und wie eines, das sich des Verstandes wehret, auch nicht, wie eines, das sich des Lebens oder Eigenthums oder der Ehre wehret, wie die Personen im Ajax, sondern dass sie als Personen im engeren Sinne, als Standespersonen gegeneinander stehen, dass sie sich formalisiren.
Die Gruppirung solcher Personen, ist, wie in der Antigonä, mit einem Kampfspiele von Läufern zu vergleichen, wo der, welcher zuerst schwer Othem holt und sich am Gegner stöfst, verloren hat, da man das Ringen im Oedipus mit einem Faustkampf, das im Ajax mit einem Techterspiele vergleichen kann.
Die Vernunftform, die hier tragisch sich bildet, ist politisch und zwar republikanisch, weil zwischen Kreon und Antigonä, förmlichem und gegenförmlichem, das Gleichgewicht zu gleich gehalten ist. Besonders zeigt sich die/s am Ende, wo Kreon von seinen Knechten fast gemi/shandelt wird.
Sophohles hat Recht. Es ist diess Schiksaal seiner
Frankfurt am Main, gedruckt bey Johann Peter Bayrhoffer.