Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
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2011-05 CC BY-NC-SA 4.0 https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=750 A-Sm (S.1-4); Verbleib unbekannt (S. 5-6; Nachweis: J. A. Stargardt, 1.-2.3.1977, Katalog 61, Nr. 774) last file update: Wed May 11 14:48:09 2022
LEOPOLD MOZART AN MARIA ANNA MOZART IN SALZBURG NEAPEL, 5. JUNI 1770 mit Beilage von Wolfgang Amadé Mozart an Maria Anna (Nannerl) Mozart
__________________________________________________________________________\hfill Neapel d 5t Junij 1770 Dein Schreib vom 18t Maÿ habe richtig heut d 5t Junij erst empfang. Nun wird dein Catharr wohl hofentl: vorbeÿ seÿn. Es nimt nücht sehr wunder, dan erst seit 8 täg habe angefang das dicke flanel=Leibl abzuleg und ein dineres mit dem Barchet Ermeln zu nehm, und trage noch 2 Hemd: und den 3t Junij habe angefang zu fusse in einem seiden Kleide auszugeh. Es war auch hier noch imer Morgens und Abends sehr kalt, und den 2t Junij ein erschrecklicher Reg und Risel=wetter, diese Witterung ist für Neapl etwas sehr fremdes. Nun wirst du auch meine 4 vorig Briefe aus Neapl in Händ hab. Unser Concert ist sehr gut abgeloff; von Hof kan dir noch nichts schreib. die Principessa da Francavilla hat uns auch ein schönes present gemacht, und wir hab zu noch ein paar kleinigkeit Hoffnung. du wirst übl zufried seÿn, daß ich dir unsere Einahme nicht umständlicher schreibe. Ich thue es darum nicht, weil man in Salzb: nur die Einahm ansiehet, und auf die Ausgaabe nicht denket, ja wenige, und sehr wenige sind die wiss was Reisen kostet. Es wird dir genug seÿn, daß wir an nichts, Gott lob, mangel hab, was imer uns nothwendig ist unsere Reis mit aller Ehre fortzusetz. Eines der schönsten sach ist der tägliche passeggio, wo die Nobesse in einig hundert Kutsch alla Strada nuova e al Molo abends bis nach Ave Maria spatzir fährt. die Königin fährt öfters mit, aber alle Sontage und feyrtägs gewiß. da diese spazierfarth am Meer ist; so schiesset man auf den schiff, wen die Königin mitfährt, und rechts und Links halt die Kutsch stille, und grüss die Königin, wen sie durchfärth. DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 so bald es ein wenig abend ist, werd beÿ all Kutsch die Flambos angezindet, um eine Art von Illumination zu mach. da wir täglich mitfahr und allezeit durch ein Herrschaftl: Wag bedienet werd, so habe allezeit 2 Flambos, namlich der bedient von d Herrschaft, so uns bedient, hat seine Flambo und der unser seine. das ist aber kein grosser unkost, indem die Flambo hier sehr wohlfeil sind und manche Kutsche mit 4 Flambos so 4 lauffer trag bedient wird. S:e M: die Königin grüsset uns allezeit mit ganz besonder freundlichkeit. Am Pfingst=sontage war wir beÿm gross Ball den der Französ: Gesandte, weg d Vermehlung des Dauphin gabe. Wir war durch 2 Billets dazu eingelad. Mein Entschluß ist noch imer d 16 mit dem Procaccio, od glaublicher, wen ich eine gewisse Sedia bekome, d 20 mit S.r E: dem Kaÿs gesandt gr: Kaunitz per posta nach Rom zu geh. Was den h: Otto in Franckfort betrift, hättest du aus meiner Nota, die ich in Salzb: dir zurückgelass, ersehn, daß ich ihm mehr nicht als 12 Bücher der Violinschule geschicket habe. und aus seinem Briefe, und der darin stehend Be=rechnung hättest du sehn, daß er beÿ Einsendung der 18 f 26 xr die 12 bücher bezahlt hat, folglich ist kein Anstand ihm 15 bis 