Seven Against Thebes — Donner (1854), OCR review edition Aeschylus Johann Jakob Christian Donner OCR cleanup, verse reconstruction, and passage alignment; further proofreading required Editorial processing with Codex

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Aeschylos. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. J. J. C. Donner. Stuttgart: Hoffmann, 1854.Harvard PDF of both volumes aeschylus-donner-hvd-hn62cq-1788873992.txt aeschylus-donner-nyp-33433082192794-1788873945.txt

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Scene. Die Burg von Thebä mit der Aussicht auf die Stadt und die Um- gegend, umgeben von Altären und Statuen der Götter, namentlich der Pallas Athene, des Poseidon mit erhobenem Dreizack, des Ares und der Aphrodite, des Apollon und der Artemis. Thebisches Volk drängt sich zur Versammlung, und füllt die Thymele mit den anstoßenden Räumen. Eteokles mit seinem Gefolge tritt aus dem Burgthore. Eteokles. Ihr Kadmosbürger, reden muß das Treffende,OCR review edition. D. numbers are Donner’s own citations; alignment gives containing Smyth passages. Cleanup inventory, both OCR copies and unattributed notes Wer, wach für seines Volkes Wohl, das Ruder lenkt Am Bord des Staates, nie das Aug' in Schlaf gewiegt. Denn sind wir glücklich, wissen wir's den Göttern Dank; Doch wenn ein Leid uns träfe, - mög' es nie gescheh'n! - Dann würde durch die ganze Stadt Eteokles nur Vielfach von alles Volkes weithinſchallendem Wehklageruf gefeiert: Zeus der Schüßende, Treu seinem Namen, wende dies von Kadmos' Stadt! Auf, Bürger alle, wer zu voller Manneskraft Noch nicht gereift ist oder wer bereits ergraut, Pflegt eures Leibes, stählet ihn zu frischer That, Voll regen Eifers alle, wie's die Pflicht gebeut, Die Stadt zu schirmen und der Landesgötter Herd, Daß ihrer Ehren Sterne niemals untergeh'n, Auch Söhn' und Mutter Erde, die uns hold gepflegt! Denn als ihr, klein noch, spieltet auf dem weichen Grund, Hat sie der Kindespflege Last all' über sich Genommen, hat zu schildbewehrten Bürgern euch Erzogen, daß ihr rüstig wärt zu solchem Dienst. Bis diesen Tag nun neigte sich ein Gott zu uns. Denn sind wir auch belagert schon die lange Zeit, Gewährten gute Götter uns doch meist den Sieg. Doch, wie der Seher heute sprach, der Vögel Wart, Der, ohne Flammenzeichen, nur mit Geist und Ohr Der Vögel Schicksalsfluge lauscht voll weiser Kunst, - Er, solcher Sprüche Meister, that uns heute kund, Das Heer Achäa's habe sich zahlreich zu Nacht Gesammelt, und bedrohe Kadmos' Stadt mit Sturm. Drum auf die Mauerzinnen, an die Thorbastei'n Eilt alle, stürmt in voller Rüstung all' hinaus, Besekt die Brustwehr, stellet auf die Platten euch Der Thurmeshöhen, an den Thorausgängen harrt Getrostes Muthes, zaget nicht in banger Angst Vor diesem Fremdlingsschwarme: wohl vollbringt's ein Gott! Kundschafter sandt' ich, Späher in das Heer hinaus, Und die verfehlen sicher nicht des Weges Ziel. Wenn sie mir Kunde bringen, fängt mich keine List. (Das bewaffnete Volk entfernt sich nach der Stadtseite. Nachher tritt ein Bote ein von der Seite der Fremde.) Der Bote. Eteokles, edler Herrscher im Kadmeiervolk, Wahrhafte Botschaft bring' ich aus dem Heere dir; Ein Augenzeuge, sah ich selbst, was dort geschah, Wie sieben Heeresfürsten, kampfgewaltige, Stieropfer weihten über schwarzumwundnem Schild, Und dann die Hände tauchend in der Stiere Blut, Bei Ares und Enyo, bei'm mordtrunknen Gott Des Schreckens schwuren, Kadmos' Felsenburg in Staub Zu stürzen, auszutilgen durch Gewalt die Stadt, Wo nicht, im Tod zu tränken dieses Land mit Blut. Und Angedenken hingen ste, als Todesmal Daheim den Aeltern, an Adrastos' Wagen auf, Stillweinend; keine Klage scholl aus ihrem Mund. Denn eisenherzig glüht' in Mannesmuth die Brust, Wildschnaubend, gleich den Löwen, die Mord sprüh'n im Blick. Und ihre Drohung zögert nicht, wird schnelle That. Denn als ich fortging, loosten sie, auf welches Thor Ein jeder stürme, durch des Zufalls Wurf bestimmt. So stelle du den besten Männerkern der Stadt An alle Thorausgänge hin und säume nicht; Denn nahe schon, in voller Rüstung, stürmt heran, Staubwirbelnd, Argos' Kriegesheer; der Rosse Schaum, Weiß aus den Nüstern tropfend, neht das Feld umher. Du schirme, gleich des Schiffes klugem Steuermann, Die Stadt, bevor hernieder zuckt des Krieges Sturm; Denn mächtig brüllt der Heere Landeswoge schon. Erhasche jetzt den rechten Augenblick im Flug! Mein Auge wird als treuer Tageswächter dir Auch fürder dienen; und genau belehrt von dem, Was draußen vorgeht, bleibst du frei von Ungemach. (geht ab.). Eteokles. O Zeus, o Erde, dieser Stadt Schukgötter ihr, Erinnys meines Vaters, hochgewalt'ger Fluch! O laßt sie nicht mit allen Wurzeln ausgetilgt, Die Kadmosveste, fallen durch des Feindes Arm, Die Hellas' Laute redet, sammt des Hauses Herd! O laßt die freien Fluren hier und Kadmos' Stadt Vom Sklavenjoche nimmerdar bewältigen! Helft, rettet! Beiden, euch und uns, frommt mein Gebet; Denn eine Stadt im Glücke preist die Götter auch. (Der König geht ab. Nach einer Weile kommt von der Seite der Heimat der Chor der Jungfrauen.) Erste Jungfrau des Chores. Ich klag' um graunvolles Leid!Donner’s metrical appendix: all 10 page facsimiles Heran stürmt das Heer, dort aus den Zelten brach's, Vorauf zahllos hier wälzt sich ein Reiterstrom: Der Staub, himmelan wölkend, bezeugt es uns, Ein sprachloser, untrüglicher Bote, laut! Zweite. Aus dem Schlaf schreckt Getös, von dem Husschlag im Gefild In's Ohr dröhnend; horch, es fliegt, braust heran, Dem Strom gleich, der unhemmbar vom Berge tost. Dritte. O weh, Götter, weh, Göttinnen! Scheucht hinweg, Wehrt das entbrannte Leid! Vierte. Wider die Mauern wogt, von Glanzschilden hell, Das Volk kampfsbereit mit Schlachtruf daher, Auf die Stadt zu stürzen. Fünfte. Ha, wer rettet uns? Wo schirmt uns ein Gott, Welche der Götterfrau'n? Sechste. Schwestern, vor welchem Bild der Ewigen wers' ich mich flehend hin? Siebente. O hört, Götter auf hohem Thron! Zeit ist es, euer Bild Fromm zu umfahn. Warum säumen in solcher Angst? (Sie werfen sich nach einander vor den auf der Bühne aufgestellten Götterstatuen nieder.) Achte. Hört ihr Geräusch von Schilden, oder hört ihr's nicht? Mit Festkleid und Kranz Wann, wenn nicht jetzt, flehen wir die Götter an? Neunte. Geräusch, Geklirr zahlloser Speere hör' ich wohl. Was thust du? So gäbst du, Des Land's alter Hort, dein Land, Ares, hin? Zehnte. Gottheit in goldnem Helme, schau, o schau die Stadt, Die du