LEOPOLD MOZART AN JOHANN JAKOB LOTTER IN AUGSBURG
SALZBURG, 27. OKTOBER 1755
_______________________________________\hfill Salzb: den 27 Octob:
_______________________________________________________\hfill 1755.
__________Monsieur mon tres cher
_______________________amy
Hier ist der übersehene Bogen. Corrigiren sie ihn nur
nach meiner gemachten Änderung, den ich habe alles
wohl überlegt und mit Grund gethan. Beÿ dem
Anfange des 2t Bogens weis nicht, ob nicht auch
unten Mozarts Violinschule steh muß? p: 10 ist die
vorletzte Zeile von d letzten zu sehr entfernet. Ich
habe ein Zeich gemacht √. p: 14 müss sie die Not
nach meinem Mspt durchsehen; den ich habs gleich dort
hingeschrieb: folglich müsste ich die Biebl nachschlag; und dieß
wäre mir zu mühsam. das Mspt ist schon richtig.
Nun hoffe ich in der That nicht, daß sie mich in au=genscheilich Schaden zu bring gedenken: den sie müss
wissen, daß in der Fasten alle unsere Domherrn
fast von hier abreisen. Die Bischöffe müssen ohnehin
in der letzten Fastenwoche ied auf seinem Bistume
seÿn, und ein paar Neue Domherrn kom nach ihrer
Gemachten Residenz in vielen jahren imer nach Salzb:
Wenn ich nun auf den komend Fastenmarkt meine
Violinschule nicht fertig habe, so sehen sie, ja sie greiff
mit händ, daß ich wegen der Dedications Exemplarn
grossen schad hätte und meine ganze Rechnung mir
verdorben würde. Es ist nun also die höchste Zeit,
daß sie einmal mit Ernste an das Versprech und
folglich an die Arbeit gehen, wenn sie mich
anders nicht mit allem Gewalt zwingen wollen, zu
glauben, daß ein gewisses Absehen dahinter steke,
welches ich um so weniger Begreiffen kan, als ich vor
ein guten Freund so sehr eingenom bin, daß sich
mein Herz keine niederträchtige Handlung vorstell
noch weniger von einem Freund glaub kan.
Alles muß mir ad Corrigendum kom. Zehlen sie nun
die Posttäge, so werden sie sehen, daß es Zeit ist
einmal fortzufahren, nachdem ich seit Ostern |: eine
lange Zeit! :| in Gedult gestand. haben sie
wegen ihrem Panduristen
Rudimenta panduristae, Oder: Geig-Fundamenta : Worinnen die kürzeste Unterweisung für einen Scholaren, welcher in der Violin unterwiesen zu werden verlanget, ... dargethan wird ... / [Mutmaßl. Verf.: Georg Christoph Wagenseil]. - Augsburg: Lotter, 1755. - 48 S.
etwa ein bedenk?
Schreiben sie mirs kecklich. ich bin ehrlich genug auch
bis auf Pfingsten ausser dem Salzburger Land
kein einziges meiner Exemplar zu verkauffen.
Nur daß ich die DedicationsExemplarien anbring kan,
und nur um meine Sache hier gut zu mach muß ich
das Buch auf den fastenmark fertig haben.
Und stehen sie mir vor mein Schaden, wenn das wagen=seilische Werk vor dem meinig herauskomt?
ja wenn es auch später herauskomt, so kom sie
doch fast zu gleich heraus, und eines verderbt das
andere. Ich hofe ich werde sie noch ferner als mein
guten freund find, und obwohl nun der Schnee herbeÿ=komt denoch von fernern, so schwer Schneelahn
sicher seÿn. Sonst sehete mich gezwungen, wenn
1755. d 27. October, aus Salzburg,
von h. Leopold Mozart.
Schluß interessant
diese kleine Strafpredig nichts verfängt, mich mit Ernste
an dero Redliche und Liebste Frau zu wenden, und
gleichwol das Tägliche und Nächtliche GeigExerciti
zu verbitten. Ich werde meine Bezahlung stündlich
leisten, und hofe demnach so Contentiret zu werd,
daß ich den Lust nicht verliere gleich wied etwas
anderes unter die Presse zu geb, welches beÿ
meiner Ehre gewiss bald gescheh wird. Der h:
Graf Zeÿll wird den 12 od 13 des folgend Monats
hier seÿn, haben sie an mich etwas zu schick, so
kön sie es aufgeb. Wenn auch der Abdruck
der ersten Bög einmal fertig ist, so kan allezeit
beÿ solch Gelegenheit etwas Franco an mich ge=bracht werd. ich bin übrigens
_______________________________________________\hfill Dero
_______________________________________________\hfill aufrichtiger freund
ich und die meinige empf:________\hfill und Dr Leop: Mozart mp
uns der Frau liebsten.
Ich warte mit der Bauren Musique auf ein gute Gelegenheit.
den sie ist schon Copiert.