20 St: zu schick. Allein wie? das weis ich nicht. herr Wallner kan einige 12 St: vielleicht unter der Zeit pack p: od wen er komend herbst reiset. INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 Es ist aber in dieser klein Berechnung ein fehler von 2 f, die h: Otto mir noch zahl muß. mit nächst werde ein klein briefl an ihn beÿschlüss. Ich kisse dich und die Nanerl 1000 mahl und bin dein alter __________________________________________________\hfill Mzt mp An alle in und ausserm Hause alles erdenkliches! Ich glaube gern daß es dir Lustiger beÿ uns wäre, und kan mich nicht genug wundern, daß in Salzb: alles Theuerer wird. Man denkt halt in Salzb: gar nicht daran, daß, wen sich das Sÿstema in einer Sach ändert, man darauf bedacht seÿn muß auf einer andern Seite ein Systema zu formir, so das ganze in seinem nötig gleichgewicht erhält. Es läst sich auf ein klein fleck Papier nicht schreib. und was würde es helfen? DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 À Madame Madame Marie Ane Mozart ___________à pr: Mantova____Salzbourg N: 25 aus Neapel. DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 __________________Cara sorella mia. Heünt raucht der vesuvius starck, poz bliz und ka nent aini. haid homa gfresn beÿm h: Doll, des is a deü=tscha Compositeur, und a brawa mo. anjezo begin=ne ich meinen lebenslauf zu beschreiben. alle 9 ore, qualche volta anche alle Dieci mi sveglio, e poi an=diamo fuor di casa, e poi pransiamo d'un tra=tore, e Dopo pranzo scriviamo e di poi sortia=mo e indi ceniamo, ma che cosa? – – – – Al giono di grasso, un mezzo pullo, overo un piccolo boccone d'un arosto, al giorno di magro, un piccolo pesce, e di poi andiamo à Dormire. est ce que vous avez compris? redma dofia Soisburgarisch don as is geschaida. wia sand got lob gsund, do Voda und i, ich hoffe du wirst dich wohl auch wohl befinden, wie auch die mama. se viene un altra volta la sig: alouisia de scitenhofen fatte da parte mia il mio com=plimento. neapel und Rom sind zweÿ schlaff=stätte, a scheni schrift, net wor? schreibe mir, und seÿ nicht so faul, altrimenti averete qual=che bastonate di me. quel plaisir! Je te casserai la tête. Ich freue mich schon auf die portrait, und i bi corios wias da glaich siecht, wons ma gfoin, so los i mi unden Vodan a so mocha. mädle, las da saga, wo bist dan gwesa, he! gestern waren wir in der compagnie mit den h: meuricofre, welcher sich dir und der mama empfehlt. Die opera dahier ist von Jomelli, sie ist schön, aber viel zu gescheid, und zu alt=vätterisch fürs theatro, die De amicis singt unvergleichlich, wie auch der aprile, welcher zu mailand gesungen hat, die tänze sind Miserabl pompos, das theatter ist schön, der könig ist grob neapolitanisch auferzohen, und steht in der opera allkeizt auf einen schämerl, damit er ein bissel grösser als die königin scheint, die königin ist schön und höflich, indem sie mich gewis sechsmahl in molo (das ist eine spazierfahrt) auf das freündlichste gegrüsset hat. die herschaften geben uns alle abend ihren wagen mit ihnen in den molo zu fahren. sontag sind wir auf den ball eingeladen worden, den der französisch gesandte gegeben hat. mehr kan ich nicht schreiben, an alle gutte freünd und freündinen mein Compliment, leb wohl p:s:_________________kus meinen handschus an die mama.________________________\hfill Wolfgang Mozart mp ______________________________________\hfill den 5 Juni 1770