Suppliants — Donner (1854), OCR review edition Aeschylus Johann Jakob Christian Donner OCR cleanup, verse reconstruction, and passage alignment; further proofreading required Editorial processing with Codex

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Aeschylos. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. J. J. C. Donner. Stuttgart: Hoffmann, 1854.Harvard PDF of both volumes aeschylus-donner-hvd-hn62cq-1788873992.txt aeschylus-donner-nyp-33433082192794-1788873945.txt

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Scene. Freie Gegend am Meeresuser, auf einer Seite die See, auf der andern die Stadt Argos. Die Thymele in der Orchestra zeigt die Bilder Apollons, des Hermes, des Poseidon mit dem Dreizack. Von der Seite des Strandes her kommt der Chor der flüchtigen Danaiden mit ihren Dienerinnen, die Delzweige der Schutzflehenden in den Händen tragend; ihnen folgt ihr Vater, der greise Danaos. Der Chor. Zeus, Flüchtlingshort, sieh gnädig herabDonner’s metrical appendix: all 6 page facsimilesOCR review edition. D. numbers are Donner’s own citations; alignment gives containing Smyth passages. Cleanup inventory, both OCR copies and unattributed notes Auf unsere Schaar, die über das Meer Von der Neilosflut feinsandigem ThorLesarten und Verwandtes, D. 3: ἀπὸ προστομίων λεπτοψαμάθων. Printed p. 251 Auszog! Wir entflohen der Heimat, Dem geheiligten Land, das an Syria gränzt : Doch nicht um Mord hat ein Bürgergericht Mit verbannendem Stein uns verurtheilt; Uns trieb Abscheu vor dem sündigen Bund Mit den Vettern, dem Bund mit Aegyptos' Geschlecht, In die Ferne hinaus. Und Danaos selbst, Mein Vater, in Rath uns lenkend und That, Wog, sann und erkor Dies rühmlichste Leid in dem Leide: Ungesäumt zu entflieh'n durch die wogende See, Und zu landen an Argos' Strande, woher Sich unser Geschlecht von der rasenden Kuh, Von Kronions lind anwehendem Hauch, Dem befruchtenden, rühmt zu entstammen. Und in welches Gebiet auch könnten wir zieh'n,Lesarten und Verwandtes, D. 19: τίνα δ’ ἂν χώραν. Printed p. 251 Das uns mehr Liebe gewährt' als dies, Mit dem bittenden Kranz, Mit den wollumwundenen Zweigen? O Stadt, o Land, o silberne Flut, Ihr Götter der Höh'n und Götter der Nacht, Ihr rächenden unter der Erde, Und Erhalter Kronion, der das Geschlecht Der Gerechten bewahrt, o empfanget der Frau'n Schußflehende Schaar mit dem Hauche des Lands Voll heiliger Scheu! Doch, naht trokvoll Sich von Männern ein Schwarm aus Aegyptos' Geschlecht, Treibt, eh er den Fuß auf den sandigen Grund Hier seht, mit geflügelten Barken In das Meer ihn hinaus, daß dort der Orkan, Von Gewittern umstürmt, daß Donner und Bliz Und der Winde Gewalt in tosender See, Vom Regen gepeitscht, ihn vernichte, Eh die Frechen, Gewalt an den Töchtern des Ohms Ausübend, das Bett, das Themis versagt, Mit ringender Hand sich erobern. Erster Halbchor. Erste Strophe. Jetzt im Gebete zu dir Ruf' ich, o Sprößling des Zeus, Du mein Hort jenseits des Meeres, Welchen die grasweidende Sterke gebar von Kronions Rührendem Hauch, den im Namen bewährte die Zeit des vollendenden Schicksals, Da sich Epaphos ihrem Schooß entwand ! Zweiter Halbchor. Erste Gegenstrophe. Epaphos ruf' ich und will Jetzt in der grasigen Flur Feiern, was die greise Ahnin Hier in den Au'n schweifend erlitt, und von unseren Stammherrn Sichere Kunden verleih'n, Unverhofftes dem Ohr der Argeier enthüllen. Wahr erscheint mit der Zeit dereinst mein Wort. Erster Halbchor. Zweite Strophe. Stände mir nah', hörte der Angst ängstlichen Laut Ein Vogelschauer aus dem Lande hier: Tereus' jammerndes Weib, um den Verlust klagend des Sohns, Dünkt' es ihm wohl, höre sein Ohr, Die falkenscheue Nachtigall,Lesarten und Verwandtes, D. 56: κιρκηλάτας ἀηδόνος. Printed p. 251 Zweiter Halbchor. Zweite Gegenstrophe. Die von des Quells Borden, des Walds Schatten verscheucht, Der alten Heimat denkt in neuem Schmerz, Und dann klagt um des Sohns Jammergeschick, welchen Traf mit des Mords blutiger Hand, sie selbst Unmütterlichen Zornes voll. Erster Halbchor. Dritte Strophe. Also, wie sie, mit der Klage vertraut in den Weisen der Joner, Reiß' ich die Wange mir wund, lieblich erblüht am Neilos, Und mein des Grams unkundig Herz. Der Trauer Blumen pflück' ich mir, Vor den Verwandten in Angst, Ob mir die Flucht aus dem umnebelten Land Ihrer einer noch gedenkt. Zweiter Halbchor. Dritte Gegenstrophe. Götter des Stammes, vernehmt, ihr erfahrenen Hüter des Rechtes! Nicht doch wider Gebühr führt es an uns zu Ende, Nein, hasset den Frevel treuen Sinns;Lesarten und Verwandtes, D. 71: ὕβριν δ’ ἑτύμως στυγοῦντες, εὖ πέλοιτ’ ἂν ἔνδικοι γάμοις. Printed p. 251 So wahrt ihr wohl des Gesezes Macht! Flüchtigen auch, von des Kampfs Mühen erschöpft, beut der Altar vor GewaltLesarten und Verwandtes, D. 74: ἀρῆς. Printed p. 251 Schuk, der Götter fromme Scheu. Erster Halbchor. Vierte Strophe. Lass es ein Gott uns gedeihen in Wahrheit!Lesarten und Verwandtes, D. 76: [Unresolved transcription; compare the scan.] εἰ θέλοιη θεὸς εὖ παναληθῶς. Printed p. 251 In Gedanken des Zeus dringt kein sterbliches Auge. Dennoch strahlen sie rings, Auch gehüllt in NachtLesarten und Verwandtes, D. 79: κἂν σκότῳ μελαίνᾳ τε τύχᾳ. Printed p. 251 Schwarzen Geschicks, vor der Menschen Blicken. Zweiter Halbchor. Vierte Gegenstrophe. Siegend und aufrecht wandelt die That hin, In dem Haupte des Zeus Einmal gereift zur Vollendung; Denn dichtschattig und wirr Ziehen seines SinnsLesarten und Verwandtes, D. 84: τείνουσι πόροι. Printed p. 251 Pfade, dem irdischen Aug' unmerkbar. Erster Halbchor. Fünfte Strophe. In Staub stürzt aus dem WahnLesarten und Verwandtes, D. 86: ἰάπτει δ’ ἐλπίδων. Printed p. 251 Thurmhoher Hoffnung Zeus das verruchte Haupt; Der mühlosen Götterallmacht, Keiner vermag ihr zu entflieh'n. Droben ja wacht ein Auge stets, Das von den heiligen Höh'n herab Alles im Nu vernichtet. Zweiter Halbchor. Fünfte Gegenstrophe. Zeus, steh her, wie frech, Voll Uebermuthes, jugendlich trost der Stamm,Lesarten und Verwandtes, D. 94: βρότειον, οἵα νεάζει πυθμὴν δι’ ἀμὸν γάμον τεθαλώς. Printed p. 251 Der aufsproft, nach dieser Hand hier Lüstern, in unbändigem Muth, Und von dem Stachel wilder Wuth Ewig gepeitscht, zuleht die Schuld, Bitter getäuscht, bereu'n wird. Erster Halbchor. Sechste Strophe. Solch schmerzlich Weh beklag' ich, ach, aus banger Brust, Das bitter gellend die Thräne weckt, In Grabgesanges