Prometheus Bound — Donner (1854), OCR review edition Aeschylus Johann Jakob Christian Donner OCR cleanup, verse reconstruction, and passage alignment; further proofreading required Editorial processing with Codex

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Aeschylos. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. J. J. C. Donner. Stuttgart: Hoffmann, 1854.Harvard PDF of both volumes aeschylus-donner-hvd-hn62cq-1788873992.txt aeschylus-donner-nyp-33433082192794-1788873945.txt

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Scene. Felsiges Meergestade in wüster Gegend, links die offene See, rechts wilde Felsenschluchten. Von der rechten Seite her kommen Hephästos mit Hammer und Ketten und die Gottheiten Kraft und Gewalt, die den Titanen Prometheus gefesselt herbeiführen. Kraft. Am fernen Saum der Erde sind wir angelangt,OCR review edition. D. numbers are Donner’s own citations; alignment gives containing Smyth passages. Cleanup inventory, both OCR copies and unattributed notes Im Skythenland, in menschenöder Wüstenei.Lesarten und Verwandtes, D. 2: ἄβροτον εἰς ἐρημίαν. Printed p. 57 Dir ziemt, Hephästos, eingedenk zu sein des Amts, Das dir der Vater zugetheilt, den Frevler hier Hoch anzuketten an die steile Felsenwand In diamant'ner Fesseln unlösbarem Nez. Denn deine Blum', allkünstlerischen Feuers Glanz, Hat er geraubt, der Erde Söhnen zugewandt; Für solche Schuld denn strafen ihn die Götter nun, Damit er fügsam ehren lernt die Herrschermacht Des Zeus, und seiner Menschenlieb' Einhalt gebeut. Hephästos. Kraft und Gewalt, für euch erreichte Zeus' Gebot Nunmehr sein Ende, Weit'res hält euch nimmer auf. Mir aber graut es, einen stammverwandten Gott Mit Gewalt zu ketten an die sturmumbrauste Kluft. Und dennoch treibt mich strenge Noth zu dieser That; Denn schwer bestraft sich's, trogen wir des Vaters Wort. (zu Prometheus) O du, der weisen Themis hochgesinnter Sohn, Ich soll in unlösbarem Erz dich Sträubenden Mit Sträuben fesseln an den öden Felsenhang, Wo keine Stimme noch Gestalt der Menschen dir Erscheinen, und, von hellem Sonnenstrahl gesengt, Des Leibes Blume welken wird, wo dir ersehnt Die Nacht in buntem Sterngewand den Tag verhüllt, Und dann den Frühreif wieder schmelzt der Sonne Blick. Stets wird die Qual dich martern, die dich hier umgarnt; Noch ist ja nicht geboren, der dich retten wird. Dies war der Dank, den deine Menschenliebe fand : Du bot'st, ein Gott, von Götterzorne nicht geschreckt, Mehr als geziemend Ehre dar den Sterblichen, Wofür du fortan hüten wirst den Schauerfels, Aufrechtgefesselt, schlummerlos, mit starrem Knie. Und manches Ach und Wehe wird fruchtlos von dir Erschallen; unerbittlich grollt die Brust des Zeus, Und jeder neue Herrscher übt ein strenges Amt. Kraft. Auf! Was verziehst du, hegst umsonst Mitleid mit ihm? Was zürnest du dem gottverhaften Gotte nicht, Ihm, der des Staubes Söhnen dein Kleinod verrieth? Hephästos. Stark bindet Freundschaft, mächtig eint des Blutes Band. Kraft. Es sei! Doch ungehorsam sein des Vaters Wort, Wie kannst du dieses? Graute dir davor nicht mehr? Hephästos. Wohl bist du stets hartherzig und von Troy erfüllt. Kraft. Um diesen hier zu klagen, frommt ja doch zu Nichts: So ringe du nicht eitel um Vergebliches. Hephäſtos. meiner Hände tausendfach verhaßtes Werk! Kraft. Was grollst du diesem? An den Leiden hier, um kurz Es auszusprechen, trägt die Kunst ja keine Schuld. Hephästos. Und doch - o hätt' ein Andrer diese Kunst erlangt! Kraft. Wohl wurde Jedem seine Last, nur nicht dem Zeus, Der Götter König; unbeschränkt herrscht er allein. Hephästos. Das seh' ich hier, und widersprechen kann ich Nichts.Lesarten und Verwandtes, D. 51: ἔγνωκα τοῖσδε, κοὐδὲν ἀντειπεῖν ἔχω. Printed p. 57 Kraft. So spute dich, die Fesseln umzuschlingen ihm, Daß Vater Zeus nicht lässig säumend dich erblickt! Hephästos. Hier kannst du schon die Schellen ausgebreitet seh'n. Kraft. Die wirf ihm um die Hände, dann mit voller KraftLesarten und Verwandtes, D. 55: βαλὼν νιν ἀμφὶ χεροῖν. Printed p. 57 Den Hammer schwingend, nagle sie am Felsen fest. Hephästos. Schon thu' ich's, ohne Säumen wird das Werk vollbracht. Kraft. Noch stärker schlage, keile fest, laß nimmer ab! Er weiß sich loszuwinden aus der engsten Haft. Hephästos. Der Arm ist angeschmiedet, unauflöslichfest. Kraft. Nun fess'le den auch sicher an, damit er lernt, Er sei, der Schlaue, gegen Zeus ein blinder Thor. Hephästos. Ihn ausgenommen, schälte mich Niemand mit Grund. Kraft. Jetzt nimm des Demantkeiles schonungslosen Zahn, Und treib' ihn mächtig mitten durch die Brust hindurch. Hephästos. Weh, weh, Prometheus! Wie bejammr' ich dein Geschick! Kraft. Schon wieder säumst du, jammerst um den Feind des Zeus? O daß du nur dich selber nicht dereinst beklagst! Hephästos. Du siehst ein Schauspiel, dessen Graun kein Aug' erträgt. Kraft. Ihn seh' ich dulden seiner That verdienten Lohu. Jetzt um die Hüften lege noch den Eisengurt. Hephästos. Das muß ich leider. Dränge mich doch nicht so sehr. Kraft. Ja, drängen will ich und dazu noch lauter schrei'n. Nach unten steige, ringe straff die Schenkel ein! Hephästos. Und schon gethan ist's, ohne viel Arbeit gethan. Kraft. Nun hämm're mächtig, nagle fest der Bande Stift; Denn der die Arbeit richtend schaut, er waltet streng! Hephästos. Zu deinem Aeußern stimmend, tönt der Zunge Laut. Kraft. Sei du der Weichling; meinen unbeugsamen Troy Und meines Herzens Härte schilt mir nimmermehr! Hephästos. Wir geh'n: denn seine Glieder all' umspannt das Nez. Kraft. Hier troke nun, entwende Göttereigenthum, Und gib's den Tagessöhnen hin! Wie können sie, Die Menschen, dieser Qualen dich erledigen? Den Vorbedachten nennen dich die Himmlischen : Wie falsch! Des Vorbedachtes ja bedarfst du selbst,Lesarten und Verwandtes, D. 86: προμηθίας. Printed p. 57 Aus diesem Kunstgewinde dich herauszuzieh'n. (Kraft, Gewalt und Hephästos ab.) Prometheus. O heil'ger Aether und o Lüfte, schnellbeschwingt, O Stromesquellen und der Meereswallungen Endloses Glanzspiel! Erde, dich Allmutter, auch, Dich, Helios' allsehend Auge, ruf' ich an: Seht, was ich hier von Göttern dulden muß, ein Gott! Schaut her, welch Leid, qualvoll, schmachvoll,Lesarten und Verwandtes, D. 93: οἵαις αἰκείαισιν. Printed p. 57Donner’s metrical appendix: all 5 page facsimiles Mich martert, mit dem Jahrtausende lang Fortkämpfen ich soll! Solch schmähliche Fess'lung sann er mir aus, Der neu sich erhob, der Unsterblichen Fürst! Ach, ach! Um das Jetzt, um das kommende Leid Wehklag' ich zumal. Wann wird jemals Der Mühsale Ziel mir erscheinen? Und doch - was sag' ich? Alles weiß ich klar voraus, Was künftig sein wird; unerwartet naht sich mir Niemals ein Leiden. Mein Verhängniß muß ich denn, So leicht ich kann, ertragen, wohl' erkenn' ich ja, Daß unbezwingbar deine Macht, Nothwendigkeit! Doch schweigen und nicht schweigen über mein Geschick, Unmöglich ist mir Beides. Weil ich Armer Heil Der Erde Söhnen