Oedipus at Colonus — Donner (1875), OCR review edition Sophocles Johann Jakob Christian Donner OCR cleanup, verse reconstruction, source collation and reference-card alignment; further proofreading required Editorial processing with Codex

Perseus Multitext, 2026. Review edition.

Sophokles. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift von J. J. C. Donner. Achte Auflage. Leipzig und Heidelberg: C. F. Winter, 1875.Independent 1875 scan 1875 eighth edition, Cornell OCR; copy text. 1889 eleventh edition, University of California OCR; corroborating later witness, not assumed identical. 1850 third newly revised edition, Illinois OCR in two volumes; earlier edition, kept separately.

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Volume 1, printed page 176; PDF page 187. Original PDF Volume 1, printed page 177; PDF page 188. Original PDF Volume 1, printed page 178; PDF page 189. Original PDF Volume 1, printed page 179; PDF page 190. Original PDF Volume 1, printed page 180; PDF page 191. Original PDF
Der Hain der Eumeniden bei Kolonos im Hintergrunde; vor dem= selben ein viereckiger unbehauener Fels. In der Ferne sieht man die Zinnen Athens. Dedipus tritt auf, von Antigone geleitet. Oedipus. Wohin, des blinden Greises Kind, Antigone,OCR review edition. D. numbers are Donner’s own citations; u suffixes mark unresolved verse division. Correspondence is to containing Storr passages. Source comparisons, repairs, numbering review and unattributed notes In welche Landschaft kamen wir, zu welcher Stadt? Wer wird auf seinem irren Pfad den Dedipus An diesem Tag mit karger Liebesgab' empfah'n, Ihn, der um wenig bittet und noch weniger, Als dieses, hinnimmt? Doch auch so genügt es mir. Denn still zu dulden lehrte mich mein Mißgeschick, Des Lebens lange Dauer und ein edler Sinn. Wohlan, o Tochter, wenn du einen Siz gewahrst An Götterhainen oder ungeweihter Statt, So laß mich niedersizen, daß uns Kunde wird, Wohin wir kamen; müssen wir als Fremde doch Von Bürgern lernen und nach ihrem Worte thun. Antigone. Mein armer Vater Dedipus, mit Thürmen ist Dort eine Stadt umgürtet, fern dem Auge noch; Doch dieser Ort ist heilig, (leicht erkennt man es) Von Rebe, Lorbeer, Del umgrünt; anmuthig tönt Zahlloser Nachtigallen Lied im tiefen Hain. Beug' hier die Glieder auf den unbehau'nen Fels; Denn lang für dich, den Greisen, war die Wanderung. Oedipus. So seze mich und nimm des blinden Mannes wahr. Antigone. Das brauch' ich nicht zu lernen nach so langer Zeit. (sich niederlassend) Oedipus. Kind, kannst du mir nun sagen, wo wir hingelangt? Antigone. Daß dort Athen ist, weiß ich, doch die Gegend nicht. Oedipus. Das hat ja jeder Wandrer uns bereits gesagt. Antigone. Nun, soll ich geh'n und fragen, wie der Ort sich nennt? Oedipus. Ja, Tochter, wenn er anders nur Bewohner hat. Antigone. Er ist bewohnt; doch, glaub' ich, braucht es weiter nichts Denn eben seh' ich einen Mann uns nahe dort. Oedipus. Der, wandelnd hierher, gegen uns die Schritte lenkt? Antigone. Und schon bei uns anlangte. Was zu sagen dir Am Orte scheint, das rede; denn hier steht der Mann. Ein Bewohner von Kolonos. Die Vorigen. Oedipus. Ich höre, Freund, von dieser, die für mich zugleich Und sich umherschaut, daß du ganz gelegen kommst, Bericht von dem zu geben, was uns dunkel blieb Der Koloner. Bevor du weiter forſchest, heb' aus diesem Siz Dich weg; betreten darfst du nicht ein heilig Land. Oedipus. Und welch eiu Ort ist's? Welchem Gott geheiliget? Der Koloner. Unnahbar ist er, unbewohnt; den furchtbaren Jungfrau'n gehört er, die dem Skotos Ge gebar.[OCR transcription; compare the scan.] Die furchtbaren Jungfrauen sind die Erinnyen, nach der (vielleicht örtlichen) Sage, der hier Sophokles folgt, Töchter der Ge (der Erde) und des Skotos (der Urnacht). Printed p. 181 Oedipus. Mit welchem Namen rus' ich an die Göttlichen? Der Koloner. Die Eumeniden nennt sie hier des Landes Volk,[OCR transcription; compare the scan.] Die Eumeniden, d. i. die Gnädigen, die Gnadenreichen, um die schrecklichen Göttinnen nicht mit einem Namen zu nennen, der eine böse Deutung zuließ. Printed p. 181 Die Allesseh'nden; anderswo gilt andrer Brauch. Oedipus. Empfangen sie denn gnadenreich den Flehenden! Denn, traun, von dieser Stätte scheid' ich nimmermehr. Der Koloner. Was hör' ich, Fremdling? Oedipus. Mein Geschick erfüllt sich hier. Der Koloner. So hab' auch ich, dich auszuweisen, nicht den Muth, Eh' uns die Stadt bedeutet, was uns hier geziemt.[OCR transcription; compare the scan.] L. ἐνδείξῃ, wozu πόλις im vorangehenden Saze Subjekt ist. Printed p. 181 Oedipus. Bei'm Himmel, Fremdling, weigre nicht mir kundzuthun, Dem blinden Flüchtling, was zu wissen mich verlangt. Der Koloner. Sprich nur; von mir befürchte keine Weigerung. Oedipus. Nun, welche Gegend ist es, wo wir weilen hier? Der Koloner. Was mir bekannt ist, alles das vernimm sofort. Die Gegend rings ist heilig; denn in ihr gebeut Der Fürst Poseidon, thront der feuerspendende[OCR transcription; compare the scan.] Prometheus, d. i. der Vorsichtige, Kluge, ein Sohn des Titanen Japetos und der Klymene, (woher er selbst Titan heißt,) wird der „feuerspendende" genannt, weil er den Menschen das Feuer gab, das er in einem Narthexstängel, dem zur Aufbewahrung des Feuers dienenden Werkzeuge, gegen den Willen des Zeus aus dem Vulkan in Lemnos entwandt hatte. Printed p. 181 Titan Prometheus. Dieser Ort, auf den du trittst, Heißt unsres Landes erzbewehrte Schwell', Athens[OCR transcription; compare the scan.] Der Felsgrund, an welchem man einen Eingang zum Hades dachte, ist mit ehernen Stufen versehen, und wird von dem Dichter, Athens Schuzwehr" genannt, weil die nördlichen Theile Athens noch auf diesem Felsgrunde stehend gedacht wurden. Schneidewin. Printed p. 181 Geweihte Schuzwehr; und die nahen Gau'n umher, Als ihren Urahn rühmen sie den reisigen Halbgott Kolonos; seinen Namen tragen sie, Und sind Koloner allzumal nach ihm genannt. So ist es, Fremdling; nicht in eitler Sage wird Der Ort gefeiert, mehr in altgewohntem Brauch. Oedipus. So wohnen also Menschen hier in diesen Gau'n? Der Koloner. Ja; gleichen Namen führen sie mit jenem Gott. Oedipus. Beherrscht sie Iemand, oder ruht im Volk die Macht? Der Koloner. Vom König jener Veste wird dies Land beherrscht. Oedipus. Wer aber ist es, der mit Macht und Wort gebeut? Der Koloner. Theseus, des Aegeus Sprosse, der vordem gebot. Oedipus. Möcht' euer Einer wohl zu dem als Bote geh'n? Der Koloner. Ihm was zu melden, oder her zu bitten ihn? Oedipus. Auf daß er erute großen Lohn für kleine Gunst. Der Koloner. Und welchen Lohn denn böte. wohl ein blinder Mann? Oedipus. Was ich verkünden werde, wird hellsehend sein. Der Koloner. Um nicht zu irren, höre noch: (denn edel scheinst Du mir von Anseh'n, außer daß dies Loos dich traf;) Bleib' hier, o Fremdling, wo du mir zuerst erschienst, Bis ich Kolonos' Bürgern, nicht dem Volk der Stadt,[OCR transcription; compare the scan.] Kolonos, eine zehn Stadien von Athen entfernte Ortschaft, der Geburtsort unseres Dichters, hatte den Namen Kolonos, d. i. Hügel, von ihrer hohen Lage, von wo man Athen übersehen konnte: vgl. V. 15. Printed p. 181 Den Fall zu melden gehe; die entscheiden dann, Ob hier du bleiben, ob du wieder ziehen sollst. Oedipus. Antigone. Oedipus. Tochter, ging der Fremde schon hinweg von uns? Antigone. Schon ging er; Alles kannst du denn in Ruhe nun, Mein Vater, sagen; ich allein bin nahe dir. Oedipus (betend). Ihr hehren, furchtbar'n Wesen! Nun ich mich zuerst Auf eurem Grund in diesem Lande niederließ, Ogrollet mir nicht, hegt dem Phöbos keinen Groll, Der, als er dieses viele Leid verkündigte, Das Ziel des Jammers mir verhieß nach langer Frist, Käm' ich zum lezten Lande, wo ich gastliche Zuflucht, o strenge Mächte, fänd' in eurem Siz; Hier ende meines Lebens gramgebeugter Lauf, Und bringe denen, die mich aufgenommen, Heil, Fluch denen, die mich in die Fern' hinausgebannt. Als Zeichen dessen komme mir, verhieß der Gott, Erdbeben oder Donner oder Bliz von Zeus. Wahrhaft erkenn' ich heute, daß auf diesem Pfad Nur ihr's gewesen, welche mich mit sichrer Hand In diesen Hain geleitet; denn ich träfe sonst Nicht euch zuerst auf meinem Weg, ich Nüchterner (ab.) Euch, die den Wein verschmähen, säß' an heiliger,[OCR transcription; compare the scan.] Bei den Opfern der Eumeniden durfte kein Wein, sondern nur Wasser, mit Honig gemischt, ausgegossen werden. Anmerkungen Printed p. 181 Printed p. 182 An dieser rauhen Stätte nicht. Ihr Göttinnen, So gönnt, Apollons Ruf gemäß, nun endlich mir Der Stunden lezte, die das Band des Lebens löst, Dünkt euch noch nicht zu wenig, was ich duldete, Allzeit in Drangsal ringend, wie kein Sterblicher! Auf, holde Töchter aus des Skotos altem Blut![OCR transcription; compare the scan.] Die furchtbaren Göttinnen heißen dem Oedipus die „holden' (γλυκεῖαι), weil er durch sie in den Hafen der Ruhe zu gelangen hofft. Printed p. 182 Auf, die du dich der stolzen Pallas eigen nennst, Vor allen andern hochverehrte Stadt Athen! Mitleidig schaut hier Dedipus' unſeliges Gebilde; nicht mehr ist ja dies mein alter Leib! Antigone. Halt' ein, o Vater; denn es, nah'n dort Einige, Schon alt an Jahren, die nach deinem Size späh'n. Oedipus. Ich werde schweigen; führe du vom Weg mich ab, Und birg mich hier im Haine, bis ich ihren Sinn Erforscht aus ihren Reden; denn durch Forschen nur Gewinnt man Vorsicht und Bedacht in allem Thun. (Sie ziehen sich in den Hain zurück. Der Chor tritt auf.) schaut! Er entfloh!Donner’s metrical appendix: all 5 page facsimiles Der Chor. Wer war's? Wo Weilt er, entschwunden, gescheucht von dieser Stätte, Der schamlose, der freche Mann? Forsch' ihm nach, schau nach ihm, Send' allhin deinen Ruf! Als Flüchtling Umher schweift er, der Alte, schweift, Fremd hier; denn er beträte sonst Nie der schreckengerüsteten Jungfrau'n nimmer betret'nen Hain, Die wir zu nennen scheu'n, Denen wir ohne Blick vorbeizieh'n, Ohne Laut, und verstummend kaum Worte stillen Gebeten leih'n. Und nun, sagt man, vermaß ein Frevler Sich daher zu kommen: Ich spähe nach ihm in dem ganzen Bezirk, Und vermag noch nicht Zu erseh'n ihn, wo er verweile. (zeigt sich mit Antigone im Hintergrunde) Oedipus. Seht hier, ich bin's! Aus der Stimme vernahm Ich euer Begehr. Der Chor. O Grau'n, o Grau'n! Mir graut vor dem Anblick, graut vor dem Wort. Oedipus. Schont mein, seht nicht als Frevler mich an! Der Chor. Zeus, helfender Gott! Wer, ach, ist der Greis? Oedipus. Ein Mann, nicht selig zu preisen, fürwahr, Ihr Hüter des Land's, ob seines Geschicks! Sonst schlich' ich ja nicht an der leitenden Hand Blind wankend einher, Stark einst, auf die Schwache mich stüzend. Der Chor. Ah; ah! Mit des Aug's blindem Stern Kamest du wohl in die Welt, und lebst ein banges, Langes Leben, vermuth' ich recht? Drum füg', ach! folge mir Dem Fluch nicht neuen Fluch! Du dringst ein, Dringst ein; doch in des stillen Hains Grünumlaubte Gefilde hier Tritt nicht, wo sich dem Wasserkrug Strömend lieblichen Honiges Süßer Erguß gesellt: Hüte dich, schwergeprüfter Fremdling! Flieh, entweiche von hinnen! Weit Trennt von mir dich des Pfades Naum: Hörst du, jammerbeladner Flüchtling? Von geweihter Stätte Fort hebe dich, willst du mir sagen ein Wort; Wo Jeder es darf, Sprich's aus; jezt wehre der Zunge! Oedipus. Mein Kind, wo wend' ich im Zweifel mich hin? Antigone. Was den Bürgern genehm, sei's, Vater, auch dir; Leih' ihrem Gebot ein williges Ohr! So hebe mich denn! Ich umfasse dich schon. Oedipus. Ihr Fremdlinge, thut kein Leides mir an: Euch folgsam, verlass' ich die Stätte. Der Chor. Nie soll aus diesen Bezirken, o Greis,[OCR transcription; compare the scan.] Aus diesen Bezirken, so weit sie nicht den Eumeniden geweiht sind. Printed p. 182 Jemand mit Gewalt dich entführen. Oedipus. Noch weiter hinauf? Der Chor. Nur weiter! Oedipus. Noch weiter? Der Chor. Geleit' ihn, Jungfrau, Vorwärts; du verstehst mich ja. Antigone. Folge mir, folge mit schwachem Schritte, Wohin dich die Tochter führt. Der Chor. Fleuch, ein Fremdling in fremdem Land, Unglückseliger, was der Stadt Mißfällig ist, als hassenswerth; Was sie verehrt, verehre! So geleite mich hin, Oedipus. Kind, wo wir in Andacht wandeln die Bahn, Und reden zugleich und vernehmen ihr Wort: kämpfen wir nicht mit dem Schicksal! Der Chor. Hier steh' und nicht von dem Felsumkreis Ausschreitend bewege den Fuß mehr! Oedipus. Hier, meinst du? Der Chor. Genug! Oedipus. Und soll ich Nun sizen? Der Chor. Kauere seitwärts Hier oben auf diesen Stein. (indeß Dedipus tastend nach dem Size sucht) Antigone. Mich laß, Vater, gewähren: reihe Bedächtig den Schritt zum Schritt, weh, weh mir! An meinen freundlich besorgten Arm Deine greise Gestalt gelehnt. Der Chor. Ha, mein grausames Schicksal! Armer, da du mir nun gefolgt, Wer der Sterblichen bist du? Sprich! Wer, Nothbeladner? Welches Land Nennen wir deine Heimat? Heimatlos, Oedipus. Ihr Fremdlinge! Nimmermehr - Der Chor. Was, o Greis, verbeutst du mir? Oedipus. Nie, nie frage mich, wer ich sei, Suche nichts Weiteres auszuforschen! Und warum? Ein verworfnes Geschlecht Kind, o weh mir! Was erwidr' ich? Der Chor. Wer du seist, Fremdling, und wer Dich erzeugt, sage mir frei. Oedipus. Sprich! Weh mir, o Kind, was beginn' ich? Weh mir! Antigone. Sprich, nun du zum Aeußersten kamest! Oedipus. Sag' ich es! Nicht ja verbergen kann ich's mehr. Der Chor. Lang zaudert ihr: eil' und bekenne! Oedipus. Wißt ihr von Laïos' Sohn? Der Chor. Graun, o Graun! Oedipus. Von dem Stamme des Labdakos? Der Chor. Weh, Zeus! Oedipus. Dedipus' Jammergestalt? Der Chor. So bist du der? Oedipus. Nicht schreck' euch, was ich verkünde! Weh, weh! Der Chor. Ich Unglückseliger! Weh! Oedipus. Was wird uns werden, o Tochter? Der Chor. Zieht ferne hinaus, zieht ferne von hier! Wo bleibt nun deine Verheißung?