Trauerton; Lebend sing' ich mein Grablied. Zu dir fleh' ich, Hügelland Apia's! (Du kennst ja die Fremdlingszunge, mein Land :)Lesarten und Verwandtes, D. 105: [Unresolved transcription; compare the scan.] καρβᾶν αὐδὰν, ὦ γᾶ, κυννεῖς. Printed p. 251 Hastig zerreiß' ich oft Die linnenen Gewande, sieh, Und den Sidonerschleier. Zweiter Halbchor. Sechste Gegenstrophe. Den Göttern weih' ich vollen Dank, wenn unser Wurf Gelungen, wenn ich dem Tod entrann. O schwerentwirrbar dunkle Müh'n! Wohin treibst du noch, Welle? Zu dir fleh' ich, Hügelland Apia's ! (Du kennst ja die Fremdlingszunge, mein Land :) Hastig zerreiß' ich oft Die linnenen Gewande, sieh, Und den Sidonerschleier. Erster Halbchor. Siebente Strophe. Das Nuder und des Kieles Haus, Die linnene, wogenfefte Wehr, Trug ohne Sturm mit sanftem Hauch mich her: Ich beklag' es nicht. O schaffe Meinem Leid hinfort der Allherrscher Zeus ein gnädig Ende, Daß der hochheiligen Ahnin Töchter, Ach, ach, unvermählt, Unbezwungen entflieh'n dem verhaften Bund! Zweiter Halbchor. Siebente Gegenstrophe, Zu mir, der Frohen, schaue froh Zeus' heilige Tochter, wende stets Ihr hehres Antliß unverrückt auf mich! Wehre du, Jungfrau, mit aller Macht die Verfolger ab von uns Jungfrau'n, Retterin, erscheine, Daß der hochheiligen Ahnin Töchter, Ach, ach, unvermählt, Unbezwungen entflieh'n dem verhaften Bund! Erster Halbchor. Achte Strophe. Willst du nicht, so flich' ich Dunkle sonnverbrannte Schaar Zum Schattengott, Der die Todten allzumal Gastlich hegt im Erdenschooß, Fliehe hin mit grünem Zweig, Durch den Strang mich tödtend, Weil Olymps Götter nicht mein Fleh'n erhört. Zeus! Jo's Gericht, von Hera verhängt, Wohl geißelt's auch uns; ich erkenne den Fluch Der gewaltigsten Macht im Olympos. Von grimmem Hauch Wehte der Sturm hernieder. Zweiter Halbchor. Achte Gegenstrophe. Wahrlich, böse Rede Schändet deinen Namen, Zeus, Entehrst du den Sohn der Sterke, den du selbst Einst erschusst aus deiner Kraft, Kehrst du jetzt dein Angesicht Ab von unserm Flehen: Droben denn höre gnädig unsern Ruf! Zeus! Jo's Gericht, von Hera verhängt, Wohl geißelt's auch uns; ich erkenne den Fluch Der gewaltigsten Macht im Olympos. Von grimmem Hauch Wehte der Sturm hernieder. (Während des Gesanges hat Danaos die Gegend durchspäht, und kommt jetzt näher.) Danaos. Verständig, Kinder! Mit verständig treuem Geist Hat euch zu Schiff der greise Vater hergeführt. Auch jetzt am Festland mahn' ich euch mit weisem Sinn:Lesarten und Verwandtes, D. 164: προμηθίαν λαβεῖν. Printed p. 251 Schreibt tief in eure Herzen und bewahrt mein Wort. Ich sehe Staub, des Heeres stummen Boten, dort; Die Rädernaben schweigen nicht im Achsenschwung, Und eine schildbewehrte, lanzenschwingende Heerschaar mit runden Wagen und mit Rossen naht. Wohl kommen hier die Fürsten dieses Landes selbst, Durch Boten unterrichtet, um nach uns zu späh'n. Doch ob sie harmlos nahen, oder aufgereizt In wildem Unmuth stürmend uns entgegenzieh'n: Für alle Fälle, Mädchen, ist es dienlicher, Ihr lagert euch an dieser Kampfgottheiten Herd. Altäre schirmen besser als Burgwall und Schild. Geht ungesäumt denn, nehmt die wollumwundenen Delzweige, Zeus', des hochverehrten, Feierschmuck, Und haltet sie mit frommen Händen fromm empor; Verschämt, in sanfter Klage sprecht das Nöthige Erwiedernd an die Fremden, wie's dem Gaste ziemt, Und meldet offen eure blutschuldreine Flucht. In eurer Stimme künde sich nichts Freches an; Aus stillem Antlig mit bescheidner Stirne muß Das Auge ruhig leuchten sonder Eitelkeit. Seid weder vorlaut im Gespräch noch allzubreit; Denn solches Wesen tadelt man an Frauen gern. Bedürftig, fremd und flüchtig, gebt stets willig nach; Des Troyes kecke Sprache ziemt dem Schwachen nicht. Die Chorführerin. Verständig, Vater, sprichst du mit Verständigen. Im Herzen will ich deine weisen Mahnungen Getreu bewahren. Vater Zeus, du schau' herab! Danaos. Mit gnadereichem Auge mög' er niederschau'n! Die Chorführerin. Dir nahe nehm' ich meinen Siz am Götterherd. Danaos. So raste nicht mehr, ohne Säumen führ' es aus. (Die Danaiden nähern sich dem Altare, und lassen sich nicht weit von Danaos nieder.) Die Chorführerin. Zeus, Erbarmung, ehe wir in Noth vergeh'n! Danaos. Wenn Er geneigt ist, enden wir's mit gutem Glück. Ruft auch Kronions lichtbeschwingten Vogel nun! Die Chorführerin. Der Sonne segnend Auge ruf' ich betend an. Danaos. Des Himmels Flüchtling Phöbos auch, den reinen Gott. Die Chorführerin. Wohlkundig gleichen Looses, fühlt der Gott mit uns. Danaos. Er fühle mit und leihe gnädig seinen Schuh! Die Chorführerin. Und wen von diesen Göttern rus' ich weiter an? Danaos. Des Gottes Zeichen, einen Dreizack, seh' ich dort. Die Chorführerin. Er führte freundlich, freundlich berg' er uns am Strand! Danaos. Ein andrer Gott hier, Hermes, nach Hellenenart! Die Chorführerin. Des Heiles Herold werd' er uns Geretteten! Danaos. Begrüßt in Ehrfurcht aller Hochgewaltigen Gesammtaltar hier; lagert euch auf heil'gem Grund, Ein Taubenschwarm, vor gleichbeschwingten Falken bang, Vor Feinden, die den blutsverwandten Stamm entweih'n. Wie wäre rein der Vogel, der vom Vogel frqf? Wie wäre rein der Freier, der vom Sträubenden Ein sträubend Weib begehrte? Selbst im Hades nicht Entrinnt dem Urtheil schnöder Schuld, wer also that. Auch dort ja spricht, so sagt man, über Missethat Ein andrer Zeus der Todten seinen lekten Spruch. Blickt auf, erwiedert mit Bedacht nach meinem Rath, Damit ihr siegend diese Noth bewältiget! (Die Jungfrauen haben sich indessen um die Thymele geordnet. Von der Seite, die nach der Stadt führt, tritt Pelasgos, der König von Argos, im Schmuck eines priesterlichen Herrschers aus, gefolgt von Lanzenträgern und Kriegsknechten.) Der König. Als welches Landes Sprossen soll ich grüßen ihn, Den Fremdlingsschwarm hier, welcher in barbarischen Gewanden stolz sich brüstet? Nicht argolisch ja, Noch sonst aus Hellas' Auen ist der Frauen Tracht. Und daß ihr, nicht in eines Gastfreunds Hut und nicht Mit Führern und Herolden, diesem Land zu nah'n Euch ohne Furcht erkühntet, dünkt mir wunderbar. Wohl tragt ihr, nach der Schußgenossen altem Brauch, Delzweig' in Händen bei der Kampfgottheiten Herd : Dies Eine muthmaßt Hellas' Volk mit Sicherheit. Auf vieles Andre rieth' ich noch mit gutem Grund, Wär' eure Zunge nicht bereit mir's kundzuthun. Die Chorführerin. Von meiner Kleidung sagtest du nichts Irriges. Wie