brachte, trag' ich dieses Joch. Im Ferulstabe barg ich und entwandte schlau Den Quell des Himmelsfeuers, der den Sterblichen Ein Lehrer aller Künste ward, ein großer Hort. Und solche Strafen duld' ich nun für solche Schuld, In Banden angekettet hoch in freier Luft. Horch, horch! Was scholl? Welcher Duft weht von dorther unsichtbar Mich an? Von Göttern? Menschen? Oder beider Art? Kam zu dem äußersten Felsen ein Fremdling,Lesarten und Verwandtes, D. 116: ἵκετο τερμόνιον εἰς ἐπὶ πάγον. Printed p. 57 Mein Leid zu schauen? Oder was verlangt er sonst? O seht in Fesseln mich, den unglücksel'gen Gott, Mich, Zeus' Urfeind, der allen ein Gräul, Den Unsterblichen, ward, soviel' im Olymp Eingeh'n in Kronions Herrscherpalast, Weil über Gebühr ich die Menschen geliebt! Weh! Welch Rauschen vernahm, wie von Vögeln, mir nah Schon wieder mein Ohr? Lind flüstert die Luft Von der Fittige leicht hinsäuselndem Schwung. Was naht, mir weckt es ein Grausen. (Von der Meerseite her schweben auf einem Flügelwagen die Töchter des Okeanos vor den Felsen des Prometheus, und singen in abwech selndem Chorliede.) Erste Strophe. Erster Halbchor. O fürchte Nichts! Freundlichen Sinnes kam die Schaar hier Mit der Schwingen raschem Wettflug Zu den Felshöhen heran, nachdem wir Den Vater kaum flehend erweicht. Eilender Lüfte Geleit' entführt' uns. Denn dröhnend scholl Eisengeklirr In meiner Kluft heimlichsten Raum, Und trieb die Scham schreckend vom ernsten Auge: Ich eilt' unbeschuht in dem Fluggespann her, Ach, ach! Prometheus. Ihr Töchter aus Tethys' fruchtbarem Schooß, Von dem Gotte gezeugt, der wogend mit nie Einschlummernder Flut um die Erde sich wälzt, Dem Okeanosstrom, blickt auf, seht her, Wie hier ich die neidlos traurige Hut, In Bande verstrickt, an des Felsabhangs Aufstarrenden Klippen besteh'n muß ! Erste Gegenstrophe. Zweiter Halbchor. Ich seh's, Prometheus; um das Auge lagert grauend Vor Entseyen, schwer von Thränen, Ein Gewölk, daß ich in Qualen also Dich sehen muß schmachtend am Fels, Duldend die Last diamant'ner Bande ! Denn neue Herrn walten am Steu= er im Olymp, und der Kroni= de herrscht, gemäß neuem Gesek, geseklos: Das früher Gewaltige stürzt er nieder. Prometheus. O hätt' er hinab in den Hades mich Zu den Todten gestürzt, in der Tartarosnacht Unermeßliche Kluft, mit unlösbarem Band Zornvoll mich umstrickt, daß weder ein Gott Noch ein Anderer sonst frohlockte darob! Nun schweb' ich den Lüften ein Spielwerk hier, Muß dulden zur Lust für die Feinde ! Zweite Strophe. Erster Halbchor. Wo hegte solch verhärtet Herz Ein Gott, sich deines Leids zu freu'n? Wer fühlte nicht mit deiner Qual Mitleiden? Freilich außer Zeus: er zürnt und grollt; Ungebeugten Sinnes stets, Bändigt er Uranos" Stamm; nimmer rastet er, Bis sein Herz sich ersättigt hat, Oder ein listiger Arm die gewaltige Macht ihm entwindet. Prometheus. Wohl meiner dereinst, obschon er mich jetzt In die Bande gelegt, zu der Schmach mich verdammt, Er bedarf noch mein, der Unsterblichen Fürst, Zu verkündigen ihm den verborgenen Rath, Der Scepter und Herrschaft einst ihm entreißt! Nie soll er mir dann durch süßes Geschwäk, Durch Zauber des Mund's umstimmen das Herz, Nie schreckt er mich dann durch das wildeste Droh'n, Es ihm zu verkünden, bevor er mich löst Aus der grausamen Haft, und mir Buße zu thun Für die kränkende Schmach sich bequemte! Zweite Gegenstrophe. Zweiter Halbchor. Du troßest kühn, beugst selbst der Qual, Der bittern, nicht den starren Sinn, Und sprichst mit allzudreiſtem Mund. Doch mir zerreißt die Seele, tiefeinschneidend, Furcht; Denn ich beb' um dein Geschick, Wie du das Ende dereinst dieser Müh'n im Port Schauen sollst: unerreichbar stets Hegt er im Busen das Herz, unerbittlichen Sinnes, Kronion. Prometheus. Hart ist er, ich weiß, und erkennt als Gesez Nur was er will; doch wird er gewiß Sanftmüthig dereinst, Wenn also die Noth ihm gebrochen den Troy. Dann mildert er wohl sein starres Gemüth, Dann stürzt er zum Bunde, zur Freundschaft mir Sich bereit dem bereiten entgegen. Die Chorführerin. Jetzt offenbar' uns Alles und verkündige: Welch eine Schuld war's, über der dich Zeus ergriff, Daß also schmachvoll, daß so herb er dich bestraft? Verkünd' es, wenn die Rede dir nicht schmerzlich fällt. Prometheus. Mir ist es schmerzvoll auch davon zu reden nur, Schmerzvoll zu schweigen; bittres Leid ist überall. Als Groll in Götterherzen aufzuglüh'n begann, Und unter ihnen sich erhob der wilde Zwist, (Für Kronos' Sturz vom Throne rang der eine Theil, Daß Zeus hinfort gebiete, während Andere Sich mühten, daß Zeus nimmerdar ihr König sei,) Da rieth ich wohl das Beste, doch unmöglich war's, Die Titanen, Gäa's Kinder und des Uranos, Dafür zu stimmen; nein, den freundlichklugen Rath Verschmäh'n sie stolz in ihres Herzens Uebermuth, Und hoffen mühelosen Sieg in offnem Kampf. Doch hatte mehr als Einmal Mutter Themis schon, Und Gäa, reich an Namen, doch an Wesen eins, Wie's künftig kommen werde, mir geoffenbart, Daß weder Stärke noch Gewalt, daß List allein Dem Gott die Herrschaft sichre, der durch List gesiegt. Nachdem ich solches dargelegt in klarem Wort, Da hielten sie's nicht Eines kurzen Blickes werth. Das Beste nun von Allem, was mir offen stand, Schien mir, mit meiner Mutter im Verein dem Zeus Als Helfer willig beizusteh'n, dem willigen. So schließt nach meinem Rathe denn des Tartaros Schwarztiefer Schlund den altergrauen Kronos ein Sammt seinen Kampfgenossen. Also ward von mir Der Götter Fürst mit Liebesthaten überhäuft, So ward mit schnödem Danke mir von ihm gelohnt. Denn dieß Gebrechen haftet stets dem Herrscher an, Daß er den eignen Freunden nicht zu trauen wagt. Doch über eure Frage, was den Gott bewog, Mich so hinauszustoßen, geb' ich nun Bescheid. Sobald er sich auf seines Vaters Thron gesezt, Stracks theilt er Ehrenämter an die Götter aus, Dem dieses, andre jenen, und bestellt des Reichs Gewalten; nur der jammervollen Sterblichen Vergaß er völlig, ja, beschloß ihr ganz Geschlecht Zu tilgen und ein andres neues auszuzieh'n. Da widerstrebte seinem Plan Niemand als ich. Ich wagt' es muthig, ich errang's den Sterblichen, Daß nicht zerschmettert Hades' Nacht sie niederschlang. Für diese That denn beugte mich so grause Qual, Schmerzvoll zu dulden und bejammernswerth zu schau'n. Mitleid den Menschen bietend, ward ich dessen selbst Nicht werth geachtet, sondern unbarmherzig hier Am Fels gekettet, Schaugepräng, schmachvoll für Zeus. Die Chorführerin. Der hat ein Herz von Eisen, ist aus Stein gezeugt, Den, o Prometheus, deine Qual zum Mitgefühl Nicht stimmt. O hätte solches Leid mein Auge nie Gesehen: nun ich's sehe, bricht es mir das Herz! Prometheus. Ja wohl zerreißt den Freunden mein Anblick das Herz. Die Chorführerin. Du gingest doch nicht weiter, als du mir erzählt? Prometheus. Den Menschen wehrt' ich, ihr Geschick vorauszuseh'n. Die Chorführerin. Und welch ein Mittel fandest du für diese Noth? Prometheus. Die blinde Hoffnung