Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart
Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family
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LEOPOLD MOZART AN MARIA ANNA MOZART IN SALZBURG
NEAPEL, 19. MAI 1770
mit Beilage von Wolfgang Amadé Mozart an Maria Anna (Nannerl) Mozart
___________________________________________________________________________\hfill Napoli 19 Maggio 1770.
Mein letztes aus Rom unter dem 2t Maÿ wirst du richtig erhalt hab. Mir ist
leid, daß ich dich so lange ohne Briefe lass müss, und ihr werdet in nicht gering Sorg
unterdess gewes seÿn. wir sind den 8t Maÿ in Gesellschaft dreÿer ander Sedien,
oder 2 sitz wäg um 10 uhr vormittag von Rom abgereist, hab zu Marino im
Augustiner Closter ein kleines Mittagmahl um 1 uhr genom, und sind den 11t nachts
zu Sessa abermahl in einem augustiner Closter über nacht wohl Bewirthet word,
und am 12t Mittags in Capua beÿ den PP: Augustinern angelangt, in der
Meinung abends in Neapel zu seÿn. allein es fügte sich, daß eb den Sontag darauf
nämlich den 13t die Einkleidung einer Dame in demjenig kloster vorsich geh sollte,
wo einer meiner Reisegefert P: Segarelli vor einig Jahr beichtvatter war.
Er sollte also dieser Einkleidung beywohn, und er bath uns auch alda zu verbleib;
wir sah also diese Einkleidung, die sehr prächtig war, und wozu ein Capellmstr
samt 3 bis 4 wag virtuos den 12t abends noch anlangt, und gleich durch
Sinfoni und einen Salve Regina dieser Feyerlichkeit den Anfang macht.
Alle diese Virtuos wohnt in dem näml: Augustiner kloster. du kanst dir also
leicht einbild, daß wir denselb abend späth schlaff gegang. die Einkleidung war
aber am Sontage darauf erst um 12 uhr Mittags, od viellmehr das Amt, dan die
ganze Sache endigte sich geg 3 uhr. Ausser den Cavalliers und Damen, so die
nächst freunde war, war niemand zu der Tafel in dem Frau Closter
eingelad als wir 2. alles zu beschreib wäre nicht möglich. am Montage schlief
wir bis 10 uhr, und nach dem Mittagess fuhr wir nach Neapel, wo wir abends
beÿzeit anlangt. wir wohnt 2 nächte in einem Hause so dem Closter d Augustiner
à S: Giovani Carbonaro zugehörte, Nun sind wir in einer Wohnung, wo wir monatl:
4 duggatt unseres geldes od 10 duccati d'argento bezahl müss. Wir sind gestern
nach Portici gefahr um dem Minister Marchese Tanucci aufzuwart. Morg
werd wir wiederum hinausfahr. wir hatt gest abscheulich reg, und sehr frische
Luft. wir hab unsere schön düchene Kleid in Rom gelass, und hab unsere 2 schöne
gallonierte Somerkleider anleg müss. des Wolfg: seines ist Rosenfarber
Moar, doch von so besonder farb, daß es in Itali Colore di fuoco od feuer=farb genännt wird: mit silbern spitz, und Liechthimelblau gefüttert.
Mein Kleid ist eine Art von Zimetfarb, ein piquierter florentinerzeug,
mit silbern spitz und Apfelgrün gefüttert. Es sind 2 schöne kleid, die aber,
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bis wir nach Hause kom, wie die alt Jungfern ausseh werd. gestern abends besucht
wir den Englisch gesandt Hamilton (unsern bekannt aus London), dess frau
ungemein rührend das Clavier spielt, und eine sehr angenehme Person ist. Sie zitterte,
da sie vor dem Wolfg: spiel sollte. sie hat ein kostbar flügl aus Engelland
vom Tschudi, mit 2 manual und die Register mit einem Pedal um solche
mit dem fuß abzuzieh. wir fand Mr: Beckfort und Mr. Weis bekannte aus
Engelland alda. den 16t hab wir beÿ h: B: Tschudi |: der zu Salzb: war :|
gespeiset. Er hat mir an S:e Ex: Gr: Spauer und alle gute freunde seine Empf:
und sondheitl: dir und der Nanerl alles erdenkl: zu schreib aufgetrag. Er hat
unzählige mahle, sondheitl: beÿ unserem Eintritte und fortgeh geküsset, und
uns in all Gelegenheit seine Dienste angetrag. Vorgest begegnet wir auf
der strasse den Mr: Meuricovre aus Lyon, der uns aller Ort suchte,
an uns auch ein Billiet samt seiner addresse im August: Kloster Ließ,
und uns endlich von ungefähr antraf. Er gieng mit uns in unsere wohnung
und führte uns dan in sein Haus. wir sollt morg beÿ ihm speis, allein, da wir
morg nach Portici fahr müss, so kan es nicht seÿn. Er Empfehlt sich euch all
von Herz. Er stehet hier mit einem in Compagnie: beÿde hab mir ihre dienste
in all Vorfallenheit angetrag. du wirst dich wohl noch erinern. ein brunetter
junger Mensch; der das Italliänische Lied mit den Brill auf d Nase dem Wolfg:
oft hat sing müss. wie Lange wir hier verbleib werd, weis dir noch nicht zu
sag. ich habe keine andere wahl, als 5 woch od 5 Monate. Ich glaube aber
5 woch. doch komt alles auf die Umstände an.
als ich am Tage S: S. Philipi und Jacobi in der Kirche der hl: hl. Aposteln
in Rom das Hochamt hörte, sahe ich ein bekanntes Gesicht vor mir steh.