aber dich anreden? Nenn' ich Bürger dich, Den Hüterstab des Tempels oder Haupt der Stadt? Der König. Erwiedre denn und rede wohlgemuth zu mir. Ich bin Palächthons, jenes Erdgebornen, Sohn, Pelasgos heiß' ich, Oberherr des Landes hier. Ein Volk, nach mir dem König selbst Pelasgervolk Ruhmvoll geheißen, ärntet dieses Landes Frucht, Und alle Gau'n, die Strymons heil'ger Strom durchwallt, Beherrsch' ich, da wo niedertaucht der Sonne Strahl. In meines Landes Marken liegt Perthäbia, Die Flur an Pindos' Hange bis Päonia Zusammt Dodona's Bergen; Ziel und Gränze sekt Des Meeres Wallung: überall gebiet' ich hier. Doch dieser Landschaft Boden selbst heißt Apia Zu seines Retters Ehre seit uralter Zeit. Denn aus Naupaktos' Lande kam der Seherarzt, Ein Sohn Apollons, Apis, der die Fluren hier Von Ungethüm gesäubert, menschenmordendem, Das, schwergetränkt von alter Blutschuld Gräuel, einst Der Erde Schooß aufsproßte, grimmgeschwollne Brut, Lindwurmgewimmel, allverheerend Mordgezücht. Daß Apis wider solchen Fluch ausrottende Sühnmittel Argos' Lande schus mit weiser Kunst, Dafür empfängt er unsern Preis im Dankgebet. Nachdem du sichre Kunde nun von mir gehört, Sprich weiter, und enthülle mir auch dein Geschlecht. Doch langgedehnte Reden sind hier nicht beliebt. Die Chorführerin. Wir sind Argeierinnen, hör' es kurz und klar, Der Sterke Sprossen, welche hoch ihr Sohn beglückt. Daß lautre Wahrheit alles dies, erweis' ich dir. Der König. Unglaublich klingt es meinem Ohr, ihr fremden Frau'n, Daß euer Stamm hier Argos' Blut entsprossen sei. Denn eher gleicht ihr Frauen, die in Libya, Nicht solchen, die in diesem Lande heimisch sind.- Die Flut des Neilos nährte wohl ein solch Geschlecht, Und Kypros' Züge wurden wohl durch Manneskraft In treuem Bild dem Mädchenantlik aufgeprägt. Auch gleicht ihr Inderfrauen, die auf trabender Kamele Rücken, hört' ich einst, unstät das Land Durchziehen längs den Marken Aethiopia's. Doch, führtet ihr den Bogen, möcht' ich lieber euch Mannlosen Amazonen, menschenschlachtenden, Vergleichen. Unterrichte mich genauer denn, Wiefern aus Argos euer Blut und Same stammt. Die Chorführerin. Die Sage geht, der Hera Tempelschließerin War Jo vormals im Argeierlande hier, Und sie vor Allen, also wird vielfach erzählt Der König. Wie? Heißt es nicht auch, daß Kronion sie umarmt? Die Chorführerin. Und nicht geheim blieb Heren dieser Liebesbund. Der König. Doch sage, welches Ende nahm der Götter Zwist? Die Chorführerin. Zur Sterke schus sie zürnend Argos' Göttin um. Der König. So nahte Zeus der schöngehörnten Sterke wohl? Die Chorführerin. Als Stier gestaltet einte sich der Gott mit ihr. Der König. Was that Kronions hochgewaltig Weib darauf? Die Chorführerin. Sie gab der Kuh den allesschau'nden Hüter bei. Der König. Wer war der allesschau'nde Hirt, von dem du sprichst? Die Chorführerin. Hermes erschlug ihn, Argos war's, der Erde Sohn. Der König. Schuf sie der armen Sterke nicht ein andres Leid? Die Chorführerin. Der Bremse Stich, den wilden, rastlostreibenden. Der König. Der sie vom Heimatlande trieb in weite Flucht? Die Chorführerin. Auch dieses sagst du völlig überein mit mir. Der König. Und nach Kanobos kam sie, kam nach Memphis auch? Die Chorführerin. Da, sie berührend, weckte Zeus ihr einen Sohn. Der König. Wer rühmt sich nun den gottgebornen Sohn der Kuh? Die Chorführerin. Er heißt mit Recht von ihrer Rettung Epaphos. Der König. Und wessen Vater wurde der? Verkünde mir's. Die Chorführerin. Der Libya, des großen Landes Königin. Der König. Und wer entsprof dann, sage mir, aus ihrem Schoof? Die Chorführerin. Des Vaters Vater Belos mit zwei Spröflingen. Der König. Enthülle mir des Vaters weisen Namen nun. Die Chorführerin. Fürst Danaos, deß Bruder fünfzig Söhne hat. Der König. Auch dessen Namen nenne mir in klarem Wort. Die Chorführerin. Aegyptos. Nun denn kundig unsers alten Stamms, Hilf uns, erheb' uns, die von Argos' Blute sind! Der König. Ihr scheint von alten Zeiten her an diesem Land Antheil zu haben. Doch warum verließet ihr Das Haus der Väter? Welcher Sturm kam über euch? Die Chorführerin. Vielfach, Pelasgerkönig, ist der Erde Noth, Niemals mit gleichem Fluge schwebt das Leid heran. Wer dachte, daß auf dieser unverhofsten Flucht Wir, alte Stammverwandte, vor dem Ehebund In scheuer Angst, an Argos' Küste landeten? Der König. Weßwegen flehst du diese Kampfgottheiten an, Den wollumwundnen frischen Zweig in deiner Hand? Die Chorführerin. Um nicht Aegyptos' Söhnen unterthan zu sein. Der König. Du hassest sie? Du fürchtest einen Frevel wohl? Die Chorführerin. Wer kaufte Blutsverwandte sich als Herrn in's Haus? Der König. Mehrt doch in solchem Bunde sich der Menschen Macht. Die Chorführerin. Und vor Bedrängten schließen wir uns leichter ab. Der König. Wie denn beweis' ich gegen euch liebreichen Sinn? Die Chorführerin. Gib, wenn Aegyptos' Söhne nah'n, uns nicht heraus. Der König. In neuen Krieg mich stürzen, - traun, ein schweres Wort! Die Chorführerin. Doch Dike kämpft für ihre Bundsgenossen selbst. Der König. Ja, wenn von Anfang euer Thun ihr wohlgefiel. Die Chorführerin. O scheue, Herr, den reichbekränzten Herd der Stadt! Der König. Mit Schaudern seh' ich diesen Siz umschattet hier. Die Chorführerin. Doch Zeus', des Flüchtlingshortes, Zorn, er lastet schwer. Erste Strophe. Erster Halbchor. Palächthons theurer Sohn, höre mich Mit huldreichem Sinn, hoher Pelasgerfürst! Schaue mich flüchtige, schußflehende, zitternde, Gleich dem gescheuchten Lamm, das an der Felsenwand Schwindelnden Höhen irrt! Hoffend auf Hülfe, blöckt es, Und kündet sein Leid dem Hirten. Der König. Von frischgepflückten Zweigen überschattet, winkt Huldblickend, seh' ich, dort der Kampfgottheiten Chor. O daß der Fremden Nähe doch uns keinen Harm Bereite, daß nicht plöhlich, unvorherbedacht, Sich Kampf entſpinne! Keines Kampfs bedarf die Stadt. Erste Gegenstrophe. Zweiter Halbchor. Laß uns der Stadt kein Leid bringen, Kind Des Looslenkers Zeus, Themis, der Flücht'gen Hort! Und von den jüngeren Frau'n hör' es, erfahrner Greis: Wenn du den Flüchtling ehrst, mangelt dir's nimmerdar, Wird dir ein selig Loos! Freudig empfangen Götter Das Opfer von reinen Händen. Der König. Doch lagert ihr an meines Hauses Herde nicht. Trifft denn gemeinsam diese Stadt der Fluch, so muß Das Volk gemeinsam sorgen, daß der Fluch entweicht. Ich könnte Nichts erfüllen, und verhieß ich's auch, Bevor