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Daſs Gott im Himmel wohnt, ist uns eine selbst- verständliche Vorstellung. Wir wissen freilich, daſs der Weltenraum unendlich ist und ein überweltlicher Himmel, wie ihn die aristotelisch-ptolemäische Konstruktion des Universums anzunehmen gestattete, nicht existiert. Aber das stört uns nicht: geht doch auch für unsere sinnliche Anschauung die Sonne auf und unter, und die Phantasie läfst sich durch die abstrakten Thatsachen, die der Ver- stand begriffen hat, nicht beirren.
Indessen erhält keinesweges bloſs die unmittelbare Naturanschauung das mythische Bild des Himmelsgottes lebendig, sondern es wirken dafür zwei geschichtliche Faktoren mit. Der Gott der Juden war ein Himmelsgott, und die maſsgebende griechische Philosophie hatte die Gottheit oberhalb oder in der äuſsersten Sphäre der koncentrischen Kugeln lokalisiert, als welche sie das Universum konstruierte. Beides hatte die christliche Kirche übernommen, und als das aristotelisch - ptolemäische System überwunden ward, konnte die mythische Lokalisation Gottes doch nicht aufgegeben werden, und sie brauchte es nicht, da die sinnliche Anschauung ihr zu Hilfe kam.
So ist es gekommen, daſs die natürliche Religion, so weit sie die Götter im Himmel ansiedelt, unmittelbar verständlich ist, und dann ist man rasch mit dem Schlusse bei der Hand, das wäre eine ganz notwendige primitive Vor-
stellung. Dem ist nicht so; es gehört vielmehr bereits eine starke Abstraktion dazu, die Götter von der Erde zu entfernen. Die späteren Himmelsgötter haben alle auf Bergkuppen gewohnt, Jahwe auf dem Sinai, Zeus auf dem Olympos. Zeus ist dann freilich schon sehr früh wirklich ein universaler Gott geworden, dem entsprechend, daſs sich der Himmel über die ganze Erde wölbt, so daſs sein Herr auch die nationale Beschränktheit ablegt.
Jahwe ist zu gleicher Universalität wohl in dem Glauben einzelner Propheten erhoben; im Kultus ist er immer Judengott geblieben, angesiedelt auf dem Berge Jeru- salems, wo er allein Opfer annahm. Darum hat die älteste Christenheit sehr wohl gewusst, daſs ihr ein anderer Gott verkündet war; aber die Menschen haben, wie es Menschenart ist, des mythischen Bildes nicht ent- raten können und die historische Kontinuität nicht preis- geben mögen. Das soll man nicht verschleiern, sondern verstehen; schelten wird es nur der Rationalismus; für den Proktophantasmisten ist ein mythisches Bild nur etwas was es gar nicht giebt, und die Achtung des historisch Gewordenen Prinzipienlosigkeit.
Dem gegenüber ist eine andere mindestens gleich
alte und gleich heilige Vorstellung gänzlich vergessen:
die Erde hat ihre Göttlichkeit eingebüſst. Namentlich
der moderne Mensch, der in der Steinwüste der Städte
ein widernatürliches Leben führt, vermag sich auch mit
der Abstraktion schwer in den Gedankenkreis zu finden,
für den ihm die sinnliche Anschauung fehlt. Es sind
aber auch hier geschichtliche Faktoren mitthätig. Die
Hebräer waren ein Wüstenvolk; ihnen konnte der Gott
genügen, der vom Sinai herab Wolken und Blitze sandte.
Die Griechen Homers waren Auswanderer, verjagt von
dem heimischen Boden, der sie gezeugt hatte und in
dem ihre Toten ruhten. Sie saſsen auf einem schmalen
Küstensaume oder auf felsigen Inseln; den Acker, der
Nicht
viel anders steht die Spekulation der griechischen
Wissenschaft. Sie ist erwachsen an denselben ionischen
Küsten, die das homerische Epos erzeugt haben, und
hat dieselbe Loslösung von dem Mutterboden zur Vor-
aussetzung. Die Beobachtung der Gesetzlichkeit, des
Kosmos, in den Bewegungen der Himmelskörper hat den
Grund zu der ionischen Naturwissenschaft gelegt, und
die kühne Grundfrage nach dem Urgrunde für das als
gesetzmäſsige Einheit begriffene Leben wird so formuliert,
daſs ein belebter Urstoff gesucht wird. Da bietet sich
das bewegliche Feuchte, das lodernde Feuer, die flüchtige
Luft: die Erde hat niemand als Urprinzip aufgestellt,
sagt Aristoteles; ihr schien die aktive Kraft der Be-
wegung zu mangeln. Gewiſs, kein Philosoph; aber lange
vor diesen hatte sich im Mutterlande die Spekulation in
dieser Richtung bewegt. Hesiodos läſst nach dem Chaos,
der gähnenden Leere, von der nur Finsternis und Nacht
stammen, die Erde hervortreten, und dann den Eros,
das zeugende Prinzip
Dienst von Gottheiten, die auf die göttliche Erde zurück- gehen, in allen Städten der altheiligste war, also Speku- lation auf Grund der Religion. „Erde, Mutter selbst des Zeus", sagt Sophokles: das ist unmittelbar Religion.
Der Mensch, der sich ein festes Haus gebaut und
den Acker ringsumher gerodet hat und pflügt und be-
wässert, auf daſs er ihn nähre, fühlt sich abhängig von
der Erde, die ihn trägt und nährt, deren Schofse er das
Saatkorn anvertraut, hoffend, daſs sie es keimen mache,
in den er auch die Seinen bettet, hoffend, daſs sie dort
als segnende Geister Frieden finden
Goethe war sonst gewohnt diese Götterkraft Natur zu nennen, und das würde auch uns ganz verständlich sein, weil es ein Fremdwort ist (der Puristendummheit zum Trotze), ein gemachtes lateinisches Wort, das die griechische Physis übersetzt, die schon Herakleitos per- sonifiziert hatte, weil der Philosoph die zu Personen ge- wordenen Abstrakta seines Volkes nicht mehr brauchen konnte, die personifizierende Dichtersprache aber noch nicht abzulegen verstand.
So greifen wir nach dem Heiligsten von Poesie und Philosophie, um die Empfindung primitiver wilder Menschen auszusprechen: ganz mit Recht; denn als fromme Empfindung dessen was heilig und göttlich ist, steht sie der unseren und der Goethes ebenbürtig zur Seite. Aber wenn wir die Ausdrucks- formen jener Wilden suchen, so werden wir allerdings sehr viel tiefer hinabsteigen müssen.