[OCR transcription; compare the scan.] Dedipus bezieht sich auf die Zusicherung (V. 171), die er erhielt, bevor er seinen Namen nannte. Der Chor glaubt aber seines Wortes entbunden zu sein, weil Dedipus seinen Namen früher verschwiegen hatte. Diese Verschweigung des Namens nennt er V. 223 das „erlittene Leid", und meint, wenn er dafür sich räche und sein Wort zurücknehme, könne ihn keine Strafe treffen (V. 222). Denn wer einen Anderen getäuscht habe, dürfe sich nicht beschweren, wenn ihm mit Gleichem vergolten werde (V. 223 ff.). Printed p. 182 Keinen ereilt ja der Zorn des Verhängnisses, Rächt er erlittenes Leid, und ein Trug, der Anderem Truge mit Gleichem erwiderte, Lohnt dir mit Leid, schafft keinen Gewinn dir. Hebe dich denn von dem Siz und mit flüchtigen Schritten entwandere meinem Gebiet hier, Daß du mir meine Stadt Nicht fürder frevelnd schändest! Fremdlinge, Antigone. Mildherzige! Wenn ihr nicht Meinen Vater, den augenlosen Greis hier, Duldet, nachdem euch sein Unfreiwillig Vergehen kund ward : Mein doch erbarmt euch, mein, der Verlassenen, Fremdlinge, laut fleh' ich, die Nur um den Vater sich härmend mit herzlicher, Herzlicher Bitte, mit sehenden Augen euch Schaut in die Augen, als Mensch, von gemeinsamem Blute geboren mit euch: ach, schonet des Unglückseligen! Wie auf die Himmlischen, Bauen wir Armen auf euch. So gewähret die Huld, Welche wir, ach! kaum gehofft. Bei dem Geliebtesten fleh' ich, beschwör' ich euch, Kindern, Gemahlinnen, Göttern und Eigenthum! Blickt um, nirgend gewahrt ihr den Sterblichen, Welcher dem Gotte, der Ihn führt, entrinnen könnte! Der Chor. So wisse, Kind des Oedipus: dein Mißgeschick, Wie dieses Mannes herbes Loos, weckt unsern Schmerz. Doch bebend vor der Götter Zorn, vermögen wir Nicht mehr zu sagen, als du schon gehört von uns. Oedipus. Was kann die Meinung frommen, was der stolze Ruf, Wofern er eitel wesenlos als Trug zerrinnt, Wofern sie sagen, unter allen Städten sei Athen die frömmste, die den fluchbelad'nen Gast Allein erretten, ihn beschirmen könn' allein, Und mir sich solches nicht bewährt? Ihr locktet mich Zuerst von diesem Size, dann vertreibt ihr mich, Nur meinen Namen fürchtend, traun, nicht meinen Leib, Noch meine Thaten. Sind ja doch die Thaten, die Ich übte, mehr erlitten als vollbracht von mir, Soll ich's von meinen Eltern nicht verheimlichen, Um welcher willen ihr mich scheut, das weiß ich nur Zu wohl. Indeß wie wär' ich böse von Natur, Der fremdes Unrecht nur vergalt, und wenn er auch Mit Wissen so sich rächte, doch kein Böses that? Nun aber kam ich unbewußt, wohin ich kam; Die das verschuldet, suchten wissend meinen Tod. Drum fleh' ich euch, o Freunde, bei den Göttern an: Wie ihr mich triebt von dannen, also schüzt mich auch; Und wenn ihr dort die Götter ehrt, mißachtet hier Auch nicht die Macht der Götter und vergesset nie: Sie sehen, wo sich fromm bewährt ein Sterblicher, Sie seh'n das Thun der Bösen, und für Frevler ja Gab's auf der weiten Erde kein Entrinnen noch. Sie denn verehrend, schände nicht den stolzen Ruhm Athens, indem du gottvergess'nen Werken fröhnst: Nein, wie du mich, den Fleh'nden, dir vertrauend fand'st, So schirme mich und rette, nicht verachte mich, Anschauend hier mein graunerregend Angesicht. Denn fromm und heilig nah' ich euch und bringe Heil[OCR transcription; compare the scan.] Dedipus ist heilig, sofern er sich unter den Schuz der Eumeniden gestellt hat, fromm, indem er nach der Weisung Apollons dem Haine der Eumeniden nahte. Printed p. 182 Und Segen diesem Volke. Wenn der Herr erscheint, Der über euch gebietet, wer er immer sei, Dann wirst du Alles hören und versteh'n; indeß, Eh dieser anlangt, übe nicht Verrath an mir. Der Chor. O Greis, die Worte, die du mir zum Herzen sprachst, Wohl muß ich sie verehren; denn du legtest sie In nicht gemeiner Rede dar: doch wenn dem Herrn Des Landes hievon Kunde wird, genügt es mir. Oedipus. Und wo verweilt, o Freunde, dieses Landes Fürst? Der Chor. Ihn birgt der Väter alte Burg; ein Späher, der Auch mich daher beschieden, ging zu rufen ihn. Oedipus. Und glaubt ihr auch, der blinde Flüchtling werde so Ihn kümmern oder rühren, um ihm selbst zu nah'n? Der Chor. Er kommt gewiß, sobald er deinen Namen hört. Oedipus. Wer aber wird denn diesen ihm verkündigen? Der Chor. Weit ist der Pfad hin; aber leicht verbreiten sich Vielfach der Wand'rer Worte; die vernehmend, wird Er sicher kommen. Fern ja scholl dein Name, Greis, In alle Welt hin, daß er, auch mit mattem Schritt Hinschleichend, eilig kommen wird, vernimmt er ihn.[OCR transcription; compare the scan.] ξ. εύδει 1. ἕρπει. Printed p. 182 Oedipus. Er komme denn zum Heile seiner Stadt und mir! Denn welcher Edle liebte nicht sein eignes Glück? Antigone. Was sag' ich, Vater? Wo verirrt mein Geist sich hin? Oedipus. Was hast du, Kind, Antigone? Antigone. Ich seh' ein Weib Uns näher kommen, das ein Roß sikelischen Geschlechtes reitet; und die Sonn' abwehrend, schirmt Gesicht und Haupt ihr bergend ein Thessalerhut.[OCR transcription; compare the scan.] Des Thessalerhutes, eines schirmförmigen Hutes mit breiter Krämpe, bediente man sich besonders auf Reisen wider Regen und Sonnenhize. Printed p. 182 Wen seh' ich? Und ist sie's wirklich oder nicht? Täuscht mich ein Wahn? Ich glaub's, und glaub' es wieder nicht, und weiß nicht was. Ich Arme! Sie ist es wirklich: näher kommend lächelt sie Mir zu mit heiterm Auge; ja, nun seh' ich klar, Daß dieses nur Ismene's theure Züge sind. Oedipus. Wie sagst du, Tochter? Antigone. Deine Tochter seh' ich hier Und meine Schwester: bald erweist die Stimme dir's. Ismene. Die Vorigen. Ismene. meines Vaters und der trauten Schwester mir So süße, liebe Stimme! Wie, nachdem ich kaum Euch wiederfinde, seh' ich euch vor Trauer kaum! Oedipus. Mein Kind, du kamest? Ismene. Vater, ach! So find' ich dich? Oedipus. Kind, kamst du wirklich? Ismene. Ohne Leid und Sorge nicht. Oedipus. Umarme mich, o Tochter! (den Vater und die Schwester umfangend) Ismene. Kind meines Blutes! Beid' umschling' ich euch. Leben, ach, voll Dual und Noth! Oedipus. Weh mir und dieser! Ismene. Weßwegen kamst du? Und zum Dritten wehe mir! Vater, nur aus Angst um dich. Oedipus. Nach mir verlangend? Ismene. Und um selbst die Botin dir Zu sein mit diesem mir allein noch treuen Knecht. Oedipus. Wo sind die rüstigen Brüder, was betreiben die? Ismene. Laß sie gewähren! Schweres liegt auf ihnen jezt. Oedipus. Ha, dieses Paar von Brüdern, das Aegyptos' Art So ganz in Sinn und Leben sich zum Muster nahm! Dort bleibt das Volk der Männer allezeit daheim[OCR transcription; compare the scan.] Uebereinstimmend mit Sophokles berichtet Herodotos (2, 35) von den Aegypteru: „die Frauen kaufen und handeln, die Männer bleiben daheim und weben“. Printed p. 182 Am Webestuhle sizen, und die Frau'n ergeh'n Sich draußen, schaffend, was die Noth des Lebens heischt. So walten jene, welchen hier um mich zu sein Oblag, o Kinder, Mädchen gleich, im Haus daheim; Ihr aber müht statt ihrer euch um mein Geschick, Das jammervolle; diese, seit aus junger Zucht Sie frisch heranwuchs und erstarkt am Körper war, Irrt' auf der herben Wanderfahrt mit mir herum, Kastlos den Greis geleitend; oft umhergescheucht Durch wilde Wälder, ohne Nahrung, unbeschuht, Ost auch mit Regenschauern und der Sonne Brand Mühselig ringend, achtet sie des Hauses Hut Und Fülle nichtig, hat der Vater Pflege nur. (zu Ismene) Du, Tochter, brachtest früher schon dem Vater stets, Geheim vor Kadmos' Volke, jeden Götterspruch, Der über dieses Haupt erscholl; du standest ihm Zur Seite treulich, als man ihn vom Land verstieß. Und welche Kunde bringst du jezt dem Vater, Kind? Was trieb vom Heimatherde dich zur Fahrt hinaus? Nicht leer ja kommst du, (dessen bin ich ganz gewiß,) Nicht, ohne daß du Schrecken mir verkündigest. Ismene. Ich mag die Leiden, Vater, die ich selbst erlitt, Seitdem ich deinen Aufenthalt zu suchen ging, Dir nicht beschreiben; denn ich will nicht doppelt Schmerz Empfinden, duldend und sodann verkündigend. Das Mißgeschick nur, das die beiden Armen jezt Bedrängt, die Brüder, komm' ich her dir kundzuthun. Erst war ihr Wille, Kreon auf dem leeren Thron Zu lassen; denn sie wollten nicht durch Blut die Stadt Entweih'n, des Fluches eingedenk, der lange schon Vernichtend ruht auf deinem unglückvollen Haus. Jezt riß ein Gott und frevelhafter Uebermuth Die dreimal Unglücksel'gen fort in wilden Streit, Sich anzumaßen Königsmacht und Herrschgewalt. Und Polyneikes, deinen Erstgeborenen, Beraubt der Andre, welcher ihm an Jahren weicht, Des Thrones, treibt ihn aus dem Vaterlande fort. Doch der (von dieser Sage voll ist unsre Stadt) Entfloh nach Argos' Thalen, knüpft ein neues Band[OCR transcription; compare the scan.] Das pelasgische Argos im Peloponnes lag in einem nur südlich nach dem Meere zu sich öffnenden Bergkessel. In der Urschrift heißt es „das hohle Argos“; hohl werden alle Städte genannt, die von Gebirgen eingeschlossen sind. Printed p. 182 Der Ehe, schließt mit Freunden einen Waffenbund, Als müss' ihm Argos Kadmos' Stadt sofort mit Ruhm[OCR transcription; compare the scan.] Die Uebersezung ist zugleich Erklärung. „Argos verherrlicht das Land des Kadmos, indem es fällt, d. i. von ihm besiegt zu Dedipus auf Kolonos. wird." Wörtlicher, aber minder verständlich ist diese Uebertragung: Denn Argos soll ihm Kadmos' Flur in Siegesglanz Alsbald erobern oder himmelan erhöh'n. Printed p. 182 Printed p. 183 Gewinnen, oder fallend sie verherrlichen. Dies, Vater, sind nicht eitle leere Worte, nein, Sind schwere Thaten; wo die Götter deine Noth Erbarmend enden werden, das erkenn' ich nicht. Oedipus. Du hattest Hoffnung also, daß die Götter mein Gedenken werden, daß mir Rettung einst erscheint? Ismene. Die schöpft' ich, Vater, aus des Gottes jüngstem Spruch. Oedipus. Wie lautet dieser? Was verhieß der Gott, o Kind? Ismene. Dich müßten, lebend oder todt, die Menschen dort Dereinst noch suchen: so gebiet' ihr eignes Heil. Oedipus. Und welcher Segen käme wohl von solchem Mann? Ismene. Auf dir beruhe, heißt es, ihre Macht allein. Oedipus. Gestorben also, wär' ich erst ein rechter Held? Ismene. Jezt heben dich die Götter, die dich einst gestürzt. Oedipus. Nichts heißt's, den Greis erheben, der als Jüngling fiel. Ismene. Doch wisse, Kreon wird sofort aus diesem Grund Vor dir erscheinen, nicht in allzulanger Frist. Oedipus. Was will er hier thun, Tochter? Das erkläre mir. Ismene. Dich nahe bringen Kadmos' Land, auf daß sie dich Besizen, ohne daß du trittst in ihr Gebiet. Oedipus. Was frommt es, lieg' ich außerhalb des Landes Mark? Ismene. Dein Grab in fremdem Lande wird ein Fluch für sie.[OCR transcription; compare the scan.] Unheil sollte den Thebern erwachsen, falls es ihnen nicht gelänge, sich in den Besiz des Grabes des Dedipus zu sezen. Denn durch die Bestattung im Auslande kam den Fremden zu Gute, was den Thebern zufiel, wofern sie dem Dedipus die üblichen Leichenehren nicht vorenthielten. Um ihm daher die freie Wahl seines Todesortes zu entziehen, wollten sie ihn in die Nähe Thebe's bringen, nach seinem Tode ingeheim bestatten, und dadurch den Segen gewinnen, den das Grab des Heros dem Lande spenden sollte. Nach Schneidewin. Printed p. 183 Oedipus. Auch ohne Göttersprüche sieht das Jeder ein. Ismene. Drum eben wollen jene dich dem Lande nah Beisezen, wo du keine Macht hast über dich. Oedipus. Und decken sie mit Thebererde mein Gebein? Ismene. Mein Vater, solches duldet nie dein Blutvergeh'n. Oedipus. So sollen die sich meiner nie bemächtigen! Ismene. Dann lastet schwerer Fluch dereinst auf Kadmos' Volk. Oedipus. Durch welche Schickung, trautes Kind, erfüllt sich das? Ismene. Von deinem Zorne, wann sie steh'n auf deinem Grab. Oedipus. Durch wen vernahmst du, was du mir da sagst, o Kind? Ismene. Durch Opferboten, abgesandt zu Pytho's Herd. Oedipus. Und dieses hat Apollon ausgesagt von mir? Ismene. So melden, die zum Theberlande heimgekehrt. Oedipus. Und ward das Wort auch einem meiner Söhne kund? Ismene. Kund ward es ihnen beiden, und sie wissen's wohl. Oedipus. Und als die Schlechten das gehört, galt ihnen doch Der Glanz des Thrones höher als die Kindespflicht? Ismene. Das hört' ich, und mit Schmerzen; doch verhehl' ich's nicht. Oedipus. So mag den Zwiespalt, über sie vom Loos verhängt, Niemals die Gottheit löschen, und bei mir allein Das Ende ruh'n des Kampfes, der die Brüder theilt, Die nun mit aufgehob'nem Speer einander droh'n, Daß weder er, den heute Thron und Scepter schmückt, Fest stehe, noch der Ausgetrieb'ne je zurück Zur Stadt gelange! Haben sie den Vater doch, Der aus dem Land so schmählich ausgestoßen ward, Nicht aufgehalten, nicht geschirmt; ich ward verjagt, Verbannt mit Heroldsrufen, und sie duldeten's. Man könnte sagen, daß die Stadt in jener Zeit Mir das mit Recht gewährte, was ich selbst erbat. In keiner Weise: denn an jenem Tage gleich,[OCR transcription; compare the scan.] An jenem Tage gleich", wo Dedipus als Mörder des Laïos erkannt wurde. Printed p. 183 Da noch der Unmuth glühte, ja das Liebste mir Gewesen wäre jäher Tod und Steinigung, Erschien mir Niemand diesen Liebesdienst zu thun. Doch als die Zeit schon allen Harm besänftiget, Und ich erkannte, daß der Zorn mir ausgeschweift Zu Züchtigungen, schwerer noch denn meine Schuld : Da trieb gewaltsam aus dem Lande mich die Stadt Nach langer Zeit erst, und des Vaters Söhne, die Dem Vater helfen konnten, sie verweigerten Die Hülfe, ließen, statt mit kurzem Worte mich Zu schirmen, mich als Bettler flieh'n in fremdes Land. Von diesen schwachen Mädchen hier wird Iegliches, Wie's ihr Geschlecht verstattet, Lebensunterhalt, Ein sichrer Siz und Kindeshülfe mir gewährt. Die Söhne zogen Thron und Stab dem Vater vor, Und schalten lieber als die Herrn im Lande dort. Doch meine Hülfe leih' ich ihnen nimmermehr; Nie soll die Herrschaft über Kadmos' Land für sie Ein Segen sein: das weiß ich, wenn ich diesen Spruch, Den du verkündest, Tochter, und das alte Wort Erwäge, das mir Phöbos einst verkündet hat.