ich Alles kundgethan vor allem Volk. Zweite Strophe. Erster Halbchor. Du bist die Stadt, du das gesammte Volk; Keinem Gerichte stehst Du, lenkst machtvoll Altar und Landesherd; Alleinherr durch des Auges Herrscherwink, Alleinherr, führst du, groß durch Thron und Stab, Alles zum Ziel: fliehe vor der Blutſchuld! Der König. Schuld falle nur auf meiner Widersacher Haupt! Doch euch vermag ich ohne Fahr nicht beizusteh'n, Und wieder hart wär's, wies' ich euer Fleh'n zurück. Ich schwanke, Furcht befällt mich, ob ich's wagen soll, Ob nicht es wagend, wählen soll das Ungefähr. Zweite Gegenstrophe. Zweiter Halbchor. O blick' auf Ihn, der aus den Höhen blickt, Ihn, der Bedrängten Schirm Und Hort, die flehend ihrem Nächsten nah'n, Und Recht nicht finden noch Gerechtigkeit. Wohl straft Zeus' Grimm, des Flüchtlingshortes, einst, Wen das Geschrei nicht erbarmt des Armen. Der König. Doch wenn Aegyptos' Söhne dich bewältigen, Und als die nächsten Vettern auf die heimischen Geseze sich berufen: wer wehrt ihnen dann? Ihr müßt erweisen nach des Vaterlandes Recht, Daß ihrer keiner über euch Gewalt besikt. Dritte Strophe. Erster Halbchor. Nie denn, o nie hinfort seien wir unterthan Roher Gewalt des Manns! Heller Gestirne Bahn Wies mir in weiter Flucht aus dem verhaften Bund Rettung. O richte denn, treu der Gerechtigkeit, Deren Gewalt von Zeus ist! Der König. Ein schweres Richtamt: nicht zum Richter wähle mich! Ich sagte längst, nicht ohne meines Volkes Nath Verfüg' ich Etwas, hätt' ich auch die Macht dazu. Nie soll das Volk mir sagen, wenn's nicht glücklich geht: „Den Fremdling schügend, gabest du die Deinen preis!" Dritte Gegenstrophe. Zweiter Halbchor. Auf uns Beide schaut, Beiden verwandt, mit gleich Schwebender Wage Zeus: gerecht theilt der Gott Bösen den Fluch der Schuld, Segen dem Frommen zu. Warum sträubst du dich, da doch die Schalen gleich Schweben, gerecht zu richten? Der König. Wohl muß in tiefer Sorge Flut, der Retterin, Mein Auge, gleich dem Taucher, bis zum Grund hinab Scharfspähend sich versenken, nicht umwölkt von Dunst, Daß dieses Alles ohne Harm für meine Stadt, Sodann für uns auch enden mag in gutem Glück. Kein Hader soll sie kränken, die sich uns vertraut, Noch will ich, die den Götterherden zugefloh'n, Preisgeben, daß wir keinen allvernichtenden Nachgeist im Hause wecken uns zu Schmach und Qual, Der selbst in Hades' Reiche nicht den Todten läßt. Ist hier die Sorge nicht gerecht, die Retterin? Chor Wechselgesang des Chores. Erste Strophe. Sorge du, sei, o Herr, Allgerecht frommgesinnt, unser Schuh! Nicht dahin gib die Schaar, Die Gewalt ruchlos aus- trieb in dies ferne Land! Erste Gegenstrophe. Dulde nie, daß man uns Raubt vom gottreichen Siz, der du, Herr, Alle Macht übst im Land! Sich des Feind's Uebermuth, Seinen Grimm halte fern! Zweite Strophe. Dulde nie, daß man uns Flehende Hier von der Götter Bild, o Schmach! wider Recht, Dem Nosse gleich, am bunt Schimmernden Band der Stirn, am Kleid schleppt hinweg! Zweite Gegenstrophe. Glaube fest, deinem Stamm, deinem Haus, Was du auch wählen magst, steht ein Gericht bevor In gleich schwerem Kampf. Denke denn: mächtig und gerecht waltet Zeus! Der König. Schon lange dacht' ich's; wogend trieb mich's diesem zu: Mit Menschen oder Göttermacht den großen Kampf Zu wagen, treibt mich strenge Noth, und wohlgefügt Mit Nägeln, hoch auf Walzen, steht der Kahn bereit. Kein Ende seh' ich ohne Leid aus solcher Noth. Wohl kann dem Hause, dessen Schay der Feind geleert, Ein andrer, neuer Segen durch Kronions Huld Erblühen, reicher als des Krieges Wuth verschlang; Und ward zur Unzeit ausgesandt der Zunge Pfeil, Der bitterschmerzend ungestüm aufregt das Herz, Mag Rede Rede wiederum besänftigen. Doch daß der Blutsverwandten Blut nicht fließe, muß, Von frommen Händen dargebracht, manch Opferthier Der Götter manchem fallen als Abwehr des Leids. Nein, solcher Fehde weich' ich wohlbedächtig aus. Des Leides will ich lieber unerfahren sein, Als kundig. Mög' es wider Hoffen glücklich geh'n! Der Chor. Vernimm der demuthvollen langen Nede Schluß! Der König. Ich höre, sprich denn offen; Nichts wird mir entgeh'n. Der Chor. Ich trage Gurt und Bänder, um das Kleid geschnürt. Der König. Wohl paßt sich solcher Zugehör zur Frauentracht. Der Chor. Ein schönes Werkzeug, siehe, bieten diese mir Der König. Sprich aus in klarem Worte, wie verstehst du das? Der Chor. Wofern du sichre Hülfe nicht uns angelobst - Der König. Zu welchem Ende dienen dann die Bänder euch? Der Chor. Mit neuem Schmucke schmücken wir die Bilder hier. Der König. Ein Wort in dunklen Räthseln: sprich dich deutlich aus. Der Chor. An diesen Göttern häng' ich unverweilt mich auf. Der König. Gleich scharfen Pfeilen bohrte mir dein Wort in's Herz. Der Chor. Verstandst du's? Augenscheinlich hab' ich's dargelegt. Der König. Ja, ringsumher stürmt unbezwingbar grause Noth; Ein Heer von Uebeln rauscht heran, dem Strome gleich; In Ate's grundlos wogend Meer auf schwerer Fahrt Gelangt' ich, nirgend öffnet sich der Noth ein Port. Denn leih' ich eurem Wunsche nicht ein willig Ohr, So drohst du Gräuel, deren Höh'n kein Pfeil erreicht. Und greif' ich eure Vettern aus Aegyptos' Stamm, In offnen Kampf ausziehend, vor den Mauern an: Wie? Müßte solch ein Opfer mir nicht, bitter sein, Wenn Frau'n zuliebe Männerblut die Felder tränkt? Doch muß ich Zeus', des Flüchtlingshortes, Rache scheu'n, Dem sich der Menschen höchste Furcht im Staube beugt. (zu Danaos) Auf nun, der Jungfrau'n Vater, hochbetagter Greis, Nimm flugs die grünen Zweige hier in deinen Arm, Und trage sie nach andern Opferherden hin Der Landesgötter, daß die Zeichen eurer Flucht Die Bürger alle schauen, und kein schmähend Wort Mich höhne; gerne tadelt ja das Volk die Herrn. Wohl möchte Mitleid, wenn es eure Noth gewahrt, Dem Troke zürnen jener kühn Vermessenen, Euch aber Argos' edles Volk gewogner sein; Wohlwollen hegen Alle für die Schwächeren. Danaos. Mit hohem Danke preisen wir das hohe Glück, Daß uns in dir solch ehrenwerther Hort erstand. Gib aus dem Volke Führer, die des Weges uns Geleiten, daß wir eurer Heimatgötter Herd Im Tempelvorhof, ihre goldenstrahlenden Wohnsize finden und die Stadt mit Sicherheit Durchschreiten können; unsre Tracht und Art ist fremd. Denn Inachos und Neilos nährt kein gleiches Volk. Verhüte, daß mein Hoffen keine Furcht gebiert; Schon Mancher gab unkundig einem Freund den Tod. Der