Was wir am ehesten von der Natur aussagen, dafür
ist der natürlichen Religion die Erde Träger, schon von
der Sprache weiblich gedacht, und da ihr Schaffen als
ein Gebären erscheint, bei vielen Völkern Mutter zu-
benannt. Aber so groſs die Rolle ist, die Gaia in der
kosmologischen Poesie und Spekulation spielt, so hat sie
doch im Kultus nur einen bescheidenen Platz, und wenn
sie es für bestimmte Scenen auch zu einer festen Bildung
in der Kunst gebracht hat, so ist sie doch unter diesem
ihrem eigentlichen Namen keine Person, zu der der
Mensch ein persönliches Verhältnis gewonnen hätte. Den
Dagegen ist 'Mutter' der Name einer vieler Orten hoch
verehrten Göttin gewesen. Die Dichter und Theologen
fügen wohl zur näheren Bestimmung Mutter der Götter,
oder groſse Mutter, oder Mutter des Zeus hinzu. Als
letztere bekommt sie schon früh einen Eigennamen,
Rheia, und man erzählt dann Geschichten von ihr. Aber
Rheia bleibt der Religion ganz fern; das Wort ist nicht
griechisch, und alles spricht dafür, daſs die ganze Person
der Mutter, wenn auch früh, aus Asien herübergekommen
ist
Goethe gebraucht den Plural, die Mütter, der ihm
mit Recht etwas Unbestimmteres und daher der Weite
des Begriffes Angemessenes schien. Dieser Plural ist
von den Griechen und Asiaten nicht beliebt worden,
auch von den Italikern nicht. Wohl aber hat schon die
Gelehrsamkeit des Timaios bemerkt, daſs die Mütter in
westlicheren Gegenden weite Verehrung genossen, auf
Kreta, auf Sicilien
Wo immer wir deren Religion antreffen, in Oberitalien,
an Donau, Rhein und Rhone, treten die Mütter auf, ge-
bildet als Dreiverein, aber differenziiert durch Beinamen,
die mindestens überwiegend örtliche Bedeutung haben
Das muſs ja immer und überall das erste gewesen sein, daſs die allgemeine Naturpotenz dem Menschen unter konkreten lokalen Bedingungen erschien.
Seine Erde, diese, die er kannte, die in diesem Walde und Quell und Acker thätig war, war ihm Gott, ihr opferte er, damit sie ihm gnädig wäre, sie wollte er für sich: der Acker und Wald und Quell des Nachbars mit seinen Götterkräften war ihm gleichgiltig, wo nicht verhaſst.
Bewies ein lokaler Gott seine Macht über die anderen, so konnte er sie ver- drängen, eben von seinem eignen Machtbereiche aus, und so ist der Zeus vom Olympos der allgemeine geworden, weil seine Verehrer, die die Regen- und Donnerwolke von dem thessalischen Berge ziehen sahen, den Ton angegeben haben.
Die anderen Zeus, die von anderen Bergen
donnerten, sind vergessen, oder der Bergname Olympos
ist gewandert, weil die Menschen in dem Berge, der nun
ihres Gottes Sitz geworden war, den des olympischen
Zeus wiederfinden wollten
Noch wichtiger ist es, daſs diese keltischen Mütter lehren, wie wenig auf Einheit und Vielheit der göttlichen Personen ankommt.
Das ist mit das Wesentlichste für das Verständnis der primitiven Religion.
Das Göttliche ist seiner Natur nach ein Unbegrenztes (ἄπειρον), das nie- mals durch eine Person, die wirklich individuell geworden ist, ganz ausgefüllt werden kann.
Der Plural ist an sich etwas Abstrakteres, und da er hier eine Mehrheit gleich- gearteter Personen umfasst, die man einzeln zunächst gar nicht denkt, deren Eigennamen, wenn sie gebildet werden, immer etwas Sekundäres und nie Wesentliches sind, so eignet er sich besonders für elementare Wesen, wo die notwendig vielgestaltige und widersprechende geglaubte Wahrnehmung der göttlichen Person ihm Vorschub leisten muſste.
Für den Inhalt der Vorstellung aber verschlägt es nichts, ob an einer Quelle eine Nymphe sitzt oder drei, auf einer Wiese eine weiſse Frau umgeht, oder viele Elfen einen Reigen tanzen, in einem Busche ein Waldschrat sitzt oder ein Rudel Satyrn.
Man darf nicht einmal sagen, daſs der Plural immer das frühere wäre, weil er als das Unbestimmtere logisch näher liegt: Ilias und Odyssee beginnen mit der Anrufung einer Muse; aber jeder Gottesname, der auch im Plural erscheint, ist notwendig zuerst inhaltlich nicht bestimmter als es ein Gattungsname zulässt.
Bei den Griechen kommt hinzu, daſs Vereine weiblicher Götter nicht mütterlich gedacht werden können: die Monogamie, auf die die ganze Gesellschaft gebaut ist, kennt nur eine Trägerin des Ehrennamens an einem Orte.
Also sind in einem
Vereine immer junge Frauen, Nymphen (das nur sagt
Erscheint also die Naturkraft der Erde in solchem Vereine, so ist ihr Schaffen nicht mehr ein Gebären, sondern ein Schenken, oder wie man sich den also mehr vergeistigten Prozeſs sinnlich vorstellt.
Machen wir sowohl von der Gleichberechtigung der Einzahl und Vielzahl wie von der Notwendigkeit örtlich bestimmter, also im Namen verschiedener, inhaltlich identischer Verkörperungen für die Erde Gebrauch, so werden wir uns das Land übersäet denken mit Kult- stätten der so oder so benannten, bald als eine Mutter, bald als ein Verein von jungen Frauen gedachten Natur- kraft der Erde.
So finden wir es in Latium, ehe die
griechische Religion eindringt, und z. B. Fortuna
Besser als die von
dem Griechentum entstellte schriftliche Überlieferung
zeigen ihr Wesen die vielfach erhaltenen Weihgeschenke
an sie
Wir finden auch in Griechenland seit der Zeit,
wo man die Götter menschenähnlich denkt und bildet,
ziemlich aller Orten Thonfiguren matronaler oder auch
jugendlicher Haltung, die wir mit dem Namen selten be-
nennen können, den ihre Stifter gebraucht haben: was
Wir kennen auch lokale Benennungen genug, die freilich meistens nur noch als Beinamen Demeters erscheinen.
Denn der not- wendige Prozeſs ist, daſs unter den vielen gleichartigen Gestalten einige oder eine das Übergewicht erlangt, so daſs die schwächeren verkümmern oder in jene aufgehen.
So sieht man den älteren Zustand in abgelegeneren Gegenden, was dann das andere richtig würdigen lehrt.
Namentlich sind in den Peloponnes die homerischen Götter erst so spät eingedrungen, daſs sie die alte Vielgestaltig- keit nicht ganz verdrängt haben.
Die Aufzählung dieser
lokalen Kulte und Namen würde hier nur verwirren
Die Plurale sind besonders wenig bezeichnend, die 'Groſsen', die 'Hehren', die 'Erhabenen', die 'Gnädigen'.
Es sind aber die darunter, die in unserem Drama von den Verfolgerinnen des Orestes gebraucht werden: die 'Erhabenen', Σεμναί, nennen sie sich selbst (383), und so war ihr Name an ihrer athenischen Kultstätte.
Die Holdgesinnten, Eumeniden, hat der Dichter sie im Titel genannt: so hiefsen sie an mehreren Orten im Peloponnes; wir haben das Weihgeschenk eines Ehe- paares an sie aus Argos.