pflanzt' ich ein in ihre Brust. Die Chorführerin. Wohl großen Segen schenktest du den Menschen da. Prometheus. Zu diesem gab ich ihnen auch das Feuer noch - Die Chorführerin. So hat des Feuers Flamme nun das Tagsgeschlecht? Prometheus. Wodurch es tausendfache Kunst erlernen wird. Die Chorführerin. Für solche Frevel also straft dich Kronos' Sohn - Prometheus. Mit Schmach und Qualen, und erlöst mich nimmerdar. Die Chorführerin. Und steht ein Ziel des Leides dir niemals bevor? Prometheus. Kein andres, keines, außer wenn es ihm gefällt. Die Chorführerin. Wenn's ihm gefällt? Was hoffst du? Sieht dein Auge nicht, Du fehltest? Wie du fehltest, das zu sagen, ist Mir keine Lust, dir Kummer. Also schweigen wir Darüber; Lösung suche nur aus deiner Qual! Prometheus. Wer sichern Fußes außerhalb des Leides steht, Mag leicht Bedrängten Lehren und Ermahnungen Ertheilen. Mir war alles dieß ganz wohlbekannt. Ich fehlte wissend, wollend, nie verläugn' ich das, Und lud, den Menschen helfend, selbst das Leid mir auf. Ich dachte freilich nimmermehr von solcher Qual Zerfleischt dahinzuwelken hier am Klippensturz, Gebannt an diesen öden, nachbarlosen Fels. Doch nicht beklagt das Leiden, das mich jetzt bedrängt: Nein, steigt hernieder und vernehmt die kommenden Geschicke, daß ihr Alles bis zum Ende schaut. Willfahret mir, willfahret, tragt mein Loos mit mir, Dem Mühbeladnen. Denn das Unglück, wirren Flugs Umschweifend, sucht heut diesen, morgen jenen heim. (Die Okeaniden steigen während des Folgenden auf den Felsboden hinab.) Der Chor. Gern thun wir, Prometheus, was dein Ruf Uns eben gebot. Leicht heb' ich den Schritt und entschwinge mich schnell Dem geflügelten Siz Und der heiligen Luft, wo der Adler sich sonnt; Ich steige herab auf den felsigen Grund; Es verlangt mich von dir Dein Schicksal ganz zu vernehmen. (Von der Meeresseite her erscheint Okeanos auf seinem geflügelten Seeroß.) Okeanos. Ich komme zu dir, o Prometheus, hier, Nachdem ich durchmaß den unendlichen Pfad : Das geflügelte Seeroß trug mich daher, Das ohne Gebiß mein Wille gelenkt. Denn wisse, mich schmerzt dein Jammergeschick. Wohl drängt mich dazu die Verwandtschaft schon, Dünkt mir; doch, seh' ich auch ab vom Geschlecht, Wo wäre von allen Göttern ein Gott Mir theurer als du? Daß wahr ich geredet, erkennst du bald; Denn schmeichelnder Trug ist ferne von mir. Auf, sage, worin ich dir beisteh'n kann; Denn du sollst mir gesteh'n, ein bewährterer Freund, Als Okeanos, werde dir nimmer! Prometheus. Ha, was erblick' ich? Kommst auch du, mein Leid zu schau'n? Wie mochtest du des gleichgenannten Stromes Quell, Wie deine Felsengrotten, die du selbst gewölbt, Verlassen, und im Mutterland des Eisens hier Erscheinen? Oder kamest du, mein Mißgeschick Selbst anzusehen, mitzufühlen meine Pein? O sieh' ein Schauspiel, siehe mich, den Freund des Zeus, Der ihm verbündet bauen half den Königsthron, Sieh', unter welchen Qualen er mich niederbeugt! Okeanos. Ich seh's, Prometheus, und du sollst den besten Rath Von mir vernehmen, bist du selbst auch vielgewandt. Erkenne dich, in neue Sitten stimme dich; Ein neuer Herrscher waltet auch im Götterkreis. Denn stößest du so trokig scharfe Reden aus, Leicht möchte Zeus dich, thront' er auch viel höher noch, Vernehmen, fürcht' ich, und der Marter Fluch, der ikt Dein Haupt getroffen, schiene dir ein bloßes Spiel. Deßhalb, o Jammervoller, laß von deinem Troy, Und nach Erlösung spähe nur aus dieser Noth. Altklug vielleicht erscheint dir meine Rede hier; Gleichwohl, Prometheus, siehst du, daß der Uebermuth Der allzustolzen Zunge solchen Lohn gewinnt. Du bist noch nicht geschmeidig, beugst dich nicht dem Schmerz, Und willst zu diesem Leide noch ein neues Leid. O füge meiner Lehre dich, und löcke nicht Dem Stachel kühn entgegen, da du siehst, wie streng Ein schrankenloser König hält den Herrscherstab. Nun aber will ich gehen, will versuchen, dich Aus dieser Qual zu lösen, wenn mir's möglich ist. Du schweige still und hemme deiner Zunge Troy. Hast du, der Ueberweise, noch nicht eingeseh'n, Daß eitel schnöder Rede folgt ein schnöder Lohn? Prometheus. Beneidenswerther, daß du bliebst aus aller Schuld, Obschon du jedes Wagestück mit mir getheilt! Nun aber laß dief, kümm're dich nicht mehr darum! Denn ihn bewegst du nimmer; Nichts beugt seinen Sinn. Sieh, daß dir selbst nur dieser Gang nicht Schaden bringt! Okeanos. Viel besser als dir selber weißt du Anderen Zu rathen; nicht die Rede nur, die That bezeugt's. Doch halte mich von meinem Gange nicht zurück! Ich hoffe ja, ich hoffe, Zeus wird mir die Gunst Gewähren, und von deinen Qualen dich befrei'n. Prometheus. Für Solches lob' ich jego dich und immerdar. Gewiß, an Freundeseifer fehlt dir's nicht: indeß Laf deine Mühe; nichtig ja, nuklos für mich, Bleibt alle Mühe, wenn du ja dich mühen willst. Nein, harre ruhig, halte dich der Sache fern. Denn wenn ich selbst auch leide, möcht' ich darum nicht, Daß Vielen gleiches Ungemach begegnete. O nein! Des Bruders Schicksal schon betrübt mich tief, Des Atlas, der im fernen Abendlande steht, Und auf den Schultern, eine schwergewalt'ge Last, Des Himmels und der Erde Säulen stüßend trägt. Den Erdensohn auch sah ich, der Kilikia's Felskluft bewohnt, und seufzte, wie das Ungethüm Mit hundert Häuptern durch Gewalt gebändigt ward, Der grimme Typhon, der den Göttern allzumal Trog bot, Verderben schnaubend aus dem grausen Schlund; Aus seinen Augen blikte wild des Feuers Glanz, Als wollt' er stürzen mit Gewalt Zeus' Herrscherthron. Ihn aber traf Kronions ewigwacher Pfeil, Der Donnerstrahl, der flammenathmend niederfuhr, Daß hochvermess'ner Prahlerei Verheißungen Zum Nichts zerstoben: mitten schlug in's Herz der Strahl, Und brach im Dampfe wilder Glut die stolze Kraft. Und nun, ein machtlos hingestreckter Riesenleib, So liegt er dort, des Meeres engem Sunde nah, Tief unter Aetna's Felsengrund hinabgedrückt: Auf hoher Kuppe sikend schlägt sein glühend Erz Hephästos. Dorther stürzen einst Glutströme sich Hernieder, und verzehren rings mit grimmem Zahn Die fruchtumglänzten Segensau'n Sikelia's. So wird Typhoeus seine Wuth in flammenden Geschossen aussprüh'n niegedämpften Glutorkans, Obwohl zur Asche durch Kronions Strahl verbrannt. Doch dir gebricht erfahrne Kunde nicht, du brauchst Nicht meines Rathes; rette dich, wie du's vermagst. Ich will das Loos ausdulden, das Zeus' Wille mir Beschieden, bis die Flamme seines Zorns erlischt. Okeanos. Du hast, Prometheus, also nicht gewußt, der Arzt Für zorneskranke Herzen sei ein gutes Wort? Prometheus. Ja, wenn zu rechter Stunde du das Herz erweichst, Und nicht gewaltsam dämpfen willst des Zornes Glut. Okeanos. Doch wenn ein theilnahmvoller Sinn vorsorgt und wagt, Welch einen Nachtheil siehst du da? Belehre mich. Prometheus. Verlorne Mühe, blöden Sinns Gutmüthigkeit. Okeanos. Verstatte mir, an dieser Krankheit krank zu sein; Gern trägt's der Wohlgesinnte, wenn er thöricht scheint. Prometheus. Die