[OCR transcription; compare the scan.] Gemeint ist der dem Oedipus gewordene Spruch des Gottes, daß er ein Fluch für diejenigen sein werde, die ihn in die Ferne hinausgebannt:" V. 93. Printed p. 183 Drum mögen sie den Kreon, und wenn Einer sonst Im Land Gewalt hat, senden, um nach mir zu späh'n. Denn wollet ihr nur, Freunde, samt den Göttinnen, Den Hehren, die in diesem Lande, walten, mir Beistand gewähren, dann gewinnt ihr eurer Stadt Den starken Helfer, meinen Feinden Schmach und Noth. Der Chor. Wohl werth des Mitleids, Dedipus, erscheinst du selbst Und deine Töchter! Aber da du meinem Land Dich jezt zum Helfer selbst erbeutst mit diesem Wort: So will ich treulich rathen, was dir frommen kann. Oedipus. Theurer, Alles will ich thun; du rathe nur. Der Chor. Versühne diese Götterfrau'n, zu welchen du Zuerst gekommen, als du diesen Grund betratst. Oedipus. In welcher Weise? Lehret mich's o Fremdlinge. Der Chor. Aus unversiegtem Borne bring' heran zuerst[OCR transcription; compare the scan.] Fließendes Wasser ist für Lustrationen erforderlich, und muß mit reiner Hand geschöpft werden, d. h. nachdem die Hände vorher gewaschen sind. Printed p. 183 Weihwasser, das du schöpfen mußt mit reiner Hand. Oedipus. Und wenn ich dieses lautre Naß herbeigeschafft -? Der Chor. Sind Krüge hier, des kunsterfahr'nen Mannes Werk:[OCR transcription; compare the scan.] Die Krüge aus Thon muß man sich im Heiligthum der Eumeniden für Jedermanns Gebrauch bereit stehend denken, unter Aufsicht eines Tempeldieners: vgl. 501. Printed p. 183 An beiden Henkeln und am Rand bekränze die Oedipus. Mit Zweigen oder Flocken oder sonst womit? Mit neugeschornem Wollenvließ vom jungen Lamm. Gut! Aber wie vollend' ich dann das Uebrige? Der Chor. Trankopfer spende, nach des Ostens Licht gewandt.[OCR transcription; compare the scan.] Clemens von Alexandria (Strom. 7. p. 307, 39) bemerkt: weil von Morgen das Licht kommt und der finnliche Aufgang das Bild der Erleuchtung der Geister ist, darum wendet sich der Betende nach Osten, und die ältesten Tempel hatten den Eingang von Westen, so daß der vor dem Götterbilde Stehende nach Osten sah. Printed p. 183 Oedipus. Aus jenen Krügen, die du nanntest, spend' ich sie? Der Chor. Dreifachen Quellguß; doch den ganzen lezten Krug - Oedipus. Womit erfüll' ich diesen? Sag' auch dies mir an. Der Chor. Mit Wasser, Honig; doch gesell' ihm keinen Wein.[OCR transcription; compare the scan.] S. zu V. 100. Printed p. 183 Oedipus. Und wenn der schwarzbelaubte Grund die Spende trank -? Der Chor. So leg' auf diesen dreimal neun Delsprossen hin[OCR transcription; compare the scan.] Ueber die Stelle, wo der Opfertrank der Eumeniden ausgegossen worden, sollen theils mit der rechten, theils mit der linken Hand (also zu beiden Seiten) Delzweige gelegt werden, Anmerkungen sie zu bedecken: Delzweige, weil das besänftigende Del bei Sühnopfern angewandt wurde, sowie den Todten außer Milch und Honig Del dargebracht wird. Printed p. 183 Printed p. 184 Mit beiden Händen, und zugleich sprich dies Gebet. Oedipus. Dies laß mich hören; ist es doch das Höchste mir. Der Chor. „So wie man euch die Holden nennt, so nehmet auch Mit holdem Herzen auf den Flehenden!" So bete selber, oder wer für dich es sei, Mit leisem Flüstern, nicht mit laut erhob'nem Ruf. Ohn' umzublicken, weiche dann. Und wenn du dies Vollbrachtest, werd' ich dir getrost zur Seite steh'n; Im andern Fall, o Fremdling, bangt mir deinethalb. Oedipus. Vernahmt ihr, Kinder, dieser Eingebornen Wort? Antigone. Wir hörten Alles: ordne, was geschehen soll. Oedipus. Ich kann den Weg nicht wandeln; denn zwiefaches Leid, Die matten Glieder wehren's und des Auges Nacht. Doch euer Eine gehe schnell und ordne dies. Denn Eine Seele, denk ich, gnügt für tausend auch, Das auszurichten, wenn sie naht mit lautrem Sinn. An's Werk denn eilet ungesäumt; nur lasset mich Hier nicht allein; denn meinem Leibe fehlt die Kraft, Verlassen, ohne Führer, seinen Pfad zu geh'n. Ismene. Ich geh' es auszurichten; doch die Stätte, wo Ich Alles finden werde, laß mich wissen erst. Der Chor. Jenseits des Haines, Tochter; wenn dir Andres noch Gebricht, so wohnt er nahe, der dir rathen wird. Ismene. Dort will ich hingeh'n: hüte du, Antigone, Indessen hier den Vater; denn selbst harter Müh'n Darf nicht gedenken, wer die Müh'n um Eltern trägt. Dedipus. Antigone. Der Chor. Der Chor. Grausam ist es, o Freund, wecken ein Leid, Welches bereits lange geschlummert; Und doch zu vernehmen wünsch' ich Was ist es? Welch herber, welch gräßlicher Schlag des Schicksals, Unseliger, dich getroffen. Oedipus. Bei'm Rechte des Gastes, deck' es Nicht auf: ich erlitt so Schnödes! Der Chor. Von der mächtigen, nie ruhenden Sage, Freund, möcht' ich sichere Kunde hören. Oedipus. Weh mir! Der Chor. Füge dich, ich flehe! Oedipus. Ach, ach! Der Chor. Willfahr' uns; Denn ich auch ehre ja deine Wünsch' alle. (ab.) Oedipus. Unheil schuf ich, o Freund, schus es, ein Unschuldiger; ja, zeuge die Gottheit, Nichts übt' ich davon mit Willen! Wie so das? In schnödem Ehlager umfing die Stadt mich Arglosen mit Gräuelbanden. Der Chor. Bestiegest du, wie wir hörten, Der Mutter entweihtes Lager? Oedipus. Tod ist es, (o Graun!) dieses zu hören, Ach, Freund: und diese, die beiden hier, sind Der Chor. Wie sagst du? Oedipus. Töchter mir, und Fluch mir! Der Chor. Ach, Zeus! Oedipus. Sie sprossen mit mir aus Einer Frau Schooße. Der Chor. Sie wären deine Töchter denn Oedipus. Und sind des Vaters Schwestern auch. Der Chor. Graun! Oedipus. O Grau'n! Wahrlich, tausendfacher Fluch um= strickte mich! Du littst - Verübtest - Der Chor. Ich litt unsäglich Leid. Oedipus. Nichts verübt' ich. Der Chor. Wie? Oedipus. Mir ward ein Lohn, Welchen ich nimmer verdient, ich Verlorener, Von meiner Ahnen Lande, dem ich wohlthat. Der Chor. Unseliger, und du gabst den Tod Oedipus. Was meinst du da? Was willst du mehr? Dem Vater? Weh, weh! Du schlägst zur ersten Wunde die andre mir! Der Chor. Du warst sein Mörder? Oedipus. Ich war's; indeß - Nun? Nicht mit Unrecht, mein' ich. Der Chor. Wie? Oedipus. So höre denn: Wider Gewalt ankämpfend, erschlug ich ihn,[OCR transcription; compare the scan.] Σ. καὶ γὰρ ἁλοὺς ἐφόνευσα. ἁλοὺς, circumventus, necessitate quadam obstrictus, quominus facerem aliter. Printed p. 184 That's unbewußt und nach der Sazung schuldlos.[OCR transcription; compare the scan.] Was Oedipus gethan hatte, war mehr leidende unbewußte, als freiwillige bewußte That (V. 262); auch hatte.er Gewalt mit Gewalt abgewehrt; wer aber einen zuerst Angreifenden tödtete, war schon nach der alten Sazung des Rhadamanthys von Strafe frei. Printed p. 184 Der Chor. Da, siehe, kommt der König, Aegeus' Sohn, heran, Theseus, gehorsam deinem Ruf, der ihn beschied. Theseus. Die Vorigen. Theseus. Von Vielen hört' ich früher, wie dein Augenlicht In blut'ger Nacht erloschen, daß ich dich sofort Erkannte, Sohn des Laïos, und noch sichrer jezt Aus dem erkenne, was ich hört' auf diesem Weg. Denn dein Gewand und dein entsezenvolles Haupt Bezeugt mir deutlich, wer du bist; mich jammert dein; Drum will ich dich befragen, armer Dedipus,' Um was du mich zu bitten und die Bürger hier Gekommen, du mit deiner armen Führerin. So sprich: ein ungeheures Werk ja müßtest du Mir nennen, wollt' ich deinem Dienste mich entzieh'n: Ich weiß, in fremdem Lande wuchs ich selbst heran, Gleich dir; im Fremdlingslande, wie kein andrer Mann, Durchkämpft' ich viel Gefahren über meinem Haupt. Drum steh' ich keinem Fremdling, der, wie heute du, Mir naht, mit meiner Hülfe fern; ich bin ein Mensch, Wohl weiß ich dieses, und mir ward am nächsten Tag Kein größrer Antheil, als er dir beschieden ist. Oedipus. Dein Adel, Theseus, hat in kurzem Worte sich Entfaltet, daß mir wenig nur zu sagen bleibt. Denn wer ich bin und welches Vaters Sohn, woher Des Landes ich gekommen, hast du selbst gesagt; So bliebe mir nichts übrig, als dir kundzuthun, Was mein Begehr ist, und die Rede fand ihr Ziel. Theseus. Dies eben laß mich hören, dies enthülle mir. Oedipus. Ich komme, meinen müden Leib zur Gabe dir Zu bringen, nicht gar lieblich anzuseh'n; indeß Der Lohn von ihm ist größer, als das Aeußre schön. Theseus. Und welchen Vortheil bietest du zum Lohne mir? Oedipus. Die Zeit belehrt dich's, wär' es auch die nächste nicht. Theseus. Wann aber wird uns deine Segnung offenbar? Oedipus. Sobald ich todt bin und du mich bestattet hast. Theseus. Des Lebens Leztes bittest du: was mitten liegt, Vergissest oder achtest du von keinem Werth. Oedipus. Erlang' ich jenes, kommt mir auch dies Andre zu.[OCR transcription; compare the scan.] In dem Versprechen, mich bestatten zu wollen, liegt für mich jenes (die Sorge um mich in der Zwischenzeit) mit eingeschlossen." Dedipus weiß ja, daß sein Ende nahe ist; übernimmt also Theseus die Sorge für sein Begräbniß, so übernimmt er zugleich die Verpflichtung, ihn gegen etwaige Angriffe seiner Widersacher zu schüzen, die das Versprechen des Theseus zu Schanden zu machen drohten. Printed p. 184 Theseus. Doch unbedeutend ist die Gunst, um die du flehst. Oedipus. Nicht leicht (bedenk' es ernstlich) ist der Kampf um sie. Theseus. Gilt Thebe's Söhnen oder gilt mir dieses Wort? Oedipus. Mich heimzubringen mit Gewalt verlangen sie. Theseus. Dir, wenn sie's. wollen, ziemte nicht die Weigerung. Doch als ich selbst es wollte, widerstrebten sie. O Thor, im Unglück ist der Troz nicht förderlich. Oedipus. Erst höre mich, dann mahne; jezt laß ab davon. Theseus. Sprich; eh' ich dich vernommen, ziemt mir nicht das Wort. Oedipus. Graunvoll, o Theseus, ward mir Leid auf Leid gehäuft. Theseus. Du sprichst von deines Hauses altem Ungemach? Oedipus. Nein; ist von ihm doch jeder Mund in Hellas voll. Theseus. Welch übermenschlich großes Leid erlittst du denn? Oedipus. So ging es mir: aus meinem Vaterreich vertrieb Gewalt der eignen Söhne mich, und nimmer ist Als Vatermörder mir gegönnt die Wiederkehr. Theseus. Was rufen sie dich also, daß du wohnst allein? Oedipus. Ein Wort aus Göttermunde zwingt sie so zu thun. Theseus. Mit welchem Unheil schreckte sie der Seherspruch? Oedipus. Daß dieses Land sie schlage, sei der Götter Schluß. Theseus. Wie käme Hader zwischen mir und Theben auf? Oedipus. O Sohn des Aegeus, theurer Mann, den Göttern nur Naht nie das Alter, ihnen naht niemals der Tod. Doch alles Andre stürzt die Allgewalt der Zeit: Die Kraft der Erde welkt, es welkt des Leibes Kraft; Hin stirbt die Treue, Treuebruch sprießt hoch empor. Und ohne Wandel athmet nie derselbe Hauch Der Lieb' in Männerherzen, noch bei Volk und Volk. Denn heute dort, hier morgen wandelt sich die Gunst In bittern Hader, und in Huld sich wieder um. Und wenn des Friedens heller Tag die Theber jezt Mit dir vereinigt, doch gebiert in ihrem Lauf Endlose Zeit endlose Nächte, Tage noch, Worin die heute festverbundnen Hände sich Um leichten Vorwand trennen durch des Speers Gewalt, Wo mein entschlafner und im Grab geborgner Leib Erkaltet einst ihr warmes Herzblut trinken wird, Wenn Zeus noch Zeus, und sein Apollon Wahres spricht. Doch sag' ich ungern, was ich nicht enthüllen darf; Dir gnüge denn mein erstes Wort, und wahre mur[OCR transcription; compare the scan.] Dir genüge mein erstes Wort“, laß mich einfach bei der anfänglichen Bitte bleiben, mich aufzunehmen und zu bestatten, „indem du nur dein mir gegebenes Wort treulich wahrst“. Printed p. 184 Das deine treulich; und gewiß, dann klagst du nie, Es sei ein unnüz werthlos Haupt in Dedipus Dem Land erschienen, lügen mir die Götter nicht. Der Chor. Schon lange hat, o König, dies und Aehnliches[OCR transcription; compare the scan.] Schon früher - V. 282. 454 ff. Printed p. 184 Der Mann für unsrer Väter Land zu thun gelobt. Theseus. Wer möchte solches Mannes wohlgewognen Sinn Abweisen, dem hier allezeit der freundliche, Gastfreie Herd in unsrer Wohnung offen steht, Und welcher, Hülfe suchend bei den Göttinnen, Mir und dem Lande nicht geringen Lohn bezahlt? Dies heilig achtend, will ich niemals seine Huld Abweisen, will ihm Bürgerrecht im Lande leih'n. Gefällt's ihm hier zu bleiben, dann gebiet' ich euch,[OCR transcription; compare the scan.] Hier, d. i. in Kolonos. Printed p. 184 Sein wohl zu wahren; ist es ihm, mit mir zu geh'n, Genehm, so gönn' ich, Dedipus, auch hier Gewalt Und freie Wahl dir: so gewähr' ich, was du willst. Oedipus. Zeus, solchen Männern lohne du mit Wohlergeh'n! Theseus. Nun was verlangt dich? Willst du geh'n nach meinem Haus? Oedipus. Wohl, wenn ich dürfte; doch es ist die Stätte hier Theseus. Was willst du hier beginnen? Denn ich wehr' es nicht. Oedipus. Hier werd' ich sie besiegen, die mich einst verbannt.