dir voll Lieb' auserkorst! Eilfte. Schußgötter dieses Landes ihr, Auf, auf, alle, Blickt auf der Jungfrau'n schuhflehende Schaar, o wehrt Die Knechtschaft von ihr! Zwölfte. Denn die Stadt umrauscht ein Meer von Ares' Hauch Männer, umwogt vom Helmbusche Brandend emporgeschwellt! Erste Jungfrau. Auf, Allvater Zeus, Herr des Alls, Wend' ab, den Fall wend' ab von diesen Mauern! Zweite. Denn rings wird Kadmos' Burg von Argos' Schaaren umdroht, vom Graun der Mordwaffen rings! Schauerlich klirrt der Zaum, fesselnd der Rosse Maul,Lesarten und Verwandtes, D. 115: διάδετοί τε δὴ γένυος ἱππίας κινύρονται φόνον χαλινοί. Printed p. 119 Klirrt grausenvollen Mord entgegen. Dritte. O schau, sieben Heerfürsten, im Lanzenschwung, Im Wehrschmucke stolz leuchtend, vertheilten sich Dem Loos nach auf die sieben Thore. Vierte. Tochter Kronions du, Pallas, der Schlachten froh, Rette die Stadt aus Noth, und du, hoch zu Roß Waltender Meeresfürst, Der den Trident, Fische jagend, wirft, Poseidon, Löse mein armes Herz, lös' es von schwerer Angft! Fünfte. Auch du, Ares, ach! schirme des Kadmos Stadt, Und wache sichtbar über ihr, und rette! Sechste. Du Kypris, unseres Stammes Mutter, Hilf, hilf! Deines Bluts Sprößlinge sind wir ja; Siehe, zu deinem Bild nahen wir uns, und fleh'n In demuthvollem Gottvertrauen.Lesarten und Verwandtes, D. 130: αὐτοῦσαι πελαζόμεσθα. Printed p. 119 Siebente. Und Wolfsmörder du, ein Wolfsmörder sei Dem Heer meiner Feinde: vernimm den Angstruf!Lesarten und Verwandtes, D. 132: στόνων αἴσας. Printed p. 119 Auch du, Letogeborne Jungfrau, Rüste dein Geschoß nun, Artemis, Holde! Weh! Achte. Der Kriegsräder Hall rauscht um die Stadt heran: Heilige Hera! Ha, wie die Nabe kracht unter der Achse Last! Sausend von Speergeklirr rasen die Lüfte drein. Neunte. O was umdroht die Stadt? Wehe, was wird aus ihr? Wohin lenkt ihr ein Gott das Ziel? Zehnte. Hoch an die Zinnen prallt ein Steinregen auf: Ha! Theurer Apollon! Eilfte. Wild an den Thoren hallt eherner Schilde Klang. Zwölfte. Aus Zeus' Händen falle, Schlachtenentscheidend, ein heiliges Siegesloos! Selige Göttin Onka, du vor den Mauern, hilf, Errette der sieben Thore Stadt! Erster Halbchor. Strophe. Gottheiten, allwaltende! Auf, Götter, auf, Götterfrau'n, dieses Lands, Dieser Burg starker Hort! Gebt nicht die speerumstürmte Stadt Hin an fremdredend Volk! Höret die Jungfrau'n, hört, wie sie gerecht empor Fleh'n mit erhobner Hand! Zweiter Halbchor. Gegenstrophe. O theure Schußgötter, ihr Zu treuer Hut dieser Stadt zugesellt, Zeigt, wie ihr liebt die Stadt!Lesarten und Verwandtes, D. 158: δείξαθ’ ὡς φιλοπτόλεις. Printed p. 119 Mitleidig schaut die Tempel an, Sendet mitleidig Schuß!Lesarten und Verwandtes, D. 160: μελόμενοι δ’ ἀκέσαστε. Printed p. 119 Seid mir der opferreichen Orgien eingedenk, Welche die Stadt euch weiht! (Der König, aus der Stadt zurückkehrend, tritt auf.) Eteokles. Euch, Weiber, frag' ich, unerträgliches Gezücht, Dient das zum Besten, schafft es Wohlgedeih'n der Stadt Und Muth dem Kriegerheere, das der Feind umschloß, So vor den Heimatgöttern hier in Staub gestürzt, Zu schrei'n, zu jammern, ihr dem weisen Mann ein Graun? Niemals im Unglück, noch im holden Schein des Glücks, Sei ich in Einem Hause mit dem Frauenvolk! Denn sind sie oben, ist ihr Troß nicht auszusteh'n; Im Leide sind sie größres Leid für Haus und Stadt. Und jetzt in wildverworr'ner Flucht euch dort und hier Umtreibend, weckt ihr feige Furcht im Volk umher. Dem Feinde draußen leistet ihr den besten Dienst, Und wir vernichten drinnen uns durch eigne Schuld. Das hat davon zum Lohne, wer mit Frauen lebt. Doch wer sich frevelnd meinem Wort entgegenstellt, Frau'n oder Männer oder wer es immer sei, Gesprochen werde wider ihn der Todesspruch, Der Steinigung des Volkes soll er nicht entgeh'n! Dem Manne, nicht dem Weibe, liegt zu sorgen ob, Was außen vorgeht: schade sie nur innen nicht! Sprech' ich zu Tauben? Hört ihr oder hört ihr nicht? Der Chor. Erste Strophe. O du, des Oedipus theuerer Sohn, mit Graun Vernahm ich der heranrasselnden Wagen Gedröhn, Als die räderumrollende Nabe scholl, Als am stetswachen Steuer das Gebiß der Nosse klang, Am flammengebornen Zügel. Eteokles. Wie? Rettet wohl der Schiffer, der vom Steuer weg Zum Vorderdecke flüchtet, sich vom Untergang, Wenn ringend auf der Meeresflut umtreibt der Kiel ? Der Chor. Erste Gegenstrophe. Hin zu den alten Bildsäulen der Himmlischen Eilt' ich vertrauenvoll, als der empörte Sturm Graus und verderbenschwer unter den Thoren scholl; Aufgeschreckt wandt' ich da mich an die Götter im Gebet, Hold über die Stadt zu wachen. Eteokles. Fleht, daß der Thurm uns decke vor des Feindes Speer! Der Chor. Das ruht in Götterhänden. Eteokles. Doch die Götter selbst Entweichen, sagt man, aus der eingenommnen Stadt.Lesarten und Verwandtes, D. 199: αὐτῆς ἅλωσις. Printed p. 119 Der Chor. Zweite Strophe. Nimmer, so lange mir leuchtet des Lebens Licht, Weiche der Götter Chor von hier, nimmermehr Mög' ich die Burg erstürmt, nimmer mein Volk versengt Schau'n von der feindlichen Flamme Glut! Eteokles. Die Götter rufend, schaffe mein Verderben nicht! Denn nur Gehorsam ist des allerrettenden Wohlstandes Vater: das bedeut' ich dir, o Frau. Der Chor. Zweite Gegenstrophe. Doch weit höher ragt, höher der Götter Macht; Oft, in der Zeit der Noth, wann dem Verzweifelnden Ueber das Auge schwer hingen die Wolken, sie Hebt ihn empor aus des Unglücks Nacht. Eteokles. Dem Manne ziemt es, frommer Opfergabe Zoll Den Göttern darzubringen, wenn die Feinde droh'n; Dir ziemt zu schweigen und zu harren still daheim. Der Chor. Dritte Strophe. Nur mit der Götter Huld bleiben wir unbesiegt, Wehren der Feinde Schwarm schirmende Mauern ab. Was ergrimmt der Tadel drob? Eteokles. Nicht wehren will ich's, daß du fromm die Götter ehrst; Nur, daß du nicht den Bürgern feige Furcht erweckst, Verharre ruhig, zage nicht in banger Angst. Der Chor. Dritte Gegenstrophe. Als ich des Kampfes wildtosenden Sturm vernahm, Floh ich in scheuer Furcht zitternd die Höh'n heran, Nach der Burg ehrwürd'gem Siz. Eteokles. Wird euch von Todten Kunde, von Verwundeten, Kommt nicht mit lautem Klageruf herangestürmt; Denn also weidet Ares sich an Menschenblut. Der Chor. Der Rosse wildes Schnauben hör' ich nahe schon. Eteokles. Nun, wenn du's hörst, nicht allzudeutlich höre mir's. Der Chor. Es stöhnt von Grund auf Kadmos' Stadt, vom Feind umgarnt. Eteokles. Und euch genügt nicht, daß sie steht in meiner Hut? Der Chor. Mir bangt: das Kampfgetöse vor den