König. (zu Einigen aus dem Gefolge) Zieht hin, o Männer; weise sprach der fremde Mann. Zeigt ihm die Stadtaltäre, zeigt den Göttersiz, Und trefft ihr Jemand, schwahet nicht; euch folgt ein Mann, Der, über Meer gekommen, Götterschuß erfleht. (Danaos mit Begleitern ab nach der Seite von Argos.) Der Chor. Ihm gabst du Weisung, ungefährdet zieht er hin: Doch was beginn' ich? Wo gewinn' ich Schuk von dir? Der König. Die Zweige, Zeichen deiner Noth, laß hier zurück. Der Chor. Ich lasse sie, gehorsam deinem Wink und Wort. Der König. Nun wende dich dem langgestreckten Haine zu. Der Chor. Wie böte dieser offne Hain mir Sicherheit? Der König. Raubvögeln wahrlich geben wir dich nicht dahin. Der Chor. Doch Feinden, schlimmer als des Drachen grimme Brut! Der König. Erwiedre milder; sprach doch ich ein mildes Wort.. Der Chor. Kein Wunder, wenn ich bitter ward aus Herzensangst. Der König. Stets ist die Furcht unmäßig, wenn der Führer fehlt. Der Chor. Erheitre du denn meinen Sinn durch Wort und That. Der König. Nicht lange läßt der Vater euch allein zurück. Und ich berufe dieses Landes Rath sofort, Und stimme meines Volkes Herz, euch hold zu sein. Auch eurem Vater lehr' ich, was er reden soll. So bleibet hier denn, fleht die Landesgötter an, Und bittet, euch zu geben, was ihr wünschen mögt. Ich eile nun von hinnen, euch hälfreich zu sein: Mir folge Peitho, folge mir, vollendend Glück! (Der König mit seinem Gefolge ab.) Chor Wechselgesang des Chores. Erste Strophe. Der Götter Gott, Seligster du der Seligen, Aller Gewalt Gewaltigster, ewiger Zeus, erhör' uns! Wend' ab von deinen Kindern Der Männer Frechheit in gerechtem Zorne! Stürz' in die brandenden Wogen das Fluchschiff Dieser verruchten Schwarzen! Erste Gegenstrophe. Auf unser Fleh'n hörend, erneue du den Ruhm Unserem alten Stamm, dem Geschlechte der theuren Ahnfrau, Der Gnade Ruhm erneue! Ja, denke mein huldvoll, Geliebter Jo's! Ihrem Geschlechte ja sind wir entblüht, sind Heimisch in Argos' Lande. Zweite Strophe. Ich fand hier alte Spuren wieder, Au'n, wo die Mutter auf Blumen geweidet, Die fette Grasflur, von wannen Jo Einst von der Bremse verfolgt Flüchtete, rasend im Geist; Viele Geschlechter der Menschen hindurch Schweifte sie; zwier kam ste zum jenseitigen Strand, Nach des Geschicks Willen der See wogende Flut durchschneidend. Zweite Gegenstrophe. Sie rennt weithin durch Asis' Auen, Phrygia's lämmerbedeckte Gefilde; Durch Teuthras' Stadt eilt sie, durch der Myser Thale, die lydischen Gau'n Und der Kiliker Gebirg Und der Pamphyler in stürmendem Schwung; Ströme, die nie rasten im Lauf, sah sie, das gold- prangende Land, kam in das fruchtwallende Reich der Kypris. Dritte Strophe. Sie floh (rasch trieb sie fort der Flügelpfeil Ihres Treibers) zum hehren, Zum allnährenden Fruchthain, Der schneegetränkten Ebne, die des Typhos Hauch Mit Macht durchweht, Zu Neilos' Flut, wo die Seuchen fliehen; Rasend von grauser Mühen Schmach, Kam sie, vom Schmerz, den die Stacheln gebohrt Der zorntrunkenen Hera. Dritte Gegenstrophe. Das Volk, damals im Lande heimisch dort, Bleiches Grausen erfaßt' es, Da solch seltsamer Anblick Sich bot, die grauenvolle Menschenmißgestalt, Zur Hälfte Kuh, Zur Hälfte Weib; Alles stand verwundert. Wer, sich erbarmend, labte da Jo, die unglückselige, wild Umgetriebne von Wahnsinn? Vierte Strophe. Der Gott, endloser Zeiten Herrscher, Zeus erlöste die Jungfrau. Ihr Leid, die schmerzlos sel'ge Macht, Des Zeus göttlichen Anhauch, Fühlend, schmilzt, und die Thräne weh- müthiger Scham entstürzt ihr. Ein Pfand von Zeus, trugloser Sage nach, entwand Ihr sich der Sohn vom Schooße, Vierte Gegenstrophe. Im Ruhm endlose Zeit beseligt; Ringsum riefen die Lande: Der lebensreiche Sprößling hier, Zeus' Sohn ist er in Wahrheit! Denn wer hätte der Hera zorn= schnaubende Wuth bewältigt? Dies that Kronion; diese nennst du denn mit Recht Epaphos' ächte Sprossen. Fünfte Strophe. Zu wem kann mein Gebet gerechter Um Beistand fleh'n, zu welchem Gotte? O Vater alles Lebens, Herr durch eigne Macht, Des Stammes alter großer Ahn, Allwalter Zeus, alles Heiles Quelle! Fünfte Gegenstrophe. In Niemands Obhut scheu sich flüchtend, Erkennt Zeus keinen andern Herrscher, Und schaut zu Niemand über sich verehrend auf. Er spricht, und fertig folgt die That, Und schafft, was kaum still im Herzen keimte. (Danaos kommt mit seinen Begleitern aus der Stadt zurüď.) Danaos. Getrost, o Kinder! Glücklich steht's in Argos' Stadt; Die Schlüsse gingen alle durch im Rath des Volks. Der Chor. Heil, Alter, der so liebe Botschaft uns gebracht! Wohlan, verkünd' uns, wie des Volkes Schluß beschied, Wo sich der Mehrheit Hände siegend hingeneigt. Danaos. Es stimmten Argos' Bürger all' in Einem Sinn, Daß frisch in Jugend wieder schlug dies greise Herz. Weit scholl der Aether, als des Volkes Hände rings Empor sich hoben, diesen Spruch bestätigend: „Wir sollen frei in diesem Lande wohnen, frei Vor jedem Anspruch, unverleßlich aller Welt, Und Fremde weder dürfen uns, noch Heimische, Von hinnen führen; wird Gewalt an uns geübt, So soll der Bürger, welcher uns nicht Hülfe leiht, Ehrlos erklärt sein und verbannt durch Volkesschluß." Zu solchem Antrag stimmend, sprach der König selbst Für uns, Pelasgos, an den schweren Zorn des Zeus, Des Flüchtlingshortes, mahnend, daß ihn nie die Stadt Aufwecken möge: solch ein Doppelgräul, zugleich Am Fremdling und am Bürger durch die Stadt verübt, Würd' ihr ein unerschöpfter Born des Leides sein. Das Volk von Argos hörte dies, erhob die Hand, Bevor man aufrief, und gebot: „so soll es sein!" Der Rede klugen vielgewandten Gang vernahm Das Volk Pelasgos'; aber Zeus entschied das Ziel. Die Chorführerin. Auf, laßt uns Argos' Volke das Heil Anwünschen, wie Heil uns wurde von ihm! Zeus, gastlicher Gott, o vernimm das Gebet Aus gastlichem Mund, und geleit' es in Huld Zu dem herrlichsten Ziel der Vollendung! Chor Wechselgesang des Chores. Erste Strophe. Götter aus Zeus' Geschlecht, Höret mich jetzt, wenn Einmal, Segen erfleh'n für Argos! Nicht in der Flamme Glut tilge Pelasgos' Stadt Ares, der üppig tobt mit graunvollem Ruf, Der auf des Blutes Feld Saaten der Männer abmäht, Weil sie mein sich erbarmte, Und mild fällte mein Urtheil, Und Zeus' Schüßlinge ehrt, der Frau'n Mitleidwürdige Heerde. Erste Gegenstrophe. Nicht zu der Vettern Gunst Fällte die Stadt den Spruch; sie Chrte der Frauen Klage, Und zu dem Nächer Zeus