Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
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LEOPOLD MOZART AN MARIA ANNA VON BERCHTOLD ZU SONNENBURG IN ST. GILGEN SALZBURG, 22. DEZEMBER 1786
_________________________________________________________________________\hfill Salzb: d 22t Xbris Der Leopoldl ist gesund u Lustig!_______________________________________\hfill 1786. Es thut mir sehr Leid, daß beÿ diesem gut Schlittweg itzt nicht hinaus kom kan. Gestern Nachmittag ist der Erzb. schon nach 2 uhr angekom, folglich würde ich eine schlechte Figur mach, wen ohngefähr etwas an mich käme, u ich wäre nicht hier, sondhtl: da der Brunetti noch lebt, ein Apostem nach dem and bricht, und wen er sterb sollte, ich gewis weis, daß ich, wo nicht allein, doch cumulative mit dem Gatti die Musikali p p: werde untersuch müssen, die er unter seiner Verwahrung hatte, auch kan nicht wissen, was itzt nach d Ankunft des Fürsten vorfällt. Überdas habe seit langer Zeit keine kürchendienste verrichtet, und itzt kom solche Haufenweis, u da soll auf einmahl mich davon schleich und in d kälte reisenn. – du weist, ich will keine schlechte Figur mach, und will nichts über mich zu red selbst veranlassen. Obendrein muß sorg trag, daß der Heinrich die vielen Kürchendienste, die itzt kom, fleisig verrichtet, da er das erste Violin ist, und die Leute mangeln, da oft zu eb der Zeit auch d Stadler in der Universitet das Hochamt zu verseh hat, folglich keine Violinist da sind; und eben diese ist Ursache, daß d Heinrich itzt fleisiger in den Kirchendienst seÿn muß, da es die Noth erfordert. Schon ehe d Erzb: hieher kam, schrieb einige aus seinem Gefolge, daß er gleich nach dem neu Jahre nach Münch reisen werde. die Sage erhält sich noch, um so mehr, weil d Erzb: d Gräfin v Wallis sagte, daß sie noch 4 woch in Wien bleib solle, näml: bis nach seiner Zurückkunft von Münch. die Gräfin ist auch wirklich in Wien geblieb. – die zweÿte wahrschein=lichkeit ist, – daß der Kaÿser die Sache nur dem Churfürst zu Gunsten des Erzb: anempfehl kan, aus den Ursach die ich euch schon geschrieb habe. der Erzb: mag sich also in Persona an den Churfürsten wend, und unter des Kaysers Protection u Vorwort, mit Beÿhilfe des kaÿs: Gesandt den Churfürsten auf geneigtere Gedanken zu bring such. Wer weis also ob ich nicht doch noch vor dem Fasching hinauskome, – itzt muß einmahl abwart, was es beÿ Hofe giebt, und kan beÿ der Ankunft des Fürst nicht abwesend seÿn. DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 Mich wundert, daß ihr nicht hereinfahrt. wäre ich an eurer Stelle, ich würde gewis der Md:me v Aman auf die Feÿrtage ausweich: sie wird euch genug auf dem Halse sitz, und durch ihre Unver=schämtheit dem ganz Hause das schändlichste Beyspiel geben. ihr glaubt, die Sache werde verschwieg bleib? – – das ist zum Lachen! die Närrin wird es iederman selbst erzehl. Hier ist noch alles stille! – allein, wen sie abwesend ist, – wen die Kind unt and Händ sind? – wird niemand an sie denk? alle Ehehalt im Polis Haus? – alle Einwohner p: p: die werd es bereits wissen, – den meist wird sie selbst dazu Anlas gegeb hab. – daß ich d erste war, der es der Frau Zezin sagte, hat seine Richtigkeit, u ist nun schon am Tage; Ich sagte ihr aber nicht: daß sie Schwanger seÿe, sondern, daß sie auf ihre Aufführung ein wachtsameres Aug hab soll, sonst werd sie bald eine Schande an ihr erleb; und der Zeitrechnung nach sagte ichs just zur recht Zeit, den es wird vor 6 Monat gewes seÿn, – u 5 Monat ist sie schon in dem glücklich Stande. – Ich Profezeÿe, daß man sie in ein Kloster in Verwahr bring, u jemand die Kinder in die Erziehung nehm muß, den sie ist eine unverschämte Luxuriose Närrin. Hier schicke euch 8 kerz, die zu bekom ausstudiert habe, u die Tresel mein Anschlag recht geschickt aus=geführt hat. also__________________________ ______________8 kerz. à 13 Xr.______„1 f 44 Xr ___________________________ 4 Limoni, die schön sind à 2 12___________\,– „ – 10 X unterdess 1 Viertung Baumwollgarn bis das ande gespon wird, damit du eins hast_______________\hspace{4.8em}– „ – „-8 X 1  Cyprische Baumwohl die bezahlt habe und nach u nach gespon wird____________________________________– „ – „54 X _____________________________________________________________________ __________________________________________________________________________________2 f 56 X Dieses komt mit dem Both, samt einem Schachterl mit Saffran, das ich euch zum Neuen Jahr schenke um den Hintern damit gelb zu färb. DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 Nun komt die verdamte Schachtel, die mir viel Gall gemacht hat. ______________________________die Schachtel kostet_________________„ 17 X _____________________dem Buchbind fürs ausfüttern__________________6 X _____________________dem Zimerman fürs zuricht___________________4 X _____________________dem Schlosser samt 3 Schlüsserl________________48 X dem Pfutsch, nebst vielen gut Wort, fürs überzieh, wozu er eine Ehle feine Leinwand verschneid musste__________________________________________________55 X __________________________________________________________________ ____________________________________________________________________________2 f 10 Xr _______________________________das Vorhergehende________________2 „ 56 „ __________________________________________________________________________ _____________________________________________________________________________5 f__-6 „ Nun war d Both schon da, ich muß schlüss, und alles zu=sam packen, morg geht er in d Frühe schon um 7 uhr weg. Ich küsse euch von Herz grüsse die Kind u bin ewig euer redlicher Vatter __________________________________________________\hfill Mozart mp Der Heinrich empfehlt sich. Der Leopoldl lasst euch küss. die Nandl u Tresel küssen die Hände, und ich grüsse die Lenerl DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881