Thoren wächst. Eteokles. So schweige still doch, sage nichts der Stadt davon! Der Chor. Ihr Götter alle, gebet nicht die Burg dahin! Eteokles. Verwünschte, wirst du deinen Mund nicht bändigen? Der Chor. Ihr Götter Thebä's, nicht in Knechtschaft stoßet mich! Eteokles. Ihr selbst bereitet Knechtschaft euch, der Stadt und mir. Der Chor. Allmächt'ger Zeus, wend' auf die Feinde dein Geschoß! Eteokles. Zeus, die Frauen, welch Geschlecht erschufest du! Der Chor. Elend wie Männer, deren Stadt der Feind erstürmt! Eteokles. Schon wieder böse Worte vor der Götter Bild? Der Chor. Mir reißt der Unmacht feige Furcht die Zunge hin. Eteokles. Um Eines bitt' ich, schenke mir die kleine Gunst. Der Chor. Gleich, ohne Säumen sag' es, und gleich weiß ich es. Eteokles. Still schweige, Thörin, treibe nicht das Volk in Angst. Der Chor. Ich schweige, mit den Andern duld' ich mein Geschick. Eteokles. Ich nehme dies Wort lieber als die frühern an. Und nun verlaßt die Götterbilder und erfleht Das Bess're, daß die Götter uns Mitstreiter sei'n. Und sprach ich meine Bitten aus, dann stimme du Zur Sühne heiligen Festgesang den Göttern an, Den Weihgesang der Opfer nach Hellenenbrauch, Des Muths Erwecker, daß du bannst des Krieges Furcht. Euch, meines Landes Göttern, euch stadtschirmenden, Des Feldes Hütern und des Markt's, und dir, o Born Dirka's, Ismenos' Fluten, euch gelob' ich laut:Lesarten und Verwandtes, D. 254: ὕδασί τ’ Ἰσμηνῷ. Printed p. 119 Wenn Alles wohlging und die Stadt gerettet ward, So röth' ich euren Opferherd mit Lammesblut, Und weihe Farrenopfer euch, ihr Ewigen, Und pflanze Siegeszeichen auf, und kränze rings Mit kühnerstritt'nem Feindesraub das Heiligthum. So flehe du die Götter ohne Seufzerlaut Und nicht mit eiteln, wilden Angstausrufen an: Nicht mehr ja deßhalb wirst du deinem Loos entflieh'n. Ich wähle mir sechs Männer, ich der siebente, Die wider unsre Feinde steh'n mit großer Kraft, Und theile sie den sieben Thorausgängen zu, Eh' ungestümer Boten raschbeschwingtes Wort Sich naht, und ängstend zündet bei des Dranges Noth. Chor Wechſelgesang des Chores. Erste Strophe. (ab.) Ich will's; doch Furcht läßt den Geist nimmer ruh'n, Und des Herzens Nachbarin, die Sorge, Weckt die Glut der Schrecken. Um Wall und Thor stürmt der Feind; Ich zitt're, wie Tauben bang Um ihre Brut zittern, wann neben ihr Drachen sich Drohend im Nest gelagert. Denn dort wider die Thurmhöh'n Strömt wildflutend ein Heerstrom An. Was fürcht' ich und hoff' ich? Hier prallt wider die Meinen, Ringsum Alles zerschmetternd, Hagel kantiger Steine. Wie ihr vermögt, Götter, Geschlecht von Zeus,Lesarten und Verwandtes, D. 281: παντὶ τρόπῳ, διογενεῖς θεοί. Printed p. 119 Beschirmt Stadt und Volk, Schüßt das Geschlecht des Kadmos! Erste Gegenstrophe. In welches Land könnt ihr zieh'n, schöner, als Dieses Land? O laßt sie nicht dem Feinde,Lesarten und Verwandtes, D. 285: [Unresolved transcription; compare the scan.] τὰςδ’ ἀρείοι’, ἐξαρέντες ἐχθροῖς. Printed p. 119 Diese Segensauen, Und Dirke's Born, dessen Trunk Erfrischt, wie kein andrer sonst, So viel der Meerherrscher aussendet, der rings das Land Gürtet, und Tethys' Töchter! Auf denn, schügende Götter Der Stadt, sendet dem Feinde Vor der Burg des Verderbens Fluch, der Waffen und Männer Mordend rafft, und erstreitet Siegesehre den Meinen! Rettet die Stadt, wahret den alten Sik, Der lautklagenden Bitte das Ohr erschließend! Zweite Strophe. O Leid, stürzte die ehrwürdige Stadt In den Hades hinab, Beute des Speeres, Dienstbar, düsterer Asche Raub, Nach göttlichem Rath schmählich vertilgt Unter der Macht Achäa's, Würden die Frau'n weggeschleppt in Knechtschaft, Alle, jung und alte, Gleich Kampfrossen am Haar, Ihr hinflatternd Gewand rings zerfest! Weit hallt umher die menschenöde Stadt, Wenn der Entführten Geschrei sterbend sich mischt: Vor solch graunvollem Loose beb' ich. Zweite Gegenstrophe. O Leid, zöge die Braut, eben erblüht, Vor der Feier der frischpflückenden Brautnacht Weg vom Haus den verhaßten Weg! Was sag' ich es noch? Glücklicher ist, Welchen der Tod entraffte! Vieles ja muß, wenn der Feind die Stadt nahm, Grauses muß sie dulden: Ringsum schaltet Gewalt, Und Mord wüthet, und Brand lodert auf. Geschwärzt vom Nauche qualmt die ganze Stadt; Völkervertilgend in Wuth, schnaubt er herein, Verunreint fromme Stätten, Ares. Dritte Strophe. Dumpf in den Gassen Aufruhr: Die Stadt umzäunt ein Thurmwall. Dem Mann sinkt der Mann, sterbend von der Lanze Stoß. Blutaufröchelndes Wimmern Sterbender Säuglinge stöhnt, Die man der Brust entrissen. Wüstes Schweifen, wilder Naub verschwistern sich: Auf den Plünd'rer stößt der Plünd'rer, Und der Leere ruft dem Leeren, Will zum Raubgenossen ihn; Doch das Mind're, doch das Gleiche wünscht er nicht. Und nun - auf welches Schicksal hoffen wir? Dritte Gegenstrophe. Jegliche Frucht des Feldes, Zerstreut am Grund, verkümmert, Und wehmüthig blickt, härmet sich die Schaffnerin. Auch viel Gaben der Erde Nafst durcheinandergewühlt Nichtige Flut von dannen. Und die neuen Mägde, die der Speer gewann, Dulden ungewohnte Schmerzen Auf des stolzen Siegers Lager. So in Feindes Händen bleibt Eine Hoffnung nur: die Todesnacht erscheint, Des schwermuthvollen Leides Löserin. Führerin des ersten Halbchors. Seht dort, der Späher, irr' ich nicht, ihr Lieben, bringt Uns eine neue Kunde vom Argeierheer; Er schwingt der Füße raschen Schritt, dem Rade gleich. Führerin des zweiten Halbchors. Und auch der Herrscher, Dedipus' erhabner Sohn, Kommt hier, des Boten neue Mähr zu hören, selbst; Auch er beschleunigt seinen Schritt in raschem Schwung. (Von der Seite der Heimat tritt Eteokles mit großem kriegerischem Gefolge ein, von der anderen kommt der Bote.) Der Bote. Wohlunterrichtet meld' ich, was beim Feind geschah, Und welches Thor die Loose Jedem zugetheilt. Schon wüthet Tydeus ungescheut an Prötos' Thor; Doch läßt Ismenos' Wellen ihn der Seher nicht Durchschreiten, weil das Opfer ihm nicht günstig sei. Er aber, rasend und entbrannt von Kampfeslust, Tobt gleich dem Drachen, den die Mittagsglut entflammt, Und schilt und schmäht den Seher, Dikles' weisen Sohn, Er schmeichle feigen Sinnes Tod und Kampf hinweg. So ruft er, schüttelt seinen dreifachschattenden Roßschweif, des Helmes Mähnen, und an seinem Schild Tönt graus Entsehen erzgetriebner Glocken Klang. In seines Schildes Felde prangt ein stolzes Bild: Das sternumflammte Himmelsrund, kunstreich geprägt. Der klare Vollmond, aller Sterne schönster, strahlt Im Mittelpunkt, das Auge