[OCR transcription; compare the scan.] Geheimnißvoll deutet Oedipus auf die dereinst an seinem Grabe erfolgende Niederlage der Theber. Insofern sein Leichnam den Athenern den Sieg sichern wird, redet er von seinem eigenen Siege, wobei Theseus an die nahe bevorstehenden Versuche der Theber, den Dedipus zurückzuführen, denken zu Dedipus auf Kolonos. mußte. Dedipus hingegen besorgte gerade, diesen Angriffen zu unterliegen. Schneidewin. Β.. 656. L. πολλοὶ δ᾽ ἀπειλῶν πολλὰ δὴ μάτην ἔπη. Printed p. 184 Printed p. 185 Theseus. Groß nenne dann den Segen deines Aufenthalts. Oedipus. Ja, wenn du treu vollendest, was du mir versprachst. Theseus. Vertraue meinem Worte; nie verlass' ich dich. Oedipus. Durch keinen Eidschwur bind' ich dich, dem Schlechten gleich. Theseus. Nicht mehr auch, als mit meinem Wort, gewönnest du. Oedipus. Was wirst du denn beginnen? Theseus. Weßhalb zagst du so? Oedipus. Die Männer kommen (auf den Chor deutend) Theseus. Diese steh'n zu deinem Schuz. Oedipus. Sieh, du verläßt mich Theseus. Lehre mir nicht meine Pflicht. Oedipus. Es zwingt die Furcht mich Theseus. Mein Gemüth kennt keine Furcht. Oedipus. Du weißt ihr Droh'n nicht - Theseus. Doch ich weiß, daß Keiner dich Von hier gewaltsam mir zum Troz entführen wird. Denn drohend hat ja Mancher schon manch eitles Wort Gedroht im Zorneseifer; doch sobald der Geist Sein wieder Herr ward, floh'n hinweg die Drohungen. Und haben jen' auch kühn mit schwerem Eid gelobt, Dich wegzuführen, weiß ich doch, scheint ihrem Blick Der Weg hieher ein unbeschiffbar weites Meer. So darfst du, spendet' ich dir auch nicht meinen Schuz, Doch fest vertrauen, wenn Apollon dich gesandt. Und ob ich selbst auch ferne sei, so weiß ich doch : Vor jeder Unbill schüzen wird mein Name dich. (ab.) Dedipus. Antigone. Der Chor. Erste Strophe. Der Chor. Zur roßprangenden Flur, o Freund, Kamst du, hier zu des Landes bester Wohnstadt, Des glanzvollen Kolonos Hain, Wo hinflatternd die Nachtigall In helltönenden Lauten klagt Aus den grünenden Schluchten, Wo weinfarbiger Epheu rankt, Tief im heiligen Laube des Gottes, dem schattigen, früchtebeladenen,[OCR transcription; compare the scan.] Der Gott ist der V. 677 genannte Dionysos, der „epheutragende" Gott, auf den die Erwähnung seines Epheus den Dichter von selbst führte, und für dessen dionysisches Fest unser Drama bestimmt war. Printed p. 185 Dem stillen, das kein Sturmwind Aufregt, wo der begeisterte Freudengott Dionysos stets hereinzieht, Im Chor göttlicher Ammen schwärmend.[OCR transcription; compare the scan.] Die Ammen des Dionysos sind die nysäischen Nymphen, welche den auf der feuchten Au von Nysa geborenen Gott erzogen, und später mit ihm die Welt durchschwärmten. Printed p. 185 Erste Gegenstrophe. Hier in schönem Geringel blüht Ewig unter des Himmels Thau Narkissos, Der altheilige Kranz der zwei Großen Göttinnen, golden glänzt[OCR transcription; compare the scan.] Die zwei großen Göttinnen sind Demeter und ihre Tochter Persephone, die der Landessage nach entweder bei Eleusis am Kephissos oder nahe bei Kolonos, als sie Narkissen pflückte, von Pluton entführt ward. Printed p. 185 Krokos: nimmer versiegen die[OCR transcription; compare the scan.] Der Krokos, ächter Safran, blüht vom ersten Frühling bis in den Spätherbst in den Bergen um Athen. Auch in seiner Tragödie Niobe nannte Sophokles den Krokos Blume der Demeter. Printed p. 185 Schlummerlosen Gewässer, Die vom Strome Kephissos her Irren; ewig von Tag zu Tag Wallt er mit lauterem Regenergusse durch Der breiten Erde Fluren, Das Land schnell zu befruchten, das Auch die Chöre der Musen nie verschmähten,[OCR transcription; compare the scan.] Einen Altar der Musen in der Akademie erwähnt Pausanias 1, 30, 2, aber kein Heiligthum der Aphrodite; doch stand am Eingang der Akademie ein Altar des Eros, von Charmos gestiftet. Printed p. 185 Noch Kythere mit goldnen Zügeln.[OCR transcription; compare the scan.] Von Rossen oder Tauben oder (wie bei Sappho) von Sperlingen gezogen, fährt Aphrodite durch die Lüfte. Printed p. 185 Zweite Strophe. Hier auch blüht ein Gewächs, wie im Gefild' Asia keines,[OCR transcription; compare the scan.] Hier auch blüht ein Gewächs“, der Delbaum (V. 698), welchen Athene schuf, wie Poseidon das Roß. - Asia steht für die Küsten des Morgenlandes, wie das Eiland des Pelops (V. 694), der Peloponnes, für die Küsten des Abendlandes. Wenn der Dichter die Pelopsinsel als dorisch bezeichnet, so hat er den politischen Gegensaz seiner Zeit vor Augen; denn erst achtzig Jahre nach dem Falle Troja's nahmen die Dorer das Land in Besiz. Printed p. 185 Kein's auf dorischer Flur, dort in dem weit Prangenden Eilande des Pelops, Erwuchs; von selbst ohne Pflege keimt es;[OCR transcription; compare the scan.] Athene, mit Poseidon um den Besiz des Landes streitend, hatte auf der Burg den ersten Delbaum wachsen lassen, der nach seiner Verbrennung im Perserkriege schon am nächsten Anmerkungen Tage wieder einen ellenlangen Zweig getrieben hatte. Der zweite stand in der Akademie, ein Sprößling jenes ältesten und der Stammvater der unter der Aufsicht des Areopagos stehenden heiligen Delbäume in der Ebene des Kephissos, welche μορίαι hießen, und von welchen Zeus als ihr Beschüzer den Beinamen Morios trug. Diese Bäume nennt der Dichter ein Gewächs, das kein anderes Land der Erde aufzuweisen habe, das ohne Zuthun der Menschen sich selbst erneuere, und das kein feindlicher Speer zu verlezen wage. Er spielt hier auf geschichtliche Vorfälle an: Archidamos, König der Sparter, (denn dieser ist unter dem bejahrten Heerfürsten gemeint) der an der Spize von 100,000 Mann in Attika eingefallen war, wagte aus Furcht vor dem Zorn der Athene die heiligen Bäume nicht anzutasten; Xerxes, der jugendliche Heerfürst, hatte bei der Einnahme der Burg den heiligen Delbaum zwar verbrannt, aber seine wunderbare Kraft nicht vernichten können. Denn diese heiligen Bäume (so schließt die Strophe) stehen unter der Obhut des Zeus und der Athene. Printed p. 185 Printed p. 186 Der Feindesspeere Schrecken ist's, Das mächtig aufblüht in dieser Landschaft: Mein sproßnährender, blauschimmernder Delbaum,[OCR transcription; compare the scan.] Der Delbaum heißt sproßnährend, weil er mit immer verjüngter Kraft Zweige und Sprößlinge treibt, sich in ihnen allezeit wieder erneuert. Printed p. 186 Den kein bejahrter, kein junger Heerfürst Se mit feindlicher Hand tilgend verheert; Denn mit dem ewigen wachen Blick Sieht Zeus' Morios' Aug' auf ihn Und blauäugig Athene. Zweite Gegenstrophe. Noch ein anderes Lob meiner Geburtserde, das schönste, Des stolzherrschenden Meergottes Geschenk, Nenn' ich, des Land's edelste Gabe: Den Ruhm der Meerfahrt, der Ross' und Füllen.[OCR transcription; compare the scan.] Der Meergott Poseidon, der ein Heiligthum bei Kolonos hatte, soll einst, wie mit Here um Argos, so mit Athene um die Schuzherrschaft von Athen gestritten haben. Um durch ein Zeichen der Macht sich ein Recht zu verschaffen, schlug er den Dreizack auf der Burg in die Erde, und es erschien ein Brunnen mit Salzwasser, von den Athenern Meer genannt; Athene aber schuf den Delbaum und erhielt von den Göttern den Vorzug. Nach einer andern, weniger bezeugten Sage schus er das Pferd in diesem Wettstreit; vielmehr geschah dies in Thessalien, und er erhielt davon den Beinamen Hippios. Sophokles, ohne dessen zu gedenken, leitet nur die Kunst des Zügelns von ihm ab, welche von Athen ausgegangen sei. Auch der homerische Hymnos nennt ihn Rossebändiger. Die gewöhnliche Mythe ist, daß in Attika zuerst Erichthonios vierspännig gefahren sei. Mit solchem Gespann im Kriege zu fahren, habe in alter Zeit nur ein kühner Hektor gewagt; zu Dedipus auf Kolonos. im Wettrennen aber sei es schon von Pelops geschehen, meldet der ältere Philostratos; Herodotos (4, 189) leitet den Gebrauch von den Libyern ab. Nun wird zwar die Erfindung des Zügels sonst auch nach Thessalien versezt, so von Plinius und Virgil, in das Land der trefflichsten Pferde und Reiter; aber unser Dichter eignet diesen Ruhm seiner Vaterstadt zu, mit poetischer Freiheit, wie der Scholiast anerkennt. Uebrigens ist Attika für Pferdezucht gar nicht besonders geeignet, und das Beiwort „roßprangend" gilt nur in Bezug auf jene Erfindung; aber groß war die Pferdeliebhaberei der Athener, zum Schaden der Sitten und des Wohlstandes. Thudichum. Printed p. 186 Printed p. 187 Kronos' Sohn, du hobst es ja Zu diesem Preis, hehrer Fürst Poseidon, Der dem Nosse den wuthstillenden Zügel Am ersten umwarf auf diesen Wegen. Sieh, hineilend mit Macht nieder zum Meer Hüpft in den Händen geschwungen dein Ruder, das Nereïden rings[OCR transcription; compare the scan.] Die Nereiden, die Töchter des Nereus und der Okeanine Doris, Schwestern der Thetis und der Amphitrite, sind die Meerjungfrauen, deren Zahl Einige auf fünfzig, Andere auf hundert angeben; hier soll wohl die große Menge überhaupt bezeichnet werden. Printed p. 187 Hundertfüßig umtanzen. (den nahenden Kreon erblickend) Antigone. O Flur, mit höchsten Ruhmes Preis verherrlichet, Nun gilt es, mun bewähre dieser Rede Glanz! Oedipus. Was schreckt dich, meine Tochter? Antigone. Nah', o Vater, kommt, Nicht ohne Folger, Kreon hier auf uns heran. Oedipus. Ihr theuren Alten, möge mir sich jezt in euch Der angelobten Hülfe Ziel verwirklichen! Der Chor. Getrost, sie wird dir! Bin ich auch durch Alter schwach, Ist nimmer doch gealtert dieses Landes Kraft. Kreon mit Gefolge. Die Vorigen. Kreon. Männer, edle Bürger ihr aus diesem Land, Wohl hat, ich seh' es, über mein Erscheinen hier Der Ueberraschung Schrecken euch das Aug' erfüllt: Doch seid vor mir nicht bange, sprecht kein böses Wort. Ich komme nicht, euch irgend Uebles anzuthun; Ein Greis ja bin ich und gelangt' in diese Stadt, Die, wenn in Hellas Eine, stark und mächtig ist. Ich Alter ward gesendet, daß ich diesen Mann Bestimmte, mir zu folgen in der Theber Land; Nicht Einer hat mich abgeschickt, die ganze Stadt Hat mir's geboten, weil ich mehr, denn Alle sonst, Als Anverwandter seine Noth beklagen muß. So höre mich denn, schwerbedrängter Dedipus, Und komm nach Hause! Kadmos' ganzes Volk erhebt Den Ruf nach dir, und billig, doch vor Allen ich, Der anders wär' er aller Menschen schlechtester - Am schwersten sich um deine Leiden härmt, o Greis, Zu schau'n dich Armen, wie du fremd von Land zu Land Kastlos umherirrst, von der Einen hier gefolgt,[OCR transcription; compare the scan.] von der Einen hier (der Antigone) gefolgt." Printed p. 187 Mit Noth und Mangel kämpfend: ach, ich glaubte nie, Daß diese jemals sinken würd' in solche Schmach, In die sie nun versank, die Unglückselige, Die dein und deines Hauptes pflegt zu jeder Zeit Mit karger Nahrung, noch so jung, der Ehe noch Nicht kundig, nein, dem nächsten Räuber bloßgestellt. Ist, was ich sprach, ich Armer, nicht die höchste Schmach, Die dich und mich und unser ganzes Haus entehrt? Doch weil das Offenbare nicht sich bergen läßt, So folge du mir, bei der Heimat Göttern, Freund, Birg du die Schmach: zu deiner Ahnen Burg und Haus[OCR transcription; compare the scan.] Birg du die Schmach", indem du den Anblick deiner jammervollen Gestalt den Fremden entziehst und dich zu deiner Heimat zurückwendest. Printed p. 187 Dich wendend, biete dieser Stadt den Scheidegruß Des Freundes; wohl verdient sie's; doch der größ're Preis Gebührt der Heimat, die so lange dich gepflegt. Oedipus. Du Frecher, dreist zu Allem, der aus jedem Ding Den Schein gerechter Sache schlau zu spinnen weiß, Weßhalb versuchst du solches, willst mich abermals Im Nez verstricken, wo das Herbste meiner harrt? Denn früher, als mich kränkte meines Hauses Noth, Daß mir Verbanmmung aus dem Land für Wonne galt, Ward meinem Wunsche solche Gunst mißgönnt von dir. Doch als der Seele grimmer Schmerz gesättigt war, Und mir, daheim zu leben, schien ein süßes Glück: Da stießest, warfest du mich aus, da waren dir Des Blutes edle Bande nur ein eitles Wort. Nun willst du wieder, da du siehst, wie diese Stadt Und alles Volk hier wohlgesinnt mir Hülfe leiht, Das Rauhe sanft aussprechend, mich von hinnen zieh'n. Doch welche Lust kann aufgedrung'ne Liebe sein? Wie? Wenn ein Mann auf ungestümes Bitten dir Wohlthaten oder Hülfe kalt verweigerte, Und erst, nachdem dir, was du willst, in Fülle ward, Willfahrte, wann ihm keinen Dank die Gunst gewinnt: Sprich, wäre das nicht ein verächtlich leerer Dienst? Nun, solche Gaben bietest du mir eben dar, Die schön in Worten, in der That verwerflich sind. Auch diesen sag' ich's, daß sie seh'n, wie schlecht du bist. Du kommst mich fortzuführen, nicht zu meinem Haus; Nein, außen soll ich wohnen, daß die Theberstadt Frei sei der Uebel, die von diesem Land ihr droh'n. Das wird dir nicht; das wird dir, daß mein Rachegeist, Ein ewig Schreckbild, hausen wird in Kadmos' Reich; Und meine Söhne können einst von meinem Land Nicht mehr erlangen, als darin zu sterben nur. Ist Thebe's Loos nicht besser