An einem Orte ältester Kultur,
in dem böotischen Orchomenos, heiſsen die Hauptgöttinnen,
Das ist ein Abstraktum, von den Römern
mit Gratia übersetzt, Liebreiz, Liebesdienst und Dank be-
deutend, was denn auch im allgemeinen Glauben diesen
Göttinnen zugeschrieben wird, und der Name ist zuerst
nur in dem Sinne von liebreizenden Mädchen gegeben wie
der der Nymphen
Aber in Orchomenos sind sie mit der ganzen Macht der Erdgöttin begabt, und Pindaros, der den Herrinnen seiner Nachbarstadt gern huldigt, hat die ganze Macht der Huldinnen verstanden.
Von den Cha- riten kann man in ihrem Wesen die Horen nicht trennen, die wahrhaftig keine bloſsen Allegorieen für die Jahres- zeiten sind, wozu man sie später degradiert hat.
Denn
die Hore eines Menschen ist die Zeit seiner Blüte und
Reife, seiner Schönheit und Kraft, und so walten die
Horen auch über Blühen, Wachsen und Gedeihen
Und zu ihnen treten
die Moiren, die Schicksalsfrauen, die bei den entscheiden-
den Momenten des Menschenlebens, bei Geburt und
Hochzeit und Tod erscheinen
zeit ruft man sie, dem Schicksalstage für das Lebensglück zumal der Frau: so wenden sich auch die versöhnten Höllengeister unseres Dramas an sie und verherrlichen ihre Macht: wie ganz anders, als wenn sie das kalte Schicksal wären, zu dem sie die Spekulation später ge- macht hat, wie Fortuna zum blinden Zufall.
Von einer Gottheit, deren Name Themis einen ganz abstrakten Begriff, Ordnung oder Recht, zu verraten scheint, und die doch Tempel und Altäre gehabt hat, sagt Aischylos selber direkt, daſs sie mit der Erde, Gaia, identisch ist. So lehrt diese am besten, wie weit schon älteste Zeit die Götterkraft der Erde von der Natur zur Sittlichkeit entwickelt hatte.
Überwiegend ist allerdings
die Ordnung selbst in die Bringerin der Ordnung, Thesmo-
phoros, verwandelt worden, die dann als Beiname Demeters
erscheint. Was sie bringt, ist jener Bau eines unge-
schriebenen Sittengesetzes, den das auf den Ackerbau
gegründete seſshafte Leben errichtet. Da ist das erste
die Ehe, durch die der Frau als Hausherrin (Despoina,
ein Name, den die Erdmutter selbst führt) zuerst ihre
Würde wird: so ist die Pflege der Thesmophoros Sache
der verheirateten Bürgerfrauen. Aber die weiteren Grund-
gebote der hellenischen Moral schlieſsen sich an, den
Göttern ihren Kult, Vater und Mutter ihre Ehren zu
gewähren und die hellenischen Sitten zu üben, z. B. dem
Heischenden Wasser und Feuer zu geben, den Weg zu
sagen, den Bittflehenden aufzunehmen, unbestattete Leichen
zu begraben u. dgl.
Der Name, unter dem die Erdgöttin die individuellste
Hier sind heilige Geschichten zugetreten, vor allem, dafs der Mutter ihre Tochter in die Hölle entführt wird, aus der sie aber alljährlich für acht Monate auf die Erde zurück- kehrt. Jeder kennt diese Geschichte und durchschaut die Bedeutung: sie illustriert die Kultgebräuche, die im Festjahre das Entstehen und Vergehen des vegetativen Lebens begleiten.
Dies verfolgen wir nicht, und die
Differenziierung der Gottheit in zwei komplementäre Per-
sonen, der Mutter und Tochter, der 'beiden Göttinnen', zu
der es nicht an Parallelen fehlt
Das ist die Erde in
einer andern Phase ihres Wesens
Und vor den Seelen, denen der Tod die Macht nicht genommen hat, die um die Gräber, aber auch durch die Schatten der Nacht schweifen, graut sich der Mensch; das Rätsel des Fortlebens der Abgeschiedenen, deren Wirkung er in der Seele empfindet, ist immer schauerlicher als der starre Tod.
Da berührt und vermischt sich die Herrin der
Hölle mit einer anderen Göttin, die aus einer weithin
reichenden, aber im Grunde verschiedenen Vorstellung
hervorgegangen ist, mit der Herrin der unbefriedeten
Natur, des Bergwaldes draufsen mit seinem Wilde, der
gespenstigen Jungfrau, die über die Haide saust, die an
den Dreiwegen rastet, die im Sturmwind und Wogen-
schwall über das Meer fährt, den Sinn verstört und die
Glieder lähmt, die den bösen plötzlichen Tod giebt. Sie
trägt auch viele Namen, Brimo, Diktyna, Laphria u. dgl.;
Hekate und Artemis (die Schlächterin, dem Wortsinne
nach) sind die verbreitetsten. Es fehlt auch nicht die
Wir haben hier nicht zu verfolgen, welche Entwickelung diese Gestalt genommen hat; nur die erste Konzeption geht uns an.
Auch hier ward ent- scheidend, wie sich die Griechen ihr Leben seſshaft machten und befriedeten. Sie machen sich um den Hof einen Zaun (ἔρχος), noch lieber um das ganze Dorf einen Wall (eine πόλις), denn die städtische Siedelung ist ihnen (noch nicht bei Homer) das Normale. Der Stadtring scheidet dann das sichere befriedete Reich im Innern von dem unheimlichen draufsen.
Drinnen darf nicht be-
graben werden: die Seelen gehören nicht zur Gemein-
schaft
Wenn sich so das unheimliche
Draufsen in Gegensatz zu dem friedlichen Heim stellt,
Aber in dem Wesen der Erde liegen die lichte und die schwarze Seite, und wie sie sich in Mutter und Tochter differenziiert haben, die doch als das Götterpaar vereinigt bleiben, so liegt in dem Wesen jeder Erdgottheit der Keim zu der Entwickelung nach beiden Seiten, vollends, wenn sie als ein Verein von Göttern aufgefafst war.
Die Chariten sind ausschliesslich freundlich und hold: die Erinyen sind nur als strafende Dämonen der Hölle thätig geblieben, und schon das Altertum hat gemeint, dafs sie den Namen der Holdgesinnten, Eumeniden, nur euphe- mistisch getragen hätten, der, da er selbständig vor- kommt, vielmehr für die weitere Natur der Erinyen Zeugnis ablegt.
Diese muſs man erkennen und anerkennen, sonst ist die Tragödie des Aischylos eine Fratze.
Wir haben keine Kunde, dafs irgendwo die Erinyen
unter diesem Namen Verehrung genossen haben, den
Aischylos ohne Unterschied neben anderen anwendet
Aber Erinys, von den Späteren mit Demeter gleich-
gesetzt, war in Thelpusa, einem abgelegenen Gebirgsdorfe
Arkadiens
Neben ihrem Bilde, einem Weibe mit Korb und Fackel (in späterer gemeiner Demetergestalt), stand das Bild einer anderen Demeter, nach dem Dorfbach benannt und durch eine kümmer- liche Erklärung erläutert: in ihm fanden andere Themis.
Wir werden leicht die beiden Seiten der Erdgöttin durch- schauen.