schwarzer Nacht, hervor. So kühn in stolzem Waffenschmuck sich blähend, tobt Tydeus am Stromgestade, heiß von Kampfeslust, Gleichwie das Streitroß seinen Zaum anschnaubt und schäumt, Wenn's auf der Schlachtdrommete Ruf zornglühend harrt. Wen stellst du dem entgegen? Wer verbürgt das Thor Des Prötos dir zu decken, wenn der Riegel sprang? Eteokles. Ich zittre nie vor eines Kriegers Waffenschmuck, Und keine Wunden schlagen mir die Bilderei'n, Noch riken Busch und Klingel, wo die Lanze fehlt. Und jene Nacht, die, lichter Himmelssterne voll, Auf seinem Schilde funkelt, wie du meldetest, Leicht mag prophetisch werden ihm der Unverstand. Denn wenn die Nacht des Todes ihm auf's Auge sinkt, Dann wird dem Wappenträger wohl dies stolze Bild Wahrhaft und allem Rechte nach ein Bild der Nacht; Sich selber hat er solche Schmach vorhergesagt. Ich will dem Tydeus Astakos' geprief'nen Sohn Entgegenstellen, vorzusteh'n des Thores Hut, Den hochgebornen Helden, der den Thron der Scheu Demüthig ehrt und eitle Prahlereien haßt. Langsam zu Schlechtem, flieht er doch die feige That. Von jenem Saatvolk, das des Ares Wuth verschont, Entstammt, erwuchs, ein ächter Sprosse dieser Flur, Melanippos; Ares würfelt und entscheidet selbst. Ihn treibt des Blutes heilig Recht zum Kampf hinaus, Sein Mutterland zu schirmen vor der Feinde Speer. (Melanippos geht mit einem Theile des Gefolges ab.) Erster Halbchor. Erste Strophe. Gewährt, Götter, Ihm, der vorkämpft für uns, Des Siegs Ehre; denn gerecht zieht er aus Zum Schuß dieser Stadt! Und doch bebt mein Herz, Zu schau'n der Streiter blut'gen Tod, Die für die Freunde sterben. Der Bote. O gäben ihm die Götter, wie du flehst, den Sieg! - Nach ihm erlooste Kapaneus Elektra's Thor, Der andre Riese, größer als der erste noch; Sein kühner Troy sinnt über Menschenkraft hinaus. Er droht den Mauern Arges: wend' ein Gott es ab! Denn ob die Götter wollen oder nicht, er will Die Stadt zerstören, rust er; nicht Zeus' Rachestrahl, Herab zur Erde schmetternd, hemme seinen Gang. Der Blize Flammen und des Donnerkeils Geschoß, Die schäßt er nur der heißen Mittagssonne gleich. Ein nackter Feuerträger prangt auf seinem Schild, In dessen Hand die helle Fackel flammt; er rust In goldner Inschrift: „Brennen muß durch mich die Stadt!" Mit solchem Streiter, sage mir, wer kämpft mit ihm? Wer wird des Prahlers kühnen Troß furchtlos besteh'n? Eteokles. Aus dem Gewinn des Feindes sproßt Gewinn für uns. Denn wider eiteln Uebermuth der Menschen tritt Der eigne Mund ein wahrer Selbstankläger auf. So droht in Waffen Kapaneus, bereit zu thun, Was er, die Götter höhnend und voll eitler Lust Die freche Zunge spornend, er, ein Sterblicher, In wilder Wortflut wider Zeus zum Himmel schickt. Ich weiß gewiß, ihn wird der feuerathmende Blisstrahl mit Recht ereilen, den er nimmer dann Der heißen Mittagssonne Strahl vergleichen wird. Ihm tritt entgegen, prahlt er auch voll Ungestüm, Von Heldenmuthe glühend, Polyphontes' Macht, Ein sich'res Bollwerk dieser Stadt durch Artemis' Huldvollen Beistand und der andern Götter Hut. Nenn' einen Andern, der ein andres Thor erloost. (Polyphontes geht mit einem Theile des Gefolges ab.) Zweiter Halbchor. Erste Gegenstrophe. Ha, Tod ihm, der uns so zu bedrohen wagt! Des Glutstrahls Geschoß hemme des Frevlers Fuß, Eh er in's Haus mir stürmt, in's Jungfrau'ngemach, Und aus der stillen Kammer mich Treibt mit verruchter Lanze! Der Bote. Nun will ich weiter sagen, wer das nächste Thor Vom Loos empfing. Eteoklos als dem dritten sprang Aus umgeschwungnem Eisenhelm das dritte Loos, Auf Neïs' Thor zu werfen seine Kriegerschaar. In weiten Kreisen tummelt er sein Roßgespann, Das, wild am Zaume knirschend, auf die Pforte stürzt. Die Maulgeflechte zischen laut in grausem Ton, Vom Troß der Nüsternhauche rings mit Schaum bedeckt. Kunstreich mit Wappenbildern ist sein Schild geschmückt: Auf hoher Leiter Sprossen klimmt ein Mann in Wehr Hinan zum Feindesthurme, den er stürmen will; In goldner Inschrift Zeichen ruft auch dieser stolz, Vom Thurme stürz' ihn selber nicht der Schlachtengott. Ihm sende gleichfalls Einen, der mit starkem Arm Das Joch der Knechtschaft wehren mag von dieser Stadt. Eteokles. Ich möchte den nun senden, und mit gutem Glück! (Er deutet auf Megareus, der sich auf diesen Wink mit einem Theile des Gefolges entfernt.) Er ist gesandt schon, dessen Stolz im Arme wohnt, Der Sohn des Kreon, Megareus, vom Saatgeschlecht, Der, nicht geschreckt von wilder Rosse schnaubendem Gewieher, muthig aus dem Thore ziehen wird, Und sterbend seinem Mutterland die Schuld bezahlt, Wo nicht, die Männer beide sammt des Schildes Burg Bezwingt und seines Vaters Haus mit Beute kränzt. Nenn' einen andern Prahler, und verbing mir Nichts! Erster Halbchor. Zweite Strophe. Laut fleh' ich: Ihn kränze des Sieges Glück, Der meinen erd kämpfend schirmt; den Feind treffe Fluch! Wie sie mit stolzem Wort wider die Stadt in wahn= sinnigem Muthe sich brüsten, Strafe sie Zeus, der Vergelter, zürnend! Der Bote. Ein vierter Heerfürst, der am Nachbarthor gebeut Der Pallas Onka, stürmt heran mit Donnerlaut: Es ist der kühne Riesenwuchs Hippomedons. Ich sah deu weiten Sonnenhof, des Schildes Nund, Ihn schwingen, und mir graute: frei bekenn' ich es. Ein nicht gemeiner Künstler war der Bildner, traun, Der solch ein Kunstwerk eingeäßt auf seinen Schild : Den Typhon, der glutathmend aus weitoffnem Mund Den schwarzen Qualm, des Feuers flücht'gen Bruder, sprüht; Mit vielgewundnen Schlangen ist der runde Saum Des hochgewölbten Schildes ringsumher bedeckt. Er hebt den Schlachtruf, und von Ares trunken stürzt Er sich zum Kampfe, gleich Thyaden, Tod im Blick. Wo solche Männer kämpfen, ziemt's vorsichtig sein; Denn grauser Schrecken brüstet sich am Thore schon. Eteokles. Zuerst wird Onka Pallas, die, dem Thore nah, Die Stadt behütet, zürnend auf des Mannes Troy, Von ihrem Volk ihn wehren, wie des Drachen Grimm; Dann ward in Denops' hohem Sohn, Hyperbios, Ein Mann erkoren wider diesen Mann, der hier Im Kampf des Schicksals sein Geschick erproben will, Ein Held, in Kriegsmuth und Gestalt und Waffenschmuck Untadlich. Hermes paarte sie geschickt zum Kampf. Denn feindlich gegenüber tritt der Mann dem Mann, Und auf den Schilden tragen sie feindselige Gottheiten, der des Typhon feuerathmend Bild, Und auf Hyperbios' Schilde thront der Vater Zeus Emporgerichtet, dessen Hand den Bliy entflammt. Doch sah im Kampfe Keiner noch den Zeus besiegt, Und für Hyperbios möge nach des Bildes Sinn Als Retter Zeus