Schuld der Thorheit würde mir dann zugewälzt. Okeanos. Nach Hause weist mich offenbar dein Wort zurück. Prometheus. Daß dir das Mitleid gegen mich nicht Haß erweckt. Okeanos. Bei'm neuen Herrscher auf dem allgewalt'gen Thron? Prometheus. Vor seinem Unmuth hüte dich, ihn reize nicht! Okeanos. Mir soll, Prometheus, dein Geschick ein Warner sein. Prometheus. Auf, zeuch von hinnen, bleibe diesem Sinn getreu! Okeanos. Ich war zu geh'n gerüstet, und nun mahnst du mich. Schon streift des Aethers ebne Bahn mein Flügelroß Mit wildgeschwungnem Fittig; freudig sehnt es sich, Sein Knie zu beugen auf der Lagerstatt daheim. (Okeanos ab durch die Luft.) Chor Wechselgesang des Chores. Erste Strophe. Ich klag'um de in schmerzliches Jammergeschick, Prometheus, Und ein Strom träufelnder Zähren Aus dem zarten Auge nekt mir Mit dem feuchten Quell die Wange. Unerträglich schaltet Zeus hier Nach Gesezen eigner Willkühr, Und den alten Göttern zeigt er Uebergewaltig seinen Heerstab. Erste Gegenstrophe. Schon hallt es wehklagend umher in den Landen allen Um den Ruhm deines Geschlechtes, Um den deinen, der so groß ward In der Welten langem Alter. Ja so viel' im nahen Asien In den heil'gen Fluren wohnen, Ja sie all', um dein entseßlichLesarten und Verwandtes, D. 412: μεγαλοστόνοισι σοῖσι. Printed p. 57 Jammergeschick wehklagen alle. Zweite Strophe. Auch das Volk auf. Kolchis' Erde, Mädchen ohne Furcht in Schlachten, Auch die Skythen, deren Horde Fern am äußersten Saum der Welt Schwärmt um den See Mäotis; Zweite Gegenstrophe. Und Arabia's Heldenblüte, Und, die steilgethürmte Burgen Nah' am Kaukasos bewohnen, Wilde Schaaren, im Kampfe mit Spiziger Lanze tosend. Schlußgesang. Vordem nur Einen Gott erblickt' ich so In die Schmach diamantener Bande Gezwängt, den Atlas aus der Titanen Stamm, Der stöhnend trägt in Ewigkeiten hin Des Himmelpols unermeßliche Wucht, Gethürmt auf seine Schultern. Wild rauscht der aufgestürmten See Wogenschlag, die Tiefe seufzt, Und dumpf hallt es nach Aides' düstre Kluft, Und der heiligen Ströme rieselnder BornLesarten und Verwandtes, D. 433: ἀχνορρύτων ποταμῶν. Printed p. 57 Beklagt sein schmerzlich Leiden. Prometheus. O wähnet nicht, daß Dünkel oder Eigensinn Mich schweigen heiße; sinnend nagt mein Herz sich wund, Daß ich zu Schmach mich also muß erniedrigt seh'n. Gleichwohl die neuen Götter hier - wer sonst, als ich, Hat alle Würden, alle Macht an sie vertheilt? Doch will ich davon schweigen; denn ich sagte nur, Was euch bekannt ist: aber was am Menschen ich Verbrochen, hört, wie dieser, blöden Sinns zuvor, Durch mich des Geistes mächtig ward, durch mich bewußt. Ich sag' es nicht, die Menschen einer Schuld zu zeih'n, Nein, nur die Wohlthat meiner Gabe darzuthun. Sie sah'n mit offnen Augen einst und sahen nicht, Sie hörten, und vernahmen nicht; des eitlen Traums Gestalten ähnlich, mengten sie die lange Zeit Blindwirrend Alles, kannten nicht das sonnige Wohnhaus, erbaut von Ziegeln, nicht des Zimmrers Kunst: Sie wohnten eingegraben, wie leichtwimmelnde Ameisen, tief in sonnenloser Höhlen Nacht. Kein sichres Merkmal hatten sie, wann Winterfrost, Wann blüthereicher Frühling, wann fruchtspendender Spätsommer nahte; sonder Sinn und Kunde war Ihr Thun in Allem, bis der Sterne dunkle Bahn Ich ihnen zeigte, Niedergang und Aufersteh'n. Der Wissenschaften beste dann, die Zahlenkunst, Erfand ich ihnen, lehrte sie der Schrift Gebrauch Und Allerinnrung, jeder Kunst Erweckerin. Der Thiere Nacken spannten wir zuerst in's Joch, Dem Pflug zu dienen, und damit ich Sterblichen Der allzugroßen Bürde Wucht erleichterte, Schirrt' ich das zügelfrohe Rof dem Wagen vor, Das stolze Bild der überreichen Ueppigkeit. Des Seglers leinbeschwingtes, meerdurchirrendes Fahrzeug erfand kein Andrer außer mir allein. So schlaue Künste sann ich Unglückseliger Den Menschen aus, und selber weiß ich keinen Rath, Um mich herauszuwinden aus der schweren Noth. Die Chorführerin. Du trägst ein schmachvoll Leiden; alles Rathes bloß, Schwankst du; dem schlechten Arzte gleich, der selbst erkrankt, Verzagst du muthlos, und vermagst dir selber nicht Das Mittel auszufinden, das dich heilen kann. Prometheus. Vernimm von mir noch weiter, und du staunst noch mehr, Welch schlaue Mittel, welche Künst' ich ausgedacht. Voran das Größte: wenn sie Krankheit niederwarf, So gab es kein Heilmittel, keine Speise gab's, Noch Salben, noch Getränke; sie verkümmerten, Entrathen aller Labe, bis ich ihnen dann Angab die Mischung segenvoller Arzenei, Womit sie Krankheit aller Art bewältigen. Der Seherkunst vielfache Weisen ordnet' ich, Und schied zuerst aus, welche Traumerscheinungen Gesichte seien; Töne dann geheimen Sinns Und jedes Wegs Vorzeichen that ich ihnen kund, Bestimmte deutlich und genau krummklauiger Raubvögel Ausflug, welche rechts und welche links Glück oder Unheil künden, auch von welcher Kost Sich jeder nähre, wie sie wechselweise sich Freundschaft und Lieb' erweisen und Geselligkeit; Dann wie der Eingeweide Farb' und Glätte, wie Der Milz und Leberlappen buntgesprenkelte Gestalt den Himmelsgöttern wohlgefällig sei. Indem ich Schenkelstücke, wohlumhüllt mit Fett, Ein langes Hüftbein opfre, weis' ich Sterblichen Zur schweren Kunst die Bahnen, und erleuchtete Den Seherblick der Flamme, der sonst dunkel war. Soviel von diesem. Endlich was von Schäßen noch Den Menschen tiefverborgen ruht im Erdenschooß, Erz, Eisen, Gold und Silber, wer erkühnte sich Zu sagen, daß er dieses eh' als ich entdeckt? Niemand fürwahr, das weiß ich, wer nicht lügend prahlt. Vernimm es Alles kurzgefaßt in Einem Wort: Es schuf Prometheus alle Kunst den Sterblichen. Die Chorführerin. Du hilf hinfort nicht über Maß den Sterblichen, Um eigne Leiden unbesorgt! Ich lebe, traun, Der festen Hoffnung, daß du, frei von dieser Haft, Nicht minder mächtig schalten wirst als Zeus dereinst. Prometheus. Noch will die Allvollenderin, will Moira nicht Es so vollenden; dieser Haft entflieh' ich erst, Nachdem mich tausendfache Pein und Qual gebeugt. Kunst ist ja viel machtloser als Nothwendigkeit. Die Chorführerin. Wer führt das Steuerruder der Nothwendigkeit? Prometheus. Der Moiren Dreizahl und die Straferinnyen. Die Chorführerin. So wäre Zeus unmächtig gegen ihre Macht? Prometheus. Dem vorbestimmten Loose mag er nicht entflich'n. Die Chorführerin. Was ist das Loos Kronions, als zu herrschen stets? Prometheus. Das wirst du niemals hören, dringe nicht in mich. Die Chorführerin. Wohl ist es etwas Heil'ges, was du so verhüllst. Prometheus. O denkt auf andre Neden; noch ist nicht die Zeit, Dieß auszusprechen; nein, verbergen muß ich es So tief wie möglich; denn bewahr' ich es geheim, Werd' ich der schnöden Bande los und dieser Qual. Chor Wechſelgesang des Chores. Erste Strophe. Nimmer empöre mein Herz Zeus, des Weltalls Lenker, zu feindlichem Troye! Nimmer sei ich lässig, den Göttern zu nah'n Mit heiligen Opfern der Stiere Dort an meines Vaters Okeanos rastlosflutendem Strom! Nimmer