an Nemeczek
______________________\hfill Wien am 6t May 1820
_____Geehrtester Freund!
Sie haben meiner Familie, und mir,
imer so viele Beweise von Theilnahme,
und Wohlwollen1794 hatte Constanze Mozart den älteren Bruder Carl Thomas für vier Jahre in die Obhut
von Franz Xaver Niemetschek gegeben. Franz Xaver Wolfgang Mozart selbst lebte 1795/96
für rund 6 Monate bei dessen zukünftiger Ehefrau Theresia Schnell.
1798 veröffentlichte Niemetschek eine der ersten Biographien über Wolfgang Amadé Mozart.
Constanze Mozart hatte dafür Informationen und Material zur Verfügung gestellt.
gegeben, daß ich mit
Zuversicht hoffen darf, das mir wider=fahrende Gute, mache auch Ihnen, Ver=gnügen. Ich benachrichtige Sie daher, dß
ich vorigen Dienstage hier Concert gege
=ben
Das Konzert fand am 2. Mai 1820 im kleinen Redoutensaal der Wiener Hofburg statt.
Franz Xaver Wolfgang Mozart befand sich seit Mai 1819 auf einer
Konzertreise durch Europa. Wien erreichte er – von Prag kommend – am 19. April 1820. , und dß ich so glücklich war, die all=gemeine Zufriedenheit, meiner Lands=leute zu erringen, die sich so deutlich
aussprach, dß ich zweymahl vorgerufen
wurde. Schon bey meinem Erscheinen,
gab man mir die Anhänglichkeit, an
meinen Vater, auf die rührendste Weise
zu erkenen, den ich wurde mit so un=geheuren Applaus empfangen, dß ich schon
glaubte, ich würde gar nicht zum spielen
komen. Darauf spielte ich mein Concert,
welches durch ein erst hier componirtes
Andante, sehr gewonen hatte. Dieses An=dante, machte solches Glück, dß, was bey
einem Clavierspieler ein seltner Fall
ist, mitten hinein geklatscht wurde. –
Humel, der König aller Klavieristen
gab gestern ein Privatkonzert, und gibt
am 14t ein zweytes, aber öffentliches.
Ich kan Ihnen nicht sagen, wie erqui=
kend es für mich war, ihn wieder ein=mahl zu hören; ich wußte nicht, ob ich mehr
sein unbeschreiblich graziöses, zartes
Spiel, oder seine Composition bewun=dern sollte. – In ungefähr 14 Tagen
gehe ich von hier gerade nach ItalienFranz Xaver Wolfgang Mozart verließ Wien am 16. Juni 1820.
, auf
wie lange, ist noch unbestimt, doch ist es
wahrscheinlich, dß ich im Winter wieder das
liebe Wien besuche, wo ich dan schon
die liebenswürdige Sängeri
nVermutlich die Tochter Theresia Niemetschek. Sie heiratete 1820 den Wiener Geschäftsmann Bruno Neuling. meiner
Lieder finden werde. Empfehlen Sie
mich Ihr gefälligst, so wie Ihrer Fr:
Gemalin, und meinem Freunde Franz,
und bestättigen Sie mir, wen es die
Zeit erlaubt, den Empfang dieses
Briefes.
Leben Sie recht wohl, bester Herr
Professor, und erinern Sie sich Ihres
ergebensten
__________________\hfill Mozart mp
Meine Empfehlung Ihrem Schwager,
und allen Bekanten.
Habe ich nicht Hoffnung den Davide
noch vor meiner Abreise zu bekomen?
Meine Add: an H Geymüller.
Mozart, W. A. Sohn