Eumenides — Donner (1854), OCR review edition Aeschylus Johann Jakob Christian Donner OCR cleanup, verse reconstruction, and passage alignment; further proofreading required Editorial processing with Codex

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Aeschylos. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. J. J. C. Donner. Stuttgart: Hoffmann, 1854.Harvard PDF of both volumes aeschylus-donner-hvd-hn62cq-1788873992.txt aeschylus-donner-nyp-33433082192794-1788873945.txt

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Scene. Tempel des Apollon zu Delphi; Säulenhallen zu beiden Seiten. Aus den Hallen rechts tritt die pythische Seherin in priesterlichem Schmucke, einen Lorberkranz auf dem Haupte, den Prophetenstab in der Hand. Die Seherin. Von allen Göttern feiert mein Gebet zuerstOCR review edition. D. numbers are Donner’s own citations; alignment gives containing Smyth passages. Cleanup inventory, both OCR copies and unattributed notes Die Urprophetin Erde, nächst ihr Themis auch, Die nach der Mutter diesen Siz der Sage nach Einnahm, die zweite. Dritten Ortes thronte hier Mit Themis' Willen, ohne Zwang an irgendwem, Ein andres Kind der Erde vom Titanenstamm, Die Phöbe. Sie gab als Geburtsgeschenk den Siz An Phöbos, dem von Phöbe so der Name ward. Der Gott verließ nun Delos' Teich und Felsenstrand, Und fuhr zu Pallas' schiffsbedeckten Uferhöh'n, Und kam in diese Fluren an Parnassos' Siz. Und ihn geleiten und Verehrung zollen ihm Hephästos' Söhne, die, bereitend seine Bahn, Vor seinem Schritte wildes Land entwilderten. Und als er einzog, feiert hoch ihn alles Volk Mit König Delphos, der des Landes Steuer lenkt. Doch Zeus begeistert seine Brust mit hoher Kunst, Und segt als vierten Seher ihn auf diesen Stuhl, Und Zeus', des Vaters, Gotteswort spricht Loxias. An diese Götter wendet sich mein Fleh'n zuerst. Auch dir im Vorhof, Pallas, buldigt mein Gebet, Und ehrt die Nymphen, wo Korykis' Fels sich wölbt, Heimat der Vögel, wo sich Götter froh ergeh'n. Des Ortes waltet Bacchos, wohl gedenk' ich sein, Seitdem der Gott die Bacchen angeführt im Kampf, Pentheus mit Tod umgarnend, scheuem Wilde gleich. Auch Pleistos' Quellen und Poseidons Herrschermacht Verehr' ich, auch den höchsten Allvollender Zeus; Dann als Prophetin steig' ich auf den Seherthron. Und nun, o Götter, segnet mehr, als je zuvor, Mir heut den Eingang! Ist ein Mann aus Hellas hier, Er komme nach dem Loose, wie der Brauch gebeut! Ich spreche meine Sprüche, wie der Gott mich treibt. (Sie geht in den Tempel, kehrt aber bald voll Entsetzen wieder zurück.) Ha, Gräuel auszusprechen, Gräuel anzuschau'n! Es treibt mich wieder aus Apollons Haus zurück, Daß mir die Glieder brechen, daß mein Schritt erstarrt; Die Hände, nicht die schnellen Füße, tragen mich. Schreck macht die Greisin nichtig, ja dem Kinde gleich. Ich schleiche hin zum vielbekränzten Heiligthum; Und sizen seh' ich einen fluchbeladnen Mann Am Nabelsteine, der um Sühne fleht, von Blut Die Hände triefend, und ein frischgezücktes Schwert, Auch eines Delbaums hochgewachsnen Zweig zur Hand, Den sorgsam rings die reichgewundne Flocke kränzt, Das weiße Wollband; also leg' ich's deutlich dar. Und vor dem Mann liegt eine wunderſame Schaar Von Frauen schlummernd auf die Sessel hingestreckt. Nicht Frauen wahrlich, nein, Gorgonen nenn' ich sie; Doch auch Gorgonenbildern gleicht ihr Aeußres nicht. Wohl auf Gemälden sah ich einst, die raschbeschwingt Das Mahl des Phineus raubten; aber flügellos Sind diese, schwarz, entseylich, daß mir's Grauen wedt. Tiefschnarchend haucht ihr Odem unnahbaren Hauch, Und aus den Augen träufeln sie graunvolles Gift. Gewand umhüllt die Glieder, wie sich nicht geziemt Vor Götterbildern oder in der Menschen Haus. Genossen dieses Stammes sah mein Auge nie, Noch mag ein Land sich rühmen, solch unholde Brut Straflos zu nähren, ohne Nachgefühl des Weh's. Das Weit're sei dem Fürsten dieses Heiligthums Selbst heimgestellt, dem hochgewalt'gen Loxias! Wahrsagerarzt und Zeichendeuter ist er ja, Und kann die Häuser Andrer auch entsündigen. (Die Seherin geht ab. Man erblickt das Innere des delphischen Heilig. thums, in demselben auf Sesseln umher den Chor der Erinnyen. Apollon tritt mit Orestes aus dem Hintergrunde des Tempels.) Apollon. Nie werd' ich dich verlassen; nein, ich stehe stets Zur Seite dir als Hüter, auch entfernt von dir,Lesarten und Verwandtes, D. 65: καὶ πρόσω γ’ ἀποστατῶν. Printed p. 207 Und werde deinen Feinden nie befreundet sein. So siehst du jetzt gefangen dort die Nasenden; Vom Schlaf gebunden ruhen sie, die scheußlichen Jungfraun, die greisen Mädchen, die kein Gott umarmt, Und denen liebend weder Mensch noch Thier sich naht. Zu finstern Thaten wurden sie; denn finstre Nacht, Der Tartaros tief unten, ist ihr Aufenthalt; Sie sind ein Gräul den Menschen, wie den Himmlischen. Doch fliehe nur vor ihnen, darfst nicht lässig sein. Denn über Festlands Weiten treibt dich diese Schaar In ruheloser Irre durch die Erde hin, Und über Meer und meerumrauschtes Inselland. Auf dieser Mühen banger Fahrt ermatte nicht Zu frühe! Wenn du hingelangst in Pallas' Burg, So size nieder und umschling' ihr altes Bild. Dort werden wir die Richter über solche Schuld, Das Wort der Sühne finden und erspäh'n die Bahn, Die deiner Mühen aller dich erledige. Denn auch zum Muttermorde trieb ich selbst dich an. Orestes. O Fürst Apollon, dir gefällt das Rechte nur; In solchem Sinn denn zeige dich um mich besorgt. Denn daß du's wohl vollendest, bürgt mir deine Macht. Apollon. Vertraue, laß dich keine Furcht bewältigen ! Doch du, geliebter Bruder, Eines Vaters Blut, Hermes, behüt' ihn! Werde, was dein Name sagt, Sein Führer, und geleite mir, ein treuer Hirt, Den Schüßling! Ehrt Zeus selber doch dein Ehrenamt, Das wohlgeleitend Segen schafft den Sterblichen. (Orestes geht ab; Apollon verschwindet im Hintergrunde. Aus der stygischen Pforte schwebt der Schatten Klytämnestra's herauf, und wendet sich zu den schlafenden Erinnhen.) Klytämnestra. Ihr schlummert? He doch! Was bedarf's der Schlummernden? Mich, die vor andern Todten so durch eure Schuld Ein Spott geworden, mich verfolgt im SchattenlandLesarten und Verwandtes, D. 96: ὧν μὲν ἔκτανον. Printed p. 207 Nastlos der Hohn der Todten, die ich mordete. Schmachvoll umher dort irr' ich und verkünd' es euch, Daß schwerer Vorwurf mich darob von jenen trifft. Und thaten meine Liebsten auch so Grauses mir, Zürnt doch um meinetwillen kein Unsterblicher, Die durch des Muttermordes Hand geopfert ward. Sieh diese Wunden mit des Herzens Blick dir an;Lesarten und Verwandtes, D. 