erstehen, der im Schilde prangt! (Hyperbios entfernt sich mit einem Theile des Gefolges.) Zweiter Halbchor. Zweite Gegenstrophe. Der Stolze dort, der den verhaften Feind Des Zeus im Schild trägt, das Graun, in Erdklüften tief Hausend, ein Gräuelbild sterblichen Menschen und Ewigen Göttern, - am Thore Wird er, ich hoffe, das Haupt zerschellen. Der Bote. So mög' es enden! Höre nun vom Fünften auch, Der dort am fünften Thore herrscht, dem nördlichen, Zunächst Amphions Grabe, der von Zeus entsprof. Er schwört bei seiner Lanze, die vertrauend er Mehr als die Gottheit, höher als sein Auge liebt, In Staub zu stürzen Kadmos' Burg, dem Zeus zum Trok. So ruft er laut, der bergefrohen Mutter Sohn Mit holdem Angesichte, kaum zum Mann erblüht. Die Wang' umschattet eben ihm der zarte Flaum, Des ersten Jugendlenzes dichtaufkeimend Haar. Doch kühnen Muths, nicht seines Namens Sinn gemäß Jungfräulichsanft, nein, wilden Auges steht er da. In stolzem Prunke schreitet er zum Thor heran : Er schwingt der Kadmosveste Schmach auf seinem Schild, Der erzgetriebnen, rundgewölbten Wehr der Brust, Kunstreich mit Nägeln angefügt, das Bild der Sphinx, Der blutgenährten, glänzendhell in Erz erhöht. Sie hält in Krallen einen Mann aus Kadmos' Volk, Daß ihn vor allen treffen muß der Pfeile Wurf. Fürwahr, er zog zu Felde, nicht mit Söldnermuth, Und nicht der weiten Heeresfahrt zur Schande. Nein, Parthenopãos aus Arkadia trägt als Held Der zweiten Heimat Argos ab des Dankes Schuld, Unheil der Veste drohend; wehr' ein Gott es ab! Eteokles. Wenn, was sie drohen, ihnen selbst die Götter doch Für ihre freveln Prahlerei'n zuwendeten : Sie würden schmachvoll, grausenvoll zu Grunde geh'n! Hier stellt sich auch dem Kämpfer aus Arkadia Ein Mann: er prahlt nicht, seine Hand kennt Thaten nur, Aktor, der Bruder dessen, der jetzt eben ging. Nie wird er dulden, daß die Zunge sonder Damm In unsre Thore flutet und den Jammer mehrt, Noch daß er eindringt, welcher auf dem Feindesschild Das Zeichen trägt des allverhaften Ungethüms. Nein, draußen wendet ihren Zorn auf ihn die Sphinx, Wenn dichtes Speergerassel sie am Thor umschwirrt. Mein Wort bewährt sich, wenn's der Götter Wille fügt. (Aktor ab mit einem Theile des Gefolges.) Erster Halbchor. Dritte Strophe. Das Wort schneidet mir in's Herz tief hinein, Und vor Entseken sträubt wild sich das Haar empor, Da der ruchlose Troy der Troker Mir in die Ohren schallt. Daß die Götter sie Tilgten in Kadmos' Lande! Der Bote. Als sechsten Führer nenn' ich ihn, den weisesten, Muthvollsten Mann, den Seher Amphiaraos, dir. *545 Er hat an Homolois' Thor sich aufgestellt. Den hohen Tydeus lästert er und schmäht ihn laut, Nennt Menschenmörder, seiner Stadt Zerstörer ihn, Der Uebel ärgsten Meister im Argeiervolk, Der Rachegöttin Schergen und des Mordes Knecht, Der alles Leid ersonnen, das Adrastos that. Darauf zum Unglückssohne, deinem Bruder, Herr, Zu Polyneikes richtet er das Aug' empor, Und rückte seines Namens unheilvollen Sinn Ihm vor, und diese Rede scholl aus seinem Mund : „Ja, solche That ist wohlgefällig Göttern auch, Und hochbewundert, hochgerühmt von Enkeln einst, Die Stadt der Ahnen und der Heimatgötter Herd Zu tilgen, stürmend im Geleit des fremden Heers! Wer löschte wohl der Mutter Lebensquell mit Recht? Und deine Heimat, unterjocht von deiner Wuth, Wie könnte sie an deiner Seite steh'n im Kampf? Ich aber dünge diesen Grund mit meinem Blut, Ein Seher, hingebettet unter feindlich Land. Zum Kampfe stürz' ich, hoffe nicht ruhmlosen Tod!" So rief der Seher, seinen Schild von blankem Erz Voll Nuhe schwingend, dessen Rund kein Zeichen trug. Denn nicht der Beste scheinen, nein, er will es sein; Er ärntet Frucht aus tiefen Furchen seiner Brust, Aus welchen ihm bewährten Rathes Fülle sprießt. Ihm sende weise Kämpfer und entschlossene: Denn furchtbar ist ein Gegner, der die Götter ehrt. Eteokles. Ha, welch ein Unglücksvogel, der dem biedern Mann Die gottvergess'nen Frevler als Genossen gab! Denn aller Dinge schlimmstes ist Genossenschaft Mit Schlimmen, - unheilvolle Frucht, nicht sammelnswerth! Und auf des Lasters Felde sprießt als Frucht der Tod. Und wenn der frommgesinnte Mann Ein Schiff bestieg Mit rohem Schiffsvolk, ungestümer Frevlerbrut, Schlingt sammt den Gottverworfnen ihn die Flut hinab. Und wenn ein Edler unter Gottvergessenen, Die kühn das Gastrecht schänden, als Mitbürger lebt; Umgarnt von gleichem Neke dann, erliegt auch er Erzürnter Götter Geißelschlag, der alle trifft. So wird der hohe Seher auch, des Oikles Sohn, Ein weiser, edler, tapfrer, frommgesinnter Mann, Der große Schicksalsdeuter, weil er Frevlern sich, Den zungenfrechen, seinem Sinn zum Troy gesellt, Die Kadmos' Stadt auf dieser weiten Fahrt sich nah'n, — Er wird mit ihnen, will es Zeus, hinabgerafft. Zwar glaub' ich, wagt er keinen Sturm auf jenes Thor, Nicht weil er muthlos oder feigen Sinnes ist, Nein, weil er einsteht, daß er fallen muß im Kampf, Wenn nicht die Seherstimme trügt des Loxias, Der Wahres meldet oder stumm den Mund verschließt. Doch stell' ich ihm auch einen Mann, den Lasthenes, Den Fremdlingsfeind, entgegen als des Thores Hut, Der frisch in Jugendfülle blüht, an Geist ein Greis, Blipschnellen Auges, dessen Hand, stets kampfbereit, Das nackte Schwert von schildbewehrter Hüfte reißt. Doch Götterhuld ist's, krönt das Glück die Sterblichen. (Lasthenes ab mit einem Theile des Gefolges.) Zweiter Halbchor. Dritte Gegenstrophe. Erhört, Götter, uns, erfüllt gnadenvoll, Was wir gerecht erfleh'n: krönet mit Glück die Stadt! Grausen Kampf's Ungewitter wendet Wider den Feind! O Zeus, hoch hinab vom Wall Wirf, mit dem Blige tilg' ihn! Der Bote. Den Lezten dort am legten Thore nenn' ich nun, Dein eigner Bruder ist es: höre, welches Loos Er laut verwünschend niederfleht auf Kadmos' Stadt! Er will die Burg erklimmen, und nachdem er dann, Erklärt zum Herrscher, angestimmt den Siegsgesang, Im Doppelkampf dich tödtend Tod von deiner Hand Empfangen, oder lebst du, dich, der schmählich ihn Verbannt, verbannend strafen durch die gleiche Schmach. So droht er laut, Polyneikes, und die heimischen Gottheiten seines Stammes ruft er flehend an, Auf seine Bitten gnadereich herabzuschau'n. Er trägt ein Schild von Erze, neu und schöngewölbt; Ein doppelt Wappenzeichen glänzt in seinem Feld. Denn einen Mann in goldgetriebnem Waffenschmuck Führt tugendsambescheiden eine Frau daher; Und diese nennt sich Dike, wie die Schrift bezeugt: „Heimführen will ich diesen Mann, er soll die Stadt Bestyen und