blickte sie auf, dem all- siegenden Wächter, dessen Fluch, traun, kein Haus Ueber dem Dache sich wünscht; denn er lastet schwer dort. Uns Verwandte, des heil'gen Zeus Schußflehende, scheut sie; Darum lächeln die Götter ihr Stets an reinen Altären. Zweite Strophe. Darum empor von laubschattender Lippe fromm Schwebe, Gebet der Ehren! Möge die Seuche niemals Ihnen die Stadt veröden, Nie mit gefall'ner Bürger Blut Tränken den heimischen Grund der Ausruhr, Ungebrochen der Jugend Blume blüh'n, Aphrodita's Menschenmordender Buhle nie, Ares, mähen die Blüte! Zweite Gegenstrophe. Und in der Greise Hut flamme der Herde Glut, Schwellend umhäuft von Gaben, Daß die Gemeine blühe! Ehre sie Zeus, den großen, Gastlichen Gott, vor allen, ihn, Welcher mit grauem Gesek das Recht wahrt! Mag die Saat des Gefildes Immer neu sich gebären! Huldvoll bringe der Leto Kind Hülfe kreißenden Frauen! Dritte Strophe. Nie zu der Männer Tod stürme Verderben her, Welches, die Stadt zerfleischend, Cither und Reigen haßt, thränengebärenden Krieg Und Volksaufruhr zum Kampfe waffnet! Fern vom Haupte der Bürger Lag're feindlicher Seuchen Schwarm; mild schüße des Phöbos Hand Alle die Jugend des Landes! Dritte Gegenstrophe. Schaffe Kronion, daß, reifender Früchte voll, Wuch're die Flur das Jahr durch; Weidender Heerden Zucht mehre sich stets im Gefild; Gewährt Heil sonder Ende, Götter! Hehr an hohen Altären Schalle heiliger Sänger Lied; von lauterer Lippen Rand Schweb' es, beschwingt von der Laute! Vierte Strophe. Behutsam wahre seiner Ehren Das freie Volk, dessen Wort die Stadt lenkt, Mit weisem Geist sinnend auf Gemeinwohl. Versöhnlich stets, mög' es gern Dem Fremdling, eh wild der Kampf Erwacht, sein Recht ohne Leid gewähren ! Vierte Gegenstrophe. Der Heimat Götter ehret allzeit, Den Vätern gleich, all' ihr Argossöhne, Im Lorberschmuck Opferstiere weihend! Der Aeltern Furcht ist von drei Gesezen, die Dike's Hand In eh'rne Denktafeln grub, das dritte. Danaos. O Kinder, um so weise Wünsche lob' ich euch. Doch zittert nicht, wenn aus des Vaters Munde nun Ein unerwartet neues Wort das Ohr vernimmt. Von dieses Schußgestades Höh'n gewahr' ich dort Das Schiff, (es ist wohlkenntlich, daß es meinen Blick Nicht irrt,) die Segeltücher und das Doppeldeck, Die Stirne, vorwärts ihren Blick hierher gewandt, Dem Steuerruder, welches herrscht am Spiegelrand, Nur allzufolgsam, aber uns nicht holdgesinnt. Die Schiffer auch erkenn' ich, — ihre dunkelen Gestalten schimmern aus den weißen Hemden vor, Dort auch die andern Boote sammt des Hülfsgefolgs Mannschaft; das Hauptschiff rudert selbst mit Macht heran, Es zog, dem Ufer nahe, schon die Segel ein. Nun schaut mit ungestörtem Ernst in stiller Ruh Zum Strand und fleht hier unverwandt die Götter an: Ich will nach Rechtsbeiständen, will nach Helfern geh'n. Denn wohl ein Herold oder auch ein Bote kommt, Der euch von hinnen führen will als Eigenthum. Nichts soll gescheh'n von diesem; seid ganz unbesorgt. Doch ist es wohl gerath'ner, wenn die Hülfe säumt, Der Götterhut hier immer eingedenk zu sein. Getrost! Dereinst am festgesekten Tage muß Ein Frevler büßen, der die Götter frech entehrt. Erste Strophe. führerin des ersten Halbchors. Ich zittre, Vater; denn die Schiffe, raschbeschwingt, Sie nah'n: indessen ohne Nast entflieht die Zeit. Erster Halbchor. Schauer der Angst umfängt bebend die Seele mir, Ob auch die weite Flucht einen Gewinn mir bot. Mein Vater, ach, die Angst tödtet mich! Danaos. Fest steht der Argossöhne Spruch; so sei getrost, Mein Kind; ste kämpfen, zweifle nicht, den Kampf für euch. Erste Gegenstrophe. führerin des zweiten Halbchors. Voll Ungestüm, wahnwizig, unersättlich sind Im Kampf Aegyptos' Söhne: selber weißt du das. Zweiter Halbchor. Und an gewölbter, blauschimmernder Kiele Bord Schifften sie her (mit Glück zeigte der Zorn die Bahn) Sammt dunkler Männer zahlreichem Zug. Danaos. Sie werden Viele treffen, die im glühenden Mittage wacker abgehärtet Brust und Arm. Zweite Strophe. Führerin des ersten Halbchors. Das Eine bitt' ich, Vater: laß mich nicht allein! Allein vermögen Frauen Nichts, uns fehlt der Muth. Erster Halbchor. Tückischen Sinnes, ha! tückischer Ränke voll In unheil'ger Brust, werden sie, Raben gleich, Keines Altares achten. Danaos. Ein großer Vortheil wäre das für uns, o Kind, Wenn ihr vereint mit Göttern sie befeindetet. Zweite Gegenstrophe. führerin des zweiten Halbchors. Nicht diesen Dreizack fürchten sie noch Göttermacht, Nie zieh'n sie, Vater, ihren Arm von uns zurück. Zweiter Halbchor. Maßlos im Troye kühnfrevelnden Uebermuths, In wahntrunk'ner Gier hündischer Dreistigkeit, Achten sie nicht der Götter. Danaos. Doch lehrt das Sprüchwort, Wölfe seien mächtiger Als Hunde; Byblos' Staude zwingt die Aehre nicht. Der Chor. Sie hegen schnöder, grauser Ungethüme Wuth Im Busen; darum hüte dich vor ihrer Macht! Danaos. Die Fahrt der Schiffsgeschwader ist wohl nicht so rasch, Kein Port so nahe, noch der Taue sichrer Halt So schnell an's Land zu fördern, noch vertrauen sich Der Schiffe Lenker alsobald dem Ankergrund, Zumal sie hier ein hafenloses Land empfängt. Die Nacht, zu der die Sonne niedertaucht, gebiert Dem klugen Steuermanne Noth und Herzeleid. So wäre denn dem Heere selbst das Landen nicht Nathsam, bevor die Schiffe sichern Stand gefaßt Vergesset ihr nur angsterfüllt die Götter nicht, Und ruft um Hülfe! Mich erhört die Stadt gewiß, Den greisen Boten, jung an wohlberedtem Geist. (Danaos geht mit seinen Begleitern zur Stadt zurück.) Chor Wechſelgesang des Chores. Erste Strophe. O du holmreiche Flur, mit Recht verehrt! Was wird mit uns? In welchen Winkel Apia's Entflieh'n wir, der uns schirmend hüllt in düstre Nacht? Ein dunkler Rauch möcht' ich flieh'n, Zeus' Wolkenheeren nahe zieh'n, Entschwinden spurlos, Hauchen gleich emporgeweht, Wie leiser Staub, unbeschwingt zerrinnen! Erste Gegenstrophe. Nicht unruhvoll mehr sänne dann mein Geist. Jezt schlägt in dunkeln Wogen mir das Herz empor: Des Vaters Botschaft tödtet, Angst entseelte mich. Des Todes Arm möge denn In Stranges Fesseln mich umfah'n, Bevor der Gottverfluchte diesen Leib berührt! Zuvor erblaßt, berge mich Grabesdunkel! Zweite Strophe. Wo wird in Aethers Höhe mir ein stolzer Thron, Um den der Wolke Nebelbild zu Schnee erstarrt, Ein glatter, unwirthsamer Fels, Dede, steil, der Adler Haus, Der, zum Abgrund schwindelud, mir Tiefen Sturzes Zeuge sei, Ch