103: ὅρα δὲ πληγὰς τάσδε καρδίᾳ σέθεν. Printed p. 207 Denn schlafend späht des Geistes Auge klar umher, Der Tag vergönnt ihm keinen Blick in Menschenloos. Von meiner Habe schlürftet ihr vielfältig einst Weinlose Spenden, unberauschenden Sühnetrank; Manch heilig Nachtmahl brachten wir am Feuerherd Euch dar in Stunden, die mit euch kein Gott getheilt. Und alles dies in Staub getreten seh' ich's nun! Doch er entrinnt euch, flieht davon, dem Rehe gleich; Ja, mitten aus den Garnen ist er leichten Sprungs Entschlüpft, und blickt hohnlachend nun nach euch zurück. Vernehmt mich; denn um meine Seele sprach ich jetzt; Merkt auf, besinnt euch, unterird'sche Göttinnen! Ein Schatte, Klytämnestra, ruft euch dieses zu. (Der Chor stöhnt.) Klytämnestra. Stöhnt nur! Indeß ist jener weit hinweggefloh'n. Denn Freunde finden Helfer, ich bin ohne Schuß.Lesarten und Verwandtes, D. 118: [Unresolved transcription; compare the scan.] φίλοις γὰρ εἰσιν, ἐκ δμοί, προσίκτορες. Printed p. 207 (Der Chor stöhnt.) Klytämneftra. Du schlässt so tief, erbarmst dich meines Leidens nicht. Orestes, mein, der Mutter, Mörder, ist entfloh'n! (Der Chor heult.) Klytämnestra. Du heulst, du schlummerst? Eilig rasse dich empor! Was hast du jemals Andres als Unheil geschafft? (Der Chor heult.) Klytämnestra. Mühsal und Schlummer, treue Bundverschworene, Der argen Drachin brachen sie die Lebenskraft. (Der Chor stöhnt mit verdoppelter Heftigkeit.) Die Chorführerin. (Im Schlafe.) Pack' an, pack' an, pack' an! Merk' auf! Klytämnestra. Im Traume jagst du deinem Wilde nach und bellst, Dem Hunde gleich, der seines Dienstes nie vergift. Auf! Nicht gezaudert! Keine Müh' ermatte dich! Verkenne nicht den Schaden, wenn dich Schlaf besiegt! Gerechter Vorwurf schneide tief in's Herz dir ein; Denn scharf wie Stacheln fühlen ihn Vernünftige. Auf, sende denn blutvollen Odems Hauch ihm nach, Durch Qualm verzehr' ihn aus der Eingeweide Brand, Verfolg' ihn, brich im zweiten Jagen seine Kraft! (Verschwindet.) Erwecke, Die Chorführerin. (Von ihrem Sitze aufspringend.) Erwecke du die Andre, wie ich dich erweckt! Du schläfst? Erwache! Schüttle flugs den Schlaf dir ab! Wir wollen seh'n, ob dieses Vorspiel eitel ist. (Die Erinnyen raffen sich auf. Ein Theil stürzt aus dem Tempel her- vor und in die Orchestra hinab; die anderen bleiben noch im Tempel. Zuerst singen nur einzelne, dann mehrere.) Chor Chorgesang. Erste Strophe. Graun, Graun, o Schmach! Ein Leid, Schwestern, traf-Donner’s metrical appendix: all 5 page facsimiles Ja, viel des Leides und umsonst erduldet' ich! Uns traf, Götter, ach! ein graunvolles Leid, Ein unnennbar Weh! Aus unserm Neze schlich sich, uns entrann das Wild. Vom Schlaf besiegt, gab ich hin solchen Fang! Erste Gegenstrophe. O Graun! Sohn des Zeus, du spinnst arge List. Ein Jüngling, tratst du greise Götterfrau'n in Staub, Da du den Flüchtling hegst, den schuldvollen Mann, Den herzlosen Sohn. Du stahlst den Muttermörder uns und bist ein Gott! Wer priese je solches Thun als gerecht? Zweite Strophe. Mir schlug ein vorwurfschweres Wort im Traum an's Ohr, Und traf gleich dem Rosselenker mich Mit machtvollem Stoß Tief in die Brust, in's Mark. Ich fühle, schwer faßt mich's an, eisigkalt schaudert mich's Vom zornig grausen Geißelschlag. Zweite Gegenstrophe. Das ist der jüngern Götter Art, so schalten sie, Gewalt übend allem Recht zum Hohn. Ein bluttriefend Mal, Blutig um Fuß und Haupt, Ich seh' es, steht dort der Erdnabel; denn blut'ge Schuld, Ruchlose, nahm er schüßend auf.Lesarten und Verwandtes, D. 161: ἀράμενον. Printed p. 207 Dritte Strophe. Du hast, ein Seher, deines Herdes Heiligthum Mit Blutgräul entweiht, eigenem Trieb gehorchend; Denn trok Götterrecht schirmst du der Menschen Schuld, Und brichst der Mören uralte Macht. Dritte Gegenstrophe. Mir schafft er Kränkung und erlöst doch jenen nie; Flöh' er zum Abgrund auch, dennoch entrinnt er uns nicht. Auf ihm ruht ein Fluch; so trifft wohl dereinstLesarten und Verwandtes, D. 168: ἐμοί τε λυπρός. Printed p. 207 Ein andrer Rächer sein frevles Haupt!Lesarten und Verwandtes, D. 169: μιάστωρ ἐστὶν ὃν πάσεται. Printed p. 207 (Apollon tritt aus dem Hintergrunde des Tempels hervor.) Apollon. Hinaus, gebiet' ich, ungesäumt verlaßt das Haus, Hinweg, entfernt euch aus dem Seherheiligthum, Daß nicht beschwingt die Silberschlange dich ereilt, Von goldgewirkter Bogenschnur hinausgesandt, Und du vor Schmerz des Menschenblutes dunklen Schaum Ausspeist in Klumpen, die du Leichen ausgeschlürft! Zu diesem Heiligthume dürft ihr nicht heran. Hin, wo man köpft und blendet, geht zum Hochgericht, Hin, wo man Menschen schlachtet, wo man Kindermord Verübt, Entmannung, Steinigung, Verstümmelung, Wo laut zum Himmel grauenvolles Wehgeheul Der Aufgespießten jammert! Ha, vernahmet ihr, An welchen Festesfreuden ihr Scheuseligen Das Herz erlabet? So verkündet's schon an euch Die ganze Bildung. Euch geziemt, im Felsenhaus Blutdürst'ger Leu'n zu wohnen; nicht dem Sehersiz In diesen Räumen nahe sich ein solcher Gräul! So zieht von hinnen, ohne Hirten schwärmt hinaus! Denn solcher Heerde freut sich kein Unsterblicher. Die Chorführerin. O Fürst Apollon, höre nun auch unser Wort! Du selber trägst an diesem keinen Theil der Schuld, Nein, hast's allein vollendet, dein ist alle Schuld. Apollon. Wie das? Soviel zu sagen sei dir noch vergönnt. Die Chorführerin. Dein Spruch befahl dem Fremdling seiner Mutter Mord Apollon. Befahl ihm, seines Vaters Tod zu rächen. Nun? Die Chorführerin. Dann botest du der neuen Blutschuld deinen Schuß. Apollon. Zu flieh'n in dieses Hauses Hut gebot ich ihm. Die Chorführerin. Und schmähest uns, Geleiterinnen seiner Fahrt? Apollon. Weil euch in diesen Tempel nicht zu kommen ziemt. Die Chorführerin. Also zu thun, legt meines Amtes Pflicht mir auf. Apollon. Und welche Pflicht denn? Rühme doch dein schönes Amt! Die Chorführerin. Den Muttermörder treiben wir von Haus und Herd. Apollon. Wie aber? Wenn die Gattin ihren Mann erschlug? Die Chorführerin. Nicht eines Blutsverwandten Mord ist solche That. Apollon. Ha, ganz verachtet wäre dann, nichts gälte mehrLesarten und Verwandtes, D. 204: [Unresolved transcription; compare the scan.] παρ’ οὐδὲν ἤρχεσεν. Printed p. 207 Der Chegöttin Hera wie Zeus' heilig Band! Verachtet stürzte Kypris dann von ihrem Thron, Woher doch alles Süße kommt den Sterblichen. Der Bund, in dem das Schicksal Weib und Mann vereint, Ist heilig mehr als Eide, wenn das Recht ihn schirmt. Wenn diese nun sich morden und du lässig bist, Nicht Nache nimmst am Mörder, nicht ihn strafst im Zorn,Lesarten und Verwandtes, D. 211: τὸ μὴ τινέσθαι. Printed p. 207 Wird auch Orestes ohne Recht von dir verfolgt. Das Eine, weiß ich, hasset ihr als schwere That, Das Andre seht ihr offenbar gelinder an: Die hohe Pallas prüfe, was hier Rechtens ist! Die Chorführerin. Ich lasse, traun, von diesem Manne nimmermehr! Apollon. Wohlan, verfolg' ihn, häufe so die Mühe dir! Die Chorführerin. O schmäl're nicht durch Worte mir mein Ehrenamt! Apollon. Auch angeboten, wies' ich ab dein Ehrenamt. Die Chorführerin. Ein Großer freilich heißest du am Thron des Zeus. Mich treibt das Blut der Mutter; rächend will ich denn Nacheilen dieses Mannes Spur auf rascher Jagd. (Der Chor eilt in zerstreuter Ordnung ab.) Apollon. Ich will ihm beisteh'n, will des Flüchtlings Netter sein; Denn schwer auf Erden und bei Göttern drückte mich Des Schüßlings Unmuth, gäb' ich ihn freiwillig hin. (Ab in den Tempel.) (Die Scene verwandelt sich. Man sieht das Heiligthum der Pallas Athene auf der Burg von Athen, und in demselben den Orestes das Bild der Göttin umfassend.) Orestes. Athene, Fürstin, auf Geheiß des Loxias Erschien ich: nimm den Fluchbeladnen gnädig auf! Ich flehe nicht um Sühne, rein ward meine Hand In andern Häusern, im Verkehr mit Sterblichen. Ja, keine Sünde haftet mehr an diesem Haupt; So nah' ich, Göttin, deinem Haus und deinem Bild, Getreu der Mahnung aus Apollons Sehermund, Nachdem ich Land und Meere weit durchwanderte. Hier will ich weilen, harrend auf den leyten Spruch. (Der Chor der Erinnyen kommt hastig in zerstreuter Ordnung herein. gestürmt.) Die Chorführerin. Wohlan! Die Spur des Mannes find' ich deutlich hier. Folgt nun dem Wink der stummen Selbstverrätherin. Denn wie der Hindin wunden Sohn der Hund verfolgt, So spüren wir der blutgetränkten Fährte nach. Schwer athmet, matt von vielen bangen Müh'n, die Brust; Denn rings der Erde ganzen Raum durchschweiften wir, Und über's Meer mit unbeschwingten Flügen ihn Verfolgend jagt' ich, Schiffen gleich an Schnelligkeit. Und jezo hält er irgendwo sich hier versteckt. Ein frischer Duft von Menschenblute lacht mich an. (Zu den beiden nächsten Erinnhen.) Ha, sieh wieder, sieh! Späht umher überall : Darf doch der Mörder nicht heimlich der Straf' entgeh'n! Die andern Erinnyen. (Einzeln.) Ja, den begeistert neuer Muth;Lesarten und Verwandtes, D. 247: [Unresolved transcription; compare the scan.] ὁ δ’ αὖτέ γ’ ἐν ἀλκᾷ ἄκων. Printed p. 207 Sich an der Göttin Bild schmiegend, der ewigen, Stellt er die blut'ge Schuld ihrem Gericht anheim. Niemals geschieht das; Erde trank der Mutter Blut; Unwiederrufbar, o Graun! Rann's in den Staub hinab, und kehrt nie zurück. Ja, büßen sollst du's! Aus den Adern will ich dir Lebend das rothe Blut schlürfen, ich will von dir Den Trank zum Labsal rauben, den sonst Keiner trinkt.Lesarten und Verwandtes, D. 255: [Unresolved transcription; compare the scan.] βοσκὰν φεροίμαν πώματος τῷ δυσπότῳ. Printed p. 207 Und zehrt' ich auf dein Leben, führ' ich dich hinab, Daß du mir jammernd dort büßest den Muttermord.Lesarten und Verwandtes, D. 257: τίνειν. Printed p. 207 Dort wirst du seh'n, wenn andre Menschen frevelten,Lesarten und Verwandtes, D. 258: κεῖ τις ἄλλος ἤλιτεν βροτῶν. Printed p. 207 Wer an den Göttern sich Oder am Freund verging oder am Elternhaupt,Lesarten und Verwandtes, D. 260: [Unresolved transcription; compare the scan.] ἢ ξένου τιν’ ἐκ δυσσεβῶν. Printed p. 207 Wie Jeder hinnimmt seines Thuns gerechten Lohn. Denn aller Menschen Richter ist der große Tod Im Abgrund der Welt; Er schaut jeglich Ding, und schreibt's tief in's Herz. Orestes. In langer Leidensschule ward ich wohlvertraut Mit vielen Sühngebräuchen, weiß, wo Reden ziemt, Wo Schweigen recht ist. Aber hier an diesem Ort Gebot ein weiser Meister laut zu reden mir. Schläft doch das Blutmal und verbleicht an meiner Hand; Des Muttermordes Gräuel ist hinweggespült. Frisch waren seine Flecken noch, am Seherherd Vertilgt' ihn Phöbos durch der Opferferken Blut. Viel Worte braucht' ich, zählt' ich auf, wie Viele schon Mit mir verkehrten, ohne daß sie Schaden traf. Die Zeit entsündigt Alles und sie selbst ergraut. So fleh' ich reinen Mundes nun mit frommem Wort Zu dieses Landes Herrscherin Athene, mir Hülfreich zu nahen. Dann gewinnt sie sonder Kampf Mich selbst, der Argossöhne Land und Volk zugleich, Wahrhaft zu treuer, steter Wehrgenossenschaft. Drum, ob sie jetzt in fernen Fluren Libya's, Am Wasser Tritons, ihrer heimatlichen Flut, Den Fuß gesenkt hat oder hochhinschreitend eiltLesarten und Verwandtes, D. 283: [Unresolved transcription; compare the scan.] κατηρεφῆ ποδὰ. Printed p. 207 Zum Schuß der Ihren, oder ob sie Phlegra's Feld Heerschaaren ordnend überschaut, ein kühner Held: Sie komme, (denn auch ferne ja vernimmt ein Gott,) Auf daß sie dieser Leiden mich erledige! Der Chor. Nicht soll Apollon, nicht Athene's hohe Macht Dir Schuß gewähren, daß du nicht verlassen einst Hinfährst, vergessend, wo im Herzen Freude wohnt, Blutleer, von Göttern aufgezehrt, ein Schattenbild! - Nichts widersprichst du, dir erstirbt das Wort im Mund, Du mir genährtes, mir geweihtes Opferthier? Du labst mich lebend, nicht am Herd geschlachtet erst. Nun höre meinen Reigen, der dich bannen soll! Wohlauf denn, laßt uns schlingen den Reih'n, Da den grausen Gesang Wir laut zu verkünden beschlossen, Und zu nennen die Loos' in der Menschen Geschlecht, Wie unsere Schaar sie vertheilte! Wir schüßen das Recht nach stetem Gesey: Wer lauter die Hand Mit lauterem Herzen emporhebt, Nie trifft ihn von uns der vergeltende Zorn; Harmlos durchwallt er das Leben. Doch wer sich, wie Der, durch Frevel entweiht, Und die blutigen Hände zurückzieht, Da treten wir kühn als Zeugen des Rechts Der Gemordeten auf, und fordern von ihm Vollständige Sühne der Blutthat. Erste Strophe. Mutter, die du mich gebarst, Urnacht, Mich, der verblich'nen wie der lichten Welt Strafgeist, Höre mich! Leto's Sohn beut mir Hohn, spottet meiner; Dieses Wild raubt er uns, dessen Blut fließen muß, Abzubüßen Muttermord. Um das Schlachtopfer schlingt Euer Lied, Wahnsinnshauch, Wahnsinnslaut der Bethörung, Schlingt Erinnenfestgesang, Harfenlos, der Geister Band, der des Hörers Mark verzehrt! Erste Gegenstrophe. Denn des Schicksals Allgewalt theilte Unserm Geschlecht für ew'ge Zeiten dies Loos zu : Wessen Haupt frevelhaft grause Blutschuld sich auflud, Dessen Spur geh'n wir nach, bis ihn deckt Grabesnacht; Auch der Tod befreit ihn nicht. Um das Schlachtopfer schlingt Euer Lied, Wahnsinnshauch, Wahnsinnslaut der Bethörung, Schlingt Erinnenfestgesang, Harfenlos, der Geister Band, der des Hörers Mark verzehrt! Zweite Strophe. Bei der Geburt