Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
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LEOPOLD MOZART AN MARIA ANNA MOZART IN SALZBURG MAILAND, 27. OKTOBER 1770 mit Nachschrift von Wolfgang Amadé Mozart an Maria Anna (Nannerl) Mozart
________________________________________________________________________________________________________\hfill Milano 27 d'ottobre _______________________________________________________________________________________________________________________\hfill 1770. Mein erstes Schreib vom 20t diss aus Maÿland wirst du erhalt hab. den nämlich Posttag habe auch an Se: Hochf: Gnad geschrieb. gieb mir Nachricht, ob Se: Hochf: Gd: solch erhalt hab, du wirst sond Zweifl solches bald erfahr. wir sind Gott lob ge=sund, und da imer starkes Regenwetter ist, sind wir wenig aus dem Hause gekom. die Spangioletta, die du in Lyon geseh, ist hier, und wird diesen Carnevale in Verona recitier. sie sagte uns, daß der Tenor aus Deutschland kom werde, und beÿ einem Hofe ohnweit Baÿern in dienst stehe: komt vielleicht h: Meisner hin? dan ich weis daß er das Theater in Verona hätte hab könn; vermuthe folglich daß er es ist. schreibe es mir gleich. wir werd, wen Gott will, nach dem halb Jener von hier abreis und über Brescia, Verona, vicenza, Padua nach Venedig geh, um aldort das End des Carnevals, der heuer sehr kurz ist, zu seh, und dan einige accademi in der fast zu hören, welches, wie mir alle sag, die beste Zeit ist um sich zu producier. Es ist mir nur Leyd, daß wir alsdan eine schmutzige und vielleicht auch gefährliche nach Hausreise hab werd, indem durch die gebürge wen der schnee abgehet es im frühjahr nicht lustig zu reis ist. noch habe ich imer im kopfe durch Carnth herauszugeh, den tyroll habe nun schon geseh, und ich habe keine freude den weeg zweymahl zu mach, wie die Hunde, wen es nicht die Noth erfordert. Ich lasse entzwisch die 2 Herr Johan und Joseph Hagenauer bitt sich zu erkundig, ob ich nicht an einem sichern Ort in Venedig eine privat wohnung hab könnte. ich werde mich sicher in Brescia, Verona p: und all dies Ort etwas weniges aufhalt, um im Vorbeÿgeh die opern zu sehen, und folglich erst im februario, ja vielleicht erst in den erst tägen der Woche nach Lichtmeß in Venedig eintreff. Herr Hafner, dem mich schönstens empfehle, hat mir versproch uns nach Venedig Briefe zu schick. wen er solche geb will, kann man sie voraus an ein freund nach Venedig lauff lass, damit ich solche alda finde, den es wäre unötig solche nach Mayland spatzier zu schick. h: Misliwetscek hat uns in Bologna, und wir ihn öfter besucht, er hat sich des h: Johannes Hagenauer, und ganz natürlich des h: Cröner öfters erinert. Er schrieb ein Oratori für Padua, das er nun wird fertig hab; und dan gehet er nach Böhm. Er ist ein Ehrenman und wir hab vollkomne freundschaft mit einandgemacht. unsere Wohnung hier ist nicht weit vom Theater und bestehet in einem gross Zimer mit einem Balcon und 3 fenster. In diesem Zimer ist ein Camin. das schlafzimer ist ebenso gross, mit 2 gross fenstern, ohne Camin. folglich, wen wir nicht verfrier, so sind wir sicher, das wir nicht stinckend werd; den wir hab Luft genug. das Bett ist 9 gute Mansspane breit. Nun hab wir zimlich weit in die Grafl: Firmianische behausung: allein es ist nothwendig, daß wir itzt nahe beym Theater sind. Wir wünsch euch beyd gute Gesundheit, und absondlich auch wohlfeilere Zeit, da du mir imer die traurige Nachricht giebst, daß alles theuerer wird. was wird es dan endlich mit Salzb: werd, wen man nicht auf Mittel denket eine gute Polliceÿ einzuricht? beÿ so klein Besoldung werd wir mit der Zeit nichts als bettler seh. die arm Hofbedient hab kaum den hunger zu still, und da ihre Kind nichts lern, weil die Mittl fehl, so wachs sie als Müssiggeher auf, und die Statt wird in Zeit von 20 Jahr mit einer Menge unützer Leuthe voll seÿn, die im Elend leben und so wohl dem Hof als dem ganzen Publico zur Last sind. Man wird in wenig Jahr, ja von jahre zu Jahre seh, daß ich die Wahrheit rede. Wen man alles will heurath lass, und eine Statt bevölker will, so muß man zum voraus schon wiss, wie man diesen Leut Arbeit und folglich zu leb giebt. Eine Statt mit Bettler zu bevölkern, ist ganz was leichtes. Arbeit, und Verdienst muß man ihn verschaffn; dan ist die bevölkerung gut. und mir scheint es nicht unmöglich; obwohl Salzb: sehr eingeschrenkt und lincks und rechts eingesperrt ist. Man muß in solchem falle auf etwas bedacht seÿn, das man im Land selbst verbrauch kan: aber auch das product im Lande hab._____ Wir küss euch 100000000 Mahl und bin Dein alter ___________________________________________________________________________________________________________\hfill Mozart mp Ist die Zezische Lotterie zu stande gekom? – – __________________________________Allerliebste schwester! Du weist daß ich ein grosser schwäzer und auch als derJenige dich verlassen habe, Nun verlege ich mich aber mehr auf das deüten, indeme der sohn von haus stum und gehörlos ist, von Natur aus schon. Nun habe ich zu schreiben für die opera es ist mir von herzen leid daß ich dich wegen der verlangten Menuetti nicht be=dienen kan, doch wen gott will auf ostern vieleicht wirst du sie samt mich selbsten bekomen. mehr kan ich und weis ich nicht zu schreiben, dan neües giebt es nichts. lebe wohl, und bette für mich. Meinen handkus an die mama, und an alle meine bekante meine Empfehlung, und ich bin wie allzeit dein bruder ____________________________________________________________________________________\hfill wolfgang Mozart mp. À Madame Madame Marie Anne Mozart ____________________à par Mantova________Salzbourg N: 45 aus Meÿland