auch frevle mein Mund! Möge das feststeh'n in mir, Und nimmerdar entschwinden! Erste Gegenstrophe. Seliger, welcher getrost Dehnen darf sein Leben in leuchtender Hoffnung, Stets die Seele weidend in wonniger Lust! Doch faßt mich ein Schauer, gewahr' ich's, Wie du dulden mußt, von unsäglicher Qual ohn' Ende verzehrt, Weil du nach eigenem Sinn, Ohne Furcht vor Zeus, zu hoch Die Menschen ehrst, Prometheus! Zweite Strophe. O wie fehlt für die Liebe die Liebe! Wer, Theurer, kann dich retten Von den Söhnen des Tags, wer steht dir bei? Du sah'st nicht, Wie die nichtige Kraft der Unmacht, Traumgestalten gleich, die Menschen, Dieß blinde Geschlecht, in Bande verstrickt hält? Nimmer vermag Zeus' ewigem Rath Der Menschen Wille vorzugreifen. Zweite Gegenstrophe. Ich erkannt' es an dir, o Prometheus, An deinem schweren Leide. O wie anders umschwebt mich dieses Lied, wie anders, Als jener Gesang, der am Brautbad Dir von uns erklang, am Brautbett, Zu der festlichen Lust, da du meine Hesione, Durch hochzeitliche Gaben verlockt, Heimführtest in der Liebe Lager! (Jo, die Tochter des Inachos, von Here in eine Kuh verwandelt, kommt heftig auf die Bühne gestürmt; die Hörner an ihrer Maske deuten ihre Ver- wandlung an.) Jo. Welch Land? Welch Volk? Wen sehen wir dort An dem Felsabhang in die Bande gezwängt, Unwettern ein Spiel? Um welches Vergeh'n Zehrt Strafe dich auf? O verkünde, wohin In die Welt ich Arme verirrte! Ach, ach! Weh, weh! Mich sticht der Wahnsinn, mich Arme, wieder! Des Erdensohns, des Argos Bild, Wehrt's ab! Hu! Grauen fast mich, Den Tausendäugigen seh' ich, meinen Hüter. Sieh, dort schleicht er her, lauernden Trug im Blick! Im Tode selbst verbirgt ihn nicht die Erde; Nein, aus des Hades Grüften Steigt er empor, und jagt Mich Arme gleich dem Wilde, scheucht mich Lechzende durch des Gestades Sand. Das wachsgefügte stimmvolle Nohr tönt mir so liebliche Schlafmelodieen zu. Weh, weh! O Graun! Wohin irrt mein Pfad, trägt in die Ferne mich hin? - Ach warum, Kronos' Sohn? Welche Schuld Fandest du denn an mir, Daß du mich kettetest an diese Qual, Mit solcher wahnsinntrunkenen Angst mich Wahn- sinnige also marterst? Senge mit Flammen, birg tief in die Erde mich, Oder im Meer gib mich dem Hai zum Raub! Ach, versage diesen Wunsch mir nicht, o Herr! Genug der Irren trieben mich Abmattend fort in die Ferne, nimmer weiß ich, wo Ich der Qual entrinne. Die Chorführerin. Hörst du der stiergehörnten Jungfrau bangen Ruf? Prometheus. Wie hört' ich nicht, die wilden Wahnsinns Stachel treibt, Die Inachide, die Kronions Herz entflammt In Lieb', und nun die endlos lange Bahn, verfolgt Vom Hasse Hera's, ruhelos durchirren muß. Jo. Wie wurde dir meines Vaters Name kund? Sage mir's, der Dulderin! Und wer, Armer, bist du selbst, Der mich Qualvolle so mit treffendem Namen nennt? Der du das Leid aussprachst, das von den Göttern mich Endlos quält, das in's Herz zehrend bohrt Stacheln rasenden Wahnsinns? Ha! In irren Sprunges stürmender Hast, gejagt Von grollender Rache Hera's, Kam ich hieher, in wildwühlenden Hungers Qual. Wer ist der Unselige, der (o Graun !) Duldet, was ich dulde? Auf, enthülle mir In klarer Rede, welches Leid Mir noch bevorsteht, zeige, wenn du kannst, den Weg, Meine Qual zu heben! O sprich, gib der unsel'gen Jungfrau Bescheid! Prometheus. Ich will dir klar enthüllen, was du hören willst, Nicht Räthselsprüche flechtend, nein, in schlichtem Wort, Sowie vor Freunden unverhüllt zu reden ziemt. Ich bin Prometheus, dem der Mensch das Feuer dankt. Jo. Du, der zum Heil erschienen allen Sterblichen, Weßhalb, Prometheus, duldest du so grause Pein? Prometheus. Nur eben hab' ich ausgeklagt um meine Noth. Jo. So wirst du meine Bitte nicht bewilligen? Prometheus. Sprich, was begehrst du? Jede Kunde geb' ich dir. Jo. Verkünde, wer an diesen Fels dich kettete. Prometheus. Des Götterherrschers Wille durch Hephästos' Arm. To. Um welche Frevel leidest du die Strafe hier? Prometheus. Soviel von mir zu hören, sei dir jetzt genug. Jo. Dann auch die Zeit verkünde mir Unglücklichen, Sprich, welche wird das Ende meiner Irren sein? Prometheus. Das nicht zu wissen frommt dir mehr, als wenn du's weißt. Jo. nicht verbirg mir, was ich doch erdulden muß. Prometheus. Ich, glaube mir's, mißgönne diese Gunst dir nicht. Jo. So zögre nicht, mir Alles offen kundzuthun. Prometheus. Nicht Neid verbeut mir's; dich zu kränken trag' ich Scheu. Jo. O sorge mein nicht weiter, als mir selbst gefällt. Prometheus. Weil du's begehrst, so muß ich reden: höre denn! Die Chorführerin. Noch nicht! Der Freude gönne mir auch einen Theil. Nach ihrem eignen Leide laßt uns fragen erst, So daß sie selbst ihr schmerzenreiches Loos erzählt; Ihr künftig Leiden höre sie von dir sodann. Prometheus. Dir ziemt es, Jo, daß du diesen Wunsch gewährst, Zumal sie doch auch Schwestern deines Vaters sind. Denn auszuweinen, auszujammern sein Geschick, Ist, wo des Mitleids Thränen dir als süße Frucht Vom Hörer winken, wohl des Weilens Mühe werth. Jo. Wohl darf ich eurem Wunsche nicht entgegen sein. Ihr sollt in klarem Worte, was ihr hören wollt, Vernehmen. Zwar mich schmerzt es, auch zu sagen nur, Woher der gottverhängte Sturm, der grause Tausch Der jungen Schönheit über mich Unsel'ge kam. Traumbilder schwebten nächtlich stets herein zu mir In meine Frauenkammer, und ermahnten mich Mit Schmeichellauten: „Mädchen, hochbeseligtes, Was willst du Jungfrau bleiben, da der Ehe Bund Dir winkt, der höchste? Zeus erglüht in Liebe dir Vom Pfeil der Sehnsucht, und verlangt Kythere's Glück Mit dir zu kosten. Du verschmähe nicht, o Kind, Des Zeus Umarmung, geh zu Lerna's tiefer Au, Nach deines Vaters Heerden und Gehöft hinaus, Damit Kronions Auge sein Verlangen stillt." Durch solche Träume ward ich Unglückselige In jeder Nacht geängstet, bis ich Muth gewann, Die Nachtgesichte meinem Vater kundzuthun. Der sandte viele Boten nach Dodona's Hain, Nach Pytho's Herd, zu forschen, wie der Götter Huld Er sich gewinne durch die That, durch welches Wort. Sie kehrten heim und brachten sinnverwirrende Aussprüch', in unlösbare Räthsel eingehüllt. Doch endlich ward dem Inachos ein heller Spruch, Der unverhüllt in klaren Worten ihm gebot, Mich auszustoßen aus der Väter Haus und Land, Daß ich verlassen irrt' am fernsten Saum der Welt; Und woll' er nicht, so zucke flammenäugiger Blikstrahl von Zeus, ganz auszutilgen sein Geschlecht. Gehorsam diesem Seherspruch des Loxias, Vertrieb der Vater sträubend mich die sträubende, Verbannte mich vom Hause; denn ihn zwang des Zeus Allmächt'ger Zügel mit Gewalt zu solcher That. Sofort verwandelt wurde mir Gestalt und Sinn: Die Stirn gehörnt, ihr seht es, durch verwirrenden Wahnsinn gestachelt, rannt' ich fort in wüthendem, Sinnlosem Sprunge zu Kerchneia's süßem Born, Zur Quelle Lerna's. Und ein Hirt, der Erde Sohn, Voll ungestümen Zornes, Argos, folgte mir Aus hundert Augen lauernd nach auf jeder Spur. Doch ihm entriß ein jähes Schicksal