ward uns vom Geschicke beschieden, Ewig zu flieh'n der unsterblichen Götter Gemeinschaft. Ihr Mahl theilen wir niemals; Auch kein weißes Gewand darf unsere Glieder umhüllen. Häuser auszutilgen, ward Meines Amts, wann der Freund Tückisch im Haus mordet den Freund. Hinter ihm stürz' ich her; Blüht er auch jugendstark, Doch ich breche die Kraft ihm! Zweite Gegenstrophe. Dieser Beruf ward uns, ihm bleibe man ferne; Lasse man uns statt anderer Götter gewähren! Mit uns hadere Keiner! Bannte doch unser Geschlecht, dies blutige, götterverhaßte, Zeus von seinem Angesicht. Aus den Höh'n stürm' ich denn Mächtigen Schwungs, sebe den Fuß Schweren Falls auf den Feind; Schnellen Laufs, gleitet er, Stürzt in schweres Verderben. Dritte Strophe. Dann sinkt Hoffart, die sich zum Aether emporschwang, Ruhmlos hinab in die Erd' und verkümmert im Staube, Wenn wir in schwarze Gewande verhüllt und in unheil- vollen Reigen tanzend nah'n. Dritte Gegenstrophe. Stürzend merkt er's nicht in des Wahnes Verblendung; So mit verdunkelnden Schwingen umflattert die Schuld ihn. Daß Graun düsterer Nacht um das Haus sich gelagert, Kündet lauten Jammers Ruf. Vierte Strophe. So bleibt es steh'n: Mittel stets, Die Bahn zum Ziel finden wir, Graunvoll der Schuld Rächer; Kein Menschenfleh'n besänftigt uns. Ein ungeehrt, verachtet Amt Verwalten wir, das, Göttern fern, der Sonne Glanz fliehet, Schwer zu erklimmen den Menschen im Lichte, Wie dem blinden Volk der Nacht. Vierte Gegenstrophe. Wo wär' ein Mensch, welcher nicht In banger Furcht schauerte, Vernimmt er mein Machtwort, Das mir der Schicksalsmächte Schluß Verliehen, Götter mir vertraut? Mein ward ein altes Ehrenamt, von keiner Schmach weiß ich, Wenn auch unter der Erde mein Haus ist, Tief in sonnenloser Nacht. (Athene, mit Schild und Lanze bewaffnet, erscheint in der Luft auf einem mit Rossen bespannten Wagen.) Athene. Fernher am Strom Skamandros hört' ich lauten Ruf, Als ich von jenem Lande schnell Besiy ergriff, Das mir Achäa's Fürsten und Gewaltige Als schönes Loos aus ihrer Beute reichem Schay Auf immerdar mit allen Wurzeln heiligten, Dem Stamm des Theseus ein erles'nes Eigenthum. Dort komm' ich her mit unermüdlich schnellem Schritt, Des Schildes Wölbung schwingend, ohne Fittige, Die starken Rosse vorgeschirrt dem Wagen hier. Und nun gewahr' ich diese Schaar in meinem Land, Wohl schreckt mich's nicht, doch Staunen fesselt meinen Blick. Wer seid ihr? Alle red' ich euch in Einem an, Ihn, der an meinem Bilde sikt, den Fremdling dort, Und euch, vergleichbar keinem, was geboren ist, Von Göttern nie gesehen unter Göttinnen, Noch Erdenkindern an Gestalt und Bildung gleich. Doch Andre schelten, welche dir kein Leid gethan, Ist Hohn der Tugend, Themis haft, wer solches thut. Die Chorführerin. Das Alles hörst du, Tochter Zeus', in kurzem Wort. Wir sind der Urnacht Töchter, ewigwaltende; Daheim im Hades nennt man uns Fluchgöttinnen. Athene. Ich kenne deinen Namen nun und dein Geschlecht. Die Chorführerin. Vernimm sofort von meines Amtes Ehren auch. Athene. Ich werd' es hören, kündet ihr es deutlich an. Die Chorführerin. Die Menschenmörder treiben wir von Haus und Herd. Athene. Und wo gewinnt ein Ende solches Mörders Flucht? Die Chorführerin. Dort, wo der Freude keine Statt beschieden ist. Athene. Auch diesen jagst du schnaubend fort in solche Flucht? Die Chorführerin. Ja; denn des Muttermordes unterfing er sich. Athene. Er scheute wohl das Grollen einer andern Macht? Die Chorführerin. Wo wär' ein Sporn zum Muttermorde scharf genug? Athene. Zwei steh'n sich gegenüber; dich vernahm ich nun. Die Chorführerin. Er schwört gewiß nicht, und verwirst den Gegeneid. Athene. Gerecht zu heißen strebst du mehr als rechtzuthun. Die Chorführerin. Wie so? Belehr' uns; denn an Weisheit bist du reich. Athene. Durch Eide siegt das Ungerechte nimmermehr. Die Chorführerin. Wohlan, verhör' ihn; richte nach Gerechtigkeit. Athene. Mir stellt ihr denn des Streites Endurtheil anheim? Die Chorführerin. Sehr gerne; würdig ehren wir die Würdige. Athene. Was sagst du, Fremdling, wider dies für deinen Theil? Erst nenne Heimat und Geschlecht und Lebensloos, Und diesen Vorwurf wehre dann von deinem Haupt, Wenn, auf das Recht vertrauend, du zu diesem Bild In meines Herdes Nähe dich geflüchtet hast, Um Sühne flehend, heilig wie Ixion einst. Auf alles dies entgegne wohlverständlich mir. Orestes. Athene, Fürstin, ich enthebe dich zuerst Der schweren Sorge, der zulekt dein Wort gedacht. Ich flehe nicht um Sühne; denn kein Gräuel mehr Befleckt die Hände, welche hier dein Bild umfaßt. Ein großes Zeugniß dessen offenbar' ich dir. Der Menschenmörder bleibe stumm, das ist Gesek, Bis, fallend unter Mannes Hand, ein saugend Thier Mit seinem Blut besprengend ihn entsündigte. So wurden wir in andern Häusern schon vorlängst Durch blutig Opfer ausgesühnt und Quellenbad. Die Sorge schaff' ich also durch mein Wort hinweg. Von meiner Abkunft geb' ich dir sofort Bescheid. Ich bin von Argos, meinen Vater kennst du wohl, Agamemnon, der den Seegeschwadern einst gebot, Mit dem du Troja's hohe Burg in Staub gestürzt. Der, als er heimgelangte, fand unwürd'gen Tod; Denn meine Mutter, argen Sinns, ermordet' ihn; Mit trügerischem Newgeweb' umstrickte sie Den Gatten, und vom Bade ward der Mord bezeugt. Und als ich heimkam, denn ich war vorher verbannt, Erschlug ich meine Mutter, (ich verläugn' es nicht) Vergalt mit Mord des vielgeliebten Vaters Tod. Mitschuldig aber dieser That ist Loxias, Der Herzensqualen, Stacheln gleich, verkündete, Wofern ich so nicht Nache nähm' am Schuldigen. Du magst entscheiden, ob ich rechtthat oder nicht; Ich füge, wie er falle, mich in deinen Spruch. Athene. Der Handel ist zu schwierig, wenn ein Sterblicher Ihn wähnt zu schlichten; aber mir auch ziemt es nicht, Den Spruch zu fällen über solch ergrimmten Mord, Zumal du meinem Hause rein und fleckenlos Nach wohlerfülltem Brauche dich als Schüßling nahst, Und dich Gesühnten meine Stadt aufnimmt mit Fug. Doch schwer hinwegzuweisen sind die Grausen auch; Und tragen sie nicht im Gericht den Sieg davon, Wird einst der giftige Geifer, der aus ihrer Brust Zur Erde träufelt, ewig grause Pest dem Land. So steht's um uns hier: ob sie bleiben oder geh'n, Für mich erwächst ein unvermeidlich großes Leid. Doch weil die Sache hingedieh'n zu solchem Ziel, Bestell' ich Richter über Mord, geschworene, Und diese Sakung gelte fort in alle Zeit. Ihr aber rufet Zeugen und Beweise nun Und Eide, Stüken eures Rechts, als Helfer auf! Ich wähle meiner Bürger gleich die besten aus, Wahrhaft zu schlichten diesen Streit, dem Schwure