Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart
Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family
Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
Salzburg
Austria
The Packard Humanities Institute
Los Altos
California, USA
Morgenstern
Anja
text encoding, text editing
Kelnreiter
Franz
technical supervisor, data modelling
Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
Wissenschaftliche Abteilung. Digitale Mozart-Edition
Ulrich Leisinger
Digitale Mozart-Edition
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2020-02
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Verbleib unbekannt (Vorlage: Abschrift um 1768 in D-B)
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LEOPOLD MOZART AN LORENZ HAGENAUER IN SALZBURG
WIEN, 22. SEPTEMBER 1767
_______________________42
___________________________\hfill Wienn den 22. Sept:
_________________________________________________\hfill 1767.
_____Von unserm Wohlseÿn auf der Reiße
wird ihnen die Frau Reifenstulin, und
auch der general Platzische bediente Chri=stian bereits einige Nachricht gegeben
haben. Wir sind den ersten Tag bis
Vöckelpruck, den zweÿten Mittags nach
Lambach |: wo wir im Kloster zu Mittag
assen :| und Abends nach Lintz gefahren.
Wir wurden auch gleich nach der Kirche
fortgereiset seÿn, wenn uns nicht der herr
Prelat von Lambach zum Mittag essen
gebethen hätte. Wir wohnten beÿm
grünnen Baum in der Vorstatt, und da
das Lambacher Haus gleich nahe beÿ ist;
so ließ ich ihm den Abend um 9 Uhr noch
meine Ankunft wissen. Wir giengen
Sontags nicht mehr weiter als bis auf den
Strengberg, Montag Mittags nach Melck,
wo wir nach dem Tische ins Kloster hinauf
giengen, uns die Zimmer zeigen liessen,
und uns weiters nicht zu kennen gaben,
als bis wir beÿ Beschauung der Kirche
und der Orgel, dem Organisten Gelegen=heit gaben dem Wolfganggangganggerl
am Spielen zu kennen, oder vielmehr zu
errathen. Wir sassen aber auch gleich
darauf in Wagen und fuhren nach St.
Pelten, und den anderen Tag Morgens
nach Burckerstorf und Wien.
_____Von der Hauptmauth will ihnen nur
so viel sagen, daß alles bis auf das
Marck durchsucht wird, und das ich über
eine Stund aufgehalten wurde. Mei=ne Addresse werden sie noch nicht haben.
Es ist in der Weinburggasse im cari=voltischen Hause beÿ Herrn Schmalecker
im 2.ten Stock. Es wird aber besser
seÿn etwa die Brief an herrn Peisser
zu schicken. Von unsern Verrich=
tungen kann noch gar nichts berichten.
S:e Maÿestät der Kaÿser sind erst aus
Ungarn zurück gekommen; und die Kaÿ=serin Maiestätt hatten dieser Täge eine
Andacht wegen dem Todtfall des seel: Kaÿ=sers, eine Andacht, die sie alle Monat
vornimmt. Es giebt übrigens alle Ta=ge oder opera Seria oder opera Buffa
oder Comoedie. Am Sonntage war
Ball beÿm Neapolitanischen Gesandten,
und Morgen den 23. wird im Liechten=steinischen garten Illumination, Ball und
Feuerwerck seÿn. Ich hoffe übrigens
sie werden alle sich wohl befinden. Ich
kann unmöglich mehr schreiben, die Feder
ist zum fluchen ellendig. Wir em=pfehlen uns alle.
_____Ich habe vergessen dem Herrn Jo=seph dasjenige herbeÿzurichten, was
an meinem Bruder hätte sollen geschicket
werden. Nun ist es vorbeÿ. Sollte
eine Gelegenheit seÿn, so wäre es der
gewisse Braun gelblichte Rock, welcher
im Cabinetl am Klaiderholz hängt, oder
auf dem Bett liegt. Und auf der
Erden liegen 2. mit spagat in Fluspapier
zusammen gebundene Packel, diese gehören
auch dazu. mit der Adresse, H: Joseph
Ignati Mozart burgerl: Buchbinder in
Augsburg. im Affenwald.
_____Oh, che Confusione!
[... (Beginn der Abschrift des Briefes vom 29. September 1767)]