mir, als dir, bekannt? Um Vieles, weil ich sein Geschick von Weiseren, Von Phöbos, ja, von dessen Vater Zeus vernahm. Du aber kamst mit tückevollem Mund daher, Mit vielgewandter Zunge; doch dein Neden wird Mehr Schaden dir bereiten als ersprießlich sein. Nun geh; ich weiß, dich wenden meine Worte nicht - Uns aber laß hier leben; denn wir leben nicht Elend in solcher Lage selbst, wenn's uns behagt. Kreon. Wie? Wähust du denn, du werdest minder als ich selbst Verlieren, wenn du meinem Wort dich nicht bequemst? Oedipus. Mir ist es höchste Wonne, wenn du weder mich Bereden kannst noch diese, die mir nahe steh'n. Kreon. So pflanzte Weisheit nicht einmal die Zeit dir ein? Ein Hohn dem Alter lebst du fort, Unseliger? Oedipus. Du bist ein Held in Worten; aber redlich fand Ich Keinen noch, der blendend über Alles sprach. Kreon. Ein Andres, treffend reden, und ein Andres, viel. Oedipus. Als ob du bündig sprächest und das Treffende! Kreon. Nur freilich dem nicht, dessen Sinn dem deinen gleicht. Oedipus. Geh auch für diese sprech' ich und belaure nicht Mich hier an dieser Stätte, wo ich wohnen muß. Kreon. Zu Zeugen ruf' ich diese, wie du Freundeswort Mit schnödem Wort erwiderst, hasch' ich dich dereinst. Oedipus. Wer darf mich haschen, schüzen mich die Männer hier? Kreon. Traun, ohne dies auch wartet dein des Leids genug. Oedipus. Was hast du vor? Was sollen diese Drohungen? Kreon. Die Eine deiner Töchter hab' ich schon geraubt Und weggesandt, die Andre führ' ich gleich davon. Weh mir! Zum Weherufen hast du bald noch weitern Grund. Du raubtest meine Tochter? Bald auch diese da. (auf Antigone deutend.) Oedipus. Was wollt ihr thun, o Freunde? Mich verlasset ihr, Und treibt aus eurem Lande nicht den Frevler fort? (zu Kreon) Der Chor. Von hinnen, Fremdling, eilig! Was du jezt beginnst, Und was du früher ausgeübt, ist ungerecht. (zu seinen Dienern) Kreon. Es ist an euch nun, daß ihr die von dannen führt, Mit Zwang, wofern sie willig euch nicht folgen will. Antigone. Wo soll ich hinflieh'n? Wehe mir! Wo find' ich Schuz Bei Göttern oder Menschen? Der Chor. Was beginnst du? Sprich! Kreon. Nicht diesen Mann hier rühr' ich an, die Meine nur. Oedipus. Ihr Landesherrscher! (zu Kreon) Der Chor. Ungerechtes thust du hier! Kreon. Gerechtes! Der Chor. Wie, Gerechtes? Kreon. Sie gehören mir. Vernimm, o Stadt! Der Chor. Wohin, Fremdling? Laß von ihr! Oder gleich Brauch' ich Gewalt an dir! Kreon. Zurück! Der Chor. Nicht vor dir, wagst du so freche That! Kreon. Die Stadt bekämpfst du, wenn du mir ein Leides thust.[OCR transcription; compare the scan.] Kreon droht mit einem Kriege Thebe's, wenn man seiner Person „ein Leides thue", gerade wie der Chor V. 839 das Gebahren Kreons für eine Feindseligkeit gegen seine Stadt erklärt. Printed p. 187 Oedipus. Ha, dieses rief ich selbst dir zu! Der Chor. Laß ungesäumt Das Mädchen ledig! Kreon. Nicht gebeut, wo Macht dir fehlt! Der Chor. Dir sag' ich: laß sie! Kreon. Ich zu dir: geh deinen Weg! Der Chor. Hieher, Bürger, eilt, o eilt flugs heran! Weh, es verhöhnt die Stadt, unsere Stadt Gewalt! So eilt flugs hieher! (indeß sie fortgeführt wird) Antigone. Sie zieh'n mich fort, mich Arme! Helft, o Freunde, helft! Oedipus. Wo bist du, Tochter? Antigone. Mit Gewalt hinweggeführt! (die Hände ausstreckend) Kind, reiche mir die Hände! Weh! Ich kann es nicht. Ihr führt sie fort! (zu den Dienern) (Antigone wird abgeführt.) Oedipus. Weh, weh mir Unglückseligen! Kreon. So wirst du denn, auf diesen Doppelstab gestüzt, Nie mehr dahinzieh'n! Aber weil du deinem Land Und deinen Freunden trozen willst, die solches mir Zu thun geboten, ob ich gleich der Herrscher bin: So troze! Wohl erkennst du's einst in später Zeit, Daß dir so wenig fromme, was du heute thust, Als was du früher thatest troz der Freunde Rath, Dem Zorn gehorchend, der dir stets Unheil erschafft. (vertritt ihm den Weg) (will gehen.) Der Chor. Du bleibst, o Fremdling! Kreon. Nicht berührt mich, sag' ich euch! Der Chor. Dich lass' ich niemals, da du diese mir geraubt. Kreon. So wirst du bald ein höh'res Lösegeld der Stadt[OCR transcription; compare the scan.] Die Stadt (Athen) wird bald, um die Jungfrauen loszukaufen, noch eine größere Summe aufwenden müssen, sofern ich auch den Dedipus wegführe. Printed p. 187 Auflegen; denn nicht diese Zwei ergreif' ich nur. Der Chor. Was willst du mehr noch? (auf Dedipus deutend) Kreon. Diesen greif' und führ' ich weg. Du redest keck! Und ohne Säumen wird's gescheh'n, Wenn dieses Landes Herrscher mir es nicht verwehrt. Oedipus. Schamlose Zunge! Legst du gar an mich die Hand? Kreon. Sei stille, sag' ich. Oedipus. Mögen hier die Göttinnen Die Stimme mir nicht rauben, eh' ich dir geflucht, Kuchloser, der mein schwaches leztes Auge mir, Dem Augenlosen, mit Gewalt entreißt und flieht! Ja, lasse dafür dein Geschlecht und dich der Gott,[OCR transcription; compare the scan.] Den allsehenden Helios, der im Vereine mit Zeus Unbilden und Uebelthaten rächt (Elektr. 806 ff.), ruft Dedipus an, daß er den Kreon und sein Geschlecht mit Armuth, Elend und Anmerkungen Blindheit strafe, wie er sonst das Gegentheil - Licht, Leben und Gedeihen zu spenden pflegt. Printed p. 187 Printed p. 188 Der Alles siehet, Helios, dereinst ergrau'n In einem Leben, düster, wie das meine war! Ha, seht ihr das, des Landes Eingeborene? Sie sehen mich und dich zugleich und wissen wohl, Daß wider deine Thaten nur das Wort mich schirmt. Kreon. Ich halte mich nicht länger, schlepp' ihn mit Gewalt Von hinnen, bin ich auch allein und alterschwer. Ich Armer, ach! (ergreift den Dedipus.) Der Chor. Ha, welch kühner Stolz führt dich hieher, daß du Das zu vollenden denkst! Ich denk's! Dieses Volk achtet' ich dann für Nichts! Kreon. Der Schwache schlägt den Starken auch, hilft ihm das Recht. Oedipus. Vernehmt ihr, was er redet? Der Chor. Was er nie vollbringt! Lebt aber Zeus - Kreon. Zeus weiß es, doch du weißt es nicht. Der Chor. Ist das nicht Hohn? Kreon. Hohn ist es; aber trag' ihn nur! Der Chor. Wohlauf, alles Volk! Wohlauf, Landesherr! Eilet geschwind heran, eilet! Es dringt Gewalt Gewaltvoll daher! Theseus mit Gefolge. Die Vorigen. Theseus. Welch ein Lärm? Was ist gescheh'n hier? Was erschreckt' euch, daß ihr mein Farrenopfer stört, am Altar dargebracht dem Meeresgott, Unserm Schirmherrn von Kolonos? Sprecht, damit ich Alles weiß, Was es sei, das mich dahertrieb, schneller, als dem Fuß gefiel! Oedipus. Mein Theurer! denn ich kenne deiner Stimme Ton Ach, Schweres litt ich eben jezt von diesem Mann. Theseus. Was war es? Wer hat Leides dir gethan? O sprich! Oedipus. Er, den du siehst hier, Kreon hat mein Töchterpaar, Die einzig treuen Stüzen, mir hinweggeraubt. Wie sagst du? Nur was mir geschah, vernahmest du. Theseus. Auf denn, so schnell als möglich geh' ein Diener mir Zurück zum Altar, alles Volk zu nöthigen, Mit lassem Zügel hoch zu Pferd und ohne Roß Vom Opfer hin zu eilen, wo die Mündungen Der beiden Wege sich in Eins zusammenzieh'n, Daß uns die Jungfrau'n nicht entgeh'n und ich ein Spott Des fremden Mannes werde, weich' ich der Gewalt. Auf, thut in Eile mein Gebot! Und diesen hier, (ein Diener geht.) Gehorcht' ich meinem Zorne, wie er's wohl verdient, Nicht unverwundet ließ ich ihn aus meiner Hand. Doch welcher Sazung folgend er hieher gelangt,[OCR transcription; compare the scan.] Wie er gewaltsam die Jungfrauen entführt hat, so soll er auch gewaltsam zurückgehalten werden. Printed p. 188 Nach der, und keiner andern, fall' auch ihm der Spruch! Du sollst aus diesem Lande nicht abzieh'n, bevor Du mir die Jungfrau'n sichtbar hier vor Augen stellst; Denn würdig hast du weder dein gehandelt noch Der Ahnen, deren Sohn du bist, noch deines Volks, Der du, die Stadt heimsuchend, die dem Rechte dient Und Alles ordnet nach Gesez, in rohem Muth Einbrachst, verhöhnend, was im Land hier heilig gilt, Und raubst gewaltsam und entführst, was dir beliebt. Du wähntest, knechtisch oder leer an Männern sei Die Stadt des Theseus und ich selbst machtlos und Nichts. Doch nicht zum schlechten Manne zog dich Thebe groß; Es liebte nie, rechtlose Männer aufzuzieh'n, Und würde dich nicht loben, wenn es hörte, wie Du mich beraubst und Götter, und Schuzflehende Aus ihrer Freistatt mit Gewalt von dannen führst. Ich würde niemals, wenn ich käm' in dein Gebiet, Dem Landesherrn zum Troze, wer es immer sei, Und hätt' ich auch das allerbeste Necht dazu, Gewalt und Raub verüben; nein, ich wüßte wohl, Wie gegen Bürger sich der Gast benehmen muß. Du schändest, ohne daß sie solche Schmach verdient, Die eigne Heimat, und der Jahre volles Maß Stellt dich zugleich als Greisen und als Thoren dar. Ich sagte vorhin, und ich sag' es wiederum: Man führe mir die Mädchen unverweilt zurück, Verlangst du nicht Insasse dieses Land's zu sein, Gezwungen, nicht freiwillig! Und dies sag' ich dir Mit freiem Munde, wie es mir vom Herzen kommt. Der Chor. Sieh, wo du hinkommst, Fremdling! Zwar dem Stamme nach Erscheinst du edel, aber schlecht in deinem Thun. Kreon. Nicht weil ich dachte, mänmerleer sei diese Stadt, O Sohn des Aegeus, oder rathlos, wie du sagst, Vollbracht' ich solches; glaubt' ich doch, daß nimmermehr Um meine Blutsverwandten so der Eifer euch Befallen werde, sie zu hegen mir zum Troz. Ich wußte, niemals würdet ihr den Schandbaren, Den Vatermörder pflegen, nie den Frevler, der Die Gräuelehe mit der eignen Mutter schloß. So wußt' ich auch, daß Ares' weises Volksgericht[OCR transcription; compare the scan.] Des Ares Volksgericht, der Areopagos. Printed p. 188 In eurem Lande heimisch sei, das nicht vergönnt, Daß solcher Flüchtling Wohnung nehm' in dieser Stadt. Hierauf vertrauend, eignet' ich den Raub mir an[OCR transcription; compare the scan.] Den Raub - den Oedipus. Printed p. 188 Und hätte das auch nie gethan, wenn dieser nicht Mit bittern Flüchen mich verwünscht und mein Geschlecht. Für solches Leid schien solche Nache mir gerecht. Ein andres Alter kennt der Zorn ja keines als Den Tod; die Todten rührt allein der Kummer nicht. Und nun beginne, was dir auch gefallen mag; Denn ich, verlassen, wie ich bin, erscheine schwach, Wenn ich gerecht auch rede; doch auf Thaten, traun, Versuch' ich, wenn auch hochbejahrt, Erwiderung. Oedipus. Schamloser! Wen zu schmähen wähnt dein Uebermuth Mit solchem Hohne, mich den Greisen oder dich, Dich, der den Mord, den Ehebund, mein Mißgeschick So frech mir vorrückt, das ich unfreiwillig nur Ertrug, ich Armer? So gefiel's den Göttern ja, Die längst vielleicht Groll hegten wider mein Geschlecht. Bei mir ja selber fändest du doch nimmermehr Den Flecken eines Frevels aus, mit dem ich so An mir und meinem Stamme mich versündigte. Denn sage, wenn ein Gottesspruch dem Vater einst Erscholl, er werde fallen durch des Sohnes Hand, Wie kannst du billig diese Schuld vorwerfen mir, Der noch des Lebens Keime nicht vom Vater noch Der Mutter hatte, nein, noch ungeboren war? Und wenn ich dann, zum Leide, wie ich war, gezeugt, Im Kampf mit meinem Vater rang und ihn erschlug, Nicht wissend, weder was ich that, noch gegen wen: Wie schältst du füglich, was ich unfreiwillig that? Auch von der Mutter Ehe zwiitgst du Frecher mich Zu reden, du, ihr Bruder, und erröthest nicht! Gleich sprech' ich hievon; kann ich doch nicht schweigen mehr, Nun selbst bis dahin schweifte dein ruchloser Mund. Ja, mich gebar, gebar sie, mich Unseligen, Unwissend mich Unwissenden, und die mich gebar, Hat, sich zur Schande, Kinder mir, dem Sohn, gezeugt. Doch Eines weiß ich sicher, daß du mich und sie Mit Willen also schmähtest: ich vermählte mich Ihr nicht mit Willen, rede hier gezwungen nur. Nein, meinen Namen schändet nicht der Ehebund, Auch nicht der Mord des Vaters, den du jederzeit Mir frech mit bitterm Hohne vorzurücken liebst. Denn auf die Eine Frage nur antworte mir: Kommt Einer, dich, Gerechter, auf der Stelle hier Zu tödten, wirst du fragen, ob's dein Vater sei, Der deinen Tod will, oder ihn zur Strafe zieh'n? Ich denke, wenn dein Leben dir lieb ist, du strafst Den Mörder, ohne nach dem Recht dich umzuseh'n. In solches Unheil aber stürzt auch ich hinein Durch Götterleitung, und der Geist des Vaters selbst, Zum Lichte kehrend, glaub' ich, widerspräch' es nicht. Doch du der Ungerechte, du, dem Jegliches Schön dünkt zu reden, was geziemt und nicht geziemt - Sprichst solchen Vorwurf ohne Scheu vor diesen aus. Den Ruhm des Theseus schmeichelnd hochzupreisen, dünkt Dir schön, zu rühmen, wie geordnet blüht Athen: Doch spendend solches reiche Lob, vergaßest du, Daß jedes Volk der Erde, das in frommer Scheu Die Götter ehrt, von diesem übertroffen wird, Aus dem du mich, den greisen Schüzling, rauben willst, Mich frech bewältigst und die Töchter schon entführt. Drum ruf' ich jezt zu dieses Haines Göttinmen In tiefer Demuth und bestürme sie mit Fleh'n, Verbündet hälfreich mir zu nah'n, auf daß du lerust, Von was für Männern diese Stadt behütet wird. Der Chor. Der Greis, o Herr, denkt edel; doch sein Leben ist Voll Ungemach und deiner Hülfe wahrlich werth. Theseus. Genug der Worte! Jene flieh'n mit ihrem Raub Davon, und wir Beraubten, wir steh'n ruhig hier! Kreon. Und was gebeutst du mir zu thun, dem schwachen Mann? Theseus. Dorthin vorangeh'n sollst du mir und meinen Schritt Geleiten, um mir selbst es anzukündigen, Wenn noch in diesen Näumen du die Töchter birgst; Doch flieh'n die Räuber, dann bedarf's der Mühe