des Vaterhauses alte Macht!" So haben sich's die fremden Führer ausgedacht. Du selbst erwäge jezo, wen du senden willst. Mich sollst du niemals schelten um mein Botenamt; Doch du bedenke, wie du lenkst des Landes Schiff. (geht ab.) Eteokles. Du Gräuel allen Göttern, gottverblendeter Und allbeweinter, grimmer Stamm des Oedipus! Weh mir, des Vaters Flüche sind am Ziele nun! Doch keine Seufzer ziemen hier, kein Klagelaut, Daß nicht der Gram fortzeuge, thränenreicher noch. Und Polyneikes, Haderreich mit Recht genannt, Bald wird sich zeigen, wohinaus sein Wappen zielt, Ob ihn zurückführt jene Schrift, in Gold geprägt, Die, seinen Wahnwik kündend, auf dem Schilde prahlt. Ja, wenn die hohe Dike, Zeus' jungfräulich Kind, Zu That und Nath ihm hülfe, möcht' es etwa sein. Doch weder als er dunklem Mutterschooß entfloh, Noch als er aufwuchs, oder als er Jüngling ward, Noch als des Kinnes dichter Flaum sich sammelte, Hat Dike sein geachtet und ihn angeblickt; Auch jeho bei des Vaterlandes Ungemach Wird ihm die Göttin nimmermehr zur Seite steh'n. Denn wahrlich, arge Lüge wär' ihr Name dann, „Des Rechtes Göttin", liehe ste dem Frechen Schuß! Darauf vertrauend geh' ich hin und trete selbst Ihm gegenüber: wer vermag's mit größ'rem Recht? Der Fürst dem Fürsten, Bruder meinem Bruder, Feind Tret' ich dem Feind entgegen. Bringt mir ungesäumt Speer, Doppelschienen und des Pfeil's Abwehr, den Schild! Die Chorführerin. O werde, liebster, bester Sohn des Oedipus, Ihm, der so schlimmen Namen trägt, nicht gleich an Wuth! Daß Kadmos' Söhne wider Argos' Volk zum Kampf Auszieh'n, genügt wohl; sühnen läßt sich solches Blut. Doch, Herr, von Bruderhänden Tod durch Wechselmord, So schauervolle Sünde tilgt niemals die Zeit. Eteokles. Ja, wenn man Unglück ohne Schmach erduldete, Sei's immer; denn im Tode bleibt allein Gewinn; Doch Leid, gepaart mit Schande, rühmst du nimmermehr! Erster Halbchor. Erste Strophe. Und du beharrst, o Kind? Daß dich im Zorne doch Des Kampfs wilde Lust nicht fortreiße! Nein, Tilg' im Beginn die Mordgier! Eteokles. Weil doch zum Ausgang ungestüm hindrängt ein Gott, So fahre Lajos' ganzes Haus, von Phöbos' Haß Verfolgt, Kokytos' düstre Flut im Sturm hinab! Zweiter Halbchor. Erste Gegenstrophe. Wildes Verlangen treibt dich in ergrimmtem Muth Zur fruchtbittern That, treibt zu des Brudermords Nimmer gesühnter Blutschuld! Eteokles. Der feindlich unheilvolle Fluch des Vaters schwebt Mit hohlem Auge thränenlos um mich, und ruft, Gewinn vor spätrem Tode sei der früh're Tod. Erster Halbchor. Zweite Strophe. Eile doch nicht so sehr! Nicht seig nennt man dich, Wenn du das Leben wahrst. Die Nachgöttin tritt, Von Sturmnacht umgraut, nicht in das Haus, in dem Opfer empfah'n die Götter. Eteokles. Die Götter dachten lange schon nicht unser mehr; Nur Eines, unser Untergang, ist ihre Lust; Was also sucht' ich flehend noch den Tod zu flieh'n? Zweiter Halbchor. Zweite Gegenstrophe. Fliehe den Tod; denn noch steht es in deiner Macht, Und der erzürnte Gott wandelt vielleicht den Sinn Endlich und naht mit sanftwehendem Hauche; jetzt Wettert er noch und wüthet. Eteokles. Ja, stürmisch wüthen Oedipus' Verfluchungen, Und allzuwahr sind meines Traumes nächtliche Gesichte, die des Vaters altes Reich vertheilt. Die Chorführerin. Uns Frauen folge, liebst du gleich die Frauen nicht. Eteokles. Verlange, was mir möglich ist, und sag' es kurz. Die Chorführerin. Geh nicht den Weg, Herr, nicht zum siebten Thor der Stadt! Eteokles. Nie stumpft des Muthes Schneide, traun, dein Wort mir ab. Die Chorführerin. Doch ehrt den Sieg, auch ohne Tapferkeit, ein Gott. Eteokles. Ein Krieger hat an solchen Worten keine Lust. Die Chorführerin. So willst du denn vergießen deines Bruders Blut? Eteokles. Verhängt's ein Gott, entflieht er seinem Leide nicht. (Eteokles mit dem Gefolge ab.) Chor Wechselgesang des Chores. Erste Strophe. Mir graut: die stammtilgende Göttin, Die den Göttern nicht Verwandte, Sie, des Leids wahre Prophetin, Von des Vaters Fluch beschworen, Sie erscheint, Dedipus' wahnsinnigen, zornschnaubenden Fluch führt sie hinaus; Brudervertilgender Zwist erweckt sie. Erste Gegenstrophe. Die Loose dort würfelt ein Fremdling, Aus der Skythen Lande kam er, Des Gebiets roher Vertheiler, Der ergrimmte Stahl, der Mörder; Er verloost heimischen Lands jedem soviel, als ihm genügt, fiel er im Kampf, Wann ihm das größere Reich entschwunden. Zweite Strophe. Wenn Brudermord Beide nun Todt in den Staub streckte, die Brüder, Wenn dann die Heimaterde trank Den schwarzdunklen Strom, ihr Todesblut: Wer böte Sühnopfer dar, Wer wüsche sie rein von Schuld? O dieses Hauses neue Noth, Altem Leide zugesellt! Zweite Gegenstrophe. Der schweren Schuld alter Zeit Denk' ich, da schnell büßte der Frevler; Doch herrscht sie fort in's dritte Glied. Es bot Lajos Phöbos' Worte Troy, Das dreimal einst warnend ihm Aus Pytho's Erdmitte dort Entgegenscholl: nur kinderlos Sterbend, rett' er Haus und Stadt. Dritte Strophe. Bethört dann durch die Lust im Unverstand, Erzeugt' er sich selbst das Verderben, Den Sohn, der den Vater erschlägt, Der auf ungeweihtes Saatland, aus dem er selbst entsproß, Kühn die blutigen Wurzeln Gepflanzt. Die verblendeten Gatten Einte wilder Wahnsinn. Dritte Gegenstrophe. Ein Meer, wälzt er des Leides Flut heran; Da sinkt sie, da thürmt sie sich dreifach, Schwillt, bis sie zuleht um der Stadt Steuerbord emporschlägt. Im Mittel schirmt nur kurze Frist Uns im Kampfe die Mauer. Ich fürchte, zugleich mit den Herrschern Fällt die Stadt im Sturme. Vierte Strophe. Denn, ach! jetzt reift der altverhängte Fluch, Ja, graunvoll erfüllt er sich: Der Sturm, der aufsteigt, zieht nicht spurlos hin. Vom Bord hinab versinkt das Glück Der erfindsamen Menschen, Wenn es zu sehr sich häufte. Vierte Gegenstrophe. Denn wer ward so von Göttern hochgeehrt, Von Mitbürgern und dem Volk, Das reichgesegnet blüht' in stolzem Glück, Als Oedipus in jener Zeit, Da die Brut er vertilgte, Räuberin tapf'rer Männer? Fünfte Strophe. Doch kaum sah er ein, Der Arme, welch unsel'gen Bund Er schloß, da trug er nicht den Schmerz; Rasend verübte die Hand Des Vatermörders zwei Frevel: er blendete was sein Auge, Theurer ihm war, als ein Kind Fünfte Gegenstrophe. Und lud bittern Fluch, Zornschweren, auf der Söhne Haupt, Ach, weil er sie gezeugt: um's Reich Sollten sie loosen dereinst Mit stahlbewehrtem Arm! Grauen erfaßt mich: die schnell Schreitende Rachgöttin, jetzt erfüllt sie's! (Der Bote kehrt von draußen zurück.) Der Bote. Getrost, o