treu, Niemals zu sprechen falschen Spruch, und komme dann. (Ab durch die Luft.) Chor Wechselgesang des Chores. Erste Strophe. Neues bricht herein und stürzt Altes um, wenn die Schuld, Wenn des Muttermordes Gräul Im Gericht siegen soll. Solch ein Sieg lockt die Menschen überall Leicht heraus zu gleicher That! Blutig droht von Kindeshänden Mancher Stoß der Aelternbrust Einst im langen Lauf der Zeit. Erste Gegenstrophe. Denn dem Frevler schleicht hinfort Unser Groll, Menschenschuld Spähend, nicht mehr grimmig nach; Jeden Mord lass ich frei. Mancher dann, dem ein Andrer übelthat, Jammert hier und dort und forscht Nach des Leides Ziel und Heilung; Hülfe beut sich nirgendwo; Trösten kann der Arme nicht. Zweite Strophe. Nun erhebe Keiner mehr, Wann ihn schlug das Mißgeschick, Solchen Ruf in schwerer Angst: „Ha, Gericht! Heil'ge Macht, Erinnyen!" Solch ein jammervolles Ach Stöhnt ein Aelternpaar vielleicht, Heimgesucht von neuem Leid, Weil des Rechtes Tempel stürzt. Zweite Gegenstrophe. Oft ja dient die Furcht zum Heil; Und im Herzen wohne sie Unverrückt als treue Hut! Frommt es doch, wenn man weinend Zucht gelernt. Aber wer, der fromme Scheu Nicht im Busen reifen ließ, Welcher Mensch und welche Stadt Chrte fürder noch das Recht? Dritte Strophe. Nicht ein Leben schrankenlos, Noch gedrückt von Zwanges Joch, Lobe dir! Immer die Mitte ja krönen die Himmlischen; Andres ordnen sie anders. Hört von mir ein treffend Wort: Götterverachtung erzeugt sich den frevelnden Muth; Aus der Gesundheit Der Seele keimt allgeliebt, Sehnlich erfleht, der Segen. Dritte Gegenstrophe. Und für immer gilt mein Spruch: Ehre fromm des Rechts Altar! Tritt ihn nicht, Lüstern nach schnödem Gewinne, mit frevelndem Fuß; denn Strafe verfolgt dich, Deiner harrt ein würdig Ziel! Darum verehre der Aeltern geheiligtes Haupt Jeder, und achte, Wenn seinem Haus Fremde nah'n, Heilig das Recht des Gastes! Vierte Strophe. Wer, so gesinnt, ohne Zwang unsträflich lebt, Bleibt nicht ungesegnet, Und nimmermehr stürzt er ganz in Unheil. Doch wer in tollkühnem Troy die Schranken sprengt, Und Alles wild umrüttelt ohne Fug und Recht, Er muß wohl einst die Segel einzieh'n, Wann sie des Sturms Gewalt erfaßt, Dröhnend die Rahen splittern. Vierte Gegenstrophe. Er ruft (kein Ohr hört ihn) aus dem Wirbelstrom, Der ihn wild umflutet. Es lacht ein Gott ob des Mannes Unmuth, Sieht ihn in Müh'n ungeahnten schweren Kampfs Ermatten, daß er nimmermehr die Höh'n gewinnt. Da bricht sein altes Glück in Trümmer Endlich am Fels des Rechts, er sinkt; Keiner beklagt, vermißt ihn! (Die Scene hat sich verwandelt, und zeigt den Areopagos. Eine Anzahl athenischer Edler, von Athene geführt, nimmt auf den Sitzen Platz, die längs der Scenenwand in einer Reihe stehen: vor ihnen steht auf der einen Seite ein Altar, auf der andern ein Tisch mit Stimmgefässen. In der Nähe des Altares steht Orestes. Athene tritt von der Mitte aus nach vorn.) Athene. Verkünde, Herold, schaffe Ruh' im Volk umher! Hellauf zum Himmel schmettre nun tyrrhenische Drommete, tiefgeschöpfter Menschenhauche voll, Und brause mächt'gen Schalles an der Männer Ohr! Denn weil in vollen Reihen hier der Rath erschien, So ziemt zu schweigen, daß die ganze Stadt und ihr Vernehmet, was ich festgestellt für alle Zeit, Damit der Handel tadellos geschlichtet wird. (Heroldsruf und Trompetenstoß. Apollon erscheint und tritt an die Seite des Orestes.) Die Chorführerin. O Fürst Apollon, schalte, wo du Meister bist! Doch welchen Antheil hast du, sprich, an diesem Streit? Apollon. Ich kam zu zeugen, (denn vor meinem Thron erschien Der Mann als Schüßling, und an meinem Herde saß Er flehend, ich entsühnte seines Mordes ihn,) Dann selbst für ihn zu rechten. Denn ich habe Schuld Am Morde seiner Mutter. Du eröffne nun (Zu Athene.) Und ordne, wie du's kundig bist, des Handels Gang. Athene. (Zu den Erinnyen.) Ihr habt zu reden — ich eröffne das Gericht -; Denn durch den Kläger, der zuerst anhebt das Wort, Wird uns die Sache nach Gebühr in's Licht geseßt. Die Chorführerin. Zwar Viele sind wir; dennoch sei die Rede kurz. (Zu Orestes.) Antworte du nun wechselnd Wort um Wort mit uns. Sprich erstens, ob du mordend trafft der Mutter Haupt. Orestes. Wohl, ich erschlug sie; läugnen mag ich dieses nicht. Die Chorführerin. Im ersten Ringkampf hätt' ich denn bereits gesiegt. Orestes. Noch lieg' ich nicht am Boden, und schon prahlst du dies! Die Chorführerin. Doch mußt du weiter sagen, wie du sie erschlugst. Orestes. Vernimm: mit blankem Schwerte traf ich ihren Hals. Die Chorführerin. Von wem beredet thatest du's, auf wessen Rath? Orestes. Nach Phöbos' Schicksalsworten: er bezeugt es mir. Die Chorführerin. Des Sehers Worte trieben dich zum Muttermord? Orestes. Und bis zu dieser Stunde lob' ich mein Geschick. Die Chorführerin. Bald wirst du anders reden, wenn der Spruch dich faßt. Orestes. Ich hoffe, Beistand sendet mir des Vaters Grab. Die Chorführerin. Hoff auf die Todten, der die Mutter mordete! Orestes. Zwiefacher Unthat Gräuelschuld befleckte sie. Die Chorführerin. Wie das? Erweise dieses doch den Richtern hier. Orestes. Den Mann erschlug sie, und erschlug den Vater mir. Die Chorführerin. Doch lebst du noch, sie sühnte durch den Tod die Schuld. Orestes. Warum denn ward sie lebend nicht verfolgt von dir? Die Chorführerin. Kein Blutsverwandter war es, den sie tödtete. Orestes. Ich aber bin mit meiner Mutter blutsverwandt? Die Chorführerin. Wie? Hat sie nicht, o Mörder, dich in ihrem Schooß Genährt? Der Mutter theures Blut verläugnest du? Orestes. Nun wolle du mir zeugen, gib du mir Bescheid, Apollon, ob ich diesen Mord mit Recht verübt. Die That ja, der ich schuldig ward, verläugn' ich nicht. Doch ob gerecht dir, oder nicht, der Mord erscheint, Entscheide, daß ich's sagen kann den Richtern hier. Apollon. Vor euch, Athene's großem Rath, erklär' ich's denn, Sowie's gerecht ist, und ein Seher trüg' ich nicht. Auf hohem Seherthrone sprach ich nimmermehr, Von keinem Manne, keinem Weib und keiner Stadt, Was nicht der Götter Vater, Zeus, mir anbefahl. Wie viel es gelte, dieses Recht, erwäget wohl, Und lebt des Vaters Willen nach, ich sag' es euch. Denn mehr als Zeus gilt keines Eides Heiligkeit. Die Chorführerin. Zeus also, sagst du, sandte dir den Seherspruch, Oresten anzukünden, um des Vaters Tod Zu rächen, hab' er Mutterrechte nicht zu scheu'n? Apollon. Es ist ja nicht dasselbe, stirbt ein edler Mann, Den Zeus' Geschenk, das königliche Zepter, schmückt, Und gar von Weibeshänden, nicht durch ungestüm Geschnellte Pfeile, wie von Amazonenhand : Nein, höre, Pallas, höre du's, o Richterschaar, Die