nicht. Denn ihnen eilen Andre nach; nie werden sie's Den Göttern danken, ihrem Arm entfloh'n zu sein. Geh denn voran und merke: raubend wirst du Raub, Und dich, den Jäger, fing das Glück; denn was der Trug Gewann, der ungerechte, kann nicht dauernd sein. Und helfen soll dir Keiner hier; ich weiß, allein Und ungerüstet übtest du nicht solchen Hohn Des kecken Frevels, dessen du dich jezt erkühnt; Auf andre Stüzen bautest du bei dieser That. Deßwegen ziemt mir's, umzuschau'n, und diese Stadt Soll nicht zu Schanden werden vor dem Einen Mann. Verstehst du dieses, oder dünkt mein Wort auch jezt Dir leer, wie vorhin, als du deinen Plan entwarfst? Kreon. Nie werd' ich tadeln, was du sagst an diesem Ort; Nach Hause kommend, weiß ich, was auch mir geziemt. Theseus. Droh' immer, aber gehe; du, mein Dedipus, Verweile hier in Frieden und vertraue mir: Wenn ich zuvor nicht sterbe, werd' ich nimmer ruh'n, Bevor ich deine Kinder dir zurückgebracht. Oedipus. Heil dir, o Theseus, daß du hegst solch edlen Sinn, Und unser huldreich waltest, wie das Recht gebeut! (Theseus mit Kreon und Gefolge ab.) Dedipus. Der Chor. Erste Strophe. Der Chor. Ach, wär' ich, wo bald die Schaar Der Feinde sich wenden wird, In ehernem Kampf erglüht, An Phöbos' Küsten oder am Gestade der Fackeln, Dort, wo das ehrwürdige Paar mit hehren Weih'n[OCR transcription; compare the scan.] Das ehrwürdige Paar, Demeter und Persephone als Vorsteherinnen der eleusinischen Geheimnisse. Ihre Priester waren die Eumolpiden, die Nachkommen des Eumolpos, des Stifters der Mysterien, von welchen die Eingeweihten zu unverbrüchlichem Schweigen verpflichtet wurden. Als Symbol dieses Schweigens ward, wie es scheint, den Aufgenommenen ein goldener Schlüssel auf den Mund gedrückt. Printed p. 188 Die Menschen feiern, denen auch Frommer Eumolpidenpriester gold'nes Schloß die Zunge hemmt! Da, weckend die Kampflust, (Ahn' ich) erhebt um jene zwei Jungfräulichen Schwestern Sofort Theseus sein hülfreiches Schwert, Auf dem Gefild' hier: Erste Gegenstrophe. Wenn etwa gen Westen nicht Zum schneeigen Felsen sie Aus Dea's Gelände floh'n,[OCR transcription; compare the scan.] Dea, eine attische Ortschaft. Printed p. 188 Auf Rossen eilend oder leicht Hinrollenden Wagen. Man wird sie fah'n! Stark ist der Landbewohner Muth,[OCR transcription; compare the scan.] Die „Landbewohner“ sind die Bewohner von Kolonos, die mit den, Theseussöhnen“ (V. 1060) vereint den Thebern nachsezen. Theseussöhne hörten die Athener sich gerne nennen, wie anderwärts Kekropiden (Söhne des Kekrops), Erechtheiden (Söhne des Erechtheus) u. s. f. Printed p. 188 Und stark der Theseussöhne Kraft. Denn es blizt ein jeder Zügel, alle Männer, hoch zu Roß Mit prangendem Stirnschmuck, Stürmen heran, die, Pallas, dich, Die reisige Göttin, und Den Meerherrscher feiern, Nhea's Sohn, Welcher das Land schirmt. Zweite Strophe. Begann er, oder säumt der Kampf? Mir ahnt froh das Herz, Sie kehre bald wieder, Die Schweres trug und schweres Leid vom blutsverwandten Manne litt. Zeus führt es heut', heute zum Ende. Guten Kampf weissag' ich freudvol. Könnt' ich, sturmwindgleich, ein schnellhinfliegend Täubchen, Hoch zu des Aethers Gewölk Entflieh'n, und dort mein Auge Am Schauspiel dieses Kampfes weiden! Zweite Gegenstrophe. Allwaltend Haupt der Götter, Zeus, allseh'nder Gott, Ihm, dieses Land's Herrscher, Verleih zur Siegeswonne Glück, den ruhmgekrönten Fang, zu thun, Und Hehre du, Pallas Athene ! Dich, den Waidmann, Phöbos, ruf' ich, Dich, o Schwester, die so rasch die buntgefleckten, Flüchtigen Hirsche verfolgt, naht mit eurem Beistand, Ich fleh' euch, dieses Landes Bürgern! O fremder Flüchtling, sage nicht, dein Hüter sei Ein falscher Seher; denn die Jungfrau'n seh' ich dort[OCR transcription; compare the scan.] Ein falscher Seher", sagt der Chor mit Beziehung auf seine Worte V. 1068 und V. 1072. Was er dort als Ahnung aussprach, die beiden Mädchen würden aus den Händen ihrer Entführer befreit und zurückgebracht werden, sindet er jezt bestätigt. zu Dedipus auf Kolonos. Printed p. 188 Printed p. 189 Sich diesem Orte wieder nah'n in treuer Hut. Oedipus. Wo sind sie? Wo? Wie sagst du? Theseus mit Gefolge. Antigone. Ismene. Dedipus. (auf den Vater zueilend) Antigone. Vater, Vater, ach! O gäb' ein Gott dir, ihn zu seh'n, den edelsten Der Menschen, der uns wieder hergeführt zu dir! Oedipus. Mein Kind, ihr kamet wirklich? Antigone. Ia, uns rettete Der Arm des Theseus und der trauten Dienerschaar. Oedipus. tretet her zum Vater, Kind, und lasset euch Umarmen; nicht mehr hofft' ich eure Wiederkehr. Antigone. Dein Wunsch erfüllt sich; Liebe treibt uns schon dazu. Oedipus. Wo seid ihr, wo nur? Antigone. Beide nah'n wir hier zugleich. Oedipus. Geliebte Sprossen! Antigone. Kinder liebt ihr Vater stets. Oedipus. Des Greises Stüzen! Antigone. Schwacher Stab des schwachen Manns! Oedipus. Mein Liebstes hab' ich wieder; ganz unselig wird Mein Ende nicht mehr werden, seid ihr nahe mir. Schmiegt euch zu beiden Seiten fest an mich, o Kind; Umschlingt den Vater, daß der Augenlose nicht In seiner Irre länger sich verlassen fühlt! Und was geschehen, meldet mir, so kurz ihr könnt; Genügt für eure Jahre doch ein schlichtes Wort. Antigone. Da steht der Retter; höre den, mein Vater, an; So dürfte meine Rede bald am Ziele sein. (zu Theseus) Oedipus. Nicht staune, Fremdling, daß ich Wort auf Wort gehäuft Bei meiner Kinder ungehoffter Wiederkehr. Denn wohl erkenn' ich, daß die Lust an ihnen mir Von dir, von keinem andern Mann bereitet ward: Du hast sie mir gerettet, und kein andrer Mensch. Und gäben dir die Götter, was mein Herz erfleht, Dir selbst und diesem Lande, weil ich Götterfurcht Bei euch allein fand unter allen Sterblichen Und edler Milde Walten und Wahrhaftigkeit! Dies selbst erfahrend, dank' ich euch mit diesem Wort: Denn was ich habe, wurde mir durch dich allein. Drum reiche mir die Rechte, Herr, auf daß ich sie Berühre, küsse, wenn ich darf, dein hohes Haupt. Was aber sag' ich? Wie verlang' ich Armer, daß Du solchen Mann berührest, dem ein jedes Mal Des Bösen beiwohnt? Nie begehr' ich das von dir, Noch würd' ich dir's gestatten. Nur ein Sterblicher, Der Gleiches trug, kann miterdulden solches Leid. So sei mir dort willkommen, und auch fürder sei Mein treuer Hüter, wie du warst bis diesen Tag. Theseus. Nicht Wunder nimmt mich's, daß du, deiner Kinder hier Dich freuend, länger ausgedehnt der Rede Maß, Noch daß das Wort des Vaters sie vor mir begrüßt. Um solche Dinge wandelt uns kein Kummer an. Und nicht mit Worten mühen wir uns eifriger Dem Leben Glanz zu leihen als mit unsrer That. Denn siehe: was ich schwörend dir gelobt, o Greis, Erfüllt' ich treu; die Töchter bring' ich dir zurück Gerettet, ungefährdet, troz der Feinde Droh'n. Und wie der Kampf gelungen, was bedarf es hier Unnüzen Prahlens? Hörst du's doch von ihnen selbst. Auf eine Botschaft aber, die mich eben traf, Als ich hieher ging, achte wohl und denke nach; Wohl kurz an Inhalt ist sie, doch beachtenswerth, Und Nichts verachten soll ein Mensch, was Menschen gilt. Oedipus. Was ist es, Aegeus' edler Sohn? Belehre mich, Dem keine Kunde dessen ward, was du vernahmst. Theseus. Ein fremder Mann, so heißt es, nicht aus deiner Stadt, Doch deines Stammes, habe (weßhalb, weiß ich nicht,) Am Herd Poseidons, wo ich eben opferte, Sich hingeworfen, während ich von dannen zog. Oedipus. Wo kommt er her? Was heischt er, jenem Siz genaht? Theseus. Nur Eines weiß ich: er erbitte sich von dir Ein kurzes Wort nur, hieß es, das nicht lästig sei. Oedipus. Worüber? Nicht um Kleines wählt er diesen Siz. Theseus. Er komm' und wünsche, heißt es, ein Gespräch mit dir, Und ungefährdet möcht' er dann von hinnen zieh'n. Oedipus. Wer aber ist es, der sich dort den Siz erkor? Theseus. Besinne dich, ob Einer eures Stamms, o Greis, Nicht lebt in Argos, welcher dies von dir erfleht. Oedipus. Mein Bester, weiter rede nicht! Theseus. Was ist dir denn? Oedipus. fordre das nicht länger! Theseus. Was? Erkläre mir. Oedipus. Ich weiß, belehrt von diesen, wer der Flüchtling ist. Theseus. Und wer denn ist es, den ich so verwerfen soll? Oedipus. Mein böser Sohn, Herr, dessen Rede meinem Ohr Schmerzvoller kläng' als jedes andern Mannes Wort. Theseus. Wie? Kannst du's nicht anhören und, was dir mißfällt, Versagen? Kann das Hören dir so peinlich sein? Oedipus. Feindselig tönt dem Vater diese Stimm', o Herr; Nicht opfre mich dem Zwange, solches einzugeh'n! Theseus. Doch, legt der Altar Zwang dir auf, so siehe zu, Ob dir des Gottes Würde nicht zu scheu'n geziemt. Antigone. Wohl bin ich jung, doch, Vater, folge meinem Rath. Olaß den Mann hier, wie er will, dem eignen Sinn Genüge leisten und dem Gott gefällig sein, Und uns gewihre freundlich, daß der Bruder kommt. Getrost: es zieht dich, was er Unwillkommnes sagt, Nicht wider deinen Willen ab von deinem Sinn. Und Worte hören, schadet dir's? Gibt doch die That, In bösem Sinn entworfen, sich im Worte kund. Er ist dein Sohn, o Vater; darum, wenn er auch Der schwersten Frevel schwersten selbst an dir verübt, Geziemt es dir nicht, wieder ihm ein Leid zu thun. Nein, laß ihn! Böse Kinder hat auch Mancher sonst, Und braust im Zorn auf; aber durch den Zauberlaut Der Freundesmahnung wird gebannt der Ungestüm. Du wende nunmehr deinen Blick auf jenes Leid, Das Leid von deinen Eltern, das du duldetest; Und schaust du hierauf, weiß ich, wird's dir offenbar, Welch schlimmes Ende schlimmer Zorn zu nehmen liebt. Denn dessen trägst du Zeichen, mächtig mahnende: Die blinden Augen, deren Licht in Nacht erlosch. So gib uns nach! Denn langes Flehen ziemt sich nicht, Wenn wir Gerechtes bitten, noch geziemt es dir, Wohlthat empfangen und dafür nicht dankbar sein. Oedipus. Ihr zwingt, o Tochter, eine schwere Gunst mir ab Durch eure Reden; sei es denn, wie's euch gefällt! Nur bitt' ich, Gastfreund, wenn der Jüngling hier erscheint, Verstatte Niemand, meines Lebens Herr zu sein! Theseus. Dies mag ich Einmal hören, nicht das zweitemal, Greis; ich will nicht prahlen; glaub' indeß, du bist In sichrem Schuze, wenn mich selbst ein Gott beschüzt. (Theseus mit Gefolge ab.) Die Vorigen ohne Theseus. Strophe. Der Chor. Wer das längere Lebenstheil Wünscht, nicht achtend des kürzeren, Den hält thörichter Unverstand Ewig gebunden nach meinem Urtheil. Denn viel herbe Bekümmerniß Führt langdauerndes Alter dir Näher; doch es gewahrt dein Blick Nirgends lautere Freude, wenn Du mehr verlangst, als dein Geschick Willig beut, und nie genug hast, Bis sich am Ziele, Ohne Brautlied, ohne Reigen, Ohne Lauten, Tod vom Hades, Allen gemeinsam, einstellt. Gegenstrophe. Nie geboren zu werden, ist Weit das Beste; doch wenn du lebst, Ist das Zweite, dich schnell dahin Wieder zu wenden, woher du kameſt. Denn so lange die Jugend blüht, Leichten, thörichten Sinnes voll, Wer lebt ohne Bekümmerniß? Wo blieb eine Beschwerd' ihm fern? Mord, Hader, Aufruhr, Kriegeskampf, Neid und Haß: am düstern Ende Naht sich, verachtet, Dede, kraftlos, aller Freunde Leer, das Alter, dem sich jedes Wehe des Weh's gesellt hat, Schlußgesang. In dem, Unsel'ger, dich, nicht uns allein, Ueberall, wie nördlich einen Seestrand, Wogenschlag und Winterorkan' erschüttern; Also stürmen auf dich auch Hochher brandend in stetem Wuthgrimme die Leiden und ruhen nimmer, Diese von Helios' Niedergang, Diese vom Aufgang her, Diese vom Strahl des Mittags, Die dort von den nächtlichen Khipen. (in die Scene blickend) Antigone. Das ist gewiß der Fremde, wie mir, Vater, dünkt, Der dort allein und einsam hergeschritten kommt, Und dem die Thräne strömend aus dem Auge stürzt. Wer ist es? Erblickten, Jener, den wir längst im Geiste schon Polyneikes ist zur Stelle hier. Polyneikes. Die Vorigen. Polyneikes. Weh! Was beginnen? Wein' ich meine Noth zuvor, Ihr Schwestern, oder daß ich also sehen muß Den greisen Vater? Den mit euch im fremden Land Ich endlich hier fand, seit er ausgestoßen ward, In solchem Kleide, dessen häßlich trüber Schmuz Sich alt dem alten Körper angesezt, die Kraft Der Glieder zehrend, während ungekämmt das Haar Im Winde flattert um das augenlose Haupt! Und dem entsprechend hat er, wie ich fürchten muß, Die karge Nahrung, welche kaum den Hunger stillt. Das wurde mir Verlor'nen allzuspät bekannt, Und selbst bezeug' ich meine Schuld an deiner Noth, Der Menschen schlimmster, daß du's nicht von Andern hörst. Doch auf Kronions Throne sizt, ihm beigesellt, Für jeden Fehl' die Gnade: sie, mein Vater, sei Auch dir zur Seite! Was ich schwer an dir verbrach, Läßt noch sich sühnen, aber nicht vergrößern mehr. Du schweigst? O sprich ein Wort nur! Wende dich nicht ab von mir! Du willst mir nichts erwidern, willst, lautlos und stumm, Mich schnöd entlassen, nicht erklären, was du grollst? Ihr, dieses Mannes Töchter, meine Schwestern, ach! Versuchet ihr's doch, rühret ihr des Vaters Mund, Den unerbittlich harten, unzugänglichen, Auf daß er mich, des Gottes Schuzbefohl'nen, nicht So schnöd entlasse, nicht erwidernd Einen Laut! Antigone. Sprich selbst, o Jammervoller, was dich hergeführt. Wohl haben viele Worte, die nun Freude, nun Unlust und Ekel oder auch Mitleid erweckt, Sprachlosen oftmals aufgeregt der Sprache Laut. Polyneikes. So red' ich; denn ersprießlich sind' ich deinen Rath. Und erst erfleh' ich jenen Gott als Helfer mir, Von dessen Altarschwelle mir des Landes Fürst Entbot hieher zu