Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart
Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family
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Ulrich Leisinger
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US-NYpm (S. 1-4); Verbleib unbekannt (S. 5; Abschrift von Georg Nikolaus Nissen: A-Sm)
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LEOPOLD MOZART AN MARIA ANNA MOZART IN SALZBURG
BOLOGNA, 21. JULI 1770
mit Nachschriften von Wolfgang Amadé Mozart an Maria Anna und Maria Anna (Nannerl) Mozart
Jahn T. 139
__________________________________________________________________\hfill Bologna d 21t Julij 1770
Mein und des Wolfgangerl Glückwunsch zu Deinem und der Nannerl
Nahmenstage komt zwar spät, aber hoffentl: noch in der Octav. du wirst dires
wohl so eingebildet hab, da du gewust hast, daß wir auf der Reise sind.
ich nahm mir zwar vor unter weegs zu schreib; allein der Brief würde nach
Venedig und von da erst vielleicht gar über Wien nach Salzb: gelauf seÿn.
_________________________________________________zum Namenstage
Wir gratulier euch hiemit beÿde von Herz und wünschn euch die Gesundheit, vor
allem aber die Gnad Gottes, sonst hab wir nichts nötig, daß übrige findet
sich alles. Wir sind den 10 Julij abends um 6 uhr von Rom mit einem Vetturino
abgereist, die ganze Nacht ohne schlaff fortgefahr und morgens um 5 uhr in Civita
Castellana angelangt, aldort chioccolate getrunk, uns aufs Beth geworff
bis 10 uhr geschlaff, dan in der Domkirche eine hl: Mess gehört, nach derselb
hat d Wolfg: auf der Orgel gespielt, dan hab wir Mittag gespeiset, uns
wied ein paar stunde schlaf gelegt, und geg halbe 5 uhr abends abgereist.
wir sind aber nur die erste Tagreise die ganze Nacht gefahr aus vorsorge
weg der Malaria. die übrig täge sind wir allezeit morgens um 3 od 4 uhr
morgens ausgefahr, bis etwa 8 uhr od 9 uhr, dan sind wir geblieb bis
abends um 4 uhr und wied bis 8 od 9 uhr in die Nacht gefahr. übrigens war
dieses eine der mühesamst Reis die ich gemacht habe. theils weg des wenig und
unterbrochn schlafes, theils weg der unglaubl menge des ungezifers der
flöhe und wanzen, die auch ein ganz ermüdet Cörper nicht schlaff lass,
sonderheitl: aber weg meinem fuss, welcher, ob er gleich zimlich gut war,
durch die beständige Erschütterung des fahrens nicht nur wied offen geword, sond
unt so sehr aufgeschwoll, daß der waden und untere theil in einer grösse war.
ich konnte also meine gänge nicht mach und muste mich begnüg alles überhaupts
nur zu seh und mehrentheils bedacht seÿn mein fuss, so oft wir anglangt auf
das Beth zu leg. Es traf eb auf d 16t, daß wir unsere Andacht in Loretto
macht. ich habe 6 Glöckl. und verschiedene ande Sach gekauft. NB nebst Reliqui
bringe ich auch ein heil: Kreuz Particul v Rom mit.
CA
zu Sinegaglia hab wir den h: Brinsechi angetroff, weil itzt der berühmte
jahrmarkt alda ist, den wir auch in augenschein genom, und der würdig
zu seh ist. die ganze Seeküste von Loretto bis Rimini ist mit soldat
und Sbirri besetzt, der etwa 150, 200, auch 300 schritt von
einand allzeit ein piquet stehet, so wie auch an der höhe ein und
ander Berge, um zu verhindern, daß die Seerauber nicht anland,
und die reisend beunruhig kön. davon werde dir seiner Zeit mehrers
erzehl kön. den 20t sind wir hier morgens um 8 uhr angelangt,
nämlich gestern. meine erste Sorge war den ganz tag auf dem Beth zu
bleib, wo ich auch gespeist, so wie heut; und nun ist der fuß augenscheinlich
besser und die Geschwulst fast alle weg; mit nächster Post werde dir mit
der hilfe Gottes den fortgang der Besserung meiner Haxen schreib könn.