Jungfrau'n, ihr der Mütter süße Lust! Dem Sklavenjoch entronnen ist die Theberstadt; Zusammen sank der Feinde stolzer Troy in Nichts. Auf stillem Meere schifft die Stadt, von grimmer Flut Empörtem Wogenschlage drang kein Wasser ein. Rings deckt die Mauer, und die Pforten wahrten wir Mit Heldenkämpfern, wohlbewährt in mancher Schlacht. Sechs Thore stehen unversehrt in bestem Stand; Nur dort das siebte wählte sich der Siebenfürst, Der hochgewalt'ge Phöbos, der an Oedipus' Geschlechte Lajos' alten Fluch vollendete. Der Chor. Welch neues Leid brach zürnend auf die Stadt herein? Der Bote. Die Stadt, sie ist gerettet; doch das Brüderpaar - Der Chor. Wer? Was vernahm ich? Mich betäubt das Schreckenswort. Der Bote. Sei ruhig, höre ruhig: Oedipus' Geschlecht - Der Chor. Ich Arme, weh mir! Dieses Leid errieth ich schon. Der Bote. Ihr Blut, im Wechselmorde trank's der Erde Grund. Der Chor. So kam es dahin? Schaudervoll! Doch weiter, sprich! Der Bote. Die Männer fielen, schlugen sich mit eigner Hand. Der Chor. So traf von Bruderhänden sie graunvoller Tod! Der Bote. Kein Zweifel bleibt mehr: Beide todt, dem Staub vermählt! Der Chor. So nahm derselbe finstre Geist die Beiden hin! Der Bote. Er selbst vertilgte dieses unglücksel'ge Haus. Darüber mag man jubeln und wehklagen auch: Gerettet, frei ward unsre Stadt, doch ihre Herrn, Die beiden Führer, theilten mit dem Skythenstahl, Dem schwergediegnen, ihres Reichs Gesammtbesiy. Nicht weiter Land wird ihnen, als ihr Grab bedeckt, Nachdem des Vaters grauser Fluch sie hingerafft. (ab.) Der Chor. O gewaltiger Zeus und o Schirmer der Stadt, Ihr Unsterblichen, hier für Kadmos' Burg Als Hüter bestellt! Wie? Soll ich mich freu'n und jubl' ich der Stadt Leidwendendem Retter den Dank zu? Ach, oder bewein' ich der Feldherrn Loos, Die kindlos starben im Leide? Die wahrhaft nun, wie der Name verhieß, An Zwietracht reich, Austilgt ruchlose Verblendung? Strophe. Finstrer Fluch, der sich vollendet Am Geschlecht des Oedipus! Eiskalter Schauder strömt mir um die bange Brust: Den Grabgesang heb' ich an, Gleich einer Thyas, nun mein Ohr Den blutigen unglückseligen Tod Vernommen. Ha, kein Segen, daß Lanze hier auf Lanze traf! Gegenstrophe. Nicht verhallte, klar erfüllte Sich des Vaters grauser Fluch! Fort wirkte Lajos' starrer unbeugsamer Sinn. Und meine Sorg' endet nie, Der Götter Sprüche leben fort. Ihr Vielbeweinten thatet, ach! Das Unerhörte: thränenreich Kam ein unaussprechlich Leid. (Die Leichen der gefallenen Brüder werden in ernstem Trauerzuge auf die Bühne gebracht.) Schlußgesang. Hier naht es sichtbar; offen liegt des Boten Wort: Zwiesache Trauer, doppelt Weh, muthvoll verübt Im Wechselmord, zwiefaches Schicksal, blutig hier Erfüllt! Wie nenn' ich's? Leides Leid, gehäuft auf dieses Hauses Herd! Mädchen, wohlan! Laßt im Sturm der Klagen Um euer Haupt des Gramgeleites Ruderschlag Mitrauschen, der dem schwarzumflorten Trauerkahn Stets folgt, dem jammerreichen, durch den Acheron Zum Lande, das Apollon flieht, das sonnenlos Alles in ewige Nacht hinabschlingt! (Antigone und Ismene kommen, tief in Trauergewande gehüllt, aus dem Palaste.) Die Chorführerin. Doch es nahen sich ja zu der schmerzlichen Pflicht Antigone dort und Ismene vereint, Zu dem Klagegesang um die Brüder; gewiß, Bald jammert ein voll ausklagender Schmerz Aus lieblicher, tiefaufwallender Brust. Uns aber geziemt, vor der Schwestern Gesang Der Erinnyen trostloshallendes Lied Und dem Gotte der Nacht Wildklagende Hymnen zu singen. Leid! (Die beiden Leichen sind vor der Bühnentreppe niedergesetzt; die Schwe- stern sind an sie hingetreten, und sitzen während des folgenden Chorgesanges Antigone bei der Leiche des Polyneikes, Ismene an der Seite des Eteokles.) Der ganze Chor. Ihr Schwestern, von Gram, wie Keine, gebeugt, Die das schöne Gewand mit dem Gürtel umschlingt! Laut seufz' ich empor, und es weint unverstellt Aus innerster Brust mir die Wehmuth. Erster Halbchor. O Graun! Ihr Unsinnigen, Der Freunde Rath unfolgsam, ungeschreckt vom Leid, Des Vaters Haus nahmt ihr Unseligen ein im Speerkampf! Zweiter Halbchor. Unselig gewiß! Unseliger Tod Ward ihnen im Sturz des Geschlechtes ! Erster Halbchor. O Graun, o Graun! Räuber ihr Des Fürstenhauses, gierig nur nach bitterer Alleingewalt, jetzt entschied zwischen euch der Mordstahl! Zweiter Halbchor. Ja, wahrhaft hat sie des Dedipus Fluch Vollendet, die Macht der Erinnys. Erster Halbchor. Die Brust links durchbohrten Beide sich - Zweiter Halbchor. Ja, Beide durchbohrten sich Mit Bruderhand Bruderbrust. Erster Halbchor. Weh, unseliges Paar! Weh, weh, Flüche zu blutigem Wechselmord! Zweiter Halbchor. Du sprichst vom Todesstoß, Der ihr Geschlecht, der zugleich sie selber traf In unnennbarer Wuth Durch Zwietracht, die der Fluch Des Vaters verhängte. Erster Halbchor. Die Wehklage hallt die Stadt hindurch. Zweiter Halbchor. Es klagt die Burg, weithin klagt Die Freundesflur; fremder Hand Fällt der Besiz anheim, Erster Halbchor. Um den Hader und Haß, Um den über die Unseligen kam der Tod. Zweiter Halbchor. Im Zorn aufflammend theilten sie das Gut, Beiden ward ein gleiches Loos. Dem Schiedsmann zollen wir, Die Freunde, keinen Preis, Keinen Dank dem Ares. Erster Halbchor. Von Stahles Schlag liegen sie getroffen, Von Stahles Schlag wartet auf die Beiden Du wirst vielleicht fragen, was? Der Vatergruft herbes Loos. Zweiter Halbchor. In ihres Stamms Klagen hallt tiefer Wehruf Des herzschneidenden Grams, über den Jammer seufzend, Bitteren Muths, freudeverwaist, weinend aus tiesinnerster Brust, Daß mir das Herz, jammer' ich so, Brechend vergeht über die Fürsten beide. Erster Halbchor. Wohl darf ich anklagen diese Armen; Sie häuften viel Jammers auf die Bürger Und auf des Feinds ganzes Heer, Das Schaar um Schaar sank im Streit. Zweiter Halbchor. Wohl war sie, die euch geboren, Der Frau'n allerunseligste, die Kinder im Schooße trugen, Sie, die den Sohn, den sie gebar, nahm zum Gemahl, Söhne dem Sohn zeugte, die solch blutigen Tod fanden im Kampf, Bruder von Bruders Händen! Erster Halbchor. Ja Bruderhand, liebelos zerfleischend, gab Ihnen graunvollen Tod Im wildlodernden Zwift: Also zerrann die Zwietracht! Zweiter Halbchor. Der Haß ruht nun; in blut'ger Erde Floß Beider Lebensblut In Ein's, ganz sind sie Eines Blutes. Ein strenger Kampfschlichter war der pontische, Heißer Glut entstürmte Fremdling, Der scharfe Stahl, streng des Erbes Theiler auch, Der Schlachtengott, der im Zorn Des Vaters Fluch grausenvoll bewährte. Erster Halbchor. Ihr Theil