Gewalt, mein Herz zerreißend, Mich an diese Männer kettet? Zweite Gegenstrophe. Wohl auch der Hunde Beute, wohl auch heimischer Raubvögel Mahl zu werden, ich verweigr' es nicht: Der Tod allein ja nimmt von uns All das jammerschwere Leid. Komme denn sein Tag, bevor Mich das Brautgemach empfängt! Was vermag mich sonst zu retten, Was zu lösen diese Bande? - Dritte Strophe. Um Hülfe jamm're himmelan, Den Göttern flehe mein Gesang, Der diese Leiden ende, der Mich löse! Vater, sieh den Kampf! Dein gerechtes Auge lieb' es nicht, Freche Gewalt zu schau'n! Deinen Schüzlingen hilf, o Zeus, Weltlenkender Gott der Allmacht! Dritte Gegenstrophe. Denn sieh, Aegyptos' Söhne, frech, Mit unerträglich wildem Trok In hastigem Laufe stürmen sie Der Flüchtigen nach; mit wildem Ruf Trachten sie gewaltsam mich zu fah'n. Dein ist die Wage, du Wäge! Schaffst du nicht das Gedeih'n, Was könnte der Mensch vollenden? (Geschrei der ankerwerfenden Aegypter. Die Führerin zeigt nach dem Strande hinaus; voll Entsetzen drängen sich die Jungfrauen zu einer jammernden Masse zusammen.) Schlußgesang. Erste Jungfrau des Chores. Ha, der Räuber dort im Schiff kam zum Strand! Zweite. Cher versinke, Räuber! Dritte. Neue landen! Vierte. Ich Arme, wehe! Fünfte. Laut erheb' ich bangen Angstruf. Ich sehe schon Die Vorspiele dort, sehe schon Gewaltthat mir droh'n. Eile geschwind, o rette Sechste. Siebente. Wie sie voll Troß sich bläh'n! Grausen im Schiff, am Ufer! Achte. O Fürst, beschirm' uns! (Vom Strande her kommt ein ägyptischer Herold, gefolgt von Sklaven, die mit Stangen, Beilen und Peitschen bewaffnet sind.) Der Herold. Fort ihr, fort in die Barke! Geschwind, geschwind! Erster Halbchor. So wird man uns denn Fortzerren am Haar, brandmarken, des Beils Mordender Schlag trennt uns blutend das Haupt vom Rumpf! Der Herold. Fort ihr, fort, ihr Verruchten, an Bord, an Bord! Oder auf salziger See Weithinwogender Flut Sez' ich in herrischem Trok Dich mit vernietetem Speer Blutiggepeitscht in das Schiff! Und widerstrebst du länger, Schärs' ich des Zwanges Gewalt, dir endlich Auszutreiben den Wahnsinn! Zweiter Halbchor. O Graun, o Graun! Verlaß den Siz! Zurück in's Schiff, Du, der ungestraft Argos' Altar entweiht! Erster Halbchor. Möcht' ich ihn nie mehr seh'n, Neilos' umweideten Strom, welcher des Sterblichen Blut Stärkend durchwallt mit dem Quell des Lebens ! Mich schüßt der Altar, der Altar hier, Mich Tochter uralten Bluts! Der Herold. Du mußt ungesäumt in's Schiff, fort in's Schiff, Ob gern, ob ungern! Zweiter Halbchor. Gewalt, Gewalt ! Hebe dich weit hinweg von mir! Schwer büßest du, Frevler, was du versuchst. Erste Strophe. Erster Halbchor. Weh uns, weh uns! Daß du verſänkest ohne Rettung In dem wogenden Meerhain, In des Sturms Nacht an den vielsandigen Untiefen Sarpedons Treibend auf dunkler Irrfahrt! Der Herold. Wehklaget nur und jammert, ruft die Götter an! Aegyptos' Barken überspringt ihr nimmerdar, Und ob ihr bittrer jammert noch im Ton der Angst! Erste Gegenstrophe. Zweiter Halbchor. Ach, ach, ach, ach! Schmähe du, belle hier am Ufer, Ha, blähe dich trokvoll! Daß der Nilgott, o du Frechster, Von der Frechheit dich zurück doch Schreckte, mich mächtig schüste! Der Herold. Fort ihr, gebiet' ich, ungesäumt zur Barke, die Sich schon zur Abfahrt wandte! Keines zögre mehr! Denn diese Hand scheut wahrlich eure Locken nicht. Zweite Strophe. Erster Halbchor. Weh, Vater, weh! Des Herdes Schuß mein Fluch! Zum Meere schleppt er mich, Langschreitend, Spinnen gleich, Ein Nachtungethüm! Ge, Ge, Mutter, hilf, Wende das Graun von uns! O Zeus, Ge's Sohn, hilf! Der Herold. Ich fürchte, traun, die Götter dieses Landes nicht, Die nicht als Kind mich pflegten, nicht mich altern sah'n. Zweite Gegenstrophe. Zweiter Halbchor. In meiner Nähe zischt zweifüßig hier Die Schlang' heran und wird Zur gift'gen Natter, bohrt In's Herz tief sich ein. O Ge, Ge, Mutter hilf, Wende das Graun von uns! O Zeus, Ge's Sohn, hilf! Der Herold. Wofern du nicht, uns folgsam, gleich zum Schiffe gehst, Reiß' ich zu Fezen ohne Scheu dein Prunkgewand. Dritte Strophe. Erster Halbchor. Ihr Landeshäupter, helft! Gewalt duld' ich hier! Der Herold. Fortschleppen, scheint es, muß ich euch am Lockenhaar, Da nicht sofort ihr hören wollt auf mein Gebot. Dritte Gegenstrophe. Zweiter Halbchor. Wir sind verloren, Herr! O graunvolles Leid! Der Herold. Ja viele Herrn, Aegyptos' Söhne, seht ihr gleich! Getrost: ihr klagt nicht über Herrenlosigkeit! (Während der letzten Worte tritt der König von Argos mit Gefolge ein.) Der König. He, was beginnst du? Welcher Wahn bethörte dich, Daß du Pelasgis' Bürger und ihr Land beschimpfst? Du wähntest wohl in einer Frauenstadt zu sein? Ein Fremdling, höhnst du Hellas' Volk in frechem Troy, Und Vieles frevelnd, schaffst du Nichts mit klugem Sinn. Der Herold. Wo lenkt' ich ab vom Rechte, was verbrach ich hier? Der König. Erst, was dem Fremdling zieme, blieb dir unbekannt. Der Herold. Wie das? Ich ging Verlor'nes aufzufinden aus Der König. Und welche Schußherrn sprachst du hier in Argos an? Der Herold. Den größten Schußherrn Hermes, der allspähend wacht. Der König. Anrufend Götter, scheust du nicht der Götter Macht! Der Herold. Die Götter ehr' ich, welche Neilos' Volk verehrt. Der König. Und Argos' Götter gelten dir, so hör' ich, Nichts! Der Herold. Sie will ich achten, wenn mir Niemand diese raubt. Der König. Du sollst es büßen, wenn du sie berührst, und gleich! Der Herold. Gastfreundlich lautet nimmermehr ein solches Wort. Der König. Ich nehme Götterschänder nicht gastfreundlich auf. Der Herold. Geh' hin, Aegyptos' Söhnen selbst dies kundzuthun! Der König. Um solches mich zu kümmern, bin ich nicht gemeint. Der Herold. Damit du klarer sehest, red' ich deutlicher. Ziemt doch dem Herold, Alles deutlich kundzuthun. Wer, soll ich sagen, kehr' ich auf das Schiff zurück, Hat mir der Frauen blutsverwandte Schaar geraubt? Der König. Wozu den Namen sagen? Kommt die Zeit dereinst, Erfährst du selbst und deine Fahrtgenossen ihn. Die führe frei mit ihres Herzens Wunsch davon, Wenn du mit frommer Rede sie gewinnen kannst. Einstimmig ward von Argos' Bürgern allzumal Der Schluß genehmigt, keiner Macht jemals die Schaar Der Frauen auszuliefern: hell glänzt dieser Spruch, Fest eingenietet, und besteht unwandelbar. In eh'rne Tafeln gruben wir sein Wort nicht ein, Noch ruht es stumm in Pergamentes Falten; nein, Vernehmlich hörst