kommen, und ein frei Gespräch Und ungefährdet abzuzieh'n verstattete. Und dieses, wünsch' ich, werde mir, o Fremdlinge, Von euch, vom Vater und den Schwestern hier gewährt. Doch jezt, o Vater, sag' ich dir, weßhalb ich kam. Ein Flüchtling irr' ich, aus der Väter Reich verbannt, Weil mich verlangte, deinen allgebietenden Thron einzunehmen; bin ich doch der ältre Sohn. Dafür verstieß mich aus dem Land Eteokles, Der jüng're, siegend weder durch des Wortes Macht, Noch durch des Armes Proben und der That Beweis; Das Volk gewann er, Vater! Und ich sage dir: Dein Nachegeist vor Allem trägt hieran die Schuld; Und eben dieses lehrte mich der Seher Wort. Denn als ich Argos heimgesucht im Dorerland, Und mir Adrastos Schwäher ward, verband ich mir Mit hohem Eidschwur Alle, die in Apia[OCR transcription; compare the scan.] Apia hieß der Peloponnes von einem alten Könige Apis, der in den ältesten Zeiten über den Peloponnes geherrscht haben sollte. Printed p. 189 Die Besten heißen und im Kampf gepriesen sind, Daß ich, die siebenfache Schaar vor Kadmos' Burg Mit ihnen sammelnd, fall' in ehrenvollem Kampf, Wo nicht, vom Land austreibe, die mir das gethan. Wohlan! Zu welchem Ende nun erschein' ich hier? Dich, Vater, geht mein heißes demuthvolles Fleh'n Für mich zugleich und meine Streitgenossen an, Die nun zu sieben mit dem siebenfachen Heer Der Theber Stadt umlagern und die Gauen rings. Da streitet Amphiaraos, im Gewühl der Schlacht Und auf der Vögel Bahnen weit der erste Mann; Zum zweiten Deneus' Sprößling aus Aetolia, Tydeus; sodann Eteokles, der aus Argos stammt; Als vierten sandte Talaos Hippomedon, Den Sohn; der fünfte, Kapaneus, schwört hoch, mit Glut Die Theberstadt zu tilgen aus der Städte Zahl; Der sechste Parthenopäos aus Arkadia, Sich also nennend nach der lang jungfräulichen Mutter Atalanta, deren ächter Sohn er ist. Und ich, der dein', und wenn der deine nicht, ein Kind Des bösen Schicksals, aber doch dein Sohn genannt, Führ' Argos' unerschrocknes Heer vor Thebe's Stadt. Bei deinem Leben, Vater, bei den Töchtern hier, Beschwören wir dich alle denn und fleh'n dich an: Laß ab vom schweren Zorne, nicht mehr grolle mir, Der wider seinen Bruder sich zur Nach' erhob, Den Räuber, der mich aus dem Vaterreiche stieß. Denn lügen Göttersprüche nicht, so wird der Sieg Dem werden, heißt es, welchem du dich zugesellst. Drum bei den Quellen, bei den Göttern unsres Stamms, Gib nach, o Vater, fleh' ich, folge meinem Wort; Wir sind ja Bettler, Fremde hier, fremd auch du selbst, Und Fremden schmeichelnd leben wir, ich so wie du, Nachdem das gleiche Mißgeschick uns heimgesucht. Und er, daheim der Herrscher, (ich Unseliger!) Verlacht in stolzer Ueppigkeit uns beide hier; Doch ihn, wofern du meinem Sinn dich beigesellst, Werd' ich zerstäuben mühelos in kurzer Frist: Ich führe dich in deiner Ahnen Haus zurück Und mich, vertrieb ich mit Gewalt den Frevler dort. Und also darf ich prahlen, bist du meines Sinns; Doch ohne dich ist keine Rettung mir gegönnt. Der Chor. Des Mannes wegen, Dedipus, der ihn gesandt, Erwidre, was dir heilsam dünkt, und laß ihn zieh'n. Oedipus. Traun, hätte nicht, o Bürger, eures Landes Herr, Der hohe Theseus, ihn zu mir hieher gesandt Und werth geachtet, daß er unser Wort vernimmt: Nie hätt' er wahrlich meiner Stimme Ton gehört. Nun geht er, deß gewürdigt, und vernimmt von mir, Was ihm das Leben nimmermehr erheitern wird. Ja, du Verruchter, als du Thron und Herrscherstab Noch führtest, die dein Bruder nun in Thebe führt, Da triebest du den eignen Vater selbst hinaus, Daß ihn, den Heimatlosen, dies Gewand umhüllt, Das heute Thränen dir entlockt, nachdem dich selbst Der gleichen Mühsal bittre Noth, wie mich, umfing. Doch frommt es nicht zu weinen; nein, ich trage dies, So lang ich lebe, dein, des Mörders, eingedenk. Denn du, du hast in solche Drangsal mich gestürzt, Du hast mich ausgestoßen, und durch deine Schuld Landflüchtig, muß ich betteln um mein täglich Brod. Hätt' ich zu Pflegerinnen nicht die Töchter hier, Auf deine Hülfe harrend, wär' ich lange todt; Sie sind es, die mich schirmen, sie verpflegen mich, Als Männer theilend meine Noth, nicht Frauen gleich: Ihr seid von einem Andern, nicht von mir, gezeugt. Wohl sieht des Gottes Auge noch nicht so dich an, Wie bald in Zukunft, wenn zum Sturm auf Thebe sich Dies Heer heranwälzt; denn du kannst niemals die Stadt In Trümmer stürzen; nein, du selber fällst zuvor, In Blut gebadet, und wie du, der Bruder auch. Die Flüche rief ich früher schon auf euch herab, Und rufe sie jezt abermals in meinen Bund, Auf daß ihr kindlich scheuen lernt der Eltern Haupt, Und nicht gering es achtet, daß ihr das verübt Am blinden Vater. Diese thaten nicht, wie ihr. (auf die Töchter deutend) Drum werden jene deinen Siz und deinen Thron Einnehmen, wenn der altgerühmten Dike Macht Nach alter Ordnung neben Zeus im Rathe sizt. Du fahre hin, von mir verworfen, vaterlos, Der Schlimmen Schlimmster, und gefolgt von diesem Fluch, Den ich dir rufe: nimmer soll dein Ahnenland Dein Speer erobern, nimmer kehrst du mehr zurück In Argos' Thäler, nein, du stirbst, von Bruderhand Entfeelt, und mordest ihn zugleich, der dich vertrieb! Und also fluchend, ruf' ich noch des Tartaros Uraltes grauses Dunkel, dich hinabzuzieh'n; Und hier die Nachgöttinnen, Ares ruf' ich an,[OCR transcription; compare the scan.] Ares wird als der Urheber jedes Unheils angerufen. Printed p. 190 Der solches Hasses Wuth gesenkt in eure Brust! Mit dieser Botschaft ziehe hin, und künde dort Des Kadmos' Söhnen allzumal und deinem Heer Getreuer Streitgenossen an, daß Dedipus An seine Söhne solchen Lohn gespendet hat! Der Chor. Wir können deines Ganges uns nicht freu'n mit dir, Polyneikes; eilig wende dich nunmehr zurück! Polyneikes. Weh, Pfad des Grauens, weh mir, daß dies Werk mißlang! Und weh um euch Genossen! Welches Ziel errang Uns dieser Zug aus Argos? (Ich Unseliger!) Ein solches, daß ich keinem Kampfgenossen es Jemals verkünden, noch zurück mich wenden darf! Nein, schweigend muß ich meinem Loos entgegengeh'n! meine trauten Schwestern - ihr vernahmet ja Den unerbittlich harten Fluch des Vaters euch Beschwör' ich bei den Göttern: wenn sich einst an mir Des Vaters Fluch vollendet und euch Wiederkehr Nach Haus gewährt ist, o verwerft, entehrt mich nicht; Nein, gönnt Bestattung und die Todtenehren mir! Dann folgt dem Lobe, das ihr jezt für eure Müh'n Um diesen Greis hier erntet, noch ein anderes, Nicht minder schönes für den Liebesdienst an mir. Antigone. folge mir, Polyneikes, ich beschwöre dich. Polyneikes. Worin, geliebte Schwester? Sprich, Antigone. Antigone. Zurück nach Argos wende flugs mit deinem Heer, Und nicht verderbe dich zugleich und unsre Stadt! Polyneikes. Es ist unmöglich! Könnt ich je dasselbe Heer Zum Kampfe wieder führen, wenn ich Einmal floh? Antigone. Was hegst du wieder neuen Groll? Wie kann es dir, Mein Bruder, frommen, stürztest du die Vaterstadt? Polyneikes. Schmach ist es mir, zu weichen, Schmach dem ältern Sohn, Vom jüngern Bruder also sich verhöhnt zu seh'n. Antigone. Nun sich, zur Wahrheit machst du selbst den Seherspruch Des Greises, der euch durch einander Tod verheißt. Polyneikes. So droht er: aber weichen kann ich nimmermehr. O weh mir Armen! Aber wer wird's wagen, dir Zu folgen, hört er, wie der Vater dir geflucht? Ich melde nicht das Schlimme; denn ein tüchtiger Heerführer thut das Gute, nicht das Böse kund. Antigone. So steht, o Jüngling, dein Entschluß unwandelbar? Polyneikes. Nun halte mich nicht länger! Nein, laß diese Bahn Mich wandeln, die mir bitter und verderbenschwer Hier durch den Vater werden wird und seinen Fluch. Euch segne Zeus, erfüllt ihr eure Pflicht an mir, Dem Todten: nichts mehr könnt ihr thun dem Lebenden![OCR transcription; compare the scan.] L. οὔτι ζῶντί γ᾽ αὖθις ἕξετον (SC. τελεῖν). Printed p. 190 Und nun entlaßt mich! Lebet wohl! Ihr werdet nie Mich lebend wieder sehen. Antigone. Ich Unselige! Polyneikes. Nicht wein' um mich! Antigone. Und wer, o Bruder, klagte nicht, Wenn du hinabstürmst in des Hades offnen Schlund? Polyneikes. Muß ich, so sterb' ich. Antigone. Thu' es nicht; nein, folge mir! Polyneikes. Laß ab, ich darf nicht! Antigone. Ach, wie ganz elend bin ich, Verlier' ich dich auch! Polyneikes. Dieses ruht in Gottes Schooß, Ob so sich wendend oder so. Doch euer Haupt, Die Götter bitt' ich, treffe nie ein Ungemach! Denn Alle wissen's, ihr verdient kein trübes Loos. Die Vorigen ohne Polyneikes. Erste Strophe. Der Chor. Auf uns bricht von dem blinden Greis Ein Unglück, ein neues, graunvoll herein, Wenn sein Loos ihn jezt nicht ereilt. (ab.) Denn was der Götter Schluß verhängt, erfolglos enden sah ich's nie. Die Zeit, die Zeit führt es aus, welche für den einen Tag Das Leid, morgen wieder Glück heißt erblüh'n. (Laute Donnerschläge.) Hoch in der Luft scholl's! Hilf, Zeus! Oedipus. Kinder, Kinder, brächte doch ein Bürger hier Theseus, der Männer besten, mir zur Stelle her! Antigone. Wonach verlangt dich, Vater, daß du diesen rufst? Oedipus. Des Zeus beschwingter Donner wird mich bald hinab Zum Hades führen: zögert nicht und sendet hin! (Wiederholte Donnerschläge.) Erste Gegenstrophe. Der Chor. Von Zeus' Händen geworfen, horch! Erscholl's wieder, grauenhaft tosend! Hoch Sträubt der Schreck das Haar uns empor. Der Muth erbebt mir; wieder flammt aus Himmelshöh'n herab der Bliz. Auf welches Ziel deutet er? Ich erzitt're: nicht umsonst Daher stürmt er, nicht von Unfällen frei. Heilige Luft! Zeus, hilf uns! Oedipus. Töchter, eurem Vater naht des Lebens Ziel, Vom Gott geweissagt; nimmermehr entflieht er ihm. Antigone. Wie weißt du das? Aus welchen Zeichen schlossest du's? Oedipus. Ich weiß es sicher. Gehe denn ein Bote fort, Und bringe mir in Eile dieses Landes Herrn! (Neue Donnerschläge.) Osieh! Zweite Strophe. Der Chor. sich! Wiederum erdröhnt hallend rings Ein machtvoller Schlag. Gnädig, o Gott, sei mir gnädig, verhüllst du jezt In Grau'n düstrer Nacht mein mütterliches Land! wär' ich unter Keinen stets, und bringe, weil ihn Gräul befleckt, Der Anblick des Manns mir nie schlimmen Dank! Zu dir ruf' ich, Zeus! Ist uns der König nahe? Mich treffen, Kinder, und Oedipus. Wird er lebend noch mit ungetrübtem Geist? Antigone. Und welch Geheimniß willst du denn ihm anvertrau'n? Oedipus. Für alle Wohlthat möcht' ich ihm in vollem Maß Den Dank bezahlen, den ich flehend ihm verhieß.[OCR transcription; compare the scan.] Den ich flehend ihm verhieß", wörtlich: den ich ihm verhieß, als ich erlangte, was ich von ihm erflehte, τυγχάνων, δ. i. ὅτε ἐτύγχανον ὧν ἠβουλόμην. Vgl. die Anmerkung zu der ersten Auflage dieser Uebersezung (1839). Den Worten der Urschrift näher kommt diese Uebertragung: Für alle Wohlthat will ich ihm den vollen Dank Bezahlen, den ich, als er mir willfahrt, verhieß. Printed p. 190 Heran! Zweite Gegenstrophe. Der Chor. Heran! Komm, o komm, ob sonst irgendwo, Ob in der Eb'ne hoch Du jezt weilst, o Sohn, des Meers hohem Gott Mit Stieropfern fromm den Herd heiligend. Der fremde Greis will dir, der Stadt, den Freunden mit gerechtem Dank Huldigen; denn ihr habt Liebe geübt an ihm. Eile heran, mein Fürst! Die Vorigen. Theseus. Theseus. Was tönt vereinigt euer Ruf mir abermals, Von euch vernehmlich, deutlich aus des Fremdlings Mund? War's, weil ein Bliz Kronions, weil ein Hagelsturm Mit Regen losgebrochen? Denn zu fürchten ja Ist Alles, wenn in Wettern also stürmt der Gott. Oedipus. Ersehnt, o König, kommst du mir, und edles Glück Hat eine Gottheit dir bestimmt für diesen Gang. Theseus. Und was begab sich Neues, Sohn des Laïos? Oedipus. Mein Leben neigt zum Ende; sterbend will ich nun Erfüllen, was ich dir gelobt und dieser Stadt. Theseus. Und welches Zeichen wurde dir vom nahen Tod? Oedipus. Die Götter selbst sind Boten, sind Herolde mir, In keinem Zeichen trügend, das sie mir gesandt. Theseus. Was, meinst du, that dir ihren Willen kund, o Greis? Oedipus. Die Donner, rastlos, ohne Zahl, die Blize, die Kastlos herniederzucken aus Krommons Hand. Theseus. Ich will es glauben; seh' ich doch so Vieles dich, Und keinen Trug, weissagen. Sprich: was soll gescheh'n? Oedipus. O Sohn des Aegeus, höre denn, was dieser Stadt, Vom Alter ewig ungetrübt, erblühen wird. Ich führe selbst euch ungesäumt an jenen Ort, Berührt von keinem Führer, wo ich sterben muß. Und diesen Ort entdecke keinem Menschen je, Nicht wo verborgen, noch in welchem Raum er ist; Und mehr denn Schildesmenge schüzt er allezeit Vor fremden Söldnern und vor Nachbarstädten euch.