Daneben aber erzählte man die seltsame Ge-
schichte, daſs Erinys und Poseidon, beide in Pferde-
gestalt, einen Sohn
Die Münzen des Ortes zeigen das Bild dieses gespenstigen
Pferdes, das die heroische Dichtung, seiner Bedeutung,
nicht seiner Herkunft vergessend, zu einem vortrefflichen
Reittier herabgewürdigt hat
Es trete neben dieses Rudiment einer uns so gar unhellenisch anmutenden Vor- stellungsart gleich eine Parallele.
Medusa, die 'Fürstin',
die vornehmste in dem Vereine der Gorgonen, der
Trägerinnen des alles Leben vernichtenden bösen Blickes,
Lassen wir das Viele beiseite, wozu diese grotesken Konzeptionen anreizen: das drängt sich von selbst auf, daſs Erinys die Erdgöttin ist nach ihrer nächtigen und höllischen Seite hin gefaſst, aber in Thelpusa noch in solcher Weite des Wirkens, daſs sie sich an Demeter angleichen lieſs, wenn auch später eine komplementäre Gestalt neben sie treten muſste.
Medusa ist nur noch ein besonders fürchterliches höllisches Gespenst, aber ihr Name sagt, daſs sie einst mehr war.
Endlich ist unverkennbar,
daſs die Arkader sich die groſsen Götter in Rofsgestalt
dachten; sie haben sie auch als Bär und Wolf und Bock
gedacht
Es gehört zu dem ersten, was man sich zu eigen
Damit ist auch die Notwendig- keit verschwunden, daſs eine göttliche Person nur in einer bestimmten Gestalt der Phantasie erschienen wäre.
Für die Erdgöttin ist kenntlich, daſs ihr Sitz in Hainen gedacht ward, die man zuerst nicht sowohl gepflanzt als bei der Rodung des Waldes in der Feldflur stehen ge- lassen haben wird: man sieht, wie leicht sich ebenda auch die Herrin des friedlosen Drauſsen ansiedeln konnte.
In solchem Haine ist ein besonders schöner Baum oder
eine Baumgruppe der Träger der göttlichen Seele: vor
ihm und an ihm wird man für sie opfern
Neben dem Haine bietet sich, für die Herrin der Erdentiefe noch passender, die Höhle, der Eingang in das Reich drunten.
Solche Höllenpforte war in Eleusis
In dem Erdinnern wohnt als das ge- eignetste Tier, in dessen Gestalt die Göttin sich zeigen kann, die Schlange.
Als Schlange denkt sich der Hellene am liebsten die Seele des verstorbenen Menschen: sie paſst auch für die Seele der Erde.
So hat denn Zeus
Die Schlange ist
dann wegen ihrer Unheimlichkeit ebenso höllisch ge-
worden wie die Gorgo oder die Erinys, und Echidna,
die Urschlange, erscheint nur noch als Mutter von Scheu-
salen
Auch bei Aischylos heiſst die Erinys einmal
Schlange (128), und wenn sein Chor keine Schlangen in
den Händen hält, wie die Eumeniden auf dem Relief von
Argos
Sehr viel befremdlicher ist uns die Roſsgestalt.
Wir kennen
sie aus Homer an den Winden und an den 'Rafferinnen',
Harpyien, die auch im Sturme daherfahren
Dicht unter der höchsten Kuppe des Helikon rinnt die Roſsquelle, Hippukrene, die der Huf eines überirdischen Hengstes geschlagen hat; weiter unten heiſst die Quelle, durch deren Wasserreich- tum das Musenthal so anmutig geworden ist, die 'freund- liche Stute', Aganippe.
Ganz besonders liebt Poseidon die Roſsgestalt, deſsen umfassendes Walten freilich mit der Herrschaft über die Gewässer nicht erschöpft ist, und er mag dazu Veranlaſsung gegeben haben, daſs die Erdgöttinnen, die von ihm Mutter werden, die gleiche Erscheinung annehmen.
Aber der wilde Bergwald wird auch allgemein mit dämonischen Rossen bevölkert, und nur halb hat die Vermenschlichung den Silen seiner Pferdenatur entkleidet, wie den Satyr seiner Bocksnatur.
Die Kentauren sind immer Mischwesen geblieben, jetzt ungeschlachte Feinde der Menschen, bestimmt von den Heroen ausgerottet zu werden; aber Chiron der Gerechte, der Sohn des vorweltlichen Gottes Kronos und der Linde, hat einst wirklich göttliche Ehren empfangen.
Wie weit
diese Tiergestalt auch den freundlichsten Gewalten an-
gemessen schienAgam. 1660 der
Huf des Dämons.
Dagegen hat er sie als Bluthunde mit grellsten Farben
gezeichnet und nennt sie einfach Hunde. Unter dem
Gebell einer gespenstischen Meute fährt die Todesgöttin
oder die Herrin der Wildnis draußen über die Erde.
Hund ist überhaupt die Bezeichnung des Dieners, wenn
auch immer eine erniedrigendeAgam. 607, 895.Iph. T. 294, scheint zu stehen, daß die
Erinyen brüllten wie Rinder. Das ist so irrig, wie der Vers
gefälscht ist. Die Kuhgestalt fehlt zu unserer Überraschung
nicht nur den Erinyen und ihres Gleichen, sondern auch der
Erdgöttin; Hera, der sie zukommt, ist eben keine, sondern
die Gattin des Himmelsgottes, der sehr oft Stiergestalt trägt
wie Jahwe auch.
Alles Tierische ist für Aischylos nur noch Bild, höchstens Reminiscenz an die grausigen Spiele einer ungeschlachten Phantasie der Vorzeit, wie die Walpurgisnacht für uns. Er giebt seinem Chore menschliche Gestalt, aber immer noch so gräßlich, daß er sein Publikum durch den Prolog vorbereiten muß. Gebildet hatte …
… er die Masken nach der Vorlage, die ihm die Malerei
liefertePhorkides gedichtet: da müssen also ähnliche
Scheusale, die Graien oder wen er sonst als Kinder des
Phorkos mit Perseus zusammenbrachte, den Chor gebildet
haben. Wie kann man da sich über den Chor der Eumeniden
so entsetzt haben, wie uns überliefert ist? Entweder war jenes
Drama so gut wie vergessen, oder er hatte die Phorkostöchter
zu Mädchen, Nymphen, vermenschlicht.
Mag der Leser auch unwillig gerufen haben: was brauche ich solche Barbareien — es sind ihm eher noch zu wenig vorgeführt. Am liebsten zeigte ich ihm eine ganze Reihe jener geschnittenen Steine, die man nach den Inseln nennt, weil sie dort zuerst in größerer Zahl ans Licht kamen: da würde er sich über die tollen und absurden Mischbildungen aller möglichen Tierleiber entsetzen, in denen zweifelsohne die Zeit, deren Gedächtnis in den Stoffen Homers dauert, ihre Götter und Dämonen gesehen hat.
Wer die Einführung der Erinyen, und erst recht wer die Wandelung der Scheusale in segenspendende Geister begreifen will, der muß auch eine Ahnung von dem haben, was die religiöse Phantasie erfüllte, als sie diese Gestalten konzipierte; er muß die doppelte Wandelung übersehen, welche die hellenischen Götter überhaupt durchgemacht haben: die Vermenschlichung durch Homer, die aber in vielem Entgöttlichung nicht minder als Enttierung ist, und die Versittlichung durch die Fortschritte der Religion, die mit der Vergeistigung vielfach die Aufhebung der real geglaubten Person zur Folge hat.
