Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
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2011-05 CC BY-NC-SA 4.0 https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=731 A-Sm A-Sm: Internationale Stiftung Mozarteum, Bibliotheca Mozartiana. Salzburg (AUT) last file update: Wed May 11 14:48:08 2022
LEOPOLD MOZART AN MARIA ANNA MOZART IN SALZBURG BOLOGNA, 24. MÄRZ 1770
__________________________________________________________________________________\hfill Bologna d 24 Martij 1770 Heute sind wir in Bologna angelangt, und auch dein letztes schreib, so wir auf der Post alda gefund; weil es h: Troger nebst einig and Brief, die uns Se: Ex: Gr: Firmian nachgeschickt, dahin übermacht hat. wir sind Gott Lob, gesund, und leb der Hofnung, Gott werde uns gesund erhalt. wir werd über 4 täg nicht hier verbleib: eben so in Florenz etwa 5 od 6 täg. folglich sind wir mit Gottes Hilfe in der Charwoche längstens Dienstags od Mittwochs in Rom, und sehen sicher die Functiones am Grünen Donerstag p: p: Ich habe von Parma aus an S:e Ex: Obersthofmeister geschrieb, und mich so wohl weg d Gnad, die wir im Firmianisch hause genoss, bedanket, als auch gebett Sr: hochf: gd zu hinterbring, daß d Wolfg: die opera in Mayland schreib solle, und um die Erlaubniß zu bitt. Heute habe von hier mit dieser Post an Se: Hochf: gd geschrieb, mein gehors: unterthst Glück=wunsch zum höchst Wahltag abgelegt, und gleichfals weg d opera um die Erlaubniß gebett. Erkundige dich demnach, ob diese beyd Briefe richtig angelanget sind, od nicht. Die Scrittura, od der schriftliche Contract ist schon gemacht, und geg einand ausgewechselt. Es komt demnach nur auf die Erlaubniß S:r Hf: Gd an. Der Contract ist im Graf Firmianisch hause gemacht word, und bekom wir 100 Cigliati und freÿe Wohnung. die opera fängt in den Weinachtfeÿrtag an. die Recitativ müss im october nach Mayland geschickt werd, und den 1 Novemb: müss wir in Mayland seÿn, daß der Wolfg: die Arien schreibt. die prima und 2da Dona sind La Sgra. Gabrielli und ihre Schwester. der Tenor ist il Sgr: Ettore. dermahl il Cavaliere Ettore, weil er ein gewiss ord tragt. der primo huomo und die übrig sind noch nicht bestimt, Es kan seÿn, daß Manzoli singt. die Sgra Gabrielli ist in ganz Italien als eine erstaunliche Hochmütige Närrin bekannt, die, nebst dem, daß sie all ihr geld verschwendet die närrischeste Streiche macht. wir werd sie auf dem DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 Weege in Rom od Neapel antreffen, sie komt von Palermo; und dann werd wir sie wie eine Konigin ehren und recht hoch erheben, mit diesem kan man sich in grosse Gnad setz. In Parma hat uns die Sgra Guari oder so genannte Bastardina od Bastardella zum speis eingelad, und hat uns 3 Arien gesung. daß Sie bis ins c Sopraacuto solle hinauf sing, war mir nicht zu glaub moglich: allein die ohr hab mich dess überzeuget. die Passagen die der Wolfg: aufgeschrieb, war in ihrer Arie, und diese sang sie zwar etwas stiller als die tiefern Töne: allein so schön, wie ein octavin pfeif in einer Orgel. kurz! die triller und alles machte sie so, wie es der wolfg: hat aufgeschrieb, es sind die näml: sach von Not zu Not. nebst dem hat sie eine gute alt tiefe bis ins g. Sie ist nicht schön, doch eb auch nicht garstig, hat mit d Augen zu zeit ein wild Blick, wie die Leute, die der fraiß unterworff sind, und hincket mit einem fuß. sonst hat sie aber eine gute Aufführung, folglich ein gut Caracter und gut Nahm. Se: Ex: Gr: Firmian hat dem Wolfg: eine Tabattier in goldgefasst verehrt und in derselb 20 Cigliatj. Wir hab die Saildanzer mit den Hund in Mantua spiel seh, und itzt sah wir sie in Parma. Ich hab imer vergess es zu schreib, daß d primo Uomo von den welschen comœdiant, die in Salzb. war, mit dem Seccatore in Verona war. Ich wuste aber nichts davon. Sie kam sehr späth in unser wirthshauß eb den abend ehe wir von Verona abreiset, und zwar eb, da ich den Cameriere bezahlte. der alte Seccatore nahm, beÿ erblickung eines Salzb: Duccatt, selb in die Hände und Küsste das Portrait sagend: daß ist mein vatter, der uns grosse gnad erwiesen p: Die Prima Dona, des Seccators frau, ist gestorb, und zwar in Verona. der h: Troger schreibt uns heut, daß er vonn Marcobruni benachrichtet word, daß der h Meisner in Rom angelangt. wir hoff ihn also alda zu seh. dieser Abbate Marcobruni ist djenige, den du als Collegiant gut gekannt hast. Er wird mir ein privat quartier bestell. DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 hier ist der theuerste Ort, den wir noch in Itali angetroff hab. Wir wohn freylich dal Pelegrino, im best Wirtshause; hab aber auch die Ehre alle tag ein duccatt zu bezahl. Es ist um so mehr alles hier gestieg, weil mehr volk in d Statt ist als sonst vor einig Jahr. nur Jesuitt sind über 1000 der verjagt hier. Lebet wohl! mich freut, daß die Nanerl fleisig ist. Sing soll sie aber mehr nicht, als sie glaubt, daß ihrer Brust nicht schädlich ist. Meine Empf: an alle freunde und freundin. Wir Kiss euch beÿde Millionmahl. addio ich bin dein alter _________________________________________________________________\hfill Mzt mp Du schreibst vom h: Wolf, aber nichts vom Schwarzkopf DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 À Madame Madame Marie Ane Mozart à Salzbourg N:o 14 aus Bologna. DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881