Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
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THEOBALD MARCHAND AN LEOPOLD MOZART IN SALZBURG MÜNCHEN, 29. MAI 1787
_______________________________________________\hfill München den 29t Maÿ _________________________________________________________________________\hfill 1787 _________Schäzbarester Freund!______________________________________47/981 _____________Geliebter B:. Mein Sohn meldete mir vor einigen Tagen: daß ihre Gesundheitsumstände, noch keine beßre Aussicht gewinnen; daß Sie ihm sogar aufgetragen, mir zu schreiben: daß Sie kaum den Sommer zu überleben besorgten! &c. wie sehr mich diese Nachricht bekummerte |: nach dem ich in ihrem lezten Briefe ihre Hoffnung zur wiedergenesung laß :| werden Sie sich leicht vorstellen! ich wag es daher ihnen ein Mittel vorzuschlagen von welchem ich dieses Fruhjahr 2 herrliche Curen gesehen habe. so viel ich aus ihren Briefen ersehen konnte, hält ihr Medicus ihre krankheit für eine Milz Verstopffung; und in eben einem ähnlichen Umstand sah ich den Erfolg den Mann sich nur wünschen kann. der erste Fall war an der Frau des acteurs urban, die eine Leber und Gekröß Drüsen Verstopffung litte, so daß mann waßersucht, Auszehrung &c. zu befürcht INTERNATIONALESTIFTUNG:MOZARTEUM1881 hatte. der andere Fall ist mit den Geheimen rath Heißler welcher in unsrem Hause wohnet. dieser hatte eine Nieren Verstopffung und Verschleimung so, daß man alle Hoffnung aufgab. Hr. leibmedicus Fischer welcher dazu geruff wurde verordnete ihm erwähntes Specificum, und in 3 wochen konnte er im zimmer wieder herum gehen. es ist das sogenannte Spiritus Salis dulcificatus Brecheri. welches der fremde Doktor, wovon ich ihnen einmal schrieb, hier bekant machte. Hr: leibmedicus Fischer sagte mir: daß er dieses Mittel vor einigen jahren in London in großem Rufe fand. ich erzählte ihm ihre Krankheit, so gut ich sie aus ihren Brief kannte, und er antwortete mir: daß Sie es ohne Bedenk brauchen sollten, indem es in keinem Falle schädlich wäre. ich überschicke ihnen also gleich durch Hr. Abbé Bullinger ein Fläschgen davon, mit der bitte, dieses Mittel zu probieren. _____________________________Gebrauch. Abends beÿm schlafen gehen nehmen Sie einen Suppenlöffel voll mit einem halben Suppenlöffel frischem waßer vermischt ein. des morgens 2 Stunden vor aufstehen wieder einen löffel voll ohne waßer. laßen sich dann recht warm zudecken, worauf Sie in einen gelinden Schweiß verfallen werden. wenn Sie 2 Stunden so gelegen, dann könen sie ein trocknes Hemd anziehen, und eine Taße Thee, Caffé oder Chocolade nehmen. Nachmittag gegen 4 uhr laßen Sie sich alle 2 Tage ein gelindes Clystier appliciren. und alle 6 Tage ein gelindes Laxativ. brauchen Sie es nur ein 8 Tage, und laßen Sie mich dann den Effect davon wißen, um ihnen sagen zu könn: ob Sie es fort brauchen sollen oder nicht. \newpage ich freue mich, daß Hr: Abbé Bullinger einige zeit i[n] Salzburg zu bringt, sie haben doch einen Freund um sich der Sie tröstet: er wird ihnen Mündlich alles sagen, was ich wegen Kürze der zeit nicht aufschreiben kann. Gott gebe ihnen genesung! dies ist mein einziger wunsch, vielleicht besuche ich Sie bis Ende junij wenn meine Arbeit es zuläßt. __________________________________\hfill Ihr ergebenster ________________________________________________________\hfill Marchand Meine Frau, Tochter, kurz alle grüßen Sie. An Herrn Herrn Mozart Hochfüstl Kapellmeister in Salzburg