unverhofft Das Leben; mich treibt ohne Rast im Bremsensturm Die Göttergeißel stachelnd fort von Land zu Land. Mein Mißgeschick vernahmst du: wenn du sagen kannst, Was noch bevorsteht, melde mir's; doch schmeichle nicht Mitleidig mir mit Lügen; denn das schändlichste Der Uebel nenn' ich lügenhafter Worte Trug. Der Chor. O wehe, weh! Halt' ein, weh! Nimmer, nimmermehr wähnt' ich, daß So schmerzvolles Leid mir je dring' in's Ohr, Nie, daß so grausenhaft und unerträglich Qualen und Marter und Angst, ein zweischneidig Schwert, Eiskalt mir durchbohre das Herz! O Graun, o Graun! Schicksal, Schicksal! Wie füllt Jo's Leiden mich mit Schauder! Prometheus. Du seufzest allzufrühe, bist von Schreck erfüllt: Halt' ein, bevor du hörtest auch das Uebrige. Die Chorführerin. Sprich, laß mich hören; Kranken ist's ein süßer Troft, Was übrig noch von Leide, klar vorauszuseh'n. Prometheus. Was ihr zuvor euch wünschtet, habt ihr leicht von mir Erlangt: ihr wolltet aus der Jungfrau Munde selbst Zuerst vernehmen, welche Noth sie durchgekämpft. Das Weit're hört nun, welche Mühsal künftig noch Zu dulden Hera's schwerer Zorn ihr auferlegt. Du präge, was ich sage, Kind des Inachos, In's Herz, damit du deiner Irren Ziel erkennst. Zuerst von hier dem Sonnenaufgang zugewandt, Durchwanderst du ein ungepflügtes Ackerland. Du kommst zu Skythenhorden, die geflochtene Korbhütten hoch auf runden Wagen sich erbau'n, Mit Bogen ausgerüstet, weithintreffenden. Nicht nahe diesen, sondern eil' ihr Land vorbei, Zum meerumrauschten Felsenbord den Schritt gewandt. Sofort zur Linken wohnen dir die Chalyber, Die Eisenschmiede; hüte dich vor diesem Volk, Das ungeschlacht und Fremden unzugänglich ist. Dann kommt der Strom Hybristes, so mit Recht genannt; Nicht überschreit' ihn, bietet er doch keine Furt, Bevor du dicht zum höchsten Berge, Kaukasos, Gelangtest, wo des Stromes Ungestüm herab Vom Scheitel sprudelt. Wenn du diese Höh'n erklommst, Der Sterne Nachbarn, mußt du mittagwärts die Bahn Hinunterwandeln, wo der Amazonen Heer Du triffst, der Männerfeinde, das Thermodons Flut In Themiskyra's Auen einst umwohnen wird, Wo Salmydessos' rauhe Bucht vorstarrt in's Meer, Stiefmütterlich den Schiffen und der Schiffer Graun. Die weisen fortan liebevoll die Pfade dir. Und hart am engen Meeresthor gelangst du zum Kimmerischen Isthmos; ihn verlasse kühnes Muths, Um rasch zu steuern durch Mäotis' schmalen Sund. Groß wird im Mund der Menschen allezeit der Ruf Von deiner Fahrt sein, und nach ihr der Bosporos Genannt. Du scheidest von Europa's Erde dann, Und kommst zum Festland Asia's. Wohlan, erscheint Euch nicht der Götterkönig aller Orten gleich Grausam? Er wollte diesem Erdenweib, ein Gott, Sich liebend nah'n, und stürzte solche Qual auf sie. Fürwahr, ein schlimmer Freier warb um dich, o Kind; Denn glaube mir, die Kunden, die du jetzt vernahmst, Sind kaum ein Vorspiel dessen, was du leiden mußt. Jo. O weh mir, weh, weh! Prometheus. Schon klagst du wieder, schluchzest auf. Was wirst du thun, Wenn Kunde dir von deinem weitern Leide wird? Die Chorführerin. So hast du weit're Mühen noch ihr kundzuthun? Prometheus. Graunvoller Qualen stürmisch aufgeregtes Meer. Jo. Was frommt mir denn zu leben? Warum stürz' ich mich Nicht ungesäumt von diesem steilen Fels hinab, Daß hier am Grund zerschmettert alles Leides ich Frei würde? Besser, stürb' ich so mit Einem Mal, Als wenn ich alle Tage leid' in neuer Qual. Prometheus. Nicht leicht fürwahr ertrügst du meines Leides Last, Weil auch zu sterben mein Geschick mir nicht vergönnt; Denn Sterben überhöbe mich der Marter doch. Nun aber ist kein Ende meiner Kämpfe mir Beschieden, eh Kronion seinem Thron entstürzt. Jo. Daß Zeus vom Throne stürze, kann dies je gescheh'n? Prometheus. Du würdest, glaub' ich, diesen Sturz wohl gerne seh'n? Jo. Wie sollt' ich anders, da mir Zeus dies Leid gethan? Prometheus. So magst du wissen: also wird's wahrhaft gescheh'n. Jo. Und wer beraubt des königlichen Scepters ihn? Prometheus. Er selbst sich selbst durch eignen Nathes Unverstand. To. In welcher Weise? Sag' es, wenn's nicht Schaden bringt. Prometheus. Ein Ehebündniß schließt er, das ihn reuen wird. Jo. Mit Göttern oder Menschen? Wenn du darfst, so sprich. Prometheus. Was fragst du danach? Dies enthüllen darf ich nicht. To. Und ist's die Gattin, welche dann vom Thron ihn stürzt? Prometheus. Den Sohn gebiert sie, stärker als sein Vater Zeus. Jo. Und keine Rettung findet er aus dem Geschick? Prometheus. Niemals, bevor ich meiner Bande ledig bin. Jo. Wer wird, dem Zeus zum Troke, dich entledigen? Prometheus. Von deinen Sprossen einer ist hiezu bestimmt. Jo. Wie sagst du? Retten werde dich ein Sohn von mir? Prometheus. Der dritte deiner Sprossen nach zehn anderen. Jo. Noch ist mir unverständlich, was dein Spruch enthüllt. Prometheus. Auch spähe nun nicht ferner deinem Loose nach. Jo. Was du mir erst verheißen, nimm jetzt nicht zurück. Prometheus. Von zwei Berichten einer denn sei dir gewährt! Jo. Von welchen? Sag' es und gestatte mir die Wahl. Prometheus. Wohlan, so wähle: soll ich dir dein künftig Leid Genau berichten, oder wer mich lösen wird? Die Chorführerin. Von Beidem woll' ihr Eines, mir das Andere Gewähren: laß die Bitte nicht vergeblich sein! Ihr melde denn, welch weit'res Irrsal ihrer harrt, Mir, wer dich einst erlöse: sehnend wünsch' ich das. Prometheus. Weil ihr es wünschet, widerstreb' ich länger nicht, Und offenbar' euch Alles, was ihr wissen wollt. Erst, Jo, meld' ich deine vielbewegte Flucht; Sie schreib' in Tafeln deines Sinns getreu dir ein. Wenn du den Sund durchschwammest, der die Festen trennt, Zeuch, wo des Ostes Sonnenbahn sich flammend hebt, Hindurch die Meereswogen, bis du hingelangst Zu Gorgoneierfluren, nach Kisthene, wo Des Phorkys Töchter hausen, hochbetagte Frau'n, Drei, schwanengleich, gemeinsam Eines Auges froh Und Eines Zahnes, welche nie der Sonne Strahl Beglänzt, und nie des Mondes nächtlich Aug' erblickt; Und ihnen nah die Schwestern, drei geflügelte Gorgonen, schlangenhaarig, grimm von Menschenhaß, Bei deren Anblick jeder Hauch des Lebens stirbt. Zu deiner Hut verkünd' ich solches dir voraus. Noch andern Anblick grauser Art vernimm von mir. Hab' Acht vor jenen Greifen, Zeus' scharfzahnigen, Stimmlosen Hunden und den rossetummelnden Einäugigen Arimaspen, die des Pluto Strom Umwohnen, der in goldnem Sand die Welle rollt. Komm ihnen ja nicht nahe! Dann ein fernes Land Erreichst du, jenes schwarze Volk an Helios' Urborne, wo des Aethiops Gewässer strömt. An dessen Ufer wandre, bis du hingelangst Zum Wassersturze, wo von Byblos' Höh'n herab Des Neilos Flut den süßen heil'gen Strom ergießt. Der wird den Weg dir weisen in's dreiseitige Nilland, wo dir und deiner Kinder Stamm dereinst Die ferne Wohnung, Jo, dein Geschick bestimmt. Blieb irgend etwas dunkel dir und räthselbaft, So frage nochmals, und vernimm ein klares Wort; Denn reich're Muße ward mir, als ich wünschen mag. Die