diesen Streit durch ihren Ausspruch schlichten soll! Ihn, der vom Krieg heimkehrte, da so Vieles er Ruhmreich vollendet, nimmt sie freundlich auf und reicht Ein Bad in einer Wanne, breitet dann zulekt Ein weites Kleid aus, und verstrickt in künstlichem Endlosem Neke den Gemahl, und mordet ihn. So war des Mannes Untergang, wie ihr's vernahmt, Der, allverehrt, den Seegeschwadern einst gebot: So zeigt' ich euch die Gattin, daß die Schaar ergrimmt, Der diesen Streit zu schlichten aufgetragen ward. Die Chorführerin. Du sagtest, schwerer achte Zeus des Vaters Mord; Doch band er selbst den greisen Vater Kronos einst. Steht das mit deiner Rede nicht im Widerspruch? Darauf zu hören, ruf' ich euch als Zeugen auf. Apollon. Ihr allverhafte Gräuelbrut, der Götter Graun! Die Bande kann man lösen; da gibt's Hülfe noch, Gar manches Mittel bietet sich zur Lösung an. Doch wenn vergoff'nes Menschenblut die Erde trank, Des Einmal hingestorbnen harrt kein Aufersteh'n. Hiergegen hat mein Vater keinen Zauberspruch Erschaffen, er, der Alles sonst hinauf hinab Umschwingt im Wirbel, dessen Odem nicht erlischt. Die Chorführerin. Erwäge, wie du kämpfend ihn von Schuld befreist. Der seiner Mutter blutsverwandtes Blut vergof, Er soll in Argos wohnen, und im Vaterhaus? Zu welchen Volksaltären darf er opfernd nah'n? Bei welchem Festmahl seines Stamms empfängt man ihn? Apollon. Auch das verkünd' ich; höre, denn ich rede wahr. Die Mutter ist dem Kinde, das sie Mutter nennt, Nicht Quell des Lebens, sondern hegt den jungen Keim. Der Vater zeugt ihn; sie bewahrt den Sproß, ein Pfand Bom Freund die Freundin, wenn ein Gott ihn nicht verlegt. Ein sichres Zeugniß geb' ich dir für dieses Wort. Auch ohne Mutter kann man Vater sein: es steht Als Zeuge Zeus', des Allerhöchsten, Tochter hier, Die nicht erwuchs in dunklen Mutterschooßes Nacht, Gleichwohl ein Sproß, wie keine Gottheit ihn gebiert. Ich aber, Pallas, werde sonst, soviel ich kann, Den Ruhm erhöhen deiner Stadt und deines Volks, Und sandte darum diesen auch an deinen Herd, Damit er dir sich eigen geb' auf immerdar, Und du zum Kampfgenossen ihn und sein Geschlecht Gewinnst, o Göttin, und es gelte für und für, Daß ihre Kindeskinder treu zum Bunde steh'n! Athene. Und nun gebiet' ich, Richter, fällt nach eurem Sinn Gerechtes Urtheil; denn gesprochen ist genug. Die Chorführerin. Wir drückten alle Pfeile schon vom Bogen ab; Ich harre nun zu hören, wie gerichtet wird. Athene. Wie soll ich's fügen, tadellos vor euch zu sein? Die Chorführerin. Ihr hörtet, was ihr hörtet; nach des Herzens Sinn Fällt nun das Urtheil, eurem Eid, o Freunde, treu. Athene. Nunmehr vernehmt die Sayung, Männer Attika's, Die ihr zuerst hier richtet um vergoßnes Blut! Es soll in Aegeus' Volke dieser hohe Rath Der Richter auch zukünftig allezeit besteh'n, Hier auf des Ares Hügel, einst dem Lagerort Der Amazonen, als, dem Theseus gram, ihr Heer Zum Kampf heranzog und den hochgethürmten Bau Der jungen Burg entgegenthürmte seiner Stadt, Und Ares Opfer brachte, daß davon der Fels Und Hügel Ares' Hügel heißt. Hier waltend soll Des Volkes Ehrfurcht und die Scheu, verschwistert ihr, Dem Frevel wehren, nächtlich und am lichten Tag, Wenn nicht die Bürger mein Gesek selbst ändern einst. Wer klare Wasserbäche durch unlautern Schlamms Zufluß verunreint, findet nie den frischen Trunk. Den Bürgern rath' ich, keines Herrschers Machtgebot. Noch frecher Willkühr zugewandt und hold zu sein, Noch Alles auszuweisen, was Ehrfurcht gebeut. Wo wäre, der Nichts fürchtet, je des Rechtes Freund? Verehrt ihr solches Heiligthum mit rechtem Sinn, Ein festes Bollwerk eurem Land gewinnt ihr dann, Ein sichres Heil des Staates, wie kein Sterblicher, Nicht bei den Skythen, noch in Pelops' Landen, hat. Den hohen Rath denn, ungerührt von Goldesglanz, Ehrwürdig, strengen Sinnes, über Schlummernden Wachsam, des Laudes treue Hut, verordn' ich so. Das ist die Weisung, die für alle Zeiten ich Zurufe meinem Volke. Nun erhebet euch, Nehmt euren Stimmstein, und entscheidet diesen Streit, Getreu dem Eidschwur. Alles habt ihr nun gehört. (Während des folgenden Wechselgespräches nehmen die Richter die Stimm- steine vom Altar, und werfen sie in die Urne.) Die Chorführerin. Doch will ich rathen, uns, den unheildrohenden Genossen eures Landes, ja kein Leid zu thun. Apollon. Und ich gebiet' euch, meinen Ausspruch und des Zeus' Ausspruch zu scheuen, daß er nicht fruchtlos verhallt. Die Chorführerin. (Zu Apollon.) Ganz unberufen übst du hier ein blutig Amt; Unrein, verweilst du länger, ist dein Spruch hinfort. Apollon. So fehlte wohl mein Vater auch in seinem Rath, Als er Ixions ersten Mord entsündigte? Die Chorführerin. Du sagst es. Ich, erlang' ich nicht mein volles Recht, Mit schwerem Unheil kehr' ich einst in's Land zurück. Apollon. Doch weder bei den jüngern noch den älteren Gottheiten ehrt man deine Macht; mein wird der Sieg. Die Chorführerin. In Pheres' Hause thatest du das Gleiche, zwangst Den Schicksalsmächten Leben ab für Sterbliche. Apollon. Wär's nicht gerecht, dem Götterfreunde wohlzuthun, Vor Allem wenn er schwerbedrängt um Hülfe fleht? Die Chorführerin. Du stürztest, traun, der alten Urgottheiten Macht, Du hast mit Wein die greisen Götterfraun berückt. Apollon. Bald wirst du wahrlich, wenn du nicht im Streite siegst, Den Geifer sprudeln, der die Feinde nicht verlegt. Die Chorführerin. Da du, so jung, mich Greisin höhnend niedertrittst, So harr' ich, bis die Richter ihren Spruch gefällt, Noch zweifelnd, ob ich grollen soll den Bürgern hier. Athene. Mir liegt die Schlußentscheidung ob in diesem Streit, Und für Orestes leg' ich diesen Stein hinzu. (Sie nimmt einen Stimmstein, den sie in der Hand behält.) Denn keine Mutter wurde mir, die mich gebar; Den Männern bin ich zugewandt mit Herz und Sinn, Nur nicht zur Ehe; denn im Vater leb' ich nur. Drum acht' ich minder sträflich auch des Weibes Mord, Das ihn, den Mann, erschlagen, der dem Haus gebot. Es siegt Orestes, ständen auch die Stimmen gleich. So schüttet aus der Urne flugs die Loose nun, Ihr Richter, denen dieses Amt geboten ist! (Die Steine werden aus der Urne geschüttet und gezählt.) Orestes. O Fürst Apollon, welches Ziel gewinnt der Kampf? Die Chorführerin. O schwarze Nacht, o meine Mutter, siehst du das? Orestes. Nun Tod von Henkershänden oder Leben mir! Die Chorführerin. Und uns Vernichtung oder Ehre fürderhin! Apollon. Zählt doch genau der ausgeworfnen Steine Zahl, Und scheuet Unrecht, Freunde, bei der Sonderung. Das Fehlen Einer Stimme bringt ein großes Leid; Hervorgeschüttelt rettet oft Ein Stein das Haus. Athene. Schuldlos