Als die höhere materielle und geistige und künstlerische Kultur aus Asien wieder herüberkam und in der homerischen Poesie nicht nur ihren größten Schatz, sondern auch ein wunderbar geschmeidiges Ausdrucksmittel mitbrachte, mußte sie die Götter, die sie vorfand, allmählich entweder den homerischen angleichen, in sie überführen, oder als Götter niederer Sphäre in dienende Stellung weisen (wo man denn bald lieber Dämonen als Götter sagte), oder sie als überwundene Urgewalten hinter die Lichtgestalten Homers in den Tartaros werfen. Sie fand auch einige wieder, die einst mitgewandert waren, aber sich unter dem andern Himmel verändert hatten. Dazu gehörten die Erinyen. Wie hätten sie, losgelöst von dem Boden, in dem sie wohnten, ihre alte weite Wirksamkeit bewahren sollen, da sie entwurzelt waren wie die Auswanderer selbst. Wir hören bei Homer, daß sie dienende Dämonen der Hölle sind, die im Nebel wandeln; sie kommen auf die Beschwörung der Menschen, denen ein Recht gekränkt ist, welches die Gesellschaft als unverletzlich anerkennt; also namentlich die Eltern, aber auch der ältere Bruder, der Bettler kann die Erinyen rufen, wenn ihm in seiner betreffenden Eigenschaft Un-…
…recht geschieht. Dann bringen sie die Strafe, deren
Vollstreckung nicht genauer geschildert wird. Ferner
erscheinen sie als Schwurzeugen neben Erde und Sonne,
und da wird hinzugefügt, daß sie den Meineidigen unter
der Erde, also nach dem Tode, ewig peinigenIlias Τ 259. Die Strafen des Meineidigen sind immer
besonders ausgemalt worden und so schon früh auch in das
Leben nach dem Tode verlegt, weil man so viele Eide schwor,
und staatliche Ahndung des Meineids widersinnig schien:
die Götter waren ja beleidigt, und man glaubte damals noch,
daß sie ihre Beleidigungen zu ahnden vermöchten.
Trotz dieser Tätigkeit und diesem Wohnsitze ist die Person
der Erinyen im Verblassen. Meist tritt ein Genitiv dazu,
Erinyen der Mutter, der BettlerAnt. 1079 redet gar von den Erinyen des
Hades und der Götter, die den Kreon für seinen Frevel an
Polyneikes strafen werden. Er hätte auch von der Moira
oder Tyche derselben Götter reden können; es ist nur noch
periphrastisch, aber die Periphrase schmückt so, daß das
Bild von grausamen Schergen entsteht, die den Götterwillen
vollstrecken.Choeph. 406: da stehen die „Flüche
der Sterbenden“ parallel zu „Erde und Rechte der Unterirdischen“,
eine gewaltige, göttlich empfundene Macht, aber persönlich
brauchten sie so wenig zu sein wie die
Das homerische Epos hat gewiß dazu beigetragen, den Namen der Erinyen allgemein zu verbreiten, den wir im Kultus ja nirgend antreffen und im Gebrauch des Lebens nicht voraussetzen können. So ist denn die allgemeine Vorstellung, die man von ihnen hatte, als Aischylos dichtete, und die dann zu dem konventionellen
Inventare der poetischen Mythologie gehört (die aber für das Wesen der alten und der gleichzeitigen Religion kaum etwas bedeutet), auf dem Boden Homers erwachsen; aber sie hat unter der heiſsen Gläubigkeit, auch wohl der Glaubensfurcht des Mutterlandes in den Jahrhunderten, von denen vor den beiden ersten Dramen gehandelt ist, sehr viel grellere Farben erhalten.
Hier gab es noch keine Zweifel an der Realität solcher Personen, vielmehr ertrug man noch viel von dem alten tierischen Wesen. Hesiodos hat die Erinyen noch hoch gewertet, denn die Erde empfängt sie lange vor dem Göttergeschlechte, noch mit den Riesen, aus dem Blute des entmannten Himmels: sie sind eine Macht der Vorwelt.
Dasselbe sagt die Ableitung von Kronos¹) in einem attischen theologischen Gedichte.
Und die Nacht, die ihnen Aischylos zur Mutter giebt, pflegt auch am Anfange aller Dinge zu stehen²).
Aber die Genealogie ist immer nur ein Versuch das Wesen zu erklären.
Die Erinyen sind nun erstens die Folterknechte der Hölle, wie das Apollon mit schneidender Härte ihnen vorhält³).
Sonst hat das unser Dichter zurückgedrängt, der die Strafen der Unter-
Ferner sind sie auf Erden die Schergen des Rechtes, jenes ungeschriebenen, das deshalb universell und unverbrüchlich ist. Dessen Grenzen sind in verschiedenen Kreisen verschieden. In dem apollinischen Epos von der Blutrache des Orestes waren sie streng auf diese beschränkt, und danach umgrenzen die Erinyen in der Gerichtscene ihre Wirksamkeit. Sophokles hat ihre Thätigkeit sehr viel weiter ausgedehnt, so daſs auch der Ehebruch unter ihre Kompetenz fällt¹), während sie hier sogar Gattenmord zu verfolgen ablehnen. Aber in ihren Liedern erscheinen sie auch bei Aischylos unvermerkt als die Hüterinnen des Rechtes überhaupt, einerlei ob sie unmittelbar die Strafe vollziehen, wie sie das Blut des Orestes aus seinem lebendigen Leibe saugen wollen, oder den Schuldigen niederschlagen und in die Hölle schleppen, wo er anderen Henkern verfällt. Noch viel höher hebt sie Athena, wenn sie ihnen nachsagt, daſs sie den Menschen sowohl Unheil wie Gedeihen gewähren, und gar zugesteht, dafs durch das Erbteil von Sünden, das ein jeglicher mitbekommt, auch einen jeden ihre schweren Schläge treffen können. Da sind die Henkerinnen zu den Organen des ewigen Rechtes, das in allem Menschenschicksal waltet, erhoben. Da ist, wie wir nun einsehen, die alte Majestät der Erdgöttin hergestellt: der fromme Dichter hat den durch Homer entwürdigten Urgewalten ihre Heiligkeit zurückgegeben.