Chorführerin. Wofern du Weit'res oder Uebergangnes ihr Von ihrer drangsalvollen Fahrt zu melden hast, Sprich: doch vernahm fie Alles, dann gewähr' auch uns, Um was wir baten; wohl gedenkst du dessen noch. Prometheus. Sie hat der Irrfahrt lehtes Ziel nun ganz gehört. Und daß sie wisse, daß ich Wahrheit ihr gesagt, So will ich, was sie Schweres litt, bevor sie kam, Berichten, meinen Worten zur Bestätigung. Doch langer Nede läst'gen Schwall erspar' ich mir, Und wende mich zum Ziele deiner Irren selbst. Nachdem du kamest in Molossis' Ebenen Und an Dodona's steilgethürmte Felsenböh'n, Wo Zeus Thesprotos Tempel hat und Sehersis, Und (wunderbar!) die sprachbegabten Eichen steh'n, Die dich mit hellen Lauten und nicht räthselhaft Begrüßten als des Götterfürsten künftige Glorreiche Gattin: schmeichelt dir ein solcher Gruß? - Da, wuthgestachelt, ranntest du von dort die Bahn Am Meergestade bis zu Rhea's großer Bai, Von wo du rückwärts auf bestürmtem Pfade lenkst. Dereinst in fernen Zeiten wird die Meeresbucht Nach dir, o Jungfrau, (wiss' es!) Jobucht genannt, Den Menschen allen ein Gedächtniß deiner Fahrt. Das ist ein sichrer Zeuge dir von meinem Geist, Der Tief'res schauet als das Offenkundige. Jetzt, was noch übrig, meld' ich euch und ihr vereint, Und lenk' in meines Wortes alte Bahn zurück. Die Stadt Kanobos hebt sich an des Landes Saum, Dicht, wo der Neilos mündet, an der Ufer Damm. Dort gibt dir Zeus des Geistes alte Kraft zurück, Mit leiser Hand dich streichelnd und berührend nur. Und du gebierst den dunkelbraunen Epaphos, Von Zeus' Berührung so genannt. Ihm zinsen einst Die Gauen, die des Neilos breiter Strom benekt. Ein Stamm von diesem, der mit fünfzig Sprossen blüht, Der fünfte, kehrt nach Argos einst ungern zurück, Ein Haufe Jungfrau'n, der dem Chebund entflieht Der Stammesvettern. Diese, blind in Liebeswahn, Den Falken gleich dicht hinter Tauben hergestürmt, Erjagen sich die Frauen, - unheilvolle Jagd! Denn ihnen gönnen Götter nicht der Liebe Glück. Pelasgererde birgt sie, wann der Frauen Arm Und nächtlichlauernd kühner Zorn sie niederschlug: Die Hand der Braut gibt jedem Bräutigam den Tod, Und taucht ihr doppelschneidig Schwert in blut'gen Mord. So möge sich Kythere meinen Feinden nah'n! Nur Einer Jungfrau Busen rührt der Liebe Pfeil; Ihr Herz in süßem Sehnen schreckt vom Gattenmord Zurück, und wählt von Zweien dieses Eine sich: Schwach will sie lieber heißen, als die Mörderin. Aus ihrem Schooß wird Argos' Herrscherstamm erblüh'n. Viel Worte braucht's, um dieses deutlich darzuthun: Genug! Aus diesem Samen sproßt ein kühner Held, Der bogenstolze, welcher mich von dieser Qual Erlösen wird. So hat es meine Mutter mir Enthüllt, die graue Themis vom Titanenstamm. Doch wie und wo, zu sagen, dies braucht lange Zeit; Und wenn es dir kundwürde, frommte dir's zu nichts. O Leid, o Leid ! Jo. Wie der zuckende Schmerz, wie des Wahnsinns Wuth Mich wieder durchflammt, sein glühender Pfeil In die Seele mir bohrt! Wie das bebende Herz laut pocht an die Brust! Wild rollen im Kreis mir die Augen umher. Weit über die Bahn hin stürm' ich, entrafft Von dem Hauche der Wuth, und die Zunge gehorcht Nicht mehr, hohl schlägt mein stammelnder Laut In des Unheils grollende Brandung. (Jo stürmt von der Bühne in die Ferne hinaus; Pause.) Chor Wechselgesang des Chores. Erster Halbchor. Strophe. Weise, ja weise fürwahr ist, wer zuerst es Sinnend erwogen im Geist und laut mit der Zunge verkündigt, Daß der Ehbund zwischen den Gleichen allein glückbringend sei. Den Eh'n des Reichthums, der im Besize sich bläht, Und des Hochmuths, der sich des Stammes vermißt, Nachzugeh'n, frommt niedrer Armuth nimmermehr. Zweiter Halbchor. Gegenstrophe. Nimmer, o Mächte des Schicksals, nimmer mögt ihr Mich in den Armen des Zeus als Lagergenossin erblicken! Führe niemals einer der Himmlischen mich als Gattin heim! Mich schaudert, Jo's züchtige Mädchengestalt, Die den Gott flieht, also gemartert zu seh'n Durch des Irrsals Müh'n, die Hera's Groll ihr schuf. Schlußgesang. Ich lobe mir ein gleiches Bündniß ohne Harm : Blicke nie ein höh'rer Gott Auf mich mit unentfliehbar'm Liebesauge! Wer kämpft solchen Kampf, wer entwirrt hier den Pfad? Weiß ich dann, was mir geschähe? Nimmer könnt' ich ja vor Zeus' ewigem Rath entfliehen. Prometheus. Wohl wird sich Zeus trok seines stolzen Sinnes noch Demüthig beugen, weil er einen Ehebund Zu schließen sich bereitet, der in Dunkel ihn Vom Königsthrone niederstürzt. Dann wird gewiß Der Fluch des Vaters Kronos ganz erfüllt an ihm, Den dieser einst vom alten Throne stürzend sprach. Wie solches Unheil abzuwenden sei, vermag Der Götter keiner, außer mir, ihm kundzuthun. Ich weiß es, weiß die Mittel. Trokig mag er denn Dort oben thronen, auf den hohen Donner stolz, Umsprüht von Bligen, die sein Arm glutathmend schwingt! Denn nimmer rettet dieses ihn, daß nicht hinab Er stürzte schmachvoll unerträglich schweren Sturz. Solch einen Ringer rüstet er nun gegen sich Selbst selber aus, ein Wunder unbezwungner Kraft, Der Wetterflammen, mächt'ger als der Blik, ersinnt Und Tosen, lauter dröhnend als des Donners Hall, Der auch des Oceanes erderschütterndes Schreckniß, Poseidons dreigezackten Speer, zerschellt. Kommt dieses Unheil über ihn, dann lernt er wohl, Wie gar verschieden Sclaverei von Herrschen ist. Die Chorführerin. Traun, wie's dir einfällt, lästerst du des Kronos Sohn. Prometheus. Ja, was ich wünsche, red' ich, und was sich erfüllt. Die Chorführerin. Und dürfte Jemand hoffen, Zeus zu bändigen? Prometheus. Ihm drohen Leiden, schwerer als die meinen sind. Die Chorführerin. Wie? Bebst du nicht, so grause Drohung auszustreu'n? Prometheus. Was soll ich fürchten? Wartet mein doch nicht der Tod! Die Chorführerin. Qualvoll're Qual, denn diese, könnt' er schaffen dir. Prometheus. So mag er's thun: auf Alles stehst du mich gefaßt. Die Chorführerin. Wer sich vor Adrasteia beugt, ist weise nur. Prometheus. Verehre, flehe, schmeichle dem, der eben herrscht! Ich aber kümm're minder mich als Nichts um Zeus. Er schalte, walte, wie er will, die kurze Frist: Denn lange wird sein Götterreich doch nicht besteh'n! Doch sieh, Kronions Läufer eilt ja dort heran, Des neuen Oberherrschers unverdross'ner Knecht. Er kommt gewiß, uns etwas Neues kundzuthun. (Hermes erscheint, in der Luft schwebend, mit dem Heroldstab und Flügelschuhen.) Hermes. Dich Ueberklugen, dich in Herbheit überherb, Dich Frevler an den Göttern, der dem Tagsgeschlecht Das Schönste gab, des Feuers Räuber, red' ich an. Den Bund, von dem du prahltest, heißt der Vater dich Kundthun, der ihn vom Königsthrone stürzen soll. Und nicht in Räthsel hülle dich, nein, rede klar Und unverholen, daß du mich nicht nöthigest, Zweimal, Prometheus, herzugeh'n. Wohl siehst du ja, Daß Zeus durch solche Dinge nicht geschmeidig wird. Prometheus. Hochfahrend wohl und stolzen Uebermuthes voll Klingt deine Rede, wie's dem Götterknecht geziemt. Neu herrscht ihr Neuen, und gedenkt