erkannt ist dieser Mann im Blutgericht; Denn gleich von beiden Seiten ist der Loose Zahl. (Sie legt ihren Stimmstein zu den freisprechenden. Apollon entfernt sich unbemerkt.) Orestes. O Pallas, o, du meines Hauses Retterin! Du hast der Heimaterde mich Vertriebenen Zurückgegeben, und in Hellas heißt es nun: „Argeier ist er wiederum, der Mann, und wohnt Im Vatererbe, wie's Athene's Huld gefügt Und Phöbos' und des dritten allvollendenden Erretters," der, von meines Vaters Loos gerührt, Mich rettet vor der Mutter Rechtsanwälten hier! Ich kehre nun in meiner Ahnen Haus zurück, Und schwöre diesem Lande noch und deinem Volk Für aller Zukunft unermeßlich ferne Zeit: Nie soll ein Mann, der meines Landes Steuer führt, Mit blankem Speere feindlich zieh'n in dieses Land! Denn ich, in Grabes Schooße dann, will jenen selbst, Der meinen Eid mißachtet, den ich eben schwur, Mit schwerem Unheil strafen, dem er nicht entrinnt; Unmuth und Zeichen böser Art bereit' ich ihm Auf allen Pfaden, daß des Kampfs ihn reuen soll! Doch wird der Schwur gehalten, wird Athene's Stadt Von ihnen stets mit bundestreuem Speer geehrt, So werd' ich ihnen doppelt hold und gnädig sein. Nun fahre wohl, o Göttin, sammt dem Volk der Stadt: Den Feinden unentrinnbar steht im Sturm der Schlacht, Die Freunde schirmend, eurem Speer zum Siegesruhm! (Orestes geht ab.) Chor Chorgesang. Geschlecht der neuen Götter, ha! Du tratst altes Recht Tollkühn mit Füßen, und entwand'st es meiner Hand. Und ich, beschimpft, ich Arme, schütte zornentbrannt Auf dies Land, o Graun! Schütte rachglühend hier Gift hinab aus meiner Brust; Es strömt hin in's Land, vertilgt alle Saat; Die Flur, o Rache! Umſpinnt dürres Moos, von Laub nackt und Frucht, Und streut des Todes Flecken durch die Gau'n umher. Wir klagen? Was thun wir? Es höhnt uns das Volk aus. Uns traf herbes Leid, o Graun! schweres Weh, Der Nacht Töchter, uns, die schmachvoll gekränkten. Athene. Folgt meinem Rath, ertragt es ohne schweren Groll! Nicht überwunden seid ihr: gleiche Stimmenzahl Entschied gerecht den Handel, ohne Schmach für euch. Ein leuchtend Zeugniß sandte ja Zeus selbst an uns, Und der die That geboten, er bezeugte selbst, Nicht büßen dürf' Orestes, der die That gethan. So schüttet ihr auch eures Grolles Schwere nicht Auf dieses Land aus, zürnet nicht, tilgt nicht die Frucht Der Felder, Gifthauch strömend aus ergrimmter Brust, Der grausam, scharfer Schneide gleich, die Saaten frißt. Denn ich gelob' euch heilig, daß ein Tempel euch, Ein Heiligthum an rechter Stätte werden soll, Wo ihr an Opferherden thront in Strahlenglanz, Von dieses Landes Bürgern hochverherrlichet. Chor Chorgesang. Geschlecht der neuen Götter, ha! Du tratst altes Recht Tollkühn mit Füßen, und entwand'st es meiner Hand. Und ich, beschimpft, ich Arme, schütte zornentbrannt Auf dies Land, o Graun! Schütte rachglühend hier Gift hinab aus meiner Brust; Es strömt hin in's Land, vertilgt alle Saat; Die Flur, o Nache! Umspinnt dürres Moos, von Laub nackt und Frucht, Und streut des Todes Flecken durch die Gau'n umher. Wir klagen? Was thun wir? Es höhnt uns das Volk aus. Uns traf herbes Leid, o Graun! schweres Weh, Der Nacht Töchter, uns, die schmachvoll gekränkten. Athene. Niemand beschimpft euch; nicht in schwerem Grimme denn, Göttinnen, schafft der Menschen Land zur Wildniß um! Auf Zeus vertrau' ich - was bedarf's der Rede noch? - Nur ich von allen Göttern weiß die Schlüssel ja Zum Hause, wo sein Wetterstrahl verschlossen ruht. Doch dessen braucht's nicht; folge du nur meinem Rath, Und frevlen Mundes böse Saat, aus welcher nur Unheil emporkeimt, streue nicht auf dieses Land. Der schwarzen Woge bittern Zorn besänftige, Du, die bei mir in hohen Ehren thronen soll! Einst, wenn du dieses weiten Landes Erstlinge Als Opfer um der Kinder, um der Ehen Glück Empfängst auf immer, lobst du mich für diesen Rath. Chor Chorgesang. Weh! Daß mich solches traf! Daß ich Urgewalt, beschimpft, allverhaßt, Unter die Erde muß! Von Zorn wallt die Brust, von Grimm ohne Maß. Ach, ach! Weh, weh! Ha, welch wilder Schmerz mir die Seele durchbohrt! Vernimm, Mutter Nacht, Den Groll! Göttertrug, unüberwindlich, hat Das uralte Recht um Nichts uns geraubt. Athene. Den Zorn vergeb' ich dir; die ältre bist du ja, Wiewohl du darum keineswegs die klügre bist. Auch mir verlieh Kronion nicht unweisen Sinn. Ihr aber werdet, ziehet ihr in fremdes Land, Nach diesem Land euch sehnen, das verkünd' ich euch. Denn stets an Ehren reicher wird die Folgezeit Für meine Bürger werden; wenn du deinen Sik Einnahmst, Erechtheus' Hause nah, wohl wirst du dann Von Männern hochgefeiert und von Frauen sein, Wie du von andern Menschen nie gefeiert wirst. Drum wirf in meine Gauen nicht den blutigen Weystein des Haders, der das Jünglingsherz bethört, Aufregt zu trunkner Raserei die Nüchternen. Entflamme nicht, wie grimmer Hähne Sinn, zur Wuth Der Bürger Herzen, daß der Schlachtengott sie nicht Im eignen Stammland unter sich zum Kampf empört. Auswärts entbrenne, nicht am eignen Herd, der Krieg, Wo Lust nach Heldenruhme groß sich offenbart; Nach Hahnenkämpfen auf dem Hof verlang' ich nicht. So schöne Gaben winken euch aus meiner Hand, Wohlthuend, Wohlthat nehmend, wohl geschmückt mit Ruhm, Antheil zu haben an dem gottgeliebten Land. Chor Chorgesang. Weh! Daß mich solches traf! Daß ich Urgewalt, beschimpft, allverhaßt, Unter die Erde muß! Von Zorn wallt die Brust, von Grimm ohne Maß. Ach, ach! Weh, weh! Ha, welch wilder Schmerz mir die Seele durchbohrt! Vernimm, Mutter Nacht, Den Groll! Göttertrug, unüberwindlich, hat Das uralte Recht um Nichts uns geraubt. Athene. Nicht müde werd' ich, rathe dir zum Heile nur; Nie sollst du sagen, du, die greise Göttin, seist Von mir, der jüngern, und dem Volke meiner Stadt Ungastlich schmachvoll weggejagt aus diesem Land. Nein, wenn dir Peitho's hehre Macht als heilig gilt In meines Mundes Schmeichelton und Zauberlaut, So bleibst du hier im Lande: doch, verschmähst du dies, Dann wär' es Unrecht, wolltest du auf diese Stadt Groll oder Unmuth wälzen und ihr Leides thun. Dir steht ja frei, dich reichen Grundbesiyes hier Zu freu'n, nach Würden hochverehrt in alle Zeit. Die Chorführerin. Athene, Herrin, welchen Siz bestimmst du mir? Athene. Der frei von allem Jammer ist. Du nimm ihn an. Die Chorführerin. Gesezt, ich nähm' ihn: was für Ehre bleibt mir dann? Athene. Nie soll ein Haus der Menschen ohne dich gedeih'n. Die Chorführerin. Du willst zu solcher Höhe mich der Macht erhöh'n? Athene. Dem, der dir huldigt, bauen wir des Glückes Haus. Die Chorführerin. Und bist du dessen Bürge mir für