Wie ihm das möglich gewesen ist, da er doch weder mythologischen Spekulationen nachging, noch die Würde von Dämonen im Auge hatte, die für ihn nur noch Sym-
Die Burg von Athen, die alte Stadt, und ihre Umgebung, einst vorstädtisch, ist voll von Heiligtümern der Erdgöttin in ihren verschiedenen Erscheinungsformen. Auf der Burg selbst hat Gaia ihren Altar, da opfert man um Regen. Wenn der ausbleibt, so dürstet das ganze Land: da paſst der umfassendste und elementarste Name. Unfern von jenem Altare ist das Gärtchen, in dem der heilige Ölbaum gewartet wird, dicht neben dem Grabe des Kekrops in dem alten Palaste des Landeskönigs, jetzt in dem Hause Athenas, in dem aber auch die Ahnenseele als Schlange haust. Dort ist also auch der Schauplatz unseres Dramas. Des Kekrops Töchter sind freundliche Geister geworden, die der Ölbäume draufsen und überhaupt der Vegetation warten; wenn sie nächtlich ihre Reigen im Mondenscheine führen, so begieſsen sie das dürre attische Land mit lindem Tau. Agraulides heiſsen sie, 'die Mädchen, die auf dem Felde wohnen'; in der Einzahl hat Aglauros unter der Nordmauer ein Feld zu eigen: sie beschirmt auch die aufblühende Menschenjugend. Weiterhin, aber auch durch einen Gang mit der Burg verbunden, liegt in wasserreicher Gegend der Garten Aphrodites, der ältesten der Moiren. Auch die Horen fehlen nicht, sie segnen Wachsen, Blühen, Reifen. Am Burgthore steht der Altar der Hekate, an der Scheide zwischen Burgfrieden und Wildnis; aber die Herrin des unheimlich friedlosen Draufsen hat keine Unholdinnen in ihrem Gefolge, sondern die lieblichsten der Göttermädchen, die Chariten. Noch in der alten Stadt hat die Erde, die meist mit Demeter äuſserlich gleichgesetzt ist, als die Grüne oder
Diese Umgebung, die heiligen Stätten, zwischen denen er wandelte, die Gottesdienste, an denen er selbst oder die Frauen seiner Familie Anteil hatten, boten dem Dichter unmittelbar die widersprechenden Züge, durch deren Vereinigung er das Vollbild seiner Erinyen gestaltet hat, das aber, wie wir nun einsehen, zugleich ihr wirkliches Bild ist. Er brauchte ja nur an die Prozession der Erhabenen Göttinnen zu denken, die er selbst in seinem Drama vorführt, dann hatte er die Spenderinnen des Segens. Aber es waren doch dieselben, die aus ihrer Höhle auf die Kuppe des Areopages aufstiegen, den Mörder zu verfolgen und zu foltern. Diese Höllendämonen lieferte ihm das Gedicht und die ganze Tradition von Orestes. Die Bewohnerinnen des attischen Heiligtumes waren wirklich Erinyen und Eumeniden zugleich. Auch dieses Mal hat der Dichter versucht, die überlieferten Widersprüche in dem Wesen einer Gottheit durch die innere Entwickelung in der göttlichen Person zu erklären. Man wird freilich kaum zugeben, daſs es ihm hier ganz überzeugend gelungen sei. Dafür hat er mit der Intuition des groſsen Dichters und der Treffsicherheit des wahrhaft frommen Gefühles die wahre Natur der Erinys, der Erdmutter Gaia Themis enthüllt, die auch wo sie straft und peinigt, Mutter ist. Sie mit seiner Hilfe zu verstehen, das lohnt die Mühe vielleicht noch mehr als ein grandioses Gedicht zu verstehen und die Leistung seines Dichters zu würdigen.
Denn hier thut der moderne Mensch einen Blick in ein Reich der religiösen Empfindung und Gestaltung, das ihm ganz fremd war. Die Urheiligkeit der ältesten hellenischen Religion wird ihm in einem Hauptstücke offenbar.
Wohl wird er schaudern über die barbarische Ungeschlachtheit, wenn er diesen Blick in die Höhle der Mütter thut; aber es wird ein heiliger Schauder sein. Auch hier ist wahrhaft groſsartig die Empfindung für das Wirkende, Lebendige in dem Elementaren: auch hier sind Götter. Aber auch hier wird das Mächtige der Natur gesteigert und geläutert zu einer Macht des Sittlichen und des Guten: auch hier ist Gott.
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In dem apollinischen Epos, das Aischylos für den Muttermord zu Grunde gelegt hat, war gemäſs der Religion, die die Blutrache als heilige Pflicht forderte, der notwendige Abschluſs, dafs der Gott den Orestes vor der grollenden Seele der Mutter schützte. Das that er mit Gewalt, indem er die Erinyen der Mutter, die Dämonen der Unterwelt, die ihr Fluch wider ihn wachgerufen hatte, verjagte. Er that was er bei Aischylos droht, er brauchte seine Pfeile¹). Dann bedurfte es noch der Blutsühne, für den Tod des Aigisthos nicht minder, denn jedes vergossene Blut entweiht. Dafür hatte der Gott ein Ritual ausgebildet, und in dieser exemplifikatorischen Geschichte vollzog er selbst die Sühnung²). Der Mörder
Aischylos hat diesen Abschluſs der Geschichte in seinem ersten Akte benutzt. Da verjagt der Gott die Rächerinnen aus seinem Tempel: die Entsühnung ist schon vorher vollzogen, wie Orestes vor Athena nachdrücklich betont. Aber abgethan ist die Sache nicht mehr durch Apollon. Die Verfolgerinnen respektieren diese äufserliche Sühne nicht; sie sehen noch immer Blut von den Mörderhänden triefen, sehen den Mörder noch überallhin Besudelung tragen. In der That war, seit der Staat die Handhabung des Rechtes übernommen
Die Verfolgung geht also weiter, bis sie den Abschluſs findet, der seit dem Eintritte des Staates notwendig war, durch ein Gericht. Apollon selbst weist seinen Schützling nach Athen, aus keinem andern Grunde, als weil er weifs, kraft seiner Seherkunst weifs, dafs er dort gerichtet und freigesprochen werden wird. So äusserlich ist die Verknüpfung der beiden ursprünglich gesonderten und in sich abgeschlossenen Geschichten, die das Drama vereinigt hat, der apollinischen, delphischen Sühne, und des athenischen Gerichtes. Wie diese zweite Geschichte dem Dichter vorlag, ist uns nur in unsicherem Umrifs kenntlich, weil sein Drama sie ganz verdrängt hat. Aber für dieses ist auch nur das Motiv von Belang. Man erzählte in Athen, dafs der Fall des Orestes, wie andere besonders schwere Fälle des Blutrechtes, von dem Rate auf dem Areshügel, der zugleich die eigentliche Regierungsbehörde in Athen gewesen war und als Blutgericht dauernd fungierte, entschieden wäre und zwar
Ferner ging der Handel den Muttermord gar nicht oder höchstens nebensächlich an: noch in dem apollinischen Gedichte hatte die Blutrache in erster Linie dem Aigisthos gegolten, und so waren denn auch nach der athenischen Sage dessen Leibeserben, ein Sohn oder noch lieber eine Tochter¹), die Kläger. Die Freisprechung war demnach selbstverständlich, und man hat keinen Anlaſs, sie durch Stimmengleichheit erfolgt zu denken. Der auffällige Umstand, dafs ein athenisches Gericht über einen auswärtigen Rechtshandel entscheidet, erklärt sich dadurch, daſs eins der vornehmsten Geschlechter des städtischen Adels, dem z. B. Alkibiades entstammt, sich von Orestes ableitete, Eupatriden genannt, weil dieser sich als den besten Sohn gegen seinen Vater bewiesen hat. Dieses Geschlecht war im Besitz besonderer heiliger Überlieferung in Sachen der Blutsühne und hat darüber Unterweisung unter staatlichem Schutze jederzeit gespendet. Wenn es auch später zu Delphi ebenso wie ganz Athen in Beziehung getreten ist²), so müssen wir doch annehmen, daſs seine
Nur die Thatsache der Freisprechung durch das Gericht des Areshügels hat Aischylos übernommen: die Ausführung ist ganz sein eigen. Die Freisprechung erfolgt durch Stimmengleichheit; die Göttin, welche die Geschäftsordnung des Gerichtes einsetzt, hat den Fall
vorgesehen. Er entsprach dem geltenden Rechte. Denn wenn sonst in Athen regelmäfsig darauf gehalten ward, dafs eine ungrade Zahl von Richtern berufen ward, liefs sich das nach der Zusammensetzung des Rates, der in erster Linie Verwaltungskörper gewesen war und dessen Mitglieder auf Lebenszeit eintraten, nicht durchführen.