harmlos bereits In sichrer Burg zu wohnen. Hab' ich wirklich nicht Zwei Herrscher schon aus dieser Höhe stürzen seh'n? Den dritten, der jetzt waltet, seh' ich ihnen nach Alsbald und schmachvoll stürzen. Dünkt dir etwa gar, Die Götter fürcht' ich, beuge mich den Neulingen? Fern bin ich, allzuferne, traun, von solcher Furcht. Du gehe flugs des Weges, den du kamst, zurück; Denn Nichts von Allem, was du fragst, verkünd' ich dir. Hermes. Mit solchem Starrsinn hast du dich auch früher schon In diesen Hafen deiner Noth hineingesteu'rt. Prometheus. Für deinen Frohndienst gäb' ich mein unselig Loos, Das sei versichert, nimmermehr zum Tausche dar. Denn besser acht' ich's, diesem Fels dienstbar zu sein, Als Zeus' des Vaters treuer Knecht im Botenamt. So troßend muß man widersteh'n dem Troßenden. Hermes. Du fühlst in deiner Lage dich behaglich wohl? Prometheus. Behaglich? Könnt' ich meine Widersacher so Behaglich sehen, unter sie dich mitgezählt! Hermes. So klagst du mich auch wegen deiner Leiden an? Prometheus. Mit schlichtem Wort, den Göttern allen heg' ich Haß, Die mir für Gutes wider Recht nur Böses thun. Hermes. Ich höre wohl, kein kleiner Wahnsinn rast aus dir. Prometheus. Wenn Feinde hassen Rasen ist, so ras' ich wohl. Hermes. Du wärest unerträglich, wenn du glücklich wärst. Weh mir! Prometheus. Hermes. Dem Zeus ist dieser Ausruf unbekannt. Prometheus. Doch macht die lange graue Zeit uns Alles kund. Hermes. Und dennoch hast du weise sein noch nicht gelernt. Prometheus. Sonst hätt' ich dir, dem Knechte, wohl kein Wort gegönnt. Hermes. Es scheint, du willst nicht sagen, was dir Zeus befiehlt. Prometheus. Sein Schuldner, trüg' ich also wohl den Dank ihm ab. Hermes. Hohnreden wahrlich beutst du, wie dem Knaben, mir. Prometheus. Und bist du denn kein Knabe, ja noch thörichter, Wofern du jemals Kunde hoffst aus meinem Mund? Durch keine Marter, keine feinerdachte List Soll mich Kronion zwingen, das ihm kundzuthun, Bevor er dieser Bande Schmach von mir gelöst. So schmett're denn zur Erde seiner Blize Glut, In weißbeschwingtem Flockensturm, im Donnerhall Der Tiefen schwind'le, stürze wildverwirrt das All: Nichts wird mich beugen, daß ich ihm verkündigte, Wer ihn dereinst von seinem Throne stürzen soll! Hermes. Erwäge doch, ob das zu deinem Heile dient. Prometheus. Erwogen, festbeschlossen ward dies Alles längst. Hermes. Gewinn' es endlich, endlich über dich, o Thor, Zu deinem Jammerloose rechtgesinnt zu sein! Prometheus. Du quälst mich fruchtlos, wie zur Woge redest du. Nie komme dir zu Sinne, daß ich je vor Zeus' Nathschlüssen weibisch fürchtend mich entwürdige, Und ihn beschwöre, diesen allverhaßten Gott, Die Hände flehend ausgestreckt nach Frauenart, Die Bande mir zu lösen. Das sei ferne mir! Hermes. Ich rede viel und rede, scheint es, ganz umsonst. Denn meine Bitten rühren nicht, erweichen nicht Dein Herz; den Zaum zerknirschend, gleich dem jungen Roß, Und wild dich bäumend, bietest du dem Zügel Trok. Indef in machtlos eitlem Wahn erhebst du dich. Denn Troy, mit klugem Sinne nicht gepaart, vermag Niemals zu siegen, auf sich selbst allein gestellt. Bedenke, wenn du meinen Rath achtlos verschmähst, Welch Ungewitter, welches Weh's graunvolle Flut Dich unentfliehbar fassen wird. Zeus wird zuerst Mit Donnerschlägen und des Wetterstrahles Keil Den schroffen Abhang splittern hier, und deinen Leib In Nacht begraben, dichtumrankt vom Felsenarm. Und hast du langer Zeiten Lauf vollendet dort, So steigst du wieder an das Licht. Dann wird des Zeus Beschwingter Hund, sein blutigrother Adler, dir Giervoll zerfleischen deines Leibs ein großes Stück, Ein Gast, der ungeladen kommt an jedem Tag, Mit deiner Leber schwarzem Raub sich sättigend. Und hoffe nicht, das Ende solcher Pein zu schau'n, Bevor ein Gott als Stellvertreter deiner Qual Erscheint, bereit, in Hades' düstres Haus hinab Zu geh'n, in sonnenlose Nacht des Tartaros. Nun magst du dich entschließen; nicht ersonnen ja War diese Drohung, sondern sehr im Ernst gemeint; Denn Nichts von Lügenreden weiß der Mund des Zeus; Nein, jedes seiner Worte wird zur That. So sieh Umher und überlege dir's, und achte nie Den kecken Troß für besser als Besonnenheit. Die Chorführerin. Uns dünkt des Hermes warnend Wort zu rechter Zeit Gesprochen; denn er mahnt dich, abzusteh'n vom Trok, Und nachzugehen weisen Raths Besonnenheit. So folg' ihm! Unrecht handeln bringt dem Weisen Schmach. Prometheus. Wohl wußt' ich zuvor um die Kunden bereits, Die dieser enthüllt: doch erduldet der Feind Unbilden vom Feind, so beschimpft es ihn nicht. So schmettre herab zweizackig auf mich Der geschlängelte Bliz, und es zittre die Luft Von des Donners Getos' und der zuckenden Wuth Des empörten Orkans, und der Erd' Abgrund Mit den Wurzeln zugleich durchschütt're der Sturm! Und das wogende Meer, hoch schlag' es empor In tobendem Schwall, wo die himmlischen Stern' Hinwandeln die Bahn; in die finstere Kluft, In den Tartaros, stürze hinab mein Leib, Von des Schicksals wirbelndem Strudel entrafft: Doch mich wird er nimmer vernichten! Hermes. Wohl kündet sich hier in Entschlüssen und Wort, So spricht sich schwindelnder Wahnsinn aus. Was mangelt ihm noch zu dem äußersten Wahn, Wenn er also sich bläht? Was fehlte zur Wuth? (zu dem Chor) Ihr Jungfrau'n, die voll Mitleid ihr Euch härmt um des Mann's qualvolles Geschick, Flugs hebt euch weg aus diesem Gebiet, Daß euch nicht schwinden die Sinne, betäubt Von dem schrecklichen Brüllen des Donners! Der Chor. Gib anderen Rath, sprich anders zu mir, Und ich folge gewiß; wohl sträubt sich das Herz, Zu gehorsamen dem, was du eben gebotst. Was rufst du mich auf zu so niedriger That? Gern duld' ich mit ihm das verhängte Geschick. Denn ich habe Verrath tief hassen gelernt, Und weiß kein Gift, Das mehr mich erfüllte mit Abscheu. Hermes. Wohl denn, so gedenkt, was ich warnend gesagt: Und wenn euch erjagt des Verhängnisses Fluch, Klagt nicht das Geschick an, sagt niemals, Daß Kronos' Sohn euch, eh' ihr's gedacht, In's Verderben gestürzt. Nein wahrlich, ihr selbst, Ihr verderbt euch selbst: bald flechtet ihr euch, Nicht plöglich verlockt, nicht heimlich umgarnt, Mit sehendem Aug' in's unendliche Nez Des Geschicks durch eigenen Wahnsinn. (Hermed entfernt sich; gewaltiges Tosen in der Luft, verbunden mit Erdbeben.) Prometheus. Schon wird es zur That, es erfüllt sich das Wort: Auf schüttert der Grund, Und der Donner in dumpf nachhallendem Schlag Brüllt laut, und es zuckt in geschlängelten Loh'n Aufflammend der Blik; hoch jagen den Staub Sturmwirbel empor, und alle zumal Wild jagen die Wind', in feindlichem Hauch Mit des Aufruhrs Wuth auf einander gestürzt; Und der Aether vermählt sich der wogenden See. So stürzt das Gericht, von Kronion gesandt, Mich schreckend mit Grau'n, sichtbar auf mich. O heilige Mutter, o Aether, du, Der das Licht hinrollt, das Alles durchdringt, Ihr seht, was ich dulde mit Unrecht! (Prometheus sinkt mit dem Felsen in den Abgrund.)