du's, ungefälscht, aus freiem Mund. Und jetzt hinweg aus meinen Augen, - ungesäumt! Der Herold. Wofern du neuen Kriegesbrand entflammen willst, Nun, auch Aegyptos' Söhne sind zu Kampf bereit. Wohl schlichtet Ares solchen Streit durch kein Verhör Von Zeugen, nicht durch Silber mag er solchen Zwift In Frieden enden; nein, zuvor auf blut'gem Feld Sinkt manches tapfre Leben noch im Tode hin. Doch uns, den Männern, wende dann der Sieg sich zu! (Der Herold mit den Begleitern ab.) Der König. Als Männer sollt ihr dieses Reichs Bewohner, traun, Erfinden, nicht als Trinker schlechten Gerstenweins! (zu den Jungfrauen) Ihr alle sammt den treuen Dienerinnen geht Gefaßten Muthes nach der wallumhegten Stadt, Die stolzer Mauern sichre Wehr ringsher umschließt ! Ihr trefft der Häuser viele dort, vom Volk erbaut, Und andre baut' ich selber, nicht mit karger Hand. Behaglich ist's, in einem wohlbestellten Haus Mit vielen Andern wohnen; doch, gefällt es mehr, Steht auch in eignen Häusern euch zu wohnen frei. Von alle dem das Beste, Wohlgefälligste Ist euch zu Dienste: wählet! Euer Schuß bin ich Und alle Bürger, welche den Beschluß gefaßt. Was harrst du stärk'rer Freunde noch, denn diese sind? Die Chorführerin. Reich lohne für Heil euch Fülle des Heils, O pelasgischer Held! Nun sende voll Huld uns den Danaos her, Der die Töchter mit Rath umsichtig bedenkt, Ein getreu vorsorgender Vater. Er möge zuvor auswählen ein Haus Und ein freundliches Dach, wo zu wohnen uns ziemt. Man tadelt so gern, was Fremdlinge thun: O wende sich Alles zum Besten! Der König. Mit feierndem Nuhm, nicht grollend begrüßt Von dem heimischen Volk, zieht, Freundinnen, ein! Schaart ihr euch an, ihr Mägde, wie dort Euch Danaos einst, nach dem Loose vertheilt, An die Herrinnen schenkte zur Mitgift! (Er geht ab. Zu den Halbchören der Danaostöchter ordnen sich die Dienerinnen in zwei Halbchören, um feierlich in Argos einzuziehen. Während dessen kehrt Danaos mit Geleit aus der Stadt zurück.) Danaos. Euch ziemt, o Kinder, Argos' Söhne durch Gebet Und Opferduft und Spenden, gleich Olympiern, Zu feiern; denn sie waren eure Retter, traun! Was naher Vettern Uebermuth mit dreister That An uns gefrevelt, hörten sie voll bittern Zorns, Und gaben, diesem greisen Haupt zur Ehre, dann Mir als Geleiter diese Lanzenknechte mit, Daß nicht ein Speerstoß ungeahnt von Meuchlerarm Mir bringe Tod, ein ewig Blutmal ihrem Land. Da solches mir geworden, wahrt ihr euren Schmuck, Der Seele Reinheit, - noch zu höh'rer Ehre mir! Und schreibt zu vielem Andern, was der Vater euch An's Herz gesprochen, dieses auch in euer Herz: Den neuen Umgang richtet und bewährt die Zeit! Denn frech erhebt sich wider Eingewanderte Die Lästerzunge, leicht beschmust ein böser Mund. Euch mahn' ich denn, bereitet keine Schande mir, Nun ihr erblüht zum Alter, das die Männer lockt. Nicht leicht zu hüten, wahrlich, ist die zarte Frucht; Verfolgend bringen Männer ihr den Untergang. Was hoch in Lüften flattert, was am Boden schleicht, Was tief in Wassern wimmelt, hascht die Früchte gern, Die, kaum entfaltet, Aphrodite's Stimme preist, Und rohgesinnter Lüsternheit den Raub verwehrt. Auch nach der Jungfrau'n zarten Huldgestalten wirft Der liebetrunk'nen Blicke zaubermächtiges Geschoß in süßem Sehnen, wer vorübergeht. Drum duldet niemals, was zu flieh'n, so viele Noth, So weiten Meeres lange Bahn ihr durchgekämpft, Und wehrt von uns die Schande, wehrt dem Feind die Lust! Ein Haus zur Wohnung bietet sich zwiefach sogar; Denn eins gewährt Pelasgos, eins gewährt die Stadt, Von allen Zinsen ledig: schon ein großes Glück! Nur dieses treue Vaterwort, bewahrt es treu, Und ehrt die Tugend höher als das Leben selbst! Die Chorführerin. Daß nur der Götter Gnade sonst uns nicht verläßt: Um meine Blüte, Vater, sei ganz unbesorgt! Wenn Götterrath nicht Andres über mich verhängt, So weich' ich nie von meines Sinnes altem Pfad. Gesang der hinausziehenden Chőre. Erste Strophe. Erster Halbchor. So erhebt denn im Triumphton Des Olymps Götter, die Burgherrn Und der Stadt Hüter und die schon in der Urzeit Erasinos' Flut umwohnten! Zweiter Halbchor. In das Lied stimmt mit Gesang ein, O Gefährtinnen! Der Gesang gel= te der Heimat des Pelasgos, und der Nilstrom Werd' im Lied nicht mehr gefeiert! Erste Gegenstrophe. Erster Halbchor. Nur die Quellströme besing' ich, Die das Land tränken mit Labsal, Und in allnährenden Windungen sich ergießend, Durch die Gau'n fruchtspendend hinzieh'n. Zweiter Halbchor. O beschirm' unsere Schaar, Ar= temis, voll Gnaden! O mög' uns In ihr Joch nicht mit Gewalt zwängen Kythere! Wir verabscheu'n solchen Kampfpreis. Zweite Strophe. Erster Halbchor. Doch vergißt auch Aphrodita's der Gesang nicht; An des Zeus Seite vereint herrscht sie mit Hera, Und in ehrwürdiger That waltet die tiefsinnige Göttin. Zweiter Halbchor. Und gesellt naht mit der huldlächelnden Mutter Sich die Sehnsucht und die allsiegende, holdzaubernde Peitho, Und die Hingebung umschwärmt kosend die Göttin Und der Liebesgötter Flüstern. Zweite Gegenstrophe. Erster Halbchor. wie graut uns, den Entflohenen, vor dem Unheil, Das heranstürmt, vor des Kriegs blutigem Scheusal! warum glückte die Seefahrt zu der windschnellen Verfolgung? Zweiter Halbchor. Was verhängt ward vom Geschick, mag sich's erfüllen! Es umgeht Keiner des Zeus ewigen, niewankenden Rathschluß. Wie der Frau'n viele der Chbund in der Urzeit, So beglück' er uns dereinst auch! Dritte Strophe. Erster Halbchor. Doch hinweg wende Kronion Mir den Ehbund mit den Vettern! Zweiter Halbchor. Und gewiß wär' es das Beste. Erster Halbchor. Doch den Unbeugsamen beugt Nichts. Zweiter Halbchor. Dir verhüllt birgt sich die Zukunft. Dritte Gegenstrophe. Erster Halbchor. Wie vermag ich es, des Zeus Sinn Zu durchschau'n, Räthsel des Abgrunds? Zweiter Halbchor. Ein Gebet sprich, doch genügsam. Erster Halbchor. So belehr' uns: was geziemt hier? Zweiter Halbchor. In Geduld trage, was Zeus schickt. Vierte Strophe. Erster Halbchor. Wehre du von uns, o Zeus, Den verhaften, feindlichen •1010 Bund mit den schnöden Männern, Du, der Jo's Kummer einst Durch der Hand linden Druck bewältigend, Heil erschus mit süßer Kraft! Vierte Gegenstrophe. Zweiter Halbchor. Du verleihe Sieg den Frau'n! Wenn ein doppelt Leid mir droht, Wähl' ich das klein're lieber. Daß dem Recht des Rechtes Sieg Folge, fügt Gottes Rath auf mein Gebet, Der aus Leid mein Leben löst.