Man mag sonst erzählt haben, daſs bei gleicher Stimmenzahl dem Verklagten die Stimme der Göttin zugerechnet werden sollte, die bei dem ersten Gerichte persönlich in diesem Sinne abgegeben wäre: hier ist das nicht der Fall.
Athena sagt denn auch den Klägern, dafs ihr Recht nicht geschmälert sei; der Grund des Urteils sei nur, daſs Zeus selbst durch Apollon dem Orestes Straflosigkeit zugesichert hätte, mit anderen Worten, daſs es zwar so recht wäre, wie es geworden ist, aber ein an sich unlösbarer Konflikt vorlag, in dem das Gottesurteil des Himmels und auf Erden der Wahrspruch des Staates das non liquet zu Gunsten des Beklagten gewandt hat.
Sie selber hat sich ja nicht getraut, obwohl sie von beiden Parteien als Schiedsrichter angenommen war, zu entscheiden, hat daher das Volksgericht eingesetzt, nicht bloſs für dieses Mal, sondern für immer: sein Spruch ist inappellabel. Der Wille der Majorität der souveränen Bürger schafft geltendes Recht und muſs auch in unlösbaren Konflikten entscheiden.
Daher ist die Hauptsache in diesem Drama nicht das Urteil über Orestes, sondern die Versöhnung der Rächerinnen: sie müssen den Staat als Träger und Vollstrecker des Rechtes anerkennen und ihr Rächeramt an ihn abtreten. Sie thun es, indem sie eine Heimstatt in diesem Staate finden. Er übernimmt ihren Kult, das heifst er übernimmt die Wahrung nicht nur des Rechtes, sondern auch der sittlichen Mächte, welche bisher von den Töchtern der Nacht versehen wurde: darauf hat ihn Athena selbst in der Einsetzungsrede verpflichtet. Die geordnete menschliche
Die Menschheit ist in ein neues Stadium der Entwickelung übergetreten, wo sie sich ohne das materielle Eingreifen der göttlichen Personen erhalten kann: sie kann es freilich nur, indem sie den ewigen sittlichen Mächten, die bisher von aufsen gewaltsam eingriffen, in sich eine bleibende Stätte bereitet.
Der Mensch ist frei geworden: seine Freiheit benutzt er dazu, durch den gemeinsamen Willen zum Guten eine Gesellschaftsordnung zu schaffen, der sich der Einzelne unbeschadet seiner Freiheit unterwirft. Diese Ordnung ist der Staat; er genügt, aber genügt nur, weil und so lange er ein Organ der Sittlichkeit und der Freiheit zugleich ist.
Diesen Ausgang billigt der Dichter; er hat die letzte Scene ja erfunden, um das Siegel unter sein Bekenntnis zur Theodicee zu setzen, die ihre Begründung in dem inneren Fortschritt der Gesellschaft hat, in der Entwickelung zum Guten, an der auch die Götter teilnehmen. Aber wenn Orestes den Rächerinnen nicht verfiel, die ihm das Blut aus dem Leibe saugen wollten, so war er darum von denen nicht frei, die er in dem vorigen Drama mit den Augen der Seele gesehen hatte¹). Die Schrecken
Das fühlte der Dichter, das zu zeigen lief der Absicht dieses Dramas zuwider, während es die Stärke des vorigen ausmacht. So hat er ihm hier gar keinen Charakter gegeben. Er hat nicht Reue, er hat nicht Furcht; er ist gar keine Person, er ist sozusagen corpus delicti.
Die That ist die des Apollon, als dessen Werkzeug Orestes sie beging.
Apollon ist Partei: darin liegt deutlich, daſs er dem Dichter nicht das Recht zu vertreten schien. Dem entsprechend ist er gezeichnet. Er is stark durch die Zukunftskunde, die Zeus ihm verliehen hat; sie ist ihm nicht angeboren, sondern er hat sie erhalten, als er von Delphi Besitz ergriff¹). Er tritt auch für seinen Schützling ein, entsühnend und verteidigend, Er ist ein gewaltiger Gott: schon wie er immer plötzlich da ist und plötzlich verschwunden, zeigt die Göttlichkeit, und er weifs die Unholdinnen zu schrecken und auch mit gewaltigen Worten niederzuwettern. Aber gerecht und mafsvoll ist er nicht; mit kühner Charakteristik sind dem Reinen sehr häfsliche Worte und grobe Schimpfreden in den Mund gelegt, so daſs die Erinyen ihm an Selbstbeherrschung überlegen sind. Ihre Gründe kann er nicht widerlegen, ihre Vorwürfe nicht entkräften. Er benimmt sich wie ein trotziger Junker, der eigentlich zu gut ist, mit Gegnern niederen Standes vor Gericht zu streiten, und man könnte nicht ausdenken, was er nach dem Urteilsspruche sagen sollte; der Dichter läfst ihn weislich still verschwinden.
So hatte er sich, weil er ein
Wenn die Stimmen für Kläger und Verklagten gleich gefallen sind, so haben beide nicht Recht. Es muſs kenntlich sein, worin ihr Unrecht besteht.
Die Rächerinnen haben den Mord Agamemnons ungerächt gelassen; es ist inkonsequent, daſs sie nun für Klytaimestra einschreiten. Sie sind die Vertreter der Blutrache, Gattenmord ging sie nichts an.
Das genügt dem Rechtsbewuſstsein nicht mehr: es ist anerkannt, daſs die Ehe ein ebenso heiliges Band ist wie das Blut. Apollon fällt in denselben Fehler, indem er bestreitet, daſs die Mutter dem Kinde ihr Blut mitgiebt. Er thut das auf Grund einer weit verbreiteten physiologischen Ansicht¹), nach welcher das Weib an der Zeugung eigentlich unbeteiligt ist. Dieser Theorie wird nicht widersprochen, kann nicht widersprochen werden, da Athena ohne Mutter von Zeus geboren ist. Aber die Entrüstung, mit der die Erinyen die unsittliche Folgerung aus dieser Theorie abweisen, giebt das herrschende berechtigte Gefühl wieder: die Behauptung ist ein Sophisma. Dennoch genügt zwar nicht sie, aber wohl die mythische Entstehung Athenas um die Abstimmung der Göttin zu motivieren.
Uns genügt das nicht; vielleicht war Aischylos seiner heimischen Göttin gegenüber in naivem Glauben befangen. Ich würde die Inkonsequenz liebenswürdig finden, aber ich glaube eher, er bequemte sich dem Glauben nur gern an, weil er eine zureichende Begründung ihrer Abstimmung nicht finden konnte.