[OCR transcription; compare the scan.] Σ. δορός τ᾽ ἐπακτοῦ γειτόνων τ᾽ ἀεὶ τιθῇ. Printed p. 190 Doch was geheim ist, was kein Mund entweihen darf,[OCR transcription; compare the scan.] L. & δ᾽ ἐξάγιστα μηδὲ δεῖ κινεῖν λόγῳ. Printed p. 190 Vernimmst du selber, wenn du dorthin kommst allein; Denn dieser Bürger keinem darf ich's anvertrau'n, Noch meinen Kindern, die mir doch so theuer sind. Du nur bewahr' es immer, und gelangtest du Zum Ziel des Lebens, thu' es nur dem Aelt'sten kund, Und dieser meld' es allezeit dem Folgenden. So bleibt dem Volk der Saatgebor'nen deine Stadt[OCR transcription; compare the scan.] Die Saatgeborenen, die Theber, die aus den von Kadmos gesäten Schlangenzähnen entsprossen waren. Als Kadmos die Schlange getödtet hatte, welche die Quelle Dirke in Böotien bewachte, säte er ihre Zähne auf das Feld. Daraus erwuchs eine Schaar bewaffneter Männer, die den Kadmos umringten, um ihn zu tödten. Auf den Rath der Athene warf er einen köstlichen Stein unter sie; da nun Jeder ihn haben wollte, fielen sie über einander her und erschlugen sich. Nur Fünf blieben übrig, mit welchen Kadmos die Stadt Theben erbaute. Printed p. 190 Stets unzerstörbar. Sinken tausend Städte doch, Sogar bei guter Führung, leicht in Uebermuth. Wohl sieht die Gottheit endlich doch den Frevler an, Der sich zum Wahnsinn wendend ihr Gebot verhöhnt. Nicht wolle, Theseus, daß sich das an dir erfüllt! Doch solche Mahnung geb' ich hier dem Wissenden. Und nun denn unaufhaltsam führt der Gott mich fort Laßt uns dem Ort zuschreiten, ohn' uns umzuseh'n! (er erhebt sich) Folgt, meine Töchter, folgt mir! Euch erschein' ich jezt Ein neuer Führer, so wie ihr's dem Vater wart. Geht hin, berühre Keines mich, nein, laßt mich selbst Die heil'ge Stätte finden, wo mir mein Geschick Verhängt zu ruhen, eingesenkt in dieses Land. Dort sehet - dorthin schreitet; dorthin leitet mich Der Führer Hermes und die Schattenkönigin. Erloschner Lichtstrahl, ehemals wohl warst du mein; Und heut berührst du dieses Haupt zum leztemmal! Denn jezt enteil' ich, mein vollendet Leben dort In Hades' Haus zu bergen. Nun, geliebtester Der Freunde, Segen blühe dir und diesem Land Und Allen, die dir dienen; und im Wohlergeh'n Denkt mein, des Hingeschied'nen, glücklich allezeit! (Dedipus mit Theseus, den Töchtern und dem Gefolge ab. Der Chor bleibt allein zurück.) Strophe. Der Chor. Ist es verstattet, dich, nächtliche Göttin, und Dich im Gebet zu feiern, König der Schattenwelt,[OCR transcription; compare the scan.] Der König der Schattenwelt, Aidoneus, derselbe Gott, der sonst Aïs, Aïdes, Hades, Pluton heißt. Printed p. 191 Aidoneus, Aidoneus, hört uns fleh'n! Ohne Schmerz, ohne Gestöhn der Angst, Laßt den verscheidenden Gast Zur allverbergenden düstern Flur Der Todten entwandern, in Plutons Haus! Nachdem so viel Jammer ihn ohne Schuld bestürmt, erhöht Jezt wiederum Ein gerechter Gott ihn. Gegenstrophe. Töchter der Nacht, vernehmt! Mächtiges Ungethüm, Das an den eh'rnen Pforten, Ewiger Sage nach, Wach' hält dort, das allzeit heult und knurrt Aus dem Geklüft, nimmerbezwungener Hüter an Aïdes' Land, Du, Gäa's Sohn und des Tartaros, Laß ohne Beschwerd' ihn wandeln die Bahn, Den Fremdling, der jezt hinab steigt in's dunkle Todtenfeld! Dich ruf' ich an, Ewig wacher Hüter! Ein Bote. Der Chor. Der Bote. Wohl, edle Bürger, kann ich's euch am kürzesten Verkünden, wenn ich sage: todt ist Dedipus. Doch wie's geschah, und Alles, was sich dort begab, Vermag ich nicht in kurzer Rede darzuthun. So starb er denn, der Arme? Wohl, o zweifle nicht, Beschloß er seiner Tage gramgebeugten Lauf. Der Chor. Wie? Schied er schmerzlos und entrückten Götter ihn? Der Bote. Dies eben ward ihm, ein bewundernswerthes Loos. Denn wie er ging von hinnen, weißt du selber wohl, (Du warst zugegen,) wie er, nicht von Freundeshand Geleitet, selbst uns allen frei die Pfade wies. Und als er kam zur Schwelle, die, in tiefem Grund Mit eh'rnen Stufen wurzelnd, dort hinab sich senkt; Da stand er still an einem vielgespalt'nen Pfad, Der hohlen Deffnung nahe, wo den ew'gen Bund Der Treue Theseus schwuren und Peirithoos: Und zwischen dieser und dem Stein von Thorikos,[OCR transcription; compare the scan.] Thorikos in dem Gau gleiches Namens, bei dem Vorgebirge Sunion, nächst demselben in der Richtung nach Marathon längs der Küste, war eine der zwölf Städte des Kekrops, und lag der Insel Helena gegenüber, die sich von Thorikos bis Sunion sechzig Stadien lang erstreckte, also in dieser Entfernung, anderthalb unserer Meilen, von jenem Vorgebirge. Es geschieht des Ortes in der alten mythischen Geschichte, bei Erechtheus und Anderen, und im Mythus der Demeter Erwähnung. Die Athener befestigten ihn gegen das Ende des peloponnesischen Krieges. Den Ruinen nach, die bei dem neuen Thorikos gefunden werden, war es eine ansehnliche Stadt. Ob nun diese Stadt Thorikos mit dem Steine bei Kolonos etwas gemein habe, darüber ist keine Notiz geblieben: der Scholiast schon bemerkt, diese Dinge seien den Einwohnern bekannt gewesen; er weiß also auch nichts. Jedenfalls wäre der Bezug in der mythischen Geschichte zu suchen. Reisig meint, man habe vielleicht von da das thorikische Vorgebirge gesehen; dies ist unmöglich, da Kolonos (denn der Hügel ist nicht zu rechnen) in der Ebene liegt, und der ganze Hymettus zwischen ihm und Thorikos; und die Möglichkeit zugegeben, ist eine solche Benennung unnatürlich. Vielleicht ist es ein Schreibfehler (eine Handschrift liest τοῦ τ᾽ ἐρικίου πέτρου), der Stein selbst etwa der dreihäuptige (τρικόρυφος), dessen das Orakel bei'm Scholiasten (zu V. 57) gedenkt, als der ehernen Schwelle benachbart. Thudichum. Printed p. 191 Dem hohlen Birnbaum und dem Felsengrabe saß Er nieder, löste sein Gewand, von Schmuz bedeckt, Nief dann den Töchtern und gebot, ein laut'res Bad Vom Quell heranzubringen und den Opfertrank. Und sie, zum sichtbar'n Hügel dort der grünenden[OCR transcription; compare the scan.] Demeter heißt die grünende mit Erinnerung an ihren Beinamen Chloe (die Grüne, d. i. die Göttin der frisch grünenden und gedeihenden Fluren). Sie hatte vielleicht unter diesem Namen auch bei Kolonos ein Heiligthum auf einem Hügel. Printed p. 192 Demeter eilend, richten schnell dem Vater aus, Wonach er sie gesendet, und beschicken ihn Mit Bädern und Gewanden, wie's der Brauch gebeut.[OCR transcription; compare the scan.] Wie sonst die Todten vor der Bestattung gewaschen und mit reinem Gewand bekleidet wurden, so hier der Sterbende, weil Tod und Bestattung bei ihm Eins sind. Printed p. 192 Und als er jedes Dienstes nun befriedigt war, Und nichts gebrach von Allem, was er forderte, Scholl unterirdischer Donner, daß die Töchter sich Entsezten, wie sie's hörten; laut auf weinten sie, Zu seinen Knieen stürzend, und zerschlugen sich Die Brust, erhoben laute Klag' in Einem fort. Der Vater, kaum vernehmend ihren Weheruf, Schlang seinen Arm um beide, sprach: „o Kinder, ach! Von diesem Tag an habt ihr keinen Vater mehr. Mein Leben nahm der Tod dahin; so habt ihr nun Um mich die mühevolle Sorge nimmermehr. Wohl war sie hart, ich weiß es; doch ein einzig Wort[OCR transcription; compare the scan.] Ein einzig Wort das Wort, daß ihr von keinem Menschen größere Liebe empfangen konntet, als von mir: Printed p. 192 Wiegt all das Leid auf, welches ihr um mich ertrugt. Denn größre Liebe konntet ihr von keinem Mann Empfangen, als vom Vater, ohne den ihr jezt Verlassen eurer Tage Rest hinleben sollt." So schluchzten Alle, weinten laut und hielten sich Einander fest umschlungen. Als sie dann gelangt Zum Ziel der Klagen, und der Jammerruf verscholl: Da herrschte Schweigen. Plözlich traf ein fremder Laut Sein Ohr, ihn rufend, und sofort erzitterten Sie all', in Grausen sträubte sich ihr Haar empor. Denn viel und vielfach rief ihn an des Gottes Mund: „O komm, o komm doch, Dedipus! Was zaudern wir, Zu gehen? Allzulange wird von dir gesäumt." Und als er wahrnahm, daß der Gott ihn fordere, Berief er Theseus, dieses Landes Herrn, zu sich. Als dieser hertrat, sprach er: „o geliebtes Haupt, Gib deiner Rechte treues Pfand den Kindern hier, (Und, Töchter, ihr, dem König,) und gelobe, sie Freiwillig nie zu lassen und wohlmeinend stets Zu thun an ihnen, was du glaubst, das ihnen frommt." Und er, von eitler Klage fern, verhieß dem Gast, Der edle Herrscher, dies zu thun, mit hohem Eid. Nachdem er das vollendet, legt der Greis sofort Den schwachen Arm um beide Jungfrau'n und beginnt: „Kinder, tragen müsset ihr's mit starkem Sinn, Aus diesem Raum zu scheiden, dürft Verbot'nes nicht Zu schau'n verlangen, unserm Wort nicht lauschen hier. Drum eilt geschwind von hinnen; Theseus bleib' allein Zurück, der Herrscher, anzuseh'n, was hier geschieht." Nur diese Worte hörten wir aus seinem Mund, Wir alle; samt den Töchtern dann enteilten wir, Und weinten viel und schluchzten. Auf dem Wege nun, Nach kurzer Weile wandten wir das Haupt zurück, Und sah'n den Alten nirgends mehr an jenem Ort, Und nur den König, vor das Haupt die Hand gestreckt, Die Augen sich verhüllen, als wär' ihm ein Bild Des Grau'ns erschienen, unerträglich seinem Blick. Nur kurz indessen währt' es noch, so sahen wir Ihn niederknieen und in Einem Spruch zugleich Zum Götterhaus Olympos und zur Erde fleh'n. Doch welcher Tod den Greis entrückt, kein Sterblicher Weiß das zu sagen, außer Theseus' Haupt allein. Denn weder hat ihn Gottes feuertragender Blizstrahl hinabgeschmettert, noch ein Sturm entrafft, Der aus dem Meere sich erhob zu dieser Zeit: Nein, Götterhand entführt' ihn, oder Hades' Thor, Das sonnenlose, that sich ihm wohlwollend auf. Denn ohne Krankheit, ohne Schmerz und Seufzer ward Der Mann hinweggenommen, hehr und wunderbar, Wie nie ein Mensch! Wenn meine Rede thöricht scheint, So will ich Keinem wehren, der mich thöricht nennt. Der Chor. Wo sind die Jungfrau'n und der Freunde treu Geleit? Der Bote. Nicht ferne; denn der Klage deutlich hörbare Wehlaute künden ihre Wiederkehr mir an. Antigone. Ismene. Die Vorigen. Ewig, ach! ohn' Unterlaß Antigone. Müssen wir jammern, wir Unglückseligen, Daß wir des Vaters grausem Blut entsprossen, Welchen zu pflegen, wir Stets die unendlichen Mühen erduldeten, Und noch am Ziele besteh'n das Unnennbare : Wir sahen's, wir erfuhren's! Der Chor. Was ist es nun? Antigone. Vermuthen, Freunde, könnt ihr's wohl. Der Chor. Verschieder? Antigone. Wie du's selber dir nur wünschen magst Hat doch nicht Ares ihn, Noch ein Meeressturm ergriffen; Dunkler Erde Schooß umfing ihn, Mit den verborgenen Geschicken im Verein. Weh, Schwester! Grause Todesnacht Lagert sich um unser Auge. Wie, in fernen Landen oder Durch Meereswogen irrend, ach! erringen wir Den schwer erworbnen Unterhalt? Ismene. Ich erkenn' es nicht. Der Mörder Hades raffe mich hinab, mit dem greisen Vater Zu sterben! Denn ich leb' hinfort, ach, ein erstorbnes Leben. Der Chor. Hört, ihr geliebten edlen Kinder: Was ein Gott zum Heil gefügt, Tragt es, den Schmerz bezwingend; noch dürfet ihr nicht verzagen. So war denn Wonne selbst im Leide; Freundlich erschien mir ja selbst Unfreundliches, Solang ich ihn nur hielt in meinen Armen. Vater, in's ewige Dunkel der Erde gehüllt, o Geliebtester! Ewig ja bleiben wir, ich und die Schwester, dir Mit unsrer Liebe nahe! Ihm wurde Antigone. Ihm wurde, was sein Herz ersehnt. Der Chor. Was ward ihm? Antigone. Wie er sich's gewünscht, im fremden Land Schied er, hat ewig sein Wohlbeschattet Lager drunten, Ließ zurück des Kummers Thränen. Denn es klagt, ach! um dich, Vater, dies Mein Auge weinend, und ich weiß Nicht, ich Arme, wie ich solchen Schmerz um dich bezwingen soll. Weh! Nicht sterben solltest du den Tod in fremdem Land Und starbst mir so verlassen hier! Ismene. Weh mir Armen! Welches Schicksal, Geliebte, wartet mein und dein, die so verwaist allein steh'n? Der Chor. Aber, ihr Theuren, weil das Leben Sich für ihn so selig schloß, Hemmet die Klage: wer entfloh je dem verhängten Unheil? Laß uns zurückgeh'n, Schwester! Ismene. Sage mir, wozu? Antigone. Gar sehr verlangt mich Ismene. Und wonach? Antigone. Den unterirdischen Herd zu schau'n Ismene. Und wessen Herd? Antigone, Des Vaters! Weh, ich Arme! Ismene. Wie wäre dies gestattet? Das Siehst du nicht? Antigone. Wozu der Einwand? Ismene. Und das Andre -? Antigone. Dieses wäre ? Ismene. Fern von Menschen schied er, grablos. Antigone. Folge mir, mich dort zu tödten! Ismene. Weh, wie werd' ich Arme künftig So verlassen, ohne Rather, Mein Jammerleben fristen? zaget nicht, ihr Lieben! Auch jüngst entfloht ihr Antigone. Doch wo flieh' ich hin? Wem? Der Chor. Dem Leide, das euch schwer bedroht. Antigone. Ich denk' Der Chor. Und was denn sinnst du mehr? Antigone. Wie wir zur Heimat kommen, ich Weiß es nicht. Der Chor. Auch suche das nicht. Antigone. Noth bedrängt uns Der Chor. Auch zuvor schon. Antigone. Ohne Maß, oft über Maß auch. Der Chor. Wohl: ein graunvoll Meer umwogt euch. Weh, weh! Zeus, wohin mich wenden? Denn zu welcher Hoffnung treiben Mich endlich noch die Götter? Theseus. Die Vorigen. Theseus. Hemmt, Kinder, den Gram! Nicht Trauer geziemt, Wo, freudig, zum Tod, in der Schatten Gebiet Ein Freund stieg: Sünde ja wär' es. Antigone. Aegeus' Sohn, dich rufen wir an. Theseus. Was wünscht ihr, o Kinder, gethan von mir? Antigone. Wir verlangen das Grab mit Augen zu seh'n, Das den Vater umschließt. Theseus. Das darf nicht sein. Antigone. Wie sagtest du, Fürst, o Gebieter Athens? Theseus. Er, Kinder, er selbst gab mir das Gebot, Daß jenem Bezirk kein Sterblicher je Sich nähere, noch laut hebe den Ruf An der heiligen Gruft, die den Todten umfängt. Und hielt' ich ihm das, dann würd' ich beglückt Stets herrschen im Land, und harmlos stets. Dies hörte von uns der unsterbliche Gott Und des Zeus allwissender Horkos. Wohl denn, wenn's also Antigone. dem Todten gefällt, So bescheiden wir uns. Doch laß uns jezt Zur ogygischen Thebä ziehen, ob uns Nicht etwa den Mord, der die Brüder bedroht, Zu verhindern gelingt. Theseus. Ich gewähr' euch dies und Jegliches sonst, Was euch fortan zuträglich erscheint Und den Todten erfreut, den eben die Gruft Aufnahm: nie soll mich's ermüden! Der Chor. So laßt denn ab, und erweckt nicht mehr Wehklagenden Ruf! Denn fest steht dieses und heilig.