Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart
Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family
Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
Salzburg
Austria
The Packard Humanities Institute
Los Altos
California, USA
Morgenstern
Anja
text encoding, text editing
Kelnreiter
Franz
technical supervisor, data modelling
Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
Wissenschaftliche Abteilung. Digitale Mozart-Edition
Ulrich Leisinger
Digitale Mozart-Edition
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2020-02
CC BY-NC-SA 4.0
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Verbleib unbekannt (Vorlage: Abschrift um 1768 in D-B)
last file update: Wed May 11 14:48:07 2022
LEOPOLD MOZART AN LORENZ HAGENAUER IN SALZBURG
WIEN, 29. JUNI 1768
_________________________\hfill Wienn den 29. Junij 1768.
_____Nun kann ich nicht mehr länger
verzögern, und da ich bereits 4. Wochen
keinen Brief aus dem Hagenauerischen
Hause zu sehen bekommen; so bin ge=zwungen, um die Ursache dieses so langen
Stillschweigens zu fragen. Wie vieller=leÿ Gedancken machten wir uns! und
ich hoffe nicht, daß einige widrige Bege=benheit an diesem Stillschweigen Ursache
seÿn werde. Ich sage es noch einmahl;
wir hofen es alle nicht: wir würden aber
ganz gewiß eine uns selbst betreffende
Widerwertigkeit mit mehrer Gelassen= heit als einen sie angehenden verdrüß=lichen Zufahl ertragen. – – Nur her=aus mit der Sprache! Es gehet in einem
hin. Ich hätte ihnen eine schwere Menge
von allen Gattungen der ausgesonne=sten Räncke und bosshaften Verfolgungen
zu erzehlen: allein ich bin zu müde solche
in meinen Gedancken zu wiederhohlen; und
will es besser auf die bald erfolgende münd=liche Unterredung erspahren.
_____Was sagte dann herr Alterdinger? – –
hat er es unternohmen um was ich ihn gebet=then habe? – – – Ich wünschte es wohl recht
sehr! – – –
_____Wir befinden uns übrigens, Gott lob,
alle gesund: wenn gleich der Neid auf al=len Seiten auf uns losstürmmet. Sie
wissen schon, ich bleibe beÿ meinem alten
Spruche: in te Domine Speravi p fiat Vo=luntas tua p. Meine Frau, der Wolfg:
die Nannerl samt mir empfehlen sich
alle, und wir alle hoffen bald etwas von
ihnen zu hören, sonst kommen wir selbst.
Unser Compliment an alle gute Freunde
und Freundinen, und ich bin der alte.
_____Sind seine Fürstl: Gnaden von Eichstätt schon
angekommen? – –