alle Zeit? Athene. Ich kann ja nicht verheißen, was sich nicht erfüllt. Die Chorführerin. Dein Wort erweicht mich, glaub' ich, und mein Groll entflieht. Athene. So wirbst du manche Freunde wohl im Lande dir. Die Chorführerin. Was aber soll ich segnend diesem Land erfleh'n? Athene. Daß Alles, was zum Ziele schönen Sieges führt, Ihm werde, was die Erde, was des Meeres Thau Gebiert und was der Himmel; daß Windhauche frisch Im Sonnenglanze segnend durch die Fluren zieh'n; Daß meines Volkes Heerden und Gefilde rings In reicher Fülle wohlgedeih'n ohn' Unterlaß, Und süßer Hoffnung Saaten blüh'n im Mutterschooß. Die Frevler aber schaffe schonungslos hinaus. Denn gleich dem treuen Gärtner mag ich's gerne seh'n, Wenn, unversehrt von diesen, blüht der Guten Stamm. Das sei denn deines Amtes! Ich will unverrückt In Ares' glorreichkühnem Streit mit Siegesruhm Vor allen Menschen diese Stadt verherrlichen! Erster Halbchor. Erste Strophe. Nehm' ich denn neben Pallas meinen Siz, Und verschmähe nicht die Stadt, Die selbst Zeus, der Herr des Alls, und Ares Als die Burg des Himmels liebt, Als der Götter Hellas' Tempelschirmend Ehrenbild! Ihr verkünd' ich segnend nun, Ihr verheiß' ich gnadenreich, Daß fröhlichsprossend Lebensglück aus reichem Born Aufsprudle vom Erdenschooß, Den der Sonne Glanz erschließt. Athene. Den Segen gewähr' ich gnädig dem Volk, Daß hier, ich im Land sie zu wohnen bewog, Die gewaltige, schwerzuversöhnende Schaar. Denn alles Geschick zu verwalten der Welt, Fiel ihnen zum Loos. Doch wen ihr Groll Schwerlastend ereilt, nicht weiß er, woher Ihn trafen die Schläge des Lebens. Denn die Sünde, vererbt von den Vätern, sie treibt Ihn den Schrecklichen zu, und so laut er auch prahlt, Stumm faßt ihn der Fluch, Und zermalmt ihn feindlichen Grimmes. Zweiter Halbchor. Erste Gegenstrophe. Böser Hauch athme nie, der Bäume Feind! (So verheiß' ich meine Huld,) - Sonnenglut, der Pflanzen Auge sengend, Bleibe fern des Landes Mark! Nimmer schleiche graunvoll Pest heran, der Früchte Tod! Schafe, frohgedeihend, mag, Zwillingslämmer um sie her, Zu rechter Zeit die Erde stets erzieh'n; ihr Schooß Sei stets durch Hermes' Huld Goldner Gottesgaben voll! Athene. Habt ihr es gehört, Schirmherren der Stadt, Welch Glück sie verleih'n? Denn Großes vermag der Erinnyen Wort Bei den Göttern der Höh'n und im Reiche der Nacht; Sie schalten mit Allmacht, offen und klar, In der Menschen Geschick, dem frohen Gesang Und dem Andern ein Loos Voll düsterer Zähren bereitend. Erster Halbchor. Zweite Strophe. Manneskraft welke nicht, eh die Blüthe reift zur Frucht! Holder Mädchen Blume schenkt Bräutliches Glück und ein Loos, durch Freuden gesegnet, Ihr Erinnen, ihr Moiren, Töchter der Nacht wie wir, Göttliche Ordner des Rechts, Jeglichen Hauses gedenkend, Jeglichen Tages dem Wandel Frommer Menschen zugeneigt, Allzeit hochverehrte Göttinnen! Athene. Wie bin ich entzückt, daß ihr meinem Gebiet Dies freundlich gewährt! Wie preis' ich den Huldblick Peitho's dafür, Die weise das Wort und den Mund mir gelenkt, Zu gewinnen die streng abweisende Schaar! Doch gesiegt hat Zeus, der Herrscher im Rath, Und uns bleibt stets In dem Kampf um das Gute der Siegspreis. Zweiter Halbchor. Zweite Gegenstrophe. Daß, des Bluts niemals satt, Bürgeraufruhr nimmermehr Brausend ziehe durch das Land, Nimmer der Staub mit dem Blute der Bürger sich tränke, Und im Zorne der Rache Gräßlicher Wechselmord Gierig verschlinge die Stadt! Freude nur mögen sie traulich Tauschen in liebender Eintracht, Auch im Hassen Eines Sinns! Vielfach wehrt ja dies der Erde Noth. Athene. So fandest du denn wohlwollend den Pfad Friedfertigen Worts? Aus dem furchtbaren Mund der Erinnen erblüht Viel Segen, ich seh's, für die Bürger der Stadt. Wenn freundlichen Sinns ihr die Freundlichen stets Hoch ehret hinfort; dann werdet ihr Land Und Stadt allzeit Nuhmvoll in Gerechtigkeit lenken. Erster Halbchor. Dritte Strophe. Heil dir im heiteren Segen des Glückes, Heil dir! Heil dir, edles Volk der Stadt, Das Kronion nahe wohnt, Seiner holden Tochter hold, Wohlbedacht zu rechter Zeit! Die der Pallas Flügel deckt, Diese liebt ihr Vater auch. (Während dieses Gesanges treten auf einen Wink Athene's Prieste rinnen mit brennenden Fackeln heran.) Athene. Heil ruf' ich auch euch! Nun muß ich zuvor Hingeh'n, und weise die Wohnstatt euch Bei dem festlichen Schein der Geleitenden hier. Auf, steigt, von den heiligen Opfern umwallt, In die Tiefe hinab, und wehret vom Land, Was Unheil bringt; was Segen verheißt, Das sendet der Stadt zu dem Siege! Dann führet sie selbst, ihr Bürger der Stadt Aus Kranaos' Stamm, daß sie wohnen bei euch. Stets bleibe das Volk Für die Freundlichen freundlichen Sinnes! Zweiter Halbchor. Dritte Gegenstrophe. Heil dir und Freude, so ruf' ich von neuem, Heil dir, Allem Volke dieser Stadt, Göttern sowie Sterblichen, Die ihr Pallas' Burg bewohnt ! Wenn ihr meine Nähe stets Fromm verehrt, so scheltet ihr Nie des Lebens Mißgeschick. Athene. Ich danke dir für deines Segens holdes Wort, Und will im hellen Strahlenglanz der Fackeln dich Zum finstern Haus geleiten, nach der Erde Schooß, Sammt meinen Dienerinnen, die in treuer Hut Mein Bild bewahren. Trete denn hervor der Stolz Des ganzen Theseuslandes, eine fromme Schaar Von Kindern, Frauen, und ein Zug von Greisinnen! Von purpurheller Festgewande Schmuck umhüllt, Verehrt der Eumeniden Macht, dies sei hinfort Ihr Name, - lichter Fackeln Glanz erhebe sich, Daß diese Mitherrinnen eures Landes hold Und gnädig fortan schaffen an der Männer Glück! (Athene mit ihren Priesterinnen steigt in die Orchestra hinab. Ihr folgen die Richter, die den Zug der Eumeniden führen, und ein zahlreiches Gefolge von Athenern und Athenerinnen.) Die Priesterinnen. Erste Strophe. Wandelt in's Haus, ihr Gewaltigen, Hehren, Greise Töchter der Nacht, in des Zugs treuem Geleite! Bürger, feiert in Andacht still! Erste Gegenstrophe. Tief in der Erde verwitterten Gründen Sind euch Ehren und Opfer geweiht, flammen Gebete! Ringsum feiert in Andacht still! Zweite Strophe. Gnadenreich und diesem Land gewogen Wandelt einher, ihr Hehren, und freut euch Hellauflodernder Fackeln im Zug! Nun schalle der Jubel zum Festlied! Zweite Gegenstrophe. Stets weiht Pallas' Volk bei Fackelglanz' euch Spenden hinfort. So wollte das Schicksal, So Zeus' allesdurchschauender Blick. Nun schalle der Jubel zum Festlied!

Donner does not repeat this refrain at this position. See the earlier occurrence in his translation. Donner 333

Donner does not repeat this refrain at this position. See the earlier occurrence in his translation. Donner 344