am Leid, welches Zeus verhängte, fiel, Ach! den Unsel'gen zu: Unter den Leichen hinab Dehnt sich ihr Reich ohn' Ende. Zweiter Halbchor. O Graun! Zahllos mit Jammerblüten Kränzten sie dieses Haus. Zulegt erhoben noch die Flüche Des Siegesrufs hellsten Laut, Da ganz entlaubt niedersank der Heldenstamm. Der Ate Siegzeichen steht am Thor erhöht, An dem das Paar blutend sank; Nach Beider Sturz wich der grause Dämon. (Der eine Halbchor stellt sich nun auf die Seite der Antigone um Die Leiche des Polyneikes, während der andere sich zu Ismene um die Leiche des Eteokles stellt.) Antigone. Getroffen trafft du! Ismene. Mordend sankst du todt dahin! Antigone. Erschlugst mit Speere! Ismene. Sankst vom Speere! Antigone. Leidbringend du! Ismene. Leidduldend du! Antigone. Da liegst du, der Mörder! Ismene. Da liegst du gemordet! Antigone. Ihr Klagen, strömt! Ismene. Ihr Thränen, fließt! Antigone. Rasend tobt im Schmerz die Seele. Ismene. Tief im Busen seufzt das Herz. Antigone. Weh dir, Beweinenswerther, dir! Ismene. Auch dir, dem Jammervollsten, weh! Antigone. Du sankst von Bruders Hand! Ismene. Des Bruders Mörder du! Antigone. Zwiefaches Leid! Ismene. Zwiefache Klage! Antigone. Und solchem Jammer steh'n wir nah Ismene. Wir Schwestern um die Brüder hier! Der Chor. O Moira, drangsalvolle Leidesspenderin! Heiliger Schatte des Dedipus! Fluchgeist der Nächte, wahrlich groß ist deine Macht! Antigone. Wehe! Ismene. Wehe! Antigone. Welches Jammers bittern Anblick - Ismene. Antigone. Zeigt' er wiederkehrend uns! Und kam, ihn mordend, nicht zur Stadt - Ismene. Heimkehrend haucht' er aus das Leben! Antigone. Er haucht' es aus, ach! Ismene. Und entriß es diesem hier! Antigone. Unselig Haus! Ismene. Unselig Leid! Antigone. O jammervolles Brüderpaar - Ismene. Vom Gräul des Zweikampfs triefend noch! Antigone. Ein Graun dem Wort! Ismene. Ein Graun dem Blick! Der Chor. O Moira, drangsalvolle Leidesspenderin! Heiliger Schatte des Oedipus! Fluchgeist der Nächte, wahrlich groß ist deine Macht! Antigone. Das sahst du hierherkommend schon- Ismene. Nicht minder schnell erfuhrest du's- Antigone. Sobald du zogest nach der Stadt- Ismene. Die Lanze hobest wider ihn! Antigone. O schwere Noth! Ismene. bittres Leid! Antigone. Dem Haus - Ismene. Und dem Land! Antigone. Weh, und vor allen mir! Ismene. Und nicht minder mir! Antigone. Graun! Unselig Mißgeschick! Ismene. Graun! Tiefsten Jammers Opfer ihr, Wahnsinnsopfer des Schicksals! Antigone. Wo bestatten wir die Todten? Ismene. An der ehrenvollsten Stätte! Antigone. Gram, zum Vater gebettet! Wehe! (Ein Herold kommt aus der Stadt.) Der Herold. Ich muß verkünden, was beschließt und was beschloß Des Kadmosvolkes hoher Nath in dieser Stadt. Eteokles soll als seines Landes treuer Freund Ein Grab empfangen in der Erde theurem Schooß: Am Thor die Feinde wehrend, bot er sich dem Tod; Der Ahnen Heiligthümer fromm beschirmend, flel Er ohne Tadel, wie's dem Mann zu sterben ziemt. Dies über ihn zu sagen, ist mir auferlegt. Doch Polyneikes', seines Bruders, Leiche soll, Ein Raub den Hunden, ohne Grab zur Stadt hinaus Geworfen werden, weil er Kadmos' Land zerstört, Wenn nicht des Mannes Lanze sich ein Himmlischer Entgegenstellte. Selbst im Tode bleibt er noch Ein Fluch der Heimat Göttern, die der Freche schnöd Entehrend, einbrach auf die Stadt mit fremdem Volk. So nehm' er denn von räuberischer Vögel Brut Chrlos bestattet seinen Ehrenlohn dahin, Und weder spende seinem Grab die fromme Hand, Noch darf ein Klaglied schallend ihn verherrlichen, Der Freunde keiner ehren ihn durch Grabgeleit! So will's des Volkes hoher Nath in Kadmos' Stadt. Antigone. Und ich erkläre dieses Volks Gewaltigen : Wenn Keiner mir den Todten mitbestatten will, Ich selbst bestatt' ihn, und bestehe die Gefahr, Bestatte meinen Bruder, und erröthe nicht, Unfolgsam Troß zu bieten dem Machtwort der Stadt. Stark sind des Blutes Bande, dem wir beid' entstammt, Der ärmsten Mutter Sprossen und des ärmsten Manns. Drum dulde willig, was er ungern trug, o Herz, Dem Todten lebend opfre dich mit Schwestersinn!' Nein, diesen Leichnam sollen nicht raubgierige Wehrwölfe mir zerfleischen: hoffe Keiner das! Ich will mit eignen Händen ihm, obwohl ein Weib, Das Grab bereiten und die Grabesehren weih'n; Im Schooß des Byssoskleides trag' ich ihn hinaus, Bestatte selbst ihn: wehren soll es Keiner mir! Dem Muth gesellt sich siegend auch die frische That. Der Herold. Ich will dir rathen, troke nicht also der Stadt! Antigone. Ich will dir rathen, melde nichts Unnüzes mir! Der Herold. Streng pflegt ein Volk zu richten, das der Noth entrann. Antigone. Streng nenn' es; aber ohne Grab bleibt dieser nicht! Der Herold. Ihn, den das Volk haft, ehrtest du durch Grabesweih'n? Antigone. Noch fanden ihn die Götter stets der Ehre werth. Der Herold. Gewiß, bevor er dieses Land in Noth gestürzt. Antigone. Mit Leide nur vergalt er, was ihm Leid geschah. Der Herold. Doch statt des Einen büßte hier das ganze Volk. Antigone. Zulegt von allen Göttern hat Eris das Wort. Ich werde den bestatten: sprich nicht weiter mehr! Der Herold. So thu's mit eignem Willen: ich verbiete dir's! (Der Herold entfernt sich.) Der Chor. Weh, weh! Stolztrohende, stammaustilgende Schaar, Fluchgöttinnen ihr, die des Oedipus Haus Ihr also vertilgt sammt Wurzel und Stamm! Was ergreift, was beginnt, was ersinnt mein Herz? (zu der Leiche des Polyneikes gewendet) Wie ertrüg' ich es wohl, nicht zu weinen um dich, Dich nicht an die Gruft zu geleiten? Doch es faßt mich die Angst, und ich schrecke zurück Vor dem Dräuen des Volks. (zu Eteokles) Dir, Herr, folgt wohl zahlreiches Geleit Von Trauernden. (zu Polyneikes) Er geht klanglos dahin, Der Arme, beweint von den Schwestern allein: Wer fügte sich solchem Gebote? (Der Chor, in zwei Halbchöre getheilt, setzt sich in Bewegung. Der erste folgt mit Antigone dem Leichnam des Polyneikes, während der zweite mit Ismene die Leiche des Eteokles begleitet.) Erster Halbchor. So bestrafe die Stadt, so bestrafe sie nicht, Die dich, Polyneikes, beweinen: Wir gehen mit dir, und bestatten dich mit, Und folgen zum Grab! Denn alles Geschlecht Der Kadmeier berührt dies Jammergeschick, Und das Volk, es erkennt Nun dies, nun das für gerecht an. Zweiter Halbchor. Wir gehen mit ihm, wie die Stadt es gebot, Und das heilige Recht es bestimmte. Nächst Zeus' Allmacht und der Ewigen Hut Hat Er ja die Stadt der Kadmeier bewahrt, Daß nicht sie zerstört Von der Fremdlinge wildanstürmender Flut In den Abgrund schwand des Verderbens.