S:e Ex: graf Pallavicini hab gestern und heut den geistl: Hofmeister des
jung h: graf zu mir geschickt, mir Doctores und Chirurgos angetrag, ich habe
mich für diesmahl bedanckt, da ich es, gottlob, nicht nötig habe. S:e Ex.
haben mir ferner sein Wagen und alles, was wir nothwendig hab, angetrag.
den Wag habe acceptiert, so bald auszugeh gesünet bin: und wir werd
uns hier etwas lange aufhalt, weil nicht weiter gehe, bis der fuß nicht
vollkom gut ist. ich würde aus Rom nicht gegang seÿn, wen es nicht weg
der anwachsend gefahr d Hitze und übl Luft nothwendig ge=wesen wäre: und beÿ diesem allem sind zu iedermans Verwunderung noch
imer die Morg und abend nicht nur frisch sond so kalt gewes, daß wir
die Nacht, die wir von Rom aus nach Civita Castellana gefahr, unsere Peltz
über unsere Mantl angelangt um uns für d Kälte zu schütz; und in
Sinegaglia sind wir in der frühe um 8 Uhr mit dem Peltz am leib
hineingefahr. Es war unser glück, daß wir die Peltz nicht konnt in
das Coffre bring. ganz Itali verwundt sich über dieses Wetter.
seit 2 täg fängt es erst an recht warm zu werd.
Wen der Wolfg: so fortwächst, so wird er zimlich gross nach Hause kom.
das düchene neue kleid, so zu Salzb: gemacht word, wird er nächst winter
nicht mehr trag, es war die Veste letzt winter schon zu klein.
Lebt beyde wohl. ich küsse euch beyde und bin dein alter
____________________________________________________________________________\hfill Mozart mp.
Ich gratuliere der mama zu dero namensfest, und wünsche das die
mama noch möge viel 100 Jahr leben, und imer gesund bleiben,
welches ich imer beÿ gott verlange, und bette alle tag und werde
alle tag fleissig für ihnen beÿde betten. Ich kan ohnmöglich mit
etwas aufwarten, als mit etlichen loreto glökeln und kerzen
und häubeln, und flöhe, wenn ich zurückkome, inzwischen lebe die
mama wohl, ich küsse der mama 1000 mahl die hände und verblei=be bis in doth
____________________________ihr getreüer sohn
______________________________________________\hfill Wolfgang Mozart mp.
____________________________Cara sorella mia:
Io vi auguro, che i dio vi dia sempre la salute e vi lasci vivere
ancora cento ani, e vi faccia morire quando avrete mille ani.
spero, che voi impararete meglio conoscremi in awenire,
e che poi ne giudicarete, come ch'egli vi piace. il tempo
non mi permette di scriver molto: la pena non wale un corno,
ne pure quello che la dirigge. il titilo dell'opera che hò da
comporre à Milano non si sà ancora. addio.
\newpage
An ganz Salzb: und sondheitl: an die Mariandeln
unser Compt:e
schreibe nur imer nach Bologna.
Die 2 unglückl: histori der, die in ihr Rechnung um
einige ziffern zurück geblieb, wundert mich nicht sehr.
mich wundert vielmehr, daß man, da man beyspiele hat,
nicht fleisiger nachsiehet. wie kan es anders seÿn? –
kleine besoldung! grosse Krüge! und lange durchzüge!
durch hast geschrieb, daß d h: Meissner angelangt u mit
dir gesproch: allein du schreibst mir nicht wo er sich so
lange aufgehalt? – ob es wahr, daß er krank gewes? –
unser Compt. an ihn.
[... (Briefabschriften)]
Ich habe die Tausend und eine Nacht
in italiän. Sprache von unsrer Hausfrau zu Rom schenken
bekommen: es ist recht lustig zu lesen.
[... (Briefabschriften)]