Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
Salzburg Austria
The Packard Humanities Institute
Los Altos California, USA
Morgenstern Anja text encoding, text editing Kelnreiter Franz technical supervisor, data modelling Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg Wissenschaftliche Abteilung. Digitale Mozart-Edition Ulrich Leisinger Digitale Mozart-Edition https://dme.mozarteum.at
2020-02 CC BY-NC-SA 4.0 https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=702 Verbleib unbekannt (Vorlage: Abschrift um 1768 in D-B) last file update: Wed May 11 14:48:08 2022
LEOPOLD MOZART AN LORENZ HAGENAUER IN SALZBURG WIEN, 14. DEZEMBER 1768
___________Der Brief ist nicht vom 14 okt. sondern vom 14 dec. ________________________und sollte also an einem spätern Plaze _________________________________________________________________seyn _________________________\hfill Wien den 14.t Decemb:october __________________________________________________\hfill 1768. _____So sehr ich gewunschen und gehofft, auf den ConsecrationsTag S:r Hochfürstlichen Gnaden in Salzburg zu seÿn, so war es doch unmöglich, indem wir unsere Sachen nicht eher konnten zu Ende bringen, so sehr ich mich beÿfert hatte. Wir werden aber noch vor den Weÿnacht Feÿrtagen von hier aufbrechen, und desswegen darf=fen sie nichts mehr an uns schreiben oder einschicken. Doch ist leicht zu erachten, daß wir auf den Neuen JahrsTag unmöglich eintreffen werden, indem wir beÿ Nachts nicht fahren wollen, und es gahr nicht sicher ist, die Täge aber sehr Kurz sind und beÿ dieser sehr kalten Zeit es nothwendig ist, un=sere Tagreisen etwas kürzer zu machen: Zu dem kommt noch, daß wir eben in die Feÿertäge kommen, wo wir etwa den Heiligen Tag an einem guten orterl zu bringen, und die übrigen Täge auch nicht weit lauffen werden._____Ich werde nicht ermangeln an S:e hochfürstlichen Gna=den unsern gnädigsten Herrn meinem unterthänigsten Glückeswunsch einzusenden, und bitte Ihro hochwürden und Gnaden dem herrn BeichtVatter solches zu melden, und uns alle zu Gnaden gehorsamst zu empfeh=len._____Die Messe, so am 7. decemb: vom Wolfgangl beÿm P: Parhamer in Ge=genwart des Kaÿserl: Hofes aufgeführt worden, und wobeÿ er selbst den Tact ge=schlagen hat, dasienige, was die Feinde durch Verhinderung der opera zu verderben gedacht, wieder gut gemacht, und hat den Hof und das publicum, da der Zulauf erstaunlich war, der Bossheit unserer Wider=sacher überführet. das umständlichere werde mündlich melden. Nichtwe=niger ist ein schönes present von S:r Maje=stätt der Kaÿserin erfolget. Wir hofen sie werden sich alle in bester Gesundheit befinden, so wie wir, Gott lob, gesund sind. Wenigst sagt es mein Schnei= der, welcher alle meine Beinkleider oben um 4. finger, und auf den zwo seÿten herunter beÿderseits einen daumbreit herauslassen, die Vesten aber mehr als eine stehende Mannshand hat erweitern müssen, und ich meine Stifel nun unten zusammgeschoben, wie die alten teutschen Ritter, tragen muß, indem sie nicht mehr über die Waden herauf zubringen sind. Der Herr von Schittenhofer, der uns flei=sig besuchet, hat auch ein dergleichen Schick=saal. Er wird hier starck und dick. das letzte Schreiben hat uns von einer ohnmöglich zu errathenden Hochzeit Meldung gethann. So erstaunt wir alle darob wa=ren, so fand ich mich doch ein bischen dar=ein, wenn es doch noch sollte zur Richtig=keit kommen: denn wenn man so lange sich besinnet, so ist ein sicherer Wanckelmuth zu beförchten. Das der artige herr hoch=zeiter eine junge gewehlt, kommt mit seinen Reden über eins, er sagte allzeit, daß, wenn er diesen entsetzlichen Streich, sich zu ver= ehelichen, unternehmen sollte, er eine junge wie David sich zulegen werde. Selbst das Verhängniss hat seine Pratzen in diesem Wercke: denn als die Madaimoisselle Braut gebohren wurde, hatte unser Breu=tigamm just ein halbes Sæculum. Welcher Zufahl! war dies nicht ein Vorbedeutniß? die 2. Vestalische Jungfern im 2. Stock wer=den sehr wohl damit zu frieden seÿn. Die Begebenheit schmeichelt ihrer Rangssucht und Stoltze, indem die Bruders Tochter die älteste HofRathsfrau wird. Und sie darf nichts bessers |: jungers :| haben, gut genug! Eine Gnade! Sie kann zufrie=den seÿn! ja, ja, eine Gnade, daß sie bekommt was die andere vor 20. Jahren nicht geachtet. Haben die 2. doch gar nichts! Herr Verwalter wird wohl bedacht seÿn, die Braut wo nicht zur universal Erbin des Herrn Brauterers zu machen, oder wenigst solche mit einer fetten Mor=gengabe, und einem ansehnlichen Wittib=_________________________________________________sitze sitze zu versorgen. Dann ist der Con=tract richtig, und alles zu frieden, denn die Madamoiss:le Cæcilia wünscht eine Frau zu seÿn. Das arme Kind! Der Mann wird lange leben: er liebt er=schröcklich die Dietam. Er wird seine Ge=sundheit genauest in allen Sticken beobach=ten um sein goldnes Vließ lange bewah=ren zu können. Noch eins, wissen sie die hauptursach warum herr von Gschwendt=ner sich zu verehlichen Entschlossen hat? Nach 30. Jahren sahe er sich genötigt ein neues galla Kleid anzuschaffen; allein er wusste keine wahre Ursache dazu. Er Entschloß sich demnach zu heÿrathen um eine Ursach zu haben. Oder wird er gar etwa im alten Kleid Hochzeit machen? wir empfehlen uns alle. _____Die allerliebste Frau Hagenauerin ist gehorsamlich gebethen uns mit Holz zu ver=sehen, und eine dienstmagd werden wir auch wieder haben müssen, wenn wir an=ders nicht selbst Feuer anmachen und p:p: alles andere, zur Unterhaltung, selbst thun wollen. Alles was die Frau Hagenauerin thun wird, ist wohl gethann, und wenn sie auch ein recht schönes Mensch aufnehmen sollte: denn meine Frau ist gar nicht Eÿfersichtig.