Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
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LEOPOLD MOZART AN JOHANN JAKOB LOTTER IN AUGSBURG SALZBURG, 15. OKTOBER 1755
___________________________________________________\hfill Salzb: d 15 10bris _______Monsieur mon tres cher amy.__________________\hfill 1755 Erstlich danke gehors: vor die Bemühung, so sie wegen meines Briefes an meine Mutter übernom hab. daß sie Elend ist, und daß sie sehr wenig Vernunft hat, ist beÿdes Leÿd nur allzuwahr, und wenn sie halt noch 1000 mal meine Mutter ist. das Letzte komt freÿ=lich nicht von ihrer Schuld, gleichwie auch das erste eine Schickung Gottes ist: allein aus ihrer Schuld komt es, wen sie nach und nach um das ihrige Komt: den sie vertrauet sich mir, als ihrem eigen Kinde nicht; entzwisch aber lässt sie sich von den übrig Geschwistert um das ihrige bring. Ich hoffe dero Liebe Frau Gemahlin werde entzwisch ihrer Bürde glücklich entlediget seÿn und sich samt ihrem freudig Anblick in bestem Wohlseÿn befind. Dieß wünscht auch die meinige von Herzen, welche geg dem Ende des Jeners auch diese Arbeit vor sich hat. Sagen sie der Wärterin |: ich glaub man nent sie dort kellerin :|, daß sie ihrer frau braf auf=warten soll; und sie sondheitl: bemüh sie sich fein ihr gute Täge zu verschaff; damit sie fein schön und gesund hervorgehet. Hier sind 3 bög wied zurück. Ich weis nicht, was ihn im kopfe war alle zweyte in zwote zu änd. p: 36, 37, 38 und 40 müss alle diese zwote wiedum abgeändt werd. Sie haben mir das zwote aufgetrung, und ich ließ es nur passier vor das weibliche ge=schlecht, da kans auch endlich geh: nämlich, die zwote Gattung, die zwote Note. aber nicht der zwote Theil, od Tact, oder das zwote viertheil den alle Masculina und Neutra müss absolute zweyte heiss. der zweyte theil, Tact, p, od das zweÿte Viertheil p: allein beÿ der Correction bitte wohl obachtzugeb: daß sie nicht irre werd. d p: 37 heist es, od muß heiss: der zweÿte halbe Theil hingeg zur zwot Achttheilnote p: Was den fehler anlanget, der p. 4, sich ereignet hat. muß er freÿlich auf eine od die ande Art abge=ändt werd. der fehler war am Schliess. die Proben sie gleich mit etlich gleich und einschichtig Pappierblättern mach. rollen sie nur viele gleiche und einschichtige bög od blätter; zusam, daß es eine dicke rolle giebt, so wird manchmal beÿ dem auseinand lass d blätter das mittelste auss und das euseriste in d Mitte seÿn. Es muß also nicht stark genug geschloss word seÿn, od es muß auch beÿm schlüss gleich 1755. d 15. Dec. aus Salzburg, von h. Leopold Mozart. sich überwälzet hab. Bitte auch wohl zu zusprech, daß die schwarze farb wohl eingerieb wird: damit nicht da od dort ein halber Buchstab weis bleibt. weg p: 29 𝄵 könnte es allenfals so bleib. wen sie nur noch 2 kleiche Strichg könnt ob und unt beÿsetz die über d Buchstab ein wenig hinausgeh 𝄵. Zeitmaas habe auch nun im Ablat: Zeitmaase Corrigirt: weil ich es überal so finde. bitte es also zu änd, und alles ande, wie ich es Corrigirt habe. Was das feuer in der Maÿr: Druckereÿ anbelanget, so ist es noch |: gott Lob :| gut abgegang. Es war kein gelegtes feuer: sond es ist solches über 3 stieg beÿ h: HofRath Berti vermutl: durch ein Aschenvässl aus verseh der Mägde auf d dachstieg auskom. das ganze Dach war in völlig hell flam, ehe noch ein mensch es gewahr wurde. alsozwar das iedman an d Rettung des Hauses zweifelte. Und denoch hat mans in anderthalb stund gänzlich gelöschet; zwar so, daß nichts als das dach und was unterm dache war verbrunn ist. zum allergröst Glücke hat man die Bücherkamern gerettet. wo es eine schon wirklich halb er= griff hatte, und wo man, was rechterhand von Büchern lag, und bereits vom feuer ergriff ward augenblicks zum Fenster auswarf: nicht anders, als wenns Bücher regnete. Um 11 uhr Mittags, etwas darüber ward man des feuers gewahr, und um halbe 1 uhr war alles vorbeÿ. der Schad ist doch sehr gross, und das Haus hat sehr darunter gelitt. Ich war zugeg ehe noch über 20 Person beÿm Haus waren: den ich war eb im Nachhausegeh. Es sind fischbehaltniss nicht weit davon die hatte ich die Ehre mit einer Hacke aufzuspreng, damit man zum wasser konnte. Monsieur Gignox will ein paar neue PastorellSynfoni? ich glaub er meint sie sind imer so fertig, wie das brod auf dem Laden liegt. den itzt geschwind solche zu mach hab ich nicht allemal Zeit. Und diess muß er selbst glaub, weil er meint ich hätte nicht einmal Zeit ein brief von ihm durchzules. wissen sie, ich hab zwar eine nagelneue PastoellSynfonie: allein, ich sage es aufrichtig, ich gieb sie nicht gerne her; den ich dachte sie nach Wallerstein nebst and Stück zu=schicken. Ich dachte sie also recht wohl anzubring. Es ist ein
Hirten Horncorno pastoriccio
und 2 Flutotraversi obligat dabeÿ. Soll ich es den schicken? Basta! ich will es mit nächster Post schick; nur bitte um alles nichts zu meld, daß ich es itzt erst geschickt habe: den sonst ist es beÿ dem Wagner, und durch sein Geschwätze beÿm h: v Rheling aus. Sie wiss meine Umstände. Ich hab weg der Schlitt=Musick, Baurenmusik, und anderm ohnedem den grösst Verschmach aufgehebt. wen sie es nicht glaub, so will ich ihn des h: v Rheling eigne Handschrift dessweg einschick. Genug! sie wiss meine Umstände, ich hab mit dem Pflegamt zu thun! ich bin übrigens dero ____________________________________\hfill Ergbster LeopMozart mp