Er näherte sich; und wer war es? – – es war unser ehemahliger
bedienter Porta. Er war sauber gekleidet, gespitzte dätzln, eine goldene
uhr. pp: Er war in Corsica mit den französ: trupp. den and tag
kam er mir seine Dienste anzutrag, eb da der h: Meissner angelanget.
ich bedankte mich und gab ihm kein gehör. frag nur h: Meissner, er hat
ihn gesehen. Der Kerl ist ein avanturier.
Bedaure die Zufälle d Fr: Adlgasserin von Herz, ich hoffe sie wird sich wohl
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befind meine Empf: an beÿde. Die de amicis empf: sich samt ihrer Mutter,
brud p: dir und der Nanerl:
da wir den Articul weg dem Miserere geles, hab wir alle beÿde hell lach müss.
Es ist dessweg gar nicht die mündeste sorge. Man macht and orts mehr
daraus. ganz Rom weis es; und selbst der Pabst weis es, daß der wolfg:
das Miserere geschrieb. Es ist gar nichts zu beförcht: es hat ihm vielmehr grosse
Ehre gemacht, wie du in kurzem hör wirst. du sollst absolute den
Brief aller ort les lass, und solches S:r Hf: gd zu wiss mach.
wen die Portrait gut getroff sind, so magst du ihm zahl, was du wilst.
Nun muß ich schliess, dan wir müss zu Kays. gesandt gr. v Kaunitz.
Lebt wohl, wir küss dich und die Nanerl 1000 mahl u ich bin dein alter
___________________________________________________________________________________________\hfill Mzt mp
Hofe Dein Catharr wird längst vorüber seÿn.
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À Madame
Madame Marie Ane
Mozart
à
Salzbourg
N:o 21 aus Neapel.
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_____________________________________________________________\hfill il 19 maggio
________________________________________________________\hfill neapel. __________1770
___________________________Cara sorella mia.
alla vostra lettera non saprei veramente rispondere, perchè non
avete scritta niente quasi. i Menuetti del sig: Haiden vi man=derò quando avrò piu tempo, il prìmo gia vi Mandai. ma
__Dieses verstehe ich nicht__Du__hast mir geschrieben
dflolo vlrotlul fcu nfcut, dh umot afr glocurflbln
sie______wären___gestohlen_________hast__du sie etwa
ofl wmrln glotsumiol Alnhlt, umot dh ohl ltwm
___gestohlen___oder wie?
glotsueln, sdlr wfl?
vi prego di scrivermi presto,
e tutti i giorni della posta. io vi ringrazio, di avermi
mandato questi Rechenhistorien, e vi prego, se
mai volete aver mal di testa, di mandarmi ancor
un poco di questi künsten. perdonate mi che scrivo
si malamente, ma la ragione è perchè anche io hebbi
un poco mal di testa. den zwölften Menuet von
heiden den du mir geschickt hast gefählt mir recht
wohl, und den Bass hast du unvergleichlich darzu
Componirt, und ohne mindisten vehler, und ich bitte
dich probiere öfter solche sachen: die mama soll
nicht vergessen, die flinten, alle beede puzzen
zu lassen: schreibe mir, wie es den h: Canari geht,
singt er noch? pfeift er noch? weist du warum ich
auf den Canari dencke? weil in unsern vorzimer
einer ist, welcher ein gseis macht wie unsrer. apropos,
der h: Johanes wird wohl unsern gratulations Brief
empfangen haben, den wir haben schreiben wollen,
wen er ihn aber etwa nicht empfangen hätte, so
werde ich ihms schon selbsten mündlich sagen zu Salz=burg, was darinen hätte stehen sollen. gestern
haben wir unsere neüe gleider das erstemahl angezohen,
wir waren schön wie die engeln, ich fürchte aber, wir
werden weiter nichts schönes mehr nach haus bringen.
addio leb wohl, an d' nandl meine empfehlung, und sie
soll fleissig betten für mich. ich bin
__________________________________________________\hfill Wolfgang Mozart mp
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den 30gsten wird die opera anfangen, welche der Jomèlo Componiert.
die königin und den könige haben wir unter der Mess zu
porteci in der hofcapeln gesehn, und den fesufius haben
wir auch gesehen: neapl ist schön, ist aber vollkreich
wie wien und paris. und london und neapl in der
impertinenz des volks, weis ich nicht, ob nicht neapl
london übertrift, indem hier das volk, die lace=roni ihren eignen obern oder haupt haben,
welcher alle monath 25 ducati d'argento
von könig hat nur die laceroni in einer ordnung zu hal=ten. beÿ der opera singt die Deamicis, wir waren
beÿ ihr, und sie hat uns gleich gekent. die zweÿ=te opera Componiert Càfaro, die 3te Cìcio de màjo,
und die vierte weis man noch nicht. gehe fleissig
ins Mirawell in die liteniaen, und höre das Regina
cœli oder das salve regina, und schlaf gesund, und
las dir nichts böses träumen. an h. von schiden=hofen meine grausaume empfehlung, tralaliera,
tralaliera, und sage ihm, er sol den Repetiter
menuet auf den Clavier spiellen lernen, damit
er ihm nicht vergessen thuet, er soll bald
dar zu thuen, damit er mir die freüd thuet
machen, das ich ihm einmahl thue accompagnieren.
an alle andre gutte freund und freündinn thue
meine empfehlungen machen, und thue gesund
leben, und thue nit sterben, damit du
mir noch kanst einen brief thuen, und ich hernach
dir noch einen thuen, und dan thuen wir immer
so vort, bis wir was hinaus thuen, aber
doch bin ich der, der will thuen bis es
sich endlich nimer thuen läst,
inzwischen will ich thuen bleiben
_____________________________________\hfill Wolfgang Mozart