Sentimentale moderne Gemüter haben gewünscht, sie hätte Gnade als Motiv angeben sollen, als ob die Gnade nicht ihren Platz erst nach erfolgtem Urteil
Athena ist ganz die Göttin, welche zwanzig Jahre später Pheidias gebildet hat. Sie trägt noch das Kleid der Schlachtenjungfrau¹), die mit Diomedes auf dem Streitwagen fuhr und dem Herakles in aller Not und Fährde zur Seite war, aber sie ist die Verkörperung des attischen Staates, wie die Edelsten des Volkes ihn wünschten.
Darum trägt sie neben den Zügen des wirklichen athenischen Adels auch die, welche das Volk um so höher schätzte, weil sie ihm fehlten. Wie sie die Scheusale der Hölle nicht nur ohne Furcht ansieht, sondern indem sie es ablehnt ihnen ihre Scheufslichkeit vorzuhalten, eine Kritik der ungezogenen Überhebung des Apollon giebt, wie sie dann das Gesetz des Staates an die Stelle des eigenen Urteils einsetzt, das durfte das Volk des Solon sich wohl zurechnen: aber die Milde, die Stätigkeit, die Selbstbeherrschung, mit der sie den Grimm der Besiegten überwindet, wenn das doch auch athenisch gewesen wäre, wenn sie das Lob 'maſsvoll zur rechten Zeit' doch verdient hätten!
Dem Dichter war bang ums Herz, als er die Segenslieder schrieb, mit denen er wohl seiner lieben Stadt anwünschen mochte, was ihr so not that.
Eins aber besaſs er und sein Volk nicht minder als seine Göttin: Peithos holden Zauber, der bezwingt auch des spätgeborenen Barbaren Herz. Wir könnten die
Schluſsprozession, wie sie im Jahre 458 über die Bühne schritt, kaum ertragen, die Fackelträger in der Mittagssonne, die Opferlämmer, die Priesterinnen in ihren seltsamen ungriechisch erscheinenden Kostümen, die schwarzen triefäugigen Scheusale mit bleckender Fratze neben der gewappneten Jungfrau unter ihrem nickenden Helmbusch.
Aber wenn wir die Lieder hören, so schauen wir mit der Phantasie die holden keuschen Menschengestalten des Parthenonfrieses, das erhabene und liebliche Bild, wie sich ein Volk selbst seiner Göttin darbringt, die wieder nur die Verkörperung des Staatsgedankens ist, den dieses Volk in die Welt gebracht hat, des Gedankens, daſs die menschliche Freiheit das Gute und Gerechte wollen und können und wirken wird.
Und dann hören wir den frommen Dichter Segenswünsche sprechen, die wir gern für unser eigenes Vaterland mitbeten, und so stimmen wir ein in den Jubelruf, wie es das athenische Volk im Theater gethan hat, als die Prozession im Abziehen dazu aufforderte.
Wehe, wehe haben wir oft mitrufen müssen bei den entsetzlichen Bildern menschlicher Sünde und menschlichen Elends, die uns der Dichter vorgeführt hat, seit wir den treuen Wächter auf dem Atreidenschlosse das Licht des endlichen Sieges begrüſsen sahen.
Aber das Gute hat triumphiert, und gern mögen wir für einen weihevollen Moment dem Glauben des frommen Dichters uns hingeben, daſs in dem sittlich gewordenen Staate der freie Wille des Menschen mit dem ewigen Gesetze des allmächtigen Gottes in reiner Harmonie zusammenklinge.
Es wird in uns, wie in dem Wächter, die helle Freude nur zu bald vor den Schatten verblassen, die das Wissen wirft: aber auch dann werden wir mit den frommen Greisen uns getrösten
Aus den hinter dem Agamemnon angegebenen Grün- den gebe ich hier die Abweichungen meines Textes von dem Kirchhoffs und seiner Noten, in der dort näher be- zeichneten Beschränkung. Die handschriftliche Überliefe- rung behalte ich im Gegensatz zu ihm bei in V. 21. 81. 42. 45. 60.164.170.241.262.324.340.389.448.466.493. 497.520.521.540.593. 653.759.764.897.984.1007.
Sonst lese ich abweichend von Kirchhoff: 23 ἀναστροφαί. 69 γραῖαι παλαιόπαιδες. 131 θ' ἅ. 137 σὺ δ'. 161 β. π. τὸ. 169 μάντις ὢν. 174 δέ. 201 μή. 221 πράσσουσιν. 232 ὃς προδῶι. 236 ἀμβλὺς ἤ. προστετριμμένος τ' ἐγώ. 239 σώιζων (δ'). 254 ὅδ' αὐτός· ὧδ' ἀλ. 256 χρεῶν. 264 (ὡς) ἀντ. τ. ματροφόντας. 330 αὐτουργίαι ξυμπέσωσιν. 339 φαμὶ κεκράνθαι. 343 Nach dem verdorbenen Verse 342 Lücke; mit 343 beginnt der Refrain. 346 ἱέμεναι. 348 [ὑφ']. 349 σπευδόμενος δ' ἀφελών τινα τᾶσδε μερίμνας θεῶν [δ']. 366 (γὰρ). 381 ἀτίετα. 391 κυρῶ (στυγνάν). 409 ἄμομφον. 410 ἥδ'. 425 ὃν δοῦναι θέλω. 431 ἐπαξίως. 463 ἔρξοιμι. 471 οὕτως δ'. 479 ὁρκίους αἱρουμένη. 495 οὐδὲ. 497 ἔργμασιν. 516 ἐν φρασὶν καρδιαβόρον (oder vielmehr ein besseres Adjektiv gleicher Art) τρέφων. 530 [δέ]. 543 παρβάδαν ἄγοντα π. 561 θεσμούς (τ') ἐ. 563 ἐκ τῶνδ'. 608 μὴ 'κέλευσε. 622 ἄμεινον. Es fehlt etwa λόγοις παρίστατ' ἀργυρᾶι θελκτήρια. 641 ἀ. πίλιν. 674 δικαστῶν. 675 ᾿Αρ. οἶδ Α. 684 β. δ'. 691 [τε].
773 = 801 [σταλαγμόν]. 775 = 803 ἄτεκνος (ἄγονος) ὦ Δ. 778 = 806 γελῶμαι πολίταις· δύσοισθ' ἅπαθον. 788 δ' ἐμεῖτε. 789 σκέψασθε. 793 ἐν μυχῶι χθ. 816 ἐπίφθονα. 820 πολιάδι χ. τ. τἀκρ. 825 = 856 ċ. μ. φεῦ. 829 = 860 etwa θυμὸν ἀμύσσουσ'). 830 = 861 (νέων) θεῶν. 833 καὶ πολλὰ. 894 τοῖσδ'. 913 βαρεῶν. 921 φλογμοὺς ὀμματοστερεῖς. 924 δ'. 926 γόνον (τ' ἀεὶ). 938 δ'. 939 ἔχοντας τελευτᾶν Μ. 959 ποινᾶς. 992 ἔπη. 1010 νόμωι μ. φιλοτίμωι. 1014 περίσεπτα τυχοῦσαι. 1016 σύμφρονες. 1017 τᾶι π. 1020 πᾶν ἐκ μετοίκων.